6 # 1 it 11 39 Einzelpreis 6.- Mk. Die reibett" erscheint täglich einmal als Morgenausgabe und Wlontage als abenbausgabe mit den Unterhaltungsbeilagen Freie Belt" Frauen- Welt" und Der Jugend- Genoffe". Der Bezugspreis beträgt bei freter Bustellung ins Haus für den Monat September 150 ml., im voru aablbar entellungen nehmen fämtliche Boftanftalten entgegen. Fernsprecher: Sanfa 1970, 1971 und 1972. Amt Moabit 2021. Redaktionssekretariat: Dönhoff 5593. Berlag und Exped. Berlin NW 40, Kronprinzenufer 27, L. Freitag, den 1. September 1922 5. Jahrg. Nummer 319 Die wolfgespaltene Ronbareillezeile oder beren Raum toftet 25,-. einschließlich Inferatensteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte ort 4 m., jebes weitere Wort 3,- M. einschließlich Inferatenftener. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gefuche 16, M. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: das fett gebrudte Wort 8,- m., iebes weitere Wort 2,- m. Redaktion: Fernsprecher Dönhoff 4190, 4191 and 4192 Berlin SW, 68, Ritterstr. 75, III, greibeir Berliner Organ der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Das Moratoriumsgesuch abgelehnt Die Entscheidung der Reparationskommission ist| gefallen. Weder Frankreichs Pläne noch die deutschen Gegenvorschläge wurden afzeptiert. Dagegen fand der belgische Vorschlag Annayme, die bis Ende 1922 13 fälligen deutschen Zahlungen durch Schatzwechsel zu decken. Damit ist Deutschland für die nächsten Monate von Barzahlungen, aber nicht vom Devisen ankauf entbunden. Die Devisenjagd geht, wenn vielleicht auch etwas gedämpft, weiter. Die Unsicherheit der Lage bleibt bestegen. Es ist selbstverständlich, daß Deutschland nicht um die Annahme dieses Kompromißbeschlusses herumkommt. Um so weniger, als gleichzeitig die Drogung aufgefahren wird, daß im Falle der Ablehnung Frankreich von allen Alliierten die Zustimmung zu Sondermaßnahmen erhalten würde. Der Beschluß läuft also im wesentlichen auf eine Vertagung hinaus. Daß eine derartige Ruhepause" nicht zu der unerläßlichen Entlastung Deutschlands führt, liegt tiar auf der Hand. Besteht die Entente nach Ablauf der Lauffrist der Schahzwechsel auf deren Einlösung, ist ein weiterer fatastrophaler Zusammenbruch der Baluta unabwendbar. Selbstverständlich ist jedoch auch, daß Deutschland alle Kräfte ansezen muß, die Reichsfinanzen in Ordnang zu bringen, um vor aller Welt darzutun, daß es seinen Erfüllungswillen nach Kräften betätigt. In einer Beziehung ist der Beschluß vielleicht doch nicht als völlig abwegig zu betrachten. Allgemein, auch in Frankreich, beginnt man einzusehen, daß die Politik der Gewalt der sich unerbittlich durchsetzenden ökonomischen Tendenzen nicht Herr wird. Es ist zu hoffen, daß dieser Klärungsprozeß auch in den vor uns liegenden nächsten Monaten nicht zum Stillstand kommt, so daß sich mit Abschluß des Jahres neue Verständigungsmöglichkeiten zum Besten aller durch den Krieg und das Wirtschaftschaos der Nachkriegsseit hart geschlagenen Länder findet. 叫 11 8 e tite, ben, ceis. irch nder äde. Cauft ben ran Softe clus Lauft Prei ener ibel abra vald, 53. Breis fnet. 78. der In der Stille werden. auch sicher die Pläne einer deutsch- französischen Wirtschaftsverständigung Großindustriellen hüben wie drüben weiter verfolgt werden. Die deutschen Großindustriellen haben bereits große Neigung zu solcher Verständigung an den Tag gelegt. In welcher Richtung sich deren Assichten bewegen, haben wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe gezeigt. Auch in französischen industriellen Kreisen beginnen solche Pläne an Boden zu gewinnen. Welche konkreten Formen diesen Tendenzen entspringen werden, ist, da man nur die Auffassungen einzelner deutscher Großindustrieller kennt, nicht vorauszusehen. Auf jeden Fall hat aber auch die Arbeiterschaft auf der Hut zu sein. Die Industriellen fennen feine Rücksichten auf Allgemein-, geschweige denn auf Arbeiterinteressen. Sie sind sich sicher, bei einer Beteiligung der Industriellen aus den alliierten Ländern nicht zu kurz zu kommen. Sie hoffen weiter, die Lasten der Erfüllungspolitik auf die Nichtbesitzenden abwälzen zu können. Hier haben die Parteien des Proletariats alle Hebel anzusetzen, Einfluß auf die Gestaltung der Dinge zu gewinnen. Bei der nötigen Geschlossenheit liegt es in ihrer Macht, die Bäume der Reparationsgewinnler nicht in den Himmel wachsen zu lassen. Die Entscheidung der Repko ( EP.) Paris, 81. Auguft. Die Vormittagssigung der Rearationsfommission dauerte von 10% bis 12% Uhr. Die tommission beschäftigte sich mit dem deutschen Moratoriumsgefuch für einen Zahlungsaufschub bis Ende des Jahres 1922. Ueber die Verhandlungen ist das größte Geheimnis gewahrt worden. Es verlautet aber, daß der Kommission drei verschiedene Anträge vorlagen: ein französischer, der die Gewährung des Moratoriums an die Verpfändung der staat: lichen Wälder und Gruben bindet, ein englischer, der die Gewährung des Moratoriums von einer verstärkten Finanzfontrolle abhängig machen will, und ein belgischer, der dis Moratorium gegen die Ausstellung langfristiger Wechsel gewähren will. ( EE.) Paris, 31. August. Die Reparationskomission einigte sich in der heutigen Nachmittagsfißung, nachdem sie bas deutsche Stundungsgeinch mit zwei gegen zwei immeu sowie den Antrag Bradbury auf Bewilligung des Morato tiums und Einführung einer strengen Finanzkontrolle mit brei gegen eine Stimme abgelehnt hatte, einstimmig an den belgischen Kompromißantrag, wonach die nächsten deutschen Zahlungstermine bis Ende des Jahres 1.22 durch Schatzwechsel gedeckt werden solle. Die Sigung war um 7,15 Uhr beendet.. Die ersten Vormittags- und Nachmittagssigungen waren durch private Besprechungen ausgefüllt. Vor der Nachmittagssizung hatte der Präsident der Reparationskommission Dubois eine Unterredung mit Poincaré in dessen Privatwohnung. Für Beurteilung der Stimmung ist vielleicht folgende Darstellung wichtig, die der Intransigeant" von den Verhandlungen vor der offiziellen Abstimmung gibt. Danach hatte man nach der Vormittagssigung immer noch eine gewisse Hoffnung, zu einem einstimmigen Beschluß zu gelangen. Der italienische und belgische Vertreter hatten sich auf folgendes Programm geeinigt: Das Deutsche Moratorium wird abgelehnt, und zwar mit den belgischen und französischen Stimmen gegen die englischen und italienischen. Sodann aber würde mit drei Stimmen bei Stimmenenthaltung von Dubois beschlossen werden, daß Deutschland in diesem Jahre 270 Millionen Goldmark zu bezahlen hätte. Deutschland sollte ermächtigt werden, diese Zahlungen in Schabwechseln zu erlegen, die nach sechs Monaten fällig sein sollten. Diese Angelegenheit würde von Belgien direkt mit Deutschland geregelt werden. Andere Garantien würden Belgien gegeben werden, falls Deutschland nicht in der Lage sein sollte, die Wechsel am Verfalltage einzulösen. Ferner hat Deutschland den übrigen Alliierten Garantien zu geben, hauptsächlich Verträge hinsichtlich der Holz- und Kohlenlieferungen und die leberweisung von 50 Millionen Goldmark als Garantie für die pünktliche Durchführung der Lieferungen. Eine Ablehnung dieser Bedingungen durch Deutschland würde den Beschluß zeitigen, daß eine absichts liche Verfehlung Deutschlands vorliege, worauf Poincaré die Zustimmung aller Alliierten zu Sondermaßnahmen gegen Dentschand erhalten würde. Was von Deutschland gefordert wird ( WTB.) Paris, 31. Auguft. Nach dem gemeldeten BeReparationskommission schluß über das Moratoriumsgesuch Deutschlands nahm die folgende Entschließung an: einstimmig Die Reparationskommission beschließt über das neue Moratoriumsgesuch vom 12. Juli 1922, berücksichtigt dabei, daß Deutschland jeden Kredit nach innen und außen verloren hat und daß die Mark auf drei Tausendstel ihres Wertes gefallen ist und entscheidet: 1. Die Reparationskommission verschiebt den Beschluß über das Gesuch, wie es von Deutschland gestellt wor= den ist, bis sie den Plan einer radikalen Reform der öffentlichen Finanzen Deutschlands fertiggestellt hat, der folgendes vorsieht: A) Gleichgewicht des Budgets, B) für den Fall, daß die in der Reparationskommis fion vertretenen Regierungen vorher ihre Zuftims mung gegeben haben, die etwaige Herabsetzung der auswärtigen Schuldenlaften Deutschlands in dem Maße, wie eine solche Herabseßung als für die Wiederherstellung seines Kredites notwendig ers achtet werden würde, C) Währungsreformen, D) Aufnahme äußerer und innerer Anleihen unter Berücksichtigung der Konsolidierung der finans ziellen Lage. 2. Um für die Vorbereitung und Durchführung der in dem vorerwähnten§ 1 angekündigten Maßnahmen die notwendige Zeit au schaffen, wird die Reparations: kommission als Begleichung der Barzahlungen, die am 15. August und 15. September 1922 fällia find und falls nicht in der Zwischenzeit andere Vereinbarungen getroffen worden find. als Bealeichung der barauf fol: renden Barzahlungen, die zwischen dem 15. Oktober und dem 15. Dezember 1922 fällig werden, deutsche Schakbonds mit sechsmonatiger Laufzeit. zahlbar in Gold, annehmen, Bonds, die mit Garantien ausges stattet find, über welche die deutsche Regierung und die Gegen die Preisgabe Oesterreichs Anfang September wird der Völkerbund sich mit Niemand der Notlage Desterreichs beschäftigen. weiß, woher der Völkerbund irgendwelche Rettung bringen faun. Die Londoner Konferenz drückte sich um Rettungsmaßnahmen herum. Die„ Wiener Arbeiterzeitung" nimmt in sehr bemerkenswerten Ausführungen Stellung zu der Crientierungsreise des Bundespräsidenten Seipel. Diese Ausführungen werfen zugleich ein eigenartiges Schlaglicht auf das Treiben der bürgerlichen Kreise in Desterreich. " Selbst wenn man," schreibt die Wiener Arbeiterzeitung", alle Enttäuschungen vergessen will und allen Optimismus zusammennimmt, wird man von der Aktion des Völkerbundes höchstens eine Aushilfe erwarten dürfen; daß die Kredite so ausfallen könnten, daß sie Desterreichs dauernde Lebensfähigkeit zu sichern vermöchten, wird nur derjenige„ hoffen", der sich eigener Pflichten nicht bewußt ist. Von dem nun, müßte, um unsere Selbständigkeit zu behaupten und was in Desterreich selbst geschehen könnte, geschehen unsere Lebensfähigkeit zu sichern, ist bei Herrn Dr. Seipel überhaupt teine Rede mehr. Er kennt nur noch eine Alternative: entweder übernimmt die Entente durch ausgiebige Kredite selbst die Rettung, oder aber Desterreich gibt sich preis, sozusagen jedem, der es haben will. In Wien, erklärte der erstaunliche Seipel, werde inzwischen nämlich solange der Völkerbund nachdenkt, alles vorgekehrt werden, um die Ents scheidung des Völkerbundes, wenn sie günstig ausfällt, durchzuführen" oder aber die anderen Wege einzuschlagen." In dem Bewußtsein des Herrn Dr. Seipel haben wir eigentlich schon aufgehört, ein selbständiger, ja überhaupt ein Staat zu sein: wir werden entweder durchführen, was der Völkerbund heischt oder uns der Macht übergeben, die geneigt ist, über uns das Protektorat zu übernehmen. Gewiß soll man sich um ausländische Kredite bemühen, denn sie würden uns das Rettungswerk natürlich sehr erleichtern. Aber retten tönnen wir uns nur selbst; und ein Volk, das nicht fähig und nicht bereit wäre, zur Behauptung seines Daseins die letzte Kraft aufzubieten, das wäre ja die Selbständigkeit und Lebensfähigkeit gar nicht wert. Die traurige Wahrheit ist, daß die besißenden Klassen unseres Staates, dessen eigentlichstes Unglück eben das mangelnde Staatsgefühl seiner besitzenden Klassen ist, diese Kraftanstrengung scheuen, der Republik wirklich Opfer verweigern; und die noch traurigere Wahrheit ist, daß Herr Dr. Seipel diese Weigerung der besizenden Klassen sozusagen zur Staatsdoktrin erheben möchte und also ohne jede innere Beschämung den Grundfaz verkündet, daß Desterreich einfach vom Ausland zu retten sei, wobei ihn nicht einmal der Gedanke stört, daß mit derlei Grundsäßen die Sabotage, die die Republik von den besitzenden Klassen erfährt, nur noch verstärkt wird. Immerzu redet der Herr Bundeskanzler von der Selbsthilfe, die Oesterreich unter seiner glorreichen Regierung bereits vollbracht habe. Deshalb muß festgestellt werden, daß alles, was die Herren Seipel und Segur als Selbsthilfsaktion bezeichnen, einfach unerfüllt geblieben ist. Für die Notenbank, mit der sie am 15. August beginnen wollten, sind noch heute die bescheidensten Vorbereitungen nicht geschehen; im Gegenteil, durch die perfide Weigerung der zwei ausländischen Banken, die zwar alle Vorteile des Be triebes in Desterreich genießen, dessen Verpflichtungen aber nicht auf sich nehmen wollen, schwebt sie in der Luft. Die Zwangsanleihe, deren Zweck es war, das weitere Papiergelddrucken überflüssig zu machen, ist belaische Regieruna. für die die Barzahlungen bestimmt durch das blödsinnige Mantelgesetz verzögert und ver= find, fich einigen werden und, falls keine derartige Ber: einbaruna zustande kommt, garantiert werden durch Devoniernna von Gold bei einer auswärtigen Bant, zu deren Wahl Belaien seine Zustimmuna aibt. Japan räumt Wladiwostok. Der Vertreter der russischen Sowjetrepublik in China Jefe benachrichtigte die Moskauer Regierung, daß Japan beschlossen habe, im Monat Septem ber das Süstengebiet und die Stadt Wladiwostok zu räumen. trödelt worden; statt daß sie die Inflation aufgehalten hätte, ist sie durch die Juflation schon vorweg um die Wirkung gebracht. Die neuen Steuern, die dem Staate, der seine Ausgaben valorifieren muß, nene Einnahmen verschaffen sollte, dürfen, weil die englischen Geldgeber der An, lobant gegen das be= schlossene Bankstatut Einspruch erhoben haben, nicht eingehoben werden. außenpolitische Lage und insbesondere die Verhandlungen zu unterrichten, die in Berlin zwischen der Reichsregierung und Mitgliedern der Reparations tommission geführt wurden. Im Anschluß an den Vortrag des Reichskanzlers machten die Minister Schmidt und Brauns ergänzende Mitteilungen. Nach furzer Aussprache wurde, da abschließende Ergebnisse aus Paris noch nicht vorlagen, die Fortsetzung der Besprechung auf heute vertagt. Aber jeder versteht, daß nun noch anderes und 1 und der Unabhängigen Sozialdemokraten, um fe aber die mehr getan werden muß, daß man versuchen muß, mit den Goldmitteln, die der Staat besitzt, in die Balutenturse Bresche zu legen, und daß fein Opfer als zu groß befunden werden kann, um das Loch im StaatsHaushalt zu verstopfen, weil das ständige Papiergelddrucken nunmehr feder als das räuberischste Cpfer erkennt, das der Staat den Massen des arbeitenden Volkes auferlegt. Was nun jeder weiß und jeder erkennt, das weiß und erkennt die Regienung nicht, Das preußische Kabinett gegen Wucher deren ganze Weisheit eben das Warten auf das Ausland geworden ist. Einem Desterreich, das sich aufraffen würde, daß bereit wäre, alles daran zu setzen, um seinen Staatshaushalt in Ordnung zu bringen, dem würden die ausländischen Kredite nicht versagt werden. Ein Desterreich aber, das die Hände in den Schoß legt und wartet, bis von auswärts jemand tommt, um es zu retten, eben das Seipelsche Desterreich, wartet natürlich vergebens. Ohne Zweifel soll Desterreich andere Wege gehen, nämlich andere, als sie der Herr Seipel geht, der von Desterreichs Selb= ständigkeit spricht, ohne für die echte und wahre Selbständigkeit des Staates, der ihm anvertraut ist, das bescheidenste Gefühl zu haben. Nur diese Gefühllosigkeit konnte zu dem Gedanken führen, der den Herrn Dr. Seipel jetzt anscheinend ganz erfüllt: daß sich Desterreich, wenn die Kredite ausbleiben, Italien hingebe, daß Desterreich mit Italien eine Zoll- und Münzunion abschließe, was, um es aus dem Wust von Redensarten zu lösen, nichts an deres wäre, als daß dieses deutsche Land eine italienische Provinz würde. Nun wollen wir davon gar nicht reden, welche Aussicht der Seipelsche Königs gedanke in Italien haben mag, und ob es zulässig set, und Teuerung Der preußische Ministerpräsident Braun hat zu morgen eine Sigung des preußischen Kabinetts einberufen, die ausschließlich der Besprechung der wirtschaftlichen Gesamtlage und der zu ergreifenden Maßnahmen gegen Teuerung und Wucher dienen soll. Der Reichskanzlerbrief an Lerchenfeld Wolffs Telegraphenbüro veröffentlicht iebt den Brief des Reichsfanglers Dr. Wirth, der am 20. August an den bayerischen Ministerpräsidenten geschickt wurde, Der Brief enthält im großen und ganzen dasselbe, was bereits in dem Vereinbarungsprotokoll( siehe Freiheit" vom 25. August) mitgeteilt wird. Zunächst wird in dem Reichsfanglerbrief über die Rückfragen und Anregungen der Vertreter der bayerischen Regierung bei den Besprechungen mit der Reichsregierung gesagt, daß die Errichtung eines bayerischen Senats anstelle des zugesagten süddeutschen unannehmbar bleibt. Die beteiligten Landesregierungen werden aber bei Ernennung der Mitglieder mitmirfen und Banern selbst fann drei Baienrichter und eine entsprechende Zahl bayerischer Reichsgerichtsräte ernennen. Der Senat hat die Freiheit, feinen Sib felbit zu bestimmen, er fann also auch in Süddeutschland tagen. Bei Begnadigungen, für welche der Heute auf der wehmüthe den Twarzweißrotew Adler, ebenso die Herren Hauptmann Walter, Leuts nant Stein, sowie die Oberschüßen Bambach. Gertner,& röger, Ulrich, Sartmann und unte der ersten, Oberschüße Schlegel und Roth der vierten und Schüße Meinide der dreizehnten Kompagnie. Feldwebel Risse hat auf seiner Stube das Bild des Ertaisers hängen, darunter das Bild des Reichsprästecus ten Ebert in der Badehose. Ferner hängen noch auf verschiedenen Stuben schwarzs weißrote Fahnen und Kaiserbilder. Im Kameradschaftsheim findet man nur rechtsstehende Zeitungen, die die Maßnahmen der Regierung ins LächerLiche sieben. Statt daß diese Zeitungen verboten und dafür Blätter mit einwandfreien Artiteln beschafft würden, unterstützt diese Sache auch noch der Herr Bataillons tommandeur, Herr Oberstleutnant Hahn, indem der Herr Oberstleutnant die Zeitungen noch selbst beschafft." Das tollste Im Schreiben wird dann noch Beschwerde geführt, daß Lieder wie: Heil dir im Siegerfranz" und Stolz weht die Flagge schwarz- weiß- rot" an der Tagesordnung find. Ganz offen geben Angehörige der Regimenter zu, daß die Reaktion marschiere und Wir die Republik stürzen". aber ist, was auf die Beschwerdeschrift folgte. Der Haupts mann Schinnemann ließ die. Unterzeichner zu sich tommen. Der Gefreite Schulz gab auf die Frage, ob er das Schreiben aufgesetzt habe, das ohne weiteres zu. Sofort wurde er verhaftet und in Arrest geführt, wo er jett bereits überacht Tage fist. Die Staatsanwalts schaft, die gegen Schulze prozessieren sollte, lehnte das ausdrücklich ab. Schulze aber wurde weiter in Arrest behalten. Die übrigen Soldaten, die mit unterschrieben haben, werden jetzt fortgesett mit Degradierung und Zuchthaus bedroht. An der Spite der Reichswehr aber steht nach wie vor der Demokrat und Republikaner Geßler, der den Monarchisten in der Reichswehr bestätigt, daß ihr Schild rein ist und jeden, der das zu bezweifeln wagt, als Lügner hinstellt. auf ein paar beiläufige Redewendungen des italieni füddeutſche Senat zuständia isſt, wird ſich der Reichspräsident Dr. Hermes wird nicht Außenminister mit Landesregierungen Benehmen jeben. Bayern erhält beim Reichsanwalt einen besonderen Referenten für banerische Angelegenheiten. Alle Vergeben von der Erledigung durch den Staatsgerichtshof auszuschließen, geht nicht an. Die gewünschte Berücksichtigung der bayerischen Gesichtspunkte bei der Aburteilung oder Ueber weliuna an die Länder ist aber gewährleistet. Eine Einwir fung auf Entscheidung in Verwaltungsfachen wird weder der Reichsregieruna noch einer Landesregierung zustehen. Der Reichskanzler definiert dann noch die beiden Beariffe Gefahr im Verzuge" und bringendites intereffe des ganzen Reiches", versichert wiederholt, daß die Sobeitsrechte der Bänder nicht berührt werden sollen und schließt mit den bemerkenswerten Worten: Die außenpolitische Lage hat durch die Entiendung von Mitgliedern der Reparationsfommisfion nach Berlin eine besondere Gestalt angenommen. Es wird der Geschloffenheit der ganzen Nation bedürfen, wenn morgen in die Besprechungen mit den Abaesandten der Reparationsfommiffion eingetreten wird. Ich darf daher der Hoffnuna Ausdruck geben, daß die zwischen dem Reich und Banern schwebende Aegelegenheit nunmehr auch formell im Ministerrat durch Aufhebung der banerischen Verordnung ihre abschließende Regeluna findet, nachdem Ihre Serren Vertreter mir zugefaat baben, den obigen Erklärungen austimmen und für ihre Annahme eintreten au wollen." schen Ministers hin, die nur deshalb nicht glattweg ablehnend ausgefallen sein mögen, weil es dem Italiener doch schmeicheln muß, wenn sich das Stammland" jener Habsburger, die es Jahrhunderte als Geisel Jtaliens walten gesehen hat, nun ihm geradezu zu Füßen legen will, ob es also zulässig fei, auf diese Bemerkungen hin die ganze Entscheidung zuzuspizzen; aber was soll man zu dem Kanzler der Republik sagen, der keine andere Bemühung mehr fennt, als nur noch die, Desterreich in eine Abhängig keit zu führen, die der organischen Entwicklung dieses Staates den Weg unwiderruflich versperren würde? Man kann da nur eines sagen: daß ein Bundesfanzler, der für Desterreich nur noch Möglichkeiten sieht, von denen jede uns weg von der Selbständigfeit, uns weg von der Möglichkeit der Verbindung mit Deutschland führen würde, ein Unglück ist. Was wir in Desterreich brauchen, ist die Entschlossenheit, die sich durch nichts davon abbringen läßt, alles, was an Kraft und Energie vorhanden ist, daranzuwenden, das fressende Geschwür im Staatshaushalt zu be= feitigen, in den verwahrlosten Staatshaushalt endlich Ordnung zu bringen. Mit unbeugjamem Nachdruck unternommen, würde das Unternehmen auch gefingens Herr Seipel aber? Er war der letzte Minister der Monarchie und sein Ehrgeiz ist nun anfcheinend, der letzte Minister der Republik zu werden. Aber es gibt in Desterreich noch genug Menschen, die die Republik lieben und sich dagegen zu wehren wissen werden, daß sie von Seipel an den Meistbietenden verlizitiert und verschachert wird." Die Parteiführer beim Reichskanzler Der Reichskanaler empfing gestern nachmittag im BeiFein der sämtlichen in Berlin anwesenden Reichsminister Führer der Reichstagsfraktionen der deutschnationalen Volfspartet, der deutschen Volkspartei, der Demokraten, deß Bentrums, der bayerischen Volkspartei, der Sozialdemokraten Drahtlose Telephonie Elf Jahre sind verstrichen, seit zum ersten Male der Gesang Carusos auf den unsichtbaren Schwingen der drahtlosen Telephonie von der Metropolitan Opera in Newyork durch den Aether in meilenweite Fernen getragen wurde. Ein neues technisches Wunder war damit der Menschheit geschen.t, ein Wunder, das in seiner umfassenden Bedeutung bei uns noch kaum gewürdigt worden ist. Denn während in der neuen Welt die drahtlose Telephonie während des letzten Jahrzehntes geradezu riesenhafte Fortschritte gemacht hat, während in Amerifa Menschenwit und Scharfsinn geweit eifert haben, unserem Zeitalter ein neues, föstliches Kulturgut nahezubringen, hat in Europa der Aberwis blindwütiger Berstörung furchtbar gehaust und namentlich Deutschland durch denverlorenen Krieg auf eine Stufe der Entwicklung zurückgeschraubt, die mindestens um eine Generation hinter der Entwicklung herhinft, deren sich in technisch- fultureller Hinsicht heute die neue Welt erfreut, Es war Das Prinzip der Telephonie ohne Draht war zwar schon vor länger als elf Jahren gelöst; aber die technische Durchführbarkeit scheiterte anfangs an der überaus geringen Stärke der durch die elektrischen Wellen in den Raum ge= tragenen Töne. Eine äußerlich unscheinbare Erfindung mußte erst gemacht werden, die, wie das Mikroskop dem Auge, dem Ohr die leisen Töne vermittelte, au deren Aufnahme das menschliche Hörorgan allein nicht imstande war. im Jahre 1908, als der Amerifaner Dr. Lee de Forest den Tetector, iene fleine Verstärkerröhre erfand, die unter dem Namen„ Audion" heute in Amerika jedermann längst bekannt ist. Es ist ein winziger Apparat, nicht größer als eine Glühbirne, die mit der Hand umschlossen werden Fanu, und in sich drei Elektroden befinden. Das Wunder nstrument hat die Eigenschaft, die schwachen, drahtlos übermittelten Signale so au verstärken, daß sie mit größter Deut lichkeit und in ihrer natürlichen Intensität durch den Empfangsapparat abgehört werden können. Anfangs war das Intereffe der Fachkreise für die Verstärkerröhre merkwürdi gerweise sehr gering; dem Erfinder blieben Enttäuschungen nicht erspart, und der flingende Erfolg war so gering, daß de Forest. der sofort Patente in allen Kulturländern genommen hatte, nicht mehr imstande war, seine Auslands patente weiter au bezahlen. So mußte er auch das deutiche Patent verfallen laffen, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als unter Verzicht auf die wirtschaftliche Sicherung seiner Erfindung an seinen deutschen Vertreter zu schreiben: Dier ist eine Gabe eines amerikanischen Erfinders an das Deutsche Reich". Deutschland hat freilich bisher von dieser Cabe nur in beschränktem Umfange Gebrauch gemacht, und Geßlers Reichswehr Serr Geßler hat vor furzem einen Aufruf an feine Reichswehr ergehen lassen, worin er betonte, daß ihr Schild blant fei und worin von Bügenpropaganda gegen die Reichswehr" gesprochen wurde. Vielleicht beruht auch der folgende Fall auf„ Lügenpropaganda": Im Reichswehrregiment 18( Paderborn), bekannt durch seinen provokatorischen Parademarsch durch Kassel am Tage der Reichstrauerfeier für Walter Nathenau, haben etwa 60 Reubitfaner eine Beschwerdeschrift gegen die monarchistischen Treibereien in ihrem Regiment unterzeichnet, aus der wir folgendes mitteilen wollen: Am 27. Jamar 1922 wurde in der Senne bet Paderborn des früheren Kaisers Wilhelm II. Geburtstag gefeiert. Sierbei nahm Teil u. a. Feldwebel Niffe von der ersten Kompagnie. Beim Verlauf der Feier ließ genannter Feldwebel die Monarchie hochleben. Riffe trägt noch nur in der drahtlosen Telegraphie sowie im Ferntelephon verfehr ist die Verstärkerröhre bei uns nusbar gemacht worden. Man kann sagen, daß das Audion, wie es drüben allgemein genannt wird, geradezu eine sprunghafte Fortentwidlung der Kultur in Amerisa verursacht hat. In einem Land von so ungeheurer Ausdehnung, wie es die Vereinigten Staaten find, müssen naturgemäß weite Streise des Voltes, die nicht das Glück haben, in oder nahe bei den großen Städten zu wohnen von den meisten fulturellen Errungenschaften der Menschheit fernbleiben; fie müssen auf fast alles das verzichten, was, vom reinen Naturgenuß abgesehen, die Schönheiten des Lebens ausmacht. Millionen von Farmern im Innern des Landes, die hunderte von Meilen von der nächsten Großstadt entfernt wohnen, haben kaum jemals Gelegenheit, einen Kunstgenuß in sich aufzunehmen, ein Theater zu sehen, das diesen Namen verdient, ein Konzert oder eine Oper zu hören. Ihnen bringt heute die drahtlose Telephonie hundert Dinge, die sie früher nur vom Hörenfagen tannten, bis in das entlegenste Blockhaus, und es gehört dazu nichts, als eine fleine Rahmenantenne und ein Audion, das jeder für vielleicht 20 Dollars erstehen fann, um abends in aller Behaglichkeit an all dem teilzunehmen, was hunderte von Meilen weit im Getriebe der Weltstadt vor sich geht. In einem Kreise von Fachleuten berichtete dieser Tage der befannte Funfingenieur Dr. Sigmund Loewe von der fabelhaften Ausdehnung, die die drahtlose Telephonie während der letzten Jahre in Amerika erfahren hat. Sunderte von Fabriken beschäftigen fich heute schon mit dem Bau der Apparate, und der jährliche Umias diefer Industrie hat bereits die Söhe von 600 Millionen Dollars erreicht, eine Summe, die man im beutigen Martwert taum auszudenken vermag. raft fede Tageszeitung hat heute eine Radiobeilage oder mindestens dafür eine besondere Rubrif. Allein die Verbreitung der Programme erfordert eine Flut von Druckschriften; denn die Gesellschaften, die sich mit der drahtlosen Verbreituna von Worten und Klängen befaffen, find in ihren Darbietungen von nicht zu übertreffender Vielseitig eit. Ja. die Zeitungen wetteifern geradezu in der Verteilung der Aufnahmeapparate, um ihren Inhalt bis in die entLegenfte Blockhütte des Urwaldes oder der Steppe zu tragen. So haben beispielsweise dte New York Times" nicht weniger als 30 000 Empfangsapparate gratis an das Publikum abgegeben. In jedem Barbierladen hängt an der Wand das„ Audion", aus dem dem Kunden von den besten Vortragskünstlern die neuesten Wise erzählt werden, während er eingefelit im Lehnstuhl fist. Diese Vortragsfünftlet mußten sich erst eine besondere Technik der Deflamation aneignen, weil sie, gewohnt, vor einem großen Auditorium au Auf Nachrichten aus französischen Blättern ist hier das Gerücht entstanden, daß die Neubesetzung des Postens des Außenministers durch Reichsminister Dr. Hermes unmittelbar bevorstehe. Wie die„ Dena" dazu erfährt, tann eine Henderung im Kabinett nicht eher in Frage tommen, als bis die allgemeine politische Lage eine Klärung erfahren hat und auch dann erst nach Rücksprache mit den Parteiführern. Vorläufig haben sich aus der Zusammenlegung der Geschäfte des Außenministers mit denen des ReichsLanglers durchaus teine Schwierigkeiten ergeben, sondern es hat sich vielmehr gezeigt, daß die Zusammenlegung der beiden Aemter eine bessere Homogenität der Politif ge zeitigt hat. Falls sich über furz oder lang überhaupt eine Besprechung über die Besetzung des Ministerpostens des Auswärtigen notwendig erweisen sollte, so wird die Deffentlichkeit darüber rechtzeitig Näheres erfahren. Auf jeden Fall tommt für den Posten des deutschen Außenministers nur ein Berufsdiplomat in Frage. Soll etwa der letzte Satz die Absicht verhüllen, Hintsge richtete Politiker von der Besetzung des Außenministeriums unter allen Umständen auszuschließen? Auflösung des sächsischen Landtages Der Rechtsausschuß des sächsischen Landtags, der gestern zur Beratung der ihm vom Plenum überwiesenen Regierungs vorlage betr. das Volksbegehren nach Landtagsauflösung 811 sammentrat, sprach sich für Auflösung des Landtags aus. Die Entscheidung liegt beim Landtag, der seine nächste Sigung am 14. September abhalten wird. 300 Menschen erfrunken ( EP.) Tokio, 31. Auguft. Infolge eines Sturmes ift an 26. August der japanische Dampfer Nitafa" mit einer Besayuns niemand gerette von 300 Mann untergegangen. Es fonnte werden. sprechen, anfagns vor dem Sprechapparat nicht die rechte Resonana fanden. Es ist kein Wunder, daß in Amerika unter diesen Um ständen heute ieder kleine Junge über das Wesen der draht losen Telephonie genau Bescheid weiß. Aber auch in Eng land macht sie jest rasche Fortschritte, und um ihre Verbrei tung zu fördern, will man Apparate aegen eine fleine Lizenz gebühr abgeben. Es mögen jest 15 Jahre her sein, seit der Schreiber dieses mit einem Aprilschera von der Erfindung eines drahtlosen transportablen Telephons" die Befer foppte. Was damals ein Schera war, ist heute Wirklichkeit geworden, in einem Ausmaß, daß sich vor drei Lustren auch die fühnste Wirklichkeit nicht hatte träumen lassen. Moris Koeb. rube"( Bapaa), der am 24. Juli Köln verlassen hat und am Mebitamente für Rußland. Mit dem Dampfer'„ Karls4. August in Petersburg eingelaufen ist, hat wiederum ein großer Transport von Medikamenten im Gewicht von 310 556 Kilogramm und im Werte von etwa 870 000 Dollar Sowjet- Rußland erreicht. Diese Medifamente stammen aus Beständen der amerikanischen Beiaßungs- Armee und find auf Ermächtigung des amerikanischen Kongresies der American Relief Administration"( Hauptbüro für Deutich land: Hambura, Ferdinandstr. 56) zur Verfügung gestellt worden. Die Verteilung der Medikamente in Rukland wird in ähnlicher Weise durchgeführt wie die Lebensmittel- Ver sorgung, fei es Algemeinernährung der Bevölkeruna, iei c Lebensmittel- Bebesgaben- Versand. Von der Reniralstelle in Moskau werden die Transporte nach den einzelnen Statio 11 der Berre un tren deleitet. Die Anfunft von Mes dikamenten ist für Rußland eine dringende Notwendigkeit. Die Kranfenhauser müssen a. B. völlia neu ausgerüstet werden; u. a. hat die A. R. A. 250 000 Betten zu liefern. ait 10 Millionen Menschen erhalten Schußimpfungen aegen Boden, Cholera und Typhus: Alle an der Allgemeinen Era nähruna teilnehmenden Kinder werden aeaen Seuchen ae impft. Die große Seuchen- Sterblichkeit der lebten dret Jahre soll und muß in enetaischfter Weise befämpft werden. Tagesnotizen bon Die Große Boltsoper eröffnet ihre erste laufende Spielzeit im Theate bes Bestens am Freitag, den 1. Geptember, mit der Auffübrung Greischütz". in der Woche darauf„ Die Entführung aus dem Gerail" und" Gamfon und Am Sonntag, den 3. September, folgt dann Lohengrin" und Dalila". Der Borderlauf bat begonnen. Gine ruffiche Sunftausstellung. Das russische Kommissariat für Wiffen ſchaft und Aunit veranstaltet im Ottober dieses Jahres gemeinsam mit bem Auslandskomitet für die Sungernden in Rußland und mit unters Gelehrten, in den Räumen der Galerie van Diemen u. Co., Unter ben Linden 21, eine Ausstellung feit 1914 entstandener Werte tuflischer Aünftler. und I f t f I f f t S I 11 C 22 g Б 255R It et te m g CORRESPONDI 2 g ri Σ 674 I E b บ 144 11 Leipziger Messe Messe in Leipzig! Wer sie etwa vor zehn Jahren geJehen hat und sie heute mustert, der ist erstaunt über die riesenhafte Entwidlung, die sie genommen hat. Die alten Meßhäuser haben schon längst nicht mehr ausgereicht, um die Aussteller aufzunehmen. Es haben auf den öffentlichen Pläßen der Stadt Baraden errichtet werden müssen. Museen, Konzerthauser, Versammlungslokale dienen als Meßräume. Außerdem hat Leipzig ein riesiges Ausstellungsgebäude mit vielen Hallen, auf dem erst fürzlich das 1. Arbeiter- Turnund Sportfest stattgefunden hat. Und auf all diesen Plätzen, in all diesen Sälen und Hallen, schieben sich von früh bis spät die Massen der Einfäuser. Etwa 13 000 Aussteller sind vorhanden, die ihre Muster ausgelegt haben und auf Aufträge warten. Die Besucherzahl der Leipziger Messe dürfte diesmal die Zahl von 150 000 übersteigen. Einige Zahlen geben am besten Ausschluß über die Entwicklung der Messe. Im Jahre 1914( Frühjahr!) betrug die Zahl der Aussteller und Einfäufer insgesamt 20 000. Im Frühjahr 1922 aber war sie bereits auf 155 000 gestiegen. Ausländer waren erschienen: im Jahre 1914( Frühjahr) 4226, im Jahre 1922 ( Frühjahr) 32 000. Das Wachstum der Messe hängt mit der Verelendung der deutschen Arbeiterklasse aufs engste zusammen. Je tiefer der Reallohn des deutschen Arbeiters sinkt, desto größer ist das Verlangen der internationalen Händler nach deutschen Waren. Dank der Intelligenz der deutschen Arbeiter werden sie immer noch soweit es sich um Qualitätsprodukte handelt gut hergestellt, aber Sie werden auch gleichzeitig billig, viel viel billiger als in fast allen anderen Ländern erzeugt, und daher der Ansturmdes Kapitalismus auf die Leipziger Messe. Jm Kriege nahm diese Entwicklung ihren Anfang; heute dürfte sie ihren Höhepunkt erreicht haben, Für die fapitalistische Wirtschaft ist die Messe geradezu unentbehrlich. In der jetzigen Zeit der Teuerung werden auch die Kapitalisten gezwungen, den Zirkulationsprozeß der Warenwirtschaft so einfach wie möglich zu gestalten, um Kosten zu sparen. Und die Messe ist ein solches Mittes. Die Messe ist aber auch eine gewaltige tapitalistische Schau, die uns zeigt, auf welcher Höhe deutsche Arbeit und Technik stehen. Man muß bewundern, wie rasch die deutsche Industrie sich von der Produktion für den Krieg umgestellt hat und welche Erzeugnisse sie troß aller Schwierigkeiten auf dem Gebiet des Rohstoff- und Geldmarktes auf den Weltmarkt bringen kann. Gleichzeitig kann man hier stu= dieren, wie sich die moderne Wirtschaft immer mehr zu einer Weltwirtschaft auswächst, die einfach nicht mehr funttionieren fann, wenn einzelne ihrer Teile durch irgendwelche Eingriffe nationalistischer oder militaristischer Art lahmgelegt werden. Ebenso beweist die Messe, daß die wirtschaftliche Entwicklung zum Sozialismus drängt. Auf der einen Seite eine ungeheure Warenansammlung in den Händen einer dünnen Schicht, die im Besiz der wirtschaftlichen Machtmittel ist, und auf der anderen Seite die ungeheure Zahl von besizlosen Proletariern, die wohl all die Produkte herstellt, selbst aber vor dem Verhungern steht. Wir befinden uns deshalb vor einer umfassenden wirtschaftlichen Umwäl zung, die sich nur auf dem Boden des Sozialismus vollziehen tann, wenn der größte Teil der Gesellschaft nicht im Elend umfommen will. Die Messe in Leipzig ist ein Gradmesser für die Beschäftigung der deutschen Industrie. Erhalten alle Industrieaweige fichere und umfangreiche Aufträge, so ist für die nächste Zeit Arbeitslosigkeit in großem Maße nicht zu befürchten. Der bisherige Verlauf der Messe sagt nach der Richtung sehr wenig. Dazu sind die Geldverhältnisse zu unsicher, zu verworren. Ein großer Ansturm erfolgt ist auf die Textil- und die Lederprodukte. Das sind ausgezeichnete Spekulationsobjekte. Die Inhaber der großindustriellen Betriebe aber haben zum Teil den Einkauf in fremden Devisen verlangt, was weite Kreise der infän dischen Einfäufer gezwungen hat, Protestkundgebungen zu veranstalten. Die Arbeiter sollen veranlaßt werden, den Rohn sich ebenfalls in ausländischen Devisen auszahlen zu laffen. Zweifellos wird das valutastarke Ausland kaufen, so daß der Ausverkauf Deutschlands fortschreiten wird. Bahlreiche Industrielle Deutschlands werden auch auf die Stufe der 8 wischenmeister herabsinken. Sie werden Rohstoffe vom Ausland erhalten und die Produkte im Auftrage bestimmter Kapitalistenschichten in Deutschland Herstellen lassen. Der ausländische Arbeiter bleibt erwersLos; der inländische hat eine dauernde Hungeregistenz. Da muß der Sozialismus als Erlöser fommen. Auf der Leipziger Messe ist auch zum ersten Male So w= Jetrußland vertreten. Rußland braucht Handelsbeziehungen; es muß Waren vom fapitalistischen Markt begieben und es fann auch bereits einige Produkte abgeben. So ist auf der technischen Messe eine Rohstoffabteilung der russischen Genossenschaften vorhanden, über deren Ausstellungsraum die rote Flagge weht und deren Blatat lagt: Die Genossenschaften kennen keine Grenzpfähle. Die Genossenschaften zeigen Muster von Flachs, Hanf, Däuten, Bebern, Fellen. Der ausländische Kapitalismus wird eingeladen, Abschlüsse mit den Genossenschaften zu machen. Dann sind in einer anderen Abteilung Erzeugnisse des ruffischen Kunsthandwerks und der Hausindustrie ausgestellt.. Bir sehen Webwaren, die von den russischen Bauern hergestellt sind, und Spielwaren aller Art. So sucht Sowjetrußland Eingang auf dem Weltmarkt zu finden, den es braucht, damit seine Bevölkerung leben fann. K. M. Das Hakenkreuzlerfum in Bayern Ueber die antirepublikanische Heze in Bayern, über das provozierende Auftreten der Hakenkreuzler, die überall das Symbol ihrer Gesinnung anmalen, veröffentlicht die Berliner Volkszeitung" eine längere Korrespondenz aus Bayern. In biefer Rorrespondena heißt es am Schlusse: In einer von zahllosen Fremden aller Nationen und aller Raffen aufgesuchten, herrlich gelegenen bayerischen Stadt fiel es mir auf, daß halbwüchsige Jungen ohne irgendwelche äußere Veranlassung mit schwarzweißroten Fähnchen um den Bahnhof herumliefen und sie demonstrativ hin- und herschwenkten. Wann hat ein bayerischer Junge wohl früher eine Fahne in den alten Reichsfarben besessen and fie als Beichen seines Patriotismus" geschwenft? Das gab es einfach nicht. Jetzt wird aber die Jugend dort zu einer Farbenbegeisterung erzogen, die ihr und dem bayeri schen Bolte an und für sich überhaupt ganz fremd ist- alles ad majorem gloriam der Herabjegung der Republift " Wiederbeginn der Rathausarbeit Ernährungselend Frauendeputation im Rathaus Schnelle Arbeit der Versammlung Die Wogen der allgemeinen Erregung und verständlichen Unruhe der Bevölkerung über die verelendenden Folgen der Währungsfatastrophe brandeten natürlicherweise auch in die Sigung der Berliner Stadtväter, die gestern zum ersten Male nach den Ferien zusammentraten. Zu der brennenden Frage der Sicherstellung der Ernährung der Berliner Bevölkerung lagen einige Dringlichkeitsanträge vor. Der gemeinsame Antrag der USP. und SPD. hat folgenden Wortlaut: „ Die Stadtverordneten- Versammlung wolle beschlichen, den Magistrat zu ersuchen, mit größter Beschleu= nigung für eine ausreichende Sicherstellung der notwendigsten Lebensmittel( artoffeln, Brot, Fleisch, Ruder, Fette und Milch) sowie der Brenn: materialien Sorge zu tragen. Die fprunghaften, will: türlichen Preiserhöhungen für die Nahrungsmittel und notwendigsten Bedarfsgegenstände haben Formen ange nommen, die nur als glatter Wucher bezeichnet werden fönnen, da die Gerstellungskoften in feinem Verhältnis zu den jetzigen Preisen der Ware stehen. Der Magistrat möge daher bei der Reichsregierung dahinwirken, daß die von den Landwirten nachträglich geforderte Erhöhung der Getreibepreise als im Widerspruch zu dem i mlagegelen stehend, unterbleibt, und daß alle Maßnahmen zur wirksamen Bekämpfung des Wuchers von Erzeugern und Händlern ergriffen werden. Der Magistrat wird ferner ersucht, bei der Reichss regierung erhöhte Mittel für alle Arten der Rentner und sonstige Unterstügungsempfänger zu bes antragen. Die Versammlung ist weiter der Auffassung, daß der Magistrat vorbereiten de Maßnahmen treffen muß, um der mit Sicherheit zu erwartenden aroken„ Ar= beitslosigkeit zu begegnen." Die Magistratsvorlage über die sofortige Erhöhung der Armen- Unterstüßung um 100 Prozent wurde gegen die Stimmen der kommunisten angenommen, um die Bedürftigen wenigstens sofort in den Genuß dieser 100prozentigen Erhöhung zu seßen. Weiter gehende Anträge gingen an einen Ausschuß. Ein Antrag des Magistrats, die Gebühren für die Leihs zettel der städtischen Büchereien von 10 auf 50 Pfg. zu erhöhen, wurde dahingehend abgeändert, daß in Zukunft die Leihzettel zum Selbst kostenpreis abgegeben werden sollen. In ungewöhnlichem Arbeitseifer verabschiedeten die Stadtväter dann in Schnellzugstempo eine ganze Reihe Eleinerer Vorlagen sogar die Kommunisten verzichteten auf ihre Wald- und Wiesen- Reden Die sehr wichtige Vorlage über die Erhöhung der Wohnungsbanabgabe wurde ebenso wie die über den Verkauf städtischer Siedelungen an einen Ausschuß verwiesen. Bereits um 7 Uhr fonnte die Versammlung nach Erledigung von 60 Tagesordnungspunkten geschlosser werden. Ein unvorgesehener Ausgang Während der Sigung der Stadtverornbeten- Versamm Iung fam eine Deputation von Frauen, die von einer gestern stattgefundenen Versammlung der in den Markthallen faufenden Frauen den Auftrag erhalten hatte, schleunige Maßnahmen gegen die Teuerung zu verlangen. Die sieben Punkte ihrer Resolution entsprechen den bekannten kommunistischen Forderungen. Nach Begründung ihrer Forderungen vor den Vertretern der drei sozialistischen Parteien, legten diese the Stellungnisten es nicht unterlassen fonnte, Angriffe gegen die andern beiden sozialistischen Parteien zu richten, fennzeichnete die Absicht, die die kommunistischen Hntermänner deser von der Not gepeinigten Frauen hatten, ganz deutlich. Oberbürgermeister Boeß erklärte zu diesem und zu den aufnahme dar. Daß dabei Schumacher von den Kommu diese rage bezüglichen Anträgen, daß sich der Magistrat bereits mit den Fragen der Bekämpfung des Hungers und der Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung eingehens beschäftige. Unter dem Hinweis, daß die Beratungen erst zu Ende geführt werden müßten und andererseits auch noch Beratungen des Städtetages und des Reichsernährungsministeriums stattfinden, bat der Oberbürgermeister die Erörterung der Anträge auf die nächste Sigung zu vertagen. Nach kurzer Beratung stimmte die Versammlung der Forderung des Oberbürgermeisters zu, und zwar unter Anerkennung des Antrages unseres Genossen Dr. Serb, daß die Anträge als erster Punft der nächsten Sibung zur Beratung fommen sollen. Ein weiterer Dringlichkeitsantrag unserer Fraktion, den Arbeitern und Arbeiterinnen der städtischen Blindenanstalt infolge der außergewöhnlichen Teuerung eine Kleiderbeihilfe zu gewähren, ging an den zuständigen Ausschuß. Eine Anfrage der Kommunisten betr. Tragen von Haken= frenzen im Dienste durch städtische Angestellte und Beamte veranlaßte den Bürgermeister Ritter zu der Erklärung, daß der Magistrat nach Vorlegung von Material bereit sei, da= gegen einzuschreiten. Der Magistrat stehe auf dem Standpunkt, daß es nicht notwendig sei, während des Dienstes feine politische Gesinnung am Rockfragen zur Schau zu stellen. Das beziehe sich jedoch nicht nur auf die Hakenkreuzler, sondern auf die Anhänger aller politischen Parteien. Charakteristisch ist, daß fast alle Postanstalten noch ganz gemütlich K. B. Po st"( Königlich bayerische Post") firmieren. Auf dem schönen Postgebäude in Lindau, unmittelbar neben dem Bahnhof steht, täglich von zehntausend Fremden angestaunt, die mächtige Sandsteininschrift: König lich bayerisches Postamt". Sämtliche Grenzpfähle, die ich lich bayerisches Postamt". Sämtliche Grenzpfähle, die ich paffterte, find unverändert wie feit Olims Zeiten und tragen das alte bayerische Wappen und die Rundschrift: Königreich Bayern". " In Bayern hat die Verwaltung nicht im mindesten bie Absicht, die Konsequenzen ans den Ereignissen vom November 1918 nun endlich zu ziehen. Man läßt die Todfeinde- der Republik ihr verheßendes unwesen ungeniert treiben, man dente nicht an die Entfernung der alten Hoheitsembleme. So sieht die loyale Erfüllung der republikanischen Verpflichtun gen aus. Und die unzähligen Ausländer, die nach Bayern kommen und das alles mitansehen, denken sich natürlich ihr Teil über die Redlichkeit und die Aufrichtigkeit der deutschen demokratischen Republik..." Der Ausklang Der Katholikentag in München ist also glücklich vorüber", schreibt das Berliner Zentrumsblatt„ Germania", um daren ein Boblied über die positiven Leistungen und die Meisterschaft" anzuknüpfen, mit denen die aufgerollten Fragen behandelt wurden. Nicht dreschen von leerem Stroh, Wiederholung und Abwandlung von abgestandenen Phrasen und Schlagwörtern war da zu hören." Wie aber kommt die„ Germania" zu diesem Urteil? Indem sie das geradezu provozierende Auftreten des Kardinals Faulhaber, der die Révolution als Meineib uns Hochverrat und alles was damit zusammenhängt, also auch die Republik, als mit dem Kainszeichen belastet, einfach außer acht läßt. Und doch gaben geradezu die Aeußerungen Faul habers und die Zustimmung, die sie auf dem Ratholifentage gefunden haben, der Eröffnung des Katholikentages bas Gepräge. Das fühlten denn auch die Leiter des Katholiken tages, und nun ist es zu verstehen, wenn der Präsident Oberbürgermeister Adenauer in seiner Schlußrede fagte:„ Es sind auch manche Aeußerungen gefallen, hinter denen die Catholische Kirche mit ihrer Gesamtheit nicht steht. Im staatlichen Leben dürfen Gefühlsmomente teine ausschlaggebende Rolle spielen, es verrät Mangel an historischem Blid, die heutige Verfassung für die heutigen Zustände verantwortlich zu machen." " Diese Worte richten sich gegen Kardinal Faulhaber und seine antirepublikanische Heße. Aber- und dieser Umstand ist bezeichnend bei den sehr zahlreichen rechtsstehenden ist bezeichnend Teilnehmern der Katholikenversammlung löste die Rede Adenauers Unwillen aus und namentlich der Reichtstagsabgeordnete Dr. Heim gab seiner Entrüftung laut und mit startem Temperatment Ausdruck. Steht nun hinter den startem Temperatment Ausdruck. Aeußerungen Adenauers oder jenen des Kardinals Faulhaber der größte Teil der Katholiken? 1 Dollar= 1675 Mark Auf Vorschlag des Genossen Dr. Sert wurde der Oberbürgermeister Boek gebeten, diefer Sibung beizuwohnen, um die zu ergreifenden Maßnahmen des Magistrats zur Teue= rung darzulegen. Der Ober- Bürgermeister erklärte, daß bereits heute, Freitag, der Magistrat mit den Reichs- und Staatsbehörden über diese brennende Angelegenheit nicht nur verhandeln, sondern auch wirksame Maßnahmen herbeiführen will, weil er die Not der Bevölkerung genau so gut fenne wie die Anwesenden. Er machte besonders darauf aufmerksam, daß es dem Magiftrat und den Polizeibehörden anßerordentlich erwünscht fei, wenn über willkür= liche Preissteigerungen genaue und bestimmte Angaben fo= fort den Polizeiorganen oder Preisprüfungsstellen übermittelt würden. Ju allen solchen Fällen würde rüdsichtslos eingeschritten werden. Diese Darlegungen des Oberbürgermeisters machten sichtlichen Eindruck auf alle Anwesenden und überzeugte den größten Teil der Anwesenden davon, daß mit leeren Demonstrationen und Phrasen die Preise nicht heruntergedrückt werden und daß die Haltnug der beiden sozialistischen Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung richtig war. Fort mit dem Geist der Halbheiten! Mit den Aeußerungen des Führers der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale Edo Fimmen, der den Kampf gegen die Reaktion als eine der Hauptaufgaben der deutschen Republik und geradezu als Vorbedingung für das Vertrauen des Auslandes bezeichnet hatte, befaßt sich die rechtssozialistische Chemniger Voltsstimme". Mit Recht erklärt fie es als ein Unding, daß auf öffentlichen Plätzen ein hoher General der republikanischen Armee Schmähreden gegen die Republif halten kann und kommt zu dem Schluß: Wir wollen heute auf Erörterung von Einzelheiten verzichten und lieber den Blick auf das Gesamtbild richten. Eines aber ist notwendig: mit dem Geist der Halbheiten oder - wie fürzlich einer unserer Abgeordneten sehr treffend zu einem Minister sagte des Pelzwaschens, ohne ihn naß zu machen, muß nun rüdsichtslos gebrochen werden. Die zähe Arbeit an der Festigung der Republik ist unendlich wichtiger als etwa die gutgemeinte, aber auf völliger Verfennung der Stimmung breiter Arbeiterschichten beruhende Zurückeroberung des Deutschland- Viedes. Wir müssen neue Bausteine und neue Formen suchen. Die Worte Fimmens packen uns alle, Abgeordnete und Redakteure, Gewerkschafts- und Parteiführer, Bertrauensleute und Mitglieder an unserer empfindlichsten Stelle. Wer nicht mit kann aus inneren Hemmungen, der stelle sich beiseite." Gie beffeln nicht um Gnade ( SR.) Helsingfors, 28. August. Bevor die verurteilten Sozialrevolutionäre nach der Verkündung des Gerichtsurteils ins Gefängnis zurücktransportiert wurden, erschienen bei Gotz und Timofejeff im amtlichen Auftrage ein Sefretär des Obersten Tribunals, der allen Verurteilten den Borschlag machte, unverzüglich an das Zentrale GrekutivKomitee ein Bittgesuch zu richten, daß das Todesurteil durch Gefängnißhaft erießt werden möge. Goß und Timofefeff gaben dem Beamten folgende Antwort: „ Teilen Sie bitte Ihrem Auftraggeber, dem Vorsißenden des Tribunals mit, daß unser Beschluß unwiderruflich ist und daß weder das Tribunal noch das Alrussische Zentrale Exekutiv- Komitee je ein Gnadengefuch oder eine Bitte um Strafmilderung von uns vernehmen wird! Wenn es Ihnen möglich ist, so veranlaffen Sie nur, daß wir schlennight ins Gefängnis zurücktransportiert und von den er= niedrigenden Leibesvifitationen vor dem Berlaffen des Ge= richtsgebändes befreit werden." Die letzte Förderung der Verurteilten wurde erfüllt. Sie wurden feiner Betbesvifitation unterworfen und verließen aum ersten Male das Gerichtsgebäude, ohne von den Spöttereien der für diesen Zweck abkommandierten kommunistischen Rowdys verfolgt zu werden. Hühneraugen On Apotheken und besseren Drogerien erhältlich: Hornhaut, Schwielen und Warzen beseitigt schnell, sicher und schmerzlos Arztlich empfohlen Rusivol Millionenfach bewährt! 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Sämtliche Diskussionsrebner sprachen fich gegen eine Annahme biefes Schiedsspruches aus. Es wurde einmütig aum, Ausbrud gebracht, daß die Berliner Arbeiter fchaft den Angriff auf den 8- StundenTag mit allen ihr zu Gebote( tebenum den Mitteln abzuwehren habe. Vertrauensmännerkonferenz 100 Prozent erhöht, in dem Bechält. der Bauschloffer im Lokal von Schwarz, Keibelstr. 39. Tagesordnung: Bericht der Tariftom Alte Jakobs r. 138. miffion. MetallAnkant Königster Neue Königstr.87 zahltTagespreise für Messing, Kupfer, Blei, Zink eta. Sämtliche Metalle treibenden, Händlern und Fabriken ür Acme und wuttich uioma.en, sowie kauft von Gewerbestellen sofort ein Ehrich& Graeg, Berlin SO 36, Elsenstraße 90-96. kaufstelleeberall in Zigarrengeschäften erhältlich Metallsten echte Kapitä 1- Kautoba Grün.Weg B ist der nu zahlt Tagespreise f. Zetteleinlage( Kollen, Schleifen, Stangen. Kupfer, Twist. 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Wir geben den Kollegen Bur Kenntnis, daß die Löhne auf Grund des Schiebsspruches bom 28. 8. 22 wie folgt festgesetzt sind: Zwischen dem Berband Berliner Metall- Industrieller und dem Deut fchen Metallarbeiter- Verband wird zu den Bestimmungen des Schieds prugs bom 28. 8. 22 folgende Bezeinbarung getroffen: Die Löhne der männlichen Arbeiter der Klaffe I bis V über 21 Jahre betragen: Klasse I II " III " IV " 51,85-53,35 MY. 51,05-52,25 49,25-50,15 48,45-49,05" 47,85-48, " " " einen nis, daß die Männer, die Stunden- Alfordberdienst bis zu 50 W. Es wurde einstimmig folgende, Re folution angenommen: " Die Funktionäre der Metallarbeierzielten, die volle Auswirkung von 100 Broz. erhalten. Ueber 50 mi. ter, welche dem B. B. M. I. nicht bie Stunde werden die Stüdpreise nur angehören, machen den Metallarbeitern B. M. J.- Betrieben zur um 46 Pros. erhöht. Für die Ueber- in den B gangszeit wird pro Stunde für die Blicht, dem Schiebsfpruch ein„ unan. entgegenzustellen, Obige männlichen Arbeiter ein Ausgleich mit nehmbar" berpflichten fich. in jeder Weise die 20 M. pro Stunde geschaffen. Kollegen zu unterstützen." Weibliche jugendliche Arbeiter: bon 14-15 Jahren 20,- m. bon 15-16 Jahren bon 16-17.Jahren bon 17-18 Jahren 21,- MI. 24,65 ML. 26,- Mr. Der Umrechnungsfaktor der Allorde für die weiblichen Arbeitsträte beträgt 100 Proz. bis zu einem Berdienst von 25 Pros. über die Affordbasis; bei einem Berdienst von über 25 Bros. über die Attorbbasis beträgt der Umrechnungsfaltor 47 Bros. Die Affordbafis der männlichen Ar beiter der Klaffe I beträgt 52,45 0. Jedoch weisen wir darauf hin, daß bie bon uns genannten Säze noch nicht endgültige Bahlen find, d. h. daß diese Bahlen nicht von Organisation zu Or ganisation bereinbart worden sind. Es befteht die Möglichkeit, daß die ein Männliche Arbeiter von 18 bis elnen Säge noch nach oben sowohl wie 21 Jahre: Klaffe I 46,25-47,75 Mr. II 45,45-46,65 III 43,70-44,60 IV 41,20-42,50" V 40,05-40,50 Ber duft nach unten abgerundet werden lönnen. Wir werden die genauen Siffern in der nächsten Rummer der Wochenbeilage beröffentlichen, Die Drtsverwaltung. Die Ortsverwaltung. Flügelumbaumacher, Tischler ftellt ein bei hohem Lohn. Otto Marquardt, Berlin- Lichtenberg, Siegfriedfiraße 202 Vorzügliche Küche, wohlgepflegte Biere bei Musik u. Gesang bietet das Heim d. Berliner Arbeiterschaft „ Gewerkschaftshaus“ Engel- Ufer 25 Kleine Anzeigen Chaiselongues Nähgarne. Säde Bol teden Boften Lauf Arbeitsmartt Stridmaschinen Auf Tellzahlung. Euta 525, Wietallbetten 500, Sattlergarne. Herrenanzüge, ways, Ulster, Salüpfer, Batentmatraßen. mod. Maßarbeit, be- fterauflagen Kinder Möbelgefchäft Bolden queme distrete Raten- brabibett. Meide. Auberger Str. 2, Alegan 82a Quergeb ber 1857. sablung. 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Auch für fte ist es ein Sommerabschiedsrausch, ein Ichtes Zeichen im lederen Blütenhonig. Violett, mit Rosa gemisht, wohin das Auge blidt. Und dazwischen im Heideblumenmeer gespenstisch ragend schwarzgrüne Wachholdersäulen, die 3ppres-fen des Nordens". Ahnt ihr wohl etwas von dem jahrtausendalten zähen Kampfe, der sich hier abspielt zwischen dem so lieblich anzuschauenden Heidekraut und allem anderen Pflanzlichen, daß sich vorwißig in seine Nähe wagt? Eine Heidetyrannin ist sie, diese Zwergin Erika, die sich in unerhörter Straft mit den Riesen des Waldes mißt. Droben im Lüneburgischen müßtet thr das Heideprinzeßchen bewundern, wo es die erstaunliche Höhe von fast einem Meter erlangt und mit seinen zu dichtem Gestrüpp verwachsenen Wurzelknoten alles andere Lebende im Sandboden erstickt. Wie mit Polypenarmen umschlingt sie die Lebensfäden uralter Baumriesen am Waldesrande, und wenn in vieljährigem gigantischem Ringen die Birken und die Eichen und die Wachholderbäume sterben, weiß der Heidebauer: das ist der Sieg des Kindes Erika! In unserer Mark wird Erika nicht viel höher als cinen Fuß. Wunderschön blüht die Heide, besprenkelt mit den blauen Farbenklecksen des wohlriechenden Thymian, auch hier. Vor den Toren Berlins finden wir allenthalben weite Heidestrecken, die jetzt in ihrem wunderbaren Farbenspiel die Naturfreunde entzücken und uns erinnern an das Dichterwort: Nur seine Zeit will jedes Ding Im Dunkel oder Sonnenschein; Reift einen Sommer lang der Wein, Tut's über Nacht ein Pfifferling. Die Schorfheide Gar zu gern möchte ER wieder einmal in seine geliebten heimischen Jagdgründe zurückkehren. Das war doch eine hübsche bunte Abwechslung, beute von der improvifierten Kirchenfanzel herab salbungsvoll den Landesbischof zu martieren und morgen auf der Jagdkanzel dem zusammengetriebenen Wild zum Abknallen aufzulauern. Die armen Holzfäller, die in respektvoller Entfernung Spalier bilden und Treiberdienste leisten durften, find lebt die braveren Kollegen der gefällten ex- föniglichen morichen Pappel. Ein folches uraltes Jagdgebiet, das feit Jahrhunderten wendische Häuptlinge, brandenburgische Markgrafen, furfürstliche Joachime und hohenzollernsche Wilhelme für den Vertrieb der Langeweile mit Beschlag belegten, ist auch die Schorfheide am langgestreckten herrlichen Werbellinsee. Die Fürstengeschlechter, von denen die märkische Sage wohl nicht so unrichtig erzählt, daß sie ihre Raubburgen mitten im See hatten und schlimmer als der Teufel" waren, find zum größten Teil längst in die Hölle gefahren. Nur färgliche Trümmer aus diesen für Bürger und Bauern bösen Zeiten sind noch vorhanden, so die Reste der Bura Grimwit, die den See beherrschte und im Jahre 1247 in der Nähe der heutigen Bahnstation Werbellinsee erbaut wurde. Der aus derartigen Der Entgleiste Roman von Wilhelm Holzamer. ( 34. Fortsetzung.) Pst," sagt der Bruder, wenn du frech wirst, sag ich's, warum du jeden Abend noch im Feld herumstreichen gehst und so spät heimkommst. Und schon zweimal übers Türchen gestiegen bist. Gelt, da hast du Courage. Aber sonst bist du ein Hasenfuß." " Still," beschwichtigt der Philipp, ich hab mein Ehrenwort gegeben. Du bist still, Otto, und darfst nichts verraten. Freund Fränzchen, du darfst dich nicht ab= schrecken lassen. Wer lieben will, muß fämpfen. Das ist der schönste Gewinn der Liebe, der Kampf. Sieh es bei Schilker. Der Jüngling reift zum Manne. Wir verraten nichts, wir stehen dir bei. Das ist ja die Freundschaft, daß sich einer auf den andern verlassen fann. Hand hoch, Otto! In aller Not und Gefahr, wir halten treu zusammen! Das ist unser Rütlischwur!" Der Abend ging über die Wiesen und wehte seine Wolfen über das Selztal hin. Und den drei Jungen war's eine tiefe Stimmung und eine heilige feierliche Stimmung. Sie schwuren einander die Treue im Liebesabenteuer des ältesten Freundes. m ist on at us πιό er f= Itt rd こ int 0 es it. et aft cit es Cet ent. ta ont nb nit er ль en er. „ Emilie!" sagte der Philipp. Und„ Emilie!" besiegelten die anderen den Schwur. Dann gingen sie Arm in Arm die Wiesen hin, immer tiefer hinein, bis da, wo das Wehr der Selz mächtig rauschte. Da waren sie allein- und das Rauschen des Bassers verschlang ihr Lied: Rund-, Rund-, Rundgesang und Gerstensaft Rieben wir ja alle, Darum fauft mit Jugendkraft Schäumende Pokale Bruder deine Liebste heißt?" Emilie!" lebe hoch!!!" Und Arm in Arm, von einer großen Tat erfüllt, fehrten sie heim, nach der Eulenmühle zu. Dem Philipp aber war es auf dem Heimweg, als tüsse und ficherte es in allen Büschen, und als flüstere Emilie, sie soll leben, soll leben, soll leben! Emilie alten Klamotten wehende Ruhm" ließ bekanntlich auch den letzten Romantiker auf dem abgesägten Hohenzollernthron nicht ruhig schlafen. So ließ er am anderen Ende des Werbellinfees vor dreißia Jahren aus Feldsteinen die Imitation einer Askanierbura errichten. Für solche Spielereien hatten ja diese Geister immer Reit und Geld. Man soll schon einen Frühzua benußen, um möglichst viel Genuß von der Schorfheide zu haben. Es ist ein hoher Naturgenuß, denn die schlechtesten Wälder haben sich die Fürstengeschlechter für ihre Jagdfreuden nie ausgesucht. Vor dem Kriege waren hier mehr als dreitausend Hirsche, mindestens ebenso viele An unsere Genossen, Leser und Parteifreunde Die gesamte Presse kämpft geradezu einen VerzweiflungsKampf um ihre Existenz. Es wird wiederum berichtet, daß im legten Monat zirka 150 Zeitungen und Zeitschriften ihr Erscheinen einstellen mußten. Monatelange Verhandlungen mit dem Reichswirtschafts- Ministerium haben keine Linderung gebracht. Der Dollar steigt und der Papierpreis wurde zu schwindelhafter Höhe hinaufgetrieben. Er beträgt jest mehr als das 350fache des Friedens= preises. Dazu kommt, daß die Festsetzung des Papierpreises für den Monat September von den Fabrikanten erst nach dem 1. September erfolgen wird. Wenn nicht alle Arzeichen trügen, so dürfte wohl dann allein der Papier= preis für ein Monats Abonnement einer Zeitung 150 mt. bis 175 Mt. betragen. Aus allen diesen Umständen sahen sich alle Zeitungen gezwungen, thren Bezugspreis erheblich zu erhöhen. So setzten ver= schiedene Berliner Tageszeitungen einen Abonnements preis für Monat September von 300 ME. fest, der jedoch von Monat zu Monat weitere Steigerungen erfahren dürfte. Die„ Tägliche Rundschau" sah sich gezwungen, aus diesem Grunde ihr gesamtes Personal zu fündigen und hat sich hilfesuchend an Stinnes" gewandt und dieser wird sich becilen, ihr auch zu helfen"!? Auch der Verlag der Freiheit" ist leider gezwungen, den Abonnementspreis für den Monat Septem= bcr auf 150 M f. festzusehen. Wohl wissen wir, daß es vielen unserer Genossen außerordentlich schwer fallen wird, diesen Preis zu erschwingen. Wir erwarten jedoch, daß unsere Genossen und Reser nicht nur ihrer Preffe treubleiben, sondern auch in eine rege Agitation zur Werbung neuer Abonnenten eintreten. Der bevorstehende Parteitag verpflichtet jeden, in diesem Sinne zu wirken. Der Verlag der Freiheit" e. G. m. b. H. September: Abonnementpreise verschiede ner Berliner Tageszeitungen. Berliner Tageblatt Berliner Börsenzeitung Berliner Börsen- Gourier Berliner Lokalanzeiger Dentsche Tageszeitung Dentsche Allgemeine Zeitung Tägliche Rundschau „ Vorwärts" " Rote Fahne" Freiheit" Mr. 300, " 300, 300, 9 " 210, 200, PR 200, " " 200, P 200, PP 160, 150, Im Straßenverkauf stellt sich die Einzelnummer auf einen Preis von Mt. 8,- bis Mt. 10,-. Der Straßenverkaufspreis der Freiheit" beträgt ab 1. September für die Montagsabendansgabe Morgenausgabe Sonntagsausgabe P " 9 " 8 Mr. 3, P • 6, 7, der Bach nur den einen Namen, den Namen von der Liebsten seines Freundes, und als sei der Abend von warmen Wundern erfüllt, die ihn hoben und trugen, gleichwie der Abendwind die Wolken trägt und über die ganze Welt mit ihnen hinfährt. Dann froch's ihm hart ans Herz und bedrückte ihm die Brust. Er würgte und schluckte daran. Die Tränen wollten ihm in die Augen schießen wollten ihm in die Augen schießen- er biß sich auf die Zähne. Und dann fühlte er sich so allein und unglücklich, und fühlte so sein Armsein und Geringsein und kam ordentlich feindlich zu Hause an. Aber die rauhe Stimme riß ihn aus allen Verschwommenheiten heraus, und er machte sich tapfer an seine Arbeit. Der kleine Herz kannte nichts anderes als arbeiten. Er lag dem Philipp beständig in den Ohren, in das Gymnasium überzutreten. " Du kannst dann werden, was du willst. Die Welt steht dir offen. Was kannst du aber mit deiner Realschule anfangen? Nichts. Wenn du nicht Schullehrer wirst, kannst du Weinreisender werden. Schullehrer ist nichts, und zum Weinreisenden taugst du nicht. Willst du ein Parfümeriehengst werden und nach Willst du ein Parfümeriehengst werden und nach Seifen stinken? So viel Respekt wirst du doch noch vor dir haben, daß du das nicht werden willst. dir haben, daß du das nicht werden willst. Nun, was denn?" Wenn alle im Coupe lärmten, saß das kleine Herzchen in einer Ecke und las. Er studierte immer. Er wußte alles aber er sagte nie etwas. Er sprach nur mit dem Philipp. Den bekam er bald ganz in seine Gewalt. Der Philipp saß in der Ecke bei ihm und lernte mit ihm. Der kleine Herz lehrte ihn Latein und Griechisch. " Wenn du im Anfang ein bißchen zurück bist, das tut nichts. Dafür bist du in Mathematik und Naturwissenschaft vor. Zwei Jahre hab ich noch, da kann ich dir immer nachhelfen, wenn's fehlen sollte." Der kleine hinkende Jude hatte etwas merkwürdiges; wenn er etwas erklärte, war er wie ein Mann. Man mußte ihm folgen und aufmerken. Er verschwendete tein Wort. Und er beanspruchte nie etwas für fich. Was er tat und gab, tat und gab er in purer Freudigkeit. Er war wohl dem Philipp dankbar, daß er ihn beachtete und sein Freund blieb. Niemand be= Freitag, 1. September 1922 Rebe und Wildschweine eingegattert. Inzwischen ist die Zahl des Wildes durch Fretjagden" bedeutend geringer ge= worden. Zwei Schienenwege führen nach dem Werbellinjee. entweder mit der Stettiner Bahn nach der Station gleichen Namens hinter dem anmutigen Städtchen Joachimstal mit seiner einit berühmten Glashütte, die 1607 zu einer Fürsten schule, später zu dem allbekannten Gymnasium ausgebaut wurde; oder von Reinickendorf und Rosenthal nach GroßSchönebeck. Die erste Tour ist vorteilhafter, weil sie nach einigen Minuten an den See und in den schönsten Teil der Schorfheide bis noch Jagdschloß Hubertusstock und Königslinden führt. Wundervoll ist aber auch der Waldweg über Hubertusstock hinaus am See entlang nach Forsthaus Wildau zwischen den Ausläufern des Sees und prächtigen Buchenhainen, weiter nach Eichhorst und Bahnstation Klandorf. Der Zutritt zur Schorfheide steht heute ungehindert frei. Gafthäuser gibt es am See nicht. Mitnahme genügender Eß- und Trinkvorräte ist also dringend anzuraten. Endlich Unter dieser Ueberschrift berichtet der Vorsitzende des Arbeiter- Sportkartells, Dehlschläger, daß Freiheit" und Vorwärts" endlich auch regelmäßig Sportspalten bringen würden, so wie es die„ Rote Fahne" schon seit längerer Zeit tue. Das Lob wurde der Roten Fahne" ohne jede Ursache von ihrem Parteigenossen Oehlschläger gespendet. Nur zur Steuer der Wahrheit stellen wir fest, daß die Freiheit viel eher als die Rote Fahne" daran gedacht hat, der Arbeitersportbewegung ihr Intereffe zuzuwenden und sie zu unterstützen in ihrem Kampfe gegen die bürgerlichen Klimbimsportvereine Die ,, Rote Fahne" bringt der Arbeitersportbewegung erst auf einen Wink von Moskau hin ihr Interesse entgegen und seitdem die Stelle eines Roten Sport- Internationale- Bonzen" geschaffen worden ist. Dieser Mann muß natürlich sein Geld verdienen und sein Wirken macht sich bereits insofern fühlbar, als in immer mehr Sportvereinen in echt klassenbewußter Weise sich Spaltungstendenzen bemerkbar machen. Das Streben gewiffer Gernegroße, die Sportvereine als Ableger der KPD. aufzuziehen, wird aber an dem gefunden Sinn der Arbeitersportler scheitern. Das beweisen u, a. die Vorgänge im Arbeiter- Wanderbund Naturfreunde". Die letzte Bundesfonferenz beschloß mit 24 gegen 14 Stimmen, daß jegliche Fraktionsbildungen zu unterbleiben haben. Die fommunistische Fraktion gab darauf die Erklärung ab, daß sie sich nunmehr als„ Sozialwissenschaftliche AbteiI ung" etablieren werde. Der neue revolutionäre" Schriftleiter des Wanderfreund" schreibt dazu, daß die bestehenden Gegensäße also nicht aus der Welt geschafft seien. Das ist auch unsere Ansicht Die unklaren und lächerlichen Tiraden des neuen Schriftleiters, dazu noch in einem jämmerlichen Deutsch, werden aber auch alles andere als Klarheit bringen. Der neue revolutionäre". Bundesvorstand wird nur erreichen, daß immer mehr alte Wandergenossen, angewidert von dem Treiben, der Organisation den Rücken kehren. Wenn wir die Arbeitersportbewegung schon immer trot unseres chronischen Raummangels unterstützt haben, so wollen wir doch keinen Zweifel darüber lassen, daß wir entschiedene Gegner der Nursportler" sind, also der Leute, die nur, flaffenbewußten" Arbeitersport kennen und sonst für jede Partei- und Gewerkschaftsarbeit verloren sind. Arbeiter- Wintersport- Interessengemeinschaft Dem wenig Eingeweihten wird es etwas verfrühterscheinen, jetzt, wo es doch eigentlich erst Sommer merden will, dieses Thema aufzugreifen. Und doch ist es not wendig, denn wenn der Winter kommt, müsse wir mit allen Vorarbeiten nach dieser Richtung hin fertig sein. Mehrere Genossen aus verschiedenen, dem Kartellverband angeschloffe= nen Organisationen haben sich nun bereit gefunden, dieselben nunmehr in Angriff zu nehmen. In einer Besprechung wurde u. a. beschlossen, folgenden Plan allen Wintersportinteressenten zur Diskussion zu stellen: 1. Die Arbeiter- Wintersport- Interessengemeinschaft ist fein selbständiger Verein, sondern, wie der Name besagt, eine Interessengemeinschaft von Groß- Berliner Arbeitersportlern. 2. Nur derjenige tann Mitglied werden, der Mitglied eines dem Kartellverband für Sport und Körperpflege GroßBerlin angeschlossenen Verbandes oder Vereines ist. achtete ihn. Er war zu klein und unansehnlich, ärmlich gekleidet, hinkend aber der Primus der Klasse. Das ärgerte die meisten Gymnasiasten noch besonders. Zwei Jahre, jeden Tag die dreiviertel Stunden Fahrzeit, und morgens im Wartesaal noch eine Viertelstunde vor dem Schulgang, arbeitete der kleine Herz mit dem Philipp Latein und Griechisch. Und dann sagte der Philipp eines Tages zu seiner Mutter: „ Mutter, ich tret jetzt ins Gymnasium über." " Mach, was du willst aber du bist verrückt." „ Es ist gescheiter so." " Zum Weiterstudieren haben wir aber kein Geld." Wenn ich mit dem Gymnasium fertig bin, kann ich auch Lehrer werden, wenn's sein muß." ,, Meinetwegen, mach, was du willst." Dann hatte der kleine Herz seinen stolzesten Tag. Sein Schüler Philipp Kaiser kam in die Obersekunda des Gymnasiums und hatte die Aufnahmeprüfung gut bestanden. Es war ein großer Tag. Die beiden blieben zum letzten Zuge in Mainz. Sie fuhren nach Bieberich und aßen da in einer Wirtschaft am Rhein zu Abend, zurüd. Der fleine Herz war Unterprimaner, der dann rauchten sie Zigaretten und fuhren mit dem Boot Philipp Obersekundaner, ganz wie es der Herz ausgerechnet hatte, und sie waren beide sehr froh und stolz. halbes Jahr gewonnen Der Philipp hatte durch die Herbstklasse noch dazu ein halbes Jahr gewonnen so fonnte er ein Federchen in die Luft blasen. Was wirst du einmal, Herzchen?" Was ich werde frag mich nicht! Ich weiß es nicht. Judenlehrer nicht ich könnte nicht schächten Rechtsanwalt- reichen vielleicht die Mittel nicht, und - Arzt ist mir gegen ich bin auch zu unansehnlich dazu die Natur ich muß es wohl einmal mit der Schriftstellerei versuchen. Das ist das einzige, das mir nicht ganz verschlossen ist. Dann könnte ich vielleicht auch verdienen und dabei weiter studieren. Wir sind ja so arm- und ich habe noch sechs jüngere Geschwister." Da tam's dem Philipp zum ersten Mal über die Lippen:„ Ich bin ja auch arm." Das hab ich gewußt." " Das weiß man?" ( Fortsetzung folgt.) 8. Gemäß der organisatorischen Bindung einer Intereffengemeinschaft wird tein Mitgliedsbeitrag erhoben. Bei Abgabe der Eintrittserklärung ist ein einmaliges Eintrittsgeld von 10,- Mark, wofür Mitgliedskarte usw. geliefert wird, zu zahlen. 4. Die Interessengemeinschaft setzt sich zur Aufgabe die Pflege und Förderung jeglichen Wintersports innerhalb der Groß- Berliner Arbeitersportlerschaft, in erster Linie Schneeschuhlanfen, Rodeln und Schlittschuhlaufen. 5. Mittel dazu find: a) Sachgemäße Ausbildung in Lehrtursen durch fachmännische Lehrkräfte in allen WinterSportarten. b) Systematisches gemeinsames Training und Ueben. c) Organisation von Wintersportveranstaltungen zu werbenden Zweden. d) Organisation von gemeinsamen größeren und kleineren Wintersportfahrten, um den Arbeitersportlern Gelegenheit zu geben, mit geringeren Mitteln die Freuden des Wintersports voll auskosten zu können. Um diesem Plan einen Hintergrund zu geben, um nicht zu viel Zeit ungenüßt verstreichen zu lassen, wurden ferner folgende Maßnahmen beschlossen: 1. Es wird zum Donnerstag, den 5. Oktober, 7 Uhr, eine Versammlung sämtlicher Genossen, die Mitglied find oder werden wollen, nach dem Sophien- Lyzeum, Weinmeisterstraße, einberufen. Dortselbst sollen alle Fragen in breitem Kreise erledigt werden. 2. Um den 20. Oktober beginnt der 1. Schneeschuh- Trockentursus. Genaue Tage und Ort werden noch bekanntgegeben. 8. Für die Weihnachtsfeiertage ist eine größere gemeinsame intersportfahrt vorgesehen. In Aussicht ist das Riefengebirge genommen. Die Anmeldungen können schon jetzt vorgenommen were ben. Für die Anmeldung zur Mitgliedschaft ist Vorlegung der Mitgliedskarte der Arbeiter- Sportorganisation notwendig; die Eintrittsgebühr von 10,- Mark ist bei der Anmeldung zu zahlen. Anmeldungen für den Trockenkursus und für die Wintersportfahrt werden nur nach vorheriger Beitrittserklärung angenommen. Die Teilnehmer für die Wintersportfahrt haben eine Garantiesumme von 50,- Mark zu zahlen, woraus die eventuelle Hallenmiete bestritten wird. Der Restbetrag wird zurückgezahlt. Sämtliche Anmeldungen, Geldsendungen und Anfragen an Franz Kirsch, Berlin SO. 16, Köpenicker Straße 108, täglich von 10-6 Uhr( Telephon Moribplatz 165 77). Gustav 3epmeisel, A.-T. u. Sp.-B.( Wassersport). Franz Kirich, Turnverein Fichte". Walter Biese, Arbeiter- Wanderbund„ Naturfreunde". Bezirksmeisterschaften des Arbeiterturnerbundes 4. Bezirk Sonntag, den 3. September in Wilmersdorf Bezirksmeisterschaften. Männer: 100, 400, 1000 und 5000 m Lauf, Hoch- und WeitSprung, Distus, Kugelstoßen, Rugelwerfen. Franen: 100 m, Kugelstoßen, Diskus, Weit- und Hochsprung. Jugend: 100, 200, 1500 m Rauf, Hoch- und Weitsprung, Kugelstoßen und Diskus. Stafetten: 4 X 100 und Schwedenstafette. Startgeld für Männer 5,- M., Frauen und Jugend Männer.ws, ch ENJAT ENJAT ENJAT 678 678901 3,- M. Beginn der Wettkämpfe vorm. 9 Uhr. Da neben den Bezirksmeisterschaften auch auswärtige Teilnehmer erscheinen, ist erstklassiger Sport zu erwarten, Wer vertritt die Arbeiterinteressen? Nochmal die neuen Mietszuschläge Ueber die Verhandlungen im Städtischen Wohnungsausfchuß ist seinerzeit eingehend fachlich berichtet worden, ohne auf die lügenhafte Darstellung der Roten Fahne" ein ugehen, da sich ja der in der Sibung als Zuhörer anwesende tommunistische Stadtverordnete mit diesen Artikeln nicht identifizierte. Nachdem dann aber Schumacher und Dörr in den verschiedensten Versammlungen die Behaup tung der„ Roten Fahne", daß die Unabhängigen gegen die Mietervorschläge bei diesen Beratungen gestimmt hätten und durch die Zustimmung der Unabhängigen und SPD.Vertreter die fünffache Mietspreiserhöhung eingetreten wäre, wiederholt aufgestellt haben, sehen wir uns veran laßt, nochmals die Tatsachen daranlegen und durch Vorgänge aus der betreffenden Sigung zu illustrieren. Die Bekanntmachung des Magistrats konnte sich naturgemäß nur in dem Rahmen halten, der ihm vom Reichsmietengeset selbst( für das auch die Kommunisten im Reichstag stimmten) und den noch mehr einschränkenden Ausführungsbestimmungen des preußischen Wohlfahrtsministers gegeben war. Es handelt sich vor allem um die Festsegung der Vorschläge nach§ 3 RMG. und die Schaffung einer Schlichtungsstelle. Ueber die Zuschläge nach§ 3 sagt dieser Paragraph u. a., daß der Zuschlag für Betriebskosten und Taufende Instandsetzungen der jeweiligen Höhe der Kosten entsprechen müsse. Die Ausgaben für Grundsteuern, Ent wässerung, Straßenreinigung, Wasser, Schornsteinfegergebühren, Müllabfuhr müssen demnach in voller Göhe umgelegt werden. Kein Beschluß der Wohnungskommission und des Magistrats hätte hieran eine Aenderung eintreten lassen können. Nach der Berechnung nach den Maitarifen auf die Typenhäuser angewandt beträgt diese Umlage in Hundertfäßen ausgedrückt allein 250-300 von der in der Bebanntmachung des Magistrats angenommenen 500% igen Erhöhung der Friedensmiete. Auch für die laufenden Instandsezungsarbeiten müssen die festzulegenden Hundertsäße den jeweiligen Verhältnissen Rechnung tragen und ist hierbet nach den Typenhäusern 50% der Grundmtete, nicht der Friedensmiete, als die im Bezirk übliche Aufwendung festgestellt worden. Die Mieter schlugen hierfür 30% vor, während die Hauswirte 350% verlangten. Auch für die Steigerung der Zinsen aus der Vorkriegszeit und aus der Erneuerung derselben muß ein den Verhältnissen entsprechender Zuschlag festgelegt werden. Es ist deshalb auch hierfür die Berechnung der Tupenhäuser im Bezirk zugrunde zu legen. Nach dieser Berechnung ergibt sich ein Zuschlag von 5% auf die Grundmiete. Die Mieter hatten 4,5% vorgeschlagen, die Hauswirte verlangten 15% Auch hier wurde der Vorschlag des Magistrats nach den Typenhäusern von 5% unter Zustimmung der Unabhängigen und Sv= aialdemokraten angenommen. Wir bewegten uns auch hier nur 2% über dem Vorschlag der Mieterorganisation, was bei einer Friedensmiete von 30 Mart ungefähr 11% Pfennig ausmacht. Die Rote Fahne" wird bei sachlicher Nachprüfung vielleicht dies uns als den ärgsten Verrat an den Interessen der Arbeiterklasse antreiben. Ebenso ist im RM. vorgeschrieben, daß die Feuerversicherung nur in einer bestimmten Höhe feftaefekt werden darf. Auch das ist ge= schehen, sodaß die Feuerversicherung nur in Höhe der Städtiichen Feueriozietät voll umgelegt werden darf, was wiederum nach Errechnung an den Typenhäusern ca. 25% aus machen würde. Eine Aenderung des Reichsmietengesetzes und der Ausführungsbestimmungen konnte auch hier die Bestimmung des Magistrats nicht erzielen. Die„ Note Fabne" fann nicht den Beweis erbringen, daß unsere Vertreter im Wohnungsausschuß gegen die Vorschläge der Mieter geftimmt haben. Im Gegenteil ist festzustellen, daß gerade unsere Genossen im Wohnungsausschuß für die Anträge der Mieter sich eingefeßt haben, so daß eine ganze Reibe ihrer Anträge mit nur redaktionellen Aenderungen in die Bekanntmachung ausgenommen sind. Die Zustim mung zu diesen drei der Festsetzung der Komission unterliegenden Hundertfäßen von Seiten der Unabhängigen erfolgte nur darum, um weitgehenden Anforderungen der Hausbesitzer nicht mit in die Bekanntmachung zur Aufnahme zu verhelfen. Diese Vorgänge müßten auch Herrn Dörr bekannt sein, weil ihm die Mehrheitsverhältnisse der Kommission bekannt sind. Die Wohnungskommission besteht nämlich aus 4 sozialistischen Stadtverordneten, 5 bürgerlichen Stadtverordneten, die selbstverständlich Hausbesitzer sind, 2 Magistratsvertretern und 4 Beiratsmitgliedern( Bezirsstadträten, von denen nur einer Sozialist isi. Es ergibt sich also immer bei voller Besetzung eine Mehrheit von 8 gegen 6, im günstigsten alle gegen 7. Eine vollständige Ablehnung der einzelnen Hundertsäse durch die 4 fozialistischen Ver= treter hätte mit absoluter Mehrheit eine Annahme der Haus befiberanträge herbei= geführt. Es mußten deshalb die 4 Sozialisten für die Vorschläge des errechneten Sundertsatzes der Typenhäuser stimmen, nachdem sich für die etwas niedrigeren Vorschläge der Mietervertreter feine Mehrheit fand. Die Mehrheil für diese nachher angenommenen Vorschläge war auch nur möglich, weil einige Beiratsmitglieder nicht voll den Vorschlägen der Hausberger folgen fonnten. Wenn nun die Rote Fahne" schreibt, daß nar die Kommunisten dagegen gestimmt haben, so soll hier noch festgestellt werden, daß die Kommunisten bei der festlegung der Hundertiäße in der Wohnungskommission gar nicht Siz und Stimme hatten. Seit ca.% Jahr ist fein Kommunist im Wohnungsausschuß vertreten. Da der Vertreter der USP. an der endgültigen Abstimmung nicht teilnehmen konnte, er aber auch feine lintsgerichtete Stimme ausfallen laffen wollte, ersuchte er den als Zuhörer anwesenden Stadtv. Törr von der Kommunistischen Partei, bei der Schlußabstimmung für ihn einzutreten. Es sollte hiermit verhindert werden, daß durch das Fehlen einer sozialistischen Stimme etwa noch einige Anträge der Hausbefizer angenommen werden könnten. Das ist auch erreicht, und es ist uns daher unbegreiflich, wie die Rote Fahne" von einem Verrat der Unabhängigen sprechen kann, deren Interessen gerade in diesem Falle durch Dörr wahrgenommen sind. Aber es fommt ia für die Kommunisten nur auf den Kampf gegen die Arbeiterbewegung an und zu diesem Kampf ist ihnen jedes Mittel recht. Verkehrselend Uns wird geschrieben: Die Verkehrsverhältnisse auf der Strecke Stettiner Bahnhof- Bernau spotten jeder Beschreibung. Die Züge, welche in der Zeit, wo die großen Werke ihre Arbeitszeit anfangen oder beenden, verkehren, find alles andere, als menschwürdige Verkehrsmittel. Kommt es doch fast täglich vor, daß Fahrgäste infolge der Ueberfüllung ohnmächtig werden, welches natürlich nicht verwundert, wenn man einmal die Rahl der Fahrgäste feststellt, welche in einem Abteil zusammengepfercht sind. So hat der Schreiber dieses am Sonnabend, den 26. August d. I. die Fahrgäste eines Abteils 4. Klasse des Zuges, der 6 Uhr 12 Minuten auf dem Bahnhof Gesundbrunnen einläuft, gezählt und ist zu der Zahl 58 gekommen, wovon 10 Sitzpläße und 48 Stehpläße waren. Ein anderer Fahrgast zählte dagegen die Fahrgäste der 2. Klaffe desselben Zuges und stellte fest, daß in diesem Abteil noch vier Sippläße frei waren. Den Tag zuvor zählte ich die Fahrgäste eines Abteils 3. Klasse desselben Zuges und zählte 22 Fahrgäste. Meines Erachtens nach müßte es doch möglich sein, um diese Zeit einen Bug einzulegen. Man solle nun nicht kommen und sagen, die Zugfolge sei schon so dicht, daß man feinen Rug mehr einlegen kann. Auf dem Bahnhof Gesundbrunnen ist der Bahnstein D und von diesem Bahnsteig fährt ein Zug um 5 Uhr 49 Minuten nach Hennigsdorf ab, und da wäre es vielleicht möglich, den neu einzulegenden Zug in der Zeit von 5 Uhr 40 Minuten bis 6 Uhr 12 Minuten auf Bahnsteig D einlaufen zu lassen, denn der Hauptverfehr geht nur bis Bahnhof Gesundbrunnen. Ebenso müßte es möglich sein, die Abteile der 2. Klasse während dieser Zeit zu verringern. Auch wäre es unbedingt notwendig, daß sich die Eisenbahndirektion einmal mit der Umänderung des Ausgangs der Stadt- und Ringbahn nach Ser Badstr. zu befaßt, da dort ebenfalls morgens in der Beit von 5 Uhr 30 Minuten bis 7 Uhr unglaubliche Zustände herrschen, so daß es beim Durchgehen durch die Sperre des öfteren zu starken Quetschungen gekommen ist. Park- Bandalen und mit schweren inneren Verlegungen in ein Krantenhous transportiert werden mußte. Gerichtsmedizinalrat Dr. p renfurth stellte als Todesursache eine Schädelzertrümmerung und innere Quetschungen feft. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagen 6 Motnate Gefängnis. Gericht beliek es merkwürdigerweise bei der milden Strafe von 3 Monaten Gefängnis bei bedingter Begnadiguna und Zahlung einer Geldbuse an den Vater des verstorbenen Kindes in Höhe von 20 000 Mark. Das Es ist allerhöchste Zeit, daß gegen die Autoraserei durch Verhängung schwerer Strafen und rücksichtslose Entziehung der Fahrscheine eingeschritten wird. Das Borbeiraien an Straßenbahnhaltestellen gefährdet immer wieder die Paffan ten und ganz besonders Kinder. Im übrigen teilen sich auch viele Fuhrleute mit den Chauffeuren in das löbliche Gebaren, durch rücksichtsloses Fahren das Ein- und Aussteigen in die Straßenbahn zu einem lebensgefährlichen Borhaben zu gestalten. Eingewickelt! Das werden heute wir alle. Zehnmal und noch öfter an einem Tage. Jeder, der etwas zu verkaufen hat, widelt uns ein wie die Butter, die Wurst oder den Harung. An Menschen dazu fehlt es nicht, wohl aber an Einwickelpapier. Alte Zeitungen von sauberer Beschaffenheit stehen hoch im Preise. Das Kilo wird schon mit 15-20 0. bezahlt. Schlächter, Gemüse- und Obsthändler reißen sich um solches Papier. Wer also seine Zeitung gut aufhebt, kann damit ein Geschäft machen. Jeder Reser erhält monatlich 2 Kilo Papier, die dem Verleger 150 M. fosten, aber dem Refer 30-40 M. wieder einbringen. Um diese Summe verringert sich, wenn man die gelesenen Seitungen sammelt und als Einwickelpapier verkauft, das monatliche Bezugsgeld. Die schwere Bluttat in der Gräfestraße Der Totschlag der Fabrifarbeiterin Zimmer scheint nad den Feststellungen der Kriminalpolizei mit dem in der Nacht zum 26. August in der Jahnstraße verübten Verbrechen zu jammenzuhängen, wo der Bantbeamte Frizz Will plötzlich von einem noch unbekannten Manne zwei Messerstiche in den Kopf erhielt und sein Begleiter, der Bügler Mar Zahlik durch einen Bauchschuß getötet wurde, als er den Messerstecher verfolgen wollte. Es hat den Anschein, als ob es fich in beiden Fällen um die Tat eines geiftesfranken Messerstechers handelt. Zur Aufklärung beider Fälle ist es drin gend erwünscht. daß sich Zeugen des Vorfalles in der Gräfeund des in der Jahnstraße bei Kriminalkommissar Gahmig im Zimmer 45 des Berliner Polizeipräsidiums melden. Generalversammlung der Konsumgenoffenschaft Berlins und Umgebung. Am Dienstag, dem 26. September 1922, abends 64 Uhr, finder in der Brauerei Königsstadt, am Königstor, eine außerordentliche Generalversammlung der Konsumgenossenschaft statt. Tagesordnung: Aenderung des Statut 3. Die Fahrpreisermäßigung für Kriegsbeschädigte. Berliner Straßenbahn hat, nach einem Beschluß in einer der letten Stadtverordnetenversammlungen den Kriegsbeschädig ten in bestimmten Fällen eine 50prozentige Fahrpreis ermäßigung zugestanden. Der Kreis der Benußer dieser er mäßigten Fahrscheine, die besonders für diesen Zwed auf gelegt werden, wird, wie wir von gutunterrichteter Seite crfahren, außerordentlich klein sein. Trotzdem angesichts der letzten Teuerungswelle die Mindesteinkommensgrenze. bis zu der die Ermäßiguna den mehr als 50 Proz. erwerbsa beschränkten Kriegsbeschädigten gewährt wird bei der let ten Fahrpreiserhöhung von 30 000 auf 50 000 m. heraufaciebt worden ist. Daher haben sich jetzt eine ganze Reihe von Kriegsbeschädigtenverbänden an den Reichsarbeitsminister gewendet und sind um eine wesentliche Erweiterung der Bes stimmungen für die Erlangung der Fahrpreisermäßigung eingekommen. Es ist au erwarten, daß noch in letter Stunde eine Aenderung besonders hinsichtlich der Beförderung von Beinamputierten durchgeführt wird, um wenigstens diesen au Helfen. Pilzausstellung nebst Lichtbildervorträgen im Botanischen Museum zu Dahlem. Vom Mittwoch, dem 30, Auguft. bis Sonntag, dem 3. September 1922, findet im Großen Gör saale des Botanischen Museums in Dahlem, Königin Luise straße 6-8 eine Bilzausstellung statt. Besuchszeit: am 30. 81. August, 2., 3. September von 10-6 Uhr, am 1. September von 10-5 Uhr. Am 29. August und 1. September um 6 Uhr find Lichtbildervorträge des Leiters der Ausstelluna Kustos Dr. G. Ulbrich. Eintritt 3 Mt., für Schulkinder über 12 Jahren 1,50 Mt., für Schultlaffen( nur von 10-2 Uhr) 1 Mt. für jedes Kind. Kinder unter 12 Jahren fönnen nicht augelaffen werden. Im Treptower Park sind in der Nacht zum 13, August 14 Bänke, zehn an der großen Spielwiese und vier an der Spree, mit den massiven Füßen aus dem Boden ge= rissen und umgestürzt worden. Von dem Material wurde nichts gestohlen. Aehnliche Zerstörungen sind im Laufe des Sommers wiederholt vorgekommen. Offenbar handelt es sich um Racheafte jener Glemente, die wegen ihres standalösen Treibens so oft aus dem Part verjagt werden mußten. Die Reparatur der 14 Bänke hat 2650 M. ge= fostet. Bürgermeister Grunow vom 15. Verwaltungsbezirk hat das Polizeiamt Treptow gebeten, bei der Schubpolizei die Vermehruna der nächtlichen Partstreifen besonders in den Nächten zum Sonntag au erwirten. Die Parkwächter allein seien dem Gesindel nicht gewachsen. Ihre Bewaffnung ist durch den Friedensvertrag nicht erlaubt. Die Anschaffung von Dreffurhunden stößt auf geldliche Schwierigteiten. Mit der Angelegenheit wird sich, da eine planmäßige 3er- Der Flieger". Im Serbit 1921 unternahmen es todes störung vorliegt, auch die Bezirksversammlung zu beschäftigen haben. Fahrlässige Tötung Das rücksichtslose Autofahren. das viele Chauffeure belieben und durch das schon viele Menschen in Berlin zu Schaden gekommen find, brachte den Kraftwagenführer Walter Scholz vor die Moabiter Straffammer. Am 4. Mai d. J. war der Angeklagte mit seinem Auto an einer Saltestelle der Straßenbahn, als dort gerade die Fahrgäste einsteigen wollten, in scharfem Tempo vorbeigefahren, ohne sich im aeringsten darum zu kümmern. Er riß hierbei den Schüler Herrlich um, der au Boden geschleudert wurde Oeffentliche Frauenversammlung am Freitag, den 1. September, abends 7% Uhr, Schulaula Greifenhagener Straße 20. Referentin Genoffin Seger. Schulanla Lütticher Straße 47-48. Referentin Genoffin Wiegmann. Schulaula Pallasstr. 15. Referentin Genoffin Demning. Wilmersdorf, Biftoria- Garten, Wilhelmsane 114/115. Referent Genoffe Dr. Moses. Schöneberg- Friedenau. Uhlandschule, Kolonnenstr. 22/24. Referentin Genoffin Anna Nenit. Tagesordnung: Vor der Hungerkatastrophe Erscheint in Massen. Die Schulspeisung im Bezirk Neukölln wird jebt an jämt lichen Lehranstalten bis auf fünf, die infolge technischer Schwierigkeiten auf eine Beteiligung verzichten müffen, in dem von den Quäfern begrenzten Rahmen durchgeführt. Siernach find nur solche Schüler speisungsberechtigt, die laut ärztlichem Untersuchungsbefund einer besonders nahr baften Beföstigung bedürfen. Die ärztliche Ausleie ergab für das letzte Vierteljahr nicht weniger als 7 429 Schulkinder beiderlei Geschlechts. Daneben wurden noch 286 werdende und stillende Mütter, 65 Kleinkinder und eine Anzahl Jugendlicher der Speifung teilhaftig. Films der Treptower Sternwarte Ein neuer Film mutige Sportsleute, die höchste Erhebung Deutschlands, die Sugipibe im Flugzeug zu umfliegen. Troß denkbar un günstiger Begleitumstände gelang das Wagnis vollkommen. Dieser neue Film wird vorgeführt am Sonntag, 3. Septem ber, abends 6 Uhr, Mittwoch, 6. und Sonnabend. 9. Septem Der Film Shatletons Süd polarexpedition" wird am Sonntag, den 3. Septem ber, nachmittags 4 Uhr, gezeigt. Der berühmte Film„ Die Grundlagen der Einsteinschen Relativitätstheorie", der ber, abends 8 Uhr. anschaulichen Bildern das Einsteinsche Relativitätsprinzip Idarstellt, wird mit erklärendem Vortrag von Herrn Rudolf Donnerstag, 7. September, 8 Uhr, vorgeführt. Außerdem Schießold in der Treptow- Sternwarte Montag, 4., und finden folgende Veranstaltungen statt: Sonntag, 3. Septem ber, abends 8 Uhr: Wunder des Schneeschuhs", Dienstag 5. September, abends 7 Uhr:„ Weltanschauung und Himmels funde"( Vortrag mit zahlreichen Lichtbildern von Dir. Dr Archenhold). Mit dem großen Fernrohr werden täglich bet Flarem Wetter von 2-6 Uhr die Sonne, falls leden au sehen sind, sonst die Venus, und von 8-11 Uhr der Mond oder Ringnebel in der Leper beobachtet. Führungen durch das astronom. Museum finden täglich von 2 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends statt. Große Einbrüche. In der vergangenen Nacht wurden wieder mehrere Geschäfte und Privatwohnungen von Eins brechern ausgeräumt. So erbeuteten diese in dem Bel 200 000 M. Pelawaren, indem sie vom Hof aus mit einer warengeschäft von Otto Rehling in der Riebigitr, 19 für Beiter in die Geschäftsräume einstiegen. Bei der Firma Moser in der Schöningstr. 16 erbeuteten fie für 100 000 0 heimer Straße 29 für 100 000 m. Silbersachen, Kleidungs stücke und bei der Firma Schaarschmidt in der Greifswalder r Seien Leder, aus der Wohnung von Seohnhardt in der Straße 196 für 200 000 M. Wäiche und Trifotagen. Gewerkschaftliches KBD.- Butsch gegen die Gewerkschaften Nachdem die Kommunisten nach dem Rathenaumord die politische Einheitsfront freventlich zerstört haben und in Hoffnungslose Jiolation gerieten, benußen sie jetzt die wirtschaftliche Notlage, um an die niedrigsten Instinkte zu appellieren und auf eigene Faust„ Einheitsfront" zu machen. Zuerst erfolgte ein Aufruf, der folgendermaßen schloß: Nieder mit den Instanzen Fort mit der weißen Salbe der Instanzen". Inzwischen wurde eifrig die„ Einheitsfront von unten auf"- frei nach Maslow und Ruth Fischer- vorbereitet und kommunistische Betriebsräte dazu bewogen, von sich aus eine Betriebsräte= vollversammlung einzuberufen. Diese tagte am Freitag abend in Kliem's Festfälen. Angeblich sollen, 5-6000 Betriebsräte anwesend gewesen sein. Die Berliner Kommunistenführer Grothe und Gehlmann hielten die üblichen Reden, ein neuer fommunistischer Offener Brief" wurde vorgelegt und angenommen und schließlich ein 15köpfiger oberster Kontrollausschuß eingesetzt, der innerhalb vier Wochen einen Reichsbetriebsrätekongreß einzuberufen hat. Zunächst: Von 35 000 Berliner Betriebsräten haben nicht einmal selbst wenn die Angaben der Roten Fahne" ausnahmsweise stimmen sollten- ein Siebentel aller Betriebsräte an der kommunistischen Betriebsräteversammlung teilgenommen. Dieses Siebentel maßt sich an, über den Kopf der andern 30 000 Betriebsräte Befugnisse auszuüben, die nur den gewählten und von der Mehrheit der organisierten Arbeiterklasse eingeseßten Vertrauensleuten zustehen. Ein Vorgeschmack der„ Diktatur des Proletariats" wie sie die Moskauer verstehen! Man sollte ihnen zunächst erst einmal Unterricht geben über die Grundbegriffe proletarischer Demokratie. Das tollste aber ist, daß eine kleine und verschwindende Minderheit sich herausnimmt, einfach 15 Leute aus ihrer Mitte einzusehen und ihnen Aufgaben zu erteilen, die einzig und allein dem A. D. G. A. zustehen. Wo sind die bisherigen Verdienste dieser obersten Kontrollausschußmitglieder, wo ihre bisherigen Leistungen, wo das verdiente Vertrauen der Arbeiterklasse, um sich als Sprachrohr der ge= samten Arbeiterschaft auszugeben? Wer hat vo nden Gehl= mann, Grothe usw. jeweils besseres gehört, als daß sie kommunistische Versammlungsredner sind? Richtet diese Betrachtung den neuen fommunistischen Butsch gegen die Gewerkschaften schon allein, so noch mehr die Forderungen, die von der KPD.- Betriebsräteverjamin= lung angenommen wurden. Ohne sich über die Durchführbarkeit viel Kopfzerbrechen zu machen, wird folgendes gefordert: Erhöhung der Löhne, einheitlich und zentral, Preisregulierung durch die Arbeiterschaft, Produktionskontrolle, Berteilungskontrolle und schließlich:' Regt die Luxusproduktion lahm! Die Hauptforderung aber ist der alte demagogische KPD.- Trid: Bildung von Kontrollansschüssen. Es ist bezeichnend, daß die ganzen Forderungen sich lediglich auf die Verteilung beziehen von der Produktion selbst, von ihrer Ausgestaltung, Wiederherstellung usw., als Voraussetzung der Erhaltung der Gesellschaft ist keine Rede. Verteilung und Rahmlegug- so schrien die Moskauer. Nicht cinmal der Mißerfolg solcher Methoden in Sowjetrußland hat diese Leute belehrt. Aber schließlich kommt es ja den Kommunisten bei dem ganzen Rummel gegen die sozialistischen Organisationen weniger auf die Hebung der Lage der Arbeiter an, als auf ihre Parteiintrigen. Schreibt doch die Rothe Fahne" selbst, der wichtigste Gedanke sei der Gedante der Arbeiterräte". Wir lafen einmal in derselben Roten Fahne" eine Belehrung der deutschen Kommunisten von Sinowiew, worin er die politischen Arbeiterräte streng von den Betriebsräten trennte. Heute werfen die Kommunisten wieder alles durcheinander. Die Betriebsräte sollen zur AbwechsIung einmal politische Arbeiterräte" spielen. Die wahre Absicht des ganzen Unfugs der kommunistischen Spielerei verrät die„ Rote Fahne" jedoch, wenn sie schreibt, daß sich jetzt die wahre Einheitsfront bilden wird, aber nur, wenn auch die KPD. es verstehen wird, zum Sprachrohr der Arbeitermassen zu werden". Bedeutung meffen wir der kommunistischen Komödie nicht bet, denn es müßte in der Tat mit dem Teufel zugehen, wenn aufgeklärte organisierte Arbeiter nach allen trüben Erfahrungen auf den kommunistischen Schwindel hereinfielen. Das soll jedoch nicht heißen, daß die einsichtigen und aufgeflärten Arbeiter ruhig den Kommunisten gewähren lassen sollen. Es gibt noch genug Arbeiter, die noch nicht den Gewerffchaften und sozialistischen Organisationen zugeführt sind und die sich leicht vom erbitterten Gefühl verleiten lassen, den Stommunisten bei ihrem Kampfe gegen die Arbeiterbewegung Hilfsstellung zu leisten. Wir fordern deshalb unsere Genossen und Anhänger auf, ihre Arbeitsgenossen und-Genossinnen über den wahren Sinn der kommunistischen Butschereien aufauflären und kommunistischen Schreiern in aller Sachlichkeit, aber auch mit dem nötigen Nachdruck zu verstehen zu geben, daß die organisierte und geschulte Arbeiterschaft von ihren schädlichen und gemeingefährlichen Treibereien weit abrückt. Der Schützling der„ Roten Fahne" Bom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Herr Bindig versucht in der Noten Fahne" in der bendausgabe vom 29. und in der Morgenausgabe vom 30. 8. die Sachlage zu trüben und Dinge zu verquiden, die nichts miteinander zu tun haben. Was von dem Artikelschreiber Lindig zu halten ist, geht aus einer Erklärung hervor, die er in dem gegen ihn stattgehabten Ausschlußverfahren aus dem Zentralver= band der Angestellten abgegeben hat. Ich erkläre, daß das Vertrauensvotum des Arbeitsausschusses( der Angestellten der Kriegsorganisationen) mich nicht hindert, zuzugeben, daß ich in der Buch- und Kassenführung Inkorrektheiten begangen habe, die den Grund zu den gegen mich erhobenen Anschuldigungen ge geben haben. Ich ersuche, daß Verfahren einzustellen und versichere. mich jeder Betätigung innerhalb der Berliner Ortsgruppe des Zentralverbandes der Angestellten zu ent: halten." Die Erklärung ist auch auf eine Anfrage bereits unter dem 16. Juni d. Js. der Kommunistischen Partet Bezirksverband Berlin- Brandenburg mit= geteilt worden, mit der Ergänzung, daß diese Erklärung die Organisation nicht befriedigt hat, daß sie vielmehr Lindig aus der Organisation ausschlo B. Wenn Bindig in der Roten Fahne" von beweislosen Verdächtigungen spricht und von uns Beweise verlangt, so möchten wir ihn darauf hinweisen, daß ihm ja der Weg frei steht uns nachzuweisen, daß unsere Anschuldigungen beweislos find. Wir werden dann mit dem zur Verfügung stehenden Material aufwarten. Damit schließen wir unsererseits die Diskussion über einen Mann, der unseres Erachtens durch seine eigene Grflärung genügend gekennzeichnet ist. Soweit die Buschrift des 3. d. A. Wir wundern uns nicht darüber, daß sich die„ Rote Fahne" eines Mannes annimmt, der sich selbst die moralische Qualifikation zur Betätigung in einer freien Gewerkschaft abgesprochen hat, weil er zugeben muß, daß er sich in der Buch- und Kaffenführung Unforrektheiten hat zuschulden fommen lassen. Beschämend ist es jedoch, daß auch die neue fommunistische Instanz, die Vollversammlung der Berliner B: triebsräte" in der Mittwochsversammlung gegen die Entlaffung dieses Herrn Lindig aus dem Bankhause Carich. Simon& Co. Protest erhebt. Es ist ceht fommunistisch: erst hebt man die Arbeiter gegen ihre berufene Vertretung mit allen Mitteln der Demagogie und Verleumdung auf, um sich dann schüßend vor solche Schädlinge der Arbeiterbewegung zu stellen. Lohnforderungen der Hilfskräfte beim Magiftrat Die im Zentralverband der Angestellten organisierten Hilfskräfte nahmen am Mittwoch in der Neuen Philharmonie in einer start besuchten Versammluna Stellung au dem Ergebnis der Tarifverhandlungen für den Monat August. Der Referent Krüger teilte mit, daß die dem Magistrat unterbreiteten worderungen nicht be= willigt worden sind. Der Magistrat Berlin bot in der Verhandlung, die am 24. August stattfand, für die Gruppen Ba 7400-7475, Bb 7700-7775, Be 8000-8075, Bd 8500 bis 8575, Be 9000-9075 Mart. Die Bezahlung der weib= lichen Angestellten soll nach den gleichen Grundsäßen wie bisher erfolgen. Die Kinderbeihilfe soll auf 810 Mart, 1012 und 1015 Mark erhöht werden. Dieses Angebot des Magistrats ist vom 3. d. A. als völlig ungenügend bezeichnet worden. Das Reichsarbeitsministerium lehnte infolge falscher Information die Uebernahme des Schiedsverfahrens ab. Nunmehr ist der Schlichtungsausschuß Groß- Berlin zur Entscheidung angerufen. Die Versammlung lehnte einmütig das Angebot des Magistrats ab und hieß die von der Organisation getroffenen Maßnahmen aut. Am fommenden Montag werden die Hilfskräfte beim Magistrat zu dem bis dahin vorliegenden Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses Groß- Berlin Stellung nehmen. Die Löhne in der Maß- Schneiderei Ab 27. August beträgt der Spibenlohn für Männer in der Herrenmaß- Branche 55 M., in der Damenmaß- Branche 58 M. Der Spibenlohn für weibliche Beschäftigte in der Damenmaß- Schneiderei beträgt 46,40 M. Seimarbeiterzuschlag, Qualitätszuschlag bleibt wie bisher. Der Stüdlohn- Tarif in der Damenmaß- Branche beträgt 6170 Prozent. Das Lohnabkommen läuft bis zum 9. September. Alle andere Auskunft und Tarife sind im Deutschen Beklei= dungsarbeiter- Verband, Sebastianstraße 37-38, täglich von 8-1 und Freitags von 5-6 Uhr zu haben. Funktionärkonferenz der Fleischer Die Funktionäre und Betriebsräte der Wurstfabriken und Ladenfleischereien nahmen am 25. August zu den gegenwärtigen Lohnverhältnissen Stellung. Nach längerer Beratung wurden neue Lohnforderungen aufgestellt. Allgemein wurde zum Ausdruck gebracht, daß der schlechten Lebenslage der Arbeiter mit Rohnerhöhungen allein nicht beizukommen ist. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Funktionärversammlung n. a. ihre Entrüstung über die Anwendung des Gesetzes zum Schuße der Republik Ausdruck gibt. Die Spikenorganisationen werden aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um das weitere Sinfen des Reallohns der Arbeiter zu verhindern und dem weiteren Verelenden der Arbeiterklasse zu steuern. Die Löhne im Töpfergewerbe. Wie uns vom Zentralverband der Töpfer mitgeteilt wird, werden für die Zeit vom 1. bis 15. September im Töpfergewerbe folgende Löhne gezahlt: Für Groß- Berlin beträgt der Stundenlohn 75 Mark, für die Provinz Brandenburg ist dieser in drei Staffeln geteilt, nämlich 71,25 M., 69 M., und 63,75 M. Bei Akkordarbeiten wird für Groß- Berlin ein Teuerungszuschlag von 7400 Prozent, für die Provinz Brandenburg ein solcher von 7025 Prozent bzw. 6800 Pros. bzw. 6275 Prozent gezahlt. Deutscher Werkmeister- Verband. Sämtliche Betriebs- und Vertrauensleute sowie Funktionäre der Fachgruppe Metallindustrie haben Sonnabend, den 2. September, nachmittags 5 Uhr, im Clubhaus, Ohmstraße, Versammlung. Tagesordnung: Die Lage in der Metallindustrie. Achtung Bauarbeiter! Der Streif in der Berliner Parkett- Industrie ist beendet. Die Arbeit wird am Freitag, den 1. September 1922 wieder aufgenommen. Beendigter Streif. Der Streif in der AGG. Porzellanfabrik in Hennigsdorf ist, wie uns die Streiflciiung mit teilt, beigelegt worden. Parteiveranstaltungen 15. Diftritt. Abteilungsführer Billetts vom Sommerfest sofort beim Gen. Bolf abrechnen. Bestellte Billetts zur Jugendweihe abholen. Am Mon tag, abends 8 Uhr, Borstandsfizung bei Barturch, Friedenstr. 88. Geschäftsführender Vorstand schon um 7 Uhr pünktlich.. Freitag, den 1. September 12. Bewaltungsbezirk( Steglių. Lankwik, Lichterfelde). Distriktsfunktio närligung bei Thiel in Stegliz, Ringstraße, Ede Albrechtstraße, 7% ubr abends. Alle Funktionäre müssen anwesend sein. 15. Verwaltungsbezirk. Abends 7 Uhr Niederschöneweide, Berliner Straße, Lofal Rob. Distriktsvorstandsstzung. Abteilung Adlers. hof. Zur Beteiligung am Waldfest der Sozialistischen Proletarier- Jugend treffen sich die Genossen mit ihren Familien am Sonntag mittag 1 1hr Bismarck, Ede Waldstraße. Sonnabend, den 2. September Verwaltungsbezirk Tiergarten, 4., 5.und 6. Distrikt. Abends 8 Uhr ge meinsame Borstandssigung bei taifer, Gopkowskystraße 34. Stellungnahme aum Parteitag. 13. Berwaltungsbezirk Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade. Abends 8 Uhr gemeinsame Sigung der Bildungsfommission, Agita tionsfommiffion und der Bezirksführer im Zimmer 26 des Rathaufes Mariendorf. 20. Verwaltungsbezirk Reinickendorf, Tegel, Hermsdorf, Wittenau. Abends 7 1hr Borstandssitung im Eizungsfaal des Nathauses Reinickendorf. Wichtige Tagesordnung. Die Abteilungsleiter und Staffierer müssen erscheinen. Kreis Teltow, Distrikt Königswusterhausen. Abends 7 Ubr Distrikts Ionferena bei Treu, Berliner Straße 18. Tagesordnung: 1. Bericht vom Zentralvorstand. 2. Bericht der Bresselommission. 3. Vorschlag der Kandi. daten zum Barteitag. 4. Verschiedenes. Alle Ortsgruppen müssen vers treten fein, Gereinskalender Freitag, den 1. September. Arbeiter Elternbund. 7 Uhr Bentralvorstandssitung in der Schule Chrift burger Straße 14 im Simmer neben dem Jugendheim. Sentralverband der Maschinisten und Heizer. Abends 6 Uhr findet im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Gaal 1, unfere allgemeine Funktionär versammlung statt. Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntge geben. Es ist Pflicht eines jeden dienstfreien Kollegen, pünktlich zu der Bersammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Schuhmacher. Branchenversammlung der Friedrich städtischen Maßschuhmacher. abends 6 Uhr, bei Wiife, Sebastianstr. 39. Sonnabend, den 2. September Freie Lehrergewerkschaft. 4 Uhr im Rathaus, Berlin, Königstraße, Bimmer 63. 1. Die Richtlinien für die Mitwirkung der Schulen zum Schuße der Republik. 2. Für oder gegen weltliche Schulen? Die Bildungsobleute, Bertreter der Jugend und Elternbeiräte aus allen Bezirken sind eingeladen. Deutscher Holzarbeiter- Berband. Großes Herbstfest abends 7% Uhr in der Brauerei Friedrichshain. Die Zahlstellen werden ersucht, die nicht bertauften Eintrittstarten spätestens Freitag, den 1. September, im Bureau abzuliefer Die Ortsverwaltung. Arbeitersport Arbeiter- Wanderbund Naturfreunde" ,, Bez. Berlin. Sämtliche, fit. Sonnabend und Sonntag angesetzten Fahrten fallen aus. Wir erwarten recht rege Beteiligung an den Veranstaltungen der Jugendorganisationen am Conntag. Arbeiter- Radfahrverein Groß- Berlin, 3. September Buckow( Märkische Echweiz), früh 5 Uhr. Nach 1% Uhr Mahlsdorf( Heidekrug).. Arbeiter- Wanderverein Berlin( Oberspreewaldfahrt). Letzte in diesem Jahre am 10. September. Lübbenau- Lehde, dem berühmten Spree- Vene dig- Leipe- Forsthaus Eiche- Kanno- Mühle- Lübbenau. Keine Fußwande rungen. Kahn- und Bahnfahrt 130 mt. Teilnehmerfarte im Bereinslotal Wollschläger, Adalbertstraße 21, Bigarrengeschäft Erich Koch, Reinickendorfer Straße 92. Wanderung am 3. September. 1. Tour: Freienwalde. Abfahrt 7,20 Uhr Stettiner Hauptbahnhof, Sonntagsrückfahrkarte 24 T. 2. Bilatour nach dem Krämer. Abfahrt nach Belten 6 Uhr. Stettiner Vorort bahnhof. Jugendbewegung Sämtliche Soz. Proletarierjugend Groß- Berlin 8. Gruppen müssen am kommenden Sonntag spätestens um 10 Uhr mit Bannern, Fahnen und Instrumenten auf der Wiese Sanssouci in Sadowa sein, da dort noch eine wichtige Besprechung stattfindet. Bisher bekanntgegebene Treffpunkte der Verwaltungsbezirke und Distrikte zum Waldfest der Sozialistischen ProIetarierjugend am Sonntag, den 3. September, in Sadowa, Sanssouci: 1. Distrikt: 7 Uhr Bahnhof Jannowißbrücke; 4. Distrikt: 12 Uhr Bahnhof 300; 7. Diftrift: Brunnen, Ede Stralsunder Straße; 16. t. 17. Diftrift: 22 Uhr Madai-, Ecke Fruchtstraße; 18. Distrikt:% 2 Uhr Schlesischer Bahnhof, Madaistraße; 20. Verw.- Bez.:% 1 Uhr Bahnhof Schmargendorf; 15. Berw.- Bez.: 2 Uhr Köpenick, Körnerschule, Endstation der Linie 83; Schöneberg: 1 ihr Kaiser- WilhelmPlat; Tempelhof- Mariendorf: 1 Uhr Bahnhof Mariendorf; Weißensee: 1 Uhr Bahnhof Weißensee; LichtenbergStadt: 2 Uhr Bahnhof Rummelsburg. Die übrigen Verwaltungsbezirke und Distrikte sowie evtl. Nachzügler müssen fich so einrichten, daß sie spätestens um 2 Uhr auf der Festwiese sind. Um 1 und 2 1hr ist die Jugend am BahnHof Sadowa, um die ankommenden Genossen zu erwarten und sie zur Wiese zu geleiten. Berantwortlich für die Sebaftion& mi! Rauch. Berlin: für den Inferatenteil und geschäftliche Mitteilungen: t. B.: Guftab Natus. Berlin.Drud Berlags- Genossenschaft Greiheit", e. G. m. b. S.. Berlin. bon Gehring& Reimers, G. m. b.&.. Berlin S. 68, Ritteritraße 75 t t It 3 t₁ t It t. e 6 Se 11 34 e its 1. If d t 14 g 3 ″ it 配 1 P WENESTI RUND RUND NES WENES RUN RUND WENE FEINE MILDE CONSUM- ZIGARETTE MIT UND OHNE GOLDIK Weinberger Pabrik SchuhBrunnenstr. 25 Detail- Verkauf von Damen- und HerrenStiefeln und-Schuhen zu Fabrikpreisen AMCAY ELLIN 1. Jahrgan Nummer 16 Der Jugendgenosse Beilage der Unabhängigen Sozialdemokratischen Unser Treffen in Salzburg, von Fritz Bieligk " Fährst du mit nach Salzburg?" aber mein Geld reicht nicht." Ich möchte schon, Fährst du mit?" Ich möchte so gern, aber ich bekomme feine Ferien!" Biele, viele von unseren jungen Arbeitern und Arbeiterinnen, die in den letzten Wochen so gefragt wurden, mußten diese und ähnliche Antworten geben. Und wie gerne hätten sie doch alle teilgenommen an dem Salzburger Fest der sozialistischen Jugend. Ich weiß, wie so mancher Bursche und so manches Mädel in den vergangenen Monaten sparte, wie in ihnen die Freude über ein bevorstehendes schönes Fest jubelte! Einmal, und set es nur für wenige Tage, nicht den harten Drud der Arbeit und der Not fühlen und frei von allen Werfeltagssorgen über die Berge und durch die sonnigen Täler wandern und dann in einer herrlichen Stadt den Brüdern und Schwestern jenseits der schwarz- rot- goldenen Grenzen die Hände reichen zu können wie schön muß das sein. Keiner von den über hunderttausend Genoffinnen. und Genossen der Sozialistischen Proletarierjugend und der Arbeiterjugend Deutschlands hat frelivillig auf dieses bleibende Erlebnis verzichtet. Und wenn trotzdem statt der Hunderttausend nur etwa vierhundert Burschen und Mädels aus Deutschland nach Salzburg tamen, so zeigt das, daß das herrschende kapitalistische System den Massen der proletarischen Jugend felne Feste erlaubt. Bierhundert famen aus Deutschland, manche davon ait Fuß. Von Freitagmittag an zeigten sich immer mehr von der neuen Jugend in den Straßen Salzburgs. Its am Sonnabend nachmittag bildeten die aus vielen Ländern herbeigeströmten Tausende Arbeiterburschen und mädels mit den roten Fahnen und Wimpeln das Gegengewicht zu den in Salzburg wochen- und monatelang schlemmenden Müßiggängern der Bourgeoific. Es war mehr als bloßer 3fall. mehr als Recheit, daß die Internationale Arbeitsgemeinschaft Sozialistischer Jugendverbände gerade Salzburg als Ort für das internationale Treffen der proletarischen -Jugend gewählt hatte: es war ein Symbol der trozalledem und alledem erstarfenden Macht der Arbeiterklasse. In Salzburg, das ein bedeutender Knotenpunkt der internationalen Reaktion zwischen München und Budapest ist, in diesem Salzburg sollte die Jugend der Arbeiterklaffe ihre Feindschaft gegen den Nationalismus und gegen den Krieg befunden. Und angleich ihre Bereitschaft, den Boden, auf dem diese beiden üblen und gefährlichen Erscheinungen fich breit machen können, gründlich umzugestalten. Presse die stürmende, die glückberauschende Freiheit, die heute noch ein international geheztes Wild ist? Ja, die Freiheit grüßte am Morgen des 20. August 1922 die anmarschierenden Züge der internationalen sozialistischen Jugend. Fünftausend oder sechstausend was tut die Zahl? demonstrierten. Und sie demonstrierten nicht nur. Denn was da aus den Augen jedes einzelnen blitzte und was sich da in deutscher, französischer und schwedischer Muttersprache in rhythmischen Klängen durch die Straßen Salzburgs schwang, das war nicht bloße Demonstration, das war der feste entschlossene Wille, der Schwur, mitzufämpfen für eine bessere Gesellschaft der Menschheit. Flammende Begeisterung zündeten die Worte der jungen Genoffen, die auf dem Residenzplay aus einem Wald von roten Fahnen heraus den Gefühlen, Gedanken und dem Willen der proletarischen Jugend Ausdrud gaben: fich freimachen von aller Not, Unterdrückung und Ausbeutung; sich stärken und stählen für den Kampf aller Proletarier; feinen Haß und keinen Kampf gegen die anderen Völker dulden; alle Grenzen niederreißen und alle ausgebenteten Arbeiter zusammzufassen für den großen Kampf des Proletariats um den Sozialismus. So sprach der deutsche, der österreichische, der tschechische, der belgische, der englische, der schwedische und der dänische Genoffe, und so sprachen alle die anderen Vertreter der einzelnen Landesorganisationen. Und jede neue Kundgebung für die Einigung des Proletariats und feiner Jugend löste bei den Burschen und Mädels neue Beifallsstürme aus. Eine internationale Massenkundgebung, wie sie Salzburg noch nie gesehen hat! Diefer 20, August bildete den Haupttag des Salzburger Festes der sozialistischen Jugend. Am Abend vorher wurde es durch zwei eindrucksvolle Feiern im Mozarteum und im Arbeiterheim eingeleitet, um am Montag mit mehreren Wanderungen in die mit Naturschönheiten so reich gesegnete Umgebung seinen Abschluß zu finden. Und wenn die sozial- demokratische Tageszeitung in Salzburg schrieb, daß in der Geschichte der Arbeiterbewegung Salzburgs die Tage vom 19. bis 22. August dieses Jahres zu den chrwürdigsten Genehmern sortleben als schöne, unvergeßliche Festtage, in denktagen zählen werden", sie werden auch in allen Teildenen das internationale Band der sozialistischen Jugend unzerreißbar festgeknüpft wurde. Salzburg war das erste Fest dieser Art, es darf nicht daß letzte bleiben. Deshalb kam proletarisches Jungvolt nach Salzburg. Aus Revolutionär Desterreich, Deutschland, Belgien und Schweden, aus Holland und der Tschechoslowakei und einzelne Vertreter aus Jugoslawien, Dänemark, England. Polen und selbst aus der von den russischen Pseudofommunisten vergewaltigten Republik Georgien. Elf Nationen teilten sich in das Heer der etwa fünftausend Jungproletarier, die in den Tagen vom 18. bis 22. August Salzburg beherbergte. Diese Stadt und ihre Umgebung offenbart, daß es ein Widersinn ist, die Erde und ihre Bewohner durch Grenzen in Länder und Völker einzuteilen und sie voneinander abzuschließen. Nur Vergewaltigung konnte zwischen die Berge und einen Menschenstamm Grenzen ziehen, um die in vergangenen Jahrhunderten blutiger Krieg geführt wurde... Grüßte nicht von allen in das tiefe blaue Luftmeer hoch hineinragenden Bergesgipfeln die Freiheit, die sonnige, In der Bellage der Roten Fahne" vom 12. August äußert sich unter„ Taktik und Organisation" Scholem in einem Artikel Erwachende Jugend" über die kommunistische Jugend, der zwar dem Eingeweihten nichts nenes sagt, aber immerhin interessant genug ist, um furz beleuchtet zi werden. Nachdem der Verfasser Klage führt über die Gleichgültigfeit der Partei gegenüber den Fragen der Jugendorganifation, stellt er sest, daß die Kommunistische Jugend seit vielen Monaten aus trisenhasten Zuständen nicht herausgekommen ist, und daß erst in den letzten Tagen die Gefahr einer offenen Krise drohender denn je erscheint." " Wer hat schuld an dieser Krise? Natürlich die bösen Leviten", die man nicht rücksichtslos genug beseitigt habe. Der Jugendgenosse Man schredte leider davor zurüd, durch scharfe Maßnahmen gegen den KAG.- Geist der Berliner Jugend wieder eine gesunde Grundlage zu schaffen." Wie sieht dieser KAG.- Geist aus? Dieser Geist setzte sich um in Abfehr von der Polttif, Beschäftigung mit schöngeistigen Dingen und Emportommen einer Art von fultureller Betätigung." Gegen diese ungefunden"(!!) Erscheinungen entwidelte sich eine„ Opposition", für die nun S. eine Lange bricht. Diese Opposition" war durchaus nicht von Pessimismus angefressen", und die RJ. wurde ihr zu Jahm". Es entbehrt nicht des Reizes zu hören, wie die Opposi tion" auftritt, für die sich S. mit so großer Wärme einseht. Nach dem unvermeidbaren Krach kommt es zu Spaltungen. In Neukölln bildet man eine Erwachende Jugend" und im Norden gar einen Proletarischen Selbstschuh"! Die„ Erwachende Jugend" bedient sich zwar eines ziemlich rüdigen Tones" und grenzt sich auch vereinzelt nicht scharf genug von den Methoden der wilden Wandervögel ab", aber, so fagt Schotem, die A3. foll froh sein, daß Nachwuchs da ist, der wieder mit ursprünglicher Begeisterung die revolutio= nären Jdeen des Kommunismus in fich aufnimmt." Eine heillosere Geistesverwirrung und ein skandalöseres Herumwerfen mit dem Begriff„ revolutionär" ist nicht dentbar. Gegen politische Opposition, Schrei nach Schärferen Maßnahmen", d. b. nach dem Rausschmiß, Wüten gegen fulturelle Betätigung, die als„ Bom Pessimismus angefressen". gilt. aber liebevolles Verständnis für Krafeel und StandaHieren; so was nennt man den gesunden Kern der Jugend". Jener Teil der Jugend, der sich, wie S. fo zaghaft sagt ,,, von den Methoden der wilden Wandervögel nicht scharf genug abgrenzt man weiß, was darunter zu verstehen ist und sich eines ziemlich rüdigen Tones bedient", ist für ihn ,, der Nachwuchs, der wieder mit ursprünglicher Begeisterung die revolutionären Jdeen des Kommunismus in fich aufnimmt"! Das sagt genug. Es muß jedem Jugendgenossen klar sein, daß eine proIetarische Jugendorganisation, in der ein solcher Ungeist herrscht, eine große Gefahr für die gesamte Bewegung ist, und daß sie die Idee des Sozialismus oder Kommunismus in den Staub tritt. Die sozialistischen Ingendorganisationen ringen noch mit den Problemen der Jugendbewegung als Kultur- oder Kampfbewegung; sie wissen aber, daß Disziplin und Gemeinschaftssinn Voraussetzungen sind für junge Sozialisten, die einmal aufrechte Kämpfer werden wollen. Jener Geist der Roheit und Verantwortungslosigkeit aber, der sich als ,, revolutionär" ausgibt und stlarisch die Methoden der Ne aftion nachäfft, der den Schandurteilen in Mo fau gege: Jozialistische Klassenfämpfer zujubelt, ist derselbe Geist der Gewalttätigfeit. den wir in den nationalistischen Jugendverbänden finden. Er muß bekämpft werden, wo immer er anzutreffen ist. Georg Mendelsohn. Eine sozialistische Bücherei für das Jungproletariat Die sozialistische Literatur ist nicht sehr reich an Schriften, die dem Verständnis der jungen Arbeiterin und des jungen Arbeiters entgegenkommen. Nur mühselig gelingt es meistens der arbeitenden Jugend, sich an Hand der allgemeinen sozialistischen Schristen in das Wesen der sozialistischen Ideen au vertiefen und auch in theoretischer Hinsicht au vollwertigen Kämpfern in der proletarischen Front zu werden. Aus diesem Grunde ist es zu begrüßen, wenn der arbeitenden Jugend bei ihrem Ringen um Wissen und Erkenntnis Schriften zur Seite stehen, die auf das Fassungsvermögen unserer Jugend eingestellt sind und die in knapper, aber klarer Form eine Reihe wichtiger und interessanter Themen behandeln. In der Sammlung, Proletarische Jugend" sind einige solcher fozialistischer Jugendschriften herausgegeben, die für jeden Jungproletarier, der als vollwertiger Sozialist auch durch geistige Vorbereitung den Zielen der fämpfenden Arbeiter Rr. 10 schaft dienen will, eine Fundgrube reicher Belehrung ist. Die Sammlung, die beständig fortgesetzt wird, enthält folgende Schriften, die jede einzeln bezogen werden fann und je ein Thema vollständig behandelt: 1. Arbeiterjugend und fegnelle Frage von Hans Hadmad. 2. Proletarierjugend und Theater, von Gerhart Seger. 3. Stammt der Mensch vom Affen ab?, von Gg. Engelbert Graf. 4. Jung und Alt in der proletarischen Jugendbewegung, von Gg. Engelbert Graf. 5. Eine Einführung in die sozialistische Gedankenwelt, von Hans Hackmad. 6. Von Moses bis Darwin, von Gg. Engelbert Graf. 7. Die Werkstatt des Geistes, von Gerhart Seger. 8. Gesundheitspflege der arbeitenden Jugend, von Dr. Julius Moses. 9. Die Urentwicklung der Menschheit, von Dr. D. Hauser. 10. Der Aufstieg der ältesten Stultur, von Dr. D. Hauser. Diese Schriften gehören als wertvolle Jugendlektüre auf das Bücherbrett eines jeden geistig regsamen Jungproletariers. Sie sind auch sehr geeignet zu Geschentzweden unter. der Jugend. Die Hefte fönnen durch jede sozialistische Buchhandlung, durch jede Arbeiterorganisation oder direkt von der Buchhandlung Freiheit, Berlin SW. 61, Urbanstr. 7, be= zogen werden, die den Jugendorganisationen bei Sammelbestellungen bedentende Preisermäßigung gewährt. Gesundheitspflege der arbeitenden Jugend In der Verlagsgenossenschaft Freiheit" ist ein von Gen. Dr. Julius Moses herausgegebenes fleines Schriftchen erschienen, daß den Titel trägt: ejundheitspflege der arbeitenden Jugend".( Preis 6 M.) Auf furzem, fnappen Raum ist eine Fülle von Stoff zufammengedrängt, schlicht und einfach in der Form, und darum verständlich für jedermann. Da ist fein Gebiet der Gesundheitspflege, das in diesem Büchlein nicht Berücksichtigung gefunden hat, fein Organ des menschlichen Körpers, das nicht in seiner Bestimmung und feinen Verrichtungen dem Leser nähergeführt wird. Alle Schädigungen und Erkrankungen, fast immer beeinflußt durch Beruf und Beschäftigung, haben ihren Platz gefunden und ihre sachgemäße Besprechung. Doch. nicht nur dem bereits erfranften Körper widmet das Büchlein feine Aufmerksamkeit. Bei weitem wichtiger erscheint cs ihm, durch fachgemäße Belehrung vorbeugend zu wirken. jugendliche Arbeiter, gesund bleibt, es zur Ausbreitung einer dafür Sorge zu tragen, daß der Mensch, insbesondere der Krankheit gar nicht erst fommen läßt. Gewiß: bei manchen Erkrankungen fann der einzelne herzlich wenig zu ihrer Verhütung beitragen. Desto mehr freilich ist es Pflicht des Staates und der Gesellschaft, mit den ihmen zu Gebote stehen= den vorbeugenden Mitteln auf diesem Gebiete so zu arbeiten, daß langsam und allmählich die durch den Krieg und seine Folgen auss schwerste erschütterte Volksgesundheit wiederum fich bebt. Insbesondere fommen hier die Fragen der Wohnungspolitik, der Kleidung, der Ernährung usw. in Betracht und werden in dem Büchlein gewürdigt. Auch die am weitesten verbreiteten Bolfskrankheiten: der Alkoholismus, die Tuberkulose, die Syphilis werden, soweit es im Rahmen eines gedrängt angelegten Büchleins möglich ist, geschildert. Kurz, aber mit eindringlicher Schärfe, werden die Folgen dargestellt, die unvernünftiges Tun und Geschehenlaffen gerade auf diesem Gebiete des Lebens der arbeitenden Bevölkerung bringen. Der förperlichen Pflege ist ein besonderes Kapitel gewidmet: der Pflege der Haut, der Haare und Nägel. der Zähne und des Mundes, der Nase, des Nachens und Kehl= kopfes, des Blutes und Herzens, des Magens und Darmes, des Auges und Ohres, der Nerven sowie der Pflege der Harn- und Geschlechtsorgane. Ein weiterer Abschnitt handelt vom Arbeiterschnt und den Berufskrankheiten. Eit lebtes Kapitel ist schließlich der Geistespflege und dem Sport gewidmet. Wir wünschen dem kleinen Büchlein die weiteste Verbreitung unter der arbeitenden Jugend und hoffen mit dem Verfasser, daß es dazu beitragen möge, ein Wegweiser au sein zur Gesundung und Gesunderhaltung von Körper und Geist, den wesentlichsten Boraussetzungen zur Führung der wirtschaftlichen Kämpfe.