Einzelpreis 6.- Mk. Die Freiheit" erfcheint täglich einmal als Morgenausgabe unb Diontags als aberdausgabe mit den Unterhaltungsbeilugen Freie Belt"-Frauen- Weit" und Der Jugend- Genoise". Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für den Monat Eeptember 150 r., im borne aablbar estellingen nehmen fämtliche Boftanstalten entgegen. Fernsprecher: Sansa 1970, 1971 und 1972. Amt Moabit 2021. Redaktionslekretariat: Dönhoff 5593. Berlag und Exped. Berlin NW 40, Kronprinzenufer 27, L Donnerstag, den 7. September 1922 5. Jahrg, Nummer 325 Die stoffgefpaltene Nonpareillegeile oder beren Raum toftet 25,-. einschließlich Inferatenfteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgebrudte Bor 4, M., jedes weitere Wort 3,- M. einschließlich Inferatenfteuer. Laufende Anzeigen laut Zarif. Familien- Anzeigen und Etellen- Geluche 16. netto pro Beile. Stellen- Gefuche in Wort- Anzeigen: das feits gebrudte Wort 3,- m., tebes weitere Wort 2,- m. Redaktion: Fernsprecher Dönhoff 4190, 4191 und 419% Berlin SW, 68, Nitterstr. 75, III, greiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Deutschlands Naturallieferungen Die Dinge„ entwickeln" sich Paris, 6. Sept. Wie der" Temp3" anläßlich des heutigen Zusammentritts des beratenden Ausschusses für die Naturallieferungen in einer offiziösen Ausz laffung mitteilt, entwidelt sich die Anwendung der Ab= tommen von Wiesbaden und Berlin weiter in dem Maße, wie die vom Ministerium für die befreiten Ges biete zugelassenen Spezialbeauftragten in Tätigkeit treten, deren Eingreifen die Beziehungen zwischen den französischen Geschädigten und den deutschen Lieferantce erleichtern-" Eine neue inferalliierte Konferenz London, 6. Sept. Dem politischen Berichterstatter der Evening Standard" zufolge verlautet, daß eine interalliierte Konferenz über die gesamte Frage der Reparationen und interalliierten Schulden zu einem Zeitpunkt vor dem 1. November vereinbart werden wird. Reparationspolitik im Ruhrgebiet Paris. 6. Sept. Senator Lucien Hubert. der Berichterstatter für das Budget der auswärtigen Angelegenheiten, hat eine Interpellation über die Anwendung einer wirkfamen Reparationspolitik im Ruhrgebiet" eingebracht. Die deu sch- belgischen Verhandlungen Die Verhandlungen der belaischen Vertreter Dela croix. Bemelmans und Philipsen nahmen gestern mit dem Reichsfinanzminister Hermes, dem Staatssetretär Schröder und dem Staatssekretär a. D. Bergmann ihren Anfang. Es handelt sich vorläufig nur um informatoreiche Besprechungen, während der Eintritt in die Einzelverhandlungen und die Beratuna über die pofitiven Vorschläge erst heute vormitta erfolgen soll. Aus den Mitteilungen des Staatsiefretärs a. D. Bergmann über seine Besprechungen in London ergibt sich, wie die„ Tena" erfährt dak es für den Fortgang der Verhandlungen über die Schatzwechiel günstiger ist, sofort über die gesamte Summe, die 1922 zu zahlen ist, zu verhandeln. Der evtl. in Aussicht genommene Plan, nur über die beiden Raten vom 15. 8. und 15. 9. eine vorläufige Verständigung herbeizuführen, steht deshalb nicht mehr im Vorderarund der Beratungen. Vielleicht ergibt sich bei den Verhandlungen die Möglichkeit. zunächst eine Rahl von 250 Millionen Goldmark zu finden. Die Garantie für die über die Summe auszustellenden Schabwechsel fann, wie auch in englischen Finanzkreisen zugegeben wird, von der deutschen Regierung nicht alle übernommen werden. Es wird deshalb die Möglichkeit erwogen. die Garantie au verteilen. Einen Teil muß die deutsche Regieruna felbst übernehmen; ein zweiter Teil fann vielleicht von englischen Finanztreifen übernommen werden, während der Reit durch die Reichsbank zu garantieren wäre. Der Gri: chen Lage„ bessert sich" London, 6 Sept. Einer Reutermeldung aus Athen aufolge beifert fich die Lage weiter für die Griechen. Der Wechiel im Oberkommando scheine einen günitigen Eindrud gemacht zu haben. Die Lage der südlichen Streitfräfte bei Estischehir wird in ieder Beziehung als sicher betrachtet. ( E. P.) Paris, 6. Sept. Au der aus englischer Quelle stammenden Meldung. daß Könia Konstantin sich entschloffen habe, an Venizelos zu avellieren, bemerkt der Temps", es sei wenia wahrscheinlich, daß ein Staatsmann wie Venizelos fich dazu entschließen werde, fich in den Dienst eines Königs zu stellen, der gegen ihn auf den Thron erhoben sei. Jeder Versuch. auf den Trümmern der fonstantinischen Politt Griechenland wieder aufzurichten. sei au 3= ficht 310 3. Venizelos werde erit wieder in Szene treten, wenn die Lage in Athen endaültia aeflärt sei, und es fei leicht möglich, daß die Rückwirkung der Eretaniffe in Anatolien dieie Klärung beschleunigen könne. Paris, 6. Sept. Nach einer Havasmeldung aus Athen hat der französische Gesandte gestern aus Paris nstruktionen erhalten, mit den alliierten Gesandten einen Rollettivichritt bei der griechischen Regierung bezüglich der konferenz von Benedia zu unternehmen. Man betrachte es als sicher. daß die ariechische Regierung einwilligen werde. sich an der Konferenz zu beteiligen. Ihre Delegierten würden Gunaris und Stratos fein. Der türkische Heeresbericht ( E. E.) Konstantinopel, 6. Sept. Das lebte türkische Communiqué lautet: Der türfiide Vormarsch ich reitet in allen Abschnitten weiter fort. Die griechische Niederlage im Abschnitt von Alaichahir stellt sich als schwerer beraus als zuerit angenommen wurde. Die Stadt Alaichahir selbst wurde von unseren Truppen eingenommen. Auch im Mäanderabschnitt wurde unser Vormarsch fortgesetzt. Die Griechen waren gezwungen, die Höhen nördlich des Flusses auf reichten bereits die Umgebuna der Stadt Adremii, von wo ste den Rückzug der Griechen bedrohen, die sich gegenwärtig in der Umgebung von Salili befinden. Die Griechen werden von uns mit Flugzeugen und durch Kavallerie verfolgt. Die Artillerie im nächsten Kriege ( DA.) Paris, 6. September. Der Generalinspekteur der französischen Artillerie hat erklärt, man fönne mit Sicherheit annehmen, daß die Schußweite der schweren Artillerie im nächsten Kriege 140 Kilometer betragen werde, vielleicht sogar 200 Kilometer. England würde mit so weittragender Artillerie von seiner Küste aus Brügge, Lille, Arras, Amiens, Havre und den Süden von Cherbourg unter Feuer nehmen und überhaupt rings um die Inseln des ver einigten Königreiches einen Gürtel von 140 Kilometer Breite beherrschen fönnen. Französische Geschütze würden andrerseits Harwich, London, Portsmouth, Southamton, Dorchester, Dartmouth und die Küste von Cornwall beschießen können. Die ganze englische Südküste würde in der Reichweite der französischen Geschüße liegen. Englische Anleihe für Oesterreich ( EP.) London, 6. September." Daily Expreß" meldet, daß eine Gruppe einflußreicher Banken Londons beschlossen habe, Desterreich eine Anleihe von 20 bis 30 Millionen Bund Sterling( 30 Millionen Pund find etwa 1000 Milliarden Kronen) anzubieten. Als Bedingung für die Gewährung der Anleihe werde die Verpfändung der Einfuhrzölle gefordert. Ferner werde die Anleihe von einem Moratorium für die Meparationszahlungen abhängig gemacht. Man erwartet, daß Dr. Seipel mit einigen österreichischen Finanzmännern in Stürze zu einer Konferenz nach London kommen wird. Grubenkatastrophe in England London, 6. Sept. Bei einer großen Bergwerkservlofion in Whitehaven an der Cumberland- Küste wurden 40 9r: beiter in einem Schacht unter Steinkohlen verschüttet. Bisher find 10 Leichen geborgen worden. Es besteht wenig Hoffnung auf Rettung der übriaen. Die Bergungsarbeiten werden durch Giftgaie erschwert; zahlreiche am Rettungswerk beteiliate Beraleute wurden besinnungslos an die Oberfläche aebracht. Die„ Leistungen" des Völkerbundes Genf, 6. September. Der englische Vertreter Lord Robert Cecil hielt in der heutigen Sibung des Völkerbundrats eine längere Rede, in der er die Leistungen des Völkerbundes aufzählte. Unter anderm verwies er auf die Lösung der oberschlesischen, der Saar- und der Danziger Frage. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen fam er auf die wirtschaftliche Krisis, namentlich in Deutsch= I and, zu sprechen. Deutschland werde in wenigen Monaten dort sein, wo sich heute Desterreich befindet. Deutschlands Papiergeldflut Auf eine Anfrage wegen der Zahlungsmittelnot hat, wie die PPN. hören, die preußische Finanzverwaltung mitge= teilt, daß in den letzten 10 Tagen für 23 Milliarden 3ahlungsmittel gedruckt und in Umlauf gesetzt worden sind; daß sind insgesamt 10 Prozent des gesamten Notenumlaufs Deutschlands. Die Tagesleistung der Reichsdruckeret ist fest auf 2,6 Milliarden Paviermark gestiegen; sie wird noch im Laufe des Monats September auf nahezu 4 Milliarden Papiermark täglich gesteigert werden, wodurch man dann die Zahlungsmittelnot endgültig zu beheben hofft. Zur Charakteristik Faulhabers ( EP.) Paris, 6. Sept. Journal des Debats" gibt, anknüpfend an die Aeußerungen, die der Münchener Erzbischof Dr. Faulhaber auf dem Ratholikentag gemacht hat, eine Reihe von Beschuldigungen wieder, die gegen den Erzbischof im ehemals von den Deutschen besc sten franzöfifchen Gebiet erhoben worden sind. Das Blatt zitiert eine Erklärung, die der damalige Bischof von Lille und jeßige Erzbischof jezige Erzbischof von Neunes, Monsignore Charodet im November 1918 veröffentlicht hat, und in dér es heißt, Faulhaber habe nicht nur den Vorschriften der katholischen Kirche widersprechend, Gottesdienste abgeyalica, ohne ihn hierzu vorher um Erlaubnis gefragt sa baben, sondern er habe auch einen alten Pfarrer in Wambrechies, der ihm Gastfreundschaft gewährt habe, in der gröblichten Weise behandelt. Eine Beschwerde beim Hofprediger des Kaisers sei von diesem zurückgewiesen worden. Das Slett fügt aus eigenem Wissen noch hinzu: Erzbischof& aulhaber hat diesem Geistlichen einen heftigen Fausschlag vor die Brust persetzt, so daß der alte schwache Mann das Gleichgewicht verloren habe und umgefallen set, Der Stinnes- Vertrag Der erste große Vertrag zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Frankreichs ist abgeschlossen. Der Abschluß wurde möglich durch die Sachleistungsabkommen, die die Reichsregierung unter Rathenaus Fühs rung abgeschlossen hatte. Das Wiesbadener Abkom men, das staatliche Verteilungsorganisationen hüben und drüben vorsah, wurde abgeändert und dem Bemelmans Abkommen analog gestaltet, wodurch den freien Initiative der Liefernden in Deutschland und der Lieferung Begehrenden in Franfreid) weitester Spielraum gelassen wurde. Dieses mit dem französis schen Vertreter Gilet abgeschlossene Abkommen schaltet jeden Einfluß der Arbeiterorganisationen auf das Wiederaufbauprogramm aus. Der zwischen Stinnes und Lubersac abgeschlossene Vertrag stellt den ersten Versuch eines Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete dar. Dabei zeigt sich das folgende Paradoron: Die Parteien, die die Erfüllungspolitik einschließlich der Sachleistungsabkommen bis vor wenigen Tagen noch in Grund und Boden donnerten, finden jetzt mit einem Male Geschmack daran. Die Parteien aber, die am energischsten die Erfüllungspolitik vertraten, stehen dem vorliegenden Abkommen sehr skeptisch gegenüber. Das liegt an der Art des Abkommens selbst. Die Vertreter der uneingeschränkten Kapitalherrschaft haben allen Grund, mit ihm zufrieden zu sein. Stinnes hat es verstanden, die Erfüllungspolitik in eine Politik der Ueberfüllung seiner Geldschränke und den kapitalistischen Machtreservoire umzuwandeln. Der Vertrag bedeutet für Stinnes eine ganz gewaltige Machterweiterung. Nicht nur allein werden ihm durch die Vermittlungsprovision Milliarden zufließen, die für ihn auch Munition im Kampf um die Befestigung und Erweiterung seiner Machtposition sind, sondern der Vers trag selbst ist ihm auch ein Machtapparat, wie er ihn sich nicht besser wünschen kann. Allein die Kohlenflausel macht ihn für weite Gebiete zu einem übermächtigen Wirtschaftsdiktator. Hugo Stinnes, der den Vertrag abschloß, der ihm außer den Milliarden an Vermittlungsprovision, selbstverständlich zu Lastent des deutschen Steuerzahlers, und außer den noch zahlreicheren Milliarden an Gewinnen aus den Lieferun gen selbst, wiederum zu Lasten des deutschen Steuerzahlers, einbringt, ist zugleich der Beherrscher des Kohlensyndikats. Von den Reparationsfohlen wird nach dem Vertrage ein bestimmter Prozentsatz zur verstärkten Lieferung von Baumaterialien, wie Zement, Ziegelsteinen, Kalt, Dachziegeln, freigegeben. Die Verteilung dieser Kohlen auf die verschiedenen Betriebe wird Sache der Firma Hugo Stinnes in Ver= bindung mit dem Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikat sein." So bestimmt ausdrücklich der Vertrag. Die Praktiken der Industriemagnaten sind schon aus der Vorkriegszeit hinlänglich bekannt, um zu wissen, was auch diese Bestimmung für die Machterweiterung der Stinnes- Konzerne bedeutet. Die Das Wort des Reichskanzlers, daß es neben den Kriegs- und Revolutionsgewinnlern nicht auch noch Reparationsgewinnler geben dürfe, wird elend zu= nichte gemacht. Woher kommt das? Das im März dieses Jahres mit dem französischen Vertreter Gilet abgeschlossene Abkommen schaltet jeden Einfluß der Arbeiterorganisationen aus. Aber auch die Regierung hat nur höchst geringen Einfluß auf einmal abgeschlossene Verträge. Nur wenn betrügerische Manipulationen nachgewiesen werden können, Ausfuhrbestimmungen verletzt erscheinen oder aus ähnlichen Gründen, kann die Regierung die Genehmigung versagen. Die französische Regierung hat dem Stinnes abkommen im voraus zugestimmt. Sie hatte allen Grund dazu. Denn für sie bedeutet es den Beginn des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete. deutsche Regierung hat sich offenbar nicht im geringſten um das gekümmert, was sich auf der Heimburg und Niederheimbach am Rhein abspielte. Sie hätte die Pflicht gehabt, auf die Gestaltung des Abkommens Einfluß zu nehmen. Sat sie es nicht getan, so beging sie schwere, unverzeihliche Fehler. Tat sie es und setzte nicht alles daran, dem Vertrag die reparationsgewinn Ierischen Zähne auszubrechen, liegen die Dinge nicht anders. Die Leidtragenden sind wieder einmal vor allem die von Gehalt oder Lohn lebenden oder auf noch färglichere Einkommen gesetzten Bevölkerungsfreise. Bei alledem darf jedoch nicht übersehen werden, daß der Vertrag auch eine Anzahl von Bestimmungen enthält, die vom Standpunkte der Reparationsver pflichtungen als Erleichterungen für Deutschland gelten dürfen. Die Freigabe von Reparationskohle für deutsche Industriezwecke ist, auch wenn es sich innerhalb der Industriezweige, denen Reparationskohle zugewiesen wird, um Produkte für Wiedergutmachun gen handelt, gewiß ein Mittel, einer auf Kohlenknappheit begründeten Lähmung der deutschen Wirtschaft entgegenzuwirken. Auf die Dauer kann der niedere Markstand fich nicht als Faktor der WirtschaftsbeleSung behaupten. Die letzten Markstürze haben bereits die schwersten Befürchtungen für die Wirtschaftsge= staltung der nächsten Zukunft aufkommen lassen. Ermöglicht die Verwendung von Reparationskohle die Produktion zugunsten der Wiedergutmachung, so wird eine nicht unbeträchtliche Zahl von Arbeitern dadurch Beschäftigung finden. Das ist auch lohnpolitisch nicht phne Bedeutung. Die deutschen Lieferanten erhalten Weltmarktpreise. Diese Weltmarktpreise werden auf Reparationskonto gutgeschrieben. Bei der Kohlenlieferung war es bisher anders. Deutschland erhielt für die Reparationskohle nur Inlandpreise gutgeschrieben. Mit dem Marksturz schrumpften die Gutschreibungen für Kohle auch bei Lieferung gleicher Quanten auf einen Bruchteil zusammen. Gegenüber solchen Vorschriften stellen die Gutschriften zu Weltmarktpreisent ebenfalls einen Vorteil dar. Nicht, weil die Kohlenbarone andernfalls etwa Not leiden könnten, sondern weil für ein von der deutschen Arbeiterschaft geIeistetes Quantum Arbeit, je nachdem eine verfehlte Reparationspolitik gegenüber Deutschland den Dollar in die Höhe treibt, ein geringerer Betrag als Wiedergutmachung gebucht wird. Für die deutschen Steuerzahler aber bedeutet das Abkommen eine gewaltige Belastung über das notwendige Maß hinaus. Das Stinnesabkommen ist ein Musterbeispiel dafür, wie Reparation& gewinnler gezüchtet werden. Dagegen müssen die proletarischen Parteien sich mit aller Entschiedenheit wenden. Fortgang der Einigungsverhandlungen Am Mittwoch vormittag hat die Unterkommission getagt, die über die Fragen der organisatorischen Verschmelzung der beiden sozialistischen Parteien beraten soll. Ihr gehören an von der Sozialdemokratischen Partei Wels und Bartels, von den Unabhängi= gen Dittmann und Ludwig, welch letzterer indes erkrankt ist. Die Beratungen sind dadurch etwas ins Stocken geraten, gehen aber ebenso reibungslos vonstatten wie die Programmverhandlungen. Sie sind noch nicht zum Abschluß gelangt. Presse und Einigungsprogramm Die bisher vorliegenden Presseäußerungen zu dem gestern veröffentlichten Aktionsprogramm der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei spiegeln die Stellung der betreffenden Blätter zur Einigung selber wider. Der Vorwärts", der für die Einigung eintritt, sagt: „ Das Programm ist nicht das Ergebnis Harter Meitungsdämpfe und zäher Verhandlungen, es tit vielmehr mit großer Schnelligkeit und Leichtigkeit in freundschaftlicher Berständigung zwischen den beauftragten Vertretern der beiden Parteien zustande gebracht, worden. Auf beiden Setten war man sich darüber klar, daß es sich jest nicht darum handelt, tiefgründige Erörterungen über Theorie und Praxis des Sozialismus zu führen, sondern vielmehr barum, eine politische Tat zu tun, wie sie die Not der Zeit und der Wille der Klassen gebieterisch fordern.. die Einigung will, muß auch das Einigungsprogramm wollen Wir begrüßen das Einigungsprogramm, wie wir die fommende Einigung selbst wünschen und willKommen heißen." Wet Umgekehrt wie der Vorwärts" stellt sich die„ Note Fahne", die die Einigung fürchtet wie der Teufel das Weihwaffer, zum Einigungsporogramm ein. Sie sucht vergebens in ihm Zeichnung und Malerei Von Adolf Behne II Also müssen wir uns wiederum nach einem anderen Gr Fennungsprinzip umtun! Die Zeichnung, wird von uns jezt gesagt, ist ein Arbeiten mit Linien; die Malerei ein Arbeiten mit lecken! Gewiß, die strenge Reichnuna z. B. des XIV. Jahrhunderts ist ein Arbeiten mit Zinien, aber doch richt alle Zeichnung. Es ist aar teine Frage, daß auch die Poble- und Kreidetechnik in das Gebiet der Zeichenfunit gehört, und hier spielt doch der Fleck, die breite, gewischte läche eine Hauptrolle. Die moderne Reichnung, ganz be= fonders die Zeichnung des Naturalismus und Expresstonismus, tst eine flecken- und flächenhafte Beichnung gewesen, aber auch bereits die Reichnung des XVII, Jahrhunderts, die Zeichnung des Rembrandt und Rubens war es. Wenn also eine Reichnung linienhaft ist, so ist das keine Folge eines allgemeingültigen, grundlegenden und zeitlosen Brinsips, sondern im Gegenteil die Folge eines zeitlich bedinaten Stiles der febigen Anschauungs- und Empfindungsweise. Ein wirklich fruchtbares 11nterscheidungsmertmal zwischen Malerei und Zeichnung finden wir erst dann, wenn wir unier Augenmerk auf das verschiedene Verhalten des Auftrages zum Grunde in der Malerei und in der Zeichnung richten. Bunächst rein äußerlich: in der Malerei tritt der Grund zurück und ist nach vollendeter Arbeit unsichtbar unter den aufgetragenen Farjen verborgen. Bei der Zeichnung bleibt der Grund mehr nder weniger start sichtbar! Dieser Unterschied wird auch icht dadurch verwischt, daß manche neuere Maler auf ihren esemälden kleine Stellen der Leinwand aussparen". Denu berbet wird der Grund einfach als weiß benutzt, steht also für einen bestimmten Farbstoff, foll aber ganz und gar nicht an den„ Grund" erinnern. Diese Künstler wollen nur, einer größeren Reinheit und Klarabeit zuliebe, mit möglichst wenigen Farbenaufträgen auskommen und lassen also lieber das Weiß der Leinwand stehen, als daß sie weiße Farbe auflegten. Ganz anders bei der Reichnung! Da ist der weiße Grund nicht etwa eine bestimmte Farbe, fagen wir das Weiß der Wolfen, der Hausfugen, der Wäsche, der gepuzten Mauer, sondern ist ebenso im Simmel, im Wasser und im Erdboden und ist meistens, rings um die Darstellung herum, als weißer Rand deutlich und unverkennbar der Grund. 11n zeichnet Dürer auf grünem Papier die„ rengigung Chrifti", so ist der grine Grund nicht etwa reserviert ir die grünen Wänser, das Gras und Laub, sondern ist so fehr im Stamm des Kreuzes, in den Felsen, im Himmel, im nach einer Analufe der aenenwärttaen Situation des BroTetariats, vergebens nach Perspektiven für den Kampf um die Durchfeßuna der fein säuberlich aufgeführten Forderungen." Den Moskauer Stipendioten" imponieren eben nur schwülstige Gyninafiastenauffäße von Bandwurmlänge mit sündenden Parolen". Die Tägliche Rundschau", der Stinnes- Ersatz für die verbotene Deutsche Allgemeine Beitung" möchte natürlich ebenfalls die Einigung diskreditieren. Deshalb denunziert das Blatt das Programm als von vorwiegend mehrheitssozialistischem Geist" und wünscht aus innerstem Herzen, daß der linke Flügel der Unabhängigen, der mit den Tendenzen der kommunistischen Bewegung noch nicht gebrochen hat, sich diesem Programm nicht ohne weiteres verschließen" werde. So bewähren sich Rechts- und Linksbolichewijten. Das Berliner Tageblatt" sucht aus dem Aktionsprogramm zu schlußfolgern, daß es dem Marxismus entsage, der auf der Expropriation der Expropriateure', das heißt auf der allgemeinen Vergesellschaftung aufgebaut war". Dheilige Einfalt!" Um auch die Bereinigte Sozialdemofratische Partei in den Augen des demofratischen Spiegers noch salonfähig erscheinen zu lassen, versichert der brave Mary- Kenner des Tageblatt" weiter: ,, Was übrig bleibt, ist ein radibales fozialpolitisches Programm.... Im gangen genommen, bietet es der fommenden aceinten sosialistischen Partei die Möglichkeit, fich den labilen politischen und wirtschaftlichen Verhältniffen Deutschlands anzupaffen und positiv an der Wiederaufrichtung Deutschlands mitzuarbeiten." Größere Urteile von Bedeutung liegen bisher über das Programm nicht vor. Trauertelegramm zu Sembats Tod Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei und die Sozialdemokratische Partei haben aus Anlaß des Todes des Gen. Marcel Sembat an Gen. Paul Faure, dem Scfretär der französischen sozialistischen Partei, folgendes ge= meinsame Telegramm abgeschickt: Tiefbewegt durch Guren neuen schmerzlichen Verlust übermitteln wir unser herzlichstes Beileib im Namen der deutschen sozialdemokratischen Parteien. ges. Wels, Griipien." deutschen sozialdemokratischen Parteien. ges. Wels, Crispien." Fran Sembat folgt ihrem Manne ( EP.) Paris, 6. Sept. Aus Gram über den gestern erfolgten Tod ihres Gatten hat heute nacht Frau Sembat ihrem Leben freiwillig ein Ende gemacht. Frau Sembat, die den Abend mit Freunden ihres Mannes ver bracht hatte, schloß sich nach deren Weggang in das Arbeitszimmer ihres Gatten ein und schoß sich, nachdem sie in einem Briefe ihre Absicht, ihrem Gatten im Tode nachzufolgen, niedergelegt hatte, eine Kugel in den Kopf, die den sofortigen Tod zur Folge hatte. Frau Sembat, eine Malerin von gutem Talent, war in Pariser Künstler freisen sehr bekannt. Ihre Bilder haben wiederholt irt Herbstsalon sowie in der Ausstellung der Unabhängigen große Erfolge gehabt. Lohn- und Gehaltsregelung In unserem astrigen Bericht über die Verhandlungen der Spikenorganisationen mit der Regierung find bel Fehler enthalten. Berichtigend bemerken wir, daß der zweite Sab des dritten Abiates wie folgt lauten muß: Es wurde beschlossen, ab 1. September( nicht Dezem ber) die Teuerungszulagen um 132%, und zwar den Kopfe zuschlag auf 492% und die allgemeine Teuerungszulage und die Kinderzuschläge auf 487%( nicht 482%) zu erhöhen. Kahr läßt von sich hören Auf der Kreisgeneralversammlung des landwirtschaftLichen Vereins liek der Regierungspräsident v. Sahr in einem Vortrag über die wirtschaftliche Lage des deutschen Volkes fein Licht leuchten. Notwendig fei die napoleonische Auffassung der Tat, wobei er wahrscheinlich an sich selbst Schwamm und in den Waffen! Diefem mehr äußerlichen gefellt sich nun ein tiefer, fünstlerischer Unterschied zwischen Malerei und Zeichnung, der recht eigentlich die prinzipielle Scheidung ermöglicht. Der Grund" fann in der Malerei deshalb unsichtbar zurücktreten, weil er uns die materielle Unterlage ist. Der Auftrag ist in der Malerei bereits richtig, wenn er noch auf der Palette oder im Pinsel ist! In der Beichnung dagegen erhält jeder Auftrag, sei es nun ein Strich, ein Fled oder eine größere Fläche, die richtige Wirkung, die richtige Stärke, den richtigen Ton, erst durch das Zusammenwirten mit dem Grunde! Dieser ist also in der Zeichnung fünstlerischer Faftor ersten Ranges, d. b. er arbeitet an der Wirkung mit, er ist ebenso wichtig wie der Auftrag. Nehmen wir die häufigste Form der Zeichnung, die Zeich nung mit dem Bleistift oder der Kohle, Schwarz auf weißem Grunde, so ist auf den ersten Blid flar, daß der schwarze Zeichenstoff die Außenwelt mit ihren unendlich zahlreichen Farbenstimmungen nicht anders fassen fann als durch ein raffiniertes Mischen mit dem Weiß ges Grundes. Wenn der Zeichner mit dem einen schwarzen Stoff Wolfen und Bäume, Häuser und Wellen, Gläser und Blumen wiedergeben soll, so tann er das nur, indem er seine schwarzen Striche und Flecke jedesmal in ein neues und besonderes Verhältnis zum weißen Grund seßt. Dies ist sein einziges Mittel zu scheiden und zu charakterisieren. Und wenn er selbst mehrere Farben zum Beichnen nimmt, so könnte er den richtigen Son, die richtige Stimmung. die richtige Helligkeit nur durch ein Mischen mit dem Grunde( der ebensogut wie weiß auch grau oder gelb oder grün sein fann) erreichen. Es bleibt also dabei, daß in der Zeichnung der Auftrag seinen richtigen Charakter erst im Zusammenhang mit dem Grunde erhält. Nun ist es freilich richtig, baß auch in der Malerei der Grund nicht ganz bedeutungslos für die fünstlerische Wirfung ist, indem er ein Bild Heller oder dunkler, wärmer oder fälter erscheinen lassen fann Aber diese allgemeine Wir fung des Grundes, die eine gleichmäßige auf alle Farben und auf alle Töne ist, haben wir in der Zeichenfunst ebenfalls. Denn ob der Künstler auf grünem oder weißem Bapier zeichnet, hat ebenfalls seine wirtung auf die Gesamthaltung, eine Wirkung, die jedoch völlig verschieden ist von der oben geschilderten, die in der Zeichnung Farben und Diese Wirkung aber des Töne überhaupt erst schefft! Grundes ist es, die die Zeichnung erst eigentlich ausmacht. Unsere Untersuchung hat vielleicht auch erkennen lassen, ein wie schweres tünstlerisches Problem der wahren ZeichenEunst zugrunde Itegt. Jit doch feine der bildenden Künste in ihren Mitteln strenger und enger! | oder an Budendorff als Napoleon gedacht bat. Die Waren dürften nicht mit jedem Steigen des Dollars steigen, ebenfowenie aber die Löhne. Ob ein Gesetz dazu notwendig sei, waat er nicht zu entscheiden. Auf jeden Fall scheint aber dem Kahr ein Verbot ieder Lobnforderung ein erstrebenswertes Ziel. Der englische Gewerkschaftskongreß zur Reparationsfrage Auf dem in Southport tagenden Kongreß der Trades Union wurde eine von Thomas eingebrachte Entschließung angenommen, worin es bezüglich der Reparationskrise heißt, die Konferenz, auf der über 5 Millionen organisierte britische Arbeiter vertreten sind, erkenne an, daß die Entscheidung der Reparationsfommission für das deutsche Volf einen zeitweiligen Aufschub der unmöglichen Lasten gesichert habe, die ihm von den alliierten Regierungen auferlegt wurden. Die Konferenz hoffe, daß diese Krise dazu gedient haben werde, die dringende Notwendigkeit einer sofortigen und endgültigen Regelung des Reparationspro blems nachdrücklichst vor Augen zu führen. In der Ents schließung wird dem Plan der internationalen Arbeit zur Wiederherstellung der verwüsteten Gebiete erneut zuges stimmt und erklärt, daß fein Plan für die Wiederherstellung Europas möglich sei, wenn nicht die Besetzung der Rheinlande und die Politik der Gewalt aufgegeben würden. Es müsse eine angemessene Frist und Erleichterung für die Bahlungen gewährt werden. Die deutsche Industrie dürfe nicht erdrosselt werden, wenn Frankreich und Belgien wiederhergestellt werden sollten. Es müsse ein unparteiifther Gerichtshof des Völkerbundes bestehen, dent Schwierigkeiten und Streitfälle aur schiedsgerichtlichen Entscheidung überwiesen werden fönnten. Die deutschen Verpflichtungen müßten auf eine vernünftige Grundlage gebracht werden, da der augenblickliche Zustand der Ungewißheit der Hauptfaktor für die wirtschaftliche Lage in Europa sei, Die Deutschen und die Russen müßten eingeladen werden, dent Völkerbund beizutreten mit genau denselben Rechten und Pflichten wie die bisherigen Mitglieder des Bundes. Die Arbeitslosigkeit behandelnd, erklärte Thomas, alle müßten anerkennen, daß die anderen Fragen, damit verglichen, durchaus bedeutungslos feien. Keine Frage stehe in so engem Busammenhang mit dem Arbeitslojenproblem wie die der internationalen Schwierigkeiten. Er führte aus: Unsere Erklärung hat bewiesen, daß im gegenwärtigen Augenblick nicht Deutschland, sondern der britische Arbeiter bezahlt. Thomas forderte den Kongreß auf, der britischen Regierung zu erklären, daß, wenn auch Amerika die eng fischen Schulden nicht streichen wolle, England doch bereit fet, die Schulden zu streichen, von denen es vollkommen wije, daß sie niemals zurückgezahlt werden könnten. Diese Schuld mache es, indem sie über dem Haupt der Nationen schwebe, diesen unmöglich, ihre Währungen auf einer angemessenen Höhe zu halten. Das gleiche Recht in Deutschland Der Staatsgerichtshof in Leipsig hat fürzlich verschie bene in Verbindung mit dem Rathenau- Mord verhaftete Perfonen aus der Haft entlassen und sie obendrein außer Verfolgung gefeßt. Zu den Glücklichen, die der Freiheit wiedergegeben wurden, gehört auch Erich Bade, der Leuer des Deutschvölkischen Schuh- und Trußbundes in Schwerin, welcher in Birkularen die Mitglieder jenes Bundes zur heimlichen Bewaffnung, zum Waffenschmuggel und zur Verqustaltung militärischer Uebungen aufgefordert hatte. Ja, die Wege der deutschen Justia find oft dunte! und sonderbar. Berdoppelung der Gewerbesteuer Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: Der Ma gistrat ist über den Beschluß der Finanzdeputation binausgegangen und hat beschlossen, die Gewerbesteuer für das aweite Halbjahr 1922 au verdoppeln. Berschlechterung der deutschen Volksgefundheit. Die neueste Veröffentlichung des Reichsgesundheitsamtes, die die Sauptzahlen für die Bevölkerungsbewegung des ersten Halbfahres 1922, und zwar für die 46 deutschen Großstädte su fammenstellt, zeigt ein recht betrübliches Ergebnis. Wenns gleich nur vorläufige Werte angegeben werden können, so zeigt sich doch zuverlässig, wie in der Klinischen Wochenfchrift" mitgeteilt wird, daß die Geburtszahlen gegenüber bent Vorjahr nicht unerheblich zurücgegangen sind und die Sterbefälle an Tuberkulose um ein Geringes, an Lungenentzündung und Influenza erheblich zugenommen haben. Die GesamtSterblichkeit war beträchtlich höher als in dem 1. Halbjahr 1921, das allerdings besonders günstig war. Ihren Tiefstand haben im allgemeinen nur die Sterblichkeitsziffern bei den afuten Infektionen des Kindesalters behalten. Streit um ein historisches Genferbeil. ft das Meffer ber Guillotine, das fürzlich dem Pariser Carnevalet- Museum zum Geschent amacht wurde, wirklich das Henferbell, mit dem der Kopf Ludwigs XVI, vom Körper getrennt wurde? Diefe Streitfrage beschäftigt gegenwärtig englische Gelehrte. Denn bisher galt das Richtbeil, das in dem berühmten Pa noptidum der Mme. Tussaud aufbewahrt wird, als das echte. Das franzöftiche Guillotinemeffer foll aus dem Nachlaß des Senters der Revolution, Samfon, ftammen. Aber es wird nun darauf hingewiesen. daß Samion überhaupt nichts hinterlaffen hat. Seine Vermögensverhältniffe waren zuletzt so schlecht, daß er fogar die Guillotine ins Leihhaus getragen hatte und nur den Pfandfchein vorzeigen fonnte, als er den nächsten Auftrag zum Guillotinieren C. R. erhielt. Tagesnotizen Drohens fa Großen Schauspielhause. Freitag, ben 8. d. mts., gelangt im Großen Schauspielhause Offenbachs Orpheus in der Unterwelt sur 100. Aufführung. Bei der Erstaufführung von Jean Garments Schattenfischer", bis Mon tag, ben 11, b, mts., in den Rammerspielen bes Deutschen Theaters in Szene gebt, find bie bauptrollen in den Händen von Hans Brauferetter, Gertrub Ehfoldt, Lifelotte Denera, Baul Günther und Paul Mederow. Die Regie führt Bernhard Reich. Ju der Bollsbühne, Theater am Bülowplay, gelangt Ernst Tollers Maffe Menfa" am Freitag, den 8. b. Wis., zum 76. Wale zur Aufführung. In den Hauptrollen spielen, wie bei der Erstaufführung: Mary Dietrich Namenlofer. Gonja, Ferdinand fper In der im Schloßvart- Theater Steines Haus, am Sonnabend, ben 9. Geb tember, abends 7 11be, ftailfindenden Bremiere des Schauspiels Guhrmann Senidel" von Gerhart Sauptmann wirfen mit die Damen: Lucie öflich Guen Neuftabter, Gertrus Wolle, Thea Grobiczinsly und die Herren: Eduarb von Winterstein Bout Sendele, sugo negler und Delar Ebelsbacher. Regte führt Paul Hendels. 39. It a It t pe a ht A. en 26. deutscher Ortskrankenkassentag Karlsruhe, den 4. September. Im Auftrage des Ortsfrankenkassentages wurde heute ein dringenbes Telegramm an den 6. Ausschuß des Reichstages gerichtet, in dem namens 1500 Drtstrantentassen mit 10 Millionen Versicher ten ersucht wurde, die Krankenversicherung bor weiteren schuiveren Erschütterungen zu bewahren. Weiter wurde gefordert die Fest jezung der Grundlohngrenzen den Sagungen der Strantentassen zu üterlassen, andernfalls soll die gefeßliche Grenze auf 300 Mart festgelegt werden. Die Barleistungserhöhung soll für die laufenden Fälle erst 4 Wochen nach der Grundlohnerhöhung in Kraft treten, da andernfalls Zahlungseinstellungen vieler Stassen zu befürchten seien. Ueber die Reform der Reichsversicherungsordnung wurden bier Spezialreferate gehalten. Die Probleme beim Umbau der Sozialversicherung behandelte Ministerialrat Dr. Schulz Berlin vom Reichsarbeitsministerium. Er berlangte, daß die Lohnstufen einheitlich für das Beich geregelt werden. Im Krankenversicherungswesen misse man unbe dingt zu einer 8entralisation tommen; bie fleinen Stassen hätten Beine Daseinsberechtigung mehr. Unter sehr lebhaftem Widerspruch ber Delegierten plädierte Ministerialrat Schulz für paritätische Zu sammensehung. Direitor Gohn Berlin sprach über die 8entralisation ber Prantenversicherumg. Als Uebergang zur bölligen Sentralisation forderte Cohn die gesetzliche Einführung von Kassenverbänden. Jm Bezirk eines jeben Versicherungsamtes follen alle Staffen zwvangsweise zu einem Verbande zusammengeschlossen werden. Ueber den Ausbau der Krankenpflege, insbesondere der ärztlichen Versorgung, referierte Geschäftsführer helmut Leh mann Dresden. Der Referent gab ein ausführliches Bild ben den Stämpfen um die Erhöhung der Arzthonorare mit dem Leipziger Aerzteberband. Er schilderie, wie wenig sich der Verband bon fozialen Gesichtspunkten hätte Leiten lassen. In der letzten Zeit hätte das Honorar das 30- bis 40fache des Friedenshonorars be tragen, während die Einnahmen der Stassen sich nur um 25 Prozent erhöht hätten. Heute seien doppelt sobiel Aerzte vorhanden, als in der Frtebenszeit. Der Existenzkampf in diesem Berufe Der Existenztampf in diesem Berufe wirde auf dem Rilden der Krantentassen ausgefochten. Lehmann legte dem Drtstrantenfassentag zu dieser Frage eine Entschließung bor, die einstimmige Annahme fand. Dieselbe besagt im wesent lichent: Die zentralen Vereinbarungen zwischen den Organisationen der Aerzte und der Krankenkassen haben ebenso wenig wie die Ausgeftaltung des Schiedsverfahrens die Gegenfäge zwischen Aerzten und Rassen zu mildern vermocht. Trozdem muß bis zu einer andere weitigen geseglichen Regelung an der Zarispolitik festgehalten Der Drtsftantenfaffentag berlangt erneut eine ärztliche Reichsgebührenordnung, eine zentrale Regelung für die Pauschal honorare, die Staffelung der ärztlichen Gebühren nach Dristlassen. Mit Bebauern maß festgestellt werden, daß der weitreichende Einfluß der Aerzteorganisation die feit Jahren geforderte gefeßliche Neuordnung des ärztlichen Dienstes in der Strantenversicherung bis her zu bereiteln gewußt hat. Inzwischen aber hat die wirtschaft liche Entwidlumg bie Leistungsfähigkeit der Strantenfassen in te drohlichster Weise erschüttert. Statt die Staffenleistungen auszu bauen, sind die Kaffen zu einem allmählichen Abbau gezivungen. Die Ueberfüllung des Aerzteberufes und der daraus resultierende Verfuch der Aerzteorganisation, die Stranfenbersicherung für die Bersorgung ber fiberzähligen Aerzte dienstbar zu machen, muß da her die Krankenkassen einer Ratastrophe entgegenführen. Der 26, Drtstrandentaffentag weift Regierung und Reichstag er neut darauf hin, daß die Arztfrage zum Zentralproblem der frontenversicherung geworden ist. Nicht nur ihr Ausbau, sondern ihr Fortbestehen hängt von der Lösung dieses Problems ab. Weiter fordert der Drtstranfenfassentag von der Gesetzgebung die Be feitigung des Zwanges, freie ärztliche Behandlung und, Arznei ohne Rücksicht auf die Höhe der Kosten zu gewähren." Das 4. Spezialthema Familienhilfe und Kinderfürsorge behanbelte Direttor Eisenhuth Köln. In der Familienhilfe müßten mit einbegriffen sein Arzneihilfe, Krantenpflege, Seil- und Stär tungsmittel, Erholungsfürsorge. Eisenhuth gab ein erschreckendes Bild von der Zerstörung und Gefährdung der Gesundheit der beut. schen Jugend, die er als Kriegswirkung brandmarkte. Er nannte erschütternbe Zahlen bon tuberkulosen, nerbenschivachen und unter ernährten Rindern. Zur Gesundung der deutschen Jugend, auf der die Zukunft des Landes beruhe, müsse ein großzügiges Rettungswert geschaffen werden. Diese Kinder- und Jugendfürsorge dürfe nicht auf die Wohltätigkeit gestellt werden. In der Aussprache erhob Präsident Fräsdorf schärften Brotest gegen die Ausführungen des Ministerialrats Dr. Schulz betreffs ber paritätischen Zusammensetzung. Falls sich die von Sayulz borgetragenen Ausführungen zu Vorschlägen bom Reichs. arbeitsministerium berdichten sollten, werden sie auf schärfste Ab. Tehnung ter Arbeitnehmerschaft und des Hauptberbandes deutscher Drtstrantenfassen stoßen. In der Distuffion wurde allgemein Sturm gegen die Betriebs-, Innungs-, Ersaß- und Handwerkertassen gelaufen und ihre Eingliederung in die allgemeinen Stranfenfassen berlangt. In seinem Schlußwort betonte Ministerialrat Dr. Schulz, daß seine Ausführungen seine persönlichsten Ansichten feien. Daß er aber im übrigen auch ein eifciger Verfechter der Sentralisation ber Rrandentafsen sei. Sodann wurde zur Reform der Reichsversicherung einstimmig eine allgemeine Resolution angenommen, in ber es heißt:„ Die beutsche Sozialversicherung entvidelt sich unter den Nachsvirha OF Die Zeit drängt! 0 si Genoffe Disms Genoffe Dißmanns Forderungen im Volkswirtschaftlichen Ausschuß Wirtschaftslebens müssen wir nachgehen und die Krankheits ursachen beseitigen. Daß die außenpolitischen und weltwirtschaftlichen Sustände die Verhältnisse im Inland start beeinflussen, ist richtig, aber durch energisches Eingreifen im Lande selbst ers Bielen wir auch außenpolitisch eine günstige Wirkung. Notwendig ist. durch energische Maßnahmen das Vertrauen des deutschen Volkes zu gewinnen, wie auch das Vertrauen des Auslandes. In dieser Beziehung haben die bayerischen Erscheinungen der letzten Monate uns auch im Auslande sehr gefchabet. Im Bolkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages behan-| Itativmittel helfen nichts. Den tausend Quellen unferes belte gestern der Reichswirtschaftsminister Schmidt die Wirtfchaftslage des Reiches. Trotz des scheinbaren Aufschwungs der Industrie berge das deutsche Wirtschaftsleben drohende krantheitsfeime. Die Kosten der Lebenshaltung steigen fortgejezt und daraus tönnen große innerpolitische Gefahren entstehen. Diese Erscheinungen stehen in engem Zusammenhang mit dem Sturz der Mark und die Lösung der Krise fei lesten Endes ein Währungs- und Finanzproblem. In Bezug auf die Erscheinungen des Devisen marftes sagte der Ministere, ein Verbot, in fremden Währungen zu fakturieren wäre ein Schlag ins Wasser. Hingegen sei die Ausschaltung der Spefulation auf dem Devisenmarkt notwendig. Der Minister behandelte alsdann besonders traffe Preis. erhöhungen, die zu der Erwägung zwängen, ob nicht gegen die fabrikanten wegen Wuchers Anklage zu erheben Minister die Anwendung gefeßlicher Bestimmungen an, falls sei. Geaen die Preissteigerung für Drndpapier fündigt der die für das deutsche Zeitungsgewerbe ruinöfe Pret ofeſtfebung nicht geändert wird. In der Debatte rollte Genosse Dißmann( USPD.) die mit der gegenwärtigen Wirtschaftslage zusammenhängenden allgemeinen Probleme qua Lage ist sehr ernst, die wirt= schaftliche Not wird täglich größer. Folgende Gesichtspunkte find in den Vordergrund zu stellen: Welche Auswirkun= gen zeigt die heutige Wirtschaftsnot? Wohin steuern wir, wenn die Dinge so weiter gehen? Welche Maßnahmen find zu treffen, um aefündere Rustände zu schaffen? Welches find die Ursachen unserer jetzigen Not? Die Markentwertung zeitigt eine rasende Teuerung und verheerende Wirkungen für die Allgemeinheit. Die Reichse statistik ergibt für Auguft eine Verteuerung der Lebens: haltung von über 40 Prozent, aber die Preissteigerung des Großhandels geht noch darüber hinaus, Der Kleinhandel folgt auf dem Fuße. Die Gegenstände des täglichen Bedarfs, Kleidung, Schuhe, Wäsche, sind in den legten zwei Monaten um das drei-, vier- und fünfiache im Preis gestiegen. Die Lebensmittel werden, soweit es nicht bereits geschehen ist, in Stürze folgen, Arbeiter, Angestellte und Beamte sind zu Lohn- und Gehaltsforderungen gezwungen. Der Reallohn fällt, bie Stauftraft der Mark geht ständig zurück. Künstlich gefördert wird die Preissteigerung durch Wucherer und Schiebet, die die Lagerbestände auftaufen und sie nach dem Auslande verschieben. 3weimalige Preisfalkulation in Dollars( bei der Wareneindeckung und beim Warenverkauf), Valutaspekulation, Zahlung in ausländischer Währung beim Warenverkehr im Inland und anderes verfchlimmern die Lage und führen zur Katastrophe. Die schwierige Rohstoffbeschaffung und die Kreditnot rüden die Wirtschaftsfrise näher. Was aber, wenn zu Teuerung und Not ArbeitsTofigkeit fommt! Das Chaos winft, wenn nicht mit festet Hand auf allen Gebieten zugegriffen wird. Einzelne Palgen des Weltkrieges immer mehr nach der Richtung einer allge meinen fozialen Filrsorge. Dieser Entwidlung Rechnung tragend, werben für ben Umbau der RVD. folgende grundsäyliche Forde rungen aufgestellt: 1. Drganisatorische Zusammenfassung der Trager ber Sozialversicherung und engstes Zusammenwirten mit ber Sozialfürsorge; 2. Ausgestaltung der Selbstverwaltung der Ver ficherungsträger; 3. Erweiterung des Umfanges der Versicherung; 4. Ausgestaltung der Leistungen; 5. Neugestaltung der Lastenbedung. Die Beratungen wurden sodann auf Dienstag vertagt. Weitere Verschlechterung der Sozialgesetzgebung Im Sozialen Ausschuß des Reichstags standen am Dienstag eine Reihe Verordnungen zur Beratung, die der Genehmigung des Ausschusses bedurften. Das Arbeitsministerium wie auch die bürgerlichen Parteien gehen rüdsichtslos an dem unermeßlichen Elend der Sozialrentner vorüber. Die Regierung warf für 1800 000 Invaliden-, Alters- und Witwenrentner und 600 000 Waisen nur eine Milliarde Mart aus zur Beschaffung von Kleidung, Feue rung und Nahrungsmitteln. Den Vorschlag unserer Genossen, die Renten zu erhöhen, nahm der Aus= schuß nicht an. Die Regierung erklärte, daß im Mini sterium noch Erwägungen über Rentenerhöhungen schwebten. Ein vom Genossen Karsten begründeter Antrag verlangte die sofortige einmalige Anszahlung von 2000 r. für jeden Invaliden und jede Witwe, die Notstandsunterfügung besieben, und von 500 Mt. für jedes unterhalts pflichtige Kind. Die Regierung und die bürgerlichen Parteien lehnten auch diesen Antrag ab. Lediglich ein Antrag wurde angenommen, der von der Regierung verlangt, den Teuerungsverhältnissen entsprechend eine einmalige Unterstützung zu zahlen. Mit diesen ganz und gar nicht ausreichenden Beschlüssen setzte man sich über das grenzenlose Elend der Sozialrentner hinweg. In der Krankenversicherung wurde die Versicherungsgrenze auf 800 000 Wtart festgesetzt. Der Grundlohn wurde auf 180 Mart Pflichtgrenze und auf 500 Mart Höchstgrenze erhöht. Weitergehende Anträge wurden abgelehnt. Die Tiefz BILLIGE Verkauf nur sowelt Vorrat Neue Kartoffeln Pfand 340 Weisskohl........ Pfund Rotkohl..... Möhren...... .Pfund Pfund 320 485 105 Unser Wirtschaftstörper ist trant. Der Krieg mit feinen Verlusten an Menschenleben und der Verwüstung unermeßlicher Rohstoffe und Güter schlug uns schwere Wunden, wozu noch der Verlust wichtiger Wirtschaftsgebiete, wie Oberschlesien, Saargebiet uiw, tam. Wenn man aber vom werftätigen Volt eine gesteigerte Produktivität erwartet, dann hat das zur Vorausseßung, daß zunächst auf allen Gebieten Maßnahmen aur Beseitigung der heutigen ungesunden Zustände getroffen werden. Keine Warenverschiebung und Warenverschleuderung nach dem Auslande, rücksichtsloſe Unterdrückung Bekämpfung der Schlemmerei, Preistreiberei, des Wuchers und des Schiebertums! durchgreifende Maßnahmen gegen die Erscheinungen auf dem Devisenmarkt, Verbot der Zahlungen in ausländischer Währuna beim inländischen Warenverkehr! Genoffe Dißmann weist im einzelnen auf die fützlich von den Gewertschaften gemachten Vorschläge bin. Bei Beschränkung der Einfuhr sind bestimmte Härten nicht Au vermeiden. Wollen wir der Papiergeldwirtschaft und thren Folgen Einhalt gebieten, so müssen zur Balancierung des Reichshaushalts die Besitzsteuern laufend, und zwar Steinend mit der Geldentwertung. erfaßt werden. Diese Praris bat man bisher nur gegenüber den Bohnund Gehaltsempfängern( 10 Prozent Steuerabzug) geübt. Entscheidend für die attive Handelsbilanz und auch für die Volfsernähruna ist, aus dem deutschen Boden das größtmöglichste an Aararprodukten herauszuholen und die Ernte unter Ausschaltung jeder künstlichen Preistreiberet und des Zwischenhandels den Konsumenten auf direktem Wege zuzuführen. Die Arbeiter begrüßen und fördern jeden technischen Fortschritt und sind bereit, auf diesem Wege zur Sebung der Produktivität beizutragen. Nicht aber durch Aufhebung des Achtstundentages: hieran halten sie unbedingt fest. Die Gemeinwirtschaft ist geboten, einzelne Zwangsmaß nahmen sind notwendig. Die einzelnen Refforts der Reichsund Staatsregierung müssen mit den Kommunen plan= mäßig zusammenarbeiten, unterstüßt von den gefeßgebenden Körperschaften. Die Zeit drängt. keine Stunde darf mehr versäumt werden. | Höchstgrenze entspricht durchaus nicht den berechtigten Anforderungen der Versicherten wie der Kassen; völlig uns genügend aber ist die neu festgesette Pflichtgrenze. Ein Rranfer fann mit der Hälfte eines solchen Grundlohnes als Krantengeld unmöglich auskommen. Aber diese Erwägung ist für die Mehrheit des Ausschusses nicht entscheidend, fie hat die Arbeitgeber vor größeren sozialen Lasten zu schützen. In der Unfallversicherung wurde die Versicherungsgrenze zunächst auf 300 000 Mart und die sogenannte Dritteilungsgrenze auf 90 000 Mark erhöht. Eine Erhöhung der Leistungen für die Alt- Unfallrentner stand jedoch nicht auf dem Regierungsprogramm 900 000 Unfallrentner sollten leer ansgehen! Als von der Linken eine Verdoppelung der bisherigen Säße beantragt wurde, lehnte bie bürgerliche Mehrheit diesen Antrag ohne Diskussion ab. Als nach einer lebhaften Ausein andersetzung ein Vertagungsantrag, der bezwecken sollte, daß die Regierung in den nächsten Tagen eine Vorlage über die Erhöhung der Unfallrenten ausarbeiten sollte, abgelehnt wurde, verließen unsere Genossen die Gigung, um dadurch die Beschlußunfähigkeit dieses sozialer Arbeit nicht fähigen Ausschusses zu erwirten. Der Ausschuß vertagte fich dann auch. In der nächsten Woche soll über die Unfallversicherung und die Wochenhilfe ernent beraten werden. zialen Fragen im Reichstagsausschuß erfahren, nicht geDie Arbeiterschaft darf sich die Behandlung, die die sofallen lassen. Die fallen laffen. Die Gewerkschaffen haben die Regierung darauf hinzuweisen, daß für die Folgezeit ein weiterer Abbau des Realeinkommens der Sozialrentner unter allen Umweitergeben. Millionen hungern, verelenden und gehen ständen unterbleiben muß. So fann und darf es nicht dem Winter mit Verzweiflung entgegen die maßgebenden Stellen versagen! Die bürgerlichen Parteien treten für freie Wirtschaft und für Weltmarktspreise ein, die Lebensmöglichkeit der abgearbeiteten Proletarier schert sie nicht. Unsere Partet lehnt es ab, die Verantwortung für eine solche Politik zu tragen und erhebt aus reinem Menschlichkeitsgefühl den schärfsten Protest gegen diese Sozialpolitie". Die Arbeitslofen in Triest durcheilten Dienstag in größeren Gruppen die Hauptstraßen der Stadt, mehrere Lebensmittelmagazine wurden geplündert Lebensmittel Leipziger Strasse Frisches Fleisch Kalbfleisch.............. Pfund 85°° ...... Pfund 90° Hammelrücken Schweine- Bauch.... Plund 16000 Alexanderplatz Verkauf nur sowelt Vorrat Hammel- vorderfielsch. Pfund 80⁰⁰ Hammelkeulen........ ...... Pfund 90% Schweine- Kotelett Pfund 170⁰⁰ Rückenfet....... Pland 210°° Liesen mit Micker......... Micker............. Pfand 220°° Prima fettes Ochsenfleisch frisch gefroren... 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Fast jeder war damals auch dicht vor den Toren des alten Berlin noch so glücklich, einen Garten sein eigen nennen zu können, und in jedem dritten Garten war ein Bienenstand, Auf den Heiden von Charlottenburg, Neukölln, Köpenid, Schmöckwitz, Dalldorf wurde die Bienenzucht in großem Maßstabe betrieben Das war für die brandenburgischen Kurfürsten erwünschter Anlaß, die Bienenzüchter kräftig zu schröpfen und von ihrem Ertrage einen fetten Tribut zu fordern. Vielfach wurde mit den einfachsten Mitteln Honig erworben. Taufende von Beidlern" pachteten vom Landesherrn, von den Städten oder von privaten Waldbefizern das Recht, die Stämme von Kiefern unterhalb der Krone auszuhöhlen und die Höhlung, nachdem nur ein Flugloch freigelassen war, mit Bienenvolt zu beseßen. Diese Waldschädigung hat noch bis vor hundert Jahren angedauert. Vor dem Kriege gab es in der Mark nach der amtlichen Statistik rund hunderttausend Bienenstöde, die an Honig und Wachs etwa eine Million Mark einbrachten. Schon für 1,50-2,00 Mark erhielt man damals, wenn man sich nicht übers Ohr hauen ließ, ein Pfund reinen Bienenhonig. Heute kostet das Pfund 95-100 Mart. Währen des Arieges hat sich die Bienenzucht, da überall die Frauen für die Arbeit der in den Krieg gezogenen Männer eintraten, nicht vermindert. Um so mehr wurden wir, woran aber feineswegs nur die Frauen als Bienenzüchterinnen schuld waren, mit gefälschtem Honig und mit Honig- Ersaß überschwemmt Sehr viel reiner Bienenhonig wurde für das Militär requiriert. Die Herren Offiziere bestrichen sich ihre schneeweißen Brötchen mit goldgelbem Honig. Für die Soldaten und für das übrige Volf war der Kunsthonig, oft eine wahre Dreckschmiere, die Brechreiz verursachte, gerade gut genug. Neben den Fälschungen, die auch vor der Berarbeitung von Scim nicht zurückschredten, tam der Kunsthonig in festen Würfeln auf. Malzrückstände aus den Brauercten, Kartoffelsyrup, Stärkemehl und Zucker waren seine Hauptbestandteile. Von solcher Nähr- und Heilkraft wie beim rechten Honig konnte feine Rede sein. Man würgte dieses Zeug hinunter, weil man außer der sogenannten schauderhaften Marmelade zum Brotaufstrich nichts besseres hatte. Gegenwärtig wird Kunsthonig verhältnismäßig wenig gekauft. Es kann aber infolge der jetzt von Tag zu Tag steigenden Fettpreise bald wieder so kommen, daß man gea zwungen ist, ihn zu kaufen. Dann werden an solcher Art der Volksverelendung abermals von den Schiebern und Bucherern ungezählte Millionen verdient. Den Jmfern während der Zuder- Zwangswirtschaft große Sudermengen zuzuweisen, war an sich gewiß richtig. Leider bat davon, wie gesagt, das Volk verteufelt wenig gehabt. Die Freigabe des Zucers, die zum tollsten Wucher führte und sich hoffentlich recht bald wieder zur Zwangswirtschaft zurückwandelt, hat nenerdings einen äußerst umfangreichen Honigschwindel gezeitigt. Gegen Hausierer, die echten Honig anbieten und vorgeben, eigene Bienenzucht zu haben, soll man ganz besonders vorsichtig sein. In neun von zehn Der Entgleiste Roman von Wilhelm Holzamer. ( 39. Fortsetzung.) " Bravo!" Jch lieb sie auch. Wir lieben sie alle drei." „ Sei still," fuhr ihn der Philipp an es ist mein heiligster Ernst. Ich bin ganz unglücklich vor lauter Liebe." ,, Und sie?" feuchte der Franz. Beilage zur Freiheit" solcher Fälle wird Schwindelware vertrieben. Schon der Preis muß stugig machen. Kein wirklicher Imker kann zu solchen Preisen liefern Gewöhnlich wird einer kleinen Menge echten Honigs flüssiger Kunsthonig zugesezt. Das Publikum muß selbst mithelfen, diesen gewiffenlosen Fäl schungen ein Ende zu machen. Es hilft doch! Geitern wurden auf den Wochenmärkten die Magistratsfeefische verkauft. Wir haben in Schöneberg gestern die Wirkung beobachtet. Gana merkwürdig. dieselben Gold= barie, die vor einer Woche noch 50 Mark fofteten, waren gestern an allen Ständen für 39 Mt., also zum felben Preis wie die Magistratsfische zu haben. Auch die Heringe„ paßten sich an". Da das Sinken des Tollars doch sonst nie zum Sinken der Preise führte, muß man doch annehmen, daß der Druck der unangenehmen Konkurrenz wirft. Wir erwarten, daß der Magistrat alles anspannt, um von sich aus durch Lebensmittelankauf die Preise zu senken. Das hilft mehr als die schönen Reden und Konferenzen des Oberbürgermeisters. Wie die Preise künstlich in die Höhe getrieben werden Aus Fachkreisen wird uns geschrieben: Die Preise für Befleidungsstücke haben in letzter Zeit solch eine Höhe erreicht, daß es einem Arbeiter oder Angestellten fam noch möglich ist, sich die notwendigsten Kleidungsstücke zu beschaffen. Die Stoffe und Fuitersachen sind seit Juli d. Js. um das Vierfache und darüber gestiegen. Ein Meter Anzugstoff kostet heute schon Mt. 3000.- und mehr. Diese furchtbare Steigeruna soll angeblich durch das Steigen des Dollars fich notwendig gemacht haben. Es wird zugegeben, daß die Rohstoffe für die Textilindustrie aus dem Auslande beschafft werden müssen und der Stand des Dollars für die Preisfestseßung der Stoffe in Betracht kommt. Es wird uns aber feiner einreden wollen, daß die Fabrikanten ihre Rohstoffe eingefauft haben, als der Dollar über Mt. 2000,- stand. Im Gegenteil, der arößte Teil der Fabrikanten hat sich auf Jahre binaus mit Rohstoffen eingededt. Das Bestreben der Fabrifanten in Gemeinschaft mit dem Grossisten geht dahin, die jebige Gelegenheit dazu zu benutzen, um die Preise für Stoffe in die Höhe zu treiben, die dann beim fallen des Dollars, wie ia bekanntlich, nicht mehr herunter gehen. Was hier getrieben wird, ist weiter nichts als schamloser Wucher. Alz im Juli der Dollar anfina, feine Springe zu machen, ftellten mit einemmal die Grossisten ihre Lieferungen ein, trotzdem die Konfektionsfirmen feste Lieferungsverträge mit ihnen abgeschloffen hatten. Sie erhielten faum noch ein Stückchen Ware geliefert, dagegen wurde ihnen aber agerware au Tagespreisen in genügender Menge ange= boten. Die Ronfeftionsfirmen waren gezwungen, wenn sie nicht ihre Betriebe wegen Mangel an Ware schließen wollten, die verlangten teuren Preise zu zahlen. Die Groffiiten schieben die Schuld auf die Fabrikanten mit dem Bemerken, daß dieselben ihre Lieferungsverträge auch nicht einhalten. In Wirklichkeit sind sich aber beide darin einta, dak ießt die beste Gelegenheit ist, die Preise in die Söhe zu bringen. Der Beweis tit dadurch erbracht, daß sich dieser Tage beide zusammengesetzt haben und sich darin einig Donnerstag, 7. September 1922 wurden, daß auf die bestehenden Lieferungsverträge ein Aufschlag von 45-60% bezahlt wird. Die Abnehmer, die hier bei nicht gefragt wurden, können dann nur Stoffe erhalten. wenn sie die von den beiden Körperschaften festgesetzten Aufschläge bewilligen. Dann wird auch die Ware wieder zuin Vorschein kommen, die iebt in den letzten 6 Monaten zurüdgehalten wurde. Die Regierung, die fett Maßnahmen ergreifen will, um die Not des Volkes zu liedern, ist verpflichtet. hter fofort einzugreifen, um diesen Wucher zu beseitigen. Abgesägt wegen politischer„ Schwäche des Zentralnervensystems" Mit den reaktionären Umtrieben im brandenburgischen Provinzial- Schul- Kollegium sollte sich endlich der preußische Landtag auch in Personalangelegenheiten ernstlich beschäftigen, wenn das Unterrichtsministerium unter Herrn Boelitz und seinen Geheimräten alter Schule versagt. Ein seit drei Jahren wuchernder Schulskandalin Fürstenwalde ( Spree) hat jetzt einen vorläufigen Abschluß gefunden durch eine Verfügung des Provinzial- Schul- Kollegiums vom 20. August, wonach der sozialdemokratische Studienrat vom Fürstenwalder Gymnasium, Henning von Mellenthin, mit Wirkung vom 1. April.1923 ab wegen „ Schwäche des Zentralnervensystems" zwangspensioniert wird. In den Ursachen dieser Absägung vom Amte sieht man fofort klar, wenn man sich einen einzigen Sab aus dem Obergutachten des Berliner Universitätsprofessors Dr. Stier vorhält. Dieser Gutachter hat erklärt, daß für ihn die Frage des 3 weifels an der geistigen Gesundheit regelmäßig gegeben sei, wenn ein Mann von dem Bildungsgrade und der Herkunft des Studienrates sich au foaialdemokra tischen Grundfäßen bekenne. Das war vinchiatrisches Wasser auf die antirepublikanische Mühle des Provinzial- Schul- Kollegiums. Zahlreiche Schulmänner haben wegen offener Stellungnahme gegen die Reaktion ihren Posten verlassen müssen. Das brandenburgische ProvinzialSchul- Kollegium revanchiert sich dafür und wirft mit psychiatrischer Beihilfe einen Sozialdemokraten aus dem Amte hinaus. Mellenthin war auf der Grundlage von Geburt, Tradition und Familienarmut zunächst Berufsoffizier geworden, aber längst innerlich ein Gegner der Art des Militarismus. Im Kriege trat er einem Vorgesetzten, der seine Mannschaften als Kanonenfutter gegen die Ruffen trieb und sich selbst ständig in sicherer Deckung hielt, mit dem Revolver in der Hand entgegen. Diese ehrliche und tapfere Haltung hatte seine Entlassung aus dem Kriegsdienste, auch mit dem üblichen psychiatrischen Feuerwerk, zur Folge. Das Provinzial- Schul- Kollegium sagt dazu rabulistisch: Der Reim zur geistigen Erkrankung war schon bei der Einstellung als Oberlehrer vorhanden." Nach der Revolution hat Mellenthin, der auch sozialdemokratischer Stadtverordneter war, sich bei der Aufklärung seiner Schüler etwas zu weit vorgewagt, aber das hätte höchstens einen disziplinarischen Verweis rechtfertigen können. Dem wiederholten Antrage des Studienrates, gegen ihn ein Disziplinarverfahren zu cröffnen, ist nicht entsprochen worden. Man wußte, daß man damit nicht durchkommen werde, und schob die Sache nach bekanntem Muster auf die psychiatrische Bahn. Ein adeliger Berufsoffizier, der Sozialdemokrat wird das geht nicht in den Gehirnfasten der Neaktion hinein. Als Reaktionär aber ist auch der größte Trotteln will fommen. Bekämpfung des Wuchers. Oeffentliche Frauen- Bersammlung Belprechung mit den Bertretern des Kleinhandels wurde Donnerstag, den 7. September, 7 Uhr, Schulaula Müllerstraße, Ede Triftstraße. Tagesordnung: Vor der Hungerkatastrophe. Referent: Genosse Eckert. Und wer hat sie nun?" " Ich hab ja fein Recht," sagte der Philipp. So muß sie selbst gefragt werden," entschied der Unparteiische, der jetzt auch sein Arztgeschäft besorgte und die Wunden nachsah. Dem Philipp fiel die verächtliche Betonung ein, wenn sie ihn Kaiserphilipp' nannten im Ort. Und er sagte: www Schick mich nicht mehr zu ihr, Franz ich leiste feierlich Verzicht. Sie ist dein und nicht mein. Es war Untreue von mir." ,, Sie haben recht, Herr Kaiser," deklamierte der alte Herz. Und Sie sind sein Freund gewesen sein einFreund." Sie weiß es nicht. Sie weiß von gar nichts. Ich hab immer richtig besorgt, was du mir aufgetragen ich habe mich bezwungen. Aber ich hab dir's auch nichtziger zu sagen getraut." Gott sei Dank!" atmete der Franz auf. Gott sei Dank, so?" fragte der Otto. Nun fängt's erst alt. Auf Leben und Tod. Ihr müßt cuch duckieren. Der Philipp nahm den Spaß todernst auf. Auf Pistolen oder Säbel?" Säbel," entschied der Otto, da zeigt sich's, per der Etärfere ift." Sie gingen in die Eulenmühle. „ Aber ich hab kein Recht," warf der Philipp ein. Es half ihm nichts. Der Otto hatte zu viel Freude an seiner Jdee. Der Gulenmüller hatte zwei französische Säbel. Die wurden geholt. Der Otto war Unparteiischer, Schiedsrichter, Sekundant, Arzt, Protokollführer, alles in einer Perfon für beide Teile. und Drinnen im Dorf flangen voll alle Kirchenglocken zusammen. Dem Philipp fiel es ein, daß sie jetzt wohl in die Kirche gehe. Das machte ihn traurig auch ein wenig zage. Der Kampfpias war ausgesucht. Zwischen drei Weiden, die an einer Biegung der Selz standen. Der Otto zählte:„ Eins, zwei, drei- los!" Die Klingen flangen aneinander. Der Otto hatte seine Freude dran. 3weiter Ganglos! Eins, zwei, drei!" Dem Philipp blutete die rechte Hand- dem Franz die rechte Wange. " Versöhnt euch!" kommandierte der Otto. Sie reichten einander die Hände. Der Kranke stöhnte. Der Philipp träufelte ihm ein wenig Wein auf die Lippen. Und er blieb bei ihm, bis in die tiefe Diocht. Dann starb der Joseph Löb Herz mit einem schweren abgesetzten Röcheln. Der Philipp drückte ihm die Augen abgesetzten Röcheln. Der Philipp drückte ihm die Augen zu. Die hebräischen Lamentationen begannen. Die Weiber klagten. Der letzte Zug war weg. Der Philipp ging zu Fuße heim. Er ging in die Nacht hinaus, schwer, in unklaren Gedanken. Er fonnte es so gut begreifen, daß der kleine Herz gestorben war. Eigentlich hatte er immer gedacht, daß er bald sterben würde. Aber dennoch was hätte en noch vor sich gehabt! Was hätte er noch vor sich haben fönnen! Ob wirklich seine Gedanken lebten?! Und wenn sie falsch waren, ob sie dann auch lebten? Ob sie zu Irrtum führten oder Wahrheit und cb auch der Irrtum nur in der Welt ist, um die Klarheit zu schaffen und auf einen neuen Weg zu weisen. Was ist Wahrheit? fragte sich der Obersekundaner Philipp Kaiser. Er meinte eine Antwort zu wissen, eine große, fertige Antwort: Wahrheit ist leben. Sein ganzes Sein umgestalten zur Tat. Ganz darin sein in Irrtum oder Wirrtum- in Wahrheit und Klarheit - nur ganz darin sein. Weiter kam er nicht. Um ihn lag die Frühlingsnacht. Sie hatte merkwürdige Stimmen. Die Brunst von großen und kleinen Tieren schrie und stöhnte, forderte und verzweifelte. Bekannte und noch mehr Im Anschluß an die gestern im Rathaus stattgehabte in der heutigen weiteren Verhandlung feitacleat, daß von der Preisprüfungsstelle gemeinsam mit der Wucherabteilung des Polizei- Präsidiums und den Vertretern des Kleinhandels für die wichtigsten Artikel des Lebensmittelhandels Angemeñenheitspreise festgesetzt werden, die dem Publikum und den in den Markthallen usw. errichteten Beschwerdestellen als Anhalt dienen sollen. Diese Preise werden wöchentlich veröffentlicht werden. Durch die Hinzuunbekannte Töne. Aber man verstand sie alle. Sie wollten alle ein und dasselbe: sich selbst. Jedes Geschöpf will sich selbst, so wie es seine Art und Natur, feine Notwendigkeit ist. So, wie's ihn zwingt. Den Obersekundaner Philipp Kaiser sah das Leben klar. „ Es hat alles Wert in uns, auch wenn es nicht Recht hat. Das Recht ist gemacht- aber der Wert stammt von der Natur." So, nun war's gut. Wie schön war der arme Eleine Herz gestorben! Wie schön hätte er noch leben können! Nun wob um ihn die Frühlingsnacht- nun blieb das für immer bestehen von ihm: dies Wehen und Weben des April, in dem nur Ankündigungen sind, keine Erfüllung ist. „ Bebe wohl Joseph Löb Herz! Du warst ein armer Jude und ein Krüppel was bist du cin schöner, reicher Mensch geworden, der heil durch die Welt geht und immer wiederkommt um die Osterzeit!" Zum ersten Male tamen dem Philipp die Tränen. Und er meinte sie hart und heiß in sich hinein. 17 Zwei gute tapfere Primanerjahre. Ein volles Fühlen in frischen Trieben. Kraft, Ausdehnung und ein prachtvolles Selbstgefühl. Ich und die Welt. Ich fordere mein Jahrhundert in die Schranken!' Nichts zu schwer, kein Flug zu hoch zu schwer, kein Flug zu hoch- und von oben herab den Blick auf alle und alles. Der Schnurrbart flaum war nicht mehr ganz so weich und über die Wangen schabte alle vier Wochen einmal ein Meffer. Die Mutter meinte, das sei gar nicht nötig, aber der Philipp wußte es besser: es mußte geradezu sein. Eine Sprechweise voller Schlagwörter, voller Kraft. ausdrücke. Boll und ganz'! Breit durch die Welt, mit Ellenbogen. Es wurde alles Ehren- und Männersache das Lernen und das Benehmen was man entgegennahn an Lob und Tadel, und was man entgegnete. Ein wichtiger, ungeschriebener Goder- aber jeder Paragraph mit einer wichtigen Strenge und Sicherheit von allen gewahrt. Wehe dem, der es gewagt hätte, dagegen zu löcken. Und doch war der Philipp ganz allein, ohne jede nähere Freundschaft; aber darin gehörte er ganz eng mit den Mitschülern und Kameraden raden sie nannten sich nun gerne Kollegen"-zusammen. ( Fortseßung folgt.) stebung der Verbrauchervertreter der Preisprüfungskelen tft die Gewähr geboten. daß auch die Verbraucherinteresen gewahrt find. Der Silberschatz im Schweineftall Der große Einbruch, der vor acht Tagen bei dem ruffischen Staatsrat Strymow verübt wurde, ist bereits aufgeflärt, die Täter find ermittelt und festgenommen, das gestohlene Gut ift aum größten Teil wieder herbeigeschafft worden. Es sind dies awei bereits vorbestrafte Brüder Josef und Klaus Szezngel, bie die Gelegenheit hierzu von einem Manne erhalten hatten. der in der Weberstraße eine Hausreinigungsstelle innehatte und deffen Frau in einem Geschäftsbetriebe im Hause Zimmerstraße 7-8, in dem die Wohnung des russischen Staatsrates liegt, eine Aufwartestelle versah. Die ganze Beute, Pelze, Silbersachen und Schmucksachen verkauften fie an eine Frau Tieb, deren Mann am Grünen Weg einen Produktenbandel betreibt, für bare 90 000 Mart. Von diesem Gelde erhielt der Hausreiniger aus der Weberstraße 10 000 Mark für den Typ ab. Während nun dieser mit dem Gelde das Weite suchte und auch noch nicht ermittelt werden konnte, blieben die beiden Brüder hier. Sie fauften sich einen Roffer, packten in diefen 40 000 Marf und gaben ihn einem Kaufmann am Vinetaplas in Depot. Das andere Geld wurde für Neuanschaffungen usw. verwendet. Frau Tieb, die Käuferin der Diebesbeute, trennte aus den Pelzen das Futter heraus, ließ es färben und verkaufte es dann. Das Silber schaffte die Frau zu ihren Eltern, die am Ostbahnhof eine Schantwirtschaft betreiben und außerdem einen Pferdeund Schweinestall unterhalten. Ohne Wissen der Eltern begab sie sich in den Schweinestall, angeblich, weil sie sich für die jungen Schweinchen sehr interessierte, grub unter dem Dung ein Loch aus und legte in dieses den Kasten mit dem Silberzeug. Dort fanden und beschlagnahmten die Beamten das Silber. So konnte dem Bestohlenen der größte Teil der Beute wieder aurüdgegeben werden. Eine Bilzausstellung findet im Kant- Realgymnasium in Karlshorst am Mittwoch, dem 6. September. Freitag, dem 8. September, nomittags 4-7 Uhr, statt. Eintrittspreis 8 Mart. Lichtbildervortrag des Dozenten an der Volkshochschule Groß- Berlin. Dr. Karl Nägler, über Biologie und Nährwert der Pilze am Freitaa, 8 Uhr abends, in der Aula. Eintritt zum Vortrag 5 Mark für Erwachsene, 2 Mark für Schüler. Zu der Erschießung des Polizei- Oberwachtmeisters Bots Ichen wird uns mitgeteilt, daß es durch den Erkennungsdienst der Kriminalpolizei gelungen ist. die Persönlichkeit des toten Täters festzustellen. Fingerabdrücke, die von der Leiche gemacht wurden, ergaben, daß der Tote personengleich ist mit einem am 30. Oftober 1890 zu Petersbura aebürtigen Kaufmann Jwan Romanow. Ob dies aber der richtige Name des Toten ist, steht noch nicht einwandfrei feft. Es ist auch möglich, daß der angebliche Romanow im Beiß von falschen Papieren gewesen ist. Wer über ihn weitere Angaben machen fann, wird gebeten, sich im Zimmer 45 des Berliner Polizeipräsidiums au melden. Parteiveranstaltungen Funktionärinnenfißung für Groß- Berlin. Freitag, den 8. September, abends 7% Uhr, Breite Straße 8/9. Referent des Gen. Dr. Rojenield über„ Die Bedingungen der Einigung des Proletariats". Sektion Bost und Telegraphic. Die Funktionär- Bersammlung findet nicht Freitag, sondern Montag, den 11. bet Boweleit, Joftystr. 7, 8% uhr, flatt. Tagesordnung sehr wichtig; alte Funktionär Ausweise mitbringen. Donnerstag, den 7. September 4, 5. and 6. Distritt. Abends 7 Uhr Mitgliederversammlung in ben Arminiushallen, Bremer Str. 72/73. Tagesordnung: Stellungnahme aum Barteitag und Aufstellung der Kandidaten, Lichtenberg- Stadt. Abends 7 Uhr Sibung der Schiedskommission im Lokal bes Genossen Siewert, Rants, Ede Schillerstraße. Die Kommiffions mitglieder sowohl als auch die Parteien mit ihren Beugen wollen bitte punttito erscheinen. Freitag, den 8. September 5. Berwaltungsbezirk, 17. Distrikt. Abends 8 Uhr in der Aula, Edertstr. 16, Elternbersammlung. Tagesordnung: 1. Bortrag der Lehrerin Fräulein Stahlbusch über Die Berufswahl unserer Rinder". 2. Berichts erstattung von den Berhandlungen mit dem Herrn Bürgermeister Mieliz auf Räumung der Schulräume durch die Kriegsfürsorge, Bollzähliges Er fcheinen wird erwartet. 5. Berwaltungsbezirt, Männerchor USP. Abends pünktlich 8 Uhr wichtige Uebungsstunde in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36 a. Sämtliche Sangesgenoffen müssen erscheinen. Sangesfreudige und fanges tundige Genossen tönnen dort dem Chor beitreten. 6. Berwaltungsbezirk( Kreuzberg), 18., 19. und 20, Diftritt. Stimm gettel aur Urwahl find nachmittags 4 Uhr von Lier, Naunynstr. 9, abzubolen, ebendaselbst Sentralwahlbüro. Die Wahlresultate find Sonntag bon 8-5 Uhr daselbst absultejern. 8. Diftrift. Abends 7 Ub: Abteilungsfizungen; 1. Abteilung bet Barleben, 2. Abteilung bei Erdmann. 20, Diftritt( Kreuzberg). Funktionärtonferens abends 7 Uhr im Reichen. berger Hof, Reichenberger Str. 147. Funktionärausweise find sweds Umtausch mitzubringen, Sämtliche Funktionäre müffen erscheinen. Reukölln- Brig. Die Wahlleiter wollen die Stimmaettel aur Urwahl von 8 bis 7 Uhr im Parteibüro abholen. Weißensee. Abends 7% Uhr wichtige Funktionärtonferens bel Reumann, Charlottenburger, Ede Roeldestraße. Rönigswnsterhausen, Bon Tänzer, Bilbau find Stimmzettel file bie Delegiertenwahl abzuholen. Bereinskalender Donnerstag, den 7. September Reiseartikel und Bortefeuilles, Abends 5 Uhr bei Bilfe, Sebaftian traße 39, Bertrauensmännerberfammlung. Tapezierer. Abends 7 Uhr in der Königsbank, Große Frankfurter Straße 117, Bersammlung. Bericht von ben Lohnverhandlungen. Zurn und Sportverein dichte", Berlin. Deffentliches Turnen, Zurn balle, Gormannstr, 4, 8-10 Uhr, Männer- und Jugendabteilungen, Gäfte willkommen. Bund der technischen Angestellten und Beamten, Ortsverwaltung Steglth. Mitgliederversammlung abends 8 Uhr im Restaurant zum Althoff. Jugendbewegung Jugendbewegung. Die Theaterkarten für Sonntag, ben 10. September, nb am Donnerstag in der Bentralvorstandsfizung abzuholen. Am Sonn tag zum Waldfest ist eine Mandoline gefunden worden; abzuholen Dienstag bon 6 Uhr an beim Genoffen Friz Kulbarch, Berlin, Cabiner Str. 15, Zur Zentralvorstandssitung find die genauen Martenbestände ber Gruppen anzugeben. Die alten Marken dürfen nicht mehr geliebt werden und werden umgetauscht. Für September neue Beiträge. Die Sentrale. Sozialistische Proletarier- Jugend, Gruppe Süden. Freitag, den 8. Sep tember, abends 7% Uhr, außerordentlige Generalber. fammlung, affertorstr. 31. Alle Mitglieder haben au erscheinen. Die Funktionäre find berpflichtet, einzuladen. Wichtige Tagesordnung. Bestes Selfenpulver Dixin erleichter Ohne Chiaruitva mariella f Gewerkschaftliches Verbandstag der Transportarbeiter 8. Berhandlungstag. Nichtzahlung der tariflichen Löhne und fortgefester Maß regelung einzelner Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Trop dem Herr Körting Mitglied des Arbeitgeberverbandes ist. hat er sich niemals an die Abmachungen desselben gehalten. Der Betrieb gilt als gesperrt! Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Zuzug ist strena fernzubalten. k. In der Dienstagfizuna aab der Redakteur Dreher Generalversammlung der Berliner Holzarbeiter den Pressebericht. Sent- Breslau legte dann die Stellungnahme der Statutenkommission zu den zum Geschäftsbericht und zur Bresse gestellten Anträgen dar. In der General diskussion wurde zunächst die Frage der Arbeitsgemeinschaft behandelt. Dazu Lag eine Resolution vor, die sich auf die angenommene Resolution des Leipziger Gemerfichaftsfongresses stützt und von Schumann uns der Statutenberatungskommission zur Annahme empfohlen war. Dieser Resolution wurde eine andere entgegengestellt, in der erklärt wird, daß die Arbeitsgemeins schaften nur den Klassengegensas zwischen Sapital und Arbeit verdunkeln, den Klassenkampf verflachen und die Arbeiterbeweguna schädigen; der Verbandstaa müsse deshalb die Arbeitsgemeinschaftspolitik ablehnen. Nach lebhafter Diskussion, in der sich viele Redner gegen die Arbeitsgemeinschaften aussprachen, wurde nach den Schlußworten Drehers und Schumanns dem Vorstand einstimmia Entlastung erteilt. Sienauf wurde folgende Resolution gegen wenige Stimmen angenommen: „ Der Verbandstag stellt ernent feft, dak die Frage der Beteiligung der Gewerkschaften an den Arbeitsgemeinschaf= ten feine prinzipielle, sondern eine Rweckmäßigkeitsfrage ift. Er schließt sich dem Beschlusse des 11. Kongreffes der Gewerkschaften Deutschlands an, wonach die Mitarbeit der Ges werfichaftsvertreter in den Arbeitsaemeinichaiten und in denkörperschaften( Reichswirtschaftsrat, Außenhandelsstellen usw.) für die die Arbeitsgemeinichaiten das Vorschlagsrecht haben, bis auf weiteres fortzuseken ist. Der Verbandstag hält das weitere Berbleiben des Ver= bandes in der Rentralarbeitsgemeinschaft für das Transport- und Verkehrsnewerbe im Interesse der Mitglieder so: Iange für erforderlich, bis veränderte Verhältnisse eine andere Taktik bedinnen und die im Artikel 165 der Reichsverfassung festgelegten öffentlich- rechtlichen Inter= effenvertretungen für Arbeitnehmer geschaffen sind. Der Verbandstaa verpflichtet die Verbandsleituna, ihren ganzen Einfluß dahin aeltend zu machen. daß den diesbe züglichen Bestimmungen der Reichsverfassung mit möglich ster Beschleunigung Rechnung getragen wird." Hierauf wurde die Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Generalversammlung der Betriebsräte Wir hatten bereits in unserer gestrigen Ausgabe mitgeteilt, daß am Dienstag Genosse Emil Barth in der Deleaierten- Generalversammlung der Freigewerkschaftlichen Betriebsräte ein Referat über Teuerungs- und Arbeitsprogramm der Freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale hielt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde von kommunistischer Seite die Zulassung eines Referenten beantragt. Mit schwacher Mehrheit, gab die Generalversammlung diesem Antrage statt. Genosse Barth beschäftigte sich in seinem Referat ausführlich mit den neuen kommunistischen Treibereien in der Betriebsrätebewegung. In den von den Kommunisten aufgestellten Forderungen wurde verlangt, daß die Betriebsräteorganisation eine politische und wirtschaftliche Kampferaanisation sein soll. Dagegen habe sich die Generalversammlung der Betriebsräte bereits vor anderthalb Jahren gewandt und festgestellt, daß sie lediglich eine wirtschaftspolitische Aufbau- und Schulungsorganisation sei. Barth wandte sich dann sehr energisch gegen die Einberufer der sogenannten Betriebsräte- Generalversammlung für Groß- Berlin und verurteilte scharf das Vorgehen der Fünfzehnerfommission, der auch Mitalieder des Vollzugsrates und des Zentralrates der F.B.R.3. angehören. Als allein be= rechtigte Vertretung der Berliner Betriebsräte könne nur die ordnungsgemäß gewählte Delegierten- Generalversammlung der F.B.R.3. gelten. Barth ging dann Punft für Punkt die Forderungen der sogenannten Kontrollkommission durch und bewies, daß die Propagierung einzelner dieser Forderungen die Betriebsrätebewegung schwer schädigen würde, ein anderer Teil der Forderungen teils Selbstverständlichkeiten enthalte oder sehr schwächlich set. Zu der tommunistischen Forderung, sofort einen Reichsbetriebsrätefonarek einzuberufen, erklärte er, daß sich mit dieser Frage der ADGB. und AfA- Bund gemeinsam mit den politischen Wirbeiterparteien zu beschäftigen habe. Barth erläuterte dann das Arbeitsprogramm der Freigewerkschaftlichen Betriebsrätezentrale, das er in einer Entschließung der Generalversammluna aur Annahme vorlegte. Der von den Kommunisten bestimmte Korrespondent Grotbe behauptete, das Vorgehen der Fünfzehnerkommission sei wegen der schwächlichen Haltung der Gewerkschaftsinstanzen notwendig gewesen. Er forderte nochmals, daß umnehend der Reichsbetriebsräteongreß einberufen wird, andernfalls der Kontrolluusschuß dies tun werde. Wenn der Zentralrat für die von der Fünfzehnerfommission aufgestellten Forderungen eintrete, sei die Fünfzehnerfommission bereit, fofort zurückzutreten. Dem Zentralrat müsse aber eine fünfzehngliedrige Kommiffion beigegeben werden, die sofort von der Generalversammlung zu einennen fei. Grothe legte dann der Generalversammlung eine im Sinne feines Storreferats gehaltene Resolution vor. Auf Vorschlag des Vorfizenden Albrecht beschloß die Generalversammluna wegen der vorgerückten Rett die Dis. fussion über die aehörten Referate in einer möglichst schnell einzuberufenden neuen Generalversammlung zu beginnen. Damit wurde die Generalversammlung, die im allgemeinen einen ruhigen Verlauf genommen hatte, geschlossen. Etreit in einer Gummifabrik. Bei der Firma Körting Söhne, Steglib, Ahornstr. 6, hat die Arbeiterschaft auf Aufforderung des Verbandes der Fabritarbeiter wegen Dixin Henkel Sewicht Henkelo Soften wirkt desintisierend. Tully's gewichts 250, ist marsom.orgianiga.brquem! 250 Aus bestem Ronstort Am 1. September 1922 waren die Delegierten der Ber liner Holzarbeiter zu einer ordentlichen Generalversamma lung bei Kliems, Hasenheide, zusammengekommen. Als erster Punkt der Tagesordnung wurde die Sozia lisierung der Bauwirtschaft" in sehr eingehender Weise durch den Referenten, Genossen Lüdemann, Sehandelt. Ausgehend von dem Grundgedanken, daß neben den heutigen Tagesfragen der Gewerkschaften, Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, ihnen größere Aufgaben obliegen, seien aber auch die Sozialisierungsbestrebungen im weitgehendsten Maße zu fördern, daß die ganze Kraft der Sozialisierungsbestrebungen nicht sofort an die Gesamt- In dustrie angewandt werden kann, sondern diese auf einen bestimmten Punft zu konzentrieren sei. Die Sozialisierung fann nur da vorgenommen werden, wo die Vorbedingungen dafür vorhanden sind und das trifft im Baugewerbe in weitesten Maße zu. Die Erfassung der Urprodukte, wie Baustoffe, ift ernsthaft von der Organisation sozialer Baubetriebe, die sich fiber das ganze Reich erstreckt, in Angriff genommen worden. Um auch für Berlin und Brandenburg einen Bauhüttenbe triebsverband zu gründen, ist es Aufgabe aller Organis sationen, sich daran zu beteiligen. Nach kurzer Diskussion wurde ein von der Ortsver waltung vorgelegter Antrag angenommen, zur Gründung eines Bauhüttenbetriebsverbandes eine Stammeinlage von 100 000 9, freizustellen. Zur Beitrags- und Unterstübungsrege [ ung, welche infolge der Geldentwertung vorgenommen werden mußte, wurde von der Verwaltung eine Vorlage unterbreitet, die einstimmige Annahme fand. Es betragen somit die Beitragsfäße inkl. Lofalzuschlag in der 1. Klasse 58 M., 2. Klasse 48 M., 3. Klase 40 M., 4. Klasse 33 M., 5. Klasse 20 M., 6. Klasse 10 M., und zwar mit Wire fung ab 36. Woche, zahlbar am 9. September d. J. Mit Infrafttreten dieser Beitragsiäße wird gleichzeitig der bisherige Lofalzuschlag an streitende Mitglie der ab 2. Streitwoche erhöht und beträgt bei einer Beitragsleistung von 52 Wochen und darüber pro Woche für männ liche Mitglieder 200 M., für weibliche 160 M.; von 26 bis 51 Wochen für männliche Mitglieder 120 M., für weibliche 100 M.; unter 26 Wochen für männliche Mitglieder 75 M., für weibliche 75 M. Weiter wurde beschloffen, die Beitragstaffterung in den Zahlstellen mit Wirkung vom 16. September in die Zeit von 4 bis 6 Uhr zu verlegen. Aus dem informatorischen Bericht über die letten Lohnverhandlungen ist zu entnehmen, daß die Arbeitgeber nach längerer Beratung ein Angebot von 10% gemacht haben. Die Generalversammlung brachte zum Aus druck, dieses abzulehnen, und fand nachstehende Entschließung einstimmige Annahme: Die am 1. September tagende ordentliche Generalvers sammlung des Deutschen Holzarbeiterverbandes der Bers waltungsstelle Berlin nimmt den Bericht der Verhands lungskommission entgegen und lehnt das Angebot von 10% ab. Sie fordert, nochmalige Verhandlungen zweds ans nehmbarer, den Zeitverhältnissen entsprechenden Lohnzus lagen, einzuleiten, evtl. eine unparteiische Schiedsstelle ans zurufen. Sollte wider Erwarten eine befriedigende Regelung nicht zustande kommen, sind von der Verwaltung Schritte einzuleiten, um durch Kampf dieselbe zu erwirken. Die Delegierten werden sofort die Mitgliedschaften auf den drohenden Kampf hinweisen und geloben, alle Vorbes reitungen zu treffen, um die in den Kampf. Tretenden auch finanziell au stützen. Schiedsspruch im Zimmerergewerbe Vom Vorstand der Bahlstelle Berlin des Rentral verbandes der Zimmerer wird uns mitgeteilt, daß der am 28. August 1922 vom Bezirkslohnamt gefällte Schiedsspruch von beiden Parteien angenommen worden ist. Der Stundenlohn beträgt vom 1. bis einschließlich 16. September 68- E. und die erfzeunentschädigung 60 Pfennig pro Stunde. Ferner wurde vereinbart, daß der Urlaub für 1922 nunmehr in Kraft tritt. In einer am 4. September.abgehaltenen 3ablftellen versammluna wurde zur gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Lage Stellung genommen. Daau wurden mehrere Entschließungen angenommen. Gegen die Anwendung des Geiebes zum Schube der Republik durch die einzelnen Landesregierungen wird protestiert, soweit sich deren Maßnahmen gegen die Arbeiter parteien und deren Presse richten. In einer anderen Entschließuna werden die Beschlüsse der Betriebsräteversammlung vom 30. Auguft gutgeheißen und vom ADGV. sofortige Einberufung eines Reichsbetriebsrätefonareffes verlangt. Weiter wurde einem Antrag zugestimmt, den Unternehmern eine Lohnforderung von 80,- Mt. pro Stunde einzureichen. Achtung Bauarbeiter. Sämtliche der Bahlstelle Berlin des Zentralverbandes der Steinarbeiter Deutschlands an gehörenden Gruppen: Marmorarbeiter, Werfiteing cuppe ( Bausteinmetzen), Grabmalbranche und Steinbildhauer, etwa 900 Personen, befinden sich wegen Lohndifferenzen im Streif baw. Aussperrung. Alle Kollegen, welche nicht im Besis der graugrünen Berechtigungskarte sind. find als Streitbrecher zu betrachten. Wir erwarten von der ge samten organisierten Arbeiterschaft weitestgehende Solidarität, insbesondere von den Bauarbeiter- Gruppen die Ber weigerung der Weiterführung sämtlicher von den oblaen Gruppen ausgeführten Arbeiten. Die Ortsverwaltung. Berantwortlich für die Redaktion Emi Rauch Den Berlin. für Inferatenteil unb geschäftliche Mitteilungen: t. B.: Gustav Ratusa Berlin. Berlags- Genossenschaft Freiheit", e. 8. m. b. S., Berlin. Drud von Gebring& Reimers. G. m. b. 5.. Berlin S. 68. Ritterstraße 75 das dankbare Seifenpulver ist sparsam im Gebrauch und billig. ALLEINIGE HERSTELLER. HENKEL& CIE., DUSSELDORF