Einzelpreis 6.- Mk. Die reibett" erfcheint täglich einmal als Morgenausgabe und Montags als abendausgabe mit den Unterhaltungsbeilagen Freie Belt"-Frauen- Weit" und Der Jugend- Genoffe". Der Bezugspreis beträgt bet freter Zuftellung ins Haus für den Monat Geptember 150 mt., im borus sablbat tette Dungen nehmen sämtliche Boftanstalten entgegen. Fernfbrecher: Hanía 1970, 1971 und 1972. Amt Moabit 2021. Redaktionsfefretariat: Dönboff 5593. Berlag und Exped. Berlin NW 40, Kronprinzenufer 27, L. Freitag, den 29. Gepfember 1922 5. Jahrg. Nummer 347 Die zwölfgefpaltene Ronbareillezeile oder beren Raum toftet 25,- M., einschließlich Inseratensteuer. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 4, M., jedes weitere Wort 3,- M. einschließlich Inferatensteuer. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen- Gefuche 16, M. netto pro Beile. Stellen- Gesuche in Wort- Anzeigen: bas fettgebrudte Wort 3, M., jedes weitere Wort 2.-M. Redaktion: Fernsprecher Dönhoff 4190, 4191 und 4192, Berlin SW, 68, Ritterstr. 75, III, Freiheit Berliner Organ ber Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands Die gemeinsame Kampffront In den Mitgliederversammlungen von 14 Berliner Verwaltungsbezirken haben sich am Mittwoch unsere Genossen mit den Beschlüssen der Parteitage in Gera und Nürnberg befaßt. In allen Versammlungen wurden mit überwältigender Mehrheit die Beschlüsse der Parteitage gutgeheißen. Es ist zu ermarien, daß die Versammlungen in den anderen BerIiner Bezirken einen ähnlichen Verlauf nehmen. Auch in der Provinz wird die Wiedervereinigung der ge= trennten Parteien allenthalben gutgeheißen. In Leipzig, der größten Organisation der USPD., haben die Genossen den Beschlüssen der Parteitage sogar einstimmig ihre Zustimmung gegeben. Die eherne Notwendigkeit der geschlossenen Front der Kapitalisten eine ebenso geschlossene Front der sozialistischen Arbeiterschaft entgegenzustellen, hat die Massen unserer bisherigen Anhänger so stark erfaßt, daß alle kleinlichen Bedenken beiseite gestellt werden. So muß es auch sein, wenn die Einigung die gewünschten Erfolge bringen soll. Die Gruppe des Genossen Ledebour, die des Glaubens ist, daß sie der Gesamtbewegung mehr dienen tönne, wenn sie sich außerhalb der in Nürnberg geschaffenen Front stelle, wind also nur einen kleinen Bruchteil der bisherigen USPD. umfassen. Wir bedauern, daß sich die Genossen nicht entschließen können, sich der gemeinsamen Kampffront einzugliedern. Die Gründe, die sie für ihre Haltung anführen, sind in der Hauptsache gefühlsmäßiger Natur, aber in der Politik können niemals Gefühlsgründe den Ausschlag geben. Entscheidend sind ja allein die harten Tatsachen, und sie alle, gleichviel ob wirtschaftlicher oder politischer Art, sprechen für die Einigung. Spitzfindigkeiten sind da nicht am Plazze. Wohl jeder erinnert sich noch, daß in all den Versammlungen der letzten Monate die größte Begeisterung immer dann ausgelöst wurde, wenn ein Redner die Notwendigkeit der Einigung betonte. Dieses Moment im Versammlungsleben war nicht erst seit dem Rathenaumord zu verzeichnen. Es fand seinen Ausdruck in der Stimmung der Massen schon lange bevor die Einigung in das Stadium greifbarer Resultate eingetreten war. Der Saß, daß feine Partei lebensfähig werden kann, wenn sie sich nicht zum Träger des Willens der Massen macht, wird durch die jetzt in Nürnberg vollzogene Einigung von neuem seine Bestätigung finden. Wer sich dem Willen der Massen widersetzt, ist dazu verSammt, als politischer Einsiedler seine öffentliche Laufbahn zu beschließen. Die verschiedensten Splitter, die sich im Verlauf der nachrevolutionären Entwicklung von der Gesamtbewegung losgelöst haben, find ein durchschlagender Beweis für die Richtigkeit dieses politischen Erfahrungssatzes. Die Genossen, die beschlossen haben, sich abseits zu stellen, wenden sich in einem Flugblatt an die Mitgliedschaft der USPD. und fordern sie auf, die Einigung nicht mitzumachen. In diesem Flugblatt wird behauptet, es sei eine grobe Jrreführung, wenn die Verschmelzung zweier Parteien als die Einigung angepriesen werde, die das deutsche Proletariat ersehne. Die wahre Einigung könne erst dann erfolgen, wenn sich die gesamten proletarischen Organifationen für den revolutionären Endkampf zur Eroberung der politischen Macht zusammenschlössen. Dem= gegenüber muß betont werden, daß die Einigung des gesamten Proletariats selbstverständlich immer angestrebt werden muß, und daß erst diese Einigung die höchsten politischen Früchte tragen kann. Aber es muß doch immer wieder gesagt werden, daß eine solche Einigung gegenwärtig unmöglich ist und noch auf längere Zeit hinaus nicht durchführbar sein wird. Das liegt aber nicht an dem schlechten Willen derjenigen, die jetzt in Nürnberg das Einigungswerk vollzogen haben, es liegt vielmehr an denen, die die Einigung nicht mitmachen wollen, weil sie nicht Herr ihrer eigenen Beschlüsse sein dürfen. Es liegt an den Kom= munisten, die in ihren Entschlüssen abhängig sind von Moskau. Solange die dritte Internationale in ihrer heutigen Form besteht, und auf ihre Sektionen diktatorischen Einfluß hat, solange ist an eine Einigung des gesamten Proletariats nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen anderen Ländern der Welt nicht zu denken. Das ist gewiß beklagenswert, aber nicht zu ändern. Denn daß die kommunistische Internationale in der nächsten Zukunft ihre Haltung ändern könne, dafür liegen leider keinerlei Anhalts König Konstantin gefangen gefeßt Die Umwälzung in Athen Paris, 28. September. Die Abendpresse veröffentlicht eine Reutermeldung, wonach König Konstantin ge= fangen genommen und ein Minister während der Unruhen getötet worden sei. Paris, 28. September. Havas meldet aus Athen, die aufständischen Truppen seien in Piräus gelandet und in den öffentlichen Gebänden untergebracht. Die Besehung von Athen sei ohne Blutvergießen vor sich gegangen. Die Royalisten hätten unter Führung des Generals Constan tinopulos und des Obersten Sutos, der Platzkommandant von Athen war, den Rebellen entgegenzutreten versucht, aber die vicefischen Glete, geführt ren General Bangalos, hätten sich dieser Bewegung widersetzt, sich der Polizeipräfettur semächtigt und den Plaßkommandanten verhaftet. Schließlich seien fie Herren der Lage geblieben und die royalistischen Truppen seien in ihre Quartiere zu rüdgeführt worden. ( EE.) Paris, 28. September. Ueber die Ereignisse in Griechenland gibt die„ Chicago Tribune" noch folgende Einzelheiten bekannt: Um 5 Uhr nachmittags überflog das Flugzeug die Stadt Athen, das die Proklamation herabwarf, worin die Abdankung des Königs, die Bildung eines neuen Kabinetts und die Verstärkung der thrazischen Armee gefordert wurde. Um 6 Uhr trafen zwei griechische Kriegsschiffe mit Revolutionären aus Mytilene im Hafen von Laurium, 30 Meilen von Athen, ein. Gonotas, Plastiras und Phokas, die Führer der Revolte, kommandierten die Schiffe und telegraphierten der Regierung ein Ultimatum. herbeiführen würde. Sodann begannen sie den VorSie fügten hinzu, daß dessen Ablehnung den Bürgerkrieg marsch nach Athen. Um 7 Uhr abends richtete das Kriegsschiff Lemnos ebenfalls ein Ultimatum an die Regierung, und andere Schiffseinheiten wurden aufgefordert, fich der Revolte anzuschließen. Weitere Flugzeuge warfen neue Aufrufe über Athen ab, ebenso auch über Saloniki, dessen Garnison aufgefordert wurde, die Bewegung mitzumachen. In Athen war gerade der Kronrat versammelt. König Konstantin wollte sich dem Ultimatum zunächst nicht fügen. Aber dann traf das zweite Ultimatum der von Laurinm aus heranmarschierenden Truppen: und Matrosenabteilung ein, das dem König eine Frist zur Abdankung bis Mitter= nacht ſtellte. Dadurch war Konstantins Widerstand gebrochen. Er erklärte jedoch nur unter der Bedingung abdanten zu wollen, daß Prinz Geora sein Nachfolger werde." Um 11 Uhr nachts unterzeichnete König Konstantin das Abdanfungsdekret, Darauf wurde General Papulas zu den Meuterern gesandt. Er teilte ihnen mit, daß der König abgedankt und das Kabinett demissioniert habe. Der König verblieb dann noch den ganzen aestrigen Taa im Palast. Er wünschte, sich an die Spise der thrazischen Armee zu stellen. Die Meuterer verlangen aber seine sofortige Ab= reise aus Griechenland, und die revolutionären Truppen uns Mytilene und Chios sandten Funksprüche mit derselben Forderung ab. Es steht nicht fest, wer die Thron folge übernehmen wird. Prinz Georg scheint wenig geneigt zu sein. Auch der Prinz Christof, der gegenwärtig in Paris weilt, ist abaeneiat. Man spricht von dem jüngsten Sohn Konstantins, dem Prinzen Paul, der aber von den Revolutionären auf dem Schulschiff Elli gefangen gehalten wird. punkte vor. Auf die Einigung solange warten bis die von Moskau abhängigen Kommunisten bereit sind, sich der gemeinsamen Front einzugliedern, das hieße die Einigung auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben. Das hieße, den Bruderzwist verewigen, hieße die organisatorischen Kräfte, die angesichts der schlimmen Wirtschaftslage nach einer höheren Dekonomie drängen weiter zersplittert sein lassen. Der Schaden würde sich für die Gesamtbewegung in einem steigenderen Maße fühlbar machen und der Triumphierende wäre auf alle Fälle die Reaktion, die ohnehin schon genügend Vorteile aus der Zersplitterung geerntet hat. Diesen Gedankengängen wird sich kein Genosse verschließen können, der nüchtern und objektiv die Tatsachen prüft und frei von allen Gefühlsmomenten das Für und Wider der Einigung betrachtet. Für die Einigung sprechen die nackten Tatsachen, gegen sie höchstens Gefühlsgründe, soweit nicht, wie bei den kommunisten der Wille zur Einigung überhaupt fehlt. Wenn die Genossen der Gruppe Ledebour in ihrem Flugblatt behaupten, daß durch die Einigung der Zwiespalt innerhalb der Arbeiterbewegung nicht aufhören, der Bruderkampf vielmehr schärfer denn je emporlohen werde, dann muß immer wieder gejagt werden, daß die Vereinigte Sozialdemokratische Partei diesen Bruderkampf nie suchen, daß sie ihn viel| Der General Frangos und der Kommandant von Mytilene wollten sich der von Chios und Mytilene ausgegangenen Revolte widersetzen. Beide wurden aber verhaftet. Der kommende Mann ( EP.) Athen, 28. Ceptember. Hier fand eine riesige De monstration zugunsten der Zurüdberufung Venizelos statt, an der sich etwa 50 000 Personen beteiligten. An der Spitze des Umzuges wurde das bud Venizelos' getragen. Vor dem englischen und französischen Gesandtschaftsgebäude wurden Hochrufe auf die beiden Länder aus gebracht. Floffenkonzentration im Bosporus London, 28. Sept. „ Times" meldet aus Maltà, daß die dritte Zerstörerflottille, drei Kreuzer und ein U- Boot nach Osten abgefahren seien. Vizeadmiral Washington, 28. September.( Havas.) Long von der amerikanischen Marine ist nach Konstantinopel unterwegs, um an den etwaigen Flottenmaßnahmen teilzunehmen. Den amtlichen Kreisen zufolge hat sich die Politik der amerikanischen Regierung in der Levante nicht geändert. Admiral Long wird mit Admiral Bristol bei den Hilfsmaßnahmen zusammenwirken. Kemals Paschas Core. Paris, 28. Sept. Wie Chicago Tribune" aus Kon. stantinopel meldet, verlautet in nationalistischen Kreisen, daß Mustapha Kemal Pascha die Prinzipien der Note der Alliierten mit folgenden Ausnahmen annehmen werde: 1. Sofortige Räumung Thraziens durch die Griechen anstatt der versprochenen. Garantien; 2. feine Völker= bundskontrolle über irgend welches türkisches Gebiet; 3. feine Einbeziehung Japans in die Regelung der Meerengenfrage; 4. wozu solle die Räumung Kon= stantinopels durch die Alliierten bis zum Abschluß des Friedens aufgeschoben werden? In die Luft geflogen ( EP.) Mailand, 28. September. Während eines hef= tigen Gewitters hat am Donnerstagvormittag der Blig in das Fort Falkonada, etwa 100 Kilometer weit von Spezia eingeschlagen, wobei ein Pulverlager in die Luft gesprengt wurde. Die Explosion hat in einem Um treis von mehreren Kilometern eine schreckliche Verwüstung angerichtet. Unzählige Hänser stürzten ein. Es find über hundert Menschenleben zu beklagen. Die Explos fion wurde bis nach Spezia vernommen. Die Bewohner, die an ein Erdbeben glaubten, stürzten trotz des Unwetters ins Freie Auch in der Umgebung der Stadt wurde großer Schaden angerichtet. Die Explosion konnte so großen Scha den anrichten, weil das Fort auf einer Anhöhe in der Nähe bewohnter Häuser liegt( in der Nähe von St. Ceres). Die meisten Opfer sind Arbeiter aus den Werken oder Ma trofen und Offiziere des Kriegshafens von Spezia. Der dortige Plazkommandant hat sich sofort nach der Unglückss stelle begeben. neuem ent= mehr in jeder Lage zu vermeiden bestrebt sein wird. Bei der Kommunistischen Partei, mit der, wie die Gruppe Ledebour ganz richtig befürchtet, der Brudertampf brennen würde, ist diesen Wille leider nicht vorhanden. Ein Blick in die kommunistische Preise beweist durchschlagend diese Behauptung. Das Auftreten der Kommunisten im Preußischen Landtag, der soeben seine Tagungen begonnen hat, spricht ebenfalls für diese Auffassung. Genau so, wie die USPD. die Auseinandersetzungen mit den Kommunisten bisher nicht gesucht hat, wie sie vielmehr immer bestrebt war, solche Auseinandersetzungen zu vermeiden, genau so wird die Vereinigte Sozialdemokratische Partei jeder Auseinandersetzung mit den Kommu nisten gern aus dem Wege gehen, wenn sie nicht durch deren Verhalten gezwungen wird, provozierende Angriffe zurückzuweisen. Die Vermeidung des Bruderfampfes überhaupt oder die Entscheidung darüber, ob sich die Auseinandersetzungen in milderen oder schärferen Formen abspielen, hängt also nicht von der geeinten Partei ab, sondern von der kommn= Anders wird auch die nistischen Führung. Gruppe Ledebour nicht verfahren können, will sie nicht in die geistige Gefolgschaft der Kommunisten geraten. Die Gruppe Ledebour behauptet in ihrem Flugblatt schließlich, ihre Aufgabe fet es, für den revolutionären Sozialismus in den Proletariermassen zu werben und ihn auf allen Lebensgebieten zu betätigen. Zu solchen Attionen dränge die furchtbar wachsende Not der Zeit. Der hier vorgetragene Gedanke war es gerade, der unsere Genossen beseelte, als sie das Einigungswerk in Nürnberg vollzogen. Der sozialistische Gedanke muß von neuem seine werbende Kraft ausüben auf alle Schichten der Bevölkerung, die für den Sozialismus gewonnen werden können. Wenn der sozialistische Gedanke an werbender Kraft eingebüßt hat, so nicht zulegt dank jener unheilvollen Zersplitte= rung, die gan vielen das Vertrauen zur sozialistischen Sache genommen hat. Die Genossen, die sich in der Gruppe Ledebour sammeln wollen, dienen also der Gefamtbewegung nicht, wenn sie sich abseits stellen. Je größer die Zersplitterung, desto größer die Unklarheit, desto stärker das Mißtrauen der Wassen zu dem Gefamtziel, in dem wir alle einig sind. Deshalb darf kein Genosse, der bisher Schulter an Schulter mit uns getämpft hat, sich schmollend abseits stellen. Nur der= jenige dient der Gesamtheit und führt ihr neue Kräfte zu, nur der belebt sie und erfüllt sie mit seinem Geiste, der sich nicht abseits stellt, sondern sich ihr freudig eingliedert, um mit der Gesamtheit für die Gesamtheit zu wirken. Die Leipziger USP. einstimmig für die Einigung Eine Mitgliederversammlung unserer Leipziger Parteiorganisation nahm nach gründlicher Aussprache ein stim= mig folgende Entschließung an: Die am 26. September 1922 im Voltshaus tagende Parteiversammluna bringt nach Entaegennahme des Berichtes über die Parteitage in Gera und Nürnberg ihre Genug= tuuna und Freude über die nunmehr erfolgte Wiedervereinigung der bisherigen SPD. und USB. zum Ausdruck. Sie ist der festen Ueberzeugung, daß die Vereinigung einen wichtigen und notwendigen Schritt nach vorwärts bedeutet und gelobt, in der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei mit aller Eneraie für die weitere Ausbreitung der sozialistischen Ideen zu arbeiten. Sie fordert augleich alle Arbeiter, Angestellten und Bes amten, die bisher noch abseits standen, die ans Verärnering über die Rersplitterung der lekten Jahre den Partei= organisationen den Rücken kehrten, auf, wieder einzutreten in die Reihen der Kämpfer. Die Versammlung drückt die Hoffnung ans, daß dieser Bereinianna der beiden sozialistischen Parteien bald die ne= schlossene Front des gesamten revolutionären Proletariats folgt." Aus dem Landtag Der preußische Landtag erledigte gestern eine Reihe Kleinerer Vorlagen. Von großer Wichtigkeit war die erste Beratung eines Geseßentwurfes zur Bekämpfung der Tuberkulose. Der Gesezentwurf enthält eine Reihe von Bestimmungen, die die Anmeldepflicht für tuberkulöse Erfrankungen vorschreiben. Es unterliegen aber nur die Fälle der Lungen- und Kehlkopftuberkulose der Anzeigepflicht, die Erkrankungen der Knochen und der Haut sind ausgenommen, obwohl auch diese die gefährlichsten Folch sich aicent. Begründet wird das im Gefeßentwurf da die Feststellung aller tuberkulösen Erkrankungen die Arbeitslast der zur Verfügung stehenden Kräfte übersteigen würde". Das ist natürlich kein stichhaltiger Grund, wie denn überhaupt das ganze Gesez vollkommen unzureichend ist, und awar in der Hauptsache deshalb, weil der Staat glaubt nicht Vom Daseinsrecht des Schauspielers Von Klaus Bringsheim. musikalischer Leiter des Großen Schauspielhauses. III. An der Ausführung des Theaterhmstwerts wirken alle möglichen Sünstler mit, abgestuft nach Größe der Aufgabe und nach fünſtlerischem Wuchs. Das ideale" Theater, in dem noch die letzte Statistenrolle von einem Josef Kainz gespielt wird, wird immer nur ein Traum hunst und lebensfremder Dummtöpfe bleiben. Es gibt gemeinhin in jedem Theater brei Gruppen bon Stünstlern: bie erste, bas find alle, die oben angelangt find, Träger der Hauptrollen und des Erfolgs. Die zweiten sind die Aufstrebenden. Kommenden, die zukunftsbollen Talente, die„ Hoffmungen" der Presse und der Stasse. Die dritten aber, das sind die Unentbehrlichen, die sich mit braber Bflichterfüllung an bescheidenem Blaß benügen, die höchstes nidyt erreicht haben noch erreichen werden, bielleicht Enttäuschte, die auch einmal als Aufstrebende angefangen, und dem Vorrecht auf persönlichen Erfolg entsagt haben. Es sind die, deren stetiges Zusammenwirken in Wahrheit, Wesen und Wert eines festgefügten Ensembles ausmacht. Rein Zweifel, weder die Künstler der ersten, noch die der zweiten Gruppe werden als Schussuchende in Betracht kommen, Den beborzugten Blaß, ben mur allgemeine Anerkennung überragender Leistung schafft, muß immer neue Leistung erwerben. Aber Leistung, bie fünftigen Erfolg berbürgt, kann kein künstler bieten. Den ablaufenden, Bertrag eines Prominenten", der als gefeierter Publitumsliebling ein Ministergehalt bezieht, unter unveränderten Bedingungen zu erneuer: bie Forderung, daß dies einent Bühnenleiter burch Gesez borgeschrieben werden müsse, wäre nicht ernst zu nehmen. Aehnlich steht es mit der Sache des begabten Anfängers, Talente finden und fördern, ist Aufgabe des Bühnenleiters; ater jeber würde die Aufgabe meiden, wenn Förderung ber prechenber Begabung ihn zu bauernder Verpflichtung des Begabten berpflichten könnte. Solches Versprechen" bleibt allemal unverbind lich und würde nie einen verbindlichen Versorgungsanspruch rechtfertigen. Nur, wenn der vom Künstler gebotene Gegentvert nicht froglich, nicht schwankend ist, wenn sein bewährtes, als ausreichend beinährtes Rönnen einen sicheren Einsatz bedeutet, dem Mißerfolg nichts anhaben kann, weil er, an bescheidenem Platz wirkend, dem Spiel des Erfolgs nicht ausgesetzt; dem Wertmaß nie vorhersehbarer Publikumswirkung nicht unterworfen, weil von ihm also cr= prokte Züchtigkeit, brabe Pflichterfüllung, die er zu bieten hat, und nichts anderes zu fordern ist nur ben Künstlern der dritten Gruppe lann Schuß ihrer beruflichen Eristens gewährt werden: Schutz vor ungerechtfertigter Kündigung laufender, Nicht- Erneue rung ablaufender Verträge. Schuß muß ihnen, heute, gewährt werden, durch ein Gefeß, das dem Sinne nach, so lautet: in der Lage zu sein, die für eine wirksame Bekämpfung der Tuberkulose erforderlichen Mittel aufzubringen. Genosse Dr. Weyl beleuchtete in einer frischen Rede die Mängel des Gesetzes und betonte mit Nachdruck, daß das Gesetz den Ausschuß nur verlassen dürfe, wenn nennens werte Verbesserungen vorgenommen worden seien. Auf feinen Fall dürfe die Bekämpfung der ant den fehlenden Mitteln Tuberkulose scheitern. Auch die Gemeinden dürften durch das Gesetz nicht von neuem belastet werden. Vielmehr müsse der Staat zur Bekämpfung dieser Volksseuche ausreichende Mittel zur Verfügung stellen. Der Volkswohlfahrtsminister Hirtsiefer gab die Mängel des Gesetzes zu und versprach, sich für Verbesserungen im Ausschuß einzuseßen. Der deutschnationale Redner glaubte, die Vermehrung der Tuberkulose auf den Ver= sailler Vertrag zurückführen zu können, er vergaß aber, daß seine Partet die Hauptverantwortung für diesen Vertrag trägt. Die alte Demagogie! Der Gesezentwurf ging schließlich an den Ausschuß für Bevölkerungspolitik. Am Freitag wird der Landtag die Teuerungsinter pellationen besprechen. Für die Fraktion der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei ist als erster Redner Genoffe& imberg- Essen bestimmt worden. Neuregelung der Grundgehälter Jm Reichsfinanzministerium haben am Donnerstag nachmitag die Besprechungen mit den Spißenorganisationen über die Neuregelung der Grundgehälter, Orts- und sonstigen Buschläge der Beamten, Angestellten und Arbeiter der Reichs- und Staatsbetriebe begonnen. Die Erörterungen, die bisher zu einem Ergebnis noch nicht geführt haben und nach Lage der Dinge auch nicht führen konnten, werden am Freitag nachmittag fortgesetzt werden. Die Wohnungsnof Der Batastrophale Sturz der Mark hat dahin geführt, daß das Wohnungsbauprogramm der Gemeinden nicht durchgeführt werden kann, wenn den bedrängten Gemeinden nicht schleunigst Hilfe gebracht wird. Auch die Siedlungsbauten drohen eingestellt zu werden. Das Bauprogramm der Gemeinden war so minimal, daß nur ein ganz geringer Bruchteil des Wohnungsbedarfs gedeckt werden konnte. Gelingt es nicht, wenigstens die für 1922 vorgesehenen Bauten aus zuführen, dann wird die Wohnungsnot die entsetzlichsten Formen annehmen. Um den Gemeinden eine kleine Hilfe zu bringen, haben die Parteien des Landtags mit Ausnahme der Kommunisten einen Antrag eingebracht, der das Staatsministerium ersucht: 1. zur Durchführung des diesjährigen Wohnungsbauprogramms die zur Erhöhung der Landesdarlehen anf den zulässigen Höchstiak erforderlichen Beträge in Höhe von 3 Milliarden Mark im Vorgriff für die später gesetzlich bereitzustellenden Mittel zunächst vorschußweise flüssig zu machen. 2. auf die Reichsregierung einzuwirken, daß der vom Reich den Ländern zur Weitergabe an die Gemeinden und sonstigen Verfahrensträger zur Verfügung gestellte verzinsliche und rückzahlbare Kreditbetrag baldmöglichst den Ländern überwiefen und der auf Preußen ents fallende Anteil diefes Kredits in Höhe von etwa 1,85 Milliarden Mark als Darlehen angenommen und beschleunigt an die Verfahrensträger verteilt wird. Die drei Milliarden werden zur Durchführung eines nennenswerten Bauprogramms natürlich nicht lange vorhalten. Die Baukosten sind so gewaltig gestiegen, daß heute der Bau einer Wohnung von etwa 70 Quadratmeter Fläche 537-ziijchen der Bühnenleitung und einem fünſtlerischen Angestellten auf ein Jahr oder auf eine Spielzeit bon mindestens sechs Monaten abgeschlossen sind, gelten unter unber änderten Bedingungen, ablaufende Verträge, die auf mehrere Jahre abgeschlossen waren, unter den Bedingungen des laufen den( letten) Vertragsjahres für die Dauer eines weiteren Jahres oder einer weiteren Spielzeit und weiterhin bon Jahr zu Jahr als neu getätigt, sofern die Auflösung des Vertragsverhältnisses nicht von einer Seite spätestens drei Monate vorher ausgesprochen wird. Die Auflösung eines Vertragsverhältnisses, insbesondere auch die Kündigung eines noch für längere Zeit geschlossenen Vertrages zu einem bertraglich vorgesehenen Termin, barf von seiten der Bühnenleitung nicht ausgesprochen werden, wenn dabei bas Rönnen und der Erfolg des künstlerischen Angestellten nicht in Frage steht, außer im Falle notwendiger, tatsächlich vollzogener oder unmittelbar bevorstehen der Umstellung oder Einstellung des Betriebes sowie aus be sonderen Gründen, die nach bestehenden allgemeinen Rechtsgrundfäßen die Auflösung des Vertragsverhältnisses als genügend ge= rechtfertigt erscheinen lassen." Nicht auf die endgültige Faffung kommt es hier an, sondern auf bas grundsäglich Neue. Dies Gesetz würde, unter gewissen Voraussegungen, der Existenz des Schauspielers wirksameren Schuß ge währen als ihn Arbeiter und Angestellte irgend eines Betriebes im heutigen Betriebsrätegesetz finden unter einschränkenden Vorausfegungen, die jedes denkbare Interesse der Stunft wahren. Jeber Bühnenkünstler wäre geschüßt, der ewigen Ungesichertheit seines Daseins enthoben, fortan nicht mehr von Jahr zu Jahr der Gefahr ungerechtem Drud sich fügen zu müssen, preisgegeben, die er heute, wehrlos, um den Preis der Vertragserneuerung in Stauf nehmen muß jeder, der nach unserer Einteilung der dritten Gruppe zugehörte: der Gruppe der wahrhaft Schußbedürftigen und Schutz würdigen. Von einem, der als Darstelle fleine Rollen, immer nur sozusagen im Hintergrund des Bühnenkunstwerks, Zag für Tag, Jahr für Jahr fachlich gewissenhaft das Geine leistet, tann behauptet und bewiesen werden: sein können und sein Erfolg sind nicht in Frage zu stellen. Sollte ein Abnehmen seiner Fähigkeiten, Nachlassen seiner Leistungen fühlbar werden, nun, dann wird sich's zeigen, ob in der Tat ein Können in Frage steht. Gruenzfälle, Streitfälle wird es immer geben. Das wird zunächst Sache besonderer Schiedsgerichte sein müssen. Nur in der Bragis können sich die in einem Gesetz ruhenden Möglichkeiten bewähren, kann sich ein bernünftiger Brauch seiner Auslegung und Anwendung ausbilden. Der Einwand der Arbeitgeberschaft, daß es ein höchst ungerechtes Gesetz wäre, das nur den Direktoren die Hände binden soll. hätte nur scheinbare Berechtigung. Gerade jene Künstler, denen durch das Gesez geholfen werden soll, wären ja glüdlich, wenn sie an thre heutige Bewegungsfreiheit" nie erinnert würden. Die jetzigen Theaterverhältnisse, unter denen für sie Verlust der Stellung beinahe sicher Verlust der Schauspielerpraris bedeutet, würden aber ge- das ist also der Typ einer Berliner Zweisimmerwohnung -1% Millionen Mart beansprucht. Die Ursache dieser ge waltigen Preissteigerung ist in erster Linie in dem Baustoffwucher zu suchen, der noch schlmmere Formen angenommen hat als der Lebensmittelwucher. Es ist statistisch nachgewiesen worden, daß z. B. die Löhne der Bauarbeiter gegenüber 1914 höchstens um das 65fache gestiegen sind. Hin gegen sind die Preise für Baustoffe um das Drei- bis Vierhundertfache, teilweise sogar um das Fünfhundertsache ge= stiegen, und zwar für Materialien, die nicht etwa aus dem Ausland bezogen werden müssen, sondern die sämtlich im Inlande erzeugt werden. Soll also auf dem Gebiete des Bauwesens ein Wandel eintreten, dann muß so schnell wie möglich dem Baustoffwucher ein Ende gemacht werden durch rüdsichtslose Unterbindung aller spekulativen Manipu Tationen. Der ADGB. und die Teuerung Der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Ges werkschaftsbundes ist am Donnerstag zu einer mehrtägigen Sigung im Berliner Gewerkschaftshaus zusammengetreten. Die Verhandlungen beganen mit dem Bericht des Bundesa vorstandes über die bisherigen Maßnahmen zur Be tämpfung der Tenerung, an welchen fich eine ausführliche Aussprache anschloß. Zum ersten Male nahmen entsprechend dem Beschluß des Leipziger Gewerkschaftskongresses anch bie Bertreter der Bezirksausschüsse des ADGB. ans dem ganzen Reiche an der Ausschußßigung teil. Die Debatte über die Aktionen der Gewerkschaften gegen Teuerung und Wnher wird fortgesetzt. Oesterreich vor einem Generalsfreik 4 Nach der Wiener Arbeiter- Zeitung" droht in Desterreic ein Generalstreit auszubrechen. Die Lohnverhandlungen der Metallarbeiter sind seit Montag abgebrochen. Der Abbruch in der Metallindustrie droht auch in der chemischen Industrie und in der Textilindustrie den offenen Bruch herbeizuführen. Aber nicht nur die manuelen Arbeiter, auch die Bankangestellten und die Industrieangestelten find von der Offensive des Unternehmertums unmittelbar bes treffen. Kommt es zum Kampfe, dann werden dreihunderttausend Arbeiter und Angestellte im Kampf stehen. Mit ihren Fas milienangehörigen sind es wenigstens eine Million Menschen, deren ganze Lebenshaltung von dem Ergebris dieses Kampfes abhängt. Das ist nicht weniger als ein Sechstel ber ganzen Bevölkerung Deutschösterreichs. Vorerst ist der Streikbeschluß noch hinausgeschoben worden, u den Unternehmern noch einmal Beferenheit zur geben, sich ihrer Verantwortung gegenüber Wirtschaft und Volf bewußt zu werden. Geben die Unternehmer nicht nach, so dürfte der Kampf in den nächsten Tagen ausbrechen, tem alle Gewerkschaften mit allen verfügbaren Kräften" unterstüßen wollen. Wien, 28. September. Jm Konflikt in der Metallindustrie haben sich die drei Präsidenten des Nationalrates ent schlossen, sowohl an den Hauptverband der Industrie als auch an die österreichische Gewerkschaftskommission eine Ein ladung zu einer gemeinsamen Besprechung der schwebenden Fragen ergehen zu lassen. Diese Besprechung findet vor aussichtlich noch heute nachmittag statt. Wien, 27. September. Gestern traten die Arbeiter der Wiener Epeditionsbetriebe wegen Nichtauszahlung der vollen Inder- Buschläge in Söhe von 91 Prozent in den Ausstand. wissermaßen zum gefeßmäßigen Zustand erhoben, wenn durch Wire tung eines Gefeßes grundlose Schauspielerentlassung unterbunden würde: so daß num in der Tat, da normalerweise Stellen nicht mehr frei wurden, der Stellungsuchende die Gewißheit hätte, teine Stellung zu finden Wer wird mit solcher Aussicht auf Arbeitslosig feit leichtfertig seinen Arbeitsplatz berlassen? Alles nur durch Unter nehmerwillfür verursachte Wandern würde eben aufhören, Und der Einwand der Direktoren, daß die threr Hut anber trauten fünstlerischen Interessen beeinträchtigt würden? Können und Erfolg eines Schauspielers: wenn wirklich feines von beiden fraglich ist, weiteren Anspruch hat fein Kunstbetrieb an seinen Angestellten, und jedes fünstlerische Direktionsgewissen kann sich dabei beruhigen. Selbstverständlich, das Theater braucht Wechsel, immer wieder neue Kräfte. Keine Sorge: das Können der noch nicht ant Ziel Angelangten und der Erfolg jener, die ihren Plaz auf der Höhe rehaupten wollen, steht immer in Frage. Wie aber, wenn num, um gefeßliche Sicherung ihres Daseins zu erlangen, manche Künstler allzu willig würden, auf das ihnen zu stehende Vorrecht höherer Künstlerpflicht, höheren Künstlerehrgeizes zu berzichten? Unbefugte I mit andern Worten fönnten ber suchen, sich in den Schutz des neuen Gesetzes zu schleichen? Aber soLange, es Bühnen gibt, wird es immer Bühnenfinftler geben, in denen der Drang nach überragender Leistung durch keine Nützlich feitsertvägung zu bändigen, der Traum von Ruhm und Beifall nicht auszulöschen ist.( Dder es gibt lein Theater Das Theater der Mittelmäßigkeit würde nach den bescheidenen Lebensanspruch der Mittelmäßigen nicht befriedigen können.) Mißbrauch, Mißwirkung stünde nicht zu befürchten. Als erster Schritt einer selbständigen Theatergefeßgebung wäre ein solches Ge ses grundfäßlich zu begrüßen. Ein Gefüge neuer Gesetze, um die Rechtsbeziehungen im Theater zu regeln, tut not.( Und bas heutige Theater ist wirtschaftlich und fulturell von solcher Bedeutung, daß besondere gesetzgeberische Behandlung seiner Lebensfragen wohl gerechtfertigt wäre.) Stein Gesez, das wir haben, ist für die Ber hältnisse des Theaters gemacht. Die Folge ist Rechtsunflarheit, Rechtsunsicherheit in allen Theater dingen. Rechtsunsicherheit aber bedeutet allemal Recht des Stärkeren. Kein Wunder, wenn die Schwächeren, die künstlerischen Angestellten des Theaters bersuchen, sich auf eigene Faust ihr Recht zu machen. Nicht immer mit den tauglichsten Mitteln, aber mit wenig Glück. Würde es ernst mit einem brauchbaren Theaterrecht, bliebe den Schauspielern die Versuchung erspart, selbst Hand anzulegen und mit schiefen Forde rungn die Probleme thres Daseins zu verwirren. Sie tönnten wieder, wie ehemals, all ihre Energie der Künstlerischen Seite ihres Berufes widmen, zum Segen der Kunst( auch: der Ensemblekunft) und zu ihrem eigenen Nugen. Denn stärkste Waffe des Künstlers im wirtschaftlichen Daseinskampf im Kampf um Anerkennung feines Rechts, als Künstler von der Kunst zu leben muß immer feine fünstlerische Leistung bleiben. Oder die Kunst geht zu Grunde und mit ihr die Künstlerschaft, Der„ überwundene Kommunismus" in Rußland Als die Einheitsfront- Rommunisten in Deutschland thren Butsch gegen die Gewerkschaften mit der Parole Betriebsräte- Aftionen" begannen, verwiesen sie mit Vorliebe auf das russische Beispiel". Wie die Bolschewitt es in Rußland ge= macht hätten, genau so sollten es die deutschen Arbeiter in Deutschland tun. Mit dieser Parole haben die Moskaujünger indeffen ein sehr heifles Thema angeschnitten, wie wir bereits anläßlich des russisch- englischen Urquhardt- Vertrages nachweisen fonnten. Das„ russische Beispiel" hat nach den fichtbaren praktischen Erfolgen" der bolichemistischen PoIitif, vor allem seit dem„ Neuen Kurs" vom März 1921 endgültig seine Wirkung verloren. Die Spuren des boliche= wistischen Regimes Bürgerkrieg, 3ertrümmerung des ge= samten Wirtschaftslebens, Hungersnot und Kannibalinismus fönnen nur schrecken. Wer das nicht einfieht, der versteht immer noch nicht, was in Rußland vorgeht, nämlich daß die Bolschewiki heute eine Regierung sind, die sich ausschließlich auf fapitalistisch intereffierte Schichten stüßt und demzufolge fapitalistische Politik betreibt. Kein anderer als Benin felbst hat das bestätigt, als er in den Gewerkschaftsthefen zum neuen Kurs" folgendes schrieb: „ Die schnellste und nach Möglichkeit durchgehende Wiederaufrichtung der Großindustrie ist die grundlegende Vorbedingung, ohne die die Befreiung vom tapitalistischen Joch, der Sieg des Sozialismus undenkbar ist." Getreu diesem Programm- den Kapitalismus erit wieder aufzubauen, als„ Wegweiser des Sozialismus", wie haben Koenen im Reichstag Hugo Stinnes nannte denn auch die diplomatischen Vertreter der Bolschewift alles getan, um dem westeuropäischen Kapitalismus als Retter in der Not nach Rußland zu holen. Tichiticherin aina nicht nur zum König von Italien und zum Papst, er veröffentlichte auch Artikel und Interviews im irn", in der„ Vossiichen Beitung" usw.- nur nicht in seinem Parteiblatt. Die„ Note Fahne" existiert für die ausländischen Bolschewiki einfach nicht. Die Aufgabe der„ Roten Fahne" besteht nur darin, für die russischen Millionen alles zu verteidigen, was aus Rußland tommt und dort geschieht. Politik machen die Bolschewiki mit ganz anderen Leuten, mit Stinnes, Krupy, Urquhardt und anderen kapitalistischen Vertretern. Das hindert natürlich die kommunistischen Führer nicht, in lügenhafter Weise über andere als Stinnesknechte" usw. herzuaieben und nebenbei das„ russische Beispiel" au empfehlen und zu verteidigen. Wie das russische Beispiel" in Wirklichkeit aussieht, das hat nicht nur enin in feinen vorerwähnten Gewerkschaftsthefen vertreten, sondern beweist neuerdings auch Kraisin in einem Artikel über die neue ökonomische Politik der Sowietregieruna" in Heft 16 des Wiederaufbaus von Parvus, desselben arvus, der von den Bolichewiti bei ihremt Dummenfana als der arökte Verräter“ und„ Renegat" beschimpft wird Benin schrieb den Gewerkschaften vor. sich nur noch mit Rollettivverträgen beschäftigen zu dürfen und Streits a bau bremsen. Alle übrigen Einmischunaen der Gewerkschaften in die Führuna der Unternehmungen müssen unter diesen Um tänden als unbedinat schädlich und nuzuläsfia betrachtet werden: Kontrolle der Produktion, Betriebsräterechte usw. alles das bezeichnet Lenin als schädlich und unzuIässig." Fürwahr ein russisches Beispiel", für das sich die deutsche Arbeiterklasse schön bedanken wird. Für diesen Umschmuna der Bolichewiki, für den Widerspruch zwischen ihrer Theorie und ihrer Praxis, gibt uns raisin den Schlüffel zum Verständnis. Er schreibt in dem oben bezeichneten Artikel: Für die Bauernschaft ist deshalb nach der Nationalifierung und teilweisen Aufteilung des Großarundbefizes das Prinzip der freien Wirtschaft in der neuen Wirtschaftspolitik durchgeführt. Ebenso ist für den kleinen Gewerbetreibenden wie auch für den Binnenhandel wieder die freie Wirtschaftsform gewählt, während für die mittleren Betriebe Bachtverträge und für die großen industriellen Unternehmungen Ronzessionsverträge zum neuen Wirtschaftsprogramm gehören. Diese neue Wirtschaftsform, die die überwundene kommunistische ablöst. tennzeichnet sich somit als ein Staatskapitalismus, der eine möglichit weitgehende staatliche Regelung aller wichtigen industriellen weige und der Haupttriebkräfte des volkswirtschaftlichen Lebens sowie der Produktionsquellen anstrebt. Durch das Defret vom 22. Mai 1922 find die Rechtsgrundlagen sowohl für den privaten Befik von Produktionsmitteln und der Produktion ſelber als auch für die Regelung der Benußung des Grund und Bodens und zum Teil für die Wiederherstellung der Eigentumsrechte auf Stadt- und Landhäuser, sofern diefelben nicht vordem nationalisiert refp. munisipalisiert worden waren, gegeben. Auf den Verwaltungsgebieten waren erhebliche Umstellungen vom fommunistischen zum nenen Wirtschaftssystem notwendia. An Stelle der kostenlofen Belieferung mit Industrieprodukten und Lebensmitteln mußte zum Aufbau der Staatswirtschaft die Be: zahlung aller Leistungen treten. Dadurch wurde der Uebergana aum Stenerintem notwendig, und gerade auf diesem Gebiete arbeitet heute vielleicht keine enropäische Regieruna strenger als die ruffische. Man ist auf einzelnen Gebieten eher zu scharf als etwa zu lafch vorgegangen und hat deshalb manche Maßnahme die fich als undurchführbar erwies, wieder ab bauen oder mildern müssen." Die Notstandsmaßnahmen der Stadt Berlin In der gestrigen Sibuna der Berliner Stadtverordnetenversammluna murden zuerst einiae unwesentliche Tagesordnungspunkte ohne Aussprache erledigt. Zu der Anfrage der Kommunisten über das rücksichtslose Vorgehen von Schupobeamten acsen Demonftranten vor dem Rathaus, erElärte Stadtrat Wege, daß die Beamten sich einer Antwort des Polizeipräsidenten aufolae an dem fraalichen Tage strengstens an die ihnen gewordenen Weisungen gehalten haben, so dak zur Verantwortlichungmachuna eines der Beamten feine Veranlassuna vorlag. Gegen dret Drinnlichkeitsvorlagen des Magistrats erhebt Stadtv. Koch( Dn.) Einspruch. Er betonte. daß die Verkehrsdeputation in ihrer letzten Sizuna sich nicht mit der Straßenbahnvorlage beschäftigt habe, es müsse daher der Dringlichfeit der Magistrat@ vorlage widersprochen werden. Dieser Meinung schloß fich Stadtv. Rosenbera( Komm.) an, der hervorhob, daß fich die Lage Berlins gegen die Vorwochen in feiner Weise geändert habe. Stadtkämmerer Dr. Karding: Der Vorredner mar in der lebten Situng der Ansicht, daß man Nüdlagen für die Werke und die Straßenbahn durch rechtzeitige Anpassung der Tarife an die Geldentwertunaichaffen müjie. Die Lage Berlins hat sich insofern geändert, als die Auszahluna der Teuerungszuschüsse, die den Beamten ab 1. September zustehen und auf die sie einen Rechtsanspruch haben, in Frage gestellt ist. Die Löhne der Arbeiter, die nicht aus Reichsauschüssen bestritten werden können. da das Reich nur für Beamte und Angestellte die erforderlichen Zuschüsse gezahlt habe, müssen aus Tariferhöhungen gedeckt werden. Die Laac Berlins ist nicht schön, die Verhältnisse haben sich gegen die Vorwoche erheblich aut Ungunsten der Zahlungsfähigkeit der Stadt Berlin verschlechtert. Stadtv. Schumacher( Stomm.): In den Deputationen fißen feine Strohpuppen, vielmehr haben die Deputationsmitglieder die Absicht. zu arbeiten. Die Abstimmung ergab. daß der Dringlichkeit der Vorlagen über die Straßenbahn widersprochen wurde. während die Dringlichkeit der Vorlage über die Erhöhung des Elektrizitätspreises anerkannt wurde. Diese Vorlage gina ohne Tebatte an einen Ausschuß zur Beratung. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gaspari verlas hierauf einen Dringlichkeitsantrag der Deutschnationalen über die beabsichtigte Rusammenlegung der Klassen höherer Schulen. Da der Dringlichkeit nicht widersprochen wurde. wird der Antrag noch auf die Tagesordnuna gelebt. Sierauf folate die zweite Lejuna der Vorlagensammlung und der Anträge über die Notstandsaktion der Stadt Berlin, zu der Stadtv. Battloch( SPD.) den Bericht über die Ausschufiibungen erstattet. Stadtv. Linke( Dn.): Jede Preistreiberei muß bekämpft werden, wie und wo sie sich zeiat. Wir stimmen für die Anträge des Ausichufies bis auf die Einschränkungen unserer Busabanträge, um eine ungerechte Verallgemeineruna au allerlei Schminke und Ausflüchte verbergen, nur ihr Liebhaber ist er nie gewesen. Im übrigen fönnen wir uns auch dem Wunsche des ,, Vorwärts" anschließen, der schreibt: rassin aber bitten wir, auf Grund seiner russischen Erfahrungen den deutschen Kommunisten zu erzählen, was von Schlagworten wie Beschlagnahme der Ernte", Kontrolle der gesamten Produktion durch die Betriebsräte" zu halten ist, und ob er sie für geeignete Mittel hält, das deutsche arbeitende Volt aus seinem Elend herauszuführen." Der gestäuple Renegat Die Verleumdungen des Herrn Kloth Vor der 4. Straffammer des Berliner Landgerichts II wurde gestern die Beleidigungsflage verhandelt, die Genosse Breitscheid gegen Herrn Kloth, ehemals Gewerf schaftsangestellter und jest nationalistischer Redakteur, an gestrengt hatte. Die Klage war schon einmal vor der Straffammer verhandelt worden, sie wurde damals dem Staatsgerichtshof verwiesen, der prüfen sollte, ob die Sache, da es sich bei dem Kläger um einen ehemaligen Minister handele, vor sein Forum gehöre. Der Staatsgerichtshof hat den Fall wieder an die Straffammer zurüdverwiesen. Kloths Verteidigung hatte Rechtsanwalt Dr. Alsberg, der Kläger war durch Genoffen Kurt Rosenfeld vertreten. Sloth veröffentlichte im Oktober vorigen Jahres in der Zeit schrift Das freie Wort" einen Artikel, in dem er behauptete, die Außenpolitik der Unabhängigen Sozialdemofratie habe während des Krieges die deutschen Interessen sehr geschädigt. Breitscheid insbesondere habe das Vaterland verraten und zwar durch die Bekanntgabe der Dent schrift der wirtschaftlichen Verbände, die für umfangreiche Annektionen eingetreten war. Nebenbei behauptete Kloth in dem Aritkel noch, daß Genosse Breitscheid mit der Bekanntgabe der Denkschrift ein schönes Stück Geld verdient habe. verhüten. Vor allen Dingen fönnen wir von den Gewerbetreibenden nicht verlangen, daß sie bei den täglich wechselnden Preisen in den Auslagen alle Waren mit Preisauszeichnungen versehen. Das wäre zu schwieria, und Berstöße gegen diese Vorschrift wären an der Tagesordnung. Stadtv. Fräulein Dr. Meier( D. Vpt.) betont, daß sich alle Parteien sicher darin einig sind, daß der wirkliche Wucher zu bekämpfen ist, schwieria ist nur, die Formel dafür zu finden. Wir können nicht anerkennen, daß die Forderung des Wiederbeschaffungspreifes Witcher ist. Nach weiterer Aussprache wurde dem Ausschußantrag zugestimmt. Dieser fordert u. a: 1. Maßnahmen gegen die wilden spekulativen Auswüchse des Devisenhandels, 2. eine allgemeine Aufenthaltssteuer für Ausländer, 3. daß bei den Verhandlungen mit Belgien und mit der Entente immer wieder der Gesichtspunkt vorangestellt wird, daß die Versorgung des deutschen Volkes mit Le= bensmittel nicht durch die Erfüllung der Reparationss laften gefährdet werden darf, 4. Maßnahmen zur wirksamen Bekämpfung des Wuchers von Erzengern und Händlern, 5. erhöhte Mittel für alle Arten der Rentner: und sonstige Unterstügungsempfänger, 6. eine Henderung der Steuergesetzgebung dahin, daß den Städten wieder das Recht gewährt wird, Suschläge zur Einkommensteuer zu erheben, 7. Sparsame Wirtschaftsführung der gesamten öffentlichen Verwaltungen, 8. Förderung der inneren Erzeugung notwendiger Gegens stände. 9. Sicherung und Ergänzung der inneren Erzeugung für den inneren Verbrauch durch Ausfuhrverbote und Einfahrerleichterung für notwendige Bedarfsgegenstände in Verbindung mit planmäßiger Einfuhr von Gefrierfleisch, durch Einschränkung des Zuzugs von Ausländern und durch Unterbindung des Ausverkaufs an Ausländern. 10. Einschränkung des Lurusverbrauchs. 11. Eindämmen der Preissteigerung notwendiger Lebensmittel und Bedarfsgegenstände durch Ausschaltung des wilden Handels und der wilden Aufkäufer, 12. Die von beiden Gemeindekörperschaften beschlossene Bes herbergungsstener für Ausländer nunmehr schleunigst in Rraft au feßen, 13. mit größter Beschleunigung für eine ausreichende Sicher stellung der notwendialten Lebensmittel. Kartoffeln, Brot, Fleisch. Zuder, Fette und Milch, sowie der Brennmaterialien Sorge zu tragen. 14. vorbereitende Maßnahmen, um der mit Sicherheit an erwartenden großen Arbeitslosigkeit zu begegnen, 15. einen Rohlenvorrat an sichern, der für die Winter: monate den Bedarf an Hausbrand für Schulen, An= stalten und lebenswichtige Betriebe ausreichend deckt, 16. Die Bezirke rechtzeitig und ausreichend mit Brenn hola au möglichst niedrigen Breifen au beliefern. Bei Redaktionsschluß dauerte die Sigung noch an. Wir bringen die Fortsetzung in der morgigen Nummer. ver= Es wird dann als Sachverständiger der Gegenseite, der sozialdemokratische Abg. Eduard Bernstein nommen, der sich dahin äußert, daß die annexionistische Denkschrift der Wirtschaftsverbände von dem Gesichtspunkt zu betrachten sei, daß sie sich gegen die Regierung richtete. Sie sei in Tausenden Exemplaren in Deutschland verbreitet und auch schon in einem Flugblatt, daß er mit Haase und Kautsky 1915 veröffentlicht habe, auf die annexionistische Aftion hingewiesen worden. Mit der Veröffentlichung Habe Breitscheid nichts zu tun gehabt. Der Staatsanwalt hielt die Beleidigung für vorwiegend und den Wahrheitsbeweis für mißlungen; beantragte für Kloth eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Der Verteidiger beantragte Freispruch. Das Gericht fam nach langer Beratung zu folgendem Urteil: Der Angeklagte stellte Behauptungen auf, die schwerwiegender Natur seien. Der Wahrheitsbeweis fei nicht erbracht worden. Der Vorwurf, daß Dr. Breitscheid Landesverrat geübt und dabei ein schönes Stüd Geld aus französischen Hilfsgeldern empfangen habe, set einer der schwersten Vorwürfe, die einen Politiker treffen können. Die Wahrung berechtigter Inter. essen hat das Gericht nicht angenommen. Bei Bes rücksichtigung des Strafmaßes hat das Gericht erwogen, daß es Dr. Breitscheid weniger darum zu tun set, seinen Gegner einer schweren Strafe auszuseßen, als vielmehr darum, dak die erhobenen Beschuldigungen als unwahr hingestellt wurden. Daher hat das Gericht auch nicht auf eine Freiheitsstrafe erkannt, sondern auf die höchst= & ulässige Geldstrafe von 500 Mark, da das neue Höchststrafengesetz auf diesen Fall noch keine Anwendung finden konnte. Der Renegat Kloth hat es also nur der Langmut des Genossen Breitscheid zu verdanken, daß er mit einer Geldstrafe davongekommen ist. Freilich ist bemerkenswert, daß das Gericht die vornehme Gesinnung des beleidigten Klägers als urteilsmildernd in Betracht zog. Wir sind nicht sicher. ob nicht im umgekehrten Falle, wenn nämlich ein Sozialdemofrat von einem Nationalisten zur Verantwortung gezogen worden wäre, das Gericht diesen Milderungsgrund geltend gemacht hätte. Daß der Sachverständige des Herrm Kloth zu der Meinung fam, die Unabhängige Sozialdemo fratie und Genosse Breitscheid seien vom Auslande für ihre Politik finanziert worden, kann man verstehen: der Bour*. geoisie und ihren journalistischen Lakaien ist um Gold Manches feil und was sie selbst zu tun nicht ablehnen würden, wenn es nur flingenden Lohn einbringt, das sehen sie auch bei andern voraus. In der Verhandlung versuchte Kloth einen Teil seiner verleumderischen Beleidigungen aufrecht zu erhalten. Er meinte, daß die Tätigkeit der USPD. zu einem guten Teil auf ausländische Unterstützung angewiesen gewesen sei, so habe Genoffe Oskar Gohn Eowjetrubel für Reparations zwecke erhalten. Zweifellos wären auch aus Frankreich Gelder in die Parteikasse geflossen. Auch für die Verbrei tung des Buches J'accuse" sei die 11SRD. sicher hoch bezahlt worden. Genosse Breitscheid als Nebenkläger, trat diesen. Darlegungen entschieden entgegen. Er bestritt, daß er jemals auch nur einen Pfennig Geld vom Auslande bekommen habe. Obwohl er nichts mit der Parteileitung zu tun habe, wäre er doch wohl in der Lage zu beschwören, daß die USP. niemals auslän= Sifche Gelber erhalten habe. Die Dentschrift habe Flucht aus der Reparationskommission er niemals an das Ausland verschickt. Er habe sie nur seiner Korrespondenz für Deutschland beigelegt, mit dem ausführItchen Zusatz, daß kein Exemplar davon ins Ausland dürfe. Ein Sachverständiger des Angeklagten, Dr. Schotte von den Preußischen Jahrbüchern", meinte, daß bei den nationalen Parteien die Auslandspolitik der USPD. und des Wiederholt spricht Kraffin von den Erfahrungen, die die Bolschewiti heute veranlassen, sich vor utopistischen An gaben und Zielen zu hüten",„ keineswegs rein utopistische Bläne zu verfolgen", auf feine allzuweit reichenden Pläne" mit einem Worte, die Bolschewitt selbst haben ihr„ Beispiel" längst zum alten Eisen geworfen und treiben eine Politit, die zu treiben, sich alle Menschewisten" schämen würden. lind wenn die Rote Fahne" heute noch das Außenhandelsmonopol der Bolschewiti als„ kommunistischer Sieg" hinftellt, so möge fie es sich von ihrem Parteigenossen& rasiin fagen lassen, was es damit auf sich hat: Das ist keine fommunistische Maßregel, sondern eine der Grundbedin gungen für die wirtschaftliche Selbständigkeit Rußlands, bedingt durch die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse." Kann man deutlicher aus berufenem Munde bestätigt finden, was wir schon lange behaupteten, nämlich, daß in Rußland der Kommunismus längst aufgegeben ist und der Kapitalis- lichen Gründen nicht beweisen könne. Er glaube auch, daß mus den Sieg davongetragen bat, für den die Bolichewiti die Regierung führen und so lange führen werden, wie sie das weiter tun, was der Kapitalismus von ihnen und den russischen Arbeitern verlangt. Genossen Breitscheid als deutschlandschädigend betrachtet werde. Es liege der Verdacht nahe, daß die. USPD. vom Ausland finanziert werde, wenn man das auch aus begreifBenoffe Breitscheid feine ausgedehnte Betätigung auf dem Gebiete der Auslandspolitik nicht aus eigenen journalistischen Mitteln habe aufbringen fönnen. Genosse Breit scheid trat diesen Ausführungen sehr scharf entgegen und bestritt insbesondere, daß er durch seine Auslandspolitik irgendwelche Aufwendungen habe. Wenn der Sachver ständige seine Reise nach Paris angezogen habe, so bemerkt er, daß er auf Einladung der französischen Sozialisten zum Todestage von Jaures nach Paris eingeladen worden sei. Auch über die anderen Angaben des Sachverständigen kam Wir sagen das alles nicht, um die Bolschewiki zu schmähen. Was wir mit dieser Kritik bezwecken, das ist vielmehr, endlich den Schleier zu lüften vom„ russischen Beispiel" und die ganze Niedertracht und Gedankenlosigkeit der deutschen Bolschewitt zu tennzeichnen. Wer heute Nußland als Beispiel nachahmen will, mag wohl die Wahrheit gern unter i es zu lebhaften Auseinandersetzungen. Paris, 28. September. Nach Figaro" hat die französische Regierung das Rücktrittsgesuch ihres Vertreters bei der Reparationskommission Dubois noch nicht angenommen. Nach Populaire" gilt der französische Bertreter im Völkerbund Senator Henri de Jouvenel, der Chefredakteur des„ Matin", als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Dubois. Baris, 28. September. Ere Nouvelle" will aus autorifierter Quelle erfahren haben, Sir John Bradbury habe der britischen Regierung seinen Rücktritt als Delegierter bei der Reparationskommission mitgeteilt und werde dieses Amt im Oktober aufgeben. Streik in Le Havre Paris, 28. September. Die Streitbewegung unter den französischen Seeleuten ist im Wachsen begriffen. In Le Havre wurde heute vormittag ein allgemeiner Ausstand erwartet. In Bordeaux hat sich der Streik auf drei weitere Passegierdampfer ausgedehnt, Leineweber Berlin C, Köllnischer Fifchmarkt 4-6 Herbst- und Winter- Kleidung Uebergangs- Paletot schwarz und marengo.... Schlüpfer 5400.aus balbschweren und flotigemusterten Winterstoffen.... 14000,- 11 500.- 9500.Winter- Ulster ameir. Form, kurze, starkgezelcon.Taille, verschled. Gurtmotive.. 19000.- 16000.- 12 500.Schlüpfer und Ulster 1. d. neuesten Formen, gedieg. mollige Flauscost, a1500, 20200 15 700.in großer Auswahl fertig am Lager Anzüge aus baltbaren genoppten Stoffen.. 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Aus der Vernichtung blüht neues, pochendes Leben. Nehmt nicht Abschied von der Natur, geht in sie hinaus auch im Herbst und im Winter, seht euch die vom Sturm gefegten Wellen märfischer Seen, den Kampf der in ihren Wurzelankern bedrohten Waldesriesen an und das märchenhafte Flockenparadies Frau Holles, das nirgends schöner ist als im Märkische Schweiz In allen Teilen unserer gesegneten Republik traut man dem Berliner alles zu, nur nicht Bescheidenheit, und doch ist der Berliner wenigstens in einem Punkte bescheiden. Die Berliner, denen es ihre Brieftasche gestattet, zur Erholung in die Schweiz zu reisen, sie sind zu zählen. Aber der Berliner, der es an Sonn- oder Feiertagen vorzieht, dem Häusermeer den Rücken zu kehren und nicht in der Kneipe zu hocken, sondern hinaus in die freie Natur zu eilen, und dort unter rauschenden Bäumen oder in strahlender Sonnenglast seinen Gottesdienst abzuhalten, er eilt dann und wann auch einmal in eine Schweiz, und weil der Berliner eben bescheiden ist, in die Märkische Schweiz. mit ihren grünen Höhenzügen, Waldesschluchten und singenden Quellen. Märkische Schweiz, so heißt das Fleckchen der Mark Brandenburg in der Umgebung von Budow. Man fährt mit der Fernbahn nach Dahmsdorf Müncheberg Dahmsdorf- Müncheberg und steigt dort in die Kleinbahn nach Buckow um. wird es sicherlich nicht bedauern, daß man in etwa zweistündiger Fahrt in unfreundlichen 4. Klassewagen in dieses an Naturschönheiten überreiche Fleckchen Erde gefahren ist. Es gibt Leute, die von den langweiligen Straßen der Mark Brandenburg reden. Diese Leute scheinen aber über einen Ausflug nach dem Alexanderplas nicht hinausgekommen su sein. Es ist wahrlich zu bedauern, daß so wenig Berliner den herrlichen Buckower und Peißhagener Forst Mär tische Schweiz nur dem Namen nach fennen. Wer Herbststimmung am Binnensee und im Miniaturgebirge genießen will, der fehre dem Moloch Berlin den Rücken und fahre nach Buckow. Man braucht sich für einen Ausflug in die dortige Gegend feine besondere Tour zurechtzulegen, benn es ist dort überall herrlich. Wandert ohne Ziel und ohne Karte, dann seht ihr mehr des Herrlichen und Schönen in der Natur und achtet weniger auf Kilometer und Straßen. Friedrichshagen- Schöneiche- Fichtenau- Rahnsdorf. Man Herbst und Winter sind die Zeit der kurzen Wanderfahrten, wenigstens für den, der sein von der werktätigen Arbeit mitgenommenes Nervensystem mit Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage nicht nach dem sonnigen Süden oder nach einer der zahlreichen Gebirgsfurorte spazieren führen In der einen Sommernachmittag als recht reizvoll angemerkt jei, führt uns die Bahnfahrt nur bis Friedrichshagen. Du folgst aber nicht dem Strome der Ausflügler, die sich nach alter Gewohnheit vom Bahnhofsausgang rechts ab auf den Weg zum Müggelsee machen. Biege links ab, an der neuen Friedrichshagener Siedelung vorbei, und gehe durch guten Wald, der bald eine wundervolle Birkenallee zeigt, eine Enappe Stunde bis zum Dorf Schöneiche. Von den schönen Eichen ist freilich im letzten Jahrhundert vieles verloren gegangen. Die Barone Knobelsdorff. die hier lange saßen, haben eine der herrlichsten Eichen nach der anderen niederschlagen laffen, um ihre ewig zerrütteten Finanzen aufanpuzen, und die Nachfolger waren, als der Besitz parzelliert wurde, mit dem Raubbau auch nicht schüchtern. Mitte sieht man aber noch einen von vergangener Pracht zeugenden kleinen Eichenpark, umgeben von modernen Landhäusern. Nur durch das Mühlenfließ getrennt, schließt fich Klein- Schönebeck an, ein echtes märkisches Dorf. Du folgst nun dem Laufe des Fließes nach Süden auf die Müggel zu und erreichst bald die idyllische Schönebecker Mühle. Unweit Savon taucht schon die große Villenkolonie Fichtenau auf. Es sind durchweg keine Proßenvillen, fast nur einfache Landhäuser, schon vor dem Kriege mit Goldmark gebaut. Man versäume nicht, den Kurpark zu durchwandern, wo das Mühlenfließ eines seiner schönsten Teile zeigt. Von da bis zum Bahnhof Rahnsdorf ist es dann nur noch eine Viertelstunde. Wenn die Müggel zugefroren ist, was uns nach Ansicht der Wetterpropheten noch vor Weihnachten überraschen kann, wird man sich ein so herrliches Eispanorama natürlich nicht entgehen lassen wollen, also noch die kurze Strecke bis Rahnsdorfer Mühle oder bts zum Freibad weiterwandern und später wieder von Friedrichshagen aus die Rückfahrt nach dem großen Steinbaukasten an der Spree antreten. Wettgehen Anläßlich des Abturnens am 1. Oftober 1922 veranstaltet die Freie Turnerschaft Wilmersdorf auf ihrem Sportplay in der Württembergischen Straße nachmittags 2 Uhr ein -Stunden- Paar- Gehen. Für den Geh- Sport, der bis jetzt ½- Stunden- Paar- Gehen. Für den Geh- Sport, der bis jetzt in der Arbeiter- Sportbewegung wenta gepflegt wurde, soll durch diese Veranstaltung Propaganda gemacht werden. Startgeld wird für diese Konkurrenz nicht erhoben. Alle Sportgenossen, die für das Gehen Interesse haben, wollen fich bei S. Teller, Wilmersdorf. Württembergische Straße 54( Sportplag), melden. Das Abturnen findet in der üblichen Weise statt. Es find sämtliche Leichtathleten der Freien Turnerschaft Wilmersdorf am Start, so daß auch hier scharfe und interessante Kämpfe zu erwarten find. Also Genoffen, unterstützt unseren aufstrebenden Sport und erscheint zahlreich! 3. Gau- Saalsportfest bes Arbeiter- Radfahrer- Bundes Solidarität" am 30. Sep tember 1922 in der Neuen Welt", Hasenheide. Zum 3. Male hat der Gau 9( Provinz Brandenburg) feine Getreuen aufgerufen, um im friedlichen Wettstreite ihr Können zu zeigen. Ein äußerst reichhaltiges Programm wird den Fortschrit zeigen, den der Saalsport, dem der Gau besondere Pflege angedeihen läßt, auch in der Provina Brandenburg genommen hat. Mögen die Bemühungen des Restausschusses von Erfolg gekrönt sein. Vom technischen Ausschuß wird hierzu geschrieben: Was wird der Sport des Abends bringen? Lassen wir furz die Mannschaften und Fahrer im Geiste an uns vorFreitag, 28. September 1922 Achter- Farbenreigen treffen 6 Mannschaften aufammen: Berlin, Reinickendorf, Charlottenburg, Neukölln, Caputh und die Berliner Damen. Reinickendorf und Berlin dürften hier die Spitze haben, doch kann es hier noch UeberIm Sechser- Kunstreigen sind die Melraschungen geben. dungen sehr zahlreich und haben 10 Ortsgruppen ihre Mann schaften gemeldet: Nowawes, Mariendorf, Mariendorf, Adlershof ( Jugend), Schönfeld bei Luckenwalde, Räschen, N.-L., Landsberg a. W., Reinickendorf, Pankow, Lichtenberg und RaNowawes, thenow. Schwer ist hier was zu sagen. Reinickendorf dürften zu den besten gehören. Im AchterKunstreigen fommen nur Berlin und Luckewalde in Frage. Luckenwalde, mit die beste Mannschaft des Bundes, wird ohne Zweifel das Beste des Abends zeigen.. Jm 1er- und 2er- Kunstfahren werden Cöpenick, Luckenwalde, Räschen, Brandenburg und Gaputh ihre Fahrer entseden. Heiße Kämpfe wird es hier geben. Beim 2er- Radballspiel werden vier Mannschaften im friedlichen, aber schweren Kampf den Ball durch den Saal jagen. Reinickendorf und Groß- Lichterfelde, die in Leipzig beim 1. Arbeiter- Turn- und Sportfeste mit die besten waren, werden auch hier in die Entscheidung tommen. Ein 24er- Kunstreigen einer kombinierten Mannschaft wird das Programm des Abends vervollständigen. Alles in allem, es wird ein sportreicher Abend werden und viele unserer Bundesgenossen und Anhänger werden noch lange dieser Stunden gedenken. Frisch auf zum glücklichen Gelingen! Beginn des Vorkampfes um 5 Uhr im kleinen Saale, des Hauptprogramms um 7 Uhr im großen Saale. Der Arbeiterschaft ist hier wieder einmal Gelegenheit geboten, die roten Radler bei ihrem Wirken auf dem Parkett zu sehen und durch Massenbesuch die Arbeit zu lohnen. Schwimmen Die„ Berliner Schwimm- Union" eröffnet die Winterfaison mit einem lokalen Schwimmfest am Sonntag, den 1. Oftober 1922, nachmittags 3 Uhr, im Stadtbad FriedrichsDas Fest wird ein glänhain An der Schillingsbrücke". zendes durch die von Brudervereinen zahlreich abgegebenen Meldungen. Außer den spannenden Stafetten, dem KunstSchwimmen, Springen, den Rettungsvorführungen, Reigen usw. versprechen die Serienwasserballspiele, ausgetragen von größeren Arbeiter- Schwimmvereinen des Kreises I, sehr interessante Kämpfe. Nachfeter und Resultatsverkündigung im Gewerkschaftshaus, Engelufer. Berliner Schwimm- Union". Die reservierten Uebungsstunden für sämtliche Abteilungen finden jest jeden Freitag von 7-9 Uhr im Stadtbad Friedrichshain An der Schillingsbrücke" statt. Die Sigungen sind nach wie vor ieden 2. und 4. Donnerstag im Monat, abends 7% Uhr, im Vereinslokal von Torno, Michaelfirchstr. 28. Die städtischen Güter GmbH. Der von der Stadtverordnetenversammlung eingesetzte Ausschuß zur zur Ueberführung der städtischen Güter in eine andere Wirtschaftsform hat mit allen gegen zwei Stimmenenthaltungen die Magistratsvorlage mit einigen nicht wesentlichen Veränderungen angenommen. Damit ist ein Kampf zu einem vorläufigen Abschluß gelangt, der monatelang im Berliner Rathaus um den so wichtigen Besitz der städtischen Güter geführt worden ift. Genau wie bei den städtischen Werken hat das Privat Eapital mit unterstüßung der bürgerlichen Fraktionen und der ganzen bürgerlichen Preise( allen voran das Tageblatt") versucht, diesen Besitz in private Hände überzuspielen. Den Vorwand für dieses Attentat gegen die Interessen der Einwohnerschaft boten die Schwierigkeiten, die die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse für eine leistungsfähige Bewirtschaftung der Güter boten, solange die Güterleitung an den Instanzenzug der verschiedenen städtischen Behörden gebunden war. Der Ausgang dieses Kampfes ist ein voller Erfolg unseres Widerstandes gegen diese Absichten. Der Magistrat, der vor fich darf. Zu einer solchen kurzen Fußwanderung, die auch für überaiehen, die berufen find, ihr Beſtes au zeigen: Im aus, troß seiner sozialistischen Mehrheit, nicht genügend Der Entgleiste Roman von Wilhelm Holzamer. ( 57. Fortsetzung.) „ Also. Hören Sie, was ich Ihnen vorschlage: schieben Sie das Examen noch hinaus bis zur Vollendung meines Werkes. Wir arbeiten tüchtig zu jammen, mit ein oder zwei Semestern ist's getan. Dann schließen Sie Ihr Studium ab. Gehen ein wenig in Praxis, gehen vielleicht in eine Landpraris oder in eine Klinik, je nachdem vielleicht findet sich ein Sanatorium- und dann, wenn ich die psychiatrische Universitätsklinik durchgesetzt habe, werden Sie mein erster Assistenzarzt." Aber" sagte Philipp, die pekuniäre Frage." " Die petuniäre Frage! Sehen wir die Sache ganz vourteilslos an: es muß Ihnen eine Summe geschafft werden. Ein Darlehen von ein paar tausend Mart. Das findet sich. Ich werde sorgen. Sie haben gar keine Verpflichtung, keine Erkenntlichkeit. Der Erkenntliche bin nur ich. Ueberlegen Sie sich meinen Vorschlag. Es springt vielleicht bei unserer gemeinsamen Arbeit gleich ein Doktorthema für Sie heraus. Und wenn Sie hier fertig sind, fühlen Sie sich ganz frei. Sie wollen sich ja nicht gebunden fühlen. Wollen Sie eine andere Karriere einschlagen, gut- wollen Sie nicht, gehen Sie den Weg, den ich Ihnen gezeigt habe." Philipp sann nach. „ Sie brauchen sich nicht gleich zu entschließen!" " Doch. Ich gehe auf Ihren Vorschlag ein, Herr Professor." So war's gut und abgemacht. Sie saßen noch lange beisammen und unterhielten fich. Als Philipp nach Hause ging, war ihm, jezt sei sein Weg ganz gerade und sicher. Aber wie er durch die Gassen schritt, deren Häuser ihr so festgefügt und wetter- und zeitenwiderständig vorkamen, troch leife ein Bangen in sein Herz hinauf. Es war fo leicht alles, er war an das Schwere gewöhnt. Es war ein Glück, das ihm in den Schoß fiel. Er war daran gewöhnt, das kleinste zu erarbeiten und sich abzuquälen. Er traute nicht. Er traute dem geraden und fiecheren Wege nicht, der so flar war. Es mußte doch wo eine scharfe Biegung in ihm kommen, um die er nicht sehen fonnte. Und er dachte, daß das in seinem Leben so sein müsse. Er konnte sich's nicht anders mehr denken als Ringen und Zwingen, als Not und Müh. Das war die arme Herkunft, das war das geringe Besitztum an Eigenwertgefühl, und das waren die harten Studienjahre, die seine Energie gerade da verbraucht hatten, wo die Kommilitonen von aller Schwere und Enge befreit waren. Er fühlte e3 bitter: sie hatten die Jugend genießen können und ihre Leichtigkeit. Er hatte sie versißen und verschmisen müssen. So kam er in seine Bude. Er war übellaunig, gedrückt. Aber dann hatte er von seinem Fenster aus den Blick über die Dächer der Stadt hinweg nach dem Walde, der immer mehr grünte, nach der Burg, auf der die Fahne wehte und über die die Wolken hinzogen in lustigen wechselnden Haufen fast so, wie er sie Sommer über dem Lande stand. früher in den Schloßruinen gesehen hatte, als der Er schrieb der Mutter. Gute, liebe, einfache Worte, die sie verstehen konnte. Eine Karte in die Eulenmühle, wo die Emilie schon einen Buben auf ihrem Schoße wiegte. Da stand die Silberpappel nun schon voll im Laub und flüsterte von füßen Frühlingsfreuden, und der Bach schoß brausend übers Rad und freuden, und der Bach schoß brausend übers Rad und schäumte, und in den alten Luken des Gemäuers bauten die Spatzen und die Rotschwänzchen ihre Nester -und am Ende gar, hinten, wo der Teich war, brach der Flieder schon auf, der geschützt stand, und oben der Wacholder duftete stark und bekam seinen silbernen Glang. Es hielt ihn nicht zu Hause. Er zog ins Freie, und fein Lied flang durch den Wald. Zum ersten Male war er ein freier Bursch'. Du kärgliche Luft gierig genossene Lust! du aber ist jedes Outsidern und Absondern vom Uebel. Und sich nicht in sich selbst vergraben! Die klenen Dinge im Leben, die einen ablenten können, die muß man ruhig an seinem Wege mitnehmen. Nicht zu wichtig nehmen, aber mitnehmen. Sie werden fagen wollen, die gelten Ihnen nichts. Aber sagen Sie, gibt es etwas, das nichts gilt, nicht etwas in uns auslösen tann? Wir können nie vorher wissen, was in uns die Jugend viel zu sehr auf Prinzipien reiten, Prinausgelöst wird. Und wenn auch nicht das. Ich sehe zipien überall, im fünstlerischen, literarischen, wissenschaftlichen Leben, im politischen und privaten Leben." Brinzipien sagen Sie man fönnte auch Chas rakter sagen." Nun, nun, man tönnte. Man könnte auch Enge sagen. Wir haben das so an uns, es ist gut Deutsch. Es wird aus allem gleich eine Devise, ein Dogma, ein Prinzip gemacht. Und dann ist's so leicht, Charakter zu haben. Gehen Sie mir. Charakter ist etwas ganz Wenn ich das auffi.bazaaaöstch, idi-:"); ENJATMRDG anderes, etwas viel Weiteres, etwas viel Tieferes. Wenn ich das auf jeden Schritt und Trift mit Stacheldraht einzäunen muß, ich bitte Sie. Mir ist das lächerlich. Mir ist das der Beweis, daß der Charakter gerade fehlt und jedenfalls: daß er noch keine Festigrade fehlt feit und Sicherheit gewonnen hat. Charakter muß Fährnisse bestehen können, muß aber nicht immer proklamieren wollen. Das ist die Charakterlosigkeit unserer Charaktere, daß sie immer proklamieren. Wir wollen jeder wir selbst sein nicht so hedenweise uns abzeichnen lassen, die einen mit einem schwarzen Kreuz, die andern mit einem roten Strich, die andern schwarz- weiß- rot und so weiter. Das ist furchtbar Icicht. Hüten Sie sich davor." " Ich zähle mich nicht zum einen und nicht zum andern." ,, Vielleicht noch nicht es kommt wohl noch. Sie www Jm Forsthaus verzehrte er in der Laube, die noch ziemlich kahl war, ein einfaches Mittagsbrot. So gut hatte es ihm nicht mehr geschmeckt, seit seiner Jugend. fangen schon an, diese Schwere fich zuzulegen, die in So glücklich war er lange nicht mehr gewesen. Sit er in der Eulenmühle gespielt hatte, nicht mehr. 8 Professor Winter jagte: Ich will Ihnen sagen, lieber Freund, der Mensch ist auf einen Platz gestellt, seine Pflicht zu tun. Das ist alles. Man muß nur seine Pflicht richtig sehen und klar erkennen. Dann alles ein Fragezeichen legt: was bedeutet das mir? Gehen Sie! Es bedeutet Ihnen alles etwas. Sie müssen nur Beichtigkeit dazu haben. Die Schwere will immer zur Ruhe- Sie können das physikalische Gesetz so auslegen. Das Gesetz der Schwere will sich im Trägheitsgesetz auslösen. Die Leichtigkeit will Bewegung. ( Fortsetzung folgt.) Energie zur Durchführung der notwendigen Maßnahmen aufbrachte, mußte schließlich doch unter unserem Drud seine frühere Vorlage, nach der die Güter zu standalösen Bedingungen an das Privatkapital verschachert werden sollten, zurückziehen, da er ohne uns keine arbeitsfähige Mehrheit im Rathaus bilden kann. Das hatte sich am finnfälligsten bei der Verabschiedung des Etats gezeigt, der ohne uns nicht hätte erledigt werden können. Die neue Regelung wird sich wirtschaftlich erst im Laufe einiger Jahre voll auswirken können. Freilich werfen die Güter nach den letzten Mitteilungen des Kämmerers jett einen Ueberschuß von 100 Millionen Mark ab.( Also auch da keine Defizitwirtschaft.) Das Entscheidende an der neuen Regelung ist, daß die ganzen mit den Gütern zu= sammenhängenden Fragen jetzt aus der unmittelbaren Kom petenz sowohl der städtischen Verwaltung als auch der Stadtverordnetenversammlung genommen werden. Die Leitung wird jetzt eine rein taufmännische werden müssen und untersteht dem Aufsichtsrat, der zur Hälfte vom Magistrat zur Hälfte von den Stadtverordneten besetzt wird. Außerdem wird ein anerkannter Landwirt gewählt werden und die gesetzlich vorgesehene Vertretung der Arbeiterschaft. Besonders charakteristisch ist, daß alle Unternehmer, die wegen eventueller Verpachtung verhandelt hatten, sich bereit erElärten, zwar die Arbeiter zu den gleichen Bedingungen zu übernehmen, sich aber weigerten, die Beamten mitzuübernehmen, die in den Berliner Büros in Ermangelung anderer Beschäftigung untereinander forrespondieren. Auch die febige Regelung wird dazu führen. daß sofort eine ganze Anzahl Beamter auf einmal überflüssig werden und natürlich nicht wie das bei Arbeitern ganz glatt erfolgen würde, entlassen werden, sondern in anderen Dienstzweigen Unterschlupf finden. Wenigstens wird auch dadurch etatsrechtlich viel flarer zum Ausdruck kommen, wo die eine Hauptquelle der städtischen Schwierigkeiten ist. Wir werden die Einzelheiten mitteilen, wenn die Beschlüsse des Ausschusses gedruckt vorliegen. Es ist anzunehmen, daß die Vorlage selbst in Kürze das Plenum der Versammlung passieren wird. Die Erfahrungen, die Berlin mit dieser Regelung machen wird, werden für die sehr wichtige Frage der Organisation öffentlicher Wirtschaftsbetriebe für die Genossen in anderen Kommunen von ausschlaggebender Bedeutung sein. Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend Am 26. September fand in der Brauerei Friedrichshain eine außerordentliche Generalversammlung statt, in der über folgenden im Genossenschaftsrat vorbe= reiteten Antrag auf Sabungsänderung beraten wurde: ,, Der Geschäftsanteil beträgt 2000 M. Jeder Genoffe tann nur einen solchen erwerben. Er ist verpflichtet, innerhalb des ersten Jahres seiner Mitgliedschaft mindestens die Hälfte des Geschäftsanteils einzuzahlen, und berechtigt, jederzeit durch Bareinzahlung sein Guthaben auf Geschäftsanteilkonto bis auf 2000 M. zu erhöhen." Nachdem Geschäftsführer Mirus diesen Antrag begründet hatte, entspann sich eine längere Aussprache. Fast fämtliche Redner waren dafür. Die kommunistischen Redner wollten ihre Zustimmung jedoch davon abhängig machen, daß das Reich, der Staat und die Gemeinde ihrerseits an die Konsumgenossenschaft zinsfrei Darlehen geben. Nachdem Mirus im Schlußwort versichert hatte, daß bei der Ginziehung des erhöhten Geschäftsanteils gegenüber den in wirtschaftlicher Not befindlichen Mitgliedern keineswegs rigoros verfahren werden solle, wurde mit großer Mehrheit beschlossen, den Antrag des Genossenschaftsrats mit sofortiger Wirkung anzunehmen, so daß damit der Vorschlag der Kommunisten auf nur bedingte Zustimmung erledigt war, Rendige Schafe in der Schupo Der Polizeioberwachtmeister Sans Steffen, Prenzlauer Bera- Revier, Hauptstelle 257, beliebt es, fich in einer Weise aufzuführen, die geradezu als skandalös bezeichnet werden muß. Die vorgesette Behörde dieses Beamten wird Veranlassuna haben, sich mit dem folgenden Vorfall etwas näher But beschäftigen. Steffen erschien am Donnerstag, den 21. September nachts 12 1hr 20 Minuten in der Konditorei Wendt. Neue Königitraße 84, als das Lokal bereits ge= schloffen werden sollte. Er verlangte randalierend, daß ihm noch was verkauft werde und drohte, er werde andernfalls sofort das Rotel schließen. Diese Aeußerung wurde nicht ernst genommen, da St. in Rivil war und die Vertreterin des Inhabers des Lokals sowohl als der bedienende Kellmer nicht wußten, daß sie einen Polizeibeamten vor sich batten. Als man dann Bezahlung von St. verlanate, erElärte er, nachdem er sich zunächst weigerte, au bezahlen: Ich verlasse nicht vor 1 Uhr das Lokal!" Darauf aufmerfsam gemacht, daß der Zeitpunkt der Schließung des Betriebes Sache des Inhabers wäre, fina St. an, mit Fäusten um fich zu schlagen und die Angestellten in arober Weise zu beleidigen. Als St. der Aufforderung, das Lokal zu ver= laffen, feine Folge leistete, rief die Mutter des abwesenden Befibers Hilfe herbei. Das war deswegen notwendia. weil St. fotwähend an der Gesäßtasche herumhantierte und zu erkennen gab, daß er von der Waffe Gebrauch machen wollte. Die inzwischen erschienene Polizei stellte zur großen Ueberraschung der Beteiligten fest, daß der lärmende und tobende Gast der obengenannte Polizeioberwachtmeister set. Nach unserer Auffassung ist das Verhalten dieses Herrn als eines Polizeibeamten unwürdig zu bezeichnen, und halten wir es dringend für notwendig, der anscheinend ausgebrochenen Schießmanie unter den Schupobeamten mit aller Schärfe entgegenzutreten. Unieres Wissens nach be= steht bei der Schubpolizei eine Dienſtvorschrift, wonach die Dienstwaffe nur im Dienst getragen werden darf. Auf die Durchführung dieser Vorschrift sollten die Voraeiebten des Herrn Steffen ganz besondere Obacht geben, da fonit, wie das in letzter Zeit öfter passiert ist, angeblich betrunkene Schupobeamte zu einer Gefahr für das Publikum werden. Polizeiliche Schreckschüsse sind unzulässig So hat fürzlich das Reichsgericht entschieden. Waffengebrauch zu dem Zwecke, einen Fliehenden zwecks Feststelling feiner Persönlichkeit zum Stehenbleiben zu veranlassen, sei nach den Dienstvorschriften nicht gestattet. Schreckschüsse seien auch ein für solchen Zweck ungeeignetes Mittel, da sie im Zweifel den Fliehenden nur veranlassen würden, seine Flucht zu beschleunigen. Es sei auch eine nicht durch Erregung zut entschuldigende grobe Fahrlässigkeit, wenn ein Polizeibeamter die Schüsse anstatt nach oben in der Richtung einer Straße abgibt. Solches Verhalten bringe stets die Gefahr der Verlegung von Personen oder fremden Eigentums mit sich und sei unerlaubt. Von dem rechtmäßigen Gebrauch der Schuß| waffe hängt die Beurteilung ab, durch wen der Schaden zu erfeßen ist. Die Gerichte sind deshalb schon vielfach zu der Auffassung gekommen, daß der Polizeibeamte für den Schaden, den er beim unrechtmäßigen Gebrauch der Waffe an gerichtet hat, aufkommen muß. In dem vorliegenden Falle hatten das Landgericht und das Oberlandesgericht den beantragten Schadenersatz für ein beschädigtes Schaufenster abgelehnt. Das Reichsgericht hob jedoch diese Entscheidung auf. Selbst die Verbände der Polizeibeamten warnen daher jetzt vor der Abgabe von Schreckschüssen. Darf ein Pferd schwitzen? Vor einigen Tagen fuhr ein mit mehreren Männern besetter Geschäftswagen an der Schußpolizeifaserne in der Bouchéstraße in Treptow vorbei. Ein Schußpolizist stürzte hinter dem Wagen her und rief den Männern ein lautes Halt zu. Als die Insassen des Wagens weiterfuhren, soll der Polizist seine Dienstpistole gezogen haben. Die Wageninsafsen hielten schließlich und fragten, was denn los fei. Darauf erklärte der Polizist:„ Das Pferd schwitzt!" Es war ein wohlgenährter Gaul, der in gemütlichem Trott aus der Innenstadt kam und nur wegen seiner Leibesfülle ein wenig schwitte. Das Schwigen ist nämlich auch bei Tieren ebenso etwas Individuelles wie bei Menschen. Rennpferde schwizen bekanntlich auch und werden von Schußpolizisten nicht angehalten, Nun aber kam das Satyrspiel. Mehrere der Wageninjassen legitimierten fich als Treptower Treptower Kriminalbeamte, die gestohlenes Gut beschlagnahmt hatten. Verblüfft zog sich der Schußpolizist zurück. Wenn es aber nicht zufällig Kriminalbeamte gewesen wären? Dann hätte schußpolizeilicher Eifer die Wageninfassen sicher mit einer Strafanzeige beglückt. Unsere Zukunft liegt im Barfußlaufen Den Groß- Berliner Schuhmachermeistern sind soeben neue Preistabellen zugestellt worden, wonach fie für das Besohlen und Beflecken von einem Baar Damenitiefeln 2000 M. zu fordern haben. Das kann niedlich werden. Diese hohen Forderungen liegen, wie die Meister erklären, nicht an den Gefellenlöhnen, sondern an den wucherisch in die Höhe getriebenen Lederpreisen. Viele Meister vereinbaren schon jetzt selbst die höchsten Reparaturpreise nur insoweit, als fie Sohlenleder vorrätig haben. Gefälschte Koks- Wiegekarten Die„ Berliner Mieter- Zeitung" teilt aur Warnung mit, daß bei einer Lieferung von drei Fuhren Schmelz- und Gaskots nach dem Hause Kaiserdamm 20, das vor zwei Jahren in den Besiz eines holländischen Konfortiums überging, durch eine Firma Quast& Co. die Wiegekarten sich als gefälscht erwiesen. Laut Lieferschein sollen 254 Zentner vorhanden sein. Beim Nachwiegen unter amtlicher Kontrolle fehlten genau 100 3entner. Gleich fast die Hälfte der Ladung zu flauen, ist etwas happig. Wilmersdorfer Kunstabende Die Deputation für Kunst und Bildungswesen veranstaltet auch in diesem Winter wieder Kunstabende, die im Festsaal des Stadthauses, Kaiser- Allee 1-12, stattfinden werden. In dem Bestieben, nur wirkliche Kunst zu bieten, hat die Deputation mit hervorragenden Künstlern Fühlung genommen und erste Kräfte für die einzelnen Abende gewonnen. Die Kunstabende finden wie folgt statt: 1. Abend am 14. Oktober: Kammerfänger Richard- Wagner- Abend. Clewing: 2. Abend am 28. Oftober: Lindemann- Trio unter Mitwirkung der Kammersängerin Arndt- Ober. 3. Abend am 11. November: Vortrag über das deutsche Volkslied von Kapellmeister Möricke vom Deutschen Opernhaus unter Mitwirkung von Clara Brat( Lieder zur Laute). 4. Abend am 25. November: Opernabend unter Mitwirkung von Margarete Haesen, Charlotte Spanier, Franz Ammermann u. a. 5. Abend am 9. Dezember: Hertha Stolzenberg: Liederund Arienabend. Dauerkarten für alle fünf Abende kosten 75 M. für die erften 8 Reihen und 50 M. für die übrigen Plätze, während die Preise für die einzelnen Abende 20 M. bezw. 15 M. sind. Der Verkauf der Dauerkarten wird am 12. Oktober geschlossen, der Verkauf der Einzelfarten beginnt am 13. Of tober. Sämtliche Eintrittskarten find zu haben in der Stadtbücheret, Kaiser- Allee 1-12, in den Volksbüchereien Gieselerstr. 7, Joachim- Friedrich- Str. 35-36, Weimarische Straße 21-24, und in den an den Anschlagfäulen bekanntgegebenen Verkaufsstellen. Ein internationaler Hochstapler Heiratsbetrüger und Juwelenschwindler, der von der biefigen Kriminalpolizei schon einmal unschädlich gemacht wurde, treibt sein Unwesen ießt im aanzen Deutschen Reich. Es handelt sich um einen 24 Jahre alten, au Wernberg im Bezirk Kärnten in Desterreich geborenen Roland Hudelist. Seine Schwindeleien gehen in die Millionen. Als ungarischer Oberleutnant, Chemiker oder Ingenieur Roland Rudeliftoff, Gudelistoff und Schadelistoff, Sohn eines wohlhabenden Gutsbejizers und Eigentümers großer Wäldereien in Kärnten, fucht er überall Damenbekanntschaften. In mehAn unsere Abonnenten! Durch die Vereinigung der beiden sozialistischen Parteien wurde der Vorwärts" als Zentralorgan der Partei bes stimmt. Die Freiheit" stellt aus diesem Grunde am 30. b. Mts. ihr Erscheinen ein. Sollte fich durch die Ueberführung unserer Speditionen an den„ Vorwärts" für die ersten Tage in der Belieferung unferer bisherigen Abonnenten irgendwelche Störung be merkbar machen und unsere Abonnenten nicht beliefert werden, so bitten wir, sich sofort an die nächste Vorwärts": Spedition zu wenden. Bom 1. Oktober ab wird allein der Vorwärts" als Zentralorgan der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ericheinen und unseren Lefern geliefert werden. Freitag und Sonnabend erhalten unsere Berliner Leser den„ Borwärts" und die Freiheit" gemeinsam, vom Sonn tag, den 1. Oktober an nur den Vorwärts". Die Zeitungskommiffionen der Speditionen Berlin, Jordaustraße 24 und Adlershof haben uns die Auslieferung der Abonnementsverzeichnisse vorenthalten. Die für diese Speditionen in Frage kommenden Abonnenten werden gebeten, sich wegen der Weiterbelieferung sofort an die Speditionen des„ Borwärts", Adlershof, Genossenschaftsstraße 6, die Abonnenten für Berlin an die Spedition Prinzenstraße 31 des Vorwärts" zu wenden. Verlag der Freiheit". reren Fällen fam es zur Verlobuna. Dann verschwand er plötzlich, nachdem er der Braut" oder deren Angehörigen bares Geld oder Schmucksachen abgeschwindelt hatte. Den jungen Damen gegenüber, deren Bekanntschaft er macht, zeigt er im Laufe der Unterhaltuna besonderes Intereffe für ihre am finaer getragenen Ringe. Er veranlaßt jie, diese ihm zur Besichtigung zu überlassen und steckt sie an seinen finger. Durch diesen Trick und andere Schwindes Ieien erbeutete er im Juli 6. J. in Oberammergau Schmud fachen im Werte von 120 000 Mart. Der Schwindler, der wahrscheinlich versuchen wird, auch in Berlin eine Gastrolle au geben, sieht einige Jahre älter aus als er ist, ist 1,75 Meter groß und schlank, hat halbvolles gebräuntes Geficht, dunkelbraune, lange, lintsgescheitelte Kopfbaare, araue Augen und eine aroße Naie mit eingebogenem Nasenrüden. Ein besonderes Kennzeichen sind zwei Goldzähne im Obers fiefer. Seine Kleidung wechielt er ständig. Die Vereinigung der Rathausfraktionen Die Vorstände der beiden sozialdemokratischen Stadts verordnetenfraktionen traten gestern aur Beratung über die Verschmelzung der beiden Fraktionen zusammen. Es ergab fich Einmütigkeit darüber, daß die erste gemeinsame Sigung am Dienstag, den 3. Oktober, unter dem Vorsiz des Alterss Die vorsitzenden, Genossen Pfannkuch, stattfinden soll. Leitung der Frafiton soll zunächst einem Vorstand übertragen werden, der sich aus den gleichstarken Vorständen der biss herigen Fraktionen zusammenfeßt. Gleichberechtigte Vorfitzende der Fraktion werden demnach die Genossen#go Heimann und Dr. Weyl. Städtisches Krankenhaus Neukölln. Die aur programme mäßigen Erweiterung der äußeren Abteilung des Neu föllner Krankenhauses im Herbst 1919 in Angriff genommenen beiden Pavillons sind nach mehrfacher Unterbrechung der Bauarbeiten iebt in der Gesamtbauausführung fertiggestellt. Nachdem die innere Abteilung bereits im Jahre 1914 auf die vorgesehene Gesamtgröße gebracht worden war, ist mit der Vollendung dieser Neubauten nunmehr auch das Ursprungs projekt für den Ausbau der äußeren Abteilung, nämlich die Errichtung von fünf Großpavillons, endgültig durchgeführt. Die Grundfläche der beiden Neubauten umfaßt mit den ente sprechenden Verbindungsbauten eine Gesamtgröße von 1917 Quadratmetern. Jedes Gebäude besteht aus zwei Voll geschoffen für insgesamt 142 Krankenbetten und einem ausge bauten Dachgeschoß mit Wohnräumen für 7 Aerzte, 32 Schwes stern und 10 Praftifanten. In jedem Krankengeschoß be finden sich ein großer Saal für 20 bis 24 Betten, ein kleiner Saal für 5 bis 7 Betten, mehrere Einzelzimmer für 1 bis 3 Betten, ein großer und ein kleiner Tagesraum sowie ein Behandlungszimmer, außerdem noch folgende Nebenräume: Dienstzimmer für die Schwestern, Anrichteküche, Räume für reine und schmutzige Wäsche mit den erforderlichen Eins richtungen für die Abführung und Sterelisation der Fäkalien, zwei Badezimmer und Abortanlagen. Die beiden Krankengeschoffe sind durch einen Personen- und Lastenaufzug mit einander und durch die gededten Verbindungsbauten mit dem Operationshaus verbunden. Aus der Anrichteküche im Erdaeschoß führt ein Speiseaufzug in das Obergeschoß. Sämtliche Näume find den Grundfäßen eines modernen Krankenhaus betriebes entsprechend angeordnet. Die Ausstattung der Säle und Einzelzimmer mit dem jeweils erforderlichen Inventar fann erst nach Bewilligung der vom Bezirksamt be antragten Mittel in Angriff genommen werden. Arbeitsstätte Rens Sprachfurie der Volkshochschule fölln. Die feit einigen Jahren vom Bezirksamt Neukölln im Anschluß an die Volkshochschule Groß- Berlin veranstal teten Sprachfurie( Französisch, Englisch. Russisch, Spanisch und Esperanto) werden auch weiterhin fortgesetzt. Anfängerfurse werden nach Bedarf eingerichtet. Der Beginn des neuen Unterrichtssemesters ist auf den 9. Oftober d. J. feftaefebt worden. Der in den Prospekten der Volkshoch schule Groß- Berlin angekündigte Anfana der Kurie ant 25. September d. J. wird hierdurch abgeändert. Ferner bat fich durch die fortschreitende Geldentwertung eine Erhöhung der Höraebühren als unumaänglich erwiesen, so daß fortan für die Doppelstunde( 1% Stunden) 4 M., für den auf 10. Wochen berechneten Kurius( wöchentlich einmal 1 Stunde) alfo 40 Mart zu entrichten find. Eintragungen werden werktäglich in der Reit vom 25. September bis 4. Oktober vormittaas von 10-21 Uhr und in der Reit vom 2. bis 4. Oktober auch nachmittags von 5-7 Uhr im Büro des Volksbildungsamtes, Bimmer 257, des Rathauses Neukölln, entgegengenommen. Proletarische Feierstunden. Am Sonntag, den 22. Oftober, vormittags 11 Uhr, findet im Großen Schau spielhause die erste Veranstaltuna statt. Es wirken mit u. a. das Orchester der Großen Volksoper unter Leitung des Kapellmeisters v. Söklin, der Sprech- Chor unter Leitung von Albert Florath, Einzelsprecher: Lothar Müthel, Heinrich Witte u. a. Männerchöre. Eintrittskarten zu 25 M. find von Montaa an zu haben. Die zum 9. Juli gelösten Karten werden in Rahluna genommen. Die Volksbühne E. V.( Vereinigte Freie und Neue freie Voltsbühne) lädt ihre 170 000 Mitglieder für Mona tag, den 2. Oktober, abends 7% Uhr, zu den sagungsa mäßigen Mitgliederversammlungen ein, die in fünf großen Sälen gleichzeitig stattfinden. Alles Nähere ist aus einem Inserat in der heutigen Nummer des Blattes ersichtlich. Volksbühne Weißensee. Das Boltsbildungsamt des 18. Verw.- Bezirks erfucht um umgehende Abholung der Mitalied starten, täalich von 8 bis 2 Uhr im Bezirksamt, Abtla. Volksbildungsamt, Wöldpromenade, im Neubau hinter dem Realaymnasium. Ru zahlen find 5.- M. Ein schreibegebühr und 28.- M. für die erste Vorstellung. Die Generalversammlung findet am Dienstaa. den 3. Oktober, abends 7% Uhr. in der Aula des Realanmnasiums statt. Nealiche Auskunft erteilt Genoffe Seinl, Gäblerstraße 7. Jugendweihe Weißenfee. Sonntaa. den 1. Oftober, vor mittaas 10 Uhr. findet in der aärtnerisch aeichmückten Ges meindefesthalle Jugendweihe statt. Es nehmen 72 Rinder und 1000 Erwachsene des 18. Verw.- Besirts teil. Karten find beim Genossen beinl, Gäblerstraße 7. mt baben. Die Direktion der Treptow- Sternwarte teilt mit: Der berühmte Film Der Flieger", in dem todeßmutige Sports Ieute die höchste Erhebung Deutschlands. die Zugspiße, im Flugzeug umfliegen, wird in der Treptow- Sternwarte, Sonntag, den 1. Oftober, nachmittags 4 Uhr, und Mittwoch, den 4. Oktober, abends 8 Uhr, vorgeführt. Der Film „ Shakletons Südpolexpedition" wird am Sonntag, den 1. Oktober, nachmittags 6 Uhr, und Donnerstag, den 5. Oftober, abens 8 Uhr gezeigt. Der Film„ Die Grundlagen der Einsteinschen Relativitätstheorie", der in anschaulichen Bildern das Einsteinsche Relativitätsprinzip darstellt, wird mit erklärendem Vortrag von Herrn Rudolf Schießold in der Treptow- Sternwarte am Montag, den 2. Oktober, abends 8 Uhr, vorgeführt. Außerdem finden folgende Veranstaltungen statt: Sonntag, den 1. Oktober, abends 8 Uhr: Kleide Dich billig, elegant! Jacket- Anzige, Covercoals, Gummimäntel, Cutaways, Schildpfer im Leihhaus Moritzplatz 58 a Ferner Damen- Kostüme, Mäntel, Wäsche, Teppiche, enorm bill. Silbertüchse Skunks Wolle- Lachse. Sportpelze ( Keine Lombardware, Kreuzfüchse Tobelfachse- BlauGehpelze enorm billig. Daman- Pelzmäntel Pelzjacken. Wunder des Schneeschuhs"( Film); Dienstag, den 3. Oftober, abends 7 Uhr: Weltanschauung und Himmelskunde" ( Vortrag mit zahlreichen Lichtbildern von Dir. Dr. Archenhold); Sonnabend, den 7. Oktober, abends 8 Uhr: Im Märchenland der Südtiroler Dolomiten( Vortrag mit zahlreichen, teils farbigen Lichtbildern von Herrn Rudolf von Herrn Rudolf Schiehold). Mit dem großen Fernrohr werden täglia) bei Harem Wetter von 2-5 Uhr die Sonne, falls Flecken au sehen sind, sonst von 3-6% ihr Firsterne und von 6% Uhr bis 10 Uhr der Mond beobachtet. Führungen durch das astronomische Museum finden täglich von 2 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends statt. Zur Liquidation der Friedrichsberger Bank wird uns von Herrn Wichmann mitgeteilt: In Sachen der seit 1914 unter Geschäftsaufsicht stehenden Friedrich 3berger Bant antworte ich auf Anfragen, daß ich dem vom Amtsgericht eröffneten 2. Zwangsvergleich widersprochen habe, weil die Gläubiger meines Erachtens bei der enormen Wertsteigerung der Bankgrundstücke ihr Geld jetzt voll mit Zinsen und Schadenersaz beanspruchen können. Kassenstunden der Betriebskrankenkasse der Stadtge: meinde Berlin. Auf Grund der Neuregelung der Dienstzeit in den Büros und Kassen der städtischen Verwaltungen hat der Vorstand der Betriebskrankenkasse die Kaffenverfehrsstunden der Hauptkasse, Neue Schönhauser Strake 1. an den Sonnabenden, dem Tage vor Weihnachten und dem Silvestertage auf 8 bis 11 Uhr vormittags festgesetzt. -GO Arbeiter- Eiveranto- Bund. Neue Anfängerkurse beginnen: Montaa. 25. Sept.. abends 7 Uhr: Neukölln, Kaiser- Friedrich- Straße 4( Schule): Schöneberg. Feurigftraße 57( 7% Uhr). Donnerstag, 28. September, abends 7 Uhr: Pankow. Kaiser- Friedrich- Straße( Schule). Centrum, Weinmeisterstr. 16/17; e ften. WinterfeldStraße 16. Lehrbuch 28 Mark. Kursusgeld 75 Marf, Jugendliche 40 Mark. -Der Zoologische Garten hat am Sonntag seinen letzten Besuchstag und gleichzeitig auch den letzten billigen Sonn tag à 10 Mark Eintrittsgeld( Kinder 5 Mark). Es werden zwei Rapellen fonzertieren. Am Sonntag abend wird der 300 geschlossen. Hoffentlich wird er am 15. März nächsten Jahres seine Pforten programmgemäß wieder öffnen fönnen. Das Aquarium bleibt während des ganzen Winters offen und ist von morgens 9 bis abends 7 Uhr zu besichtigen. Mihalückter Mordversuch an der Ehefrau. Heute vormittag um 10 Uhr wurde der 53 Jahre alte Reichsverficherungsbeamte Heinrich Straeter, der in Schmargendorf, Spandauer Straße 2, wohnte, auf Veranlassung von Hausbewohnern festgenommen, weil er im Flur des genannten Grundstückes auf seine Frau, mit der er in Scheidung lebt, geschossen hatte. Der Schuß war fehlgegangen. Ebenfalls nach Angabe der Hausbewohner soll St. fchon einmal in der Nacht zum Montag ein Attentat auf seine Frau verübt haben. Bei seiner Vernehmung gab er zu, daß er die Absicht habe, seine Frau zu töten. Er wurde der Kriminalpolizei übergeben. Ein Trommelrevolver sowie eine kleine Mauserpistole und 33 Schuß Munition wurden beschlagnahmt. Gewerkschaftliches linien ersten Ranges. Dieselben Leute aber befizen oder leiten auch die wichtigsten Kohlengruben. Hinter ihnen stehen einige große Finanzinstitute, allen voran P. Morgan& Co. und National City Bank. Unter den 25 Allmächtigen befinden sich auch in Europa bekannte Namen wie Rob. S. Lovette, U. S. Vanderbilt, Fairfax Harrison, Will. Rockefeller. Aber der letzte Träger der Macht ist die 1. S. Steel corporation, der allein über 75 Prozent aller Kohlengruben Amerikas gehören. Wie weit die Macht dieser Wirtschaftskönige reicht, zeigt sich auch darin, daß die Leiter der Banken J. P. Morgan& Co., Banfers Trust, First National of N. Y. und Garantie Trust bereits im Jahre 1913 nicht weniger als 89 Direktorstellen bei Banken und Trusts bekleideten, dazu 29 Direktorposten bet Versicherungen, 78 bei Eisenbahnen, 49 bei Handelsgesellschaften und 16 in gemeinnüßigen Unternehmungen. In den letzten 10 Jahren hat sich aber selbstverständlich ihr Einfluß durch fortschreitende Zentralisation noch verstärkt. Das ist der Zustand, den auch wir uns mit Riesenschritten nähern; und auch hier wird bei den unvermeidlichen großen Wirtschaftskämpfen die Staatsgewalt trent und fest auf Seiten der obersten 23" stehen. Denn sie befißen Einigkeit und Recht und Freiheit! Der Streif der Rohrleger und Bauklempner Wie uns von der Streifleituna mitgeteilt wird, muß der Streit der Rohrleger und Bauklempner verschärft weitergeführt werden. Die Unternehmer haben ihre Taktik auf die durch die ungeheure Teuerung herbeigeführte Notlage der Streifenden aufgebaut. Sie rechnen damit, daß die Streifenden einen Kampf von längerer Daner unter den aegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht durchführen fönnen. Es ist nicht zu lewanen, die Notlage der Streifenden ist groß. Unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen sind diese Opfer relativ viel größer als bei früheren Streiks. Troßdem der Hunger wütet, sind die Strei fenden fest entichloiien, den Kampf um ihre Rechte folange fortzusehen, bis er fiegreich beendet werden kann. Die Dauer der Lohnvertragsperioden, die Abmehr der Unternehmerangriffe gegen bisherige Rechte der Arbeiter, die Abwehr einer Willkürherrschaft der Unternehmer, Nacht-, Sonntags- und lieberstundenarbeiten, die Gewährung eines angemessenen UrIaubs find neben der Lohnfrage die wichtigsten Streitpunkte. Würden die Rohrleger und Baukiempner im Kampfe um diese Forderungen unterliegen und sich dem Diktat der Unternehmer fügen, hätte das die schlimmsten Rückwirkungen auf alle anderen Bauberufe. Die Unternehmer haben dies nicht nur erkannt, sondern arbeiten mit allen Mitteln. um sich durchzuseßen. Sie werden dabei materiell und moralisch durch das a esamte Unternehmertum gestützt. Aufgabe der Arbeiter ist es nun, die streifenden Arbeiter ebenio au unterstüben, und damit den Plan des Unternehmertums zunichte zu machen. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes hat in richtiger Erkenntnis der Sachlage beschlossen, den Streifenden dieie Woche eine Extraunterstübuna von 300 m. pro kopf zu gewähren. Dicie Extraunterstübung wird an alle am Streif beteiligten gezahlt. Die Internationale der Fabrikarbeiterverbände Kollegen ohne Rücksicht auf die Draanisationszugehörigkeit Am 12. September 1922 fand in Amsterdam eine Vorstandssitzung der Internationale Vereinigung der Fabritarbeiterverbände" statt. Der Beschluß des Engeren Exekutiv- Komitees, eine Untersuchung durchzuführen über die Zahl der chemischen Fabrifen, in den verschiedenen Ländern, welche Munition und Sprengstoffe für Kriegsswede produzieren können, wurde angenommen. Es wurde beschlossen, einen Kongreß abzuhalten vom 30. Mai bis einschließlich den 4. Juni 1923 in Wien. Auf diesem Kongreß werden Borträge gehalten werden über die Verhältnisse in der Papier-, Chemischen-, Margarine-, Kautschuk- und Zementindustrie. James O'Grady, Mitglied des Englischen UnterHauses, Vorsitzender der Internationale, wird einen Vortrag halten über„ Die Kontrolle der Arbeiter in der Industie" and der Sekretär, Stenhuis, wird ein Referat halten über die prinzipiellen Grundlagen der Internationale. Professor Keynes wird ersucht werden, auf dem Kongreß einen Vortrag zu halten über„ Der Einfluß des Friebensvertrages von Versailles auf die Weltindustrie". Eine Bitte um Anschluß an die Internationale des Allrussischen Verbandes von Arbeitern und Angestellten in der Chemischen Industrie wurde einstimmig abgelehnt, weil dieser Russische Verband der Roten Gewerkschafts- Internationale angeschlossen ist. Ein Antrag, Bertreter des Russischen Verbandes als Gäfte zum Kongreffe zugelassen, wurde mit einer Stimme zurüdgewiesen, weil die Zulassung russischer Vertreter nur dazu führen würde, daß die festgesezte Tagesordnung vernichtet wird, da auf dem Kongreß nur nublose Debatten über die Frage Moskau- Amsterdam stattfinden würden. Das Exekutiv- Romitee war der Anficht, daß in den Ländern, in denen diese Debatten nötig sind, dieselben stattfinden müssen, aber daß es gar feinen Zwed hat, auf internationalen Kongressen Zeit zu verwenden auf die Frage Mostau- Amsterdam. Die Herren Amerikas Der große Eisenbahner- und Bergarbeiterstreik in Amerifa zeigt mit voller Deutlichkeit, in wessen Händen heute die ausschließliche wirtschaftliche und damit auch die politische Macht liegt; denn im Rampfe um die Arbeitsbedingungen steht Justiz und Militär, und nicht zuletzt der Bundespräsident Harding auf Seiten des Kapitals. Wie das Kongreßmitglied Edward Browne von Wisconsin mitteilt, sind es nur 25 Männer, die die volle Entscheidung in diefen gewaltigen Wirtschaftskämpfen in der Hand haben. Diese haben die Leitung von 82 Prozent aller Eisenbahnlinien des Landes mit 211 800 Meilen Schienenlänge. Sie verteilen unter sich 193 Direktorposten von 99 EisenbahnAta Das Putzmittel! Henkel's Ata Scheuerpulver puistelles butz blank rohne Zustvo SEIFE, SODA Aus dem Versicherungsgewerbe Vom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Das tarifvertragliche Schiedsamt hat in seiner Sibung vom 23. September die Septemberbezüge der Direktionsangestellten wie folat festgesest: Lehrlinge und Jugendliche erhalten 40 Prozent, die Angestellten vom vollendeten 17. bis aum vollendeten 20. Lebensjahre 50 Prozent, die Angestellten über 20 Jahre 60 Prozent Zuschlag auf das Augustgehalt. Ledige Angestellte über 24 Jahre erhalten außerdem eine Zulage von 600 M., verheiratete Angestellte unter 24 Jahre eine solche von 600 M., über 24 Jahre eine solche von 1200 M. Die Spefensäße der Außenbeamten find gegenüber August um 30 Prozent erhöht worden. Der Arbeitgeberverband Deutscher Versicherungsunternehmungen hat feinen Mitgliedsgesellschaften freigestellt, den Angestellten. in Verwaltungs- General- Agenturen die gleichen Bezüge wie den Direktionsangestellten zu zahlen. Für die Angestellten in Provisions- General- Agenturen schweben die Verhandlungen noch. Streit in der Berliner Bürstenindustrie Für die Bürstenindustrie besteht ein Reichstarif, in welchem die Orte des Reiches in vier Klaffen eingeteilt sind. Für diese sind seit dem 25. September Löhne von 80,87 M. in der 1. Klasse bis zu 70,79 M. in der 4. Klasse für Männer und 53,46 M. bis 47,02 M. für Frauen festgesetzt. Während fast überall im Reich nach diesem Tarif gezahlt wird, weigern sich die Berliner Arbeitgeber, diesen Reichstarif anzuerkennen. Auf Ersuchen der Leitung des Holzarbeiterverbandes( Berlin) um Rohnverhandlungen erKlärten die Arbeitgeber, fie zögen die freie Vereinbarung mit den Arbeitern vor, um diese schneller in den Genuß der Zulagen kommen zu lassen. Es wurde dann von ihnen ein Tarif herausgegeben, der als Höchstlohn für Bollarbeiter 40 bis 44 m. pro Stunde festsetzt. Dieses rigorose Vorgehen der Arbeitgeber hat die Arbeiter veranlaßt, am Freitag die Arbeit niederzulegen. Sie fordern Anerkennung ihrer Organisation und Entlohnung nach den Säßen des Reichstarifes. Daß die Arbeitgeber in der Lage sind, diese Löhne zu zahlen, wird dadurch bewiesen, daß in Dresden, München und anderen Großstädten, wo dieselben Arbeitsverhältnisse bcstehen, der Reichstarif anerkannt ist. In Leipzig werden in Konkurrenzfirmen sogar Löhne von 5500 M. pro Woche für Männer und 2500 M. für Frauen gezahlt. In Berlin gibt es noch Arbeitgeber, die sogar der Meinung sind, die im Arbeitgebertarif vorgesehenen Löhne seien zu hoch und versuchen Arbeiterinnen mit Stundenlöhnen von 10 bis 15 M. abzuspeisen. Recht eigentümlich mutet es an, diefe Innungsmeister über Hebung des Handwerks reden zu hören. Hebung des Handwerks, damit der goldene Boden des Handwerks nicht zu dünn ist. Für die Arbeiter soll wie bisher auch weiterhin die Bürsten industrie die Elendsindustrie Ala bleiben. Damit wollen die Arbeiter endlich einmal aufräumen und sich das erringen, was die Arbeiter anderer Berufe längst haben, das Mitbestimmungsrecht über die Bes zahlung ihrer Arbeitskraft. | Funktionäre des Dentschen Metallarbeiterverbandes Sonnabend 6 Uhr findet in der Schulaula Humboldtgymnasium, Gartenstr. 5. eine Konferenz sämtlicher Funktionäre einschließlich der Generalversammlungsdelegierten des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes der Amsterdamer Richtung statt. Wegen der wichtigen Tagesordnung, die in der Versammlung befanntgegeben wird, ist das Erscheinen aller unbedinate Pflicht. Der Fraktionsvorstand. USPD.- Holzarbeiter Am Dienstag, den 3. Oktober, abends 6% Uhr, findet im Saal 5 des Gewerkschaftshauses eine Versammlung aller USPD.- Holzarbeiter statt. Tagesordnung: 1. Bericht vom Parteitag, 2. freie Aussprache über unsere weitere Arbeit in der Gewerkschaft, 3. Abrechnung. Das Erscheinen aller USPD.- Holzarbeiter ist unbedingt notwendig. Partet- und Verbandsbuch legitimiert. Werbeausschuß der USPD.- Holzarbeiter. Neue Löhne der Transportarbeiter im Graphischen Ges werbe. Für die Transportarbeiter folgender Gruppen: Buchhandel. Buchdruckereien. Buchbindereien. Briefumschlag, Luxuspapierfabriken sowie Papier und Pappen sind die neuen Verträge für den Monat September abaeichlossen und fönnen dieselben acaen Mitgliedsausweis im Büro des Deutschen Transportarbeiterverbandes, Engelufer 24/25, vorn 2 Treppen. Rimmer 31, in Empfang genommen werden. Allgemein verbindlich erklärte Tarifverträge. Folgende Tarifverträge sind für allgemein verbindlich erklärt worden: Unter Geschäftszeichen VI 3313/15 der am 15. Juni 1922 abgeschlossene achte Nachtrag zum Tarifvertrage für die kaufmännischen Angestellten in der Müzenindustrie und im Müßenhandel. Unter Geschäftszeichen VI 1310/35 der am 26. Mai 1922 abgeschlossene Nachtrag zum Tarifvertrage für die kaufmännischen und technischen Angestellten in der Belg warenbranche. Tarifverträge sind in den Büros des Zen tralverbandes der Angestellten, Belle- Alliance- Straße 7-10' und Kommandantenstraße 63-64, erhältlich. Parteiveranstaltungen Bezirksverband Berlin- Brandenburg Mit der am Sonntag stattfindenden Demonstration has unsere Organisation nichts zu tun. Die Zentralvorstandssitzung findet heute abend, 6 Uhr, im Rathaus, 3. Stod, Zimmer 109, statt. Wir ersuchen um vollzähliges Erscheinen. Die Geschäftsleitungssigung findet vorher, 4 Uhr, im Verbandsbüro, Breite Str. 8-9, statt. Die Geschäftsleitung. Sonnabend, den 30. September. Neukölln- Bris. 7 1hr Eizung der Geschäftsleitung im Barteißüro. Vereinskalender Freitag, den 29. September. Deutsche Friedensgesellschaft. Abends 7% uhe im Bürgerfaal bes Rat Hauses, Königstraße. Bortrag von Dr. Jaeschle über Kirche und Friedens bewegung. Diskussion. Zentralverband ber Angestellten. Delegiertenberfammlung 7% Uhr in den Mufifer- Sälen, Kaiser- Wilhelm- Str. 31. abends Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter. Rachmittags 5 Uhr indet bei Gründler, Simmerstr. 30, eine Spactenversammlung der Breffer und Schnellpreffer statt. Tagesordnung: Was bringt uns der neue Reichs- Alfordtatif? Unbedingtes Erscheinen aller ist Pflicht! Die Branchenleitung. Sonntag, den 1. Oktober. Berband der Gärtner- und Gärtnereiarbeiter, Cruppe Landschaft gärtnerei, Gcuppenversammlung vormittags 10 Uhr in Boekers Festfälen, Berlin, Weberstr. 17. Bericht über die Tarifverhandlungen. Jugendbewegung Gruppe Berlin- Mitte. Schule Gipsstr. 23 a, Greitag, abends 8 Uhr, Bortrag: Die Utopisten. Gruppe Prenzlauer Berg. Sonnabend, den 30. September, findet in Gymnasium, Gleimstr. 47, eine Schulentlassungsfeier der SPI. Prenz lauer Berg statt. Anfang 7 Uhr. Alle Parteigenoffen sind dazu herzlichst eingeladen. Eintritt 5 Mart, Kinder die Hälfte. S. 3. 3., Agitationsbezirt Westen: Die Gruppen Schöneberg, Steglis, Charlottenburg, Wilmersdorf, Moab und Süden werden aufgefordert, bollzählig an der Schulentlassungsfeber der Gruppe Westen, Sonnabend, den 30. September. abends 7 Uh, in der Schulaula paunsstr. 15, teilzunehmen. Arbeitersport Außerordentliche Touristen- Verein Die Naturfrcande", Abt. Wedding. Mitgliederversammlung mit Vortrag beim Gen. Diele. Beginn pünktli 18 Uhr. Erscheinen ist Pflicht. Athletik- Club e. B., Männer, Frauen und Jugend- Abteilung. Playtraining Donnerstag abend und Sonntag bermittag( Baldlauf, Ablauf 10.30 Uhr) auf dem Sichte- Sportplak in Treptow, Eichbusch- Alee. ballen training ab 4. Ottober Turnhalle Wrangelstr. 128, ieben Mittwoch bos 8-10 ihr abends. Mitglieder- Bersammlung am 6. Oftober bei Linsener, Mühlenstr. 38. Geschäftsstelle: Erich Heinab, Neuföln, Weisestr. 9. Märkische Spiel- Bereinigung. Kreis- Funktionärsisung Sonnaben 17 1hr Schule Weinmeisterstraße. Angelegenheit Arbeitersport. Rreisbor standssigung. Ebenda um 8 Uhr Angelegenheit 1. Städtespiel LeipzigBerlin und Hodeispiel Schönholz- Lichtenberg am 15. Oftober 1922 Stabion Lichtenberg. 2. Städtefpiel Stettin- Berlin am 22. November 1922 in Stettin. 3. Bezirkswerbespiele am 22. November 1922 in Groß- Berlin. 4. Einspruch Fichte- Alemannia, 5. Einspruch Stern- Marienfelde gegen Britannia- Lichtenberg. 6. M. S. C. Teutonia 10.( Turnierspiele Boffen) für den 15. Oftober 1922 Stäbtefpiel Leipzig- Berlin, und für den 22. November 1922 Werbefpicie Croß- Berlin ist Spielberbot mittags 12 Uhr für den 1. Kreis. Arbeiter- Radfahrer- Bund, Solibarität", Berlin. Touren für Sonnabend, ben 30. September. Sämtliche Abteilungen zum Gaufaalfeft in der Reuen Welt, Anfang 7 Uhr. Für Aufbewahrung der Räder ist gesorgt. Breis wie Garderobe. Eingang für Bundesgenossen mit Räber: links, hinterer Caal. Freitag, den 29. Ecptember, abends 7 Uhr, Adalbertstr, 21, Sentral fahrwartfißung. Auch mögen die Bundesgenoffen erfcheinen, die Sonnabend nachmittag fönnen Auswärtige abholen. Touristen- Verein„ Die Naturfreunde", Ortsgruppe Berlin e. V. Greitag 7% Uhr Aula Beinmeisterstr. 16/17, Uebungsabend sur Gründungsfeier, 3ahlreiches und pünktliches Erscheinen dringend notwendig. Arbeiter- Wanderverein Berlin. Wanderung am Sonntag, den 1. D tober, nach Groß- Beesten. Abfahrt 6.50 Uhr Görliger Fernbahnhof. Sonn tagstarte löfen. Berantwortlich für die Medaltton mil Rauch, Berlin; für den Inferatenteil und gefchäftliche Mitteilungen: a r I obler, Berlin, Berlags- Genoffenschaft Freiheit", e. G. m. b. S., Berlin, Drud box Gehrina& Reimers, G. m. b. S., Berlin 23. 68. Ritterfir. 75. Hentel's Duß- und Scheuerpulver; für Haushalt, Gewerbe und Industrie unentbehrlich. Julz mil Ata Topf und Herd, Weil's den schönsten Glanz bescheert! Alleinige Serßeffer: HENKEL& CIE., DUSSELDORF. 1. Jahrgang Nummer 17 Frauen- Welt Beilage der Unabhängigen Gozialdemokratifchen Preffe Die Erziehungsaufgabe der Arbeiterklasse Bon Kurt Kerlow Lowenstein In der bürgerlichen Gesellschaft hat man auch heute noch nicht den tiefen revolutionären Charakter der sozialistischen Arbeiterbewegung erkannt. Das ist verständlich, denn die bürgerliche Gesellschaft flebt materiell wie idiologisch an ihrer Vorrechts- und Befibordnung. Aber auch in den Massen der Arbeiterklasse ist die Klaffenbewegung, deren geschichtlicher Träger die Arbeiterflaffe ift, häufig nur als Abwehrbeweguna aegen fapitalistische Ausbeutuna und Umgestaltuna des materiellen Anteils am Genießen der erseugten Güter aufgefaßt worden. Die sozialistische Bewegung muß weit mehr fein; fic ist Kulturbewegung und muß es sein im höchsten Sinne des Wortes, denn sie ift nicht nur eine Umformung des Verhältnisses von Kapital und Arbeit, sondern bei der Wirkung, die dieses Verhältnis auf den gesamten Wirtschaftsprozeß hat, ist sie eine Gefellschaftsbewegung, die alle Aufgaben im Gesellschaftsleben ergreifen und umgestalten muß. So kommt die sozialistische Bewegung auch nicht um die Notwendigkeit herum, elne grundsätzlich sozialistische Erziehungsarbeit au leisten. Es genügt nicht, daß die sozialistische Bewegung nur eine Abwehrbeweguna gegen monarchistisch- kirchliche Tendenzen im vorschulpflichtigen und im schulpflichtigen Alter ift. Sie muß pofitive Inhalte bekommen, das heißt, die Arbeiterklasse muß selbst Träger des Erziehungsgedankens werden. Dabei braucht man aar nicht von einem schwärme= rischen Utopismus auszugehen. sondern kann sich ganz und nar mit beiden Beinen auf den Boden der Tatsachen stellen. Die Tatsachen aber haben sich, vom Erziehungsgedanken aus gesehen, bereits heute revolutionär umgestaltet. Früher war die Grundlage der Erziehung die kleinbürgerliche Familie. In der Enge des häuslichen Arbeitsbetriebes spielte sich das Leben von Erwachsenen und Kindern ab. Das Kind rückte allmählich in das Leben der Erwachsenen mit seinen Verantwortlichkeiten und mit seinen Genüssen hinein. Nicht immer war es Liebe und Zärtlichkeit, die das Kind umaaben, aber immer war der ganze Tag ausgefüllt mit einer unendlichen Anzahl nüblicher Arbeiten für die Familie, an denen das Kind zuerst spielend und nachher mit ernsten Ansprüchen beteiligt war. Nicht nur Effen, Trinken und Kleiduna gaben die Eltern dem Kinde, sondern sie lehrten das Kind die häuslichen Verrichtungen. Sie lehrter es mit dem Spaten und mit der Hacke umgehen. Das Kind hämmerte, sägte. ichnißte, malte, wusch und fittete. Diese Tätigkeit verlangte nicht nur Geschick= lichkeit, fie verlangte Ueberleauna und Sorgfalt. Vor allem war sie sinnvoll, und ihre Nüblichkeit und ihr Wert waren sofort anschaulich auch für das Kind. Wenn ein Kind Leien, Schreiben und Rechnen oder Gedichte lernt, so fann das gewiß auch Nußen haben, aber der Nußen der Dinge muß erst durch verschiedene Zwischenalieder erkannt werden, und wird es meist erst nach einem bestimmten Grade von Fertigfeit und nach einer Reihe von Jahren. Die Arbeit aber, zu der das Kind in der häuslichen Gemeinschaft herangezogen wurde, hat die unmittelbare Wirkung. Das Land, das umgegraben wird, ist unmittelbar nüßlich für die häusliche Gemeinschaft. Die Rechnung, die das schreibfertige Kind ausfüllt, hat unmittelbaren Nußen. Ein Fehler rächt sich sofort, eine Unterlassuna bringt sofort Unordnung in die häusliche Gemeinschaft. Was nun die Kirche und Schule zur Erziehuna hinzubrachte, war unerheblich im Vergleich aut dem, was die Familiengemeinschaft an Erziehungswerten enthielt. Seute ist dieser Zustand völlig verändert. Die häusfiche Arbeitsgemeinschaft gibt es nicht mehr. Der ganze Produktionsprozeß vollzieht sich außerhalb des Hauses, in den Fabriken und in den Bürostuben. Die tapi alistische Wirtschaftsordnunta hat diesen 31stand herbeigeführt, und es besteht keine Möglichkeit, ihn wieder rückgängig zu machen. Selbst in den begüterten Familien ist die häusliche Gemeinschaft eine reine Konfumtionsgemeinid aft. die dort Ueberfluß und Bequemlichkeit zeigt. In den Proletarierfamilien fommt das Elend hinzu, schlechte Ernährung. Wohnungsnot, mangelhafte Bekleidung. Krankheit. In iedem Broletarierhaushalt steht Frau Sorge im tiefften Grau an der Eingangstür und durch die arm= selige Behausung schleicht die Unsicherheit der Wirtschaftslage und nimmt jeden Frobsinn und jeden Lebensmut. So fehlen für das Proletarierkind Nährboden und Sonne der Erziehuna. Dieser Zustand ist nicht etwa ein vorüber= gehender, nicht ein Zustand, der diesen oder jenen trifft, sondern er ist der Zustand des Proletariats. er ist die Not der gesamten Arbeiterklasse, bet uns in Deutschland wie in England, in Italien oder Frankreich. Diese GesellschaftsIage entspricht der kapitalistischen Ordnung. Sie ist mit ihr so notwendig verbunden, daß selbst, wenn durch Reformen Wohltätigkeits- und Wohlfahrtseinrichtungen hie und da etwas gemildert wird, das Grundübel, die Grundnot, erhalten bleibt. Insofern ist die Lösuna der Erziehungsfrage von dem wirtschaftlichen und politischen Kampfe der Arbeiter= flasse abhängig und nur mit ihrem Siege lösbar. Dieser Sieg aber ist ein hartes Ringen, nicht von Tagen und Monaten, sondern so bitter das Proletariat das auch in seiner glühenden Sehnsucht nach Befreiuna empfinden mag ein Ringen von Jahren und Jahrzehnten. Inzwischen aber leben unsere Kinder und sie wollen wachsen, und sie sollen hineinwachsen in die Klassenkampfgemeinschaft. bürgerliche Gesellschaft gibt ihnen ein Mindestmaß von Kenntniffen und Fertigkeiten, und die Erzieher und Erziehe= rinnen der bürgerlichen Gesellschaft erfüllen sie mit den „ Avttgewollten" Bindungen ihrer Gesellschaftsform. So fönnen fie niemals die Erzieher des heranwachsenden Proletariats sein. Sie sind ihre Klaffenfeinde. Diese Aufgabe kann nur die Arbeiterklasse von sich selbst aus lösen. Gewiß wird sie versuchen müssen, in alle gemeindlichen Einrichtungen einzubringen, um genügend Ginfluß auf diese Einrichtungen zu gewinnen. Aber die Hauptaufaabe bleibt die innere Aufgabe. der Erziehungswille und das Erziehunas können der Arbeiter= tlaife. Die Für den wirtschaftlichen Kampf hat sich die Arbeiterklasse die Gewerkschaften, für den politischen die Parteiorganifationen geschaffen. Jetzt müssen wir daran gehen, die große Erziehungsorganisation für die Arbeiterklasse zu schaffen. Diese Aufgabe wollen die Kinderfreunde löien. Die Arbeiterklaffe muß die Aufgabe lösen und nicht nur um der Kinder willen, sondern um ibret willen, damit ein einheitlicher Kulturwille die ganze Arbeiterklasse vom Kinde bis zum Greise beseele und schöpferisch wirksam werde. Schon vor etwa 15 Jahren haben die Oesterreicher damit begonnen. und sie haben es fertia aebracht, daß ihre Oraanisation heute ein Sechstel aller politisch organisierten um= faßt und daß sie über eine Million Arbeiterkinder teils ständig. teils vorübergehend erzieherisch beeinflussen. Auch in Berlin haben wir damit begonnen. Im lebten Sommer haben wir auf 14 Pläten Berlins unsere Kinder mit unseren Jugendlichen und unseren Erwachsenen zu= sammen spielen laffen. Und Opferwilligkeit und Frohsinn und gleiches Denken und Fühlen haben Gemeinschaften ge= bildet, in denen der proletarische Erziehungsgedanke le= bendia aeworden ist, und die über den Rahmen der Spielgemeinschaften hinaus reitigkeit und neuen Tatwillen gewonnen haben. Im Winter wollen wir an den Nachmittagent mit den Kindern zusammen sein. Die Aufgabe ist schwieriger. aber dennoch Erfola veisprechend. Schon viele gute Kräfte haben sich bereit gefunden und wir hoffen, daß noch mehr fich einfinden werden. Wir werden die Kräfte, soweit fie unausgebildet find, technisch schulen und aus der Arbeit Seite 2 Frauen Welt Heraus für die Organisation der Kinderfreunde feste formen zu gewinnen suchen. Aus der Not des Proletariats heraus geboren wird der Gedanke der organisierten Gr siehungsgemeinschaft in der Arbeiterklasse zünden und einen neuen Bundesgenossen in der großen Klassenkampfgemeinschaft der Arbeiter bilden. Nach all den Zerfleischungen der letzten Jahre macht die Arbeiterklasse in den nächsten Tagen den Versuch zur politischen Vereinheitdichung. In den Erziehungsgemeinschaften der Kinderfreunde haben wir schon seit Jahresfrist diese Arbeits= gemeinschaft. Mit uns arbeiten die Gewerkschaften und Jugendlichen und Frauen und Männer aus beiden soziadistischen Parteien. Auch kommunistische Genossen und Getralstellen dieser Partei uns gelegentlich unfreundlich begegnet sind. Die Schwierigkeiten dieser Beweauna dürfen nicht verfannt werden. Sie liegen ebenso in der wirtschaftlichen Berelendung wie in der Rückständigkeit aroßer Maffen des Proletariats. Aber die Aufgabe ist notwendia im ac= schichtlichen Werdegang der Arbeiterklasse, und sie ist entscheidend. Nr. 12 bereitet wurden, wie a. B. die Unterdrückung der Frauen flubs in Frankreich im Jahre 1793, ia faft unausgesetzt Fortschritte gemacht. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden sie vor allem durch die Werke von Georges Sand ge fördert; weitere starte Anregung gab ihr die Schrift des englischen Philosophen John Stuart Mill:„ Die Hörigkeit der Frau" im Jahre 1869. In Nordamerika trug die Frauenbewegung von Anfang an einen überwiegend politischen Charakter, da die Frauen schon zur Zeit des Bürgerkrieges auf dem Gebiet des Erwerbslebens und des Bildungswesenz fast vollständige Gleichberechtigung mit dem männlichen Geschlecht erlangt hatten. " Kindererziehung" der Reichen aoifinnen haben sich uns angeschlossen, wenn auch die Ren- Kindererziehung" Die Arbeiterklasse wird auch diese Aufgabe lösen, weil fie gelöst werden muß und nur von der Arbeiterklasse ge= löst werden kann. Das Tempo des Fortschritts und der Grad der Vertiefuna hänat von der Einsicht, von der Begeisterung und der tatwilligen Hingabe des Proletariats ab. Niemals aber wird die aroße gesellschaftliche Revolution, wird der Sozialismus werden, ohne daß die Arbeiterklasse bewußt systematisch und eneratsch die Erziehungsaufgabe aufgreift. Frauenbewegungen in früherer Zeit Man ist heute geneigt, die„ Gleichberechtigung", die die Frauen, zumal im Berufsleben, gewonnen haben, als eine Errungenschaft der neuesten Zeit anzusehen. Das ist jedoch ein Irrtum. So war noch im Mittelalter jedes Gewerbe, für das ihre Kräfte reichten, den Frauen zugänglich. Bis etwa zum Ende des 15. Jahrhunderts finden wir die Frauen von feiner Zunft ausgeschlossen oder den männlichen Handwerfern im Rechte nachstehend. Die Zünfte der Bäcker, Kürschner, Wappenschneider, Gürtler, Riemenschneider, Tuchscherer, Lohaerber, Goldspinner und Goldschläger zeigen zahlreiche weibliche Mitglieder. In den Vorbereitungsge= werben für das Weben überragen die weiblichen Arbeitsfräfte die männlichen um das Doppelte Auch in den höheren geistigen Berufen standen den Frauen viele Wege offen. Es set mur an die zahlreichen bedeutenden Klosterfrauen, Aebtissinnen, Dichterinnen und Schriftstellerinnen des Mittelalters erinnert. Auch Aerztinnen finden sich. Trotzdem fannte infolge des großen Frauen überschusses auch das Mittelalter eine Frauenfrage: man suchte durch die Klöster und die Beginnenhäuser, deren Insassen sich mit Stricken, Nähen, Spinnen, Krantenpflege beschäftigten, den Frauenüberschuß abzulenken, doch waren viele dieser Stiftungen nur für die Angehörigen höherstehender Familien bestimmt, so daß trotzdem ein großer Teil der Frauen auf Almosen oder als fahrendes Volk auf den Zufallserwerb oder die Prostitution angewiesen war. Die Frauenfrage verschärfte sich dann, als die Gesellen die Frauen aus den Bünften drängten, was durch ihre eigene schlechte wirtschaftliche Lage im 16. Jahrhundert notwendig geworden war. Im 18. Jahrhundert finden wir faum noch Frauen im Handwerk. Die technisch- wirtschaftliche Umwälzung, die das Aufkommen der Industrie und später der Großindustrie gegen Ende des 18, und im Beginn des 19. Jahrhunderts zur Folge hatte, brachte besonders den Frauen der unteren Klaffen zunächst in einer ausgedehnten Hausindustrie, dann in der Fabrikarbeit zahlreiche Erwerbsmöglichkeiten, womit freilich die Frauenfrage, zumal für die Angehörigen der begüterten Schichten, nicht gelöst war. Die bewußte Arbeit der Frauen für die Ueberwindung ihrer geistigen und leiblichen Nöte in der Gesellschaft setzt mit der Renaissance ein, da das Individualitätsbewußtsein fich stärkt, und findet in der französischen Revolution ihren politischen Ausdruck. Schon in ihrem Beginn treten die Anfänge solcher Bestrebungen hervor; fie sind durch die Schriften des Philosophen Condorcet verbreitet. Die in besonderen Klubs vereinigten Frauen stellen 1789 unter ihrer Führerin Olympe de Gouges der Erklärung der Menschenrechte eine ,, Erklärung der Frauenrechte" entgegen. Im Jahre 1792 erscheint das berühmte Buch der Engländerin Mary Wollstone craft: Verteidigung der Rechte der Frauen", und im gleichen Jahre schreibt auch T. S. von Hippel in Deutschland leber die bürgerliche Verbesserung der Weiber". Seitdem hat die Frauenbewegung, wenn ihr auch immer wieder Hindernisse Die Erziehungsbehörden der Stadt Zürich haben an die Eltern der Schülerinnen ein Rundschreiben gerichtet, in dem fie dringend fordern daß man den Modeluxus bei den Kindern nach Möglichkeit einschränke, Es wird hervorgehoben, daß die Schulmädel in gewiffen Schulen tagtäglich in großer Toilette erscheinen, in tiefausgeschnittenenen Kleidern nach Pariser Modellen, durchbrochenen Seidenstrümpfen und init fostbarem Juwelenschmud. Es find das die Töchter der nenen Reichen, die während des Krieges große Vermögen un= sammeln fonnten. Manche der jungen Damen fahren in ihrem eigenen Kraftwagen zur Schule, und der Luxus ist zu einem wahren Sport geworden, in dem die Mädchen einander zu übertreffen suchen. Die Schulbehörde betont, daß durch eine derartige leppigkeit, die in so schwierigen Zeiten aufreizend wirken müsse, die Erziehungsarbeit außerordentlich erschwert, wenn nicht numöglich gemacht werde. Kindersterblichkeit nnd Alkoholverbot. Die„ New York Tribune" schreibt: Der Gesundheitskommissar Dr. Copeland erklärte, daß das soeben vergangene Jahr die niedrigste Biffer aller Todesfälle und den tiefsten Stand der Kindersterblichkeit zu verzeichnen habe, die je erreicht wurde. Die allgemeine Sterblichkeit beläuft sich auf 11,17 v. T.; schon 1921 außerordentlich gering, betrug fie 12,93 v. T. Bor zehn Jahren 16 v. T. Noch stärker ist der Rückgang in der Kindersterblichkeit, die in diesem Jahre 71,1 v. T. beträgt, eine Zahl, die von keiner großen Stadt der Erde erreicht ward und 1920 noch 85 v. T. betrug. Der Rückgang von 14 v. T. bedeutet das Leben von 2000 Kindern. Würden diese Zustände, die New York als die Stadt der tiefsten Kindersterblichkeit darstellen, auch ohne Alkoholverbot eingetreten sein? Der Antimilitarismus in Rußland. Ueber die des Entwicklung Antimilitarismus und das Ber= halten der Sowjet- Regierung ihm gegenüber berichtete fürzlich Paul Birukoff, der bekannte ruffische Antimilitarist, nach dem Schweizer Frauenblatt" Nr. 5 vom Mai d. I., in einem Vortrag auf der Konferenz der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit:„ Der Antimilitarismus, der der russischen Natur zugrunde liegt, wird im großen Ganzen nicht verfolgt. Es gibt Gerichtshöfe, um die Fälle der Dienstverweigerer au prüfen. Wird festgestellt, daß dhe Militärpflichten aus Gewissensgründen verweigert find. io werden die jungen Leute nicht belästigt. Bei diesem Kapitel des Antimilitarismus angelangt, erzählte Herr Birutoff, wie es im Osten Rußlands mehr als einmal vorgekommen wäre, daß die Frauen sich auf das Geleise gelegt hätten vor den Zug, der ihre Gatten und Söhne zum Krieg führte, so daß der Zug entweder stillhalten oder über sie hinweg fahren mußte. Man erinnert sich an Labkos erste Erzählung, in welcher er den Frauen vorwirft, daß sie ihre Männer auin Kriege fortziehen ließen. In Rußland hatten die Frauen feine Blumen. feine Gefänge für die zur Schlachtbank ac= führten Scharen". Die gute alte Reit". Der Kneipwirt Wisotty in Berlia ließ einmal in der Haude und Spenersche Zeitung unter seine Tanzankündigung setzen: Beim Tanzen dürfen die Herren nicht in furzen Jacken erscheinen, die Damen aber sollen Schuhe und Strümpfe anhaben." Die volle Emanzipation der Frau und ihre Gleichstellung mit dem Manne ist das schließliche Ziel unserer Stultu entwicklung dessen Verwirklichung feine Macht der Erde ant verhindern vermag. Alsdann wird erst die Menschheit zu ihrer höchsten Entfaltung gelangen. Das goldene Zeitalter" von dem die Menschen seit Jahrtausenden träumten und nach dem sie sich gesehnt, ist dann gekommen. Die Klaffenherrscha hat immer ihr Ende erreicht, aber mit ihr auch die Hert schaft des einen über das andere Geschlecht. Bebel( Die Frau und der Sozialismus").