3 Frauenwelt lnr.1» Ai�obtg�äi Beilage zum Vorwärts! 10. Januar?»är Geh fleißig um mit öeinen Kinöern! Geh fleißig um mit deinen KindernI fy>b« Si« Tag und Nacht um dich, und lieb« sie, Und laß dich lieben einzig schöne Jahre; Denn nur den engen Traum der Kindheit fWd Sie dein, nicht länger! Mit der Jugend schcm Durchschleid# sie vieles bald— iros du nicht bist, Und lockt sie mancherlei— was du nicht hast. Ersahren sie von einer alten Welt, Die ihren Geist erfüllt; die Zukunft schwebt Nun ihnen vor.«o geht die Gegenwart Verloren. Mit dem Wandertäschchen dann Voll Nötigkeiten zieht der Knabe fort. Du siehst ihm weinend nach, bis er verschwindet, Und nimmer wird er wieder dein! Er kehrt Zurück, er liebt, er wählt der Jungfraun eine, Er lebt! Sie leben andre leben aus Aus ihm— du hast nun einen Mann an ihm, 5)ast einen Menschen— aber mehr kein Kind! Die Tochter bringt vermählt dir ihre Kinder Aus Freude gern noch manchmal in dein 5)ausl Du hast die Mutter— aber mehr kein Kind.— Geh fleißig um mit deinen Kindern! Habe Sie Tag und Nacht um dich, und lieb« sie, Und laß dich lieben einzig schöne Jahre! ___ Leopold Schefer. Zrauenfragen. Von Marie Juchacz. Di« Frauen stehen vor den Aufgaben des Lebens mit ihren Sorgen und ihrer Not. fühlen die Verantwortung der Zeit mit aller Wucht aus ihren Schultern und sind sich doch nicht immer klar über den Zusammenhang der Dinge. Wir Frauen sind Einzelglieder der Gesellschaft und des Staates gleich dem Mann. Wir haben die gleichen sozialen Interessen, man verlangt von beiden Teilen die Erfüllung bestimmler Ausgaben. Leidet die Gesamtheit eines Volkes große wirtschaftliche Not, so sind die besitzlosen Schichten der Bevölkerung besonders davon betroffen. Die Frau aber fühlt die Not des Tages deshalb noch viel empfind- licher, weil ihr Pflichtenkvcis sich aus tausend Kleinigkeiten zusammen- setzt und weil sie fast mit jelxr einzigen Handlung fünMenschen, die sie liebt, sorgen muß. Noch immer wird bei der Erziehung von Knaben und Mädchen unbewußt zweierlei Maß angelegt. Wenn auch hierbei schon vieles besser geworden ist, tragen wir doch noch an der Vergangenheit. Wenn der Knabe tollt und spielt, wird das Mädchen häuslich be- fchäftizt. Hiermit ist nichts gegen den erzieherischen Wert der Arbeit gesagt, beide, Knaben und Mädchen, sollen der Mutter helfen, beide sollen Zeit zu fröhlichem Spiel haben. Di« Berufsausbildung wird für den Knaben möglich gemacht, wenn es irgend geht. Der Gedanke, daß das Mädchen womöglich nach dem zwanzigsten Jahr«ine Ehe schließt, läßt die Kosten scheuen, auch da, wo sie noch mit Müh« und Not aufgebracht werden müssen. Und doch ist es so sehr notwendig, die Mädchen tüchtig für den Lebenskampf zu machen, gerade deshalb, weil sie bei dem allge- meinen Wettbewerb die schwächere Position haben. Wohl türmen sich hier Schwierigkeiten auf, über die in besonderen Artikeln ge- sprachen werden muß. Di« Berufsausbildung und-tütigkeit schärft den Geist, gibt einen weiteren Blick für die Umwelt und macht die Frauen von heut« dadurch auch befähigter für die Eh«, wenn dies« «in« wirkliä)« Lebenskaineradschaft zweier Menschen sein soll. Die berufstätig« Frau empfindet die Ehe, wenn sie damit zu- gleich ihren Beruf ausgibt, zuerst oft genug als Einengung ihres bisherigen Lebens. Mit Recht. Wenn der Mann«in« Eh« schließt. bleibt«r in der Regel im Berufsleben, feine Verantwortung wird größer. In feiner Stellung als selbständiger Mensch, gewohnt sich durch sein« Arbeit zu erholten, ändert sich nichts. Die Frau, die ihr« Stellung aufgibt, um sie mit den Pflichten einer Nur-Hausfrau zu vertauschen, gibt damit ihre wirtschaftliche Selbständigkeit auf. Je nach ihrer eigenen Individualität, je nach der Einstellung des Manne» zur hauswirtschaftlichen Leistung der Frau, je nach den der Frau zur Verfügung stehenden Mitteln und der Art, wie st« ihr grg«b«li werden, wird ihr persönliches Selbftändigkeitsgefühl sich«ntfalten können oder unterdrückt werden. Dos Problem„Hausfrau und weibliche Persönlichkeit" ist in der Fcauenbewegung und von den v«rschi«d«nst«n Seiten durchge- sprachen worden. Die Wertung der unbezahlten Hausfrauenarbeit, die Möglichkeiten der Vereinfachung des Einzelhaushalts von der. primiüven Wohnung der Mietskaserne bis zum Einküchenhaus, wurden eifrig erörtert. Wenn dies« Fragen jetzt durch Kri«g und andere Lebensnot zurückgedrängt wurden, so sind sie deshalb nicht bedeutungslos geworden. Eins aber muß den Hausfrauen stark ins Bewußtsein dringen. Ihre Arbeit ist nicht wertlos. Sie erhält dadurch die durch menschliche Arbeitskraft geschaffenen Werte. Di« Frauen stehen mit ihrer Hausfrauentötigkeit mitten im Kr«islauf des volkswirtschaftlichen Lebens. Wohlstand und Notstand eines Volkes haben ihre Rückwirkung im Cinzelhaushalt, das letztere erfahren wir seit Jahren besonders schmerzlich. Jede einzelne Frau, die Haushalt und Familie betreut, führt einen aufreibenden Kampf gegen die Not, von der die Gesamtheit heimgesucht wird. Wenn die Verarmung, Krankheit und Sterben noch vergrößert hätten werden können, ist das zweifellos auf die Tüchtigkeit, Umsicht und Sparsam- keit der Hausfrauen zurückzuführen. Wir sollen aber mehr sein Nicht nur die guten Hausfrauen, die kein anderes Ziel kennen, als Einkaufen, Kochen, Waschen, Putzen, für das leiblich« Wohl unserer Familie zu sorgen. Die Ehe soll Lebcnsfreundschaft sein in gucen und bösen Tagen, soll geistig« Kameradschaft sein. Die neue Zeit mit Ihren Stürmen zwingt Männer und Frauen zur Anteilnahme. Da gibt es kein Beiseite- stehen mehr. Treten wir nicht selbst heraus aus unserem begrenzten Pflich'enkreis, so tritt das, was man Politik, Oeffentlichkeit oder soziales Leben nennt, an uns heran. Kriegsgefahr und Reparativ- nen, S leuern, Kohlennot, Lebensmittelverteuerung, Wchnungselend zeigen uns ihr grausigstes Gesicht. Und wenn es manche von uns selbst nicht mit ganzer Härte trifft. Dürfen wir blind sein und gefühllos gegen fremd« Not, die morgen die eigcne fein kann? Wir Frauen stehen, nicht nur wenn wir unverheiratet sind, als Arbeiterin im Getriebe des volkswirtschaftlichen Lebens, in der Fabrik, im Laden und Bureau, als Post- oder Cisenbahnbeamtin. Oft sind wir Hausfrau und Mutter daneben. Die wirtschaftliche Selbständigkeit erkaufen wir mit Schwierigkeiten, die sich aus der dreifachen Last ergeben. Haben wir ein Recht auf Arbeit? Mal scheint«s so, da«>, auch wieder nicht. Jede Krise a»f dem Arbeits- markt, jede Umwälzung Im Bcomtentörper des Staates(wie wir es jetzt«rieben), äußert sich für die Frau«» besonders empfindlich. zwingt ein« große Anzahl von Frau«n zur Umstellung ihres Lebens. Sie. di« schon durch die Verbindung ihrer ükrufspsiicht mit ihrem Muttersein und durch ihr« Pflichten als Erzieherin ihrer Kinder in tausend Konflikt« kommt, muß sich mit dem Aus und Ab des Arbeits- Marktes umstellen. Groß ist di« Not der jungen Mädchen, die in solchen Zeiten arbeitslos werden ganz besonders, wenn zu Haus« Armut, Not und Elend ist oder wenn sie ganz allein« stehen. So manche wird heut« für immer aus der Bahn gerissen oder erleidet Wunden, die nie wieder h«ilen. Demokrat!« und Parlamentarismus haben das Frauenrecht in der Eh« noch nicht umgestalten können, zu sehr drängt«» di« poli- tischen Bedürfniss« des Tages, zu stark war der Widerstand der Mehrzahl der bürgerlichen V«rtret«r gegen dies« Aenderung des öffentlichen Rechs. Durch ihre Mitarbeit sollen die Frauen dazu beitragen, daß di« Entwicklung des öffentlick)«» L«b«ns in«in«r W«ise gefördert wird, wie sie«s für sich, ihre Kinder und für di« menschliche Gesellschaft wünschen. Zeauenwahlarbeit in Englanö. Aus einem Wahlaufsatz von Witz Warion Philipps. Werbearbeit. Es geschieht folgendermaßen. Eine kleine Gesellschaft von vier oder fünf Frauen geht zu einer Gruppe von Häusern, wo sich «in passender Platz für eine Versammlung unter freiem Himmel findet. Sie gehen in jedes Haus und sagen den Frauen» daß sogleich eine Versammlung stalifindcn wird, um über die Politik der Arbeiterpartei zu sprechen und deren Beginn durch ein Glocken» zeichen angekündigt werden wird, die Frauen brauchten sich dafür nicht erst umzuziehen. Sie können so kommen, wie sie gerade sind. Hot man jedes Haus besucht und ist ein geborgter Stuhl da, auf den sich der Redner stellt, dann läutet der Vorsitzende der Gesell- schaft und beginnt. Es folgen Reden von fünf oder zehn Minuten, dann die Diskussion der Frauen, wobei die Werber sich versichern, daß sie die Frauen für ihre Sache gewonnen haben. Auf der Türschwelle. Werbearbeit— nichts ist wichtiger. Es hängt von dem Orte ab, ob das Werben nur Wählerinnen betreffen oder Männer und Frauen einschließen soll. Auf jeden Fall ist nichts wichtiger als die Arbeit der Frauenwerbcr. Während man von Haus zu Haus geht, denke man an zwei Dinge: 1. Man gehe niemals allein. Man richte es so«in, daß zwei oder drei(zwei ist das beste) zusammen gehen. Es ist nützlich, da der eine etwas missen mag, was der ander« nicht weiß, und es ist auch viel interessanter, sich über die gemeinsainen Besuche zu unterhalte». 2. Man versuche seine Rede den verschiedenen Frauen, um die man wirbt, anzupassen. Besucht man z. B. eine alte Frau, dann erzählt man ihr alles über die Politik der Partei über Alters- Versicherungen. Ist es eine sehr junge Mutter, die noch nicht M Jahre alt ist oder nicht so aussieht, dann erzähle man ihr, wie die Partei versucht, für 21jährige Frauen das Stimmrecht zu be- kommen.*) Ist es eine Witwe, dann erzähl« man ihr von Witwen- Pensionen usw. Nur kein« Zeit auf hoffnungslose Leute ver- schwenden. Die Wahlen dauern zu kurze Zeit. Das wichtigste für eure Wähler ist, daß sie wissen, wo sich das Wahlbureau befindet. ' Parteifarben. Trage ständig deine Parteifarben und tue das Möglichste, Plakate und Fensteranschläg« der Partei in allen Nachbarhäusern anzubringen. Zeige deine Farben zu und außerhalb des Haufes. Veranlasse andere Frauen, dasselbe zu tun. Verteilung v on Flugblättern. Werft sie nicht in den Briefkasten, wenn irgend möglich, händigt sie den Wählerinnen aus. Erzählt ihnen, worum es sich handelt und was zu ihrem Nutzen ist. Veranstaltet keine öffentlichen Ver- fammlungen, wenn noch schriftliche Arbeit oder Flugblattverteilung getan werden muß. Bedenkt, daß Versammlungen gehalten werden, um diejenigen zu belehren, die noch nicht Mitglieder sind. Die Zeit wird am besten verwandt, wenn man die überzeugt, die noch nicht zu den Versammlungen gekommen sind. Nichts ist schlimmer als Lärm In Versammlungen, die von der Gegenpartei gehakten werden. Hat man an den Gegenkandidaten eine Frage zu richten, so tue man es zur rechten Zeit und formuliere sie so treffend wie möglich. Ein anständiger Kampf ist ein« gute Politik. Wohlüberlegte Störungen vernichten unsere eigene Sache. Zrauen öer/lrbeiterbewegung in Englanö Margaret Bondfield, Gewerkschaftsführerin, erreicht« schon im vorletzten Wahlkampf« in Northampton 14 498 Stimmen. Das war für eine Fron die höchste Stimmenanzahl, die bei dieser Hauptwahl gezählt wurde. Sie hat seit mehr als 20 Jahren in der Gewerkschaftsbewegung eine führend« Stellung Inn«. Außerdem nahm sie ständig starken Anteil an der politischen und konsum- genossenschaftlichen Arbeit. Es gibt keinen Zweig der Arbeiter- und Genossen schaftsbewegung, wo sie nicht als Mitkämpferin geachtet wird. Sie ist nicht nur in England bekannt und hat sich in harter Arbeit und auf Grund ihrer Persönlichkeit ihren Weg gebahnt. Sie nahm an vielen internationalen Arbeiterkonferenzen teil. Bei den drei Konferenzen des Internationalen Arbeitsanues war sie den Dele- gierten der Arbeiterschaft Ratgeberin. Augenblicklich ist sie Sekre- törin für die Frauen der allgemeinen nationalen Arbeitervereinigung. Sie wurde zur Vorsitzenden des Gcneralrates der Arbeiterpartei für das Geschäftsjahr 1923/24 gewählt und ist damit die erste Frau, die diesen verantwortungsvollen Posten bekleidet. Sie errang diesmal einen glänzenden Sieg im gleichen Wahlkreis Northampton. *) In England bekommen die Frauen erst mit 30 Jahren das Stimmrecht.» Dorothea Iewson(Akademikerin) ist als Kandidatin der Arbeiterpartei In Norwich gewählt worden. Ei« war jahrelang Mitglied der Nle-wieder-Krieg-Vereinigung. Sie arbeitet« selbft länger« Zeit als Stubenmädchen in Hotels, um sich über die ma- Führerin der nationalen Bereinigung der Abeiterinnen und tätiges teWellen und sittlichen Arbeitsverhältnisse diefer Arbeitnehmerkategorie authentisch zu unterrichten und veröffentlicht« darüber einen Bericht» der starkes Aufsehen errregte. Susan Lawrence ist ebenfalls zun: erstenmal in das englische Parlament gewählt. Sie kandidierte für Nordost Ham bei London. Genossin Lawrence war jahrelang Mitglied des Londoner Stadtrates und ging als solches mit anderen Arbeitcrstadträten der Vorstadt Poplor ins Gefängnis, als dies« den gesetzwidrigen Be- schluß faßten, die Erwerbslosen aus städtischen Mitteln zu unter- stützen. Sie gehört zu den weiblichen Mitgliedern des Parteivor- standes und des Zentralkomitees für Ausbildung und Anstellung der Frauen. Während des Krieges arbeitete sie in verschiedenen Aus- schlissen des Wiederaufbauministeriums. Frau Harri san Bell ist Präsidenten des Ausschusses in- duftrieller Frauenorganisationen. Sie gehört zu den Veteranen der Arbeiterbewegung und es gebührt ihr da? Lob, daß sie trotz ihres hohen Alters ihre Kraft und Energie noch in den Dienst der Sache stellt. Zur Lehrerin erzogen, unterrichtet« sie einige Jahre in New- castfe. Den größten Teil ihres Lebens verbrachte sie im nordöstlichen England, wo sie außerordentlich tatkräftig wirkte. Als sie vor einigen Jahren nach London kam, setzte sie ihre Arbeit in der Oeffentlichkeit nach allen Richtungen hin fort und arbeitete in den verschiedenen wichtigen Ausschüssen. Sie ist Mitglied des Partei- Vorstandes und Kassiererin der internationalen Vereinigung der beruflichen Frauen. Sie widmete ihr bisheriges Leben der Sache der Arbeiter und ist bei allen Frauenzusammenkünften. eine will- kommen« Rednerin. Sie besitzt groß« Erfahrimg und Kenntnis der' Lebensbedingungen der beruflichen Frau und gewinnt durch ihre freie Redeweise die Sympathie und das Vertrauen der Arbeiterinnen. Dr. Ethel Bcntham war Kandidatin der Arbeiterpartei in East Jslington(London). Dr. Bentham gehört zu den weiblichen Vertretern des Vorstandes der Arbeiterpartei. Sie ist Doktor der Medizin, besitzt Kenntnis und Erfahrung in Gesundheitsfragcn, war Mitglied des Londoner Bersicherungskomitees und des dortigen Amtes für Altersversicherungen. Sie war Aerztin des Kinder- Hospitals und Krankenhauses. Minute Pallister war Arbeiterkandidatin für Bourne- mouth. Sie gehört zu den Organisatoren der llnabhängigen Ar- beiterpartei und ist als glänzende Rednerin bekannt. Sie war Lehrerin in Wales. Seitdem ist sie Angestellt« der Arbeiterorgani- sation. Sie unterstützt« Genossen Ramsay Mocdonald bei seinem vorletzten Wahlsieg im Wahlkreis« Aberovon. Gefahrüetes Zrauenrecht. Die weiblichen Beamten fürchten, daß sie von der Beamien« abbanrerordnung in ganz besonderem Maße betroffen werden. Die ihnen in der Verfassung des Deutschen Reiches, auf die sie ihre» Treueid abgelegt haben, gewährleistete Gleichberechtigung ist völlig außer acht ge.asien. Unkündbar angestellten weiblichen Beamten wird das Dienstverhältnis gekündigt ohne jede Qkgroleistung für das AufgevMi ihrer erworbenen Rechte, während den männliche» Beamten in den Artikeln 3 und 5 solche in Aussicht gestellt sind. Wenn durch den Abbau in erster Linie die Doppelexsslenzen getroffen werden sollen, so bieten die aenannicn Paragraphen hierfür eine geeignete Handhabe, die dann aber gleichmäßig auf weib- lich« und männliche Beamte angewendet werden muh, deren Ehe» gatten ausreichendes Einkommen haben Bei oller Anerkennung der Notloa>.', in der sich das Reich befindet, müssen sich die weib- lichen Beamten doch mit Entschiedenheit gegen die untragbaren Aus- nahniebestimmungen vernxihren, durch die die beamtet« Frau in ihren Grundrechten geschmälert wird. Sie erwarten von ihren Vertreterinnen im Reichstag, daß sie kaut ihre Stimme erheben gegen Ungerechtigkeit und Vertragsbruch. Wie der Beamtenabbau sich sozial auswirken kann, inag fol- gsnde Zuschrift von sachkundiger Seit« zeigen:> „Ich sehe zurzeit eine große Gefahr in dem Beamtenabbau- gesetz, weil die meisten Fürsorgerinnen und Wohlfahrtsvflegerin- iren nur als Angestellt« angenommen worden sind und diese nach dem Muster der Reichsbeamienabbauverordnung mit ihrer Ent- (assimg zu rechnen haben. Bei einer Einschränkuna der Zahl der Fürsorgerinnen fürchte ich einen über das notwendige Maß finanzieller Einschränkung hinausgehenden Zusammenbruch der Wohl« fahrtspslcge, weil in vielen, vornehmlich ländlichen Bezirken, die ganze Wohlfohrtspfleae auf der Tätigkeit der Woh'fahrtspflcaerin- neu ruht. Wir verschließen uns nicht den finanziellen Rotwen- digkciten, aber wir halten es ftir erforderlich, immer wieder den pavlamentarischcn und insbesondere auch den Finanzdezernenten der Städte, Kommunalvcrbänd« und Länder klarzulegen, daß Für- sorgearbeit weniger Kosten verursacht als eine prüfungslose sche- malische Unrerstützungszahlung, selbst wenn diese das armeripflegc- fische Existenzminimum nicht' überschreitet. Wiegenlied. von Walther Sturm. Zeht wirst du süh in Träumen ruh'n Und tiefe Atemzüge wn. Wie sie find der Zugend eigen, Und Mund und Augen fasten still, Weil deine Seele rosten will Und feierliches Schireigen. Ja. heilig, heilig ist der Schlaf. Dasi er dich wunderwirkfam traf Mit feinem Iricdenssegen... So sinn ich in die?iachl hinein And bei' für dich und denke dein Und träume dir entgegen. Rechtssthicksal in der Zamilie.'� Mas„recht" ist, kann der Mensch, so er ernsthast ist, meistens leicht sehen, aber oft nicht so leicht, das Recht ist, das heißt, was vom Gesetz geschützt wird, so zwei sich nicht über das„Rechte" einigen können. Wenn das gültig« Recht immer auch das Rechte wäre, brauchte man sich über sein Rechtsschickstkl nicht viel zu küminern. Man fühlt sich im Schutze des Gesetzes geborgen. Leider aber gibt es diese Geborgenheit besonders für die Frau heute noch nicht. Der verheirateten Frau gewährt unser Familienrecht nur ein geringes Maß von Schlitz, wenn sie ihr Rechtsschicksal gleichgültig betrachtet. Sie wird mit der Verheiratung persönlich und wirtschaftlich unselbständig. Doch kann sie auch heute ichon ihre rechtliche Stellung verbessern und sich in der Ehe Selbständigkeit bewahren. Aber wo lernt sie die Wege dazu kennen? Die Frau muß wissen, wie sie vom Gesetz behandelt wird und wieweit sie es vermag, ihre Stellung zu einer freien und sicheren zu gestalten. Ties in ein- facher Weise zu zeigen, ist der Zweck meiner Schrist. Sie will vor allem vorbeugen helfen, da doch so viele Frauen schwer an den Rechtsietten unseres Bürgerlichen Gesetzbuches zu tragen haben.— Weich eine grausige Unsicherheit empfinden meistens Frauen gerade Rechtsvorgängen gegenüber, die oft lief auch auf ihr persön- liches Leben einwirkenl Wo sie es nicht verhütet, hängt dos Schicksal der Frau ganz von dem ihres Mannes ab, sie wird von allen Zu- fällen mitbeirossen, die seine Persönlichkeit, seine Existenz angehen, ist vielfach gebunden oft im schwersten Sinne des Wortes. Rechtsbewußt muß die deutsche Frau werden! Sie soll ihr Rcchtsschicksal dem eigenen Willen, der eigenen Einsicht gemäß beherrschen, soweit sie es irgend oermag: sie soll nicht diese Notwendigkeit erst erkennen, wenn es vielleicht zu spät ist. Die Grenzen ihrer Rechtsfreiheit abcr wird sie allein durch die Mit- Wirkung bei der Gesetzgebung erweitern können und müssen. Zwar verkündet unsere Rcichsversassung die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Vis jetzt aber hat der Gesetzgeber seiner Pflicht nicht genügt, das geltend« Recht so zu ändern, daß es damit im Einklang stände. Es ist Ausgabe der Frauen, ihn an diese Pflicht zu mahnen, indem sie bis zu der äußersten Grenze, die heute besteht, ihre wirt- ichastlichc und rechtliche Selbständigkeit bewußt gestalten. Die Wahlen in Oesterreich. Die„Arbeitsrinii-nzeitung" schreibt: „Die Sozialdemokratie geht erhobenen Mutes mit vermehrter Kraft aus dem Wohlkampf hervor. Der 21. Oktober 1S23 wird für immerwährende Zeiten ein Ruhmesblatt der iäirbeiterbewegung bedeuten. nicht minder aber ein stolzes Zeichen für das Emporsteigen der Frauen aus geistiger Dumpfheil zu klarer Erkenntnis. Konnte man nach den Ottoberwadlen 192Ü mit dem Anschein von Recht sirgen, die Frauen hoben den Gegnern zum Siege verholfen, weil sie trotz größerer Wählerinuenzahl weiliger Stimmen als die Männer für die Sozialdemokratie abgegeben hoben, so haben die Frauen am 2k. Oktober der Sozialdemokratie zum wiege verholfen. Obwohl die Zahl der Mandate zum Nationotrat um 18 vermindert wurde, hat die Sozialdemokratie nur um ein Mandat weniger be- krmmen, als sie im bisherigen Nationolrat hatte. Alle anderen 17 Mandate sind Verluste der bürgerlichen Parteien, so daß die snzialdemokraiische Fraktion im Naiionalrat stärker sein tvird, ecks sie es war. Herr Seipcl, der ausgezogen ist, die Sozialdemokratie zu vernichten, muß erleben, daß sie verstärkt im neuen Notionalrat erscheinen wird. Unsere Stimmen Iva den sich um 230 000 vermehrt. Alle Reisen des Herrn Seipel, alle Schreckgespenst«, die inan vor den Frauen hat aufmarschieren lassen, die gesprochenen und gedruckten Lügen» über unsere Parket konnten unseren Sieg nicht verhindern. Der Parteivorstand hat in einem Aufruf allen Genossen und Ge- nossi.«n, denen das Verdienst an dem Sieg der Partei zukommt, in warmen Worten gedankt. Mit Recht können die Genossinnen diesen Dank auch für sich in Anspruch nehmen, denn auch sie haben *) Aus dem Büchlein:„Herrschaft der Frau über ihr Rcchtsschicksal in der Familie". Es enthält, auch für die ganz einfache Frau verständlich, in übersichtlicher Form eine Er- klärung aller vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen über die Ehe, soweit sie für die Frau von Bedeutung sind. Ungeheures geleistet. Ueberall, in Wien und am Lande, in Städten und Dörfern waren sie an der Arbeit. In Versammlungen und in der 5)ausogitation wie bei der Vzrbreitung von Flugschriften, sie haben an den tausenderlei Arbeiten mitgewirkt, die bei einer Wahl unerläßlich sind. Die Genossinnen haben aber nicht nur dies« Puich. ten erfüllt, die Frauen haben am Wahltag selbst den Sieg des Pro» letariats entschieden. Nicht m.hr wie 1920, nein, zielklar haben die Frauen für die sozialdemokratische Partei gestimmt. Das Frauen- Wahlrecht war kein Instrument mehr gegen den Sozialismus, son. dern eine Waffe im Interesse der Arbeilertiasse. Noch liegen' nicht aus allen Teilen der Nepublik die Zahlen der Frauen- und Männer. stimmen vor. In Wien aber haben 179 260 Männer und 551 766 Frauen das Wahlrecht ausgeübt. Die sozialdemokratische Partei hat 275 813 Männerstimmen, aber 295 651 Frauenstimmen bekommen. Di- Christlichsozialer! erhielten 136 929 Männerstintmen und 200 856 Frauenstimmen. Auch die Ehriftlichsazialen erhielten demnach mehr Frauenstimmen, abcr fast um 100 000 Stimmen weniger als die Sozialdemokralen. Das Erfr. ulichsie aber ist, daß die Frauen, die die größere Wählerzahl darstellen, dieses Ucbermaß vor allem zugunsten der Coziaidemokratie verwendet haben. 1920 hatte die Partei in Wien noch weniger Frauen- als Männerstimmen er- halten. Noch immer zu wenig, angesichts der Frauenstimmen, die die Christlichsozialen erhallen haben. Da sind noch viele Stimmen für die Sozialdemokratie zu gewinnen. Bon 1000 soziaideinokra- tischen Stimmen waren 180 von Männern, 520 von Frauen, bei den Ehristlichsozialen 105 von Männern und 595 von Frauen. Von 1000 Frauenstimmen kommen auf die Sozialdemokraten 582. auf die Ehristlichsozialen 289. Trotz des Aufgebotcs der Kirche, trotz Verwendung der Kanzesn, obwohl die Pfarrer Frauen aufgefordert haben ihre Mäimer zur christlich-soziaie» Stimmenabgabe zu zwingen, sehen wir, daß die Mehrheit der Frauen nicht Im Lager der Christlichsozialen steht. Wen» mon noch 1920 oft verächtlich von der„Frauenpartei" gesprochen hat in bezug auf die Christlich- sozialen(wir billigten es nie), so ist das widerlegt; die Mehrheit der Frauen steht bei der Sozialdemokratie." Zum Kampf um das?uzenöw»hlfahrts- gesetz. Der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt besteht darauf, daß das RÄWG am 1. April 1924 für das ganz« Reichsgebiet in Kraft tritt. Bon der Regierung und von, Reichstag, der seinerzeit da» RJWG.. mit überwältigender Mehrheit annahm, wird erwartet, daß das Gesetz zum 1. April in Krast tritt, gemäß der einstimmig vom Reichstag angenommenen Entschließung Lüders, In der es heißch daß die Reichsregierung die größte Bedeutung der geistigen und körperlichen Jugendpflege für die Erhaltung der nationalen Kraft im Auge behalten müsse. Di« diesen Zwecken dienenden Ausgaben dürfen erst In letzter Linie den Rücksichten der Ersparnis unterworfen werden. Das RJWG. bringt mit Ausnahme des Abschnitts V keine neuen Ausgaben. Aber es bringt endlich die langersehnte, sür das ganz« Reich einheitlich« Gesetzesgrundlage für die Arbeit an unserer Jugend. Wo die Jtlgendhilfe schon in der Weise, wie das Gesetz sie vorschreibt. geleistet wird, und das ist in vielen Gemeinden der Fall, wird ebenso wie in den Ländern, für die das Gesetz schon in Kraft gesetzt ist, der Mangel einer einheitlichen gesetzlichen Grundlage sür das Reich besonders«nibehrt.. Das RJWG. bringt die gesetzliche Regelung der Zusammen- arbeit von aintlicher und freier Jngendhilfe, des Pflegekinderschutzes, der Berufsvormundschast, der Schutzaufsicht und der Fürsorge- erziehung, ohne die die modente Jugendhilf« nicht auskommt. Es kann daher in einer Zeit sürchterlichster Not der Bolksmasien und dainit auch der Jugend unmöglich außer Kraft gesetzt werden. Wir fordern desl>alb auf das dringendste die Durchführung des Ge- setzes, damit die Hilfe, diS der schwer leidenden Jugend gebracht wird, nicht der ihr unentbehrlichen Grundlage ermangelt. Im Iluge. Bon 5) ans Wesemann. An der Weidendammbrücke stehen viel« Leute und sehen zu. wie eine hübsche jung« Daw.« die Möwen füttert. Sic hat ein schön«» weißes Brot, das si« zerkrümelt und dann dem schreienden und quarrenden Schwarme zuwirft. Im Fluae sangen die flinken grauen Burschen es aus und fällt doch ein mal ein Brocken nach unten, so erwischen sie ihn im stehen Sturze gerade vor den: Schnabel de» dicken Enterichs, der sutierneidisch und ausgeregt mit seinem 5)arem in die Höhe äugt. Einige ganz Kühne aber nehmeil das Brct au» der kleinen Hand und fliegen dann mit ihrer Beute unter dem erbosten Geschrei ih-ner weniger mutigen Kameraden weiter. Es ist ein wlrttich ai mutiges Bild und alles freut sich über dt« hübsche junge Dame, die in ihrem weihen Beize allerliebst aussteht und das Brot mit den armen hungrigen Möwen teilt. Neben ihr aber steht ein hungernder und frierender Mann und haderl mit dem lieben Gott, daß er ihn nicht auch zur Möwe ge* macht hat. Wie Kinöer Theater spielen. Bon Otto Reu mann- Kiel. Wohl allen Erziehern und Kinderfreunden wird bekannt sein, wie stark der Wunsch bei Kindern ist, Theater zu spielen. Durchaus kindlich ist dies. Sehen wir doch schon bei recht kleinen Kindern, wie sie sich gerne in die Rollen anderer Personen, wie Mutter, Bater, Lehrer usw. hineinversetzen. Man soll diesem kindlichen Verlangen Rechnung tragen, doch wird sich jeder gute Erzieher die Frag« nun vorlegen:„Was sollen die Kinder auf- führen, und w i e sollen die Kinder aufführen?* Beide Fragen sind äußerst wichtig, und ernste Schwierigkeiten stellen sich hier in den Weg. Schon bei der ersten Frage:„Was sollen Kinder ausführen?* sehen wir dt« großen Schwierigkeiten: denn was an wirklich guten Theaterstücken für Kinder existiert, ist bitter wenig. In diesem Punkte sieht es in unserer Literatur recht betrübend noch aus. Aber die zweite Frage:„Wie sollen die Kinder Theater spielen? ist ebenso wichtig. Sehen wir uns doch einmal die Feste an, wo Kinder mitwirken. Bon einem sehr oft kitschigen Stück sind die Rollen an die einzelnen Kinder verteilt worden. Wochenlang ist gelernt und geübt worden, der Text gut auswendig gelernt und die einzelnen Bewegungen und Handbewegungen gut einstudiert. Die einzelnen Mitspieler haben sich die nötige Garderobe beschafft(oftmals mit nicht geringen Unkosten), und endlich ist der Tag des Festes da. Und was kann man dann vielmals erleben? Die Kinder plappern mehr »der weniger gut ihre auswendig gelernten Rollen dahin: die Hand- liKig ist ohne jegliche Frische und Leben: und oft bleibt dann noch so ein armer Kerl zum Entsetzen der Eltern und des Kindes stecken. Die ganze Freude ist verschwunden, und dahin ist dos schön« Fest. Die schöpferische Fähigkeit der Kinder ist überhaupt nicht berührt. Ein guter Erzieher kennt nun diese Schwierigkeiten, und nicht leichten Herzens wird er die Kinder Theater spielen lassen. Wie man nun aber doch mit den Kindern Theater spielen lasten kann, will ich mal-erzählen von einem Berluch, den ich kürzlich bei meiner Kinder- Gemeinschaft gemacht habe. Wie des öfteren standen wir wieder mal vor einem Fest« unserer Gemeinschaft mit den Eltern zusammen. Auch aufführen wollten die Kinder wieder. Und nun tat ich fol- gendes: Recht lebhast und drastisch erzählte ich das Märchen von den „Bremer Stadtmusikanten* und besprach mit den Kindern, ob sie dieses Märchen nicht aufführen wollten. So recht erbaut waren sie nicht sogleich, war doch dieses so ganz was Neues für sie. Aber einige Jungs und Mädels hatten meine Gedanken bald erfaßt und stimmten zu. Bedenken von einigen Kindern, wie:„Wo bekommen wir das Haus für die Räuber und die Garderobe für die einzelnen dar- zustellenden Tiere her?* waren bald zerstreut, als ich den Kindern erklärte, daß man doch dies alles mit ganz primitiven Mitteln andeuten könne. Ich kümmert« mich nun nicht weiter darum. Unsere Feier kam heran, und ich war doch wirklich gespannt, wie unsere Aufführung werden würde. Der Versuch ist glänzend geglückt. Eines der beteiligten Kinder sagte den anwesenden Zuschauern, daß man nun das Märchen„Die Bremer Stadtmusikanten* aufführen wolle. .Ein Haus für die Räuber war bald aus einigen Tischen und Stühlen zurechtgebaut. Und nun kam der Esel angelatscht und erzählte, wie er in seinen jungen Tagen seinem Herrn treu gedient hätte und all die vielen Säcke zur Mühle getragen hätte. Nun, wo er alt, würde er noch obendrein Undank bekommen usw. Und wie er gelesen hätte, daß man in Bremen Sladtmusikanten suche und er sich noch auf seine alten Tage aufgemacht hätte nach Bremen.. Der Junge erzählte feine 'Rolle als Esel plattdeutsch. Es ist feine Muttersprache und er ver- steht sich gut darauf. So ganz frei und bei der Sache. Dann traf er den Hund, und auch der erzählte seine Leidensgeschichte, und beide zogen weiter. Als sie die Katze trafen und auch sie dann nach län» gerem Verhandeln mitzog, war die Freude der Zuschauer kaum noch zu steigern. Doch wirkte die Szene, als ste nun noch auf den Hahn stießen, der unter andauerndem Kickericki erzählte, daß er von der Köchin gehört habe, daß morgen Kindtause sei und er in die Suppe soll, geradezu tränenlachend. Schon die ganz« Aufmachung mit so ' primitiven Mitteln. Man kann die einzelnen Feinheiten gar nicht erzählen, sowas muß man erleben. Jedenfalls ist der Versuch voll und ganz geglückt: und so recht ist mir zum Bewußtfein erst ge< kommen, wie fein schon die Kinder schöpferisch gestalten können. Nicht leicht trennen sich die Kinder von der alten Form des Auf- führen?. Sehen sie aber erst mal die Lebendigkeit de» Spiels im Gegensatz zu dem toten Spiel des Auswendiglernens, dann sind ste bald begeistert. Und manche frohe Stunde für Eltern und Kinder läßt sich so bereiten. Dabei liegt die Dramatisierung des Märchen» ganz im Sinn« der modernen Erziehimg. Wohl nicht all« Märchen lasten sich dramatisieren. Man muß bei der Auswahl recht wohl bedacht sein. Schon des Inhalts wegen muß Borficht gewahrt fein. Doch find ein« Reihe Grimmscher Märchen wohl gut geeignet.' Ich möchte da zum Schluß einige an- führen, soweit sie bei uns ausgeführt sind: I. Die Bremer Stadt- Musikanten, 2. Der Wolf und die sieben Geislein, 3. Schneewittchen und die sieben Zwerge, 4. Das Märchen vom tapferen Schneiderlein. Bei all den Aufführungen fei man bedacht auf möglichst einfache Kostümierung: und im übrigen überlasse man die Gestaltung den Kindern. Rubis Traum. „Ach Mutter,* sagte der kleine Rudi,„heute bin ich aber sehr müde,* und dabei göhifte er recht tief. Kurz darauf brachte ihn die Mutter zu Bett. Nun war er allein in der dunk/len Kammer.— Als er zum Fenster hinausschaut« bemerkt« er, daß der Modn hinter weißen Wölkchen verborgen war, die aber an demselben vorbei segelten. Und immer mehr und größere Wolken folgten, bis plötzlich kurz vor dem Mond« gewaltige, weiß Wolkenberge auftauchten, die ihn schließlich ganz oerdeckten. Der kleine Rudi dachte:„Wenn das doch alle» Schneeberge wären und du ste einmal erklettern und darauf Schlitt- schuhlausen könntest.* Mit diesem Wunsche schloß er sein« Augen, und da er von dem langen Zuschauen sehr müde war, schlief er bald ein. So mochte er wohl ein paar Stunden geschlafen haben, als ihn jemand am Ohr« zupfte. Verwundert schlug er die Auge» auf und sah vo? sich auf der Bettdecke ein kleines Männlein stehen. Sein Erstaunen wuchs, als dieses nun zu ihm sprach:„Erschrick nicht! Ich bin das Wolkenmännlein und wohne dort oben in de» weißen Wolken. Ich hört« deinen Wunsch und bin gekommen, dich einmal mit herauszunehmen. Komm, folge mir: aber leise, daß Vater und Mutter dich nicht hören." Keine Freude wäre größer gewesen, als die, einmal dort oben heraufzukommen und freudig sprang Rudi aus dem Bett, zog sich warm an und folgt« dem Männ- lein durch das Fenster. Wie sie draußen waren, gewahrte Rudi ein kleines Bündel und dazu ein paar klein« und große Schneeschuhe mit Stöcken. Da» Männlein packte das Bündel aus und entnahm demselben einen dicken wollenen Anzug mit einer ledernen Kappe, welch« Rudi an» ziehen niuht«. Rudi fühlte sich plötzlich hochgehoben und so hoch, bis Ihn«ine eiskalte Temperatur empfing und er sich inmitten hoher Wolkcnberg« befand. Das Männlein hieß ihn die großen Schneeschuhe an» schnallen, es selbst zog sich die kleinen an. Run erteilte er Rudi Unterricht im Skilaufen, indem es im Grätenschritt«inen steilen Berg hinaufstieg und oben angekommen schnell wieder zu Tal fuhr. Unten macht« es den berühmten„Chnstiania*, mit einer Wendung des Körpers nach rechts im Sprung und ruckl stand es. Dann voll- führte es den Treppenschritt und den Dauerlauf. Rudi sah aufmert» sam zu und nach vielen mihglücklen Versuchen konnte er es nach» machen. „Run wollen wir höher hinauf,* sagte das Männlein zu ihm und im Dauerlauf fuhren sie den aufsteigenden Berg hinan. Da verlor Rudi auf einmal das Gleichgewicht und er lag im tiefen Schnee. Vergebens müht««r sich emporzukommen, da die Schnee» schuhe ihn daran hinderten, aber mit 5)ilfe des Wolkenmännleins stand er bald wieder auf den Beinen und lachend klopft« er sich den Schnee ab. Sie fuhren weiter, bis sie vor einer zackigen Felsen» wand Halt machten. Rudi wurde angeseilt und der Kleine stieg voran. Verschieden« Mal« rutscht« Rudi aus, aber die Kraft de» Männleins war unermüdlich. Immer höher und höher stiegen sie und endlich kamen sie zur Spitze.. Ein« herrliche Aussicht bot sich den beiden dar. Heber ihnen der klare Himmel mit dem silbernen Mond, unter ihnen die weißen Nebel, welche eiligst vorüberzogen. Nachdem Rudi sich an der Schönheit des Himmels sattgeschaut, mahnt« das Männlein zum Aufbruch Vorsichtig kletterten sie den Berg hinab. Rudi, angeseilt, als Erster. Als er einen Fslsvorfprung betrat, bröckelt« plötzlich ein Stein dort ab und er fiel mit demselben hinab. Das geistesgegen- wärtige Männlein aber hielt Rudi fest und so schwebte dieser an dem Seil in der Luft. Er wagte kaum in die Tief« zu schauen. Da bemerkte er plötzlich, wie sich das Seil an einem Steine scheuert« und langsam zerriß.-- Es waren grausig« Minuten für Rudi. Gerade als das Männlein die Hemd nach ihin ausstreckte, riß das Seil und mit lautem Aufschrei stürzte Rudi in die schreckliche Ties«. Er schlug unten mit dem Kopf auf ein« Felsplatte und blieb für einige Zeit wie tot liegen.--- Da vernahm er plötzlich die Stimme seiner Mirtter:„Aber Rudi, was ist denn das, du bist ja aus dem Bett gefallen, mach aber schnell, daß du wieder hineinkommst, damit du dich nicht erkältest.* Rudi schlug verwundert die Augen auf und nun merkte er. daß er nur geträumt hatte. Schleunigst kroch er wieder in die Feder» und er war froh, daß dieses alles keine Wirklichkeit war. Er schlief fest und traumlos weitkr bis ihn die Mutter am frühen Morgen weckte.