Zrauenwelt Nr.? 41. Jahrgang\ TScHüQC JUtU UOttüfitfe! 7. Zebruar 192»" Mnf Jafyu Zrauenrecht. Gesrern, am 6 Februar, jährte sich der Tag zum fünften Make, an dem Frauen in die deutsche RaUonawersaimnlung eingezogen sind, Feierliche Envartung in den Mienen, trafen am 4. Februar schon mehrere der gewählten Gensssinnen in Weimar ein. Das schön« Weimar war kalt und unfreundlich. Die erste Fraktionsoerhandlung war nüchtern und sachlich und der ungri>eizte Saal de? Bolkshäuses nicht geeignet, Begeisterung wachzuhalten. Drarchen-im Reich tobte noch der Sturm der Rraolntion, hoch gingen die Wellen de» Meiiurngsstreitrs in der Arbeiterschaft über die Richtigkeit der revo- intianären oder demokratisrhen Taktik. Am ö. Februar war dann die Fraktion der SPD, fast vollzähltg versammelt, auch die gewählten tv Frauen der Partei. Interessant ivar es flir uns z» beobachten, aus welche» Schichten sich diese Frauen gruppierten. Die meisten stammten aus dem Prole- tariat. Waren sie aus klemlniegeUicheu Existenzen hervorgegangen, führten sie doch später eine rein proletarische Existenz. Der größte Teil diente fast ein halbes Meujchenalter der Partei. Wir nennen Äilhelmine Kahler, das Kind aus dem Balte mit Dorfschul- bildung, die gern van der sjeit sprach, wo sie als junges Mädchen dem Dichter Ltliencro» die Wirtschast führte. Mit W Jahren hatte sie in Hamburg ihren ersten Vortrag vor ausgesperrten Zigarren« ärbeiiern gehrilien und später nach einer langen agitatorische« Tütig. keit die.Sozialdemotratii'che Artiketkorrcspondcnz" herausgegeben. Ernestme Lutze, Minna Schilling, beide mis Siubjen,. echt« Proletarierfranen, lmrt gehämmert von eigener Rot, mit großem Verständnis für die Rot der anderen ausgestattet, Minna Ei.chler. bei deren Anbück man es sofort begriff, daß sie das ganze Elend des Weberprolstariols durchgekostet hatte, die junge, frische Frida Hauke, die in Oberfchlesien wirkt«. Johanna Tejch aus Frank- fürt a. M., die sich varaehmiich im Zentral oerband der Haus- angestellten betätigt hatte, Gertrud Lada 1> l, die ihre praktische Schulung vornehmlich der Arbeit für Gewerkschaft und Genossenschaft verdankte. Wir begrüßten die seit säst zwei Jahrzehnten in der Be- wegung bekannte Hanno Reitze aus Hamburg, und die über den Äitonaer Kreis hinaus»och nicht seh« bekannte Luise Schröder, die sich in diesen verslossenen 5 Jahre» durch ihre ruhige und sach- lichc Arbeit einen lmerkamiie» Namen erworben hat. Ktara Bah m- Schuch, Marie Juchacz und Elsriede Ryneck sind in Berlin zu bekannt, als daß wir es nötig hätie», in diesem Artikel über sie «md ihre Tätigkeit etwas anzuführen. Das Rheinland schickte uns Elisabeth Röhl, die sich die po'itischen.Kinderschuhe auch aus dem Berliner Pfiaster ausgetreten halte, Pommern wählte Eise Höfs, die Tochter eines alten Parteigenossen und selbst treue Arbeiterin für die Sache des Proletariats. 5)atte sie doch die Verfolgungen des Sozialistengesetzes h, ihrer eigene» Familie gespürt. Als legte aus dem Kranz der neunzehn seien noch zwei Genossinnen genanni: Antonie P fü lf und Anna. B-los., die aus bürgerlichen Kreis«» stammen und auf Grund ihrer wissenschaftlichen Erkenntnis den Weg zur Partei gefunden hatten und treue, selbstlos« und fähige Mit- arbeiterinnen gewoiden sind. Aus der USP. nennen wir bei dieser Gelegeulteit zwei markante und bekannte Erscheiirnnge», Luise Zieh, die nicht mehr unter den Lebenden weilt, und Lore Agnes, ebenfalls aus dem Rheinland kommend: die erste Fvaii im Präsidium de? Ratio na!- Versammlung. Arn 5. Februar nahmen die Frauen, soweit sie der SPD. an- gelchrten, vollzählig an der Fraktionssitzung teil. Am Abend des gleichen Tages fand die erste Zusammenkunft der Genossinnen statt, die das erste Sichkennenlernen der sich vielleicht noch fremd Gegen- überstehenden vermittelte. Die Eröffnung der Rationalooesammlung nrit der große» Rede des Genossen Fritz E b e r t löste endlich die seit Tagen vorhandene Spannung. Der feierliche Akt geht vorüber, und die nüchten:« Arbeit beginnt auch für die Fraue». Und doch gibt es.höhenpunkte der pur. lamentarijchen Arbeit in dieser Zeit. Die Wahl Dr. Davids zum Präsidenten der Nationalversammlung, die Beschlußfassung über die Nolverfassung. Scheidemann legt die Obliegenheiten der Volts- beauftragten in die Hände der Voltsvertreiung. Die Bildung eine» Ministeriums auf demokratischer Grundlage wird vorbereitet. Bor allem ist es die Wahl des Genossen Fritz Ebect zum Präsidenten der Republik, die uns im Innersten packt. Ich lasse folgen, wie eine Genossin diesen Moment in ihren Tagebuchbiättern festhält: „In seiner schlichten, nachdrücklichen Wels«, b e z u g n eh m e n d auf seine H e r t» n s t und Tätigkeit. ist uns E b e? t mit seinen S ch l u ß ausfiihrungen das Symbol des r e i s g«>v or d en e n Volkes, das sich mühsam sein Menschentum und seine Würde erkämpft hat und es festhält Und zähe v e r t e! d! gen wird. Ein Höhepunkt war es auch für die Frauen, clls die erste Frau In der Ztaiionawerfammtung sprach Genossin Juchacz sagte u. o..: „Wollte die Regierung eine demokratische B e r- fassung vorbereiten, brnni gehörte dazu das Volk, das ganz« Volk in seiner Vertretung. Di« Männer, die dem weiblichen Teil der deutschen Bevölkerung da? b-sher zu Unrecht vorent- haltenen Staaisbüroerrecht gegeben haben. l>aben damit für jeden gerecht denkenden Menschen und für jeden Demokraten selbst- verständliche Pflicht erfüllt. Unsere Pflicht aber ist, auszusprechen. was für immer in den Annalcn de? Geschichte festgehalten.werden wird, daß es die erste sozialdemokraiische Regierung gewesen Ist. die ein Ende gemacht hat mit der Anselbstän-dlgkeil der Frau. Durch die politisch« Gleichstellung ist nun meinem Geschlecht die Möglichkeit zur vollen Entfaltung seiner Kräfte gegeben. Mit Recht wird man erst jetzt von einem neuen Deutschland sprechsu können, und von der Souveränität des ganzen Volkes. Durch die volle Demokratie ist aber auch zum Ausdruck gebracht worden, daß die P a l i t t k in Zukunft kein H a n d w e r t fein soll. Scharfes, kluges Denken, ruhiges Abwägen uNd warmes menschiiches Fühlen gehöre» zusammen in einer vom ganzen Reich gewählten Körperschaft, in de> über das zukünftige Wohl und Wehe des ganzen Volkes entschieden werden soll." Zum glciche» Gegenstand der Tagesordnung sprachen Luis« Ziel; und Frau Gertrud B ä u m e r als Bertretung ihrer Partei. Damit war zum ersten Mal« öffentlich demonstriert, daß die Frauen auch ais Gewählte gleichberechtigt sind. Seildom stiid nun fünf Jahre vergangen. Die Hochflut der Empfindungen ist bei den weibitchei: Parlamentarierinnen, ebenso bei den weiblichen Wählerinnen abgeebbt. Was aber geblieben ist, ist der stille, zähe Wille, im politischen Kampf ihren Platz auszu- füllen und darüber h i n a u s für ihr Geschlecht und die Jugend zu ckämpsen. In manchen Männerortikeln der bürgerlichen Press? ist den Frauen attestiert worden, daß dos Frauenwahlrecht enttäuscht habe. Einmal habe ick irgendwo gelesen, es hätten beim Antritt des Frckuemvcchlrechts die Fanfarentöne einer neue» Zeil gefch't. Da» hätte man von den Frauen erwartet. Die einen erwarten das „Wunder", die anderen haben Angst, daß wir uns zu schnell und zu weit vorwagen können. Beide verstehen die Bedeutung der Gleichderechtigung nicht. Im poütisch?» Tageskampf von heute sind Männer und Frauen und Parteien mehr oder weniger abhängig von der Zwangsiäufigkeit der Entwickiung. Hier, kann nur gemein- sames Kämpfe« für die Bedürfnisse der breiten Schichten. des Volkes statifmde», und ein gemeinsames Siäpyehren gegen die Nebermacht der Otogner. Darüber hinaus aber hat'?» die Frauen gezeigt, daß sie für die Befreiung ihres Geschlechts auf dem Gebiet des Berufs-. lebens, der Mutterschaft, und des bärgeuichen Rechts Wege weisen. und im Rahmen des Möglichen Reue? schaffen wollen und toimen. öie Rsöaktion öss �VsrWZets�! Werte Gcncffenl Ich glaube im Namen vieler Frauen zu sprechen, wenn ich sage: Wir sind sroh. endlich oine FraucnbeUogc am„Vorwärts" zu haben. Sie weiden es mir Hossenilich nicht übelnehmen, wenn ich etwas an der Zeitung kritisiere. Die Frauenbewegung, die Frauen. srage— um nur zwei Sachen zu nennen—, das alles sind Dinge, die die Frauen ziueifellos interessieren, und ich will diese Artikel nicht missen. Aber darüber hinaus habe Ich dann das Gesühl einer große» Lücke, z. B. noch dem Artikel„Abbau des Juqendwohlfahrts. geftjzes"(der mir gut gefallen hat) suchte ich danach, ob nicht eine unserer Genossinnen, die hier in Orojz-Berlin in der Jugendwohl. fahrt arbeiten, den Segen des Gesetzes mit Veispielen aus ihrer Arbeit demonstrierte. Vergeblich. Dann mußte ich darüber nach. denken, dah doch viele Genossinnen durch ihre Arbeit in manches Frauentcbeir und-leid hineinsehen und bei guter sozialer Beobach- tungsgabc wertvolle Arbeit an der Zeitung leisten könnten Was die Frau der Arbeiterklasse bei Ihren täglichen Gmhalcgängen als Hausfrau und im Kreislauf ihrer täglichen Tretmühle denkt und empfindet, das muh die„Frauenwelt" bringen. Ebenso sollen ihre Sorgen und Verlegenheiten bei der Pflege und Erziehung ihrer Kinder zum Ausdruck kommen und Antwort finden. Wie das zu machen ist? Reben den Genossinnen, die aus Grund der Ersohrun- gen ihrer parlamentarischen Tätigkeit schöne Artikel schreiben können, sollen die einsachen Frauen zu Wort kommen. Sie sollen das Ge- siihl haben: Das ist unser Blatt, hier kann ick) meinen Mitschwestsrn erzählen, rot« es mir geht und sie können mir antworten. Bitte, iiberlrgen Sie, ob Sie das Blatt nicht dem Kreis der Leser össnen wollen. Mit freundlichem Gruß Ihre P. G. Antwort der Redaktion: Wir bringen Ihren Brief zum Abdruck in der„Frauenwelt" und geben dadurch der Meinung Ausdruck, dah das Blatt erst dann feinen wirklich«» Zweck erfüllt. wenn die Leserinnen sich selbst lebhaft an seiner Ausgestaltung be> teiligen. Wir, d. h. Redaktion und Leserinnen, werden uns sehr sreuen, wenn wir geweinsam von der Zeitung sogen können, dah sie das Leben der arbeitenden Frau und Mutter widerspiegelt. Zuschriften sind an Frau Marie Juchacz oder die Redaktion des„Vorwärts", beide Berlin SW. kÄ. Linden» strahe 8, zu richten. Nur nicht Muttee werben! Bor kurze? Zeit bracht« der„Vorwärts" die Nachricht von einem bevorstehenden Masscii-Abtreibungs-Prozeh. Im Geist sah ich hundert« von Frauen, alle aus oerlchieden« Weise vom Leben gekennzeichnet. Aber ich keime wohl kaum eine aus dieser großen Schar. In Wirklichkeit sah ich Frauenschicksale, die mir irgendwie einmal aus meinem Lebensweg begegnet sind. Und eines davon stand wieder vor mir, so lebendtz, als hätte es heule und nicht vor VI Iahten seinen Abschluß vor meinen Augen gesunden. Ein Weib, gesund an Körper und Seele, muhte, feiner eigenen Meinung nach, aus das verzichten, was im Leben des gesunden Weibes das höchst« ist, auf die Mutterschaft. Sie war sehr einsam, trotz ihrer Che. Außer den gelben Blumrn und dem wilden Wein auf ihrem Balkon hatte sie auch«inen Hund. lind einmal wieder, ach wie so oft, war Schmalhans Küchenmeister bei ihr, es war kein Geld da und die Miele war sällig, wegen der Steuern war gepfändet worden. Die Hundesteuer ober war bezahlt. Da fragt« ich sie, ob sie es denn für richtig I)alts, das so sauer verdien!« Geld für Hunde- steuer auszugeben.„Den Hund muh ich haben, sonst verlerne Ich das Sprechens Den ganzen Tag allein, ms in die späte Nacht über ein« Nähmaschine gebeugt, bei einer entsetzlich monotonen Arbeit kann man wohl das Sprechen verlernen. Mit einem s» reichen Schatz von Liebe im Herzen hat!« sie nicht den Mut, ihrem gesunden Gefühl zu folgen, Mutter zu werden. Wanim nichl? Weil ihre Ehe »Ich! legitim war, weil sie nicht den Namen des Mannes trug, der de? Vater ihres Kindes geworden wäre. Sie war eine Waise, und ich oerstand den sehnsüchtigen, ja den hungrigen Ausdruck ihrer schönen nach'dunklen Augen, seitdem sie mir in einer vertrauten Stunde erzählt hatte, wie sie als Kind noch Mutterliebe gehungert hat. Abwechselnd bei hartherzigen Verwandten oder im Waisenhanse wurde die srendlos« Jugend verleb', kein Fünkchen Liebe war übrig stir dieses liebehimgrl''e Kind. Durch harte Arbeit muht.' in der Jugend und später das Stück Brot verdient werden Trotz allein, vielleicht auch gerade desivegen war st« sich früh ihres Menschentums bewußt gewcnden, leider nickst big zur letzten Konsequenz. Noch zittert« die Empörung in ihr nach, wenn sie davon sprach, welch unwürdig« Behandlung ihr oit' zuteil geworden, als Dienstmädchen und später als Verkäuferin>n einem Schlächterladen. Der erst« Mann trat in ihr Leben, aber er mein'« es nicht' ehrlich. Auf ihr Geld hotte er es abgesehen. Di« Sparpfeiinia-' dt? sie, die An- fpruchslos«, sich so mühsam zurückgelegt, konnte sie im letzten Augenblick noch retten, die große L«ben»r,t:äusch!ing muhte heruntergr- würgt werden. Daun sucht« sie sich an der Nähmaschine zu ernähren und lernte später den zweiten Mann kennen. Juno, ftch und leberizlustig Irak «r in ihr Leben sprach ihr von seinen Zukiinf'eträumen. in welchen sie eine Stclle einnahm. Sie wußte es nicht, dah dieser Mann schon verkeimtet und Bater war. er verschwieg es ihr. solange es ihr leicht gewesen wäre, den Traum abzuschütteln. Froh kaufte sie Möbel von ihrem Sporgelde. inii-lete die Wohnung, lieh sich die Papiere zur Heirat aus der Heimat kommen und bc-og schon immer mit dem Mann ihrer Lieb« ihr neues Heim. Was sollte sie machen. als sie dann erfuhr, daß ans Heiraten vorläufig nicht zu denken war. Sie liebt- den Mann. Dah er der Liebe dieses Weibes nicht würdig mar. gehört in«in anderes Kavitel. Eines Tages muh'e' sie ganz schnell in das Krankenhaus geschafft werden und erhielt dort einen Leibschiritt. Lang« bange Wochen zitierten wir um ihr Leben, mi! gebrochener Lebenskraft kam sie heraus. Ihm gan-e Energie konzentrierte sich nur noch auf ihre Näharbeit und auf' d"" Gedan�n: Unter keinen Umständen«in Kind Eines Tages erhiel' ich auf meiner Arbeitsstätte die Nachricht, daß sie wieder einmal schwer erkrankt sei. Ich fand«in« Sterbende, Herzlähmung konsta- tterte der Arzt. Ueder die Ursachen der plötzlichen Erkrankung sprach er sich nicht aus. Wenn er das gleich« beöbachiet hat, was ich mit dem geübten Blick der Frau gesehen habe, dann wollte er sich nicht darüber äußern. Und das war wohl gut so.— M. Arbeiten und nicht verMeifew! Auch an diesem geflügelten Wort bewahrheitet sich zur Stunde. daß Forderungen, Wünsche und Mahnungen etwas Relative» sind: Biel«, viel« wollen arbeiten, um nicht zu verzrveiseln! Aber die dunkle, tiefe Wirtschaftskrise, In der wir stecken, hindert Hundert- tausend« in Deutschland, die gern« Ichossrn und für Brot sorgen wollen, an der Arbeit. Die Erwarbslosenzisfern sind riesengroß. Riesengroß ist auch die Not der vom Schicksat hart getrosienen Fronen und Männer. Es fehlt an allem, was zum Leben nun einmal nötig ist. Zur mattri» «ll«n Not. geseilt flch die seelische Not, die Bedrückung des Gemütes. Berzweifeit ist der Abwehrkampf gegen Hunger und Kälte. Wohl noch nie hat«ine Wirtschaftskrise ldie ja im Wesen des Ka.vitalis» mus begründet liegt und periodisch auftritt) eine so große Not go zeitigt, eine so erschöpfte Arbeiterklasse vorgesunden. Erschöpft Ist die Arbeilerklasse deshalb weil sie im Kriege großenteils vom Bor» Handeven leben mußte- Alle Wäsche, Kleider, Möbel und der kleine Hausrat wurden gebraucht, nein v e r braucht, weil nichts getauft werden könnte: Es gab ja nichts. Gewih kam dann eine Zeit wirk» schaftlicher Blüte. Aber es war wirklich nur eine Scheinblüte; zwar nicht für die Großindustrie, aber für die Arb-iterl..Viel" Geld wurde verdient, wir wurden Millionärs, Milliardär«, Billionäre, aber Bettwäsche. Handtücher, Lcibtoäsche, Betten und Hausrat tonnten die wenigsten in dem Maß« ersetzen, wie es erforderlich gewesen wäre. Sa irisst diese Krise die Arbeilerklass- doppelt lstirt, weil sie ausgehungerter, ausgepowerter und deshalb wehrloser ist, als sie jemals war. Di-j« Krise trifft die Frauen der Arbeiterklasse aber besonders. Das deutsche Arbeiterelend ist riesenhaft: daß es»ns mit seinem Elend nickst so ins Gesicht schreit, baß Verwahrlosung und Zerlumpnnq nicht massenhaft auftreten, ist nur den Arbeiter- f r a u e n zu danken, die das Wenige an Hausrat, an Kleidern und Wäsche mühevoll zusammenhalten, jedes Fetzchen Stoff verwmden, durch Waschen und Stopfen die größte Schäbiakrit verwischen. Hier ist ein« Erscheinung, die für d!« Lebenskraft und den Ordnung?- fmn des deutschen Volkes im allgemeinen, der deutschen Arbeiter- frau im besonderen Zeugnis ablegt. Dies« Erscheinung soll u-n» freuen. EI« soll uns aber auch nachdenklich wachen: C i n m a k erschöpft sich jede Kraft! Darum soll sich die S-lbstlülse der Arbeiterklasse entfalten. Dazu sind alle verpflichtet, die selbst nickst vom Unglück betroffen sind; ihnen droht das Unglück der Cr- werbslosigkeit auch einmal, dann werden die Rollen vertauscht. Dar» über aber darf nicht vergessen werden, daß unser Kämpfen nach wie vor dem Kapitalismus gilt. Nach dem Krieae und dein Zusammenbruch der alten Mächt« in Deutschland erhofften viele den Sieg der sozialen Revolution. DI« Arbeiterklasse war noch nicht stark genug, wichtig« Machtm-ttel in den Händen zu behakten: sie war nicht einig und geschlossen. An- scheinend siegt das kari'a! istisch- egoistische Prinzip über das(ona- Ustisch-altruistlsche. Anscheinend! Der übermütige Anhänger kanita- listischer Gedankengänge soll nicht zu früh jubeln: Di« Arbetterklasse verzweifelt nicht! In ihrer Niederlage von heute liegt der Ausstieg von morgen. Zertreten kann sie kein Kapitalismus, auch wenn seine Vortreter jubeln, ilnserd Organisationen werden wachsen; mehr obe-— ,stm niird irinmphiercnl Clijabeth K i r s ch m a n n- R ö h l. (in„Die arbeitende Frau", Köln.) Das Schicksal einer �mme. Bon L« o N o s-e n t h a l. Die Mühlsteine des Lebens haben schon so manches Menschen- ichictsal zerrieben— mehr als«in Franenschlckstsl. Von diesen Tragödien des Alltags, die in aller Still« lautlos sich abspielen, sind pielleicht die der kleinen Hausangestellten die schmerzlichsten. Von Hn.i zu Zeit nur kommt es zu gewaltsamen Ausbrüchen— dann k�fit grelles Blitzlicht die von Selbstsuäst geblendeten Augen der Mitmenschen, schlägt es wie ein« ferne Warnung an ihr« verbreche- »isch tauben Ohren.... Findet die Fabrikarbeiterin trotz aller Kümmernisse des Lebens m den kleinen Freuden und Sorgen ihres noch so armseligen Heims einen Ruhepunkt, so ist die Hausangestellte auch dieser einzigen Zu- stuchi ihres oft so freudlosen Daseins beraubt. Ohne Zärtlichkeit. Freude und Wärme in einem Alter, wo dieses ein besonders organi- xhes Bedürfnis ist, verkümmert und verkrüppelt das junge Menschenkind seelisch: nur selten erhält es in fremder Häuslichkeit Ersatz. Ohne Eigenleben, immer unter fremden Menschen, darauf angewiesen, ihre Interessen stets denen anderer nnterzuord- nen> das Helm der„Herrschaft" zu dem ihrigen zu machen, vergeudet sie später, zu einer Zeit, wo Liebesleben und Mutler- Instinft triebhaft zu wirken beginnen, nicht selten Ihr« Anhänglichkeit Und Liebe ollein an das Ihr anvertraute Kind oder an einen lin° würdigen und gewissenlosen Mann, von dem sie Erlösung aus ihrer Sklaverei erhofft. Plötzlich, unerwartet für sie selbst, ereilt die eine oder die «mdere das Verhängnis. Ein Haides Kind noch, an irgendeinen kloiincn Plagegeist Tag und Nacht gefesselt, zündet die eine, von un- ftlllbarem Heimweh gepeinigt, das Haus an oder tötet das unter einer Obhut stehende Kind. Die andere, ein„Dienstmädchen" viel- leicht, stiehlt in gesteinten Stunden ihres freudlosen Daseins ein paar Augenblicke flüchtiger Seligkit und büßt hinterher als Kindes- Mörderin oder für Abtreibung der Leibesfrucht ihr kurzes Liebes- glück stinter Gesängnismauern. So rächt sich die filtsome Gesellschaft mitunter grausam an diesen„schuldlos Schuldigen".... Diesmal ist es die 37jährige Dora Sadler, die das Schicksal zermalmt hat: Londoner Geschworene haben sie zum Tode verurteilt.... Als Frau Katzinonn Ihr erstes Töchlerletn zur Welt brachte, wurde Dora Eadter dessen Amme. Sie hegte und pslegte das Kind, als wäre es ihr eigenes. Was statte sie denn auch sonst Noch im Leben außer der kleinen Sonja? Mit dem Kinde wuchs »u eh dessen Liebe zu ihrer„Nurse" Dora: sie war ihr mehr als die laidliche Mittter. War es etwa Doras Schuld? Ebensowenig wie die Schuld der Mutler: Kindngefiihle folgen ihren eigenen Gesetzen. Die Mutter aber war neidisch auf die Amme, der die Sonsa mehr zugetan war als ihr selber! die Ämme eifersüchtig aus die Mutter, Wc die Zärtlichkeit des Kindes nicht missen wollte. Ein zweites Kind kam zur Welt: Sonja blieb nach wie vor der Liebling der Amme. Am Vorabend der imseligem Tat. zu Besuch b«i fremden Leuten, droht die Mutter dem Kinde mit Schlägen. Da bricht es in Dora los: Was. ihre Sonja schlagen. In ihrem Zorn vergreift P«(Ich an der Frau. Da wird der Amme gekündigt. Ein wilder Kampf tobt in ihrem Innern. Was nun tun? Ihre Sonja verlassen, alles, was ihr das Leb«» wert macht: sie gar dieser Muli«? über- lasstii, die dem Kinde mit Schlägen droht.... Am andere» Mar- gen findet man die Gashöhne i>n Kinderzimmer offen, die vier- jährig« Sonja tot. die Amme und die sseben Monate alte Kleine bewuhllos. Im hinierlasjenen Briese ist zu lesen:„Ich habe beschlossen, di« kons-, mitzunehmen, da sie es bei ihrer Mutter nicht gut haben wird." Im Kremkenhous, wo sie sich nur langsam vou der Ber- gistirnq erholt, äußert sie sich im gleichen Sinne. Sachverständige, vom Gericht geladen, finden sie geistig minderwertig, äußerst leicht reizbar, st ci isch vollkommen überspannt— wie wäre auch anders als durch hellen Wahnsinn die grauenhaste Tat zu erklären, bat man ihr überhaupt ein Kind anvertrauen dürfen?—. dach für die Tat vor dem Gesetze verantwortlich. Unter den Geschworenen be° fti.det sich gar eine Frau, die sich im Seelenleben Ihrer Leidens- Sesiihrtin auskennen müßte— der Eindruck, den die Verhandlung aus sie macht, ist ein so starker, daß ste eine Ohnmacht überfällt. Die Dora Sadler wird aber trotz allem zum Tode verurteilt. Kein Gnadengesuch d«r Richter folgt ihr ins Gefängnis. Das Beil des Henkers soll ihren Kops vom Rumpf trennen. Grausames mittel- «lterliches Gesetz, das den Mord am Menschen zum Ausstuß höher«r Gerechtigkeit erhebt! Dora Sadler hat den Tod der kleinen Sonja verschuldet. Sie wurde sich stlbst zum Richter, als sie sich dem Tode geweiht. Hatte man st- zum Leben erweckt, um sie nach qualvollen Leiden doch zu morden? Der Fall spricht Bände. Nock» Immer können sich die„Kultur- Völker" nicht von der zwecklosen, durch das Gesetz selbst geforderten Todesstrase lossagen. Auch in Deutschland übt noch der osslzstll bestell!« Henker sein trauriges Handwerk— an Mann und Frau, »n jung und alt. In England ist es das zweitemal in den letzten Monaten, daß eine Frau hingerichtet werden soll. Wer weiß, vielleicht trägt der Abscheu, den diese Einrichtung in der Oesftnt- ljchkeil heroorrus-n muß, zur Abschaffung der Todesstrafe bei. Mit Ihr ein Ende zu machen, wäre eine Aufgabe würdig der Arbeiter- regiernng. Waren es doch auch im Deutschen Reichstage nur die Arbeiterparteien, di« geschlossen. gegen alle Bürgerlichen'"r d!« endgültig« Abschossung der Todesstrafe gestimmt haben.! Ssöanßekspsitter. Die Frauen sichren uns. Laßt ste uns vollkommen inachenl Je mehr Einsicht sie haben, desto«mfgekiärter werden sie werden. Aus der geistigen Kultur der Frauen beruht die Weisheit der Männer. C h« r i da u. Echesz und Ernst rv-V jS ooao�gjGocacoccooaeg io�Lro-jsaooccy Resse und Onkel. Man� kennt die herzigen Witz« aus Kinder- mtrnd. Dos allerherzigste tolücf aber hat neulich der kleine Nesse des Herrn S t i n n e s produziert. Fragt:„Sag»tat, Onkel, was macht der Unternehmer eigentlich, wenn er nicht zurechtkommt?" „Dami schmeißt er einfach die Arbeiter raus," belehrte ihn der kundige Onkel.„Und wenn nun die Arbeüer nicht zurechtkommen," fragt der Kleine weiter,„dann schmeißen sie einfach die Unternehmer raus, ja?":ß sie allein, und mit Absicht ließ sie die Hühnerbeinchen aus dem Tisch liegen. Als der Mann heim kam. sah er sie an und sprach:„Frau, du hättest mir doch etwas von dem Huhn ausheben können." Die Frau antwortete: „Du hast mir dach das Denken verboten I Darum durfte ich nicht an dich denken." Daraufhin ließ er von dem Verbot ab. Christlich Chinesisch. Das chrtstlichfoziale„Linzer VGtsblott" bracht« m seiner Weihnachtenunnner die Nachricht, daß ein Salvatvrkmer Paler P. Ansger Glück aus Nassau das Aed„Stille Rocht" ins Chtnesisth« übersetz! hat. Tie Rvttz führt auch den chinesischen Text des Weihnachtsliedes an, der da laut«': Zu klang fn sts Hang je Itnang tscheuk Rung tiäh tsin loe Scho ju lln>ep Am? tseng tsche s«s Ae ju schling we. Das iroiume Blatt icheint einem argen Schalk oufgelessen zu sein oder aber, es hat in einem Anfall von Selbsterkenntnis sein« Leser und Mitarbeiter mit dem riästigen Namen belegt. Dir An- fangs- und Endbuchstaben des chinesischen Weihnachtsliedes ergeben nämlich di« in diesem Falle sicker zuiressend« Anrede: ,.I h r Schafsköpfei" Drakonische Gesehe. Es sind gerade hundert Jahre her. daß man in England die letzten Selbstmörder am Kreuzwege be- grub, mit einem spitzen Holz durch den Körper. Im solgenden Jahre milderte sich, wie wir in der„Franksurter Zeitung" lesen. der Brauch dieses christlichen Landes insofern, als man den Unglück- liehen ein Begräbnis zugestand, jedoch zur Nachtzeit und ohne christ« llchen Ritus. Vielleicht ist die ciqcutütnliche Stellungnahme der Coronners-Iurii gegenüber dem Selbstmord diesen horten Ge- brauchen zuzuschreiben, denn die Rechtsprechung erkennt nur auf „Selbstmord während zeitweiliger Geistesstörung", wenn sie nicht anders kann; in allen übrigen Fällen aus„Tod durch Unglücksfall", mit Rücksicht, wie man sagt, auf die Angehörigen des Verstorbenen. Einen Selbstmord aus freiem Entschluß gibt es für di« Jury nickt. Furchtbar waren zu jener Zeit die Strafen für jede Art van Ver- gehen. Auf zweihundert Verbrechen stand die T o d e s st r a f«. Man wurde gehängt, wenn man nur einen jungen Baum umhieb, ebenso wenn man Bankerott machte, oder wenn man jemandem mehr als einen Schilling stahl oder aus einem Laden mehr als fünf Schillinge entwendete. Die Geschworenen kamen deshalb bei Ladendlebstählen oft zu dem Schluß, daß die Ware weniger als fünf Schillinge wert sei, während es aller Augen klar wer, daß sie einein Wert von taulend Schillingen oder mehr hatte. Diese drakonischen Gesetze ver- nichteten ihren Zweck, da man sich, wie das englische Sprichwort jagt, „ebenso gut wegen eines Schafes hangen lassen konnte, wie wegen eines Lammes". Mit anderen Worten: es war sicherer und aus- fichisvoller, auch das größte Verbrechen zu begehen, wenn man sich auf diese Weise sichern konnte, beim die Strafe blieb die gkickte. Die Aufgeklärte. Onkel zur zehnjährigen Nichte:„Wirst du heiraten, wenn du aroß bist. Clschen?"—(E Ischen;„Nein, Onkel. aus keinen Fall. Mutti sagt, meist gehen sie wieder auseinander, wenn sie ein Jahr tun heirate! sind, und dann sitzt man da mit vier unversorgten Kindern!" Ein kleiner haken. Fräulein Drilldop, ein ältliches Mädchen. erzählt:„Ach ja, Frau Jesocks, ich hält auch als längst heirohd« könne!"—„Ja, üwer woröm dann hon Se bat nit getan?"— „Och, e r wollt nitl"-- Wasser tut's freilich...„Wieviel Milch geben denn dein« Kühe?"—„Ungefähr 20 bis 30 Liter."—„Und wieviel verkaufst du davon?"—„Fünszigi" Das Remiplerd. Ein Sportsinann Hit die Angewohnheit,� bis- weilen Im Schlafe zu sprechen. Neulich passierte es ihm, daß er. laut und vernehmlich, mehrmals:„Irene! Irene!" ausrief. Sein« Frau, die auf einen ganz anderen Namen hört, stellt ihn am nächsten Morgen zur Rede. Er antwortete, Irena sei der Name eines Renn- Pferdes. Als er einige Tage später nach Hause kam � und sich erkundigte, od sich irgend etwas Wichtiges ereignet habe, versetzte sein« Frau trockenen Tones:„Nein, gar nichts. Nur dein Neni�iferd hat zweimal tclephoiissch angefragt, ob es dich sprechen könne. �ugeuöZerichtstag. ' Alles was Gericht heißt oder mit dem Gericht zusammenhängt, flößt viel«» Frauen Furcht ein. Dos Verhalten der Mütter bei den Verhandlungen ist charakteristisch dafür, Das Jugendgericht ist eine staatlich« Einrichtung zum Schutze Jugendlicher. Schauen wir einmal einem solchen Jugendgerichtstag zu: Der Richtertisch ist ebenso wie beim Schöffengericht mit einem Richter, zwei Schöffen und dem Vertreter der Staatsanwaltschaft besetzt. Trotzdem besteht zwischen beiden doch ein großer Unterschied, iveil nämlich die Schöffen beim Jugoudgerichtshof a u f A o r f ch l a g des Jugendanitcs gewühlt werden und den: etcrereter des Jugendamtes der Zutritt zur Verhandlung gestaltet werden soll. Das Jugendgericht sieht in dem Angeklaglen oen fungen Menschen, der entweder durch schlechtes Beispiel oder aus ilmiber- legtheit zu der Tai gekommen-st und darum nicht ohne weiteres nach den Bestimmungen des Strafgesctzbnch-s bestraft Vierden sollte. Durch die Jngendgerichtshilse. die jetzt von den Jugendämtern aus- geübt wird, erhält der Richter ein Bild der Umstände, dl« den Jugend- iichen zur Tat veranlaß! haben. In der Verhandlung herrscht das Benmßlsein vor, doß der junge Mensch einer Versuchung zun: Opfer fallen kann mch daß er um dieser einen Schuld willen nicht für sein ganzes Leben mit dem Stigma„Vorbestraft" beloste! werden soll. Die meisten Vergehen sind„Diebstähle"— aus den Betrieben mitgenommenes Ma'crial, Messingteiie, Blei, Wolle usw.. das»maus- fällig eingesteckt und dann andenoeitig vertaust wird. Man könnt« diese Materialentivendung in den Betrieben beinahe als eine Zeit- hrankheit bezeichnen. Der suggestiven Gefahr der Uebertragung fallen viele Jugendliche zum Opfer. Als der Richter einen Jungen, der wiederholt Messingteile aus dem Betrieb, wo er arbeile!e, miigsnoiiimen hatte, fragt«, wozu er das erlöste Geld verwendet habe, da sagte er:„Zu Zigaretten." Der Staatsanwalt sieh! in dieser nnthrfachen Materialentwenduno schon einen länger durchgesichrteii und fortgesetzien Diebstahl, und vcantragt eine Woche Gefängnis und 15 Goldiuark Geldbuße, foivie Prägung der Kosten. Ehe die Richter sich zur Beratung zurückziehen, kann de? Ange- klagt« selbst noch das Wort nehmen zu seiner Entschuldigung. Doch Oer Junge ist entweder so scheu oder so gleichgiittig. daß er von diesem Entgegenkommen keinen Gebrauch macht. t Die W-U-tt« r des Angeklagten, die nun auch noch das Wort zur Verteidigung �ihres Jungen ergreifen kann, steht dem Ganzen ratlos gcgeniiber Sie hat nur das eii-e begriffen: 15 Goldniark be. zahlen und außerdem noch die Kosten des Verfahren s. Weinend erzählt sie nun, daß sie doch Witrve und arbeitslos sei, nur die Eriverbslosenuntersiützung habe und nicht wüßte, wovon sie die Geldstraf« bezahlen sollte. Die beantragten 8 Tage Gefängnis berühren sie anscheinend gar nicht, oder ist es ihr nicht zum Bewußtsein gekommen, was es für einen jungen 17jähriaen Menschen bedeutet, mit einer Gefängnis- strafe belastet, seinen Lkbensweg weiterzugehen? Die Seichter ziehen sich zur Beratung zurück, ihr Urteil ist mild. nur 1t» Mark Geldbuße, die der Angeklagte auf Antrag in Raten abzahlen kann. Ein anderer Junge, der 14 Tag? vor Beendigung seiner Lehr- zeit alte Bleiabfälle in der Fabrik enlwendet«, um sich Obst kaufen . zu können, hat mit dieser einmaligen Unehrlichkeit seine gan-e Lehr- zeit verdorben. Der Richter schüttelt den Kopf darüber und fragt den Jungen, ob er d-enn gar nicht daran gedächt habe, daß er sich mit dieser Tat seine ganze Zukunft verderben könnte?— Nein, daran bat er nicht gedacht, die anderen hätten es ja doch täglich getan. Ach ja. die anderen! Wer sind diese anderen? Bist du es Vater oder Mutter oder Bruder? Es sind unendlich viele, diese„anderen". Und wir alle wissen, daß es für den Armen sehr schwer ist, ehrlich zu bleiben und der Versuchung, durch ein« Materialentwendung sich einen Nutzen zu oerschasse», nicht zu erliegen. Der Staatsanwalt ist in diesem Fall ganz und gnr nur Mensch: er beanii-agt selbst Freisprechung des Augeklagten. da er ja durch die Beriiichiung seiner Lehrzeit schon selbst genug bestraft ist. Die Richter sind derselben Meinung und der Junge erhält nur eine ernste Verwarnung. So schützt das Jugendgericht de» jungen Menschen soviel als möglich vor der ersten Bestrafung, ober sobald eine Wiederhrlung - stattfindet, ist auch die milde menschliche'Auffassung der Richter mchd mehr Zu erwarten, da sie dann ja keine nnüberleg!«.stoudlung mehr erkennen können. Was unsevcr Jugend fehl! ist Erziehung. Erziehung ist Bei- spiet- und Liebe. Daran wollen mir. müssen wir Eltern immer denken und durch unse? Beispiel die Jugend vor Unehrlichkeit l>e hüten. Fr. Sch. fiuf üer Straße. Großftadtkinder spielen im Somiensche!» Zwischen grauen, berußten 5?äi!serre!hn. Raichen einander und lachen und lärmen im Spn'i Blonde und dunkle Köpfchen im wirren Gewühl. 5>agere Aermchen, so hager, eckig und flink. als ob ums Glück für das ganze Leben es ging. Dürre Beinchen hüpfen, als seien sie bezahlt— blasse Wangen hat zögernd hauchendes Rot übermalt! Und die Augen!... 5)abl ihr in die Augen geschaut? Seligkeit hat sie mit schimmerndem Glanz überblaut? Arbeiterkinder der Großstadt im Sonnenschein spielen zmifcheu den rußigen Häiiserreihn. Ludwig L< i i< n. Unser Jahr. Das gegenwärtige Mets«« Jahr der ch ristlichc u Zeitrechnung wird von Ehristi Geburt an gerechnet. Es ist ein tnhaliiahr von 356 Tagen oder 52 Wochen und 2 Tagen und begann am Dienstag. den 1. Januar neuen Stils, welcher Tag dem Ist Dezember 1923 im alten Kalerder entspricht. Im alten Kalender beginnt das Jahr mit Btonlao, den i Januar, entsprechend dein 14. Januar im neuen Kalender Der A. Dezember 1V24 alten Stils entspricht dann dem 13. Januar iv25 neuen Stils. Die griechische Kirche zählt ihre Jahre seit Erschaffung der Welt räch der sogenannten byzantirckschc» Aern. Sie setzt die Epoche der Mttschöpsung auf den l. September des Jahres 55l>9 vsr Christ- Geburi und beginnt ihr 74Z2sl.es Jahr mit- dem l. S-ep- tonbci- atien oder 14. September neuen Stils unseres 1923ften Jnhres Die B» Ifen zählten ihre Jahre nach dieser Aera bis zu 'Peter snu Große». Seid dem Anfange des achtzehnten Jahriiun-. berts bedienen sie sich unserer Jahreszahl, seit der Sorojetherrschaft ist auch die sonstige Zeitberechnung nach dem neuen Kalender eingeführt. Rur aus dem Lande rechne» die Bauern teilweise«och nach dem ölten(julianischeitt Kalender. - Die I u d e n wählen ihre Jahre seit Erschaffung der Welt. So?; l-eg innen ihr üLLststes Jahr mit dem 11. September im Es ist■ eZn ordentlich:- Schaltjahr von tM Tagen. Am 29. September 1924 beginnt ihr 5685fkc Jahr, welches ein überzählig.'? Gemein- jähr von 355 Togen ist und mit dem 18. September 1925 endet. Di« Ära b e r, B« r s e r, T ü r k«» und die anderen Bekenn-: r des mobanmzedanischen Glaubens zählen ihre Jahre seit Mohammeds- Auswanderung von Mekka nach Medina. die von ihnen hidschred genannt wird. Ste beginneip-am 14.'August 1923 ihr lZ42stss und am 2, August 1924 ihr 134gsl> s Jahr, welches beide Gemeiu- jähre von 354 Tage» sind. Die ausgewanderten Wilüenten. Bei der Ente haben wir dos große Glück, ihre Stammelkern, die Wildente, und zioar die Stockente, seit»nehr als einem Menschenalier im Berliner Tiergarten beobachten zu können. Jetzt freilich sind die Gewässer fast entenleer. Früher waren die Gewässer zu sehr lefttzl, und dos hatte aller- iei Unztttragtichkeithn tni Gefolge. Jede Eni« braucht für ihre Nach- tommenschaft«uen gewissen Ramn. So gab es also um die Brut- platze erbitterte Kämpfe zwischen den einzelne» Entenpaaren. .statten die Besitzer eines Brulplatzes glücklich ein andringendes Paar abgekämpft, so dauerte es nicht lange und sie mußton sich gegen neue Eindraigünge wehren. Das Jagen der Erpel Hinlsr den Enten nahm gar kein Ende. Durch die viel zu starke Besetzung der Gewässer litt auch das Famiüenlebeu der Enten sehr erheblich. Das ist mit einem Schlage durch den Weltkrieg und den Man- gel an Lebensmittel» anders geworden. Die Wildenten leblen im Tiergarten nicht wie ihre Artgenossen in der Freiheit von dem, was das Wasser bat, sondern hauptsächlich von dem, was das Publikum ihnen spendete. Das war in vergangenen Iahren sehr reichlich, und deshalb konnten sich zahlreiche Wildenten als Bettler durchschlagen. , Jetzt ist aber d-e Futteruiiq durch die Spaziergänger gleich Rull »'worden. Die Gewässer sind jedoch zu»ahrunqsarm, ui» soviel Wildenten zu ernähren. Fotgtich wurden die Wildenten zum größte» Teil gezwungen, auszuwandern und anderswo ihr steil zu ver- suchen. Aus Th. Zeil:„Unsere staustiere". Rätsel. Oben spitz und unten breit,. Weiß mein Leib und blau mein ftteid, Durch und durch voll Süßigkeit. Kleiner- als die Maus. - trägt-«hv- eigne?-stau«.