Frauenstimme !Nr.7.»I.?ahrgang I"BcHdQC ZUM UOtlüStfe| S. ftpril ,924 Von jeder»Vorwärts�-Lejerln ist anzunehmen, daß ste in der Wahlzeit darüber nachdenkt, wi« sie der Kozialdemotmtischen Partei imWahlkampf h« Ifen, d. h. wi« sie Wählerinnen für sie gewinnen kann. Erster Grundsatz muß fein, selbst sattelfest zu werden, um in der Kletnagttation und im Verkehr mit Geschlechtsgenossinnen freundlich und sicher auf Einwürfe erwidern zu können. Deshalb: Besuch aller Wählerversammlungen und täglich den Leidartikel und die politischen Rachrichten lesen, darüber nach- denken, mit dem Mann und Freunden über Einzelheiten sprechen. Vor allem: Besuch der Frauenabend«. Dort werden solche Fragen durchgesprochen, die die Frauen besonders bewegen, z. B. Erziehungs- und Schulfragen, Berufswahl für Knaben und Mädchen, Gesundheitspflege, Säuglings- und Kleinkinderschutz, das Fürsorgewesen u. a., aber all«, in einer Form, die die Verbindung zwischen dem Leben der einzelnen und der Gesamtheit beleuchtet und die Einwirkung der Politik auf das Leben der Frauen und Mütter loiderfpiegelt. Geht sedoch nicht allein in die Frauenabende. Nehm» die Nachbarin, die Schwester, die Kollegin, die erwachsene Tochter mit. Benutzt die Wahlzelt, um recht vielen Frauen die Ideen des Sozialismus näher zu bringen. Wollen wir siegen, müssen wir arbeit««! In den Frauenabenden wird auch besprochen, wie wir uns an den einzelnen Wohlarbeiten beteiligen können. Zum Beispiel bilden die Berliner Genossinnen einen besonderen Wahlausschuß für das ganze Groß-Berliner Gebiet. Di« Abteilungsleiterinnen tu» in ihrer Abteilung da» gleich«. Dort wird besprochen, wi« die Die Wählerversammlung unö öle Zrauen. Muß die Frau in die Wählerversammlung gehen? Sind nicht tausend Arbeiten'm Hause und besonders j«tzt im Früh- tahr auf dem Laubengrundstück zu erledigen, bi« wichtiger sind? Darf sich da die Frau überhaupt die Zeit nehmen, die Hände in den Schoß zu legen und ein paar Stunden long den Worten eines Redners zu lauschen? Vernachlässigt sie dadurch nicht die Ernährung, die Kleidung ihrer Kinder, die Ordnung ihrer Wohnung? Um diese Fragen zu beantworten, gilt es zunächst die eine größer« z» beantworieu: was ist da» Wahlrecht? Das Wahlrecht ist da» höchste Recht der Volksgemeinschaft, ge- geben dem einzelnen Staatsbürger, um über stch und sein Schicksal selbst zu bestimmen; da» Wahlrecht ist die höchste Pflicht für den einzelnen Staatsbürger, ernsthaft zu prüfen, welche Parteirichtung sein Wohl und da» Wohl seiner Mitmenschen am besten wahrnimmt, und dadurch bedeutet da» Wah'recht die größte jedem Staatsbürger auferlegte Verantwortung! Dieses Wahlrecht hat die Frau seit ISIS. Vorher zählte sie zu den Kindern, den Unmündigen, denen man dieses Recht absprach. In Deutschland» schwerster Zeit ist Ihr dieses Recht endlich geworden. ist diese Verantwortung auf ihr« Schultern gelegt. Mehr als je hängt in der heutigen schwierigen Zeit ob von einer Wahl. So wichtig die Sorge der Mutter für die Ernährung, für die Erziehung ihre» Kindes ist. so groß der Unterschied zwischen der guten, sorgsamen und der gleichgültigen Mutter: letzten Endes kann die Frau ihren Kindern nur das geben, was der Staat, die Volks- gemeinschast zu geben sie in den Stand setzt. Deshalb ist das Erst« und Wichtigste, die höchste Körperschaft zu bestimmen, in deren Hand die Macht liegt, über das Schicksal von Millionen Männern, Frauen und Kindern, über die Arbeitsbedingungen der die Werte schaffenden Männer und Frauen zu entscheiden! Vahlarbeit. Flugblätter, wie die besondere Zeitung der Frauen,„Die Wählerin", verbreitet werden soll. Sollen die dort gefaßten Beschlüsse Wirk- lichkeit werden, will jede Genossin der Sozialdemokratie den Wahl- sieg sichern helfen, werden Tausend« von willigen Händen gebraucht, um diese Arbeiten zu bewälttgen. Bor den Warenhäusern und Fabriktoren müssen wir stehen und arbeiten. Aber das nicht allein. Nehmen wir uns ein Beispiel an den englischen Genossinnen, die die hauptsächlichste Wahl- arbeit in der Agitatton von Tür zu Tür betrieben hoben. Sie haben nicht nur die Zeltungen. Flugblätter und Wahlbraschü-en durch den Spalt gesteckt, sondern es sich zur Aufgabe gemacht, die Frauen einzeln zu sprechen Sie haben sie nach Abgabe de» Flugblattes noch einmal besucht und gesprochen und haben zu den dort üblichen Straßenversammlungen sämtliche Frauen der Umgebung persönlich ausgesucht und eingeladen. Dt« englischen Genossinnen haben e» sich zur Pflicht gemacht, während der Wahlzeit stets die Farben der Arbeiterpartei zu tragen, um so auch öffentlich zu bekunden, wofür sie werben. Sorgen wir dafür, daß Frauen der Arbeiterklasse die P r o l e- tarischen Feierstunden(an jedem Sonntag zwischen S und ö Uhr) besuche», damit ste kennen lernen, wieviel Schönes, Er- hebendes im Sozialismus steckt. Sorgen wir Frauen dafür, daß möglichst viele unserer Geschlechtsgen osstnnen die Arbeit der Kinder- gruppen und Arbeiterjugend kennen lernen, aber auch die praktische sozial« Arbeit, die in Berlin von vielen Hunderten von Genossinnen täglich für die Allgemeinheit geleistet wird. Genossinnen. Hände und köpfe regen, der Erfolg muß unser sein! Da muß dl« Frau ernsthaft prüfen, wem sie das höchste staats- bürgerliche Gut. das sie zu vergeben hat. ihre Stimme, geben will! Sie darf nicht meinen, aus diese ihr« Stimme käme es nicht an; sie darf sich aber auch nicht gleichgültig und müde vom Mann, vom Vater oder gar vom Arbeitgeber zur Wah'urne führen lassen! Sie selbst muß in sich die verantworiung fühlen; denn weil wir Frauen die Mehrheit der deutschen Wähler bilden, darum ist unsere Ver- antwortung doppelt groß! Deshalb hinein in die Wählerversammlungen. Ihr Frauen! Zeigt, daß Ihr Euch Eurer Verantwortung bewußt seid! Zeigt, daß jene Im Unrecht sind, die«» für einen Fehler halte«, daß Ihr das Wahlrecht erhallen habti Zeigt, daß die Zeit Eurer Unmündigkeit vorbei ist und Ihr Schulter an Schutter mll dem Manne entscheiden wollt über Euer und Eurer Kinder Schicksal! Luise Schröder. Die Frauen in öer Gesellschaft. Die sozialistische Geselljchastsvrdnung bildet sich nicht, um prole« tarilch zu leben, sondern um die proletarische Lebensweise der großen Mehrzahl der Menschen abzuschaffen. * Es handelt sich darum, die sozialen Zustände i» der Weis« zu gestalten, daß jeder Mensch die Möglichkett zur vollen, unge- hinderten Entwicklung seines Wesens erhält. Bebel,„Die Frau und der Soziallsmus." » Es gibt kein« Befreiung der Menschheit ohne die sozial« Unab- hänglgkeit und Gleichstellung der Geschlechter. Bebel. * Auch der genialste Mann wurde von einer Mutter geboren, der er oft das beste, was er besitzt, verdankt. Mit welchem Recht« will man also der Frau die Gleichberechtigung mit d?m Mann« ver- sagen? Bebel. Die junge Zabrktarbeiterin. Frühmorgens, wenn es sechs geschlagen, Kommt sie im schlichten ArbeitsNelt», An Sonne«, und an Regenlagen. Zur Sommer- und zur Winterszeit. So munter kommt sie hergegangen, Als ging e» stracks zur Tanzmusik, Mit hellen Augen, roten Wangen, Ein junge» Madchen der Zabnk. St« tritt mit einem trohen£ Schein An ihre» Tages Last und Qual. Es geht von ihr wie Frühlingssächeln Durch den verstaubten Arbeilssaal. Manch Zugcndglück bleibt Ihr oerschloflen, Umsonst lockt sie der Sonnenschein And dennoch steht fie uaverdrossen Auf ihrem Plah jahraus jahrein. Sie steht allein in dem Betriebe, wo sie sich durchzuringen hat. Ach. auch die gröfztc Mutterliebe Reicht nicht bis in die Arbeitsstatt, hier kann die Frechheit fie verletzen, Kein treues Auge sie bewacht— Zur wehr muh sie sich selber sehen Und freut sich ihrer jungen Kraft. Und den» och schürzt sich manche Lippe Und sprich« mit kaum verhehltem Hohn: „Es ist doch nur die aste Sippe Aus der Fabrik. Das kennt man fckon." Dann spinne» weiter sie das Fädchen von Kunst und Grütze, Ehr und Ruhm— Und doch, in jedem armen Mädchen Da liegt das wahre Heldentum. E m m a D ö l tz. Der Frauentag in Oesterreich. Mag sein, daß viele Genossen und selbst Genossinnen erstaunt oder auch mißbilligend gesragt haben, was fällt den Oesterreicherinnen «in, sie haben doch das Wahlrecht, sind ganz gleichberechtigt— zu- mindest steht es so in der Verfassung— und trotzdem machen sie einen Frauentag! Ja. wir haben chn gemacht, freuen uns darüber und sind stolz darauf. Denn wohl selten hat«in internationaler Beschluß solche Wir- kunge» ausgelöst zum Vorteil der Partei wie der von Hamburg im Mai 1923, wieder wie vor dem Krieg einen internationalen sozio. listischen Frauentag abzuhalten Wenn man B-'geisterung und Jubel messen könnte— ich weiß nicht, wozu man greifen müßte, um dar- zustellen, wie für diesen Frauentag gearbeitet wurde und wie er ausgefallen ist. Ohne Uebertreibung können wir sagen, daß wir durch die Frauentagsoersammlungen, von welchen weit über hundert stattgefunden haben, mindestens 50000 bis 60 000 Frauen erfaßt haben. In Wien und im ganzen Reich. In Wien allein haben mit den vorbereitenden Versammlungen 46 Frauentagsversammlungen getagt, in den großen Bezirke» sind LOOO bis 6000 Frauen gekommen, und es hat keinen Saal gegeben, der groß genug gewesen wäre, um die Fraueumassen zu sassen. die vielfach in geschloffenem Zug, an der Spitze die Musikkapelle des Republikanischen Schutzbundes, voran die roten Fahnen und Stan- fcorttn der Bezirke durch die Straßen marschiert sind. Das Programm des Tages war überall ein festliches; Musik. Gesangsvorträge, Rezitationen. Sprechchöre der Mädchen von der Lugendorganisatmn und im Mittelpunkt die Frauemagsocde einer Genossin. Im übrigen haben auch führende Genossen, so Bürger- meister Seih und andere, Referate übernommen. Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß sich die Zahl unserer weiblichen Mitglieder seit den Wahlen vom Oktober 1923 um mindestens 30 000 vermehrt — in Wien allein um mehr als 20 000—, ja können wir schlie- , daß sich nach dem F raumtag diese wieder vervielfachen wird. Mo» darf nicht verkennen, die Frauen sind mit Stolz gemein- sam mit den Genossen organisiert. Sie erscheinen bei allen Klmd- gedungen in großer Zahl, aber der Frauentag ist ihre Sache, ist Frauensach«, da werden Taufende ersaßt, die zu den allge- meinen Peranstaltungen nicht kommen. Da die Frauen durch Hjrc geistig zaghaftere Einstellung im Kreise der Männer selten so zur Geihtng kommen wie es ihrer Zahl entspricht, mußte der Frauen- tag zu solchem Enthusiasmus und zu solcher Begeisterung führen. Die Frauen haben gezeigt, sie haben dargetan, was sie leisten können und ihre Energie wird dadurch noch mehr angespornt sein. Im Vordergrund der Frauentagsversammlungen stand der Grundsatz: die FraiK» mit dem Bewußtsein jener Rechte zu erfüllen, die sie durch die Revolution gewonnen haben. Den» das darf man nirgends verkennen, daß gerade die u n p o l i- tischen Frauen ihre staatsbürgerliche Gleichberechtigung viel- fach hinnehmen als etwas, das nun eben da ist. Sie sollen aber wissen, was es für sie bedeutet. Wählerinnen zu sein. Dazu hat der Frauentag beigetragen. Zur Unterstützung der Propaganda hat das Frauenreichskomitre eine Festschrift herausgegeben, die binnen weniger Tage in 53000 Exemplaren verkauft war.«he noch der Frauentag vorüber war. Zu de» Forderungen, die zum Frauentag erhoben wurden, gehört in erster Linie der trweuerte Mutter-, Arbeiterinnen« und Kinderschutz, die Äenderung des Slrafgesetze», das die grauen als Mutier, vor allein durch die§8 U4— 148 schwer benachieiligt, es sind das die Paragraphen, die Kerkerstras« jeder Frau androhen, die aus sozialen oder gesundheitlichen Gründen wettere Kinder nicht gebären will. Dia Genossinnen Oesterreichs sind glücklich, datz sie der rentschen Sozialdemokratischen Partei und den Frauen aller Länder sagen können, datz der Beschlutz von Hamburg bei Ihnen diese überragend« agitatorische Wirkung getan hat, um so mehr, weil wir die Ueber« zeugung haben, datz jeder Fortschritt, jeder Erfolg in einem Land« auch dem anderen zugute kommt. Adelheid Popp. Kinöerselbstmorüe. Eikern- und Jugendberafangsstellen. Unter allen Anklagen, die soziale Mißstände gegen die Gesellschast von heute erheben, ist vielleicht die schärfste der Kinderselbstmord. In die Stätte, wo Lust. Freude. Licht Selbstverständlichkeit sein sollten, in die Seele des Jugendlichen, ziehen Oual, Pein, Finsternis«in... Bier Selbstmorde haben in den letzten Wochen wieder an das Go wissen der Erwachsenen gepocht. Ein fünfzehnjähriger Sekundaner stürzte sich aus dem Fenster des dritten Stockes des Schuiqebäubes, als der Klasienlehver mit der Mutter über sein« mangelhaste Zensur Rücksprache nahm. Die 17jährige P. beging einen Selbstmordversuch, weil sie von der Mutter geohrseigt wurde. Vom ersten hieß es. er sei ein frischer Junge gewesen, von der zweiten, sie habe sich schoi, öfter mit Selbstmordgedanken getragen. Die beiden anderen Kinder. tragödicn haben sich iu Wien abgespielt. Der 14jährige Realschüler O. verletzte sich schwer durch einen Schuß aus dem Revolver seines Baters. weil er zu Hau'c eine Strafe zu gewärtigen hatte. Eine 16jährige hat sich im Gefängnis erhängt, weil man sie als minder- jährig nicht unter Sittenkontroll« stellen wollte... Die Quellen der Selbstmorde in diesen zufällig herausgegriffenen Fällen liegen auf der Hand; Das sind Haus, Schul«, Lieblosigkeit, ungenügende Jugend- fürjorge. Die abgespannte, von Nahruugssorgen geplagte Mutter, der von Tages Mühen abgerackert« Vater, die es auch nicht anders gekannt traben, greisen allzu leicht zu körperlichen Züchtigungen und merken nicht, wie sie im Kinde seelische Konflikt« herausbeschwören, wie es zwischen dem Bedürfnis zu lieben und der Notwendigkeit zu hassen hin- und herschwankt. Im kritischen Zeitpunkt des Entwlcklurigsalters entsteht dann eine Entfremdung, die durch das geringe Verständnis für die natürlichen Forderungen des jugendlichen Alters noch ver- größert wird. Di« Eltern haben ihren Einiluß auf das Kind gerade in dem Augenblick verlmen, wo er am nötigsten gewesen wäre. Das gleiche gilt von der Schule. Nur selten entsteht ein irrniaes Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer, der nicht Erzieher und Bc- rater ist. In den größtenteils übersüllte» Klassen ist das Kind für ihn nur eins von vielen: ihm eine individuelle Behandlung zuteil werden lassen, kann er und versteht er auch oft nicht. Hier wird der Keim gelegt zur seelischen Dereinsamung, zur Abgeschlossenheil gegen- über dem Erwachsenen, der doch dem Kinde Freund sein sollte. Geeen- über dem höheren Schüler, dem Fortbildungsschüler. der Im Eni- wicklungsalter steht, insbe'ondere gegenüber dem psychopathisch ver- anlaqien, der sich allzu leicht in seine seelische Vereinstimung und In Konflikt« verrennt, erfüllt die Schule um so weniger Ihre Äusgabe. Im Gegenteil, sie verschärst oft noch die innere Zerrissenheit des Jugendlichen durch völlige Verständnislosigkeit für dessen Seelen- leben. Daher die Iugendselbstmorde. 727 junge Menschen von 15 bis 20 Iahren heben in Preußen im Jahre 1921 sich das Leben genommen, 828 im Jahre 1922: so zu lesen im Buche des Dr. Sauer über Jugendberatungsstellen. Kann In vielen Fällen weder Haus noch Schule Berater und Helfer der Jugend fein,'o wird es der Gesamtheit zur Pflicht einzuspringen, Stätten zu fchafien. wo Eltern und Jugendliche, in er st er Linie die Jugendlichen selbst. [Ich Rat holen könnten. Diese Ausgabe sollten Iugendberatungs« teilen erfüllen, wo Menschen, mit Liebe und Wissen um die Nöte der Jugend ausgerüstet, ihres Vertrauens würdig, ihr helfen, mit ihren seelische» Konflikten und ibren Konflikten im Elternhau'e fertig zu werden. Was wäre natürlicher, als daß in den Jugendämtern neben omrllch bestellten Jugendpflegern eine Reihe freiwillig«! Helfer, >» erster Linie Pädagogen, Aerzt«, ältere Leute aus der proletarischen und bürgerlichen Jugendbewegung, der Jugend und auch den E l t e r n mit Rat und Tat zur Verfügung ständen? Wie oft wünsck> ten die Eltern Ihren heranwachsenden Kindern mehr Verständnis entgegenzubringen, wisien aber nicht, wie es zri tun sei. Eine ein- suche Rücksprache mit einem wohlwollenden Menschen täte hier Wun- der. Also nicht nur Jugend-, sondern auch Eiternder a- tunqs st eilen müßten es fein. Da könnte so manches Verhältnis zwischen Estern und Kindern in der Familie gebessert werden. Wie aber der Selzule helfen? Ein Erlaß des preußischen Mini- sters für Wissenschast. Kunst und Volksbildung an die Provlnztal. schul tollcgien will auch hier Besserung schaffen. Er steht vor, daß die angehenden Lehrer In Zukunft während ihrer Ausbildungszeit sich eingehend mit dem Seelenleben von gelnnden und kranken Kindern besasien, daß sie sich auch einer Prüfung In der Ingendk'.mde unterziehen, und so zu wahien Erziehern werden. R. «< Selbst in den höchsten Ständen genießt die Frau nur ein« geheuchelte Achtung, zum Schein gehätschelt, in Wahrheit getticchtet, als unmündig In ihrem Vermögen angesehen, als volljährig nur in der Verantwortung für ihre Fehler. Beanmarch als. Vriefe an die-Frauenstimme' L-OQ rcOSaOOOaXDOQO Nur Einigkeit führt zum Ziel. Wcnn ich heute den„Vorwärts" und besonders die„Frauen- stimm«" lese, bekomme ich in meinen allen loflcn noch ficht, mich so zu betätigen, wie all« Genossinnen, die so schön schreiben. Ich bin stets der Partei treu geblieben. Nur wenn man jung heiratet, alle Jahre was Kleines, kann man sich nicht so beteiligen, wie man möchte. Aber«ins sehe ich doch, und das ist leiter noch so: große Mafien der Frauen dösen viel zu sebr dahin, es sehlt ihnen viel Aufklärung. Gerade wir Frauen müssen am meiste» unter den elenden Per- hältnifien leiden, und dann geben Frauen solchen Männern noch bei der Wahl ihre Stimmen, die das Arbeitervolk bekämpfen und ausbeuten wollen. Es wäre zum lachen, wenn die Sache nicht zu ernst sein würde.— Leider Hobe ich seit« Iahren durch Schreck und Aufregung mein Gehör verloren, als ich die Nachricht bekam, daß mein jimAter Sohn im Kriege, er war erst L0 Jahre alt. in einem Bergwerk wo er chilfsdienstpflicht oerrichtete, von herabfallenden Koh'enmaffen erschlagen worden war. Der Schreck machte mich taub. Was mir mein Sohn war. löschen Jahre und Tränen nie aus. Wenn ich hören könnte, würde ich mich am Wahlkampf beteiligen, ich würde den Frauen sagen, daß ebenso wie mein Jung« Millionen junger Menschen ihr Blut lassen mußten durch den gottverfluchten Krieg. Und da gibt es noch Menschen, die den Militarismus, die den Krieg verherrlichen. Ich wün'chte nur, die Arbeiter wären sich einig, dann wäre es für die Nachwelt einst besser. Statt dessen zersplittern sie sich zum Gaudium der Kapitalisten. Nur Einigkeit macht stark und führt zum Ziele! Anna L i p p e r t. Die Damenhutsrage im englischen Parlament. Die acht weib- lichen Abgeordneten, die bei den letzten Wahlen in das englische Unterhaus«ingezogen find, haben die Frage nach der paffenden Toilette der weiblichen Volksvertreter bei den Sitzungen wieder in den Bordergrund gerückt. Dies« Frauen selbst haben erklärt, daß sie das einfache schwam S'raß�nkostüm für di- würdigste Tracht halten. Schwieriger aber ist es, wie es die Politikerinnen mit der Kauf- bedeckung halten sollen. Bekanntlich ist es«in uralter Brauch im Unterhaus, daß die Abgeordneten den chut bei den Sitzungen auf dem Kopf behalten. Soll nun den Damen gestattet werden, ohne s)ut zu erscheinen? Darüber haben die Damen sehr eifrig debat'iert. Di« Herzogin von Atholl erklärte, daß sie nicht mit dem Hut erscheinen wolle. Dagegen betont« die Lady Astor, die bereits dem vorigen Parlament angehört hat. daß sie stets einen Hut g«tragen habe. Di« männlichen Abgeordneten hätten sie dringend gebeten, nicht ohne Hut zu erscheinen. Außerdem sei ein Hut auch sehr tleid, sam und verhüte, daß das Haar in Unordnung gerate. Die weib» lichen Abgeordne en der Arbeiterpartei wellen aber keinen Hut tragen, und so wird sich wohl di- hutlose Mode bei den Frauen im Unterhaus? durchsetzen. Der Arzt ohne Hemd. Ein Bauer kommt früh in die Stadt und sucht seinen Arzt aus. Da die Sprechstunde noch nich' begonnen hat, öffnet er das Sprechzimmer und sieht ein Skelett stehen Mit einem höflichen„Guten Morgen" macht er die Tür wieder zu und geht seiner Wege. Nach einiger Zeit trifft er den Arzh der ihn anhält und fragt, was er von it m gewollt habe. Treuherzig erwidert da» Bäuerlein:„Met em wull ick nix mehr tau daun hebben-,«m heb ick hüt morgen ohne Hemd sehn!" Zu viel verlangt. In der„Dachdecker-Zeitung" lese» wir: Ein Hilfsarbeiter, der zum ersten Male zu den Dachdeckern kam, wurde über Land geschickt. Er sollte, bis die Dachdecker kommen, die Schiefer hinauftragen. Er ließ sich ocn der Frau Küster die Schlüssel geben, aber dies« wollte doch se bst mit hinausgehen. Die Frau war in gesegneten Umständen— es ging ziemlich langsam die vielen Treppen in die Höhe. Nachdem st« so an achtzig Stufen hoch geklettert waren. wurde es unserem Hilfsarbeiter aber doch zu dumm. Er fragt« die Frau Küster:„Wie lange dauert es denn«Igent'ich noch? Di« meint«, er frage nach ihrem Zustand, und lagt«:„Noch gut drei bi» vier Wochen."—„Ach, du lieber Gott." meinte der Mann,„da geh« ich wieder l?eim, das ist mir doch zu hoch." Sprachs und fuhr wieder in die Stadt zurück. Der Dien muß! Der Hamburger„Quickboru" gibt folgende hübsch« Geschich'e zum besten: En Arbeitsmann von de Kai will mit en lütten Sack uttn Freehoben no de Stadt rin. En Tollmann hollt em an:„Was hoben Sie da?"—„Och, bat Is man en bitten Feget» lFegsel), Kavinkenfudder. Dat is io tcllfree."—„Lassen Sie mal sehen"— De Greunrock grippt in den Büdel seine Guatemala, Greunrock hollt d"» Arbeitsmann de Kosfeebohnen ünner de Näs und fragt:„Ist das Kaninchensutter?—„Gewiß," seggt de, „wenn se dat nich mögen, krieg se gor ni x." Der silberne Leutnant. In dem Kölner Domschatz befindet sich un'er anderen Kostbarkeiten auch«ine silberne Maus. Einmal kam ein preußischer Leutnant von auswärts nach Köln, besah den Dom und ließ sich auch de» Domschatz zeigen Und der Küster erzählt«, daß einst bei einer Mäusep'ag« man diese silbern« Maus In feierlicher Prozession durch die Stadt getragen habe, worauf all« Mäuse mit einem Sch'age verschwunden wären. „Hähä," grinst? der Herr Leutnant überlegen,„dummes Volk, ihr Kölner, daß ihr so etwas jlaubtl" „Oh näh, Här Leutnaitt," sagte der Küster,„wenn'mr daran gläumen däht-rn, hätte'mr schon lang n« silbern« Leutnant durch Kölle jedrage!" Im Sergwerk. Ich schürf' im tiefen Felsenschachi, Das ganz« Jahr ist'» bei mir Nacht: Mein Gnibenlicht, das leuchtet mir, Einsam und still ist's Immer hier. Bergmännlein zeigt bisweilen sich Und führt an gute Schollen mich: Verfchwmdet dann, will keinen Dank, Ich schaff« fleißig fonder Wank, Und was ich bringe, ist nicht mein; Die Mül/ Ist groß, der Lohn Ist klein. Glück auf. euch oben auf der Welt! Ich schaff' dos Silber, ihr habt? Geld. (Aus Märchen und Lieder von Franz Poeci.) Etwas von den sieben Schwaben. " Ihr habt doch alle schon von den sieben Schwaben gehört, da will ich euch heute mal erzählen, wie der BUtzschwab Händel be- kommt mit dem Spiegelschmaben, und wie sie wieder gut Freund werden: Es war schon Nacht, als die sieben Schwaben Ins Freie und aus die Landstraße kamen. Und der Mond ging soeben ans. Da sagte der Spicgelschwab:„Jetzt haben wir'» gewonnen. Die Stadt ist nimmer weit." Der Blitzschwab fragte ihn: wie er das wissen könne?.Werd' sa doch den Memminger Mann(Mond) noch kennen?"„Potz Blitz, wie blitzdumml" sagte der Blitzschwab. Die» kaum gesagt, hatte er schon seine Dachtel vom Spiegelschwaben, der olles leiden mochte, nur nicht, daß man ihn sür dumm halten sollt«. „Daß dir der Blitz Ins Maul platzt!" schrie der Blitzschwab,„du Lalle, du Gintel, du Takel, du Kogl" Und so ging's eine ganze Litanei durch. Der Spiegelschwab wurde auch immer wilder, und so kamen sie denn einander in die Haare und rausten sich ab wie zwei Metzqerhunde. Do bat der Seehas den Algäuer, er sollte Frieden machen. Der ließ sich nicht lange bitten, packte den Blitz« lchwoben am Hosenbändel und hiell ihn in der Lust wie einen Frosch, und er mochte zappeln wie er wollte. Inzwischen ließ der Spiegel» schwab nicht nach, dem Blitzschwab aufs Brät zu klopfen, und daher packt« ihn denn der Algäuer auch mit der Linken und hielt ihn am Leible unter der Gurgel so keif und fest, daß er bocksstarr dastand und nicht mucksen konnte.„Bngost," sagte er.„ich will euch Höre« Mores lehren, ihr donnerfchlächttge Strolterlel" Und er schüttest» den eine» und drosselt« den anderen immer ärger, bis sie wieder gut Freund sein wollten. Und das sind sie denn auch geblieben, von der Zeit an bis in ihren Tod. Versteckratsel. Schallplatte, Revolution, Blutegel, Mehlsieb, Mondsichel, Chokolad« Beranda. Aus diesen Worten sollt Ihr se 3 aufeinanderfolgende Buchstaben suchen: aneinandergereiht werden sie den An» fang eines Liedes ergeben, das Ihr gerade jetzt besonders häusiH fingt. Iahlenräkftl. 12 3 Himmelsrichtung, 2 4 3 6 Haushaltungsgegenstand, 7 3 3 6 Sleinkohlenprodukt 3 4 2 winterliches Gebilde, 8 3 4 2 Nahrung«» mittel, S 5 l0 10 Teil des Tierkörprrs, 8 8 11 Bodenschatz. 8 12 1» Wagenteil, 4 14 14 Nebenfluß der Donau, 3 13 2 rheinischer Bad«» ort, 14 3 4 13 häßliche Charaktereigenschast. Alle Worte sind ein» silbig: die Anfangsbuchstaben ergeben«ine Freizeit, aus die sich all« Kinder in diesen Tagen freuen. Magisches Quadrat. aaaaddeeiitlmmmm. Aus diesen Buchstabe« bilde man 4 aus je vier Lauten bestehende Worte folgender Be- deuttmg: 1. Brettspiel. 2. Biblische Person. 3. Affenart. 4. Knabe» nome. Jede senkrechte Buchstabenreihe muß der entsprechende« wagerechten gleich sein.*=* AuslSsunq der Rätsel au» der vorigen Nummer. Buch» stabenrätsel: Nebel, Pfeil. Karre, Wolle, Mainz. Kann« Berlin.— Kernrätsel: Frühlingsansang. praktische Winke Die vorteile der waschniaschine. Die Säuberung der Wäsche muß heut« insolae unserer ollgemeinen Armut aus ganz anderen GcJichte.p'unrten beirachtet werden als bisher. War es in den meisten Haushaltungen früher üblich, die Wäsche mit der Hand zu reiben, kam in anderen Waschbrett oder gar die Bürste zur An- wendung, so wird man heute nicht nur alle scharfen Waschmittel vermeiden, sondern auch darauf bedacht sein, die einzelnen Wäschestück« möglichst zu schonen. Dies wird durch die Waschmaschine erreicht. Zunächst ist bei Benutzung einer solchen die Beschädigung der Hände vollständig ausgeschlossen. Dann leidet die Wäsche durch die Maschin? bedeutend weniger, als wenn sie mit der Hand ge- waschen wird. Bekanntlich besteht der Schmutz in der Leibwäsche aus Schweiß, an dem die Staubpartikelchen der Luft haften. Durch vorheriges sachaemäßes Einweichen wird dieser Schmutz gctöst. Die Maschine übernimmt dann das reinigende Kochen zugleich mit dem izerausspülen d s Schmutzes. Ein gutes schmutzlösendes Mittel zum Einweichen ist folgendes: Je noch der Hart« des Wassers wird allf«inen Eimer voll ein bis zwei Eßlöffel Soda, ein wallnußaroßes Stück Seifenstein und ein Eßlöffel Salmiak gut gelöst. Ferner kann-mar. sich aus IS Proz. Schmierseif«, 15 Proz. Wasserglas und 70 Proz. Soda ein sehr preiswertes gutlösendes Waschmittel selbst herstellen. Man kocht entweder die Wäsche in dem Wasser, in da» sie eingesteckt wurde, oder in Persil. Nachdem sie gereinigt und ausgewrungen ist, übergießt man sie sofort mit kochendem Wasser� läßt sie zugedeckt bis zum anderen Tage stehen und macht sie dann erst fertig. Kräuterkäse, fein gerieben und mir Butter verrührt, gibt«inen schmackhaften Brotaufstrich. Mittel zum Kräuselo der haare. Man schlage den Dotter eines Eies mit einer Tasse reinen Regenwassers, wende diese» Mittel warn, zum Einreiben an und wasche alsdann den Kopf mit warmem Wasser ab. Sprünge und Risse im Holz sind sehr unangenehm. Ihre Au»- füllur.g kann man mit einem Kitt vornehmen, den man selbst her- stellt. Seidenpap.er wird in Wasser vollständig ausgetöst und durch tüchtiges Durchkneten mit Leim zu einem Teig geformt, den man mittels Erdfarben färben kann. Endlich setzt man noch etwa» ge- brannte Magnesia hinzu. Dieser Kitt, der fest in die Sprünge und Löcher gedrückt wird, verbindet sich sehr innig mtt dem Holz und behält auch nach dem Trocknen eine glatte Oberfläche. Sdhfc{fc fiFtaa AUS DER MODENSCHAU DER„FRAUENWELT ' J*7r Der Mantel L 3477 ist aus kastanienfarbe- nem Tuch gearbeitet, der den mit Saumdien geschmückten Revers gegengesetzte Kragen ist sandsarben, ebenso die Aufschläge der weiten Ärmel|e seitlich sind schmale Zwischenbahnen eingesetzt, die oben unter die den Vorderteilen angeschnittenen Patten treten Die Vorderteile des mit einem Knopf geschlossenen Mantels sind durchgehend geschninen. der Rücken dagegen ist in der tiefen Taillenlinie geteilt. erforderlich sind: etwa 4 m Tuch, 100 cm breit. Kleidsam u. jugendlich aus schwarz. Schleierstoff gearbeitet ist das Kleid L 5454 Der aus zwei breiten und zwei schmaleren Bahnen zusammengesetzte Rode ist vorne und hinten in Falten gelegt, die schmaleren Seilenbahnen sind glatt, nur am oberen Rande leicht gereiht. Ober die Kimonobluse, der die bauschigen Ärmel glatt angesetzt sind, treten Plastronteile aus Seide, welche an den Seiten in derTaillenlinie mit Schleifen verbunden werden Erforderlidi sind: etwa 3.50 m Schleierstoff. 130 cm breit, und 1.25 m Seide, 90 cm breit. Ein einfaches Hauskleid aus gestreiftem Waschstoff zeigt die Abbildung L 3369 Der den viereckigen Ausschnitt abschließend« Kragen und die Manschetten an den kurzen Kimonoäimeln sind aus einfarbigem Stoff, ebenso die an dem linken übertretenden Rand des rechten Vorderteils ansetzend« Blende Hier wird dasKIeid mit einer Knopfreihe geschlossen Rock und Kimonobluse sind durch Zugsaum verbunden, den ein mit Schnalle geschlossener farbiger ledergürtel deckt Erforderl. sind: etwa 2 m Stoff, 120 cm breit oder 3.50mquergestTeift. 80/90 cm br. Lyon-Schnine L 3377, Größe 44, 75 Pfennig(evtl zuzüglich 5 Pfennig Porto) L 3454 für das Alter vor, 14-16 fahren zum Preise von 75 Pfennig(evtl. zuzüglich 5 Pfennig Porto' L 3369, Größe 44, 75 Pfennig(evtl. zuzüglich 5 Pfennig Porto) DURCH DIE PARTEIBUCHHAN DIU NO AM ORTE ODER DEN VERLAG DER„FRAUENWELT' J. H. W.DI ETZ NACHF., BERLIN SW68, L1NDENSTRASSE 3