wie sollen Ehe Die Frag«, u>ie Ehefrauen wählen sollen, wird wohl im allgemeinen dahingehend beantwortet werden, daß sie wählen sollen wie ihre Ehemänner. Das ist auch zweifellos richtig, wenn die geistig« und seelische Harmonie der Ehegatten so groß ist, daß selbstverständlich auch ihre polittsche Weltanschauung die gleich« ist. Es gibt aber auch Ehen, in denen die Harmonie nicht so groß ist. Zudem ist die Frau von heut« ein selbständiger Mensch oder sie sollte es doch sein, und darf infolgedessen ein« so wichtige Handlung wie die Abgabe des Stimmzettels am Wahltage nicht ohne reifliche Ueberlegung ausüben. Sie muß bedenken, daß sie die Verant- wortung mit trägt für die künftig« rechtliche Stellung aller deutschen Ehefrauen. Sie darf dabei nicht nur an ihr eigenes Schicksal denken, sondern auch an das aller anderen Ehefrauen. Di« Dersasfung erklärt, daß die Gleichberechtigung der Ge- schlechter auch für di« Eh« gelten soll. Das ist ober nicht möglich, solange wir noch ein Bürgerliches Gesetzbuch haben, das auf über. holten patriarchalischen Anschauungen beruht. In dem vom neuen Reichstag zu schaffenden Bürgerlichen Gesetzbuch werden alle Be- stimmungen, die sich aus die Ehe beziehen, von der neuen Ausfassung der Gleichberechttgung ausgehen müssen. Heute ist durch Z 1360 des BGB. bestimmt, daß der Mann der Frau einen seiner gesellschaftlichen Stellung entsprechenden Unterhalt gewähren muß. Dieser Unterhalt ist aber nur in Naturalien(Woh- nung, Kleidung, Nahrung) zu gewähren. Der Mann ist also nicht zu Geldleistungen irgendwelcher Art verpflichtet. Er kann daher seine Frau in dauernde Abhängigkeit halten. Damit ist kein Recht auf di« Bewertung der Arbeit gegeben, die die Ehefrau als Hausfrau und Mutter leistet. Diese finanziell« Abhängigkeit ent- spricht nicht der heutigen Auffassung der Gleichberechtigung. Danach sollte die Eheftau gesetzlichen Anspruch haben aus einen bestimmten prozentualen Anteil vom Einkommen des Mannes als Wirtfchafts- geld und weiter auf e>n«n Anteil zur Befriedigung ihrer persönlichen Bedürfnisse. Ferner bestimmt der s 1362, daß di« Frau verpflichtet ist, zur Mithilfe im Geschäft des Mannes, soweit ein« solche Tätigkeit nach den Verhältnissen, in denen di« Gatten leben, üblich ist. Die Frau muß also unter Umständen den eigenen Beruf aufgeben. um im Geschäft des Mannes tätig zu sein, z. B. die Näherin in der Wirtschast, die Künstlerin im Bureau usw. Die Frau ist also ge- wissermaßen zur Zwangsarbeiterin gemacht, hat aber keinen Anspruch aus einen Teil des Ertrages, d«n sie im Geschäft des Mannes miterwirbt. Bei der Trennung bleibt das ganze, auf diese Weise erworbene Vermögen, die sogenannte gemeinschaftliche Errungenschast, in Händen des Mannes. Das entspricht wieder nicht der Gleich- berechtiguug, denn nach dieser hätten beide Gatten aleichen Anteil . i oer b.'> ungenschoft zu beanspruchen. Frauen wählen? Sucht die Eheftau sich di« ökonomische Selbständigkeit durch einen selbständigen Beruf zu schaffen, so hat sie diese Freiheit in der Pflicht- erfüllung nur insow«it, als der Ehemann nicht Einspruch erhebt. Weist er«m« Schädigung der Hausmutterpflicht durch den Berus nach, so kann der Frau das Recht auf diesen abgesprochen werden. Auch hier läßt das Gesetz wieder die Gleichberechtigung vermissen. Liegt kein Eheverttag vor, so hat der Mann das Verfügungsrecht über die Zinsen des Vermögns, das ihm die Frau zubringt. Dieses Berfügungsrecht steht ihm sogar zu, wenn er ein Trunkenbold oder ein V e r s ch w e n d e r ist, solang« er nicht gesetzlich entmündigt ist. Es kann also vorkommen, daß die Frau von dem Mann« Geld erbitten muß, unter Umständen auch verweigert erhalten kann, selbst wenn der Geldbeutel des Mannes mit ihrem Geld gefüllt ist. Dieses Verfügungsrecht bleibt dem Manne auch, wenn er die Frau verläßt, ohne daß die Scheidung ausgesprochen ist. Verläßt die Frau dagegen den Mann, so ist er nicht verpflichtet, ihr Unterhalt zu gewähren. Dauert die Trennung länger als sechs Monat«, so ist das ein Grund zur Einreichung der Scheidungsklage. Bestimmungen über die Anlage ihres Vermögens, z. B. Kündi- gung von Hypotheken, Verkauf von Häuftrn usw. kann die Ehefrau nicht ohne Zustimmung des Mannes vornehmen. Umgekehrt kann der Mann mtt seinem Einkommen oder Vermögen schalten und walten wie er will, ohne daß er der Ehefrau Einblick gewähren, geschweige denn ihre Zustimmung einzuholen braucht. Die Ehefrau, die«rnstlich nachdenkt vor den Wahlen, wird be- greifen, daß das Gesetz, das nach Z 1353 di« Ehegatten zu ehelicher Lebensgemeinschaft verpflichtet, heute wohl beiden Teilen Pflichten auferlegt, nicht aber beiden Teilen Rechte sichert. Das war ja auch nicht möglich in einem Staat, der die Gleichberechtigung der G«» schlechter nicht anerkannte. Bon dieser Gleichberechtigung wollten auch sämtliche bürgerlichen Parteien nichts wissen, die das heute noch geltende Bürgerliche Gesetzbuch mit seinen Ungerechtigkeiten gegen das weibliche Geschlecht geschaffen haben. Hier können die Frauen, insbesondere die Ehefrauen deutlich er» kennen, in wessen Händen ihr Schicksal seither lag. Der Gedanke der Gleichberechtigung der Geschlechter ist ein sozialistischer Gedanke. Di« Sozialdemokratie hat die Gleichbercch» tigung im Staatsleben erkämpft. Sie wird auch dafür.eintreten, wenn die Gleichberechtigung in der Ehe gesetzlich durchgeführt werden soll. Sie kann diesen Kampf aber nur zu einem guten Ende führen, wenn sie die nötigen Hilsstruppen dabei hat. Bei diesem Kampf steht auch das künftig« Schicksal, die neue Stellung der Ehefrau auf dem Spiel. Dorum sollte sich jede Ehefrau klarmachen, daß sie mit Abgabe des Stimmzettels für die Sozialdemokratie di« Gleichberechtigung, für die keine andere Partei ernsthaft kämpft, zur Verwirklichung bringen Hilst! Anno Blas- Stuttgart Nr. y+ 41. Jahrgang 1. Mai 1924 Weckruf Zur Wahl. Von Klara Böhm-Schlich. So müde schleicht der graue Tag und schleichen alle Tage. Di« Freude schlSsl. das Leid ist wach, und wach sind Not und Plage. Die Sorge geht mit uns zur Ruh' und weckt uns morgens wieder. Sie winkt uns noch im Traume zu und wirft uns endlich nillder. hohnlachend zwingt sie uns zur Fron, die wir zum Lichte streben, Elend ist«nsrer Arbeit Lohn und unser ganzes Leben. Wir schmachten nach der Sonne Licht, wann wird das heil uns werden. Das unsre Sklavenketten bricht und uns erlöst aus Erden? Was klagt ihr dumpf und bang und schwer und klirrt mit euren ketten? Es kommt kein heil vom Himmel her, ihr müßt euch selbst erretten. Nicht Sklave mehr, nein, Mensch sein und frei zum Himmel schauen Für alle lacht der Sonnenschein, für alle blüh'n die Auen. Nur wollen müßt Ihr. stolz und stark euch die Hände reichen. Einsetzen müßt ihr Mut und Mark und nicht vom Psade weichen. Erwacht au« eures Elend» Not und brecht vereint die ketten. hier hilft kein Himmel und kein Gott, ihr müßt euch selbst erretten! Beilage zum Vorwärts Unsterblichkeit. Du schwillst eine Knospe auf, erglühst, erblühst und wirst so groß und trügst den keuschen Blick gesenkt, als hüte«r den reisen Schoß und warte aus den wehen Tag. da er. in Lust and Schmerz zugleich das neue Wesen schauen mag aus deiner Seele Himmelreich! Ein neues Weseu? 71 ein, du bist es selbst, du wirst es immer sein und dehnst so deines Lebens Frist in alle Ewigkeit hinein! Emil Rath. Des Kmöes erster Mai. Es war am Tage nach Fronleichnam. Die kleinen Schulmädchen fleckten die Köpfe zusammen und hörten den katholischen Kameradin- neu zu, die erzählen:„Ich habe«in neues weißes Kleid angehabt." „Ich durfte eine große dicke Kerz« tragen."„Ich habe ein kleines weißes Lämmchen auf dem Ann gehabt." Wunderdinge werden er- zählt, aus großen leuchtenden Kinderaugen schaut das Märchen. „Maris, was hast du denn gestern gemacht?"—„Ach, laß sie doch nur, der ihr Vater ist ein Roter."—„Die darf nie mit, die ha« keinen Feiertag."—„Nein, dos stimmt nicht. Marie fehlt am 1. Mai, da ist ihr Feiertag."—„Ach ja."„Marie, erzähl doch«in- mal, wie es bei euch ist!" Morl» schweigt. Mari« ist doch sonst kein dummes Mädel. Die Lehrerin lobt sie immer, weil sie so schön erzählen kann. Di« Kinder dringen in sie. Sie schweigt. Was soll sie erzählen? Daß sie im Trubel der Er» wachsenen fast zerdrückt worden ist? Sie denkt an einen großen Saal. Hwqen da oben nicht bunte Girlanden und Lampen? Ach, es war ja so voll Rauch, daß sie nichts sehen konnte. Es war auch ein Mann, der ein« Rede hielt, aber sie hatte gar nicht verstanden. Sie hatte auch einmal aus Vaters Bierglas trinken dürfen. Mutter wollte es eigentlich nicht haben. Ja, dann durfte man es wohl nicht «rzählen. Marie schweigt. Soll Mari« immer schweigen müssen? Das möchte ich die Prole- tarier, die Sozialisten heute fragen. Konrad Ferdinand Mayer fragt in einem seiner Gedichte: „Wie hellt sich ein verlassen Herz, Der dunklen Schwermut Beut«? Mit Becher: Rundgeläute? Mit bittrem Spott? Mit frevlem Schmerz? Rein, mit«in bißchen Freu de." Ein Kinderleben braucht Freude, braucht einen Festtag. W i r brauchen«in Fest, das dem Proletorierkind ge» hört. Im Herzen des Arbeiters muß ein« lichtvolle Erinnerung sein an einem Tag, der ihm gehört hat, da er Kind mar, so voll Freude, so voll Erwartung, so voll Geheimnis wie Weih- nachten. Kein Tag im Jahr ist so dafür geeigi-et, wie der 1. M a i. Da ist Frühling, die Senne scheint wieder warm. Das Kind kann heraus aus der Enge des Zimmers, die es so bedrückt. Sllfo feiern wir auch ein Kinderfest! Aber Kinder gehören nicht zu hochpolitischen Reden, die ver- stehen sie nämlich nicht. Dann schweigt Mar!« wieder in der Schule, wenn die Freundinnen sie fragen. Wir brauchen Jugend- r e d n e r. Und wenn die Erwachs«,,«n sich um ihre„Kanone" sam- ?nÄn, dann müssen ein paar Jugendgenossen die Kinder in Gruppen, ein bißchen nach dem Alter, um sich sammeln und ihnen von der Herrlichkeit sozial! st i scher Zukunft, von lvahrer Liebe und guter Kameradschaft erzählen. Dann wird Mari« in der Schule nicht schweigen und alle die Kameradmitcn werden ihr mit glühenden Bäckchcn zuhören, wenn sie erzählt-„Und dann kriegt jedes Kind umsonst Frühstück in der Schule, und die Lucia kriegt eine neue Schürz«, Linas Vater schicken wir dann zur Erholung fort. Ihr müßt nur all« helfen, daß recht schnell Sozia- Usmus wird." Aber mit einer Rede ist es nicht getan. Run muß mit den Kin- dern gespielt werden, sonst ist es kein richtiger Festtag. Jugend- genossen, Frauen, Lehrer,— hier wartet eure Aufgabel Run'heißt es die Kinder sammeln und hinaus mit ihnen auf freie Plötze, in Wiese und Wald. Arbeitersugend, für was hast du Fiedeln und Klampfen, weißt du frische Freiheitslieder? Wer kann so fein wie du mit Kindern singen? Wettspiele aller Art müssen gemacht werden mit feinen Preisen, die dann der alt« Arbeiter seinen Enkelkindern zeigt, wenn sie ihn abholen kommen zur Feier des 1. Mai.— Auch was zu essen muß es geben, ohne das geht es bei Kindern nicht. Nun noch«ins, lieber Arbeitervater, liebe Arbeitermutter. Ein Fest fängt schon zu H a u s e an, und ihr müßt esauchimHaus« festlich machen, dazu braucht man keine großen Mittel. Laßt es zur Gewohnheit werden, daß ihr euren Kindern ein« Kleinigkeit schenkt. Ein Kind ist ja mit einem Nichts zufrieden, aber zum Feier- dag gehört so eine klein« Gab« und— ein Extrakuß von Vater und Mutter. Was für Augen macht der kleine Fritz, wenn er die Stiefel anziehen will, die er sich am Abeich vorher extrafein für den L Mai geputzt hat, und nun eine Handvoll Näschereien darin findet! Schafft dem proletarischen Kind fern Recht! Gerade in kleinen Orten wird man es schön machen können. Soll Marie auch dieses Jahr schweigen? Soll fie sich nur an kalten Rauch und Bierreste erinnern, an Reden, die sie nicht verstand? Der 1. Mai muß derFesttagdes Arbeiterkindes werden. Berta Jourdan. Die Hausangestellte— vogelfrei? Ein Hausherr, Filmdivektor seines Zeichens, vergnügt sich in Abwesenheit der Ehefrau in seiner Wohnung mit Damen. Die Hauscmgestellle, auf die der Herr Direktor schlecht zu sprechen ist. weil sie unerhörterweise seinen Berführungskünsten widerstanden hatte, geht in die von der heimgekehrten Hausfrau gestellt« Falle und schwätzt. Der Kampf, der nun zwischen Mann und Frau um das Bleiben des Mädchens entbrennt, bringt dem stingen Ding eine Strafanzeige wegen Diebstahls ein. Die erste Instanz erkennt auf drei Monate Gefängnis o h n e B e w ä h r u n g s f r i st. Die zweite spricht die Angeklagte auf Kosten der Staatskasse frei. Es ergab sich, daß die Beschuldigungen wider besseres Wissen aufgestellt waren, damit das Mädel das Haus verlassen solle. Es ist nicht bekannt, ob gegen den Herrn Filmdirektor wegen falscher Beschuldigung Straf- anzeige gestellt worden ist. Ein hohe Geldstrafe zugunsten des Mädchens wäre mehr als am Platze. Die Moral aus der Geschichte? Es soll nicht geleugnet werden: es gibt diebische Hausangestellte! sogar solche, die die ganze Aus» steuer für sich und so manches für ihren Herzallerliebsten zusammen- zustehlen verstehen. Davon zeugt die Kriminalistik Auch ander« gibt es, die nur Hausangestellt« werden, um unter diesem Deckmantel ihre Diebereien zu begehen. Nicht selten geschieht es, daß Haus- angestellt« den Lockungen und Versuchungen de- reichen Haushaltes nicht widerstehen und Kleinigkeiten an sich nehmen: dann werden sie zu„Diebinnen" von ihrer„Herrschaft gebrandmorkt, die sich viel» leicht selbst ihr« Besitztümer aus Kosten der Besitzlosen allerdings auf „gesetzlichem" Wege zusammengerafft hat. Und wie oft kommt es zu falschen Anschuldigungen: fehlt etwas im Haufe, natürlich hat«s dann die Hausangestellt« gestohlen! Aus ärmlichen Verhältnissen, wo an jedem Pfennig gespart und Groschen auf Groschen zurückgelegt wird, um ein neues Wäsche- oder Kleidungsstück anzuschaffen, gerät das jung« Ding in die Herrlichkeit des hochherrschaftiichen Hauses. Wie ein Märchen erscheint«s mitunter. Wäsche von höchster Qualität und ein lleberfluß, wie man ihn höchstens in den Warenhäusern zu sehen bekommt, Kleider, kaum abgetragen, schon neue angeschafft. Kostbare Schmuckgegen- stände, ein Essen— in«in paar Tagen wird vielleicht mehr ver- zehrt, als sich«in« ganze Arbeiterfamilie im Laufe des Monats leiste» darf. Die Hausangestellte ist im D i e n st« zu Hause. Nicht nur die ganz« HäuÄichkcit, auch die Kinder, die Familiengeheimnisse sind ihr anvertraut. Und doch ist sie wie«ine Fremde. Kein Glied der Familie. Zwei Welten stehen einander gegenüber: die Welt der Küche, des Mädchenzimmers und die Welt der Wohnzimmer. Keine seelisch« Fäden ziehen von hier zu dort. Menschen leben nebenein- ander, und bleiben«inander fern. Mißachtung des Menschen in der Hausangestellten weckt Verachtung in ihr gegen die„Herrschast". Sie sieht deren Leben, das nackt vor ihr liegt, mit allen seinen Kleinlich- keiten, Lügen und Heuchelei und hat dafür alles ondcve, nur nickst Respekt. Auf diesem Boden der Verachtung und der Geringschätzung, der Fremdheit und der Lieblosigkeit entsteht die Versuchung, die eine oder die andere Mcinigkeit an sich zu nehmen. D i e schwelgen im Ueberfluß, und ich habe kaum satt zu essen. Di« gehen in Seide und ich habe kaum das Notwendige am Leibe. Eine natürliche Naschhaftigkeit,«ine selbstverständlich« Putzsucht des Alters birgt in sich Verlockungen, denen nicht immer widerstanden werden kann. Und dann wird die Hausangestellte zur„Diebin" Dort, wo zwischen „Herrschaft" und Hau sangestell'««in wahrhast menschliches Verhältnis besteht, da kommt es nicht zu Veruntreuungen, auch nicht zu gering- fügigen. Schwer ist das Schicksal der Hausongeftellten. Demütigung aller Art ist ihr Los. Und Freuden— wie wenige kennt sie, und wie einsam ist sie in ihrem Stäbchen. Hat sie nicht auch das gleiche An- recht auf Freude, wie andere Menschen? Das gleiche Anrecht auf freie Zeit? Weshalb muß fie denn von morgens früh bis zum Abend scktaffen ohne Rast und Ruh? Und hat sie auch ihr« Ruhe, ist fie ans Haus gebunden. Auch die Hausangestellten erwachen zum neuen Leben, auch sie dürsten noch freier Zeit, um Geist und Gemüt zu bilden. Sie schließen sich zusammen, um gem.einsam zu fordern, was ihr gutes Recht ist. Aber nur langsam dämmert es in ihrem Bewußtsein. Rur zu oft glauben sie, etwas anderes zu fein, als ihr« Klassen» gcnosfinnen. Ihre Arbeitszeit ist nicht geregelt, ihre Lebensbedin- gungcn find nicht gesetzlich festgelegt. So müssen auch sie am 4. Mai ihre Stimme-für die abgeben, die für sie kämpfen. An diesem Tag« mögen sie gegenüber ihrer„Herrschaft" ihr Menschsein und Gleich sein zur Geltung bringen. Justus. Merkworte. Was ich in der Liebe verlor und am Leben, Das hat mir die Arbeit wiedergegeben. W a l t h e r Sturm./ * Eine gescheite Frau hat Millionen g-boreuer Feinde: All« dummen Männer. Cbn«r-Eschenbach. Sriefe an die Frauenstimme qoexnoooooxriorr-COxxxxjocxcxxxxxToo jjjoocd� Heimarbeit und voppelexistenz. Zu diesem in der„Frauenstimme" erschienenen Doppewriidel Mächt« Ich mir zu dem ersteren„Heimarbeit"«in paar Ausjuhrungen xestatten. Die Genossin Hanna beendet ihren sonst so lesenswerten Artikel leider da, wo d'r Weg der Selbsthilfe angezeigt wird, so daß die Frage„Selbsthilfe" offen bleibt. Und gerade hier anknüpfend, ist es wohl auch an der Zeit, offen auszusprechen, was kst. Der Weg der Setbsthllf« wird und kann nur die g e w e r k- fchaftliche Organisation sein. Diesen Weg zu beschreiten und, wo dieses schon geschehen, weiter zu gehen und andere gleich- falls zu einem Mltzehen zu oeranlassen, muß die vornehmst- Aus- «ab« sein, die aufgeklärte Frauen, politisch organisierte Frauen und Mädchen unbedingt zu erfüllen haben. Es genügt nicht allein, polltisch organisiert zu sein. Slern, wenn man schon arbeiten muß, »nitarbeiten muß, sei es im Betrieb oder in der Hermrirbeit, dann muß man sich auch der wirtschaftlichen Organisation anschließen. Leider achtet man auf die gewerkschaftlich« Organisation zu aller- Ktzt. Welch ein reiches Betütigunysfeld li«gt da seder Frau. Mem Mädchen offen. Wird denn mcht mit der wirtschaftlichen Vesser- Vrllung. die eine machtvoll« gewerkschaftlich« Organisation erreichen rann, nicht auch die politische Besserstellung herbeigeführt? Auf jeden Fall! Wo eine ausreichende Entlohnung, damit verbunden ein« eng- begrenz!« Arbeltszeit(täglich 8 Stunden) vorhanden ist, da wird Zeit frei, die im Interesse für sich selbst zur Weiterbildung verwandt m erden kann. Da wird auch Zeit srei sür Dinge, die sür die Allge- Meinheit von Nutzen sind. Unser ganzer Ausklärungsapparat wird da fruchtbringende Arbeit keiften können und zweifellos auch Kämpfe- rinnen für die politisch« Organisation gewinnen. Wo aber, speziell bei der Heimarbeit, niedrig« Entlohnung Platz greift, unbeschränkt« Arbeitszeit dafür aber den Ausfall einer richtigen Entlohnung er» setzen soll, da wird man schwerlich Kämpferinnen, KlasfengenLssinnen gewinnen können. Hierin müssen sich Partei und Gewerkschaften er- ganzen Die Partei allein wird nichts erreichen können, wenn nicht die wirtschaftlichen Vorbedingungen geschaffen sind. Diese liegen in der gewerlfchaftllchen Organisation. Andererseits wird die Ge- werkschaft nicht alles erreichen können, wenn nicht die politisch« Partei die wirtschaftlichen Machtfaktoren zu politischen Machtsaktoren erweitert. Darum. Frauen und Madchen der arbeitenden Klaff«, gewerkschaftlich und politisch organisiert fein, das ist das Gebot der Stunde, der Weg zur Selbsthilfe. Fr. S. Amerikanischer Humor. Lehrer:„Was würde d«in Vater bezahlen, wenn er dem Bäcker 3 Dollar schuldete, dem Schlächter 5 Dollar und dem Milchmann 3." Junge:„Nichts, wir würden wegziehen!"— Ein Pastor aus Cambridge, MassachuseUs, hat Gelegenheit, zu den Insassen einer Irrenanstalt zu predigen. Wäbrend seiner Predigt nimmt er einen Mann wahr, der ihm mit größter Aufmerksamkeit folgt. Nach dem Gottesdienst sieht er diesen Mann mit dem Direktor sprechen.„Hat der Mann mit Ihnen üb« mein« Predigt gesprochen?"„Ja."„Möchten Sie mir bitte er» zählen, was er sagte?" Der Direktor wollt« um die Beantwortung der Frag« herumkommen.„Hm," sagte er schließlich,„was der Ntann sagte, war,„Denken Sie nur mal cm, er ist draußen und ich I bin drinnen." $m unsere Kinder m m m Es saß ein Küfer aufm Bäumel, sum, sum. Der half«in goldenes Hemdel, sum, sum. Es saß'ne Fliege darunter, sum, sum. Den Käser nahms groß Wunder, sum, sum. Ei, Jungfer Fliege, wollt ihr mich han, sum, sum. Ich bin ein wackrer Käfersmann, sum, sum. Man führt die Braut zum Tanze, sum, sum. In ihrem grünen Kranze, sum, sum. Ich weiß nicht, was sie taten, sum, sum. Daß sie Vis Braut zertraten, sum, sum. Da ging der Käfer in Seide, sum, sum. In seinem schwarzbraunen Kleide, sum, sum. Da kam der Hahn gesprungen, sum, sum. Und hat den Käser verschlungen, sum, sum. (Aus der Breslauer Gegend.) Weltfeiertag. Frau Berlin reibt sich den Schlaf aus den Augen. Ratter, ratter ging ein Marktfuhrwerk durch die Straßen. So, nun wird wohl gleich die eiste Straßenbahn kommen. Ach, könnt ich noch ein Stündchen schlafen, doch die Pflicht, die Pflicht. Und sie gähnt und t: streckt sich: Hallo, jetzt wird es aber Zeit. Wo bleibt denn die ochbahn, wo die Elektrische? Das ist ja einfach«in« Bummelei. Haha, hihi, kommt es aus d«n großen Bähnhöfm— Du hast wohl keinen Kalender? Heute ist der erste Mai. In den Parken zwitschern die Vögel, die Spatzen pfeifen: Feiertag, Weltfeiertagl Denn die wußten" es ja wissen, well die Kinder schon den Tag vorher von itnen roten Schärpen und Schleifen gesprochen hatten.— In den großen Fabriken und Werkstätten war es so still, als ob sie mcht muh sagen könnten, und dabei lärmen sie doch sonst so, daß man sein eigenes Wort mcht verstehen kann.— Und die Wecker, di« alle Morgen rafsel, rassel gingen, waren überhaupt nicht aufgezogen. Und die Sirenen, die hui, hui, auf auf, hinein, hinein, pfiffen, konnten heute ihren Atem sparen.— Nein, heute war Feiertag, Feiertag auf der ganzen Erde.— Frau Berlin lächelte m sich hinein, daß sie nicht gleich daran gedacht hat, das wird «ine Freude werden: ihre Kinder, die lieben Kinder mit roten Schi eischen auf dm Straßen und Plätzen, all di« kleinen und großen Kinder fei«in beule den Tag der Arbeit mit ihren Eltern. Und Musik, Musik würde sein und das Lied der Völkerverbrüderung würde klingen. Ja, der erste Mai. Die lrebe Sonne lacht. In den Häusern wird es lebendig, die Siraßen werden belebt und immer belebter und Fahnen wehen im Wind und Züge bilden sich und immer mehr Züge, und alle streben sie noch dem Schloßplatz. Frau Beilin freut sich und kann es kaum fassen. Sie muß sich uiitcrhalten.„Hallo, hallo," ruft sie,„Guten Morgen, Schwester Wien. Servus, Serous, Herrliches Wetter. Ach, Menschen sind hier auf den Straßen, sage ich Dir, man kann überhaupt das Pflaster nicht mehr iehem" Frau Berlin übertreibt gern.„Aber hier, schau her, sind so viel Menschen, da kann keine Stecknadel mehr hinfallen, und gesungen wird, gesungen."„Bon jour, bon jour," das beißt: Guten Tag, mischt sich Frau Paris ein.„Erster Mai, erster Mai," jub-lt London. Hell flattern rote Fahnen. Hallo Stockholm, Kopen- Hägen, Petersburg, Moskau. Brr, hier schneit es, aber die Menschen sind froh, alle singen das Li«d der Arbeit, das klingt in alten Sprachen zusammen. Buenos Aires, Rio de Janeiro, Gott, wird das eine Unterhaltung. Schreckliche Hitze hier, aber rote Fahnen.— Gesang, Gesang.„Wie sagtest Du, Base Berlin?"„Etwas eing-nnachte Hitze nach Petersburg senden? Wende dich an New Jork, di« versendet Hitzewellen."„Kein« faulen Witze."„Nein, diese Frau Berlin." „Hällo. hallo, hier Leipzig, hier Bordeaux, nein, das ist ja die wahr« Geographieftunde. Hier Buxtehude."„Ra, du klein« Base."„Was, da kommt doch und seht, die ganze Stadt auf den Beinen."„Hier Zella-Mehlis Aber bei uns erst."— Langenbielau, och, jetzt kommst auch die Dörfer. Alle strahlen, alle erzählen, das ist eine Unter- Haltung. Das schwirrt und klingt und jubelt: Weltfeiertag, Welt- feiert ag Tag der Schaffenden, Tag der kämpfendsn Arbeit. Unjd das dröhnt auf den Straßen und das singt in einem großen Chor: „Erster Mai, erster Mai." Aus„Großstadt-Märchen" von Bruno Schönlank. (Verlag für Sozialwissenschaft, Berlin SW. 68.) Ein Aiffernfcherz. Man lasse jemand die Ziffern 12345679 wi« hier Hinte« einander aufschreiben, so daß man also eine achtstellig« Zahl hat. Nun frage man den Betreffenden, welche Zahl ihm die angenehmst« sei. Nennt er etwa die Zahl 4, so multipliziere man die 4 mit der 9 und fordere ihn auf, obige achtstellige Zahl mit dem Resultat, mit 36, zu multiplizieren. Mit Verwunderung wird er als Resultat eine aus lauter Bieren bestende Zahl bekommen. Hat«r drei ge- nannt, so läßt man ihn mit 3X9. also mit 27, multiplizieren und erhält als Resultat lediglich Dreien, nämlich 333 333 333, und genau so ist es mit jeder anderen Ziffer. Auch die oben nicht stehend« acht macht keine Ausnahme; läßt man mit 8X9, also mit 72, multi» plizieren, so erhält man 888 888 888. Silbenrätsel. Aus den Silben: a, che. dä, dam, de, dcl, do, e,«, e, ei, fa, fried, ga, gu. in, ka, lat, lat, li, me, mi, mie, mer, na, ni, no, orts, po, ri, ri, so, sieg, li, zei, zet sind 13 Wörter nachstehender Bedeutung zu bilden: 1. Opernkomponilt. 2. Weiblicher Vorname. 3. Gebrauchs- gegenständ. 4. Held der Nibelungensage. 6. Fremdwort für Ve« leumdung. 6. Stadt in Holland. 7. Düngemittel. 8. Bolkstümliche» Schimpfwort. 9. Gefäß. 19. Stadt in Livlcmd. 11. Gartenpflanze. 12. Beamtcnkörperschast. 13. Wissenschaft. Die Anfangs- und End- buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ergeben, was uns die Reichstagswahlen bringen müssen, trotzalledem. Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer: E r st e s Rätselt Einsiedler, Ein Siedler.— Zweites Rätsel: Reede, Rede. •'■■■ 1■ 1 zrxy�yi-r-y; faMok.& dtig ffimi AUS DER MODENSCHAU DER..FRAUENWELT" A r Wdr T 7587SonimermanteI aus gestreiftem Wollstoff. Der eng gehaltene, durth- gehend geschnittene Mantel ist auf den Vorderteilen mit quergestreiften Blenden besetzt, auf die angeschnittene Patten knöpfen. Auch den weiten, geschlitzten Aermeln sind gleiche Patten angeschnitten, die mit Doppelknöpfen gejchloffen werden. Der gerade, den umgeschlagenen vorderen Rändern angesetzte Kragen kann hochgeschlossen werden. Erforderlich sind etwa 4 m Stoff, doppelt breit. Lyon-Schnittmuster, Gr. 44 zum Preise von 7ä Pf. erhältlich. rrrtä? I 7607 Kleid aus maronenbraunem Wollrips. Der Schnitt eignet sich auch zur Herstellung eines Waschkleides aus Leinen, Frottee oder Waschrips. Die Hinterbahn, deren Ränder lose auf die Vorderbahn treten, ist wie der Gürtel mit Tresse besetzt. Den Schlitz im Vorderteil der Bluse sdiließt, zusammen mit dem gerollten Kragen, eine Schleife aus schwarzem Seidenband. Erforderlich sind etwa 3,75 m Stoff, doppelt breit. Lyon-Schnittmuster, Gr. 44 zum Preise von 75 Pf. erhältlich, St 59. St 59 B u ch t a s ch e mit T rägem aus grauem oder farbigem Leinen mit bunter Stickerei. Die Größe beträgt 25 zu 40 cm, der Rand ist mit Zierstichen gesäumt. Lyon-Abplätt- muster zum Preise von 40 Pf. erhältlich T. 705. T 7631. Mantelkleid ausGabardin mit bestickten Blenden und Patten. Das Kleid kann sowohl aus farbigem, wie aus weißem Cabardin hergestellt werden, doch eignet sich auch Frottee oder Waschrips für den Schnitt. Der glatt gehaltene Rücken ist in der Taillenlinie mit einer gestickten Patte besetzt, unter der der schmale, den Zugsaum deckende Gürtel ansetzt. An der Vorderbahn je seitlich schräg gestellte Pattentaschen. Stulpenartige, mit Stickerei geschmückte Manschetten Erforderlich sind etwa 4 m Stoff, doppelt breit. Lyon- Schnittmuster Gr. 44 zum Preise von 75 Pf. erhältlich. T 7583 Kimonokleidchen aus kariertem Wasch- vder Wollstoff für Mädchen von 4 bis 6 jähren. Das am Halsausschnitt gereihte Kleidchen ist mit dunklen Blenden besetzt; ein Schlitz in der vorderen Mitte erleichtert das Einschlüpfen. Die Weite des Kleides wird durch einen seitlich gebundenen Gürtel aus dem Blendenstoff zusammengehalten. Erforderlich sind etwa 175 m karierter Stoff, 100 cm breit. Lyon- Schnittmuster für das Alter von 4 bis 6 jähren zum Preise von 75 Pf. erhält üdi. sT 7.5711 DURCH DIE PARTEiBUCHHANDLUNG AM ORTE ODER DEN VERLAG DER„FRAUENWELT" J. H.W.D1ETZ NACHF., BERLIN SW68 1":\SSE 3 J