dUI�V*U!iJd**r9L~i I— IHM Uli'. Hl i.i m J !__". Beilage zum Vorwärts 18. September 1924 Nr.19-«- 41. Jahrgang ■■■. Wir wollen öen Zrieöen! Am Sonntag, dsn 21. September, werden in allen Ländern die freigewerkschaftlich orgaiiisierten Arbeiter zusammen mit den Sozial- demokraten Kundgebungen gegen den Krieg veranstalten, In sestlichen Massenversammlungen soll Forderung und Gelöbnis zugleich erklingen,' Nie wieder Krieg! Werden die Regierungen den Ruf vernehmen? Wird er in den Tiefen der Völker lviderhallen? Wir wissen es nicht. Nur ein« Hoffnung haben wir, dah es so sein möge, daß die Sehnsucht nach dem Frieden in hellen Flammen aus- lodern möge in den Herzen der Menschen. Daß aus dieser Sehn- sucht endlich der Wille geboren werde, der Zeit und Menschheit neu gestaltet. Viel können die Frauen tun, daß es so werde. Es kommt nicht darauf an, daß wir rufen: Nie wieder Krieg!, sondern darauf, daß wir gleichzeitig wissen: Wir wollen den Frieden! Nur in friedlicher Entwickelung, nach innen und außen, kann Kultur gedeihen, kann eine höhere Moral sich entwickeln, können all die Wert« wieder erworben wer. den, die der Krieg zerschlagen hat. An uns ist es, den Abscheu vor dem Krieg lebendig sein zu lassen. Nicht wühlen im Leid der Vergangenheil. aber mahnen zur Abwehr für die Zukunft! Was haben wir getragen! Und doch gibt es Minier, de es ruhig mit ansehen, wie ihre Kinder im Spiel den Krieg üben, wie ihr« jun- gen Söhne und Töchter die rohe Ge- waltmoral verherrlichen. Und warum tun diese Mütter so? Weil sie ver- gejsen haben, iveil sie sich kraftlos müde in ihr Schicksal finden, weil sie neben ihrem eigenen Leben ni« die furchtbare Tragödie eines ganzen Volkes miterleben konnten. Aber wir S o z i a l i st i n n e n, die wir bren- nend durch das Feuer liefen, haben die Pflicht, die Müden aufzurütteln,' den Verzmeifelteii Mut zu geben, die Egoisten niederzuhalten, da- mit es nicht wieder so kommt. Der Krieg 1311 kam wie ein Ungewitter über die beteiligten Völker. Gewiß waren die Sturmzeichen da: der politisch Veob- achtende sah sie. Aber die große Masse war ahnungslos, wurde hingerissen in das Verhängnis. In wildem Wirbel stürzten die Gefühle dieser Masse Menschen durcheinander, nicht nur bei uns. sondern in der ganzen Welt. Schrecken und Begeisterung, Blut- rausch und Auflehnung fanden sich zuni tollen Todestanz. Wen kümmerte das Weh der Millionen Frauen und Mütter, die nicht mit dem tollen Reigen ivarcn? Wen die Schutzlosigkeit der K!n- der? Das Blut oerströmte, die Kräfte zerbrachen, die Moral ver- sank, aber weiter ging es, immer weiter! Wißt ihr noch, wie es gewesen ist? Beinah« 1 l) Millionen Tote im„Feide der Ehre", 15 M i l l i o 1« n Tote in den am Krieg beteiligten Ländern mehr als vor dem Kriege...Sterblich- keitszunahme" heißt das in der Statistik— wir wissen, daß es Kriegsopfer waren. Und das alles kostete den beteiligten Staaten rund taufend Milliarden Goldmarl Wißt ihr noch, wie es gewesen ist? Ja, ihr wißt es, wir Ewig Krieg? „Der Menschen Krieg währt immerdar"— Ihr Träumer: Nein, es ist nicht wahr! Des Menschen Krieg währt seine Zeit ÄiS sich der Mensch vom Krieg besreit Und sein Geschick frei wie er denkt Mit Selbstbewußtsein selber lenkt. Tief schau ich in der Dinge Strom, Von unten sieigt des Friedens Dom, Iahrhundert auf Jahrhundert hebt Sich Stein auf Stein, das Lauwerk bebt, Dock? fällt es nicht und wächst mit Macht Empor zu blaukristaklner Pracht. missen es alle, und wir wollen, daß es nicht wieder so kommt. Darum wollen wir als Sozialdemokraten die letz!« Ursache aller Kriege, die kapitalistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung umgestalten zur sozialistischen. Wir wollen den wilden Konkurrenz- kämpf der wenigen Besitzenden um den größten Absatz ihrer Waren auf dem Weltmarkt, um die Vermehrung ihres eigenen Reichtums ohne Rücksicht auf Schaden oder Vorteil der Völker, beseitigen. An seine Stelle wollen wir dos Schaffen aller für alle, den Austausch der Waren in der Welt, nach den Bedürfnissen der Völker setzen. Auf dem Wege freier, friedlicher Vereinbarungen soll Handel und Wandel in der Weltwirtschaft geregelt werden. Die Sclbstherrschaf: soll aus Staat und Wirtschaft verschwinden und der allgemeinen Verantwortung Platz machen. Schiedsgericht« sollen über Streitigkeiten entscheiden. Ini Völkerbund sollen alle Staaten ihre Interessen vertreten und ausgleichen. Darum verlangen wir den Einlritt und die Aufnahnic Deutschlands in den Völkerbund. Wir Ffauen, wir Mütter verlangen es, well wir den Frieden wollen! Wird die deutsche Regierung dem Gebor der Stunde solgcn, wird sie den ehrluhcn Friedenswillen großer Volksmassen achten und die Aus- nähme in den Völkerbund nach- suchen? Oder wird sie dem Druck der Na rl Hencke l! Deutschnationalen folgen,„aus Grün. den der nationalen Ehre" die. offene Tür zuschlagen und damit ein« Hoff- iiunz hüben und drüben, ein Ver- trauen zu Deutschland veinichtau? Um der„nationalen Ehre" willen soll die Unschuld Deutschlands am Weltkrieg von seinen ehemaligen jkriegsgeznern anerkannt i Verden, ehe inan sich mit ihnen ein einen Tisch setzt. Wir Sozialdemokraten haben die These von der Allciiischuld Deutschlands immer energisch zurückgewiesen. Aber ebenso energisch lehnen wir es ab, diejenigen von Schuld sreizusprecheu, die so lange zum Kriege gehetzt haben, bis er da ivar: die auch jetzt nicht anders können, als immer von neuem den Haß zu schüren, das Vertrauen zu zerstöre» und deren ganze Aktion gegen den Eintritt», den Völkerbund nur den Zweck hat, die Verständigung, die Lösung aller Streiljrage.i ans friedlichem Wege zu verhindern Die Deutschnationalen sind die F-inde des Friedens, für den wir gearbeitet haben in diesen fünf schweren Nachkriczs- jähren. Wehe, wenn de-' Ruf„Nie wieder Krieg!" zum Schlagwort wiude. Es wäre das schlininiste Verhängnis'— vor allem für die Jugend,.lneiiiger, lohender Wille muß er werden. Die hohe siüliche Jdc« der friedlichen Gnne'inschnst der Völker muß siegen über die rohe Gewallmoral. Wir Frauen sind n-cht mehr wie einst gebunden in unlerem Schaffen iiir die Menfchenrersähnung. Wir können die Peiiiik beeinflussen, wir können die Kulturentwicklung hemmen oder fördern. Zwei Wege gibt es: cinen hirzib in die Berzangenheu, einen hinauf i» die Zukuiiff. Wir wollen den zukünftigen gehen, w!« hart und steinig er sein»'Mi wir wollen den Frieden! Clara B o h in- S ch u ch. tVeibliche Kriegsopfer. Ter Weltkrieg hat nicht nur des Leben van zwei Millionen tcutschen Männern gefordert. Auch d e Reihen der Frauen hat er gelichtet Tie Äriegsernälirung forderte ihr« Opfer sowohl unter den Mädchen wie unter den Knaben. Ei« oerschonte die alten Frauen so wenig wie die alten Männer. Haben wir nach de-n Kriege schon bei den Männern die auffallende Tatsache zu konsta- tieren, daß trotz aller-Kriegsgesollenen die Zahl der Männer zwi- schon 15 und 65 Jahren von 58,4 Proz.cher männlichen Bevölkerung auf 62,6 Proz. im Jahre 1919 angestiegen ist, so hat sich diese Ent- wicklung bei den Frauen noch viel deutlicher bemerkbar gemacht. Bon der weiblichen Gesamtbevölkerung befanden sich vor dem Kriege 58,4 Proz. im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 65 Jahren. 1919 waren es 64,9 Proz. Der Geburtenaussall und das Massensierbei! der Kinder und ölten Leute im Krieg prägt sich in diesen Zahlen deutlich aus. Hatte schon der Weltkrieg mit seiner Blockade Deutschlands für die nichtmobilisierten Bcvölkerungskreis« solche vernichtenden Folgen, so ist gar mcht auszudenken, wie das bei einem zukünftigen Krieg werden soll, von dem heute in mmichen Kreisen wie von einer Selbstoerftändlichkeit geredet wird. Es gibt sogar Frauen, die die dumme und gewissenlose Kriegshetze der rechtsstehenden Parteien mitmachen. Nicht wenige von diesen Frauen werden dabei denken, daß ihnen selbst ja nichts passieren kann. Sie haben noch nie überlegt, daß ein kommender Krieg nach dcn Verbesserungen im Flug- zcuzwcscn und nach bekanntgewordenen Erfindungen auf dem Ge- biete der Kbriegstechnit nicht mehr zwischen zwei Heeren geführt wird, sondern zwischen der Gesamtbevölkerung der kriegführenden Staaten. Nicht mehr der Sieg über die feindlichen Soldaten, son- dern die Vernichtung der Völker, also auch der Frauen, Kinder und Greise würde das Ziel kommender Kriege sein. Di« weibliche kriegsbegeisterte Schwärmerei von dem Heldenmut der Männer ist ein Beweis nicht nur jür die Roheit, sondern auch sür den Mangel an De iksähizkeit dieser Frauen. Mögen uns ihre Kriegs Hetzereien oft dumm und unwichtig erscheinen, so dürfen wir doch nie vergessen, daß sie damit den Boden bereiten für einen neuen Krieg mit allen seinen Schrecken. Irauen im Krieg. „Zu den Frauen, die„Erzähle dach, Georg" sagen, führt kein Heimweg. Zu den Französinnen, die einen Menschen, der seit 30 Stunden in dem von der Julisonne durchglühten Waggon schmachtet, das Trinkwasser verweigern— mit der Croix-rouge- (Rote-Kreuz,) Binde auf dem Arm und dem Wosscrkruge in der Hand verweigern!... Zu den Hyänen, die wehrlose, erschöpfte, gottverlassene Gefangene, fern von Weib, Kind, Heimat, Mutter- fvrache, einsam in feindlicher Gewalt, als„Baches" angespien... Zu den deutschen Patrictinnen, die, weil achlzigtauscnd russischer Mütter Söhne in Sllmvfen«lendig ersosfcn sind, jauchzend die Fahnen vom Speicher holen, ohne Schauder, ohne Milleid, ohne Empörung: ohne auch nur«inen Augenblick daran zu denken, daß ochtzkuausend russischer Mütter Söhne in Sümpfen elendig ersoffen sind, die Mutter, noch ein letztes Mal einen lieben Fraucnnamen gerufen, geröchelt, geknirscht, gehe»!' haben, ehe die ekle Brühe für immer die Kelle füllte!... Zu solcher, nicht nur entweibter, nein, entmenschter WeiblicbMt führt kein Heimweg." (Ans cincin ini grühiehr lvl8 krschirncnco Ausruf..Frauen!m lUicfl". Verla« Max Vaschcr, Zürich.) Der Zug ins Cienö. „Hiiie dich nur und brwabrc deine Ccclc ruobl, dag du nicht vergessest der Ecschichlc, die deine Auge» arsekcu haben.. (5. Mosc--, Kap. 4, V. 9.) In wundervoller Vertonung, von hellen Knaben- und dunklen Männerstimmen gestingeii. Hort« m dem Bibeloers in cincin schönen Konzert und an einem Tage, der sür mich eine große Bedeutung i?atte. Im Geiste sah ich während des Gesanges lange Züge junger Menschen, grop, schlank, blühend, fast alle trugen sie große gelbe Kartons in der Hand, wenige hatten Kisten, nur einige Koffer. Später, als der Krieg länger dauerte, kamen die Aelteren, denen man des Lebens Sorge und Mühe schon ansah, l>nd auch ganz Junge, denen das Hineinwachsen in das Leben noch vorbehalten war. Lange Züge gelber Kartons, die man nicht vergißt. Bei der Auslese wurden immer weniger Ansprüche an Größe, Gesundheit, schone Glieder und Krakt gestellt. Aber immer noch versuchte man die Gesündesten und Stärksten zu erfassen. Widersinn, der im Kriege liegt. Und dann, viele, viele Feldgraue, die varbereitet waren für den„Kampf", Feldgraue mit Stost Helm und Tornister, taufende — tau'end: jung? Menschen zogen� täglich singend, mit Bluwsn geschmückt, durch die Siraßen zum Bahnhos. Sprach man mit ein- zelnen, kam rs heraus: es war ihnen gar nicht zum Singen.— Befehl und Massensuggestion. Jeder lieg eiwas Geliebtes zurück. Jeder nahm Sorge— brennende Sorge mit hinaus Viele kamen nickt wieder, vie'c von denen die mit waren, kämpfen beut« als K r ii p p c l gemeinsam mit den alten Estern, Frauen, Waisen der Gefallenen um kärgliche Reuten, und andere, die cheinbar gesund wiedergekommen sind, tragen, dem geivohn- l'chen Auge unsichtbar, körperliche und seelische Leiden mit sich herum. Kultureller und geistiger Stillstand der vier Knsxsjahre(Stillstand ist immer Rückentwicklung) hing uns in den vergangenen Nachkriegsjahrcn wie Bleigewicht an. Und— wehe den Besiegtenl — Reparationen, Kohlenliefcrung, Richrbefetzung, alles, was damit als Kriegsfolge zusammenhängt, grinst ganz höhnisch ins Gesicht, wenn wir an den Auf- und Ausbau unserer Schulen, der sozialen Einrichtungen, wie Mutter- und Kinderschutz, Jugendpflege, wenn wir an dcn Ausbau unseres Verkehrswesens unter Nutzbarmachung aller technischen Fortsclstilte denken wollen. Und wenn man dann heute die meisten Tageblätter liest, die doch täglich zu Millionen sprechen, wie viele von denen, die da schreiben und die in den Redaktionen sitzen, yaben die„Geschichte vergessen, die ihre Augen gesehen haben"! Sie peitschen die Leiden- schaft auf im politischen Kampf, die zum Kriege hindrängt und ver- schließen sich der Stimme der Vernunft— verantwortungslos. Den Gedanken des Bölkerfriedens in allen politischen Handlungen zu betätigen und ihn durch die Presse zu propagieren, über- lassen sie den wenigen Demokraten und vor allem der Soziatdemo- kratie und ihrer Presse. Wir aber, olle, die wir an die Möglich- keit des Bölkerfriedens glauben, nein mehr, auch davon wissen, wir dürfen nicht eher ruhen, bis eine sozialdemokratische Zeitung in jedem Hause gelesen wird. Mari« I u ch a c z. vateclanS unö Kricg. Das Baterland den Leuten einreißen, die das Talerland ge- pachtet hoben, den Kasten des Militarismus und den Räuber- banden der Finanz-- allen Nastonen die unbegrenzt« Ent- wicklung zur Demokratie geilat.en, das heißt nicht nur der Jnter- nationale und dem internationalen Proletariat dienen, das heißt dem A a te r l a n d e selbst dienen! Jean Jan res(„Vaterland und Proletariat"). Mut und Ecschicklichkeit trifft man sowohl bei Straßenräubern wie bei Helden an. Der Unterschied ist nur der. daß der Landes- eroberen ein vornehmer und berühmter Räuber, der andere aber ein geringer und unbekannter Räuber, und daß der eine für feine Gewalttätigkeit Lorbeer?, weigz. der ander« den Strang davonträgt. Friedrich II.(genannt„der Große"). 4- Der Prediger des Krieges ist des Teukels Feldpater. Altes Sprichwort. 4° Es ist verkehrt, den Mord im Frieden zu bestrafen und den Mord im Krieg zu belohnen. Es ist verkehrt, den Henker zu verachten und selbst, wie es die Soldaten tun. mit einem Menschenvbjchlachtungsinstrument, wie es der Säbel ist oder der Degen, stolz herumzulaufen. Verkehrt ist es, die Religion Christi, diese Religion der Duldung, Vergebung und Lieb«, als Staatsrcligion zu haben und dabei ganz? Taster zu Menschenschlächtern heranzubilden. G e r h a r t H a u p t m a n n. Das sthwache Gefchkcht. Ist es wirklich wahr, daß wir das schwache Geschlecht sind? Gerade den Frauen ist doch so vieles auserlegt, das größere Kraft und Stärke erfordert, als sie oft dem Manne bcschieden ist. Ini Alltagsleben kann sich beispielsweise die Kraft der Frau in sclchem Maße bewähren, daß nian von Schwäche des weiblichen Geschlechts mcht mehr reden kann. Und be anders in der jetzigen Zeit, in der Millionen von Mädchen und Flauen erwerbend im Lebenskampf stehen müssen, zeigen sie auch die nötige Kraft. Am meisten ist es die Doppelbetätigung, die Hochachtung einslöße» muß ob der Vielseitigkeit der weiblichen Fähigkeiten und Ausdauer Da sind z. B. Frauen, die Mann und Kinder haben und!ii der Eile morgens diese mit dem Nötigsten versorgen müssen, auch die Stuben in Ordnung bringen, dann rennen sie fort, der Arbeit zu. Mittag, abend Hast und Last, kaum ein Atemzug frei für den Genuß einer Freude am For. schritt der Kinder, an einem klugen Wort, mit dem Manne gewechselt. Matt und müde ist der Geist, wie zerschlagen der Körper., Und die jungen Mädchen, die in Geschäfte, Kontore, oder sonstige Arbeitsstellen gehen und doch zu Hause sehr tüchtig mit anfassen, Ge- schwister oder Eltern verpflegen und das Eigene in Ordnung halten müssen. Und die Mädchen>md Frauen, die für sich allein lebe». aber auch in d:n Stunden, die ihnen die Berussarbeit läßt 5)aus, Kleiber und Essen besorg! n sollen. Au? dem Zustand des Verhetzt- seins kämmen sie kaum heraus. Wer sich einfach in Pension begibt, hat es am besten. Aber für viele ist das zu teuer, und lebt die Familie am Ort. so ist natürlich jede am liebsten bei den Ihrem Ob wohl viele Männer das lange aushielten, ihre Kräsl« so an zwei Enden zugleich aufgebraucht zu sehen? Auch jene arbeitenden Frans»? die einen Beruf haben, der im eigenen Heim ausgeführt werden kann, haben es nicht viel besser. Denn nur die wenigsten können sich so cinrickten. daß sie von der«inen Sack)« leben. Ein schivaches Geschleckt könnte solche Leistungen nicht voll- l'ringen und diese Verhältnisse sind mit schuld daran, daß der meib- liche Organismus oft unterlegen muß und dann heißt es: die Frau sei untauglich zum Erwerb! M. H. Die moslemisthe Krau. Von Erna B ü s i n g. Den hohen Gedanken der Jnternationalüät erfaßt nur,«er sich eifrig die Mühe gibt, jedes Volk aus feiner nationaien Eigenart heraus zu verstehen. Ebensowenig wie ein Mann, belastet mit dem Dünkel der Mannherrlichkeit, das Wesen der Frau erfassen kann, ebensowenig kann ein Europäer, zum Platzen angefüllt mit euro- päischer Ileberheblichkeit, dem Wesen des Orientalen gerecht werden. Mvrgenland und Abendland sind zwei gänzlich verschiedene Welten, dessen müssen wir stets«ingedenk fein. Es handelt sich um zwei ver- schiedene Kulturen. Wenn man vom Orient spricht, kann man den Jilam nicht übergehen, da er nicht nur Religion, sondern auch staatliche Gesetzgebung ist und um Völker sehr verschiedener Rassen ein einendes Band schlingt. Viel ist den europäischen Frauen von der Unfreiheit der orien- talischen Frau berichtet worden. Man erzählt europäischen Industrie- arbeitern bekanntlich auch von der menschenunwürdigen BeHand- iung der Kulis(die nicht etwa bestritten werden soll), um zu der sein überlegten Tendenz zu kommen, daß die europäischen Arbeit- geber doch wahre Wohltäter sind. Desgleichen erzählt man von der Knechtung der orientalischen und namentlich der mohammedanischen Frau, damit die Europäerin zufriedenen, dankbaren Sinnes ob ihrer gehobenen Stellung sei. Von der moslemischen Frau soll hier die Rede sein. Wir sprechen gewöhnlich von der Mohemmadanerin. Die Anhänger Mohammeds aber Haber nicht die Gepflogenheit, sich nach ihrem Propheten zu nennen. Sie sind Moslems, und dl« nach dem Koran leben, sind die islamischen Völker. Islam heißt Gottergeben, man findet jedoch auch die Uebersetzung Friede für dieses Wort. Für den gläubigen Moslem ist bis aus den heutigen Tag das Leben des Propheten maßgebend. Und da die Frauen um Mohammed bekanntlich«ine sehr große Rolle spielten, so dürste eigertlich auch heute den moslemischen Frauen in der Betätigung für die Allg.'- mcinheit kein Hindernis in den Weg gelegt werden. Wir erleben es auä), daß in der jungen türkischen Republik ein» Frau, Edib Hanum(Hanum bedeutet Dame) Unterrichtsmini st er und die Gattin des Präsidenten Mustafa Komal Abgeordnete ist. In der Türkei nimmt die rerheiratete Frau nicht den' Namen des Mannes an— weil st« kein Cachgut des Mannes ist. Zur Förde- rung der christlichen Missions- und der europäischen Kolonialinter- essen wird immer sehr viel von dem Fanatismus der gläubigen Mohammedaner erzählt. Dabei anerkennt der Islam Christus, Moses und alle Propheten. Mohammed selbst heiratete ein« Christin, sie hieß Mirjam(Moria). Auch heutzutage traut der Jmam(Geistliche) einen Mösle!» mit einer Andersgläubigen. Die Frau braucht keine Mitgift, sondern der Mann muß seiner Erwählten ein, leinen Ver- mögensvcrhältnisscn entsprechendes Geldgeschenk machen. Dieses, ihr Geld verwaltet die Frau vollkommen selbständig. Die Eltern müssen der Tochter das gleiche Erbteil geben w!« dem Sohne, das hat bereits Mohammed sestgclegt. Was aber mar das Ideal vieler sich für olle Welt maßgebend dünkender bürgerlicher Familien im wilhelminischen Deutschland? Alles Geld wurde zusammengescharrt, damit der Sohn Offizier wurde oder seinen Dcklor machte und die vennögens'ose Tochter ging in eine(oh, welches Glück) adlig« Familie als Fräulein schlicht um schlicht. Die Ehescheidung ist in islamischen Lände«, sehr leicht. Abneigung eines Ehegatten genügt. Die Kinder verbleiben der Mutter. Einer geschiedenen Frau haftet kein Makel an, wie das in dem vorurteilbehafteien Europa noch bis auf de, heutigen Tag der Fall ist. In islamischen Ländern ist die Polygamie(Vielweiberei) erlaubt. Im Abendland ist sie verboten, existiert aber doch. Der Moslem hingegen kennt nur ehrlich« Kinder. Der Koran gebietet den Ehemännern, ihre Frauen freundlich zu behandeln. Ein Sündenfall ist den Moslems(es gibt über 300 Millionen Moslems) unbekannt. Während es in der Bibel nommen. So hat er sich auch wiederholt über'Liebe und Che ge- äußert. Dietzgen, der nach kurzer Eh? W'twer wurde und mit einem Sohn und zwei Töchtern zurückdlleb, wanderie nach Amerika aus, wo er auch gestorben ist. An seinen Bruder schreibt er:„Auch Minna aus Pittsburg hat uns ihren Besuch angemeldet. Mein Verhältnis zu ihr ist immer ein rein platonisches gewesen. Ich hatte wohl oft Lust gehabt, ihr näher zu kommen. Aber sie hatte nichts und ich"Halle nichis, da waren also keine Aussichten zur Heirat! und so unter der Hand, das war mir wegen der möglichen Früchte zu gefährlich." Man beachte die Reinheit der Sitten dieses einfachen Mannes aus dem Volk. Da er die Freundin nicht heiraten kann, um nicht Kinder im Elend in de Welt zu setzen, legt er sich ihr gegenüber alle Reserve auf und läßt sich nicht dazu verleiten, ein„Verhältnis" mit ihr anzusanzen. Die brüchige, bürgerliche Moral hat bekanntlich immer wesentlich enders über diese Dinge gedacht und ist mit der größten Leichligkeit über derartige Bedenken Hinweggeglilien. Man hat hier nur das Bestreben, der Einnenlust zu leben, unbekümmert darum, was aus den Opfern wird. An diese Jugendfreundin, Minna Werner, ha, Dietzgen einen Brief über Goethes Liebe und Untreue geschrieben. Er äußert hier so unverfälschte, natürliche und zum Teil urwüchsige Ansichten über die Liebe, daß sie wohl kaum übertreffen werden können, Cr sagt in diesem Zusammenhang:„Treu und untreu sind beide Gcschiechler — je noch Umständen. Di« Lösung dcler Angelegenheit ist in den sozialen Verhältnissen und»ich, in der Moral zu suchen." Wir wissen ja nur zu gut, daß es auch li«ute»och für diese Dinge eine doppelte Moral gibt. Der unireue Arbeiier heißt geniein und roh, der „seine Mann" aber,, der unireu in Liebe oder Ehe ist, wird mit tausend Scheinzründen entschuldigt. Dietzg- n ist aber andererseits auch cfseii genug, um uo: frische und aus dem Herzen lcinmende Sinnlichkeit eines großen Dichters gu verstehen. Gl>:the hct lnnge Iiihre in den Banden der adligen Iran von Stein geschmachtet. Dann sand er das groß« Glück in den Annen von Christiane Vulpius, der einfachen Tochter aus tem Volk. Dietzgen urteilt darüber:„Goethe stand rinrer dem Pantoffel der Sinnlichkeit. Aber wer darf das dem Dichter verdenken? Welcher spirilistifch« Schmachtlappen kann es dem Ma in verargen, daß er die saftige Liebe des Mädchens„aus niedcrem Stand" der werten, gebildeten und vornehmen, aber ach so dürren Liebe Char- loite von Steins vorzieht?" Diese Wort« sind 1888 geschrieben. Aber sie muten so frisch an wie von gestern, und Dietzgen beweist mit ihnen, daß er, der Arbeiter und Lohgerber, den großen Dichter Goethe besser verstanden HM, als manche der gelehrten Goeilxforschsr und-erllärer. Die Männer studieren die Frau wie«in Barometer: sie kennen sich immer nur auf den Höchsten Tag aus. Die Liebe kennt nur die Gegenwart, die Freundschaft sagt:„Er- innerst du dich?" rv-ie-y r-v-r-�ryyyxyxy�'ryKTWOT Scherz und Ernst Auch eine LicbeserNärung. Der Direktor eines Warenhauses ging am Telephonkabinett vorüber, worin ein.' der Verkäuferinnen stand und telcphonierte. Der gestrenge Herr Direktor glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, als er die junge Dame sagen hörte:„Ich liebe dich nur ganz allein und sei nicht böse."'Dann hing sie den Hörer auf und stand dem wutschnaubenden Hetrn gegenüber.„Fräulein Meier," sagte er, „das Telephon ist nur für Eeschäftszw.'cke angebracht und nicht für Liebsserklärungen des Personals. Also bitte, merken Sie sich das!" Kalt lächelnd schaut ihn Fräulein Meier an und bemerkt:„Job habe nur ei» paar Lieder bestellt, die in der Müstkabteilung in Auftrag gegeben sind." Es wird leider nicht vcrz.ichnet, was der Herr Direktor darauf erwiderte. Kindermund. Ein kleines Mädchen empfängt Besuch von einem anderen. Sie spielen Erwachsene.„Guten Tag, liebe Frau Müller," sergt die Sechsjährige,„wie geht es Ihnen? Wieviel Kinder habe u Sie jetzt?"„Sechs, Frau Lehmann."„lind die stillen Sie alle selbst?"„O nein, drei stille ich und drei stillt mein lieber Mann." Das sichere Pfand. Zu einem Bauer, der zwei schlachtreife Ochsen im Stall stehen hat, kommt ein christlicher Piehlstindler und will die Ochsen kaufen. Man wird handelseinig, die Ochsen sind ver- kouft: aber der Viehhändler kann nicht bar bezahlen, er hat sich anderswo zu stark ausgegeben. Einem jüdischen Viehhändler würde der Bauer die Ochsen auch so mitgeben, bei einem christlichen Händler ober hat er Bedenken.„Ja, wenn Sic wenigstens ein Pfand da lassen können," sagte er schließlich zum Händler.„Wissen Sie was?" meint dieser,„ich nehme vorerst uon den beide» Ochsen nur>:in-:i mit und lasse den anderen zum Pfands, bis ich das Geld für beide bringe."„Gut," sagt der Bauer,„mag ein Ochse als Pfand da bleiben: jetzt habe ich Sicherheit, da können Sic den anderen Ochsen ruhig mitnehmen." Er wolll's gut machen! Rudis Mutter hat Fisch« eingekauft und crmahnt ihren vorwitzigen Kleinen:„Laß aber die Fische in Ruh", de wollen schlafen." Als die Mutler nach einem kurzen Ausgang zurückkehrt, sind die Fische verschwunden.—.„Rudi, wo sind die Fische geblieben?"—„Die schlafen!"—„Was?"—„Die schlafen, komm nur."— Und richtig, da lagen sie im Bett, schön der Reihe nach aus dem Kopfkissen und waren warm zugedeckt. sTDÖST !M §ur unsere Kinder m Sepiembermorgen. Im Nebel rulzet roch die Welt, Noch träumen Wald und Wiesen: Bald siehst du, cvenn der Schleier sali. Den blauen Himmel unoerstettt, Herbstkrästig die gedämpsle Welt In warmem Golde stießen. herbstgang. Der Wald grüß: uns in seinem buntesten Kleid.'Aus dem Reichtum semer Farben schauen die Wipfel der Tannen in ihrem Sehcvarzgrün noch ernster als sonst, als ob sie das leichtfertige Wesen der slattcrhasien Laubbäume ernstlich mißbilligen: Birken und Hainbuchen sind hellgelb, die Rotbuchen zeigen sich in allen Farben zwischen Gelbrot und Kupferbraun: der Sauerdorn ist schar- lachrot, der Ligusch'r dnnkelviolet: Heidelbeere und Brombeersträucher fiigen ihr Rai in das grüne Gras des Woldbodens. Die Farben breiten sich über den Wald in der anmutigsten Verteilung. Hier flammt das Gelb einer Birkenau«« durch den Kiefernwald dort st-ht ei» rotfarbener Ahornbaum einzeln vor dem dunklere» Hintergründe des Erlenzebüschs, die Bronzesarb« des Buchenwaldes überzieht den ganzen Bergrücken und dann wieder ist der Wald mit allen Farben bunt gelupft. Allerlei Fr lichte machen das Bild noch bunter: blau bereifte Beeren am niedrigen Brombeergesträuch, schwarze Holunderbeeren, die purpurroten Aepfdchen des Weißdorns und der Eberesche, die schwarzblauen Feuchte der Schlehe, braune Eicheln und glänzende, inahagonifarbene Kastanien n»d lief am Waldboden die roten Preiset- teeren. lieber die Farbenpracht wölbt sich der wolkenlose, blaue Him- »vel, die Sonn« gibt ihr mildes Licht, die weißen Herbstfäden gleiten langsam und traun: halt über Wiese und Feld� und von Zeit zu Zeit tönt durch di« Stille der Ruf der wandernden Witdgans. Es ist, als ob die Erde in Feiertagsruhe und mit stiller Freude auf ihre reiche Somn:crarbeii zurückjchiue. Aus„Ludwig Richter- Hausbuch" S. 27ü. der Knabe und die Schlange. Ein Knabe spielte mit einer zahmen Schlange.„Mein liebes Tierchen," sagte der Knabe,„ich würde mich mit dm so gemein nicht machen, wenn dir dos Gift nicht genommen wäre. Ihr Schlangen seid die boshaf'esten, undankbarste» Geschöpf«! Ich habe es wohl gelesen, wie es einem armen Landmann ging, der eine, vielleichl von deinen IlreUern, die er halb erfroren unter einer Hecke fand, mitleidig aushob und sie in seinen erwärmenden Busen steckte. Kaum fühlte sich die Böie wiede«. alz sie ihren Wohltäter biß: und der gute, freundliche Mann mußte sterben." „Ich erstaune," sagte die Schlange.„Wie partciisel, eure Geschichtsschreiber lein müssen! Di« nnserigen erzählen diese Historie ganz anders. Dein freundlicher Mann glaub!«, die Schlanze sei ivirk- lich erfroren, und Iveii es. eine von den bunten Schlangen war, so ihr zu Haus« die schöne Haut abzustreifen. War „We'che Undankbare steckte er sie zu sich, das recht?" „Ach schweig nur!" erwiderte der Knabe. hätte sich nicht zu entschuldigen gewußt!" „Recht, mein Sohn," siel der Bater, der dieser Unterredung zuge- hört halte, dem Knaben ins Wort.„Aber gleichwohl, wenn du einmal von einen! außerordentlichen Undank« höre» solltest, so untersuche ja alle Umstände genau, bevor du einen Menschen mit so eincni abscheulichen Schandflecks brandmarken lassest. Wahre Wohltäter Im ben selten Undandkbare verpflichtet: ja. ich will zur Ehre der Menschen hoffen,— niemals. Aber die Wohltäter mit kleinen, eigen- nütz igen Absich ien, die sind es wert, mein Sohn, daß sie Uiidoiik anstatt Erkenntlichkeit. einwiiehern." Gotthold Ephraim L e s s i n o. Das beste Gekränk. Der beste Wein für Kinder, Der weiße isls, fünvahr, Der aus der Felsenquell« So lustig fließt und klar. Er fließt durch grüne Auen, Ihn trinken Hirsch und Reh Und Lerch' und Nachtigallen: Er macht den Kopf nielst weh. Und ist er gut für Kinder, Der klare, weiße Wein. Mich dünkt, er muß nicht minder Auch gut für Große sein. Pocci. Nn'tse!-E