-------------------------- M�wjKwguerwwajiCTgaMPi� I Nr.20�41.?ahrgang l Beilage zum Vorwärts I 2.Gktobee,y24> _ l)agWWWWaWWwW»<*wwB>wwWW«MMWili*��!a:.ii.-!;ijiiE.:. ,: Die weiblichen Erwerbslosen. Es dürft« in Deutschland wohl nur noch roemg« Frauen geben, dt« nicht begriffen l)aben, daß wir mit der Erreichung der politischen Gleichberechtigung bei weitem noch nicht die Gleichstellung der Ge- schlechter in Deutschland erzielt haben, und daß es ganz besonders heißt, ln zähem Kampfe die wirtschaftlich« Gleichberechti. g u n g der Frau zu erkämpfen. Das wurde uns klar, als in der Demobilmachungszeit die Frau, die vier Jahr« lang das deutsch« Wirtschaftsleben durch eine weit über ihre Kraft gehend« Arbeits- leiftung aufrechterhallen hatte, rücksichtslos dem Mann« Platz machen mußte: das spüren unzählige weiblich« Beamte und Angestell!« bis auf den heutigen Tag als Folg« der Abbaumaßnahmen von Reich, Ländern und Gemeinden, und das sehen wir in der schlechteren Entlohnung der Frau dort, wo sie gleiche Arbeit wie der Mann leistet. Sind auch dies« Tatsachen zum Teil«in« Folg« der durch den Krieg hervorgerufenen zerrütteten Wirtschafts- und Finanz- lag«, so wollen wir uns doch nicht verhehlen, daß sie ihr« primäre Ursach« in dem inneren Widerstand sowohl der maßgebenden Faktoren im Wirtschaftsleben wie auch in der Gesetzgebung hat. Die politisch« Gleichberechtigung ist für sie eine unliebsam«, jedoch nicht mehr zu ändernde Folg« der Revolution: ihr« selbstverständlichen Konsequenzen aber suchen sie solang« wie möglich zu oerhindern. tiiervon haben wir eine Probe in den letzten Monaten in der Frag« der Ernrerbslosenuntersttitzung erhalten. Seit Jahren kämpft die Sozialdemokratie für gleich« U n t« rst ii tz u n g de r m ä n n- lichen und der weiblichen Erwerbslosen, und als in, Juli die Erhöhung der Unterstützung im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages behandelt wurde, hat sie diesen Kampf aufs neue aufgenoinmen. Nach vieler Mühe und nach Bekämpfung aller bürgerlichen Kornpromißanträge gelang es unseren Genossen im Ausschuß mit Hilf«— und das soll offen anerkannt werden— der weiblichen Mitglieder der bürgerlichen Fraktionen, den ganz eindeutigen Antrag zur Annahm« zu bringen, wonach die Reichsregierung ersucht wurde,»die Spann« z w i s che n w« i b- lichen ii n b männlichen Erwerbslosen aufzuheben", und diesem Antrag« stimmt« auch das Plenum am 25. Juli ein- stimmig zu. Damit gab der Reichstag klipp und klar zum Ausdruck, daß oll« Bedenken der Vertreter des Reichsarbeitsministerium» ihm nicht maßgebend erschienen, sondern daß er sich den von mir als Berichterstatterin vorgetragenen Gründen für die Notwendigkeit dieser Maßnahm« nicht v«rschließen konnte. Was tat aber das Reichsarbeitsministerium? Am 9. August wurde die Verordnung über die Höchstsätze in der Enverbslosenfürsorg« erlassen, in der die für weibliche Erwerbslos« eingestellten Sätze durchweg um 19 Proz. niedriger sind al» die Unterstützung der Männer und in der dann als Punkt Z gesagt wird: ..Für weibliche Erwerbslose über 21 Jahre, die nach- weiscn, daß sie Familienangehörige zu er- nähren haben, gelten dieselben Höchstsätze wie für Männer über 21 Jahre." Das ist— es darf hier gar kein« Bemäntelung stattfinden— ein« Verdrehung und«ine Illoyale Durchführung des Reichstags&eschlusses, wie st« sich das Parlament einfach nicht ge- fallen lassen kann! Ausdrücklich hatte der Ausschuß den deutsch- nationalen Antrag, der eine Gleichstellung nur für Frauen über 21 Jahre vorsah, so abgeändert, daß«ine Gleichstellung schlechthin gefordert wurde, und zwar, weil sie sich unseren Argumenten nicht verschließen konnte, daß die jüngere Erwerbslose, für die die Sätze auch bei der Gleichstellung geringer sind, eben infolge ihrer Jugend und der damit verbundenen geringere» Charakterfesttigung noch mehr gefährdet ist als die über Einund- zwanzigjährige. Aber das Reichsarbeitsministerium geht ja noch weiter: Auch die über Einundzwanzigjährige soll nur dann gleich- gestellt sein, wenn sie Familienangehörige zu ernähren hat. bedeutet das? Sehen wir uns einmal die praktisch« Aus- Wirkung an: In«iner Großstadt des Wirtschaftsgebietes II, also Berlin, Hamburg usw., beträgt die Erwerbsiosenunterstützung für den Mann über 21 Jahre 6mal 100 Pfg., also«.00 M. Ivöchentl. die Frau, 21,, 90,, 5,40,„ den Mann unter 21 Jahren. 00,,!!.S0. die Frau, 21„, 55„„ 8,30„ Nun soll die Criverbslosenunterstützung das C x i st« n z m i n i- m u IN darstellen: daß man von obigen Beträgen nicht leben, kaum vegetieren kann, braucht hier nicht gesagt zu iverden. Aber w o l i« g t die Berechtigung, da die Frau noch schlechter zu stellen als. den Mann? Was braucht sie weniger, um das nackte Leben zu fristen? Der Herr Reichsarbeitsminister meint« im Ausschuß, das Mädchen werde von den Eltern unterstützt, sie sei nicht A l l e i nverdiener, könne im übrigen auch in Hausstellung gehen. Wie weltfremd diese Anschauung ist, wurde ihm im Ausschuß deutlich gesagt, und zivar recht deutlich auch gesagt von seiner eigenen Parteigenossin! Zahllose Mädchen helfen heute ihren Eltern, ohne daß der in der Verordnung erwähnte„Nachwels" darüber erbracht werden könnte: sie unterstützen einfach durch ihr« Arbeit die Ernährung der Eltern und Geschwister. Und was die Hausstellungen angeht, so wünschte ich dem Herrn Minister nur, er hätte einmal dl« berufliche Aufgabe, für die ihm anvertrauten jungen Mädchen Stellungen im Haushalt zu suchen, er würde nach wenlgen Tagen belehrt sein! Ganz außer acht gelassen aber ist die große Gefahr gerade für di« alleinstehend« Frau, dl« angewiesen ist auf dos Mietzimmer. Auch hier wünscht« ich d»» Herren des Arbeitsministeriums einen Blick in die Praxis: die Verzweiflung der Mädchen, di« Tagelang umherirren, eh« sie ein leidlich anständiges Zimmer finden, das sie schon kaum b«i voller Arbeit bezahlen können, und nun gar erst in der Zeit der Zlrbeitslosigkeit. Dazu kommt, daß sie genau so wie der Mann auf den Mittagstisch angewiesen sind: denn bei der lieber- zahl der Zimmersuchendcn werden die Vermieterinnen sich selten auf ein« Kllchenbenutzung einlassen. Was muß also die Folg« dieser ganz unsozialen Schlechter- stellung der Frau sein? Einmal di« körperliche Berel« n« d u n g der Frauen und Mädchen, die alz Mütter einmal die Träge- rinnen unserer künftigen Generation sein sollen, und damit«ine Gefährdung unserer Volksgcsundheit. Zum zweiten aber di« moralisch« Gefährdung, und auch hier gerade in erster Linie der alleinstehenden Frauen und Mädchen, die— aus ihrer Familie herausgerissen— den schweren Kampf mit dem Dasein allein ausfechten müssen. Gegenuber dieser moralischen Gefahr hilft wahr« haftig kein pharisäerhaftes Klagen: hier hilft nur praktische sozial« Politik, und die verimsfen wir in der erwähnten Verordnung schlimmer als je! Deshalb hat die Reichskonferenz der A r b e 1 t e r w o h l f a h r t in Hannover scharfen Protest gegen diese Verordnung erhoben: des- halb wird der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages sofort nach Zusammentritt erneut sich mit dieser Frage beschäftigen müssen: deshalb aber ist die Erkenntnis der Frauen mehr als bisher not- wendig, daß wir mit unserer politischen Gleichberechtigung nicht am Ende unserer Ziele sind, sondern dost sie nur einen Anfang bedeutet und wir sie benutzen müssen, um den Kampf für unser« tatsächlich« Gleichberechtigung im täglichen Leben wieder und wieder auszunehmen. Machen wir es uns ganz klar: die. Gleich- gültigkeit eines großen Teiles unserer Gejchlechtsgenolsinnen ist es, die die Gegner unserer Rechte immer aufs neu? ermutigt: helfen wir alle, diese Gleichgültigkeit zu überwinden Louis« Schroeder. §21$X§ 144. Der§ 218 in Deutschlond, der 8 144 in Oesterreich sind nach wie vor unersättlich:«in« proletarische Frau nach der anderen wird ihnen hingeopfert. Einzig steht der Neuköllner Fall da— eine neue vernichtende Anklage gegen die menschliche Be- schränktheit. Di« Frau Stenzer unterzieht seit Monaten Tag für Tag in ihrer schmutzigen Küche die Frauen den Abtreibungsope- ralionen. Sie hat Zillauf von allen Seiten. Ein« Frau Lipowfki stirbt unter ihren Händen an einer Folgeerscheinung der Abtrei- bung— ein Unglücksfall, der unter Umständen auch einem Arzte Passieren kann. Der Mann läuft, wie auch nicht anders zu erwarten war, zur Polizei. Die»weise" Frau stürzt sich m den Teltowkanal. War es Reue um das Geschehelte oder Angst vor dem Gefängnis? Co oder anders, daß ein Arzt, dem ein ähnliches Unglück passiert ist, sich dos Lebe» genommen hätte, davon hat man bislang nichts gehört. Der Kampf gegen den 8 218 wird nach wie vor gefühtt— aller- dings nicht von den Massen der proletarischen Frauen: diese stehen noch immer abseits, als ginge sie das Ganze nichts an. In dem augenblicklich zum zweitenmal zur Verhandlung stehenden Prozesse des Apothekers Heiser hat sich der Angeklagte zum zweitenmal zu verantworten: der Staatsanwalt wollte sich mit den zwei Jahren Gefängnis, die der erste Richter über Heiser verhängt hatte, nicht begnügen und hat Berufung eingelegt. Heiler soll eine noch höhere Strafe erhalten, weil die Frauen ihn für ihren Lebensretter halten. Das Gericht ist«in Lotteriespiel geworden. Je nachdem welchen Standpunkt der Richter vertritt, fällt die Strafe so oder so aus. In Wien standen gerade in den letzten Tagen eine Anzahl Frauen und Aerzt« vor dem Richter. Der Richter der zweiten Instanz hob in der Regel die harten Urteile der ersten auf. Di« Reaktionären wüten mit aller Macht gegen die Unmoral der Mütter, die sich wider den Geburteirzwanq auflehnen. Die österreichische Sozialdemokratische Partei führt«inen hartnäckigen Kamps gegen den 8 144. Sie sorgt ja auch gleichzeitig für Ausklärung unter den Frauen; das gleiche tut die Zeitschrift für Sexualrefonn, die u. o. auch ein« Broschüre von Ioh. Ferch:»Geburtenbeschränkung oder Mutterschastszwang" herausgegeben hat. Neben dem Kampf gegen den 8 144 wird für die Aufklärung der Mütter über die Mittel zur Verhütung der Schwangerschaft gesorgt und gegen den Wucher mit diesen Mitteln ins Feld gezogen. In einer Reihe von Beratungsstellen erhalten die Frauen entsprechenden Rat. Bei einer Reihe von Aerzten können sie unentgeltlich untersucht werden und wird ihnen das beste Mittel zur Verhütung der Schwangerschaft verabfolgt. Di« Wiener Einrichtung müht« auch in Berlin Fusj fassen. Die Verhütung der Schwangerschaft ist ungefährlicher und deshalb ratsamer als die Unterbrechung der Schwangerschaft. Der Kampf der Frau gegen den 8 218 und 8 144 muß aber in verstärktem Maße gefuhrt werden. Mit Erfolg gekrönt wird er nur dann sein, wenn die Massen der Frauen in ihn hineingezogen sein werden. Hausangestellte in Rumänien. Eil« deutsch« Zeitung bezeichnet« einmal Rumäniens Art, politische Verpflichtungen zu erfüllen, als mittelalterlich. Gilt nun dies Wort für ein Gebiet, so für das der sozialen Verhältnisse, in Sonderheit für die Stellung der Hausangestellten. Nur darf man den engen Zusammenhanq dieser Tatsache mit Rumäniens geschicht- licher Entwickelunq nicht vergessen. Handelt es sich doch hier um «in noch junges Volt, lange von den Türken unterdrückt und von jeher an die größten Unterschiede zwischen Arm und Reich gewöhnt. So trägt noch heute das ganze Verhältnis zwischen Hausange- stellten und Herrschaft den Stempel des Patriarchalischen. Für erster«, die von allen im Hause geduzt iverden, sind die Herrschafts- linder schon in den Steckkissen„Domnul"(Herr) und„Domnisoam" (Herrin), von denen man sich später willig alles gefallen läßt und kein»» höflichen Ton erwartet. Di« Herrschaft bestimmt in großen wie in kleinen Dingen über Wohl und Weh« der Dienerschaft und von Rechts wegen steht dieser nicht das Geringst« zu. Es gibt also keinen gesetzlichen Kündigungstermin, kein« Pflichtoerforgung im Krankheits- oder Jnvaliditätsfall, keinen Schutz vor Ueber- bürdung mit Arbelt oder schlechter Behandlung. Wer als Fremder in ein rumänisches Haus kommt, wundert sich zunächst über das ungepslegte Aussehen der Hausmädchen auch in ersten Häusern. Das Barfußlausen im städtischen Haushalt, das Servieren auf Strümpfen, das Verrichten gröbster Arbeiten ohne jede Schürze sind an der Tagesordnung. Die Hausmädchen haben «insach zu wenig von den notivendigsten Dingen oder besitzen über- Haupt nichts. Von dem sehr niedrigen Gehalt können sie sich kaum etwas kaufen. Doch kommen sie gar nicht in die Lage. Geld auszu- geben, da die Hausfrau ihr Monatsgehalt anstehen läßt und nur hin und wieder dem Mädchen kaust, was sie unbedingt für nötig hält. Für manches junge Mädchen, das sein Geld nur verjubeln würde, mag dies gut sein. Das ist dann ein unbeabsichligter erzieherischer Erfolg; bezweckt wird mit dem Zurückhalten des Geldes, die Mädchen länger ans Haus zu ketten.„Sonst laufen sie mir jeden Monat davon," erklärte mir eine rumänische Hausfrau,„und dem können wir»ns bei dem großen Mangel an Leuten nicht aussetzen." In der Tat ist der Mangel an nur einigermaßen anständigen und ehrlichen Leuten so groß, daß es verständlich scheint, wenn man die einmal Gemieteten, die man mit ihren schlechte» und guten Seiten kennt, möglichst behatten will. So steckt man auch kleinere Diebstähl« ein, ohne darum gleich ein Mädchen zu entlassen. Ost sind es halb« Kinder, zwischen 14 und 18 Jahren, denen von Haus aus jeder sittliche Halt fehlt. Aber weder Staat noch Familie schreiten helfend oder stützmd ein. Der ganz« Ton den Mädchen gegenüber verrät nur immer wieder, wie tief unter der eigenen Gesellschastsktasse stehend sie von den Familien betrachtet werden. Es herrscht nämlich unter der dienenden Klasse Rumäniens auch in Inlellektueller Beziehung große Not. So sprach ich ein« junge Amme, die wegen ungünstiger häuslicher Verhältnisse aus dem Lande nie«in Schulbuch gesehen hall Einen regelrechten Schul- zwang gibt es nicht. Viele gehen nur zwei, die übrigen die vorge- sehen«» vier Jahre In die Gemeinschaftsschule. Schlimm ist die lleberflllle des Stoffes im Verhältnis zu den wenigen Schuljahren. So gehen die nicht gründlich erworbenen ClemeMarkenntniss« bald wieder verloren, und die wenigsten können später noch lesen und schreiben. Von den beiden jungen Mädchen in unserem Hause beherrschte nur das allere beides! dos jüngere, von niemanden: angehalten, nahm sich nicht die Mühe, wieder von der Schwester zu lernen. Und weil das nur ein Fall für viel« ist, gibt es noch immer eine Fülle von Analphabeten. Wieviel Gutes könnt« hier eine Fortbildungs- schule wirkcnl So aber gehört der ganze Tag körperlicher Arbeit, wenn auch weniger geleistet wird als bei uns, was zum Teil mit dem lieißeren Klima zusammenhängen mag. Einen freien Nachmittag in der Woche zum Flicken oder Stopfen gibt es nicht, abends wird im allgemeinen ziemlich lange gearbeitet, und nur die Nachmittagsstunden jedes zweiten Sonntags gehören den Dienstznädchen. Dann sind-sie sich selbst überlasse», denn es besteht keine Einrichtung, die unserem Begriff Jugendpfiege auch nur nahe käme. Haben es die älteren Köchinnen, die gewöhnlich nicht über das Bereich ihrer Küche hinausseheil. mit mehr Freizeit, Jahresurlaub und höherem Gehalt besser(700 bis 1000 Lei. 12 bis 19 M. ungefähr), so werden die jungen Mädchen, die man sich direkt vom Lande holt, mitunter in erschreckender Weise ausgenützt. Ich kenne einen Fall, in dem das Mädchen von früh bis spät abends arbeiten muß und dann nicht einmal ibr eigenes Bett hat, sondern mit einem anderen Mädchen«in Sosa teilen muß! Einen freien Sonntag hat sie nie, und das Gehalt von 300 Lei ist natürlich jämmerlich. Sonst schwankt es bei den jüngeren Mädchen zwischen 400 und 600 Lei(6 50 bis 10 M.) monatlich! In einem anderen Hause hatte das Mädchen wegen Krankheit gekündigt und forderte Ihr anstehendes Geld. Es wurde ihr mit der Begründung verweigert, sie solle erst einen Ersatz für sich herbei- schaffen. Weil dann die mitgebrachten Kolleginnen vor den Augen der Hausfrau kein« Gnade fanden, zog die Kranke weinend ab. um weiter zu suchen. Und keine Stelle, die dem Mädchen in solchem Augenblick zu feinem Recht verhülfe! Wenn je so empfand ich hier- bei die traurig-rechtlofe Lage der �Hausangestellten in diesem Lande. Die weitaus geringere Zahl wird in Mieibureaus gemietet und hat dann einen bestimmten Kündigungstermin einzuhalten; die meisten Dienstboten mietet man auf Grund persönlicher Empfehlung, und dann kann dem Mädchen jeden Tag gekündigt werden. An sich' kann auch das Mädchen jeden Tag kündigen, nur läßt man es in den seltensten Fällen gehen. Der anfangs erwähnte Zusammenhang dieser Berhällnisse mit Rumäniens geschichtlich« Entwickelunq ist nun nickst der einzige Grund für die schlechte Lag« der Hausangestellten; es sprechen auch die ver- schieden«» Nationen mit, aus denen sie sich zusammenfetzen. Nur die Hälft« von ihnen sind Rumäninnen, die übriaen sind Deutsche aus Besiarabien, Russinnen und Ungarinnen. Selbstverständlich fühlt man für diese fremden Elemente nur gering« Verantwortung, ge- ringere noch als für die eigenen Landsleut«. Wie aber diese aus allen Ländern zusammengeströmten Menschen jemals zu einem Zusammenschluß kommen und selbst für ihr« Rechte eintreten sollen, bleibt ein« offen« Frage. Zurzeit sind sie sich noch nicht genug ihrer Lage bewußt und können zu wenig mit Besserem vergleichen. Die paar Familie» nämlich, die dem Mangel an gutem Personal durch hohe Löhne und gute Behandlung entgegenzuarbeiten suchen, fallen noch zu wenig ins Gewicht. Hier komnit es dann allerdings vor, daß ein kinderloses Ehepaar fünf Hausangestellt« hält, die nicht recht wissen, wie sie dl« Zeit totschlagen sollen und dafür fürstliche Gehälter beziehen. Wieder einmal Rumänien, das Land der Gegenfätzel I. R. /tos üer Frauenbewegung. Der zwelke Inkernalionale Aerzkinnenkongreß tagt« In London. Zmn elften Mal« waren deutsche Aerztinnen vertreten, und zwar Dr. Hermln« Heusler-Edenhulzen, Berlin, Dr. Ltli Meyer-Wedell, Hamburg, Dr. Laura Turnau und Dr. Toni von Langsdorfs, Essen. Als Ehrengast hatte man die Leiterin des bakteriologischen Institutes am Krankenhaus Moabit, Frau Professor Rabinowilsch-Kempner eingeladen. Auch die Türkei war durch eine Aerztin. die erste dort, vertreten, Dr. Sasieh Ali, die in Deutschland studiert und sich seit einem Jahr in Konstantinopel niedergelassen hat. Was im übrigen die Zahl der in den Ländern praktizierenden Aerztinnen anbetrifft, so sind es in den Vereinigten Staaten 5000, in Südamerika 1200, In England 2000, in Deutschland annähernd ebensoviel, In Frankreich etwa 300. Bei den Kongreßbesuchern überwogen natürlich dl« Eng- lönderinnen, die von insgesamt 426 Teilnehmern 300 ausmachten. Die Aufnahm« der deutschen Aerztinnen war sehr herzlich. Das große Erbarmen. „Tja, meine Liebe, Sie müssen eben mehr arbeiten!" Der Jumper. Schnell hat sich das prottisch« und bequeme Kleidungsstück über- all eingeführt. Seinen possierlichem Name»— Jumper heißt auf dculsch„Springer"— verdankt es feiner Herkunft aus der eng- tischen Sportkleidung. Jumper werden meistens, soweit es sich nicht um ganz billige Fabrikware handelt, in der Heimarbeit hergestellt. Ganz besonders in Thüringen, einem Houplland deutscher Heim- arbeit, stricken und häkeln unzählige Frauen tagaus und tagein Jumper. In den großstädtischen Läden werden diese Jumper teuer verkauft mit dem Hinweis auf die„Handarbeit". Wie billig diese Handarbeit tatsächlich geleistet wird, zeigt eine Bekanntnuichung des Reichsorbeitsnnnifteriums, die im„Reichsarbeitsblatt" veröffentlicht wird: „Der St'.mdenlohnfatz für die im Stücklohn mit Häkelei- und HandstickereiorMten beschäftigten Heimarbeiter hat für eine Durch- schnittsarbeiterin unter Berücksichtigung der für die einzelnen Artikel vereinbarten Arbeitszeiten mindestens zu betragen bei: I. Stapel- artikeln 17 Pf., 2. Modeartikeln 22 Pf. Der räumliche Gsltungs- bereich dieser Festsetzung erstreckt sich auf den Bezirk des Fachaus- schuffes. Sie gilt für alle Heimarbeiter, die mit der Herstellung von wollenen und seidenen Phantasie- und Wirkwaren beschäftigt rverden." Für eine ganze Woche Arbeitsleistung erhält eine vollwertige Arbeiterin also etwa sieben bis elf Mark, wovon ihr noch allerlei abgezogen wird. praktische Winke Verjüngung der Zimmerpflanzen. Bei unseren Zimmerpslonzen zeigen sich im Lause der Zeit in der Belaubung oft kahle Stellen� die sehr unschön wirken. Besonders leicht werden Fuchsien, Rosen, Heliotrop, Zimmertinden, Abutilon, Pelargonien usw. unten kahl. In solchen Fällen ist starker Rückschritt am Platze. Man schneidet die Pflanze fünf bis zehn Zentimeter über dem Wurzelhals ab. Durch den Druck des Eaststroms, der nicht mehr den weiten Weg den Stamm entlang bis m die Krone zu machen hat und gezwungen ist, sich den verborgenen Reserveknospen zuzuwenden,, treiben dies« bald üppig und kräftig aus. Es sührt aber noch ein anderer Weg, etwas langsamer zwar ols der eben genannte, doch ebenso sicher zum Ziel. Er läßt den Pflanzen wenigstens vorläufig die niest üppig entwickelte Krone. An den holzigen Teilen sehen wir in gleichmäßigen Abständen kleine Erhöhungen, die sich dort befinden, wo einst die Blätter saßen. Hier in den einstigen Blattwinkeln befinden sich schlafen dc Knospen, di« durch Ueberterben zu neuem Leben erweckt werden können. Es genügt, wenn man über den betreffenden Augen einen schrägen Schnitt, nach unten zu. führt, bis auf das Holz. Etwa einen halben Zentimeter tiefer schneidet man noch einmal wcgerecht ein und löst hiermit ein halbmondförmiges Plättchen aus der Rinde los. Durch dieses Ueberkerben wird der Snststrom, der, wie eben erwähnt, von Zell« zu Zelle aufwärts steigt, gehemmt und fomntt den überkerbten Augen zugute. Auf diese Weise kann man überall, wo sich Lücken zeigen, diese mit neuen Trieben ausfüllen. Auch das Schröpfen, das vcm Obstgärtner viel geübt wird, können wir uns bei unseren Kronenbäumchen zugute machen. Ruht selten ist der Stamm in: Verhältnis zur Krone schwach und di« Pflanze bricht leicht ab. Dieser Gefahr weicht man aus, indem man das Stämmchen an zwei bis drei Stellen ringsum oberflächlich von oben bis unten einritzt. Dadurch wird die Spannung, welche die äußere Rinde auf die sastsührende Bastschicht ausübte, aufgehoben, sie vermag sich auszudehnen und hat, bis die Wunden verheilt sind, Zeit gewonnen, das nötige Dicken Wachstum nachzuholen, Was ist Wahrheit? Zweifelnd und verzweifelnd, schüchtern und wild flog diese Frage durch di« Jahrtausende. Ost glich die Antwort einem Achsel- zucken, nach öfter dem Befehl eines Tyrannen, der jeden Widerspruch mit dem Beil des Henkers lohnt. Der Mohammedaner schwört auf den Koran, der Jude auf den Talmud, der Christ auf die Bibel. Uird jeder, der ein neues Gedantengebäude gen Himmel türmt, sagt: das ist di« Wahrheit. L i 1 y Bräun. ►)I(i laoa\ $m unsere Kinüer m m Jabel. Ein Schwan sah mit gelindem Schrecken Im Teichschlamm einen Karren stecken. Da sprach zum Krebs er und zum Hecht: Wir wollen mit vereinten Mühn Den Karren aus dem Schlamme ziehn! Ist«ich das recht? O ja, das ist ein feiner Plan! Bald zogen Hecht und Krebs und Schwan Mit aller Kraft je ihren Strick. 5>opplal Da zog der Krebs zurück Und well der Hecht zur Tiefe zog. Der Schwan jedoch nach oben flog, Blieb ihr« Arbeit ohne Zweck— Der Karren steht noch jetzt im Dreck. _ Kralinowsty. Das Srot. Das Brot pflegt unserm Leid am besten zu bekommen; das macht, es stammt daher, woher der Mensch genommen. ____ L o g a u. Junge Hühnchen von der Brutanstalt. Als ich am Montagnachmtttag von der Schule heimkam, hört« ich In unserer Küche ein Gepieps. Da trat ich schnell ein und fragte: „Wieviel Hinkelcher henner dann kriegt?" Da antwortete meine Mutter:„Zehn Stück." Ich sprang an den Korb und sah, daß es zehn weiße Küchlein waren. Sie kamen von der Brutanstalt und sollten mutterlos aufgezogen werden. Ich sagte zu meiner Mutter: „Derf ich se mal rausliole?" Da mahnte sie:„Aber net dricke!" Ich nahm die Hühnchen langsam heraus und setzte sie«Nif den Boden. Dann holte ich eine Handvoll Hirse und streute sie ihnen hin. Da hörte ich, daß eines sehr laut piepste. Ich rief ihm zu:„Bischte schttll, du kleener Schreihais." Als sie genug geftessen hatten, setzte ich sie wieder in den Korb. Auf einmal tam mein Bruder herein. Da rief ich ihm zu:„Was meeufcht, wir fjenn zeh' junge Hinkelcher." Da gab er mir zurück:„Des wußte ich eher wie du!" P. M., 11 I. Nätsel-Ecke. Silbenrätsel. Aus den Silben: brot, ci, der, er, fe, heu, hu, i, ke, kon, le, len, lexi, me, mel, na, pel, rich, far, sei, schrek, ty. ul, wim, zu bilde man 12 Wörter folgender Bedeutung: 1. Kleine Schisfsslagge, 2. Fluß, 3 großes Wörterbuch, 4. Insekt, 6. Mädchenname, 6. Ar- bsitsmaterial für den Schuhmacher, 7. Stadt, 8. wichtiges Rahrungs- mittel, S. männlicher Vorname, K). Reinigungsmittel, 11. Stadtteil von London, 12. fremder Volksstawm. Hat man die richtigen Wörter gefunden, so ergeben deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, den Namen eines Dichters, der viel Humorvolles geschaffen hat; die dritten Buchstaben nennen uns den Titel eines von ihm cr- zählten lustigen Streiches. Verwandlung. Aus den Wörtern: Reich, Insel, Cisel, Eros, Enmtt, Abel, Nord, Amme erhält man durch Umstellung ihrer Buchstaben andere Wörter. Richtig gesunden und untereinander gestellt, nennen uns deren An- sangsbuchftaben, von oben nach unten gelesen, einen Mädchennamen. SUbentreuz. 1—2— Ackergerät. 8—4— Kleidung. 5— S«« rätselfjaftcr Findling, g— 2— Blume. 3—1— Schriftsteller. 4— l= Ge« brauchSgegeustand. 5— 1= Fisch. 5—4--- Kopfbedeckung. 6—4— Bewohner der Balkanhalbinsel. Magisches Quadrat. Die Buchstaben in nebenstehender Figur sind so zu ordnen, daß-die senkrechten und wagerechten gleichlauten, und zwar be- zeichnen sie: 1. Singvogel, 2 altes Maß, 3. griechischen Halbgott. 4. Ort im Harz, 5. Körperteil. Auflösung der Rätsel mis voriger Nummer: I. Faß, Haß, Baß; U. Egge; III. Januar Jaguar. SeWkJftdiC�aii AUS DER MODENSCHAU DER„FRAUENWELT 77*** rw T 179 Jackenkleid aus gestreiftem Wollstoff J 8388 Praktisches Jackenkleid T 824 Hauskleid aus kariertem T 339 Dreiviertellanger Paletot aus gestreiftem Diagonalstoff Wollstoff aus kariertem Phantasiestoff T 214 Hemdbluse J 8345 Bluse aus hellblauem L 3919 Kittelkleid aus Gieviot T 34B Blusenrock aus Gabardin aus hellblauem Crfipe Georgette Kaschmir mit Krawatte für Mädchen von 8-10 Jahren mit Knopfschluß LYON-SCHNITTMUSTEK ZU ALLEN HIER WIEDERGEGEBENEN MODELLEN OBERE REIHE 90 PF., UNTERE REIHE 60 PF. DURCH DIE PARTEI BUCHHANDLUNG AM ORTE ODER DEN VERLAG DER.FRAUENWELT" J. H.W. DIETZ NACHF. BERLIN SW68, L1NDENSTRASSE J