Ur. 36.3 Abonnements-Dedtngungen: Abonnements-Prei» pränumerando: Vterteljährl. 3,Z0 Mb, monatl. 1,10 Mb, möcheuMch 28 Psg. frei ins Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. SonntagS- N ummer mit tllustrirter Sonntags» Betlage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeilungS- Preisliste sür 1LS7 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 2 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Iilsertions. Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- Stile oder deren Raum 40 Psg., sür Vereins- undversammlungS-Anzetgen, sowie ArbeiiSmarlt 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Lrpedition abgegeben werden. Die Erpeditlon ist an Wochentage» bi» 7 Uhr abend», an Sonn-»»d Festtage» btS o Uhr vormittags geössnet. Srscheinl laglich aufitt»»»lag«. Berliner Volksblakk. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1503. Telegramm-Adresse: „»»»ialdimoliral»erlin". Dentralorgan der sozialdemokratifchm Partei Deutschlands. �edaNlio»: 8V. 19, Uettty-Struße 8. Mittwoch, den 10. November l89'7. Expedition: SV. 19, Menty-Straße 3: Polizei uuv Arbetkvrschutz. Die„Hamburger Nachrichten" jammern in ihrer Mittwoch-Nummer in einem Telegramm ans Berlin darüber, daß„die sozialdemokratische Presse bereits wieder an der Arbeit ist, die im Reichsamt des Innern angefertigte Zusammenstellung aus den Jahres-Berichten der Fabrikaufsichts-Beaniten für ihre Zwecke aus- zunntzen". Nur die„Verfehlungen einzelner" würden von uns mitgetheilt,„das den Arbeitern seitens der Arbeitgeber bewiesene Entgegenkommen" verschwiegen. Gegen diesen sozialdemokratischen Sport anzukämpfen sei ver- geblich; nian müsse sich lediglich darauf beschränken,„die- jenigcn Behauptungen zurückzuweisen, die auf grund der Be- richte auch von anderer als sozialdemokratischer Seite aus- gesprochen werden, und dazn gehört die Anschauung von der Unzulänglichkeit des Aussichtspersonals." Da die Polizei ein weitgehendes Recht der Jnspizirnng habe und eine Polizei in jedem Orte vorhanden ist,„so kann füglich, wenn man nicht etwa in jeden Betrieb einen kontrollirenden Staatskommissar einstellen will, nicht mehr Aufsicht verlangt werden". Daß die Polizci-Organe ihre Pflicht nicht thäten, sei nur in einzelnen Ausführungen der Anfsichtsbeamten gesagt.„Gewiß werden auch einzelne Polizei-Organe nicht immer voll ihre Pflicht thnn, im allgemeinen sind solche Klagen aber so selten, daß man ans diesem Umstände gerade den entgegengesetzten Schluß, nämlich de», daß die Polizei sich bei der Kontrolle der Betriebe eifrig b e t h e i l i g t, ziehen muß. Man braucht sich nur mit Betriebs Unternehmern über diesen Punkt zu unter halten.(!)-- Es wird auch an den maßgeben- d en Stellen an eine Vermehrung des Aufsich ts Personals nicht gedacht." Da der Draht zwischen den„Hamburger Nachrichten" und den Ministerien zerschnitten ist, gehört die letzte Behauptung nur zu den frommen Wünschen des Kapitalistenblattes. Wen» man freilich Unternehmer frägt, ob die vorhandene Auf- ficht genügend ist oder nicht, so wird man stets die Antwort: „viel zu viel" bekommen— auch die Spitzbuben klagen ja niemals über zu ungenügende Polizei- Aufsicht. Daß aber die Polizei-Organe nur vereinzelt„nicht immer voll ihre Pflicht thun," ist eine Unwahrheit, wie sie nur derjenige zu schreiben wagen kann, der keinen Blick in die amtlichen Berichte geworfen hat. Obwohl es den Gewerbe- Anfsichtsbeamten schwer genug fällt, die Polizei, diese Stütze deS modernen Staates, gebührend zu kritisiren, bringen doch die allermeisten, nicht ver- e i n z e l t e, Anfsichtsbeamten ein mitunter vernichtendes Urthcil über die Unfähigkeit wie den mangelnden Willen der Ortspolizeibehörden. Um einmal das Verhalten derselben zu kennzeichnen, geben wir zum theil wörtlich iviedcr, was zunächst die preußischen Gcwcrbc-Aufsichtsbeamten über die Revisionsthätigkeit der Ortspolizei- behörden aus dem Jahre 1896 berichten. Ostpreußen: Im allgemeinen znfriet'«,, stellend, jedenfalls gegen früher günstig entwickelt(Königsberg). Nur die städti- scheu Polizeibehörden befriedigen, die ländlichen entsprechen dagegen nur zum k l e>» e n T h e i l den Erwartungen(G n in- b i n n e n). Potsdam. Hat sich gegen das Vorjahr zwar gehoben, läßt aber noch immer zu wünschen ii b r i g. Frankfurt a. O. Ein nennenswerther Fortschritt kann nicht sestgestellt werde», namentlich ans dem Lande läßt die Revisionsthätigkeit viel z n wünschen übrig. Posen. Voiles Verständniß für die Ziele der sozialen Gesetz- gebniig und demnach eine eifrige Ueberwachung der Schutzvorschristen für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen findet sich nur bei den Ortepolizei- Behörden der größeren Städte, bei cincm Theil der DisirittSkoniinissarien und nur ausnahmsweise bei Ortspolizei- Behörden kleinerer Slädte. Breslau. Namentlich in den Landgemeinden läßt die Revisionsthätigkeit noch hier und da zu wünschen übrig. Oppeln. Mehrfach zu beniängelii; häufig Verstöße übersehen worden, deren Feststellung auch ohne technische Kennt- nisse möglich war. Magdeburg. In den meisten ländlichen Bezirken, so. wie in einer Anzahl von Städten fanden die Orls.Polizeibehörden nichls z»«rinnnern. Dies negative Ergebniß ist bei dem viel- gesialiigeii Aiisbau der Arbeiterschntz-Gesetzgedung. deren Durch- sührnng genaue Kenntniß erfordert, wohl erklärlich. Von den Fabrikbesitzern werden die Revisionen durch die mileren Polizei- Organe als lästig einpfiiiiden; sie haben wohl das Gefühl, daß bei etwa ui a» g e l n d e r S a ch k �n n t n i ß derartige Revisionen zwicklos sind." Merseburg hat sich in den größeren Städten erheblich ge- bessert, läßt jedoch in den ländlichen Bezirken noch i in in e r z n w Ü ii s ch e n ü b r i g.. Erfurt. Die Anfsichtsthätigkeit infolge eigener Initiative bleibt meist gering. Hannover. Ihr« Hilfe versagt trotz des besten Willens dort, wo es sich um Sachen mehr technischer Nalur handelt, so z. B bei der Kontrolle der Bestiminungcn über de» Betrieb von Steinbrüchen oder bei Ueberivachnng von Schutzvorrichtungen. H i l d e s h e i in. V e r e i n z e l l eine g e r i n g e B e s s e r n n g, reicht aber noch immer nicht überall für die Durchführung der formellen Vorschriften aus.„Gelegstillich der Unfall- n n t e r s ii ch ii n g e n hat der Gewerde-Jnspeklor in H i l d e s h e i m die Bcobachlnng gemacht, daß in Fällen, wo ein strafbares Verschulde ii des Betriebsleiters sehr wahrscheinlich ist. sich unr schwer entschließen, die Unter- suchungsverhandluiigen an die Staatsanwalt- schaft weiter zu reiche n."(!!) Arnsberg. Bilden nur in wenigen Aemtern und Städten eine iv i r k s a in e Unterstütz 11 n g für die Gewerbe- Anfsichtsbeamten. Ms ausreichend kann ihre Thätigleit noch nicht bezeichnet werden. Wiesbaden. Kommt nach und nach in die gesetzlichen Bahnen, immerhin ni»ß aber hier und da noch nachgeholsen werden; im abgelaufenen Jahre war es sogar nolhweiidig, die Hilfe des Herrn Regierungspräsidenten in Anspruch zu nehmen, um einzelne Ortspolizei- Behörden durch die Landräthe auf ihre Verpflichtungen hinweisen zu lassen. Koblenz. Die Revisionen sind noch nicht durchweg mit der erforderlichen S a ch k e n u t n i ß ausgesührt. Nur selten haben sie Verstöße ausgedeckt.„In 39 gewerblichen Anlagen einer Bürgerineisterei wurden von dem Gcwerberalh Uebertretungen bezw. Vergehen betreffs Arbeitsbücher, Slushänge, Verzeichnisse und Arbeiiszeil scsigestellt und gegen die Unternehmer das Strafverfahren mit Erfolg eingeleitet, während der zuständige Polizeiver Walter keinerlei Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen gefunden halt e".(!!) Düsseldorf. In den Fällen, wo technische Kennt- nisse zur Beiirlheilung vorhandener Ungesetzjichkeilcn und Mißstände undzur sachgemäßenAbsleUung derselben erforderlich sind, wird seitens der Aussichlsbeaniten die Unterstützung und Mit- arbeit der Orts-Polizeibehörden nur noch selten in Anspruch g e n o m m e n. Insbesondere scheint die Hand hnbmig der Bestinimungen über die Sonntagsruhe in gewerbl lichen Anlagen bei den OUs-Polizeibehördeii auf große Schwierig- teit zu stoßen. Meist erweist sich deshalb die von dieser Seite bis jetzt ausgeübte Ueberwachnngsthäiigkeit als wenig wirksam. Köln. In den städtischen Bezirken im allgemeinen zufrieden stellend, in den ländlichen finden sich noch M ä n g c l genug, wenngleich«ine allmäligc Besserung zu merken ist. Trier. Der geringe Werlh der polizeilichen Revisionsthätigkeit mag zum theil darauf znrnckgcsnhrt werden, daß meist U n t e r b e a m l e mit dieser Thängkeit be- traut sind. A a ch e n. Im allgemeinen, auch in den ländlichen Bezirken etwas gebessert, obgleich an manchen Stellen noch iinnier sehr dürftig. S i g m a r i n g e n. In den kleineren Ortschaften, deren Bürger- meister der Regel nach dem Stande der Kleinbaiierii angehören, wird der gewerblichen Gesetzgebung im allgemeinen nur ein g c r i ii g e s Verständniß entgegengebracht. Demgegenüber sind die lobenden Urtheile ganz winzig; zum theil enthalten sie nur das Lob, daß der Verkehr der Aufsichtsbeamten mit der Ortspolizei befriedigend war(so in W e st p r e n ß e n), über die T h ä t i g ke i t der letzteren schweigt sich der Beamte ans— vielleicht mit Rücksicht auf das befriedigende Einvernehmen, das sonst gestört werden könnte. Direkt anerkennend sind nur folgende Berichte. Berlin. Eine sehr wesentliche Hilfe, namentlich bei der Ueberwachung derjenigen Betriebe, die Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter beschäftigen, haben die Gewerbeanfsichts-Beamlen an den Beamlen der Polizeibehörde, welche s ä in in t l i ch e Fabriken monatlich mindestens einmal r e v i d i r i e n. Die Bäckereien wurden von den Polizeibeamlen während des Halb- jahres I. Juli bis 31. Dezember je dreimal revidirt. Pom in er n. Der Geinerbe-Jnspeklor in Slralsund will eine» gewissen Forlschritt in der Durchführung der Forinaliläte»(Ans hänge, ArbeilSliften:c.) beobachlet haben. Schleswig. Die Tdäligkeit hat zugenommen. Münster. Mit einzelnen Ausnahmen rege und sachgemäß. Minden. Im allgeineiiieii, namentlich in de» Stadlbezirkcn, befriedigend. Die Zusammenstellung, die im Reichsamt des Innern vor- genommen wurde, hat freilich die lobende» Stimmen vermehrt, indem sie ihnen einen Theil der von uns als tadelnd hier aufgeführten hinzufügte, so z. B. den von Wiesbaden, Aachen. Potsdam, Köln, Merseburg, Hildesheim, Koblenz! Solche, doch unstreitig die Polizei-Anfsicht verurtheileude Berichte— man lese sie oben nach— bringt das Reich samt des Innern mit den einleitenden Worten:«Aus mehreren Bezirken werden günstigereBeobachtu ngen über die selbständige Revisions- thätigkcit der Ortspolizeibehörden mitgetheilt und dieselbe inebrfach ausdrücklich als durchweg befriedigend bezeichnet. In anderen Bezirken wird immerhin ei» mehr oder minder erheblicher Fortschritt anerkannt." Es geht doch nichts über die tüchtige Färberei! Außer den preußischen Beamten erklären auch solche in de» anderen Blindesstaaten die Polizei als unfähig und un- brauchbar zur Ueberwachung des Arbeiterschntzes. So heißt es im b a y e r i s ch e n B e r i ch t e in der Einleitung: „Meist nur in einzelnen größeren Städten ist eine Besserung wahrnehmbar, im großen ganzen aber läßt die Milwirkung in dem Maße mehr zu wünschen übrig, als die Arbeiterschutz-Bestiininnngen zahlreicher und koinplizirler werden. Die Uebernahm« der eigent- lichen Kontrolle ausschließlich durch besondere, ent» sprechend vorgebildete Anfsichtsbeamte wird mehr und mehr zum B e d ü r f n i ß. Der Beamte für O b e r f r a n k e n sagt:„Die Thätigleit ist in den Slädten wie auf dem Lande vielfach ein schablonenhaftes und wird oft von Organen ausgeführt, denen entweder«ine genau« Kennt n iß der bezüglichen Vorschriften abgeht, oder welche mit anderen Geschäften zn sehr in Anspruch g e n o in in e n werden, um eine intensive Revisionsthätigkeit entwickelii zu können." Der Beamle für U n t e r s r a n k e n klagt, daß Ortspolizei- behörden. welche revidircn sollten, ob von ihm in Fabriken an- geordnete Einrichtungen getroffen wurden, dies erledigie»„mit«n» angebrachten Besprechungen(mit den Fabrikanten), welche einem gewissen passiven Wider st an de gegen die Be- st r e b u» g e ii des R n s s t ch t s b e a m t e n ähnlich sahen." Der Beamte für Schwaben weiß„über die selbständige Revisionsthätigkeit der OrlS-Polizeibehörden auch im Berichlsjahre wenig Erfreuliches zu berichten." Ans Württemberg II heißt es:„In den meisten Ge- meindeii ist die Aufsicht e i n e l a u e oder ganz n n- genügende. Mangelhafte Kenn tu iß der gesetzlichen B e st i in in ii ii g e u ist wieder bei verschiedenen Ortspolizei- behörden zu läge getreten. Das ungünstige Ergebniß hin- sichilich der Bcachlung der S o n n t a g s r u h e- B e st i in in u n g e n wird iheilweise ans die in a n g e I h a f t ausgeübte Revision vieler OrtSpolizeibehördeu zurückzuführen sein." Gründlich geht auch Dr. W ö r i s h o f f e r im Berichte sür Baden mit den Ortspolizcibehörden ins Gericht.«Sie dulden ihnen bekannte Mißstände. Wo die Bürgermeister unabhängig, intelligent und rührig sind, ist der Vollzug der gesetzlichen Vorschriften ein.gerade so guter als in Slädten mit Staatspolizei. Es koniinen aber Fälle vor, bei denen das Ueber- sehen und Dulden von Mängeln ans einem pflichtwidrigen Verhalten der Ortspolizeibehörden beruht." Ter Beamte für R e n ß j. L. meldet:„Von der T h ä t i g- keit der Ortspolizeibehörden ist in mehreren Theilen des Landes, soweit es sich um eine wirksame Ueberwachung der Dnrchsührnng der gesetzlichen Bestimmungen handelt, so gut wie gar nichls zu bemerken.— Die zum theil belanglosen Angaben der Polizeibehörden beweisen, daß sie vornehmlich aus dem Lande de» ibue» über- tragenen Aufgaben und den an sie gestellten Anforderungen mit der fortschreilcnden Ausbildniig der Arbeilerschntzgesetzgcbnng sich immer weniger gewachsen zeigen." Der Anfsichlsbcainte snr Untcr-Elsaß sagt: Ueber das- ungenügende der Revisionsthätigkeit von Orts» Polizeibehörden habe ich mich in früheren Berichten ans- gesprochen; dem dort gesagten ist hier laum noch etwas hinzu- zufügen." Ebenso schreibt der Beamte sür Lothringen; er fügt hinzn, daß in den meisten ländlichen Bezirken die Revisionen nicht mit der ersorderlichen Sachkennlniß und Gründlichkeit vorgenounnen werden; es fehlen technische Kennlnisse. Aehnlich äußern sich die Beamten für Ober-Elsaß, S ch iv a r z b u r g- Rudolstadt und Soiidershanse», Lippe-Detmold. Und trotz alledem kommt das Bismarckölatt«nd erklärt: nur e i n z e t n e Polizciörgane thäten nicht immer voll ihre Pflicht, eine Vermehrnng des Aufsichtspersonals sei nicht liölhig. Ja, wenn die Gewerbe-Anfsicht n»r zum Schein bestehen soll, dann braucht sie nicht weiter ansgebant zu werden; den Unternehmern wäre das gewiß recht. Die Arbeiter aber fordern mehr und dabei werden sie von gewissen- haften Aufsichtsbeamten, wie von allen ehrlichen Sozial- Politikern unterstützt. politische Mebevlrcht. Berlin, s9. November. Herr Tirpitz hat, wie schon mitgetheilt wurde, an den süddeutschen Hösen Besuche abgestattet. Ueber die Visite in Müiicheu schreibt die offiziöse„Angsb. Abendztg.": „Wie uns von gut nnlerrichteler Seile bestätigt wird, ivar der Eindruck, den der Staatssekretär des Neichs-Manne-Amteß, Konlre- Admiral Tirpitz, auf die Mitglieder des Allerhöchste» Hauses niachle, der denkbar beste. Seine Ansfnhrnngen waren ebenso eingebend als klar. Das Bedürfniß nach einer d e s D e n t s cki e n R e i ch e s würdigen Flotte wurde von dem Kontre-Admiral eindringlich dargelegt und dabei beloiu, daß e» nicht daraus ankonime, diese Flotte ans einmal zn beschaffen. Nach den feststehenden Plänen wünscht man«inen allniäligen aber gesicherten AnSbau der Flotte, die nur ans deutschen Schiffswerfle» gebaut werde. Auch müßte das nolhivendige Osfizierlorps wie noch mehr die zahlreiche Mannschast nach und nach gewonnen werden." Diese Mitlhcilung bestätigt, daß die Reise des Herrn Tirpitz nicht nur rein persönliche Höflichkeitszweckc verfolgte, sondern marinepolitischer Natur war. Wenn aber„die Mitglieder des allerhöchsten Hauses" in Bayern erst noch vom Herrn Tirpitz zu den Schiffsvermehrungcn bekehrt ivcrden müssen, wie glauben denn die Marineschivärmer das stenerzahlcnde, Kricgsrüstnngen wenig holde Volk bekehren zn können? Die» wird ihnen um so schwerer gelingen,.wenn Herr Tirpitz, wie das oben zitirte Blatt bestätigt,„einen allmäligen, oder ge- sicherten Ausbau der Flotte", d. h. die Festlegung eines Flottenbauplatis auf lange Jahre hinaus verlangt.— TaS Wahlergcbnist in der Westpriegnitz scheint ein Sieg des freisinnigen Kandidaten Schulz über den konser- vativen Landralh v. Saldern zn sein. Nach den letzten Mel- düngen hat Schulz bei 11176 abgegebenen Stimmen einen Bor- sprung von über 2299 Stimmen, denn die noch fehlenden Ergebnisse aus einer Anzahl Landorte und Gutsbezirke können Herrn v.Sal- dern nicht mehr auf die»öthige Zahl von mehr als 7999 Slimme» bringen. So geht nach Ruppin-Templin auch die Westpricgnitz aus der Hand eines agrarisch gesinnten Kandidaten in die der freisilinigeil Volkspartei über. Das sind schivere Schläge für die rechtsstehenden Parteien, und eine erfreuliche Vorbedeutung sür die in nicht mehr fcrnerZeit bevorstehenden allgcmeinenWahlen.Aiich diescWahl beweist wieder, wie sehr sich die Konservativen dem Volke entfremdet haben, wie alle Parteien, die aus Volksthümlichkeit Werlh legen, ge-' zivtingenerniaßen sich in Gegensatz zu den Konservativen stellen müsse». Wie weit ist es mit den Dcnlsch-Konscrvativen schon gekommen, wenn ein früher so übereifriger Verfechter ihrer Interessen, wie der Abg. Liebermann v. Souiienberg, ziemlich nn verblümt seinen antisemitischen Parteigenossen die Unter- stiitzung des freisinnigen Z?c>ndidatcn enipfehlen konnte. Noch viel bedeutsamer ist es,' daß die antisemitischen Wähler dieser Parole wirklich gefolgt sindnnd fast ansnahmslos dieUtttersiütznng des so sehr der Hilfe bedürftigen Landrathes von Saldern unterließen. Herr v. Saldern hat sich bei der Vorbereitung der Wahl als Verfechter aller agrarischen Forderungen erwiesen, Herr Schulz dagegen ist seiner politischen Stellung nach ein ent- schiedener Gegner der meisten kleinen lind aller großen Mittel, die der Bund der Landwirthe vorschlägt; und doch erklärt sich dieser überwiegend ländliche Wahltreis für den schroffen Gegner der Agrarier»ind Nicht für den Mann, der bereit ist, alles zu befürworten, was die eifrigsten Bündler fordern! Die„Kreitz» Zeltung" klagt mit thräNenerstickter Stimme, daß die Antisemiten die deutsch- konservativen Wahlkreise ruiniren; die„Deutsche Tageszeitung" nennt in ihrer bekannten Gegnerschaft gegen Landrathskandidatüten, die konservative Kandidatur keine glückliche, sie meinte, daß der Ausgang der westpriegnitzer Wahl nach verschiedenen Nichhiiigeli hin eine eindringliche Lehre sein müßte und die„National- liberale Korrespondenz" läutet den konservativen Vertretern brandenburgischer Wahlkreise schön das TodteNglocklein. Sie schließt ihre AnsfÜHrNNgeN Über das Wahlergedniß folgender- maßen i Die Antisemiten haben sich vorgenommen, es in allen märki- scheu Wahlkreisen so z» mache«, wo die konservative Mehrheit gering ist, vor allem in der Oslpriegnitz. Pvlsdnm-Osthnvelland, Zaiich-Belzig-JiUerbog, Königsberg nSIiM.Füllichau-Krofsen.KottiMs- Spremberg und Kalau-Lttckan, also i» de» Wahlkreisen der iilbgg. von Dallwitz, Schall, Kropatschcck, v. Levttzvw, tlhde», v. Merbeck und ssrhr». u. Manieuffel. Und dieser m>d Her» v. Levetzow sind �>e Führer der Partei. Mail sieht hieraus, daß in allen Lagern dem Wahl- crgcbnisse in diesem vom politischen Leben so fernab- liegenden Kreise die größte Bedentnng beigemessen wird. Herr Schnlz ist sicherlich nicht unser Mann, aber seine Wahl ist doch eine hochersrenliche Erscheinung, ste beweist, eiuen wie starken Ruck die Wählerschaft nach links gemacht hat. Hoffentlich lassen es die Herren von den rechtsstehenden Parteien an weiteren Anstrengungen!, die Wählerschaft aufzn- klären, nicht fehlen; erfüllen sie unsere Erwartungen, dann werden die nächsten allgemeinen Wahlen ein fürchterliches, aber auch wohlverdientes Strafgericht werden.— »» « TentscheS Reich. — Herr M I q u e l scheint zwar rasend viel Geld snr Kriegs- schiffe, aber sehr wenig für die durch die Naturkalastrophe» dieseS Sommers fürchterlich geschädigte Bevölkerung übrig zu habe». DieS scheint ziemlich klar ans den freilich möglichst»nklaren Ausführnngen der Herrn v. Miguel sehr nahestehenden„Berl. Pol. Nachr." hervorzugehen, welche fotgeudermaßin lauten: „Die Vorschläge der Provlnzialbehördcn betreffs derjenigen Summe», welche außer de« a»S bereiten Mittel» des EtanleS und durch private Wohlthätigkeit gewährten Beihilfen für die bei der letzte» Hochwafferkatastrophe geschädigte» Landestheile noch von SiaalS wegen nothwendtg sei» werden, um die Betroffene» im NahrungSzustande zu erhalten Und die Wiederherstellung der beschädigten öffentlichen Anlagen zu sicheru, lassen erkennen. daß zwar auf diesem Gebiete uoch manches zu lhun bleibt, daß aber der G e s a in in t b e t r a g der S» i» m e, welche auch b e i liberalster Eachb«ha>idlil»g für die bezeichneten Zivecke erforderlich sein wird, sich nicht so hoch beläuft,>vie nach de» Angaben der Presse anzunehmen war. Wird daher die Erledig»»« dieser Seite der Sache keinerlei Schwierigkeiten bereite», so durfte sich jetzt»och nicht mit aller Sicherheit über- sehe» lassen, was zu geschehen habe» wird, um der Wiederkehr ähnlicher Kntastrophc»»ach Kräfte» vorznbeuge». Es handelt sich hierbei um technische und gefetz geberischeFragen schwieriger Natur, deren Vorbereitung nach beide» Seite» noch nicht ganz abgeschlossen i st. Im Finanzministerium dürfte man sich täuschen, wenn man annimmt, daß der Besuch des Kaisers im Ueberschwemmungsaebiete die Sorgen und die Unznsriedenhcit der nothleidende» Bevölkerung htmveggeschencht habe.— — Der frühere Stellvertreter des Reichs- I an z l e r s und ehemalige Vizepräsident des StaatsministeriiiniS, Herr v o n B o etti ch» r. wird, entgegen allen Dementis, Ober- Präsident der Provinz Sachsen. Der bisherige Inhaber dieses Postens, Herr v. Poinmer-Esche, muß gegen seinen ausgesprochenen Willen dem versorgimgSbedürstigenjHerru v. Boelticher am 1. Januar n. I. Platz machen.— — Zur Affäre Gaebel-HÜll« erhält die„Franks. Ztg." von Herrn Professor Krieg, dein Vorsitzenden der südwestdeutschen Konferenz für innere Mission, folgende Berichtigung: „Bei dem Kongreß für innere Mission in Bremen ist von der Unterschrift deS Herrn Direktors, jetzige» Präsidenten des Reichs- Versicheruugsamtes, unter dem bekannte» Erlaß und von seiner Empfehlnng der Hülle'schen Blätter weder in Sitzungen»och in einem Privatgespräch mit mir oder einem Vorstandsmitglied der südwestdentschcn Konferenz für innere Mission bie Rede gewesen. Was ich in der vertraulichen geschlossene» Sitzung der Detegirleu im Namen unserer Konferenz bezüglich Hülle vorbrachte, war lediglich die Klage der Süddeutschen gegen de» Hülle'schen Zeit- schriftenverein, gegen den wir seit längerer Zeit Stellung ge- nomnien haben. Herr Gaebel als Vorsitzender dieser vertrauliche» Sitzung bat»»ich dann, diese Sache ruhen zu lasse»,»veil sie nicht auf der Tagesordnung stehe und daruin nicht verhandelt»verde« könne. Nur hierauf bezogen sich auch die»vetteren privaten Aeußc- rungen zivischen Herrn Gaebel und mir. Alles andere sind nur Koinbinatione»." Die„Franks. Ztg." bemerkt dazu:„Wir können uns zunächst mit dieser Erklärung natürlich nicht zufrieden geben und habe» unseren Geivährsinann aufgefordert, sich sogleich zur Sache zu äußern." — Zum konservative» Parteitage schreibt die „Kons. Korresp.":„Für den nächsten konservativen Parteitag ist bekanntlich als Tagungsort Dresden beslimint. Daselbst wird u»Ur Leitung des Herr» Hofralh Dr. Mehnert ein Lokalkomitee eingesetzt »verde»», dem u.a. auch die Ausgabe der Legitimations- karten, ohne die die Tüeilnahme an den Ver- Handlungen unstatthaft»st, obliegen»vird. Wie zum letzten Parteitage, so»vird auch diesmal dieAniueldung der Delegirten durch die Herren Vertrauensinäiinerzuersolgc» haben. Es istdaher erivünscht, daß diejenigen Herren Parteimitglieder, bie an dem Parteitage t h e i l- n e h»n e n>v o l l e n b e z w. dazu d e l e g i r t»verde»», rechtzeitig dies dem betreffenden Vcrtranensuiaiine»niltheilen. Hinsichtlich der Tagesordnung sür den Parteitag, der voraussichtlich Ende Januar ziisanimentrete»,»vird, soll demnächst im geschästssührende»(Elser.) Ausschüsse berathen»verde». Etrvaige Anträge würde»» also recht- zeitig dem Bureau des Wahlvereins der Deutschei» Konservativen tittznreicheii sein." Die Lage der konservativen Partei ist überaus schivierig,»vir z,veifel» aber, daß diese Thatsache aus einem so eigenartig zusainnien- gesetzten Kongreß,»vie dem der deutsch-konservativen Partei, zun» vollen und ehrlichen Ausdnlck kouimen»vird. Wie ei» dieser Partei nicht gerade feindlich gesinntes Blatt über die Lage der Deutsch- Konservativen»rtheilt, geht aus de» folgenden dem„Hamb. Corr." kiitnominenen Sätze» hervor: „Das Gefannntbild, das die konservative Partei seit ihrer Rekonstruktion ans der Grundlage des Tivoliprogramms von 1892 gewährt, ist das einer st a r k e n Rückbildung. Mehr und mehr sind diejenigen Glieder, die sich dainals besonders breit gemacht hatten, als theils lästige, theils schädliche An- >v ü ch s e erkannt und nach Kräften»vicder beseitigt»vorbei», und zivar, odivohl Man ihnen gerade eine besondere populäre Z»lgkraft beiinaß, und in ihnen das Medium erblickte, durch dos die koiffer- vätive Partei zu eitler konservative» BollsparU» sich entiuUnln könnte. Die Benrtheilung dieses Vorganges»vird davon abhängen. ob anznnehmet» ist, daß die reinliche Scheidung von je»«»» Elementen die konservative Partei innerlich wesentlich ge- stärkt habe oder Nicht, ob es sich UM eine Konzentratio» znii» Zivecke einheitlicher und un» so kräftigerer Aktion oder ledig« lich un» Akte der Nolhivehr gehandelt hat, die durch Rück- sichle» der Selbstethalknng diktttt wurden. Das aber»vird tnan mit einiger Sicherheit erst stach den»ächsten allgemeinen Wahlen erkenne» könne»."— -> Wiederum hat die Verlustliste d e r K o n s e r- v a t i L e i» durch die WestprtSZnitz. eiilS Verlängerung erfahren. Die Konservative» und Freikonservativen haben»ach einer Zusammen- stellnng der„Freisinnigen Zeilttng" seit deit Hanptwahleit von tSvö verloren t Elmshorn-Pittneberg an die Sozialdemokraten. Pläne»» an die E o z t ä l d e»»> o k r a t e n» Herford.Halle«» Vi« NäUondlUSerateN» Mörs-Rees an das Lentrun», Gchlellstadt«N die Msäffer, Kolberg-Köslin an die Freisinnige Vereinigung, Westhaveltattd an die S o, i a l d« m» k r kt t e ti, Löivenberg an die Freisinnige Boiksparlei» Schivetz an die Polen. Torgält-LietzenwSrda an die Freiflittiigi VottSpärUi. Westpriegnitz an die FreisiNiitae Volkspäriei, Das sind zehn verlorene Kreise. Äeivonni» hobest die Kon» setbativen»ach keiiter Richtung hin etivas.~ — S e l b st die„Kreuz«Zelt»hfl* tndtlt die stitgleich- mäßige ßlnwcnviing des g 193 R.'Str.-G.-B. ist Ve» Fälle» St»»»» und Naiiniä»». Das Blatt schreibt t Das schöffengerichtliche ErkeiuttNiß ii» Prozeß Stöcker-StuMi» klegt nuntnehr in» Wortlaut vor, und kann»nit vcnt im Prozeß Nostmän»- Schöiideck verglichen»verdeit. Die Sachlage ist in beiden Fällen tstsofern dieselbe» als den Angeklagten, Freiherr» von Stumm und Naumann, die Vertretung bs- rechtigter Interesse» auf Grundlage des F 193 des R.-Str.-G-B. ztigebilltflt worden ist. Während aber Naumann trotzden» z» Sl)0 M. Geldstrase vernrtheilt»vird,»veil schivere formate Beleidtgungc» vorliege», die als solche nicht»»»geahndet bleiben können, spricht das Schöffengertcht zu Saarbrücken Frhr». v. Stumm frei, obivoyl es nicht umhin kann, dessen objektive Verschuldung»»»sdrücklich zt» betonen. Daß dies Befremden erregt und errege» muß, lau» nicht geleugnet»verde». — Internationale Lotterie. Die Loose der T h ü r t» g i s ch- A» h a l t i s ch e n Lotterte sollen bald nasgegeben »verde». Diese Loose»veisen die Merkivürdigleil ans, daß der Text derselben ans der Rückseite auch i» französischer, englischer iiiib russischer Sprache»viedcrgegebet»»st. Man spekulirt damit auf die Spietlnst der zahlreichen Ausländer, die»vährend der Sommermonate in Thüringen lebe». Die„Greizer Zeitung" vergießt patriotische Thränen und nieint,„ganz Thüringen»verde der Meinung sein, daß dies absolut nicht»olhivcndig ivar". Dem guten Blntt paßt es nicht, daß die Geivinne auch außer Lande? gebe» könnte». So hat die staatlich« Lotterie-Vetivaltung sich zur Todsünde des JntunatU- nalismus bekannt. Schrecklich I— — D i e Eisenbahn-Direktion zu Kassel ersucht uns um Berichtigung einiger Angaben,»velch«»vir in der Ninnmer vom 23. v. M. gemacht hatten. Es»st unrichtig, so führt sie ans, daß in den letzten drei Jakren im Direttionsbezirk Kassel über fünfzehn SlatioNe» II und Iii Klasse zu Hallestelten umgewandelt»nid hier- durch et»va 5000 M. Ersparnisse jährlich erzielt worden sind. Die Einw,eilnug der Bahnhöfe»» Stationen I. und II. Klasse, III. Klasse und Haltestellen unv dem entsprechend die Besetzung mit Beamlen- und Arbeiterpersonal erfolgt nach Maßgab» der ortlichei» öfters ivechselnden Verkehrs- und Betriebsverhällnisse, und ist daher fort- »vährenden Acnderunge» nach unten wie nach oben»nlerivorse». Stationen II. Klaffe sind nun in de»»» betreffenden Zeitraum über» Haupt nicht zu Haltestelle» herabgesetzt; lediglich sechs Stationen III. Klaffe sind jeil den» 1. April 1895 zu Haltrstellei» herabgesetzt ivorde», wodurch eine Ersparniß an Gehalt»nd Löhnen von jährlich II 350 M. herbeigeführt ist. Dagegen sind eine Anzahl Haltestelle» seitdem z» Stationen III. Klasse zu»» theil bereits heraufgesetzt, zum thcil ist die Unnvandlung derselben zu Stationen III. Klaffe, soivie einer Station III. Klasse zur Station II. Klaffe in Vorbereitung, »vodnrch eine Erhöhung der Kosten um nahezu 12 000 M. herbei- geführt, also obige Ersparniß inehr als ausgeglichen»vird. Speziell die vorinalige Station Beverungen anlangend, so »varen im Etatsjahre 1881/95 daselbst beschästigt fünf Beamte und Arbeiter mit zusamme» 4730 M. Sinkommen, jetzt find da- selbst thätig vier Beamte und Arbeiter mit 4780 M. Einkommen. Es ist»ur ei» vorwiegend zur Ausbildung be- schäfligter jugendlicher Stationsgehilfe ausgeschieden, dagegen statt eines Hilfsweichenstellers«in etatsmnßiger Weichensteller eingestellt. Ebenso unrichtig»st es, wenn der Artikelschreiber be- hauptet, daß das Personal der Haltestelle Beverungen überlastet sei. Wir nehmen gern Kemitiiiß von diesen Miltheilunge» der Kasseler Eisenbahn-Direktion,»velche allerdings den uns von privater Seile zugekoinmenen Darlegungen i» einiger Hinsicht zmviderlaufen. Was den Schlußsatz der Zuschrift betrifft, so steht da Behauptung gegen Behauptung; es»väre»vohl angenieffcn geivesen,»venu die Eisenbahn-Direktion ihre Behanplung mit Thatsachenmalerial hätte eriveisen»vollen.— Elberfeld, 9. November. Ter B olksschullehrer Langskheit»vurde von, Disziplinarhofe in Düsseldorf seines A»i» e s entsetzt ivegen eines vor einer Versammlung der deutschen Volkspartei gehaltenen Vortrages,»vorn» er erklärt habe» soll, Heer und Marine müßten auf dieVerfassung den Eid leisten. Plest, 8. November. Die Berufung des Reichstags- Abgeordneten Radwainski. Wie»vir s. Z. meldeten, hat der wegen seiner Venirtheilimg zu 3000 M. Geldstrafe und Tragung sämmtlicher Koste» verurlheilt« ReichSlags-Abgeordnete, Rechtsanwalt Rad»vai»ski in Pleß, Berufung eingelegt. Jnzlvische»» hat,»vie»ach der„Kaltoiv. Ztg." verlanlet, R. die«ingelegte Berufung zurück- gezogen. Es handelt sich um ein ehrengerichtliches Verfahren gegen de» der Zentrumspartei angehörenden Abgeordneten in seiner Eigen- schast als Rechtsanwalt.— — Der Fall B u r k a r t wurde am Montag im Fi,iai,z- ausschnß der bayerischen Abgeordnetenlannner besprochen. Auf ge- stellte Anfrage legte Finaiizminister v. Riedel ausführlich dar, ivarnn» der Rentbeainte Burlart hätte peusionirt»verde» niüsse». Derselbe habe sich früher schon zahlreich« Verfehlungen zu schulde» koinmen lassen und die Broschüre sei nicht der einzige Anlaß der Dienstentlassung gewesen. Der Ausschuß erklärte sich von de» Aus- führunge», des Ministers befriedigt.— — Der ReichstagS-WahlkreiS Nürnberg wird hart unistritte»». Außer«inen» Kandidaten der sreisiniiigei» VotkS- partei sollen Genossen Oertel noch ein Konservativer und ein volks- parteilicher Mandatsbeiverber entgegengestellt»verde». Drei sichere Durchfallskandidaluren! DaS zeigt voi» viel Opfermuth«nserer Gegner. Der Kreis N ü r>» b e r g- A l t d o r f ist uns sicher, den entreißt man uns nicht! — Politik in Kriegervereinen. Daß die Krieger- und Militärvereine königstreue Politik betreiben sollen, verlangt« an- läßlich des am 31. Oktober in Neuenbürg(Würtleinberg) statt- gehabten Bezirkskriegertages der Prinz v. Weimar. Dieser Agitator sür den Württembergischen Kriegerbund sagte u. a.: „Wenn auch der König nur selten in Gefahr kommt, seine Unterthanen um Unterstützung mit der Waffe in der Hand auf- znrnfcu» so giebt es für jedes einzelne Mitglied des Kriegerbundes bei den Wuh!«» Gelegenheit genug, seiner lönigslrencn Gesinnung Ausdruck zu verleihen." Wir beziveifeln, bemerkt dazu die„Echiväb Tagivacht", daß der Prinz mit diesen Worten ein»lennensiverlhes Resultat erzielt. Die volksfreundliche Gesinnung greift selbst in den Militärvereinen ltnmer mehr Um sich und»vird sich bei den bevorstehende» Reichs» iagswahlen schon zeigen. Also abivarten!— — Chronik der Majestät s beleidig» NgS-Prozesse. DaS Landgericht M ü n st e r(Wests.) hat an» 13. Juni de» Holz- schneider Johann Düren ivegen Beleidigung des Kaiser? zu vier Monate» Eefängniß vernrtheilt. Die inkriininirte Aeußerung bezog sich a»f die Reisen des Kaisers und dt« Kosten derselben. Als Zeuge i» dieser Straffache ist unter anderen» der Sohn des Angeklagten ver- nommen»vorden. In seiner Revision behauptete der Angeklagte, sein Sohn sei nicht auf sein Recht, das ZeNgniß zu veriveigern, ans- merksam gemacht»vorden. Das Protokoll der Hauptverhandlnng gab htetüber keine genaue Ailsknnfl. In dent Passus„Nach Be- lehrung sagte der Zeuge" rc.»var das Wort Belehrung, iven» es überhnapt so geheißen hat, tveggestricheu, so daß man es nicht mehr entziffern konnte. Dafür fnitd sich am Rande des Protokolls ein Vermerk,»velcher Nicht von der Hand des Gerichtsichreibers oder Vsrsthenden herrührte»nd ti» keiner Weise beglaubigt Ivar. Das Protokoll konnte deshalb nicht als Beiveismittel angesehen»verde»» nnd die BehatipttlUg Ver Revision, daß eine Belehrung über das Recht der Zeugnißveriveigerung überhaupt nicht slaitgesunden habe, »var nicht zu»viderlegen. Ans diesem Grunde hob das Neichsgerickit das Urtheil aus und venvies die Sache an das Landgericht zurück. — Koloniales. Auch die Gegner der Kvlonialpoliiik, wie sie sich für das Deutsche Reich gestaltet hat,»verde»»Nil Interesse eine Arbeit einsehen,»velche Franz Giefebrechl, der sich be- knnntlich schon mehrfach ans den» Gebiete der kolonialpolitischen Literatur hervorgelhan hat, über„Die Behandlung der Ei» geboren e» in den deutschen Kolonie»" soeben veröffentlicht,(Verlag von<&. Fischer in Berlin.) Gerade die schivere» VetfehlNiigen, die in de» denlsche», Kolonien gemacht»vorden sind, die abscheulichen Vorkommnisse, die sich an die Name» Leist, Wehla», Peters, Schröder knüpfen, haben es besonders wünschenstverlh gemacht, daß Klärnag geschaffen werde. welche Prinzipien in der Behandlung der eingeborenen Stämme Afrikn's anutwenven seien. Giesebrecht hat eine stattliche An- zahl von Gutachten über diese Frage gesanimelt, die ihm Kvloniallente aller Art, Theoretiker und Praktiker, Missionare, Nolvuinlbeanit«, Schittzttnppen-Ossiziere, Kausteute znr Verfügung gestellt haben. Da finde» sich Beiträge vo» Major v. Wißmai»», Major Lcutivein, Rohlss, Ernst Häckel, Prof. Fritsch, Dr. Finsch, Graf Pfeil, Dr. Vnllentin, Prof. Hübbe-Schlcide»»c. So treten die mannigfaltigsten Anschammgel» über die gestellte Frage, deren große Tragweite ans der Hand liegt, hervor. Wie Völker und Rassen verschiedenster Art, alle aus tiiedcrer Kulturstufe. denen der Weiße jedenfalls als Eroberer Und Herr getgenüberlrllt, am besten zu behandeln seien, darüber gehe» die Meinungen »veit auseinander; vi« ganze Weltanschauung, der Beruf, der Grad der praktischen Erfahrungen, die Empsindungsart, die individuelle Eigenart jedes einzelnen Beurtheilers führen zu»veit von einander abiveicheiiden Meinnnge». Da stehen sich Ansichten schroff gegen- über»vi» die de? Majors B osh art, der sich gegen alle»„phtlan- throptsche» Schivindel" wendek. alle» Negerftämme» ohne NnSnahine „Kultnrunfähtflkett, Grausamleit«ndnamentlich Faulheit' nachsagt und „dievklligiAnsroIt>ingdersch>varze»Rasse"verla»gt»uida»dererstitsdie Allfsassnngen von Männern»vi« Clemens D e u h a r d t und zahl« reicher anderen, dt« vor Herrtscher und harter Beljandlung»varnei» und ein« streng humane Behandlung der Schwarze,» forder». Eine völlige Lösung des gestellten Problems bis tu alle Einzel- heiteu bringt die vorliegende Schrift uoch nicht, insbesondere sind ja die Erfahrunae» anderer Völler hier nicht herangezogen ivorde». Doch ist vieles geklärt und dein Resultat, zu dein Herr Giesebrecht im Schlußwort seiner Schrift gelangt, ist in, allgemeinen»nr beizupflichten. Die Eingeborenen in den Kolonien sind deren„iverlhvollster Schatz" und sie müsse» dementsprechend behandelt»verde». Das gebietet schon der eigene Vorlheil. Wenn man nicht wolle, daß die Behanplung, Kolonisation solle in erster Linie der Verbreitung vo» Kultur u»d Zivilisation diene», als Fiktion betrachtet werde, so müsse»» wir das europäische Sittengesetz zur Richtschnur unseres Verhaltens für die Behandlung der Ein- geborenen inachen. Von diesen» Standpunkt spricht sich Giesebrecht scharf gegen die Fehler und Sünden der deutschen KoloiiialpolUik aus. „Die Mehrzahl der deutsche» Kolonialgesellschaften hat auf moralisch höchst anfechtbare Weis« ihre« Besitz erworben. Für Fusel und »verthloseu Tand haben die Emiffär« des heimathlichei» Ausbeuter« thums de» Eingeborenen»veite und reiche Landstrecken abgenommen. Es ist die Pflicht jeder Kolonialregierung, einen» derartigen Treiben bei Zeiten Eiuhall zu gebieten und iiöthigeusallS auch Remedur zu schaffen." Auch der Gegner einer kolonialen Experimental-Politik kann in den Wunsch mit einstimmen, mit dem Giesebrecht seine Veröffent- ltchiing beschließt:„I» absehbarer Zeit, so dürfe»,»vir hoffen,»vird die Behandlung der Eingeborenen»» den deutschen Kolonien nicht mehr zu denjenigen Kapitel» aus unserer Kolonisationsgeschichte ge- höre», deren wir ilns zu schämen haben."— Oesterreich. Wien, 8. November. Bei der heutigen Ergäuznngswahl für den R e i ch S r a t h im Landgemeinde-Bezirk Krems»vurde an stelle vo» Vergan» der christlich-soziale Daschl mit 4068 von 6968 Stil»»»«»» gewählt.— Herr Bergaiii, der von den» Wiener Schivnrgerichte wegen verjährter Vernntreiiungen von Amtsgelberu nnd Belriigereiei» gebrandmarkt»vurde, hatte nicht mehr den Muth, sich den Wählern zu stellen.— Wie», 9. November. F i n a n z>» i», i st e r B i l i„ s k i er- klärte i», Budgetausschusse, daß' feine letzte Rede,»velche vo» der ungarische» Presse ungünstig aufgenonune» wurde, nichts enthalten habe, was bei der»ingarischen Regierung Anstoß erregen könnte. In» übrigen müsse die Regierung.»v e n n das Aus- gleichsprovisorium nicht verfassungsmäßig zu st a>i d e komme, dasselbe im BerordyungSwege z»» stände bringe». Die Regierung hoffe jedoch, daß dies nicht »othwendig sein»verde, und nppellire daher aus das dringendste an den gute» Willen der Abgeordneten. AnS Budapest»vird wieder das Bevorstehen der Demission Badeni's alS sicher gemeldet. Heute»vird die parlamentarische Kommission der Rechten über eine Abänderung der Geschäfts-Ordunng des Abgeordnelenhauses beschließen. Es»vird angestrebt: 1. Die Ab- schaffung der Zehnminuten-Pause», L. die Ausschließung solcher Abgeordneten,»velche sich gegen den parlamentarische» Anft-and vergehen, 3. die Ein- s ch r ä» k u» g der namentlichen A b st i m»i u n g e n. — Die gestrige sechsstündige Obstruktions- rede des deiitsch-liberalcn Abg. Funke hat ihren Zweck, die Sitzung des Biidgelailsschnffes über das Ansgleichsprovisoriuin zu hinter- treiben, erzielt. Es kommt den Obstruklionsparteien daraus an, das Znsiandekoimuen des Ausgleichsprovisoriums vor dem 31. Dezember dieses Jahres zu verhindern. Jeder Tag Gewinn spielt da eine große Rolle.— — Ein weiterer Erfolg der Obstruktions- Parteien ist die Vereitelung des Projektes der Rechten, den klerikalen Abgeordneten Ebenhoch, der als rücksichtsloser Gegner aller linksstehenden Parteien bekannt ist, den erstell Präsidentensitz des Abgeordnetenhauses zu üderlragen.— — Gegen den Zeitungsstempel, diese ungerechteste Be- steuerung auf das geiftige Brot der breiten Massen, snuden am letzten Sonntag in ganz Oesterreich zahlreiche, überaus starb besuchte Ver- sainmluiige» statt Selbstverständlich wurde auch Aufhebung der unwürdigen Preßzensur und Freigebung der Kolportage gefordert. Unser Prager Korrespondent schreibt uns hierüber: Wie in den anderen Siädten der Monarchie fand auch hier gestern eine große Manifestation der Arbeiterschast gegen den Zeitungsstempel und das Verbot der Kolportage statt. An der Ver- sannnlung ans der Schützeninsel, in der Genosse Nemec, Redakteur des Tageblattes der czechischen Partei„Prnvo Lidu", referirte, nahmen über 3000 Personen theil. Die Resolution, die die Ab- schaffnng jener Hindernisse der Entwicklung einer unab- hängigen Presse fordert, fand einstimmige Annahme.— Auf dem„weißen Berge" bei Prag fand gestern wie alljährlich eine Kundgebung anläßlich der Wiederkehr des Tages der bekannten Schlacht, die der Selbständigkeit des böhmische» Staates ein Ende machte, statt. Allerdings trug die heurige Feier einen von den Demonstrationen früherer Jahre erheblich abiveichenden Ebnrakter. Es waren an tausend Arbeiter, die sich in einer VersamiNlung zu- fammcnfaiiden, uni gegen den Ebenhoch'schen Antrag, die Volks- verdummung und ihre jungczechischen Anwälte, zu prolestiren.— Ben» Rückmärsche der Masse» nach Prag kam es zu Konflikten mit der Wache, die jedoch ohne ernsten Zwischenfall verliefen.— Frankreich. Paris, 7. November.(Eig. Ver.) Der Bericht des sozialistischen Abg. Viviant über die Rettnngsarbeit Quesuay de B e a n r e p a i r e' s, des ehemaligen Oberstaatsanwalts und derzeitigen Mitgliedes de? Kassationshofes, in der P a n a m a> A f f n i r e ist vom Panama-Untersuchnngsausschnh der Kammer mit 18 gegen blos 0 Stimmen genehmigt worden. Es sind die schon vor einigen Monate» bekannt gewordenen, einander widersprerbenden Berichte Q. de Beaurepaire's, die Biviani das erdrückendste Belastnngsmnterial gegen den pflichtvergessenen Gesetzeswttchter lieferten. Im September 1892 begründete der Oberstaatsanwalt die Rulhivendigkeit der gerichtlichen Verfolgung der Administratoren der Panamagesellschaft. Lesseps und Konsorlen, in einem langen Bericht, voll belastender Thatsachen und brandmarkender Urtheile. Im No- vember des gleichen Jahres, nachdem der damalige Jnstizminister Ricard den Verfolgnngsantrag genehmigt hatte, verfaßte derselbe Q. de Beaurepaire einen zweiten Bericht, worin die Nichtverfolgung in lakonischer Kürze damit begründet wird, daß das Gericht möglicherweis« die Administratoren freisprechen könnte!..... Noch mehr, i» Beantwortung einer Anfrage des erstaunten Jnstizministers über seine» jähe» Gesinnungswechsel schrieb Q. de Beaurepaire einen dritten Be> richt, in welchem er die Administratoreu. die er selber zwei Monate vorher gebrandmartt, reinzuwaschen sucht. Eine Erklärung dieser Machenschaften liefert die Thatsache, daß zur Zeit im Ministerium hervorragende Panamisten saß«», wie Burdea», R o u v i e r und Jules Roche.— Ferner geht ans Viviani's Bericht hervor, daß die von Q. de Beaurepaire im Juni 1891 eingeleitete Untersuchung von vorn herein infolge eines groben Rechtsirrlhums die Verjährung herbei- führen mußte. Daß die Untersuchung nicht früher eröffnet wurde, daran sind neben Q. de Beaurepaire die Justizminister T h e v e» e t und Falliöres(1339—1891) schuld. Thevenet gehört übrigens außerdem zu den Panamisten, die durch eine„I�on lieu"- Erklärung gerettet wurden. Inwiefern jener Rechtsirrlhum unabsichtlich war, darüber lasten die„Widerspruche" des Ober- Staatsanwalts keinen Zweifel zu. Der Kammerausschuß votlrte denn auch dl« von Biviani vor» geschlagene Resolution, die der Kamme» zur Annahme«mpkohle» werden soll:„Di« Kammer bedauert, daß dl« Pflichtveraessenheiten säSkaManass) gewisser Gerichtsbeamten von den Ansängen der Panama-Affäre an vi« Straflosigkeit der Schuldigen gesichert haben." Angesichts der unwiderleglichen Thatsachen hatte die ministerielle Minderheit des Ausschusses lediglich die Ersetzung deS Wortes: „Pflichtvergefftnheiten" durch„Jrrthümer" beantragt; aber, wie gesagt, nur sechs Mitglieder stimmten gegen die Resolution.— PasiS, S. November. In dem Ministerrathe, welcher heute im Elysäe abgehalten wurde, berichteten Ministerpräsident Meline und Kriegsminister Billot über die Angelegenheit Dreyfus. Beide er- klärten, Dreyfus sei in ordnungsmäßiger und gerechter Weise vom Kriegsgerichte verurtheilt worden und die Beruriheilung bestehe mit allen ihren Folgen fort. Da dem Juftizminister weder eine neue Thatsache noch ein bisher unbekanntes Schriftstück unterbreitet worden sei, könne die Regierung nur auch weiter für die Voll- streckung des Urtheils Sorge tragen.— Pari», 9. November. In einer heute ausgegebenen osfizieven Note wird betont, daß die Bernrtheilung deS Haupt- mannt Dreyfus rechtmäßig erfolgt und dem Justiz- minister keine Thatsache bekannt geworden sei, die ein« Revision des Prozesses veranlassen könnte. Belgie«. --- Die Kammer beginnt am Dienstag ihre Session von 1897/93. Gleich in den ersten Sitzungen werden einige von unseren Parteifreunden eingebrachte Interpellationen zur Verhandlung kommen. Die Minister werden Auskunft zu ertheilen habe», warum Louise Michel aus Belgien ausgewiesen wurde, sodann über die Maßnahmen, die gegen den Jungtürken Achmed Riza er- griffen wurden. An sozialen Gesetzen wird der Kinderschutz und das Gesetz über die Bernfsvereine zur Verhandlung kommen. Auch eine kleine Sprachendebatte wird das belgische Parlament in der nächsten Session zeitigen; die vlämische Bevölkerung verlangt, daß offizielle Publikationen in beiden Sprachen(französisch und vlämisch) abgefaßt werden. Ferner werde» der Kammer einige Abänderungsaulräge zum Militär-Strafprozeß zugehen.— England. London, 7. November.(Eig. Ber.) Aus den Berichten der jetzt vorliegenden sozialistische» Wochenblätter geht hervor, daß die am 1. November stattgehabte» städtischen Geineindewahlen au ver- schiedeuen Orten sehr viel günstiger für die Sozialisten verlaufen sind, als die nur die Wandlungen in der Verlreterzahl anzeigenden Telegramme der großen Presse vermuthen ließen. Sowohl die Un< abhängige Arbeiterpartei, wie die Sozialdemokratische Föderation haben großen Stinnnenzuwachs und bedeutsame Wahlsiege zu ver- zeichnen. A» erster Stelle ist in dieser Hinsicht South West Hai» bei London zu neune», wo neben Will Thorue zwei weitere Mit- glieder der Sozialdemokratische» Föderalion und ein von dieser geiiieinsam mit der Unabhängigen Arbeiterpartei aufgestellter Kandidat gewählt wurden. T h o r n e, der schon vorher im dortigen Stadlrath saß, erhielt nicht weniger als 2171 Stimmen, mehr als eine Verdoppelung gegen seine erste Wahl. Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß mit ihm oder einem ebenso tüchtigen Kandidaten dieser Kreis, der von 1892 bis I89S im Parlament sozialistisch ver- treien war, bei der nächsten Parlamentswahl für den Sozialismus zurückerobert werden wird. In Manchester siegte im Bezirk Harpnrchey das bei den Besuchern des Londoner Internationalen Kongresses sicher in guter Erinnerung stehende Vorstandsmitglied der Unabhängigen Arbeiterpartei Fred. B r o ck l e h u r st uüt 236!) Sliminen über einen sehr einflußreichen Konservative», der nur 2606 Stimmen erhielt. In einem anderen Bezirk Manchesters siegte Mabeu von der Föderalion mit 1793 gegen 1575 Stimmen über einen Konservativen. Sehr große Erfolge»vurde» ferner i» Glasgow und Umgegend erzielt, ebenso in Leicester, Bnstol, Colne, Halifax, Galeshead, Hull, Liochdale, Stockton. Wolverhainpton, während a» andere» Orten die Sozialisten zwar unterläge», aber bedeutende Minoritäten erzielte». Unzweifelhaft vrägt sich in diesen Resultaten die Rückwirkung des Maschinenbauer- Kampsbs aus, doch liegt es in der Natur der englischen Partei- verhnliiiisse, daß diese Rückwirkung nicht überall gleichmäßig den Sozialisien zu gute kommt. In Orten, die so hervorragend an diesem Kampf beiheiligt sind wre Leeds, Middlesbrough, Newcastle, Shesfield scheint kein einziger Sozialist durchgedrungen, und sind die sozialisti scheu Kandidaten verschiedentlich sehr in der Minderheit geblieben. Da kommt es nun ganz daraus an, wie die„Liberalen" oder„Radikalen" ausscheiden, die ihnen entgegenstanden, und ans was für Forderungen dieselben sich verpflichiele», bevor sich über die Jntensivilät, mit der der Maschinenbauer-Kampf aus die Gemülher der Arbeiter zurückgewirkt hat. ein Urtheil fällen läßt. Der Name oder die Firma ist hier durchaus kein untrüglicher Gradmeffer. Programm und Phraseologie gar mancher der liberalen Kandidaten unterscheiden sich nur wenig von denen der Sozialisten. Dstnemart. -�Weitere Berathung der Ardeittzr-Unfalt» versichern tig im dänische» Landesthing. Bon den 28 Aenderungsanttägen der Herren Slilling, Schultz und Sörensen wurde nur einer a»ge»o»»nea. Vo» den 24 Fusstng'schen Anträgen wurden 6 angenommen, doch tst von diesen nur einer von Bedeutung, der das Versichernngsgesetz auch auf die Erdarbeiter ausdehnt. Diesen Antrag nnterstüyte auch der Parteigenosse Kund seit, sowie einige Anträge, die Grweitcrnngsziele verfolgten. Leider wnrden die anderen trotzdem Nicht angenommen. Das ganze Gesetz gelangte dann in zweiler Lesung zur Annahme. Im F o l k« t h i n g kam der von den sozialdemokra- tischen Abgeordnete» eingebrachte Antrag auf „Aenderung und BerlängernNg des Gesetzes vom 29. März 1887 be- lreffs einer Anleihe zum Umbau vo» verbauten und ungesunden Stadt- thetlen i» Kopenhagen und den Provinzstädten und Aufführung vo» Albeiterwohnunge» zur Berakhimg. Vor 11 Jahren kam diese Frage zum ersten Mal im Reichstage vor, damals stellten einige liberale Abgeordnete einen ähnliche» An- trag, der im Folkeihing mehrfachen Aenderungen Unterworfen wurde, fodaß er hätte großen Nutzen stiften können, aber der Landeslhing beschränkte dann das Gesetz so, daß es der Absicht der Antragsteller gar nicht mehr entsprach. Die Ausführung der Gesetzes- Paragraphen wnrde nämlich davon abhängig gemacht, daß dl« Kom- munaibehörden innerhalb ein paar Jahren die Anleihe» nachsuchten, umdieNuderreißnng ungesunder Sladttheile vorzunehme» und Arbeiterwohnungen zu errichten. I» den erste» Jahren herrschten aber in allen Kowmunalverwaltnngen die Konservativeil, und diese machte» keinen Gebrauch von dem Gesetze. Unter Hinweis nuf diese Vorgänge empfahl der Genosse Holm den Antrag, der früher im Folkeihing solche Zustlmmung gefunden hälte. F l n a» z t» i» i st« r H ö r s i n g meint, daß bisher keine Gemeinde von dem Gesetze Gebrauch gemacht hat, beweis«, daß kein Bedürfniß dafür vorhanden sei. Er hält es überhaupt für unmöglich, daß alle Stavtlheile niedergerissen und dafür Arbeiterwohunnge» erbaut werde» können, da das nicht rentabel sei. Er hat aber nichts da- gegen, daß der Theil des Gesetzes, der Vereine», die Arbeiterwohnungcn errichte» wollen, Staalsanleihen zusichert, angenommen werde, hält aber auch diesen für überflüssig. Solch arbeilerfreundlichen Reden des„Rsform-Ministers" trat selbst B r a m s e n, ein Kon- serva tiv er, enlgege», der fand, daß der zweite Theil de» Gesetzes große» Nutze» stiften könnte und es auch in vier Fällen schon gethan hätte. Man könne dns ganze Gesetz annehmen. Wen» es auch nicht benutzt würde, machte es ja nichts, wen» es bestände. Auch andere Redner widersprachen dem Minister und wiesen daraus hin, daß die Konimunalteitungen jetzt reformsreundlicher, als vor 11 Jahren seien. In einem Schlußwort zerpflückie Genosse Holm die halilosen Behnnptnnge» des Ministers. Er zeigt an einer Reihe von Beispiele», wohin es führt, wenn man solche Ans- gaben dem Privatkapital überlassen will. Der Antrag wird dem Finanzausschuß überwiesen.— > Spanirt«. — Ueber die Anarchisten von Barcelona wird aus Madrid geschrieben: Die 113 vermeintliche» Anarchisten, welche 17 Monate lang in de» Kasematten des Forts Moiiljnich elngekerkert wäre». ohne daß man ihnen irgend eln nach den über- strengen spanischen Auarchistengesetze» faßbares Vergehen nachweisen konnte, befiiideii sich zwar seit dein 1. November auf freiem Fuße, doch ist damit ihre LetdenSzeit noch nicht erschöpft. Elf von thnen, die thatsächlich früher einige anarchistische Versammlungen besucht hatten, haben auf grnud des Ausnahmegesetzes zur Perhülniig der anarchistischen Propaganda de» Befehl erhallen, bis zum 15. November das spanische Staatsgebiet zu verlaffen. widrigenfalls sie durch die Polizei über die nächste Landesgrenze gebracht würden. Sollten aber die Polizeibehörden des betreffenden Nachbarlandes sie nicht, aufnehmen, so inüblen sie nach einer über- seeische» spanischen Kolonie gebracht werde». Sodann wurden 73 der Freigelassenen, welche sich anarchistischer Gestunuuge» ver- düchtig gemacht hatten, die Verpflichtung auferlegt, sich am 1. und 15. Tage des Monats bei der Polizeibehörde ihres Aufenthallsortes zu melden, während den übrigen 29«ine scharfe Ermahnung erlheilt und ertlärt wurde, daß die Polizei sie andauernd auf daS gewissen» haftest« überwachen werde.— Rnftland. — Die jüngsten Arbeiterun ruhe». Aus PeterS- bürg wird der„Intern. Corresp." berichtet: Ueber die Vorgänge i» O r e s ch k o w o liegen nunmehr ausführliche Berichte vor, so daß es möglich ist, ein sicheres Urtheil abzugebe». Danach tst es festgestellt, daß die Besitzer der großen Spinnmi-An lagen, Gebrüder Moroschow, schon seit mehreren Wochen den Gouvenrenr vo» Moskau um Schutz gegen ihre Arbeiter angegangen hatten, und daß dieser ohne Wissen des zuständigen Gouverneurs vo» Wladimir mehrere hundert Gendarmen nach den Nachbar- orten von Oreschkowo entsandte. Die Arbeiter, sowie auch viele unbetheiligte Einwohner der Stadt aber erklären, daß nicht die geringste Absicht zu Ruhestörungen vorgelegen habe. Die Fabrikbesitzer hätten demnach die Gendarme nur holen lasse», um u»ter deren Schutz die ganz»»erwartete Lobnherabsetzung durch- führen zu könne». Aber auch gegen diese hatten sich die Arbeiter keineswegs mit Gewalt aufgelehnt, sondern es war der Zusammen- stob durch das Verhalte» einiger Werkmeister absichtlich herbeigeführt worden. Daß hierbei die Sympathie der Bürgerschaft auf selten der Arbeiter stand, beweist am besten die Thatsache, daß sich unter den 120 Verhafteten nur 90 Arbeiter der Fabrik befinde»; die übrigen sind theil- weise gut gestellle Bürger, sowie ein Geistlicher und ein Reserve-Osfizier, welche zu guusten der Arbeiter vermiitel» wollten. Was aber dem Vorgange eine höchst eigenthümliche Färbung verleiht, ist die Thal- fache, daß die bei Moskau gelegenen großen Baumwollen- Spinnereien von P r o k o r o w ganz die gleiche» Lohn- kürzunge» vornahmen und sich ebenfalls mit starker Gendarmerie versehen hatten; doch kam es hier zu keinerlei Ruhestörungen. ES wird daher in den hiesigen Zeitungen der Berdacht ausgesprochen. daß die genannten Spinnereibesitzer gemeinsam eine Kundgebung veranstalte» wollte», um die Regierung zur Zurücknahm« der neuen Verordnungen, betreffend die Beschränkung der Arbeitszeit itt der Webeiudustrie zu veranlassen.— AuS Warschau berichtet daS„Bureau Herold": Nach aus Petersburg hier eingetroffenen Meldungen steht der Rücktritt des Oberprokurators der heiligen Synode Pobjedonoszew und die Er- setzung desselben durch den Generalgouverneur von Kiew Grafen Jgnatiew bevor. Es ist sehr auffallend, daß eine Mittheilung von solcher Wichtig- keit nicht auch von anderer Seile überbrachl wird, und mau wird ihre Bestätigung abwarte» müffe». Ist Jgnatiew der Nachfolger Pobjedouoszew's, so wird er kaum einen so starke» Einfluß auf die gesammte iiinere Politik Rußlands ausüben wie der kluge, überaus verschlagene Pobjedonoszew. Sicher ist aber, daß Jgnatiew, dessen scheußliches Polizeiregiuient in Kiew bekannt genug ist, ein„würdiger" Nachfolger Pobjedouoszew's sein wird.— Griechenland. Athen, 8. November. Das Protokoll, betreffend die Rückkehr der Thessalier, ist heut« unterzeichnet worden. Mehr als 16 000 ge- flüchtete Thessalier sind bereits zurückgekehrt.— Die hiesige» Blätter sprechen ihre Zustimmung zu de» vo» der kretischen National- Versammlung gefaßten Beschlüssen aus.— — ZurLageaufKreta liegt der„Intern. Corresp." ans Athen unterm 8. November folgender Drahtbericht vor: Das Urtheil des internationale» Gerichtshofes, durch welches zwei an den Morden von Tsikalaria belheiligte Muhamedaner zu lebenslänglichem Kerker verurtheilt wurden, hat unter der gesammte»»mhnmedanischen Be- völkerung der Insel die größte Erregung hervorgeruse». In a n e a finden täglich Zusammenrottungen statt, und der türkische Gou- vekNenr antworlele ans die Vorstellung der Admirale, daß er die türkischen Soldaten nicht zu Gewallmaßregeln gegen ihre Glaubens- genossen verwenden könne. Die»inhamebanischen Quartiere werden daher stündlich durch starke Ahtheilungen der«uro- päischen Truppen und der internationalen Gendarmerie durchzogen. Die Muhamedaner drohen, sämmlliche christlichen Häuser in Brand zu stecken, falls die Berurlhettlen nicht freigegeben Ivürden. In RethyniS, wo die Haltung ber Muhamedaner ebenfalls eine seht bedrohliche ist, hat der russische Befehlshaber alle öffenllichcu Gebäude und die meiste» christlichen Geschäfte mit starken Wacht- poste» belegt. In H e r ä k t i ö n dagegen, wo die Gewaltthnten der Muhamedaner in verstärktem Maße fortgesetzt werden, bewahrt O d e r st C h« r m s i d e trotz aller Vorstellungen der Christen seine bisherige gleichgiltige Hallung, ohne die geringste» Maßnahmen znr Berhülung der Ansschreitnngen zu treffen. � Amerika» � Ueber die Sit nation anfKiiba wird der„Krank- nrter Zellnug" ans New- York berichtet- Präsident Mae Nlnley nstriiltle den Generalkonsul See, die amerikantschen Interessen auf Kuba sorgsam zu wahren und alle Schärse» zu vermeiden. Havanna- Meldungen besagen, daß General Blnnco'S Mission als ein voll- ständiger Mißerfolg zu betrachten sei, da das Mißtrauen der Kubaner sorldnnere.--- Rio de Janeiro, 8. November.(„TlmeS".) Hier sind die Nevaktioiitn dreier opposilionetler Blätter von einer Boltsmenge am Sonntag zerstört worden- Man glaube nämlich, daß das Verbrechen vom vergangenen Freilag daS Etgebniß heftiger Angrifse dieser Vläiler ans die Regierung gewesen sei. Der Präsident habe erklärt, er beabstchlige, den Kongreß z» ersuchen, auf 30 Tage daS Kriegs- recht zu proklaniiren. Da will man wohl mit allen Gegnern der brasilianischen Miß- wirthschaft kurzen Prozeß machen?— „Unsere lvetheilignug an den preußische» Landtags- ivalilcn" behandelt jetzt Genosse Bebel i» der„Neuen Zeit". Bebel bespricht die QMrlerNiige» innerhalb der Partei, die sich an ven Beschluß deS Hain kurzer Pnrteilagcs knüpften. Er hält a» der von ihm«ingebrnchlen Resolution fest>md will darlegen, daß der Beschluß, so wie er gefaßt ist, werlhlos sei und ivomöglich der Reakiio». die er verwunden solle, günstige Folgen eintragen werde. Genosse Bebel kommt zu dem Schluß, daß es nicht angehe, daß Misere Partei mit so schiveren Meinungsverschiedenheiten über die innezuhaltende Taktik in den Wahlkampf eintrete, es müsse eine nene Verständigung ersolgen. Als praklischen Weg hierzu schlägt er vor: Die Reichstagsfraktion mache die Angelegenheit zum Gegenstand einer Erörlernng in ihrer Mitte, sie verständige sich über einen passende» Vorschlag und lege denselben der Gesammlpartei zur Eni- scheidnng vor. Erklär« sich die Mehrheit der Wahlkreise für den- selben, so sei er die Basis für die Wahltaktik und der nächste regel- mäßige Parteitag hätte ihn nachträglich zu sanklioniren. Das sei ein ungewöhnliches Verfahren, aber»»gewöhnlich« Verhältnisse erforderten ungewöhnliches Handeln. Die Hauptsache ist, daß die Partei ans einem unmöglichen Zustande herauskomme, in den sie sich selbst durch eine» nugeuügeud erwogene» Beschluß gestürzt habe. Eine Parteikonferenz für Nordwcst-Dentschland tst von der bremtschen Agilaltoiiskommtsslou im Einverständntß mit den betheiligten hannoverschen und oldenburgtschen Wahlkreisen aus Somttag, den 21. November, Vormittag 10 Uhr nach Bremen in das BereinShnus einberufen. Die Tagesordnung lautet: I. Die bevorstehenden Reichstagswahlen. 2. Die Lage in den einzelnen Wahlkreisen»nd wie organisiren wir unsere Agiiation? Von der Wasserkante. In Brem erHafen und Bant- W i l h e l in s h a s e» hielt Reichstngs-Abgeordneler Bebel in den letzten Tagen der verflossenen Woche sehr gut besuchte Volks- Versammlungen ab, mit der Tagesordnung: Die gegenwärtige Lage nnd die bevorstehenden Reichstagswahlen. Die Versammlungen waren auch vo» Gegnern stark besucht, doch gab es keine Debatte. In W i l h e l m s ha f e» hatte Bebel bei einem beabsichtigten Besuch der kaiserlichen Werft ein Intermezzo, daS im Reichs- tag»och«in Nachspiel finde» dürfte. Genosse M o r i s f e in Bant hatte die Anmelbung zu», Besuch überuomme», die bereitwilligst von einem der ans dem Anmeldebureau anwesenden Polizeibeaniten für den Besuch der Werst, der Werlstälten und eines Schiffs(„Deutsch- land")«rideilt wurde. Als aber der hinzukommende Polizeiivachtmeister erfuhr, daß der eine der Besucher Bebel sei, gab er seinem Untergebenen den Befehl, die Erlaubniß zum Besuch der Werkstätte» ans dem Schein zu streiche». Morisse srug: ob dies geschehe, weil sein Begleiter Bebel sei, die Aulwort lautete: Wir habe» dafür unsere besondere» Gründe. Daraus erklärte Bebel, daß er unter solchen Umständen auch auf de» Besuch der Werst und des Schiffs ver- zichte. Er betrachte es als eine persönliche Beleidigung, daß man ihm, einem Mitglied des Reichstages, den Besuch der Werkstätte verbiete, den man jedem andere» gestatte. Die verdutzt dreinschauen- de» Beamte» suchten sich zu entschuldigen; Bebel erklärte, daß er sie für das Vorgekommene nicht verautivortlich mache, sie Haudellen nur nach Ordres, und verließ mit Morisse das Bureau. AlS Vertrauensmann für Ost er wieck am Harz wurde von der letzten Parteiversammlling einstimmig der Schuhmacher- meister F. S ch ü» k e, Nikolaistraße 30, geivählt. Ans Dresden wird uns geschrieben: Eine Parteiversammlung im sechste» R«>chstags-Wahlkreise(P l a u e» s ch e r Grund ec.) be- schästigt« sich mit den Beschlüssen des Hamburger Parteitages. Es wurde nach lebhafter Diskussion die schon in Dresden- Alistadt be- schlösse»« Resolution angenomme», die sich gegen den Standpunkt Schippel's in der Zollfrage und gegen die Ansichlen richtet, die ans dem Parteitage von einige» Fraktionsmitglieder» in der Militär- frage geäußert worden sind. Als Kreis- Vertrauensmann wnrde Genosse H ö p p n e r aus Cotta wiedergewählt Zum Kandidaten für die bevorstehende Reichstags-Wahl bestimmte die Ver- sainmiung de» bisherigen Vertreter des Kreises, Genossen Georg Horn, der gegemväriig«ine zehnnionatige Gefängnißstrafe verbüßt. Eine öffentliche Versammlung, in welcher die hiesige» Genossen Stellung zu de» im nächste» Monat stattfindende» Stadtverordneten-Wahlen nehmen wollte, konnte nicht abgehalten werden, da nur einige 80 Personen erschienen waren. Diese Theilnahmslosigkeit ist darauf zurückzuführen, daß die Partei sich seit vielen Jahren wohl an diesen Wahlen belheiligte, Erfolge aber auch nicht im geringsten zu erzielen vermochte, was daher kommt, daß ein für die Arbeiter äußerst ungünstiges Wahlsystem nndWahK verfahren, in Verbindung mit einer vielleicht einzig dastehende» Auslegung der revidirten Städte-Ordnung seitens der Behörde, wonach den Arbeitern das Bürgerrecht verweigert wird, eine» Erfolg von vornherein fast zur Unmöglichkeit macht. Die Gcnosse» in Dresden-Allstadt kaineu daher zu der Ansicht, sich nicht mehr zu be- thetligen, während die Genossen in der Neustadt den entgegen» gesetzten Standpunkt einnehme»; sie hoffe» infolge der Einverleibung zweier Vororte Erfolge erreichen zu können. Der Sozialdemokratische Verein in Gera beauftragte die sozialdemokratischen Mitglieder des Gemeindcraths, für Be- seitigung der Begräbnißgebührei» zu wirken. In Offeuburg wurde, wie uns ein Privattelegramm meldet. in der Nacht zum Dienstag unser wackerer Parteigenosse Adolfs Teck von dem Leiter deZ Kosernenbones, einem gemifsen Hoff« m an», und einigen Spiesigesellen überfalle» und schwer verletzt, weil er vor dem Gewerbegericht die Interessen eines Arbeiters gegen diesen Unternehmer vertreten hatte. Der Staats- anwalt hat die Untersuchung eingeleitet. Wir können den Genossen Geck der herzlichsten Theilnahme der ganzen Arbeiterschaft versicher», deren Interessen er gegenüber der Brutalität von Angehörigen der herrschende» Klassen allezeit furchtlos und treu vertreten hat. A«S Dänemark. In G e n t o f t e in Dänemark sind drei Sozialdemokraten in den aus 11 Mitgliedern bestehende» Gemeinderath gewählt worden. � Todtenliste der Partei. Karl Widmann, ei» lang- jähriger Burean-Arbeiter des Deutschen Holzarbeiler-Verbandcs in Stuttgart, ist am 5. d. M. im Alter von 37 Jahre» an der Lungen- schwindsucht gestorben. In ihm verliert die Gewerkschaft wie auch die Partei einen eifrigen stillen Mitarbeiter, der in strengem Pflicht gefühl stets die Posten ausfüllte, ans die ihn das Aertrauen seiner Freunde berief. Schon lange leidend, war er nicht zu bewegen, sich Ruhe zu gönnen, sondern er blieb bis öTage vor seinem Todein seiner Stellung, bis die schleichende Krankheit seiner Willenskraft ein Ziel setzte und ihn aufs Krankenlager warf, von dem er sich nicht mehr erheben sollte Die Stuttgarter Genossen gaben ihm am letzten Sonntag ein ehren- volles Geleil zu seiner letzten Ruhestätte, und seinem Wunsche gemäß widmete ihm der Vorsitzende des Verbandes der Holzarbeiter, Genosse Kloß einen Nachruf, der in warm empfundener Weise die treue Mitarbeit des Kollegen schilderte. Die Arbeiterschaft wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Polizeiliches, Gerichtliches»c. — Das„ V o l k s b l a t t für Halle" hatte in dem Zeitraum vom l. Oktober 1896 bis 39. September 1397 zu registriren: 2 Jahre 5 Monate 1 Woche Gefängniß und Hast, 2149 M. Geldstrafe, 37Ver- itihniunge», 11 Haltssllchmigen. Freisprechungen wurden 19 erzielt, in 7 Fällen erfolgte Einstellung des Verfahrens, in 2 Fällen wurde die Klage zurückgezogen. Im Jahre vorher wurde» über Redakteure des„Volksblattes" verhängt: 20ll» Monate Freiheitsstrafen und 1629 M. Geldstrafen._ Ge mevk sschAftl i�zes. Berlin und llmgebimg. Achtung, Töpfer! Sluf dem Bau Gartemann, Emannelkirch straße(Eckbau) legten 18 Kollegen der Fenstersrage halber mn 9. d. M. die Arbeil nieder. Der Z e n t r a l v o r st a n d. Achtung, Vergolder! Sammellisten zur Unterstützung der englischen Maschinenbauer sind zu entnehmen bei Steide!, Friedrichs- bergerstr. 29 v. I. D i e Zl g i t a t i o n s k o m in i s i o n. viuc öffentliche Bananschläger-Versaininlung am Sonntag wählte eine Kommission von E> Personen, welcher die Aufgabe zufällt, eine Einigung zwischen den zwei am Orte bestehenden Organisationen herbeizuführen. Wegen llebertretnug des§ l2 des Vereinsgesetzes wurde» in der Schöffengerichtssitzung am 2. November Genosse Rohrlack aus Berlin, der in einer nicht angemeldete» Metallarbeiter-Versaimnlung einen Vortrag gehalten habe» sollte, zu 39 M. Geldstrafe oder zehn Tagen Haft, der„Einberufer" der„Versammlung", Genosse Schmidt, und der Wirth des Lokals zu je IS M. Geldstrafe oder fünf Tage» Hast verurtheilt., DkntscheS Reich. Zum Streik der Torgclowcr Metallarbeiter wird uns folgendes berichtet. Seinen Anfang nahm der Streik wegen fort gesetzter Maßregelung wegen Zugehörigkeit zur Organisation (Deutscher Metallarbeiter- Verband) bei dem Eisenwerk C. Mentzcl ». Komp. Alle Verhandlungen wurden zurückgewiesen, und brach demzufolge bei genannter Firma der Streik aus. Die Arbeiter hatten jedoch Kündigungsfrist von 14 Tagen laut Fabrikordnung, und war das Verlassen der Arbeit bedroht mit einer Strafe eines durch- schnittlichenWochenlohnes,der sich sürTorgelow anf12M. stellen würde Die Fabrikleitnng verklagte denn auch die Arbeiter, öl an der Zahl, beim Gewerbegericht. Am Freitag den 5. November wurde die Sache verhandelt, und ein Vergleich erzielt, derart, daß die Arbeiter statt der verwirkten 12 M. nur 6 M. und zwar in 3 Raten a 2 M. 14täg!g zu zahlen hatten, die Kündigung von 7 Arbeitern zurückgezogen wurde und die Firma sich verpflichtete, die Vereins- thätigkeit ihrer Arbeiter außerhalb der Fabrik nicht zu beanstande». Die Arbeiter verpflichteten sich dagegen, auf die Wiedereinstellung von 4 bereits Entlassenen zu verzichten, und am Montag, den 8. November die Arbeit wieder anfznnehmen. Daß der Vergleich zn stände kam, ivar jedoch wesentlich in folgendem zn suche»: Die Firma Mentzel halte am Donnerstag ihre Arbeit bei anderen Fabriken anfertigen zn lassen versucht. Die Ar- bester dieser(4) Fabriken verweigerten die Slreikarbeit und ver- ließen am Freitag zur selben Stunde, als ihre Kollegen zum Ge> werbegericht nach Ueckermünde sichren, in hellen Schaarcn die Arbeit. Am Freitag Abend fand sodann eine von zirka 699 Mann besuchte Versammlung statt, in welcher Bericht erstattet wurde, und beschloß die Versammlung, vor Wiederausnahme der Arbeit nochmals mit den Fabrikanten zu unterhandeln. Forde- rungen in bezng auf Lohnhöhe und Arbeitszeit wurden nicht gestellt. Die Zlrbeiter wollten nichts als das gesetzliche Recht, einer Örgani- sation angehören zn dürfen. Der Kommission wurden dann einige Leitsätze mit auf den Weg gegeben, die im Sinne dieser Forderung gehalten waren. In der Antwort der Nnternehmer wurden die Forderungen der Arbeiter rund abgelehnt und den Arbeitern nur dann die Einstellung in Aussicht gestellt, wenn sie schriftlich den Nachweis führen, daß sie aus dem Fachverein ausgetreten sind, oder eine Bescheinigimg vorlegen, daß sie dem G e iv e r k v e r e i n angehören. Sodänn wurde den Streikenden angekündigt, daß sie am Montag, den 3. d.M., die Arbeit aufnehmen müssen, im anderen Falle gegen sie die Klage wegen Kontraklbrnchs eingeleitet werde. Unter diesen Umständen lehnte» die Arbeiter in einer von 899 Personen besuchten Versammlung die Wiederaufnahme der Arbeit ab, und befinden sich nnninehr 218 Metallarbeiter im Ansstand. Davon gehören dem Deutschen Metallarbeiter- Berbaiid 299, dem Zentral- verein der Former 13, dem Hirsch» Dnncker'schen Geiverkverein fünf an. Die dem Hirsch-Dnncker scheu Verein gebotene Absolution ist von diesen in geheimer Abstiniinung mit 26 gegen 6 Stimmen augenomnien und werden sie die Arbeit aufnehnien. Wieder ein Beispiel, ivie die Hirsch-Dunker'schen den Arbeitern bei ihren Kämpfen in de» Rücken fallen. Noch ein paar Worte über die Bedentung des Torgelower Streiks. Torgeloiv ist ein„Dorf", in welchem ca. 1299 Metall- arbeiter beschäftigt sind. Die Industrie„geht aufs Land", mit der ausgesprochenen Absicht, billig zn prodnziren. Torgclow ist deshalb für Berlin fortgesetzt die Ursache von Lohndrückereien geworden. Alles, was in Berlin zu lheuer wird, wandert nach Torgelow. Darnin muß an die Berliner Zlrbeiter die dringende Bitte um Hilfe gerichtet werden; diese junge zahlreiche Organisation darf nicht zn gründe gehe»! Darum helft uns materiell und moralisch durch Fernhalte» des Zuzugs. Zuschriften und Geldsendungen sind zn richten an: Karl Friede, Torgelow, Lindenftr. 2S. Die materielle Hilfe thul»oth, weil eine Anzahl Leute in Mitleidenschaft gezogen werden, welche noch keinen Anspruch auf die Hilfe der Organisation haben. DieKaiiimmricher werden gewarnt, in der Fabrik von Greidl in G a b l o n s(Böhmen) Arbeit zu nehme», da bei den überaus niederen Löhne», die im Durchschnitt 8 Gulden betrage», kein Arbeiter bestehen kann. Die Firma sucht vielfach durch Inserate Arbeiter heranzuziehen, die dann zn spät erfahren, wie schlecht die Arbeitsverhältnisse in dieser Fabrik sind. Mögen deshalb die Kammmacher auf diese Firma besonders acht geben. Achtung, Vergoldcr! Die Kollegen i» der Barockrahmen- chranche Münchens, sowie die Kollegen der Goldleistenfabrik Gersdorf u. Brandenburg in München-Pasing befinden sich im Streik. Wir er- suchen die Kollegen Deutschlands um strengste Fernhaltung des Znznges. Ferner wurde in der Goldleistenfabrik von H. Denecke in Essen a. d. R. vor einiger Zeit für die Politurarbeiler die Akkordarbeit eingeführt und die Preise derartig niedrig festgesetzt, daß es den Arbeitern kaum möglich ist, zwei Drittel des bisherige» Lohnes zu verdienen. Dem Verlangen der Arbeiter, die Akkordpreise dem bisherigen Lohn ent- sprechend höher zu stellen, wurde von seiten des Unternehmers ent- sprochen und den Politurarbeitern der frühere Lohnsatz in Höhe von 3,59 bis 4 M. zugesagt. Die Arbeiter hegen die Befürchtung, daß die Firma Denecke diesen Lohn nur solange zahlen wird, bis sie Arbeiter bekommt, denen sie die niedrige» Akkordprcise bieten kann. Die Kollegen werden deshalb ersucht, diesen Zeilen Beachtung zu schenken, und erwarten wir, daß sich niemand als Lohndrücker an- iverben läßt. Alle Arbeiterblätler werden»in Abdruck gebeten. Der Hauptvorstaud des Verbandes der Vergolder Deutschlands. I. A.: Franz N a r y, Vorsitzeuder, Berlin, Oppelnerstr. 43. Zu einer sanberen Art Bütteldienst fordert der Vorstand des Verbandes der deutschen Eisenbahn-Werkführer seine Mitglieder ans. Sie sollen dahin wirke», daß auch nicht ein einziger der ihnen unterstellten Arbeiter Mitglied des Verbandes der Eisenbahner Deutsch lands wird oder bleibt. Das Recht, das die Herren Werkführer für sich in Anspruch nehmen und ausüben, nämlich sich zu organifiren, dies Recht sollen die Werksührer de» Arbeiter» verwehren, weil der Hamburger Verband eine sozialdemokratische Gründung sei, mit dem eigentlichen Zweck, die zahlreichen Unterbeamte» und Arbeiter der Eisenbahner unter dem Deckmantel geiverkschaftlicher Bestrebungen den politischen vaterlandsfeindlichen Bestrebungen der Sozial- bemokratie dienstbar zu machen. Freilich ein Unterschied besteht zwischen dem Verband der Eisenbahner Deutschlands und dem der Eisenbahn- Werkführer. Erstcrer sucht die gesellschaftliche und wirthschaftliche Stellung seiner Mitglieder zn bessern durch die Kraft der Vereinigung, letzterer durch de- nnd wehmüthiges Bitte» um die Gunst der Vorgesetzten. Wie weit es letzterer dabei gebracht bat, zeigt die letzte Nummer des Berbandsorganes, die„Werksührer- Zeitung", in der jene häßliche Aufforderung enthalten ist. Sie schildert ergreifenderweise den Selbstmord der Ehefrau des Werk- sührers Weltzi» aus Tempelhof, die in den Tod ging, weil ihrem 71 Jahre alten kranken, im Dienste verunglücklen nnd dann pensionirle» Eheniann ein Ruhegehalt von 429 M. pro Jahr ausgesetzt und eine Eingabe um Erhöhung der Pension abschlägig de- schieden ivorden war. Die Eisenbahnarbeiter und Unterbeamle» lhun recht, wenn sie zur Erreichung ihrer Ziele andere Wege einschlage» als die Herren Werksührer. Tic ansterordeiitlichc Haiiptversammlnug des Gaues Schlesien des Verbandes deutscher Buchdrucker, die in Breslau tagte, bc- schloß,„daß am Sonnabend, den 27. November, zur besseren Ein- und Durchführung des Tarifs allerorts ein energischer Vorstoß nnternoninien wird in der Weise, daß die Mitglieder verpflichtet sind, von ihre» Prinzipalen am gedachten Tage die volle Anerken- nung des Tarifs zu fordern nnd dafür einzutreten. In de» Fällen, wo Bezahlung noch unter dem Minimum erfolgt, soll dieselbe niindeftens ans 20 M. gebracht werden. Unter allen Umständen aber ist anf der 9stündigen Arbeitszeit zu bestehen." Ein Streik der Handschuhmacher steht in der B r e s l a n e r Handschuhsabrik von W. I u n g in a n n bevor. Die 89 dort beschäftigten Arbeiter haben ihre Kündigung eingereicht, da von der Firma eine bescheidene Lohnerhöhung abgelehnt wurde. In der Spicß'schcii Schuhfabrik in Stuttgart(Slöckach) ist wegen fortgesetzter Lohnabzüge«in Streik ausgebrochen. Ausland. Ter SchlächtcranSstand von La Billette dauert immer noch fort. Daß noch leine Einigung zwischen Arbeiter» und Arbeitgebern erzielt werden konnte, scheint jetzt hauptsächlich an den Meistern der Charcnterie zu liegen, die hinsichtlich der von den Gesellen ver« langten Einschränkung der Nachtarbeit nicht nachgeben wollen. Sie behaupten, dies im Interesse des Geschäftes nicht zn können. Ver- geblich suchten die sozialistischen Deputirten Faberot und Tonssaiut in einer gestrigen Versammlung ein Einvernehmen herbeizuführen, indem sie erklärten, die Arbeiter seien zu den verschiedensten Zu- gesländnissen bereit, nur beständen sie auf der Verminderung der Arbeitsstunden.— Zum Kampf der englischen Maschinenbauer. Die Antworten auf die neuerlichen Einigungsvorschläge des Handelsamtes sind seitens der beiden streitenden Parteien an dieses abgegangen. Bestimmtes über den Inhalt ist noch nicht bekannt; dem„Observer" vom vorigen Sonntag zufolge aber sollen die Unternehmer anf ihr früheres Verlangen, nur mit dem Komitee der Vereinigten Gewerk- schaften in Unterhandlung trete» zu wollen, fallen gelassen haben; sie hätten sich bereit erklärt, mit den Maschinenbaner» direkt zn konferiren. Weiter haben die Unternehmer verlangt(immer nach„Observer") die bedingungslose Aufhebung deS Streikes bei den Londoner Firmen, bei denen der Ansstand zuerst ausbrach. Sie scheinen also nicht daran zn denken, auch ihrerseits die Aussperrnngen zurück- »ehnie» zu wollen. Schließlich beharren sie dabei, daß jede Partei ihren eigenen Vorsitzenden stelle; ein Unparteiischer soll ans- geschlossen sein. Die Unternehmer haben am Sonnabend eine lange Liste von allerhand Beschwerden gegen die Unionsleute veröffentlicht. Die- elben schädigte» die Betriebsinhaber in jeder Weise, sie begrenzten )ie Ergiebigkeit der Produktion, hemmteii die Maschinen und mischten ich iii die inneren Betriebsangelegcnheiten. Geo Barnes, der Sekretär der Maschinenbauer, antwortete darauf, daß die Nnter- nehmer mit genauen Angaben einzelner Fälle, mit Beweisen dienen müßten; auf die allgemeinen Anzapfungen könne er nur antworte», daß derartiges von der Leitung der Gewerkschaft nie anempfohlen worden sei, für jedes einzelne der 93 999 Mitglieder des Verbandes könne er natürlich nicht einstehen. Bei der Generalkonimission der Gewerkschaften Deutschlands ind für die englischen Maschinenbauer in der letzten Woche 9369,55 M. eingegangen. Ans Paris wird uns geschrieben: Zu gnnsten der englischen Maschinenbauer fand am 6. November«ine Ver- äminliing in Paris statt. Neben den Vertretern des Mechaniker- Verbandes, des Organisators der Versammlnng, sprachen die sozialisti- chen Abgg. Jaurös, Vaillant, Gerault-Richard, Faberot«. in. a. Leider war die Versammlung schwach besucht. Das große Lokal des Tivoli-Vanxhall, welches sonst bei wichtigen Anlässen bis auf den letzten Platz gefüllt ist, war diesmal kaum zum vierten Theil(mit 1'/» biS 2 tausend Personen) besetzt. Die meisten Redner beklagten offen und in bitteren Worten die Gleichgiltigkeit der Pariser Arbeiter gegenüber der Bewegung des Auslandes, sowie übrigens auch gegenüber der eigenen gewerkschaftlichen Organisation. — Die von der„Petite Rspnblique" zu gnnsten der Maschinenbauer eröffnete Geldfaminlnng weist denn auch an Pariser Arbeiter-Beiträgen winzige Summen aus. Unkernehittev-VeLbiittde. Im Verein deutscher Maschiiienbau-Anstalten bezeichnet der Vorsitzende auf der diesjährigen Generalversamnilung die Lage des deutschen Maschinenbaues im abgelaufenen Jahre als durchaus befriedigend. Die befriedigende Beschäftigung sei ohne Zweifel in erster Linie dem einheimischen Bedarf zuzu- schreiben, aber auch die Ansfnhr habe sich wesentlich gesteigert. Sie betrug in Prozenten gerechnet gegen die Vorjahre 1893 2,7, 1894 23,6, 1895 19,9, 1896 25.9 pCt. mehr. Andererseits sei auch die Maschineneinsuhr nach Menge nnd Werth, nämlich von 26 Millionen auf 31 Millionen gestiegen. Die Maschineneinfiihr ans den Vereinigten Staaten von Amerika habe sich gegen daS Vorjahr verdoppelt, Anlaß genug für den Verein, sich den Vorgängen, die ich aus dem Gebiete des Maschinenbaues zwischen Amerika und hier abspielen, mit voller Aufmerksamkeit zuzuwenden. Redner besprach sodann die gesteigerte Maschinenausfuhr nach Rußland und wies zugleich anf die Vorgänge in Rußland selbst hin, wo die Regierung anf das zuvorkommendste die Gründung ausländischer Unternehmungen unterstützt, um Rußland industriell unabhängig zu machen. Für Deutschland handele es sich darin», ob es den Belgiern, Engländern und Franzosen die Ausbeutung der russischen Bodenreichlhümer allein überlassen oder sich recht- zeitig den seiner Bedentung entsprechenden Anlheil sicher» will. Eine verhältnißniäßig bedeutende Steigerung der deutschen Maschinenausfnhr habe ferner nach Dänemark, Schweden, Norwegen, Großbritannien, Argentinien und Japan stattgefunden. Für den Bau eines großen Hochofen-' und Stahlwerks in Japan trug die deulsche Maschinen- indnstrie mit ihren Lieferungen den Sieg davon. Kann man sich auch des ernsten Gedankens hierbei nicht erwehren, daß die genannle Anlage für die deutsche Eisenindustrie in Zukunft nachlheilig wirken könne, so müsse man doch berücksichtigen, daß bei einer ablehnenden taltung diesen Aufträgen gegenüber Industrielle ans anderen taaten die Aufträge sehr gern entgegengenommen hätten. Soziales. Die Stadtverordneten von Kottbus beschlossen die Ein- g.e m e i n d u n g der Vororte B r u n f ch w i e g und S a n d o w. Arbeiter-Risiko. Auf der Grube Mariadorf im Aachener Revier sind vier Arbeiter in den Fahrschacht gestürzt. Einer blieb sofort todt, die übrigen sind schwer verletzt. Die unentgeltlichc Verabreichung alkoholfreier Getränke an st ä d t i s ch e G a s w e r k s e u e r a r b e i t e r ist kürzlich von deni Stadtralh in F r e i b u r g i. B. beschlossen worden. Die Gaswerks- Verwaltung hat selbst den Antrag gestellt, in der Hoffnung, daß durch kostenlose Verabreichung durststillender, nicht alkoholhaltiger Getränke den Arbeitern eine Erleichterung verschafft nnd sie zum mindesten vor übermäßigem Alkoholgenuß bewahrt werden. Ncber WohnungSnoth in Stockholm wird uns geschrieben: Seit 1. November sind nicht weniger als 31 Familien mit 194 Kindern ohne Wohnung. Eines der grausigsten alten Qnnrliere Stockholms wird abgebrochen. De» Leuten, die dasselbe bewohnte», war erzählt worden, sie könnten noch bis 1. April dort bleiben. Nun finden sie keine andere Wohnung. Weder der Kommune noch dem Staat sällt es ein, helfend einzugreifen. Für Prachtbauten dagegen sind in Stockholm Millionen vorhanden. Das Wciter-Erscheine» der russische»„Arbeiterstimme", des geheimen Organs unserer jüdischen Genossen in Westrnßlaiid. hat durch die keinen Tag aufhörenden Massenverhastnngen nicht verhindert werden können. Die vierte Nummer dieses Blattes liegt vor. Sie enthält u. a. einen Bericht über die Entstehung des Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes, der den Lesern des„Vorwärts" durch das an den Hamburger Parteitag gerichtete Begrüßungsschreiben bekannt sei» wird. Dieser Bund, gegründet anf einer Konferenz der Vertreter jüdischer sozialdemokratischer Gruppen, er- klärte die Zeitschriften„Die Arbeiterstimme" nnd„Der jüdische Arbeiter" als seine Organe nnd erkannte den„Bund der russischen Sozialdemokraten"(die Organisation, deren literarische Publikationeii von P l e ch a n o w, A x e l r o d nnd Wjera S a s s u l i t s ch redigirt werden) als die ihn im Auslande vertretende Organi- sation an. Ter Branntwein- Verbrauch im europäischen Rußland betrug im Jahre 1833 durchschnittlich 19.29 Liter pro Kopf, im Jahre 1895 noch 7,13 Liter. Diese Verminderung wird amtlicher- seits dem seit zwei Jahren bestehenden Branntwein- Monopol mit zugeschrieben, daS bis jetzt in 21 Regierungsbezirken durchgeführt sei und dort einen Rückgang der Zahl der Schnapsschänken zur Folge gehabt habe. Dagegen hätten sich die Theeschänken vermehrt. Spanische Schnllehrer. Die Provinzen des unglücklichen spanischen Staatswesens schulden ihren Schullehrern zusaimnen nicht weniger als 8 965 579 Pesetas, mehr als 7 Millionen Mark. Nur die Provinzen Barcelona, Bnrgos, Gnipuzcoa, Palencia und Vizcaya haben keine Schulden dieser Art. Die Gouverneurs haben zwar� wieder einmal die einzelnen Stadtverwaltungen aufgefordert, die Gehälter der Lehrer pünktlich auszuzahlen, aber es dürfte bei der Aufforderung bleiben; denn die spanischen Städte haben nur Gekd� für Stiergesechte und ähnliche Volksbildungsinstitutionen, der Schul- lehrer aber kann betteln gehen— nnd das thut er auch. Tie britische Handelsflotte zählt- im Jahre 1396 einschließlich aller Kapitäne, Offiziere, Sekretäre und sonstigen Bediensteten eine Benimmung von 242 999 Personen, unter denen sich nur 179 999 Engländer befanden. Die 63 999 Ausländer waren zu 85 pCt. Deutsche nnd Skandinavier, nnd zwar hatten diese zumefft die für den Dienst wichtigsten Posten der Steuer- und Bootsleute inne. Seit dem Jahre 1894 ist die Gesammtziffer der Bemannung nur um 1999 gestiegen, die Zahl der Ausländer aber um 4299. Um diese Entwickelnng aufzuhalten, bereitet die englische Regierung eine Gesetzesvorlage vor, die folgende drei Punkte enthalten wird: I. Es soll eine bestimmte Lehrzeit für Matrosen und Steuerleute eingeführt werden, deren Ablegung die Mitgliedschaft zur königlichen Marine- Reserve und eine kleine Slaatspensiou verleiht; 2. Be- fähignngszeugnisse für die Käpitän- und Stenermannsstellen sollen nur noch für britische Staatsangehörige ausgestellt werden; 3. jeder Schiffsbesitzer soll gezwungen werden, seine Bemannung zu Drei- vierteln aus englischen Staatsangehörigen zusammenzusetzen. In den Vereinigten Staaten bon Amerika war die Ein« Wanderung in der Zeit vom I. Juli 1896 bis zum 39. Juni 1897 fast nm die Hälfte geringer als in dem vorigen Berichtsjahre. Es wanderten nur 239 332 Personen ein, 112 435 weniger als im Jahre 1395/96. Seit dem Jahre 1882 ist die Einwandernng nicht so gering gewesen als diesmal. Als Ursachen des Sinkens der Ein- wanderniig werden angeführt: größere Strenge der ainerikanischeii Behörden bei der Zulassung der eintreffenden Auswanderer und die allgemeine wirthschaftliche Krise in den Vereinigten Staaten. Depvstszen und letzke Ltachvichken. Wien, 9. November.(W. T. B) Der Budgetansschuß des Abgeordnetenhauses setzte die Verhandlung über dal Ausgleichs Provisorium fort. Das Mitglied Bärnreither trat den jüngsten Aeußeningen des Finauzministers, betreffend die Anwendung des / 14 des Staatsgrundgesetzes vom 21. Dezember 1867 anf das Äusgleichsprovisorinm, entgegen nnd erklärte, diese Anwendung sei vollkommen ausgeschlossen; der Erlaß einer Nolhverordnnng, wie "ie der Finanzminister in Aussicht stellte, iväre eine Verletzung der Verfaffung. Redner beantragte eine Resolulio» im Sinne seiner Zlnsführnngen. Luxemburg, 9. November. Die Kammer wählte in ihrer heutigen Eröffnungssitzung zum Präsidenten wiederum Simons mit 32 von 44 Stimmen, zum Vizcpräsidenlen v. Tornaco. Paris, 9. November.(W. T B.) Depntirtenkammer. Das Haus nahm die Vorlagen betreffend den Ausliefernngsvertrag mit den Niederlanden und den Handelsvertrag mit Bulgarien an uiic> bewilligte sodann nach unerheblicher Debatte das Bndgel des Ministeriums des Innern. Rom, 9. Nov.(„Franks. Ztg.") Heute Nachmittag ist nach achttägiger Daner der Prozeß betreffend die Ermordung der Dichleriu Contessa Lara beendet ivorden. Der Mörder wurde z» II Jahren 8 Monaten Kerker verurtheilt. Demselben wurden mildernde Um» stände zugebilligt. Caracas, 9. November.(W. T. B.) Wegen der vorhandenen Schwierigkeilen wurden die Gehälter der Regierungsbeanilen»ni 39 pCt. gekürzt. Tie Carenero-Bahn- und Schifffahrts-Gescll- .chaft hat den Verkehr eingestellt und die Linie soll.>vie verlautet, in einigen Monaten verkauft werden. Tie Ilebernahme der Präsidentschast durch den General Andrade wird sehnsüchtig er- wartet. Verantwortlicher Redakteur: August Jacoben i» Berlin. Für den Jnserateiitheil verantwortlich: Dh. Glocke in Verlin. Druck nnd Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Bcilaaen u llnterhallnngeblatt, st. 263. 14. mmt. i. Keilllge Die Stttdtversrdnete«- StichWahte« der M. Abtheilung finden am Freitag, de« Ä6. Uonember statt. Fnr die sozialdemokratische Partei kommen der 32.. 34.. 38. «nd 40. Kommunal-Mahlbezirk in betracht. Wicht eines jede« Genossen ist es. die Zeit bis zum 26. Uovember z» einer energischen Agitation zn benutzen. Vemtinuimles. TaS Grund-«nd Lagcrbnch der Stadl Berlin ergab bei Ab- schlnß am 31. März 1897 einen Aktivbestand von 5G0K912I7 M. gegen das Vorjahr mehr I1817L32 9)1. Die Passiva bcliesen sich nns 278 538 625 M. und waren um I 995 338 M. geringer als im Vorjahre i hiernach verblieb Ende März 1897 ein Vermögensbestand von 282 152 592 M., der somit 13 112 626 M. höher war als zn dem gleichen Zeitpunkte des Vorjahres. An den Aktiven sind betheiligl: der städtische Grundbesitz mit 29 764 346 M., der Werth der 9tat«ral-, Material- und Betriebsbestände mit 97 589 554 M., und der Werth des Mobiliar-Jnventars, der Bibliotheken, Sammlungen u. f. w. mit 35 517 683 M. linier den Passiven nehmen den Hauptposten ein die städtischeil Anleiheschulden im Betrage von 272 442 359 M. Das Stiftnngsvermögeu der Stadt betrug Ende März 1897: 37 826 992 M., es hat sich gegen das Vorjahr um 3 954 314 M. vermehrt. Dnsselbe besteht in 12 547 517 M. Hypothekenfordernng, in 15 339 789 M. Werthpapieren und in 19 333 447 M. Grundstückswerlhen, den Rest bilden die stassenbestände und Einnahmereste. Aus de» Slistungs- grundstücken haften 842 624 M. Hypolhekenschuldcn. Uolmles. DaS Ergcbnisi der Stadtberordncten-Wahlen am Montag wird von einigen sreisiunigen Blättern frisch und froh zn einem Siege der Liberale» nmgedichiet. Die feindlichen Briider, Freisinnsmannen und Antisemiten, haben sich mit kühnem Schwünge über die stlagemauer der Rassenunterschiede hinweggesetzt und gemeinsam dem„inneren Feinde", der Sozialdemokratie, den Vrieg erklärt. Wirklich ist dadurch erreicht worden, daß ein Wahlbezirk, der uns vor sechs Jahren»nter besonders günstiger Konstestalion zufiel, von dem Misch-Masch-Kandidaten zurückerobert wurde. Dieser Umstand giebt dem„Berl. Tagebl." Anlaß, davon zn reden, daß die sozialdemo- kratische Flnlh diesnial zum Stehen gekommen sei, und andere Blätter wissen zu fabuliren, daß sich unter unseren Parteigenossen eine große Enttäuschung gelegentlich des„Mißerfolges" geltend mache. Nun ist ja unbestritten richtig, daß der Jndifferentismus eines großen Theils der Koinninnalwähler und auch ihre Furcht vor den etwa aus der öffentlichen Stimmabgabe erwachsenden Nachiheilen die Schuld daran trägt, daß unser Vorschreite» sich nicht in einem Zuwachs an Mandaten kundgegeben hat. Wie es aber mit dem„Stillstand" der sozialdemokratischen Flnth bestellt ist, das soll denn doch durch einige deutliche Zahlen unseren Gegnern klar gemacht werden. Wer die Wahl- resultate von 1891 und auch die von 1897 zusammenzählt, wird finden, daß vor sechs Jahren auf unsere Kandidaten 14 i)v4 Stimmen fielen, während die Liberalen 19 959 und die Bürgerparteiler 5483 Stimmen erhielten. Aus bürgerliche Kandidaten kaineu damals 16 442 Stimme», sie ragten also gemeinsam mit einem Mehr von 1473 Stimmen über uns hervor. Am Montag hingegen erhielten die Liberalen 16 462, die Bürgerparteiler 3923, die Bürgerlichen insgesammt also 19 485 Stimmen, während auf die sozialdemokratischen Kandidaten 20179 Stinimen fielen. Blieben wir vor sechs Jahren, wie vorhin erwähnt, mit l47SSti»imen hinter den Ordnnngsmännern zurück, so find wir diesmal um 694 über sie hinausgewachsen. Wenn dies Ergebniß für die Sozialdemokratie eine» Stillstand be- deutet, dann, ja dann sollten sich die liberalen Rechenkünstler ihr Schulgeld wiedergeben lassen! Und sehen wir nnS das Ergebniß der letzten Wahlen auf die Wirkung hin a», die es für die Freisinns- mannen hatte, so ist zn konstatiren. erstens, daß sie im achten und zehnten Bezirk nur ans den Krücken ihrer angeblichen Todtseinde, der Bürgerparteiler. ins Rathhans gelangt sind, und zweiten?. daß sie in den vier Wahlkreisen, wo das Ergebniß noch kein endgilliges war. um die Hilfe ihrer Gegner betteln gehen müssen. Eine Situation, die alles eher als beneidenswerih ist. An der Energie unserer Parteigenossen wird es liegen, die kläglichen Hoffnungen der Freisinnigen ans die Stichwahlen zu schänden zu machen, und dazu ist allerdings eine Agitation von grober Anstrengung nothwendig. Möge ein jeder, der aus den Ehrennamen eines Sozialdemokraten Anspruch macht, seine ganze Kraft darin setzen, zu den am 26. November stattfindenden Stich- wählen die Indifferenten aufzuklären. die Säumigen wachzurütteln, damit auch äußerlich in der Zahl der Mandate unser Fortschreilen gebührend zum Ausdruck komme und der liberalen Wirthschaft im Rothe» Hause ein neuer Stoß versetzt werde! Bei den gestrige» Stadtverordncten-Wahlen der zweiten Wählerklass« wurden sämmtliche liberale Kandidaten ge- wählt. Im ersten Bezirk wurden bei 295 eingeschriebenen Wählern 139 Stimmen, und im 14. Bezirk(als der größte) bei 1357 eingeschriebenen Wählern 479 Stimmen abgegeben. Ein herrliches Wahlsystem. wenn man bedenkt. daß der größte Wahl- bezirk der 111. Abiheilung, der 49. in Moabit, über 25 999 ein- geschriebene Wähler hat. Selbstverständlich kommen bei einem solchen Wahlsystem nur Geldsacks-Jnteresse» einiger weniger zur Geltung. Städtisches Obdach>. Im Familien-Obdach wurde» 1896/97(bezw. 1895/96) neu aufgenommen: 1167(1131) ver- schiedene Familien mit 3649(3659) Köpfen, außerdem 2209(2204) verschiedene Einzelpersonen, zusammen 5349(5354) Personen. Ein- schließlich des ans dem Vorjahr übernommenen Bestandes wurden überhaupt verpflegt: 1137(1189) Familien mit 3716(3891) Köpfen, außerdem 2235(2313) Einzelpersonen, zusammen 5951 (6114) Personen. Im ganzen wurden 57 469(56 421) Ver- pfleg ungstage gebraucht, so daß pro Tag durchschnittlich 157 (154) Personen verpflegt wurden. Es wurden also 1896/97 weniger Personen als im Vorjahre verpflegt, die Verpflegten aber länger im Obdach behalten. Am stärksten war die Besetzung des Obdachs naturgemäß an, Ausgange des Winters, am schwächsten im Sommer: 1896/97 durchschnittlich pro Tag 119 im Mai 1896, aber 214 im März 1897. lieber die persönlichen Verhält- nisse der neu Ausgenommenen theilt der Bericht sür 1896/97 folgendes mit. Die 1167 Familien bestanden aus 183 Männern mit Frauen und Kindern, 43 Männern(Wittwern) mit Kindern, 41 Männern mit Frauen, aber ohne Kinder, 494 Frauen, deren Männer nicht mit ausgenommen waren, aber mit Kindern, 85 Wittwen und geschiedenen Frauen mit Kindern, 321 weiblichen Personen mit unehelichen Kindern. Von den 761 männlichen Familienhänptern(einschließlich die 494 nicht mit aufgenommenen) waren 327 Arbeiter, 357 Handwerker(einschl. Gehilfen). 45 Kauf- leute, 6 Beamte, 26 dienende Personen. Von de» 1615 einzeln aufgenommenen Männern waren 539 Arbeiter. 894 Handwerker (einschl. Gehilfen), 127 Kausleute, 49 Beamte. 114 dienende Personen. Der Nationalität nach waren unter den 5349 Aufgenommenen d».Fimnls" 5597 Preußen, unter Viesen 2694 geborene Berliner.(Es wäre sachgemäßer, wenn Ver Bericht nur die Familienhäupter nach der Nationalität gruppirte.) Vertreten waren sämmtliche Altersklassen, speziell die 29— 39jährigen mit 798, die 39— 49)ährjgen mit 1 153(!), die 49— 59jährigen mit 942, serner z. B. die Säuglinge mit 599, die über 79jährigen mit 38.(Hier wären nach Geschlechtern getrennte Angaben zu wünschen.) lieber die Häufigkeit der Ausnahme sagt der Bericht, daß von den 1167 Familien 886 einmal. 231 zweimal, 42 dreimal, 3 öfter, von den 2299 Einzelpersonen 1751 einmal, 349 zweimal. 65 dreimal, 35 öfter aufgenommen wurden.(Das Jahr 1895/96 kann für alle diese Angaben leider nicht zur Vergleich ung herangezogen werden, weil der Vorjahr-Berichl bei Be- sprechung der persönlichen Verhältnisse die Zahlen für alle überhaupt Verpflegten mitlheill.) Bei der Entlassung wurde» 2487(Vorjahr: 2632) Personen mit zusammen 22 299(24 993) M. als Beihilfe zur ersten Miethe unterstützt. Die 12 städtischen Rcalschnlen(höhere Bürgerschulen) hatte», nach dem neueste» Schnldepulations- Bericht. Ende 1896 (bezw. 1895) eine Frequenz von 5225(4874) Schülern. Von diesen hatten 1364(1356) vorher eine höhere Lehranstalt, 665(694) eine Privatschule, 3196(2914) eine Gemeindeschule besucht. Die ehemaligen G e m e, n d e s ch ü l e r sind deshalb unter den Realschülern so zahlreich— mit rund 61(Vorjahr: 69) pCt.— vertreten, weil die Realschulen nicht, wie die höheren Lehranstalten, ihre eigenen Vorschulen haben. Im Verhältniß zu der großen Zahl der Gemeindeschüler können aber doch nur ganz wenige aus den Gemeindeschulen auf die Realschulen übergehen. Ende 1896(und ebenso 1395) standen je 199 die Gemeindeschule besuchenden Knaben des 19. bis 14. Lebensjahres nur 6—7 Realschüler desselben Alters gegenüber. Es ist also wieder nnr eines der vielen Märchen, die über die Berliner Gemeindeschnlen verbreitet sind, wenn man behauptet, daß ein beträchtlicher Theil der Gemeindeschüler seine Bildung in den lllealschnlcn vervollständigen dürfe. Daher ist auch die Be- völkerungsschicht. der die Mehrzahl der Realschüler angehört, nicht dir A r b e i t e r k l a s s e. Zu diesem Punkte geben die Angaben deS Schuldepnlations-Berichts über den Beruf der Eltern dankens- iverlhe Auskunft. Ende 1896(bezw. 1895) waren von den Real- schülern 69(44) Söhne von höheren Beamten. 964(1926) von Subalternbeamten, 279(255) von Künstlern und Technikern, 81(76) von Landwirthen, 327(324) von Fabrikanten, 1685(1532) von Kaufleuten, 997(828) von Haudiverkern, 237(216) von unselbständigen Gewerbetreibenden, 16(21) von Militärs, 79(73) von Portiers und Diener». 179(177) von Renliers, 399(281) von Unterbeamten, 21(21) ohne Angabe. Mit der Bezeichnung„unselbständige Gewerbetreibende" sind die Arbeiter gemeint, deren Kinder also nur 4>/zpCt.(Vorjahr ebenso) aller Realschüler bildeten. Das Gros der Berliner Realschüler rekrutirl sich nicht aus dem Proletarial, fondern aus derjenigen Bevölkerungs- schicht, die sich heute»och mit Vorliebe als Mittelstand be- zeichnet, aus dem„sreisiunigen" Kleinbürgerlhu m. Daraus erklärt es sich vielleicht auch, daß selbst für die Real- schüler immer noch erheblich mehr ausgeiv endet wird als für die Gemeindeschulkinder. 1896/97 leistete die Stadt pro Realschüler 196,96 M., pro Gemcindeschulkind aber nnr 56.69 M. Zuschuß. Auch sonst erfreut sich diese Lieblingsfchöpfnng des Stadt- schulraths Bertrai» weitgehender Bevorzugung. Es ist mehr- fach vorgekommen, daß Genieindeschulen aus den Räumen, in denen sie bisher gehaust halten, in weniger brauchbare Miethsrnume verwiesen wurden, weil eine neue Realschule, sür die noch kein Schnlgebäude errichtet war, die Räume der Gemeindeschnle bekommen sollte. Die G e i» e i n d e s ch u l e ist eben immer wieder das Stiefkind und Aschenbrödel, das hinter seinen nobleren Stiefgeschivisler» zurückstehen muß. Zum Achtuhr- Ladcnschlust. Die November- Nummer der monatlichen„Mitlheilnnge»" des hiesigen„Kaufmännischen und gewerblichen Hilssvereins für weibliche Angestellte" theilt das end- giltige Ergebniß der von diesem Verein veranstaltete» Umfragc über den Achtuhr-Schlnß mit. Es habe» geantwortet 2994 Geschäfts- inhaber(— 12,12 pCt. aller Befragten). Davon haben sich 1423 sür, 576 gegen 8 Uhr erklärt(also dafür: 71,26 pCt.. dagegen: 23,74 pCt. aller Antwortenden). Es erklärten sich z. B. von den Geschäften für Kolonialwaare» 194 dafür, 63 dagegen, für Delikatessen, Kon- fituren:c. 116 dafür, 59 dagegen, für Zigarren aber nur 49 dafür, 119 dagegen, sür Blume» rc. 8 dafür, 19 dagegen. Bei Geschäften für Artikel, die weniger zn sofortigem Verbrauch entnomine» werden, überwog das„für" überall das„ivider" sehr beträchtlich. So sind sogar von Geschästen für Droguen. Parsümerien, Seife, Licht, Petroleum zc. 96 Stimmen dafür, 52 dagegen, sür Posainentier-, Putz-, Weißwaaren u. s. w. 149 dafür. 57 dagegen, sür Papier-, Spielwaaren u. s. w. 193 dafür, 39 dagegen abgegeben worden. Unter den Gegnern des Achtuhr-Schlusses waren viele wenigstens sür den Neunuhr-Schlnß. Andererseits wurden von der Mehrzahl der Anhänger des Achtuhr> Schlusses Ausnahmen gewünscht, z. B. längere Verkaufszeit für Lebeusmittel, Kolonialwaaren und Zigarren; längere, zum theil unbeschränkte Verkaufszeit für Sonn- abend; ähnliche Ausnahme für die Zeit vor Weihnachten, zum theil auch für die Woche vor Ostern und Pfingsten.(Diejenigen, welche für die ganze Saison weitergehende Ausnahmen forderten, sind den Gegnern des Achtuhr-Schlusses zugezählt worden.) Unter den Gründen, die gegen den Achtuhr-Schluß aufgeführt wurde», sind die alten bekannten: Zwang ist zu verwerfen, Berlin soll nicht den Charakter als Großstadt einbüße», die Angestellten ivllrden bei früherem Schluß auf Abwege gerathen. Gefehlt zu habe» scheint der Hinweis auf die Arbeiter und Arbeiterfrauen, über die früher von Gegnern des 8 Uhr-Schlusses gesagt ivurde, daß sie erst nach 8 einzukaufen pflegten. Gegen die Behauptung spricht der Umstand, daß in de» Antworten das Verhältniß des„für" zum „wider" auch in den vorwiegend von Arbeitern bewohnte» Stadt- theilen sehr zu gunsten des„sür" ausgefallen ist..Auch hier er- klärten sich fast überall über'/z der Antivortendcn— im NO. und SO, etwas weniger als'/s— für den 8 Uhr-Schluß. Dienststunden der städtischen Beamten. Die nächste Stadl- verordnetcn-Versammlnng wird sich mit dem Bericht des Ausschusses zu beschäftigen haben, der über eine Aenderung oder gar Vermehrung der Dienststunden der städtische» Beamten zu berathen hat. Die Dienstzeit beträgt gegenwärtig 7 Stunden, von 8 bis 3 Uhr. Aller- dings gieht 11 der„Grundsätze" dem Magistrat das Recht, eine achtstündige Dienstdauer einzuführen. Eine mehr als fünfzigjährige Praxis habe aber, wie Oberbürgermeister Zelle in der Ausschuß. fitzung hervorhob, die jetzige Methode als die beste erscheinen lassen. Di« Theilung der Dienststunden ans Vormittag und tztachmittag wurde von dem Stadtverordneten Singer gefordert, weil z. B. bei den Steuerannahme-SIellen und der Sparkasse die arbeitende Be- völkernng viel Zeit, die sie zur Arbeit benützen könnte, verbringen müßte. Der Ausschuß beschloß jedoch, ein« Aenderung des bestehenden ZustandeS nicht vorzuschlagen. Für de» Bußtag und Todtensonntag kommen für Berlin folgende Bestimmungen der Polizeiverordnungen vom 21. März 1895 und 19. Oktober 1896 über die Sonntagsruhe in betracht: Am Bußtag, der auf den 17. November fällt, sind alle öffentlichen und privaten Lustbarkeiten mit Einschluß der Theater« und Zirkus- Vorstellungen und-Proben verboten. Nur geistliche Mnsik-Aus- führungen(Oratorien) in Kirchen. Theatern und Konzertlokalen sind gestattet. Außerdem gelten bezüglich der äußeren Heilighaltung. also auch bezüglich des Ladenschlusses, des geräuschvollen Schank- betriebes, des Betriebes der Fischerei:c. die Bestimmungen für die Feiertage. Am Todtensonntag, der aus den 21. November fällt, sind verboten: Oeffenttiche und private Tanzlustbarkeitcn und Bälle, Musik-Aufführunge» und Vorstellungen in Cafes chantants(Tingel. Tangeln) und auf Marionettenbühnen, Musil-Ansführungen, Gesangs- Mitswiich, 10. tlmmdtt 1897. und deklamatorische Vorträge, Schaustellungen von Personen und theatralische Vorstellungen i» Schanklokalen. falls nicht der ernste. den Feiertagen entsprechende Charakter gewahrt wird, und die Nach» mittags- Vorstellungen in Theater» und Zirkussen. An den Vor« abeiide» des Bußtages und des Todtensonntages sind öffentliche und private Tanzlustbarkeiten und Bälle verboten. I» Blumen. bindereien dürfen am Todtensonntag Arbeiter mit den» Zusamnien- stellen und Binden von Blumen und Pflanzen. Winden von Kränzen und dergleichen in der Zeit von 7—19 Uhr vormittags und 12 bis 6 Uhr nachmittags beschäftigt werden. Eine dritte Protestversammlung gegen die Art der Prämi- irung in der Nahrungsinitlel-Ansstellung fand Montag Abend im Meßpalast statt. Einige Stunden früher war dort die Preisjury ebenfalls zu einer Sitzung zusamniengelrelen, zwecks Nachprüfung der angesochtene» Prämiirung. Die Protestier erwarteten stundenlang vergebens das Ergebniß dieser Nachprüfung, und überniitlelten der Preisjury um 19'llHr eine Resolution, tn der um sofortige Mit- theilung über die Resultate gebeten wurde. Die eine halbe Stunde später eingehende Antwort war in entschiedenem Tone ge- hallen und lautete dahin. daß sorgfältig jede Reklamation geprüst und das Ergebniß schriftlich jedem einzelnen Aus- sleller zugesandt werden solle. Hiermit war jedoch die Versamnilung nicht einverstanden und beschloß,. zum Dienstag Nachmittag 3 Uhr eine iveitere Versammlung abzuhalten. um die Prämiirnngs« änderungeu der Preisjury entgegenzunehmen. Die erregte Stimmung, die sich allmälig herausgebildet hatte, wurde etwas gemildert, als kurz vor Thorcsschluß Herr Direktor Hu st er die Mittheiluna über- brachte, daß das Preisgericht nachträglich noch 7 Ehrenpreise und 3 Anerkennungsdiplome an verschiedene Aussteller von kleinen Haus- haltungsgcgeustäuden verliehen habe. Na, also! Die Gesellschaft Urania halte Montag Abend eine nußer- ordentliche Generalversammlung nach der Urania, Taubenstraße, einberufen, zum Zwecke der Prüfung lind Beschlußfassung, ob die Entlassung des bisherigen Direktors und die beabsichtigte System- änderung den Interessen der Gesellschaft entspräche. Der Aufsichts- rath hob in seinem Bericht hervor, daß Herr Dr. Meyer unterm 24. Mai d. I aus eigenem Willen fei» Vertragsverhältniß zum Schlüsse dieses Jahres gekündigt, und daß der Auffichtsrath unterm 1. Juli diese Kündigung mit dem ansdrückliche» Vorbehalte akzcptirt habe. daß man mit Herrn Dr. Meyer in Ver- handliiiigeii eintreten iverde, um dessen schätzenswerlhe Kraft auch fernerhin den, Gesellschastsunternehmen zn sichern. Der Aussichtsrath habe dann einsti»in>ig am 22. September d. I. die so- sortige Beurlaubung des Herrn Direktors, und als die Annahme der Beurlaubung veriveigert wurde, dessen Suspendirung von allen' seinen Amtsgeschäfte» ausgesprochen. Es sei hierbei die Heber- zengung ausschlaggebend gewesen, daß auf ein gedeihliches Zu- sainmeuwirke» zivischen beiden Parteien nicht mehr zu rechnen sei. Vom Aufsichtsrathe, wie ans der Versammlung heraus ivurden wiederholt die großen Verdienste des Ausgeschiedenen um das Urania- Unternehmen hervorgehoben und dem SLnnsche Ausdruck gegeben, daß es gelinge» möchte, die literarische Kraft des Herrn Dr. Meyer dem Institute mich serner zu erhalten. In einem Veschlußantrage genehinigle die Versannnlung die Maßnahmen des AussichtsratheS. Jonrualisten-Bchandlung i» Gefängnissen. Der Redakteur Knorr von den„Charlottenburger Nachrichten" hatte ivegen Preß- belcidignng in Plötzeusee eine ziveinionalige Gefängnißstraso zu ver- büße», die am 23. Oktober 3 Uhr nachniiltags ablief. Gerade an diesem Tage hatte er wegen einer anderen Strafe Termin beim Kammergericht, der um 11 Uhr morgens angesetzt war. Ihm so früh die Freiheit zu schenke». daß er seinen Termin wahrnehme» konnte, ging»ach der strenge» Gefängniß-Ordnung nicht ari, man verweigerte ihm aber sogar einen Transporteur, obwohl er sofort zur Erlegung der 7,59 M. sich erbot. Dagegen ivurde ihm. wenn er seine» Termin wahrnehmen wolle, der grüne Wagen für den Hin- und Rücktransport angeboten. Knorr lehnte dies ab und wurde um 3 Uhr nachmittags entlassen, für die Wahrnehmung seines Termins z» spät. Das Programm des Kongresses für VolkSimterhaltnng ist vorläufig solgenderuiaßen festgesetzt: Die erste Sitzung im Bürger« saal des Rathhanses wird Sonnabend, den 13. November, nach-i mittags 3 Uhr, eröffnet. Den einleitende» Vortrag:„Was ver- stehen wir uifter Volksunterhaltung?" hält der Direktor des Schiller- Theaters. Dr. R. Löivcnfeld. Auf den Bortrag folgen Berichte ans mehreren Städten Deutschlands über die Erfahrungen auf dem Gebiet der Bolksunterhallung. Bisher sind angemeldet: I. TeivS, Generalsekretär der Gesellschaft für Volksbildung zu Berlin. Carl Siemon aus Denierthie» bei Potsdam, Ludwig Sittenfeld aus Breslau. Margarethe Pöhlniann aiis Tilsit, Dr. Georg Herzfelv alls Berlin, der über de» Verein für Volksunterhaltungen berichten ivird; Dr. Raphael Löivenseld. der über die Dichter- und Ton- dichtcr-Abende des Schiller-Theaters, Herr v. Schöning, der über Voirsunterhalliiiigen aus dein Pyritzer Weizacker sprechen wird. Sonntag, de» 14 November, finde» zwei Sitzungen statt, die erste beginnt mittags 12 Uhr, die zweite nachmittags 5 Uhr. In diesen Sitzungen werden Otto Ernst ans Hamburg und Fritz Mauthncr aus Berlin über die Dichtung als Bolksunterhaltung, Professor H. Albrecht aus Berlin über die Musik als Volksnnterhaltnug, Herr Dr. Albert Dresdner und Maler Otto Feld über die bildende Kunst als Volksunterhallniig spreche». Von iveitercn Vorträgen sind an- gemeldet: Fritz Telnian ans Wien über die Anfänge der Wiener Vollsbühneii-Beivegung und Fräulein Anna Hcnnebcrg über die Volksoper. Theilnehmerkarlcn iverden aus schriftliches Ersuchen bei dem Borsitzende» des Kongresses. Dr. R. Löwenseld, Berlin O., Schiller-Theater, den Besteller» zugesandt. Die Charitee- Direktion hat die besonderen Besuchsstunden für Geisteskranke ausgehoben und für diese die all- gemeine Stunde Sonn lag nachinittags von 2 biZ 3 U h r eingeführt. «»liebsam überrascht wurde, wie die Egidy'sche„Ver' söhnung" mittheilt, der bekannte Naturprediger Lieutenant a. D' Johannes Guttzeit in Schmargendorf. Ihm ivurde die Militär« Pension, die er bisher erhielt, aus»»bekannten Gründen plötzlich entzogen. Guttzeit hat gegen diese Verfügung an zuständiger Stelle Beschwerde erhoben. Wenn Herr Guttzeit eine gesetzliche Pension bezieht, so kann ihm dieselbe nicht mir nichts dir nichts entzogen werden. Die Mitlheilung bedarf also sehr der Ausklärung. Von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden ist die Leiche des 29 Jahre alten Hilssrangirers Otto Bach aus der Margarethenstraße 23 zu Neu-Lichtenberg. Bach hatte am Sonntag ans dem Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde beim Rangiren zwei Wagen mit einander zu verbinde». Als er damit fertig war, ivollte er rasch von den Geleisen weg auf den Bahnsteig gehen, kam aber dabei zu Falle, indem er ausglitt. Im selben Augenblick zog schon die Maschine an und ein iliad des Wagens, den er angekoppelt hatte, ging dem Unglücklichen über de» Unterleib. Man legte den Verunglückte» in einen Tragekorb und brachte ihn mit der Bahn bis zum Schlesische» Bahnhos und von dort in das Krankenhaus „Bethanien". Hier ist er seinen Verletzungen erlegen. Ein Fehltritt auf der Kellerireppe hat den, 54 Jahre alten Pantoffelmacher Karl Llldicke aus der Winterfeldtstraße Nr. 13 das Leben gekostet. Lüdicke ging am Montag Abend um 9 Uhr ans und kam erst zurück, nachdem das Gaslicht schon ausgelöscht ,var. etwa um 12 Uhr nachts. Beim Hinabsteigen in seine Kellerwohnung trat er fehl, fiel in den Kellerflur hinab und schlug mit dem Hinterkopf auf den asphaltirten Boden aus. Vorgestern erlag er seinen Ver- letzungen. Znsa»tt»e«stoß. Vor dein Hause Wasserthorstr. 22 fand am Moni.ia Vormittag ein Zusaiinnenstoß zwischen einem Wagen der elektrischen Straßenbahn und einem ans dem Hause kommenden Rollivagen statt, bei dem der Führer des Rollivagens, Rutscher Johann Herzog, herabgeschlendert«mrde. Er trug einen Bruch des rechten Unterschenkels davon und wurde in einem von der Unfallstation I herbeigeholten Krankenwagen in das Elisabeth- Krankenhaus übergeführt. Den Zeugenaussagen zufolge soll den Kutscher des Straßenbahnwagens die Schuld an dem Unfälle treffen, da er troh des lauten Slnrufs des Rollkutschers seinen Wagen nicht angehallen hat, sondern mit unverminderter Schnellig- keit weitergefahren ist. Verdorben— gestorben? Gestern früh um S Uhr wurde auf den» Wagenplatze Bergmannftraße kg von dem Platzwächter der obdachlose Zlrbeiter Julius Herold mit einer schweren Verletzung am Kopf todt anfgefunden. Herold war früher ein Hausbesitzer»nd ist durch Trunk soweit heruntergekommen, daß er obdachlos war und auf den Holzplätzen nächtigte. Der Kriminal- Kommissar konnte keine bestimmten Anhaltspunkte dafür ermitteln, daß hier ein Verbrechen vorliegt, wofür die Kopfwunde spreche» würde; es ist anzunehmen, daß Herold aus dem Wagen, in dem er genächtigt hatte, herausgefallen und auf die eisernen Nadfelgen ge- fallen ist. Spuren eines dort verübten Verbrechens waren nicht aufzufinden. Ein Raubmord ist ausgeschlossen, da Herold seit langer Zeit kein Geld besaß und sein Tranring noch an der Hand steckte. Zir dein Fahrstnhlnngliirk in der Dresdenerstr. 37 theilt uns der gestern von uns erwähnte Herr O. F. Schäfer berichtigend mit, daß auch er nur Miether in dem erwähnten Hause sei nnd keinerlei Beaiifsichtigungspflicht oder Eigenthnmsrecht an de» dem Hauswirth gehörigen Fahrstuhl besitze. Fenerbericht. Sechs größere Brände halte die Feuerwehr gestern(Dienstag) zu bekämpfen, wovon allein vier mit zwei Dach- st nhlbränden auf Moabit entfiele». Früh S Uhr brannte Bredow st r. 16/17 ein Dachstuhl. Zwei Schlauchleitungen gaben fast eine Stunde Wasser, bevor die Flammen erstickt waren. Kurz nach 11 Uhr erfolgte Alarm nach Havelbergerstr. 17, wo der Dachstuhl des neuen fünfstöckigen Eckhauses bei Ankunft des Ib. Lösch- zuges einen großen Brandherd aufwies, sodaß die Züge 13, 14»nd 16 als Verstärkungen herangezogen werden»inßten. Um bei der be- trächtlichen Höhe des Brandherdes den Wasserdruck zu verstärken, wurde eine Dampfspritze mit zwei Druckspritzen verbunden, lieber eine Stunde hatten vier Rohre Wasser zu geben, bevor das Feuer zum Stehen gebracht werden konnte. Der Dach- stuhl ist vollständig eingeäschert. Während nirni noch mit dem Ablöschen beschäftigt war, erfolgte wiederholter Alarm nach B r ü ck e n- A l l e e 36. Der sofort abrückende Löschzug fand einen Kellerbrand vor, den er mit einem Rohre beseitigte. Nachmittags 4 Uhr kam Perlebergerstr. 5 ein Bodenbrand ans. der verschiedene Körbe und Kisten mir Inhalt zerstörte, aber noch rechtzeitig gelöscht werden konnte. Ei» schwerer Kellerbrand, bei dem Menschenleben in Gefahr waren, ereignete sich nachmittags Zl/s Uhr W ö r t h e r st r. 13. Hier waren Stroh und Bretter- verschlüge in Brand gerathen, der nicht nur den Keller, sondern den anstoßenden Treppenaufgang nach den oberen Stockwerken derart verqualmte, daß ein Vordringen ausgeschlossen schien und die Hausbewohner in großer Gefahr schwebten. Ihre Angst kam denn auch in laute» Hilferufe» zum Ans- druck. Die erste Aufgabe der alarniirten Feuerwehr war denn auch, einen Leitergang herzustellen, auf dem verschiedene Feuer- Männer bis in die obersten Etagen kletterten, um die Bewohner zu beruhigen. Der Brandheerd konnte nur unter Anwendung des Rauchhelms erreicht werden, worauf man auch bald Herr des Feuers wurde. Abends 5>/2 Uhr erfolgte endlich noch ein Alarm nach C h a u s s e e st r. M. Hier brannte ein Mannfakturwaareu- Laden fast vollständig aus. Mit Rücksicht airst die häufigen Dachstnhlbrnnde in Moabit, die seit einigen Tagen wieder zu verzeichnen sind, ist die Reserve- Dampfspritze seit Dienstag wieder nach Moabit verlegt. Die Direktion der Prosektions- Vortröge über Knust und Kulwr (Dr. Köppen und Dr. StoedMer, altes Urania-Theater, am Lehrter Stadt- Bahnhof) theilt uns mit, dah heute Abend 8 Uhr zum ersten Male:„Eine W a n d eru n g d ur ch d a s alte Pompeji", von Dr. Alfred Köppen gegeben wird. Die malerische Ruinenstadt mit ihren farbenprächtigen Bau- toerken, Skulpturen und Gemälden nach naturgetreuen photographischcn Aufnahmen werden, zumal i» der Wiedergabe farbiger Lichtbilder, hoch- interessant sein. Theater. Im Schiller-Theater geht heute zur Feier von Schillert Geburtstag„Wallensteiits Tod" zum ersten' Mal in Szene., Die nn Wochen- spielplan für Sonnabend angezeigte erste Aufführung von„Wallenstein's Lager" und„Die Piecolomini" findet übermorgen, Freitag, statt.— Da anderweitige kontraktliche Verbindlichkeiten die Direktion des Ostend- Theaters zwingen, die Aufführungen von„Am Altar" abzubrechen, so findet heute die vorletzte und Freitag die letzte Borstellung von dem Schauspiel statt.— Der Erfinder der Illusion„Das flammende Räthsel?" im R eich s y a l l en- Th e a t c r, Herr Pictro Blanchard, feiert am Freitag, den 12. November d. I. sein 1ö jähriges Künstler- Jnbilänin. Aus diesem Anlast hat die Direktion dem Genannten für diesen Tag ein Benefiz bestimnit.— Ans de» Nachbarorte». Die LehrerbesoldniigSfragc ist auch in Charlottenbnrg noch nicht endgiltig erledigt, lieber die von den dortigen städtische» Körperschaften im März d. I. festgesetzte Besoldungsordnnng hatten die Gemeiudeschullehrcr der Stadt in mehreren Petitionen an die Regierung ihrer völligen Unzufriedenheit Ausdruck gegeben. Die Regierung bestätigte denn auch im Juli d. I. die Besoldmigsordnung nur mit Vorbehalt nnd erhob besonders Einwendungen gegen die allzu niedrigen Micthsentschädigungen nnd die geringe Besoldung der einstweilig angestellten Lehrerinnen. Infolge dessen sah sich der Charlottenburger Magistrat genöthigt, eine Umarbeitung der Be- soldungsordnung vorzunehmen nnd erhöhte nunmehr die Mielhs- entschädigung für vrrheirathete Lehrer von 460 auf 4ö0 Mark, kürzte dagegen die Mielhscntschädigung für unverheirathete Lehrer um.160 M., was nach dem neuen Lehrerbesoldnngs- Gesetz zulässig ist. Weitere Aenderungen wurden jedoch an der Besolduiigs- ordnung nicht vorgenommen, weshalb sich die Unzufriedenheit in den dortigen Lehrerkreiscn nun bis zur heftigsten Erbitterung ge- steigert hat. Abermals ei« Opfer der Prügelpäbagogit? In Charlotten- bnrg ist die Leiche des lLjährigen Schnlknabe» Max Güse, dessen Eltern in der Tauentzienstr. 23 wohne», auf Anordnung der Staats- anwaltschast mit Beschlag belegt worden, weil wie gemeldet wird. der Polizeidirektion Anzeige gemacht sein soll, daß der Tod des Knaben infolge von Mißhandlung durch einen Lehrer eingetreten sei. Im Walde angeschossen wurde am Montag im Biesenthaler Forst der Handelsmann Hirsch aus Berlin, der sich anf dem Wege nach dem Bahnhof Biesenlhal befand, und, um de» Weg abzukürzen, de» Forst quer durchschritt. H. gerieth in die Schußlinie eines Jägers, der gerade eine Schrotpatrone nach einem Hasen abfeuerte, nnd wurde am Oberschenkel erheblich verletzt. Der Verwundete wurde zunächst»ach Biesenthal gebracht, wo ihm ärztliche Hilfe zu theil wurde, und sodann nach Berlin befördert. De» Jäger, eine» hiesigen Bäckermeister, der mit verschiedenen Bekannten die Jagd eines befreundeten Pächters besucht hatte, trifft an dem Unfall keine Schuld. Die Erbauung ciucr dritte« städtische« Gasanstalt bei dein Gaswerk II an der Gaußstraste hat vorgestern der M a g i st r a t von Charlottenburg beschlossen. Die früheren Bnreau-Hilfsarbciter der Charlottenburger Gemeindcverwaliuug, welche, glücklicher als ihre Berliner Kollegen, als Bureaugehilfen jüngst Gemeindebeamte geworden sind, haben einen Verein zur weiteren Verbesserung ihrer Lage gegründet. Z« erschieße» versuchte sich ain Montag Abend der königl. Kammermusiker Grüttner. Er bewohnte in Charlottenbnrg, Pestalozzi- firaße 64, ein möblirtes Zimmer, in welchem er aus noch nicht bekannt geivordenen Gründen die That beging. Er wurde in das Charlottenburger städtische Krankenhaus gebracht, wo an seinem Anskomme» geziveifelt wird. Ein Patriot. Ein mit dem Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse dekorirter Mann hatte vor mehreren Jahren in der königl. Munitionsfabrik zu Spandau Beschäftigung als Magazinarbeiler gefunden; er wies Papiere anf den Name» Niete lautend auf und niemand zweifelte daran, daß er ein alter Krieger ans dem Feldzuge 1870/71 war, der sich besonders dabei hervorgelhan. Er war etwas leidend, wie er sagte, infolge der im Kriege ausgestandenen Strapazen, und die Vorgesetzten in der Fabrik waren Willens, ihm einen leichteren Posten zu geben. Bevor es hierzu kam, sollte er, da es sich um eine Art Vertraueusstellung handelte, feine sämmt- lichen Militärpapiere nnd die Nachweise über den rechtnmßigen Besitz der Orden einreichen. Dies verzögerte sich aber in nufsälliger Weise. Inzwischen war auch die Polizei auf den„alten Krieger" aufmerksam geivorden. Derselbe wohnte in einem benachbarten Dorf und hatte, um sich zu verheirathen, sein Aufgebot unter dem Name» Schröder angemeldet. Ermillelungen ergaben, daß der Mann kein Recht hatte, die erwähnten Kriegsauszeichnungen zu tragen, denn er war überhaupt nicht Soldat gewesen. Der verdächtige Mensch ist am Sonntag verhastet worden. Gcrichtlö�Ieikttttg. Zum Prozeß Bliimcnrcich, der erst in später Nachtstunde beendet wurde, tragen wir aus der U r t h e i l s b e g r ü n d n n g noch folgendes nach. Zu einem Schuldigspruche— so führte der Vorsitzende aus— mußte der Gerichtshof gelangen, einerseits, weil der Zeuge Kaufmann einen Jrrthum in seinen Bekundungen für ausgeschlossen erklärte, andererseits aber wegen der Aussagen der Herren Sehring nnd dessen Vertreter Wichmann. Wenn min zivar der Angeklagte der ihm zur Last gelegten Vergehungen— bis auf den Verch'schen Fall, in ivclchem weder eine Unterschlagung, noch eine Untreue festgestellt werden konnte— für schuldig befunden werden mußte, so habe das Gericht doch zur Evidenz festgestellt, daß ihn in keinem Stadium seiner Wirksamkeit gewinnsüchtige oder gar ehrlose Absichten g e- leitet, daß er v i e l in c h r lediglich um idealer Z>v e ck e willen mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sei. Des- halb habe der Gerichtshof auch mildernde Umstände im weit- gehendsten Maße gelten lassen.— Rechtsanwalt Dr. Löwenstein hat bereits die Sievision gegen das Urlheil der Strafkammer angemeldet. Eine Revolveraffäre, bei der ein junger Mann das Leben einbüßte, beschästigte gestern das Schwurgericht des Landgericht I. Der Arbeiter Wilhelm E h l e r t war der schweren Körperverletzung mit tödllichem Zlusgange beschuldigt. Der Angeklagle bekleidete im Hanse Prinz Eugenstrafie die Stelle eines Bizewirths. Er hatte die zu ebener Erde gelegene Wohnung inne. In demselben Hanse wohnte auch die Wiltwe Lange, deren beide 17- beziehungsweise 18jährigen Söhne Wilhelm und Karl Lange mehrfach Ruhestörungen im Hause verübten. Ehler! führte hierüber Beschwerde beiin Hauswirth. welcher der Wittwe Lange mit Kündigung drohte, falls sie ihre Söhne nicht zur Ordnung anhalten würde. Seil dieser Zeit herrschte zwischen den Gebrüdern Lange nnd dem Vizewirth Ehlert ein gespanntes Verhällniß, welches beim Znsammenlreffen durch Wortstreit nnd Schimpfereien zum Ausdruck kam.. Am Abend des 9. Juni hatte Karl Lange seinen Geburtstag gefeiert, in angelrunkenem Zustande kehrte er nachts gegen 1 Uhr »ach Hause zurück. Der Angeklagte machte über die nun folgende» Geschehnisse folgende Angaben. Er sei durch einen starken Lärm auf dem Hausflur aus dem Schlafe geweckt worden nnd auf- gestanden, um die Lampe anzuzünden nnd den Urheber des Lärms festzustellen. Unbekleidet sei er dann anf den Flur hinausgetreten. Er habe am Abend desselben Tages den Flure fiißbodcn mit Oelfarbc gestrichen nnd eine» kleinen Nothweg durch Breiter hergestellt, welche in der Mitte des Flures lagen und bis zur Treppe führten. Der Angeklagle will gesehen haben, daß Karl Lange eines der Bretter aufgehoben hatte nnd es mit lautem Krach wieder auf den Boden warf, wobei er anf dem frischen Anstrich nmhertrat. Er habe ihm über dies Verhalten Vorstellungen gemacht und ihn z»r-R»he ermahnt. Lange habe ihn mit Schimpfworten nnd Drohungen überschüttet, weshalb er es vorgezogen habe, seine Wohnung zu schließen und den Lärmenden sich selbst zu überlassen. Er sei kaum wieder eingeschlafen gewesen, als der Lärm sich in verstärkter Weise erneuerte. Er hat geglaubt, mehrere Stimmen zu vernehmen und es deshalb für rathsam gehalten, seinen llievolver hervorzuholen und denselben mit einer Kugel zu laden. Er will nur beabsichtigt haben, etwaige Angreifer damit einzuschüchtern. Als er sich, wieder mit der Lampe in der Linken, auf den Flur hinausbcgab, habe er sich dem Karl Lange gegenüber befunden. Dieser sei sofort mit einem geöffnete» Messer in der hocherhobenen Rechten ans ihn eingedrungen nnd habe mehrere Male nach ihm geschlagen. Nur durch ein jedesmaliges schnelles Zurückweichen habe er sich vor dem Gelroffenweiden schützen können. Er habe dabei den Revolver empor gehalten und gerufen:„Das Messer weg oder ich schieße!" Lange habe sich dadurch aber nicht einschüchtern lassen, sondern sei fortgefahren, auf ihn einzudringen. In diesem Augenblick habe feine, des Angeklagten Ehefrau, die hinter ihm stand und be- fürchtete, daß er schießen würde, ihn am Ellenbogen gepackt. Durch den plötzlichen Ruck sei der Schuß losgegangen und Lange getroffen worden. Der Verwundete sei anf den Füßen geblieben und habe sich nach oben begeben. Der Angeklagte sei wieder in feine Wohnung gegangen, habe sich angezogen und nach der Polizei begeben, un> von dem Vorfall Anzeige zu machen. Lange ist noch in derselben Nacht im Krankenhnuse, wohin man ihn hatte bringen müssen, verstorben. Die Kugel ivar ihm in die rechte Seite des Halses gedrungen und in der linken Schulter sitzen geblieben. Durch Bluterguß in die Lunge sei Erstickung eingelreten. Die Darstellung des Angeklagten von dem Vor- falle steht in krassem Widerspruch zu den Aussagen einer Anzahl Zeugen. Diese haben den Geburtstag mit dem Verstorbenen gefeiert nnd ihn nach Hanse gebracht. Vor der Thür hätten sie ihn verlassen. Sie seien etwa 150 Schritte entfernt gewesen, als sie das Klirren einer zer- brochenen Scheibe hörten. Sie seien zurückgeeilt und hätten gesehen, daß Lange sich gegen die Hausthür, stemmte, welche von einem Jnnenstehcnden zugehalten wurde. Die Thürscheibe hatte Lange dabei mit dem Ellenbogen eingedrückt. Er hatte den Widerstand des Jnnenstehenden soweit gebrochen, daß er einen Theil des Ober- körpers durch den Spalt zwängen konnte.- I» diesem Augenblick fiel der Schuß. Die Zeugen sahen, daß Ehlert sich darauf schnell in seine Wohnung zurückzog. Der Staatsanwalt führte ans. daß die Darstellung der Vclastungszengen einen weit größeren Grad von Glaubwürdigkeit für sich habe als die des Angeklagten. Er bean- lragte, die Schnldfrage im Sinne der Anklage zu bejahen »nd dem vielfach Vorbestraften mildernde Umstände zu versage». Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Moller, plaidirte für Freifprechung mit der Begründung, daß der Angeklagte sich im Zu- stände der Nothwehr befunden habe. Schlimmstenfalls liege nur eine Fahrlässigkeit vor. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten der vorsätzlichen Körperverlctznng mit tödtlichem Ausgange unter Zubilligung von mildernden Umständen schuldig, worauf der Staatsanwalt eine Ge- fängnißstrafe von 2 Jahren beantragte. Das Urtheil lautete auf ein Jahr drei Monate G e s ä n g n i ß. wovon 2 Monate durch die Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurden. Wege» verweigerter Eidesleistung verhaftet wurde in der letzten Sitzung des Schöffengerichts zu Strausberg der Hans- vater der dortigen Herberge zur Heimath, Albert Wagner. Derselbe hatte gegen einen aus der Wanderschaft be- fiudlichen Tischlergesellen, der sich in der Herberge»»gebührlich benahm, und diese auf erfolgte Aufforderung nicht verließ. Straf- antrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt. In dem dieserhalb an- beraumten Termin, zu welchem Wagner als Zeuge geladen war, weigerte er sich nun trotz der eindringlichsten Ermahnungen nnd Vorhaltungen des Vorsitzenden, den vorgeschriebenen Zeugen- eid zu leisten und zwar erklärte er, er könne es mit seinem Gott und seinem Gewissen nicht verant- worten, wegen einer solchen geringfügigen Sache einen Eid zu leisten. Infolge dessen wurde gemäß s 63 der Strasprozeß-Ordming seine sofortige Verhaftung an- geordnet. Vevseumnlmtüen. Ter Wahlverei« für de» ersten Berliner Reichstags- Wahlkreis hatte am Montag eine Mitgliederversammlung bei Slabernack, Jnselstraße, einberufe», in der Genosse Dr. Bern- stein einen interessanten Vortrag über die Berechtigung des Sozialismus und die Aufgaben der Gewcrkschastsbewegung hielt. Hierauf erfolgte die Bekanntgabe des Wahlresnlials, der sich eine Debatte über das Walsystem mit seinen reaktionären Vestimmnngen und über das hieraus resultirende Ergebniß der Wahlen anschloß. Von einigen Rednern wurde die Meinung zun: Ausdruck gebracht, daß die Agitation nicht genügend ent- faltet worden sei, während andererseits anf die Schwierigkeiten hingewiesen wurde, die sich bei der Agitation iin ganzen ersten Wahlkreise durch die eigenartige Znsammensetzung der hier in betracht kommenden Wähler geltend machen. Abgesehen davon, daß in diesen» Kreise die Bourgeoisie ihren Sitz ausgeschlagen und die für die Sozialdemokratie event. in betracht kommenden Wähler in dem Stadttheil der Paläste, Hotels, Bankhäuser u. s. w. nur sehr schwer aufzufinden sind, um auf sie agitatorisch einzuwirken, kommt noch hinzu, daß sich eine sehr große Anzahl dieser Personen in einem Abhängigkeitsverhältniß befinden, das jedes selbständige Handeln, insbesondere jede öffentliche, freiheitliche Siegnng ausschließt. Nach einer recht interessanten Debatte, wurde auch das Vorgehen der bürgerlichen Parteien, die trotz aller Sonderbestrebunge» Hand in Hand gehen und sofort den Bruderzwist beenden, wenn es gilt, die Arbeiterklasse niederzuhalten, in treffender Weise gekennzeichnet. Im weiteren wurde anf die Reichstagswahlen hingewiesen, die »ach all den Vorkommnissen der Sozialdemokratie anßerordent- liche Erfolge versprechen, aber auch die Theilnahme aller Genossen schon an den Vorarbeiten hierzu erfordert. Nachdem noch mehrmals zum Anschluß an de» Wahlverein, zur Velheiligung an der Flug- blatlverbrcitnng, die man nicht immer einzelnen Parteigenossen über- lassen soll, nnd zur regen Agitation überhaupt aufgefordert worden war, wurde noch zum Schluß auf das am 27. d. M. in den„Armin- hallen" stattfindende Familienkränzchen hingewiesen nnd zum zahl- reichen Besuch eingeladen. Der Wahlverei» für de» fünfte» Berliner Reichstags- Wahlkreis hielt am Montag eine Versammlung ab. Genosse Bruns, der das Referat übernommen hatte, war nicht erschienen, es wurde daher nur das lllesultat der Stadtvermdneten-Wahlen verkündet. Am Schluß machte der Vorsitzende Sassen dach auf das am Sonnabend stattfindende erfie Slistungsfest des Vereins auf- merksnm»nd ersuchte um rege Theilnahme nn demselben. Ferner wies er anf die jeden Sonntag Rosenthalerstraße 11/12 abgehaltenen geselligen Zusammenkünfte hin, deren zahlreicher Besuch gleichfalls erwünscht ist. Tie öffentliche Kominnnalwählcr-Vcrsamnilnng, die am Montag bei Henfel, Jnvalidenstraße, tagte, beauftragte das be- stehende Wahlkomitee für den 34. Kommnnal-Wahlbezirk mit den weiteren Arbeiten für die Stichwahlen, die in diesem Bezirk sich nothwendig machen. Die Komiteemitglieder sind: C z e ch o w s k i. Gartenstr. 44; Hoppe, Ackerstr. 145; Marten, Ackerstr. 123; M e y e r, Ackerstr. 34. In einer öffentliche» Bersaminlung der in der Schnh- indnstrie beschäftigten Arbeiter«nd Arbeiterinnen, die am 8. November in Märten'S Lokal in der Friedrichstr. 236 tagte, referirte Genosse Wagner unter lebhaftem Beifall der Ver- sammelten über„Industrielle Entwickelung" im allgemeinen und speziell in der Schuhindustrie, wobei er zugleich das Lehrlingswescn beim rückständigen Kleinmeister kritisirte nnd zur Bekämpfung dieser und vieler anderer Mißstände strikten Zusammenschluß in der Organisation empfahl. Den Thäligkeits- nnd Rechenschasts- bericht der Agitationskommission über daS verflossene Geschäftsjahr gab H a in m n ch e r. lieber die agitatorische Thäligkeil der Kom- Mission ließe sich neues nicht viel berichten, da darüber laufend in den öffentlichen Versammlnngeu gesprochen wurde. Die Kassen- Verhältnisse gestalten sich folgendermaßen: Die Gesammt- Jahres- einnähme einschließlich 46 M. Bestand betrug 735,25 M. gegenüber einer Ausgabe von 533,40 M.. mithin bleiben 201,35 M. Bestand für das nächste Geschäftsjahr. Dem Kassirer wurden 2 pCt. Mankogclder von der Gesammteiunahme zugesprochen, auf Antrag der Revisoren wurde er entlastet. Nachdem wiederum eine siebengliedcrigc Agitationskommission gewählt worden. bestimmte die Bersammlnng cinslininiig, von dem vorhandenen Be- stand 100 M. den englischen Maschinenbauern zu übermitteln. I» die Gewerkschaflskommission wurde als Vertreter H a m m a ch e r delcgirt. Hieraus wurde bekannt gegeben, daß am 22. d. MIs. bei Feuerstein die Neuwahl des GcselleuauSschnsses stattfindet; da viel daran liege, zielbewußte Leute dort hinein zu bekommen, seien alle bei Jnnungsmeistern Beschästigte» verpflichtet, in der Versammlung anwesend zu sein. Dieser Versammlung eine halbe Stunde voraus gehe eine General- Versammlung der Jnnnngs-ikrankenkasse, die dadurch nothwendig wurde, daß die Innung eigenmächtig zwei Paragraphen abänderte. Das ohne Hinzuziehung der Arbeitervertreter veränderte Statut wurde aus diesem Grunde vom Magistrat nicht genehmigt. Nach- dem darüber Klage geführt war, daß bei Breitsprecher all» sonntäglich gearbeitet werde, trat Schluß der Versammlung ein. Ter Zcntralverband der Maurer Teutschlands, Filiale Berlin II, dielt am Sonntag, den 7. November seine regelmäßige Mitgliederversaninilung in der Bcnlhstr. 20 bei Cohn ab. Zum ersten Punkt der Tagesordnung, Abrechnung vom drille» Quartal, machte der Kassirer folgendes bekannt: Die neuen Ausnahmen be- tragen in diesem Quartal 673, der Knssenbestand vom zweiten Quartal betrug 150,16 M.. Einnahme vom dritten Quartal 4058 M.. ergiebt die Summe von 4203,16 M.; demgegenüber steht eine Aus- gäbe von 3957,30 M., verbleibt ein Bestand von 250,36 M. Die Abrechnung vom Monat Oktober ergab 152 Aufnahmen, eine Ein- »ahme von 1325 M., Bestand vom dritten Qnartal 250,36 M., ergiebt die Summe von 1575,36 M.; eine Ausgabe von 1252.40 M.. verbleibt ein Bestand von 323.46 M. Ter frühere Hilfskassirer vom Wedding, Fritz Meivs, wurde einstimmig aus der Organisation ausgeschlossen. Dem Kassirer wurde einstimmig Decharge ertheilt. Silberschmidt stellte dann einen Autrag, dahingehend, daß der Vorstand beaustragt wird. die Hilfskassirer jeden Monat durch ein Mitglied des Vorstandes zu konlrolliren, welcher auch angenommen ivurde. Ebenfalls stellte Kollege H ü b n e r einen Antrag, der dahin ging, daß ein Hilf«- kassirer nicht die Stelle eines Beitragsammlers bekleiden darf, da er sich sonst mit den Geldern pegenscilig aushelfen kann; derselbe wurde ebenfalls angenommen. Als Schriftführer wurde sodann Winkler »nd als Hilfskassirer fnrWedding Pa schke gewählt. Ausgeschlossen wurden wegen Vergehens gegen das Statut: Gntschow, Koch. Waller nnd Quast. Ins Vergnügungskomiice wurden gewählt: Henkel. Krause, Funk, S e e f e l d, L i» k e, H o f s m a u», Strauß, Gimpel nnd H e l I e r h o f. Tie Griaser hielten am Sonnabend eine öffentliche Versainm- lung ab, wo der Verbandsvorsitzeude G r o l l-W i e s b a d e n in einem zweistündige» Vorckrage de» Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation darlegte»nd den Zentralverband als die für das Glasergewerbe zweckmäßigste Organisation bezeichnete. Bilder- rahmeumacher Brandes trat der abfälligen Kritik, welche der Referent, der Lokalorganisation augedeihe» ließ, entgegen. Tie ftimdenlange Debatte drehte sich vorwiegend»m Vorkommnisse'!» ver Glasergewerkschaft,»in de» Gegensatz zwischen Zentral- und Lokalorganisation. Der Verband der Töpfer hielt am 2. November seine Ver- sanunlmig ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Ver- fanimlnng das Andenken des kürzlich verstorbenen Mitgliedes Hilde- brand in der üblichen Weise. Nach einem Vortrage des Herrn Dr. Joel giebt der Kassirer den Kassenbericht über das 3. Quartal. Einnahme»nd Ausgabe bnlanziren auf 980,01 M. Ao» den Ans- gaben wurden SSL M. an die Zentralkasje abgeführt. Die Mit» glicderzahl beträgt zur Zeil 700. Dem Kassirer wird Decharge ertheilt.— Nach einer langen Diskussion über die derzeitigen Arbeitsverhältnisse nimmt die Versammlung eine Siesolution an, durch welche sich die Anwesenden verpflichte», mit Energie für die Stärkung der Organisation einzutreten, damit bei günstiger Konjunktur im nächsten Frühjahr eine Lohnbewegung eingeleitet und dnrchgefochteit iverden kann. Der Borstand wird beauftragt, die»ölhigen Vorbereitungen dazu zu treffen. Die An- wesenden verpflichte» sich serner, den Vorstand in jeder Hinsicht thatkräftig zu unterstützen»nd zwar hauptsächlich durch guten Besuch der stallfindeuden Versammlungen, durch regelmäßige Beitrags- leistnnge» u. s. w." Der Zciitralt'crciu der Biiveauaugestcklte» Teutschlands (Mitgliedschaft Berlin) hielt am i. d. M. seine Mit- glieder-Versammlung ab. Herr Ad. H o f f m a n n hielt einen Vor- trag über:„Modernes stiaubritterthum." Hierauf giebt Brille den Geschäfts- und Kassenbericht pro III. Quartal. Der Mitglieder- bestand betrug am 1. Juli er. 193; ausgenommen 7-- 200 Mit- glieder. Zlusgetreten sind 12 und ausgeschlossen wurden 31, sodaß 153 verbleiben. Die Einnahme der Lokalkaffe betrug 76,88 M, die Ausgabe 19,72 M., Ueberschuß S7,l4 M., die Einnahme der Zentralkasfe 166 M., die Ausgabe 19,83 M., Ueberschuß 146,17 M., hierzu kommt der Ueberschuß der Lokalkasse, sodaß im ganzen 203,31 M. an die Zentralkasse abgeführt werden konnten. Als Ersatzrevisoren wurde» gewählt: Casper, Fromm old und Wasser; zum Vergnügungskomilee Conrad, Deredder, E b e r s b a ch, F r o m m o l d II und O h s e II. Unter Ver- fchiedenem wurde auf die am 10. d. M. stattfindende General- versannnluttg der Anwallskaffe aufmerksam gemacht und um rege Betheiligung ersucht. Zu Vorstandsmitglieder» wurdenBauer und Wilde, zur Revisionskommission Ohse II, Casper und Wasser in Vorschlag gebracht. In der Qktoverpcrsamnilnng des Vereins der graphischen Arbeiter(Filiale Berlin) wurde» zunächst die Quartals-Kassen- berichte erstaltet. 1. Vereinskasse: Eiunahmen und Ausgaben(unter letzteren 674,10 M. an die Haupikasse) 1476,35 M., Mitgliederbestand 643. 2. Maimarken: Einnahmen 202,75 M., Ausgaben 93 M., Bestand 109,75 M. 3. Sommerfest: Einnahme 260,60 M., Ausgabe 259,40 M. 4. Arbeitslosen- Uuterstützuugskaffe: Vortrag 470.85 M., Beiträge 189,15 M.. Ausgabe 67,75 M.. Bestand 592,25 M. Auf Antrag der Revisoren wurde de» Kassirer» Gut- lastung ertheilt.— Danach hielt Tischt ndörser einen Vortrag über den internationalen Arbeiterschutz-Kongreß in Zürich, dem der- selbe persönlich beigewohnt hat. Der Vorsitzende S ch ö p k e machte nun noch Mitlheilungen über vorgekommene Differenzen bei der Firma Enderweit, wo etliche Kollege» die Arbeit ohne vorherige Berathung mit der Verwaltung eingestellt halten. Unter denselben war nur ein Kollege organisirt; derselbe verlangte die Anerkenung der Arbeitsniederlegung, welche jedoch von der Verwaltung»nd Versammlung versagt wnrde. Schließlich ersuchte der Vorsitzende, ihm den Aufenthalt des Kollegen R ö d i g»littheilen zu wollen. In der Partei'versaniinlnng für Treptow-Banmschnlcnweg wnrde der Bericht des Vertrauensmannes gegeben. Nach demselben betragen die Einnahmen 289,30 M. und die Ausgaben 203,95 M., mithin bleibt ein Ueberschuß von 85.35 M. Von den Ausgaben wurden 36,20 M. für Agitation verwendet und 143,60 M. an den Kreis abgeliefert. Es fanden statt im Lause des Jahres: 1 Agi- tationStour, 4 Flugblattvertheilungen. 4 öffentliche Versammlungen. Die Zahl der„Vorwärts"-Abonnenten betrug 1896 63, 1897 72. Die Revisoren erklärten die Abrechnung für richtig»nd wurde daraufhin der Vertrauensmann entlastet. Zum Vertrauensmann wurde Ulbricht wiedergewählt. Es wurde» ferner gewählt: Als Dele- girte zur Kreiskonferenz: Ulbricht, Pietsch und Krahne; zur Lokalkommission: Beutler. Gnndlach nnd W o l l- s ch l ä g e r; zur Zeitungskommission: Krebs. Bär und W o l l- f ch l ä g e r. Beim Bericht der Lokalkommission ermahnt Pietsch die Parteigenoffen, das eine Lokal von Speer, welches für die Ar- beiter nur allein noch gesperrt ist, auch streng zu meiden. Alsdann gab Eberhardt«inen kurzen Bericht über die Verhandlunge» vom Hambnrger Parteitag, welchem eine kurze Diskussion folgte. Zi»l>»It»r KIId»»s«r>ti»I». Jnsclsir. 10, v. iTr. Mittwoch:?1 a l I on a l- dko n oiii ier»»dbeg>tsse der Nalionalöronointe: Dr. Eon v. Schmidt) Donnerstag:» c l ch i ch l e«Die vorgeschichrliche Zeit und die ersten geschichtlichen Ueberileserungen! Dr.e 18«: Nozirks-NovsLrtltIttlulrn für Süden und Süd-Osten. TageS-Ordnnng: 1. Vortrag des Genossen kz«-k»«ttv über:„Rövespierre" 2. DiS- kussion. 3. Veibalidsangclcgenheitcn nnd Verschiedenes. Um zahlreiches und pünltliches Erscheinen ersucht »le Ortsverwalteing. Aliitliiig! Zimmerer Aliit»»g! Xaiiti-ul-Ki-ilillteii- n.«lei- 26in»nvi-t?>- (Eingeschliebene HilsStasse Nr. 2, Hamburg). Oertliche Verwaltung Berlin. Donnerstag, de» 11. November 1897, abends 8 Uhr: Mitglieder-Versammlung i» den �.viiiinllnllen. Kommandantenstraßc SO. Tages-Ordnuilg: 1. Abrechming vom 3. Quartal 1897. 2. Vortrag des Genossen Dähnc über: Das Ilnfallversicherungsgefetz in der Praxis. 3. Berichterslatttmg des Bcvolimächtigten Düring über während seiner Thätigkcit passsrte Unfälle. 25-9/ t 7_ Ter Borstand. I. A.: August Gruse. Bariiimstr. 41 a. A«nl>! kllPkersvlimieäe.«hl«,! Große öffentliche Versammlung an» stivonuibenel, ,l«n 13. A'ovembcr, abends Vz9 Vtii-, in W'elnd'iG bialen, Wemstraße 11. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht über den Dispositionsfonds. 2. Bericht des Gewerkschafts- 'Delegirtrii. 3. Verschiedenes. 99/19 ZW- Der wichttgen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämmt- Ticher Kollegen uothlvendig. Der(kinberufer. Soziotess Ulitevuehmergewinne. Welch reicher Goldregen fortgesetzt in die Taschen der glücllichen Aktionäre fließt und ihnen als Lohn für ihr süßes Nichlslhn» die Früchte vom Fleiß der Arbeiter zuführt, zeigt folgende Blüthenlese ans neueren Geschäftsberichten von Aktie»- gesellschaslen. Da sind zunächst eine Anzahl von Brauereien, die ganz hübsche Dividenden abwerfen, nämlich„Schwarz" in Speyer mit 7 pCt.,„Schrödel" nnd„Kleinlei»", beide in Heidelberg mit je 8 pCt.,„Mannheimer Aktieu-Brmierei" nnd„Dnrlacher Hos" mit je 10 pEt.. die„Brauerei Eichbaum" mit 12, pCt. und die„Kloster- branem Röderhos" bei Halberstadt mit 17 pCt. Eine Dividende von 9 pCt. verlheilte die„Deutsche Verlagsanstalt". Die „Chemischen Fabriken Harburg„Staßsurt" klagen über ei» schlechtes Geschäftsjahr, trotzdem konnte» sie ihre» Aklionären 8 pCt. in den Schooß werfen. Eine ebenso hohe Dividende zahlte der„Härder Bergwerks- und Hüilenverein". Derselbe verivandte aber von dem erziellen Ueberschuß in Höhe von annähernd 4'/« Millionen Mark mehr als 2 Millionen für Abschreibungen, so daß also nur etwas über die Hälfte des Gewinnes als Dividende zur Aerlbeilung kam. Die„Chemnitzer Papierfnbrik" zu Einsiedel zahlte 9 pCt. Eine Dividende von 19 pCt. zahlte»: Der„Sicgen-Solingcr Guß- stahl-Aklien-Verein", die„Vereinigte Königs- und Laurahntlo", die „Tiabssteinbriiche" bei Neuwerk a. H., die„Akkumulatorenfabrik Aktiengesellschaft" in Berlin, die Akliengesellschast für Stahl- nnd Eisenindustrie„Archimedes" in Breslau, die„Sitzendorfer Porzellan- Manufaktur vormals Gebr. Vogel", die„Tuchfabrik Lörrach", das „Salziverk Heilbronn", die„Königsberger Pserde-Eisenbahit" nnd die „Vereinigten Pinsclfabriken" in Nürnberg, die sich bekanntlich sträuben, ihr Material, durch welches nicht seilen Milzbrand, und andere Krankheilen ans die Arbeiter übertragen iverden, einer gründlichen Desinfektion zu unterziehe» nnd zwar mit Rücksicht ans die Koste», die die Industrie nicht tragen könne. Die bekannte „Böllberger Mühle" zahlte IlVe pCt. und die„Witlencr Damps- mühte" zu Witten ä. d. Ruhr 12 pCt. Dividende. Einen Gewinn von der gleichen Höhe konnten die Aktionäre der„Berlin- Anhaltischen Maschiitenbau-Älktiengesellschast" und der„Wisseuer Bergwerke nnd Hütte»" einstecken. Der„Eschweiler Bergiverks- verein" warf 14 pCt. Dividende ab, während die Arbeiter dieses Betriebes ttnUr Tage mit 3,50 M.. über Tage tnit 2,30 M. enllohnt werden. Ein recht gules Geschäft macht auch die„Pfälzische Bank" in Ludwigshaseti, die 147» t'Cl. zahlt. Divi- deuden von 15 pCt. vertheilten: die„Sächsische Websttthlfabrik" in Chemnitz, die„Stahlwerke zu Meiderich" bei Riihrort nnd die „Bratinschtveigische Aktiengesellschaft für Jiile- nnd Flachsindustrie". Mit einer Dividende von 19 pCt. wurden die Aktionäre der „Dcnlschen Spitzensabrik" zu Lindenau beglückt. Die„Sächsische Ofen- und Chainottewaarenfabrik vorm. Etiist Teicherl" in Cölln giebt gelegentlich ihres Jubiläums bekannt, daß sie während der 25 Jahre ihres Bestehens durchschnittlich 1«'� pCl. vertheilt bat. Die Eußstahlfabrik in Döhlen bei Dresden zahlte 18 pCt. ii»d die„Zeiher Eisengießerei nnd Maschinenbau- Aktiengesellschaft", sowie die„Hannover'sche Portland-Zenieiitsabrik" sogar 20 pCt. Dividende. Aver diese horrendeii Geschäflsgetviiiiie sind»och nicht die höchsten. Es giebt einige Gesellschafteti, ans deren Kassen sich der Goldregen geradezu in Strömen in die Tasche» der Älklionäre ergießt. Die„Maschinenfabrik itlugstnirg" koiinle ÄZ'/e pCt. verlheilen; die„Kröllivitzer Papierfabrik" erzielte bei einem Aklienkapilel von 1 350 000 Mark einen Brutto- gewinn von 638 908 Mark, also nahezu 47 pCt. des Anlagekapitals. Als Dividende kamen 24 pCt. zur Vertlieiliing. Die„Vereiniglcn Gnmmiivaaren- Fabriken" z» Har- bürg zahlten 29 pCt. Die Älktionäre. des Eisenwerkes„Maximilians- hülle" i» Bodenberg koniilen 3» pCt. einsacken und die„Deutsche GaSglühlicht-Aktieiigesellschasl" warf den statllicheti Profit in Gestalt einer Dividende von 89 pCt. ab. Das heißt ei» Geschäft!.Die Arbeiter, die diese fetten Dividenden erarbeileit, sind nach Ansicht der„Herren" natürlich nnznfrieden, begehrliche Gesellen, wenn sie eine höhere Bezahl»««, kürzere Arbeilszeit, nberhgupl Verbesserung ihrer Lage verlangen! Ucbcr daS Francil- nnd Familicnrecht auf der Insel Nauru, die zu den unter deutscher Verivallu, ig stehenden Marschall- Inseln gehört, macht der dortige Bezirksaints-Voisteher I» n g interessante Mitlheiluiigeii. Die zur polynesischen Rasse gedöiendc Bevölkerung dieser Insel räumt der Frau fast in alle» Verwandtschaft- lichen, erb- und besitzrechtlichen Fragen eine vor dem Manne bevor- zngte Stellung ein. Die Bevölkernng ist streng in zehn Stämine ein- gelheilt, ivobei Ehe» zwischen Angehörigen desielben Stammes als schiveres Bergehen gegen das Gesetz der Blntsverivaiidlschast angesehen iverden. Kommen bennoch solche Ehen zu stände, so werde» die denselben eiitsprosseneu Kinder männlichen Ge- schlechls getödtet. Nach de», gleichen Grundsätze gilt die Ge- burt von Zwillingen verschjedenen Geschlechts als ein Unglück, da sich solche»ach der Volksanschauiliig schon vor der Geburt ver- ehelichen; nian tödlcl deshalb den Männlichen Zwilling, worauf der weibliche Zwilling von de», vermeintlichen Bergehe» enlsühnr ist. In der Erbfolge nehmen dje Kinder stets die Stammesziigehörigkeit der Mutter an. Zivischen de» Eheleute» herrscht Gülergemeinschaft; aber nach dem Tode des Mannes erbt die Frau das gcsnmmle Besttzthinn, ohne vor ihren» Tode den Kindern etivas anslieser» zu müssen, während beim Tode der Frau deren bewegliche Habe sowie ihre Schmucksache» sofort an die Töchter übergehe», oder ivenn solche nicht Vorhände» sind, vergraben oder feierlichst ins Meer ge- worfen iverden müssen. Eine Schwierigkeit enlsteht nun aber durch dieses Frauenrecht hinsichttich der Erbfolge in der Hänptlingswürdc. Uni diese dem einzelnen Staiiime zu erhalten, ist dem Häiiptling die Verband kt Wrik-, 8M-, HlWrbtlttt llild Zlrbeitenillim Deiitschlailds.(Zahlstelle Berti») vonnerstnx, den 11. November er., abend» 8Vj Uhr, im Colberger Salon, Colbergerstraße 23: T ag e S- O r d Ii n ii g: I Vortrag des Aenosscii 11. Ulllarg iibcr:„Das UnfaNversichcrungs'- Gcsetz mit besonderer Bcrückstchtigung der einzelnen Branchen." 2. Dtslussioil. 3. Vcrbaiidsangelegenheiten und Verschiedenes. 64/17 Kollegen und Küllegiiinen, erscheint zahlreich und pünktlich.— Gäste willkomme». Vle IZevoIlmltelitlgten. NB. Die Zahlstelle vo» E. Kerfi», Paiilslraße 32b, ist»ach Pauk- ftraste 3Sd bei«il! werde» soll. Die Inrislische Tprrchstnnde sindet in dieser Woche am Mitt- woch, Donnerstag n»d Tonnabend von S bis 7 Uhr abends statt. L. Nt» 199. Wie sollen wir daS wisse»? Fragen Sie doch bei dem Herrn selber a». (f.?N. Der Betreffende kann nur den wirklichen Werth der Äaune ersetzt verlangen. Den Aniprnch auf Vergiitigiing»lüffe» Sie einllagei».— Reese. Das Erkenntnis! ist zur gelegentlichen Beriverthung St. über- geben. Zu einer eingeheiideii Beiprechimg eignete eö sich nicht. Es wird herausgeiiicht»nd Ihnen dann ziiriiclgesendet werde».— H. M. 23. Sie inüffe» ii»r Ihren Gebiirtsschein und die Sterbe- Urkunde» Ihrer Eltern zwecks Training sich beschaffe».— E. M. 63. Einen Anspruch ans Stundung hat man nicht; ma» laim aber einen dahin gerichtete» Antrag stellen. WitlrriingSiidersicht Pom 9. November 1897. Wettrr-Prognosc für Mittwoch. 19. November 1897. Ruhig, zeitweise ansklarciid, vorwiegend nebelig und ei» wenig kälter ohne ivesentliche Vüederschläge. Berliner W e t t e r b n r e a n. Orts- Krankenkasse für das Sucttdruck- Getveriie zu Berlin. Ordentliche General-Versammlung am Wonntag,«len 21. IVovenibcr 1807, vormittags lkN/z Ilhr, in Uobn's Uestsillen tgrosser 8,»al), Renthstr. 29. T a g e s'- O r d»» n g: l. Antrag de? Vorstandes, die Kraiiken-Koiitrolle betreffend. 2. Be- sprechiiiig und Veschlußfaffung über eine geplante Zentralisation der Berliner OrtS-Krankenkaffeii, auf Aiiregiiiig der AussichtSbeHörde. 3. Ergänziingswahl des Vorstandes(l Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer). 3. Wahl deS RechinmgS- Ausschusses für 189S. 6. Etwaige Anträge der Mitglieder der General- Versammlung. 1766b Der Vorstand. Gustav Günther, Vorsitzender. Robert Thiele, Schriftführer. Orts- Krankenkasse fit das iSmetbe der liseliler u) Pimforte- Arbeiter zu Berlin. WP" General Versammlnng"NU der Bcrtretcr der Kassen-Mitglicder und der Arbeitgeber a»i Donnerstag, den 18. ATovember er., abends 8 Uhr, im große» Saale der Armin-Rallen, Kommandantcnstr. 20. TageS-Ordnilng: t. Bericht deS Vorstandes. 2. Wahl etiles KasssrerS. 3. Wahl von süns Vorstandsmitgliedern der ArbeUnchmer. 4. Wahl von zwei Vorstands- mitgliederii der Arbeitgeber. 5. Wahl vv» drei Revisoren zur Prüfung der Jahresrcchmmg. 6. Antrag betreffs Regelung der Malikogelder 1763b Der Vorstand. -»4A« �reb Dr. Iloesch, Tjinienstr. 149, 8-1- MOnlOODRlIl. 5~7> Sonntags 8—10, f. Bmst-, Unterleibs-, * Frauen-, Kinaer-, Haut-, Nervenkiankheiten Pollklinik Liesenstr. 17, 2-3 Uhr. 3009L* F«r de» Inhalt der Inserate tibernimmt dte Nedaktio» dem Pnbliknni gegennber ketnerlri Berantwortnng. TlzvÄkev. Mittwochs den 10. November. Opernhaus. Die Hugenotten. An- fang 61/2 Uhr. Tchanfpielhaus. Wilhelm Tell Anfang?>/- Uhr. Deutsches. Jugendfreunde. Anfang u/2 Uhr. Berliner. Renaissance. Ansang �'7- Uhr- Goethe. Die Jungfrau von Orleans. Ansang?>/, Uhr. Lessing. Hans Huckebein. Anfang ?>/- Uhr. Rencs. Kean. Anfang 7�2 Uhr. Residenz. Die vierte Dimension. Vorher: Finale. Anfang 7l/z Uhr. Schiller. Wallenstetn's Tod. Ansang 8 Uhr. Unter den Linde». Die Grob- Herzogin von Gerolstein. Ansang 7-/2 Uhr. Luisen. Die Rauber. Anfang 8 Uhr. ! Thalia. Tohu-Bohu. Ans. 7l/z Uhr. Ostend. Am Altar. Anfang 7'/2 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 'V- Uhr. Friedrich. Wilheliustndiisches. Die Räuber. Ansang 3 Uhr. Bekc-AIliance. Das Lied von der Glocke. Wallenstein's Lager. An- fang 7i/2 Uhr. Zllexanderplah. Im Sumpf. Ans. 8 Uhr. ReichShallen. Spezialitäten. An- fang 8 Uhr. Ameriean. Berlin, wie's näht und trennt. Anfang 8 Uhr. NPollo. Spezialitäten. Auf.?>/, Uhr. Frcn-Palaft. Spezialitäten._ Srszillov�T lzettkvv (Wallncr-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr, zum ersten Male: Wnllenstcin's Tod. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wallen- stein's Tod. Freitag, abends 8 Uhr, zum ersten Male: Wallenstein's Lager. Die Piccoloniini. Löisen-Tiieaier 34. Reichenbergrrsiraste 34. Abends 8 Uhr: Die Kiiulier. Trauerspiel in 5 Akten von Fr. von Schiller. Donnerstag: Das alte Ned. Schauspiel in 3 Aufzügen von Felix Philippi. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elektr. Bahn: Dönhoffplatz— Reichen- bergerstraste in ltt Minuten. Central-Tlieater Alte Jakobsir. 30. Direktion Ittchard Schnltx. Mittwoch, den 10. November 1897: Emil ThoninM a. G. Zum 68 Male: Berliner Fahrten. Burleske Ausstatiungspossemii Gesang und Tanz in 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Mannstäd t. Musik von Jul. Eiuüdshofer. Anfang Uhr. Morgen und die solgcnden Tage: Berliner Fahrte». Osteitd-Theater. Gr. Frankfuriersir. 1SL. Dir. C. Weist. Vorletzte Aufführung! Am Altar. Schauspiel in 4 Akten nach Werner's Erzählung in der„Gartenlaube", bc- arbeitet v. Blumenreich. Anfang 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: Grobcö — F r e i- K o n z e r t.— Donnerstag: Klippen der Weltstadt. Freitag, zum letzten Male: Am Altar. eivhshallen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Erfolg nnf Erfolg t Paxton's Galerie Paul Bäcker, der Gipsfigurenhändler. Die tollen Uforlays! Mel. Robertl! ? Das flammende Bäthsel? Ganz Berlin steht Kopf!! Anfangdes Konzerts T'�Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Entrse SO Pfg. Freitag, den 12. November; Benefiz Blanchard, ISjahriges .lubiläum. Zum ersten Male: Sylvia, die moderne Sphinx; Atalante, der unsichtbare Flug. Im Eeichshallen-Tnnnel: miitiir- Konzort Königin Augusta-Kapelle in Uniform. KonigHoher Musikdirektor 91. Przywarskl. AmfangS�ffhn�lntree�OPf fluarg's"" Vaudeville Theater Grand-Hotel Alexanderplast. Heute, Mittwoch. 10. November, bringen die 1. Orig. Bndapester(Lautzky u. Spitzer) Soiree Mandelbaum und MM-Klabrias-Parthie'�nE Morgen, Donnerstag: TC 1 a b r 1 a s-P a r t h i e. Freitazz, den 12. November: Zum 1. Male: Das Modell! Burleske mit Gesang und Tanz von Leoichard Haskel. Das Armband, Schwank nach dem Französischen v. Malw. Müller. Ferner fammtl. Spezialitäten mit neuen Nummern. Urania Tanbenstraase 48—40. Natnrkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissensohaftl. Theater. Invallrtcnstrasse No. 57/08: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr; Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tages anschlage Urania-Theater(Invaliden str. 57), Dir.: Dr. Koppen u. Dr. Stoedtner. «>>-»- i'fÄÄr° Bortrag mit farbigen Glasbildern. Passage-Panopticum. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Wiener Tanz* und Operetten- Gesellschaft. S'/j-lO Uhr. Castan's Friedrichstr. 165. liulisch- Uiii(I n titanische Bankier — und— Schlangen- Beschwörer. Das BÄRENWEIB. Volks- Theater im Welt-Rcstanrant 97. Dresdrner-Straste 97. Novität! Täglich: Novität! O diese Radler! Posten-Dilliksle von O N o c d e r. Das DaMnreglment. Operette von E 1 i,V.~ Musik von EinödshofLr. Anfang: Sonntags 6 Uhr!' Wochen- tags 7>/z Uhr. Stettiliei' 8-lNgef (Mehscl, Pietro, Britto», Steidl, Krone, Röhl. Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Eniree 59 Pf. Vorverkauf 49 Pf. (Siehe Plakate.) Menea Programm! Freitag: Viktoria- Brauerei. Ämeriean-TIieater. Dresdenerstr. 55. Mittwoch, de» 10 November 1897: Kolostaler Erfolg! Stürmischer Beifall I Zum 60 Male: Berlin wic'ö»äht»ud trennt Volksstück»i. Gesang in 2 Nbth. v. L. Elh. Musik von M. Schmidt. Ter Tranin von Bayreuth. Parod Traumbild Hugo Schulz als Seemann. Lina Stöcker Golk, Soubrette. Emmy und Ernst Rebentisch als Zuklinsts-Ehepaar. Paul Bendix. Humorist. Anfang der Vorstellungen: Sonntags 7>/z, Wochentags 8 Uhr. GebrUder»errnfeliTZ 1. Original-Budapester Possen- o. Operetten- Theater in Kanfmann's Variötß. Mar noch kurze Zeit die Sensations-Kassenstüoke Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. Ueberrasohende, hervorragende Spezialitäten. Gustav Schmidt, Phänomenal-Tenor. Ferner d. brill. Humoristen- Trio Stclnitz, Rose, Jtlr- gensen. Rarzella und Bcrtholdy, Equilibristen. Frl. Herrn ine von Seldem, Wiener Walzer-Sängerin. Anf. präz. V28 Uhr. Kassen- eröifnung>/z7 Uhr. i«r Torbereltang;-TPE Familie Kochsalz. Original-Lustspiel von Gebr. Hermfeld. Von Dreiend. Glücklichste. Gelegenheitsakt von Gebrüder Hermfeld. Apollo-Theater. Friedrichstr. 218. Dir 5.«Utck. Eamtlle Melss. Mr. Rapoll. Garmen Eaur. Ranfmann's Rinnst- Rad- fahrer-Troape. Robert Steidl. Mile. Berthe Duchamp. Der Kosmograf. llasteneröffnung: ß'/j Uhr. Anfang 71/3 Uhr. Tlsalia- Theater. Mittwoch, den 10. November 1897: Zum ZK. Male: Hotel VoKu»LoKu. (I-'Andorgs du Tohu-Lodn.) Vaudeville in Z Akten von Maurice Ordonnean. Deutsch von Viktor Lson. Musik von Viktor Roger. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Veen-RsTlost SS Bnrgstr. SS. DK.: Winkler& FrUbel. I Neu! Die Neu KaUet-Ratte». Hauptrollen Rtch. Winkler und Wilhelm F r ö b c l. Dazu daS neue sensationelle November-Programm u. a. Wotpert Tris— Greftens Adolphi u. Ernesto— Niefries — Frid Hanson- Ballet Bar- barina und die hier so beliebten lebenden Photographien. Anfang 7'/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. KonekrtKaus licipzigerstr.To.48. 3W Täglich:-WE Hoffmann's Quartett und Humoristen. Unkgng. Sonntag 7 Uhr Wochent. 8 Uhr. Ganz neu! Damen vom Ballet. Ter Handschuh. Pepita. Zum 212. Male: Lene, liebe Lene. Sanssouci Konzert- haas Kottbuser Straste Nr. 4 a. Dir. H. Pierry. Artistischer Leiter Jos. Aschinger. Neu! Tie Beilchenfee. Neu! '-- Volksstück mit Gesang von W. Gcricke. ttnvergll?�lichc, sensationelle �p-zialitäten. Ansang'de�Koiizerts: Wochent. 7 Uhr, sonntags 5 Uhr. Anfang der BoU�llung: Wochent 8 Uhr, SouV�äS« Uhr. «rosser Rt?"- Knlrkl" Wochentags � �l- lslitltt.. Sonntags Pi- Wocheni. Passe-partouts'-slOUD- Dicse Vorstellungen finden Sonntag, Dtenstog 11116 DonnersiW statt. H. Plcrr> ,-. Alcazar Variötä-Theater I. Banges Drcsdenerstrabe 52/53(City-Passage) Amienstrahe 42/43. Direktion Richard W i n k l e r. Boniehmster Familien- Ausenthali Ren! Siovität! Neu! Rer Herzvcrflihrer. Grobe Ansstattiiims-Operette in 1 Akt von Leo» Ely. Musik von Holländer. Neu! Vorher: Nen! In tansend Aengsten. Lustspiel in 1 Alt. Auftreten sämmtl. Kimst-Spezialitäten. ÄUflllljj' Wochentags 8 Uhr Sonntags ÖVi Entree 30 Pf. Uhr. Reservirtcr Platz 50 Pf. Maehr'sTheater Oranlcnstrasse 24 Cnnlich r- n. 8pezlal pezlallthten- II Theater Torstcllnng. Kovltllten-Prograniin. U, a.: I>cta Waldan, U. a.; bildschöne Kostüm- Soubrette. �eu! Mr. Gilfon Nen! and Miss Margaritta, Jongleur und Equilibrist. Neu!«in Blaustrumpf. Neu! Ullkllllll' Wochentags 8 Uhr. ?UI)Un||. Sonntags 6 Uhr. _ Preise wie gewöhnlich._ Clrciis Busch (Bahnhof B9rse). Mittwoch, 10. Novbr., abds. V/z Uhr: High'iife Fvening. Die vorzüglichsten Freiheiisdresturen des Dir. Busch.«1 Bolero, gcr. v. Sign. Corradiui und Fräulein Helene«orradini. Ziethen aus dem Busch, ein Husarcnstückchen. The greatest equestrian Act of the present time, ausgeführt von Geschw.«ottrell. Anstr. d. ercenk.- mnsikal. Klowns Gcbrllder Price. Gebr. Batta: Eine Beloctpedefahrt an der Zirlnsdecke. Zum Schluß: Nach Sibirien. Das grostartigstc aller Manbge- Schaustucke. Moxgen: Mach 81blrlen. Ein TsnzltHrn mit LlHiilerit wird verlangt Englischer Barten, Atexauderftr. S7e. «erankwortticher Nedaüeur: Angnst JaeoHey in Veriiu. Sur den JnsergteuiHeil Nalurpreiliger Guttick spricht heute, Mittwoch, Badstraste Nr. 19, und Freitag, den lS. November, abends S1/? Uhr, Admiralstraste 18c über: Dagmatismus undDhartsäerlhum für Gäste(Männer und Frauen). Der Borstand des Beretns für Körper- Staturheilkunde, Aleranderstr. 8. Sprechstunde: 11— 1 u. 6—8.— und Für die englischen Maschinenbauer gingen folgende Beträge ein: Tischlerei Kvhlert, Langestr. 53, 8,25, 2. Rate. Pianosabrik Rosenberg. Reichenbergerstr. 114, 3,—. Tischlerei Bormann, Zostenerstr. 10, 7,10. Tischlerei Walter, Brückensk. 2, 3,25, 2 Rata Streik- brecher von Martintckenfelde 26,65. Tischlerei Schrepp n. Ritter, Admtral- straffe 18c. 5,15. Tischleret Zoller u. Steinicke, Kaiser Wilhelmstr. 39, 2.—. Spiegelfabrik Egwitz, Grobe Frankfurierstr. 125, 4,40. Piano-Mechaniksabttk Wiffner, Reichenbergersir. 163a, 8,70 Klaviaturfabrik Buckihvlz, 2 Rate 15,70. Bautischlerei W. Harms, Anklamerstr. 35, 6,10. Bantischlerer Emluth, Dieffenbachstr. 33, 5,65. Pianofabrik Fürstenberg, Schönleinstr. 15, 1. Rate, 5,80. Möbelsabrik von Groschkns Gollnowstr 18/19, 2. Rote, 31.15 Möbelfabrik von G. Klug, Frucht- Straffe 31/32, 2. Rate, 26,80. Tischleret Arndt, Adalbert- Straffe 82, 2. Rate, 3,70 Modelltischlerei Flohs. Chausieestraffe 3,79. Bodnitz u. Seidel, 2. Rate 3,00. 5 Kollegen von Heckel, Neanderstr. 3, 3,50. Drechslerei Bredo, Schönhauler Allee 167a, 2. Rate 4,—. Perlmutt-Fabrik Hinze, Schinkestr 8,9, 4,15. Möbeltischlerei Hilienbeck u. Kroll, unter Ausschlüb 8 Kollegen. Königsberger- straffe 8, 20,75.'Tischlereien: Wnsterbarth u. Sohn, Alle Jakobftraffe 132, 2. Rate, 10,—. Gebr. Faul, Hagelsbergerstr 4, 4.65. Bollmann, Ruders- dorferstr. 26, 3,20. Pianofabrik Jaschmsky. Dieffenbachstr. 33, durch Schulz 6,70. Tischlerei Unrau, Groffe Franksiirtersttaffe, 3. Rate. 4.40. Modell- ttschlerei. Elisabethstraff«, 5,—. Bautischlerei Walz, Stralsunderstr. 7, 3,—. Drechslerei Wegeleben. Andreasstr. 32, 3. Rate. 3,75. Tischleret Stibitz «. Kövpchen, Thurmstr. 70, 4,20. Pianofabrik Hirschfeld, Ei!enbahnstrahe 19, 2. Rate 15,35. Tischlereien Borsutzkv u. Co., Oranienstr. 34, 2. Rate 18,—. Kraft, Furstenftr. 8, 7,—. Modelltischlerei Kärger, Krauistr. 52, 3,40. Pianofvrte-Fadrik Siewert, Nrbanstr. 102, 2. Rate 6,25. Tischlerei Maisch u. Walter, Waldemarstr. 14, 10,—. Klaviotur-Fabttk Schwohls u. Komp., Käpnickerstr. 154, 10,50. Möbelfabrik I. C. Pfaff, Zeughosstt. 3, 12,10. Möbelsabrik F. Röhn, Brunnenstr. 198, 2. Rate 18,—. Pianosabrik Otto, Liegnitzerstr. 3, 10,75. Möbeltischlerei Gebr. Geisler, Lothringerftr. 39(bis aus einen Unverheirathetenl, 2. Rate 10.20. Klaviatur-Fabrik Sührmg, Elisabeth- Ufer 11, 2. Rate 4,70. Möbelfabrik Wengler 11 Bohrmann, Kövenickerstr. 154, 6,30. Drei Drechsler von Braun, Fnlchtstr. 59, 2,—. Tischlereien Zahn, Elisabeth-Ufer 42, 3,75. Sawatzte, Bellealllancestr. 84, 3. Rate 6,50. Bölling u. Hirsch, Frankfurterstr. 44, 6,35. Pianosorte-Fabrik C. NoeSke u. Komp.. Alerandrinenstrabc 27, 8,50. Tischlereien: Peege, Rüdersdorferstraffe 48, 2. Rate 8,65. Ferd. Vogts n. Komp., Alte Jakobstr. 18/19, 2. Rate 26,45. Sauer, Mantenffelstr. 81, 8,—. Fock Kretschmer u. Komp., Barnimstr. 13, 21,90. Treue, Wienerstr. 44, 11,25. Deters, Fruchtftr. 32, 2,60. Krause, Gorilla u. Komv., Königsbergerstr. 29, 2. Rate 8,65. Pianosabrik Laurinat, Wasserthorstraffe, 2. Rate 17,25. Klaviaturfabrik Merseburg, Dresdenerstr. 97 7,55. Bautischlerei Goffow, Teliowerfk. 53, I Rate 10,—. Pianofabrik Hansen, Neuenburgerstr. 25, 12,25 Möbelsabrik Zelder u. Plothen nebst Budiker, Königsbergerstr. 26, 2 Rate 22,45. Tischlerei Oelschläger, Zostcner- straffe 41, 12,—. Modellttschlerei Schönemann, Müllerstraffe, 6,50. Tischlerei Elsholz, Saal 2, Krauistr. 52, 8,30. Tischlerei Man, Memelerstt. 40, 9,25. Pianofabrik Maybach-User 5 6,50. Weitere Beiträge nimmt entgegen der Arbeitsnachweis für Holzarbeiter, Annenstr. 39. �rrcüstser Puppen- Ausverkauf. 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Allen Genossen und Genossinnen Me traurige Nockiricht. daß meine liebe Frau 4maiie Piemming geb. �scbbrcnner am S.November, morgens 5 Uhr, vev storben ist. Die Beerdigung finde! statt Donnerstag, den 11. November nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuer Luisenkirchhof. Der trauernde Gatte Otto Piemming. Danksagung. Für die zahlreiche Betheiligung und Kranzlvenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes und Bruders Julius Jaekel sagen wir unseren herzlichsten und aufrichtigsten Tank. Namentlich danken wir aber dem Personal und Arbeitern der Stock- sabrik E. u. B. Noa und den Ab- ordnungen der anderen Fabriken. Marie Jaekel und Söhne. Eombwirke orSevtltede General-Versammlung der Vertreter der /trdeitxever imd Arbeitnehmer der Ortskranhenkasse der Maschinenbau- Arbeiter nnd verwandten Gewerbe zu Berlin am Donnerstag, den 18. d. M.. abends 8 Uhr, tm Griindel'scben Restaurant Hierselbst Brunnenstr. 188. Tages- Ordnung: 1 Bericht des Vorstandes über den Stand der Zentralisation der Ottski ankenkaffen Berlins. 2. Bericht des Vorstandes über den Ausfall des Prozeff Brauer. 3. Antrag bcS Vorstandes aus Herabsetzung der wöchentlichen Kaffenbeiträge sowie Erhöhung der Kianken-Nnter- stützungsdauer. 4. Wahl von 3 Re- visoren zur Prüsting der Jahres- rechnung pro 1897. 5. Antrag Brauer u. Gen. auf Abänderung deS letzten Absatzes des§ 50 des Statuts. 5. Per- schiedenes. 11757b ÜBZf- Anfragen und Beschwerden, zu welchen die Einsicht in die Kasten- bücher nothwendig ist, müssen bis zum 13. d. Mts. mündlich oder schrift- lich behnsS Beantwortung derselben in der Generalversammlung dem Bor- stände mitgetheilt werden. Nach Schluß dieser tombinirt«» Generalversammlung stndei in dem- selben Loknle und in geirrnnter Wahlversammlung eine General- Versammlung der Herren Bertreter der arbeit- gebenden und arbeitnehmendeti Mitglieder behufs Vornahme der Wahlen von Vorstands-Mitgliedern statt(1 Arbeitgeber und 2 Arbeit- nehmer.) AUF- Zahlreiches und pinktklcheS Erscheinen der Herren Vertrete» ist sehr erwünscht. Das Mandat legitlmirt. Berlin, den 8. November 1897. »er Verstand HansZeysslg. HSteinfelH Ich erkläre meinen Kollegen H. S toertzer als einen Ehrenmann und nehme meine Beleidigung zurück. C. Schneide», Langestr. 93/94. ArbeitMlirtt itung: Achtung! »olzarbeiter! In der Möbelfabrik von s2S3/7 Eberhardl,ii(jjaellrMclf Komvtoir Holzmarktstr. 21, stehen 65 Tischler, 5 Drechsler und 25 Polner im Str««. Zllziig iß ferWhalttn. Tüchttge Barockvergolder Liegnitzerstr. 15. gesucht 1738b Marmor- Hauer verlangt Wethenlee, Röikestr. 129. Zehn Karton-Arbeiteriiinen. geübte, o. Wolss, Neue Friedrichstr. 48. Tüchi. 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Zur Begründung ivurde in der Regierungsvorlage u. a. ausgeführt, daß die jetzige Regel des Voreides„geradezu als eine Q u e l l e des Meineides bezeichnel werden müßte." Der Voreid erfchivere eine Gegeilüberstellung mit anderen Zeugen, hindere oft eine Zurück- »ahme unwahrer Angabe», znmal sehr viele Zeuge» durch die ihnen neue Eigenartigkeit einer Gerichtsverhandlung in eine Unruhe ver- setzt werden, die selbst ei» richtiges Verstandniß und eine hinreichende Würdigung der vom lltichter oder von Prozeßparteie» gemachlen Fragen und Vorhaltungen unmöglich macht. Im Reichstag und aiich im preußischen ZIbgeordnelenhanse ist wiederholt auch auf de» rein mechamschen, nothwendige» Zusaunnenhang der richter- licheu Thätigkeil mit der Meineidsleislung eines Zeugen hingewiesen— kann doch kein Meineid geleistet werden, ohne daß der Richter de» Eid abnimmt. Die„Heiligkeit des Eides", hieß es insbesondere von koiiservativer Seile, ersordere. daß schon jetzt von dcr Befugniß der Abnahme eines Nach cidcs statt eines Vor eides häufiger Gebranch gemacht werde. Auch sei insbesondere bei Lappalien die Eidesteistung eng auf die zur Anklage gestellte That zlt beschränken niid Fragen zu vermeiden, deren Beanlivorlung eine seelische Tortur des Zeugen hervorzurufen geeignet sind. Wie wenig Erfolg alle diese Verhandlungen im Parlament und ähnliche auf kirchlichen Versammlungen erhobenen Vorhaltungen in der Praxis haben, zeigt schlagend eine Bagatellsache, die am 25. Oktober vor dem Schöffengericht zu Osterburg unter Vorsitz des konservativen Abgeordneten, Premier-Lieutenant a. D., Ritter- gnts-Besitzers und Aiiilsgerichlsralhs Himburg zur Verhandlung gelangle. Dort war eine Frau Voigt angeklagt: I. Wasser ans eiiiein Feilster nach der Straße zu gegossen zu haben, ferner sollte sie eine Schnitterin Plötz durch die Anrede„schivarze Hexe" beleidigt haben. Die Angeklagte wurde wegen der Uebertretung zu einer Mark, wegen der Beleidigung zu drei Mark verurlheilt. In der Verhandlung wurden als Zeugen die Beleidigte und ein Arbeiter Held vernomnie». Beide schilderten den zur An- klage gebrachten Vorfall in» Sinne der Anklage. Am Schluß der Verhandlung»vurde jedoch der Arbeiter Held wegen dringende» Verdachtes deS Meineids durch das Gericht verhaftet. Und das kam so. Der Borsitzende ver- nah»» zunächst die ledige Schnitterin Ploetz. Nach ihrer Beeidigung schilderte diese de» Sachverhalt und thcilte aus Befragen uiit, daß sie aus demselben Gut ivie der gleichfalls ledig« Held arbeite»»id mit diesem eine nur aus Stube und Küche bestehende Wohnung theile. Der Vorsitzende fragte die Zeugin, ob sie mit Held in wilder Ehe lebe. Die Zeug»» verstand diese Frage nicht. Sie ivurde dann befragt, ob sie in intimen» Verkehr mit Held stehe. Auch diese Frage schien das Mädchen nicht zu verstehen. Aus die dann vom Borsitzenden an sie gerichtete Frage, ob sie»n geschlechtlicher Beziehung zu Held stehe, erwiderte die Schnitterin:„Das kann mir keiner beweisen". Der Voisitzende versuchte der Zeugin klar zu machen, daß er nicht wiffe» wolle, ob ihr jemand das bciveisen könne, sondern ob sie thatsächlich in ge- schlcchllichem Verkehr zu Held stehe. Die Zeugin verneinte diese Frag«. Aus de» Vorhall, daß eine falsche Aussage sie eventuell ins Zucht- haus wegen Meineids bringen könne, beantwortete sie die aberinals an sie gerichtete Frage mit ia. Nunmehr wurde der Arbeiter Held als Zeuge aufgerufen und voin Vorsitzende» beeidet. Auch an diesen Zeugen richlele dcr Vorsitzend« die Frage, ob er in wilder Ehe lebe,»»d als der Zeuge diese Frage nicht verstand, ob er geschlechtlichen Ver- kehr zu der Plötz habe. Auch dieser Zeuge erwiderte zunächst: Das kann mir keiner beweisen. Die dann wieder- holt gestellte Frage verneinte er. Der Vorsitzende»nacht de» Zeuge» auf die Folgen einer falsche» Behauptung aufnierksam, ohne i h in vorzuhalten,»v a s d i e P l oe y über denBer- k e h r bereits bekundet hatte. Der Zeuge verblieb bei seiner Verneuiilng. Die Schnitterin Ploetz»vurde»uiiinehr von» Richter betragt. ob der Verkehr häufiger gewesen sei. Diese Frage ivurde bejaht. Das Gericht beschloß sodann dieVerhastung des Zeugen Held»vegen drin gen den Verdachts des vorsätzlichen Meineids. Diese Verhandlung drängt die Frage aus die Lippen: mußte denn nach dem heuligen Gesetz so, wie hier geschehen, verhandelt »verde»? Die Antivort ist: Nein! Zunächst bestimmt Z 60 der Strafprozeß- Ordnung, daß schon letzt„ans besonderen Gründen" die Beeidigung eines Zeugen bis nach Abschluß der Vernehmung ausgesetzt werden kann. Von dieser Besligniß hätten sicherlich in einem Falle,»vi« dem vorliegeiiden, 99 pCl aller preußischeu Richter Gebranch zu machen sich veranlaßt ge- sehen. Ferner aber:»var denn dieFrage»öihig? Auch dies möchten wir unbedingt verneine». Wir halten die Frage geradezu für»>»- zulässig. Es kann dahingestellt bleiben, ob die intimen Be> ziehunge» zwischen den beide» Zeugen überhaupt»»it dem Gegen- stände der Anklage in irgend einer Beziehung standen; uns ist ein solcher nicht ersichtlich. Nahm aber das Gericht an, es käme für das Urlheil»ach irgend einer Richtung auf die Erforschung eines geschlechtlichen Verkehrs zivischen de» Zeugen a», so genügte die bereits ersolgte Bekundung, daß die gemeinschaflliche Wohnung beider Zeuge» ans Stube und Küche bestehe. Vollends»var die Frage a» Held überflüssig,»achdem sie bereits von der Echnilteri» bejaht»var. Es ist»»verständlich,»vas der Jtichler denn eigentlich mit seiner Frage ersorsche»»vollte, nachdem ihn» die Wohnungsverhältnisse der beiden bereits geschildert»varen. Die Antivorten beider»lachen es klar, daß sie den Sinn der Frage des Richters unter diesen Umständen nicht verstanden, ja nickt verstehe» konnte». Sie mochten beide annehmen. daß doch»vohl der Richter unmöglich von ihnen wiederholt wissen wollte, was sich bereits aus ihrer Schildernng der Wohnungsverhältnisse ergab. Sie mögen angenommen haben, es solle sich um die Frage Handel», ob ihr Verkehr Folgen gehabt habe oder dergleichen. Aber mag dem sein ivie ihm»volle, wie tonnte der Vorsitzende es unterlassen, dem Zeugen Held niilzulheilen, daß die Frage von der Schnitterin bereits beiahl»var? Die reserirle Verhandlung erweist klar, daß die beabsichtigt« Aenderung der Regel des Voreides in einen solche» des Nacheides nicht zur Verringerung der„Ouelle des Meineids" genügen»vürde. Es wäre noihivendig, überdies ausdrücklich dem Gericht die Befragung über überflüssige oder unzulässige Fragen zu unler. sagen, ihm die Vorhaltung entgegenstehender Aussagen vor der Beeidigung zur Pflicht zu machen. Eingelaufene Druckschriften. von der„Neu«» Zeit" tSiuliaarl, I. tz. W Dieh- vertag»»l» toebe» das ? Hesl de» l». Jahrgang« erschienen. Au« dein Inhal! heben wir hervor: AlademiIcheZ- Unsere Bslheiligung an den vreußischen Landlagiwahlen von Augufl Bebel-- Dl« öronomilchen Erundlagen der Mullerherrschafl von Heinrich Cunow Jorlsetzung- Die Briese von«arl Mar; über den Krim- krieg und die Onenlsrage von Eduard Bernstein.— Ltierartsche Rundschau. — Jeuilleion Ter gelbe Toinino. Roman von Marcel Prevoft(Forlsegung.) von dei»Sirich h-i». geillch»» für vi, Jnieresseii der Arb-Ueri»»-»»Tiuilgarl Tieg- Verlag) ist u»« soeben die Rr. SZ de» 7. Jahrgang»,»gegangen. Au» dem Inhal, dieser Nummer hebe» wir herror: Weiblich«� Fabrik- »»lpekioren- Der Kongreß der gemätziglen Frauenrechllerinnen ju Stullgart. — Au» der Bewegung.— Fcuillelon Krieg. ilLedichl.) von Sivaiopluk Tech. - Di« Schwelle- Bon Turgeiness-- Noliz-iUheti von Lily Brau» und Klara Zeilm: Arbe>l»bebingunge» der Arbeilerinnen.- Frauenarbeil aus dem Se- diele der Indus»,»i. de» Handel«- und Verkehrswesen»- Kinberardeil.— Wirlhlchaslliche Kample.- Soitale Sel-sgevuirg.- Fraueiidsw-gung. Briefkasten der Redaktion. F.«..Grüner Weg. Die Höhe der ErMchastSsteuer in Preußen richtet sich darnach, an wen die ürbichalt gefallen ist Der Erbanfall wird ver- steuert: mit 1 p G»., wenn er an Personen gelang», welche dem Hausstande des Erblassers angehört und in demselben in einem Dienstverhältniß ge- standeii haben. losern der Ansall»n Pensionen, Renten oder anderen aus die Lebenszeit der Bedachten beschränkten iflutzungen besteht, die ihnen mit Rücksicht aus dem Erblasicr geleistete Dienste zugewendet werden, in it 2 p G t., wenn der Erbansall an adoptirte Kuidcr oder deren Deszeiidciiicn(Nachlommen), voll- und halbbürtige Geschwister und deren Deszendemeii.»ut 4 p G I.. wenn er a» fernere Venvandie bis einschließlich zum sechsten Grade, an Stiefkinder und deren Deszendenten und Stieieliew. an Schwiegerkinder und Schwiegereliern. außereheliche vom Erzeuger erweislich aiierlannte Kinder; mit 6 pG»., wenn er an weiter« Verwandte gelangt. I» Ihrem Fall scheint demnach der Steuersatz» pGl. zu betragen Befreit von der Erbschaftssteuer ist im allgemeinen jeder Anfall, dessen Betrag io» M. nicht erreicht. scder Ansall an Aszendente» (Eltern, Großeltern u. s. w.). an eheliche Deszendenten, uneheliche Kinder der Rachlasieriii(Mutter), an Ehegatten. an HauöstandLpersviieil; bei einem Betrage bis 000 M. an Fislns. öffentliche Anstalien. Armenverbandc, Ariiienanstaltc». Krankenanstalten. Waisenanstalicn und milde Stiftungen, an öffentliche Schulen. Universiiätcn, Museen u. bergt., sowie a» deutsche Kirchen oder Religionsgelellschasten._ r Hermann Hiller, MLandsbergep QC , Strasse 0ü. Eleg. Costume, in all. Färb. u. Weit., v. I8-3KM. iWi-tazni, S.?Ä Farben, von 5—15 M. wallen Stoffen , tu. Seide u. angewebt. Futter, v. 10— 20 M. ~ i aus », engl u. glatten Stoffen,». 10-20M. ~..... mit Cape , extra zu tragen, englische und glatte Stoffe, von 10.50-3« M. 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(Ohne Bewähr) «8 263 820 92 513 82 707 62 816 4216 39« 448 608 «14 8064 171 305 46 66 160 00] 68 406 59 688(80001 63 87 923 i» 04 99 118 43 424 609 966 96(3001 4006 10 14 122 96 246 319 28 504 625(30001 46 741 69 5167 286 812 484 644 96 97 708 20 991«143 284 331 87 448 70)0 116 39 81 265 66 507 8 633 719(80001 76 951 8004 48 145 202 339 79 680 785»<07 62 89 122 279 426 98 534 778«10 13000] 91(5001 96 960 10054 78 134 250 67 303[300] 26 44 53 92[600) 414 16001 19 510 695[3001 799(5001 11012 27 218 663 67 79 89 745 822 910 75 J»o71(8001 174 299 334 S2 602 1300] 811 59 946 18028 168 261 376 547 620 66 703 14059 113 22 295 323 78 461 66 77 566 814 18(30001 83 [3000] 974 1 5008 88 84 170 224 32 415(1500) 740 939 16026 181 399 400 546 88 664 841 74 1 7202 90 859 422 522 613 4? 762 866 922 64 18209 39 50 395 452 509 13000] 62 693 780 841 42 58 74 1»1C3 415 598 710 66 801 96 «0068 146 265 89 456 62 95 514 89 747 828 98 910 75 93»1372 465 87 531 86 651 63 840 77[300] 922 88 ««204 18 417 560 87 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November 1831,„achmittag», Nur die Gewinne«der»10 Marl sind den detreffende» Nummer» in Parenihese deigesügt. (Ohne Gewahr» 109 36 79 343 660 96 647 745 1115 72(1500) 81 296 478 632 660 737(300) 84 91«094 108 69(8000 242 72 325 87 417 72 558 66 820 947(100 00) 8104[SOOl 15 237 465 88 642 6x0 34 820 4067.129 58(15001 222 368 466 71 500 1300) 84(500) 610 73 780 85 5145 299 480 13001 506(500) 90 99 63« 752 848 961 69«069 101 49 257 314 528 32 6«6 828*025 162 96 202 454 665 91 740 72[500) 803 974»077 94(1500) 113 476 509 80 97 928 45»2>7 526 141001 179 889 96 478 783 817 46 75 980 92 1101? 88 128 93 332 853 1*110 260 887 632 79 673(500) 818 ISOeS 89 1t» 14 845 751(300) 845(8000)»44X8 86 609 -M»» m«Ä«WU»-««' 94 320 10 44 829 i 331(1500) >494 518 33 603 73 969 1H029 85 98 285 510 835 89 96 1�.1»025 130 9» 288 813 420 555 88 689(1500. � I 872 924 67 .2)0071 201 87 801 669 92 700. 617 32 94 713 81 81075 230 318 666 »»372 13000] 493 500 28 48 74 625 798 2/ 807 948 64 88 98 88009 52 103 9 224 (600) S8 968 79 489 510[5001«81 872»4104 511 48 56 67 736(SUOOJ 49 841*5100 81 93 228 82 330 413 91 1800) 532 ISüdOJ 908*«016 141 258 330 407 562 636 90 884 97 2*382 79 430 70 595 642 65 70 795 818 910 68 ::»273 527 90 816 42 916(8000)*»092 288 308 629 618 8 6 »W466 582 62 730 61 805 31026 170 602[15001 61 754 69 9S0 8*144 404 14 99 033 55 938 8.4602 281 11600) 884 96 500 72 678 746 813 84386 461 565 740 84 930 85218 309 98 446 75 84 509 056 93 641 903 12 :»«U0 247 87 308 18 458 70 80 603 46(800) 689 923 33 *9222 99 466 504 8« 785 36 881 904 28»»125 385 470 614 787 835 71 B0095 842 99 480 87 615 650 53 95 -10010 63 850 51 421 650 760 75 965 4 1 556 659 91 «18 84 4*085 217 92 825 36 1500) 47 410 22»3 54« 71 "M" 118 S« 88 77 216 890 74 817 11500) 407 677 »»WWWWWWR I 91 46150 68 208 394 6U6«68 830 40 909 40001 100 49 64 329 70 521 94 785 883 49106 27 87 258 355 823 87 4»294 430 (300) 34 35 500 95 684 719 801 1300] 81(500) 81»51 «353 94 617 644 705 804 85(16001 963 84 [600] _________ I________ mfgmm ■398 54120(1500) 479 597 654 82 935 55034 142 428 49 640 76 775 829 972 56209 70 738 839 953 5*257 325 425 92 523 711 60 819(30001 58028 451 623 835 37 50059 107 8 274 426 706(500) 86 865 928 •«0X0[30O1 92 116 272 533 tibi 85 96 903 13«2 «1099 171 356 438 73 517 709)500) 952 0*063 533 54 «88 805 69 927 43«3143 219 8X3 477 664 91 748 56 800 •40.30 165 474 702 47(500) 937 1500)«5391 410 600 ««OOS 311 69(3000) 70 465 5x1 62 609 7 26 64(16001 89 «68 74«7271 328 50(500) 97 616 071 843«H0U7 174 97 206 58 61 817 442 13000) 86 784 828 85 51 954 55«»071 156 591 98 803 935„ 70020 28 4 5 281 818 40«8(500) 477 686 91 899 *1463 669 647 872 910 58 78021 74 226 380 448 570 81 671[80UÜJ 94 713 40 911 73102 373 87 421 71 80 I30O1 «23 656(500) 812*4288 93 306(5X0) 60 410 546 55 620 983*5488 541(3x0) 43 62 656*0029 56 349 65 69 464 686 625 84 718 830 902 63**002 164 201 74 486 92 630 67 99 810 78045 112 29 70 81 739 911(300) 69 89*»068 80 136 238 44 306 77 474 688 827(30X0)61 »0021 27 227 881 462 660 620 41 707»1134 242 814 34 52 589 622 8*049 429 659 747 13000] 56 72 834 83022 127 356 641 93 621(300) 766 82» 67 91 84197 278 81 96 410(5X0) 98 526 86 700 27 83100 52? 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Tv. Gl»de in Berlin. Druck und«erlag von M««ading in Berlin.