Frauenstimme Nr.4>42.?ahrg�1"BCXlüQC zum Vorwärks I �.5ebruar 1425�1 Ist unsere%\ Wenn wir die Literatur fast aller Länder seit Jahrhun- derten verfolgen, so können wir beobachten, daß immer die ältere Generation über die Sittenverderbnis der jüngeren klagt. Da man aber doch keineswegs behaupten kann, daß in den verschiedenen Kulturländern sich die Sitten von Gene- ration zu Generation wirklich verschlechtert hätten, so ist man gezwungen, anzunehmen, daß hier nichts anderes vorliegt, als ein sich immer wieder zeigender Mangel an Verständnis der Alten für die geänderten Lebensbedingungen und die sich daraus ergebenden veränderten Anschauungen der Jugend. Tatsächlich hat sich die wirtschaftliche Lage und haben sich infolgedessen die Gewohnheiten der Frauen in dem letzten Jahrzehnt noch mehr geändert als die der Männer. Der Krieg hat in grausamster Weise die wirtschaftliche Emanzi- pation der Frauen erzwungen und als Begleiterscheinung dieser letzteren stellte sich die geistige Selbständigkeit zahlreicher Frauen ein. Die meisten von ihnen mußten jetzt erwerben, ihr Einkommen selbst verwalten und ihre eigenen und ihrer Kinder Interessen sowohl den Unternehmern als den Behörden gegenüber selbst wahrnehmen. So haben sie unter Sorgen und Qualen sich doch als selb- ständige Menschen zu fühlen und sich der Vormundschaft durch das andere Geschlecht zu entwinden gelernt. Ja, der Krieg hat sogar die Rollen vertauscht: die Frau lernte über sich selbst verfügen, während der Mann unter den eisernen Zwang der Kriegsmaschine geriet, die jede seiner Regungen meisterte. Das Ende des Krieges hat wohl manch« der schroffsten Ver- Lndemngen wieder teilweise rückgängig gemacht. Nach und nach gaben viele Frauen, die während der Kriegsjahre berufs- tätig waren, besonders Mütter mehrerer Kinder, die regel- mäßige Erwerbsarbeit außer dem Hause wieder auf, blieben aber doch bemüht, sich durch Heimarbeit und Gelegenheits- arbeit einen gewissen Grad wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu bewahren. Die Frauen erhielten jetzt in vielen Ländern das Wahlrecht und diezivilrechtlicheGleichstellung mit den Männern, und wenn auch in bezug auf diese letztere die neuen Gesetze noch lange nicht durchweg lebendige Wirk- lichkeit geworden sind, so haben sich doch unter ihrem Einfluß die Arbeitsbedingungen der weiblichen Angestellten und Ar- beiter denen der Männer wesentlich genähert. Die größere wirtschaftliche Selbständigkeit der meisten Frauen und insbesondere der jungen Mädchen, ihr durch diese Selbständigkeit und durch ihre rechtlich« Gleichstellung mit den Männern gehobenes Selbstgefühl konnte nicht verfehlen, das Verhältnis der beiden Geschlechter zueinander wesentlich zu verändern. Der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung mußte auch die Gleichberechtigung auf sexuellem Gebiet folgen. Seit vielen Jahrzehnten hatte die Frauenbewegung die Gleichstellung der Geschlechter aus allen Gebieten leidenschaftlich angestrebt, aber auf keinem hat sie so geringe Erfolge aufzuweisen gehabt als gerade auf dem des sexuellen Lebens. Das hat sich nun binnen kurzem sehr wesentlich ge- ändert. Die Vorgängerinnen unserer heutigen weiblichen Jugend haben vergebens gefordert, daß die Männer den gleichen Bindungen wie die Frauen unterworfen seien, daß sie vor und in der Ehe die gleichen Keuschheitsregeln befolgen sollen, die sie selbst für die Frauen ausgestellt haben. Diese Forderung blieb stets unbeachtet und wurde nicht wenig ver- lacht: die weibliche Jugend von heute predigt nicht mehr den Männern Enthaltsamkeit, sondern nimmt für sich die gleiche sexuelle Freiheit in Anspruch, wie sie die Männer immer als ihr Recht angesehen haben. send veröerbt? Was aber die in den alten Vorstellungen Befangenen al» schwersten sittlichen Versall ansehen, ist doch im Grunde nicht» anderes als eine Erschütterung der alten, längst faul und ver- logen gewordenen Gesittung, die noch nicht zur Ruhe gekom- men ist. Ohne Zweifel wird sich nach einiger Zeit wieder ein Zustand einstellen, der den neuen Verhältnissen entsprechen und darum den meisten Menschen als der von der Natur gegebene erscheinen wird. Die alte doppelte Moral, die den Männern jedes Laster zugute hält und die Frauen zu einer Tugend verurteilt, die gar keine ist, sondern nur als ein Zeichen ihrer Versklavung betrachtet werden darf, wird sicher- lich nicht wiederkehren. Gleiches Recht für beide Ge- schlechter, auch in bezug aus das sexuelle Leben, wird von der öffentlichen Meinung, die sich täglich mehr an die Gleich- berechttgung von Frau und Mann gewöhnt, anerkannt werden. Aber gleiches Recht an sich muß noch lange nicht einen kulturellen Fortschritt bedeuten. Wir müßten e« lm Gegenteil als kulturellen Rückschritt betrachten, wenn nun tatsächlich die sexuelle Anarchie, der die Männer verfallen sind, mit allen ihren abscheulichen Folgen auch auf den größten Teil der Frauen übergreifen sollte. Erst dann wird die sexuelle Gleichberechtigung der Geschlechter als ein Gewinn bezeichnet werden dürfen, wenn als deren Grund- läge eine von Lüge und Heuchelei befreite, nicht mehr durch Sklavengesetze geknebelte, aber durch den geistigen Ausstieg beider Geschlechter beseelte und veredelte Erotik dienen wird. Trotz allem, was heute über die Verrohung der Jugend ge- sagt wird, sehen wir doch, daß ein solcher Aufstieg vor sich geht. Wir brauchen nur das Zusammenarbeiten von Män- nern und Frauen in jeder Arbeiterorganisation zu beobachten, um zu erkennen, daß gerade mit Hilfe diese? Zu- sammenarbeit die Männer gelernt haben, die Frauen viel höher zu achten, als das je vorher der Fall war. Wir müssen nur das Leben in unseren Jugendorganisationen kennen, um zu wissen, daß die heranwachsend« Arbeitergene- ration gar nicht mehr die veralteten Begriffe von der Minder- Wertigkeit des weiblichen Geschlechtes kennt. Und wenn wir schließlich die Tätigkeit unserer Jugendorganisation mit Inter- esse oerfolgen, so muß in uns die Zuversicht entstehen und immer stärker werden, daß unsere Jugend zu einer Gesittung heranwächst, die nicht nur etwa Erlösung der Frauen von dem Zwang alter und sinnloser Vorurteile, sondern auch die Er- weckung der Männer zu ernstem Verantwortungsgefühl auf geschlechtlichem Gebiet bedeutet. So sicher als unsere Mädchen es lernen müssen, ihren berechtigten Freiheitsdrang mit jenem weiblichen Stolz zu verbinden, der jede geschlechtliche Verbindung oerschmäht. von der nicht auch geistige und seelische Gemeinschaft und über flüchtige Begehren weit hinausgehende Dauer zu erwarten ist, so muß auch unsere männliche Jugend lernen, daß sie durchaus kein Recht hat, von den Frauen mehr Treue und Reinheit zu erwarten, als sie selbst entschlossen ist, ihnen dar- zubringen. Wenn solche Anschauungen über die Pflichten, die da« Ges�lechtsleben auferlegt, allgemein anerkannt sein werden, dann erst können wir zu einer Veredlung der sexuellen Be- Ziehungen gelangen, wie sie früheren Generationen unbe- kannt war, wie sie aber einzig und allein der s o z i a l i st t- schen Weltanschauung entspricht. Therese Schlesinger. Die erste Zeitung für Arbeiterinnen. Von Anno Bios. IV i houtiarn Generation ist als erste und einzige sozialistisch« Zeitschrist siir Arbeilerinnen nur die„Gleichheit' bekannt. Doch hat dtcse schon Vorläuferinnen gehabt, und zwar erschien die erste sozialislilchc Frauenzeilung im Jahre 1886. Diese Zeitung hieß „Die Staatsbürgerin', Organ für die Interessen der Ar. beiterinnen und der Zentral-Kranken- und Bcgräbntskasse für Frauen und Mütchen in Deutschland', cherausgeberin dieser Zei- tung war Frau G u i l l o u m e- S ch a ck. Sie erschien in Ossen- dach o. M. Allerdings betrug die Dauer ihres Erscheinens nur sechs Monate. Der ittame von Frau Guillaume°Sä)ock gehört heute auch schon fast zu de» vergessenen. Das ist undankbar, denn diese Frau war eine der erste» mutigen Vorkämpferinnen für den Sozialismus. Sie diente ihm zu einer Zeit, wo alle die geächtet und rerfolgt wurden, die den Mut besabcn. sich offen zur Arbeiterbewegung Zu bekennen. Frau Guillaume-Schact hat aber auch sonst viel Mut gehabt. Sie hat mit vielen Traditionen gebrochen, als sie zum Sozialismus kam, denn sie entstammte einer der ältesten schleflschen Adelssamilien, der Grasen Schock. Die junge Gräsin gehörte zu jenen Menschen der Aristokratie, wie man sie ja heute auch zu- weilen noch findet, Menschen, die sich begeistert in den Kampf sür die Freiheit stürzen, weil Adel ihnen unvereinbar erscheint mit Unfreiheit. Die Eltern liehen ihr Kind auf dem Lande aus- wachlen, ohne ihrer Entwicklung Hemmung anzutun. So wuchs das junge Mädchen ohne den traditionellen Zwang der Adelskaste auf. Sehr jung machte sie aus einer Reise in die Schweiz die Vekanntschast eines Künstlers namens Guillaume, dem sie als leine Gattin nach Paris folgte. Die Ehe wurde aber bald getrennt. Gertrud Guillaume-Schack blieb zunächst in Paris und wurde dort durch einen Pastor Follot eingeführt in die Welt des furcht- barsten Jammers und der Rechtlosigkeit, der sich in dem Worte »Reglementierung der Prostitution' birgt. Frau Schock beschloß, den Kampf siir diese' Arbeit in Deutschland auszunehmen. Di« bürgcr- kiche Gesellschaft, der es ja meist bequemer ist, die Augen zu ver- schließen, statt gegen Vorrechte und Vorurteile zu kämpfen, ent- rüstete sich über die mutige Frau, die den Mut hatte, sich mit den, Schicksal der Slroßendirnen zu beschästigen. Von vielen Seiten ver- kannt und verleumdet, wurde Frau Guillaume-Schack In Darmstadt wegen groben Unfuges angeklagt. Schließlich saß aber an ihrer Stelle die ganze Sittenpolizei auf der Anklagebank, und sie wurde jreigesprochen. In der Erkenntnis des engen Zusammenhanges zwischen sozialer Rot und Prostitution erhoffte Gertrud Guillaume-Schack mehr Verständnis bei der Arbciterschast und wurde bald über- Zeugte Sozialdemokratin. Sie gründete den„Verein zur Vertretung der Arbeiterinnen'. Die bürgerliche» Frauen wollten in aller Arbeit das politische Element ausschalten, und daher kam es da- mals zur Trennung zwischen bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung. Frau Guillaume-Schack«orderte nun als eine der ersten de»?- scheu Frauen die politilche Gleichbrechtigung der Geschlechter. Sie brachte im Reichstag einen Protest ein gegen die Beschränkung der Frauenarbeit In den Fabriken. Sie gründete in kurzer Zeit 16 Arbeiterinnenvcreine und gab in Ossenbach in Hessen dos Ver- »lnsorgan„Die Staatsbürgerin' heraus. Die sozialistische Welt- »n|[chauung vereinigte die Arbeiterinnen im Gefühl ihrer B> druckung. Ader noch war sie nicht zur klaren Durchdringung ge- kommen. In ihrer Einführung erklärt die Herausgeberin. die Zei- hing wolle sich nicht begnügen mit Mitteilungen„über das. was üdeiall mode Ist oder gekocht wird'. Di« Staatsbürgerin Hat die Staatsverpstichtung als Formel für all«,, überpersänlichen Dienst »n der Allgemeinheit. Noch ist die körperlich« und geistige Ent- Wicklung der Frauen gehemmt, weil alle Gelege zugunsten des Mannes entschieden werden. Die Frauen sollen Bundesgenosstnnen w«rden, um Stoatsbürgerrcchte zu erringen.„Arbeiter und Ar- beiterinnen müssen Hand in Hand ihren schlimmsten Feind, die Konkurren.z, zerschlagen und begraben.' Die Zeitung wendet sich gegen die Beschränkung der Frauen- «rbeit. Sie bekämpft das Trucksystem und forden den Nonnal- »rbeitsiag. Erfolgreich und bedeutungsvoll war der Kampf gegen dl« Einführung des Rästzolles, da die Näherinnen damals das Gain selbst liesern muhten. Dom Beritner Magistrat wurden Ge- werbeschiedsgerichle sür Frauen gesordert. Aber dieses„Hinein- wische» in Politik' lenkte die Aufmerksamkeit de» Behörden auf sich. Die„Staatsbürgerin' enthielt auch viel statistisches Material. Hier wurde auch der Plan eines Streiks der Mäntelnäherinnen «rörtert, und.es ist interessant, daß Stöcker damals mit den Führe- rinnen wegen Tellersanimlungcn zugunsten eines Streikfonds ver- handelte So hat die„Staatsbürgerin' den Grund gelegt zum Kampf um die staatsbürgerliche und menschliche Gleichbereebtigung der Frauen. Aber dauernd wurde ihr Inhalt wie auch die Arbeite- rinncnvcrsammliingen kontrolliert und gestört. Mutig wurde der Kampf gegen die Polizcischikancn geführt. Da machte der Mtnisterialerlah Puttkanieis allem Vcreinsleben ein Ende. Nr. 23 der.Staatsbürgerin' enthält das Verbot init dem entsprechenden Kommentar. Am 17. Juni wurde die Zeitung noch dem Erscheinen von Nr 24 aus der Postzeitungsliste gelöscht. Frau GilUIaiime-Schack hatte durch ihre Heirot mit einem Schweizer das deutsch« Heimatsrecht verloren und wurde als„lästige Ausländerin' ausgewiesen. Sie ging noch England und kam nur vorübergehend zu ihren Eitern nach Deutschland. Jede öffentliche Vctätigüng war>hr umnöglich gemacht. Ihr Haus in England, wo sie 196? hochbctogt starb, war eine Ausluchtsstätte für arme Waisen- linder. Abel das Werk der tapseren Kämpscrin lebte. Im Jahre 1891 entstand den Arbeiterinnen ein neues Organ„Die Ar- b e i t e r i n', von Emma Ihrer herausgegeben. Später redigierte Klara Zetkin diese Zeitung unter dem Namen.Die Gleich- h e i t'. Der Ausstieg und das schließliche Eingehen dieser Zeitung ist zur Genüge bekannt. Heute sind neue Organe für die Arbeits- rinnen entstanden. Die Schwierigkeiten früherer Zeilen bestehen nicht mehr. Aber sie sollen nicht vergessen werden, wenn man sieht, daß es heute auswärts geht. Zur Herufsausbilöung öer Mäöchen. Was lasse ich mein Kind werden? Das ist«ine Frage, die in diesen Wochen vor der Schulentlassung so manch« Arbeitereltern bc- schästigt. Im Mittelpunkt lolchcr Betrachtungen steht oft die Heber- legung. ob es für die Familie überhaupt wirtschaftlich tragbar ist, wenn dos Kind, das zu Ostern die Schule verläßt, noch einige Jahre der Berufsvorbildung durchmacht, in denen es wenig oder gar nichts verdient, und manchmal noch Schulgeld kostet. Im allgemeine» lebt in der deutschen Arbeiterschaft ein starkes Verantwortungsgefühl der jungen Generation gegenüber. Auch in der schlimmsten Zeit der Inflation bemühten sich mindestens die Hälfte aller Eltern, sowohl für Ihre Knaben wie sür die Mädchen Lehrstellen zu finden, was fteilich nicht immer gelang. Auch jetzt ist noch das Angebet an Lehrlingen größer als die Zahl der Lehrstellen. Die Verhältnisse haben sich aber schon etwas gebessert, und die Eltern sollten sich keine Mühe verdrießen lassen, um, gemeinschaftlich mst den städtischen Bcrufsberatungsstellen. sür ihre Kinder eine passende Möglichkeit zu gründlicher Berussaus- bildung ausfindig zu machen. Erscheint auch zunächst manchmal der Verdienst verlockend, den der Junge als Laufbursche oder das Mädchen als ungelernte Arbeiterin mit nach House bringen könnte», so Ist doch meistens schon in den ersten Jahren nach der Schulcnt- lasiung zu konstatieren, daß die ungelernten Knaben und Mädchen sehr häufig zu den ersten Opfern schwankender Konjunktur iverden. Wie i» einem von der Reichsarbeitsoerwaltung herausgegebs- nen Wert über Berufsberatung mitgeteilt wird, hat eine rheinische Großstadt festgestellt, daß vom Mai 1923 bis zum Mai 1924 von je hundert Knaben oder Mädchen arbeitslos waren: Knaben Mädcken vtellenwechiel flei„nte Unöflctnte gelernie ungelernte keinmal... 74 LS 7S 88 einmal.... Lv LS 29 24 medrmalS... 6 SE S 88 Diese Zahlen zeigen deutlich, daß die ungelernten Jugend- lichen ungleich häusiger arbeitslos waren wie die gelernten. Der emmalige Stellenwechsel, der bei hundert Knaben oder Mädchen se zwanzig betraf, war fast immer daraus zurückzuführen, daß die Schulentlassenen nicht sofort eine Lehrstelle fanden, daß sie eine Aushilssslelle annahmen und später in eine Lehrstelle«tntraten. Die Dauer der Erwerbslosigkeit der Ungelernten war drei- bis sünsmal solange wie die der Gelernten. Di« finanziellen Borteile, die Eltern haben, die ihre Kinder ahne Benijsvorbildung als ungelernte Jugendliche zur Arbeits schicken, sind also meistens sehr vorübergehender Natur. Sie beschränken sich oft aus wenige Wochen oder Monate. Sie stehen in gar keinen! Verhältnis zu der dauernden Schädigung, die ihren Kindern daraus erwachst. Gründliche Berusskenntnisse sind der beste Halt im Leben. Dos gilt für Mädchen genau so wie sür Knaben. Gerode das ungelernte junge Mädchen ist durch seine häufigere Arbeitslosigkeit außerordentlich gefährdet. In früheren Jahren kamen auf zehn männliche Fürforgczöglinge drei Mädchen. Heut« ist diese Zahl aus neun aiigestiegen, steht also fast der Zahl der Knaben gleich. Dabei ist die Gesamtzahl der Fürsorgezögling« mit der wachsenden Zahl der jugendlichen Arbeitslosen Im Lause des Jahres 1923 um ungefähr lSÜ Proz. gestiegen. In Berlin(Verwaltungsbezirk 1— 6) wurden im Jahr 1922 ins- gesamt 2466 Jugendgerichlsfälle abgeurteilt. Im Jahr 1923 waren es 4279 Fälle. Auch diese erschreckende Steigerung steht, wie jeder Fachkundige weiß. In engstem Zusammenhang mit der Arbeitslosig- keit der Jugendlichen. Die Kenntnis dieser Tatsachen sollte olle sozialistischen Müller veranlassen, nicht nur ihre eigenen Kinder durch gründliche Berufs- ausbildung vor solchen Gefahren zu schützen, sondern auch im Kreis ihrer Bekannten das Berantwortungsbcwußtisin der Jugend gegen- über zu steigern. Vor allem gilt das auch sür die Eltern von Mädchen, von denen immer noch manche glauben, daß sich sür die wenigen Jahre bis zur Verheiratung der Tochter der Mehraufwand für eine länger« Lehrzeit nicht lohne. Heute ist schon nahezu der dritte Teil aller Ehefrauen erwerbstätig. In einem Jahrzehnt wird zweifellos die Berufsarbeit der Frauen noch zugenommen haben. Für das Mädchen in einer gukbe.-e-hlten siche''cn Stellung sind heute schon die Hciratsaussichten günstiger wie sür die ungelernte Ar- deiterin. Ueberdies wird auch die Wahrscheinlichkeit für eine glück» I l ch e Ehe der Tochter größer, wen» ihre gute Stellung ihr ge- stattet, nur dann zu heiraten, wenn ihr selbst die besten Voraus- jetzunxcn für eine glückliche Zukunft gegeben scheinen. A. G. Den Lebenden. Von Ernst Toller. Euch ziemt nicht Trauern. Euch ziemt nicht verweilen. Euch ward Vermächtnis, Getränkt vom Herzblut der Brüder. Euer wartet die schassende Tat. tastend Bedränget den Backen vie Zeit. Ausgesprengt Dem helleren Morgen Die Torel (Au. dem Gedichtbuch Srnst Zolim.Pormoraen�. Gustav ZtiepenheiKr Verlas. Votsdam.l Scherz und€tnf1 Di« Schuldbewußten. Der berühmt« Buhprediger, Pater Slndr�, zog aus der Kandel über die Leichtscnlgkci« der Weltdomen los. Schlichlich rief er aus die zahlreiche vornehme Besucherschar binunter:.Um euch zu beweisen, dah ich nicht aus dem hohlen Bauch rede, werde ich seht den Namen der Leichtsertigsten nennen. Die anwesenden Damen hielten den Atem an, gespannt, was nun solge» würde..Aber nein," suhr der Paler sort,.das wäre nicht christlich gehandelt. Ich werde nur mein Käppchen dorthin Wersen, wo. die Schlimmste sitzt." Er nahm sein Käppchen In die Rechte, lieh den Blick über die Versammlung schweisen und holte dann zum Werse» aus. Eine einzige Bewegung lies in diesem Augenblick bis in die dunkelsten Winkel der Kirche: die Damen halten sich alle geduckt. .Dieselbe Farbe." Der französische Humorist Tristan Bernard hat es sich in einem Abteil ersten Klasse bequem gemacht und raucht «ine Zigarre. Ein Herr gegenüber bittet ihn, nicht zu rauchen. ,Jch tue, was mir gefällt," antwortet der Schriftsteller.—.Dos werden wir sehen," entgegnet der andere. Der Herr zieht die Nol» leine, der Zug hält, uno der Zugführer erscheint..Was gibt*?" fragt er die Reisenden.„Dieser Mitreisende da," entrüstet sich das „Vis�ä-vis", und zeigt auf Bernard,„raucht im Nichcraucheiuolcil" — Seelenruhig erwidert Bernard:„Herr Zugführer, lassen Sie sich vorerst einmal das Eifenbahnbillett des Herrn zeigen." Der Zug« iührcr tut es. das Billett ist ein Billett zweiter Klaff«, der Herr wird hinausgewiesen, und der Zug setzt sich wieder in Bewegung. Eine Nachbarin fragt Bernard:„Wie haben Sie gemerkt, dah jener Herr eine Fahrkarte zweiter Klasse gelöst hatte?"—„Sehr einfach," antwortete Bernard,.er hatte sein Billett in der Westentasche stecken, und ich habe gesehen, dah es dieselbe Farbe besah wie das memige." Göllliche Güle. Die Zuchthäusler der Strafanstalt zu E. wer- den zur sonntäglichen Morgenandacht geführt. Als erster Ehorok wird gesungen:„Bis hierher hat uns Gott geführt durch seine grohe Güte." Sicher ist sicher. Zwei Kaufleute, die ein neues Geschäft auf- nwche» wollten, waren beim Notar, um den Gesellschaslsoertrag aussetzen zu lassen. Bei der Frage der Gewinnverteilung legten sie besonderen Wert darauf, dah in den Bertrag folgend« Beslimmung Platz finde:.Alle Gewinne, gleich, aus welcher Quelle, sind einschließlich der aus Brandschäden und Konkurs entstehenden zu gleichen Teilen zwischen den Gcsellschafsinhabern auszuschütten." Ehrlichkeit ist eine Zier... Rafft« sucht durch Inserat einen Fleier kür seine Tochter. Ein junger, nicht sehr bemittelter Wann stellt sich vor, er gefällt Raffke. Raffte sagt jovial: .Also, nicht wahr, wissen möchten Sie natürlich, mit wem Sie tt zu tun haben. Also passen Sie aus: Ich war mein steblag ein tüchtiger Kaufmann. Bloh einmal Hab ich Pech gehabt, mit der Pleite dunncmals! Iott— die zwölf Monate sind ooch'rumgegangen. Meine Tochter krtegr ZllOOOü Mark mit!" »Schön, schön. Und die gnädige Frau?" „Eine Perle is meine Frau. Bloh einmal hat se Pech gehabt. Im Iuwelltrladen gefallen ihr'n paar hübsche Ringe— plötzlich sind die Ringe weg! Na ja, wie das so is, Sie missen ja. Aber das Jahr is ooch'rumgegangen für meine Frau,, die gutel Uebrigens:«»eine Tochter kriegt 150000 Mark mit!" „Schön, schön. Darf ich das gnädige Fräulein..." „Einen Augenblick! Also mein Tochter ist mein Zlugapkel, mein Inwell Ein liebes Kind, schade— dah sie einmal Pech gehabt hat. Manöver war, der Leutnant schlief nebenan. Was soll ich lange reden... die neun Monate sind ooch'rumgegangen. Das Riadchen kriegt 175 000 Mark mit. So, nu wissen Se, woran Sie sind. Und mit wen, habe Ich die Ehre?" „Ich nehme Ihre Tochter auf alle Fälle. Nun wissen Sie, mit wem Sie es zu tun haben!"(.Lachen links.") m m W M � � f o p o\ /oooi fDao\ /ooo) f opp\ m Jür unsere Kinder m Schwesterchen. Mein Gretchen ist so kugelrund Und hat ein stumpfes Rüschen Und einen roten Kirschenmund Und läuft gar wi« ein Häschen. Und Locken hat es seidengleich Und einen weihen Nacken Und kleine Händchen sammetweich Und apkelrote Bocken. Nun lauf hinaus in» grün« Gros. Du kleine liebe Grete: Doch fall mir nicht ins Regensah Und tritt nicht auf die Beetel Und patsche niir ins Nasse nicht Mit deinen kleinen Fühen, Und wenn du Nackbars Katze siehst, So sog', ich lah sie grühenl __ Heinrich Seidel. Einigkeit macht stark. Eine Fabel. „Leichtes Lolk!" brummten die alten Tannen, als dle zierltchen Schneeflocken durch dle Lust tänzelten.„Leichtes Volk, das den ganzen Tag nichts Besseres zu tun weih, als zu tanzen!" Lachend erwiderten die Schneeslocken: ,Loht das Spotten: wir könnlen euch sonst die Knochen zerbrechcnl" „Ihr und Knochen zerbrechen? Das ist zum Lachen," spotteten die Tannen,„ein Windhauch scgt euch hinweg und vor etncm Grad Wärme müht ihr zerslichen!" Die Echnecllocken fiele» zu Tausenden aus die breiten Awelge der Tonnen. Was der einzelnen Sckneeslocke rnmwglich gewesen nwre, dos vollbrachten sie ohne große Müh« mit veretitte» Kräften: Schon noch wc.ilgen Stunden lag eme so gewaltige Schneciasl ans den Tannen» dah ihre stärksten. Acfte krachend zerbrachen. Brand. Kätsel-Ecke. Seltsam. Mit m als Behälter braucht man mich, In jeder Küche steh« ich:— Mit n gelesen sich wandelt mein Sinn, der Zwerg unsrer Zahlen ich dann bin! denkt noch, wie mag die Lösung sein,— Sucht mich mit f, dann fällts euch ein! Jnhaltreiche Worte. Tunichtgut, Fürsorge, Lohndiener, Boltsschule, Proletarier, Sonnenuhr, Flandern, Fürwort, Judas, Telegramm, Stubenlust, Lerche, Loternenschein, Wirsingkohl. Aus diesen Wörtern suche man je eine Silbe, welche, richtig ge- funde» und aneinandergereiht, uns dann ein beachtenswertes Work nennen. Die fehlende Miltelfilbe. Aus den Silben: a, bäum, e. gang. Heid, holz, kram, man, na, nil, ro, spart, stein, ta, rrö, w«m. find acht dreisilbige Wörter mit gleicher Miltrlsnbe zu bilden. Wie hethr dieselbe und wie hethen die Wörter?__ Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer. Verwandlung»- TNogifches Quadrat. Dlamont-Välsel. Rätsel. ZanoZ. Urne, Genua. Efiel, Borden, Delta, Winde, Elba, Zmine, Hirn, Eber— Zugend- weihe. O LOT B O L D R NOR T) SEK' btsenhahr B O D F. T A L KL A UR K l' M £ Wbjt f|t c[� fflmu AUS DER MODENSCHAU DER„FRAUENWELT" JJiSS J 8657 Schlichtes Kleid, auch für stärkere Figuren geeignet Stoffverbrauch 2,10 m, 1,30 breit. Lyon-Schnitt, Gr. 44 und 46, 90 Pf. F 2002 Festkleid, auch aus Wolle oder Samt mit Stickerei, auch für ältere Frauen geeignet. Stoffverbrauch 3,50 m, 0,70 breit. F-Schnitt, Gr. 44, 90 Pf. J 8658 Sonntagskleid mit Kreppblendenbesatz. Stoffverbrauch 3,30 m, 0,75 breit und I m, 0,70 breit. Lyon- Schnitt. Gr. 44 und 46, 90 Pf. Ein Beispiel für eine einheitliche Wäschegarnitur mit leichter Hohlnahtverzierung L Taghemd. Stoffverbraudc t/5 m. Seltenverbindung durch Kappnähte Mueln Wtahe- band oder Hobbaumstreifeo« bis 3 cm breit). Unten 5 cm breiter Saum. IL UntertaiUe, Stoffverbraudi 50 cm.* 15 cm vom unteren Rand links einen t cm breite» Streifen als Zug aufsetzen. Aduelansatz Ist durdi Kreuze angegeben, Iii. Machthemd. Stoffverbraudi 2 m. Den Halsauudinltt mit einer links aufgesetzte» Blende versSubem. IV. Beinkleid, Stoffverbraudi 1,25 m. Zug für das Oummiband 2 bis 3 cm breit, V. Hemdhose, Stoffverbraudi 2 m. Klappe extra aus doppeltem Stoff zuschneiden. Unter die Knöpfe von links Stoff untersetzen. Zug mit farbigem Wäsdiebaod. VI PrinzefHimcrrodt, Stoffvei braud» 2,15 m. Vorder- und Rikfceotcfl mit Kappnaht den Volant mit Doppelnaht anfügen. 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