Nauenstimme Nr.S> 42. Jahrgangs Velltlge ZUM VOVWätt& I 5.mö� 1�5| ■''■'•:'■••'■';'"■ �■■■•__■..- prsbleme öer|i Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Genossin, deren politische Kenntnisse, ebenso wie ihr Handeln innerhald der Partei, mit Recht sehr anerkannt werden. Wir sprachen u. a. auch über die Aufgaben der Genossinnen in der Parteiorganisation, insbesondere der Funt- tionärinnen. 2ch legte im Lause des Gesprächs dar, daß es eine Swingende, schon zur Selbstverständlichkeit gewordene Notwendigkeit sei, daß jeder verantwortlichen Körperschaft innerhalb der Arbeiter- bewegung eine oder mehrere Frauen angehören miissen, und weiter, daß ganz besonders diese, den diversen Parteivorständen angehören- den Frauen die Ausgabe haben, die Genossinnen der Partei zu schulen, mit ihnen dauernd die speziellen Frauensragcn allgemein politischer, tominnnalpoliiischer und sonstiger Art zu besprechen und m i t i h n en g e in e i n s a in die Agitation unter den der Partei sernstehenden Frauen zu pflegen. Wahrscheinlich aus ihrem ganz persönlichen Empfinden heraus widersprach mir die Genossin ziemlich leidenschaftlich. Sie sähe in meinen Darlegungen nicht die Ausgaben der weiblichen V o r st a n d s m i t g l i e d e r. Damit würden wir dauernd die Frauen auf die relativ kleinen Frauensragen und die Frauenagitation beschränken. Das bedeute, daß sie dann nie soweit kämen, den allgemeinen politischen Fragen das so notwendige und weitgehende Interesse entgegenzubringe», und das hätte weiter zur Folge, daß man ihnen in der Partei und in der Oessentlichkeit auf lang» hinaus die allgeiiieiii« Anerkennung versag«. Beides sei aber nötig, um die Frauen zu vollbewußlen und aktiven politischen Kämpserinnen zu erziehen. Auf meine leise Gegenfrage, wer denn die vorher ausgeführten Ausgaben, deren Vorhandensein und not- wendige Lösung doch die Vorbedingung zu dein gesteckten Ziel sei. lösen solle, trat eine»achdeiitliche Stille ein. Enthüllt dieses Gespräch nicht schlaglichtartig das Problei» de, heutigen Franenbewegiuigk Sprechen wir zunächst einmal von der Notwendigkeit, die Frauen Intensiv am politischen Leben zu beleiiigen. Reichlichen Anlaß dopt geben die Tvahlbetrnchtungen, die in der letzten Zeit durch die Presse gingen. Sie basierten alle auf der nach Geschlechtern getrennten Stimmabgabe. Ein besonders bezeichnendes Beispiel ans B r e m e n, wo wir bekanntlich unter Mitwirkung der Demokraten den Bürger- block bekommen haben, sei hier angeführt. Dort sind 77 548 Männer- lind 82 25ei, Gründen für das Verhalten der Wählerinnen. Es gibt sicher sehr viele. I» katholischen Gegenden, mo das Zentrum der Stärke nach den Ausschlag gibt, wird diese Partei besonders von den WSHierinnen gestärkt. Wir suchen eine Eitlärung und siuden sie hier im religiöse» Gefühl der Frauen. Wenn in Bremen die.Dcutfchnationalen und die Voltspartei de» Parteil der Fiauenstiiniuen einheimsen, dann ist neben den religiösen Motiven, deren Borhandensein auch hier durchaus an- genommen werden darf, sicher auch eine reaktionär-poli- tisch« Einstellung vieler Frauen wirksam gewesen. Nach einer solche» Wahldetrachtung tvnnnt doch wohl jeder . � GH«V' P P � � �|Ä � Ilnbefangene zu dem Schluß, daß der einzige Weg zum Ziel nur der sein kann, von den gefühlsmäßig rechts wählenden Frauen mög- lichst viele Angehörige des Proletariats nicht allein für unsere Politik, sondern auch für den Sozialismus zu gew.iniien. Erst das gibt die Möglichkeit, dem Herzen lind dem Verstand der großen Masse der Frauen näherzutvininen. Wer will aber leugnen, daß vornehmlich die Frauen, die selber schon Sozialdemokraten sind, die Pflicht zu dieser Aufgabe haben? Daß die Frauen— in ihre? Mehrzahl— sich aus eigenem Erleben heraus auch besser in das Denken und Fühlen ihrer Klassen- und Geschlechtsgeuossinneii hinein rcrsetzen können, wird iiiit Recht dauernd betont. Kommen wir hier nicht mit logischer Konsequenz dazu, die in den Vorständen täligen Genossinnen mit der Aufgabe zu betrauen, die Frauenbewegung zu pflegen und zu fördern? Jawohl, ein bis zwei Franen müssen jedem Vorstand der Partei angehören und sich dieser Aus- gäbe widmen. Das schließt keineswegs ans. daß diese oder andere Genossinnen sich als Schriftführer oder Kassierer betätigen oder ihre Arbeitskraft vornehmlich den Bildungs-, Koiniimiial- oder allgemeinpolitischen Frogen widmen. Nu» aber noch einmal zurück zu der Befürchtung der oben erwähnten Genossi», wonach die dauernde und pflichtgemäße Be- schttttigung der in Vorständen und anderen Körperschaften tätigen Genossinnen mit der Frauenbewegüna notwendig dazu führen muß, sie von der Mitwirkung am allgemeinpolitischen Leben sernzuhalten. Wcnn das zutreffen sollte, dann müßte man das von unseren Kultur-, Bildungs-, Erziehungs und Rechtsfpczialiste» auch sagen: dann träfe das sicher auch auf Sozial-, Wohlfahrts- und Kommunal- Politiker zu: dann müßte maii mit aller Spezialisierung der Arbeit aufhöre»: bann müßte von jedem einzelne» Mitarbeiter ver° langt werden, daß er in jeder Teilfrage, wie auch aus dem großen Gebiet der Außen- und Innenpolitik sowie der Gewerkschastspolittk lLohn-, Tarif-, Beamtenpolitik) vollroiniiien firm sein müsse. Das kann es uariirlich bei der jetzt allgemein gewordrnen Spezialijiernng unseres ösmiilichen Lebens nicht gebeii. Natürlich muß ein. jeder, der auf einem Spezialgebiet tätig ist, verlange» dürfen, daß die Kollegen und Äollegiimen ihm in seinen Darlegungen kritisch und nrtdlssähig solgen, denn nur dann sind sie auch in der Lage, die Veraiitworning mittragen zu töimen. Wird dieser Schluß auch— wie das sein muß— für die den Vorständen verantwortlich angehörenden Frauen gezogen, dann bedeutet das allerdings, daß sie aus dem ihnen zugewiesenen Se- biet der Frauenbewegung sührend sein müssen, während die männlichen Kollegen mit Vertrauen und Kritik ihre Arbeit beob- achten, mitberaten und die Verantwortung mittragen. Das schließt nicht aus, sondern es hat zur Borbedingnug, daß diese Genossin»«» ein großes Maß von allgemeinpolitischem Wissen und 5kö»iien be- sitzen und auwenden. Hier kommen wir zu dem Kernproblem der Frauenbewegung innerhalb der Partei. Es handelt sich um die Führer- schalt in der Frauenbewegung. Genossinnen, allgemein- poliiisch geschult,»iit besonderem Interesse für die Frauenfrageii er« füllt, mit dem notwendige» Verantwortungsgesühl der Gesamtparte! acgenüber,»iit der Eignung und mit dem Willen zur Führung der Frauendeweglmg ausgestattet, die sich in der Regel von den klein- lichen Dinge» persönlichsten Enipsindens sreigeinacht haben, sind i» der Lage, an allen sachlichen Beratungen verantwortlich teilzu- nehmen und daneben die Frauenbewegung unter de? Mitvera nt- Wartung des Gesamtvorstandes zu jähren. Solch« Führenniieii brauchen wir in erster Linie und in großer Zahl, wenn wir die Nückständigkeit weiter Frauenschichlen überwinde» wollen. Vi arte In ch a c zv Die Zrage öe? Cmpfänsn'Sverhütung. Vo» Henni Lehmann Auf Ausführungen hin, die ich zu dem bekannten Strasrechts- Paragraphen 218 gemacht habe, und in denen ich darauf' hinwies, daß die Verhütung der Empfängnis wegen ihrer Ungefährlichkeit der Abtreibung vorzuziehen fei, ist mir eine große Zahl von An- tragen von Männern und Frauen zugegangen, in denen Austunft über geeignete Mittel zur Einpfängnisverhütung erbeten wird. Die ersten Anfragen habe ich nach bestem Wissen— ich bin aber keine Aerztin— zu beantworten versucht. Eine Beantwortung aller An- ragen ist mir aber wegen ihrer großen Zahl unmöglich. 2n ein- � elnen Briefen hat man mich aufgefordert, in Zeitungen über olche Mittel und ihre Wirkung zur Empfängnisverhütung zu chreiben. Das ist schon wegen einer Bestimmung des geltenden Strasrechts(Z 184 StrGB.) nicht angängig.„Gegenstände, die zu l-nzüchtigei» Gebrauch bestimmt sind", dürfen nicht östeiitlich ange- priesen werden. Unter diesen Gegenständen versteht die Rechtsprechung alle, die beim Geschlechtsverkehr Verwendung finden können oder erfahrungsgemäß Verwendung gefunden haben, also auch die Mittel zur Eiupfuiigiiisverhütuiig. Der Geschlechtsverkehr wird also»ach teni Etrasrecht ohne weiteres als„unzüchtiger Gebrauch" angesehen, während umgekehrt nach dem bürgerlichen Recht Ehegatten dazu verpflichtet sind, den geschlechtliche» Verkehr nicht zu verweigern. Man kann daraus den ganzen Wirrwarr in der Grundaufiastilng unserer geltenden Rechtsbestimmungen ersehen. Die Vestiminung des Strasgesetze» ist nach ärztlicher Anschauung schon deshalb außerordentlich unzweckmäßig, weil die Maßregeln, die der Verhütung derEmpsängnis dienen, zugleich einen Cchug gegen die Ansteckung durch geschlechtliche Erkran- tungcn bieten. Wäre man allgemein mit den Mitteln der Empsäng- nisverhütung mehr vertraut gewesen, so hätten die Geschlechtskrarik- hcirei» Nicht einen so ungeheuren Urnfang annehmen�löinre«. Ein Entwurf der liche Geschlecht niemals, auch nur in annähernd gleichem Maße dem Laster des Alkoholismus verfallen ist wie die Männer. Aber nickst nur durch Ablehnung der männlichen Trinksitten haben die Frauen gegen den Alkohol gekämpft. Sie haben auch in tatkräftiger Weife durch Errichiimg schöner, gemütlicher alkoholfreier Gastwirtschaflen gegen den Aikoholbetrieb in Wirtshäusern zu wirken gesucht. So bestehen in Zürich heute zwanzig, von Frauen errichtete und be- triebene altoholircie Gaststätten und zwei große Kurheime, in denen schon vor dem Kriege täglich 10 000 Mensche» ihre Hauptmahlzeiten einnahmen. Auch in Deutschland wurde kurz vor dem Kriege versucht, ähnliche Gaststätten zu errichten, die aber zum großen Teil dem Krieg zum Opfer fielen. Ein besonders schönes Gasthaus, das dem Bund abstinenter Frauen gehört, konnte ln Leipzig alle Wirrnisse des Krieges und der Inflationsjahre überdauerii. Neuerdings sammeln sich in der sogenannten„Volkshaus-Bewegung" wieder Frauen, die sich die Errichtung schöner alkoholfreier Gast- statten zum Ziel gesetzt haben. Ijcime und Herbergen unserer Ar- beiterjilgend, in denen der Alkoholismus streng verpönt ist, zeigen, wie wahrer Frohsinn erst dort einkehrt, wo dem Alkohol der Ein- tritt verwehrt ist. In diesem Zusammenhang verdient ein Urteil Erwähnung, das kürzlich in Berlin gefällt wurde. Für das Freibad Wannsee hatte der Polizeipräsident Richter die Konzession zum Alkoholausschant versogt. Auf Einspruch der Verwaltung des Freibades hat der Be- zirtsausschuß Verlin entschieden, daß in dem Freibad alkoholische Getränke oerkaust werden dürfen. In Zukunft werden sich also Fa- willen, die die. Annehmlichkeit des Freibades genießen wollen, der gerade hier besonders unangenehmen Nachbarschaft von Menschen, die unter dem Einjluh des Alkohols stehen, kaum entziehen können. Hätten Frauen aus diese Entscheidung maßgebenden Einfluß gehabt, dann wäre sie vermutlich anders ausgefallen. Unglückliche Eben. Ein Gespräch von Felix Fcchenbach. An den Fensterplätzen eines D-Zug-Abtcils 3. Klaffe sitzen sich zwei Frauen grgenüber. Die jüngere hat volles, dunkles Haar, gesund« Farben und lebensprühende, schwarze Augen. Ihr Gegen- über macht einen rtwas müden Eindruck. Das Leben hat schon manche Falte in ihr Gesicht gezeichnet. Ihr Haar ist grau. Sie sprechen von Ehescheidungen von den vielen Verbindungen, die, zum Teil aus gegenseitiger Liebe geschlossen, doch zerbrechen. ZXe Beltere meint, wenn bie Rot und das grau« Elend einmal in die Ehe glotzen, dann ergäben sich ein« Unmenge Reibunqsflächm, steigere sich die gegenseitige Reizbarkeit und entstünden heftige Mei- nungsverschiedenheften über die nichtigsten Dinge des Alltags, daß daran in v.elen Fällen die Ehe unglücklich würde und zugrunde gehe. Die Menschen wollten sich? nur nicht eingesteh:». Die mit den lebensprühende,! Augen schweigt eine Weile. Dann stimmt sie nachdenklich zu. Aber setz! fährt sie mit Lebhaftigkeit fort: „Gerade in der Net sollte sich doch dx' enge Gemeinschaft zweier Menschen bewähnen Ich will dabei gar nicht von denen sprechen, die die Ehe als ein« Art Geschäftsabschluß betrachten. Nur an die will ich denken, die glauben, aus gegenseitiger Neigung den Lebensbund geschlossen zu haben. Und trotzdem muh ich sagen: di« Menichcn sind zu wenig ehrlich gegen sich selbst und mkcn des Tages zermürben die Menschen und kehren sich nicht u a l i» m u». auf den sich der durchschnittliche Arbeilsmeissch ohnedies nur besinnt, wenn er gegen das Einküchenhaus polemisiert: denn in der Wirklichkeit des Alltags hat er dazu weder Zeit, noch