iti,.$+42.9.ii.8on?i Beilage zum Vorwärks ?H. fiprU 1925 Unö öie Irauen! Nicht Iarres, sondem Hindenburg ist vom Reichs- block zur Präsidentenwahl gestellt worden. Mit einer Wahl für Marx gegen Iarres wäre den Wählerinnen immerhin staatspoliiische Einsicht zugemutet worden, mit der Wahl zwischen zwei bürgerlichen Kandidaten hätten d i e Wähle- rimicn der Arbeiterklasse, die gewohnt sind sozialistisch zu wählen, zum Ausdruck gebracht, daß sie, gleich den Männern, vtrstehen, politisch zwischen zwei Uebeln zu wählen. Marx oder Iarres. das hätte für manche Frau und Mutter vielleicht noch einiger Ueberlegung bedurft und vielleicht hätte manche von ihnen unter Ziintanstellung der staatspolitilchen Gesichtspunkte sich von(wenn auch irrigen) kulturpolitischen Erwägungen in ihrem Handeln leiten lasten. Die Wahl aber, wie sie jetzt vor uns steht: Marx oder Hin den bürg kann für die Frauen überhaupt keine Zwei- felsfrage sein. Wir wissen es doch, Hiirdenburg bedeutet Krieg, unausrottbaren Krieg deutscher Arbeitersöhne gegen französische, englische, russische, italienische Arbeitersöhne, Hindenburg bedeutet Blut und Schrecken, bedeutet * Hunger und seelischen Jammer der Mütter, bedeutet Hunger und Unterernährung der Kinder, bedeutet Wucher und Teu- rung. Inflation und Massenverarmung. Wüßten wir das nicht aus eigener Erfahrung und Ueber- zeugung, so würden wir täglich durch das Echo, das die Kan- didatur Hindenburgs im Inlands und Auslande gefunden hat, zu dieser Erkenntnis getrieben werden. Im Inlande hat die Aufstellung des ehemaligen obersten Heerführers, des treuen Dieners Wilhelms II. wie ein P e i t s che n s ch l a g auf das gesamte arbeitende Volt gewirkt. Verstummt sind alle Meinungsverschiedenheiten, die hier und da ia der organisierten Arbeiterschaft bestanden:«inig und entschlosten sind alle, den Streich abzuwehren, den die Monarchisten gegen Volt und Republik geführt. Nicht minder stark ist der Eindruck, den die Kandidatur Hindenburgs im gesamten Auslande ausgeübt. Dort betrachtet man ihn in noch höherem Maße als in Deutfch- land selbst als die Verkörperung des Kriegs» gedantens.alsdieKulissedermonarchistischen R e a k t i o n, als die Attrappe, die die nationalistischen Heim- krieger benutzen, um mit ihrer Hilfe die unbeschränkte Macht an sich zu reißen und dem Revanchegedanken nach außen hin Geltung zu verschaffen. Man braucht bloß die Alarmartikel zu lesen, die in der ausländischen Preste, fast ohne Unterschied der Parteirichtung, seit der Ausstellung der Kandidatur Hinden- burgs erschienen sind, um zu erkennen, daß alle Aussichten einer friedlichen Verständigung mit dem Auslande und einer Eingliederung Deutschlands in den internationalen Wirtschafts» verkehr zertrümmert werden, wenn Hindenburg als Sieger aus der Wahlschlacht hervorgeht. Der Sieg Hindenburgs wäre gleich- bedeutend mit einer neuen schweren Niederlage Deutschlands, wäre der Auftakt zu neuen Prüfungen, die über das. deutsche Volk hereinbrechen würden!. Ist das' alles aber nicht Uebertreibung? Ist der alte Mann in Hannover nicht ein friedlicher Greis, dessen Soldaten- Handwerk hinter ihm liegt, der froh zu sein schien, noch einige Jahre seines Lebens unbehelligt und in Rübe verbringen zu können? Hat er sich nicht gewehrt, als inan ilm herunterholte von seinem Ruhesitz? Und prädestiniert ihn die Zufallsrolle des Heerführers etwa zur Rolle eines blutrünstigen Tyran- nen? Soll man das alles noch von einem fast achtzigjährigen Greis erwarten? Nein, so nicht. Sicher ist Hindenburg nie- ' nials als Soldat und Heerführer ein blutrünstiger Tyrann gewesen, sondern nur der treue Diener seines Herrn und Kaisers, auch damals, als er die Würde des obersten Heer- führers übernommen hat. Und er. der Greis, wird jetzt noch mehr als früher nurder Diener seines Herrn, dies- mal der deutschnationalen inonarchistischen Partei sein. Daß Hindenburg in Wirklichkeit keinen eigenen poli- tischenWillen hat, das hat er bewiesen durch die endliche Annahme der Kandidatur. Diese Handlung macht es doch so ganz begreiflich, daß der alte Mann sich einst damit rühmen durfte, daß er seit seiner Kadettenzeit keine anderen Bücher mehr gelesen hat als militärische. Wäre er je in der Lage gewesen, selbständig staatspolitisch zu denken und hätte er einen Funken dieses einstigen Denkens in seine Greisenzeit niit hinüber genommen, Herr Tirpitz wäre sicher in einem groyen Bogen aus dem Hause in Hannover hinausgeflogen, weil der Greis gesehen hätte, daß der Sendbote des Reichsblocks als Handlanger einer Gruppe ihn, den greisen Heerführer zur Rolle eines politischen Popanz machen will, so oder so, gewählt oder nicht gewählt. Regieren wollen die Herren von rechts, ihnen gehts um die politische Macht, das ehrwürdige Alter und die Vergangenheit, der Mensch, der sie verkörpert, sind ihnen grade gut genug als Mittel zum Zweck. 5)ohes Alter ist den Frauen wie hilfsbedürftige Jugend etwas zum Pflegen und Betreuen. Es tut uns weh, wenn wir sehen, daß mit dem Alter Mißbrauch getrieben wird. Wir ehren das Alter und seine Träger, weil wir wissen, daß aus keines Menschen Leben, auch dann, wenn es äußerlich reich erscheint. Leid und Opfer gestrichen werden können. Aber hier geht es um mehr. Keine Ehrsurcht vor dem Alter darf uns veranlassen, zu schweigen, wenn das Geschick des Landes, des Voltes, feiner Frauen und Kinder auf dem Spiele steht. Der zukünftige Präsident der deutschen Republik darf nicht der blinde, treue, ergebene Diener der Deutschnationalen sein, der Leute, die dem Volk gegenüber ihre Diktaturgelüste zum Ausdruck bringen wollen, die, wenn ihr außenpolitischer Wille keine Hemmungen erfahren würde, es unfehlbar zu kriege- rischen Konflikten treiben würden. Der Präsident der beut- schen Republik darf sich nicht als Diener eines ehemaligeil Monarchen fühlen, sondern als oberster Diener der Republik. Deshalb müssen wir es unfern Geschlechtsgenossinnen sagen. daß die Wahl eine Kraftprobe bedeutet auf die Frage: Republik oder Monarchie, Deinokratie oder Diktatur. Werden Republik und Demokratie auch diesmal bejaht. dann könneil wir mit einer sicheren Aufwärtsentwicklung im freiheitlich demokratischen Sinn rechnen Dann wissen wir, daß wir Zeit haben weiter zu arbeiten an der staatsbürgerlich» demokratischen und an der sozialistischen Erziehung unserer Frauen und der Jugend. Dann wissen wir, daß wir im ruht- gen Besitz der politischen Gleichberechtigung weiter Zeit haben, an der Aufwärtsentwicklung des Frauen-, des Menschenrechtes zu arbeiten, nach allem zu streben, was unser Geschlecht freier macht, nicht um irgend welcher Vorrechte, sondern um der Gleichberechtigung und um des kulturellen Fortschritts willen. Nicht daß uns ein Reichspräsident bei der Ausgestaltung unserer Fraucnrechte, bei der Erfüllung unserer Frauensorde- rungen helfen könnte, sollen mir einen Marx gegen Hinden» bürg wählen, sondern weil durch die Wahl Hindenburgs das Gebäude der demokratischen Republik ins Mmken gebracht werden könnte, weil ein ijiildenburg den Deutschnationalen und ihren Helfern bei ihrem Willen zur Zerstörung der heutigen Slaatsform und ihrer Verfassung bequemer ist als Marx. In dieser Staatsform und in ihrer Verfassung aber sind d i e Frauenrechte verankert, die uns erst die Handhabe zu weiterer Arbeit bieten. Marie Iuchacz. StaatSAUgehorigkeit und Ehe. Vo»'Erna B ü si n q. Wir ivisien, daß di« Eh« im Lause der Jahrhunderlr verschiedene Forme» annahm und daß sie auch jetzt in den verschiedenen Ländern von einander abweichend gestaltet ist. Sie ist ein Produkt der Herr» scheitden Gesellschastsordnung und trägt über dieses Kennzeichen hin- ans in sich deutlich das Spiegeiiiiid der Gesetzgebung durch di« Männer. Die Ehegesetz« sind rcformbedüistig durch und durch. Ohne hier die allbekannten Schäden iwchmals auszudeike», soll in den nach» solgenden Zeilen nur kurz aus die Fragen Slaatszugehörigkeit und Eh« hingewiesen werden. Eine Frau nimmt bei Eingehung einer Ehe die Nationalität ihres Mannes an. Das heißt, sie wird ihr aufgedrängt. Die Frau nnig noch so sehr mit ihrer Heimat verwachsen sein, sie mag noch so sest in der Kultur ihres Lölkes wurzeln, sie mag chre Staatsbürger. pflichten noch so getreulich erfüllt haben, heiratet sie einen Ausländer, so geht sie einfach ihres Staatsbürgerrechts verlustig. Da Tatsachen die besten Beweise sinlk, sollen sie auch hier zur Illustration sprechen. Eine schon über 20 Jahre in ihrer Heimatstadt wohnende,«in« eigene Wchnung besitzende Frau heiratet einen Staatenlosen, der «bensolls über lll Jahre in der gleichen Stadt ansässig ist. Infolge der willkürlichen und oft recht sonderbaren Grenzsestsetzungen nach dem Kriege haben wir jetzt allerlei Staatenlose. Di? erst« amtliche Mitteilung, die das jung« Ehepaar bekommt, ist ein« Nachricht des Wohnungsamts, die besagt, daß die jung« Frau infolge ihrer Eh« kein Anrecht mehr auf ihr« Wohnung hat! In einer Hafenstadt heiratete, lang« vor Ausbruch des Welt» krieges, eine Frau«inen Angestellten einer großen deutschen Handels- gesellschast. Di« Mutter dieses Mannes war Deutsche, sein Vater«in in Deutschland geborener Engländer. Die Umgangssprache in der Familie war deutsch. Der Sohn halle England nie gesehen. Als der Krieg ausbrach, wurde dieser Sohn in Ruhleben interniert, sein« Frau geriet in die bitterste Rot und tonnt« in ihrer Heimatstadt bei keiner Behörde sBrotkortenousgab« usw.) Beschäftigung finden— weil sie Engländerin war, die freilich kaum«in Wort Englisch verstand. Ein« Delttsche halt« sich mit ihrem Iugendqesplelen in Amerika verheiratet. Der Mann halte das amerikanisch« Bürgerrecht er- worden. Er starb sun-g und seine Witwe kehrte in die gemeinsame Heimat zurüek, wo sie ihr kleines Vermögen verzehrte. Bei Ausbruch des Wellkrieges war sie bereits ein betagtes Mütlerlein. Als aber Amerika in de» Krieg eintrat, bekam die Frau vwn Festungskom- Mandanten die Aufforderung, das Festuugsgebiet(ihre Heiwatftadi) sti foundfoviel«tundxn zu verlasseu. da sie seiudliche Ausländerin fei. Hinzu kommt, daß eine Naturalisierung feindlicher Ausländer während eines Krieges unmöglich ist. Zudem ist jede Naturalisierung mit vielen Laussreien und mit— Geldausgaben verbunden. Dies« Beispielslis!« kraß eigenartiger Fälle ließ« sich mit Bei- kragen aus allen Ländern beliebig verlängern. Die fortschrittlich gclonnenen Frauen kämpfe» schon seit langem gegen dies« Willkür- besttmmung der Staaten, die«in« Staatsbürgerin kurzerhand an eine fremde Ration wrichenn. Obwohl sie sehr wohl ihre eigen« Ratio- nolität behalte» könme, wodurch ihr, namentlich im Ausland«, auch ohne«eileres der Schuß durch den Vertreter Ihres Heimatlandes gewährleistet wäre. Begründet wird di«scs eigenartige Verfahren i» Deutschland mit dem Hinweis:„Die Autorität des Mannes müsse unbedingt gewahrt bleiben." Auch jetzt, wo die grundsätzliche Gleich- bercchtigung den Frauen zuerkannt ist, hat sich in diesen Bestim- munge» gar nichts geändert, denn i«d« Reformbestrebung auf diesem Gebiet hat man glatt abgelehnt. Di« Bergulckung der Fragen Ehe und Slaatszugehörigkeit kommt nur für«ine ganz oerschwindend klein« Anzahl von Frauen direkt in Beirocht, jedoch sollte die 5)andhabung dieser Fragen alle denkenden Frauen einmal wieder daraus hinweisen, daß die deutig« Gesellschaftsordnung in sich gar nichi die Möglichkeit trägt, beiden(tzeschlechkin gleiches Recht zuteil werden zu lassen. Internationaler Frauentag. Wie in Oesterreich, so ist auch in Lettland in der zweiten Halste des März dieses Jahres der aus der internationalen Frauen- konsrrenz in Kopenhagen 1910 beschlossene Jnlernaiionole Frauen' tag unter großer Beteiligung abgehalten worden. Einer Reihe von. Frmienverjammluitgeil i» kleineren Orten iolgte eine große Frauen- luttdgÄmng om 29. März i» Riga, zu der die lettischen Genossinnen als Rednerm die Genossin Mathilde Wurm berufen halten. In Lettlmid wie in anderen Ländern baben die Frauen nach der Revolution die versasiungsinäßige Gleichberechtigung mit dem Mann zwar erhalten, sind aber in Wirklichkeit durchaus»linderen Rechts. Das Wohlsystem in Lettland ermoglickt jedem Wühler, ihm nicht genehme Rainen von der Kandidatenliste zu streichen und andere hinzuzusetzen. Das hatte zur Folge, daß bei der letzten Wahl alle Frauen von der Mehrheit der Wähler aus der Liste ge- ltrichen worden waren, so daß nicht eine einzige weibliche Abgeordnete in den Sejm einziehen konnte. Dies rief unter den Genossitmen sehr berechtigten Unwillen hervor und sie bemühte» sich, eine Aenderung des Wahlgesetzes herbeizuführen, um bet den im Herbst dieses Jahres bevorstehenden Wahlen den Fraueik z» ihrem Recht, gewälzlt zu werden, zu verhelfen. Daher galt der diesjährige Frauentag iusbejondcre der Forderung, an die Stelle der veränderlichen Listen feste zu setzen. Den zu der Fraucnversammlung zahlreich erschicurnca Proletarierinnen, denen sich nur sehr wenige bürgerliche deutsche Frauen hinzugesellten, legte Genossin Wurm ausführlich dos deutsche Wahlsystem dar, aus Grund dessen die Genossinnen in de» derzeitigen Reichstag als Abgeordnete einziehen konnte». Ein gehend schilderte sie die Erfolge, die die Mitarbeit der Genossinnen int Reichstag seit Beginn ihrer politischen Gleichberechtigung gezeitigt hat. Die Zuhörerschaft folgte mit dem größten Interesse diesen Ausführungen. Leider konnten die Frauen Lettlands noch nicht viel durchsetzen, da ihnen sehr wenig Möglichkeit zur direkten Einwirlung auf die.Gesetzgebung gegeben ist. Die lettischen Genojstnnen waren unendlich dankbar für die Informationen, die sie endlich einmal über Erstrebtes und Erreichtes aus der Tötigkeu der Genossinnen in Deutschland erhalten haben. und es zeigte sich auch hier, daß nichts so anfeuernd aus die aktive Tcilnahnie und das Interesse der Frauen wirkt und nichts sie so sehr ermutigt, den Kampf um ihre Gleichberechtigung weiter zu führe», als die Kunde von dem, was in anderen Ländern bereits erreicht ist. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, daß die Frauen- und Arbeiterinnenbewegung in Lettland noch sehr jungen Dalums ist, daß bis zum Jahre 1917 für alle, die sich zum Sozioli? nms bekannten, unter der Zarenherrschoft nur illegale Arbeit möglich war, an der zwar auch zahlreiche Frauen tapser teilnahmen, die aber doch mir eine verhältnismäßig dünne Schicht erfaßte. Hin- zn kommt, daß zurzeit in Leiilaud eine schreckliche Arbeftslosigteit herrscht, zahlreiche Betriebe stillstehen und die aus dem Lande in den zerstreut liegenden i)ösen und Jungwirtschaften ledendcn Frauen und Mädchen noch weit schwerer zu erfassen sind, a>» das weibliche Londproletariat Deutschlands. Ilm drei Uhr nachmittags hatte die Versammlung begönne» und mit bcwnndennigswürdiger Ausdauer hörten die Frauen nicht nur der deutschen Rednerin und ihrer llebersetzerin aufmerksam zu, sondern auch den folgenden leilischen Genossinnen, die di« ein heimischen Verhältnisse ganz besonders scharf beleuchteten. Den Rede» solgten dann Chorgesänar, Rezitationen und Liedervortrag. Die Kundgebung, die bis neun Uhr abends dauerte, wird hosjentlich den nicht nur von den lettischen, sondern von de» Genossinnen alle» Länder gewünschten Erfolg haben, daß bei der diesjährige» Wahl das Resnliat ein auch für die Frauen befriedigendes sein wird. Die Genossinnen in Lettland beginnen schon jetzt mit ihren Vorbereitungen, die Wähler und Wählerinnen dafür zu gewinnen, die aktivsten und tüchtigsten Genossinnen, die als Kandidatinneu ouz de» Listen flehe» werden, nicht z» streiche», sondern ihre Stimme sür sie abzugeben. Dem Frauentag der lettischen Genossinnen folgte wenige Tage darauf ein zweiler, einberufen vorn Sozial- demokratische» Bund der jüdischen Arbeiter und Ardeiterinnen, aus welche»! ebenfalls Genossin Wurm referierte, der sehr gut besucht war und dessen Forderungen sich in derselben Richtung bewegten, wie überhaupt die Zusammenarbeit dieser beiden Organisationen in Lettland eine durchaus harmonische genannt werden kann. Hossentlich wird der Iniernationale Sozialistische Kongreß im August den Genossinnen Gelegenheit geben, ihre Erfahrungen über die Wahlsysteme in den verschiedenen Ländern auszutauschen, um sesisteUen zu können, welches Eysteni den Frauen den ihnen ge- bühreiiden aktive» Anteil an der Gesetzgebung am besten sichert, um dieses dann in allen Ländern zu erstreben. Daß von der papierenen bis zur tatsächlichen Gleichbcreciztiguug der'Frau noch ein weiter Weg ist, dafür ist Lettland ein lebendiges Beispiel— ganz zu schweigen von jenen Ländern, in denen über havpt das Frauenwahlrecht noch nicht existiert— und deshalb hat der internationale Frauentag noch heute seine volle Bedeutung. Organisiert die HausangefteUtenl Wenn ich hier sage, daß die Hausangestellten, die doch nach Hertommen und Beruf fast ausschlicßlich der Arbeiterklasie angehören, polnisch meist rechts gerichtet sind und natürlich demgemäß ihr« Stimmen abgeben, so behaupte ich das aus eigener Erfahrung. Ich bin selbst 19 Jahre lang in Ossizier»- und hohen Becnntenhäuserii gewesen und weiß, daß man dort sehr wohl versteht, unerfahrenen Menschenkindern das eigene Wolle» zu suggerieren, und zwar so nachdrücklich, daß so ein junge» Mädchen hingeht und den Namen eines wirtsdzaftlichc» Feindes ihrer nächsten AngeHörtgeii ans dem Stimmzettel ankrenzt. Wenn ich ferner behaupte, daß die meisten Hausangesielllen in politischen Dingen völlig unwissend sind, so sei hierfür nur folgendes kleine Beispiel angeführt: Ein sonst nichi unintelligentcs Dienstmädchen fragte mich anläßlich der vielen Flaggen bei der letzten Reichslagswnhl, was den» die schwarzrotgclbe Fahne für«ine Bedeutung habe!— Nu» ist dieses Mädchen in einem Arztlzaushalt stark mit Arbeit überlastet, so daß sie abends tottnüde ins Bett sinkt, ohne sich um irgend etwas außer ihrem Bereich zu kümmern, aber— das geht dann hin und wälili! Wird aber wirklich nral eine Zeitung zur Hand genommen, so doch selbstverständlich die. welche die Herrschaft hält. Woher soll da die Erkenntnis kommen? Kostbare Stimmen gehen auf diese Weise der Partei verloren. Darum organisier- die Hausangestellten! Erzieht euch an ihnen Mirkämpser und Mitarbeiler an dem großen Werk des sozialen Ausstiegs. E l s b e t h G Schutz öer berufstätigen Mutter! Man spricht viel von Fraucnbcrus«». Heule mehr denn se. Oiicmond, der fozraiiftiichcs Verständnis desitzt, wird der Frau das Anrecht aus die Ausbildung in einem Berufe und die Ausübung einer Berusstätigkeit bestreiten wollen. Die Frage der Eignung der einzelnen Frau für die verschiedenen Berufe ist außerordentlich I hauerig. Die Ansichten über die Bewährung der Frau in manche:, Berufs, zweigen gehen auseinander. In einer Beziehung werden sich »ocr alle verständigen Menschen einig sein, nämlich darin, daß— eoenso wie die im Erwerbsleben tätige» Frauen— fo auch die Mutter und Hausfrau auf einen Schutz ihrer Tätigkeit Anspruch hat. Dieser ist heute mehr denn je notwendig. Ganz besonders aber dann. wenn eine schwangere Frau oder eine K i n d e» in u t t er einer augerchäusiichen Erwerbstätigkeit nachgehen muß. Von vielen Sozial oolititern wird die Zeit herbeigemünscht, in der jede Frau, die ein Kind unter dem Herzen trägt oder einen Säiig- ling zu Hause hat, streng von jeder Berufsarbeit sema ehalten wird. Freilich, eine Zeit, in der im Volksbowußtsein die Mullerschaft in noch viel höherem Ansehen steht als jetzt. In einer solchen Epoche wird man es wahrscheinlich für ganz selbstverständlich hatten, daß die Volksgemeinschaft für alle stingen Mütter sorgt, lieber die Erwerbsarbeit der schwangeren Frau und der Kindesmutter, die einen Säugling nährt, wird man sich dann wahrscheinlich nicht mehr zu unterhälten brauchen, da man sie auf dem Wege des sozialen Fortschrittes überwunden haben und die jungen Müller ihrer ur- eigenen Bestimmung voll und ganz überlassen haben dürste. Heutzutage muß man sich aber leider noch sehr ernstlich mit der Froge der Berufsarbeit außerhäuslich erwerbstätiger junger Mütter beschästigen und ernstlich erwägen, wie man diese Frauen und ihre Kinder durch Gesetz und F u r s o'r g e schützen sann. Führt doch die außerhäusliche Arbeil der Frau zu ihrer doppelten Belastung mit häuslicher und gewerblicher Täligkeii. die auf den Gcsundheits- zustand der Frau schädigend einwirkt, außerdem aber auch die Auf- zucht und die Erziehung der Kinder schwer benachteiligt. Bieterort- werde» die Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung über das Wachengeld, wie der Düsseldorfer Landesgenrerbearzt Dr. Telektz aus dem deuische» Krippentag unlängst hervorhob, leider immer noch nicht so durchgeführt, daß sie die S ch w a n g e r e n r u h e und die W 0 ch e n r u h e in dein vom Gesetzgeber gewollten Ilmfange gewähr- leisten. Die Leistungen der Krankenkassen an Wochengeld und Stillgeld bedürfen dringend der Ergänzung durch die Für- sorge der Städte und der Kreise. Der großen GefBirdung der Kinder erwerbstätiger Frauen muh«iitgegeiigewirkt werden durch ein« planvolle Sä)tvangeren-, Säuglings- und Kleinkinder- sürsorge und ein auf der Höhe stehendes Krippenwesen. Unendlich wichtig ist es, solange wie möglich den Kindern die VrusternAirung z» erhalten. Deshalb strebt man auch vielfach die ErrichUiirg von Fabriktrippen an, in denen den Frauen Gelegenheit gegeben wild, in entsprechenden Arbeitspausen die Kinder zu stillen. Dr. Tcleky verlangte auch auf dem Krippe ntagc mit allein Nachdruck. daß bei der k o m in e n d e n S i e d l n n g s t ä l i g k e i l in den Bau- blocks die Einrichllmg von Säuglingskrippen in»niste rgültig aus- zusührenden Gebäuden volle Berücksichtigung finden sollte. Dieser Forderung kann man nur voll und ganz zustimme». erlange es proletarische Bezirke gibt— mag es sich um Mietskaserne»viertel oder um Arbeitersiedlungen handeln— werden immer die Krippen einen wesentlichen Bestandteil der ergänzenden W 0 h i> u n g s s Ü r s 0 r g e bedeuten. Ganz zweifellos darren der Krippe auch im Rahmen der Gesaintsiusorge»och wichtig« Aufgaben. Hr.-.neck. Alfred K o r a ch die Serufswah! unsere? Töchter. Wenn die Schulentlassung, di« Fugendioeihe oder die Koitsir- matlon hinter uns liegen, deginnt regelmäßig die Zeit, tn der die Jugendlichen ihre Berussoiisbildung erhalten oder auch mit in dos Erwerbsleben eintreten. Von den Jugendlichen wird dies« Zeit natürlich ost sehr herbeigesehnt, aber für verantwortungsbewußte Eltern und Erzieher Bringt sie auch manche schweren Sorgen mit sich. Welchen Berns, so sragen sich die Eltern, soll ich mein Kind ergreifen lassen i in welche Arbeit soll ich es geben? Ohne Zusammenarbeit von Schule. Elternhaus, Berufsberatung und ärztlicher Beratung wird sowohl bei den Knaben wie Mädchen mir selten ei» befriedigen- des Ergebnis zu erwarten fein. Wie viele gewijtenhaste Heber- legungen gehen oft dieser Entscheidung voran», und wie viele Fehl- grisse kommen dennoch vor! Man könnte einwenden, daß in sriihere» Zeiten nicht so viel Umstände mit den Kindern gemacht wurden. Aber die ernste Lage unlcrcs Wirljchastslebciis, die Veränderung in der ilrbeitsorganst sation, der Fortschritt der Technik und der augenblicklich« Stand unseres Arbeitsmnrktes verlangen hcitte auch eine ganz andere Ein- jtcllung zu diesen so wichtigen Fragen. Daneben spielt aber auch die Gesundheitsfrage und die Frage der B« r u f e c i g it u Ii g jetzt eine andere Rolle. Wenn das auch in erster Linie bei der Be- russwah! des Knaben in Frage kommt, so ist doch auch dos Mädchen beute schon so stark tn das Arbeits- und Erwerbsleben mit cinge- spannt, daß wir dieser Entwicklung wohl mit Angst und Sorge solgen. Alle obenerwähnten Vorbedingungen müssen bei der Be- russwalll der Tochter genau so gewissenhast rrsüllt werden wie bei der des Knaben. Auch hier entscheidet nicht allein Begabung, Gesund- heil und der eigene Wunsch, semdern der Arbeitsmarkt hal eine wichtige, ja, beinahe ausschlaggebrnde Rolle zu spielen. Es ijl des- i'iüb notwendig, von der fast in jeder größeren Stadt besindlichen Einrichtung der Berufsberatung Gebrauch zu machen, weil an dieser Stelle alle Fäden, die bei der Frage Ausjchlusz geben, zu- sammenlause». Man sollte jedem Mädchen, besonders wenn es zart enlwickeit ist, zunächst einige Jahre der körperlichen Entwicklung gönnen und erst dann an den Besuch einer Handelsschule, etne? Seminars oder einer anderen Ausbildungsanstalt denken! Man sollie wieder lernen, den Berus der Hauswirtschast viel höher einzuschätzen und nicht ihn, der in der Bolkswirtschast eine so große und wichtige Rolle spielt, alz Notbehelf und als Stiefkind anzusehen. Besonders die Mütter sollten das beherzigen und nicht vrrgeisen, daß alle Begabung durch körperliche Eiilwicktung und einige Jahre Ausbildung in der Haus- Wirtschaft für das spätere Lebe» mir günstige Entsaitlmgsmögttch» feiten erhält._____ L. M. SowjetruMche SozialpoUti?. Abbau des Schutzes der Frauenarbeit. Das russische Arbeitsgesetzbuch enthält eine Reihe ziemlich radikaler Bestimmungen aus de», Gebiet« des S ch u tz e s d e r w e i b- lichen Arbeitskräfte. So verbietet das Gesetzbuch voll- kommen die Frauenarbeit in den schweren und gesundheitsschädliäzen Produktionszweigen sowie die Nachtarbeit der Fraue»: die schwan» geren Frauen belommen einen acht- bzw. sechswöchigen Urlaub vor und nach der Entbindung: stillende Mütter haben Anspruch ans einen Kürzeren Arbeitstag usw. Obwohl alle diese schönen Be- stimmungen zum größten Teil aus dm Papier stehen, da in erster Linie den nationalisieltcn Staat- betrieben die Frauenarbeit als zu kostspielig und unvorteilhaft erscheint, sind die russischen Gewerf- schasten stolz ans ihr inusterl>astcs Arbeitsgesetzbuch. Jetzt jedoch, wo endgültig ilargrstellt worden ist. daß einerseits das Arbeitsgesci, buch um gaii gen wird, und daß andererseits, wie das ossizielle Organ der Gewerkschaften„Trud* in seiner Nummer vom 27. Februar seslstellt,„eine massenhafte Verdrängung der Frauen ans der Produktion, eine Zunahm« der Erwerbslostgleit der Frauen, und infolgedessen ein Anwachsen der Prostitntion" zu verzeichnen ist, treten die Gewerkschaften selbst mit der Anregung hervor, die oben erwähnte» radikalen Bestimmungen aus dem»rbeitsgejetz- buch zu«» t se r n« n und den Schutz der Frauenarbeit a b z u- bauen und e i n z n s ch r.i» t e n. Wie das zitierte Organ der Geweikschaften mitteilt. I)at der kürzlich slottgcsu-ldene„(>. Kongreß der Gen>erkscl)aften" die Frage ausgerollt,„die bestehende Gesetzgebung über die Frauenarbeit einer Revision z» unterziehen, und zwar in der Richlung der Ein- schränkur.g der schweren und gesundheitsschädlichen Arbeite», zu denen Frauen nicht zugelassen werden: serner soll die Frage des Verbotes der Nachtarbeit si.r Frauen einer Nachprüfung unterzogen werden." In seinem Kommentar zu diesem Beschluß bemerkt das ossizielle Organ der Kewerklchasleu, daß„die Nachtarbeit aus den Organismus einer gesunden Frau(mit Ausnahine der Schtvaugercn und der stillenden Müttn) ebenso einwirft wie aus den Organismus der Männer und daß solglich ein besonderes Verbot der Nacht« arbeit der Frauen für uns vorläufig in gewissem Sinne einen Luxus da ist eilt... Achnlich liegen die Dinge auch in einigen schwere» und gesundheitsschädlichen Betuftzweigeii, zu denen Frauen nicht zugelassen werden.' Die Argumentation des amtliche,» Organ w der russischen Ge« werkschasten, die sich ihrer vorbitdlichen Sozialpolitik rühmen, und aii der Spitze der Roten Gewerisäiajtsinternatioiiale die«sozial- verräterische»" Amsterdamer Gewerlschasten bekämpfen, kann des uneingeschränkten Beisalles der U n i e r n e h m e r t r c i j e der weh- licheu Länder sicher sein. Werden die von den russischen Gewerk- schasten oorgeschlagencn Aendenmgen des russischen Arbcitsgejetz- buches durchgeführt, so wird der Schutz der Frauenarbeit in Ruß« tand weit hiiiler den entsprechenden Bestimmunge» in de» westeuropäischen Ländern zurückstehen. Zollfreie Seöanten. Gedanken eins» Junter». Die BKltge schichte ist das W-st!gevicht. jagt man. No, wir kennen Gott sei Dank noch«in« Meng« Advokalentniss«. dl« gceignet sind. den Prozeß zu verschleppen. » Man nennt un» mittelalterliche ZSegelagerer und Strauchdieb«. Aber wir hoben un? sehr gebessert! wir räubern nur noch aus parta» mentarischein Weg« und lauen, mir noch hinler dem Strauch de» Geschäftsordnung. « Unser Gemüt ist zart und lieblich wie di« Hirtenpoesie der Werlherzeit. So zum Beispiel fühlen wir nn« schon vollkommen glücklich, wenn wir im Schatte» einer Königseiche friedlich unser« -chäfchen scheren dürfen I Zu einem Volte, dem man das Geld au« der Tasche zog, muf man vom„Finger Gottes" reden. » Wir Junker haben dem Volke eist Religion beigebrocht: wen» mein Urahn durch die Felder ritt, machte seder Bauer, der ihn auch nur von weitem sah, drei Kreuze. fipril. Der Hinimet wcint, die Tranen tropfen— Er trauert schwer» die Schloßen tlopsenl— vhol Er lacht, die Snme scheint.— Schon wieder Tränen, der öiimmel weint.— Nun wird se«n Antliß wund und weh: Grauwimpern schütteln letzten Schnee— Jent diinzt er gar und weint und lacht, es hagelt und ist Sonnenpracht!— A Bald OJraii, bald Gold, bald leid, bald hold, bald weh, bald lind; g rab wie ein ungeberdig Kind. das ebeü nicht weiß, was es will: Das ist der �imniel im April' Eugen L e h n�i n n. Türkische Märchen. Der Greis, der nie verliebt war. Der erhabene Heillge Bajezid Bistami hielt einst in der Moschee eine Predigt. Alle Anwesenden, groß und klein, waren von seinen Worte» begeistert. Als die Begeisterung am höchsten war, trat ein Opiumraricher an seine Kanzel und sagte:„Meister, durch die Macht deiner glänzenden Rede führst du alle Welt aus den Psad Gottes. Ich habe eine Bitte an dich. Mir ist mein Esel verloren gegangen, sage mir, wo er ist." Bajezid Bistami sagte:„Gedulde dich nur! Ich werde ihn finden." Darauf fing er wieder zu predigen an. Während der Predigt wandte er sich an die Anwesenden und fragte: „Gememde Mohammeds, ist einer unter euch, der nie verliebt ge- wesen ist? Wenn das der Fall ist, so stehe er aus." Da stand ein Greis auf und sagte:„O Scheich, in der Wissenschaft der Liebe bin ich ein Laie. Seit meiner Kindheit bis zum Greisenalter bin ich nie verliebt gewesen. Was Liebe ist, weiß ich nicht. Ich habe überhaupt keine Ahnung, was das ist, was du Liebe nennst. Sei doch so sreundlich und erkläre es mir!" Da sagte Bajezid Bistami zu dem Opiumraucher, der seinen Esel verloren hatte:„Mann, das tjt der Esel, den du verloren hast. Nimm ihn mitl" Der fromme Mann und die Diebe.. Ein frommer Mann hatte sich für das Osterfest einen chammel getauft, um dessen Hals einen Strick gelegt und führte ihn zu seinem Kloster. Unterwegs sahen einige Diebe das Schaf. Ihre Diebslust regte sich und sie gingen den, frommen Mann entgegen. Da sie nicht wie Wölfe oder Tiger mit gewaltiger Hand die Beute nehmen konn- ten, wollten sie listig wie ein Fuchs zu Werke gehen und den frommen Mann in den Schlaf des Hasen versetzen. Sie verfielen auf eine ganz besondere List, durch die sie das einfache und fromme Herz des Mannes zu sangen gedachten. Nämlich folgendermaßen: Sle gingen einzeln dem frommen Manne entgegen. Der erste sagte: „Scheich, was willst du mit dem Hunde machen?" Der zweite: „Scheich, beflecke dein Gewand nicht mit dem Hunde." Der dritte: „Es sieht so aus, als ob du niit dem Hunde auf Jagd gehst." Ein anderer: Jäger, von wem hast du diesen Jagdhund gekauft?" Ein anderer:„Der Scheich mit diesem Hund« sieht so aus wie ein Nacht- Wächter." Ein anderer:„Dieser Mann mit dem Jagdhund ist sicher- lich ein Hundewärter des Kaisers." Kurz, alle Diebe hatten sich auf dies Wort geeinigt, warfen ihn, ein solches zu und machten ihn zur Scheibe ihies Witzes. Als der schlichte fromme Mann von ihnen allen übereinstimniend dies Wort hörte, kamen ihm Zweifel, ob sein Hammel ein Hund sei und er sagte zu sich:„Biellelcht war der Verkäufer ein Zauberer, der mich verzaubert lzat, daß ich den Hund für einen Hammel halte. Das Beste ist, ich lasse ihn fahren, gehe zum Verkäufer zurück und verlange mein Geld zurück, das ich ihn, gegeben." In seiner Einfalt ließ er den Hammel los und ging zurück, um den Verkäufer zu suchen. Als die Dieb« das sahen, stürzten sie sich wie Wötse auf den Hammel und nahmen ihn mit sich. Der Mann mit den zwei Frauen. Ein Man hatte zwei Frauen, die eine war alt, die andere war zart wie ein Rasenblatt. Er selbst war über die Zeit der Jugend hinaus, und sein Haar und Bart finge» an grau zu werden. Er liebte beide Frauen und behandelte die eine wie die andere derart, daß er die eine Nacht bei der einen und die andere Nacht bei der anderen zubrachte. Er hatte die Gewohnheit, des Morgens, bevor er ausstand, seinen Kopf seiner Frau auf den Schoß zu legen und noch etwas zu schlafen. Als er eines Tages so im Schöße der alten Frau schlief, sah diese, daß in seinem Bart einzelne weiße Haare waren. Sie sagte zu sich:„Ich werde ihm die schwarzen Haare her- ausschneiden und ihn des Schmuckes der Jugend berauben, damit die andere Frau, die ihn für jung hält, seiner überdrüssig wird, wenn sie das weiße Haar sieht, und damit er sich dann aus Aergcr u. er diese Zurücksetzung ganz niir anschließt." In diesem Gedanken beseitigte sie soweit als möglich die schwarze» Haare. Am nächsten Morgen schlief er im Schöße der jungen Frau. Als diese unter den weißen Haaren einige schwarze sah, die der Schere der alten Frau entgangen waren, sagte sie:„Ich werde die weihen Haare entfernen, so daß er sich für jung hält, des Verkehrs init der alten Frau überdrüssig wird und nur Verlangen nach mir hat." Sie schnitt also, soweit sie konnte, die weiße» Haare ab. So verging einige Zeit. Eines Tages härte er, daß einige Leute zu- einander sprachen und sich über seinen Bart lustig machten. Er faßte nach seinem Barte und sah, daß überhaupt kein Haar inehr geblieben war. (Aus ln-m soeben erschienenen Banix„Türkische Märchen�, berano- aeaebe» von F r. Sief«, Beria« Eng«» Dieberichs, Jena. Preis a«b.< M.i Scherz und Ernst Aus ewig. Zu einem Minister kommt der Abgesandte einer anderen Partei und bietet ihm eine Stelle in dieser Partei an. Der Minister:„Leider habe ich nitch eben für ewig meiner Partei verpflichtet." Der andere:„O, solange warten wir gern!"(„Lachen links".) tichle Momente. Vor deni Obergericht eines ostschweizerischen Kantons wurde einmal ein Mann verhandelt, von dem der meoi- zinische Sachverständige behauptete, er sei unheilbar größenwahn- sinnig, habe aber hie und da lichte Momente. Der Gerichtspräsident lächelte ungläubig und sagte, er wolle mit dem Manne schon fertig werde». Der Mann wird hereiiujefiihrt und behauptet, er sei der König von England.» „Das freut mich aber," fugte der Herr Gerichtspräsident,„daß ich einen Kollegen treffe, ich bin nämlich der.Kaiser von Japan." Dabei wirst er einen triumphierenden Blick auf die Beisitzer im Gericht. „Sie sind der Kaiser von Japan?" fragt der Angeklagte.„Das glaube ich nicht. Sie sind der Obergerichtsprüsident I., das größte Rindvieh vom ganzen Kanton." „Wie ich gejagt habe, meine Herren." wirft der medizinische Sachverständige ein,„der Angeklagte hat hie und da lichte Momenle." Vertellles ul weslsaalen. Karl ist Maurergeselle in der Stadt und hat an seine ländliche Geliebte eine Anfrage zwecks ehelicher Verbindung gerichiet. Lina antwortet?.--- Vadder will nich. Vadder meint, es wör nix. De Maurers, seggt Vadder. hem ne grote Schnute. Aber nur in Sommer. In Sommer, seggt Vadder. brukt jeder Maurer in't Wirtshaus e» Difch ganz vor sich alleene. Im Winter aber, seggt Vadder, da hem je»ix, un zehn Maurer» wärmen sich die Fingers an een Pserdekürtel. In bisse» Sinne grüßt dir deine Braut Fräulein Suttrop." Recht Hot sie.„Du küßt den Hans und bist noch nicht einmal mit ihm verlobt?" wundert sich die wgrndtimplige Frau Mama. Irina zieht ein« Schnute:„Aber Mama, wir find doch grade dabei!" Der Schafhirt. Der klein« Karl trifft auf der Weide seine» Freund, den Schaf- Hirten Tobias. „Lieber Karl, willst du nicht heut«»nein« Herde hüten? Ich möchte gar zu gern in die Stadt auf den Jahrniarkt." „Wieoicl Schafe hast du denn?" „Ich hüte von zehn Bauern die Schafe. Von, zweiten l>abe ich um eines mehr als vom ersten, vom dritte» um eines mehr als vom zweiten. Und lo fort, von jedem um eines mehr als vom vorher- gehenden. Vom zehnten Bauern habe ich genau viermal so viel al, voiv ersten." Darauf humpelte der atie Tobias, so rasch er konnte, fori, um noch zureazt in die Stadt auf den Jahrmarkt zu kommen. Der kleine Karl aber legte sich in die Sonne und nach kurzer Zec! hat er gewußt, wieviel Schaf« er»n ganzen in seiner Herde haben mußte. Wer ist das? Nimmst du allein mein erstes Wort, so iind'lt du ncich an manchem Ort: mit vielen zusammen, bald auch allein, oft mächtig und groß, doch oft auch nur kleii.. Es führt ein schwieriger, longer Psad, bis mein zweites Wart einer erreichet hat. Dan» sreut sich auäi jeder Geselle sehr, doch ist er dann gar kein Geselle mehr. Das Ganze gibt auf der Erde schön acht, daß nieinand darin etwas Löfcs niacht, und daß du die Lösung recht bald kriegst heraus, es putzt auch am Samstag das Sticgenhaus. tAu» der!» Birx«richtiiieigxn fieiuMrrlfi fllt KIndttcrürbung:„Di« äRuil(cJ.) Auflösung der Scherzfragen aus voriger Rümmer: t. das Rätsel, 2. der Prozeß, Z. Großvater, Voter und Sohn, 4. der Storch, 5. der Mohnkops.