Nr.10�42.?ahrgang 14. Mai ,925 I I!IZlII!!!III IIKIiMWD Beilage zum Vorwärks Lehren öer präfiöentenwahl. Der Ausfall der Präsidentenwahlen hat unseren Er- Wartungen nicht entsprochen: der Kandidat der reaktionären und nationalistischen Gruppen ist gewählt. Aber wir sind nicht entmutigt, denn der Wahlkampf hat gezeigt, daß unsere Be- wegung vorwärts schreitet, und besonders die große Zahl der im ersten Wahlgang kür den Genossen Braun abgegebenen Stimmen gibt uns das Recht, hoffmingsvoll in die Zukunft zu schauen. Mehr als bei früheren Wahlen sind bei der ersten deutschen Präsidentenwahl die Massen von der Politik erfaßt worden. Nachdem im ersten Wahlgang jede Partei ihre besonderen Ziele aufgezeigt hatte, brachte der zweite Wahlgang den großen Kampf zwischen rechts und links, der Trennungsstrich zwischen den fortschrittlichen Tendenzen und den reaktionären Mächten wurde scharf gezogen. In Tausenden von Versamm- tungen, itt der Presse und in Flugblättern haben die dem Volksblock angehöreichen Gruppen die Gegensäße deutlich herausgehoben. Jeder Wähler, der nach Klarheit verlangte, konnte sie hier finden und sich ein Urteil bilden. Auf der andern Seite dagegen zog man es vor, die eigentlichen Ziele zu verdunkeln, man hatte kein Interesse an der Aufklärung der Massen, man wollte nur ihre Stimmen, und als man sah, daß die Mehrzahl sich den vom Voltsblock vertretenen Ideen zuneigte, suchte man sie durch„hundsgemeine Flugblätter" und durch verlogene Behauptungen über den Volksblock und seinen Kandidaten zur Reaktion hinüber zu ziehen. Auf der Linken appellierte man an den V e r st a n d der Wähler und Wählerinnen, auf der Rechten an ihren Nationa- lismus und an die Sentimentalität. Wir stark die Phrase gewirkt hat, zeigt das Wahlergebnis. Nicht, als ob wir glaubten, daß alle fjindenburg-Wähler nur einer verschwommenen Gefühlspolitik erlegen wären! Sicher hat ein großer Teil von ihnen in dem bewußten Verlangen nach einem deutschnationalen Reichspräsidenten und nach einer Rechtsentwicklung der deutschen Politik sein Votum für den Feldmarschall abgegeben, aber bei einem sehr erheblichen Prozentsatz haben ganz zweifellos reine Gcfühlsmomente den Ausschlag gegeben: das Subordinationsbedllrsnis ehemaliger Untergebener, die Erinnerung an den„Helden" des Welt- triegs, Begeisterung für das Militärische überhaupt, die trotz allem noch so vielen im Blute steckt, und dergleichen mehr. Wir gehen wohl nicht fehl, lvenn wir behaupten, daß gerade der Ueberschuß der Frauen st immen, der dem Kandidaten der Rechtsparteien zugute gekommen ist. auf solche sentimentalen Gedankengänge zurückzuführen ist. Tau- sende von Frauen, die bei früheren Wahlen ihre Stimme überhaupt nicht abgegeben haben, sind durch die Aufstellung Hindenburgs zur Erfüllung ihrer Staatsbürgerpflicht gebracht worden, und sie haben nicht unwesentlich zu seinem Sieg beigetragen. Das geht deutlich aus der Wochlstatistit hervor. In den Orten, wo getrennte Wahllokale für Wähler und Wählerinnen eingerichtet waren, haben für den Kandidaten des Volksblocks, Marx, fast gleich viele Männer und Frauen gestimmt, während die Frauenstimmen für Hindenburg er- heblich über die Zahl der Männerstimmen hinausgingen. Da die Zahl der erwachsenen Frauen in Deutschland größer ist als die der Männer, ergibt sich, daß in den Schichten, die für Marx gestimmt haben, die Frauen sich entweder in großem Umfang zurückhielten, also überhaupt nicht wählten, oder daß sie sogar in das Lager der Reaktion übergingen. Wie dem auch sein mag, aus dem Wahlresultat können wir nur die eine Schlußfolgerung ziehen, daß die sozialdemo- kratische Agitation die Frauen noch nicht genügend erfaßt hak, und daß wir versuchen müssen, den größeren Teil dieser Frauen für uns zu gewinnen. Diese Aufgabe ist nicht leicht, denn SenUmentalität und KurzsichUgkeit sind hartnäckige Gegner, die immer wieder sich erheben, wenn man auch glaubt, sie vollständig vernichtet zu haben. Wenn wir uns nun an die Arbeit begeben, müssen wir uns zunächst darüber klar sein, daß bestimnite Frauengruppen für uns überhaupt nicht zu gewinnen sind, z. B. ältere Frauen, die zwar nach ihren wirtschaftlichen Verhältnissen durchaus zu den proletarischen Existenzen zu rechnen sind, die aber noch vor dem Kriege zum wohlhabenden Bürgertum gehörten. Sie sind durch Krieg und Kriegsfolgen verarmt und hätten allen Grund, über die Ursachen ihrer Verarmung und die politischen Faktoren, die sie herbeiführen halfen, nachzudenken. Aber nur wenige von ihnen haben genügend Elastizität, um sich zu einer andern Auffassung als der in ihrer Schicht herrschenden durchzuarbeiten. Diese Frauen sind unbelehrbar, und sie bilden eine dauernde Gefahr für den Fortschritt. Auf ihre Heranziehung viel Arbeit zri verwenden, wäre Kraftoergeu- dung. Es gibt andere, die uns näher stehen und die wir doch noch nicht in ihrer Gesamtheit erfaßt haben, neben Arbeite- rinnen und Arbeiterfrauen, vor allem die Frauen der A n g e st e l l t e n, die w e.i b l i ch e n Angestellten selbst und die große Zahl der Frauen der mittleren und unteren Beamten. Welche Wege sind einzuschlagen, um sie aus der politischen Teilnahmslosigkeit herauszuführen, und sie für unsere Ziele zu gewinnen? Von vornherein darf man nicht damit rechnen, sie während einer einzigen Wahlkampagne zu überzeugen. Sie werden bestenfalls auf kurze Zeit ein wenig für die Politik interessiert, ohne sich innerlich darüber klar zu werden, welches die wesentlichen politischen Forderungen ihrer Schicht sind und von welcher Partei sie am besten vertreten werden. Allgemeine öffentliche Wähleroersammlungen genügen hier nicht. Wir werden versuchen müssen, an die einzelnen Gruppen heranzukommen, ihre Aufmerksamkeit durch kurze Flugschriften zu erwecken und dann mit einer weiteren syste- matischen Bearbeitung einsetzen. Den Frauen muß vor allem praktisch gezeigt werden, daß die Sozialdemokratie die einzige Partei ist, die die Interessen der Konsumenten wahrnimmt, durch ihren Kampf gegen Zölle, gegen Verbrauchssteuern, durch ihr Eintreten für eine vernünftige Wohnungspolitik. In der nächsten Zeit werden wir gerade in dieser Richtung Anschauungsmaterial genug bekommen. Wir müssen uns fragen, was interessiert diese oder jene Gruppe von Frauen, die sich bisher noch nicht mit Politik beschäftigten, am stärksten, urch wenn wir das fest» gestellt haben, müssen wir mit unserer Arbeit an diesem Punkte einsetzen. Für die verheirateten Frauen ist es Zweifel» los das Budget der Familie. Wie sollen die Ausgaben mit den viel zu niedrigen Einnahmen in Einklang gebracht werden? Was kostet der Haushalt z. B. eines Zlngestellten, wieviel darf die Frau für Lebensmittel verbrauchen, um wie- viel wird dieser Verbrauch verteuert, wenn Getreidezölle und andere Lebensmittelabgaben eingeführt werden? Die geringste Preiserhöhung bringt, wie wir alle wissen, das Haushalts» budget ins Schwanken. Können wir den Frauen beweisen, daß unsere Politik den Haushalt der minderbemittelten Schich- ten schützt, daß also unsere Partei gestärkt werden muß, damit wir unsere Forderungen durchsetzen können, so werden auch sie bei dauernder Aufklärungsarbeit durch leicht zu erfaffende Migschristsn kleinen Formats und durch Versammlungen dahin gebracht werden können, selbst politisch tätig zu werden, sich der Partei anzuschließen oder doch mindestens ihr bei den Wahlen ihre Stimmen zu geben. Das Gebiet der Wohnungspolitik könnte in der gleichen Weise behandelt werden, die Schaffung zweikmäßiger Wohnungen, praktischer Küchen, Arbeitserleichterung im Haushalt durch denkbar beste Gestaltung der Küchen- und Wohnungseinrichtungen usw. Die Zeit und Kraft, die der Hausfrau erspart wird, kommt zum Teil der Familie, damr aber auch der Oeffentlichkeit zugute. Das Interesse für öffent- liche Hygiene kann geweckt werden. Die Behairdlung der Lebensmittel, vor allem der Milch, von der Molkerei bis in den Haushalt, die Behandlung des Brotes in den Bäckereien, des Fleisches usw. erfordert die Aufmerksamkeit der Haus- stauen. Wir müssen ihnen die Wege zeigen, die sie einzu- schlagen haben, um die Versorgung der Bevölkerung mit vollwertigen und bygienisch einwandfreien Nahrungsmitteln zu überwachen. Dabei können wir viel von den Frauen in Cnglaird und Amerika lernen. Das sind einige Punkte, an denen unsere Propaganda einsetzen kann, eine Propaganda, die sich in erster Linie an die Hausfrauen ivendet. Andere Gruppen brauchen andere Methoden, aber die Hauptsache ist überall die dauernde Bearbeitung. Es ist«in mühseliger Weg, den wir betreten, und manchmal werden wir verzweifelnd fragen, ob wir Geduld gering besitzen, ihn bis zum Ende zu gehen. Aber der Gedanke daran, wie dringend notivendig für die Entwickhrng des deutschen Lölkes die tätige Anteilnahme der noch abseits stehenden Frauen am politische» Leben ist, wird uns die nötige Kraft und Ausdauer geben. Tony Breitscheid. /lm Grabe öes unbekannten Soldaten. Bon Luise Schröder. Nur wenige Tage, nachdem In Deutschland politischer Unver- stand und falsche Heldenverehrung den Generalseldmarscball des Weltkriegs zum Präsidenten der Republik gewählt hatten, stand ich in Paris am Grabe des„»olll»t inconnu". Wie oft hatte ich in den letzten Jahren diese Worte gelesen, hatte darüber binweggelesen: e» schien niir ein Kriegerdenkmal zu sein, wie wir sie in Deutschland in jeder Stadt haben. Wie anders jetzt! Das war nicht das Grab eines Soldaten. nicht das Grab eines Menschen! Ach, nur zu oft mußten wir in den letzten Jahren Freunde, Genossen, die liebsten Angehörigen in ein solches Einzelgrab betten— der Tod hat ja so reiche Ernte ge- halten! Aber hier: 10 Millionen Toter, Millionen Verstümmelter und Verletzter, Millionen Witwen und Waisen, hunderttausende einsamer alter Väter oder Mütter— das alles schien plötzlich vor mir zu stehen, sich aus mein Herz zu wälzen. Was war es nur? War es dies« schlichte Steinplatte mitten Im Herzen der Großstadt, wo vor hundert Jahren Napoleon den Triumphbogen zum Andenken an die unter seiner Führung erfoch. teilen Siege errichten ließ? Waren es die frischen und halbvergilbten Kränze, geschmückt mit de» Farben der französischen Republik, war es der kleine unscheinbare rote Nelkenstrauß mit dem roten Bande? War es die alte Proletariers rau in der schlichten Schürze, die still abseits auf der Bank sah, den Blick unverwandt ausdas Grab gerichtet, während ihr d'e Tränen über die gefurchten Wangen liefen? Waren es die Menschen, die der Gefthäftsweg über diesen Mittelpunkt des Verkehrs führte und die stumm de» Hut abhoben und, mitten im Jagen und Treiben der Weltstadt, die Toten grüßten? Oder war es die Flamme, die stetig genährt, ruhig aus dem Erd- boden hervorschlägt, nie erregt flackernd, me aber auch verlöschend? Diese Flamme, die mir schien wie der In uns allen weiterwühlende Schmerz des Erlebens der letzten zehn Jahr«. Nicht mehr wild packt er uns. daß wir ausschreien: die Tränen derer, d>e ihr Liebstes vsr- loren, sie fließen höchstens noch einmal in stiller Nacht: der Selbst- «rhaltuiigstrieb des Elnzelmenschen wie der Völker hat uns gezwun- gen, uns ohne unsere Toten einzurichten. Und doch lebt der Schmerz: tief innen, da lodert er leise wie die Flamme am Grabe des unbe- kannten Soldaten: ln den Gesichtern der Menschen, da hat er sich eingegraben unauslöschlich! Und doch! Empiniden sie e» all«? Als lch in diesen Tagen »inen der schönsten Filme sah, der künden sollt« von der Schönheit des Menschen und seiner' ErholUing durch eigenes Wollen, und als »um Schluß eine Konzesston gemacht wurde an den militärischen Geist des Kaiserreichs, Indem man eine Kompagnie Matrosen im militäri- Kjen Drill vorbeimarschieren ließ:— da brach ein Beifallssturm los! a»latschten junge Kerle, die nie selbst empfunden haben, wieviel m« ns chliche Entwürdigung in diesem Drill lag: da klatsch- ten aber auch Frauen! Das find die Augenblicke, wo die Flamme de« Schmerzes in un« auflodert: wo wir aufjchreien möchten: Hobt Ihr denn noch nt.ht genug?!! Aber wir wissen: nicht da» Hilst! Der tö. April hat e» a«j«iat:«» Hilst nur ständig« und stete Arbeit der Aufklärung und, Ihr Müller, der Erziehung! Gerade in diesen Tagen, wo ein alter Mann, ein aUer Soldat, dessen Name der Welt ein Kriegsprogramm ist, sein« Hände zum Schwur legte aus die schwarzrotgoldenen Farben oer Republik, die ihm fein Leben lang im Innersten verhaßt gewesen sind, da laßt auch uns»inen Schwur tun, un» Frauen vor ollem: diesen Farben der freien Republik die Treue zu halten, komme was da wolle, und darüber hinaus der r o t e n F a r b e. die uns den Völkei frieden, das Völkerglück verspricht. Das schwören wir dir, du un- bekannter Soldat, der du unser Bruder bist, ob du Franzose. Russe, Engländer oder Deutscher bist: das schwören wir dir, du kleines rotes Nelkensträußchen am Grabe des �unbekannten Soldaten*: Trotzdem und alledem l brauchen wir eine besondere Zrauenpartei? Don Dora Fabian. Im Anschluß an die Reichspräsidentenwahl ist wieder«in Ee- danke aufgetaucht, der schon vor den letzten Reichstagswahlen ein« Rolle gespielt hat, der Plan einer eigenen Frauenpart«>. Besonders die Frauen der bürgerlichen Parteien setzen sich für diesen Gedanken ein und begründen ihn damit, daß keine der Par- teien den Frauen Innerhalb der Organisationen, in den Parla- menten, in der Gemeindearbeit den Raum ließe, der ihr der Zahl und Bedeutung nach zukäme; daß den Frauen die eigentliche Partei- Politik weniger läge als den„partcivertretenden Männern*, daß sie aber ganz besonders typische Fraueninteressen innerhalb dieses Männerstaaies zu vertreten hätten, die über den Parteien ständen und an keine Parteipolitit gefesselt seien, lieber alle Schranken der Weltanschauung und der krassen Parteigegensätze hinweg sollten sich die Frauen zu einigender, ausbauender Arbeit zusammen finden. Die Frauen der Sozialdemokratischen Partei haben bisher offiziell zu dieser Frage noch nicht Stellung genommen. Da es aber auch nach der Propaganda, die Bürgerliche für sie machen, durchaus wahrscheinlich ist, daß man auch an uns mit dieser Frag« herantreten wird, ist es wichtig,[ich mit ihr auseinander zu setzen. Sicherlich ist das eine richtig, daß säinilich« Parteien den Frauen nicht den ihnen gebührenden Raum zuerkennen. Nach dem Prinzip, jeder kehre vor feiner Tür. interessiert uns In erster Linie unsere eigene Partei. Immer wieder haben unser« führenden Ge- nojsinne» in Parteikonferenzen, auf Landesparteitagen usw. ein« stärkere Berücksichtigung der weiblichen Kandidaturen, eine ver- mehrte Einstellung von Fraucnsetrctärlnnen usw. gefordert. Bisher leider vergeblich. Aus dieser bedauerlichen Tatsache ziehen wir aber die umgekehrte Konsequenz, wie die bürgerlichen Frauen. Wenn wir unser Ziel erreichen wollen, wenden wir uns nicht ab von der Partei, sondern wir kämpfen mit allen Mittel» dafür, unseren For- derungen Anerkennung zu oerschaffen; vor allem mit dem Mittel, an den wenigen Stellen, die uns geöffnet sind,.unseren Mann* zu stehen und so die Berechtigung unseres Verlangens zu beweisen. Denn wir glauben nicht daran, daß es besondere.Frauen- interessen" gibt, die keine offizielle Partei, wohl aber eine Frauen- parte! vertreten könnte. Wir glauben daran nicht aus Grund der praktischen Erfahrungen, die wir in den letzten Iahren gemacht haben. Wir haben gesehen, daß immer wieder gerade bei den Fordeningen, die uns als die typischen Frauenfragen erscheinen, d i e Frau es ist, die der Frau in den Rücken fällt. Hier sei nur an die Kämpfe um die Abschaffung des 8 218 erinnert, die für uns ein« Selbstvefttändlichkeit ist. aber von der Rechten, ja sogar von einem Teil der demokratischen Frauen glatt abgelehnt wird: wir erinnern ferner an die Frage des Abbaues der unehelich Mutler gewordenen Beamtin, für de» die Frauen der Rechtsparteien sich teilweis« energischer ausgesprochen haben, als die Männer: an die Erziehung«» frage, die wir mit der weltlichen, die Frauen der Rechten mit der konsessionellen Schule zu lösen suchen, usw. Diese Beispiele mögen genügen, um zu beweise», daß ein klarer und energischer Schnitt uns in'entscheidenden Fragen von den anderen Frauen trennt, ein Schnitt, der unserer grundsätzlich anderen Weltanschauung entspringt. Die Sozialdemokratisch« Partei, die Partei der Ausgebeuteten, Ist auch die Partei des- jenigen Teiles der Menschhett, der seit Jahrhunderten unter do—"lter Knechtschaft, Unmündigkeit und Ausbeutung gestanden hat, sie ist diejenige Partei, die sich am energischsten für das F r a u e n w a h l« recht eingesetzt hat. mit dessen Hilfe bei der Präsidentemvah» Millionen von Frauen dem Mann ihre Stimme gegeben haben, der es ihnen wegen.der allgemeinen Ueberschätzung der weiblichen Leistungen* am liebsten wieder nehmen würde. Auch wir meinen, daß eine Partei besonders für die Fraueninteressen da sein mußt diese Partei kann naturgemäß nur die sein, die die Rechte der Frau am radikalsten vertritt— die Sozialdemokratisch« Partei. Die sozialdemokraiischen Frauen würden also den Borscklag, sich an der Bildung einer besonderen Frauenpartei zu beteiligen, unbedingt ablehnen müssen, und als klassenbewußt« Pcole- tanerinnen Schulter an Schuller mit den Männern des Proletariat» kämpfen gegen jede Ausbeutung und Unterdrückung. Ein Fürsorgewerk für enilastene weibliche Sirasgesangen« hat die bekannte Schauiplelerin Hedwig W a n g e l in Berlin>>»» Lebe» gerufen. Die Hedwig-Wangel-Hilse hat die Aufgabe,«in mütterliche« Heim für jugendlich« weiblich« Etrafentlassen« zu schassen, verbunden mit einer Fachschul« und Arbeitsstätte für Schneiderei usw., die zugleich der ärmeren Bevölkerung zu billiger, guter Instandsetzung ihrer Kleidung verhelfen sollen. Die Künstlerin. dte jetzt zum erstenmale leit 15 Iahren wieder In Rhelnhardt» „Komödie" austritt, stellt den gesamten Ertrag ihrer Bühnen- und Boitragstätigkeil in den Dienst dieses sozialen Liebeswerks. Di» weileren finanziellen Mincl werden au» freiwilligen Beiträgen und aus der Zeitfchrist.Da» Tor der Hoifnung* gewonnen. Sieölungsfrage— Zrauenfrage. Von Herta Drews. Kann jemand, der draußen, vielleicht vor den Toren Verlins, ein jogenanntes Siedlungshaus erwirbt, die Bedeutung des Wortes „Siedeln" in seinem ganzen Umfange ermessen? Ich möchte dl« Frage mit einem glatten„Nein" beantworten. Der eigentliche Siedler geht hinaus auss Land, die entlegensten Gebiete sucht er oft auf, keine Müh« scheut er, um die ödesten Brachen urbar und fruchtbar zu machen. Die denkbar schwierigsten Lebensverhältnisse erwarten ihn, der Jahrzehnte lang alle Bequem- lichkeiten des Großstadtlebens genossen hat. Meist wird er sich vor- her, ehe er sein Leben umstellt, nicht gönzlich klar darüber, welchen Dingen er entgegengeht. Er hat nur den einen Wunsch, den einen Willen, ein neues, nützlicheres, gesünderes Dasein zu beginnen. Alle Mühen nimmt er auf sich, das Haus findet er in vielen Fällen bereits vor; das Land ist oie Hauptsache, der die Hauptarbelt zu- kommt. Das Feld, der Garten solle» ihn, seine Familie, sein Vieh ernähren. Doch sie ist nur ein Teil des Arbeitspensums, die Feld- arbeit, das Vieh will gefüttert, gepflegt sein, der Nachwuchs ver- langt besondere Sorgsalt, und je intensiver er sich jeder Arbeit widmen kann, desto größere Erträge wird er stets haben. Wird er diesen Arbeiten gerecht, dann ist noch nichts für den Haushalt getan. Kanalisation ist nicht vorhanden. Das Wasser muß vom nahe gelegenen See, vielleicht von vorhandenen Quellen herbeigetragen werden. Dies und jenes, was er nicht selbst erzeugen kann, ist er gezwungen, aus der Stadt zu besorgen, die 10 Kilometer entfernt liegt. Teilweise ungünstige Wegeverhältnifse.— Brennmaterial kann er als Anfänger mit knappen Betriebsmitteln nicht kaufen. Er beschafst es sich mittels Handwagen aus dem nahen Wald. Dürr- holz, Abfälle von, letzten Holzschlag und dergl.— Dies olles ist nur ein allgemeiner Ueberblick über die zu leistenden Arbeiten. Wer ist es, der siedelt? Meist Ehepaare im mittleren Alter. Hier kommen wir zum zweiten Teil der Ueberschrtst. Um die Erau handelt es sich zum großen, wenn nicht zum größten Teil. a werfe sich jeder Siedler zwei Fragen vor, ehe er den entschei- denden Schritt tut:.Will meine Frau siedeln?" und .Kann mein« Frau siedel n?" Die erste Frage wird je nach dem Stand der Ehe ausschlaggebend oder überflüssig sein. Ist die Frau anpassungsfähig, lebt sie deine Gedankenwelt mit, dann Siedler, säg.ja" zu der ersten Frage. Ist sie dir als eingefleischte Bürgersfrau bekannt, die nie mit der Zeit mitleben wird, sich nie in andere Lerhattnlsse hineinfinden kann, Siedler, laß die Finger davon. Die zweit« Frage:„Kann meine Frau siedeln?" ist wohl noch aenauer zu beachten, da die Beantwortung allein von dem Gesundheitszustand, Überhaupt von der allgeineinen Körperkonstitution der Frau abhängig ist, aus die der Wille des Mannes ohne jeden Ein- sluß bleiben wird. Ist die Frau gesund, trüftig, wäre wohl das letzte Hindernis — was die Frau anlangt— beseitigt. Wieviele Frauen sind aber — und das gerade in unserer Zeit— mit Leiden behastet, die jede körperlich schwere Arbeit, wie sie auf der Siedlung zu leisten ist, absolut unmöglich macheu. Die 5)ilse der Frau wird in den meisten Fällen„zu beschassen bleiben", es wird in der Siedlung gerade in der ersten Zeit, die die härtesten Arbeiten bringt, wie Einrichtungen ln Haus, Garten, Feld, Stallen, Rigolen, Baum- und Strauch- Pflanzungen, Aufzucht von Kleinvieh und dergl. immer an den Mitteln fehlen, eine bezahlte Kraft anzunehmen. Und die Arbeiten nehmen überhand. Die Frau, die Jahrzehnte lang gewohnt war. den Tag mit häuslichen Arbeiten auszufüllen, muß ihren Haushalt vernachlässigen, weil sie den Anforderungen nicht gewachsen ist. Garten, Feldarbeit, jede Neuanlag« nehmen ihre Kräfte in dem gleichen Maße üi Anspruch wie die des Mannes, ja noch mehr, wenn sie nicht die Krästtgste ist. Und wo bleibt die 5)a u v a r b« i t? Der Mann wird in den meisten Fällen aus dem Standpunkt stehen, st« sei überflüssig.— Bis zum Einbruch der Duntelbeil werden Arbeiten außer dem Hause verrichtet, und wenn es aocnds ins Haus geht? Wohl ver- inißt der Mann anfangs die gewohnt« Sorgfalt, Gemütlichkeit in der Häuslichkeit, aber er gewöhnt sich überraschend schnell daran, weil er sich sagt,«» ist nicht zu ändern. Anders dl« Frau. Mit der Jeit wird sie sehen, wie e» in ihrer Wirtschaft rückwärts aeht. Das ocheu wird in aller Eil« besorgt, die Räum« nur notdürftig gereinigt. Auch hier wird«ine gewisse Verwahrlosung der aanze»■, Wirtschaft einrethen, dt« anfangs niederschmetternd wirkend, schließ-. «ch zu gröbster Resignation, Gleiebgülttgkeit der Frau führen wird Drum rate ich jedem, der siedeln will, die zwei Fragen, seine Frau betreffend, ganz gewissenhast zu beantworten Und eingcheiid dl« Verhältnisse zu prüfen, die ihn erwarten, ob sich auch die Lösung der Arbettssrage mit der Arbeitskraft de-r Frau vereinen läßt Für deide Teile aber rat« Ich zu einer völligen inneren und äußeren Umstellung, Einschränkung der Lebeasbedürsmss«. um alle Arbeitskraft möglichst produktiv verwerten zu können, um somlt «ine Verringerung der Arbeit, durch sie Berbilliaung und Gesünder gellaltong der gesamten Lebensweise zu erreichen. Eine �ustiztragikomööie. Ein Fall, der sich vor kurzem!» Bauern zugetragen hat. tetztt j wieder einmal, zu welch grotesken Verstößen gegen den gesunden] Menschenversland unser, moderne Sttasrechtspslege manchmal ge- i longi Der Ort der Handlung ist ein Bauernhof In der Nähe•»« 1 Schweinsurt, die handelnden Personen stno»auernmagoe un» Bauernknechte, der Inhalt der Tragikomödie ist eingebildet« Schwangerschaii und der Versuch der Beseitigung der ve> meintlichen Folgen. Es herrscht dort»och der— sagen mir einmal: patriarchalische— Brauch, daß Knechte und Mägde eine» gemein» samen Schlafraum teilen Eines Morgens erwacht eine der Mägde und findet im Bett»eben sich angekleidet einen der Knechte liegen. Passiert ist nichts. Aber das Mädchen ist voll Angst und glaubt an sich Symptome der Schwaiigerjchajt wahrzunehmen, wie: Appetit» losigkeit, Uebelkeit usw. Eine Freundin, der sie sich anvertraut, rät ihr, zur Beseitigung der Frucht warme Fußbäder mit Salz zu nehmen und Rotwein mit Zimt zu trinken. Natürlich bleibt der erwartete Erfolg aus. Das Mädchen wendet sich nochmals schriftlich an ihre Freundin, und diese wiederholt in einem Briefe ihren früheren Rat. Unglücklicherweise fällt dieses Schreiben in falsch« Hände. Die Staatsanmaltschcrst ili mobil gemacht: das Mädchen wird untersucht. Es ist unschuldig wie die heilige Marie, und et hat gar keine Empfängnis stattgefunden. Das hilft aber alles nichts. denn auch der Versuch mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt ist strafbar. Des Gericht in Scbweinfurt verurteilt a.n 24. April d. I. das Mädchen zu sechs Wochen G e f a» g n i h ohne Bewähningssrist.... Laut Entscheidung de» Reichsgerichts ist der Abtreibungsve?- such auch dann strafbar, wenn er mit untauglichen Mitteln am un» tauglichen Objekt vorgenommen wird. Allerdings bemühen sich dl« Gerichte, wenn irgend möglich, diese Reichsgerichtsentscheidung, dl« wie ein Ueberrest aus dem Mütelalier anmutet, zu umgehen. Der Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch kennt denn auch' nicht mehr die Strafbarkeit, eines solchen Versuchs. Das ist immerhin ein Fort» schritt, den» im übrigen soll ja der z 218 in sast unveränderter Fassung bestehen bleiben.___ Justus. 9er Wert öer /lbhärtung. Bei vielen jungen, ungeschickten, vielleicht auch noch unselb« ständigen Müttern finde» wir einen Hang, ihre Kinder zu verzärteln, Größere Kinder pflegen sich im allgeineinen dagegen zu wehren. aber die klelnen Kinder werden meist das Opfer dieser falsch» verstandenen Elternliebe und haben die Folgen einer Verzärtellina am eigenen Leibe zu spüren. Allgemein gültige Regeln gibt es für die Abhärtung nicht, sondern jeder Mensch muh die Abhärtung entsprechend seiner«ige» nen Natur selbst besorgen. Immerhin gibt es doch einige Regeln, die wohl in jedem Falle Geltung haben. Nach Möglichkeit fall der Körper täglich mit kaltem Wasser gewaschen werde». Bei zarten und nervösen Menschen darf das Wasser nicht allzutalt fei», sondern muß abgestanden oder lauwarm fein. Man sollte auch»ie im ge» heizten Zimmer schlafen und höchstens bei sehr empfindlichen Kin» der» die Lust im Schlafzimmer ein klein wenig angewärmt sein lassen. Besonders müssen die Wohn- und Schlafzimmer viel gelüstet werden, und es ist auch sehr wünschenswert, bei geöffneten Fen» stern zu schlafen. Die Mutter muß sich und die Kinder an die E» kennttüs gewöhnen, daß Wind und Wetter nicht ohne weitere« Krankheit bringen und ein Gang durch den Regen ein ganz natür» sicher Vorgang ist. Nur das Verweilen in nassen Kleidern und nassen Schuhen kann zu einer Erkältung führen. Solange man aber in Bewegung bleibt, der'Blutkreislauf befchleunigi ist und dt« Wärme tn> Körper bleibt, werden nasse Füße und nasse Kleidung niemals zu einer Erkrankung führen können. Sehr zuträglich ist es der Gelundheii auch, am Morgen und Abend eine klein« Weile vor geöffnetem Fenster oder im Freien einige recht liefe Atemzüge zu tun. Wer Gelegenheit hat, zu lchwim« men, der versäume nicht es zu tun, und wer noch nicht schwimmen kann, sollte es nach Möglichkeit lernen. Es gibt kaum etwas so Gesundes, wie das Schwimmen. Gleichfalls sehr wertvoll ist«», jeden Tag Im Freien zu arbeiten oder sich wenigstens etwas Be- wsgung m> Freie» zu verschaffen. Auf jeden Fall soll man sich auch In der Kleidung abhärten und niemals au» Angst vor Erküituna zwei Hemden oder Hosen oder Jacken anziehen. Man darf auch nicht im Sommer unter derselben Federdecke wie sin Winter schlafen und soll sich überhaupt In seiner Kleidung nach der Jahreszeit richten« L. M. brauchen Kinder viel Schlaft Kinder brauchen nicht nur viel Schlaf, sondern auch«in«N ruhigen Schlaf, denn das Leben und Treiben um sie herum»r- fordert von ihnen viel Aufmerkfamkei: und Anstrengung und e?» müdet deshalb ihren zarten Körper besonders stark. Nur der Schlaf vermag den Ausgleich zu bieten, den jede Anspannung unsere» Gehirns oerlangt. Manche Mütter glauben, das Kind habe, so» balo es au» dem eigentlichen Kleinkinderdasetn herausgcnwchlei» sei. nicht mehr so viel Schlaf nötig»nd halten es dann in de« Erziehung wie einen Erwachsenen, d. h.. sie muten ihm langes Auf» bleiben, späte Ausgänge und Teilnahme an den Festen und Feiern! der Erwachsenen zu. Wer einmai in so ein kleines übermüdet«» • Gesichtchen am späten Abend gesehen, oder wer In seiner Schuiklass« j am Montag morgen alle die annen übermüdeten Kinder vor sich I gehabt hat, den muß der Zorn packen über dt« Gletchgülligkeit und Rücksichtslosigkeit, mit der sich manche Eltern an ihren Kindern»er« sündigen. Aber nicht nur viel und ruhioen Schlaf braucht das Kind, sondern auch Schlaf in gut gelüstetem Zimmer, In warmer Jahr«»« zeit überhaupt bei osfenem Fenster. L. M. ■ss->••»»—. vorstaöt-8?ijhe im 5enz. Morgenieere Straßen: nur der Tau tropft sacht. funkelt aus dem Rasen, aus der Garten Pracht. Leise naht von Osten keusches Morgenrot: Stunde, dich zu kosten! — wie es krischt und loht! Straßen, Gärten liegen nun tm Purpurschein: wiegen, duften, schmiegen innig sich hinein. Wie die Farben strahlen aus dem Silbertau— glühendrot ummalcn- der Cyringcn Blau. Und welch' eig'ne Süß» deren Blüh'n entschwingt— Starke Lebensgrüße eine Amsel singt! Eugen Lehmann, Ein Zabritmaöel. Von Hermann Mönch. ' Dort steht es, das Mädel. Im langen, rasselnden Saale der Jsabrit. Mitten drin zwischen dröhnenden und hämmernden Ma- chinen. Unter klatschendem Rtemengewirr. Vor einer Stunde noch schaute es träumend Besseres. Sah es all die ihm serndämmernden Wünsche helle Wirklichkeit werden. Vi» jäh ein Gedanke alles auswischte und zum Aufstehen mahnte. Zener bange Gedanke an das Morgen, mit dem es sich immer spät abends müde und abgespannt schlafen legt. Und dann war es hinausgeeilt in den rufenden Morgen. Mit neuem Bangen und Sehnen. Run steht es an einer der monoton hämmernden Maschinen. Eine bleiche, weichlinige Gestalt mit heißem Herzen an der schwarzen, hartkantigen, kalten Maschine! Links neben ihm türmen sich hohe Stöße dumpsriechender Lederscheiben. Atemraubend. Die harrende Arbeit. Die nie eiidenwollende! De» blonden Kopf hat «s tief über den kleinen Tisch der Maschine geneigt. Die Maschine steht eben still. Unverwandt ruhen die blauen Augen auf einer Stelle des Tischchens. Da, wo von oben her eine große, blanke Rädel droht. Die schmalen Finger aber langen hastig und mechanisch einige der Lederscheiben. Legen sie gutpassend zu- sammen. Führen sie gewandt unter die Nadel. Schlagen leicht einen kleinen Hebel nach unten. Alles in vier Sekunden! Und wenn der kleine Hebel unten ist: hämmert die Maschine drauflos. Laut und wild. Saust die blanke Nadel vor und zurück in das knirschende Leder. Flimmernd, blendend. Bis die Stichreihe voll ist. Dreißig Sekunden lang!' Dann wieder hastig und mechanisch werken die schmalen Finger den kleinen Hebel nach oben. Legen sie die zusamniengehesteten Scheiben kurz prüfend nach der anderen Seite. In zwei Sekunden! Dreißig Sekunden hämmert die Maschine.— Dreißig Sekunden soll die ganze Arbeit dauern.— Sechs Sekunden hastiger und mechanischer Handgriffe also finden Jveder Zeit noch Geld! So geht es weiter, Minuten um Minute. Und über dem ae- beugten Nacken des Mädels klatscht unaufhaltsam der Riemen. Wie eine Antreiberpeitsche. Hastiger lange» die Finger van den Stößen. Hastiger legen sie die Scheiben zusammen. Hastiger führen sie diese unter die Nadel. hastiger schlagen sie den Hebel nach unten. Und die Maschine hämmert, hämmert, hämmert.., Und die Nadel flimmert, flimmert, flimmert... Fester noch ruht der Blick auf de» Stichen. Als sei er an- geheftet. Und hastiger werfen die Finger den Hebel uneder nach oben. Hastiger legen sie das Fertige beiseite. Weiter geht es in wilder Hast. Mit mechanischen Griffen. Dröhnend. Blendend. Immer weiter...„,, �. Da-- schwindelt dem Mädel! Zitternd versagen die Beine das Stehen. Bebend versagen die Hände das Greifen. Schmerzend löten sich die A.igen von der Nadel. Sehen nur noch schwarze Flecke tanzen. Kraftlos sinkt das Mädel nach hinten. Auf einen Kistenrand. Uin zu ruhen. Niemand sieht es. Niemand steht ihm bei. Alles ist im Banne der Maschinen. Doch, da klingt in die sausenden Ohren das Rasseln und Häm- mern der übrigen Maschinen. Sieht der verschwommene Blick die gebeugten Gestalten der anderen Arbeiterinnen. Die das gleiche Los haben. Das erinnert das gemarterte Hlrn an das fesselnde Muß. In den nächsten Minuten schon greisen die bebenden Hände wieder hastig. Hämmert es wieder vor der weißen Stirn. Flim- mert die blanke Nadel wieder in die müden Augen. Peitscht der Riemen wieder über dem gebeugten Nacken. Und die hohen Stöße der harrenden Arbeit bleiben diesgbcn. Ewig. So oerrinnt Tag um Tag. Woche. Monat. Jahr. Und das junge blühende Mädel niit dem feurigen Herzen ist mitgerissenes, kaltes Glied der Maschine!—»— Doch nicht immer! Und nicht ewig! Manchmal, nach Fabrikschluß, und wenn es die Zeit erlaubt, sitzt es sinnend in stiller Stube. Dann durchstllrmen das reifen- wollende Hirn sprühende Gedanken. Dann durchwogt die reifen- wollende Brust heißer Tatendrang. Und des Sonntags flieht es aus der engen Stadt in die lebFN- spendende Natur. Dann leuchte» die blauen Augen, und Stirn uud Wangen glühen rot aus unter dem blonden 5)aar--- Ein vielversprechendes Aehrenfeld mit zukunftshoffenden Korn- blumen und freiheitliebenden Mohnrosen! Scheez unü Ernst kleine Jabel. Es liefen Wette eine Strecke Eininal ein Ochs und eine Schnecke. Wer war's nun, der den Lauf gewann? Die Schnecke kam als erste an. Ihr fragt, wie das zusammenhing? Ei, weil der Ochs— dcnDien st wegging. ___ KoryTowska. Der kleine Diplomat. Klein-Mechthild, nicht ganz fünf Jahre alt, hat eine Tasse zerschlagen, als die Mutter hinzukomnit:„O Ma- machen"— so begegnet sie dem zürnenden Blick—„Du tust mir so leid, daß Du ei» so ungezogenes Kind hast. Gelt, Du vergißt diesen Schmerz— Hufjh"— und heult wie ein Schloßhund.., Ruhebedürsnis.„Ihr Unwohlsein ist nicht von Bedeutung", erklärte der Arzt der Frau Marchesa.„Noch den Anstrengungen des Winters bedürfen Sie mal eine Zeitlang der Ruhe."—„Aber ich muß doch wohl krank sein", wandte die Dame ein,„sehen Sie mal meine Zunge an."—„Ja, ja", nickte der Arzt,„die bedarf auch der Ruhe."(„Il Motto per ridere".) Liebesschmerz. Zwei junge Mädchen ergehen sich in der Abend- stunde im Garten und tauschen ihre Geheimnisse aus.„Ich möchte für mein Leben gern wissen", flüsterte die eine,„ob mich Jack wirklich liebt!"„Natürlich tut er das", beruhigte sie die Freundin, „weshalb sollte er denn gerade bei dir eine Ausnahme machen?" Bayerische Gemütsmenschen. Einmal wurde der Herr Pfarrer eines großen Dorfes im gesegneten Oberbaycrn zu einer sterbenden Bäuerin gerufen. Die Angehörigen berieten gerade, wo sie das Leichenmahl halten wollen. Da rief die sterbende Mutter mit schwacher Stimme aus ihrem Bett heraus:„Beim ober» Wirt müßt Jhr's Mahl halten." Da sprach der gemütvolle Gatte:„Du halt'st's Maul und stirbst!" Der gewissenhafte Joses.„Josef", sagt der Herr Oberleutnant, „Sie müssen recht obacht geben und alles genau ausrichten, wie es Ihne» aufgetragen wird. Auf dein Wege müssen Sie es immer vor sich hersagen, damit Sie es nicht vergessen. Und jetzt gehen Sie zum Gärtner, holen Sie die bestellten Blumen und bringen sie zmmeiner Braut, wo ich zum Essen eingeladen bin." Kaum sitzt der Herr Oberleutnant bei seiner Braut, do kommt der Bursche hereingepoltert»nd�iieldet mit Stentorstinune:„Da sind die Melten und da kostet das Stück I Mark, weil es Treibhaus- pflanzen sind, und das macht jetzt mit den anderen Rechnungen zusainmen 27!) Mark, und der Gärtner läßt sagen, wenn Sie die alte Schachtel jetzt nicht bald heiraten, dann können Sie sich Suppengrün aus den Tisch stellen." 30C0000000:J00£300C< Nätsel-Ecke Slaketrätsel. Die Buchstaben in nebenstchen- der Figur sind so zu ordnen, daß die wagerechten je ein moderne» Beförderungsmittel nennen. Die senkrechten Leisten bezeichnen: 1. griechischen Weisen, 2. Oper. S. Bogel, 4. englischen Physiker. verschieberäisel. Lkemnit/— Leopold— Pyrmont— Edwin— Niersteiner— Zobten— Spreewald— Hummer— Birnbaum. Vorstehende Wörler sind so untereinander zu stellen, daß je zwei benachbarte senkrechte Buchstabenreihcn einen deutschen Kom- ponisten und eines seiner Werke nennen. Auslösung der Rätsel aus voriger Rummer: verileckrälsel: Frei will ich sein im Denken und im Didsten: im Handeln schraenkt die Welt genug uns ein.— Silbenrätsel: Mensch sein heißt Kämpfer sein. Mürels— Edikt— Reu mark— Selckta— Chemie— Helium Satrap— Eichendorff— Innerste — Natter— Herakles— Energie— Igst— Saturn.