>W»MWMWWMW>WMl l Nr.,S.42.?ahrg� BdlöflC ZUM BOtlüätfe i 23. Juli ,425 j Gegen den Geist der Gewalt! Als noch der dumpfe, schwere Druck«ine» vierjährigen Sgensettigen BernichwngÄampfes der Völker, das stet« angen um uns liebe Menschen und schließlich das quälend« Dewußtsein darum, daß täglich, stündlich jung«, lebensfrohe Menschen in Oimlen dahinsinken mußten, aus uns tastete, da hatten wir alle die feste Ueberzeugung: Nie wieder könnten sich diese Eindrücke bei den Generationen, die bewußt dies alles«rleben igußten, verwischen. Aber nach kurzem Aufglühen stolzester Hoffnungen in den ersten Wochen der Revolution stürzte immer neues auf uns«in: verhängnisvolle, von kriegerischem Geist diktierte Friedensverträge wirkten zusammen mit der Selbstsucht der noch immer herrschend Gebliebenen in Deutschland, sie nutzten die ihnen gebliebene wirtschaftliche Macht gegen die Besitz- losen. Kriegsgewinn«— Unterernährung, das waren die Gegenpole der Jahre des Völtermordens, Jnilaiionsgewinne -— Elend und Verzweiflung waren die Parallele dieser oer» aangenen Nachkriegsjahre, unterbrochen nur von den schrillen Tönen des Kampfes gegen den neuen Staat, dem Dahin- morden der besten Vorkämpfer der Republik. Hat da» deutsche Volk, haben die deutschen Proletarier über all dieser neuen Not, diesen neuen Tageskämpfen. denen sich nunmehr im Zoll- und Steuerkampf dos Ringen um die nackte Existenz anschließt, den schrecklichen Ausgangspunkt alldieses Erlebens vergessen? Ist man sich nicht mehr bewußt. daß erst der Weltkrieg und seine Zerstörungen auf allen materiellen und geistigen Gebieten den Boden de- reitet« für all das Schwere, das sich anschloß? Fast möchte es so scheinen. Und doch kommen aus allen Himmelsrich- tungen der Welt Mahnungen an unser Ohr, die uns erinnern sollten, daß der G e I st d e r G e w a l t, der Wille zur Unter- vrückung der Schwächeren noch keineswegs aus der Welt ge- schwunden, ja scheinbar noch nicht einmal abgeschwächt Ist. Während jetzt in Afrika das Feuer lichterloh aufflammt, glimmt ein anderer Feuer- und Gefahrenherd im fernen Osten. Seit Jahren ist das große chinesische Reich von sozialen Umwälzungen erfaßt. Revolutionäre Umschichtungen haben das dicht bevölkerte Land erfaßt, aber der Umwälzungsprozeß ward künstlich gestört dadurch, daß die ausländischen Mächt« sich dies« politischen Umgestalii-ngen zunutze machen wollten, um ihr Streben nach Machterweiterung zu befriedigen. Darum suchten sie die in Zeiten revolutionärer Umgestaltung stets hervorgerufene Schwäche der Regierungsgewalt auch in diesem Falle auszunutzen, um sich einen guten Anteil am chinesischen Kuchen zu sichern. England und Frankreich sind dabei im Spiele, aber auch Rußland ist mit von der Partie, wenn es fein Ziel auch auf umgekehrtem Weg«, nämlich dem der Unterstützung einer bestimmten chinesischen Partei, zu er- reichen trachtet. Daneben macht insbesondere England der Selbständig- keltswille der Völker Indiens, Aegyptens u. a. zu schaffen. glimmt es allenthalben unter der Deck« und kann durch irgendein Ereignis zur Flamme werden. Will der Kapita- lismus den Krieg?— Nein, den Krieg selbst will er nicht, aber er will sein Machtstreben befriedigen, will sich auf lange Zeit hinaus Anlogemöglichkeiten für anwachsendes Kapital sichern. Und wenn auf dem Wege der Erreichung dieses Zieles der Krieg unvermeidlich wird. nun. dann führt er ihn eben. Oder besser gesagt— er läßt ihn führen, ebenso wie er den besitzlosen Proletarier arbeiten läßt. Aber auch den kapitalistischen Mächten erscheint der Krieg als ein gefähr- liches Handwerk, das von Gefahren umlauert ist und manch- mal zu einem unrentablen Geschäft werden kann. Darum verschmähen sie nicht Versuche, aus gewissen Gebieten zu einer Befriedung zu gelangen. So schweben zurzeit die Verhand- lungen Deutschlands mit den Alliierten, die darauf hinaus- laufen, für die deutsch« Westgrenze einen Sicherheits- p a t t abzuschließen, der die durch den Versailler Vertrag ge- zogenen Grenzen endgültig garantiert und für die deutsch« Ostgrenze vorsieht, daß keinerlei militärisches Vorgehen statt- finden darf, eh« nicht ein Schiedsgericht über die Streitsrage gesprochen hat. Der Notenaustausch ist noch im Gange und wir haben als Sozialisten allen Grund, jeden Versuch zu unterstützen, die internationalen Streitsragen auf anderem Wege als dem des Waflenaustrags zu lösen. Aber dennoch darf diese grund- sätzliche Einstellung nicht dazu führen, daß nun die rosigsten Friedenshvsfnungen die Gemüter beherrschen, daß der Wahn aufkommt, das Zeitalter des friedlichen Jrnperalismus sei angebrochen, auch die kapitalistischen Mächte verabscheuten nunmehr jegliche Anwendung von Mord und Gewalt und erkennen den Krieg endgültig als gegen ihre eigenen Inter- essen gerichtet an. Vergessen wir nicht, daß dasselbe Frank- reich, mit dem wir zurzeit im Gedankenaustausch über einen Garantiepakt stehen. Krieg führt gegen die marokkanischen Völker: daß England die von ihm beherrschten Völker unter seiner Macht behalten will und bei allen internationalen Konflikten seine Hand im Spiel« hat, den Hasen von Singa- pore nunmehr doch zur Festung ausbaut und seine Flott» weiter aufrüstet. Das alles geschieht doch nicht ausschließlich zur Sicherung de» Friedenspaktesl Und ist etwa in Deutschland es als Zeichen des verschwundenen Geiste» der Gewalt zu werten, wenn Hindenburg, der Feld- Marschall des Weltkrieges, den Präsidcntenstuhl als Nachfolger Fritz Eberts ziert, wenn eine von den Deutschnatio- nalen beherrschte Regierung das Szepter schwingt? Innen- und außenpolitische Methoden stehen in enger Verknüpfung miteinander. In der Innenpolitik aber sehen wir einen Angriffsgeist auch in unserem Lande wach, der vor den schwersten Attentaten aus die nackte Existenz der schassenden Bevölkerung nicht zurückschreckt. Im schwersten Kampfe müssen sich Männer und Frauen des deutschen Pro- letariats zur Wehr setzen gegen Männer des eigenen Volke», die die Tischdecke immer fester zu sich heranziehen wollen. Kampf, schwer st er Kampf im Innern— da» i st das Zeichen der Stunde. Derselbe Geist aber, der die Wirsschaftskämpfe im Innern beherrscht, ist auch wach in der Führung der Außenpolitik. Und darum gibt e» kein« absolute Garantie dafür, daß nicht auch der Versuch in der Zukunft unternommen werden könnte, unser Land und Volk hineinzureißen in eine gervaltsame europäische Aus- einandersetzung, sofern sich die herrschende Klasse davon irgendeinen materiellen Vorteil verspricht. Wir aber haben es im Weltkrieg gelernt, daß das Pro- letariat aller Staaten immer der Verlierer jeden Krieges sein wird, daß er für uns nur sinnlose Opfer und tieferes Versinken in Not und Verelendung wäre. Darum wollen wir gerade an den Crinnerungstägen des großen Völkerschlachtens unseren Geschlechtsgenossinnen zurufen: Vergeht es nicht, was an harter bitterer Erkenntnis euch die vier Kriegsjahre gelehrt! Setzt heute bereits und überall dem Geiste der Ausbeutung und Gewalt entgegen den hehren Gedanken der sozialistischen Bölkergemeinschastl Tony Sender. das Recht der Zrau auf Arbeit. Von Marie Iuchacz. Im Reichstag ist am Freitag, den 18. Juli in zweiter Lesung des Gesetzes über eine Aenderung der Personalabbau- Verordnung mit einer Stimme Mehrheit ein Beschluß gefaßt worden, der für uns Frauen über seinen Kreis hinaus eine Bedeutung hat. Wenn dieser Beschluß bei der voraussichtlich im Laufe dieser Woche stattfindenden dritten Lesung aufrecht- erhalten bleibt, fällt damit der berüchtigte 8 1� der Personal- obbauverordnung, der die weiblichen Beamten gegenüber den männlichen sthr stark benachteiligte. Es ist anzunehmen, daß die Regierung und die bürgerlichen Parteien(mit Ausnahme der Demokraten) alles aufbieten werden, um den Beschluß wieder aufzuheben. Worum handelt es sich? Die Personalabbauverordnung wurde im Herbst 1923 als Folge der Inflation und der Not« wendigkeit der Stabilisierung unter dem Ermächtigungsgesetz erlassen. Jetzt nach fortschreitender Gesundung der Reichs- stnanzen müssen Regierung und Reichstag die alten Be« amtenrechte wieder herstellen. Für uns handelt es sich hier nur um dos. was für die Frauen in besonderem Maß« in Frage kommt. Wollen wir den Artikel 14 der Abbauver« ordnung ganz verstehen, ist es gut, sich in» Gedächtnis zurück- airusen, was der Finanzminister im November 1V2Z zur Durchführung der Personalabbauverordnung sagte: .Da» Dienstverhältnis der verheirateten Beamtin kann lederzeit am ersten Werttag eine» Monats zum Monatsend« gekündigt wer- den, sofern nach dem Ermessen der zuständigen Behörde die wirt- schaftliche Versorgung des weiblichen Beamten gesichert erscheint. Es ist bei Anwendung der Vorschrift davon auszugehen, daß bei verheirateten weiblichen Beamten die wirlschaslliche Existenz durch die Heirat an und für sich gesichert erscheint, so dah den verheirateten weiblichen Beamten ohne nähere Ermittlung der Behörde über die Arage ihrer wirtschaslllchen Versorgung gekündigt werden kann. Demgemäß wird Artikel 14 nur dann nicht angewendet werden dürfen, wenn von den verheirateten weiblichen Beamten dargelegt wird, daß trotz Ihrer Verheiratung ihre wirtschaftliche Versorgung nicht gesichert erscheint.. ,3m übrigen wird im Interesie des Abbaue» sämMchea ver- heirateten Beamten möglichst schon seht zu kündigen sein.' Die Sozialdemokratie hatte nun den Antrag gestellt, den Artikel 14 der Personalabbauverordnung zu streichen. Dieser Antrag ist, wie schon erwähnt, mit 180 gegen 179 bei einer Stimmenthaltung im Reichstag angenommen worden. Außerdem hat die Sozialdemokratie noch eine Entschließung eingebracht, die ebenso wie der vorher skizzierte Antrag bei der dritten Lesung zur Abstimmung gebracht wird. Sie lautet: .Die Reichsregierung ist zu ersuchen, diejenigen auf Grund de» Artikel 14 der Personalabbauverordnung entlasienen verheirateten Beamtinnen, deren wirtschaftliche Versorgung nicht gesichert ist, wieder in den Dienst einzustellen.' Die bürgerlichen Frauen b«Meifelt«n. daß der sozial- demokratische Antrag angenommen werden würde. Sie haben deshalb veAchiedene Anträge zur Borlage eingebracht. So z. B verlangten die Demokraten, daß die lebenslänglich an- gestellt gewesenen Beamtinnen mit dem Zeitpunkt der Ent- lassung als in den einstweiligen Ruhestand versetzt gelten sollen. Weiter forderten sie, daß für kündbar angestellt ge- wesene weibliche Beamte, sofern sie eine mehr als zehnfährige ruhegehaltsfähige Dienstzeit zurückgelegt oder das SO. Lebensjahr vollendet haben, das gleiche gelten soll. Frau Teusch verlangte In Verbindung mit den Frauen der Deutschen Bolkspartei und der Deutschnationaken Volks- Eartei in einer Entschließung, daß die Reichsregierung durch en Reichstag ersucht werden soll, darauf hinzuwirken, daß die auf Grund des berüchtigten Artikel 14 ausgeschiedenen Frauen bei der Verwendung von Hilfskräften im Reichsdienst vorzugsweise berücksichtigt werden sollen. Für uns Sozialdemokratinnen entstehen bei der Be- trachtung dieser Dinge verschiedene Fragen. Zuerst aber wollen wir einmal feststellen, daß nach der Reichsverfasiung Artikel 109 Männer und Frauen grustdsätzlich dieselben Rechte und Pflichten haben sollen und daß es ebenfalls nach der Verfassung, Artikel 128, kein Ausnahmerecht mehr gegen weibliche Peamte geben soll. Zu den früheren Ausnahmebestimmungen gegen weib- liche Beamte gehörte bekanntlich auch das Heiratsverbot, das dann In Ausführung der Reichsverfasiung aufgehoben worden ist. Durch die Inflation, die in ihren Folgeerscheinungen und Notwendigkeiten zur Abbauverordnung drängte, ist dieser Grundsatz der Verfassung vorübergehend außer Kraft gesetzt worden. Kein normaler Staatsbürger hat sich vor gestellt, daß da? nun ein Dauerzustand, d. h. ein Rückfall in alte Zeiten sein sollte. Anders die Reichsregienmz. Angeblich hat sie herausgefunden, daß die Arbeit der vcr- heirateten Frau im Beamtenverhältnis nicht so lohnend ist. sie will, wie sie vorgibt, aus dem Grunde, in Wirklichkeit aber aus einer rein reaktionären Einstellung heraus, den alten Zustand des Zölibats sür Beamtinnen auf dem Umwege wieder einführen. Grundsätzlich haben wir nun die Frage aufzuwerfen: Hat die Frau im allgemeinen überhaupt das Recht auf Arbeit? Jede Frau weiß, daß, wenn sie auch als Verheiratete in die Fabrik gehen will, wenn sie als Waschfrau oder Putzfrau arbeiten will, keine 5iemmung«n, außer der evtl. Ueberlastung des Arbeitsmarktes für sie vor- handen sind. Kein Reichstag, kein Landtag beschäftigt sich grundsätzlich mit der Frage, ob«ine verheiratete Frau im Haushalt oder Bureau scheuern und putzen darf oder nicht. Sosern die Frau den Beweis der Tüchtigkeit in einem einmal erwählten Beruf erbracht hat, ist es auch möglich, als ver- heiratete Frau noch weiter in gelernten Berufen, im Bureau und in Derkaufsläden ni arbeiten. Aehnlich ist es mit der Ausübung irgendeine« freien akademischen Berufes. Anders im Beamtenverhältnis: Hier soll ganz plötzlich gegen die Frauenarbeit„zugunsten der Che' entschieden werden. Jeder Einsichtige, der die wirtschaftlich« Entwicklung mit Verständnis verfolgt, weiß heut«, daß die Frau unerbittlich in da» Berufsleben hineingezogen wird und daß es gar nicht von dem Willen de» Gesetzgebers oder de» einzelnen ab- hängt, ob Frauen erwerbstätig sein sollen oder nicht. Wenn man dies« Entwicklung besahen muß, dann ist es aber auch nicht gerechtfertigt, au» einem bestimmten Berufe die Frau ausschließen zu wollen. Wie wissen genau, daß für sehr viel« Frauen, die Doppelbelastung durch Haushalt und Kinder fast unerträglich ist und daß viele Frauen gern«ine günstige Ge- legenheit ergrekfen würden, um ganz ihren Hausfrauen- und Mutterpflichten zu leben. Auf der anderen Seite ist aber auch unverkennbar, daß es neben den privatwirtschaftlichen Notwendigkeiten sür die einzelne Frau auch das Bedürfnis nach der Ausübung eines Berufs vorhanden ist. Auch dieses ganz individuell« Recht der einzelnen Frau darf unseres Er- achtens nicht etwa mit einem Federstrich beseitigt werden. Und wohin sollte es führen, wenn man die Konsequenzen durch alle Zweige des Wirtschaftslebens ziehen würde. Nun noch etwas zu der Frage der minderen Arbeits- leiftung der verheirateten Beamtin. Industrie und Handel als Arbeitgeber haben sowohl in den Fabrikräumen wie in den Bureaus und Verkaufsläden verstanden, die verheirateten Frauen so In den Dienst der Arbeit einzuspannen, daß durch die Ehe der Arbeit keine Beeinträchtigung zugefügt wird. Was dort möglich ist, sollt« im Beamtenverhältnis nicht durch- führbar sein? Aber noch eine andere Interesionte Frage entsteht im Zu- sammenhang mit den Vorkommnisien im Reichstag. Cs hat sich die bemerkenswerte Tatsache vollzogen, daß d i e Frauen sämtlicher Parteien, d. h. deutschnatto- nalen bi» zu den sozialdemokratischen(Ruch Fischer wird vielleicht oder auch nicht erklären können, weshalb sie ihre Unterschrift nicht gegeben hat) sich mit einer gemeinsamen Entschließung an die männlichen Mitglieder des Reichstags gewandt haben. St« verlangen in dieser Entschließung, daß der Reichstag, d. h. die Männer den Beschlüsien des Haus- haltausfchusies zu Artikel 14 der Personalabbauverordnung nicht beitreten sollten und brachten zum Ausdruck, daß der Artikel 14 den verfassungsaemäß den Frauen gewährleisteten Rechten widerspricht und daß er In seiner Konsequenz über die yeuttgen großen sozialen Schwierigkeiten der Eheschließung hinweggeht, die verheirateten Beamtinnen einem Sonderrecht unterstellt, gegen das sie vom Standpunkt der Frau und der Beamtin mit Recht Verwahrung«inlegen. Rechtfertigt dieser gemeinsame Vorstoß der Frauen die Annahme, daß es eine große allgemeine Frauensolidarität gibt, und ist es möglich, die Frauen auch in der Folge auf eine gemeinsame Linie zusammenzubrin- gen? Bis jetzt ist das tatsächlich bisher nur bei speziellen Berufsfragen möglich gewesen, während bei anderen großen Menschheitsfragen die Abstimmungen rein nach Welt- anschauung und Parteigruppiemng gefallen sind. Auch diese Abstimmung rechtfertigt nicht die Annahme, daß es in Zu- kunft hiermit anders werden könnte. Immerhin ist es inter- esiant, daß wenigstens in den Fragen des ganz persönlichen Rechtes auf Arbeit«ine gewisse Gemeinsamkeit durch die Reihen der politisch tätigen Frauen geht. Ziauen, veegeßt nicht! Von Herta Gott h elf. Ta�e de» Gedenken» kommen nun, Tage, an denen jeder sich unwillkürlich zurückversetzt in die unheilschwangeren Wochen vor dem Kriegsausbruch, in denen Verbrecherhände das Feuer entzündeten, das vier Jahre lang die europäische Kulturwelt verwüstete. Tage de» Gedenkensl Sie lind notwendig, denn nur zu sebr sind dl« Menschen in ihrer Schwäche und Kurzsichtigkeit geneigt zu vergessen und den Schleier der romantischen Verklärung über Dinge zu breiten, hinter denen nicht» weiter steht als Wahnsinn und Verderben. Verbrecherische Demagogie ist auch heute am Werke, dies« Steigung zur Vergeßlichkeit auszunutzen und namentlich den Frauen von den herrlichen Zeiten' des kriegerischen Ctahlbade» vorzuschwärmen. Herrliche Zeiten! Jeden Tag Siege— jeden Tag Fahnen und in jeder Minute da» erhebend« Bewußtsein: Wieder«in vaar zer» setzt« Menschenleiber mehr, da irgendwo im Osten. Westen oder Süden brennen ganz« Städte, platzen Bomben und Granaten, werden Menschen wehrlos zu Tausenden erstickt durch giftig« Gase. Und mitten drin in dem Hexensabbat war er, der Mann, der Sohn, der Bruder, der Vater! verlaust und dreckig lag er in einem eisigen Erdloch voll Wasser—«in winzige» Etwa» gegenüber dem Moloch Krieg. Wirklich, ,» war»in« große Zell— wert, im GedSchtni» oller Frauen lebendig zu bleiben—: vergeht sie nie! vergeht«» nicht, daß man Hunderttausend« zu Krüppeln schoß, daß jung«, lebensvoll« Menschen ihren Verstand verloren und daß ander« heimkamen, blind, zerbrochen an Leib und Seele. Den« an die Gräber im Osten, Westen und Süden, in denen so »tel beschlossen liegt an Lieb«, Glück und Sehnsucht! Denkt an all den Jammer und all da» Elend, Tag um Tag, vier lange, bonge, qualvolle Jahr«! vergeht«» nie, welch« Roll» jene in der herrlichen, grohen Zett' spteuen, die jetzt wieder hervorkommen au» ihren Schlupf. winkeln, in die sie«inst«in respektloser Novemberwind verwehte. Und wie sie euch wieder einsangen wollen mit all den schönen Worten, dt« euch damals«inlullten:„Vaterländische Ehr«',„Na- tionalstolz',„Lieber tot, al» Eklav'I' und so weiter. Vergeht e» nie, wie sie offen und insgeheim die Aufbauarbeit der Arbeiterschaft störten und systematisch da» Werk untergruben, da» mühsam au» Schutt und Trümmern errichtet wurde. vergeht ihn nie, den Kapp-Putsch, wenn sie nun zu euch kommen und sich als Bolkssreunde und„Retter' aufspielen. Vergeht auch nicht jene, die man feig und hinterrücks ermordete, weil in ihrer Seele nichts lebendig war als die Liebe zu ihren unter- drückten Brüdern: Liebknecht, Luxemburg, Eisner, Landauer, Garei«, Rathenau und die vielen anderen! Sollen sie umsonst ge- starben sein? Vergeht«» nie, wie sie ihn, den Graden, Stillen. Aufrechten hetzten und durch den Schmutz schleiften noch über seinen Tod hin- au», weil er zu uns gehörte und uns die Treu« hielt: Ebert. Und auch daran denkt, an die Jahre der JnflationI Wie das Kapital mächttger wurde mit jedem Tag und anschwoll und alles i» sich aufsaugte, und wie sie euch alles nahmen, Schritt für Schritt — wie ihr dastandet mit gebundenen Händen— hungernd« Lil- üonär«'— und zusehen mühtet, wie eurer Rechte ein» nach dem «nderen illusorisch wurden, auf dem Papier standen, preisgegeben der Willtür der Unternehmer. Frauen! Nicht nur den Krieg in all seinem verbrecherischen Wahnsinn bebaktet im Gedächtnis— vergeht auch nicht die Jahr« de» Leidens, dl« aus ihm erwuchsen! Und«ine» vor allem bedenket stet»: solang« die kavitali tische Wirtschaftsordnung nicht durch ein« sozialistisch« abgelö t ist, solang» seid ihr und eure Kinder stet» in Gefahr, neuen Kriegen, neuen„herrlichen Zeiten' entgegengefahrt zu werden. Tut darum eure Pflicht als proletarisch« Frauen, erzieht eure Kinder zu freien, ausrechten, sozialistischen Menschen. NSrt eure Mitschwestern auf, zeigt ihnen das wahr« Gesicht jener Volks- deqlücker mit Monokel und Gummiknüppel, deren Macht stets nur auf der Vertrauensseligkeit der Dummen beruht, die leider nie alle werden. Seid Kämpfer im grohen Kamps, der un» all« eint, für«in« freie, befreit« Menschheit, für da» Recht oller arbeitenden Menschen, für den Sozialismus!____ Wer will unter öle Soldaten! Von Anna Siems« n. Sehr viele, besonders bürgerllch-demokratisch« Zeltungen be- mühten sich darzutun, daß mit Hindenburgs Präsidentschaft eigentlich gar nichts geändert wäre. Wenn aber schon, dann sei es eine venderung zum Besseren: Der Heros der Monarchisten sei ge- zwungen gewesen, den Eid aus die Republik abzulegen. Welch eine Wendung durch Gottes Fügung! In der Wirklichkeit sieht man es anders. Die Spiel« der Kinder unter meinem Fenster hoben sich geändert. Sie tragen Helme, Trommeln und schwarzweißrote Fähnchen und ziehen in Kolonnen mit Trommelwirbel und Gesang durch die Strohe:„Wer will unter die Soldaten, der muh haben ein Gewehr.' Haben dl« Kinder, dl« gestern noch mit Murmeln und Fußball spielten, plötzlich so ihren Geschmack geändert? Rein, aber die Frau Mamas sind zur Feier der Hindenburgpräsidentschaft hingegangen und haben ihnen die Helme, Gewehre, Trommeln und Fahnen gekauft:„Damit sie doch auch wissen, was dieser Tag zu bedeuten hat.' Eine hat es vorgemacht und die anderen sind gcsolgt. Wahr- scheinlich haben die Kinder gequält:„Der Fritz hat solch schönen Helm. Kauf mir doch auch einen.' Und die Mütter haben nachge- geben, haben mitgemacht, und so sind die Kinder auf einmal wieder im schönsten Kriegsrummel drin. Während der sich in den Straßen breit macht, während überall wieder die schwarzweihroten Fahnen wehen, der Stahlhelm Schieß- Übungen abhält und der Jungdo Hindenburg-Paroden, und während die demokratische Presse das alles als einen Sieg der Republik aus- posaunt, gibt es in Deutschland hier und da in verborgenen Ab- teilungen der Krankenanstalten Frontkämpfer, denen das Stahlbad des Krieges nachhaltiger angeschlagen ist al» den Herren Generalen und Feldmarschällen der deutschen Republik in ihren Hauptquarttc- ren und Etappen. Bon ihnen weiß niemand, von ihnen spricht niemand. Und sie selbst sind sprachlos, trosttos, hilflos. Bor Jahren bin ich durch»inen Zusall in solch ein.Lazarett für Kieserverletzte' hineingeraten. Und wo» ich da gesehen habe, werde ich bis in mein« Todesstunde nicht vergessen. Di« Glücklich- äten, die besten und erfolgreichsten Fäll« sahen aus wie geflickte Zuppengesichter. die eine ungeschickte Hand zusammengesetzt hat. Ein luae, eine Rase, eine Ober- und Unterlipp« und Backen, die nicht Juelnander passen wollten, die ausdruckslos und starr wie schlecht« karikaturen in die Welt grinsten, lächerlich und grauenvoll. Ader es gab andere, wo Mund und Rase weggerissen waren und nur die Augen über einer sürchterllchen Höhl« noch«n das Menschengestcht erinnerten, da» die» einmal gewesen. Und«» gab„Gesichter, die 6ar nichts andere» mehr waren als«in Hause wild wuchernden ileische«. Man hat sie vergessen. Man will nicht an sie erinnert sein. weil sie un» swren würden tn unseren profitablen Geschäften und In der Vorbereitung auf das neue Stahlbad, für das IS Millionen Deutsche gestimmt haben, indem sie HIndenburg wählten. Aber wäre e» nicht gut gewesen, wenn bei des neuen Reichs- piäfldenten Einzug in Berlin neben ihm statt des lächelndem kon- zllianten und gewandten Doktor Luther einer dieser Frontkämpfer gesessen hätte? Er hätte nicht sprechen und nicht Hoch rufe» tön- nen aus dem offenen Schlund, dem Lippen, Zähne, Zunge wegge- rlsien sind. Aber er hätte noch deutlicher geredet von der grohen Zeit, deren Führer Hindenburg war, von dem Kriege, der nach Hindenburgs Meinung ja dann am barmherzigsten ist, wenn er am grausamsten Ist, von den herrlichen Zeiten, denen uns dieser Vertreter des Kriegswillens, dies Symbol de» Weltkrieges, mit Got- te» Hilfe— wieder entgegensühren wird. Er sah nicht neben Hindenburg beim Einzüge. Aber sür Augen, die sehen wollten, hat er hinter ihm gestanden, wird er hinter ihm stehen, unausweichlich, unentrinnbar. All«, die dem Kriege und dem Blutvergiehen, der Zerstörung und dem Morde zugejubelt haben, als Hindenburg tn Berlin einzog, alle, die begeistert das alte Soldatenjpiel mitmachen, werden sich eines Taaes vor diesem Ge- spenst verantworten müssen. Sie werden nicht sagen können:„Wir haben«» nicht gemuht', und werden keine Entschuldigung baden: haben es nicht gewußt', und werden keine Entschuldigung haben: Kinder. Diese Kinder aber spielen unterdessen Soldaten. Ihre Mütter taufen ihnen Helme, Fahnen. Trommeln und Gewehre. Und sie spielen sich longsam, unabwendlich ln das Schicksal sener hinein, die als lebende Leichen in irgendeinem Winkel gesangen gehalten werden, �um die Schmach des Krieges, die Schmach Dsutschland« zu verbergen. Wird irgendein Mensch in der Welt, wenn das geschieht, mit Deutschlands Muttern Mitleid haben dürfen? Wanölung. von Max Dort». Das Herz der Erde spie rotes Blut, feurig« Fahnen schwebten über den Völkern, Revolution! Und all« lenzigen Blüten schenkten ihr sanftes Rot, das«inte sich den seurtgen Willenssahnen. Und die Sterne der dunklen Nacht tühten die roten Banner der allmenschlichen Gemeinsamkeit. Aus den Herzen der Menschen aber stand aus dke Güte, die Lieb«, golden schrieb sich die gütige Lieb««in in die roten Bannerl Friede! Alle Vöglein aber sangen am ersten Mai die Schönheit neuen Werdens. Die Winde tanzten um die Gipfel der Berg« ihren silberslüssigen Reigen. Die Ebene atmet« tief und schwer: Fruchtbarkeit! Die Kinder schauten aus die Alten und die blanken Augen der Kinder fragten: Wohin der Weg? Da saht« sich Mensch an Mensch, Volt«inte sich dem Volke. und ein Kranz aller Völker scharte sich um die roten Banner de» ersten Mai. Die Weltengetster ritten auf weihen Schimmeln über die dlnuc Himmelsbrück«. Die Sonne fplelt« auf der goldenen Geig«: Harmonie. Kiköerfihlch in der Zilminöustrie. Ein sozialdemokratischer Erfolg. Von Hedwig Wachenheim. Kinder waren in Deutschland bisher vor der Beschäftigung in der Filmindustrie kaum geschützt. Filmbetriebe zählen nicht zu den gewerblichen Betrieben, in denen Kinder nach der Gewerbeordnung überhaupt nicht, oder wenn mehr als 10 Arbeiter darin arbeiten, nicht beschäftigt werden dürfen. Die Ausnahmen zu Filmen sind aber auch keine öffentlichen theatralischen oder andere Schaustellungen, bei denen Kinder nach dem Kinderschutzgesetz von 1303 nur nach poltzetücher Genehmigung mitwirken dürfen, wenn ein höheres Interesse von Kunst oder Wissenschaft vorliegt. 1903 kannte man eben noch keine Filmindustrie. Dabei nimmt die Beschäftigung von Kindern bei Filmaufnahmen ständig zu. Besonder» seit die amerikanischen jugendUchen Filmstars wie Jackie Coogan und Baby Pcggy in Deutschland große Erfolge erringen, will die deutsche Industrie sich den Gewinn, der aus der Neigung des Publikums für das Kind auf der Leinwand entspringt, nicht entgehen lassen. Die Gefahr für die Kinder ist nicht minder groß wie beim iijwter; denn zu der Ueberanstrengung, der Un« regelmäßigkeit des Lebens, den Schulversäumnisien, der Phantasie- Überreizung durch Spiet und Unterhaltung der Schauspieler, der schlechten Unterbringung während der Pausen tritt die Gefahr für die Augen durch das Licht der Jupiterlampen. Der Polizeipräsident von Berlin, damals noch Genosse Richter, erließ darum am 30. Jum 1924 eine Verordnung zum Schutz der Kinder bei Filmaufnahmen, die für Kinder unter 3 Jahren dt« Be- lchäftigung vollkommen verbietet und sie für ältere von einer polizei- lichen Genehmigung abhängig macht, die dann nicht erteilt werden darf, wenn eine schädliche Einwirkung auf da» Kind In sittlicher, geistiger und gesundheilltcher Beziehung oder«in« Ueberreizung seiner Phantasie durch den Inhalt der Szenen, in denen es mitwirkt, oder durch die von ihm vorzunehmenden Handlungen zu besorgen ist. Die Verordnung regelt dann noch Arbeitszeit und Unter- bringung der Kinder. Aber leider reicht der Arm des Berliner Polizeipräsidenten zwar tn Berlin weit, wa» ober hilft da», wenn viele Berliner Firmen in Neubabelsberg, Staaten und Woltersdorf ihre Ateliers haben, und draußen im Reich, namentlich in München. dem zweiien Hauptort der Filmindustrie, sein Wort nicht» gilt. Die Sozialdemotratte hat darum da» einzig mögliche tn dieser Sache getan und im Relchstag eine Novell« zum Kinderschutzgesetz beantragt, die inhaltlich im wesentlichen mit der Verordnung des Berliner Polizeipräsidenten übereinstimmt. Das ober mißfiel der Reaktion. Sie, die nicht genug die Scham- losigkeit gewisser Filme verurteilen kann, hat keine Bedenken, daß Kinder zur Herstellung solcher Filme oerwandt werden und dabei ihre gesunde Entwicklung in Gefahr gerät. Schnell wurde im Reichsrat, dem gerade ein Gesetz zum Schutz der Jugendlichen beim Besuch von Lustbarkeiten vorlag, der Kinderschutz bei Filmaufnahmen in diesen Einwurf hineingearbeitet. Grund? Eine Novelle zum Kinderschutzgesetz muß sich im Rohmen diese» Gesetzes halten. Sie muß die Materie reichsgesetzlich regeln, uno sie kann ent- sprechend den Bestimmungen des Kinderschutzgesetz«? für die Beschäftigung von Kindern bei Theateraufführungen, die Beschäftigung nur tn Ausnahmefällen zulassen. Das aber wollen dl« Herren, na- mentltch die aus Bayern nicht. Sie wünschten nur ein Reichs- rahmengesctz, auf daß Bayern machen kann, was es will, und auf daß, wenn Preußen, Sachsen und Hamburg sich ihrer Pflicht be- wüßt sind, die Industrien in Berlin. Leipzio und Hamburg keine Kinder verwenden können, die Münchener aver wohl. Sie hatten darum auch von vornherein die Bestimmung sehr lax gemacht. Ste verboten die Beschäftigung, um dann Ausnahmen für alle Alters- stufen, auch für Kinder unter drei Jahren zuzulassen. Im Plenum des Reichstages hatte die bayerische Bolkspartel durch ihren Einspruch zunächst die 3. Lesung und damit die An- nähme des soziaidemokrattschen Entwurfs verhindert, nachdem Herr Schwarzer vorher in seiner Rede beklagt hatte, daß nach Annahme dieses Entwurfs kein vollständiges und echtes Familienbild mehr gezeigt werde» köiintel Mit Recht hat die Zeit schritt der Münchener Filmindustrie seine Rede vollständig abgedruckt. Ste war ihr ein gutes Plaidoyer. Nun wurde hinter den Knllssen von der Filmiudustri« eifrig auf die bürgerlichen Parteien gefeuert. Vielleicht oersuchte die bayerische Voltspartet zu einem Kompromiß mit der Filmindustrie zu gelangen: wir erlauben euch die Kinderausbcutung. schweigt dann, wenn wir zur Hebung der Sittlichkeit die Zensur verschärfen. Aber der Anschlag mißlang. Am 17. Juli wurde der sozial- demokratische Antrag In 3. Lesung angenommen, allerdings mit dem ZusatzaMrag schwarzer, für Kinder unter drei Jahren bei Auf- nahmen für Filme zu Heilzwecken und Wissenschaft»™? Filme Ausnahmen vom völligen Aufnahmeverbot zuzulassen. Damit hat die Sozialdemokratie die Ausdehnung der gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz des Kindes auf ein neues Gebiet erreicht. Die Kontrolle der Uebertretungen ist in diesem Falle nicht schwer. Der Film gibt sie wieder. Da» Publikum aber kann darüber hinaus die Polizei kontrollieren, damit ste mit ihren Aus» nahmebestimmangen nicht zu weitherzig ist und sich nur vom Inter- esse des Kinde» leiten läßt. Lraaenüberjchuß. Bei der Volks- und Herufszählung am 1. Juni dieses Jahres ergab sich, daß der Frauest-berschuß in Deutschland seit Kriegsende beretts wieder zurückgegangen ist. In Deutschland(ohne Saarge- biet) gab ee mehr weibliche Einwohner als männliche: im Jahre 1925.... 1.9 Millionen ., 1919.... 2.S .. 1910.... 0.3 Der Frauenüberschuß vom Jahre ISIS entspricht tm Vergleich zu dem vom Jahre 1S13 ungefähr gerade unserem Kriegsverlust von zwei Millionen Männern. Heute ist die Verschiebung tn der Zahl beider Geschlechter zu einem Teil schon wieder ausgegilch.'»� Wir nahem un» wieder dem Berhältni» der Vorkriegszeit. Auf je 1000 männliche Einwohner kamen Frauen: 1910..... 1029 1919..... 1 100 1025..... 1071 In Großbritannien kommen auf 1000 Männer 1VSZ Frauen und im europäischen Rußland 1211. Geringer ist der Frauenüberschuß in neutralen Ländern: Dänemark 104S, Schweden 1037, Niederland« 1013. Von einem Männerüberschuß wird berichtet au» Irland(IS pro tausend Frauen) und Rumänien IS. In den Jahrzehnten vor dem Welttrteg ist tn Deutschland der Frauenüberschuß ständig zurückgegangen. 1882 kamen auf 1000 Männer 1042 Frauen. 1S14 nur noch 1026,4. Der Frauenüberschuß wird häufig als Ursache zunehmender Frauenerwerbsarbeit(verringerte Heiratsmöglichkett) bezeichnet. Sicher ist das nicht tn dem Maße berechttgt, wie allgemein onge- nommen wird. Man stellt sich nämlich nur zu leicht beim Vergleichen der Einwohnerzahlen beider Geschlechter alle Menschen al» in de« mittleren Lebensjahren befindlich vor und vergißt, bei seinen Be- trachtungen die Altersgliederung der Bevölkerung zu berücksichtigen. Bei der letzten gründlichen Volkszählung vor dem Krieg, im Jahre 1907. zeigte sich, daß trotz des auch damals bestehenden Frauenüberschusses in den Attersgruppen bis zum 40. Lebensjahr dl« Zahl der Männer großer war, wie die der Frauen. Erst vom SO. Jahre ob überwog die Zahl der Frauen bedeutend. Es handelte sich dabei zu einem großen Teil um Witwen. Man wird bei der Beurteilung des im Juni dieses Jahre» er- mitteilen Frauenüberschusses auch erst die Ergebnisse der Altersstatistik der Bevölkerung abwarten müssen, ehe man Schlüsse daraus ziehen konn.__ A.«. Frau als Prokuristin. Waren tn den Jahren vor dem Krieg Frauen in leitender Stellung. Frauen al» Vorgesetzte von Männem nur sehr selten anzutreffen, so hat sich da» tn den Krieg». und Nachkriegsjahren sehr geändert. Die Zahl der Frauen in solchen Stellungen hat sicher außerordeittlich zugenommen. Als ein Symptom dafür kann man ansehen, daß im Zentral-Handels- register allein im März diese» Jahre» 97, und tm April 78 grauen als Proturistin eingetragen wurden. Ehefrauen, die Prokura im Geschäft ihres Mannes erhielten, sind tn diesen Zahlen nicht ein- begriffen. Als Geichäftsführertn von Gefellschaften wurden in der gleichen Zeit 37 bzw. 24 Frauen eingetragen. E» wird interessant sein, zu erfahreti. wie bei der vor wenigen Wochen erfolgten Berufszählung die Aenderung der sozialen Stellung vieler Frauen zum Ausdruck kommt. Scherz uaö ernst..........."SRRRR Gratifikation. Arbeiter:.Ich möchte Sie nur darauf aufmcrt- sam machen. Herr Kommerzienrat, es sind heute vierzig Jahre, daß ich in die Fabrik eingetreten bin."— Fabrikant:.So? Na, dann gehen Sie nur schön an Ihre Arbeit und denken Sie darüber nach, was für einen Hausen Geld Sie tn diesen vierzig Jahren au» meiner Fabrik hinausgetragen haben!" Gentleman und Dieb. Ein eleganter Herr vennißt sein seidene» Taschentuch und beschuldigt einen Iren, es gestohlen zu haben. Schließlich fand er es in seiner Tasche und bat den Iren um Ent- schuldigung..Ach, das macht nichts," sagte dieser..Sie dachten, ich wäre ein Dieb, und ich dachte, Sie wären ein Gentleman, und dg haben wir uns beide getäuscht." Tüchtig..Sie sind wohl noch nicht ganz klar darüber. Fräulein Müller, wann hier auf den, Bureau angefangen wird zu arbeiten?" .Nein, Herr Direktor. Wenn ich komme, sind immer alle schon bei der Arbeit." Die neu« Sprache. A.:.Na, wie gehts Geschäft?".B.: Bubt- kops.".Was heißt Bubikopf?".Wie abgeschnitten. Und bei dir?" .Tennisschuh.'.1?.".Ohne Absatz." Der kleine Gustav kann in der Lcsestund« nicht recht über das Wort.Stoff' hinwegkommen. Der Lehrer versucht ihm ein wenig auf die Sprünge zu Helsen..Na, Gustav, woraus sind denn deine Hosen gemacht?"—.Aus Daterns", kommt es glücklich heraus. Ein lieses Gemüt. Bäuerin:.Wollen wir nicht zu unserer silbernen Hochzeit ein Schwein schlachten?" Bauer:.Warum denn? Was kann das Schwein dafür, daß wir fünfundzwanzig Jahre ver» heiratet sind."