mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmMmfimmmmmmmmmmmmmmmmammmmMmmmmmammimmmmmmmmmmmmmMmmmmmmwimmmmmm Zrauensti «c.i8»42�obtg�n Beilage zum Vorwärts 1 3. Septemb« 1�5> Der Schwindel der Preissenkung. Die Regierung Luther will die Arbeiterfrauen herrlichen Zeiten entgegenführen. Sie hat beschlossen, daß am 1. Ok- tober die P r e i s e für alle Lebensmittel und alle Gegenstände des täglichen Bedarfs herabgesetzt werden sollen. Ihre Vertreter verhandeln deswegen schon seit Wochen mit verschiedenen Jnteressentengruppen. An die vor einigen Tagen eröffnete Leipziger Messe hat die Regierung eine Auffor- derung zur Preissenkung gerichtet. Alle Zeitungen sind voll von Berichten über die Preissenkungsaktion der Regierung Luther. Ab 1. Oktober also sollen die Hausfrauen billiger einkaufen können. Sie sollen von ihrem Wirtschafts- geld etwas übrig behalten, damit sie die zum Winter not- wendigen warmen Kleider einkaufen können. Sie sollen für das gleiche Geld ihrer Familie hochwertigere Speisen vor- setzen können. Notwendig, dringend notwendig wäre das gewiß. Noch immer ist der K r a n k e n st a n d bei den verschiedenen Krankenkassen ungewöhnlich hoch. Roch immer ist der größte Teil der Schulkinder unterernährt. Roch immer sind die Lücken nicht ausgefüllt, die Kriegs- und Nachkriegsjahre in den schon vordem bescheidenen Kleider- und Wäschebestand der Arbeiterfamilien gerissen haben. Nicht nur im Interesse der einzelnen Arbeiterfamilien, auch im Interesse der ganzen deutschen Bolkswirtschaft wäre eine Herabsetzung der Preise dringend notwendig. Deutschland ist mehr denn je zuvor auf Warenausfuhr ange- miesen. Durch die Ausfuhr deutscher Fertigwaren müssen die Mittel zur Zahlung unserer Reparationsschulden aufgebracht werden. Die Preise für diese Waren liegen aber zu einem Teil über den Weltmarktpreisen. Sie können deshalb nicht abgesetzt werden. Die deutsche Gütererzeuaung beginnt zu stocken. Eine Preissenkung könnte den Absatz fördern und damit der von Woche zu Woche wachsenden Zahl der Ar- beitslosen neue Arbeitsgelegenheit oerschaffen, ioie könnte die einem großen Teil des deutschen Proletariats für die kommenden Monate drohende Arbeitslosigkeit verhindern. Was tat die Regierung Luther, um die Preise zu senken? Sie hat durch hohe Zölle den deutschen Unternehmern, Großagrariern und sonstigen Warenbesitzern die Möglichkeit verschafft zu einer Preissteigerung ohne Rücksicht auf den Weltmarktpreis. Schon vor den Zollbeschlüssen der Regie- rungsmehrheit waren die Preise für wichtige Lebensmittel zu einem Teil höher als die Weltmarktpreise. Aus der In- flationszeit haben die deutschen Unternehmer noch die Gewohn- heit behalten, einen all�u hohen Gewinn auf die Preise zu schlagen. Der erfrischende Luftzug einer Konkurrenz mit den anderen Ländern hätte sie mit der Zeit von dieser Ge- wohnheit etwas abgebracht. Die Zölle der Regierung Luther bewahren die deutschen Preise ängstlich vor der Konkurrenz des Auslandes. Die Folge ist, daß in Deutschland die Preise von Wochezu Woche steigen. Von diesen Zollfreuden können die Hausfrauen ein Liedchen singen. Gleichgültig, was sie kaufen, ob Lebensmittel aus Deutschland oder dem Ausland, ob Schuhe, Kleidungsstücke oder Wirtschaftsartikel, alle Preise steigen von Woche zu Woche. Einen großen Teil ihres Wirtschaftsgeldes müssen die Hausfrauen für Zollauf- schlage bezahlen. Es ist selbstverständlich, daß ein solches Heraufschnellen der Preise Lohnerhöhungen für die Arbeiterschaft nach sich ziehen muß. Werden doch die deutschen Arbeiter ohnedies schon viel schlechter bezahlt als die Arbeiter in den meisten anderen Industrieländern. Wegen ihrer gerechten Lohnfor- derungen stehen die deutschen Arbeiter gegenwärtig im Kampf mit dem Unternehmertum. Die Reichsregierung wagt es aus agitatorischen Gründen nicht, direkt gegen die Arbeiterschaft Stellung zu nehmen. Sie will nicht offenbar werden lassen, daß die Arbeiterklasse allein die Lasten der Zölle zu tragen hat. Sie wählt deshalb einen llmweg, um ihre Teilnahme am Kampf gegen die Lohnerhöhungen zu verschleiern., Die Reichsregierung bekämpft die Lohn- forderungen der Arbeiterschaft durch ihren Ruf nach Preissenkung. Keine vernünftige Frau wird darauf hereinfallen. Sie wird einer Regierung alle guten Absichten absprechen, die erst Zölle beschließt, die preis- erhöhend wirken, und die dann von Herabsetzung der Preise spricht, wenn die Arbeiter entsprechende Lohnerhöhung fordern.* Durch das Reden von der Preissenkung soll den Ar- beitern der Lohnkampf erschwert werden. Die Regierung gibt damit den Unternehmern eine Waffe gegen die Arbeiterschaft in die Hand. Gelingt es den Arbeitern dennoch, hier und da Lohnerhöhungen zum Ausgleich der Zollbelastung durchzusetzen, so wird die Regierung diesen Lohnerhöhungen die Schuld daran geben, daß die Preise ab 1. Oktober nicht abgebaut werden. Die Arbeiter werden deshalb jhre Kräfte In den kommen- den Lohnkämpfen verdoppeln müsten. Sie werden vor allen Dingen von ihren Frauen dabei unterstützt werden müssen. Nichts wäre verkehrter, als stillschweigend die Lebenshaltung noch weiter absinken zu lassen, um Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Seit zehn Jahren leben wir inmitten der traurigen Folgen der Unterernährung. Häufige Erkrankungen, frühzeitiger Tod, mangelndes geistiges Interesse bei Er- wachsenen und bei Kindern�, die Unmöglichkeit, den heran- wachfenden Kindern eine gute Berufsausbildung mitzugeben, die große Wohnungsnot, das find die wichtigsten Symptome der niedrigen Lebenshaltung der Arbeiterklasse. Für die Arbeiterfrau sind alle diese Leiden doppelt schwer. Einmal wird sie von den Folgen der Unterernährung mindestens in gleicher Weise betroffen wie die anderen Mitglieder ihrer Familie. Auf ihr lasten außer- dem noch die Sorgen, mit dem wenigen Geld möglichst vor- teilhaft zu wirtschaften. Sie muß immer herumflicken an den schon unzähligemal ausgebesserten Wäsche- und Kleidungs- stücken. Sie muß die kleine überfüllte Wohnung immer wie- der säubern, ohne sie jemals richtig in Ordnung zu bekommen. Sie leidet als Mutter schwer, wenn sie zusehen muß, wie die Not die körperliche und geistige Entwicklung ihrer Kinder beeinträchtigt. An einer möglichst guten Lebenshaltung sind daher die Arbeiterfrauen eher noch stärker interessiert als die Männer. Sie müssen deshalb doppelt wachsam fein, wenn Regierung und Unternehmer sich verbünden im Kampf gegen die Arbei- terfchast, wie es jetzt bei der sogenannten„Preissenkungs- aktion" geschieht. Allen Abwehrmaßnahmen der Arbeiter- schaft, zu denen auch die Verhandlungen des gegenwärtig in Breslau tagenden Gewerkschaftskongresses wich- tiges Material liefern, muß das Interesse und die Unter- stützung der Arbeiterfrauen gewiß sein. Auch der nicht erwerbstätigen Frau, die nicht persönlich an Lohnkämpfen teilnimmt, ist ein wichtiges Kampf- mittel in die Hand gegeben. Die Zölle wären nicht beschlossen worden, wenn der Reichstag nicht bei der letzten Wahl eine Rechtsmehrheit bekommen hätte. Die Zölle mit der nachfolgenden Preiserhöhung und mit dem jetzigen Kampf gegen die Lohnerhöhungen zeigen die Abhängigkeit der Lebenshaltung der Arbeiterschaft von ihren poli- tischen Entscheidungen. Hier können die Arbeiter- krauen ebenso stark wirken wie alle anderen Bürger des Reiches. Sie werden leider in nächster Zeit keine Gelegenheit haben, das Resultat der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 zu korrigieren. Sie werden aber in wenigen Wochen in Berlin ein Etadtparlament wählen können, das manche Schäden ausgleichen und manchen Hieb parieren kann, der von rechts der Arbeiterschaft zugedacht war. Der Ausfall der Berliner Etadwervrdnetenwahlen muß der Reichsregierung und ihrer Reichsmehrheit eine Antwort auf ihre Zoll- Politik geben. Tin günstiges Wahlergebnis für unsere Partei wird lähmend aus die Kraft der Rechten wirken. Am 25. Oktober werden die Frauen den Lohnfor- derungen ihrer Männer Rachdruck verleihen können. Aus zum Kamps! VleZrauenorganisatloninGroßbritannien Bon Dr. Marion Philip«, Erst« FrauensekretLrin der britischen Arbeiterpartei. Al» dt« britischen Frauen im Jahre 1918 das parlamentarische Stimmrecht in Großbritannien erhielten, da gab es in England nur erst wenige Tausend politisch organisierte Frauen. Die Labour Party eröffnete damals unverzüglich mit Hilfe von konstituierenden Frauenseftionen in den einzelnen Wahlbezirken ihre Kampagne. Der Fortschritt, der in den seither verflossenen sieben Jahren gemacht ist. erhellt aus den gegenwärtigen Ziffern des Mitgliederbestandes und au» der heute existierenden Anzahl der Sektionen. Wir haben heut« 150Ö Sektionen mit mehr al» 290 000 eingeschriebenen Mit- gliedern Dies« Frauengruopen bilden in jedem einzelnen Wahlbezirk einen Teil der Organisation: sie sind auch in den Lokalorgani- sationen der Partei vertreten und arbeiten in engster Verbindung und al» wichtiger Pestandteil der politischen Gesamtorganisation der britischen Arbeiterpartei. Sie entfalten ein« aktive Propaganda unter den Frauen und find, hauvtsächltch zu diesem Zwecke, in so- genannte„beratende Frauenausschüsse" schränkt, sondern sie sind auch von weiblichen Delegierten der Ge- werkschasten, sozialistischer Gesellschaften und der Genossenschaften beschickt. Di« Dreiteilung der Arbeiterbewegung in eine politisch«. est,« gewerkschaftlich« und»ine genossenschaftliche, findet auch ihren Ausdruck in dem sogenannten„Ständigen gemeinsamen Komitee industrieller Frauenorganisationen". (Standing Joint Comitee vf gndustrial Womens Organisation».) Diese Körperschaft besteht au» Vertretern der Arbeiterpartei, de» Gewerkschastskongrefles, der Gewerkfchasten mit weiblichen Mit» gliedern und der genossenschaftlichen Organisationen. Bon den Der- treten, der Arbeiterpartei find vier die weiblichen Mitglieder des tarteioorftande», vier find Vertreter der Frauensektionen. Diese» rauenkomitee steht dem Porteioorstand in beratender Eigenschast jur Celle, e» betätigt sich aber auch unabhängig davon in aktiver Welse. Es beschäftigt sich mit allen möglichen auf die Frauen be» züglichen Fragen und vertritt die Fraueninteresien in allen inner- und außenpolitischen Angelegenheiten, und zwar teils direkt, teil» »•it Hilf« der Partei. Da« Frauenkomlle« hat auch die Vorbereitung und die Organi- «erung der jährlichen grauenkonferenz in der Hand. oer Vorsitzende des Frauenkomitees fungiert zugleich als Vor- fitzender auf dieser Konserenz. Diese jährlichen Konferenzen sind von 80t) bis 1000 Delegierten beschickt: etwa 90 Prozent von ihnen Snd verheiratete Arbeiterfrauen, die nicht selbst Lohncmpsängerinncn nd. Während des Sommers veranstalten die Frauensektionen und die beratenden Ausschüsie In Gemeinschaft mit den Ortsgruppen der Arbeiterpartei besonder« Frauenwochen mit Versammlungen, Verteilung von Schriften und Demonstrationen. Wenn auch die Arbeiterpartei ein spezielles Jrauenjctretariat mit einem Stab von ö hauptamtlich Angestellten und für den Außendienst 9 Angestellte beschäftigt, so geht doch das wirkliche Leben der Frauenbewegung nicht vom Sekretariat, sondern von denFrauen selbst aus. In höherem Maße als irgendwo anders in der gesamten britischen Arbeiterbewegung erhält die Frauen- bewegung ihre Lebendigkeit von innen, aus den Mafien selbst heraus. Das fft es auch, was die jährliche Frauentagung zu einem so eindrucksvollen Schauspiel gestaltet. Sie ist nicht für einen ein- zigen Augenblick von den Angestellten der Bewegung beherrscht, sondern sie hat alle Vorzüge— und vermutlich auch alle Nochteile — einer wirklichen Massenbewegung. Ich habe seinerzeit, nach der Birminghamer Konserenz, den Eindruck dieser Veranstaltung in den folgenden Worten festzuhalten versucht: „Die Tagung war von einem wunderbarm Geist der Kamerad- schaft und des Enthusiasmus erfüllt. Kein Delegierter kam jemals zu spät, keiner versuchte, für sich die speziell« Aufmerksamkeit de» Kongresse« in Anspruch zu nehmen. Es herrschte der Geist echter demokratischer Zusammengehörigkeit. Jeder Gegenstand wurde in freundschaftlicher Weise und in guter Laune diskutiert, der die oer- schiedenartige Stellungnahme bei den Abstimmungen keinerlei Ab- bruch zu hin vermochte. Es war«in wirklicher, echter Ausdruck defien, was die Arbeiterfrauen diese» Landes denken und sühlen.." Die Arbeiterpartei veröffentlicht nunmehr auch eine Monats- lchrift mit dem Tllel„Die Arbeiterfrau"(The Labour Womeu), die sich speziell mll dm die Frauen angehenden politischen Fragen beschäftigt. Diese Zeitschrist verdient aus zwei Gründen Beachtung. Erstens, weil sie sich rühmm kann, eine größere Auf- lag« zu besitzen als irgendeine andere britisch« politische Zellschrift mit monatlichem Erscheinungstermin und dann weil sie es al» bisher einzige Zeitschrist in Grvßbritannim gewagt hat, Werke moderner Künstler zu reproduzieren. Die Organisatoren der Liberalen und Konservativen Partei sehen mit hoffnungslosem Neid auf die Entwicklung, welch« dl« Organisaflon der arbeitenden Frauen in jüngster Zeit genommen hat. Sie haben vergeblich« Versuche gemacht, sie nachzuahmen. Die« ist begreiflicherweise mißlungen, weil innerhalb der Arbeiter- bewegung den Frauen ein voller und ganzer Anteil an der Ent- Wicklung der Bewegung gewähtt wird, währmd die» für diejenigen Partelen, die auf einer Ausrechterhaltung von Klafienvorurteilen und sozialen Prioilegim aufgebaut find, au» Gründen ihrer Selbst- erhaltung einfach unmöglich ist. Vle Zrau in öer Türkei. von S. Kolisch. Der Weltkrieg hat eine große Umwälzung im Leben der Türkin hervorgerufen. Obgleich den türkischen Frauen stets äußerste Grenzen in ihrer Bewegungsfreiheit gezogen warm, ja gab es unter ihnen doch auch Borkämpferinnen für die Befreiung der Frau vom sklavischen Joch. Schon vor Jahren gab«« unter den Mohamme- donerinnm vereinzelt geistig rege Frauen, die es sich zur Lebens- aufgab« machten, ihre Schwestern den europäischen Frauen gleich- zustellen. Im Glauben, eher ihre Ideale erreichen zu können, wandten sich diese Vorkämpferinnen mit einem Hilferuf an die europäischen Frauen. Jnebesondere waren e» ägyptische Prin- zessinnen, die sich mit einem Appell in die Oeffentlichkeit slüchtcten, moem sie auf europäischen Frauenkongrefien für die Befreiung und Gleichberechtigung der mohammedanischen Fraum eintraten. Schon der Tripolis- und der Balkankrieg gaben der Türtin vereinzelte Gelegenheit, sich in dm Lazarettm zu betätigm. Durch die Organisation des Roten Halbmondes Im Weltkrieg wurde die Stellung oer Türkin in gewifiem Stnn« mit einem Schlage verändert. Man bedurfte ihrer als Leiterin und Pflegerin in den Lazaretten. Dadurch trat die Türkin, die bisher niemals sich vor einem fremden Mann, ausgenommen vor dem Ehemann, Vater oder Bruder, unver- jchleiert zeigen durste, plötzlich mit den Verwundeten und Aerzten m tägliche Fühlung. In liebevoller Hingabe hat sie sich als Pflegerin bewährt und sich ihrer Aufgabe gewachsen gezeigt. Nachdem auf diese Weise das Selbstbewußtsein geweckt wordm war, drang die Türkin auf Erweiterung Ihrer Rechte und verlangte ihre Mündigkeit. Da infolge der andauernden Kriege viele ihren Ernährer, Ehe- mann oder Voter, verloren hatten, so waren sie gezwungen, sür ihrm weiterm Unterhalt selbst zu sorgm. Der durch die langen Kriegsjahr« verarmte Staat war nicht in der Lag«,«ine ihnen zum Leben ausreichende Unterstützung zuteil werden zu lafien. Infolge- defien verlangten die Frauen ihre Zulassung zum össentlichm Leben, was der Staat gezwungenermaßen auch zugestand, indem er Ihnen in der Verwaltung Stellen«inräumte. Da früher der Schulbesuch freiwillig war, findet man heute noch wmig Frauen, die beruflich tätig sind, da ihnen die Vorbildung sehlt. Die jetzige Regierung hat jedoch dm Schulzwang eingeführt. Die wohlhabmden türkischen Familien schicken Ihre Töchter mit Vorliebe in die fremden Schulm. Die Franzosen unterhalten seit ungefähr 200 Jahren Schulen im Orimt, später wurden auch deutsche und amerikanische Schulen gegründet, die dm französischen starke Konkurrenz machen. Das Jntereffe, welches die Regierung der yrauenbildung mt- gegenbringt, läßt erwarten, daß die türkische Frau fich immer mehr dem öffentlichen Leben zuwendet, dies beweist auch die zunehmende Zahl der Studentinnen. Che- und Zrauenfragen. Die Schuldsrage bei Ehescheidungen. Von Anna Aloe. Da nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Oese�tmches die Echuldsrage fast allein ausschlaggebend bei Ehescheidungen ist, so ergeben sich daraus allerlei Mihftande, und es kommt vor, daß künstliche Scheidungsgründe herbeigeführt werden, damit zwei Menschen, die die Ehegemeinschaft nicht mehr ertragen können, au«' einanderkommen. Häufig werden Ehen zerrüttet, weil die Boraus- letzungen, unter denen sie geschlossen werden, Liebe, Achtung, gegenseitiges Verständnis, geschwunden sind, ohne daß einem Ehepartner eine direkte Schuld nachzuweisen ist. Zur Herbeiführung eines künstlichen Scheidungsgrundes gehört aber Geld, und damit ist eine Vevorrechtung der besitzenden Klassen geschaffen. Ein Schuldmoment kann z. B. durch das sogenannte„bös- willige" Verlaffen geschaffen werden. Wenn»in Gatte den andern verläßt, so müssen die Mittel vorhanden sein, um sich eine Existenz- Möglichkeit zu schaffen. Das ist namentlich für die Frau schwierig. Hatte sie vor der EKc einen Beruf, den sie bei der Heirat aufgab, so ist es nicht so einfach, ihn wieder aufzunehmen. Hat sie ihr Ver- mögen in die Ausstattung gesteckt, so hat sie keinen Anspruch auf Ersatz. Die Regelung der Unterhaltspflicht de» Manne, erfolgt erst nach der Scheidung. Auch ein Anspruch auf die.Errungenschaft, d. h., das In der Ehe unter Mitwirkung der Frau im Geschäft oder im Haushalt erworbene Vermögen, steht der Frau nicht zu. Die Frau kann den Mann also nur verlasien, wenn sie eigene Mittel hat oder Verwandte, die sie ausnehmen. Selbst dann aber setzt sie sich dem Vorwurf aus, der fchuldige Teil ju(ein, so daß es fraglich ist, ob überhaupt und wie weit ihr ein Anspruch auf Gewährung des Unterhalts durch den Mann zugebilligt wird. Zudem ist das „böswillige" Verlosten heute durch die Wohnungsnot erschwert, und «» kommt ja sogar vor, daß geschiedene Eheleute nach wie vor die gleich« Wohnung teilen müsten. Verläßt der Mann die Frau, so kann auch dann unter Umständen(und bekanntlich muß die Trennung mindesten»»in Jahr dauern, um einen Scheidungsgrund abzugeben) die Frau ohne Existenzmittel sein. Immerhin Ist wenigstens die Möglichkeit der Scheidung auf Grund von.böswilligem" Verlassen vorhanden, und von Ihr wird auch häufig Gebrauch gemacht, weil eine Scheidung auf Grund gegenseitiger Einwilligung gesetzlich nicht «uläsflg ist. Bedenklich ist e» auch, daß eine Scheidung nicht ausgesprochen wird, wenn nur der ein« Teil die Fortführung der Ehe un- erträglich findet. Auch bei.böswilligem" verlosten besteht kein Zwang, daß der verlassene Teil auf Rückkehr oder Scheidung klagt. Tut er da» nicht, so ist die formelle Scheidung ausgeschlossen, denn der eigentlich Schuldig«, d. h. derjenige, der fortgegangen ist, kann nicht Nagen. Auch in diesem Fall ist die Frau gegenüber dem Mann« benachteiligt. Solange die Eh« äußerlich weiterbesteht. kann der Mann dauernd außerhalb des gemeinsamen Haushalt» leben und dabei nicht nur sein eigenes Vermögen, sondern auch das (einer Frau verwalte». Wünscht die Frau die Scheidung nicht, so ann sie Klage aus Wiederherstellung der häuslichen Gemeinschaft er- heben, um ihren Anspruch auf Unterhalt, nicht aber auf«ine Geld- rente oder Abfindung wie bei der Scheidung, geltend zu machen (8 1361). Verläßt die Frau den Mann, ohne daß sich ein„grobe« verschulden" des Mannes nachweisen läßt, so bebält der Mann das Vermögen der Frau in der Hand, wenn nicht ein Ehevertrog Gütertrennung vorsieht. Der Mann ist dann nicht verpflichtet, der Frau außerhalb des ehelichen Haushalts Unterhalt zu gewähren. Hunderte, ja. Tausende von Frauen müsten aus solchen rein mate- riellen Gründen da» Joch einer innerlick ganz zerrütteten Ehe weiterschleppen. Durch die heute geltenden Gesetzbestimmungen kann ein Gatt« den andern lebenslänglich in ehelicher Gemeinschaft holten. Wo aber ohne den eigentlichen Echuldbegriff eine Eh« zer- rüttet ist. muß künstlich eine Schuld hergestellt werden, um eine Scheidung herbeizuführen. Hierher gehört z. L. ein vorgetäuschter Ehebruch. Di« Gesetzgeber gingen vom Grundsatz der Unlüsborkeit der Ehe als Sakrament au», der so viel Unheil und Heuchelei her- vorgerufen hat. Zudem waren sie der Meinung, daß durch Er- schwerung der Scheidung der leichtsinnigen Eheschließung vorge- oeugt werden könne. Wer eine Eh« schließt, der denkt im allge- meinen wohl kaum an die Möglichkeit einer baldigen Scheidung. Man meinte, der Staat müste Im Jntereste der Kindererziehung und E Schutze der Frau für»ine gewiss« Stabilität der Ehe sorgen, hat sich dieser sogenannte Schutz in vielen Fällen als nach- 3 für die Frau erwiesen._ Zrau und Kirche. Don 6. A. Herme». Religion ist Privatsache. Ja—! Aber ist die Kirche auch Privatsache?— Nein. Besonders die Frauen hängen an der Kirche mit einer seltenen Zähigkeit und zwar deshalb, weil sie die Kirche als Träger der Religion ansehen und Furcht haben, daß mit dem Verlust der Kirche auch ein Verlust der Religion verbunden sein muß. Jede Frau ist mehr oder weniger religiös, dies bringt Ihr Gefühlsleben mit sich, das im allgemeinen stärker ausgeprägt ist als beim Mann, der alles mit dem Verstände zu erfasten sucht, auch das, was über seine Begriffe geht. Die Frau glaubt vielfach, in der Religion einen Halt zu finde» bei den täglichen kleinen und großen Sorgen und Nöten, die der Mann meist gar nicht erfährt. Sind nun Religion und Kirche miteinander identisch? Im Gegenteil. Ich möchte behaupten, die Kirche, gleich welcher Für- bung sie sei, ist eine Gegnerin jeder Religion und jeder Religiosität. Weder der Formelkram der Kirche, noch ihre Predigten, noch auch ihre Wohltätigkeit haben irgend etwas mit Religion zu tun. Sie dienen vielmehr als Mittel zur Erringung der Macht über die einzelnen Menschen und die Gesellschaft. Macht euch das klar, ihr Frauen, die ihr so an der Kirche hängt. Aber noch mehr. Wen schützt die Kirche? Di« Machthaber, die Reichen: denn sie lehrt:„Seid Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über euch hat, denn sie ist von Gott selbst eingesetzt." Sie verweist euch zum Trost dafür, daß ihr hier arm seid, aus die ewigen Himmels- hallen, wo es euch nach eurem Tod« bester gehen wird. Aber sie bekämpft eure Kämpfe um bessere Arbeitsbedingungen, um menschenwürdiges Leben, um höhere Löhne, als religionsfeindlich. Die Kirche ist der Fels, auf dem die R e a k t> o n die Zwing- bürg erbaut, in der ihr und eure Kinder zu Arbeitssklaven gemacht werden sollt. Die Kirche verhindert durch ihren Einfluß, daß eure Kinder, wenn sie begabt sind, vorwärts kommen. Sie hat zuerst die verschiedenartige Ausbildung von Armen und Reichen geschaffen, der Staat ha' sie nur aus Zweckmäßigkeitsgründen beibehalten, weil es ihm so leichter wurde, das ungebildete Volk zu beherrschen. Die Kirche verlangt für eure Kinder au» diesem Grunde auch den Religionsunterricht. Nicht um ihnen die Segnungen einer wahren Religion zuteil werden zu lasten. Nicht um sie zu lehren: „Liebet eure Feinde" und„ihr sollt nicht töten", sondern um sie in Abhängigkeit und Gehorsam gegen die gottgewollte Obrigkeit, wie sie sich dieselbe denkt, zu erziehen und willenlose Werkzeuge aus ihnen zu machen. Und ihr Frauen seid es, auf dl« sich die Kirche dabei stützt. Ihr seid es, die sich aus Gefühlsgründen gegen die Befteiung vom Relt- gionsunterricht, gegen den Austritt au» der Klrcbe wehren. Au» Gefühlsgründen— aber was sagt eure Vernunft dazu? Wollt Ihr Kanonenfutter aus euren Kindern machen? Wollt ihr sie zu Knechts- seelen oder zu freien Männern und Frauen erziehen? Männer und Frauen, die im innersten Herzen religiös sind, betrachten es als selbstverständlich, dem Bedrängten zu helfen, den Menschen ohne Unterschied der Rasse und Nation zu lieben, den Krieg und die damit zusammenhängenden Kulwrwidrigkeiten zu hassen und zu bekämpfen Wollt ihr solche Menschen aus euren Kindern machen, dann müßt ihr sie zu S o z i a l I st e n erziehen. Wollt ihr dies ober erreichen, ihr Frauen, dann bekämpft die Kirche, die Feindin der Arbeiterschaft mit allen euren Kräften, tretet aus den Landeskirchen aus, nehmt eure Kinder vom Religionsunterricht fort und lehrt sie selbst die Lehren verstehen, die sie zu fteien, klugen und guten Menschen machen sollen. Die verfthwendung in der Virtjchast. Bon Lucy Dörre. Di« Volkswirtschaft als organischer Zusammenhang aller, auch der kleinsten Einzelwirtschaftskörper faßt als wichtige Einzelstell« in sich auch die Hauswirtschaft. Das regierend« Gesetz de» kapitalistischen Wirtschaftssystems ist das des Rationalismus, d. h. der höchstmöglichen Zweckmäßigkeit. In der Volkswirtschaft erleben wir im Augenblick die Tatsache, daß sich das ökonomische Gesetz de» Rationalismus nicht ungestraft widerlegen läßt. Die Götter»> dämmerung der großen Konzerne, die während der Inflation wahllos Betrieb an Betrieb reihten, also dem wirtschaftlichen Macht- gefühl übertrieben Geltuno verschafften, sind der Beweis für die dauernd« Wirkung de« Gesetzes der Zweckmäßigkeit. Der volkswirtschaftliche Reinigungsprozeß, der nach der Stabi- lifierung einsetzen mußte und sich jetzt auszuwirken begonnen hat. wird der unzweckmäßigen Wirtschaftsführung das wohlverdiente Grab bereiten. Der Ruf nach der Rattonalifierung erklingt aber nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika. Ford hat als erster praktisch bewiesen, wie große Vorteile sich durch eine zweckmäßige Organisation erzielen losten. Di« Amerikaner ftnden den Weg von der Theorie zur Praxi», von dem Gedanken zur Tat in wirt- schaftlicher Beziehung immer schneller als wir. In Amerika sind nun Komitee» zur Prüfung von Produktion. Markt, Verkehr, Re- klame, Verkauf gebildet. Auch in Deutschland sind, ausgehend vom Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit, ähnlich« Bestrebungen, diktiert von der Rot des Absatzes im Gange. Das sind alles Ansätze, der Verschwendung in der Volkswirt- schaft ein Ende ,zu bereiten. In der wichtigen Zelle de» Konsum». der Hauswirtschaft, dem Haushalt herrscht noch eine erschüt- ternde Unzweckmäßigkeit. Ihr typisches, setzt überwundenes Zeichen, war die„gute Stube", die nicht selten auch den wichtigsten, un- benutzten Teil von Proletarierwohnungen bildete. Die Küche, da« Arbeitsfeld der Hausfrau, unterliegt in der Anordnung von Herd, Wasterleitung, dem Stellen des beweglichen Hausrates noch in den meisten Fällen nicht dem Gesetz der Zweckmäßigkeit. Das ist ein- mal zurückzuführen auf die veraltete Bauweise, zum anderen aber aus den Hang zur Tradition, die gerade in den kleinen wirk- schaftlichen Dingen des Haushaltes stark ist und manchmal unüber- windlich erscheint. Man mag zur Gemeinschaftsküche stehen wie man will, sie bleibt das Ziel des Rationalismus. Der M>eg bis zu ihr ist noch sehr weit. Aber leise Ansätze zu einer Aend'erung sind auch hier schon zu spüren, die der Verschwendung in de r Zeit, der Arbeitskraft und der Gesundheit ein Ende bereiten«»erhen, Was sollen Kinöer lesen? Kommunistischer Uedereifcr. Von Lisbeth Riedger. In der Schule beobachte ich ein Mädchen von 12 Jahren, das im Unterricht auffallend zerstreut ist. Schließlich kann sie nicht widerstehen. Heimlich beginnt sie unter dem Tisch ein wenig zu lejen. Aha, Schundliteratur! Richtig:„Was man�aus Liebe tut!" ist der Titel des Buches— Schund im wahrsten sinne! Erwischt man einen Jungen, so findet man„Buffalo Bill",„Tarzan" oder ähnliches. Bei jeder Razzia in den Mappen der Kinder finden sich Schundhefte in Menge. Man kann über solche Lektüre verschieden denken: je nachdem, welche Anforderungen man an die Jugendschrift stellt. Verlangt man, daß sie ästhetisch einwandfrei sei, so werden diese Schmöker sämtlich verschwinden müssen. Und doch üben diese Bücher, gerade diese als„Schund" bezeichneten, auf unsere Kinder einen so starten Reiz aus, auch dann noch, wenn man statt ihrer ungleich Wertvolleres in durchaus kindertümlicher Form, bietst. Es ist viel über die oer- heerenden Wirkungen solcher Lektüre auf Jugendliche gesagt und geschrieben worden, meist viel zu schwarzseherisch. Diese Schund� beste sind zwar untünstlerisch, vor allem, weil innerlich unwahr, und deshalb nmß unser Streben sein, sie durch gute Jugendbücher zu erseße», doch sollte es ohne den Aufwand von moralischer Entrüstung Scschehen, der meistens beliebt wird. Was man früher unseren ändern als„gute" Lektüre bot, z. B. im Lesebuch, war oft so stark von den bekannten„idealen" Tendenzen der verflossenen Aera durch- tränkt, daß es auch nur als Schund zu bezeichnen war. Wenn heute viele Kreise sich um gute Jugendlektüre bemühen, so wird auch da das Ergebnis ein sehr verschiedenes sein, je nachdem, unter welchem Gesichtspunkt man auswählt. Den nur künstlerischen Maßstab anzulegen, halten bereits viele wieder für durchaus falsch. Sie messen dem Stoff an sich eine höhere Bedeutung bei als bisher. Das mag berechtigt sei», doch darf es nicht dazu verführen, an die Stelle der literarischen Beurteilung eine rein politische Zweckniäßig- keitserwäqung zu setzen, wie es die Jugendschriftenkritiker des„Neuen Rußland" tun. Für die deutschen Kolonien in der Ukraine sollten deutsche Schul- bücher beschafft werden. Der Beauftragte der Sowjets teilt als Ergebnis seiner Bemühungen, geeignete Bücher in Deutschland zu finden, folgendes mit:„Ich habe mich nach rechts und links umge- ehe»,-bin in Leipzig und Berlin gewesen, bin in einem thüringischen Verlag gewesen. Ich habe zurückgeschrieben, sie möchten doch lieber Slbst neue Bücher redigieren und deutsche Schulbücher herausgeben. ußer einem Rechenbuch, das wirklich gut und aus dem Leben her- aus entstanden war, habe ich nichts Brauchbares für uns gesunden." Wenn in der Riesenauswahl von deutschen Jugendschriften nichts fein sollte, was für die kommunistischen Schulen zu brauchen ist, so müssen die Anforderungen, die man in Rußland an die Jugend- lektüre stellt, wohl ganz besondere sein. Die KP. der Ukraine hat denn auch Regeln aufgestellt, nach denen die neue Kinderliteratur zu prüfen oder zu gestalten ist. Die Grundregel lautet:„Ein Kinder- buch muß den Anforderungen der proletarischen Ideologie entsprechen, d. h. in den Kindern einen Drang nicht nur zuni persönlichen, sondern auch zum kollektiven Wohl wecken." Auch wir würden uns freuen. wenn wir solche Bücher für unsere Kinder hätten. Doch will man in Rußland nur solche Jugendbücher gelten lassen? Will man wirklich von all dem. was man bisher als Kinderbücher bezeichnete, sonst nichts anerkennen? Was wird z. B. aus unserem reichen Märchen- schätz, mit dem wohl jeder von uns die schönsten Kindheitserinne- rungen verknüpft? Hören wir den kommunistischen Verfasser selbst:„Als wir die Erzählungen, die Märchen, in denen wir selbst ausgewachsen waren, durchsahen, fanden wir, daß kein? dieser Märchen wirtlich der Eni- Wicklung eines selbstfrohen, selbstbewußten, zukünftigen gesellschast- ltchen Arbeiten? entsprach. Ein Märchen, in dem der Wolf eine Großmutter und deren Enkelin verschlingt, woraus ihm der Leib aufgeschlitzt wird und beide wieder lebend herausspringen... ist pädagogisch der reinste Blödsinn. Solche Märchen haben wir natürlich beiseite gewors«»!" lind um noch nachdrücklicher den„pädagogischen Blödsinn" unserer Märchen zu betonen, werden folgende Regel» ausgestellt: ! l.„Das phantastische Element darf auf keinen Fall in den Kindern religiöse Gefühle erwecken oder den Glauben an übernatür- liche Kräfte, Beraötterunq der Naturkräfte, noch Angstgefühle. Er- Zählungen von Ijexen, Zauberern, Kobolden usw. sind daher nicht zulässig!" 2.„Erzählungen, die Sympathie» zu Königen, Prinzessinnen, verschiedenen Vertreter» der Bourgeoisie wecken, sind nicht zulässig und imissen aus der Kinderliteratur entfernt werden." Arme Kinder! Die Märchentante zieht aus, von der KP. v?r- trieben. Was sollte sie euch auch noch erzählen, wenn ihr erwartungsvoll eure runden Kinderaugen auf sie richtet? Wie ost habe» die Augen gestrahlt, wenn es losging:„Es war einmal..." Jetzt darf es nicht mehr heißen:„Es war einmal ein König..." oder„Es war einmal eine böse, böse Here..." Oder aber:„Da kam der Niese mit seinen Siebenmeilenstieseln daher..." Alles »ma-ch, sich vor dem Kommunismus: das ganze Volt der Zwerge und K.holbe verschwindet, keine gütige Fee hilft, keine böse Her« fällt in �©vube, die sie anderen grub. Leer und nüchtern wird „ie®e,i, nicht einmal die„süße, kleine Dirne. Rotkäppchen", bleibt. '""'*11.oädaooaillber Blödsinn" aeworden. Doch eins haben diese Kommunisten vergessen. Zwar können sie da, wo sie die Macht haben, die Märchen aus der Kinderliteratur verbannen. Aber vernichten können sie sie nicht. So wie einst Groß- mütter den staunenden Enkeln die Wunderwelt des Märchens er- schloffen, so werden auch in Zukunst die Märchen von Mund zu Mund weitergetragen werden als schönes, altes Volksgut. Daß auch Kommunisten eine andere Haltung zu der Frage der Volksmärchen einnehmen, beweist der kommunistische Reichstags- abgeordnete Edwin H ö r n l e in seinem Heft über:„Die Arbeit der kommunistischen Kindergruppen". Er hat nichts gegen„jene phan- taftischen, kunstlosen Geschichten," gegen„diese alte Volkskunst des Märchenerzählers," nur wünscht er(mit uns!), daß bald„das neue proletarische und industrielle Märchen kommen" möge. In diesem neuen Winne sind die Märchen von Gen. Heinrich Schulz:„Bon Menschlein, Tierlein und Dinglein"(Verlag Dietz) gehalten und des- halb allen Eltern zu empfehlen. Viel von dieser Art ist aber leider noch nicht da: so muß man sich eben behelfen mit dem vorhandene» alten Gut. Töricht ist es, an die Kinderliteratur ander« Maßstäbe anzulegen, als die aus der Natur des Kindes sich ergebenden. Dichterisch möglichst vollkommen, vor allem aber lindertümlich sei das Kinderbuch! Letzten Ende» entscheidet über seine Lektüre doch das Kind selbst. Man kann ihm Lieblingsbücher wegnehmen, man kann ihm andere dafür geben. Kinderbücher werden sie erst, wenn das Kind mit Freuden danach greift. Wer das nicht beachtet, wenn er den Kindern Neues bringt, der hat„ihres Geistes keinen Hauch verspürt". Sludenlenulk. In Frankfurt angelte ein Student am Main und holte anscheinend alle zwei Minuten einen Fisch heraus zum großen Aerger eines mehrere hundert Schritte entfernt stehenden Anglers, der nichts fing. Wütend lief letzterer endlich zur Polizei, um den unbekannten und wohl auch unberechtigten Fischer anzuzeigen. So- fort erschien ein Diener der Gerechtigkeit.„Bitte, mein Herr, wollen Sie sich legitimieren!"„Jawohl, ich bin Student, hier ist mein Ausweis."—„Diese Karle berechtigt Sie aber nicht zum Fischen."— „Wieso, ich habe gar nicht gefischt."—„Was, Sie halten doch noch die Angel in den Main?"—„Gewiß tue ich das, aber ich fische nicht."—„Nun, was niachen Sie denn sonst?"—„Sehen Sie," sagte der Student, die Angel mit dem Fisch herausschleudernd,„ich wässere bloß meinen Hering." Die Sachkundige. Das jungverheiratete Frauchen geht ein- kaufen und will dem Händler trotz ihrer Jugend imponieren. „Warum sind die Eier eigentlich so furchtbar klein?" fragt sie miß- billigend.„Ich bekomme sie nun mal nicht arößer vom Lande," antwortete der Händler,„sie kommen jeden Morgen ganz frisch." „Das ist eben das Unrecht von den Bauern," erwidert unsere Kennerin.„Sie haben es so eilig damit, ihre Eier zu verkaufen, daß sie sie immer zu früh aus dein Neste nehmen!" Da? Häkchen. Unser Mädchen hat fluchtartig den Dienst ver- lassen. Wenn ich ehrl ch sein soll: ich hätte es nicht so lange ausgehalten bei unseren Rangen. Infolge des Ereignisses ist die glück- liche Mutter unserer tempermnentoollen Sprößlinge außer sich und droht:„Wenn ihr nicht Ruh' gebt, mach ich's wie die Rosel und laus euch beut noch davon!" Der Maxl sieht denn doch etwas nachdenklich drein, aber Maria, die Sanfte, reißt ihn, wie gewöhnlich, mit Zuversicht zu neuer Tat- kraft mit. Maria schreit triumphierend:„Dös soll d' Mama grad probieren, dös kaun s' gar nöt niacha. Dö hamma ja a'heirat'!" (Simplicissimus.) Die Lakritze. Drei Berliner Jungen kommen in eine Drogerie. Einer oerlanot„For'n Irojchen Lakritze". Der Verkäufer steigt aus die oberste Stufe der Leiter, entnimmt einem i?ache die Lakritze und klettert wieder herunter. Als der Kleine bezahlt hat, sagt der zweite: „Ick inechte ooch for'n Iroschen LakriKe." Da wendet sich der Droaist an den Dritten mit der Frage:„Willst de oocki for'n Iroschen La- kritze?"—„Nee," sagt der.— Nun klettert der Verkäufer wieder auf die oberste Sprosse der Leiter und holt die Lakritze herunter.— Als er dem zweiten die vcrlanqte Lakritze ansgehändiat, wendet er sich wieder an den Dritten:„Wat willst du denn nu, Kleener?"— Der Dritte:„Ick möchte for'n Sechser Lakritze." Die Grausame. Die kjährige Maria und die kjährige Hann! unterhielten sich über die Zukunft. „Wenn ich groß bin," sagte Maria,„werde ich Lehrerin." „Wenn ich groß bin," verkündete Hanni,„werde ich eine Mutti und habe viele Kinder." „Ei," rief Maria,„wenn die zu mir in die Schule kommen, dann sollen sie aber Prügel kriegen! Feste, feste, feste!" „Du Scheusal," sagte Hanni und begann bitterlich zu schluchzen, „was haben dir meine Kinder getan?" Musikalischer Hinterkops. Der Professor.1., ein bekannter Phre- nologe, ging mit einem seiner Studenten spazieren. Ein spielender Knabe lief den beiden in den Weg. Professor hielt ihn an, be- tastete seinen Schädel und sagte: „Blicken Sie hierher, lieber Scholz, diese Ausbuchtung am Hinter- topf des Knaben weist auf eine bedeutende Anlage zur Musik hin." Da antwortete der liebe Junge:„Sie, wenn Ihnen mein Vater eene klebt, denn Hain Se ooch Anlagen zur Musik."