| klr.SH-,.42.?«chrgang| BcUflgC ZUM UOttüätfe| 1. Oktober Irauen und Hemeinöewahlen. „Reaktionäre und Philister haben lang« Zeit den Frauen jede Anteilnahm« am politischen Leben zu ivebren gesuÄ>t. Warnungstafeln mit der weichin leuchtenden Ausschrift: ,L)ie Frau gehört ins Haust"„Das Haus ist die Welt der Frau!" waren bestimmt. Vorwitzige abzuschrecken. Bereinsgesetzlich« Bestimmungen mannigfacher Art bildeten das Gitter, das den Zustrom der Frauen zur politischen Betätigung vollends hindern sollte. Aber größer und größer wurde die Zahl der Frauen, die, der Gitter und Warnungstafeln nicht achtend, sich Zutritt verschafften zu dem verbotenen Terrain. Bei ihrem machtvollen Ansturm zerbrachen dt« verrosteten Gitter wie morsches Holz." Mit diesen Sätzen leitet« Luise Zieh ihre Broschllre »Die Frau im politischen Kampf"(1912) ein. Die Republik gab den deutschen Frauen die vollen Staatsbürgerrechte. Sind sie sich aber auch ihrer ernsten Staatsbürgerpflichten bewußt? Nehmen sie Stellung zu den Fragen des öffentlichen Lebens? Di« politisch geschulten Frauen, memten immer, das Kommunalwahlrecht würde da» erst« sein, das man un» frei» gebe. Sie gingen dabei von dem Gesichtspunkt aus. daß alle Zweige der Gemeindewirtschaft tief eingreifen in das Leben de» einzelnen, und daß hier auf allen Gebieten den Frauen «in gewaltiges Tätigkeitsfeld erschlossen werden könnte. Schon auf dem Mannheimer Parteitag wurden von den Genossinnen Anträge für Einrichtung städtischer Kriopen, Kindergärten und Horte eingebracht. Eingehender beschäftigte sich die sozialdemokratische Frauenkonferenz in Bremen 1907 mit diesen Fragen. Auf der Frauenkonferenz in Jena 1S11 stand im Mittelpunkt der Verhandlungen ein Referat über ,L)Ie Frau in der Gemeindepolitik". Unter großen Schwierigkeiten gelang es, Frauen als Armen» und Waisenpflegerinnen in die Kommissionen zu wählen. Wer denkt heute nach an den Widerstand der Männer. Die beliebten Nachsitzungen bei Bier usw. kamen durch die Mitarbeit der Frauen in Gefahr. Ganze Kommis- sionen legten aus Protest ihre Aemter nieder. Wie groß war das Geschrei, als Genossin Ottilie G ernd t als erste Armenvorsteherin in Berlin gewählt wurde. Später gewöhnten sich die Herren der Schöpfung daran, sie als Bor- sitzende der Armenkreisversammkungen zu respektieren. Mit wieviel Hohn und Spott wurden die wenigen tätigen Frauen überschüttet! Das Blättchen wendete sich aber mit dem Tag der Gleich- berechtigung der Frauen. Jetzt erkannten die bisherigen Gegner sehr schnell den großen Wahlfaktor und setzten alles daran, die Frauen für ihre Parteizwecke einzufangen. Für uns gilt es nun. die Aufklärung in die weitesten Kreise der Frauen zu tragen und ihnen zu zeigen, wer allein ihre Jntcr- essen vertritt. Ein Wahlaufruf der Demokraten spricht davon, daß alle Frauen darin einig sind, ihren Einfluß in der Kommunal- Verwaltung zu stärken. Der Aufruf fordert die Beteiligung der Frauen in allen Zweigen der Verwaltung: An führender Stelle sowohl in der Zentrale, wie in den Bezirken, namentlich auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege. Dies« Forderung ver» tritt die Sozialdemokratie und Hot dieselbe seit Jahren indleTatumgesetzt. Wir hoffen, daß die Demokraten i: der neuen Stadwerordnetenversammlung zu ihren Worten stehen werden. Die Stadtoerordnetenwahlen sind eminent politische Wah- len. Di« großen Fragen der Politik wirken sich praktisch in der Gemeinde au». Siehe Zollpolitik und Finanzausgleich. Di« Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung arbeiten nach dem Kommunalprogramm ihrer politischen Parteien, die int Reichs» und Landtag die Gesetze schmieden. Es sind immer dieselben Faktoren am Werke. Die Wahlen am 25. O t t o b e r geben der Berliner B«- völterung Gelegenheit, ihre politische Reife zu betätigen. Sind es doch die ersten Wahlen, die ein Urterl über den Zolltarif fällen werden. Bieten sie doch Anlaß, den Rationalen die rich- tige Antwort auf ihren Aufwertungsschwindel zu geben. Wie viele Kleinrentnerinnen haben sich nicht von den Versprechungen anläßlich der Präsidentenwohl«in bessere» Leben erhofft. Run haben wir zwar den„Retter", doch spürt das Volk keine Errettung. Seine Wahlmacher find mort- brüchig geworden. Die arme Witwe und der hilflose Groi» können weiter darben. Der arbeitenden Bevölkerung werde« zugunsten der Großgrundbesitzer und Großindustriellen Lebens» mittel und Bedarfsartikel durch die Zölle um 20 Proz. verteuert! Wie Hobn klingt uns das Wort ,.P r e i s a b b au" ent» gegen. Diesoezüglichen, kaum ernst gemeinten Versprechung«« des Reichskanzlers für den 1. Oktober setzen die kapitalistischen Kreise ein glattes„Rein" entgegen. Die Löhne der Arbeiter. liegen jetzt schon 40 Proz. unter dem Preisniveau. Mütter, denkt daran, daß ihr euren schwächlichen Kindern in Zukunft den Tisch noch kärglicher bestellen werdet! Wie«in« Verhöhung der armen Bevölkerung erscheint e», wenn jetzt, nach Annahme des Zolltartss, die Deutschnationalen die Anfrage an de» Magistrat richten, was er gegen di» Lebensmtttelteuerung zu hm gedenkt. Auf M» Antwort, daß durch städtischen Verkauf regulierend auf di» Fleischpreis« eingewirkt werden soll, erhoben sie Protest. Der! stete Handel darf nicht geschädigt werden. Wahlmonöver! Das W o b n u n g s e l« n d hat sich noch inmier nicht gebessert. Tausend« Familien finden kein Unterkommen. Di« elenden Löcher, in denen die Menschen msamniengepfercht rverden, lind Brutstätten der Volksseuchen. Die großen Mittel, di« zur Bekämpfung der Tuberkulose aufgewendet werden, sind zum großen Teil zwecklos vertan, wenn nicht die Aiisteckungs» gefahr, di« in den ungesunden, überfüllten Wohnungen liegh beseitigt wird. Die moralischen Gefahren siir Kinder und dt« Uebertragung von Geschlechtskrankheiten sind ein besonder» traurige» Kapitel.. Der Ausbau der Gesundheitsfürsorge ist um so notwendiger, je schlechter die wirtschaftlichen Verhältnisse sind und die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung nachläßt. Dem energischen Kampf unserer Vertreter In der Gesundheit»- deputation ist es zu danken, daß die Borschußzohlungen bei Aufnahm« in den Krankenhäusern beseitigt wurden. Ferner, daß der Pflegesatz bei Kindern mit Infettions» und Ge» schlechtstrantbeiten auf zwei Mark festgesetzt wurde. Eine« sozialen Fortschritt bedeutet es, wenn auf unseren Antrag für den Säugling die ersten vtezehn Tage kein Pflegegeld erhoben wird. Vielen Wöchnerinnen wird der Aufenthalt im Kranken» Hause dadurch erleichtert.' j Die W o h l f a h r t sp f l e g e der Stadt wird auf weit« Sicht eingestellt werden müssen. Wir werden uns immer wieder vor Augen halten, liaß durchgreifende schnelle Hilf» zur rechten Zeit der Allgemeinheit wieder zugute kommt. Nicht erst den Menschen verkommen lassen und ihn dann durch Almosen vor dem Hungertode schützen. Nein, durch recht» zeitiges Eingreifen ihn wieder auf sich selbst stellen, muß Aufgab« einer zielbewußten Wohlfahrtspflege sein. In dieser Erkenntnis haben wir führend an der Ausgestaltung unserer Wohlfahrt gearbeitet. � Besondere Frirsorge und Pflege gilt es aber unseren Kindern und der heranwachsenden Jugend zu widmen. Aus- bau der Krippen, Kindergärten und Horte. Mußten doch im letzten Winter 4tlProz. der sich meldenden Kinder wegen Ueber- süllung abgewiesen werden. Wieviel schlimmer wird es im herannahenden Winter mit seiner gesteigerten Not werdenl Immer noch muß ein großer Teil der Schulrekruten wegen Untauglichkeit zurückgestellt werden. 50 Proz. der Schulkinder sind unterernährt und gesundheitlich gefährdet. Der Erholungsfürsorge werden wir in den nächsten Iahren unsere größte Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Bisher sind nur etwa 5 Proz. der Schulkinder verschickt worden, und doch brachte eine bürgerliche Stadtverordnete es fertig, die fernere Notwendigkeit der Kinderverschickung in Zweifel zu ziehen! Auf allen Gebieten der Kultur und Wirtschaft wird es im Interesse der breiten Schichten der Bevölkerung nur unter dem starken Einfluß der Sozialdemokratie und nicht zuletzt der Frauen vorwärts gehen. Zum Schluß fei gesetzt ein Wort von L u i s e Z i e tz, das heute noch so wahr ist, wie im Jahre 1912: Verächtlich die pflichwergessene Mutter, die faule und. feige Hausfrau, die gleichgültige Arbeiterin, die durch ihre Teilnahmlosigkeit beim Wahlkampf die Gelegenheit zu versäumen, im Interesse ihrer Familie und ihrer Klasse zu wirken. Ein Bravo der tapferen unerschrockenen Klassenkämpferin, die durch treue Pflicht» erfüllung, durch begeisterte Teilnahme am Wahlkampf eine gründliche Abrechnung mit den Feinden des Volkes, einen glänzenden Sieg der Sozialdemokratie vorbereiten hilft. Heute treten wir als Gleichberechtigte mit den Männern an die Wahlurne. Die Frauen bilden die Mehrzahl der Wähler. Sie werden, wenn sie ihr Wahlrecht nutzen, aus» schlaggebend für die Wahl sein. Sorgen wir dafür, daß ihr von uns erkämpftes Wahlrecht nicht dazu benutzt wird, um denen in den Sattel zu helfen, die niemals für die Rechte der grauen eingetreten sind. Fühlen wir die ganze Schwere der erantwortung und arbeiten wir dafür, daß eine sozialistische Mehrheit in das Stodtparlament einzieht., dann werden die Interessen der Bevölkerung zu ihrem Rechte kommen I _ Klara Weyl. Zrauentonferenzen. Von Mathilde Wurm. Dem diesjährigen Parteitag in Heidelberg waren zwei Anträge zugegangen, die sich mit den Frauen beschäftigten. Der eine kam aus Stettin und stellte sich in seinem ersten Teil auf den„grund- lützlichen Standpunkt', daß die„mit dem Parteitag parallel lausen- den Frauenkonserenzen nicht notwendig' seien, der zweite— von Wellmann und Genossen— spricht in seinem später zurückgezogenen ersten Absatz aus, daß„selbst in weitesten Arbeitnehmerkreisen, be- 1 anders unter den Frauen, mit dem Geist des Krieges noch nicht ge- «rochen ist'. Diese beiden Anträge besagen, was bewußt oder unbewußt die Meinung vieler Parteigenossen ist. Einerseits soll jede besondere Berücksichtigung der Frauen innerhalb des Parteirahmens wegfallen, weil sie formal Gleichberechtigte sind, andererseits wird Ihnen eine stärkere Rückständigkeit als dem Mann zur Last gelegt. Dieses letzter« müßte logischerweife zur Fordening einer besonderen auf die Frau eingestellten Ausklärungsarbeit führen. Damit hat aber auch Im Gegensatz zu dem Stettiner Antrag schon die Einberufung von Reichssrauenkonfercnzen neben den allgemeinen Parteitagen ihre Be- gründung und Rechtfertigung erfahren. Denn was wäre wohl ge- elgneter, von einer zentralen Stelle aus den Frauen Aufklärung und starken Antrieb für Art und Umfang ihrer Propagandatätigkeit unter ihren Geschlechtsgenossinnen zu geben, als eine Frauenreichs- tonferenz, die allein imstande ist, gleichzeitig alle diejenigen zu erfassen, die an erster Stelle berufen sind, diese schwierige Arbeit durchzuführen. Nie werden Parteitage, deren Ausgabe es fein und bleiben muß, die prinzipielle Haltung der Partei politisch und öko- nomisch zu bestimmen, Zeit finden, sich mit dem Problem der Frauenbewegung zu beschäfrigen. Und doch ist es noch arif lang« Zeit hinaus auch für die Partei eine unabweisbar« Notwendigkeit, der Gewinnung der Frau für den Sozialismus einen besonderen Platz einzuräuinen. Denn so einfach vollzieht sich die gesellschaftliche Entwicklung nun einmal nicht, daß die Tatsache der politischen Gleichberechtigung die Frau In ihrer großen Mass«, In den wenigen Jahren, seitdem sie das Wahlrecht besitzt, dem Manne in geistiger Durchdringung politischer, wirtschaftlicher und sozialer Zeit- und Zukunftssragen schon völlig zur Gleichen gemacht hätte. Wie sollte die Frau in knapp sieben Jahren erlernen, was groß« Teile der Arbeiterschast trotz 60 Jahren intensiver sozialistischer Werbearbeit nicht erfaßt haben, obwohl die Männer ausnahmslos von früher Jugend an die ganze Unfreiheit und Abhängigkeit vom Kapitalismus In täglicher Fronarbeit durchkosten müssen, indes die weibliche Arbeiterschaft doch immer erst ein Drittel bis ein Viertel der männlichen ausmacht. Schauen wir rückwärts auf die Entwicklung der Frauen- beweguno. so lehrt sie uns, wie unendlich schwer die Frauen haben -ringen müssen, um, nachdein sich die ökonomische Umwandlung ihrer Stellung von der Hausfrau zur produktiv tätigen und unentbehr» lichen Arbeitskraft längst vollzogen hatte, auch ihren politischen Aus» druck zu finden. Das geschah zuerst im Vercinsgesetz von 1908, das der Frau das politische Vereins- und Versammlungsrecht gab und ihr den Weg zur öjfentlichen politischen Tätigkeit freigab. Zehn Jahre später erhielt sie— 1918— das gleiche Wahlrecht. 1998 mußte der Klassenstaat die Pkonomisch mündig gewordene Frau poli- tisch mündig sprechen, wenn auch in der Hoffnung, sie seinen re- aktionären Zwecken dienstbar zu machen. 1918 bewies demselben Staat eine revolutionäre Arbeiterschast, daß die Dinge Ihre eigene Logik haben und der freien politischen Betätigung notwendig auch das politische Wahlrecht folgen mußte. Aber ökonomisch und sozial verlangsamte sich der Fortschrttt der Frau außerordentlich, weil— der Mann in feiner übergroßen Mehr- heit ökonomisch und sozial dort stehen blieb, wo er seit Jahrhunderten gestanden hatte. Er sieht noch heute das Eindringen der Frau in die außerhäusliche Erwerbsarbeit mit sehr gemischten Gefühlen an und steht dem gleichen Recht der Frau auf Erwerbsarbeit ohne Rück- sicht auf Familtenstand und Crwerbsbedürftigkeit innerlich ablehnend gegenüber. Aber alle unser« Parteigenossen bedau«rn ausnahmslos die Rückständigkeit der Mehrzahl der Frauen des Proletariats. Doch sie denken nicht daran, daß gleich ihnen selbst auch ihre Frauen und Töchter das Produkt der gesellschaftlichen Umgebung Ihrer Klasse sind. Das heißt mit anderen Worten: die Erkenntnis der Frauen für Ihre Lage ist nicht Sache der Frauen allein, sondern gemeinsame Klassenangelegenheit. Sollen sich die Frauen ändern, müssen die Männer das gleiche tun. Sie zuerst müßten den Frauen ' helfen, sene von den Männern so hoch geschätzten Tugenden der An- lpruchslostgkeit, Nachgiebigkeit, Unterwürfigkeit und— weiblichen Unselbständigkeit aufzugeben, weil dies Tugenden von Sklaven sind, die noch nicht zum Selbstbewußtsein erwachten. Was im häuslichen und oft auch im Parteileben noch immer als Tugend gilt, ist im öffentlichen Leben festeste Stütze der Reaktion. Darum helfe der Mann, ist es ihm ernst mit der Umwandlung der Gesellschaft, der Frau zu ihrer Befreiung von Eigenschaften, die einem vergangenen Gesellschaftsideal entsprechen. Fourier hat vor mehr als hundert Jahren gesagt:„In jeder Gesellschaft Ist der Grad der weiblichen Emanzipation das natürliche Maß der allgemeinen Emanzipation.' Um für heute die Richtigkeit dieses Ausspruches zu beweisen, brauchen wir nur an den Vorwurf zu erinnern, daß die Frauen schuld seien am Ausgang der Präsidentenwahl, und auch an ihre trotz aller furcht« baren Erfahrung noch immer vorhandene Kriegsbcgeisterung, an ihren mangelnden aktiven Friedenswillen, der in der ruhigen Hin- nähme, ja sogar in ihrer Zustimmung zu der Zugehörigkeit Ihrer Kinder zu allen möglichen militaristischen, nationalistischen und pseudopatriotischen Vereinen zum Ausdruck kommt. Dagegen kämpft vorerst nur eine verhältnismäßig kleine Schar von klar sehenden Frauen an, und sie bedarf zu ihrer Unterstützung unbedingt der Hilfe der Männer, einmal ln der Richtung, daß diese selbst ein Betspiel geben, zum anderen in der praktischen Unterstützung ihrer Pionier- arbeit, wozu auch selbstverständlich Frauenkongresse gehören. Wenn Parteigenossen Einspruch gegen diese Mittel erheben, so sind ihre Beweggründe gewiß die besten. Aber sie verkennen dabei nicht nur ihren eigenen Anteil, den sie an der Befreiung der Frau haben, sondern sie unterschätzen auch die diese Befreiung vorbereiten- den Mittel, die mit darin bestehen, den Frauen innerhalb der Partei jene Beweaungsfreiheit zu geben, die sie brauchen, um den für ihr« Werbetätigkeit unter ihren weiblichen und männlichen Klassen- genossen unerläßlichen moralischen Mut, innere Festigtest und Wissen zu gewinnen. So betrachtet, gewinnen unsere Frauenkonserenzen eine höhere und schönere JJcdeutung, Indem sie das Recht der Frauen auf eigene Entwicklung anerkennen. Und diese Konferenzen werden Ihren Wert behalten auch dann, wenn unser nächstes Ziel, eine stärkere Anteilnahme der Frauen an der Gedankenwelt de« So- zlallsmus wie an seinen konkreten Zielen, erreicht sein wird. Sind wir uns längst darüber klar, daß wir nicht warten dürfen und nicht warten wollen, bis der Zukunftsstaat uns alle von unseren unsozialen Eigenschaften befreit, bemühen wir Sozialisten uns un- abläfsig, durch Selbsterkenntnis uns zu sozialen Gliedern der Gesell- schaft zu formen, so beschreiten wir damit den Weg zu sener erstrebten Kultur, die auch da? Recht des anderen gelten läßt und nicht in öder Gleichmacherei das höchste Ziel gesellschaftlicher Entwicklung sieht. ,das KinS ist gut'. „Ich mutz glauben, daß Kinder von anderem Blut, ja von anderer chemischer Beschaffenheit sind als Erwachsene. E» sind Geschöpfe, so fremd unserer Art, wie wir vielleicht den Tiessee-Organismen. Vis zum sünften, zum siebenten Lebensjahr elfenhafte, unbegreiflich hohe Kreaturen, reine, zarte, gute Wesen, wundervoll entwickelbar. Mit einem Male werden sie Menschen. Was das heißt, wisien wir; aus einmal dann Menschen, ganz gewöhnliche Menschen, zwölf im Dutzend, sechzig im Schock, leer, dumm, stumm, hoffnungslos und gottverlassen. Wieso kommt das? Wieso geschieht es? Woher der Knacks? Auf welche Weise verschwindet der Kristall und wird zu Fensterglas? Wann? Mit welchem Tag beginnt es? Aus welcher Ursache? Darüber könnte man sich zu Tode denken.' Au» Iowd Wallermonn». Roman:„Laudln und d>« Seinen.' �Verführung" und Strafrecht. Von Jjenni Lehmann. Wenn wir davon sprechen, daß ein Mädchen„verführt" wird, so verstehen wir im allgemeinen darunter, daß ein Mann ein Mädchen, das bis dahin noch nicht Geschlechtsverkehr hatte, dazu veranlaßt, diesen mit ihm zu vollziehen. Darüber hinaus hat das Wort„verführen", allgemein angewendet, die Bedeutung der Verleitung zum Unrecht. Und diese Empfindung haben wir auch, wenn wir im obigen Sinne von Verführung eines Mädchens reden, sei es, daß wir das Unrecht in dem Verstoß gegen die Sitte oder gegen das Mädchen selbst im Auge haben. Das Mädchen erscheint uns dabei als die Schwache, die dem andern zu eigenem Schaden nachgegeben hat. Unsere Strafgesetz- gebung hat es an verschiedenen Stellen als Pflicht angesehen, Ver- keitungen anderer zu unrechten Handlungen unter Strafe zu stellen, besonders, wenn diese anderen au» irgendeinem Grunde nicht recht widerstandsfähig waren, etwa Infolge einer geistigen Krankheit oder aus anderen Gründen. Der Verführung zum außerehelichen Ge- schlechtsvertehr Hot darüber hinaus das geltende Recht nur in sehr beschränktem Maße einen Schutz der jungen Mädchen durch Strasbestimmungen gegenübergestellt. Es bedroht den Verführer mit Strafe, wenn das betreffende Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren alt ist und, wie das Gesetz es nennt,„unbescholten". Wer mit Kindern unter 14 Jahren den Beischlaf vollzieht, ist unbedingt strafbar. Unter unbescholten wird dann bei der Fällung des Urteils meist verstanden, daß nicht vorher schon irgend jemand mit dem Mädchen den Beischlaf vollzogen hat. Wenn also ein vierzehnjähriges Mäd- chcn in seiner Dummheit sich von irgend jemand hat mißbrauchen t. lassen— gerade ältere- Männer suchen manchmal mit Vorliebe diese ganz jungen Mädchen auf— dann kann später jeder andere unge- straft das gleiche tun, wenn er das Mädchen durch Geschenke, durch Versprechungen oder sonstwie stch gefügig macht. Das ist solch einem halben Kinde gegenüber oft nicht schwer. Deshalb hat man von Frauenseite immer wieder verlangt, daß die Altersgrenze für den Schutz der Mädchen anders angesetzt wird, indem der Bei- schlaf mit Mädchen unter 16 Jahren unbedingt unter Strafe gestellt wird. Das würde ganz folgerichtig in Uebereinstimmung damit sein, daß Mädchen auch nicht vor dem vollendeten 16. Jahre heiraten dürfen. Wenn mit ihnen der eheliche Beischlaf nicht vollzogen werden darf, so dürste es noch viel weniger der außereheliche. Und entsprechend der Heraufsetzung des dann absolut geschützten Alters müßte das Alter, in dem eine„Verführung" strafbar ist, von 16 auf 18 Jahr« erhöht werden. Auch das ist eine alte Frauenforderung. und auch sie ergibt sich eigentlich selbstverständlich aus den geltenden Rechtsbestimmungen anderer Art. So betrachtet das Strafgesetz Jugendliche unter 18 Jahren nicht als voll verantwortlich, sie unterstehen den besonderen Bestimmungen des Jugendgerichts- gesetzes, die mehr Erziehung als Etrase im Auge haben. Wenn aber diese jungen Menschen eben noch nicht voll verantwortlich sind wie andere, ältere, dann müssen sie doch allgemein als weniger widerstandsfähig angesehen werden. Wir haben gegenwätig einen neuen Entwurf zum Strafgesetz, der in wesentlichen Grundgedanken zurückgeht auf den Entwurf des Genossen R a d b r u ch vom Jahre 1928. Aber es ist da manches hineingebracht worden, das durchaus noch der Verbesserung bedarf. Dazu gehören die erwähnten Bestimmungen über das zu schützende Alter der Mädchen. Der neueste Entwurf von 1926 hält leider an den jetzt geltenden Altersgrenzen, unbedingte Strafbarkeit bei Ver- kehr mit weniger als vierzehnjährigen, bedingte bei Verführung von 14- bis 16jährigen, fest. Er hat nur eine einzig« Verbesserung ge- bracht, indem er Verführung auch dann annimmt, wenn das Mädchen nicht im früheren Sinne unbescholten ist, also etwa schon einmal Geschlechtsverkehr gehabt hat. Aber er setzt doch immer voraus, daß das Mädchen„verführt" wurde. Der neue Entwurf gibt in einer ausführlichen Begründung an, daß die Mädchen nicht über 16 Jahre hinaus vor dem auherehe- llchen Beischlaf geschützt zu werden brauchen, da sie dann auch heiraten dürfen. Dabei ist übersehen, daß sie zur Heirat durchaus Nicht srei sind, sondern der Zustimmung der Eltern oder Vormünder bedürfen. Da ist e» nicht logisch, ihnen den außerehelichen Verkehr ganz srei zu geben. Di« Frauen des Proletariats sollten sich um diese Frage kümmern lind ihre Kraft einsetzen, um eine Aenderung der Bestimmungen herbeizuführen. E» sind fast ausschließlich Mädchen aus proleta- tischen Kreisen, die so gefährdet sind. Erwerbsarbeit und Schwangerschaft. Unter diesem Titel hat der Deutsche Textilarbciterverband vor kurzem reichhaltiges Material über die Lage der schwangeren Ar- bciterinnen in der deutschen Textilindustrie herausgegeben.*) Die umfassende Arbeit, die hier geleistet worden ist, verdient das In- teresse aller Proletarierinnen. Seit 1922 hat der Verband sich ein- gehend mit dieser Frage beschäftigt und seitdem ständig die Oessent- lichkeit alarmiert. In Preußen hat diese Arbeit bekanntlich bereits *) Textil-Praxis, Verlagsgesellschaft. Berlin. zu gewissen Erfolgen geführt Weit über die Kreis« der Ar- beiterschaft hinaus wird der Versuch gemacht, diese furchtbare Geißel des kapitalistischen Systems zu bekämpfen. Die Berliner Medizinische Gesellschaft hat die Forderungen des Textilarbeiter» Verbandes übernommen und sich mit einer Eingabe an den Reichs» tag gewandt; ein großer Aerzrekongreß in Wien hat entsprechenden Leitsätzen zugestimmt. In fast allen deutschen Landesparlamenten stehen diese Forderungen zur Diskussion und in der Tat ist das Material, das hier zusamniengetragen ist, geradezu erschütternd. Das kleine Buch enthält eine große Anzahl von Bildern, die die schwangeren Frauen bei der Arbeit darstellen. Schon der Laie erkennt aus ihnen sofort, welch große Beschwerden die einzelnen Handgriffe den Arbeiterinnen verursachen müssen. Aerztliche Gut- achten haben festgestellt, daß das Strecken und Drücken des Leibes an der Maschine, das stundenlange Stehen, das Hin- und Herlaufen von einem Ende des Webstuhles zum änderen, das rasche Drehen von Rädern, das schwere Heben von Wolle und Stoffen, das gespannt« Aufpassen die schwersten Gefahren herbeiführen. Sehr häusige Er- scheinungen sind Frühgeburten, Verlagerungen nach der Geburt, Blasenentzünoungen, Nierenleiden, nervös« Ueberreizung infolge zu scharfen Aufpassens und anderes mehr. Diese Methode der Beobachtung der Frauen bei der Arbelt, der ärztlichen Gutachten und der statistischen Erfassung muh am besten dazu geeignet sein, diesen unerträglichen Zuständen ein Ende zu bereiten. Zwei Drittel, der in der deutschen Texilindustrie be- schäftigten Arbeiter gehören dem weiblichen Geschlecht an. 46 Proz. dieser Frauen sind verheiratet. Diese ungeheure Anzahl von Frauen muh also die schlimmsten körperlichen Quaken erleiden, um schließlich kranke Kinder- zur Welt zu bringen. Ein Vergleich mit anderen Etastistiken lehrt, daß die Sterblichkeitszifser bei den kinderreichsten Frauen mit niedrigstem Einkommen am größten, bei den begüterten Frauen mit niedriger Kinderzahl am kleinsten Ist. Diese Zahlen allein zeigen schon die ungeheuer ungerechte Lastenverteilung; das vom Textilarbeiterverband vorgelegte Material muh uns von neuem dazu anfeuern, nicht eher zu ruhen, bis überall im Lande der schwangeren Arbeiterin menschenwürdige Arbeitsbedingungen In den ersten Monaten der Schwangerschaft und hinreichender Schutz in den letzten Monaten vor und den ersten Monaten nach der Geburt gesichert sind. Die Sozialdemokratie führt seit Jahren diesen Kampf; angesichts des unendlichen Frauenleids, das sich hinter den trockenen Berichten dieser Broscyüre verbirgt, muh sie auf die tätige Unterstützung aller Frauen rechnen. Dora Fabian.. llebenstameradin. Die Familie ist der kleinste, aber Innigste der Gemeinschafts- kreise, aus denen das Zusammenleben besteht. Sie ist die letzte Zslle aus der das große Ganze seine Lebenskrast nimmt. Doch wie be- handelt der Kapitalismus die Familie? Wie nimmt er ihr nicht nur auf überlange Arbeitsstunden den Mann und Vater, sondern in ungezählten Fällen auch die Mutter, ohne deren Sorgen daheim Familie nicht möglich ist. Wie läßt der Kapitalis- mus die Familie in engen Wohnungen hausen ohne Luft und Licht und ohne Freude. Wie enthält er der proletarischen Familie die Wohnkultur vor, die Kunst daheim, die Schönheit, weil der Lohn meist kaum für die dürftigste Ernährung reicht. Da kann wahrhaftig Familie im tiefsten und edelsten Sinne nicht sein, und recht niedrig muh doch der über Familie denken, der diesen traurigen Einfluß des Kapitalismus auf die Familie nicht sieht und der Sozialdemokratie mit ihrem Ausgabengedanken noch Zerstörung der Familie vorwirft. Und doch kann die proletarische Familie einen hohen Kultur- wert in sich bergen, trotz alledem I Und wenn die Sorge auch manche Stunde der Verbitterung bereitet und wenn es auch tausendmal am nötigsten für die Kultur der Familie fehlt: gerade deshalb müßte die proletarische Familie stets eins sein: Kampfesgemein- s ch a f t. Mann und Frau müssen sein Kampfgenossen, gerade weil sie immer und immer wieder in ihrer Familie fühlen, wie ungerecht das Leben ist, weil es Klassen hat, von denen die eine hat und die andere darbt. Aber gehen hier Mann und Frau immer gleichen Schritt? Ist dl« proletarische Frau immer die L e b e n s k a m e r a d i m. die Schulter an Schulter mit dem Manne kämpft? Der Sozialismus soll der Frau wie der Familie die Befreiung bringen, aber gerade die Frau ist nur zu oft die schlimmste Gegnerin des Sozialismus, weil sie dem Kampfe der Arbeiterklasse gleichgültig, teilnahmlos gegenübersteht und so oft die proletarische Bewegung durch ihr Verhalten geradezu hemmt. Wie manchmal ist es die Frau, die vom Bezüge des Ar- betterblattev abhältl Wie manchmal ist es die Frau, die der Zahlung der Partei- und Gewerkschastsbei träge im Wege steht! Erst wenn die Frau Kampfgenossin des Mannes geworden, Ist der wirkliche Keim zur Kultur der Familie gelegt. Dann ent- hält die proletarische Familie eine Harmonie der Interessen, die bindet und eint. Dann wird auch die Familie zur vollen Trägerin des großen gesellschaftlichen Kampfes, aus dem allein die Befreiung der Familie werden kann. D. G. H. Mnölieö. Von Max Varthel. Nun flammen wieder Stcrn an Stern! Die Mondessichel schneidet vom Felde ab das Vitlertrout. Das uns den Tag verleidet. Zw Glanz, der übermächtig flammt. Muh sich die Seele finden Und unter schmalem Sichelmond Die Siegeskränze binden. Es ist der Tag mit viel Geschrei And laut vorbeigezogen. Ana hängt er seine Harfe aus 2m goldneu Stern endogen. Gib wir, o Liebste, deine» Mmchl Wenn meine Augen dunkeln. Latz über meinen Feiertag Di« schönen Sterne suntela..« LaÄ. Bon Artur Schopenhauer. Ein« Gesellschaft Stachelschweine drängt« sich an einem kalten Wlntertage recht nahe zusammen, um durch die gegenfeittge Wärme fich vor �Qem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie dl« äegenseitiaen Stacheln, was sie dann wieder voneinander ent- sernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jene» zweite Uebel, so daß sie zwischen beide» Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie ein« mäßige Entfernung hemisgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten. So treibt das Bedürfnis der Gelellschaft, au» der Leere und Monotonie des eigenen Inneren entsprungen, dt« Menschen zu- einander: aber ihre oielen widerwärtigen Eigenschaften und uner- tröglichen Fehler stoßen sie wieder voneinander ab. Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher«in Bei- iammensei» bestehen kann, ist die höjlichkeit und seine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man tn England zu: keep your dislancc!— Vermöge derselben wird zwar das Bedürf« nis gegenseitiger Erwärmung nur unvollkommen befriedigt, dafür aber der Stich der Stacheln nicht empfunden.— Wer jedoch viel eigene. Innere Wärme hat, bleibt lieber au» der Gesellfchast weg, um kein« Beschwerde zu geben, noch zu empfangen. Die Sage vom Herkules. Von August Strtndberg. Herkules hatte seine sechs Wuirder vollbracht und machte sich nun an das siebente, welches in der Reinigung des Augiasstalles bestand. Dies war zwar nicht die anstrengendste, dafür aber die unailgenehmste Arbeit: denn in besagtein Stalle hausten seit dreißig Jahren dreitausend Ochsen, ohne daß seitdem eine reinigende Faust dazwischen gefahren wäre. Erst oersuchte er es mit Schaufel und Besen, da erscholl«in Gebrüll von— denkt euch— dreitausend Ochsen: �Laß unseren Mist liegen, da« ist unser Mistl" „Das schert mich den Teufel.' sagte herkule» und begann au,- zumiste»..Wir wollen unseren Mist behalten!' brüllten die Ochsen und zeigten ihm die Horner: doch Herkules schlug chnen mit der Schaufel um die Ohren, so daß sie schwiegen, und arbeitet«, un- geachtet de» umherliegenden Schmutzes weiter. „Seht den Schweinepelzt' höhnten die Ochsen. „Ihr seid Schlveiuepeize,' antwortete Herkules,„denn nicht ich, sondern ihr habt die Schweinerei hier verursacht, und e» ist nicht meine Schuld, daß ich beschmutzt werde, wenn ich euch anrühr«.' Die Ochsen schnzlegen, doch nun krochen die Mistkäfer, welch« tn den Exkrementen hausten, hervor..Laß unseren Mist liegen,' brummten sie. .Da» ist nifist euer, sondern der Ochsen Mist.' sagte Herkules. „Ja, aber wir frieren, wenn du ihn wegnimmst.' .Dann arbeitet und ihr werdet nicht mehr frieren.' Und sie arbeiteten. Am Abend aber, da Herkules schlief, wälzten sie den ganzen Mist wieder in den Stall zurück, den er am Tag« fortgeschaufelt, und am Morgen sah alles aus wie zuvor. Wie Herkules das sah, wurde er zornig:„hier kann nichts anderes Helsen, als den ganzen Stall unter Wasser setzenl' rief er. Als die Ochsen von Wasser Härten, da» sie seit dreißig Jahren nicht mehr gesehe», wurden sie rasend»nd brüllten so laut, daß die Mist- käser, welche sonst nur Im Dunkeln herauskamen, aiifslogen und Schutz auf ihren Rücken suchten. Doch Herkules ließ sich nicht ab- schrecken: eine Rinn« zum nahen Fluß grabend, setzte er den ganzen Stall unter Watzer. »Er ist ein Voltsfeind,' brüllten die Ochsen,.er will die Ge- sellschaft stürzen: er will die ganze Welt überschwemmen.' „Da, ist nicht wahr!" antwortete Herkules,„er will nur den Schmutz fortspülen: und ein Volksfeind ist er auch nicht, aber«tn Feind von Ochsen und Mistkäfern." Als alle» rein war, legt« sich Herkules nieder, um zu ruhen. „Wie solle» wir un» rächen,' beratschlagten die Ochsen,.haben wir keine Massen? Unsere Hörner fürchtet er ja nicht.'„Wir werdm ihn mit Dreck bewerfen!' riefen einige.„Dann wäscht er sich ab," antworteten andere. So kamen sie nach langem hin und her und nachdem jeder seinen niehr oder minder weisen Rat dazugegeben, zu dem betrübenden Schlüsse, daß sie keine Waffen gegen Herkules hatten. Doch ein Mistkäfer, welcher die ganzen Verhandlungen mit angehört, hatte eine Idee.„Setzt ihn unter Wasser, wie er e» mit unserem Stolle gemacht hat."„Ja, das wäre schon etwas: aber woher das Wasser nehmen?" Der Mistkäfer flüsterte einem Ochsen etwas ins Ohr, dieser wiederum sagte es seinem Nachbarn, und bald wußten alle Ochsen, woher das Wasser zu nehme» sei. Bon einer schmutzigen Flut umgeben, erwachte Herkules, doch aus leicht begreiflichen Gründen oersiegte diese bald, und herkule» war wieder auf dem Trockenen. Er ging tn den Stall und schwang die Keule. Doch besann er sich wieder:„Man schlägt kein« Lau» mit der Keule. Ihr hättet auch wohl reine» Wasser nehmen können, wie ich es gegen euch gebrauchte. Aber was ist da zu machen l Ochsen bleiben allezeit Ochsen. Wenn ich euch schlage, weil ihr so lumpig euch an mir gerächt, so kommt nicht hinterher und sagt, daß 'ch mich wiederum euch gerächt. Ich räche mich nicht, ich züchtig«. Damit schlug er alle Ochsen auf den Podex, alle dreitausend. Aber dir Mistkäfer ließ er unbeachtet. * Oer zerstreute Professor. Es war einmal ein Professor, Der war so unendlich zerstreut—> Die allerwichiigsten Sachen � Vergaß er von gestern auf heut. And als eines schönen Tage» Der gute Professor beschloß. In den Stand der Ehe zu treten, Weil ihn das Alleinsein verdroß, Geschah's, daß am anderen Morgen Der unglückselige Mann Auf seinen erst gestern gefaßte« Entschluß fich vergeblich besann. Ihm war von der ganzen Geschichte Erinnerlich nur noch das: Er wollt« in etwa« treten:/ Doch wußte er nicht mehr tn was. OttoSommerftscss. s Stinnes in Liquidation. Stinnes jr. zu den Arbeitern:„An unserem Aufstieg haben wir euch leider nicht beteiligen können— nehmt wenigstens an unserer Pleite teil!"(Simplicissimu».) vom.Arizona-Kicker'. Eine» Tage» trat ein Mann in dl« Redaktion de».Arizona-Kicker". Einen Revolver hatte er tn de« Hand, der zweite steckte im Gürtel. Er rollte schrecklich seine blut- unterlaufenen Auge» und wollte den Redakteur lprechen. .Der Redakteur Ist nicht hier", antwortet« der Aureausunge. .So!" schrie der Besucher und legte seinen Revolver aus den Tisch..Wo ist er denn?" Der Junge sah den Fremden offen an. .Er ist zu einer Beerdigung." .Ach nein! Wer wird denn begraben?" .Ein Mann, der neulich hier war und den Redakteur sprechen wollte." Der Besucher dachte ein Weilchen nach, dann nahm er de« Revolver vom Tisch und ging. Der Kinderwage». Ein hübsches junges Mädchen, anscheinend in anderen Umständen befindlich, geht in Gedanken versunken im Albertpark in Dresden spazieren Es begegnet ihr ei» von Lange- weile geplagter Schutzmann. Einer von den gemütlichen. Sie schrak zusammen, als er sagte:.Freilein, hier därsen Se ntch mit'n Kinderwagen fahr'n."—.Awer ich habb doch gar aeen'n," sagt das Fräulein errötend.—„Ru, lasj'n Se'» man gut sin, Freiletn, Ich wallt's Ihn' bloß sag'n: wenn's so weit i», dann wissen S« ve- scheed." Zweierlei Aussassung.„Ich kann Ihnen aber das Zimmer nicht vermieten, wenn Sie keine Empfehlungen haben."—„Empsehiungen? Ich sage Ihnen, lieb« Frau, meine letzte Wirtin hat geweint, als ich ausgezogen bin.'—„Das kann mir nicht passieren: bei mir müssen Sie die Miete im voraus bezahlen!" Klnd und Puppe. Lieschen hat zu ihrem Geburtstag«in« Pupp« von Mama erhalten. Lieschen untersucht die Pupp« sehr genau und entdeckt plötzlich, daß aus der hinterjeit« geschrieben steht: Mark t,75.— Triumphierend erzählt sie Kletn-Gretchen dies« inier- essonte Entdeckung. Kletn-Gretchen dreht sich um. hebt da» Kleid- chen hoch und sagt:„Sich dach mal nach, wo» ich toste!" (Simpllclsslmus.Z