■ r.'-.••.!-/' m..■■ u-r": ,'''''■■!•'" j' 1-•..' � � V''"�v'r:,.r!1:!'1''!::"•! r ü,1"■W"-';-'-•'■h ,;:::,.i'-! 1«MM-: Beilage zum Vorwäris 1. November 1926 j 42. Jahrgang t:jBmi»W!j:waiiiriawrii!Wi(RWfflt»!H,iw#tfPi!!i;i�� Zurück zu ö Das Proletariat und s, Der Sozialismus wandte sich zuerst an dt« E r w a ch s e- n e n. Zu dem Arbeiter sprach er. der in der Fabrik seine Arbeitskraft für geringen Lohn verkaufte; zu der Heim- arbeiterin, die Tag und Nacht an der Maschine saß und doch kaum genug zum Essen hatte. Er wandte sich an den Land- arbeiter. den von vielen Lasten gedrückten Kleinbauern, die beide sahen, daß Korn in Fülle wuchs und daß es trotzdem Hunger gab, bitteren Hunger. Er ging zu dem Bergmann, der Schätze aus der Erde emporwühlte— für andere. Cr kam zu der Mutter, die ihre Kinder hungern und frieren, zu der Frau, die den Mann unter drückender Last zusammen- brechen sab. D i e verstanden ihn a l l e. Auch mancher Arzt verstand ihn, der am Sterbebette eines Kranken stand, den Luft und Sonne, Milch und Brot gerettet hätten; der den Totenschein ausstellen mußte für einen, der die unerträgliche Last des Lebens von sich geworfen hatte— aus Not. Den Sozialismus begriff selbst manch ein Richter, der einen verurteilen sollte, der nach fremdem Brot gegriffen hatte, um eigenen Hunger zu stillen. Und hin und wieder erfaßte auch einer den Sozialismus, der in stiller Stube nachsann darüber, wie alles wohl am besten einzurichten sei in der Welt. Sie alle begriffen ihn— ja— und doch wohl nicht ganz. Denn wenn sie nun daran gingen, das erträumte, erhoffte, ersehnte Idealbild zu verwirklichen, da gab es Schwierigkeiten, Un- überwindliches in ihnen selbst. Der alte Mensch stellte sich ihrem Zukunftsdrang entgegen. Nicht das. was nach Iahren alt in ihnen war, sondern das, was ihrem Charakter, ihrem ganzen Wesen von der althergebrachten Sitte und Lebens- auffaffung ausgedrückt war, das kämpfte gegen das Neue, das sie schaffen wollten. Und sie erkannten: wir müssen früher anfangenl Da gingen die Erwachsenen zu den Jugendlichen und lehrten sie die neue Lehre. Sie sprachen zu dem jungen Arbeiter in Fabrik und Kontor, auf dem Acker, im Schoß der Erde; zu dem jungen Mädchen an der Maschine, im Bureau, im Haushalt. Und obgleich sie so jung waren, so begriffen sie doch die neue Lehre. Es war ja so wenig daran zu be- greistn, zu nah lag's, jeder hatte es erlebt, was dort verkündet wurde: anders muß es werden, besserl Da gingen die Jungen und brachten aller Jugend die neue Lehre. Auf Spiel- und Sportplätzen, in Wald und Feld, in Fabrik und Kontor sprach man von neuem Staat, von neuem Recht, von neuem Leben. Jugend ist ungestüm, Jugend will nicht warten. Die Jungen wollten daher nicht warten auf hje neue Zeit, sie wollten gleich beginnen, sie zu leben. Und sie begannen. Und wieder war eine Grenze da, über die sie nicht hinauskonnten. Das eigene Ich stellte sich ihnen entgegen, und sie erkannten: noch früher anfangen! Da gingen die Erwachsenen und die Jugendlichen zu den Kindern. Auch die Kinder kannten Hunger und Sorge, verlangten nach Wärme, Licht und Freude. Sie begriffen, als ma» in einfachen Worten davon erzählte, die neue Lehre. Aber nicht auf das Reden, auf das verstandesmähige Erfassen kam es hier an, sondern auf die gefühlsmäßige Verwurzelung durch das Leben. Und sie begannen, mit den Kindern in neuen Formen zu leben, ein Stück Zukunft zu verwirk- lichen. Es gelang— zu einem Teil. Aber auch in diesen junge» Pslänzchen war schon viel Altes rege. Neid, Hab- gier, Haß, Selbstsucht strebten mächtig empor und waren grimmige Gegner der neuen Lebenslehre. Und wieder stanÄ tn Huetlen! ine Erziehnngsaufgabe. man vor der Grenze und fragte: was nun? Auch hier noch nicht früh genug angefangen? Und da sahen sich Bursch und Mädchen, die Mann und Frau werden wollten, an und sagten: wir müssen neu« Menschen schaffen, ganA andere, als sie heute sind. Gleich wird's nicht gelingen, aber allmählich gelingt's doch. Fangen wir anl Das Stückchen, das w i r uns vorwärts gebracht hoben, kommt auch unseren Kindern zugute, es erleichtert ihnen den Kampf mit dem Alten. Schaffen wir gesunde und kräftige Kinder, so werden auch sie wieder gesunde und kräftig« Kinder haben. Schaffen wir kluge und sittlich starke Persön» lichkeiten, so werden ihre Kinder es in noch größerem Maße fein. Bereiten wir in unseren Kindern einen Boden vor, in dem das Samenkorn des sozialistischen Gedankens leichter aufkeimen kann als in dem steinigen, harten Boden, dem wir vergleichbar sind— dann wird das zarte Pflänzchen schnell aufwachsen zu einem Baum, der die Erde überschattet. Eugenik heißt die Wissenschaft, die uns hier neue Wege weisen will. Wie sollen wir's übersetzen? Die Lehr« von der Schaffung eines neuen, schönen, im weitesten Sinn« schönen Geschlechts. Möge das Proletariat ihr nah«» kommen, hier quillt Neues empor, das uns bereichern kannl _ Erna M a r a u n. Psychologie öes Sozialismus. Von Sofie Lazarsfeld. (»lab es vor dem Kriege für die Arbeiterklasse nur zwei Probleme, da» wirtschaftliche und politische, so haben sich seither neue dazu gesellt: besonders eines, mit dem sich die Arbeiterklasse infolge ihrer anwachsenden Machtstellung auseinanderzusetzen bat, das ist das Verhallen des einzelnen zur A r b e i t s g e m e i n- s ch a s t. Dabei stehen vor allem zwei Formen des praktischen Lebens im Vordergrund, der Betrieb und die Schule, so daß die sozialistisch« Arbeit seit dem Umsturz um zwei neue Aufgaben- gebiete erweitert wurde, die Betriebsdemokratie und dl« Schulreform. Di« theoretische Grundlegung für beides ist di« Jndividualpsychologie Alfred Adlers, die, auf» allerkürzeste zusammengefaßt, folgende Lehrsätze und Erfahrung»- Prinzipien enthält:! Das kleine Kind, das in vollkonimener Hilflosigkeit in einer weit überlegenen Umgebung auswächst, empfindet seine Machtlosig- keit gegenüber dem machtvollen Großen sehr bald und zu seinem Unbehagen. E» wünscht dies« Position zu verbessern, und da e« kein« tatsächliche Ueberlegenheit gewinnen kann, tut es das durch Schreien, Bettnässen und andere Dinge, durch die es die Erwachsenen zwingt, sich mit ihm zu beschäftigen und sie so seine Macht fühlen läßt. Damit beginnt seine Ersahrung auf dem Gebiete des Macht» strebens. Diese kindlichen Eindrücke werden entscheidend für sein» spätere Entwicklung: es behält die Wertbemesfung kletn-groß für alle Dinge bei und schafft sich so sein Lebensziel, das Ziel de» Geltenwollens, das Streben nach persönlicher Ueberlegenheit. Diese» Streben steht im Kampf mit einem dem Menschen angeborenen Ge» sühl, dem Gemeinschaftsgefühl, und darauf baut sich dt« ganze seelisch« Struktur des Menschen auf. Die bürgerlich« Ideologie hat die Einstellung der persönlichen Machtgewtn» n u n g ganz und gar übemommen, ihre Erziehungsmethoden darauf eingestellt, ihre Erfolge nur dort gesucht, unter bewußter Unter- drückung des Gemeinschafts gefühls. Dex Krieg ist da« grandioseste und erschreckendste Beispiel dieser Lebensrichtung: Adler definiert ihn als.chie furchtbarste Massenneurose, zu der sich unser« »eurotisch-kranke Kultur, zerfressen von ihrem Machtstreben und ihrer Prestigepolilik, entschlossen hat", als das„dämonische Werk der allgemein entfesselten Herrschsucht, die das imsterbttche Gemein- schaftsgesiihl der Menschheit drosselt oder listig mißbraucht". Der sozialistische Gedanke, der die Gemeinschaft dem einzelnen überordnet, geht zu diesem neuen Ziel auch neue Wege der Erziehung: den Weg, den die Lndioidualpsychologie weist, Abbau des Strebens nach Macht und Erziehung zur Gemeinschaft. Der Grad der Einfügungssähtgkeit in ein Ganzes hängt durchaus von den Umständen ab, unter denen dos Kwd in der Gesellschaft ge- boren wird. So ist z. B. festgestellt, daß Menschen mit o r g a n i- schen Fehlern der Gesellschaft feindlicher gegenüberstehen al» ganz gesunde. Sie empfinden stch als zuruckgeseflt, als minder. werng, und versuchen, da sie alle P o s I t i o n» k ä m p f e r sind, diesen Entgang an Machtgefühl durch Uebertompensicren zu er- setzen, Indem sie mehr Beachtung und niehr Rücksicht verlangen und sich dabei weigern, ihr Teil zu einem gedeihlichen Zusoinmen- leben beizutragen. Aus dieser Kategorie stammen die meisten Neuro- titer, die unbrauchbar für die menschliche Gesellschaft sind. Aber auch zu hart behandelte oder sehr verzogene Kinder neigen zur Neurose, die einen, weil ste vom Nächsten gor nichts, die andern, weil sie alles von ihm verlangen. Adler hat nun ent- dckt, daß diese fehlerhafte Einstellung zum Leben, die sowohl die einzelnen wie die Gemeinschaft der besten Kräfte beraubt, durch entsprechende Erziehung vermieden und dadurch das Streben nach Geltung auf gemeinnützige soziale Zielgebung ge- richtet werden kann. So kann der Erzieher die„Kompensation des Minderwertigkeitsgefühls" für den einzelnen und die Gemeinschaft produktiv gestalten. Daß das möglich ist, schließt Adler aus seiner Erfahrung, die ihm zeigt, daß es u n r i ch t t g ist, ein Unvermögen, ein« Unbegabtheit, auf welchem Gebiete immer, als gegeben vorauszusetzen. Er beweist, daß nur Mutlosigkeit oder mangelnde Schulung der Grund für die Unfähigkesten sind, die wir im prak- tischen Leben an uns und anderen beobachten. Hier stoßen wir auf einen Lehrsatz der Individualpsvchologie, der für die proletarisch« Klalie von besonderem Interesse ist, das ist die unbedingte und prinzipielle Gleichartigkeit der Menschen. Durch diesen Grundsatz bricht die individual-psychologische Theorie mit dem bisher für selbswerständlich gehaltenen Vorrecht der große- ren Begabung bei Kindern, ein Vorrecht, das durchaus auf Seite der wirtschaftlich Stärkeren war, da dieses Begabungsplus nichts anderes ist al» ein Minus an HInderniffen, die der günstigen Entwicklung des Zkhtdes im Wege stehen. Dieser Gedanke Ist aus- K drückt In den Satz: Begabung— Mut+ Schulung. Die Umge- iltung unserer Schulen muß dem Proletarierkind die Möglichkeit *ur Schulung geben, und wird ihm dann auch die Ernmnterung, die Ermutigung zur Jnangrisnahme der Aufgaben der Schule und später des Lebens. Hier trifft der individualpsychologische Grund- gedanke auch mit einer der entscheidensten soziattftischen Forderungen »usammen, der Gleichberechtigung der Frau. Auch die Frauen traten nach dem Umsturz in all« bürgerlichen Rechte ein, aber«» fehlt ihnen bei weitem noch die Fähigkeit, sie voll auszunützen. Für fi« gab es bis vor kurzem nur zwei Möglich- keiten, entweder das vor allem behütete und dadurch unfähig ge- wordene Luxusweibchen oder die durch härtest» Notwendigkeit zur Arbeit gezwungene Proletorierin. Ein drittes hat es, mit wenigen für die Masse belanglosen Ausnahmen, nicht gegeben. Durch die wirtschaftliche Ueberlegenheit des Mannes ist den meisten Frauen eine seelische Verkrüppelung ausgezwungen worden, die so viele Frauen in die Neurose gedrängt hat. Eine aufmunternde Er- Ziehung hingegen, die Mut zur Arbeit macht und ihre Möglichkeit vor Augen stellt, führt auch hier nicht nur*um Erfolg, sondern über Ihn hinaus zu neuer kräftiger Verbundenheit mit den Aufgaben der Gemeinschoft, d. h. zur Heilung der Neurose, zum vollwertigen Menschen. Als vollwertig aber fühlt sich nur der in der Gemeinschaft wirkende Mensch, der seine Angelegenheiten nicht als reine Privat- fache, sondern als Teil eines größeren Ganzen anfleht, denn nicht als ethische Forderung wird die Einordnung in dt« Gemeinschaft oerlangt, sondern sie ergibt sich als praktische Folgerung de» indi- vfttualpsychologischen Grundgedankens, daß jede» vergehen gegen dl« Gemeinschast sich in der unerbittlichen, Logik des Lebens" an dem rächt, der dieses Bergehen verschuldet hat. daß die Glücks- Möglichkeiten de« einzelnen gleich sind seiner Fähigkeit, fich in die Gemeinschast zu fügen. Von hier aus wird vor allem der ewig« Einwurf widerlegt, den Gegner de» sozialistischen Gedankens immer anführen, daß der Mensch ohne Zwana, ohne Möglichkeit der Strafandrobung nichts leiste noch leisten werde. Wir haben in der Jndioidualpsychologi« den Weg gesunden, der zur freiwilligen Höchstleistung de» Menschen führt, weil ein« in individualpsychologischen Grundsätzen geleitet« Erziehung den Menschen frei macht von dem psychischen Niederschlag des um ssden Preis Geltenwollens, der aus seiner setzt schon tn frühester Kindheit beginnenden Kamps- und Trotzstellung herstammt, weil Sihm den Weg ebnet zur Entfaltung seines angeborenen emelnschaftsgefühls. Welch große Erleichterungen das in jedem Betrieb, tn jeder Organisation mit sich bringt, versteht jeder; man darf aber auch hosfen, daß es sich darüber hinaus im Verhältnis der Nationen zu einander auswirken wird. Vorläufig haben wir der Indioidual- Psychologie schön« internationale Erfolg« zu danken. Dr. Alfrob Adler war der erste, der nach dem Krieg« an der Sorbonne In Paris deutsch vorgetragen bat, er hat 1S23 als erster tn England, tn Oxford, beim Psychologenkongreß in deutscher Sprache den Vorsitz gefiihrt. Seinem Berein ftir Jndividual- psyckZolog�e gehören miß«» derrtfchen, französische, amerikanische, holli-ttdisch« Sektionen an. Die Sektion Dresden arbeitet auf rein sozialistischer Grundlage und hat auch einen Verlag gegründet, der sich zum Ziele setzt,„die Resultate zweier revolutio- närer Forschung«- und Denkleistungen zu verbinden, Marxismus und Jndividualpsychologie", denn dt« tndioidualspychologisch« Tätig- keit kann nur durch ihr« Verwurzelung im Sozialismus nutz« dringende Früchte tragen, wie sie andererseits den Weg zur soziali- stischen Erziehung und damit zum Sozialismus ebnet. Blick deinem Mnöe offen in öie Mugen... Aon Max Eck- Troll. ,,llch will mir da» Stecht wolnen, meinen Mildern in tu« Aufien ju leben, wenn li««init freie erwochlene Miinner ftnd." Äsen läßt dieses wundervolle Wort den Helden in seinem Schauspiel:„2)er Volksfeind" sagen, tn dem Augenblick, da die ganz« spießbürgerliche Kleingeiste res sich gegen ihn erhebt, ihn boykottiert, ihn verspottet, ihn und sei« Familie um das Brot bringt, sogar sein eigener Bruder als höchster Beamter der Stadt gegen chn zum widerlichen Intriganten wird, weil er, Thomas Stockmann, der Held, die Wahrheit verkündet, gegen den Sumpf verlogener Moral ankämpft. Die Kleinbürger, die Hausbesitzer, die amllichen Bureausklaven erklären aber in öffentlicher Versammlung den Wohltäter der Menschheit, den wahren Patrioten zum„Volksfeind". War es nicht Hi allen Zeiten so? Wir Sozialisten können ein Lied davon singen, daß zu allen Zelten die wahren Freund« de« Volke» von den Herrschenden zu „Volksfeinden" erklärt wurden, da sie die Lüge, die Gemeinheit, die Verbrechen der Herrschenden rücksichtslos anprangerten. Waren wir nicht vor den; Kriege die.Saterlands losen Gesellen"? Und haben die mllitärwütigen. bureaukratischen Futterkrippenjäger etwa nicht die Infamie des„Dolchstoßes" erfunden? Gibt es unter den heutigen Bühnenwerken ein akwelleres�als diesen„Volkssetnd"? In diesen Tagen des Münchener„Dolchstoß- Prozesses"? In den Letten völkischer Feme, der Rathenau- und Srzberger-Movde? „Man sollt« nie seine beste Hose anziehen, wenn man hingeht, um für Freihett und Wahrheit zu kämpfen, sagt der Held nach der Bolksoersanmilung, in der ihm die Spießbürger und Intriganten dt« Hos« zerrissen haben. Der Dichter entläßt uns in der Zuversicht, daß Thomas Stock- mann im Kampf um die Wahrheit siegen wird. Hätten wir Sozialisten diesen festen Glauben an unser Ideal nicht auch, wir hätten nicht alle Schmähungen und Verfolgungen der Kleinbürger(auch die meisten„Stützen der Gesellschaft", vi« Staatsanwälte, Generale und Generaldirektoren usw. zählen bazul) flegreich überstanden. Das Zitat, das diesen Zellen voransteht, sollten wir in schöner, klarer, fester Schrift vor unserer Haustüre oder im Wohnzimmer sür jeden Gast ersichtlich, statt billiger Gesangbuchoers« und nichts- sagender Bibelspruch.' anbringen. Sollten diese» Wort im Herzen tragen. Und sollten uns immer fragen: handelst du auch stets so, daß du deinen Kindern tn die Augen sehen kannst, wenn sie»inst freie erwachsen« Männer sind?" Du kannst es nur, wenn du allezeit ein Kärnpser bist für das höchste Menlchheitside al, tür die höchst« der Religionen, oie sich zusammenfassen läßt in da» ein« verantwortungsvoll«, zutunfts« ftsildige, inhaltsschwere Wort:„Gemeinschaft... Sozia- Ii»MUS t" Du wahrst dir das Recht, wenn du arbeitest, kämpfst für die Beseitigung aller„chinesischen Mauern", die Eiserertum, Standes- dünkel, falscher Nationatismus, widerlicher Rassenhah um dt« Menschen künstlich zu ihrem Schoden errichtet haben, zur Ver» dummung der Masten, zum Vorteil nur sür di« oünn« Oberschicht der Privilegierten, Besitzenden und ihrer Landsknechte und Söldlinge. Der Gedanke für das Gemeinlame aller Menschen, ob Iud'. ob Christ, ob Schwarz, ob Weiß, ob Deutscher oder Franzose marschiert. Er marschiert, weil es stet» Helden wi« Thomas Stock- mann gegebsn hat. Eine Frage: Wüode mqp heute etwa z. L. von einem Acht- stundeulag reden, die Kinderarbeit in nuiisigen Fabriksälen ver» darinnen, wenn nicht Vorkämpfer für solche Ziele gekämpft und gelitten hätten? Du Mutter, du Dater, willst du etwa nicht, daß es deinen Kindern und Kindeskindern bester ergehen soll wie dir? Daß sie reffer werden, daß sie tn größere? Freiheit und Unabhängigkeit leben wie ihr. Frei und looanöst von den Sklavenkctten, die im � prioatkapitaiisttslyen Staat kein« Arbeiter- und lkleinb auersfamllie ganz von der Sorge um das Lebensnotweiidio« befreit sein läßt. Di« Freihett, das Glück euer« Kinder sollt ihr Eltern aber nicht erkaufen auf Kosten des Glücke» anderer Menschenl Das aber ist nur möglich im Staate absoluter Gematnschastl Für ihn müßt ihr Estern kämpf«». Müßt eure Kinder zu freien Menschen erziehen! Euer ganzes Leben long! Erst dann wahrt ihr euch das Recht, euren Kindern in die Augen zu sehen, wenn sie einst„freie Männer, srei« Frauen stnd." Kampf öer MmöerwertigkeLt! Die gewaltigen Fortschritte de« Maschinenzeitalters haben das Machtgefuhl de« Kapitalismus, als auch das persönliche Gefühl der Ueberlegenheit des Mannes ins Unnatürliche gesteigert. Und dieser zwiefältigen Machtüberlegenheit stehen zwei Wenschengruppen hilflos gegenüber, nämlich das Weib und das Kind- Denn beide, das Kind im allgemeinen und das Weib iin speziellen, besitzen weder Machtmittel noch Autorität, sie haben nichts als nur sich selbst in die Wagschal« der allgemeinen Beurteilung zu werfen. Und da sie ihre eigene Persönlichkeit mit dem gering- schädigen Maße ihrer Umgebung und unter dem Gesichtswinkel alter Vorurteile messen, wird in ihnen, fast unbewußt, ein bitteres M i n d e r w e r t i g ksi te g es ühl wach, da» ihnen die Kraft zu ernstem Wollen und den Mut zu sich selber nimmt. Beide Gruppen leiden besonders stark, sofern sie zum Proletariat gehören. Sie sind ja der Willkür und Ueberlegenheit männlicher und kapitalistischer Ueberhebung schutzlos preisgegeben. Das Kind fühlt sich, sobald es zu denken beginnt, dem Lebenechaos gegenüber stets unsicher und bleibt am liebsten in seiner eigenen kindlichen Welt. Durch seine Umgebung und durch oi« gegenwärtige Gesellschaftsordnung in freier Entwicklung ge- Iiemmt, trankt es von Jugend aus an den sogenannten Milieu« chäden, die nicht nur geistige, sondern auch Organschäden ver- anlassen. Durch Vergleich mit anderen Kindern und deren Spott werden ihm leine geistigen Mängel und körperlichen Schäden be- «ußt und seine Selbsteinschätzung fällt von Tag zu Tag niedriger aus. Durch allerhand Verzerrungen und Schiefheiten der Umgebung wird es ganz von dem Gefühl der Minderwertigkeit überwältigt und nur schwer wieder davon frei,»«mal da der Erziehurrgsmodus der alten Schul« sich nicht um die Seele de» Kindes kümmert. Im Gegentell, der Lehrer als Autorität bestärkt das Minder- wertigkeitsgefühl des Kindes, indem er es gewohnheitsmäßig vor sich selbst erniedrigt und ollen Stolz und Glauben an sich selbst in ihm tötet. Das Proletarierweib ist durch die jetzige Plutokratie nicht nur sozial, sondern auch wirischastlich und sexuell ganz und gar vom Manne abhäimig. Obwohl auch der proletarische Mann durch die heutige Gesellschaftsordnung von kultureller Mitproduktion aus- geschlossen ist, genießt er noch immer mehr Rechte und Freiheiten al» die Frau. Die kleinbürgerliche Denkweise vieler Pro- letarlersrauen ist die Ursache, daß sie sich still und stumpf der Verfügungsgewalt des Mannes fügen; und wenn man sie fragt, mit welchem Menschenrecht der Mann diese Autoritätsgewalt über sie ausübt, dann hört man al» Antwort, daß es doch s ch o n i m m« r so gewesen fei, und da die Frau ja gesetzlich so viel rechtloser al» der Mann sei, müsi« sie doch auch geisria minderwertiger sein. Dies« Denkweise dreht sich wie«in ewiger Kreislauf herum und ver« erbt sich von Geschlecht zu Geschlecht, wenn die Frauen sich nicht selbst dagegen«oehren. Also aus zum Kampf gegen die Minderwertigkeit, ihr Mädchen und Frauen! Diesen Kampf müssen wir selbst aussechten. Fort mit der alten, anerzogenen Denkweise, ihr Frauen! Schafft euch«igen« vegrisfe! Lernt selbst klar und praktisch denken! Uebt euch darin an einfachen, oraktischen Dingen, damit der vllck stch erweitert! Ruft euch irgendein Erlebnis,«ine Begegnung Mit irgendeinem Menschen ins Gedächtnis zurück und denkt darüber bis in alle Einzelheiten nach,«troo fünf oder zehn Minuten lang, Und laßt die Gedanken nicht davon fvrtschweisen, was sie so sehr gern tun. Aus dies« Weise wird sich bei regelmäßiger täglicher Denk- Übung bald von selbst«in klares Denkvermögen einstellen. Und ihr werdet dann auch selbst erkennen, au» welchen Gründen Unser« Gesellschaftsordnung bemüht ist, die breite Malse des Volkes in geistigem Dunkel zu belaflen! Um da» Minderwertigkeitsgefühl in Selbstbewußtsein zu ver- Edeln, bedarf es vor allem erhöhter geistiger Arbeit. W. Förster sagt z. B.:„Es gibt gar keinen Beruf im Leben, nicht in«nen geistigen Beruf verwandelt werden könnte durch Art, wie man st« auffaßt und in Beziehung setzt zu dem, wa« allein Wert hat im Leben, der Kultur des Charakters." Und Alfred Adler beweist uns in feinem Buch:„Studie wer Minderivertigteit von Organen"(Derlag Urban u. Schwarzen- derg, Wien IM), daß jedes von Ratur mlndenvertige Organ im Gebiete des Biologischen die Tendenz hat, dies« Minderwertigkeit auszugleichen, durch gesteigerte Leistung m komoensieren. Da» Zentralnervensvstem überniinmt es. dielen Ausgleich zu be- iverkstelligen. wenn vis natürlichen Gegebenhetten des Organs nicht ausreichen. So sehen wir den stotternden Demosthenes zum größten Redner Griechsillands sich entwickeln, den gelähmten StUicho zum Mächtigen Feldherrn, den ohrerileldenden, später tauben Beethoven zum bedeutendsten Musiker. Die Kompensation findet aus dem Ge- biete statt, wo die Minderweptigkelt liegt, und die natürlich schwache Leistungsfähigkeit wird zu künstlich erhöhter Leistung angespornt. Uno weil das Weib als Mutter durch lhre Denk- und Lebens- weise dem neuen, kommenden Geschlecht die Kraft des Selbstbewußt- feins wesentlich erhöhen oder zerstören kann, darum ist das Weib als Mensch, heute mehr als je, dazu verpflichtet, sich ails dem Zustand der Abhängigkeit zu befreien. Ihr dürft euren Wert als Mensch nie nach äußerem Besitz einschätzen. Denn am verächtlichsten bleibt das Perlengnen eures Selbst. Ganz gleich, ob Ruf oder Stellung gefährdet werden, wenn du dich nur offen zu dem bekennst, was du in Wahrheit bist. Nicht kriechen vor denen die da mehr besitzen, nicht mit Hochachtung nach denen fchieten, die in Pelz und Seide«in Drohnen- leben führen. Nein, nein und abermals nein, sie sind nicht einen Deut mehr wert als du und ich. Und ihr mitunter auf unehrenhafte Weis« erworbener Besitz darf uns weder Neid noch Hochachtung ad- nötigen. Denn, wenn dies der Fall wäre, dann wären wir tat- sächlich minderwertig. „Alles hängt von der Einstellung ab. Jeder ist fo elend, wie er glaubt"— fagt Seneca. Darum auf zum Kampfe gegen die Minderwertigkeit! Fried«! Schneider. Margaret Cchel Macöonalü. Ein Buch, in dem Macdonald ein Lebensbild seiner iin Jahre 1S11 verstorbenen Frau cirfzeiämct, ist kürzlich In deutscher Ueber- fetzung erschienen.*) Ein Frauenlobsn, voll von ernstem Idealismus, enthüllt sich vor unseren Austen. Mütterlichkeit im weitesten Sinn des Wortes. Hilf»- unv Opferbereitschaft, das waren die Grund- pfeller dieses Lebens. Margaret Ethel Macdonald«ntstammte einer streng gläubigen Familie, in der«in starkes Interesse an wissen« fchaftlichen Fragen Tradition war. Schon in ihrer frühesten Er» ziehung«virkte des wohlhabenden Vaters Fürsorge für di« Armen als Vorbild auf st««in. Von den Uoberiieferungen ihrer Familie entfernt« sie sich, al» ihre erzieherische Tätigkeit in Arinenschuien ihr die starken sozialen Unsterechtigkeiten immer bewußter macht«. Vorurteilslos versuchte sie den Wurzeln des Hebel« nachzugehen. Di« Tochter aus reichem konfervatwen Haus kam zu Gedankengängen, die sich immer inniger berührten mit der sozialistischen Ideenwelt, wie sie in der jungen, aufstrebenden Arbeiterpartei lebte.„Mein Sozialismus erwächst ganz aus meiner Religion", fchrieb sie in jener Zeit, und zeitleben» blieb sie eine überzeugte, leidenschaftliche Christin. Durch di« Hand Macdonalds ließ sie der Arbeiterpartei Mahlgelder zukommen, lernt« ihn bald darauf persönlich kennen und heiratet« ihn«in Jahr später. Ihr Heim wurde zum Mittelpunkt eine» großen Freunde»- kreifes, der sie mit allen Teile»» der Welt verband. Weite Reis« führten sie nach Ameritn, Südafrika, Australien und Indien. Fast oll« Kongresse der sozialistischen International« besuchte sie. Jchre Hauptarbeit lag«n«f sozialpolitifchem Gebiet. Sie stellte gründliche Untersuchungen an über die besonderen Arbeits- und Lebensverhälb ntfle der Frauen in verschiedenen Berufen(Kellnerinnen, Friseusen, Hausangestellte, Fabrikarbelterinnen, Arbeiterinnen in Buchdruck«- reien, Heimarbeiterinnen). Besonderes Interesse brachte sie der ge- werblichen Ausbildung der Mädchen entgegen. Macdonald schreibt, daß sse über jede di« Frauen betreffende Frage, die in den Iahren 1896—1811 öffentlich besprochen worden ist sich gründliche Kennt» niss« aneignete und sie m Resormvorschlagen benutzte. Ihre rein polittsch« Tätigkeit tritt neben diesen sozialpolitischen Arbeiten zurück. Mütterlichkeit war der bestimmende Zug ihres Wesen«. Fünf Kinder hat sie geboren. Sie betrachtet« ihr« Kinder„als ihrer Obhut anvertraute Schätze, die sie zu behüten hatte, aber nicht nach ihrem Ebenbild zu modeln. Sie waren Einzelwesen mit eig«. nen vererbten Anlogen, nicht Anhängsel, und sie hielt es für ihre Pflicht, ihr Leben zu bereichern, indem sie sie lehrte, ihr« eigenen Gaben mtd Fähigkeiten aufs beste zu benützen. Den Tcd ihre, fünffährigen Knaben konnte sie nie verwinden. Einer Freundin schrieb sie:„Diese Sterbllchkeitsftotistiten von Kindern sind für mich unerträglich geworden. Ich war gewohnt, sie in dumpfer wissen- schaftlicher Art zu lesen, nun scheint es mir, als kenn« ich den Schmerz, der hinter jeder Zahl steht... Es Ist nicht wahr, daß ander« Kinder es einem vergessen machen können, noch, daß die Zeit den Kummer heilt. Sie tut es nicht; es wird schlimmer und schlimmer." Macdonald setzt in seinem Buch der ernsten Arbeit und dem edlen Menschentum seiner Lebensgesährtin ein ruhmvolle» Denkmal. Für di« deutschen Sozialisten ist da» Lebensbild dieser grau zugleich «in Bild der seelischen Unterschiede zwischen der engftschen und deut- scheu Arbeiterbewegun«. Ein Vergleich zwischen Margaret Ethel Macdlmald und Lily Braun drängt sich, trotz der Verschiedenheit de» Wesens beider Frauen, unwillkürlich auf. Beides Frauen aus der.Oberklasse". Beide Frauen haben in ihren jungen Jahren ssch von ihrer Klasse getrennt. Beide lösten sich unter heftigen inneren und äußeren Kämpfen von stark empfundenen Familien banden. Ihrem heftigen Gefühl für die Not der Arbeiterinnen genüg!« e» nickt mehr, von außen zu Helsen. Sie stellten sich in dl« Reihen der Aroeiterinnen, um führend dem Befreiungekampf der Arbeiterschaft voranzugehen. Bride sind sicher nur in seltenen Stunden von den Arbeiterinnen als wirklich zu thnen gehörig empfunden worden. Das häufiger« Gefühl wird das eines frohen Danke» für die Mit- streiterin gewesen sein, di« nicht von ihren materiellen Interessen, sondern von ihren starken Gefühlen tn die Reihen de» Proletariat» getrieben wurde. In England ist die Grundlage dieses Gefühls«in« weitgehende Toleranz. Die Grenzen zwischen der Hilfe von oben und der Selbsthilfe werden hier nicht so scharf gezogen. Unbefangen wird die Mitarbeit von Margaret Ethel Macdonold angenommen, von der man weiß, daß sie in der gleichen Woche Vorlesungen hält ') Margaret Ethel Macdr-uald von I. Ramsai? Macdonald. Uebersetzt von Regine Deutsch. Verlag Herbig. Berlin. 149 Seiten. Preis 3 M. bei der Frauenverei niqrm« des skirckipiels, M