Nr.24� 42. Jahrgang| TßcHftQC JUttl U0tlt)ärf3| 24. November ,Y25 -;•••"•■'■" W•■; wo haben Stauen gleiche Staatsbürgerrechte Vor dem Krieg besaß ich eine Landkarte der Welt, in die waren all die Länder rot eingetragen, die ihre Frauen als Bürgerinnen anerkannten. Allzuviel ivaren's nicht— einige Staaten Nordamerikas, Australien, Finnland, Norwegen— langsam gings voran. Noch vor knapp zehn Iahren wurde in England wie in Deutschland die Teilnahme der Frauen an der Politik von allen bürgerlichen Parteien abgelehnt, noch kurz vor der Revo- lution wollte außer den Soziald. mokraten keine Partei eine energische Unterstützung der Frauenforderungrn zusagen. Kaum erscheint dies gloubl>ast, so fern liegt es, so rasch ver- gißt man. Und nmr eine Wanderung durch die Kontinente. Zunächst hat die eurpäische Frau völlige Elcichberechtigung als Wäh- lerin und Wählbare für alle Körperschaften in sämtlichen nörd- lichen Staaten in Norwegen. Schweden, Däne* mark, Island, Finnland, Estland, Lettland und Litauen, ebenso in Holland, ferner in der nis- fischen Sowjetrepublik, in Polen und der Tschechoslowakei. Dieselbe Gleichstellung genießt sie in Deutschland und O e st e r r e i ck, während sie in Großbritannien zwar hinsichtlich des Konununalwahl- rechts den Männern gleichgestellt ist. für das Parlaments- Wahlrecht erst mit Bollendung des 30. Lebensjahres jene „Wahlreise" erreicht, die der Mann dank seiner höheren Fähigkeit offenbar schon mit 21 besitzt. Die italienischen Frauen verdanken Mussolini ein begrenztes Kommu.nalwahlrccht, das aber, wie alle Mussolini- schen Reformen, lediglich auf Stärkung des Faschismus abzielt: ähnlich liegt es mit dem ungarischen Frauenstimmrecht, das sowohl durch die Altersgrenze von 30 wie auch durch völlig undemokratische Bestimmungen im Hinblick auf Bil- dung und Besitz nur der Reaktion dient. In Belgien besteht kommunale Gleichberechtigung, für das Parlament jedoch nur passives Frauenstimmrecht. S p a- n i e n gewährt keinerlei Parlamentsrecht, aber beschränktes aktives und passives Koinmunolwahlreckst. Ein noch begrenz- teres Kommunalwahlrecht soll in Griechenland im kom- wenden Jahr in Kraft treten, es schließt Wählbarkeit der Frau aus.- Neben diesen mehr oder minder umfassenden Frauen- rechten gibt es in Europa noch Staaten, in denen die Frauen völlig unmündig blieben, nicht nur Portugal und R u- mänien, sondern überraschenderweise Frankreich und die Schweiz, das Land, das einst als erstes seine Universi- täLen den Frauen öffnete. Der alte Erdteil schneidet nicht zum besten ab im Ver- gleich mit der neuen Welt, mit A u st r a l i e n, das ebenso wie Neu-Secland gleiche Stoatsbürgerrechte beiden Geschlechtern gewährt hat. mit Nordamerika, dessen Bereinigte Staaten ebenfalls sei' 1920 für ihr ganzes Gebiet aktives und passives Frauenstt nmrecht einführten, nachdem die fortschrittlichsten Staaten htt Union(Wyoming schon 18L9) vorangegangen waren. Nicht ganz so gut steht es in Kanada, wo die Wählbarkeit zum Senat nlcht zu- gestanden wird. Im Gegensatz zum Norden aber gibt es keine Frauen- rechte in ganz Zentralamerika und S ü d a m e- ri k a, obwohl in einigen der südamerikanischen Staaten das weibliche Geschlecht in reger Entwicklung begriffen und an der Wohlfahrtspflege stark beteiligt ist. ganz besonders in Argentinien. In Asien ist im großen Britisch-Indischcn Reich das Frauen recht in rascher Entwicklung, Frauen stimmen in Bombay, Madras, Assam, Bengalen, find in einzelnen dieser Städte in den Kommunalverwolhmgen tätig, jedoch noch nicht für das Parlament wählbar. Auch P a- l ä st i n a hat aktives und passives Frauenwahlrecht für die Naiionaloersammlung. Im übrigen Asien sind die Frauen in China und Japan, auch in der T ü r k e i, in rascher Ent- Wicklung begriffen und ihre Stellung hat sich, obgleich sie noch keine Staatsbürgerrechte haben, stark verändert.- Afrika, das ja im wesentlichen aus Kolonien euro- pciischer Staaten besteht, meist in der K a p k o l o n i e, in Südafrika und Transvaal gleich? Frauenrechte auf.� Und so hat denn tatsächlich in kurzer Zeit das Frauen- stimmrecht in allen Kontinenten Wurzel geschlagen. Noch aber haben die Frauen nicht in volle!« Umfange gelernt, das in ihren Händen befindliche Machtinstrument richtig anzuwenden, im Dienste derjenigen Ideale, die im wesentlichen immer als Frauenideale verkündet wurden: Ge- rechtigkeit für olle, Beseitigung von Not und Elend, Freiheit und Völkerfrieden. Adele Schreiber. Hausangestellte in Amerika. Der Begriff Amerika ist für uns ohne weiteres mit technischem Fortschritt eng verknüpft. Wir sehen in Amerika nicht mehr nur das Land der mannigfaltigste» Bodenschätze und der großen Reich- tümer, wir denken vor allem an die Umgestaltung und die Ratio- nalisieriing der Arbeit, die sich drüben vollzogen hat, an die Inten- siviening der Industrie durch die Zerlegung des Arbeitsprozesses und die Erftnnung von wunderbaren komplizierten Maschinen. Auf- sätze in der Tagespreise von Männern, die Amerika studiert haben, wie Prof. ffirsch, Prof. Bonn, Dr. Feiler u a haben uns ein Bild von der Arbeit in' der Industrie und im Handel gegeben. Wir erkannten, wie weit Deutschland während des Krieges und nach dem Kriege zurückgeblieben ist, welcher ungeheuren Anstrengung es bedarf, um die Spanne, dle Amerika uns voraus ist, nur einiger- maßen wieder einzuholen. Wir lernten mich etwas von der modernen amerikanischen Hanswirtschast kennen, sahen, wie die hohen Mietpreise einen ganz anderen Wohnungstyp schufen, eine Ausnutzung dos Raumes, An- nassung des Hausrats an den zur Verfügung stehenden Raum, Schaffung von Verwandlungsmöbeln, wie wir sie hier nicht kennen. Der Mangel an Hausangestellten, die Notwendigkeit des Mitver- dienen» der bürgerlichen Hausfrau und vor allem ihr Wille zur Selbständigkeit zwang die Industrie, Arbeit erleichternde Gerät«, Maschinen für die Küche zu schassen, die es der ameritanischen Frau ermöglichen, ihr Tagewerk im Hause ohne Angestellte in kurzer Zelt zu beuxtltigen und ihr genügend freie Zeit zur Berufsausübung oder zu anderer Betätigung lassen Niemand wird uns verdenken, daß wir die Amerikanerinnen darum beneide», und daß wir auch für die deutschen Frauen vor alleni sür die Arbeilersrauen solche Hilssmaschinen gefordert haben. Natürlich tauchte die Frage aus: wie groß ist dort drüben die Schicht, die sich dieser Mittel bedient? Sind sie nur in den Wohnungen der Reichen zu finden, oder kommen ste auch den Minderbemittelten zugute. Frauen müßten den amerikanischen Haushalt erforschen, so wie die Männer die Industrie und den Handel studierten. Einstweilen aber können wir auch aus der amerikanischen Literatur lernen. Vor mir liegt ein Buch von Fannie H u r st H, das uns ein Bild von dem Leben der Hausangestellten und dadurch auch einen Ein- blick in verschiedene Haushaltungen gibt. Wir sehen Elciidsquartiere mit all ihrem Schmutz und ihrem Gestank, und aus der anderen Seite Häuser der Wohlhabenden, in denen aber die Hausanges'-''"-" *) Fannie Hurst, Lummox. London, Jonathan Cape. nicht flnmof«in«rdentttch«-» Zimmer haben. Man vertucht. sich b«» Widerspruch zu erNüren, der doriir lieg«, daß bei dem grrchen Mangel an Hansangejtelltrn ihr« Lebr»»sh«dingmlg»n. abgesehen »ieleilhi vom Lohn, noch innner rech« schlecht sind, und man findet mir das ein« tlrgumenl, dah sich dieser Stand in der Hauptsache sus den Einwanderern und ihren Direkte» Rachkommen rekrutiert, während die hundertprozentigen Amerikanerinnen die Arbeit in den Itoushüusern, in den Bureaus und den Fabriken vorziehen. Auch Berta, die Heldin des Buches, dessen Titel„Lummvx" noch nm ehesten Mi«„Trampel' übersetzt werden kann, obgleich Jh die beiden Segrisse nicht vollständig decken, ist das Kind emer ingewanderte», k!» ihr Mischen sich baltisches, polnisches und ukrainisches Blut, Sie ist blond, groß, schwer und trästig, aber in ihr schlummert der Rhythmus, die Musik der ukrainischen Wälder, ■l» ist aufs innigste mit der Erde, dem Land yerknüpst. Sir ist «urchdningen vom mütterlichen Instinkt, von der Lieb« zu den Hilf- »fen und Leidenden, ganz gtetch zu ivetcher Schicht sie gehöre». Angeftreugt ordeitel sie den ganzen Tag unverdrossen, jiir sie ist das eine Eelbstverftändlichteit, über die kein Wort zu verlieren ist. Aber sie hat Kolleginne«, dl« sich gegen die Bedingungen chres Berufes auflehnen die nicht einsehen, warum nur dir„Herrschaft' gut lebe» soll, lind einmal spricht sogar»in Mädchen aus, warum denn keine Gewerkschaft, kein Verband varhande» sei, der für«ine Aendernnq dieser Zustände kämpft« nnd die Mädchen unterstütze. Fannie- Hurst hatte wohl gar nicht so sehr die Absicht, die Lebens- und Arbeitsverhältnifse dieser Ardeiterinnen zu sibilderu. «Is zu zeigen, wie das»insache, ungebildete, schwerfällige Mädchen tausendmal wertvoller ist als die Frauen der„bessere» Gesellschast', mit denen sie in Berührung kommt, wie fie unendlich viel mehr Verständnis auch für das seelische Leide» anderer Hot. Aus ihrem mütterliche» Empfinden heraus handelt sie, iut sie unbewutzt das, was geschehen muh und was niemand auher ihr begreift. Eie wird selbst Mutter»nd muh ihr Kind abgeben, da sie nicht dafür sorgen kann, dies Kind, dessen Vater der Loh» einer ihrer Arbeit- geberinnen ist Berta arbeitet zunächst als Köchin i» wohl- habende'» Häuser», wird dann Scheuersrau und siudet endlich das. was sie braucht, bei einem einfachen Mann, dessen Frau gestorben ist und dessen Kinder ohne Aussicht verwahrlosen. Ihne» kann sie ihre ganze Liebe geben, hier ist sie— autzerhalb New Porks— «ich in direkter Berührung»>it de» Natur. Wenn wir aber mit diesem Mädchen an ihre verschiedenen Arbeitsstätten gehe» und sie bei der Arbeit beobachte», so machen wir dir merkwürdigste» Entdeckungen. Ihre Kammer ist unier den, Dache oder sonst in einem versteckte» Winkel. Die Wasserleitung geht nicht bis in de» oberste» Stock, täglich mutz das Wasser zun, Wasche» zwei Treppen hinansgeschlcppl werden. An«i» Vad kein Gedanke. Das Zimmer ist so kalt, daß st« im Winter die Tür ous- Iaht, dann» etwas Wärme von der Holle hinauskommt: außer ihrer Kommer ist das ganze Haus schon durchwärmt. Die Arbeit beginnt� sehr früh; das erste Frühstück muh zeitig jertig sein und wird sür die versckuedene» Familienglieder verschiede» zubereitet und serviert. Die Angestellten erhalten andere Kost. Wir höre», daß sich das Zimmermädchen Über das ewige Hofemiehl und die Preng schmeckende Margarine beschwert. Das in einem reiche» Hause, das ast Gäste zu Tisch hat und sonst in keiner Weise sparsani ist. Das ZiiuiiierMädchen hol den ganze» Tag zu lausen und zu wischen und die Damen zu bediene», Berta, die Köchin steht in der engen Küche, kochend, scheuernd und noch spät nachts Silber und Kr y stall putzend. Die Küche ist glühend. Nur jeder zweite Donnerstag ist ein freier Tag. der aber auch noch mit Arbeit belegt wird, wen» die Mädchen zu Hause bleibe» statt auszugehen. Bei einer anderen Familie sehe» wir, daß Berta, aus den Knien liegend, den Fußboden scheuert oder mit Del einreibt. Jeden Hmidgris soft, den sie zu tu» ha«, lernt man im Laufe der Zeit kennen. Man erfährt, daß die Familie zwei Autos hat, aber von einem Staubsauger ist nicht die Rede. Nirgend ist eine der arbeit- sparende» und erleichternden Einrichtungen erwähnt, die gerade Amerika i» Menge aus den Markt gebracht hat. Man verliert fast selbst den Atem, in einer so dauernden Hetzjagd rollt sich die Arbeit ab;>» manchen Haushaltungen unter der ständigen Koiiirolle der .Brdeitgedertn. Bon der holbjertige» Arbeit zu etwas anderem gerufen, dann wieder angefangen, wo man stehengeblieben war. Die Treppen hinaus und herunter. Selbst wen» die Dame das Hans verlätzt, gibt sie von unterwegs tetephonisch Anweisungen, damit nur ja nicht eine Minute Zeit verloren geht. Und doch bleibt Kcna, solange sie kann, weil sie weitz, datz es anderswo auch nicht bester tft und weil das Eingewöhnen so schwer ist. Erschütternd ist, wie sie„zu alt' wird, um in guten Häuser» eine Anstellung zu finden, wie sie zur Tagesrnbeit übergeh«, Putz- fron wird und jeden Tag wo ander» beginnen, jeden Tag die aus- reibende Arbeit neu einteilen mutz. Man könnte noch sehr viel über dieses Buch und den Weg Berta fage», aber immer wieder stellt man fest, wie unmethodisch die Haushaltführung ist, daß sie die menschliche Arbeitskrast über Gebühr belastet. Erstaunlich, datz gerade in den reichen Famliien, von denen das Buch erzählt, nicht die Maschine ihren Einzug ge- halten hat. Man wird stutzig, überlegt, erkundigt sich, soweit dazu Gelegenheit ist. Das Ergebnis ist nicht erfreulich. Die Erleichte- rungen der Hausarbeit sind nur sür bestimmte Schichten, in denen die Hausfrau selbst die Hausarbeit»errichtet, die jedoch über ein genügendes Einkommen verfügen. Für die Minderbemittelten ist die Anschassnng der Apparate zu teuer; in de» wohlhabenden Kreisen aber hat man kein Verständnis dasür, die Arbeit der Angestellten zu erleichtern und zu verkürzen. Man deteiligl(ich zwar an„sozialer Arbeit' aber di« nächstliegende ist nicht interessant genug, als daß man sich mit ihr beschäftigten möchte...-- Dem fortgeschrittenen, in der industriellen Technik sühreirden Amerika steht so ein ändere» reaktionär«» Amerika gegenüber, das noch di« veraltet« Meinung über die Verwendung menichlicher Arbeitskraft hat,«in beschämend«« Kapitel zudem aus dem Buch' Die Fra» als Arbeitgeberin. Es wäre gut, wen»„Lununox' ins Deutich« übersetzt würde und eine weite Verbreitung fände. Vielleicht würde es ein«»rohe Zahl deutscher Haussrouen zum Stachdenken bring«», und aus der anderen Seite den Hausangestellten begeeistich machen, doh st« nur im gemeinsamen,' geschlossenen Kamps«ine Besierung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen errekchen können. Tony Breitschetd. Die Monte/sorl-Methoöe. Es gibt Frauen, die bei allen«, was im Ansanmienhang mit Methode genannt wird, besonders wenn ein fremder Name davor- steht, ängstlich oder uninteresstert Halt machen. Mir müssen un« aber zu selbständiger, kritischer Prüfung erziehen und unser Inter- esse allem zuwenden, aus dem wir Ansklärung und Belehrung gewinnen können. Schon IM? hat die ilaiinusche Kinderärztin und Psychologin Frau Dr. Maria M o n t e s s o r i ini ärmsten Arbeiterviertel Roms das erste Kinderheim gegründet, das nach ihren Grundsätzen eingerichlet und geleitet wurde. Unermüdlich hat sie in allen folgenden Jahren weiter am Ausbau und an der Entwicklung dieser Klndeiheinie gearbeitet, nnd heute werde» nach ihren Gedanken tausende von Helmen sür Kinder in Amerika, Holland, Frankreich und vielen anderen Lander» geleibt. I» über 4000 Schuten ist in ihrem Sinne die Arbeit geregelt. Der Schwerpunkt ihrer Methode liegt darin, daß die Aerztin dem Kinde Sie Zeit des Lernen» nach Möglichkeit vom gesundheitlichen Eland- puiikte zu erleichtern sucht, und daß die Psychologin mit dem einer Frau eigenen Feingefühl, ganz im Sinne unserer deutschen Vorbilder Pestalozzi und F r ö d e l aus die Seele des Kindes eingeht. So entstanden aus- und ausgebaute Kinder» ichnlheime, luftig, sonnig, in hellen Farben gehalten, mit schönen, dem kindlichen Verständnis angepaßten Bildern versehen und mit Lehnnitleln ausgerüstet, die dem Kinde im Spiel und durch s p I e l e nD e Arbeit Kenntnisse beibringen. Die Kenntnisse liegen aus dem Gebiete der Schule und des Hauswesens. Während einesteils die Kleinen an Stäbchen usw. rechnen und durch Tasten mit verbimdenen Augen Gegenstände zu erkennen lernen, werden sie anderseits durch Bekäligung in Haus und Garten zur praktischen Teilnahme am täglichen Leben erzogen. Arbeit als Freude ansehen und Arbeit unter einer Anleitung. die aus die Verhältnisse eingeht, mit Freude ausführen, ist für das Leben jedes Menschen auszerordentlich wichtig nnd wertvoll. Diese segensvolle Anleitung den Kindern z» gewähren, ist der Sinn nnd Zweck der Monlessori-Melhode. In Deutschland gibt es einst- weilen»och ziemlich wenige Montessori-Kindergärten, so z. B. den Volkstinoergarten in Berlin-Lonkwitz. Auch dort sind die Erfolge nach Aussage der Leiterin autzei ordentlich günstig, und es sollte deshalb bei Neueinrichtungen von Kindergärten weit mehr Rücksicht aus die Montessori-Metyode genommen werden. Zrauentonferenz in Wien. Die Zahl der weiblichen Mitglieder unserer Bruderparlei in Deuischöfterreich ist im versloflenen Jahr um mehr als 10 000 gestiege». Anläßlich des Parieitages traten die 80 weiblichen Parteitagdelegierten mit 14 Vertreterinnen von Gewerkschaften zusammen.'-Üor allem wurde beschlossen, den Internationalen s» zialistischen Frauentag im Frühjahr lOZti wieder einzuberufen, da er sich als das beste und wirksamste Agitation»- mittel unter den Frauen erwiese» hat. Daß es in dieser schweren Zeit möglich war, mehr als zehnlausend weibliche Mitglieder der Partei»e» zuzuführen, wird von den Genossinnen zum großen Teil der Propaganda durch den Frauentag zugeschrieben. Ein von Jenny Brandl schriftlich vorgelegter Bericht über das Wachstum und dos Verbreitungsgebiet der Frouenzeitung «Die Unzufriedene' zeigte, wie wertvoll dieses Blatt für die Agitation unter den indisserenten Frauen ist. Der Parteitag hat dieses Blatt als Parteiorgan anerkannt. Die Genofsknne» rechnen dabei auf die bereitwillige Unterstützung der Parteigenossen sowohl in de» Fabriken als auch in der H ä n s e r a g I t a t> o n. Die obligatorische Frauenzeitung„Die Fra früher„Ar- beitermneii-Zeftung' genannt,»nd noch wie vor von Adelheid Popp geleilet, die derzeit In 160000 Exemplaren gedruckt wird, dürste dadurih, datz sie nunmehr von einigen Landesorgani- satione» gemeinsam sür alle lokalen Gruppen b e- stellt wird, wesentlich in der Auflage steigen. Mit großer Befriedigung haben die Genossinnen vernommen, datz das Frauenzentralkomitee für alle Landeshouptstädle Frauen- schulen vorbereitet, durch die eine größere Anzahl von Red» n e r i n n e n sür die sozialistische Frauenpropaganda herangebildet werden soll. Eine Frauenzentralschule in Wien wird diesem Zweck ebenfalls diene». Auch für die neue Parteihochschule werden die Genossinnen bemüht sein, geeignete Hörerinnen namhaft zu mache», um auch Frauen die höhere und systematische sozialistische Bildung zu vennitteln. Je größer die Zahl der weiblichen Partei und Gewerkschastsinitglieder wird, um jo häufiger mach« sich auch Semerkbar. daß ak« G»»ossi«»>«n»wch ouch.ove Venosien mit der Bedeutung und dem Wesen der Frauensraze ganz vertraut sind. Wie Gegensätze, die sich da manchmal austun. somshl was die Bewertung der grau als Arbeiterin behrisst als auch ihre Eignung zu g« n k t i»« e n im»ssenilichen Dienst, bedürsen drin- g«>»d einer Klärung� Zu diesem Zweck hat das grouenzrntralkomit», dem Parteivarstand den Zlntrag unterbreitrt. ein« jkammission ein» zusetzen. diedasPrablemdergrouensragein ihren vieler. wi Geslalwngen zu untersuchen und zu studieren hat. Der Partei- varstand bringt diesem Wunsch größte» Berstäntnii« entgegen. Kinöerfthlmöe-�rbeit. Seit viele» Wochen find die Arbeiter der bekonnten Waisen- »nd Autowerke in kteyr Ml.»ingegangen, und die Preis» find drüben»iednger als bei mrs—, daß den Eteyrer Kindern ein wovmes Mittagessen gegeben werden kann. Mtifftn Stanöesämter nüchtern feint Zu den unbeschriebenen, ober peinlich bcsolgten Gesetzen de» Bureautratismus scheint e» zu gehören, daß alle behördlichen Räume «üchtern, unfreundlich und m» ss i g find. Besonders beim Ttondesaml macht sich dieser Eindruck peinlich bemerkbar, dessen Räum« der republikanische Untertan nur in bewegten, feierlichen Momente,, betritt Hochzeit, Geburt und Tod führen an seine Pforte. Eine gewisse Rechtfertigung für die übliche bureaukratisch« Nüchtern- hcit tonnte früher dorm gesunden werden, daß die Kirche völlig die zeremoniell« Seil« beim Passieren dieser bedeutsamen Lebensstotionen übernahm. Heute, da der Staat immer mehr in alle» össenttichen Angelegcnheiien an ihre Stelle tritt und viele Volksgenossen aus das »irchlich« Zeremoniell verzichten, sollte er auch in diesem Punkte seine Ausgabe erkennen. Auch die kleinste Gemeinde sollie die geringen Auswendungen nicht scheuen,>m» den oder die Räume des Standesamts künstlerisch und würdig auszugestalten, womit einzelne Berliner Bezirke bereits löblicherweise vorangegangen sind. Und warum müssen die A u, h ä n g e k ä st« n s ü r dl» A u s g e b o t« schwarz und plump sein, roamni dürfen sie nicht ihrer» fröhlichen Inhalt in bunter, lustiger, von Künstlerhand gestalteter Um- rahnrung kundgeben? Und in der Ausgestaltung der Ur- künden diirfte sich dem Reichs lunst wart ein reiches Feld der Betäti- gung eröfsnen. Sage man nicht, datz unsere heutige schwer« Zeit keine Mittel sür derartige Acntzcrlichkeiten hätte. Künstler»! und Kunst gewerblern, die in bitterster Notlage aus die Hilse des Siaates ange- «lesen find, könnte er aus diese Weise produktiv Helsen. Freilich, alle diese Bemühungen wären vergeblich, wenn man nicht auszerdem fiir die Standesämter eine Auslese von besonders geeigneten, n»c»»sche»frciiiidlichen und ansgeschlofsenen Beamten tresfen würde, tlalt wie henie auch die iingeinütlichitcn Kratzdürslei» und An- chnauzer hineinzustecken.— Unterschätze man diese Dinge nichl- wenn d i e Republik ein wahrer Volts st aat werden so», muß der einzelne Volksgenosse in» Umgang mit Behörden nicht «nr trockene Sachlichkeit oder barsche» Koinnrondoton wahrnebmen, sondert» er»»»is> gerade in so entscheidenden Augenblicken seines Lebens die Anteilnahm» der Gemeinschaft deutlich und wohltuend »mpsinden. H- S. Schmücke dein heim! Das Wort„Schnrücke dein Heim!" ist heute arg i» Mißkredit aeraten,»vcil eo vielfach als Schlagwort verwandt wird van einer Schundindustrie, die allerhand sogenannie„Nippsachen" herstellt. hie»In« schwere Versündigung am Bolksgeschmack bedeuten. Ztvar stehe» auch i» den große»». Wohnräumen der Besitzenden manch» der- artig» Gegenstände herun», aber sie find z»>m Teil wirkliche Kunst- »verk«, Meisterstücke von Künstlerhand. aus sehr gutem Material und in gewälilter Farbeirzusainmenstellung. Aber in den Wohnungen der Nichtbesitzenden find diese„Nippsachen" sast innner»ninder- «eriige Nachahmungen von Kunstwerken, oft auch noch nicht ekrnnäl das. Sie werden gewöhnlich ans eine»» Mangel an Verständnis für den wahren Begriff des Schmucks, aus Eitelkeit und ähnlichen Gründe» gekauft. Dabei find diese Sachen»vcder billig noch schön, kdndern lediglich Ctaubsünger und Quälgeister bei der Saube»- Haltung der Wohnung. Ein wirklicher Echinuck find beiipie!s»veise Sut zusainmenpossende Möbel, die bei aller Einsarfiheit dock» in Stil, »olzart und Farbe Eigenart besitzen und den» Charakter ihres Be- sitzers angepaßt find. Es ist beiier, sich wenige, dafür aber gediegene Skücke anzuschasfen, die Schönheit und Nützlichkeit oereinen, als eine Menge von allerlei Kram, der nur auf Täuschung des Auges derechnet ist. und mit dem man nichts Rechtes anzufangen weiß. Eine kleine gcstnckie oder genähte Decke, zuweilen auch eine aus schöne»» bunten Baummollstosf, eine einzelne schöne Tonschale oder Touvase»nit einigen srischen Blumen oder etwas Heidekraut oder Tannengrün bildet einen wirklichen Zii»»i»icrlchiiu»ck. rni dem»vir immer»vieder«in» echte Freude haben, die wir uns mit ga,»z be- -scheide», en sOUtel" verschaffen könne». Wenn wir Stodkleute uns wieder gus unleren natürlichen Schönheitssinn besinnen, den ma»» kich aus dem Lande noch größtenteils delvahrt Hai, und nicht au» falick'em Ehrgeiz danach trachten, durch'�'echten Prunk sozial und wirtschaftlich besiergeftellie Kreis« nachzuäffen, fo werde« wir auch die»vahre Bedeutung de» Worte«„Schnrücke dein Heimi" erkenn«» und-ihn» am schönst»» gerechl»verde,». L. M. Die Staüt. Bon Waller Gösch. Der Brückenweg zu chr ist ein steinerner Traun»: Zeitlos und dsch wieder Zeit und Raum. Wenn der fahl» Himmel wogt wie da« Meer. Bleibt sie doch Stadt— st» stirbt nicht mehr. Wohl»st ihr Herz vergast von» scharfen Rauch. Ihr Fleisch ist aus Asphalt, ihr Gött ist»» auch. Ihr Wind schmeckt nach metallenen Tieren; Ans den Schenken riecht es nach schlechten Bieren. Aber trotz Geruch und Stahl lehrt sie uns beten. Wen» wir vernißt den feurigen Abend betreten. Feierlich aujgeian, doch müde, belegt mit Staub, timsäßt sie uns wie ein« Kapell«»nit Oel und Laub. Sie segnet uns und ist schon ein göttlicher Stern. Aus tausend Hännnern geschlagen, so had' ich sie gern! Die Nacht schläft auch in ihre» Fahnen nicht: Innner ist Tag und Werk, immer ist Arbeit und Licht. Hamburger Volkshumor. Dem unier diesem Titel von Paul Wried« herausgegebenen neueste» Bändchen der„Quickborndiicher" fHamburg, Buickdoni- vertag) entnehmen wir sotgeid« Schnurren: Olle Lud. Sage» Sie»nal, in Hamburg iverden di« Leu»« wohl alle sehr all?— Ii, da»vard je.— Wie alt sind Sie denn r?— Ick? Ick bün jo»ich olt, ick dün eerst tweeunsöbenttg.— da können Sie's aber weit dringen. Sie fühlen sich doch gut, ja?— Dat doh ick voll. Bloh Hut mch ganz: ick Heft mi mit minen Badder vertenrut.— Mit Ihren, Bater? Wie alt ist denn der? — De is fivunnegentig.— Donnerwetteri Ader wie tonnten Sir sich mit dem allen Manne erzürnen?— Ick harr mmen Grotvadder sinen Kömbuddel iweisnietten.— Ihr Großvater? Ja. lebt dein» der auch noch? Wie atl ist denn der?— De is letzten Iohcruudog hunnertuneenuntwintig»veft.— Aber Mannchen, dos kann ja gar nicht angehn!— Wcem Se mi dal»ich to aleuben wöll». denn gohn S« no de Micheelskirch un frrgen Se Paster Meyer— de hett em dösft! Herr u n Knecht. Jan, hedben Se de Wessels uo de Bant brockst?— Ne, de Herr heil doch srggt, de l)tirrn Tied bit morgen!— Wat salk ick seggt hoblien? Heurn Se mal, Jan— sünd Se verrückt oder bün ick verrückt?— Na de Herr»vard slck doch wall kernett verrückten Husknecht anfchasfen? De Platz in de Peer bahn. De Peerbohn is vull. N»» kummt cci sunge Deer-N NN— n«.>S keen Platz mehr for«Hr.— „Seiten Se sick hier man dol. Froilein," seggt«n olen Mann, stecht np un sd.llt pck in de Milt von'n Wogen l�n.— De sung« Decrn fett sick he» un seggt:„O. wie warn» ist der Platz!"—„Ja." seggt de Ohl,„mecnen Se, dat ick en Isbüdel i„ de Büx Hess?" D« Schosteenfeger. D« Froo Dotier droppt Minna, de as Kökfch bi ehr deent hett, as de Herr Dokter noch leben bäh.— Na, Minna, wie geht es Ihnen denn?— Ick bün siet en Johrsiied verheirot. Froo Dokter.— Dos ist ja schön. Was ist den» Ihr Mom»?— Schosteenfegergefell, Froo Dokter.— So. so. Em« alän- zend« Partie ist das so sveiiich nicht gerade.— No. wete», Se. Froo Dokter: en lebennigcn Schosteensirger is nri»iinmer noch teinntol Iceber, as e» dodrn Dokter!— Richter:„Ich werde mit Ihnen gnädig verfahren, Angeklagter. und gebe Ihue», mir 6 Tage Gefängnis."— Gefangener:„Ach, biite, Herr Richter, ich wollte diese Woche heiraten."— Richter:„Da werde ich noch weiiere Nachsicht üben und Ihnen 14 Tage geben." Ländliche'Orthographie. Die Dorsschön« schenkt Ihrem Schatz ihr Bild in ganzer Fignr mit folgender Widmung: Jhier hast du mich Gans, erkennst du die Ziege?" Sorge.„Nimm's dir nicht zu Herzen, alter Freund. Sie wird ja wiederkommen!"—„Das ist es ja. was ich fürchte!" Er:„Frau, hier schreibt die Zeitung, daß In Los Angeles alle 20 Minuten ein Mann von eine»» Auto überfahren wird." Sie:„lli» Gottes willen, der arme Manu." Fatal. Bei Meilers unternimmt der Stammhalter die erst« Ausfahrt. Schwiegermutter schiebt, stolz nebenher geht der j,ii»ge Baier. Sie mustern die Gesichter der Vorübergehenden. Alles grinst! Selbst den» stolzen Vater>»>rd das unangenehm, und er forscht nach der Ursache bis er schließlich entdeckt, daß vorn am Kinderivage» das Schild des Verkäufers hängen geblieben war: Eigenes Fabrikat!(Simplicisfiinus.) SCHNITTMUSTER ZU ALLEN HIER W1 E D E R ö E G E B E N E N MODELLEN DURCH DIE PARTE1BUCHHÄNDLUNG AM ORTE ODER DEN VERLAG DER.FRAUENWELT"]. H W DIETZ NAC HF, BERLIN SW68, L1NDENSTRASSE 5 SdMttft die gbau AUS DER MODENSCHAU DER„FRAUENWELT" 3 ajs 3 Iii? Für stärkere Figuren 11315. Wintermantel, Orope 44. Stoffverbraud»£.70 ra. 130 cm brett i 1316. Wintermantet, Groß« 44 und 46.«.65 m. 140 cm breit 11317 Wintermantel. Audi» als Sportmantel �eei�uet. Stoff- verbraudi 3 m.l 30 cm breit.GröKe 44. I 1Z75 tlerdst Kleid. Stoff. verbrauch?,30rn. 130 cm breit. 1.10 na üarniturstofl. 130 cm breit Orö�e 44 und 48 z 1377 besseres Kleid, 4m Seide. 100 cm breit. 0,55 m Besatz- stoff. 90 cm breit OröfJe 40 und 50. 5091. 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