wmmmmmmmmmatBmmmmmmmmmmBmmmmmmmmmmmmmmumm Frauenstimme ] Nr.2S�42.?ahrgang|"ßcHüQC ZUM BOtttjätfe 1 10. Dezember ,925| Probleme öei Auf einer der ledten Konferenz ender Berliner Vartetfunktionärinnen wurden in der Debatte Fragen der Heimarbeit gestreist. Da» gelibah nur sehr flüchtig, da die Frage abseits von der eigentlichen Tagesorb- nung der Konferenz lag. Es wäre aber zu begrüßen, wenn sich Gelegenheit fände, im gleichen Kreis die Probleme der Heimarbeit einmal gründlicher zu erörtern. Sollen wtr als Sozialisten die Heimarbeit fördern oder hemmen? Welches sind ihre Vorteile und welches ihre Nachteile? E, ist zweckmäßig, bei einer solchen Betrachtung zunächst zu unterscheiden zwischen der Heimarbeit in der G r o ß st a d t und der Heimarbeit in ländlichen Gegenden. Die Heimarbeiterdörfer auf dem Land«, besonders in Sachsen und Thüringen, liegen meistens in unfruchtbaren Gegenden. Die Einwohner können nicht von der Landwirtschaft leben. Ihre Dörfer haben so ungünsttge Berkehrsverhältnisie, daß sich dort auch keine Industrieuntcrnehmungen ansiedeln. Als« i n z t g e Verdien st Möglichkeit bleibt die Heimarbeit, die nicht nur nebenbei von der Frau, sondern von der ganzen Familie einschließlich der Kinder verrichtet wird. Das gemeinschaftliche Einkommen einer solchen Heimarbeiterfamili« ist in der Regel niedriger als das eines großstädtischen Fabrikarbeiters. In den meisten Fällen werden nicht sehr hochwertige Massenartikel hergestellt, die nur deshalb nicht in Fabriken produziert werden, weil die Löhne der Heimarbeiter so niedrig sind, daß sich die Anschaffung von Maschinen nicht rentiert. Die Lebensbedingungen und Gesundheitsverhältnisse dieser Heimarbeiter entsprechen ihren schlechten Löhnen. Die frühe Heranziehung der kleinen Kinder zur Arbeit erstickt in diesen den Willen zum Widerstand gegen die schlechten Arbeits- bedingungen. Dem Kampf um höhere Löhne ist überdies eine Grenze gesetzt an dem Punkt, wo es für den Unternehmer rentabler wird, die Gegenständ« im Fabrikbetrieb herstellen zu lassen. Hier ist das Problem, wie Genossin Anna Siemsen in einem sehr interessanten Artikel in der �Gewerkschaftlichen F r a u« n z e i t u n g" Nr. 10 darlegt: Der nächsten Generation die Kraft zu geben, sich aus ihrem Heimarbeiter- elend zu befreien. Dazu ist notwendig: 1. die Kinder körper- lich zu kräftigen, 2. ihnen durch die notwendig« fachliche Schu- lung den Berufswechsel zu erleichtern und Z. durch Bekannt- machen mit den Arbeits- und Lebensbedingungen an anderen Orten der Jugend einen Anreiz zum Auswandern aus ihren elenden Heimarbeitcrdörfern zu geben. Das Ziel muß hier sein, den unvermeidlichen und zu begrüßenden Untergang der Heim- arbeit möglichst schmerzlos für die beteiligte Arbeiterschaft zu ge st alten. Wie steht es demgegenüber mit der Heimarbeit in einer Großstadt wie etwa Berlin? Es handelt sich hier nur in ganz seltenen Fällen um die Heimarbeit der ganzen Familie. Meistens ist es nur die Frau. die. häufig mit Unterstützung der Kinder, Wäsche, Kleider oder Mäntel näht oder Teil- arbeiten in der Herrenkonfektion verrichtet. Die Frau ist nicht auf Heimarbeit als einzige Arbeitsmethode angewiesen. Sie könnte in der Regel auch in einer Fabrik Arbeit finden. Warum zieht sie die Heimarbeit vor, die auch in der Großstadt schlechter bezahlt wird als Fabrikarbeit? Heimarbeiterinnen sind zu einem großen Teil Personen, die in ihrer Erwerbsfähigkeit irgendwie beschränkt sind: Mütter, die ihren Haushalt nicht verlassen können, r Heimarbeit. Frauen von pflogebedürstigen Kriegsbeschädigten, leidende, nicht voll erwerbsfähige Personen, Frauen aus dem prole- tarisierten Mittelstand, die vor der Arbeit in der Fabrik zurück- schrecken oder sich ihr nicht gewachsen fühlen. Dazu kommt der sicher ziemlich große Kreis jener Frauen, die Heimarbeit nicht als ihre Haupterwerbsquelle ansehen, die nur ein paar Mark in der Woche dazu verdienen müssen. Ihnen bietet die Heimorbelt den Vorteil, daß entwrochend den jeweiligen Bechältnissen mehr oder weViger Arbelt übernommen werden kann. Für alle diese Gruppen von Arbeiterinnen bietet die Heim- arbeit gewisse Annehmlichkeiten gegenüber der Fabrikarbeit und es werdcn darüber nur zu leicht die großen Nach- teile der Heimarbeit übersehen. Die Heimarbeiterin arbeitet für den Fabrikanten billiger als die Fabrikarbeiterin. Sie trägt in stärkerem Maß« das Risiko der Konjunktur- schwankungen und ist allen Nachteilen eines schwanken- den Einkommens besonders oft preisgegeben. Auch bei verhältnismäßig guter Orgamsatlon und dementsprechend höheren Löhnen ist das Einkommen einer Heimarbeiterin ge- ringer als das einer Fabrikarbeiterin, die ebenso lang« arbeitet. Die Heimarbeiterin versucht ihren Lahn zu steigern durch Verlängerung ihrer Arbeitszeit. Spät am Abend sieht man bei Fahrten mit der Ringbahn oder bel Gängen durch die Arbeiterviertel die Frauen über die Näh- Maschine gebeugt sitzen, meistens beim Schein einer dürftigen Petroleumlampe. Es muß Licht gespart ivcrden und häufig auch Heizung. Die trostlosen Wohnungsverhält- nisse zwingen sie, in einem Raum zu nähen, der fast immer auch gleichzeitig als Küche, Wasch- und Trockenraum, Wohn- zimmer und häufig auch als Schlafraum für Fomilienange- hörige dient. Auf die Erhaltung ihrer körperlichen Wider- standsfähigkeit achtet die arbeitende Frau meistens längst nicht in gleichem Maße wie der Mann und besonders die Heim- arbeiterin mit ihrer unbegrenzten Arbeitszeit mutet sich U e b e r l a st u n g e n zu. auf die ihr Körper früher oder später mit einem Zusammenbruch reagieren muß. Aber abgesehen von den schweren Gesundheitsschädi- gungen, die mit der Heimarbeit unlösbar verbunden sind, haben wir als Sozialisten uns auch mit den Arbeits- Methoden in der Heimarbeit auseinanderzusetzen. Unsere Aufgabe Ist, der sozialistischen Gütererzeugung, die wir er- streben, die besten Voraussetzungen zu schaffen. Ein wichtiges Mittel dazu ist die Anwendung der zweckdienlichsten Arbeits- Methoden. Es bedarf keines Beweises, daß die Einrichtungen und Arbeitsmethoden der Heimarbeiterinnen immer hinter denjenigen im Großbetrieb zurückbleiben müsien. Im Sinne der von uns zu fördernden Ent- wickln n gliegtesdeshal b, daßdteHeimorbeit vollkommen verschwindet. Wenn die Gewerk- s ch a f t e n auf die bessere Organisation der Heimarbeiterinnen hinwirken, so ist das Ziel dieser Bestrebungen nicht: die Heim- arbeit zu stärken. Es sollen die schiveren Nachtette der Heim- arbeit, wie sie nun einma lbestehen, den Arbeiterinnen erträg- licher gemacht werden durch den organisierten Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. Neben dieser Gewerkscyafts- arbeit stehen die Bestrebungen der A r b e i t e r w o h l f a h r t, durch Vermehrung der Fürsorge für Kinder und Kranke die Arbeiterfrauen zu entlasten, und beide Zweige der Arbeiter- be-vcgung fließen zusammen in dem Willen aller Sozialisten. eine Zeit sozialer Gerechtigkeit herbeizuführen, die vor allcm auch die Frauen von ihren drückendsten Lasten be- freien wird. Anna(Seyer. Erlebnisse im Kinöergarten. Von Erna Maraun. 1. Die Kinder. Was sie reden, ist entzückend. Nie stehen diese Plapper- mitulchen still. „Ssch bin der fludi", stellt sich einer vor.„Weischl du nisch, wo mein Buda isch?� „Tante, zieh den Faden hier durchl"„Co, nun ist er durch." „Roch durchcr, Tanie!" „Wieviel Beine hat denn ein Hund, Herbert?"„Zwei Beine, Tante, und nochmal zwei Beine." „Weißt du, Heini, was wir vom Schaf kriegen?" „Das Schabefleisch.' „Hast du auch ein Kind, Tante?"„Nein, Werner." „Dann muht du dir eins anjchaffen." „Nicht wahr, Tante, die Deutschnationalen sind doch keine Kommunisten?" So allerliebst reden sie. Aber was sie tun, ist böse, böse! Sie tun immer gerade das, was du nicht willst. Sie meinen, der Tisch sei da, zu da, um mit den Beinchen darauf herumzustampfe» und dann herunterzuspringen oder als Doppeldecker hinunterzusliegen. Sie bilden sich ein, die Bänke seien deshalb hingestellt, um sich davon Rutschbahnen bauen zu können. Sie glauben, die Wasserleitung sei eigens für sie ge- schassen, um ein Planschsest zu veranstalten. Sie nehmen an, die Fenster seien darum gemacht, daß man hinausklettern könne. Den Teller mit dem Mittagessen kann nia» so herrlich al» Kanrsiell herumdrehen, in das Frühstücksbrot kann man ein Stäbchen als Fahne hineinstecken und in der Absallkist« kann man Boot fahren. Herrliche Sachen kann man machen, aber die bösen Großen erlauben es nicht. Immer wollen sie anders als die Kleinen und ein erbitterter Kampf beginnt. Ein Kamps, ncrvenzerstörend und innerlich aufreibend für den Erzieher, der sich nicht ohne weiteres als den gottgewollten Herrscher über das kleine Volk betrachtet, sondern sich bemüht, seine Eigenart zu begreifen, ihm sein Recht zu lassen, soweit es möglich ist, und langsam und schmerzlos eine An» alcichung kindlichen Wollens an reiseren Willen zu schaffen. Ver- stondcsmäßige Beeiustusiung ist bei Drei» bis Füiisjährigen ziemlich ausgeschlossen. Jede Diskussion über Zweckmäßigkeit und Not- wendigkeit bleibt fruchtlos, denn sie endet mit der Bemerkung des Kindes:„Ich will aber doch!" Ablenkung und Gewöhnung ist hier alles. Man zeigt in dem Augenblick, wo wieder etwas recht tlnliebsames geschehen soll, den Ball hierzu in der Berechnung, daß sich das Kleine nun darauf stürzen wird und von dem geplanten Vorhaben abläßt— und dann darf es so lange damit spielen, bis es entdeckt, daß man wunderschön mit dem Ball nach der Lampe zielr» kann. Dann müssen wir ihm, um die nächste Katastrophe zu verhüten, wieder einreden, daß der Ball gar nicht schön sei und daß man viel seiner mit den Bausteinen spielen könne. Ader nicht nur gegen den Erwachsenen richtet sich die Feind- schast. Zwischen den Kindern selbst tobt ein heftiger Kamps. Man glaubt, ein Miniaturbild des Klassenstaates mit seinen heutigen Kampfmechoden vor sich zu haben, wenn man diese durcheinander wirbelnde Masse sieht. Da sind 5 Schippen und 25 Menschenkinder, die sich voll entsachter Begierde daraus stürzen. Mit Stoßen und Schimpfen und Schreien kämpft jedes um das ersehnte Ziel. Derjenige, bei bem Stärke plus Rücksichtslosigkeit die größte Summe ergeben, ist Sieger. Schaudernd steht man vor dem Maß an Roheit, Wildheit» Egoismus, das da sichtbar wird. Atavismus!�) Vielleicht müssen wir, ähnlich dem physischen Entwicklungsgang des Embryos, auch die geistigen Entwicklungsphasen der Menschheit noch einmal in den Kinderiahren durchmachen. Das Faustrecht regiert bei den Kleinen— von einem Locarno find fie noch weit entfernt! Di« erste Bewegung bei jedem erhaltenen Stoß, bei jedem Unlustyefühl — ob absichtlich oder unbeabsichtigt zugefügt, bleibt gleichgültig—, die erste Reaktion ist die angreifende Handbewegung: ich schlag«. lind diese Absicht wird auch meist ausgeführt, durch irgendein Instrument verstärkt, sei e» ein Stein, eine Handvoll Sand, eine Schippe, ein Stock oder was sonst zur Hand ist. Diskussion ist auch hier unmöglich. Ablenkung und Gewöhnung an friedliches Spiel sind die einzigen Wege, die etwas schneller aus diesem Urwaldstadium menschlichen Kampfes hinausführen. 2. Die Eltern. Es sind olles Proletarierkinder, alles proletarische Eltern. Doch wieviele sind sich defien bewußt? Da kommt«ine Mutter und erzählt ganz naiv:„Sonntag hat er Fieber gehabt, der Fritz, und wollte durchaus nicht aufstehen. Aber ich habe ihm gut zugeredet.„Steh aus. Fritzchen," habe ich gesaat,„du weißt doch, wenn man dich nicht beim Kindergottes- dienst sieht, dann kriegst du nichts zur Wcihnachtsbescherung". Und dann ist er auch brav aufgestanden und ist gegangen. Aber nachher hat er sich gleich wieber hingelegt. Armes Fritzchen, arme Fraul Nicht das ist das Traurigste, daß eine Proletarierin ihr fünfjähriges Kind zum Kindergottesdienst schickt, sondern das ist das Traurige, daß st« es tut. um ein paar armselige Sachen zu Weihnachten zu bekommen. Wie muß es in einer Familie aussehen, in der solche Bettlermoral»ntstehtl Der Kapitalismus nimmt uns nicht nur unser Brot, er nimmt uns auch unsern Stolz, aufrecht um Brot zu kämpfen. Und da» ist mehr. t 1 Rückschlag In Ahnencharakter. Man kernt nicht sobald alle Cliern kennen. Meist erscheint nur ein Ellcrniell, der sich hastig verabschiedet, um zur Arbelt zu eilen oder müde nach vollbrachtem Tagewerk schnell wieder seiner Woh- nung zustrebt. Und doch kann man sich bald ein Bild von den meisten machen— nach der Frühstückstasche. Da ist die kleine Marga, die stets wie aus dein Ei gepellt ist. So ordentlich, wie da» Zöpfchen geflochten und da» Haar glatt gestrichen ist, so nett ist da» einfache Kleidchen, das saubere Schurzcken. Und so ist auch ihr Frühstückstäschchen mit den in sauberes Papier eingewickelten akkurot geschnittenen Stüllchen. Aber da sind andere, bei denen man sich ekelt, das Frühstück anzufassen, so schmierig ist das Papier, so un- appetitlich die ganze Tascye. Und es ist nicht immer das ärmlichste Frühstück, das in solchem Täschchen liegt. Da gibt es Eltern, denen man es nicht klarmachen kann, daß Brot den Kindern zuträglicher ist als Kuchen, daß e» unsozial ist, in dieser kleinen Gemeinschaft dem eigenen Kinde die Möglichkeit zu gebe», mit seinem Kuchen zu prahlen, während ein anderes nur Schmalzbrot hat. Es gibt auch «lnige, bei denen reicht es nur zum trockenen Brötchen. Tag für Tag spricht Lottis Frühstück dieselbe Sprache, die ihr armseliges Kleidchen und ihre zerrissenen Etieselchen sprechen. Bei manchem langt es nicht einmal zu einer Lederstullentasche. Eine Mutter hat ihren Kindern aus Stoff eigene Täschchen genäht, andere begnügen sich mit einer Tüte, einem weißen Stuck Papier, einem Zeitungs- blatt. Psychologie und Soziologie der Frühstiickstasche! 3. Das Milieu. Ich glaubte die Großstadt zu kennen. Und doch ist es mir, als kenne ich sie erst recht, seit ich bei diesen Kindern bin. Armseliges Proletarierviertel, ohne Baum, ohne Sand, ohne Spielplatz, ohne Luft, ohne Sonne, ohne Schönheit, wie soll denn etwas anderes auf deinem steinigen Boden wachsen als diese verkümmerten Pslänz- che», die mit dem Mut der Aerzweislung, mit dem Egoismus der Enterbten rückstchtslo» darum kämpfen, ihren Hunger nach Freude zu befriedigen! Immer sehe ich Käte Kollwitz' Bild von den Pro- letarierkindern mit dem Schild im Hintergrund„Das Spielen aus den Häsen und Treppen ist verboten. In solchen Hösen leben sie, auf diesen Treppen werden sie groß. Wenn ich abends die Kinder noch Hause bringe, die von den Eltern nicht abgeholt worden sind, erschauere ich vor diesen Höfen, diesen Häusern, und dann ksingt mir ein Wort Rilkes im Ohr, ein Wort leidenschaftlichster Anklage gegen die Großstädte:„Die großen Städte sind nicht wahr, fie täuschen den Tag. die Nacht, die Tiere und das Kind." Und dann kann man einen Augenblick daran verzweifeln, daß se auf dieser Grundlage etwas Großes, Reines erwachsen soll, daß der Geist sich gegen diese Materie behaupten könne. Man möchte fliehen vor diesen Unge- heuern, die innen so freudlos wie sie von außen eintönig und schmutzig sind. Fliehen und wenigstens die Kinder mitnehmen zu Sonne und Schönheit. Und dann begreifst du alles, was da an Häßlichem in den kleinen Menschen tobt: jedes gemein« Wort, dos tagsüber dein Ohr verletzt hat, jede Roheit, vor der du fassungslos standest; jenes Tiersein im Menschen, das sich so trotzig ausreckt gegen jeden, der es bekämpfen will— olles verstehst du und neigst dich, von einem Quell der Sehnsucht und Liebe überflutet, wieder zu den Kleinen, um ihnen zu Helsen, all die» zu überwinden. Ms öer Montessori- Praxis. Bon Softe Lazarsfeld-Wien. Für die Ausbildung der Muskeln gibt es zahlreich« zw«ck> mäßig ersonnen« Spiele, wie etwa einen frei herabhängenden Ball, die Kinder sitzen im Kreis herum und senden durch Schläge aus den Ball ihn lusttg einander zu. Dabei üben sie Arme und Wirbelsäule. Oder es wird ein Kreidestrich aus den Boden gezogen und die Kinder versucken nun, gerade, ohne Abweichung nach links oder rechts. darauf zu gehen. Das unterhält sie. und sie merken gar nicht, daß es eine Turnübung Ist und daß sie dabei lernen. Diese Beispiele ließen sich viel weiter ausführen, als der Raum hier gestattet.') Wir wenden uns nun der anderen Gruppe zu, den Spielen zur Eni- Wicklung der Sinne. Wir können oft beobachten, baß einzelne Kinder trotz bestem Willen und starkem Bemühen einer Aufgabe nicht gerecht werden. obwohl sie so gestellt ist, daß sie den Möglichkeiten diese» Kindes durchaus entspricht. Zum Beispiel das Kind soll«ine Decke ganz gerade auslegen, was sicher sehr leicht ist. Und doch geht es nicht, die Deck« hängt Immer schief. Wir merken, daß der Gesichtssinn des Kindes nicht ausgebildet Ist. Durch entsprechende Spielübungen, wi« z. B. das Hervorsuchen des größten, kleinsten, dicksten unter ver- schiedenen Holzstückchen, das Aneinanderreihen von verschiedenen Farben, das abgestufte Auffädeln ungleich großer Perlen und ähn- lichcs gewinnt das Auge Sicherheit- im Abschätzen von Dimension und Raumverteilung, ein solcherart geschuttes Auge wird später im Leben viel Schönheit sehen, die dem Minderbegabten verborgen bleibt. Solche Spiele gibt es nun für jeden.(Frau Dr. Montessori mchen.) Sinn und oberster Grundsatz bei deren Ausübung bleibt Immer die Selbständigkeit des Kindes; es lernt dadurch sich allein zurechtfinden: nur ein Mensch, der gelernt hat, der eigenen Leistung zu oertrauen, kann auch Vertrauen zu den Leistungen ') Wer sich dafür interessiert, sei auf das ausgezeichnete Buch von Dr. Maria Montessort aufmerksam gemacht:„Selbsttätige Erziehung im frühen Kinvesalter", Verlag Julius Hofmann, Etutt- gart. anderer und darum Anerkennung de? Mitmenschen, Einfügung in eine Gemeinschaft, wie dos Leben sie verlangt, gewinnen. Das Hauptaugenmerk mufj aus solche Spiele gelenkt werden, die geeignet sind, den Gemeinschaftssinn zu slärkcn, was für die sozialistische Erziehung von besonderer Bedeutung ist. Es sind vor allem also solche Spiele heranzuziehen, die geeignet sind, viele Kinder in einem gemeinsamen Interesse zusammenzufassen, vielen ein gemeinsames Ziel zu bieten, wie Ausschmücken des Heimes, Ausbessern oder Ncuherstellen der Gebrauchsgegenstände, gemeinsames Derfertigen von Spielsachen, besonders der größeren Kinder für die kleineren, Dor- bereitung für Theatcraussührungen und diese Ausführungen selbst. Es ist hierbei nicht nötig, über kostbares Material zu verfügen, die Linder unterhalten sich am besten, wenn man ihrer Phantasie freien Lauf läßt. Wie liebt ein Kind ein ihm fertig überreichtes Spielzeug? So heiß wie eines, das es selbst geschossen hat. Man lieht hieraus, wie wichtig es ist, beim Kind auch die Freude an der eigenen Leistung zu wecken, die ihm später viel Schweres bewältigen hilft. Es Ist auch daraus zu achten, daß die Kinder auch gemeinsam ihr Spielzeug In Obhut nehmen und die Verantwortung dafür tragen lernen, wodurch ihr Derantwortungsgefühl gestärkt wird, späterhin für ihr gedeihliches Zusammenleben mit anderen. Bon größter Wichtigkeit ist aucst, kos Kind zu lehren, sich gemein- s a m niit anderen zu srenen, nicht Freude für sich allein in Anspruch zu nehmen. Bessere Erziehungsersolge als mit Wettspielen der ein- zelnen erzielt man, wenn die Kinder gruppenweise ihr Zimmer. ihren Tisch schmücken und es sich angelegen sein lassen, es besonders schön zu können. Große Freude macht auch da« R e i g e n singen und -tanzen, das gleichfalls erzieherisch in dem Sinn der Nücksichmahme, der Einstellung auf andere wirkt, ebenso wie die Einrichtung, daß jedem Kinde eine Arbeit in der Gemeinschaft anvertraut wird. Das Hauptaugenmerk ist immer darauf zu richten, durch die Epieltätigkeit das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken. Es muß noch auf einige sittliche Mängel der Kinder hin- gewiesen werden, die man meistens falsch deutet, das sind Un- donkbarkeit und Unoerläßlichteit. Diese dem Kind als schlechte, böse Eigenschaften angekreideten Bersäumnisse gehen fast immer auf schlechtes tungeschultes) Gedächtnis zurück. Die Kinder vergessen trotz bestem Borsatz die ihnen erwiesene Guttat, den erteilten Auftrag, weil ihr Gedächtnis nicht gelernt hat. diese Dinge zu behalten. Es gibt unzählige Uebungsspiel« zur Schärfung des Gedächtnisses, z. B. der Blumenstrauß Die Kinder sitzen in einer bestimmten Reihenfolge, und jedes trägt »Inen Blumennamen, alle zusammen bilden eine» Strauß. Ein Kind wird hinausgeschtckt, die Sitzordnung wird geändert, und das Kind muh die alte Ordnung wieder herstellen können. Es übt dabei zweierlei, denn es muh sich gemerkt haben, wie jede» Kind heißt und an welchem Platz es gewesen ist. Ausführlicheres laßt sich hier leider nicht sagen, ober so viel steht sest: man wird sicherlich gute Resultate erzielen, wenn man alle Spiele ln dem Sinn regelt, daß sie dem Kind den Weg w dt« Ge- meinschast ebnen Zrau unö Henossensthast. Es wäre die natürlichste Erscheinung der Welt, wenn im tonsum- genossenschaftlichen Leben die Frauen mehr noch als bisher das eigentlich aktiv« Element würden. Di« Frau steht als Verwalterin des Familieneintominens in weit näherer Beziehung zum Konsum- verein al» der Mann. Dies« nahe Beziehung zur Frau muß der Konsumverein pslegen. er muß alles tun, um der Frau den Gang in die Verkaufsstelle leicht und angenehm zu mache», viel ist schon getan, wenn der Konsumverein mit leiner materiellen Leistung die Frauen an sich zieht und an sich sesselt. Aber damit ist noch nicht alles getan. Es gibt zu viel« Möglichkeiten, di« Frau vom Konsum- verei» und dessen nützlichen Wirke» abzulenken, als daß nicht so manch« Frau den, oft scheinbaren Borteil nachlief«. Di« zu geringe» Umsätze vieler Konsumvereine beweisen das so gut wie die Tatsache, daß eine erschreckend groß« Angahl von Kleiichandels- geschösten auf ausreichende Kundschaft rechnen können. Würden sich alle Frauen nur»ach der wirklich gegebenen Leistung richten, so müßt« ihr« Entscheidung oft anders aussallen und der Konsumverein müßte seine Umsätze schnell steigen sehen. Es wird demnach gut sein, nach dem andern Grunde zu forschen, der viele Frauen vom Konsunweretn fernhält. Di« Frauen find durch ihr« Haushaltsarbeiten sehr in Anspruch 8«nomine». Ihr» Zeit geht hin Im Sorgen um den limerhalt der famlli«. Wenn sich inanchen Frauen der Konsumverein nicht immer augenfällig al» der Spender materiellen Nutzens zeigt, lo ist es tetrdt möglich, daß die Frauen achtlos am Konsumverein vorbei jähen. Die Frauen gewinne» auf dies« Weis««in nur sehr einseitiges Verhältrri» zum Konsumverein und zur Ktmlui.tgenossenschas isbewegung. Der Konsumverein will doch weit über den billigen Pieis hinan» Nutzen für die Verbraucher schaffen. Es ist sein« Ausgabe, die ganze Güter- Verteilung aus eine gesündere, für den Verbraucher nützlicher« Grund- tage zu stellen. Unsere Frauen müssen von dieser»st ruhenden Arbeit der Konsumvereine wissen. Sie müssen sehen, daß Wich- t s g«» am Werk ist, das zwar nicht heute oder morgen sertig da- stehen kann, das sich aber entwickelt und einmal sein wird. Unsere Frauen müssen dieses Wissen von der großen Aufgabe des Konsum- verein« in sich tragen. Gerade die Frauen sollen sehen, wissen, er- kennen, damit ihnen bei den Mühen und Sorgen des Alltag« dieses Wissen helfen kann, da» Kleinliche zu überwinden, das oft so wild wuchert und den Willen zum Guten lahmlegt. Das Wunöer. Als die Mari» Ihr Kwd gebar, Die ganze Well totelend war, Auch König« sanken aus die Knie Bor jenem Kind und der Mari«. Sie beugten sich und gingen fort. Dann kam der große Kindermord. Marias Kind entrann dem Tod Und brachte vielen Menschen Brot, Die gtaubten, daß Ne Zeit erfüllt, Daß sich das Paradies enthüllt. In alle Gläubigkeit geschah Jedoch das Kreuz und Golgatha. Ein Mensch am Kreuz gestorben tp, Das Kind jedoch unsterblich ist. Wohl beugt die Welt nicht mehr die Km» Bor einem Stall und der Mari«, Nur eins geschieht noch sort und fort: Die Kreuzigune. der Kindermord. Marie auch heut' erschienen ist Und weilt bei uns zu jeder Frist, Marie in Not und großer Qual Und schmerzensreich wie dazumal, Sie schreit, derwell Ihr Herzblut rinnt Und schenÄ der WeU ein neue« Kind. Auch heut« ist die Zeit erfüllt. Damit ein Wunder sich enthüllt: Da» Wunder Mensch, der aufwärt» schwebt Und nicht mehr vor dem Krieg« bebt. Das Kreuz ist die Vergangenhell. Die Zukunft ist Unsterblichkeit. Max Barthel. Die Iran öes Politikers. Vor mir liegt das Buch eines Manne», der während der für Europa lo vechängnisoollen Zest von illOS dl» 191(1 verantwortilch die«»glische Bußenpokikit geführt haii Sir Edward Greg. Eine Sest» aus dem zweibändigen Werk mag zeigen, was ein« kluge, politisch geschulte Lebensgesöhrtin nicht nur sür da» persönlich« Glück, sondern auch für die sachliche Arbeit, für dos politisch» Wirten der oerant» wortlichen Politiker zu bedeuten vermag. Am<. Februar 1900, gerade in dem Augenblick, als da» Wafsenbündni» mit Frankreich aus dessen Drängen festere Formen annahm, starb Lady Grey plötzlich an den Folgen eines Sturze» aus dem Wage». Grcy bezeichnet dieses schwer« Unglück als»inen Bruch in feinem Leben, der sein vssentliche» Wirken auss stärkst« beeinflußt habe und fährt dann fort:„Es ist natürlich nicht möglich bei meinem Rückblick aus mein Wirten zu sagen, in diesem Fall würde ich, wenn sie gelebt hätte, eine andere Entscheidung g«» troffen baden, oder, dort würde ich anders gedacht und gesprochen haben. Aber der Einfluß auf meine Arbelt, wenn er auch nicht im einzelnen nachgewiesen und gewogen werden kann, war dennoch ungeheuer arotz. Zwanzig Jahre hindurch Halle ich, was der Mann im öffentiichen Leben nicht hoch genug einschätzen kann, di« Stütz« einer treuen Kameradschaft im eigenen Heim, der Kameradschaft eine» Menschen, dem alles Kleinliche und Gemein« unerträglich war. Nun war ich allein. Die» war in sich jetbst«ine so groß« Ver� änderung, daß sie, obwohl sie sich in meinem Privatleben vollzog, Charakter und öffentliches Wirten notwendig beeinslussen mußt». Während meiner ganzen Ehe war ich gewohnt, die öffentlichen Angoiegenheiten mit meiner Frau zu besprechen und alle Gedanken mit«dr zu teile»! und sie nahm großen Anteil an diesen Dingen. Ihre Znteressen und Lebensansichten waren großzügig, ihr« Meinung war immer frisch und unabhängig, häusig so eigenartig, daß fl« ganz neu« Ausblick« eröffnete und den Äcgeiistand unserer Ä«» imchurno in völlig neuem Licht erscheinen ließ. Nie war ihre Auf» fassung flach oder von anderen übernommen, memals der Ausdruck von herkömmlicher Sitte, von pariei-»der klassengebundenem Denken. All das war mir mm für tminer genommen. Gemeinsam hatten wir unser Wissen erweitert, unsere Gedanken geteilt, gemein» sam unser» Ziele verfolgt. Eine Zeitlang war dem Zurückgebliebenen die Vergangenheit lebendiger al» die Gegenwart. Die Gedanken schienen stille zu stehen, da, Werk vernichtet. Der Brief, in dem ich Ihr üoer dt« Unterredung mit Cambon französischer Botschafter in Ändon. der das Wafsenbündni» mit England in der Form eine« unterzrichneten Vertrags erreichen wollte. D. R.) kam zu spät an, um von Ihr gelesen zu werden. Wenn sie am Leben geblieben wäre, würte» wir di« Sache miteinander berate« haben.' Sft e»«in Zufall, deß wir in den Memoiren der deutschen Staatsmänner aus der Bortriegs- und Kriegszeit nirgends ähnlich« schlichte und ergreifende Anerkennung ihrer Frauen lesen können? Und wenn nicht, liegt e» an den Frauen oder an den Männern oder etwa gar an unserer deutschen Mustersamisie, in der der Wert her Frau zuerst in der Wtrtfchafterin und dann erst in der Ge- fährttn gesucht wird? Toni P s ü l f. Jm?och. Doa einet ostpreubischeu Hausangestellten. Sie aehen über den Hof. Die eine, groh und stattlich. Start ausgeprägtes Selbstbewußt- sein in Eang und Haltung. Alles oerrät die Herrin, dt« zu befehlen gewohnt, Gehorsam verlangt von denen, die ihr dienen muffen. Ihr folgt, zart und schmächtig, kaum dem Kindesalter ent- wachsen, ein Mädchen. Leicht und flüchtig eilen die bloßen Füße über den nassen tümpligen Boden. Die schmalen Schustern biegen sich wie fröstelnd ein. Auf den Kinderlippen zittert noch der Hauch einer schmerzvollen Scheidestunde. In den Augen, die den Blick auf die Vorangehende richten, ein Bitten und Bangen: Willst Du nlcht ein wenig gut sein zu mir? Ich will ja alles tun, was Du verlangst, will lernen, was ich nicht versteh', Hab' nur Geduld mit mir. Im Keller find Kartoffeln aufgeschüttet. „Mach' diese Korbe voll'— befiehlt die Herrin. Die Arme verschränkend steht sie zu, wie das Mädchen die Körb« füllt. „Nur immer fest« zufastent Sonst wird's nicht fertig.' Di« Jung« zuckt zusammen unter d«m harten Kommandoton. Daun sind die Körbe gefüllt. Große Schefselkörb«. .Bring die Kartoffe'n zum Abwaschen!'' Die Frau wendet sich zum Gehen. Das Mädchen faßt die Körbe. Ihr zager Blick irrt rotlos. Die Herrin bemerkt iyr Zögern.„Ist da keine Trage? Na hier.' Hoch und breit steht die Herrin im Türrahmen, legt der vor ihr Siehenden das Tragholz, da» etsenbefchlagene, kettenklirrende, auf den Nacken, diesen schmalen, weißen, leichtgebeugten Nacken. Aufrecht steht die Dienerin, die brennenen Lippen zusammen- (lepreßt. Doch unter der lichten Atrn, über die der Abendsonnen- trahl im lockigen Gotdhaar eine flimmernde Gloriole webt, brennen zwei Augen: Augen-Seelenspiegel: widerspiegeln die Hoheit des Stolzes, die Gewalt des Haffes, die Kraft de» Willens eines ganzen Menschen, einer freien Menschenseele. Morgen unö fibenö. Junge Ära«. Sie war noch von dem Wunder unberührt. Nur nachts schrieb sie sich kleine Berse auf, Bl» einer kam, der sie nun helmgeführt. S» wurde sie ganz plötzlich hingenommen: Zweimal geboren singt da» Fleisch und Blut, Und als Maria ist sie heimgekommen... Alte Mädchen. Sl« hallen ihre groben Hände, grambelaubt, Vor das Gesicht, sie weinen stille, Und werden vom Erinnern schmerzlich überstaubt. Dann ist'», daß Gott sie nochmals trunken machte Und sie ganz brünstig gieren und vergeh'n, Weil niemand war, der durch die Stuben lachte... Walther G. vschilewskt. Emanzipation üer Zrau in?apan. Die Stellung der Frau in Japan Ist im großen ganzen noch die alte, überlieferte inmitten des Hauses, das ihre Welt bedeutet. Aber die letzten Jahre haben doch eine Bewegung gesehen, die über- raschend lebhafte Fortschritte gemacht hat. Die Frau hat in Japan ouf der ganzen Linie den Schritt in die große Oesfentlichkeit getan und ist dodei, sich die Männerberufe zu»robern. Die Frauenbewegung verfügt über ein ausgezeichnet redigierte» Organ, die „Fuftn-Sekai'(„Die Welt der Frau'», welche» den Kampf gegen die Borurteile seit Jahren mit C&solg führt. Unlängst bracht« die Zeitung eine Ueberschau über den Stand der Frauenbewegung. Danach sind mehr als tausend Frauen als zuaelassene Aerzttnne« tätig. Manch« von ihnen hat mehr als llWll Ben Einkommen im Monat. An wetblicheu Denttsten gibt es fast die gleiche Anzahl wie die der Mann«. Krankenpflege nimmt ebenfalls ein« große Zahl ( elbständiger Frauen auf. Weiterhin verdien! sich seit einigen Jahren o manche» Mädchen seinen eigenen Lebensunterhalt ol» Hau». angestellt«. Früher gab e» so etwas wie„Dienst-mäbchen" nicht. &ndern nur männiich« Diener und eine mild« Form von weiblicher »rtgteit, als Sklavinnen. Letztere» hat längst ausgehört. Eine solche Hausangestellte pflegt heutzutage sogar selten im Haus« ihre« Arbettsherru zu leben, sondern verrichtet ihren Dienst nur tagsüber. Di« Fabriken absorbieren freilich im modernen Japan die meisten Krauen uab Modchen, als die unvermeidlich« Kehrseite einer allzu- rasch aufgeblühten Industrie modernen Stil». Die sanitären Zu- Sende in den Fabriken lallen zum Teil noch viel zu wünschen übrig. Üe Zeitschrist behouptei. daß die japanische Frau die Arbeit in den Faktoreien wie überhaupt die Handarbeit der geistlose» Be- fchäftigung an der Maschine vorzöge. Einen sehr wichsiaen Zug verrät das Blatt Insofern, als e» be- Häuptel, daß die Ä Zahlung der weiblichen Angestellten sich gn:-z genau nach dem S'-Ulde der Bildung der einzelnen weibliche» Person richte. Ein« Telephonistin beisplelsweise, welch« das Ab« gangszeugnis einer Mädchenmittelschuie hat, erhall tm Monat 50 Pen (etwa 100 M.s Gehalt: eine Arbeiterin mit einfacher Bolksschul- bildung bekommt zwischen 50— 80 Sen(etwa 1 M. bi» 1,60 M.> Tageloha. Neuerdings ist es der Frau sogar gelungen, in den Berus der Straßenbahniührer einzudringen: in Tokio trägt so mancher„Kondukteur' leine Mütze keck auf dem weiblichen Kops«: ein Bild, wie es sich bei uns im Kriege so oft bot. das Ckereformprosert in Sowjetrußlanü. Der sowjetrussilche Gesetzentwurf über die Ehereform, welcher einstweilen zurückgestellt worden ist, wird in Rußland mehr und mehr zum Gegenstand von Diskussionen und, wie die Sowjetblätter melden, beginnt allmählich eine gewisse Aufregung wegen der geplanten radikalen Neuerungen um sich zu greifen. In B r s a n s k fand eine große Versammlung von proletarischen Frauen und Mädchen statt, die über das geplant« Ehegesetz debattierten. Es waren mehr als 1000 Frauen anwesend und die Diskussion verlief sehr erregt. Es wurde ein« Entschließung gefaßt, die nur gesetzlich registiert« Ehen al» solche gelten lassen will, da» 18. Lebensjahr als Mindest- alter zur Eheschließung eines Mädchen fordert u. a. Wartezimmer. Im Wartezimmer bei der Gynäkologin. Fraulicher Sinn hat dem sonst so nüchternen, schablonenhaften Raum einen behaglichen Anstriche eine persönlich« Note gegeben. Aul dem runden Tisch liegen statt der üblichen vergilbten und zerfegten Familienblätter wertvolle Werke über Säuglingspflege, Erziehung und Frauen« bewegung. Aber dennoch: jede, die diesen Raum betritt, durch- schauert e» kalt. Der Sloum sitzt voll von Frauen, älleren und jungen, wohlhabenden und armen, verheirateten und ledigen. Und all« flüstern gedämpft, brüten schweigend vor sich hin oder blättern zerstreut io Büchern und Zeitschristen: ouf allen lastet dasselbe dunkle und gefahrvolle Schicksal der Frau, da» sie hier her- führte. Auch der sorglos Unbesangenen teilt fich die stumm«, ner- vöf« Spannung, die im Raum« vibriert, je länger desto intenstver mit. Dort sitzt eine ergraute Mutter und hält ihre hochschwanger« Tochter an der Hand, die aufgeregt flüsternd aus sie einspricht. Dt« Aelterr sucht die junge Frau zu beruhigeu, allein auch au» ihren Zügen spricht sorgend« Angst: wird alles gut vorübergehen? Da sitzen elegante, gepflegte Damen, an die vielleicht zum erstenmal der Ernst des Leben» herantritt, neben dürstigen Frauen, die mehr al» an sich selbst sorgend an die Mittel für Entbindung und Aufzucht des erwarteten Kindes denken. Andere wieder, ohne da» Merkmal kommender Mutterschaft, leiden doch an den Organen ihre» Ge- schlechis,— sind es Folgen der Mutterschaft, ist es ein unver- jchuldete»»chicksal, eigene Schuld oder Schuld eines Mannes? Nie- wand vermag es aus den blaffen, leidenden Zügen zu lesen, wenn nicht die herausfordernd elegante Kleidung manchmal mehr verrät al» es ihre Trägerin je tun würde.— Wie ein Schlag durchzuckt die Wartenden jeder Ausruf durch die ledergepolsterte Tür zum Sprechzimmer: bald wird auch dir die Entscheidung fallen! Ein ein- fach gekleidetes junges Märdchen hört man beim Verlaffen de» Sprechzimmer» auf dem Flur oerzweifelt schluchzen. Man ahnt» daß die Aerztin ihr Flehen um einen Eingriff, dem Gesetz folgend, Hai abweisen müssen, und sie nun durch die Gebote der Gesellschaft gezwungen wird, einem Kinde das Leben zu geben, um da» die- selb« Gesellschaft sie verdammen wird. Wird es sie nun von der Schwelle der Aerztin fort zur Schwell« der Pfuscherin treiben? Eine Frau Mitte dreißig mit feinen, ausdrucksvollen Zügen, die die ganz« Wartezeit regungslos vor sich hingestarrt hat, und deren Ge- statt deutttch die Zeichen vorgerückter Schwangerschaft trägt, zuckt zusammen, als mit Fräulein I ausgerufen wird. Gewiß, keine bös« Absicht, aber doch eine Gedankenlosigkeit, mit der man der Aermsten ihr« schwere Bürde noch drückender macht. Bittere Enttäuschung und Verzweiflung üb« ihr Geschick ließen sie vielleicht noch nicht dazu kommen, selbst von ihrem, von der Republik errungenen Recht der Titeländerung Gebrauch zu machen. Biel menschliche» Leid, Hoffnuna und Furcht»sfenbart so ein« Stund« im Wartezimmer dem. d« Augen hat. zu sehen. Unzählige Frauen gehen täglich in der ganzen zivilisierten Welt durch solch« Wartezimmer, und am End« solch« Gänge stehe« ein neues Leben. Gesundheit. Siechtum oder vorzeitiger Tod. Ebenso unzählig ab« sind die Scharen derer, die draußen bleiben müffen, obgleich auch li« fachkundigen Rates bedürften, weil die bescheidensten Mittet ihnen fehlen. Seiten«npfindet die denkende Frau die gebotene Soli- darität all« Frauen mehr als in so einer schicksalsschwangeren Wartestuade, um alle« Fraue», die Leben und Gesundheit einsetzen für Schaffung eine» neuen Leben» zum mindesten all« durch Menschenverstand und-kunst erreichbaren Sicherungen und Er- Ulchterungen darzubieten.___ W. S. kindliche Einfalt.„Na, Wotfgang. nun sag« mir mal. wer hat dich fleschufs«»,?'„Der lieb« Gott,' sogt Wolfgang.„Aber nur so hoch, und« zeigt das Wtckelkindsormat.„Den Rest bin ich selbst gewachsen.'(Simplicissimus.f chrn»lssenspriisung. Ein bekannter Wien« Genosse tani bald nach Kriegsschluß, als bei uns die Partetspaltung.auf der Hohe' war, nach B«iiil. Gefragt, in welchem Lager er stehe, antwortet« er:.Adolf Braun ist Mehrheitler— soziatdemotratisch« r al« Adolf Braun brauche ich einfacher Genosse nicht zu sein!"