i.liai!.«;:!«:''!!»'!. 1-■': J � �'Hi'iMMiaia'W'ji.g��-jiMBMiaaiaiJf�iiiiiiiiiaiiiiw iia'�i.i.aiiJi/KSiisiiiiisiiiiiiiiii�iiiiaiffi.si'iija�.--»dm n,.6 4 43.Mw8i Beilage zum Vorwärks 18. März?92b � Mbeitszeiten für das �schwache Geschlecht. Den Forderungen auf gleiche Bezahlung von Frauen- und Männerarbeit wird auch in den Fällen, wo ein Unter- schied in der Art der Tätigkeit und auch in der Borbildung nicht vorhanden ist, stets entgegengehalten: Frauen sind nicht allein geistig, sondem auch körperlich weniger l e i st u n g s f ä h t g als Männer. Aus diesem Grunde wird einigen Lehrerinnengruppen eine etwas geringere Stunden- zahl auferlegt und alle Bemühungen auf Beseitigung der Gehaltsdifferenz zwischen männlichen und weiblichen Lehrern blieben bis jetzt ebenso erfolglos wie das Streben der tauf- männischen weiblichen Angestellten auf Beseitigung der Ge- Haltsgrenze zwischen weiblichem und männlichem Personal in gleichen Stellungen. Für eine derartige Praxis ist aber weniger die Rücksicht auf die körperliche Leistungsfähigkeit der Frauen die Trieb- feder als vielmehr die Gewohnheit, in der Frau eine geringer zu bewertende Arbeitskraft zu sehen, und die ebenfalls auf Gewohnheit beruhende Ansicht, daß eine Frau weniger zum Leben brauche als ein Mann. Die„Rücksicht" auf„die körper- llche Leistungsfähigkeit" der Frau tritt übrigens in der Regel nur in Erscheinung, wenn es gilt, Frauen die Arbeitsplätze in neuen Arbeitsgebieten streitig zu machen oder ihnen die Aufstiegsmöglichkeit zu ideell und materiell höher bewerteten Stellungen zu beschränken. Diese Behauptung wird u. a. durch die Tatsache bewiesen, daß nur recht wenig Menschen an den körperlich doch meist recht schweren Arbeiten der Aufwärterinnen, Rein- machfrauen und Waschfrauen Anstoß nehmen oder für bessere als allgemein für solche Arbeiten übliche Be- zahlung eintreten, damit bessere Ernährung und besiere Pflege des Körpers möglich ist. Ebensowenig wird beachtet, daß zahllose Frauen als Heimarbeiterinnen sich ab- mühen müssen in oftmals körperlich schwerer, fast ausnahm«- los aber zeitlich sehr ausgedehnter und in größter Hast zu leistenden Arbeit. Einen weiteren Beweis liefern die Arbeltsbedingungen in einem Berufe, der seit Jahrhunderten Betätigungsfeld von Frauen gewesen ist: in der K r a n k e n p f l e g e. Die Krankenpflege gilt noch nicht allzulange als Beruf, der seinen Angehörigen Anspruch gibt auf ausreichende Be- zahlung und auf Schutz der Arbeitskraft. Die Krankenpflege war ja der Beruf der Ordensschwestern und-brüder und der Frauen aus adligem Geschlecht, die aus irgendwelchen Grün- den, meist weil Mittellosigkeit ein standesgemäßes Leben aus- schloß, eine, wenn auch nur bescheidene Versorgung durch eine Arbeit erstrebten, die in ihren Kreisen nicht als entehrend galt. Noch heute stellen solche Frauen einen nicht unerheb- lichen Teil der tn der Krankenpflege tätigen Personen. Die Mehrzahl aber bilden seit einer Reihe von Jahren Frauen und Männer, die die Krankenpflege als Beruf ausüben gegen Bezahlung, die ihnen und eventuell auch ihren Familien den Lebensunterhalt fichem soll. Die Arbeitsbedingungen dieses Pflegepersonals werden natürlich stark beeinflußt durch die Gewohnheit, bei dem übrigen Personal willenlose Unterordnung zu finden, die freilich durch eine Rücksichtnahme auf das Her- kommen und den Namen eine Grenze fand. Infolgedessen ist es z. B. sehr schwer, eine solche Grenze für die A r b e i t s> z e i t des Krankenpflegepsrsonals zu finden, daß ausreichender Schutz gewährt ist. Die achtstündige Arbeitszeit, die nach der Revolution auch für das Krankenpflegeperfonal festgesetzt wurde, ließ sich nicht aufrechterhalten. Die Verordnung über die Arbeitszeit tn Kranienpflegeanstalten vom 13. Februar 1924 setzt eine Höchstarbeitszeit von 60 Stunden in der Woch« fest, schließt aber eine Verlängerung dieser Arbeitszeit durch sogenannte Arbeitsbereitschaft aus. Trotzdem ist in einer Reihe Heil- und Pflegeanstalte« eine erheblich längere Arbeitszeit üblich. Sie ist möglich. weil für das beamtete Personal die Verordnung über di< Arbeitszeit nicht gilt und diese auch keine Geltung hat für dt« Ordensschwestern und-brüder. Das übrige Pflegepersonal kommt dadurch in eine üble Lage. Ist es nicht genügend organisiert, muß es sich erneut dem Verlangen auf Ver» längerung der Arbeitszeit über das gesetzlich festgelegte Höchst, maß fügen. In preußischen Provinzial-Heil- und-Pflege» anstalten, wo freies Pflegepersonal neben beamtetem Per» sonal beschäftigt ist, kommen deshalb Arbeitszeiten— ein» schließlich Arbettsbereitschaftsdienst— von wöchentlich 131 Stunden vor. Das Bemerkenswerteste ist hierbei aber, daß die längste Arbeitszeit dem weibliche« Pflegepersonal aufgebürdet ist. Wo bleibt hier die Rücksicht auf die„geringere körpev» liche Leistungsfähigkeit der Frauen? Die angeführten Fälle, von denen der letzte u. a. Gegen» stand eines Antrages der sozialdemokratischen Landtagsfrat» tion ist, zeigen wohl deuttich, daß der Kampf ums Dasei« nicht nur ein Kampf zwischen Besitzenden und Besitzlosen und zwischen Unternehmern und Arbeitern ist, sondern häufig auch noch ein Kampf zwischen den Geschlechtern. Diese Tat- fache muß die Frauen der besitzlosen Volksklasse dahin führen, sich durch Organisation und durch Eintreten für die Sozialdemokratie, die Partei der Arbeiter und Angestellten. bei allen Wahlen dagegen zu sichern, daß sie in diesem Kampf« unterliegen. Gertrud Hanna, j Weibliche Polizei. Auf der ersten Polizoitechmschen Ausstellunq tn Karlsruhe ftn Juni vorig en Jahres koimt« man in der preußischen Halle einen bescheidenen Kiosk der Kolner weiblichen Polizei bestaunen: einiqe Aufnahmen, einig« maschinegeschriebenen Bericht« und die weibliche Polizeiunisorm. In diesem Unscheinbaren versinnbildlichte sich aber die Grundlinie der neuzeitlichen Polizeientwicklung hin zur Huma« nisierung, zur Umgestaltung in eine Vorbeugungs-, Schutz- mit» Wohlfahrtspolizei. Es war kein Zufall, daß die erste weibliche Polizei in Deutsch- land, ja, auf dem Kontinent überhaupt, in Köln entstanden ist und daß die ausgestellte llnisorm auffallend derjenigen der englische» weiblichen Polszei ähnelte: die fremdländische Besatzung Kölns und die durch sie bedingten Mißstände hatten die Verpflanzung der modernen Einrichtung der engUschen weiblichen Polizei auf deutsche« Boden notwendig gemacht— gleich der amerikanischen zählt si« viele hundert Beamtinnen. Die jungen, gesunden, untätigen Sol- baten und Offiziere mußten naturgemäß Berkehr mit den einhet- mischen Frauen und Mädchen suchen. Sie fanden unter all«« Schichten der Bevölkerung allzu geneigtes Ohr: die entsittlichend« Wirkung des Krieges, der Hunger nach dem„großen" oder kleine» „Erleben", die Not, besmiders in der Inflationszeit, taten hier ungewollte Kupplerdienste— an Leib und Seele aller Altersstufe«. Aber auch die männlichen Partner hatten für ihre„Berführerrolle" Slwer zu büßen: die Zahl der Geschlechtskrankheiten unter de« tannschaften nahm erschreckende Dimensionen an. Die Besatzungsbehörden versuchten mit drakonischen Matz- nahmen dreinzuschlagen, um dem Uebel abzuhelfen: laut einer Ordonnanz sollten von mm an herumlungernde Mädchen und Frauen einfach sestgenommen werden. Die Folge war, daß Un- schuldige im wahrsten Sinne des Wortes mit wirklichen Prosti- tulerten nachtsiilter die Hast teilen mußten. Der Zustand wurde unhaltbar. Rettung kam von den englischen Frauen, Eine vo» ihnen, Mr». Corbett Ashby, wurde während ihres Besuche» iu Liil!« bri dcii imlifdfen Bchöide« vorst« lii�. Dos ci�iischs Kriegsmimsteriur» cittsandle darauf im März 1923 die Komma n- daiirin Mary Allen, Leiterin der englische» Polizei, nach Köln: mid ein Jahr später, hn März 1924, trat dann auch die deritschc weibliche Polizei in Tätigkeit. Ucver die Geschichte ihrer Entstehuno, über ihre Tätigkeit und ihre Z e r st ä r u n g berichtet das von dem Deutsche» Polizcivertag in Lübeck herausgegc-bene Lucht„Weibliche Polizei". Zerstörung" — staunt die Leserin. Ja,— Zerstörung— und nicht etwa durch ßeindeshand. Rein, durch eigenen Unverstand, durch Borniertheit und VcrzopstHeit. lind das Eigentümliche dabei scheint, dost die weibliche Polizei in Köln ausgehört Hot zu sein, obgleich sie auf der Karlsruher Ausstellung gewissermaßen die größte Sensation be- deutet«; obgleich der Bonrag ihrer Leiterin bei allen amvesenden hohen und maßgebenden Polizeibeainte» die entschiedenste Billigung gesunden halte und in einer Reihe deuischer P a r l a- in c n t c dahingehende Anträge eingebracht worden sind— es ist auch bekannt, daß die EinsuHrnng einer weiblichen Polizei in Berlin ernstlich erwogen wird. Die weibliche Polizei In Köln hat nicht ausgehört, weil sie ihren Ausgaben nicht gerecht geworden ist. Sie ist der Uebermacht der Nationalisten, die die Institution als„seindliches" Werk be- trachtet haben, dein Beamtcnehrgeiz der männlichen Kollegen, die sich nicht ms chandwerk pfuschen lassen wollten, und der Rivalität gewisser Frauenfürsorger-ereinc zum Opfer gefallen Der Vertreter des Reichshiteresses fand kein Geld für die weibliche Polizei; der Dezernent des Magistrats verhindert« die Uedernahrnc der Kosten auf die Gemeinde. So wurde der weiblichen Polizei im Mai 1923 der Garaus gemacht— trotzdem sie sich in höchsten« Maße be- währt hatte. Und wie bewähn! Im Lause der 14 Monate ihres Bestandes haben die weibliche» Potiziftimien— es waren ihrer im ganzen drei, von denen zwei Abend für Abend stets gemeinsam den Außendienst versahen— 789 Mädchen gesprochen, 133 vorgelodcn, 72 noch Haus« geleitet, 113 seslgenomine,!, i» Sä Fällen Hiise geleistet, in 72 sich im Kinderschutz— bei Bettel, Handel, spätem Herumtreiben— betätigt. Von diesen 72 Kinder» wurden S1 den Eltern zugeführt. Dies ist der Nachtdienst. Nicht anders der Tagesdienst. S26 Trans» porie wurden von und zur Polizeistation für Geschiechtskronke gebracht, 262 von und zu Erziehungsanstalten, Krankenhäusern usw.; in 76 Fällen wurden Ermittlungen angestellt, in 235 Rücksprachen in den Dienststellen, mit Erziehungsberechtigten und dergl. gepflegt, in 147 mit Mädchen verhandelt, die aus die nächtliche Einladung hin erschienen waren, in 83 Fällen Festnahmen bewerkstelligt, in 42 Bernehinungen vollzogen und in 32 gerichtliche Borsührnngen betätigt. In diesen Zahle» findet fast die gesamte Arbeit der weib- tichen Polizistinncn ihren Ausdruck, sie umschreibt auch ihren Aus- gaben kreis: Schutz der gefährdeten Mädchen �vor weiterer leiblicher «ud stttticher Verderbnis, gleichzeitig auch Schutz der Gesellschaft durch vorbeugende und fürsvrgende Tätigkeit an diesen Gefährdeten. Und außerdem Schutz der gefährdete« Kinder beiderlei Geschlechts. Wer wollte bestreiten, daß diesen beiden Ausgaben die Frau nicht in höheren, Maße gewachsen ist als der Mann. Natürlich, wie es auch i» einem Abschnitt des Buches heißt: Rur die inluitioe psycho- lvaisch-schöpserische, intelligente, ties sozial eingestellte, menschen- «rsahrene, mutige, innerlich sichere und in der Wohlsahrtstätigkeit praktisch und theoretisch geschulte Frau. Die Bevölkerung Kölns hat die kurze, aber segensreiche Tätig- tmt deser Polizistinnen wohl zu schätzen gewußt. Sie üblen ihre nächtlichen Rundgänge gemeinsam mit einer englischen Polizei- beanitin aus, die dann einzugreisen hatte, wenn es sich um englische Soldaten oder Offiziere handelte. Die Erfolge der Arbeit zeigten pch recht bald. Der Bahnhossplatz wurde sittlich weuiger rm fechtbar, »Mschiedene Element« verlegten ihr Tätigkeitsfeld nach auswärts, die Zahl der geschlechtskranken Soldaten ver- «ninoerte sich usw. Di« Beamtiuiien. die ihre Aufgabe nicht «Lein als Verkörperung des Strafgesetzes und der Staatsgewalt aus faßten, sondern in erster Linie als Fürsorgerin»«», fände» als eauen eher Zutrauen und geneigtes Ohr ais die üblichen„Sitten- unten". Dos Problem der weiblichen Polizei ist kein ganz einfaches. Es «ntsteht da«ii« ganze Reihe von Fragen, die zu lösen Ausgabe der zuständigen Behörden sei« wird. Für die proletarische Frau kann «der unter ollen Umstände» kein Zweifel darüber beste!)«»: nicht der Mann, sondern die Frau ist es, der in jedem Stadium der Prostitution die Hauptrolle gebührt— nicht allein iu der fürfarge- rijchen Tätigkeit im Innendienst, sondern auch in der vorbeugenden Tätigkeit im Außendienst. Wie sehr aber die proletarische Krau an einer solchen Lösung der Frage interessiert ist, das zeigen «llei» schon sotgeude wenige Zahle«: unter den von der weidliche» Wolizei bearbeiteten Fälle» bezogen sich S27 auf Hausangestellte, 131 auf Fabrikarbeiterinnen. Allerdings war auch der Mittelstand tu cht»erschont geblieben: ihm gehörten fast 28 Proz. der Mädchen an. Im September d. I. wirb auch in Berlin eine polfteiiechuifche Ausstellung zu sehen ein. Der Kiosk der Kölner weibliche» Polfzci wird diesmal schmerzlich vermißt werden. Vielleicht wird es aber hoch no möglich gemacht, daß die tveibliche Polizei dort vertreten ist. Di« sozialdemokratische» Fraktionen der Landtage hätten dafür Sorge zu tragen, daß die wohttäligcu Eriadrungen der Kölner Polizei den. drciteii Masten der Bevölkerung zunutze kaauneu. De» Frauen aber, die sich i»it dem ja wichtige» Problem befasieii «ollte», kau» das hier zitierte Büchlein nicht warm genug empfohlrii werden. In den Atbeiterbivliotheken sollte es nicht fehleu. Leo R o f e n l h a i. Erziehung zur Ehe. Wie leicht tun sich zwei zusammen und wie selten wird cmc wirklich dauernde Ehegcmeinschast daraus. Woher kommt das, wo liegen die Gründe und wo sinden wir eine Befscrungsinöglichkeil? Die immer höher emporschnellende Ziffer der E h e s ch e i» düngen rechisertigt wohl eine solche Fragestellung. Wenn die er- leichterte Möglichkeit der Ehetrennung als Grund angegeben wird, so ist dos ein saischer Schluß, denn die ist ja nur der Niederschlag einer allgemeinen seelischen Einstellung, der sie Rechnung trägt. Daß anderseits Trennungsverbotc Ehen nicht vcrdesser», ist selbstverständlich. Warum finden wir den Willen zur Dauer so felteu und so mangelhaft ausgebildet? Wir wissen henke durch die moderne Sedcmvrschnng, daß der Mensch nur diejenigen Eigenschaften entwickelt, die er zur Hrbmig seines Selbstgefühles braucht. Sucht er z. B. lauten rauschende,> Erfolg, dann wird er die zu diesem Zweck geeiguelcu Mittel an- wenden, er wird darauf„trainieren" und so auch wirklich die Eigen- schasten erwerben, die ihm den gewünschten Erfolg sichern. Ver- zichtet er hingegen aus äußere Anerkennung, so wird sich das auch ini Training ausdrücken. Die Eigen schasten selbst sind nur Folge des gesteckten Ziels und können nicht an sich geänderi oder beeinslvht werden. Rur die geänderte Zielrichtung bringt— dann ober zwangsiäufig und un- venneidlich— eine Aenderung der dazu criorderlühe» Eigenfcha'te» mit sich. Nun ist z. B. erotische Machtstellung zweijellos ein sehr gesuchtes Ziel, an dessen Errcichimg viel,»nonchmal sogar alles gesetzt wird, und zu dem zwei Wege führen. Der eine Weg sühn zu viel- fachen Ersolgeu, der andcrc verzichtet aus die Mamügjaltigkeit und sucht dauernden Erfolg. Wer sich für die Mannigfaltigkeit, den immer neu wiederholten Erfolg entschließt, wird die dazu gr- hörigen Eigenjchosten erwerben ans Kosten anderer, die ihm dabei hinderlich wären, er wird z. B. wenig Gedächtnis haben, weil das durch unerwünschtes Mahne» unbequem würde. Wer hingegen die Dauer will, der braucht wieder diese Eigenschaften, besonders Gedächtnis, denn dieses wird chm zum Stutzpunkt für die Erinnerung und gibt cht» dadurch die gewünschte Bindung an das einmal Er- lebte, die Ausdauer, die Fähigkeil der Treue. Mit diesein Zielstreben stellen sich auch die anderen für eine daueriide Gemeinlchast nötigen Eigenschaften ein. Adler bezeichnet sehr richtig die Eh« als eine „Aufgabe", die im wesentljchen mit den gleichen Mitteln gelöst werden muß, wie alle anderen Aufgaben des Lebens. Und wer hier ein schlechter Partner ist, wer sich in seinem Beruf, in seiner täglichen Tätigkeit nicht verläßlich, nicht rücksichtsvoll, nicht ausdauernd erweist, der wird es auch in der Ehe nicht sein, der wird hier wie dort Gründe finden sich zu drücken, durch Finten und finitfe sich seinen Aufgaben zu entziehen. Zu den beliebtesten Tricks gehört es, Angewohnheiten des Partners plötzlich nicht mehr ertragen zu können, oder selbst störende Gewohnheiten a» den Tag zu legen, beides sichere Zeichen einer schlechten Vorbereitung sür die Ehe, Zeichen des Willens zur Unterbrechung, zum Wechsel. Wenn wir die Einehe wollen, auf deren Seite zweifellos die großen seelischen Werte liegen, wen» wir der Neigung zur Un- beständigkeil fteuern wollen, dann müssen wir schon beim kleinen Kind mit dem Training der dazu eriorderlichen Eigenschaftc» be- ginnen, indem mir seine Zielsetzung entsprechend beeinslussen. Ein Kind, das nicht mehr mit dem Wunsch ausgewochsrn ist, die schönste Puppe, das meiste Spielzeug besitzen zu wollen, das wir auch als Erwachsener nickst mehr Erfolge aus erotischem Gebiet sammeln wollen, das Don-Juaa-Jdeal wird in Vergesfrnheil geraten. Es ist sehr bezeichnend, daß wir in Geschichte und Literatur kein weibliches Gegenstück zum Don Juan besitze». Messalina, die man dafür ansehen könnte, ist es nicht, auch»ickit Wedckinds Luku. Diesen hostet etwas Gefräßiges an, sie sind nicht wählerisch, sie nehme» was sie bekommen können, was der echte Don Juan nie tut. Das kommt daher, weil der Mann auf Grund seiner wirtschostlichen Ueberlegcnheft das sexuelle Wahlrecht ausschließlich für sich bewahrt und dadurch die Frau gezwiinge» hat, das Wahlrefullat untätig obzuwarten. Bekommt nun solch eine schiecht vorbereitete Frau die Wahlmögiichkeit. dann schlägt sie ganz ins Gegenteil um und über- bietet die dcneidcte Freizügigkeit des Mannes durch vollkonunrne Zügellvsigkeit. Dannl halten wir bei einem Punkt in unserer M ädchrnerziehu ng, der sein reichliches Teil zum Prozentsatz der un- glücklichen Ehe» beigetragen hat. Die kapitalistische Gescllschasts- moral hat es zuwege gebracht, dem jungen Mädchen beizubringen, daß sie möglichst viel erotischen Erfolg haben imisse. denn die Stellung der Frau wurde ausschließlich danach berocrtet, weichen Mann sie sich jjv erobern imstande war. Die Gesellschaft Hot es also verstanden, die Franen zu einer ausschließlichen Vervollkommnung derjenige» Eigenschaften zn veraillafse», die zur Erreichung dieses Zweckes nützlich sein konnten und hat sie dadurch völlig aus ihrer natürlichen Entwickln, ig gedrängt. Andererseits mußte das letzte Ziel des erotischen Erfolges dem stmgen Mädchen sorgfältig ver- borgen werden, es sollte mögkichsl ohne Ahnung dieses Zieles an das Ziel selbst herangeführt werden. Es wäre Irrtum zu glaubet:, daß die»nbehütete» Pralctariermädchen in diesem seelischen«oin» bester daran seien Auch diese erfahren— und meistens in viel zu frühem Alter— zuerst an sich selbst die prakstsihc Auswirkung desje», mos man ihnen bis dahtu durch Gehenmiiskrämerei oder Zote» als etwas zu Brrheunlichrudes also Böscs hingestellt hat. Der un- geheure Prozeistfog. empjinlnngsarmee Fronen, die Statistik iteunt »y Proz., in manchen„kalten" Ländern 89 Broz., geht daraus zurück, denn wo findet sich— außer in geringen Ausnahmen— der Mann, ber genug Gen»euischoftsgefühl und die daraus entipiingfnde Zartheit besitzl, um die Frim ohne de> en jeelijchen Schaden über diese ihr Selbstgefühl gefährdende Klippe hinwegzvrühren. Diese Frauen liiii) es denn auch, die im Fall einer vom Mann gewünschten Trennung ani zähesten sich weigern, weil sie, durch den Mistersolg entmutigt, weder die Kraft zu einem neuen Versuch noch das Ver- trauen zu einem ans sich seldstgestellten Leben ausbringen. Die Holl« einer schlechten Ehe aber, in der der eine Teil den anderen gegen dessen Willen festhält, braucht nicht erst ausgemalt zu werben. Wobei es nicht nötig ist. daß die Frau die Scheidung in Wörtern verweigert, manche erreichen den gewünschten Zweck viel sicherer durch ein scheinbares Verlangen nach der Trennung. Auch hier, wie überall, ergreist der Mmsch ganz unfehlbar die zur Erreichung feines Zieles nöiigen Mittel. Aber auch die Umgebung müßte dazu erzogen werden, die Dauer einer Ehe zu fördcni, besonders die Eltern, von deren Einfluß viel abhängt. Adler nennt sie�„kriegsgcübte Gegner", die es nicht verwinden könne», daß ihr Sprößling zum erstenmal selbständig handelt, und die ihre Herrschaft in Form von bösen Loraussagungeu sortzuseyen irochteir. Wenn dann die jungen Ehegatten ängstlich und gegeneinander mißtrauisch geworden sind, dann darf man sich nicht wundern, die bösen Prophezeiungen in Erfüllung gehen zu sehen. Vieles ließe sich dazu noch sagen, aber schon dieses Wenig« zeigt. wieviel Enlscheidenoes aus diesem Gebiet wir noch zu lernen haben. Für unsere Generation kann ja leider nicht mehr viel geschehen, hier kann wohl manches gemildert, ober kaum mehr Grundlegendes gebessert werden. Wir werden uns wohl damit begnügen müssen, wenigstens die Formen, in denen jetzt die nicht glücklichen Ehen »erlauicn, etwas menschlicher zu gestalten, z. B. das Täuschen u n d L ü g« n m ö g l i ch st daraus z u verbann e n, das seinen Grund auch nur darin hat. daß bei Eingeständnis einer Gefühls- «birning das Selbstgefühl des Gestehenden und»och mehr des- jenigen, der das Geständnis empfängt, schwer betroffen werden. Ehrlich zu sein, aber die Ehrlichkeit des anderen auch zu ertragen, ist ein« schwer« fiur.ü, die nur durch Himanscyuug des eigenen Machlgcfühls zugunstc» eines Gemeinsamen, zu Erhaltenden erlernt «erden kann. Aber diese Mühe lohnt, und es straft sich selbst, wer «nders handelt. Hossmannsrhal hat das wunderschön ausgedrückt In seinen,„Rosenkavalicr": Nicht quälen will ich dich, mein Schatz. Ich sag, was wahr ist, sog's zu mir so gut wie zu Dir. Leicht will ich's machen dir und mir, Mit leichten, Herzen und leichten Händen, Hallen»nd nehme», halten und laisrn, Die nichi so sind, die ftroil das Leben sind Göll erbornil sich ihrer nicht. Sophie Lazarsseld. Wien. Grüne Woche— hausftauenwoche. Die jüngst in Verlin veranstallete„Grüne Woche" hat nicht mir Interessenten vom Lande, sondern auch eine Menge Berliner Einwohner, insbesondere Hausfrauen, angelockt. In der Erwartung, daß unter der„nolleidendeu" Landwirtschaft sich auch Käuser für zahlreiche Artikel finde» würden, die mit der Landwirtschaft nur in rtnem sehr losen oder auch gar keinem Zusammenhang stehen, hatten viele große Haushalrsgelchäite dort ausgestellt und gaben einen bequeme» Ueberbllck über die Apparate und Erfindungen, die heute bereits die Haushallsührung erlrichteri, können, könnten! Denn in dcu weitaus meisten Fällen wird die Preisfrage sich als unüber- windbarcs Hindernis vor drm Erwerb all dieser schönen Dinge auftürmen. Eine mächtige Neklmne hatten etliche Firmen für ihre Staub- saugcr cmfollet."Diese Apparate sind vraklisch und hygienisch. Statt daß, wie üblich, beim Ausiegen oder Klopsen der Staub erst herum- gewirbelt und von der Hausirau in Menge» verschluckt wird, geht er unmittelbar in die smigende Metalldüsc ein. Teppiche und Bor- leger brauchen nicht mehr die steilen Treppen der Mietskasernen herunter- und herauigeschleppt werden. Der Preis von 120 bis 160 Mk. aber ist eben iür«ine Proktoriersamilie uiicrschwiiustich, selbst bei Monatsraten von 15 Mk. Hier könnte, vorausgesetzt daß wir wieder in Zellen normalen Wirtschallsganges ohne Arbeits- losigkeit eintreten, nur genosseuschastlicher Geist eine Wandlung zu». Bessere» schalle». Wenn sich z. B. die Bewohner riner Mietskaserne, die doch alle schicksalsvcrbundene Proletarier sind, zufammcnschlöfieu, die Harisfrauen einen kleinen Haussraumrat bildeten und gememfarn den Anko»? eines solchen Apparates tätigten, wären seine Wohltaten auch weiteren Kreisen zugänglich. Aber leider fehlt es ja heute iwch vielen Proletariern selbst an sozial, stischem(Üemeinschailsgeist. Wo die Wirtschasisnot zwingt,„gehl es" sogar unter„autitollektivistischen Bauernschädeln", indem nämlich vielerorts auf dem Laude ein Klciubauerndorf unter Leitung des Gemeindevorstehers eine' Dreschmaschine aus Gemeindekoste» a»° schnfst, ihre Beuutzuinzszeiten und-dauer regelt und auch die Neparaturlosten auf Gemcindelasteu überninunt. Etwas Äehnliä�s wäre zwar für unsere heutige unsagbar unrationelle Haushalt- stihruug vorbildlich, aber anscheinend ans absehbar« Zell unerreichbar. Abgesehen von den menschlich-scelischen Boraussetzungen fehlt auch der wirlschaitliche Druck der Konkurrenz, der in obigem Falle ausjchloggedeud ist. Der Kleinhonsyali, dieies atavistische Gebilde aus Urväterzeiten, steht auch i» dieser Hinsicht außerhalb unseres modernen Wirtschchtslebens. Mit blassem Neid mußte jede Hausfrau, die sich allmouatlich oder noch öfter mit der Mühsal der„großen Wäsche" plagt, beim Anblick der prachivollei, Waschiiiaschtiicit erfüllt werden. An einet, I Motor augefchlossen, besteht diese Maschine Im wesentlichen au» einer innere» und einer äußere» Trommel. In die innere durch» löcherte Kupsertrommel kommt die Wäsche, und in beständiger Notation schießt aus der äußeren Trommel Seiscnwasser, Waschblaulösung und Spülwasser hintereinander durch die Wäsche. Eine ebenfalls angeschlossene Zentrifuge schleudert die nasse Wäsche in wenigen Minuten trocken. Der Breis von annähernd 2000 Mk. allerdings macht einen solchen Apparat für den Privmhnusholt nicht allein unerschwinglich, sondern auch unrentabel. Aber warum drängen die Frauen nicht viel mehr dahin, daß eine Mictskaierne, bzw. ein ganzer Block von Mictskoserne» eine solche Maschine an» schafft und in der Waschküche zur allgemeinen Benutzung auj-tellt? Die Wäsche eines ganzen Hauses könnte mühetos an eurem Tage bewältigt werden. Die Unkosten dürsten auch wesentlich geringer sein als bei der Einzelwaschc mit Ihrer Waschmittel- und Feuerungs- Verschwendung, ganz abgesehen von dem unwirtschalliichrn über- mäßigen Krästeverbrauch der Hausfrau. Ein D a m p f w a s ch» Automat auf Gas für den Einzelhaushalt ersetzt die Wasch- Maschine nur unvollkommen, und ist auch nur für die. die es sich leisten können, 25 Mk. und mehr dasür auszugeben. Uns scheint, daß der Kamps um diese nächsten Dinge jür die Befreiung der Frau zunächst einmal wichtiger i st als die Erreichung mehr fernliegender ideo- logischer Ziele. Ein Kapitel für sich sind die zahllosen«let irischen Küchenmaschinen, die aber unter der heutigen Form des Zwerghaushaltcs niemals Allgemeingut werden kSnneit. Baratts- sttzung für ihre Anwendung Ist allemal der Küchenelektrontotor im Preise von etwa 250 Mk., an den all« diese Apparate angeschlossen werden müssen. Die für die heutige Hausholtssorm in Frage kommenden aus- gestellten elektrischen Apparate haben durchweg den Nachteil zu großer Kostspieligkeit. Vieles von dem hentigen Unter mwterelend. von nervenauireibendem Streit bei gemeinsamer Küchenbenntzong könnte oermiede» werden, wenn das elektrische Kochen hn Zimmer billiger wäre. Aber wer kann sich eine elektrische Kochzllnlte zu 40 oder 00 Mk. leisten? Auch die wunderhübsch ausseheudeu ekek- irischen Kasfec-»nd Teemaschinen sind nicht unter diesen Preisen zu haben. Sehr empschlen ober kann man den elektrischen Tauchsieder zu dem eiingerinahen erschwinglicheu Preis von 8,50 Mk., der, in die Flüssigkeit gehalten, diese ll, wenigen Minute,« erhitzt. Besonders für Untermieter ist es angenehm, wen» dadurch mancher Gang in die Küche zum Wärmen von Wasser und<8e° tränken erspart wird. Erschwinglich für unsere Haussrauen ist ferner der gleichfalls gezeigte Fensterputzer„Fi;" zum Preise von 1,— Mk., der aus den, einfachen Prinzip eines Streifens GuimnI an der vorderen Kante eines Holzgrifses beruht, und den Haus- frauen das lange Reiben mit dem Lederluch erspart. Gleichsalls erschwinglich sind die röhrenförmige» Schnccschlüger aus Aluminium, die mit ihrer durchlöcherte» Schlagscheibe das alte Prinzip des Buttersosses in neuer Form wieder