Kr. 265 Kblnmemtitts-Kedtngungt»: «bonnement»- Preis pränumerando: Vierteljahrs 3,30»it., monatl. 1,10 SJIt., wöchentlich 28 Plg. frei in« HauZ. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag«- Nummer mit illuftrirter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung«- Preisliste für lös? unter Dr. 7427. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich außer Wonlag«. 14. Jalfrg. Die Insertiolls-Mrbiihr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonel- «eile oder deren Raum«0 Pfg., für verein«- und BerfammlungS-Anzeige», sowie ArbetlSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« t Uhr nachmittag« tn der Srpedttion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtage» bi« 0 Uhr vorintttag« geöffnet. Devlinev VolksblAkk. Fernsprecher: vml I, Nr. 1302. Telegramm-Adresse: «Solialdeinostra» Sellin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Vartei Deutschlands. Meduklion: 8V. 19, Neulh-Straße S. Freitag, den 12. November gxpibiUou: SV. 19, Meuth-Ktraße 3. LtttrAmonksn orthodoxe Schttlplöne. Als vor wenige» Jahren der Zedlitz'sche Schlilgcseh- Entwurf vom Sturm der öffentlichen Meinung unter dein Zetergeschrei der geschorenen und gescheitelten Volksbildung� feinde hinweggefegt wurde, mochte der eine oder andere politische Optimist hoffen, die der Volksschule von der schwarzen Reaktion drohende Gefahr sei nun endgiltig beseitigt. Das Thörichte dieser Hoffnung zeigt die nnansgesetzte Weitcrarbeit der katholischen und protestantischen Orthodoxie an der Schulreform in ihrem Sinne. Freilich, einen so offenen Vor- stoß wie den Zedlitz'schcn Eiitwurs habe» die Herren noch nicht wieder gewagt. Die innere politische Konstellation war nicht günstig dafür. Das Interesse der„leitenden Stelle" wurde mehr und mehr von großmächtigcn Flottenplänen er- siillt und die traditionellen Waffenbrüder der Pfaffen, die Junker, ivareu durch ihre eigenen agrarischen Interessen zu sehr in Anspruch genommen, als daß sie Lust gehabt hätten, ihren schivarzröckigen Freunden in einen neuen Feldzng für die Interessen der„Kirche" zu folgen. Umso günstiger lagen die Verhältnisse für die st i l l e Arbeit, in der die frommen Herren ja unübertreffliche Meister sind, und der sie ihre meisten Er folge verdanken. Die traurige Lage der Volksschule in Preußen- Teutschland ist dank dieser Thätigkeit in den letzten Jahren immer trauriger geworden. Man hat sich an die fort- gesetzten Mittheilungen der Presse über skandalöse Volksschnl zustände inzwischen fast gewöhnt. Man erträgt sie, wie die anderen Deutschland blamirenden Skandalosa des neuen Kurses, mit ingriinmiger Resignation und in der Hoffnung, daß der Tag der Wende nicht allzu ferne sei. In letzter Zeit rücken insonderheit die nltramontane» Schulpolitiker wieder offener mit ihren bildungsfeindlichen Plänen heraus. Tie dominirende Stellung des Zentrums ladet zu neuen, nachdrücklicheren Vorstößen ein. Die Schul- frage wird ans den nltramontanen Provinzial-Landeskonferenzen mehr in den Vordergrund gerückt. In den„liberalen" Staaten Süddeutschlands gewinnt der Kampf gegen die Simultan schulen und die konfessionslosen Lehrervereine wieder aktuellere Schärfe. Die vom Parteitag in U l m ausgegangenen Trom pctenstöße rufen die Gläubigen allerwärts auf zu neuem, hitzigerem Ansturm gegen die„gottlose" Schule. Die für den 21. Dezember bevorstehende Jubiläumsfeier zum Andenken an den Todestag des Ca ni suis, der am 21. Dezember 1597 sein vorzugsweise den Schulzielen des neu entstandenen Jesuiten ordens gewidmetes Leben schloß, bietet willkommene Gelegen- heit, der katholischen Christenheit das Gewissen zu schärfen. Das anläßlich der Canisiusfcier vom Papst Leo XIII. an die Bischöfe von Deutschland, Oesterreich und die Schweiz gerichtete Rundschreiben stellt zivei Forderungen in den Vorder grnnd der nltramontanen Schulpolitik:„Das e r st e ist, daß die Katholiken sich nicht mit Mischschulen be- g n n g e n, sondern überall eigene Schulen haben, und daß an denselben gute und bewährte Lehrer angestellt werden".. Sodann ist es uölhig,„daß nicht allein bestimmte Stunden für den Unterricht der Jugend in der Religion angesetzt seien, sondern es muß auch der ganze ü b r i g e U n t e r r i ch t von dem Geiste der christlichen Frömmigkeit durchwebt und durchdrungen sein."— Also Verdrängung der gemischten Schulen durch K o n f e s s i o u s s ch n l e n, in denen nicht nur der Religionsunterricht, sondern der g e s a in m t e Profan- Unterricht von konfessionell- religiöser Tendenz durchdrungen ist, das ist das Hauptziel, das von Rom aus neuerdings wieder proklamirt wird. Die deutschen Bischöse fordern dem- gemäß in ihren Hirtenbriefen ihre Gläubigen auf, am 21. Dezeniber die Fürbitte des„großen Wohlthäters Deutsch lands" zu ei flehen, um„die Erlösung der christlichen Schule aus den Fessel» des Unglanbens" zu erreichen. Wenn die Fürbitte beim sel. Canisins das einzige wäre, was die nltramontanen Dunkelmänner zur Erreichung ihrer volksbildnngsfcindlichen Absichten unternehmen, so könnten wir ihren fronimeu Bemühnngen gelassen zusehen. Aber sie arbeiten noch mit anderen, weniger harmlosen Mitteln an der Realisirung ihrer Lieblingswünsche. Da ist kürzlich ein vom Mainzer Bischofsamt mit der Druckzensur ausgestattetes und von der Zentrnmspresse eifrigst propagirtcs Büchlein erschienen, das den schönen Titel führt: „Der Zerstörungsgeist der staatlichen Volks- schule". Mit anerkennungswcrther Offenheit wird darin Pro- gramm und Taktik der„christlichen" Echtilpolitik darlegt: Die katholischen Christen werden aufgefordert, mit den gläubigen P r o t e st a» t e n genieinsame Sache zu machen, nin der Majorifirniig der christnsgläubigen Konfessiouen durch den christusfeindlichen Liberalismus ein Ende zu bereiten. Die beiden großen christlichen Konfessionen sollen ihren heiligen Hader zeitweilig bei seile setzen, um„in voller Einmülhigkeit ihr Recht auf eine eigene konfessionelle Schule geltend zu machen" und die widerspenstige„liberale Slaatsbureaukratie" ihrem Willen zu beugen. Die geschlossene Majorität im preußischen Landtag erscheint dem Verfasser aber noch nicht als ausreichender Machthebel zur Beseitigung der verschiedenen Widerstände; das Buch ist bestimmt,' auch an anderer Stelle zu wirke».„Noch steht ja an der Spitze des deutschen Volkes ein jugendkräftiger Herrscher, der sich nicht nnr Kaiser und König von Gottes Gnaden nennt, sondern seine hohe Stelle im christlichen Geiste als«ine ihm von Gott übertragene Aufgabe auffaßt, für deren Erfüllung er Gott verantwortlich ist." Wenn das christnsgläubigc Kartell im Landtag nicht genügt, so wird er der Staats Regierung ihre„heilige Pflicht" zum Bewußtsein bringen „endlich diesen christlichen Königsworten vor den leere» Phrasen des glaubenslosen Liberalismus den Vorzug zu geben". Freilich, derselbe jngendkräftige Herrscher, der diese chr.st lichen Königsworte gesprochen, hat auch dem Zedlitz'sche» Ent- wurf schließlich selber den Garans gemacht, aber der fromme Rathgeber kennt die charakteristische Eigen thümlichkeit des neuen Kurses zu genau, als daß er sich durch diese Erwägmig von seinem hoffnnngsfreudigen Beginnen sollte abschrecken lassen. Ans seiner Berechnung auf die leitende Stelle erklärt und entschuldigt sich auch die ganz mit gewissen Anschannugen über die vaterlandslose Rotte übereinstimmende Darstellung der S o z i a l d e m o k r a t i e, die im Grunde nichts anderes ist, als das Produkt der gottlosen Schicke und darum nur mit dieser ausgerottet werden kann. Für den Erfolg gara»- tire» die„vielen Millionen christlicher Männer und Franeu", die heute kein Interesse daran haben, den Staat zu stützen, der ihnen ihre Kinder frevlerisch raubt. Die staatliche Zwangs- Volksschule ist nämlich nichts anderes als ein gegen das Gesetz Gottes und das historische Recht verstoßender„l e g a l i s i r t e r K i n d e r r'a u b". Das Bnch erbringt den ansführlicheu Beweis für diese durchaus ernsthast gemeinte Behauptung; die„gesunde Vernunft" und die„gcoffenbarte unwandelbare Wahrheit" werden heran- gezogen, um sestznstellen,„daß der Staat kein Recht hat, die Eltern zu zwingen, daß sie ihren Kindern ein g e>v i s s e s Maß von Kenntnissen n b e r m i t t e l u." „Es ist und bleibt daher die Verstaatlichung der Volksschule ein rcchlsividriger Angriff gegen die christliche Konfession als solche; es liegt derselben ein offener Rechtsumsturz zu gründe.„Der moderne Moloch der staatlichen Zivangs Volksschule zwingt alle christlichen Elter», ihre Kinder ihm in die ebcrnen Arme zu legen, damit dieselben leiblich und geistig dem liberal- atheistischen Staatsgötzeu zum Opfer fallen— nicht zur Rettung des Vaterlandes, sonder» zu seinem Ruine." Indem der Staat das göttliche Recht der Eltern und der Kinder auf die Schule antastet,„macht er sich einer revolutionären Auflehnung gegen das Krön recht der Gottheit Christi schuldig; sein Vorgehen ist Felonie und Usurpation im eigentlichsten und schlimmsten Sinne des Wortes."„Und das Empörendste an diesem staatlichen Kinderraub ist, daß er im Namen des Gesetzes, also legal be trieben wird. Unter der Larve des Rechtsschutzes, der dem Kinde sein Recht auf Erziehung sichern soll, wird das wehr- lose Kind durch rohe G e w a l t in seinem unverletzlichen Recht auf eine christliche Erziehung gekränkt, und das heilige Recht der Eltern, welches diese von Gott selbst erhalten haben, zertreten, u. s. w." Bei diesen theoretischen Erklärungen bleibt der ultra montane Schulpolitiker aber nicht stehen, er fordert die gläubigen Eltern direkt zur gesctzbrrckenden Praxis auf, fall der Staat nicht nachgäbe. Er empfiehlt— wörtlich und auch im Original gesperrt und fett gedruckt—„eher eine m u n ch r i st l i ch e n Schulgesetz den Gehorsam rund zn Verweigern, als die Seelen ihrer Kinder an eine n n ch r i st l i ch e Volksschule zu v e r r a l h e n." Das ist also die ultima ratio dieses unter bischöflicher Sanktion er- schienencn Schulprogramms. Und ivas soll an stelle der staatlichen Volksschule treten? Die„freie christliche Schule", d. h. eine Volksschule, die„durch und durch konfessionell sei und daher unter der direkten und völlig unabhängigen Leitung der konfessionellen kirchlichen Be Hörde stehe." Natürlich müssen die Lebrer in diesen Schulen konfessionell gläubige Christen sein und deshalb„in k o n- f e s s i o n e l l e n L e h r e r s e m i n a r i e n unter der direkten und allseitig unabhängigen Leitung und Aussicht der kon- fessionellen kirchlichen Behörde berangebildet werden." Was und wie in einer solchen der Kirche ausgelieferten Schule den Kindern gelehrt werden soll, kann man sich nach dem Vorhergehenden denken.„Die„Religion" tritt in d e n M i t t e l p u n k t des ganzen Unterrichts. Nicht nur in den so reichlich als möglich anzusetzenden eigentlichen Religionsstnnden wird sie gelehrt, auch der gc- saminte übrige Unterricht wird davon durchdrängt. Religiöse Sätze als Schönschriftvorlagen und als Diktatnbungen zur Erlernung der Orthographie; religiöse Geschichtsfälschung; die Bibel als Geographiebnch zur Korrektur der Irrlehren, die die ungläubige Wissenschaft über Alter und Entstehung der Erde aufstellt; in der Naturgeschichte überall die weise Hand Gottes; selbst bei Auswahl der Rechcnexcmpel lassen sich religiöse anbringen— kurz:„die religiöse Bildung und Er- Ziehung niuß die übrigen Unlerrichtsgegenstände so beherrschen und durchdringen, daß dieselben im Vergleich zu jener Haupt- aufgäbe nnr gleichsam als eine Zugabe er- ch e i n e n." Diese„Zugabe" darf selbstverständlich nicht zn groß sein. denn„Wolfram von Eschenbach konnte weder lesen noch schreiben, was ihn bekanntlich nicht gehindert hat, einer der größten Dichter aller Zeiten zu werden," und„daß es für manchen kein Unglück gewesen wäre, wenn er nie lesen gelernt hätte, dürfte wohl auch keine zu gewagte Behauptung sein." Der„ W u st von Realien", der in der staatlichen Volks- schule gelehrt wird—„sogar(!) Chemie und Astronomie, wie all die gelehrten Dinge heißen, dringen auf den kleinen Kopf oes Kindes ein und stiften darin ein heilloses Wirrwarr"— muß beseitigt werden. Dann braucht auch nicht mehr„die Schulzeit über Gebühr ausgedehnt zn werden," wie es heute leider geschieht, wo der Staat„acht volle Jahre laug" die Kinder den Eltern entzieht. Das mag genügen, um einen Begriff von dem„christ- lichen" Schnlidcal zu geben. Die Sozialdemokratie wird dafür sorgen, daß auch die ultraniontanen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das Volk wird seine Schicke vor ihren ärgsten Feinden zu vertheidigen wissen. Es ist der Fluch der liberalen Halbheit, daß heute noch mit solchen frommen Attentaten auf die Volksbildungs- Anstalten ernsthaft gerechnet werden muß. Der ultramontanen Wahl- parole„Fort mit der konfessionslosen Schule!" werden wir die Parole: Absolute Trennung von K i r ch e und Schule! entgegenzusetzen haben. Der Religionsunterricht muß gänzlich heraus aus der öffentlichen Schule. Die Kirchen- gemeinden mögen ihn durch ihre bestellten Seelsorger ertheilen lassen. Das ist der einzige Weg, die stete Reibung der Kirche mit der Schule zu beseitigen und den Schulherrschastsgclüsten der Geistlichkeit ein glattes Ende zu mache». Der R e l i g i o n s n n t e r r i ch t sei, wie die Religion, Privatsache! politische Meb erficht. Berlin, 11. November. Tie sächsische Regierung hat dem nun versammelten Landtag einen Geietzentwurf vorgelegt, durch welchen das Verbot des In verbindungtretens von Ver- einen, die sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschästigen, aufgehoben werden soll. Die sächsische Regierung kommt damit der Zusage des R e i ch s k a n z l e r s nach, der am 27. Juni 1L96 im Reichstag die Erklärung abgegeben hatte: „Ich kann auf grnnd der inzwischen unter den betheiligten Nsgiernngen gepflogene» Erörteruuge» diese Erklärimg(des Slanls- sekieläes von Vöuichn) dahin ergänzen, dich es in der Absicht der lltigierung liegt, die Beseitigimg des durch das Verbot ge- schaffene» Rechtsznstaudes herbeizuführen." Die sächsische Regierung thut also nur ihre Schuldigkeit, indem sie die bezeichneten Gesetzesvorlagen einbringt. Auch versucht die sächsische Regierung nicht, an dem gegebenen Ver- sprechen zn deuteln, wie es in Preußen geschehen ist, und diese Gelegenheit zu sonstigen vereiusrechtlichen Experimenten zu benutzen. Den» es ist zwar garnicht ansgeschlossen, daß der Zusatz im sächsischen Entwurf, der lautet:„Politische Vereine dürfen niit anßerdentschen Vereinen nnr mit Ge- nehniigniig des Ministers des Jniicrn in Verbindung treten", durch kühne Aiislegiingsknust einmal zu allerlei Tücken gegen mißliebige Vereine nud Parteien benutzt werden könnte, aber in der Hauptsache entspricht der Entwurf der sächsischen Re- gierung dem, was vom Reichstage gefordert war und vom Fürsten Hohenlohe zugesagt war im Namen der Bundes- regieruugeu. Ein bcsondcrcs Verdienst ist wegen der Einbringung dieser Vorlage der sächsischen Regierung nicht anzurechnen. Längst wurde diese Forderung von allen Parteien in Sachsen ver- treten und das sächsische Vereinsgesetz ist, wenn auch diese Ver- besscrnug durchgeführt werden wird, doch so reich an Hand» haben zur Niederhaltung und Bedrückung des politischen Vereinslebens, daß die Regierung und die ihr nahe stehenden Parteien keinen besonders starken Vortheil für ihren gehaßten Gegner, die Sozialdemokratie, befürchten müssen. Die Vortheile, die ans dieser Gesetzesrevision der Sozial- demokratie erwachsen könnten, wären mittels der erzrcaklionären Bestimmungen des sächsischen Vereins- und Versammlungsgesetzes und mittels der noch volks- feindlicheren Auslegungen dieser Bestimmungen durch die Ver- waltungsbehörden leicht wetr zn machen, wenn die brutalen Unterdrücknngspolitiker in Sachsen obenauf bleiben. So hat denn wieder ein großer Bundesstaat, dessen Par- lament nur jedes zweite Jahr zusammentritt und da dasselbe sich nicbt früher mit dieser Sache befassen konnte, sich der Willensäußerung der höchsten deutschen Volksvertretung gefügt und will das vom Reichskanzler gegebene Versprechen einlösen. Wie aber soll es nun in Preußen werden? Wann endlich gedenkt der preußische Ministerpräsident Fürst Hohenlohe die feierliche Zusage, die Fürst Hohenlohe, der Reichstauzler, gegeben, einzulösen?— Ter KreiS der»»pfändbaren Gegenstände sollte nach einer auf Antrag der Sozialdeniotralcn vom Reichslag angenoniinenen Aesolnlion in der Zivilprozesi-Novelie erweitert werden. Dieser Resolucko» entspricht die zur Zeit dein Bundesrath vorliegend« Novelle durchaus nicht. Die vorgeschlagenen Aendcrungen sind nur redaklioneller oder unerheblicher Natur. Sie bestehen in folgendem: l. Wäsche isl im Gegensatz zur jetzigen Fassniig onsdrückiich»eben Kleidm gestücken n»d Haiwgerälhen aufgesührt. 2. Statt„Hand-»nd Fabrikarbeiter" soll„gewerbliche Arbeiter und andere Personen, Ivelche ans Handarbeil oder sonstigen persönlichen Leistungen ihre» Erwerb ziehen", gesetzt werden. 3. Neu soll festgesetzt werde», dast ein zur Beschaffung von Nahrnnas- und Fenernngsmilteln auf 14 Tagen erfordeilicher Betrag dem Schuldner bleiben soll(dies ist fast die einzeige Ausdehnung des bestehenden Gesetzes). 4. Redaktioneller Natur ist die besondere Aufführung von„knustlichen Glied- waren, Brillen und anderen wegen körperlicher Gebrechen uolh- wendigen Hilssmittel, soweit diese Gegenslände zum Gebrauche des Schuldners und seiner Familie bestimmt sind." Bislang erachteio man diese Gegenstände natürlich auch als unentbehrlich; man ««chnelc sie den K!eidil»gss!iickcn oder dem Hausgeräth zu. S. Die „Zur tmUSlichc» Audachl bestimmten" Gegenstände sollen als unpsäudbar bezeichnet werden, desgleiche» die„zur UN- uuUclbnren Verwendung für die Bestattung bestimmte» Gegen- stände" und endlich nach österreichischem Muster der„Trau- ring", dessen Pjändbarkeit heute heiß umstritten ist. Das ist alleS, was als Erweiterung des Kreises unpsändbarer Gegenständen dem BnndeZralh vorgeschlagen ist. Es ist aber durchaus erforderlich, den Krei? der»npsändbaren Gegenstände erheblich anszudchne», etwa nach Art der anierikanischen Gesetzgebungen, ei» Minimum dessen i» GeldcSwerth anzugeben, was dem Menschen unter alle». Umstände» verbleiben muß. Es wider- spricht jeder Regung von Hnmanilätsgesühl und von Gemeinsinn. daß man dem Nebenmenschen gestatte» soll, dem in Roth bcflndlichen das zu nehmen. dessen Verkauf für den Gläubiger Iverthlos ist. Ferner lehrt die Praxis, baß an stelle des lax«»» Ausdrucket„unentbehrlich" bestinunte Angaben der Gattung und der Anzahl der unentbehrlichen Gegenstände treten müssen. Wir behalten uns vor, nach Vorlegung des Entwurfs an den Reichstag ausführlicher ans die für die unbemittelten Bolksklassen so wichtige Frage zurückznkounnen: Was soll der Gläubiger seinem Mitmenschen nicht pfänden dürfe»? Tie Rede des englischen Premiers Lord SaliSburt) war besonders bedeutend in dem Passus, der sich ans den N! aschine»bau erkämpf bezieht. Mit weit mehr Rachdruef, als das Wolff'sche Telegramm vermnthen liest, betonte Lord Salisbury die Nothiv endigkeit eines Friedensschlusses, da es sich in diesem Streit um das Wok>l und Wehe Englands handele und die Existenz Englands gefährdet sei, wenn zwischen den A r b e i t e r it und den Unternehmern der Friede nicht zu stände k o m m e. Das war die Sprache eines Mannes, und eineS Staats« manneS. Eilt deutscher Minister hat noch nie eine solche Sprache geführt. Freilich in England macht die Regierung nicht in „Sozialreform."— Im Anschluß theilcn wir ein Telegramm deS„Nordd. Dep.-Bnreaus" mit: � London, 11. November. Die erste Besprechung zwischen den Delegirten der vereinigten Gesellschaft der Maschinenbauer »nd des Verbandes der Unternehmer findet morgen hier stall. Sanguinische Erwartungen herrschen jedoch in beiden Kreisen nicht. Die Position der Maschinenbauer ist dadurch sehr gekräftigt, daß zu den SO 000 Mitgliedern ihrer Gesellschaft noch 173 000(Schiffs- bau- und Maschincnbau-Arbeiter) hinzugetreten sind, welche sich von dein Verband bisher ferngehalten ballen.— ** Deutsches Reich. — Die Einberufung des Reichstags auf den SO. Stovember wird heute amtlich im„Reichs-Anzeiger" publizirt. Die„Nationalliberale Korr." niminl die Einbernfnug des Reichs- tags zum'Anlaß zu den folgenden Bemerkungen: „Damit wird die Vertretung des deutschen Volkes zu der letzten Session vor den Neuwahlen einberufe» und das sagt alles: wie sehr es gerade in der bevorstehenden Session darauf ankommt, dnrch ein« vorsorgliche Befriedigung der Bedürfnifse des Reiches der Nation wiederum zum Bewußtsein zu bringen,»vas sie für ihre Wohlfahrt und ihr Ansehen im Ralhe der Völker thun lunß und kann, und ,vie sehr der Reichstag verpflichtet ist, lsich als vollberechtigter Faktor de? Verfassungslebens nach allen Richtunge» hin im Interesse des inneren Friedens zu erweisen. Und für beides ist die erste Voraussetzung, die mit der Einberufung in Erinnerung zu bringen ist: daß der kommende Winter wieder gut »nacht, was in den verflossenen Sessionen gesündigt worden» daß jeder, der das Ehrenamt eines„Vertreters deS gesaminte» Volkes" angenommen hat, auch nach Möglichkeit auf dem freiwillig über- «ominenen Posten ist, um seinen verantwortungsvollem Amte in vollem Umfange gerecht»verde» zu können." — Der B n n d e s r a t H hat in seiner heutigen Sitzung die Entwürfe eines Gesetzes»vegen Aenderungcn des GerichtSversassmigs« gesetzes und der Strafprozeßordnung, sowie eines Gesetzes wegen Aenderung der Zivilprozeßordnung und eines zugehörigen Ein- führungsgesctzes dem zuständigen Ausschuß überwiesen; ferner wurde dem Ausschußbericht, betreffend den Entwurf einer Verordnung über die Ausführimg der am 9. September 1SSK zu Bern abgeschlossene» Uebereinknnft wegen Bildung eines internationalen Verbandes zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst die Zustimmung er- theilt.- — Die Bäckerei-Verordnung wird»nermndlich von den Jnnungsmeister» weiter bekämpft. Am 5. d. M. hatte eine Deputation von Jnnungsbrüdern ans dem Unlerverband„Mittel- dentschland" in dieser Sache eine Audienz beim Reichskanzler. Für den Präsidenten deS BnndcsratheS, der die Bäckerei-Verordnung er- lassei« hat, klang seine Antwort auf die vorgebrachte» Beschwerden recht eigenthümlich. Er erklärte, daß die Einführung der Ver- ordnung seinerzeit große» Staub aufgewirbelt habe und daß ihrer Einführung große Bedenken im Wege gestanden, die e r theil weise g e t h e il t und noch heute theile. Er müsse die Richtigkeit der angeführten Gründe, welcbe die Einhaltung der Verordnung»in möglich(!) machen, an erkennen und nehme an, daß. wenn die jetzigen Erhebungen auch im Sinne dieser'Ans- f ü h r n n g eil ausfielen, die verbündeten R e g i e r u n g e» nicht umhin könnten,«ine Aenderung der Ver- ordnung herbeizuführen. Staatssekretär Graf v. Posa» dowsky erklärte, es würden neue Erhebungen im Bäckereigewerbe in betreff der Arbeitszeit stattfinden. Diese zarle Rücksichtuahnie auf einige Jnnungsmeister, denen der erste kleine Anfang von Arbeiterschntz im Bäckcreigeiverbe nicht ganz bequem ist, charaklerisirt treffend de» sozialpolitischen Kurs, den wir jetzt steuern.— — Der Plan, ein ReichSamt für ProdnkttonS- statistik zu errichten, ist nach einer anscheinend osfiziöse» Mit- theilung des„Hamb. Eorr." aufgegeben. Mau will de» Industrielle» jede Unbequemlichkeit ersparen und sich bei den i» Aussicht genommen prodnktiolisstatisttschen Arbeite» auf eine frei- »villiae Statistik beschränke». Die zarte Rücksichtsnahme den Unternehmern gegenüber sticht auffällig von dem bei Behandlung von Arbeitern üblichen schneidigen Ton ab.— — Personalien. Die Abberufung de? bisherigen Bot- schafterS bei der ottomanischen Psorle, Freiherrn v. Eanrnia- Jeltsch wird vom„ReichS-Anzeiger" gemeldet. Bekanntlich ist der genannte Diplomat als Nachfolger des mm- mehrigen Staatssekretärs von Bülow zum Botschafter in Rom ernannt, was gelegentlich einmal auch noch das Amts- blatt melde» wird. Die Ernennung des Herrn v. Boetticher zum Oberprasidenten von Sachse» soll,»ach offiziösen Meldungen, noch nicht seststehen, trotzdem zweifelt niemand daran, daß Herr Pommer- Esche den ihm lieb gewordenen Posten bloS verlasse» mußte, um Herrn v. Boetticher Platz zu machen. Zum Oberprästdenten der Provinz Hannover, als Nachfolger des ans dem öffentlichen Leben scheidenvcn Herr» v. Bennigsen, soll der Regierungspräsident von Merseburg, Graf Slolberg-Wernigerode, bestimmt fem.— —(Sin Lob unserer Partei ans national- liberalem Munde. In einer eben erschienenen Schrift über „die Reichstagsivahlen in der Provinz Hannover 1667—1396", die «inen der Redakteure des„Hannov. Courier", Herrn I. Flathmann, zum Verfasser hat, heißt es: „Ein gewichtiges Wort»verden die Sozialdemo- kraten, die so vorzüglich organifirt und seit der letzten Wahl überall so eifrig thätig gewesen sind, w i e keine der anderen Parteien, bei der nächsten Wahl in manchen Wahlkreisen mitreden. Der 8. Wahl- kreiS, den sie seit 188� in Händen haben, wird ihnen bei der Zersplitterung der übrigen Parteien schwerlich zu entreiße» sein. hoffen sie doch sogar nicht ohne Grund, in der nächste» Wahl schon im erste» Wahlgang« ihren Kandidaten d u r ch z u b r i n g e n." Im allgemeine» scheinen nach dieser Schrift die Nationalliberalen auf schwer« Niederlage» in der Provinz Hannover gefaßt zu sein. Das Wahlergeduiß»vird dies« Envartnngen nicht täuschen.— — Im Retchstags-Wahlkreise W e st v r t e g n i tz erhielten»ach der amtliche» Feststellung LandtagS-Abgeordneter Max Schulz- Berlin(freis. Volksp) 7159, RitterschastSdirellor v. Saldent-Perleberg(deulsch-lonservaliv) 0994 Stimmen.— — Die s r e l st n n» g e P a r t e i hat in der Ausübung ihrer politische» Grundsätze nie«ine besonder« Stärke gezeigt. Besonders zeigt sich dies,»venu die frelsinnigen Mannen in der Gemeinde- Vertretung,»vo sie das Hest in Händen habe». Farbe bekeiwe» inüssen. Dann werden die Grundsätze, die iin Parlament verfochten wurden, hübsch beiseite gestellt und der engherzige Slandpunlt des Spießbürgers kommt znin Ausdruck. So halle die freisinnig« Gemeindeverwaltung in EberS- w a l d e vor kurzem die Gehallssrage der Schnllehrcr»ach dem neuen preußischen Volksschnllehrer-Gesey zu regeln. Die Regierung in Potsdam halte unter der Androhung, eventuell die Zwangs- Etalistrnng vorzirnehmen, folgende Sätze empfohlen: 1. Grundgehalt 1200 M., 2. Allerszulnge» 160 M., 3. Mielhs- entschädignng 300 M. Der Magistrat hat diese Sätze für zn hoch erachtet und dagegen vorgeschlagen: 1. Grundgehalt 1050 M., Altersznlagen 150 M.. 3. Mietheentjchädigung 300 M. Schließlich nahm auch die Gemeindeverlretnng einstimmig die Magistrats- vorläge an und erklärte, es ans einen Konflikt inil der lliegierung ankommen zu lassen. DaS humorvolle an der Sache ist, daß die preußische Regienmg in Potsdam liberaler ist, als die sreisiimige» Gemeindevertreter in Eberswalde.— — DerZentralrath der Gewerkvereine hat eine Anzahl von fem«»» Anwalt, dem Dr. Max Hirsch, ausgearbeitete sozialpolitische Vorschläge einstimmig angenomnie», die folgenden Wortlaut haben: 1. Ersuchen an den Reichskanzler, betr. die Heranziehung von Vertretern der Zlrbeiterbernfsvereine als sachverständigem Leiralh bei der Ausarbeilimg eines»enen anlonomeu Zolltarifs sowie bei der Volbereilnng neuer Handelsverträge. 2. Anstrage beim Reichskanzler, betr. die arbeiterfreimdliche» Maßnahmen in den Reichs- n»d Siaatsbetriebrn, mit besonderer Rücksicht auf die gehäuften Eisenbahnnnsälle. 3. Die Petition an de» Reichstag, betreffend die Durchführimg und Verbesserung des gesetzlichen Arbeiterschutzes, vom 26. Ro- vember 1896(s.„Gwrkv." Nr. 49), zum Beginn der neuen Session ihrem wesentlichen Inhalt nach nochmals— diesmal auch beim Bmldesralh— einzureichen, unter Hinznsügnng zweier neuer Ab- schnitte, betreffend a) die Erlichtnng eines Reichs-Arbeitsamtes; d) die Streichung event. wesentliche Abänderung des Z 153 der Gewerbe-Ordnung, behufs Sicherung der Koalitionsfreiheil für die Arbeiter. 4. Belheilignng des Verbandes an einer der in Gründung be- griffenen Zentralstellen für internationale Arbeile»statistik und Arbeilerschutz-Gesetzgebung. 5. Nachdrückliche Kundgebung für die freie berufsoereinliche Arbeilslosenverstcheruna im Gegensatz zu allen Zwangsprojelle«, in alle» Städten und Orlen, wo es deutsche Grwerkvereine(Orts- verbände und Ortsvereine) giebt, durch möglichst gleichzeitige öffent- liche Versainmlnngen zu veranslalle». Im Gesammt»verde» die Vorschläge in der freisinnigen Partei, der politischen Vertretung der Geiverkvereine, kann» eine bege>sterte Aufnahme finden, vielmehr ist zn erwarte», daß einige Forderungen ans scharfe Gegnerschaft stoßen»verde». Die Partei, die an» konsequentesten das Spiel der freien Kräfte vertritt, tan», nicht für den gesetzlichen Arbeiterschntz plädire»; deshalb begehen die Geiverk- vereine, wen» es ihnen ernst ist mit ihren Plänen, eine» ga»»z disziplinwidrigen Scilensprniig.— — Der L a n d r a t h v. P u t t k a n» e r in Ohla», gegen den die Beleidigungsklage eines Genieindevorslehers schivebt. den er als einen„duinmen Schulzen" bezeichnet halte, wird der„Brest. Ztg." zufolge denrnächst eine a n d e r»v e i t i g e Berivendnng»in Staatsdienst findeir. Soll Herr v. Pnttkamer vielleicht ob seiner Verdienste und seines guten Umgaugstons avanzirei»?— — D i e A m t s e» l s e tz u» g zweier Mitglieder deS Gnesener Schnlvorstandes,»veil sie anläßlich der Zenteiiarfeier gegen eine Illumination des ihrer Verwaltimg untersteitten Schnlgebäudes ge- stimmt hatte», ist von» Knltnsminifter„nach eingehender Prüfung der Sache und der Rechtslage als völlig berechtigt" bestätigt »vorde». Wie früher milgelheilt wurde, haben die Eeniaßregellen seinerzeit ihre Abstimmung damit motivirt, daß das Schnlgebäude garnicht an der Straße liege, außerdem von einer hohen Mauer umgeben»»d also eine Illumination ganz zivecklos sei! Tic Unduldsamkeit in deutschen Landen»vird immer schlnrnner! — Wiederum eine höfische Empfehlung von Schriften. Nach einer Verfügung deS Justizministers hat der Oberhofineister der Kaiserin v. Mirb.uh ihn um Empfehlung und Verbreitung der Festschrift„Unser Heldeukaiser" von Professor Oncken, deren Reingeivinn dein Banfonds der Kaiser Wilhelui- Gedächtnißkirche zugeführt»verde, ersucht. Demnach erklärt der Jnstizinininer in einen» Schreiben an die Preußischen Justizbehörden die thnnlichste Verbreitung des Werkes mit Rücksicht auf seinen Werth und guten Zweck für erwünscht. Wenn das so»veiler geht,»vird dem viel geivandlen und über- eifrigen Herrn v. Mirbach nichts anderes übrig bleiben, als eine Zeitschrift für allerhöchste Lileralnrempfehlnng zu gründe».— — Zur endlose» Gaebel-Hülle-Sache benierlt nun der Geivährsinan» der„Franks. Ztg.": „Diese Berichtigung klammert sich ebenfo»vie die des Präsidenten Gaebel an ganz»ebensächliche Punkt« meiner Darstellung.... Ob Herr Gaebel privatim oder öffentlich, bei den Verhandlungen oder in vertraulicher Sitzung Anlaß zu der tbatsächlich in Breinen viel besprochenen Angelegenheit gegeben hat, ist doch für Fernerstehende ivahrhaftig herzlich gleichgillig. Der Präsident des Reichs-Ber- sichernngsnmtes ist trotz des bösen Anscheins dennoch ei» sozial denkender Mann, der den Hntle'sche» Schrifienvertrieb nicht billigt; n»d Herr Hülle erfreut sich mächtiger, einflußreicher Proleklion. Darauf kommt's a». und dabei bleibt's— trotz aller Silbe»- stecherei."— SlnS Westfalen. Vorige Woche Donnerstag fand in Münster eine Bersanlinlimg deS Provinzial-WahlkomiteeS der»vestsälische», ZeutrumSpartei statt. Der bisherige Vorsitzende. Graf v. LandSberg- Vehlen, legte sein Amt nieder, an seine Stelle tiat Herr Gras von Galen. Zur Schaffung von endgiltigeu Verhältnisse» ivurde sodann ei» provisorischer Provinzialansschuß gewählt, bestehend aus— man beachte die soziale Stellung der Herreu— drei Grafen, einem Freiherrn, elf Geistlichen, süns Juristen. Iveiter aus einer Anzahl Fabrikanten, Kausleulen, Verleger» u. s. ,v. Arbeiter sind nicht im Komilee. Und so etivas nennt sich Volispartei und»vill das ardeiter- reiche Westfalen repräsentiren!— Lyck,>0. November.(„B. N. N.") Ein Polizei-Aufgebot unter Führung eines Polizei-Inspektors verivies aus der Privativohnnng des Redakteurs Bahrte von der„Gazeta Lndoiva" die beim Früh- s ch o p p e n versammelte» Anhänger der M a s n r e»> p a r t e i. Ueber hundert Masureu ans den ostpreußische» Reichstags-Wahl- kreisen»varen erschienen. Nun ist Preußen»vieder einmal durch«ine heroische That davor bewahrt»vorde»— masurisch zu»verde».— — Die Sonderbestenerung der Konsumvereine i» S a ch s e n ist bereits in zahlreiche» Orte» eingeführt»vorden und andere sind auf dem Wege zu dieser rücksichtslosen Schädigung der unbemittelten Bevölkenmg. Allerdings giebt eS auch einige Städte, ,vo die Venvaltmigskörperschaften sich nicht auf diese Bahn begeben»vollen. So wird jetzt aus Glauchau gemeldet, daß die beabsichtigte Besteuerung des Umsatzes des dortigen Konsumvereins mit 1 bis l'/e pCt. von den Stadlverordneten»uil großer Mehrheit abgelehnt sei.— — Sächsische Gesetzesvorlagen. Ans Dresden wird uns geschrieben: Folgende Gesetzesvorlage» sind dem Landtag« vo» der Regierung unterbreitet»vorde»: Gesetz, den Ersatz von Wildschaden und die Rechtsfähigkeit der Jagdgtnosseiischast betreffend. Gesetz, d» e Abänderung des G e- s e tz e S über das Vereins« und V« r s a»» in l n» g s- recht v o m 22. November 18b0 betreffend; danach soll der s 24 dieses Gesetzes folgend« Fassung bekommen: Die Verbindung von Vereinen nnter einander»st zulässig. Politische Vereins dürfen mit anberdentschen Vereinen»ur mit Genehmigung deS Ministeriums des Innern in Verbindung trete». Gesetz, die Gehaltsverhältnisse der Lehrer a» den Volks« schulen betreffend. Das Gesanimteinkomnie» eines Lehrers soll danach nicht»veniger als l200 M. betragen. Gesetz, das Kirchen« g e s« tz»v e g e i» A n S ü b u» g d e S K t r ch e n p a t r o n a l s be- treffend; Entwurf eines Gesetzes behufs A bälldernng der§§ 19. 20, 35 des Gesetzes überdieLandes-Brandveriichet u»> g s- A» st a l t betreffend. Zur W e itersührung d e r R e s o r»» der direkten Steuern liegen seiner süns einzelne Gesetz- entivürse'vor,»nd zivar 1. ein Gesetz über die direkte» Steil''»; 2. ein Gesetz, die Abänderung des Einkommenstener-Gesetzes vom 2. Juli 1378 betreffend; 3. ei» Verinögensstener-Gesetz; 4. ein Gesetz über die Erbschafls- und Schenlnngsnener und 5. ei» Gesetz, die Abänderung des Gesetzes über den Urkundenstempel betreffend. Außer diesen liegen noch eine Anzahl nnbedeulender Gesetzes« vorläge» vor. Der Etat balanzirt»ach dem Hanptabschlnb in Einnahme »nd Ausgabe mit 235 485 415 M. gegen 204 567 153 M. bei der Finanzpeüode 1896,97. Von de» eiuzelne» Positionen seien einige wichtigere hervorgehoben. Die E i s e» b n h n e n sollen t 20 457 630 M. einnehmen,»vährend die Ausgabe mit 87 110 820 M. vorgesehen ist. Das bedeutet einen Ueberschuß vo» 33 346 810 M. Zölle und Verbrauchssteuern sollen eine» Ueberschuß von 3707197 M. adioersen. d. h. 34791 M. mehr als in der vorige» Periode. Zur Tilgung der Staatsschulden sind 3 094055 M.. oder 394 793 M. mehr als 1898/97 noihivendig. A I l g e n» e i n e Ausgaben für Gewerbe und L a» d>v i r l h s ch a f t sind mit 37l 230 M. Zuschuß eingestellt. Di« G«>» d a r m erie-A»statt»vird 952859 M. kosten. Für das L a>» d a r m e»»v e s e» sind 713 000 M. vorgesehen. Die Zuschüsse für die Volksschulen betragen 5 335 462 M., 427 772 M. mehr als 1896/97.— Für evangelische Muhe» sollen 2 373 613 M. gegeben»verde». Die Vertretung Sachsens im Bundesrat he kostet diesmal 41450 M., oder 12 200 M. mehr als sonst. Das finanzielle Verhältuib Sachsens»um Reiche balancirt mit der Euimu« von 30 451300 M. gegen 27 260 000 M. in der vorigen Finanzperiode.— Dresden, 11. November. Der sächsische Landlag»vnrde heule vo» dem König init einer Thron red« eröffnet, in»velcher nnter Anerkennung der opserreiche» PrivalivohUhäligkeit zur Linderung der dnrch das Hochwasser angerichteten Schäden und Verluste ein Nachtragselat zu»veilerer staatlicher Beihilf« angekündigt»vird. Die LandeSfinanzen besindc» sich zwar in günstiger Enl- »vickelnng, nm aber erhöhten Anforderungen genügen zu können,»vird die Weilersiihrmig der Reform der direkten Steuer» beabsichtigt und eine Besteuerung des VermSgenSbesttzeS»nd die einmalige Besleuenmg des lukrativen BermögenSerwertiS durch Erbschaflei». Vermächtnisse und Schenkungen ins Auge gefaßt. Die Grimdstener soll aus dem Slaalssleuersyslen» ausgeschieden und ans- schließlich für Rechnung der Schnlgcineinden erhoben»verden. Die Thronred« beklagt die sortdaueriideu Siörunge» der Finanzivirthschasc infolge der»och immer nicht durchgeführte» ReichSsinanzresorn». Der »cne Etat sieht außerordentliche Geldmittel für Verbesserung der Eisen« bahi'.-lllnlagen und Vermehrung der Belriebsinitlel vor, auch ist eine veränderte Organisation und eine Vermehrung des Betriedspersonals bei der Staatsbahnverwaltnng beabsichtigt. Entlich sollen der Siaaiszuschnß zu de» Zulagen an Geistliche erhöht und die Be- sotdnngsverhältnlffe der Lehrer an höheren und an Volksschulen ver- bessert»verde», Die Gesetzesvorschläge. die dem Landtag zugegangen sind und die Anknndignngen der Thronrede zeigen, daß die Regierung es für»öthig hält, einige» vollsthümlichen Forderungen etwas entgegen- zukommen. Zwar muß erst abgeivarte»»verde», wie die Gesetzesvorlage» des näheren ausschauen, aber imnierhin»st es»echt inter« essant zu sehen, daß die sächsische Siegiernng, nachdem sie die Sozialdemokratie als«ine parlmneiilarisch unbrauchbare Partei hin» zustelleil versucht hat und sie durch Zerstörung des alte» Wahlrechts ans dem Landtag treibe» möchte, jetzt Anträge einbringt, die zum theil ein Eingehen ans Forderunge» bedeute»,»velchc seit langen» von der Sozialdemokratie vertrete»»vorden sind, aber nie den Beifall der Alajorilätsparteien und der Regierung fanden. Offenbar hat die sächsische Regierung die sehr richtige Empfindung, daß sie ans irgend»velche Art versuche»»nüsse, die tiefe Berstimninna u»d Verbitterung im sächsischen Volk«»vegen der Vernichtung des Wahl- rechts zu mildern. Daß dies nicht dnrch einige kleine Brösa»»«» geschehen kau», die»na» dem Vnlke reicht, nachdem man ihin daS Mittel genommen, fei» volles Recht zu gewinne», ist klar. Eo bequem läßt sich das Volk heut doch nicht»»ehr einseifen.— — Von den Welse». In Königslutter haben die Welsen den Bürgermeister Klock« aus Schöppenstedt in einer Wählerpersau»»- limg als Landlagskandidaten ausgestellt. Dieser Mann ist einer der »vülhendslen Reaktionäre, erst vor einige» Tagen hat er das allgemeine, gleiche, direkte, geheime Wahlrecht zun» Reichstag öffentlich ver- ivüiischt. Diese Kandidatur beweist wehr für die»vahre Gesinnung der Welsen, alS ihre oft demokratische» und volkSfrenndlich klingenden Phrase».— Schwerin i. M.» ll. November. Der gemeinsame Landtag vo» Atecklenbnrg-Schiverin und iviecklenburg-Slretitz ist heute i» Slernberg eröffnet»vorde».— Ülinnchcu, 10. November.(Eig. Ber.) Bayerischer Land- t a g. Die Abgeordneten-Kammer genehmigte heute einstimmig, daß die Staatsregleruiig ermächtigt»verde, der baycrische» Z« n» r a l- Darlehn s lasse einen»»verzinsliche» Betriebs- Vorschuß von 100 000 M., dann je»ach Bedarf einen»vetteren mit 8 pEt. verzinslichen, jederzeit kündbare»» BetriebSvorschnß bis zun» Betrage von 1 900 000 M. zn gewähre». Unser Genosse Ehr- hart gab die Erklärung ab, daß dies die letzt« Bewilligung der Sozialdeniokraten für diese» Zweck sei. Weiter verlangt die Regierung die Ermächtigung, der bayrrischen Landivirthschaftsbank je nach Bedarf einen»vettere» mit 3 pEt. verzinslichen Belri«dsvorsch»ib bis zum Belrage von 2 Millionen Marl zn geivähreu. Der Finanzansschuß schlägt vor. diese Summe auf 3 Millionen Marl zu erhöhe». Abgeordneter Wieland(Bbd.) beantragt dagegen: Die Kammer»volle beschließe»: ES sei die königliche Staats« regienmg zn ersuchen, einen Gesetzentwurf, betreffs der bayerische» Landivirthschaftsbank, in Vorlage zu bringen, welcher bezivcckt: 1. Aushebung des Rechtes der Pfandbriesansgade aller Aktien« Hypothekenbanken in Bayer» für de» ländlichen Hypotheken» krebit»»it Aiisnahine des städtische» Hypoldckeiikrodils. 2. Alleiniges Recht der Psandbriefansgabe für die bayerische Landivirthschaslsbauk in bezug aus de» ländliche» Hypotheken- kredit. 3. Ueberuahme der>/» Prozent betragenden ttoiie» der Verwaltung der bayerischen Landwirthschastsbank auf de» Staat. 4. Taxfreie Eintragung in die bayeriscven Hypothekenbücher für diese Bank, sofern Darlehen zum Zivecke ganzer oder theiliveiser Heiinzahlung anderer Hypo- thekenschnlden in belrachl ko»»ue>i. Finanzminister v. Riedel ist entschieden gegen die Annahme dieses letzteren Antrages. Morgen»vird unser Genosse E h r b a r t als erster Redner die ablehnende Slellinig der sozialdemokratischen Enippe gegen alle diese Anträge begründen, die oarauf abzielen, in das halbverkrachte Unternehmen noch weitere Mittel zu stecke». Da- gegen sind unsere Freunde im bayerischen Landtage wie vor zwei Jahren auch heute noch bereit, für Errichtung einer st aal- lichcn Hypothekenbank einzutreten.— Karlsruh«, 1l. Noveniber. Landtagswahlen. Von de» L9 stattgehable» Wahlen sind jetzt 27 Resultate bekannt. Es sind gewählt: 8 Ralionalliberale, 11 Zentrumsmitglicder, 3 Sozial- d e m o k r a l e n, 2 Demokralen, 1 Freisinniger, 1 Konservativer, 1 Antisemit. Die übrigen zwei Wahlen finden heut« statt.— Oesterreich. Wie», 10. November. Der BudgetanSschuß setzte die D>baue Über das A» S g l e i ch S p r o v t s o r i n in fort. Nachdem Steinwcnder Und Piniaski gesprochen, welch letzterer erklärte, daß die Pole» für das Provisorium slimmen und dessen parlamentarische Erledigung eifrigst lördern würden, ergab sich, da Nahezu s ä m in t l i ch e'Abgeordneten der Linken den Saal verlassen hallen, die B e s ch I u k> u n s ä h i g k e i t des Aus- s ch n s s e ß; die Sitzung wurde deebalb geschlossen.— Wien, 11. Nonember. Abgeordnetenhaus. Der deutsch- volllich� Abgeordnete Hofmann von Wellenhof kommt ans die gestrige Weigerung des Vizepiäsiventen zurück, am SitznngSschlusse formelle Slnlräge der Linken zur namentlichen Abstimiunng zu bringen, und beaiurngl eine dahingehende Ergänzung des Sitzungsprotokolls und hierüber namentliche Abstimmungen'. Vizepräsident v. Abra- bnmowitsch erklärt, es sei die Pflicht des Präsidenten, das Parlament leistungsfähig zu erhalle», während die Obstruklion danach trachle, die Thüligkeit des Parlaments zu hemmen. Der Vizepräsident erinnert an den Inhalt der gestern gestellten Anträge und sagt, man niiige von ihm nicht verlangen, das, er die Geschäfi's- ordnung als nur dazu geschaffen ansehe, die Thätigkeit des Parla- menls zu bindern.(Lebhafter Beifall rechts, Widerspruch links.) Die Anträge Hofmaun werden in namenillchen Abstimmungen ab- gelehnt.— Frankreich. PariS, 9. Novbr.(Eig. Bericht.) Die Budgetdebatte hat gestern»> der Kammer unter ganz eigenartigen Bedingungen begonnen. Es fand, abgesehen von einer kurzen und nichtssagenden Siede eines radikalen Abgeordneten, keine G e u e r a l d i s k u s s i o u statt. Und doch ballen sich etwa zehn Redner zum Worte gemeldet, darunter Jules Guesde. Die Regierung hat es eben eilig. Nachdem sie sich im Vorjahre durch das um drei Monate verspätete Votum des Budgets blamirt halte, möchte sie in diesem Jahre das Votum bis zum ordnungsmäßigen Termin, den 31. Dezember, zu stände bringen. Die Debatte wurde daher auf die Tagesordnung gesetzt, noch vor der Vertheilnug der wichtigsten Berichte der Bndgetkomunssio». Außerdem überraschte die Regierung die zur Generaldisknssiou an- gemeldeten Redner durch die plötzliche Zurückziehung einer Gesetzes- vorläge, welche vor dem Budget verhandelt werden sollte. Die Kamniermehrheit sagte natürlich dazu Ja und Amen— und so ,var die Generaldisknssiou hintertrieben. Die Gesammtzahlen des Voranschlages für 1833 habe ich bereits mitgetheilt. Es sei noch hinzugesügt, daß das neue Budget auch in bezug auf die Vertheilung der Ausgaben sich von de» früheren nicht merklich unterscheidet. Von den rund 3403 Mill. Franks Ausgaben verschlingen die Zinsen der Staatsschuld 1017 Millionen und die Beamtenpenstonen 2351l» Millionen, zusammen über'/s der GesammtanSgaben. Ferner entfallen auf Krieg und Marine SUVa Millionen, auf die Monopol-, Regie- und Steuerverwaltnng 434V, Millionen. Bleibt für alles klebrige 810Ve Millionen, noch nicht einmal»/« der Gesammtausgaben, davon für den Unterricht ISS Millionen, um 71/i Millionen mehr als im ersten Budget der gegen- wSrtigen Legislatur, demjenigen von 1334. Im gleichen Zeitraum sind die Ausgaben für den Elementar-Unterrichl in runden Zahlen»in IS1/» Millionen gestiegen, von 104 auf 120>/, Millionen— der ein- »ige allerdings sehr bescheidene Lichtpunkt im dunklen Bild der Milliardeiiverschweiiduiig für unproduktive und volksfeindliche Zwecke. Aus der Berathuug über daS Budget des Ministeriums deS Inner», mit welcher die Spezialdebatte begann, feien die wichtigeren sozialistischen Anträge erwähnt. Jules G u e s d e und Genossen beantragten die Abschaffung der Unter- präfekturen, eines durch die Entwicklung der Berkehrsmillel bereits feit langem vollkommen überflüssig gewordenen administrative» Rades. Die Unterpräfeklen dienen nur noch als Wahlagenten der Regierung und dann selbstverständlich zur Bermehrnug der Fulterplätze für die Sprößlinge der Bourgeoisie. Die Abschaffung der 272 Aeinler würde eine jährliche Ersparniß von 2 Millionen sür die Staatekasse und eine Bereicherung der Departements um 30 Millionen bedeuten — der Werth der 272 Amtsgebäude, die Eigenthum der Departements sind. Die Kammer hatte 1886 bereits die Abschaffang volirt. Die dadurch hervorgerufene Ministerkrise führte aber, zur Wicderherstelltiiig der Uulerpräfektnren. Barthou. Minister des Jiiiierii, erklärte sich natürlich gegen Guesde's Antrag, ohne aber einen einzigen Grund anzuführen. Der Antrag wurde abgelehnt mit 374 gegen 93 Stimmen.— Der sozialistische Abg. D« j e a n t e erlangte gegen den Willen der Minister und der Bndgelkomuiisston eine Er- Höhung der Subvention für ein Blindenasyl um 10 000 Franken.— Der Antrag Gabriel Deville'S auf Beibebaltmig des Betrages der vorjährigen Subvention für das Pariser Taubstummen- Institut, welche um 3000 Franken vermindert worden war, wurde ab- gelehnt.— In der gleichen Sitzung wurde der Gesetzentwurf betreffend Schaffung eines neuen Armeekorps(Zweitheilung deS Korps au der Ostgreuze) ohne Debatte und durch Handausheben angenommen.— PariS, 10. November.(Eig. Ber.) Budgetdebatte. Zum Budget des M i n i st e r i u m s d e S I n n e r n, das in einer zweiten Sitzung zu Ende beratheu wurde, stellten die sozialistischen Abg. B a i I l a ii t und Geiioffeu zwei Anträge. Erstens verlangten sie die Abschaffung der polizeilichen Spezialkommissäre. welche im Dezember 1893 während des Anarchisteiischreckens zur„Ueberwachuiig der Anarchisle»" eingeführt wurden, seitdem sich aber zu lästigen theilweise provokatorischen politischen Agenten entwickelt haben. So berichtete Genosse Vaillant über die Umtriebe eines Spezial- kommissars in Tnlle, dereine regelrechte Bombeiiverschwöruiig ins Werk zu setzen versucht hatte, nud zwar mit Hilfe eines Mitglieds der dortigen sozialistischen Organisalion. Der Versuch mißlang iialnrlich, weil der Sozialist den polizeilichen Bomben- macher enllarvt hatte. Die provokatorische Thätigkeit der Spezial- kominissäre in Carmanx ist noch in frischer Erinnerung.— Der „sozialistisch-radikale" Abg. Decher-David bereut«, seiner Zeit für die Einführung der Spezialkommiffäre gestimmt zu haben! Er werde persönlich a»f den Slgitationsreise» in seinem Wahlkreis von den ihm auf Schrib und Tritt folgenden Spezialkommissären belästigt.— Nach der üblich.» Erklärung deS Ministers Barthou, er könne ohne die Spezialkominissärc nicht sür die Sicherheit des Staates bürgen, wurde der Antrag, dessen Annahme eine Ersparniß von 800 000 Fr. bedeuten würde, mit 314 gegen 156 Stimmen abgelehnt. Der zweite, alljährlich wiederkehrende Antrag betraf die Ab- schaffimg der Geheimfonds(1 200000 Fr.), das heißt der politische» Geheimpolizei. Neben diesem osfiziellen Zweck dient das Geld in nolorischcr Weise zur Unlersiützniig der Replilpresse und ministerieller Kandidalcn. In der Debatte wurde noch erinnert an das Geständniß des ehemaligen Pariser Polizeipräfeklen Audrieux, aus den Geheimfonds ein anarchistisches Blatt unteistützt zu haben. Barthon trat sür die Geheimfonds desto energischer ein, als die bevorstehenden Kammerwahlen erhöhte Anforderiingoii an die Schandkasse stellen. Die Eeheimfonds wurden von der„republi- kanischen" Kaminer mit 326 gegen 154 Stimmen beibehalten. Zum gleichen Kapitel beantragte der Abg. Chiche(Soz.-Siad.) eine Re- jolntion mit der Aufforderung an die Regierung, eine Grsetzesvorlage einzubringen, betreffend Bestrafung des Ministers, der die Geheim- fonds zu Preß- oder Wahlzivecke» verivenden würde, mit Verlust der bürgerlichen Rechte. Die etwas naive Resolution(für die Ber- wcndung der Geheimfonds besteht ja nur die Scheinkontrolle des Präsidenten der Republik) wurde abgelehnt mit 282 gegen 176 Stimmen. Genosse Görault-Richard verlangte die Erhöhung der Subvention für Wobllhätigkeiis- Anstalten(200 000 Fr.) um 3000 Fr. zwecks Unterstützung des von neuem gegründeten Vereins zum Schutze der Lehrlinge und jugendlichen Lohnarbeiter überhaupt gegen Mißhandlungen durch die Arbeitgeber auf offener Straße. Der Minister erwehrte sich dos Antrages durch das wohlfeile„Ver- sprechen", nach eingeholten Jnformalionen eventuell den Verein mit zu unterstützen. Der gestern gewählte 22 glledrige KannneraitSschttß zur Berathuug des Antrages G o b l et aus Wicdereinslihrttitg der Listenwahl zählt nur zwei Anhänger deS Antrages. Die Sozialisten erklärte» sich ebenfalls gegen die Listenwahl, hattplfächltch deshalb, weil dieser WahltnoduS mit den großen Wahlkreisen dl« retchen Kandidaien begüitstigen würde. Die RegientngSparleien dagegen befürchteten von der Listenivahl eine Abschivächnng deS ministeriellen Druckes auf die Wählermasse. Die Minderheit der Radikalen bt- trachten mil Goblct die Listenivahl alS ein unfehlbares Mittel zur Erzielung prinzipieller von den lokale« Klrchthiirni- Jnicressen losgelöster Wahlen. Mit unrecht, denn die Kandidatenliste für das Teparlemenl würde, ähnlich wie bei der bestehenden senatorischen Listenwahl, aus den Vertretern der einzelnen Bezirke sich zusantmen- setzen.— PariS, 10. November. Ein Erfolg der Fratienrechllerinneii. DaS„Journal" theilt mit, daß Frl. Chauvin, Dr. zur., die sich um die Ausübung der Advokatur beworben, deute bei der erste» Appellalionsgerichitkämmer zur Ableistung des Advokateneides zugelassen wird.— PariS, 11. Nov. Die hiesigen Blätter besprechen die Rede Lord Salisbnry's in ziemlich iinsrenudlichem Tone und protestiren dagegen, daß Lord Salisbnry jetzt, wo die frnnco- englischen Nigerverhand- lnngen stalkfinden, von dem nnbestreitbaren Rechte Englands auf den Niger sprach.— England. London, 11. November. Gestern hat in Liverpool eine Ersatzwahl staltgefiiuden. Der Uiiionist Max Ha>dy wurde mit 2711 Stimineu gewählt. Der Radikale Enrea erhielt 2657 Slimmen.— Titnemark. Kopenhagen, 11. November. Im L a n d s t h i n g wurde heute die Berathnng der Z o l l r e f o r m fortgesetzt. Der Finanzmiiiifter Hörring erklärte, die Li e g i e r u n g fei nicht gewillt, eine» Zollschutz snr landwirthschastliche Produkte vor- zuschlagen.— Spanien. Madrid, 10. November. Der Ministerrath genehmigte den Bau zweier neuer Kriegsschiffe und gab seine Z- slimmimg zu einem Dekret, durch welches den Goitvevueitien ans Jinda und ans den Philippinen Vollmacht erlheiltwird, A in n e st i e n zu bewilligen.— — Die Fiiianzn o th soll so groß sein, die Möglichkeit eine große Anleihe auszunehmen, wird so allgemein sür ausgeschlossen ge- hallen, daß zu einer Weilerführnng der Kolonialkriege die Millel völlig fehlen sollen.— — W i e ans Gibara(Kuba) gemeldet wird, ging General W e y l e r während der AnSbessermig der Havarien deS Packelbootes „Monlserral" an Land; dabei wurden ihm militärische Ehren er- miesen. Er besuchte das Kasino, wo mehrere Reden gehallcn wurden. General Blanco hat die Behörden von Gibara abgesetzt.— Nnfjland. Petersburg, 3. November.(Eig. Ber.) Zu gunsten der Verhafteten in W e st- R u ß l a n d erlabt der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund Rußlands»iid Polen? einen Aufruf, dem wir folgende Angaben«»Iiiehmen:„Noch vor vier Jahren," heißt es in bei» Aufruf,„war ein Streik eine seltene Erscheinung. Jetzt vergehl keine Woche, ohne daß in verschiedene!! Gegenden West- Raßlands mehrereSlreiks statlfindeii. DiePolizei weiß, welche Gefahr die Arbeiter« bewegung für den rujsischeu Zarismus mit sich bringt. Die sried- lichen Streikenden werden zu Dutzenden in Gefängnisse gesteckt. In W i l n a befinden sich im Gefängniß 120 Arbeiter, in K o w n o 15. in Gorodok(Gonvernenieiit Groduo) 30, in P i n s k 28, in Minsk 10, in B e l o st o k 30, in L i d a(Gouvernement Wilna) 7 je. Jnsgesammt sind wegen Streiks und sonstiger Betheitignug 011 der Arbeiterbewegung gegen 300 Personen verhaftet. Viele Arbeiter befinden sich schon mehrere Monate im Gesängniß. Die materielle Lage der Vcrhastelcii und ihrer Familieii ist die schrecklichste. Die Ernährmig in dem Gesäugniß ist eine miserable, die Familien der Verhnsteten hungern". Wie wir erfahren, bleibt der Muth der vorgeschrittenen Arbeiter- chast West-Rußlands trotz aller Versolgungeii ungebrochen,— den gröblen Schade» von den Berfolgnngen hat die russische Regierung selbst. Schon die bisherigen Verletzungen haben mehr zur poliiischen Aufklärung der arbeitende!! Masse beigetragen, als es die im Laufe von 5—6 Jahren geführte Agitation unserer wsstrussischen Genossen vermocht hatte. Ans Sibirien erhalten ivir Mittheilnng über eine po li tisch e V e r b a n ii t e ii g r ii p p e, die im Lause der Monate November und Dezember in Jrkntsk ihre Beförderung nach entlegeneren Gegen- den des östlichen Sibiriens abzuwarten hat. Wie sehr der Prozent- sah der zur Arbeiterklasse gehörenden Personen unter den wegen politischer Betheiligung Verfolgten in der letzten Zeit zu- genommen hat, ist daraus zu entnehmen, daß von den 22 Personen, ans welchen die Verbannleiigruppe besteht, II der Arbeiterklasse angehören, und zwar sind darunter 4 Schlosser(drei von ihnen sind aus je drei Jahre, einer ans vier Jabre verbannt), ein Tischler, ein Maler und«in Weber(ans je drei Jahre), ein Zimmerer(auf vier Jahre), ein Maurer, ein ungelernter'Arbeiter und ein tillhauischer Bauer(auf je fünf Jahre) verbannt.— St. Petersburg, 8. November. Das Budget für Volks- a u f k l ä r u ii g.„Unser Reichsbudget von über einer Milliarde hat für den Wissensdurst der Bevölkerung nichts übrig, sagt die„Now. Wrem", wir müssen uns darein fügen, daß für die Ausstellimg in Nischni-Nowgorod imd für die Zwecke der Goldvaluta grobe Opfer gebracht werden, wahrend sür die Volksbildung nur 40 Millioneu Rubel, also 4 pCt. des ganzen Reichsbndgets verwendet werden. Zieht mau nun in belracht, daß die Familien des Millelstaiides mit einem Einkommen von 1500—5000 Rubel 300—700 Rubel das Jahr für die Erziehung ihrer Kinder ausgeben, so ergiebt dies 10 bis 20 pCt., während die Regierung nur 4 pCt. der Staats- einnahmen für diesen wichtigsten Zweig des Volkslebens verwendet. Steigen wir zu unserer unterstell Volksklasse herab, so würden 4 pCt. ihres Einkommens nicht einmal hinreichen, um ihren Kindern die allerbeschkideusten Elemeiilarkeniitniffe beizubringen. Es ist also klar, daß die Volksanfklärung fast umsonst sein mübte, um einen erheblichen Forlschritt zu ermöglichen. Wollte die Rentei nur jähr- lich 5 Millionen Rubel mehr für Schulzwecke bewilligen, so würde das allniälig wachsende Budget den Bildungsansprücheu der Be- völkerung gerecht werden können." — Berhaftiingen von Studenten der Tech- Nischen Hochschule zu Moskau. Aus Petersburg wiid der„Int. Korr." geschrieben: Es kann kaum noch in Abrede gestellt weiden, daß innerhalb der maßgebenden Verwaltuugskreise «ine starke Strömung voibandeii ist, welche die von den Minislerii des Innern und der Finanzen eingeleitete arbeitersreund- liche Gesetzgebung mißbilligt und eine Umkehr auf diesem Wege zu erzwingen sucht. Hierzu gehört offenbar auch das Vorgehen gegen die Mitglieder einer volks wir thschaftlichen Lese- Vereinigung an der Technischen Hochschule zu Moskau. Nach den Versicheruiigeii der Studenten beschäftigte sich dieser Verein mit den allgemein bekaiinten sozialresoriiiaiorischen Schriften»nd Verhaiidlungsbcrichtcn über die Arbeiterschutz-Gesetzgebuiig nud waren seine Lese-Abend« ein volles Jahr lang unbeanstandet geblieben. Vor etwa acht Tagen aber ivurden plötzlich bei zehn Mitgliedern des Vereins durch Beamte der Geheimpolizei Haussuchungen ab« gehalten und sämmtliche Betroffene in Haft genommen. Als Haupt- anklage wird ihnen vorgeworsen, daß sie sich von verschiedenen Ar- beitern Berichte über die Arbeits- und Lohnverhältnisse in mehreren größeren Fabriken eingefordert und dadurch die SliislehnungSgelüst» der Älrbeiter unterstützt hätten. Warschau, 11. November. Die hiesigen Sludenten verbreiten eine Flugschrift, in welcher das Piofessoren-Kolleginin der hiesigen Universität aufgefordert wird, jene Mitglieder auszuschließen, welche anläßlich der Enthüllung des Miirawiew-Denkmals Glückwünsche abgestattet haben.— Ttirket. Konstantiiiopol, 11. November. In der gestrigen Sitzung der Bevollmächilgicn für die Friedensunlerhandlunge» wurde die Frage betreffend die freie AuSivanderung der Bewohner der wieder ab- getreteiien Gebieistheile praktisch geregelt. Heule findet abermals«ine Sitzniig statt. Die Botschafter sind bemüht, ihre guten Dienste zur Beilegung der noch verbleibenden Differenzen, welche demnächst er. wartet wird, zu verwenden. Zu Ehren de? scheidenden deutschen Botschafter? Freiherrn v. S a II r IN a- I e l t s ch fand vorgestern im Iildiz- Palaste ein Diner statt. Der neue Botschafter Freiherr v. Marschall wird zunächst nur acht Tage hier verweilen und da»»«st zu Weihnachten auf seinen hiesigen Posten zurückkehren.— Griechenland. Slthe», 11. November. Die Session der Deputirtenkammn ist beute feierlich eröffnet worden. Die Wahl des Präsidenten der Kamiiier wird demnächst stallfiiiden; die Wahl de? ddyannistischen Kandidaten scheint sicher, doch Ist, da die Wahl keinen politischen Charakler hat, eine Krisis sür jetzt nicht zu befürchten.— Asien. — Vom indischen Kriegsschauplatz,. AuS Simla wird vom Mittwoch lelegraphirt: Eine britische Aufkläriingstruppe, welche nach dem Saran-Sar-Berge im Maidaii-Thale vorging, erlitt beträchtliche Verluste.'Als die Soldaten den Kmiim des Berges erreicht hatten, ans dem sich ein Lager des Feindes befand, fanden sie, daß daffelbe geräumt war. Beim Rückmarsch der Truppen umringte sie der Feind von allen Seiten und feuerte, da das»»ebene zerkliislete Terrain ihm überall Deckung gewährte, ans allernächster Nähe. Llnf brilischer Seile wurden«rn Oifizier und zwöli Mann getödtet; ein Offizier und zwölf Mann werden vermißt! drei Oifiziere und 42 Mann wurden verwundet.— Amerika. Rio de Janeiro, II. November. Im hiesigen Gefängniß ist eine Revolte ausgebrochen. Truppen mußten einschreiten. Der Kongreß hat den Kriegsziistand erklärt. Die Behörde» sind über- zeugt, daß das Alientat auf den Präsidenten von einem Komplot ausgegaiigen ist.—_ Genosse Liebknecht wird seine vier Monate Gefängniß nicht in Plötzense«, sondern, wie ihm von der Stnalsaiiwnitschast mitgetheilt wurde, im Amlsgerichts- Gefängniß zu Charlotten- bürg zuzubringen haben. Er wird die Hast im Lause der nächsten Woche antreten. Tie oberschlesische Parteikonferenz soll, wie in der Breslau« „Volkswacht" mitgelheill wiro, mi einem noch jn bestimmenden Tage zwischen Weihnachleu und Neujahr in Neustadt a. O. ab- gehalten werden und n. a. über folgende Puiille verhandeln: 1. Di« nächsten Reichslagswahlen; 2. die Kandidaturen in den oberschlesische» Wahlkreisen; 3. die Bildung eineS besonderen oberschlesischen 'Agiialtonsbezirkes; 4. die Veibreilung der Parteipresse in Ober- schlesien; 5. die Sozialdeiiiokralie im oberschlesischen Jiidustriebezirk. Bei der Stadtverordnetenwahl in Bielefeld habe», wie uns eine Privaid.pesche meldet, unsere Parteigenossen in der dritten Klasse sechs Sitze erobert. Es waren 4 Ergänzungs- und 2 Ersatzwahlen vorzuiiehme». Gewählt sind die Parteigenosseil Kausuiauii Fr. Bunte, Maurer Carl Eilers, Redatteur Carl H o f f m a ii ii, Wirth Ludwig Krob, Kaufmann Bruno S ch u m a ii n, Schrislsetzer Albert S i g g e l k o w. Dieser bedeutende Sieg ist die Frucht fleißiger und energischer Agitation. Ein Bravo den Bielefeldern! In HildcSheim beschlossen die Parteigenossen Belheiligung an den G e»i e i n d e iv a h l e ii. Ans DreSdcu wird uns geschrieben: In die Agitation für die R e i ch S t a g s iv a h l e u sind nunmehr die hiesigen Parteigenossen öffentlich etngelreteii. Reichstags-Abgeordueler Fischer ans Berlin sprach in einer gut besuchten Versammlung über das Thema: Die politische Lage»nd die komuieudeii Rdchstagswahlen. Als Kandidat für den Wahlkreis Dresden-Altstadt wurde, wie bei der letzieu Wahl, wieder Genosse Dr. G r a d n a u e r aus Berlin proklamirt. Der Vorstand des sozialdemokratischen Vereins wurde beauftragt, sich als Wahlkomitee zu konstitniren. Von der Agitation. Parteigenossen auS Brandenburg und Ralhenoio veriimilen am letzten Sonntag im Wahlkreise Brandenburg- West Havelland 6000 Exemplare des Kalenders„Markischer Landbote". Ferner wurden mehrere Tausend Exemplare eines polnischen Flugblattes unter den polnischen Ziegelei- «nv Laiidarbeitern verbreitet. Gemevkschclftliches. Berlin und Iliiigcbnug. Gegen die Aufhebung der Bäckerei-Berordnung, die vom der Bäckerim ung„Germaiila" mit der bekannten Moiiviriing, daß dieselbe eine Begnnstigniig des Gioßbelriebes und der Ruin der Kleinmeister sei, daß darimler die Lehrlings-Ausbildung leide, das gnle Einvernehmen zwischen Meister»nd Gesellen gestört werden. s.w. in einer Pelilion an den Bimdesraih verlangt wird, prolestirle eine Versammlung der Bäckereiaibeiter, die gestern, Donnerstag, im „Schweizergarten" tagte. Es wurde eine eingehend begründete Pelilion an den Reichskanzler beschlossen und der Gesellen-Ansschnß beauftragt, gleichzeitig um eine Audienz bei dem Regieruiigs-Vertreler nachzusuchen. Die Stralaner GlaShiittenlvcrke haben nunmehr ihren Arbeitern»inen Lohnlarif vorgelegt, nach welchem die Lohureduklion nicht 10—15 pCt. belrngeii soll, sondern eine alle Glasmacher treffende S-4proz«!itige sein wird. Hierzu werden die Glasmacher in einer au» Gonnlng stattfindende» Versammlung erst Beschluß fassen. � «vom Manreruicister Fechncr, Jnsterburgerstr. Iv,«hallen wir folgend« Ziijchrist: Als Erwiderung aus die in Ihrer Nr. 261 vom 7. d. M., 8. Beilage, gebrachte Notiz iheile ich Ihnen mit, daß beim Beginn meines Baues Straß« 46», Parzelle 9, die Baubude und Abort sich in meinem gegenüberliegende», bereits serliggestellten Neubau besande», in jeder Hinsicht vorschristsmäßig hergestellt nud für jede» Beschäftigte» leicht erreichbar. Deutsches Reich. Wegen Bedrohung und Mißhandlung Arbeitswilliger ver- urtheilie das Leipziger Landgericht vier Maurer zu zwei Monaten, drei Monaten zwei Wochen, sechs Monate» und einem Monat Gefängniß. Drei von den Angeklagten befanden sich 2ll2 Monat in Untersuchungshaft. Im Schnhmachergewerbe scheinen die schwarzen Listen ganz besonders im Schwang« zu sein. So geht uns jetzt wieder von der Firma I. C. B n r k h a r d t u. S o h n in L e i p z i g. bei der seit «inigen Tagen 22 Zwicker im Ausstanb sind, folgendes Zirkular zu; Leipzig-Reudnitz, 3. Nov. 1837. ?.?. Wir bitten Sie um gefl. Keniitnißiiahme deS folgenden: Ber- gangenen Sonnabend, den 6. d. Mls., enlließen wir einen Zwicker iianieiis T..... weil derselbe forlgesetzt es nur zu einem durch- schnittlichen Höchstverdienste von 9 M. pro Woche bracht«, während/ andere bei der gleichen Arbeitsdauer und bei Zulheilung der näm» liche» Arbeit einen durchschnittlichen Wochenverdienst biS zu 23 M. erzielten. DnZ es der Mau» absolut nicht höher bringen >vollte, entschlossen wir uns. ihn au oben bezeichneten» Tage zu entlassen; denn für die Daner»väre uns derselbe siir den Platz zu thcuer geivorde», solcher konnte durch eine» flotteren Arbeiter besetzt»verde». Ein Recht zur sofortigen Entlassung bestand, da Ki'indiguugsfristeu niit unsere»» Zivickern nicht vereinbart sind.— Die Leute verlange» nun kategorisch die Wiedereinstellnng des Genannten, indessen sind»vir unter keinen Uinstände» geivillt, dieser»nnßlosen Forderung zu ent- spreche»». Dies darf im Interesse der Disziplii» nicht geschehen, denn siir die Folge»vären»vir dann»vohl den» ivillkürlichstcn Ver- langen unserer Arbeiter ausgesetzt.— Wir bitten Sie nun höftichst»>»» Ihre Unterstiitzniig insofern,»vährcnd der Dauer des Ausstandes, ii»»velchen unsere Zwicker infolge dessen ein- getreten, von denselben niemand zu beschäftige». Die Fabrikanten müssen in solche» Fällen solidarisch»Verden, und»ndcn» wir Ihnen für Ihr E»tgegenkon»nen schon in» voraus danken, sichern Ihne» gleichzeitig dasselbe i» ähnlichen Fällen zu. Hochachlungsvolt I. C. B u r k h a r d l n. So h n. Den» Schreibe»» ist eine Liste beigelegt,»velche die Namen von 20 Arbeitern enthält. Einen Erfolg dürften die Beinühunge» des Fabrikanten kai»n» haben, da gegenivärlig die Geschäflskonjnnktur eine überaus gute ist. Ob die Darstellung, die von der Entstehung des Ausstandes gegeben wird, zutreffend ist, können»vir augenblicklich nicht prüfen. I» Leipzig sind 21 Zwicker einer Schuhfabrik ausständig, weil einer ihrer Kollegen»vege»» seiner agitatorischen Thäligkeil von der betreffenden Firma geinaßregelt»vorbei» ist. J>» Mainz sind in der bedeutendsten dortigen Schuhfabrik, der von S. Wolf, Lohndifferenzen ausgebrochen. Seil kurzer Zeil ist ii» der Fabrik eine Einstechmaschine in Betrieb. Der Lohn für die daran beschäftigten Zivicker ist von derFirma auf 7ö Pf. proPaar festgesetzt»vorden. Weil jedoch die Z»>icker, wie augegeben wird, bei diesen» Lohnsatz nur auf höchstens 13— 14M. pro Woche kounnen könne», so verlangten diese Arbeiter eineErhöh»ing von 20Pf. pro Paar»»»d Lieferung der Fonrnituren. Herr Wolf erklärte sich zu einer Erhöhung des Lohnes um S Pf. pro Paar bereit, lehnte aber jede»vettere Forde- r»ing ab. Eine öffentliche Schuhmacherversainiiilung am Mittivoch erklärte die Forderungen der Wols'schcn Z»vicker für gerechtfertigt und versprach, falls kein« Einigung zu stände komme» sollte, materielle Hilfe zu leisten. Weiter»vnrde beschlossen, nochnials bei den» Fabri- kanten vorstellig zn»verde»» und iin Falle der Weigerung sofort die Kündigung aller Akkordarbeiter einzureichen. Die Zahl der i»i be- lracht koinilienden Arbeiter beträgt 60—70. Anstand. Ter Porzellauarbeiter-Streik in Aich bei Karlsbad dauert bereits drei Wochen, ohne Aussicht a»lf eine baldige Be- e»idig»ii»g. Die 235 Arbeiter und Arbeiterinnen, die ain 18. Oktober die Arbeit niederlegten, bekunden heute noch dieselbe E»>tschlosse»heit wie zn Beginn des Streiks. Trotzdem die organisirlen österreichischen Porzellenarbeiter erst vor kurzem anläßlich des Dallivitzer Streiks eine Suinnie von 60 000 fl. ausbringen nnißten, haben sie neuerdings beschlossen, zivci Prozent von» Lohngulden»vährend der Dauer des Aichcr Streiks zu steuern. Da dieser Streik jedoch ein Kainpf um die Organisation ist. wird er besondeis hartnäckig»verde», und eS wird Aufgabe mich der deutschen Porzellanarbeiter sein, ihre österreichischen Kollegen namentlich durch Abhaltung des Zuzuges zu unterstützen. Zum Kainpf der cnglischcn Maschincnbaner. Endlich»st es dem Handelsamte gelungen, die beiden streitenden Parteien ein- ander näher zu bringe». Nachdem an» Dienstag der Direktor des Arbeilsdcpartements z»»»viederholten Atalen»nil den Vertretern des Unternehmer-Verbandes soivohl, als mit denen der Arbeiter konferirt hat, um die gegen seine Einigungsvorschläge von beide» Seiten er- hobenen Einivände zu beseitigen, kann jetzt als sicher angesehen »Verden, daß in kurzer Zeit eine Konscrenz zu stände komine» »vird, in der die Basis für die»veitere» Berhandlnnge» geschaffen»verde»» soll. Das Arbeitsamt hatte in seinen» ziveiten Anschreiben an die Parteien den frühere», schon bekannten Einigungsvorschläge»»och einige Amendenients Hinz»- gefügt. Nach diesen soll die Konferenz praktische Borschläge inachen, »vie in Zilkunst Konflikte, die durch»»»befugte Einniischnug der Trades Unions in den Geschäftsbetrieb der llnternehnier einerseits oder durch Verletzung der anerkannten Rechte der Geiverkschasten entstehe» könnten, zu beseitigen sind. Die Verhandlungen über die Arbeitszeit sollen nicht ausgeschlossen sein. Sobald als die Kons«- renz zu einer Verständigung gelangt, soll die Arbeit»vieder aus. aenonnnen»verde». Beide Parteien haben mit geringen Ein- schränkungen sich bereit erklärt, auf grund dieser Vorschläge zu unterhandeln._ SozinleS. Die Bildung eines Verbandes der allgcincine» Arbeits- Nachweis-Anstalten in Prensteu hat der Vorstand des von Dr. Freund geleilelen Zentralvereins für ArbeitsnachiveiS in Berlin in einen» Rundschreiben an die illrbeilsnachiveis-Berivalliingen angeregt. Als Zivccke des Verbandes»verde» genannt: Ver- ständignng über die Grundsätze,»vonach der Anstallsbetrieb im all« geineincn gehandhabt»verde» und der»vechselseittge Verkehr nuter den Verbandsmitglieder» statthaben soll; Pflege der Statistik, insbesondere durch eine alljährlich durch den Verbandsausschuß zu fertigende Ziisain»»«»slellnng über die Thätigkeilsergebnisse von säinmtlichen den» Verbände an- gehörigen Anstalten für Arbeitsnachiveis: Verniittelung des Ver- kehrs mit anderen Verbänden oder Vereine», die die»änilichcn Ziele verfolgen; Vertretung des Verbandes gegenüber von Reichs-, Siaats-, Kreis- und Gemeindebehörden u. s. iv.: Hiiuvirkung ans iveitere Ausbreitung des Netzes von allgemeinen lllrbeitsnachweis- Aiistallen im Verbairdsbezirke. Der Verband soll zunächst die allgemeine» Arbeits- »achiveis- Anstalte»»»»fasse», die von Koninuinalverbänden oder Vereinen ans gemeinnütziger Grundlage betrieben»verde». Die Stellung des Verbandes zu sonstigen ans gemeinnütziger Grundlage betriebenen Anstalten soll der mündlichen Erörterung vor- behalten bleiben. Die Konstitnirung des Verbandes soll in einer zn Mitte Jnnnar in Berlin geplanten Versaminlung vo» Vertretern der preußischen Arbeitsnachiveise erfolgen. In dein Rundschreiben»vird zur Begründung des geplanten preußischen Verbandes angesührt,»ach den, Vorgange Badens er- scheine es ziveckinäßig. zunächst in den größeren Bundes- st a a t« n eine engere Verbindung der Arbeilsnnchiveise zi» L a n d e s> verbänden anzustreben und dann de» Zusani»ie»schl»ß der Landesverbände zn einem Reichsverbande ins Auge zu sassen. Die Schaffung eiucö GcwerbcgcrichtS beschloß einstimmig der Gemeindernth von Pfungstadt in Hessen Die Bürger- »»«isterei erhielt de» Auftrag, die Sache zn bcschlennigen. Eine städtische Altcrösparkafse besteht t» Breslau. Die „Soz.-Corr." berichtet darüber: Die in diese Kasse eingezahlten Gelder darf der Sparer vor seinem vollendete» 55. Lebensjahre iinr in besonderen Fällen erheben. Die Gelder»verde» nicht blos mit 2'/» pCt.,»vie die gewöhnlichen Sparkassengelder, sonder» mit 4 pCt. verzinst. Aufnahmefähig i» die Alterssparkasse sind alle Breslaner Handliings- und Geiverbegehilfen. Lohnarbetler. Dienstboten sc, die das 45. Jahr noch nicht vollendet und nicht über 2000 M. Jahres- einkonnnei» haben. Den Alterskassensparern»verde»»Iis den Ueberschüssen der städtischen großen Sparkasse jährliche Znschnsse bis zum sechsfachen Betrage ihrer Zinsen gutgeschrieben. Hat das Konto des Alterslassensparers 2000 M. erreicht, so»verde» ihn» leine »vetteren Zuschüsse gutgeschrieben, aber sei» Konto»vird auch»veiter- hin»nit 4 pCt. verzinst. Die Direktion des französischen NiiterrichtSlvcscuS hat eine Statistik der E l e in e n l a r s ch n l e» veröffentlicht. Danach beträgt jetzt die Gesanimtzahl der Kindergärten(ecote� maternelles) 83 465,— 223 mehr als im vorigen Jahre. Davon sind 15 900 Schiiten fast ausschließlich von Geistlichen geleitete Privatiiiiternehmungen. Verantwortlicher Nedakteur: August Facobey in Berlin. Für den In Die Zahl der Lehrer und Lehrerinnen beträgt 151 563, die Zahl der Schüler im Alter von 6—13 Jahren 4 580 183, die Zahl der Klassen 144 893. Ein Drittel der Volksschulen verfügt nur über eine einzige Klasse, dagegen hat nur ein Zehntel der Klassen 50 und mehr Schüler,»vährcnd nenn Zehntel»nler 50 Schüler habe». In der britische» Kolonie Natal in Südafrika ist ein Gesetz in kraft getrete»,»vonach von der Einivanderung aus- geschlossen sind: Personen, die keine europäische Sprache schreiben können, nicht genügende Geldmittel(25 Lstr.— ungefähr 500 M.) besitzen, oder den Passagepreis bis Natal nicht ans eigenen Mitteln bezahlt habe»; ferner geisteskranke, mit ansteckender Krank- heit behastete,»vege» Verbrechens bestrafte und schlecht beleumundete Personen. Wer entgegen den Bestimmunge» des Gesetzes ein- gewandert ist, kann ausgewiese» und außerdem mit Gesängniß be- straft werden. Der Kapitän und der Rheder eines Schiffes, das ausgeschlossene Personeij gelandet hat,»verde»»nit hohen Geldstrafen bedroht._ Gerichts �Jeikung. Der Säbel des Ciseubahuangestelltcu. Zu einem sörin- lichen Scharmützel artete ein Z»saln»>enstoß zivischcn Eisenbahn- beaniten und jungen Leuten aus, der sich ii» der Nacht vom 8. zum 9. März in der Nähe des Nordbahnhofes Gesundbrunnen ent- wickelte. Der daselbst in der Fahrkarlen-Vcrkaufsbude stationirte Hilfs-Kartenverkänser Friedrich Wischer bat einen sehr exponirten Posten und wird hänsig vo» den» dort sich uuiherlreibeiiden Ge> siiidel stark belästigt. Bielfach sind die Fensterscheiben der Bude zertrümmert und Laternen beschädigt»vorden und da der Beamte nur auf sich selbst angewiese» ist. ist er ermächtigt, eine» Säbel bei sich zu führen. In jener Nacht»var der Schuhmacher Nöske»nit einer Anzahl junger Leute von einer Landpartie heimgekehrt und verrichtete in der Näh« des Wischer ei» Bedürfniß. Der Beamte untersagte ihm dies und es kam nun zu einem heftigen Zusainme»- stoß, dessen Verlauf von den Parteien grundverschieden dargestellt wird. Während die jungen Leute behaupten, daß Wischer sofort seinen Säbel aus seiner Verkaufsbude herbeigeholt und damit blind- lings um sich geschlagen habe, versichert der Beamte, daß er angegriffen worden sei und sich in der Nothivehr befunden habe. Thatsache ist, daß Nöske einen Säbelhieb über de.. Kopf erhielt, der de» Hut aus- einander spaltete»»d dem Nöske eine schioere Schädel- Verletzung beibrachte. Der Berwnndete ist mehrere Monate kraul gewesen. Der Hilsskartenverkäufer Wischer stand deshalb gestern»vege» schiverer Körperverletzung vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I. Zwei seiner Kollegen bekundete», daß sie in der fraglichen Nacht laute Hilferufe des An- geklagten gehört und als sie hinzngeeilt, ihn mitten in einem Knäuel junger Männer gesehen haben, die ihn hart bedrängte» Der Slaalsanivall überzeugte sich aus der Beivcisanfnahine, daß der Angeklagte—»vahrscheinlich in der falschen Annahiue, daß er »vieder»»» Exzedenten vor sich habe— unberechtigt mit dem Säbel dreingehauen habe und beantragte 4 Monate Gesängniß Der Gerichtshof war der Meinung, daß der Angellagle i» der Roth- wehr gehandelt, deren Grenzen aber überschritten habe. Mit Rücksicht ans den exponirten Posten, auf»velchci» der Angeklagte stand und die Aufregung, in der er sich befunden,»vnrde die Strafe auf nur eine Woche Gesängniß bemessen. Tie Behandlung des PfarrcrS Thninniel vor Gericht. In Elberfeld kommt heute ei» Beleidignngsprozeß zur VerHand- lung, der bereits am 25 Juni d. I. die l. Slraskauinier des hiesigen Landgerichts beschäftigt hat und schließlich»lit Vertagung auf»»- bestimmte Zeit endigte, da der Gcrichistiof es für nothwendig er- achtete, den Jilftizmiuister über die näheren Umstände des Straf, autrages zu vernehmen. In einer Verhandlung im Jahre 1895, die damit endete, daß der Pfarrer Thünimel»vege» Beleidigung des Kreis-Wundarztes Dr. Rose in Münden zu 500 M. Geldstrafe ver- urlheitt wurde, soll der Vorsitzende zn dein Angeklagten. Pfarrer Thünimel, gesagt haben,„daß S»e keine Achtung vor den Staatsbehörden habe», geht schon aus den inkriininirten Artikeln hervor". Als der Verlheidiger, Rechtsanwalt Dr. Nieineyer (Essen) gegen diese Bemerkung des Vorsitzenden proteslirte, soll Thünimel seinem Vertheidiger zustinimend zugenickt haben Darauf- hin soll der Vorsitzende bemerkt haben:„Herr Pfarrer Thüiiunel, ich ersuche Sie, das Kopsnicke» zu nnterlassen. Beiragen Sie sich wie jeder gesittete Zlngeklagte vor Gericht. Wir sind hier nicht im Parlament,»vo jeder seinen Beifall ausdrücken kann, sonder» Sie haben sich einfach gesittet und anständig zn betragen." Dies Vorkomniniß veranlaßte den Pfarrer Thüinniel. über de» Vorsitzenden, Landgerichtsdrrektor Berkei»c»)er. den Ersten Staats- anwall Dr. Prahl»ind den Landrichter Weftermaiin, der in dem Prozeß am 18. Dezember 1895 als Referent fungirt und de» Pfarrer Thüinniel höhnisch angelacht haben soll, bei dem Oberlandesgerichts-Präsidentcn Staatsminister a. D. Dr. Falk in Hanin» Beschiverde zn führen. Letzterer hat nach ein- gehender Untersuchiliig de» Beschinerdefübrer abschläglich beschieden. Daranshin beschwerte sich Pfarrer Thünimel über den Ober- landesgerichts-Präsidenten Dr. Falk und die drei genannten Herren beim Jnslizminister. Thüinniel erhielt aber auch von den» letzteren einen abschlägigen Bescheid. Gleichzeitig stellte der Jnstizniinifter gegen Thünimel den Strafanlrag, da in der Beschiverdeschrift angcb- lich arge Beleidigunge» gegen den Oberlandesgerichts-Präsidenle» Dr. Falk, den Ersten Stantsanwalt Dr. Prahl, de» Landesgerichts- Direkior Berkemeiier und den Landrichter Westermann enthalten ivaren. Thümmel hat sich daher ans grund des Z 185 des Straf-Gcsetzbuches vor Eingangs bezeichnetem Gerichtshöfe zu ver- antworten. In der gestrigen Verhandlung beantragte der Vertheidiger. R.-A. Dr Sello-Berlin. die Einstellung des Versahrens, da der Justiz- minister de» Slrasantrag nicht unbedingt gestellt hätte. Der Gerichts- Hof erkannte, l» Uebireinstinimung»nit dem ersten Slaatsanwalt, den Strafantrag als rechtsgiltig a» und beschloß, in die Verhandlung einzutreten,_ VevlÄnnnlttngen. In einer an» 9. November stattgcfuudenen öffentlichen Bcrsainmlnng der Graveure und Ziseleure referirl« D u p o n t über das Thema:„Die Lehrlings-Ausbildung in» Groß- und Klein- betrieb." In dein beifällig nnfgenoninienen Referat führte der Vortragende ans, daß die Ausbildung der Lehrlinge im Groß-»vie im Kleinbetrieb eine»nangelhafle und unzureichende sei. Die ganze Lehrlingsfrage sei aber»vcniger eine theoretische all praktische Frage »ind»vnrde sich schließlich regeln laffen.»venu die Arbeite» sich gewerkschaftlich mehr znsamuienschließe» würde»,»in so«inen Druck auf die Prinzipale ausziiübe» und kürzere Arbeitszeit, überhaupt bessere Arbeitsbedingungen dadurch zn erringe»: auch die politische Partei»miß mitarbeite», iveil dieselbe auf die Gesetzgebung einwirken kann. Die schon oft angeregte Frage der Staats-Lehrwerkstätte» Halle er,»veun auch nicht für eine Utopie, so doch unter den zetzt bestehende» Verhältnissen für wenig diskntirbar. An der darauf folgenden Diskussion belheiligten sich die Kollegen sehr rege und spräche» sich alle im Sinne des Referenten aus, speziell betonte G u l l»r a» n, daß bei der heutigen Prodnltionsiveite statt der vierjährigen Lehrzeit eine solche von drei Jahren durch Gesetz angebahnt werden müßte. Folgende vo» ihn» gestellte Resolution wurde von der gulbesuchten Versaminlung einstimmig angenommen: „Die in allen Gewerbszweigen gleichmäßig und immer krasser hervortretenden Schäden des heutigen Privallehrwesens könne» nur beseitigt werden durch Errichtung von öffentlichen und ans össcnt- lichen Mitteln subventiomrlen Lehrwerkstätte». Um diese», Zie! näher zu kommen, ist eine allgemeine gesetzliche Beschränkung der Lehrzeit ans höchstens drei Jahre anznstrebe». Eine solche Be- schräiikung würde auch dem heulige» Stand der Arberlseintheilung »och sehr reichlich entsprechen. nach welchen, der Lehrling immer mehr und mehr nur die Bedenlnng eines ingendlichen Arbeiters hat." Im Verschiedenen wird noch ans angebliche Mißstände bei der Firma Benickc i» Hammer ansmerkfam gemacht. eratentheil vcianlworllich: Th. Glocke m Berlin Druck und Verlag vo» Die Burcan-Rugestelllcit hörten in einer am 9. November in den Arminhalle» staligehablen— gntbesnchlsn— össeullicheii Ver- sammlinig einen Vortrag des Reichstags-Abgeordnele» Wur m über die Noihwendigkeit der gesetzlichen Regelung ihrer Arbeitsvcrhälliiisss niid das Verhallen der Regierung dazu. Der Referent schilderte das wcchselvolle Tempo der denlschen Slrbeiterschntz-Gesetzgcbiing, als deren wichtigsten Faktor er die Kominission für Arbeiterstatistik hinstellt. Dieselbe sei aber augenblicklich nahezu eiiigcschlafen und es sei nothwendig, daß dieselbe anfgerüitelt würde von denen, die i-oth- wendig haben, daß»nan sich„oben" mit ihrer Lage beschäflize. Tazn gehören in allererster Linie die Bureau- Angestellten. Redner cmpsiehlt denselben deshalb, sich an das Reichsamt niid den Reichskanzler zn»venden. Weiler niüßlen dieselben aber auch ihre Organisation stärken und dann vor die Oeffenllichkeit hinlrele», damit diese ans die schmachvolle» Zustände im Berns misiiierlfam würde. Auch die sozialdeinokralische Reichstags-Fraklion würde sich der Sache annehmen.(Lebhaftes Bravo.) An der sehr eingehenden Disliission belheiligten sich in längeren Ailsführnirgen Rieger, Bauer, Kaspar n. A. Es gelangen zwei Resvlnlionen zur Annahiye. In der ersten, welche einsiiminig augenoninie» wurde, erklärt die Bersainmlnng ihr Einversländniß mit dem Referenieii und beauftragt die Agilaiiviiskommissio», sich mit den maß- gebenden Reichsbehörden in Verbindnng zu setzen,»>» die Ausdehnung der Arberterschntz- Gesetzgebung ans alle bei Rechtsanwälten, Gerichtsvollzieber», Bersichernngs-Gesellschasie» iind -Anstalle» beschäsiigie» Burean-Angestelllen zu ve>la»gen nnd daraus hin zu wirken, daß die bereiis von der Rdchekomiiiisüon für Arbcilerstntislik begonnenen Untersuchungen über die Lage der betreffenden Arbeiterschaft wieder anfgenoininen werden. In der zweiten, mit großer Mehrheit angcnoinittci.r» Resolution wird die Agitativnskommissron beanftragt, stalisiische Erhebiiiigen über die Lohn- nnd Arbeitsverhältnisse aller rn ganz Deuischland beschäsligle» Arbeiter des Berufes zn veransiallen, deren Ergebniß in Form einer Denkschrift den gesetzgebenden Körperschnsien unterbreilet werden soll. Nachdem sich noch 16»e»e Mitglieder in die Organisalion halten ansnehmen lassen, crsolgle der Schluß der Versaminlung. Tic Zimmerer nähme» in einer am Miitinoch abgebalteiieii Vcrsaniinlniig einen Vortrag des Genossen Millarg über dm Ausstand der englische» Maschinenbauer entgegen und beschlossen dann, zur Unlerstütznng derselben Exlrasaininlunge» zn verauslalte», zn denen jeder Zimmcvev wenigstcr.s 50 Pf. beizutragen hat. Hierauf besprach K« b e das Platzdepiitiltenwescii. Er l-cinerkie, daß vo» etwa 400 vorhandenen Arbeitsplätze» n»r 60 durch Dcpntirie ver« treten seien. Wenn auch noch ans anderr» Plätzen Depiltirie be- stehen, die der Kommissio»»ich! gemeldet sind, so blieben doch die »»eisteii Plätze ohne Depniirie. Da die Kominissio» mit den Kameraden aller Arberlsplätze Verbindung haben müsse,»in über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse derselben»»terrichtct zu sei», sei es durchaus nothivendig, daß dem Institut der Platz- depntirten, welches sich bisher sehr nützlich erwiesen habe, von den Kameraden»»ehr Beachtung geschenkt»verde, wie dies in letzter Zeit der Fall ivar. An diese Auslassiiiiaen schloß sich eine kurze Ans- spiache über den Nutze» der Plahdepniirtcn. Dann wurdei» Knüpser und Hoff z» Rcvisorcil der Lohukonnnifsion gewählt. Schließlich berichiigte Fischer einige in der letzten Abrechnung »»tergelaiifene kleine Fehler. Eine sehr stark besuchte Bolksversammlnitg siir Wcisteusec »ind Umgegend tagte an» Miitivoch im Lokal Albrechishof in Weißeusee, in der Genosse Freiivald de» Bericht über de» Hain- burger Parteilag ersiatleie. Ter Redner, der in ausführlicher Weise über de» Verlauf der Verhandlungen berichtete nnd die von dem Parteitag gefaßten Beschlüsse erläuterte, sprach sodann sein Be- daner» darüber ans, daß von einigen Genosse», die Anhänger der Landtagswahl-Belherligung sind, versucht»vird, den betreffende» Be- fchluß des Parteitages, der höchsten Instanz in der Partei, eine andere Fassung zn geben, resp. gänzlich»nnzngestalten»nid giebt der Meinung AnSdrnck, daß sich jeder Genosse den gefaßten Beschlüssen zu füge» babe. Im»veiteren verweist der Reserent auf die Anssühriingei», die Reichstagsivahlei» belreffend, und ersucht zn»» Schluß die Genossei» i» jeder Weise lhäiig zn sei», daß der Niederbarniiner Kreis schon in der Hauptwahl für die Sozialdemokratie gewonnen»vird.(Lebhafter Beifall.) Ohne Disknssio» gelangte eine Nesolntio» zur ein- flimniigt» Annahme, i» der sich die Bersaimulmig mit dein B«>- halten der Delegirten ans dem Parteitag einverstnnde» erklärt und sich in> weiteren verpflichtet, so weit als möglich für die Ansführiing der gesahten Beschlüsse eiiiziltrcten. Hierauf hielt der siteichslngc.. Abgeordnete S t a d t h a g e n einen Vortrag über:„?>»'-§ Vaterland, an's lheiire. schließ Dich an." D-r Referent, der in treffender Weise das Verhalten der Kraut- nnd Schlotjunker gegenüber dem Staat skizzirte nnd die Zustände, unter welchen die erlvcrbsthätige Bevölkerniig z» leiden hat, einer herbe» Kritik unterzog, richtete schließlich eine» Appell an die Ver« saiiiinelte», für de» Ziisaiiiinenschliiß des gesammle» nrbcilenden Volkes zu wirke», n»» eine Gcsellschafls-Ordniing zu schaffen, in de,: die wahre Freiheit nnd Gerechiigkeit obwaltet. Eine Diskussion über das mit stürmische»» Beifall ansgeiiounnene Referat wurde nicht beliebt. Unter Berschicdenciu wurde folgende Resolution einstimmig aiigenoimne»:„Die hcnlige Volks» Versammlung für Weißensee und Umgegend ist der lieber- zeiigung, daß die Verurlheiliing L i e b k ii e ch t's zu vier Monälen Gefängniß nicht dem Rechlsgefühl des Volles einspricht. Die Ver- sainnilung drückt dem Genosseii Liebknecht ihre Symplithie ans und hofft, daß derselbe ans der Haft»»gebrochc» in die preußisch- deutsche Freiheil zurückkehre» möge." Nachdem der Vorsitzende die Versaminellen noch anfgeiordert baite, recht rege in» Sinne dir gehörten Ailssühriingen zu agiliren»nd sich im Jnieresse der Partei nach jeder Richtung zu beihäligen, erfolgte der Schluß der Versammlung. Vepekiszett letzte Ltttcheiltzte»». Elberfeld, 11 November.(W T. B.) Pfarrer Tbümmel wurde zu 100 M. Geldslrase vernrtheill. Der Slaalsanivall Halle emi Buße vo» 500 M. beantragt. Leipzig. II. November.(W. T V.) Wie den»„Lepziger Tageblatt" gemeldet»vird,»nnrde heute Nachmillag 4 Uhr>» Bebels die in den sünsziger Jahren stehende Wiilive Wilhclmine Krause in ihrer Wobunug niiiordet ansgeinnden; es liegt Raubmord vor. Der Thäter, der Waschi»asch>»cnba»er Fiiediich Moritz Heller,»vnrde i» den» Moment auf dem Bode» eincs Hauses verhaftet, als er sich eben einen Schnitt»» den Hals beigebracht halle. PariS, 11. November.(B H.) A»? Nancy»rnrd gcmeldct, daß der Unternehmer Bacizet, welcher vor zwei Monaten von de» denlschen Behörden wegen Fahnenflncht verhaslel»ind z»ir Ableistniig seiner Dienstzeit i» ei» prrußisches tllegiwent cingercibl worden »var, aus Antrag der französischen Regmimg jetzt sreigelnsse» ist. Madrid, N. November.(„Agence Havas") Ueberfchive»»- »nnnge»»verde» ans der Gegend von Malaga und Valei ei» gemeldet; mehrere Hänser»vnrde» zerstört. Sturm»nd Regengüsse herrschen allgemein in de» östlichen nnd südlichen Landestheile». Warschau, U November.(B. H) Auf der Weichsel herrscht starkes Grilndeis; die Schisffahrt ist eingestellt. Ttockholn», II November.(W T B) Die vo» dem Geologen Prosessor A. G. Nalhorst für daS Jahr 1898 geplante schwcdrcke Expedition nach den Polargegendeu ist durch Beilräge des Königs »no mehrerer Privalleute gesichert. Die Gesainiulkoslen belaufe» sich auf 70 000 Kronen. Cape Coast Castle, 1! November.(..Renler'sches Bureau.") Die Träger der Hinlerland- Expedition in» Nigergebiete be- Oberst- lieutennnts?!orthcoll sind hierher zurückgekehrt, sie weigern sich zn marschire», soll« sie nicht dieselbe Fleischration erhalten,»vie ans der letzten Expedition, zur Zeil»vird über die Regelung der Frage verhandelt. viaz Babing in Bcrlm. Hierzu I Beilage u»»»erhaliungsblatt, st. 265. u. mm. Ktilllge des Joniiürtö" Kellilttt NckslllM. Fltii.,. 12. 1897. �okAles. Tic Adresse« der Mititlieder der Lokalkommission ssnd: t�islrr Wahlkreis: Oskar Kentel, SUalaiiec-Bnicle 6, Cli. I. Fritz Felgen lreff, Wieuerstr. 36. Hof III. Zweiter Wahlkreis: G a st a v Lach>»»»«. ttatzbachstr. 22. Fritz W ü st e n h a g e», Sciiö»lei»str. 6. Driller Wahlkreis: Oskar Mahle, Priiizeiistr. 3, Slfl. I. Wilhelm Hinz, Dresdenerstr. 43. III. Vierler Wahlkreis(Ost): H e i n r. Fab er, Nüdcrsdorfcr- strape 20, III. Oskar Blume, Franksurler Allee 31, Hai III. Vierler Wahlkreis(Südost): Her m. I ä ck, Forsterstr. 18, III. W a I c r i a» W i n z e n s, Wrangelstr. 60, II. H e r m. Balle, Wränge. skr. 55, Hof III(für Treptow). Fünfter Wahlkreis: W il h. vp ä t, Weinstr. 23, pt. G u st. Busse, Sophienstr. 23/29. Sechster Wahlkreis: Georg Neuser, Bcnsselstr. 23, pari. Wilh. Freyl Haler, Garlenplatz 1, III. Brinkmann, Prinzen Dlllee 21. R u d. Springhorn, Nykestc. 3, Hof I. Alle Anfragen, Briefsendunge» u. f. Iv. sind an Oskar Mahle. Prinzenstr. 3, Seilenfl. i, zu richte». Sozialdcinokratifcher Walilvcrciu fiir dc» L. Berliner Rrichdtagö-Wahlkrciö. Die Mitglieder werden darauf ansmertsam pemaa.t, daß der Wahlverein am nächsten Mittwoch, dem Bußtage. eme Fnßpartie nach Stolpe an der Nordbah» unternimmt. Treff- paukt früh 8 Uhr im Biktoria.Garte», Badstr. 12. Zahl- reiche Belhcikignng, besonders auch der sangeskrindiaen Mitglieder-, «rwartet der Borstand. Wahlprvtcst. Im 14. Ecmeindewahlbezirk I. Abtheilung ist von den Anhängern des Herrn Slöhrecke, des dem bisherigen S'adt- verordneten Dr. Mießner iinterlegeiien Zkandidaten der Grunddesitzer, ein Einspruch gegen die gestrige Wahl erHobe» worden. Angeblich soll für die Betreibmig der Wahl des Dr. Mießner ein Bureau im Wahtzimnier eingerichtet gervesen sei». Tie Freikarten der Presse. Der Gesangverein.Philharnionie" in Elberfeld hat dott eine» Zyklus von Konzerten veranstaltet, zu denen auch die Rednklione» der dort erscheinenden Zeitimgen als Einladung Eintrittskarten erhielte». Der Kritiker eines Elbersetder Blattes ließ nun in einer der Kritiken nicht Gnade vor Recht gehe», ohne jedoch die Grenze» des Maßvollen zu riberschreilen. Der Bor- fland d«„Philharmonie" suhlte sich dadurch gekränkt und erließ eine öffentliche Erklärung, ivorin gesagt war, daß er, von dem Hans- rechte Gebrauch machend, welches gestatte, einein Gaste wegen im- geziemende» Verhallens die Thür zu weise», dem genannte» Blatte die„Redaktions-Freikarte" entzogen habe. Tie„Phil- harnronie" hatte aber, wie der„Rh. K." berichtet, die Rechnung ohne den seit kurzem begründeten„Verein Wnpperthaler Presse" gemacht. Von der Thatiache ausgehend, daß die Ilebersendnng von Eintrittskarte» für eine Redaktion niemals eine besondere Ver- günstigung sein kann, die Annahme solcher Karten vielmehr nur zur Arbeit und im Falle der Verhinderung Rednktionsmitglicder zu Koste« verpflichte, hat der„Verein Wnpperthaler Presse" in den Blättern seiner Mitglieder öffentlich erklärt, daß er in dem Vor- gehen des Vorstandes der„Philharmonie", namentlich aber auch in der verächtlichen Bezeichnung„Freikarten" für die der Presse z». gesandten Billets— welche nur als eine Einladung zur kritischen Besprechung der Leistungen der„Philharmonie" angesehen werden könnte»— den Versuch einer absichtlichen Herabsetzung des Ansehens der Presse erblicke, und daß er feinen Mitgliedern empfohlen habe, ihre Karten der„Philharmonie" zurückzusenden. Dieser Anregung ist einniülhige Folge gegeben worden. Ob sich auch in Berlin gegebenen Falles solche Einigkeit erziele» lassen würde? Die Aeltcsten der Perlincr Kanfmannschaft haben auf eine Anfrage des Polizeipräsidenten sich dafür ausgesprochen, daß. wie im vorigen Jahre, an den drei letzte» Sonntagen vor Weihnachten die Geschäftszeit im Handelsgewerbe von 5 auf 10 Stunden ver- längert und daß als Geschästsftunden die von 3—10 Uhr vormittags und von 12—8 Uhr nachmittags freigegeben werden möchten. Viele Leute sind bekanntlich der Ansicht, daß vor allem am ersten der ge- nannten Sonntage eine Schmälerung der Sonntagsruhe in keiner Weise nolhwendig ist. Wegen ansteekeuder Krankheiten mußten im Jahre 1896 97 in den Berliner Gemeindeschulen 17 Klassen zeitweilig(aus 3—14 Tage) geschlossen werden, und»war an 10 Schulen je eine Klasse, an 2 Schule»(der 7. und 106.) ze 2 Klasse», an einer Schule (der 162.) 3 Klassen. 16 mal handelte es sich um sechste, I mal um «ine fünfte Klaffe. Veranlassung zur Schließung waren massenhafte Erkrankungen meist an Masern, vereinzelt an Diphtherie. Scharlach, Keuchhusten. Die meisten Schließungen kamen, wie alljährlich, in den Wintermonaten vor, namentlich im November und Dezember. Man sieht, daß Schulärzte hier zu thiin bekämen. Im Hanptpostamte fand gestern die früher scbon avisirte Zu- sammenkunft mit den Inhabern größerer Versandhäuser statt. Stach lebhafter Aussprache gab Herr Geh. Ober- Postrath Griesbach de» Versammelte» die Zusage, daß etiva vom 20. Dezember ab bei den größeren Firmen die Packele durch Postwagen abgeholt werden sollen: die Entschädigung, welche die Post für diese Arbeit fordert, soll nur geringfügig sein. Ter Berliner Polizcipräfident, Herr v. Windheim, hat Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur der Breslauer „Volkswacht" gestellt. Der inkriminirle, Mitte August erschienene Artikel ist wörtlich Berliner Blättern entnommen und betrifft Mißhau diu» gen von Bürgern durch Polizisten. Es ist inimerhi» als merlwürdig zu bezeichnen, daß Herr v. Wind- heim jetzt»och im Interesse seiner beleidigten Schutzleute gerade gegen unser BreSlauer Partei-Organ den Klageweg beschreitet. Tie sechste Klasse der 20. Mädchen-Gemeideschul« in der Oranienstraße ist. wie uns berichtet wird, vorgestern wegen zahl- reicher Erkraiikliiigen an Masern und Scharlach ans neun Tage ge- fchlossen worden. Von 53 Mädchen sollen 24 krank sei». Ei» Berliner Original, das ein Menschenalter hindurch im Norden der Stadt gelebt bat und dort eine bekannte Persönlichkeit war, ist dieser Tage zu Grabe getragen worden. Es ist dies eine der älteste» Berliner Markthökerinnen, die kurzweg unter dem Name» „Laura" bekannte Haudelsfrau Laura Haas«, geb. Bielefeldt. Sie starb in voriger Woche im Alter von 77 Jahren und wurde am letzte» Sonntag auf dem Friedhof der Elisabeth- Gemeinde an der Priuzen-Nllee uiiter zahlreicher Betheiligung zur letzten Ruhe bestaltet. Laura war eine Hökerin aus der alten Berliner Schule, und schon ihre Ellern waren Handelsleute, die bis zum Abbruch der alten Stadtmauer«inen Verkaufsscharren im allen Rosenthaler Thor- gebäude inne hatten. Eine jugendliche Diebesbande, bestehend ans sechs Knaben im Alter von 14 bis zu 17 Jahren, ist gestern durch die Kriminal- Polizei festgenommen worden. Eie Burschen hatten sich zu einer Bande zusainmengeschlossen und geineiusam« Raubzüge und Einbrüche veranstaltet. Auch Gelegeuheitsdiebstähle sind von ihnen ausgeführt worden. Ihre Lagerstätte hatten sie auf dem Grundstück Userstr. 7 errichtet, wo sie in unbenutzten Schuppen Zuflucht fanden und ge- wöhulich des Nachts verblieben. Märchenhafter Männerstolz vor Fiirsteuthroue». Das „Berk. Tagcbl." berichtet:„An der Börse wird erzählt, ein hiesiger Bankier, der nach zehnjähriger Thäligkeit als Handelsrichter aus diesem Amte ausscheidet, habe auf die Anfrage, ob er die Dekorirnug mit dem Rothen Adlerorden oder die Ernennung zum K o in m e r z i e n r a t h vorziehe, erwidert, daß er beides a b> lehne. Es wäre das für die im Handelsstande vorherrschende Berflimmmung bezeichnend, umsomehr, als e? sich um eine an- gesehene und jeder Exzentrizität abholde Persönlichkeit handelt." Wir glauben nicht, daß das„Berk. Tagebl." im Ernste einem Börsianer solche Standhastigkeit zutraut. Mit polizeilicher Auflösung endete eine gestern Abend in I Keller's Saal abgehaltene, von anarchistischer Seite einberufene, sehr stark besuchte Versammlung, welche der Erinnerung an den vor zehn Jahren begangeneu Chikagoer Justizmord gewidmet war� Arbciterrisiko. Am Mittwoch früh fiel auf dem Grundstücke Badstr. 50 der Ziminermani! Eduard Barlel beim Abdecken eines Wellblechschnppens auf de» Hof hinab; er zog sich so schwere Schädelverletziiugeii z», daß er bald daraus im Augnsta-Hospital starb. Versuchter KindeSmord? Ei» bei einem Schneidermeister in der Französischenstiaße 64 beschäsligtes Mädchen gebar gestern Nach- mittag 3>/s Uhr heimlich auf dem Abort. Die Mutter wickelte das Kind in ein Stück Papier, schleppte es die Treppen dinmiler und warf es auf dem Hofe in de» Müllkasten. Zum Glück kam der Portier des Hauses hinzu und alarinirte sofort die Hansbewohner. Es wurde nach dem Polizeibureair sowie nach einer Hebamme ge- schickt, welche dem Kinde und der Mntter die erste Hilfe leistete, sodann wurden beide in einem Krankenwagen nach der Charilec gebracht. Ob die Mutter die entsetzliche That im Fieberwahn voll- führt hat, mag dahingestellt bleiben. Wie es Hecht, soll für das kleine Geschöpf, trotzdem es einige Zeit im Müllkasten gelegen hat, nichts zu befürchten sein. Ticbstahl. In der letzten Nacht ist ini Hause Vülowstr. 4 i» der Wohnung des Geiierallieuliiiauts z. D. v. Adler ein Einbruch verübt worden, wobei 1000 M. baares Geld, ein Ring im Werth von 200 M., ein Pelz und ei» Winterübcrzieher gestohlen wurden. Mündelgelder, die der General zufällig im Hause hatte, und die Schmncksache» der Frau v Adler hatte man liegen lasse», obwohl vier Zimmer der Wohnung durchstöbert worden waren. Tie Explosion in der Chausscestraste hat im Laufe der vor- letzten Nacht noch ein Opler gefordert. Die Nachricht, daß der -Arbeiler Wittkowsky gestoibeu sei. hat sich nicht bestätigt. Seinen Verletzungen erlege» ist dagegen gestern früh um 2'/? Uhr derArbeiler August Lehmann. Der aus der Stelle getödtcie Kolonueaführer Fritz Hipp war verheirathet und Vater von einem Kinde. Hipp hat bei der Katastrophe vorn im Keller gestniiden. ist aber ganz im Hiiiiergrniide von den Feuerwehrmänner» gesunde» worden. Hiernach hat die Explosion am Eingang des KellerS staltgesunden und der Luftdruck de» llnglücklichen bis an die Hinterwand des Raumes weg- geschleudert. Seine eine Körperseile ist ganz verbrannt, das Gesicht stark veikohlt. Der Maler Josef Wittkowsky wohnt mil seiner Frau und diel Kinder» in der Lausitzerstr. 10. Er hat gleich Lehmanu so schivere Vcrletzungen erlitten, daß man an seinem Auskommen zweiselt. Der Bedanernswerthe, welcher nach der Charilee gebracht wurde, ist nicht nur durch die Slichflaniiue am Gesicht, sondern auch durch die eingeaihmetcn heißen Täiupfe in der Kehle und der giachenhöhle schwer verbrannt. Das Kopshaar ist ihm, wie auch seinem Unglücks- genossen fast vollständig abgesengt. Selbstmord. Ter Knufma»» Schulz, Michaelkirchplatz 9, ein veimögeuder Junggeselle von einigen 30 Jahre», beivohnte seit einem Jahre ein möblirtes Zimmer. In der letzten Zeit kam er wieder- holt i»s� Polizeibureau in der Melchiorstraße und klagte, daß er ver- solgt werde. Man beruhigt« ihn jedesmal und er ging dann weg, indem er öfter sagte:„Ich gla'ibe, ich leide an Verfolgiingsivahn" 'Als am Donnerstag Morgen um 6 Uhr sein Wirth von einer Fest- lichkeit nach Hause kam, war Schulz schon aufgestanden und an- scheinend heiter und guter Dinge. Nach kurzer Uiiterdalliing mit dem Wirthe ging er in sein Zimmer. Hier Hörle man eine halbe Stunde später einen Sckiiiß fallen, und als man hineinging, fand man Schulz lodt auf dem Sopha liegend. Die Kugel war in die rechte Schläfe eingedrungen, elwas schräg auswärts gelansen und an der linken Seite aus dem Kopse wieder herausgetreten. Schlägeeeic«. In einem Lokal in der Blücherstraße kam es am Mittwoch nachmittags zu einer Schlägerei, die auf der Straße weiter fortgesetzt wurde. Der Kaufmann Max Mendt schlug hierbei mit der Faust in die große Tdürscheibe des Lokals und verletzte sich die Hand recht erheblich an den Glassplittern. Er wurde von einem Schutcniann nach dem Krankenhause Am Urban gebracht, wo ihm ein Verband angelegt wurde.— Gestern Nacht wurden bei einer anderen Schlägerei in der Oranienstraße der Zuschneider Alexander Braun und der Arbeiter Paul Arnbolz von dem Tischler August Gninz und dem Schlosser Ernst Hein durch anscheinend leichte Messe» stich« im Kopf und Rücken verletzt. Sie erhielten aus der SanitätSwache in der Adalbertstraße Verbände. Eine Wauderiiug durch Pompeji schilderte am Mittwoch Abend in der alten Urania Dr. A. K ö p p e n in einem eingehenden und geistvolle» Vortrag. Nachdem er de» Untergang der Stadt durch de» Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 besprochen hatte, berichtete er von ihrer Wiederenldeckung, die im Jahre 1743 durch Weinbauern erfolgte. Die Wiederenldeckung rief i» der gebildeten Welt große Begeistcruug hervor und Goethe feierte den Ni>tergang Pompeji's, indem er sagte, daß kein Unglück den Mensche» soviel Freude bereitet habe, wie dieses, habe es uns doch eine vergangene Kultur übermittelt. Die Lichtbilder, durch launige Bemcrlungen erläutert, gaben ein anschauliches Bild von der Höhe der damalige» Kultur; namentlich inleressirten die Straßen- bilder, die Theater und die Bäder, die in Abbildungen sowohl als auch in Grundrisse» vorgeführt wurde». Grundrisse undJnnenansichten ler antiken Häuser gaben Ausschluß über das häusliche Lebe» der Alten, die ihr Heim besonders mit Malerei und Mosaik schmücke» ließe». Die vorgeführten Abbildungen von Wandgemälde» bezeuglen den außerordentlich feinen Farbensinii und die zeichnerische Gewandtheit der Maler. Auch sonst kann man niit dem Vortrag sehr zuiriede» sei», da die Lichtbilder sich bei», Wiedergebe» archi- tektonischer Werke viel besser bewähre», wie bei den komplizirte» Gemälde» der Modernen. Die Zuschauer, die eine bequeme, billige und schnelle Wanderung durch eine antike Stadt mitgeniacht hatte», bezeugten jedenfalls eine»»ngelheillen Beifall. Der Vortrag wird am Sonntag wiederholt werde». Polizeilich beschlagnahmt wurde gestern Abend die an- archistische Zeitschrift„Neues Leben". Feuerbericht. I» den 24 letzte» Stunden wurde die Feuerwehr stark in Anspruch genommen. Mittwoch Nachmittag 6 Uhr brannten Gitschinerstraße 2 verschiedene Möbel und Kleidungsstücke in einer Wohnung. Gegen 10 Uhr brannte Elisabeth-Ufer 19 der Fußboden einer Fabrik. Ein Rohr beseitigte die Gefahr. Um 4 Uhr erfolgte eine Alarmirung nach Neue Hoch. strahe 23, wo Fußboden, Balkenlage und Schaldecke vom Feuer ergriffen waren. Das Haus erlitt starke Beschädigungen. Kurz„ach 6 Uhr brannte Triflstr. 4l ein größerer Holzhanfen auf eiiiem Neubau. Ein schwerer Ziiiimer- brand, bei dem ei» zweijähriges Kind schwer nnd ein Mann leicht verivundet wurde, rief die Wehr gegen 12'/» Uhr Mittags nach Reinickendorferstr. 67. Hier hatte sich e», von der Nacht- schicht ermlldeter Arbeiter zum Schlafen niedergelegt und sein 2 jähriges Kind»iibeaussichtigt gelassen. Diesem war es gelungen. Streichhölzer zu erlange, i und damit zu spiele», wobei dieselben zmideten und die Kleider des Kleinen sowie Betten und Möbel i» Brand fetzte». Der durch daS Geschrei des Kindes aufgeschreckte Vater erlitt bei den Löschungsversuchen selbst erhebliche Brand>v»»deii. Das Kind war derart verletzt, daß eS nach dem Kaiser Friedrich- Kiiider-Krankenhause gebracht werden mußte. Um 2 Uhr erfolgte Alarmirung»ach der Usedomstr. 32. Hier brannte» Gardinen und«ine Hobelbank in einer Küche. Kurz vorher hatte Choriner- st r a ß e 58 ein Bett Feuer gefangen. Endlich war iim 4t/s Uhr noch ein größerer Brand Gr. Frankfurterstr. 36 zu beseitigen. Hier stand die Einrichtung einer Bronzeivaaren-Fabrik und Metall- schleiferei in Flammen. I» sämmtlicheu Fällen wurde man schnell Herr des Feuers. Die Direktion der Prosektions- Vorträge über Kunst und Kultur (Dr. Köppe» und Dr. Stoedtuer, altes Uraiim-Theater, am Lehrter Stadi- Bahuhof) theilt uns mit, daß Herr Dr. Alfred Koppen am Sonntag Abend 8 Uhr den Vortrag:.,E In e Wanderung durch das alte Pompeji" zuui ersten Male wiederholen wird. Dreptow-Sternwarte. Der Mond bleibt jetzt nur noch wenige Tage vor Mitternacht sichtbar. Mit dem Rieseufemrohr der Treptow- Sternwarte wird derselbe beobachtet: Heule Freitag, den 12. November von 7—12 Uhr Mitiernacht, Sonnabend von 8—12 und so täglich eine Slunde später, bis er am Dienstag, den 16., nur noch von 11—12 zu sehen ist. Bis zum Aufgang des Mondes weiden von 2 Uhr nachmittags an die Sonne, Doppelsterne und Nebelflecke beobachtet. Am Soiinlag, den 14., 2>/z Uhr wird Herr Direktor Archen hold über:..Die Bewohnbarkeit der Wetten" und am Montag, den Ib., abends 3 Uhr über:„Die periodischen Sleriischiiuppcnsälle im August und November" einen Vortrag hallen. Theater. Im Schiller-Theater ist heule die erste Austührung vv»..Wallcnsteiiis Lager" nnd„Die Piccolomlui". Das eiste Stück ist wie folgt besetzt: Wachtmeister: Claudius Merten; Trompeler: Albert Patrp; Konstablcr: Julius Cyben; erster Scharischütze: Max Laurence; erster Höllischer reitender Jäger: Willii Frobösc; zweiter Höllischer reitender Jäger: Ewald Bach; erster Kürassier: Eduard V. Wintcrsleui; Martelen- derin: Grete Meper; Auswärlerln: Trudc Lobe. In den„Piecolouiiiil" sind in den Hauptrolleu die Daiuen Pauly, Barth, Fvuguet und die Herren Palegg. Bach. Merten, Palry, Laureuce, Froböse beschäftigt. Morgen schließt sich eine Ausführung von„Wallensteiiis Tod" an.— Im Ostend- Theater findet heute uilwidmuflich die letzte Austührung von„Am Altar" statt.„Leben und Lieben", ein Volksstüct von Oskar Klein, wird als nächste Novität in der koimiienden Woche In Szene gehen. Die Musik ist von dem Kapelluielster Wända kompoiiirt. Ter 2. wlsteiischaftlichc Zlbeud, veranstaltet vom Wistenschaftlichen Zcillralverein, findet morgen, Sonnabend, abends 8 Uhr, im Gcsangsaal des Französischen Guuinasiunis, Dorothcenstr. 41, statt. Den Bortrag hält Dr. med. Fr. Rub tnstein, Dozent der Humbvldt-Akadcmie, über: ..Loltöhelltunde und wissenschastllchc Medizin"; hieran schließt sich freie Dispulalloii au der Hand gedruckter Thesen. Der ZuKitt Ist für die Vereins- Mitglieder frei. Abomienieiits- und Einzelkarten für Nichttultglieder sind in de» Bureaus der Humboldt-Akademie erhältlich. Zltts dcn Nflchlxum'iiMt. Zu den Stadtverorducteuwuhleit in Tchöncbcrg islberichtigeitd milzutheilen, daß im v i e r z e h n t e n Wahlbezirk nicht, wie tmr gestern irrt hüml ich uieldeteu, Genosse Hoffiimn», sondern Genosse Schubert mit einem uncibhängigeit Knndtdateil in Stichwahl kommt. Köpcmrt. Den Mitgliedern des sozialdemokratischen Arbeiter- Vereins zur Kennlnift, daß die MonalSvcrsninmlnng ausfällt, weil am Dienstag, den 16. November, eine vffenttiche KommiinalivÄHIer- veisanimlung stallfindet mit der Tagesorditting: Prokla»lir«Ng der Kanditatcn zur Stadlverordiictenivahl. Tie HilsSnrbcitcrfrngc in Charlottcnbnrg. Völligen Kehraus macht jetzt der Charlottenburger Magistrat mit der Hilss- nibeitcrwirtdschaft. Schon zu Anfang dieses Jahres schaffte der Magistrat die Kategorie der Bnrean-Hilfsarbeiter ab und stellte eine 'Anzahl derselben als Gemeindobeanile fest an. Den Anstoß hierzu gaben damals der Fall Malitz-Berlin und Mitnler-Charlottenburg, welche bekanntlich aus Gehattsentschädignng geklagt hatten. In weiterer Konsequenz jenes Beschlusses geht nun der Charlottenburger Magistrat daran, für die technischen Hilssarbetter aller Art etne neue Kategorie technischer Gemeindebeamten mit fester Anstellung nnd Penflons- berechiignng zu bilden. Danebc» soll noch eine zweite Kategorie von„Aiigestellten" der Gemeinde geschaffen werden, und zwar für die lediglich diätarisch beschäitigte» Techniker der städtische» Werke, welche niitcr der Bczelchiiniig„Angcstcllte" mit Pcnstoiisbercchtignng ebensalls fest angestellt werden. Mit diesen Neuerungen verfolgt der Nlagistrat die Absicht, die betreffenden Arbeilsletstimgeit in den Organismus der städtischen Verwaltung dauernd einznftigeit. Doch sollen zn jenen beiden Kategorien nicht gehören diejenigen Techniker, welche lediglich„Arbeiter" sind. Die Nenermig soll mit dem nächsten Etatsjahre eingeführt werden. Der Berliner Magistrat ist bekannt» lich noch nicht so tvetl. Tie Stadtvcl ordnete«- Versanimluiia in Charlottenburg lehnte gestern den Antrag Beyer nnd Genossen ab. in Angclegenhett einer an die Versammlung gerichteten Petition über die Errichtung eines Denkmals für die Märzgefallenen einen Ausschuß von füns Mitgliedern ctitznsetzen.— Wegen der S ch n l e r in i ß h a n d- l ii n g e». die i» letzter Zeit i» Schüneberg, Rixdors»nd Charlottenburg vorgekommen sind, ha! eine Anzahl Charlottenburger Bürger an die Etadtverordiiele»- Versammluiig eine Pelilio» gerichtet, ivori» sie ihrer Be«iiruhigu>ig über die Vorkomuttiiff« Ausdruck gebe», sowie der Besorgniß, daß die Schüler im allgemcine» zu strenge» Züchtigunge» ausgesetzt sind. Zu- gleich richtete» sie a» den Magistrat die Anfrage, ob er i» der Lage sei, über den in Charloitenburg vorgeko»»»e»en Fall eine Erklärung abzugebe». In der gestrigen Sihmig der Stadtverordneten« Bersaminlung lehnte Overdürgermetster Frilsche die sofortige Be- antivortnitg der Anfrage mit der Begründung ab, daß ihm das Material nicht zur Berfügting stehe.— Der Vertrag mit der Berlin-Charloltenburger Straßen bahn- Gesellschaft wurde von der Bersammlung genehmigt.— Zum Bmt eines Schulhauscs für eine neue höhere Lehranstalt im Osten Charlotteubnrgs hat die Stadtverordneten-Versammlung aus Antrag ihres Ansschusses de» Ankauf des Bloch'schen Grundstücks in der Wormscrslraße (5181 Qnadralmeier) beschlossen.— Die Versammlung beschloß endlich, in Zukunft die gemietheten Gasmesser kostenfrei aufstellen zu lassen, soweit für den Anschluß an die Hauplleitnng nicht mehr als fünf Meter Rohrlänge erforderlich sind. A»S dem Fenster gestürzt hat sich gestern früh gegen 5 Nhr eine 45 Jahre alle Frau anS ihrer Wohnung im dritten Stock des Hauses Gnniewaldstr. 120 zu Schöneberg. Sie litt schon seit längerer Zeit an vorübergehend anstretenden Geistesstörmigen, welche besonders als Verfolgungswahn anflrate», tmb sie war deshalb auch bereits in einer Irrenanstalt untergebracht gewesen. Die Unglück- liche starb nach ivenigen Stunden infolge der furchtbaren Gltederbniche an iiinerer Verblutttiig. In Adlershof ritten am Mittwoch Nachmittag gegen 4 Uhr ein Dragoiier-Unleroffizier und zwei Gemeine wie rasend durch die Straßen. In der Nahe des Geinetnde-Amtes stürzte einer der Reiter mit dem Pferde und verletzte sich derart, daß er für todt davon- getragen wurde. Ein Arzt konstatirte einen Schädelbruch. Das Publikum gerieth über die Reiterei mit der die Soldaten die Straßeiipassanten und spielende» Kinder in Gefahr brachten, in lebhafte Entrüstung. Mit der Gründung einer öffentlichen höheren Mädchenschule ist als erster der mit Berlin zusammenhängenden Bororte Deutsch- Wilmersdorf vorgegangen, wo die Gemeinde am 1. Oktober d. I. die höhere Privat-Töchterschule des Frl. Pesch in eigene Verivalttnig nbernonimtn und mit erbeblichen Kosten den Umbau des Schul- Hauses und die den neueste» wisfenschaftlichen Anforderungen entsprechende» Einrichtung«« ausgeführt hat. In der Mordsache der Martha Vahrendorf zu Spandau haben alle bisherigen Recherchen zu keinem Resultat gesührt. Der aufgetauchte Verdacht gegen einen Verwandten des ermordeten Mäd- chens ließ sich nicht ausrecht erhalten, um so williger, als dieser Verivaiidte denjenige» Personen, die die V. damals auf dem Wnsser in Begleitung eines fremden Mannes gesehen, geilau beka»»l ist. Neuerdings gegen andere Personen aufgetauchle Berdachtsniomenle habe» sich ebenfalls nicht aufrecht erhalten lasse». Zwei Männer. welche in der fragliche» Angelegenheit vor einige» Tagen sistirl worden sind, konnte»»icht als diejenige» Personell festgestellt werden. welch« das Mädchen entführt resp. mit demselben in Tegelort gesehen -worden sind: die betreffenden sind daher wieder in Freiheit gesetzt Gegenwärtig fcizlt jeder N»hgIt?;'Uttlt, welcher zur Eruiilteliing deZ Mörders sichre» könnte. Tie Schöiieberger Stadtvcrordnctell'Wahle» hnben gester» der 2. Äl'lhsilinig ihren Fortgang genommen. Die„Unabhängigen" erhielten 9, die Biirgerpartei 7 Mandate. Gevichks-Deikttttg. MiZ der Stnatönnwaltschaft haben wir. wie allgemein be- kannt, manchen Strauß zn bestehen. Heute freue» wir uns dagegen, einen Fall berichten z» können, Ivo ivir ganz mit ihrem Vorgehen einverstanden sind, und wo sie mit Geschick und Glück bestrebt gc- »vesen ist, ein großes Unrecht zu verhindern und wieder gut zu machen. Die Sache ist für uns um so interessanter, als sie einen Vorfall betrifft, der mit einem gegen uns schwebenden Beleidiguugs- Prozesse zusammenhängt. Wir erwähnten schon wiederholt die An- klage gegen den Nenlier Feil brich, eine» sehr reichen Mann, der wegen Beleidung und Mißhandlung seines Dienst» Mädchens Fräulein N. angeklagt war. Frädrich hatte die N. nachts in ihrer Schlafkammer überfalle», und als er bei ihr nicht das gewünschte Entgegenkommen fand, das Mädchen mit Schimpfivorlc» und Mißhandlungen traklirt. Er war deshalb angeklagt, aber in erster Instanz sreigesprochen worden, weil daS Schöffengericht sich nicht auf das alleinige Zeugniß des Mädchens halte verlassen wolle»; der Staatsanwalt hatte dann in zweiler Instanz dtv früheren Dienstmädchen des Herrn vernehmen lassen und dadurch nachgewiesen, daß Frädrich regelmäßig seine» Mädchen nnanstäiidige Zuinnlhuiiaen zu machen pflegte, und wenn sie sich darauf uichl einließen, sich durch Grobheiten und Miß- Handlungen rächte. Erst daraufhin wurde Frädrich zu zwei Monaten Eefängniß vcrnrlhcilt. nud das Kammergericht bestätigte dieses Urtheil. Unser wahrheitsgetreuer Bericht darüber erboste Herr» Frädrich so sehr, daß er gegen unseren verantivorl- lichen Nicdakteur eine Privatbeleidigungsklage erhob, tu der er sich als Opfer sozialdemokratischer'Hetzerei hiuslellt. Wir habe» vor dieser Klage»atärlich nicht die geringste Furcht. Vorher aber halte Frädrich bereits eineuStreich g e g e n das a r m e D i e» st- rnädche» geführt, der ihm beinahe gelungen wäre. Aus dem Bilde dieses Dienstherrn, der durch seine eigene sittliche Führung so un- geuiei» geeignet ist, über die Führung seiner Untergebene» zu urlheile», würde etwas gefehlt haben, wenn er nicht dem Mädchen auch»och ei» Z eng» iß ausgestellt hätte, auf das hin es ihr schwer werden mußte, eine Stellung zu finde». Als sie bei einer Fran H. Gelegenheit hatte anzukommen, sah sie sich deshalb genölhigt, dieser anzuvertrauen, was Frädrich gegen sie begangen hatte. Frau H. erkundigte sich bei Frädrich,»nd dieser erklärte nicht nur die itlngabe» des Mädchens für erfunden, sonder» behauptete auch, er würde sie deshalb bestrafen lassen. Fran H. ließ sich das Dienstmädchen wiederkommen, gab ihr das Dienstbuch zurück und erklärte ihr, sie könnte sie unter diese» Umständen nicht nehme». Das war an dem Nachmittage des Tages, an dem vormittags die Verhandlung erster Instanz gegen Frädrich stattgefunden hatte. Frl. N. hatte diesen Termin in der Ueberzeugnng verlasse». Frädrich wäre i» ihn» zu drei Monaten Gesängniß»nd zu 400 Mark Geldstrafe verurtheilt worden. Das war ein Jrrthnm. Der Etanls anmalt hatte drei Monate Gesängniß gegen Frädrich denn- tragt lind dabei erwähnt, daß dieser mehrfach bestrafte Herr auch schon einmal wegen Beleidigung zu 400 M. Geldstrafe verurtheilt worden war, und es war dem Mädchen gegangen, wie vielen Leuten, die in de» Formen des Gerichts nicht zu Hause sind, sie hatte dies für eine Verurtheilnug genommen und hatte das später vom Vorsitzende» verkündete, aus Freisprechung lautende Urtheil nicht verstände». Als ihr nun Frau H. mittheilte, was Frädrich erzählt hätte, gerieth sie in eine begreifliche Enlrüstnng und enigegnete, Frädrich sei ja an diesem Tage mit 3 Monaten Gesängniß und 400 M. Geldstrafe belegt worden. Fran H. erzählte das Frädrich wieder, dieser erhob P r i v a t k l a g e gegen das Mädchen und erreichie es richtig, daß das Schöffengericht sie am 26. Juni wegen verleumderischer Beleidigung mit e i n e in M o n a t Gesängniß bestraste, obgleich Frädrich inzwischen in der Berusnugsiustanz verurtheilt worden war. Nun griff der Staatsanwalt ein und machte von seinem Rechte, in dem Privat-Klageverfahren die Führung der An- klage s e l b st zu übernehmen, Gebrauch. Das ist an sich ein seltener Fall, aber noch seltener dürfte es sein, daß dies zu gunsten eines verurthsilten Angeklagten geschieht. Der Staatsanwalt that das hier und legte Berufung gegen das Urlheil zn gunsten des Frl. N. ein. Diese selbst hatte natürlich auch Berufung eingelegt und sich einen Berlheidiger angenommen, während Frädrich als Nebenkläger sich auch durch einen Anwalt vertreten ließ. Die Sache kam am 10. November zur Verhandlung vor der Strafkammer 3 unter dem Vorsitze des Herrn Landgerichtsdirektors Rösler. Die Oeffentlichlert ivar ausgeschlossen. Ans dem Urtheile ergab sich, daß der Etaalsanwalt beantragt hatte, nur wegen eines geringfügigen Nebenpnnktes eine Geldstrafe von drei Mark, die geringste gesetzlich zulässige Strafe, gegen Frl. N. auszusprechen, während Herr Frädrich Aufrecht erhaltnng der Gefängnißstrafe gefordert hatte. Das Gericht erkannte jedoch nach dem Antrage des Bertheidigers Rechlsanwnlt Heine ans völlige Freisprechung. Es halle keinen Zweifel, daß Frl. N. ihre Angaben in gutem Glauben an deren Richtigkeit gemacht hatte und daß sie dabei in Wahrung berechtigter Interessen war.— Nun sind wir neugierig auf die Verhandlung in der Privat- klagesache gegen unseren Redakteur. Unlösbare Widersprüche traten in der Verhandlung zu rage, welche gestern vor der vierten Slrafkammer des Landgerichts I gegen den Schutzmann Heinrich Spiesecke staltfand. Es handelte sich um angebliche Mißhandlungen eines S i st i r t e u auf der Polizeiwache. Als Belastiiiigszengs trat der Tischler Franz G l a tz e l auf, welcher folgende Darstellung des Sachverhalts gab: Am 23. Mai d. I., einem Sonntag, habe er morgens gegen 4 Uhr nach einer durchkneipten Nacht aus einer Bank auf dem Andreasplatz gesessen. Er sei bald eingeschlafen. Der Angeklagte habe ihn nnsansl gerüttelt und im barschen Tone besohlen, weiter zn gehen. Er sei mit dem Schntzmanne in einen Wortstreit gerathen und von ihm sistirl worden. Ruhig sei er dem Beamlen gefolgt. Als sie das Hans erreicht hatte», in welchem sich die Polizeiwache befand, sei er voran durch den Thonveg gegangen. Da habe er plötzlich von dem Schntzmann ohne irgend eine Veranlassung zwei wuchtige Fansthiebe ins Genick be- kommen. Er habe sich darauf beschränkt, sich eine der- artige Behandlung zn verbitten. In der Wachstube habe sich der dienstlhnende Telegraphist befunden, welchem der Angeklagte Meidimg von der vorgenommenen Sistiruvg machte. Ter Zeuge habe seine» Namen und seine Wohnung angeben müssen, worauf der Telegraphist nachgesehen habe, ob diese Angaben sttinmte». Während dieser Zeit habe der Eingeklagte ihn gepackt, gegen dt« Wand gedrückt und ihm mehrere Ohrfeigen gegeben. Der Beschuldigte, bestritt dies alles. Er habe den Zeugen nnr im Genick gepackt»nd in den Hausflur geschoben, nm dessen langsame Gangart zn beschkeiinigen. An der Geschichte von den Ohrfeigen sei kein wahres Wort. Der Telegraphist bekundete, daß er von den angeblichen Mißhandlungen doch etwas hält« hören müsse», wenii sie vorgekommen seien, denn er habe sich in unmittelbarer Nähe befunden. Seiner Ansicht nach müsse der Zeuge Glatzel an W a h n v o r st e l- l u ii g e ii leide». Auch zwei Schutzleute, die sich im Neben- räum befunden halten, bestritte», von den angeblichen Ohrfeigen etwas gesehen oder gehört zu haben. Demgegenüber traten zwei Zeugen auf, welche im Vorbeigehe» gesehen hatten, daß der Schutz- mann einen Sistirlen unsanst zum Thorweg hineinschob. Sie seien ans den Hof des belreffenden Hauses gegangen»nd hätten hier gehört, wie jemand im Polizeibureau rief:„Ich will hier nicht gebackpfeift werden, das ist ja«ine Schinderei!" Nun hatte der Berlheidiger R.-A. Dr. Schwindt den Zeugen Glatzel schon vorher gefragt, ob er etwa diese Worte ausgestoßen habe, und Glatzel hatte dies in Abrede gestellt. Die Aussagen der beiden Belastungszeugen verloren dadurch an Glaub- Würdigkeit. Zwischen den Aussagen der Beamten und derjenigen des Zeugen Glatzel war eine Vereinbarung nicht zn erzielen, der letztere gab offen zu, daß er etwas angetrunken und verschlafen geivesen sei, aber er habe sich trotz dessen in einem völlig klaren Zustande befunden und halte jedes Wort seiner Aussage aufrecht. Der Staatsanwalt verkannte nicht, daß der Zeuge einen durchaus glaubwürdigen Ein- druck mache, dasselbe sei aber bei den Beamteu der Fall und er müsse deshalb mangels genügender Aufklärung die Frei« sprechung des Angeklagten beantragen, da er in dein.Hinein- stoßen des Zeugen in den Flur eine Mißhandlung und eine lieber- schreilung der Slinlsgewalt nicht erblicken könne. Der Gerichtshof erkannte nach diesem Antrage. Nochmals der K 2 dcS preußischen VcrcinSgcsctzeS. In Z e h l e ii d o r f tagte nm 4. April d. I. eine öffentliche Ä a n r e r- Versammlung, um zur Gründung einer Zahlstelle(Filiale) des Zentralverbandcs der Maurer Deutschlands Slellim� zu nehmen. Die Gründung wurde beschloffen und auch«in provisorischer Bor- stand gewählt. Verschiedene der Anwesenden erklärten sich bereit, der Zahlstelle beizutreten. Die eigentliche kon- stitnirende Milgliederversanimlung fand dagegen erst am 2. Mai statt. Slm 24. April war aber schon dem bereits am 4. April ge- wählten Vorsitzenden B i e l k e eine Strafversngung über 15 M. zugegangen, weil er nicht binnen drei Tagen, vom 4. April ab ge» rechnet, der Polizei das Mitgliederverzeichniß der Zahlstelle eingereicht hatte. Er beantragte richterliche Entscheidung und machte geltend/ eine Zahlstelle oder Filiale des Zentralverbandes sei kein selbständiger Verein, auch bezwecke die gewerkschaftliche OiHanisation der Maurer nicht, ans öffentliche Angelegenheilen einzuwirken, und nur auf Vereine, die dies bezweckten, finde der angezogene§ 2 des Vereinsgesetzes Anwendung. Schließlich sei die Be- strafung auch schon deswegen nicht gesetzlich berechtigt, weil die Zahlstelle ja erst vom 2. Mai ab als solche in Wirksamkeit getreten sei. Schöffengericht und Landgericht beließen es aber bei der Strafe und das Kammergericht wies gestern die vom Rechlsanwalt Dr, Herzfeld eingelegte und vertretene Revision ebenfalls zurück. Der Aorsitzende führte zur Begründung ans: Mit recht sei die Zahlstelle für-inen bereits in der Versainm- lnng vom 4. April begründeten Verein erachtet worden, da an dem Tage nicht nur die Gründung einer Filiale und Zab"Mle des Verbandes beschlossen, sondern auch der Vorstand gewählt um. den sei. GD habe in dem Augenblick eine dauernde Vereinigung einer nicht zn kleinen Anzahl von Personen zu gemeinschaftlichen Zwecke» stattgesiinden. Es sei somit ein Verein enlstauden. wobei es gleich- giltig sei, daß es sich nur um einen Zweigverein handele, denn die Selbständigkeit sei kein Erforderniß eines Vereins. Es komme nur darauf a», ob für den betreffendenOrt eine für die Daner bestimmtcOrgani- sation abgeschlossen sei. Der Verein„Zahlstelle Zehlendorf deS Maurer- Verbandes" bezwecke aber auch, ans öffentliche Angelegenheilen ein- znwirken. Das für ihn maßgebende Statut sichere Gewährung von Rechtsschutz in gewerblichen Angelegenheiten zn und stelle in Ans» ficht die Unterstützung solcher Mitglieder und NichtMitglieder, die infolge ihrer Thätigkeil für den Verband oder der Einstellung der Arbeit arbeitslos geworden sind. Demnach verfolge der Verein Zwecke, die über das Privatinleresse der Mitglieder hinausgingen und in das öffentliche Interesse eingriffe». Polizcischmrcir» gegen Arbcitcrvcrciiic. Das Kammer- g e r i ch l sällle gestern ein wichtige Entscheidung, die vor allem die Vorstände von Arbeitervereinen angehl. Der Zentralverei» der Bildhauer Dentschlands besitzt in Düsseldorf eine Ber- waltungsstelle. Der damalige Vorsitzende Wiegleb reichte der Düsseldorfer Polizciverwallung ans deren Verlangen am II. Februar 1307 das Mitgliederverzeichniß der Filiale ein. Von den aufgesührlen 52 Mitgliedern erwiesen sieh 22 als polizeilich nicht gemeldet. Das Ver- langen der Polizeiverwaltung, die Wohnungen der Mitglieder genau anzngebc», beantwortete Wiegleb damit, daß er dazu nictil verpflichtet sei und es thatsächlich auch nicht könne, weil er die Wohnungen nicht kenne. Wegen der Verweigerung der Wohniingsongabe wurde Wiegleb dann vom Schöffengericht auf grnnd der ZZ 2 und l3 des Vereinsgesetzes zn l5M. Geldstrafe event. 3 Tagen Haft verurtheilt. Der§2 schreibt vor, daß dieVorsteher vonVereinen, die auf öffentlicheAngelegenheite» eiuzu- wirken bezwecken, verpflichtet sind, Slainten und Mitglieder- verzeichniß binnen drei Tagen der Polizeibehörde einzureichen. Wiegleb legte Bernfnng ein und erzielte beim Landgericht seine Freisprechung. Das Gericht nahm an. daß die Verwaltnngs- stelle Düsseldorf des Zenlralvereins der Bildhauer ei» selbständiger Verein, und zwar ein solcher im Sinne des tz 2 des Vereins« gesetzes sei. Für die Annahme der Einwirkung ans öffentliche Angelegenheiten genügte dem Gericht schon die Thalsache, daß der Berein die Erzielung möglichst günstiger Arbeitsbedingniige»,«ine allgemeine Arbeilsvermittlnng und die Pflege der Bernfssiatistik be- zweckt. Indessen war das Gericht der Meinung, daß das Verlangen nach der genanen Adresse der Mitglieder wenigstens dann der gesetzlichen Grundlage entbehre, wenn dem Borstand die nähere Wohnung der Mitglieder unbekannt sei. Im übrigen war das Gericht der Ansicht, daß der tz2 nicht nnsdehnend ans- gelegt werden dürse.— Die Staatsanwaltschasl legte gievisio» ei» und machte geltend, tz 2 des Vereinsgesetzes bezwecke, es der Polizei zn ermöglichen, die Mitglieder und de» Umfang der Bereine kennen zu lernen. Das werde aber nnr erreicht durch eine so genaue Bezeichnung der Mitglieder, daß die Polizei in der Lage sei. sich über ihre Persönlickkeit zn unterrichten und ihre Thäligkeit in den politischen Bereinsaiigelegendeiten und damit den Verein selbst zu über- wachen. In große» Städten werde das aber nicht erreicht durch die bloße Angabe des Bor- und Zunamens. Die Wohnungsangabe fei dazu erforderlich. Im Termin vor dem Slrassemtt vertrat Rechlsanwalt Heine den Angeklagten. Das Kammergericht ver- warf die Revision der Slaatsanwaltschast unter folgender Begrün- dnng: Nach tz 2 des Vereinsgesetzes sei nicht nur das Mitglieder- verzeichniß k.«inzureiche», sondern auch der Behörde ans Erfordern jede darauf bezügliche Anslniist zu erlheilen, also könne auch die Polizei bei Vereinen der im§2 gedachten Art die Adressen derMitglieder verlangen. Wenn jedoch, wie im vorliegenden Falle, der Vorstand dazu nicht im st a n d e sei, dann könne wegen der Unterlassnng leine Bestrafung erfolgen. I» der Strafsache wider den des Lollerievergehens be- schuldigten Bankier und Loosehändler Karl Heinz« hat die Urtheilsveikündignng am Montag nicht stattgesunden, die Publikalion ist vielmehr aus heute. Freilag. Vormittag anberaumt worden. Vevscnnmlnttgen. Die Handels-, Transport- und VerkehrSarbeiter besprachen in einer öffeullicheu Versammlung am vergangenen Sonntage die Mißstände bei der Speditionsfirma Brasch n. Rolhenstein. Gerügt wurde die grobe Behandlung, die den Arbeitern genannter Firina von dem Inspektor Herrn Meklenburg zn theil wird. In einer Besprechung, die Oertel und Schuhmann mit diesem Herrn halten, versprach er. i» Zukunft«ine bessere Behandlung platzgreifen zu lassen.— Eine Anzahl der Anwesende» ließ sich in den Verband aufnehmen. Schöneberg. Am 9. d. M. tagte in der Schloßbrauerei eine öffentliche Volkeversammlnng, die sich noch in letzter Stunde mit der Stadtverordneten- Wahl beschäftigte. Das einleilende Referat hielt Genosse Bruns, der den zahlreich erschienenen Franen nnd Männern nochmals in eingehender Weise die Ziele der Sozialdemo- kratie ans kommunalem Gebiete vor Augen führte. An der sich hieran anschließende» Diskussion betheiligten sich Obst, Köster, Petersen, Steinsetzer Schmidt, Klein und H o f f m a n n. In einem kräftigen Schlußworte erinahnle der Vorsitzende nochmals die Wähler der 3. Klasse an ihre Pflicht, nur einem Sozialdemokraten, als dem einzig richtigen Vertreter aller Besitzlosen, ihre Stimme zu geben. Arbeiter-Sildungoschnle. JnseMr. lo, v. rkr. Mittwoch: Natt onat- Ston ornte(Grunddegiiffe der Nattonalötonomle! Dr. Sonr. Schmidt) Donnertzag!»«schichte sDle vorgeschtchtliche Zelt und die ersten geschlchUichen Ueberlicserung-n: Dr. Georg Z-ppler). Fretlag: s-sesestund« lAibeilSoerlrag, dle sojlnlpoUUlche E-leeg-bung. Slrafrechl,«ein-rbUch-« Noii- »esstoniwesen. Eberechl, MtslhSiechl, Srb- und Borin undschaslsrechr, ossenUtche« R.'cht: Rechlsanwali Wolsgang Heines. Tie Btblioihst tft von«— s Uhr geöffnet. MtigliedSbeNrog monall. 26 Ps.. Kursus(10 Adendes i M. pro„-ras. Thrill'. ehmer weiden ausaenommen in der Schule und in folg. Slellen: Gollsr. Schulz, Vldmiialslr.: Meul, Barnimsir. 42; Schiller, Rosenlhalerllr. 67; ölcinen, Wiüllersir. 7»; Paul Miicle, Manteuffelstr. 128; H. Königs, Dtefsenbachstr. so. Alle Zuschriften sind an den«vl sitzenden Paul Mücke jr., Man- teufselstr. iss, Geldsendungen an den Kassirer H. Königs, L. Diessendachstr. so, zu senden. Knliner Mrnnke« Uni-rftiid»»««- nnd Kegriidnißvereln Nir ftoutn nud Miidchen. Heule, abenr« 7-9 Uhr. bei Mehrwald. Alle Jotodslr. 6t-bS, Zahladcnd. Daselbst werden auch jeder, eil neue MNgUeder ausgenommen. Ilotuvljrilwevei» 1. ssreima. den 12. November, abends 8ij Uhr, Im«ante der«rmtnhallen.«orninandanienffr. eo, öffenilicher Borirag über:„Ten ge< sunden und tranken Magen."«ieserent Herr 0r. med. tmips-Hasse. Briefkasten der Redaklion. Wir dtllen, bei jeder Antrag««Ine«hlffre(«wel Buchslade» oder eine gahl) anzugebe», unler der dl« Anlivorl«rlhei» werde» toll. Die juristische Tprechstiinde sindet in dieser Woche am Mittwoch, Donnerstag nnd Sonnabend von 5 bis 7 Ilhr abends statt. Berichtigniig. I» der Notiz„Ziim Gedächtniß" in der vorigen Nummer ist ein Jrrthnm unterlanfen. Die Nameu der in Ehikago Hingerichteten sind: Spieß, Engel. Parsons, Fischer. Lingg lodtete sich selbst. 3 Streitende in Friedrichsberg. Im 5. Berliner ReichstagS-Wahl- kreis wurden in der Hauplivaht im Jahre 1800 7840 Stimmen für die frei- sinnige Bollspartci, Löö für das Zentrum, 5143 sür die deutsche Reform- Partei(Antisemiten) und 0729 Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben. In der engeren Wabl siegten wir mit 11 245 Stimmen über die freisinnige Volkspartei, die blas 9272 Stimmen ausbringen sonnte. K. W. M. Wir verlangen sür alle Freiheit, nicht aber sür alle poli- zeilichc Bevormundung. F. M., Lehrterstrahe. Die Zusendung ist nicht verwendbar. Besten Dank sür Ihre Ausliicrrsamkcit. Wctier-Prognose fiir Freitag, IT. Noticinber I>»v7. Etwas wärmer bei ziemlich frischen südlichen Winden und zu- nehmender Bewölkung; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner W e t l e r b n r e a». Acht....»: Wahlkreis. Acht«»»: l Ut Sonntag, den 14. Nobember, abeude 6 Ilhr, K ö s l i u c r Hof, K ö s l i ,» c r st r a ß e 8: Ocffentl. VolksversamnsZung LNÄnuvv nnd» Isvnuen. Tagesordnung: 1. Tie Lage der arbeitenden Klasse»«nd wie führe» wir eine Ncndcrnng derselben herbei? Referent: Georg liVaguer. 2. Diskllssio»._ 247/14 Nach der Bersanimlung: Gcmüthlichcs Beisauimcusein und Tanz. Zahlreiches SrCchewe» erwartet__ I>er Elnberufcr. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitag, abends 8 Uhr, bei Colin, Benthstr. 20/21:[288/13 der Ortsverwaltinig. Tifrhler Deootn. Sonnabend, 13. November, abends 8'/« Uhr. Melchiorstraße 15: Tersamiulimg'. Tagesordnung: 1. Vortrag- des Herrn lvi». HVoIIKoIni über: Gcschichisschrcibung und Gcschichtslehre". 2. Ein UliterslntznngSgesuch und Bercinsnngelegen- hciteu.— Ausgabe der Bidets zur„Urania".— Damen haben Zutritt. 199/12 Idei- Vor-e»taiick. Freie Vereinigung der BaurteiterBcriius. |pSP Mitglieder-Versammlung"HW am Sonntag, den 14. November, vormittags I« llbr, im Lokale des Herr» Wilke, Slndreasstratze Nr.£(!. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereins- Angelegenheilen und Ver- fchiedeneS. Neue Mitglieder werden aufgenommen. 31/14 I. A.: Vi-it- KrHger. Zahlstelle Berlin. Sonntag, den 14. November 1897. vormittags lOV, Uhr, in den „Nrminhallcn", Kominandautensir. K0: Mitglieder-Versammlttug. Tages-Ordnnng: 1. Die Bedeutung des Minimallohnes und der MaximalardeltSzeit. Referent: I. Timin. 2. Geivcrlschasllichcs. Gäste haben Zutritt. Nene Mitglieder werden mifgenommen. Um zahlreichen Besuch ersucht 255/0 Der Borstand. I. A.: H. Knüpfer, Schöneberg, Kolonnensir. 52. SV Diejenigen Mitglieder, die noch im Besitz von Büchern ans der Bibliothek sind, werden höflichst ersucht, in obiger Versammlung dicsclbcu ab- zugeben, da eine Regelung der Bibliothek vorgeuomineil werden muß. Ferner werden die Mitglieder darauf anfincrtsam gemacht, dajj am Dienstag, den 13. November, abends 8 Ilhr, eine Bezirksversammlttttg mit Frauen für den Utovfrrn Swinemimdcrstr. 42 stattfindet. Tagesordliung: Die Opfer der Arbeit. Reserei»: H. Fade r. Nillh dein Vnrtrng: Geselliges Beisammensein. Gäste, Damen nnd Herren sind willkommen._ Achtung, Kistenmacher! Dienstag, den 1«. d. M., abends Hy, Uhr, in den„ArminhaAe»". «ommandanteustrafsr Nr.£0: Oeffeiitliclie Versa min Iniig'. Tagcs-Ordnung: 1. Abrechnung des Vertrauensmannes vom dritten Quartal und vom Keiling'schcn Streik. 2. Gewerkschaftliches»nd Verschiedenes. Die Kollegen, die Mitglied der All«. Ortskasie sind, werden ans die Delegirtenwahlen am Sonntag, den 14. d. M., aufmerksam gemacht. Ein jeder lasse sich Sonnabend sein Krankenkassenbiich zur Legitimation geben. 295/5 Der Bertranensinnnn i E. Tschernig, Fürstenstr. 10. SLmmtliche arbeitslose KistettiNlher, Steillmcheil, Eteiusedtr, Rohrlcger 11. s. w. welche Mitglieder der All«. Orts> Kraukciikajse sind und sich als selbst- zahlende Mitglieder gemeldet haben, werden darauf ausinerlsain gemachit, daß honte iNbend von 8>/z— lv Uhr im Lokal von Bunkc, Grenadier- strafte 33 die Wahl von 23 Delegirten zur Generalversammlung stattfindet. Da die Kaffenbeamten, welche Gegner der freien Arztwahl sind, wieder ihre eigene Liste aufgestellt haben, hat sich auch die Dl-cizchner-Äoiiunissio» veranlagt gesehen, eine eigene Kaiididatenliste aufzustelle». Mitglieder: Bei der letzten Wahl fehlten uns nur noch sechä- zehn Stimmen an der Majorität; diese werden diesmal hcrangeschafft, wenn alles ans dem Posten ist. Keiner darf fehle»! Wer sich imierhqlb einer Woche nach seinem Alistritt ans der Beschäftigung aus der Kaste als Selbstzahler meldet, ist berechtigt, an der Wahl theilziinehmen. Das Be- zahlen der Beiträge ist erst innerhalb 8 Wochen notbwendia Mitgliedsbuch legitimirt. Unsere Stiininzctlel sangen mit dem Namen Fr. Pauline Goldacker an und werden vor dem Wahllokale verthcilt. 1785b Die Dreizehner-Kommisfion. Nur bcu Inhalt der Inserate nderiiimint die Redaktion de», Pnbltknin gegenüber keinerlei Veranllvorliittg. T lzrntev. Freitag, den 12. November. Qpernhans. Mignon. Ans. 7Vz Uhr. Tchauspielhans. Helga'S Hochzeit. Anfang 7>/z Uhr. Tentschcs. Die versunkene Glocke. Anfang 7»/- Uhr. Berliner. Faust. M. Weil.) Anfang 7-/- Uhr. v- Eoethe. Die Jungfrau von Orleans. Anfang 7l/z Uhr. Lesjing. HanS Huckebetn. Ansang 7'/, Uhr. Siened. Aschennittwoch. Borher' Lieb' im Spiel. Anfang 7l/z Uhr. Residenz. Die vierte Dimension. Borher: Finale. Ansang 7>/z Uhr. Schiller. Wallenstein's Lager Die Pkcoloinini. Ansang 8 Uhr Hilter den Linden. Die Groß- Herzogin von Gerolstein. Anfang . 7l/i Uhr. Luise«. Der grobe Wohlthäter. An- fang 8 Uhr. Thalia. Tohn-Bohu. Ans. 7'/, Uhr. ästend. Am Altar. Anfang 7'/, Uhr Central. Berliner Fahrten Anfang � Uhr. Friedrich> WilhelmsladlischcÄ. Der Beilchenfresser. Ans 8 Uhr. Belte-AIliance. Das Lied von der Glocke. Wallensteins Lager. An- fang 71/, Uhr. Sllexanderplah. Im Sumpf. Ans. 8 Uhr. Reichshallen. Speztalttäten. An- fang 3 Uhr. American. Berlin, wie's nZht und trennt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Ans. 7V, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten._ S»szilIev�Tlzrnter (Wallner-Theatcr). Freitag, abmds 8 Uhr, zum ersten Male: Wallenslein'S Lager, Die Piccoloniini. Sonnabend, abends 8 Uhr: Wallen- ftein'S Tod. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Kreuzelschrciber. Abends 8 Uhr: Tie Riinber. Lnisen- Theater 34. Reichenbergerftraste 34. Abends 8 Uhr: An große Mohtthater. Vollsstück mit Gesang in 8 Bildern don H. Willen. Musik von R. Bial. Morgen, Sonnabend: Das alte Zied. Schauspiel in 3 Auszügen von Felix Philippi. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Boles-Borftellunn zu kleinen Preisen unter Regie von�lollu« Vvi-Ie: FL»rl» Billets ä 33 Pf. zu der Sonntag- Nachmittag-Bottsvorftellung in den bekannten Berkaufsstellen. Central-Tlieater Alte Jakobftr. 30. Direktion Rieliard Sclmlts. Freitag, den 12. November 1897; Xfoill Thomas a. G. Zum 79. Male: BvHinei» Fahrten. Burleske AuSflattungSposfe mit Gesang und Tanz in 3 Bildcm von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jul. Einödshoser. Aiisang Vz8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrten. Lmerieaa-IIleatei'. Dresdenerstr. öS. Freitag, den 12. November 1897: Kolossaler Erfolg! Stürmischer Beifall! Zum 62. Male: Berlin lvie'ö näht nud trennt. VolkSstück m. Gesang in 2 Abth. v. L. Elp. Musik von M. Schmidt. Der Trnnm von Bnhrenth. Parod. Traumbild. Hugo Schulz alS Seciiiann. Lina Stöcker Golh, Soubrette. Emmy und Crnft Rebentisch als Znkunfts-Ehcpaar. Paul Bcndix. Humorist. Anfang der Vorstellungen: JSowuü«����chmk�$�UHv E iGebrQderHerrnfeld'sl 1. Original-Budapestsr Possen- n. Operetten- Theater Js Kanfraaun's Variöfi. linr nochknrxeZelt die Sensations-Kassenstüoke Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. Ueberrasohende, hervor- rogende Spezialitäten. 3� Gustav Schmidt, Pbänoinenal-Tenor. Ferner d. brill Humoristen- Trio Steinttz, Rose, Jttr- Sensen. Slarzella und ;ertholdy, Equilibristen. Frl. Hermine von Seldem, Wiener Walzer-Sängerin. Anf. präz. l/ß Uhr. Kasseneröffnung VJ Uhr. p�Torbereltiing:-Wgs Familie Kochsalz. Original-Lustspiel von Gebr. Herrnfold. on Dreiend. Glücklichste.| Gelegenheitsakt von Gebrüder Hermfeld. Urania Taiibcnstrasse 48—49. Naturkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissonschaftl Theater. Invalldcnstrasse Bio. 57/62: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge1 Passage-Panoplicum. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. 6 Vi- 10 Uhr. Castan's 388 Panopticnm. Friedrichstr. 165. Indisch- hlndnsta- nloche Oa n kl e r — und— Schlangen- Beschivitrer. Das BÄRENWEIB. Reichs ha IBen- Thcater. Leipzigerstrasse 77. I Rente, Freitag, den 12. November 1897; Benefiz nnd Ehrcnabeud für Pietro Blanchard, Erfinder der Illusion: B-as fiaminende Rüthsol? aus Anlass seines ISjälir. Künstler- Jubiläums. Zum ei-ston Male; Silvia, die moderne Sphinx. Zum ersten Male: Atnlunte, der unsichtbare Flug. Ferner ? Das flammende Räthsel? und das gesaiumte Spezialitäten-Personal. Anfang des Konzerts 7V- Uhr, der Vorstellung S Uhr. Entree SO Pfg. Im Eeichshallen-Tunnel; Rllitär-Konzert, Kapelle des 5. Garde-Hegiments in Fnlfonu, kg], Musikdirigent Gl. Ofi'cney. Anfang 8 Ulir. Entree 20 Pf Quarg's Vandeville Theater Grand-Hotel Alexanderplat«. j Heute, Freitag, den 12. No- � vember; Sensations-Programm bei.den 1. Orig. Bndapestern (Laützkp u. Spitzer). Zum 1. Male: Tas Modell. Burleske mit Gesang und Tauz in 1 Akt von Leonhardy Haskcl. Vorher: Ida«, Armband. Schwank nach dcm Fraiizösiichcn von Malwine Müller. Meiscnbach als Photograph. Neu! Gebr. Rott als Pick- feine Köche. Neil! Leonh. Haskel.— Lirbcszcichc».— NlicS in Berlin.— Frihi Georgette.— Christ'! Schöna».— Liebel Bauer. Hermann Reguis mit iicucn Nummern. Apollo- Theater. Friedlichste. 218. Dir.S. Olitck. Familie Meiss. Mr. Kapoli. Carmen Faur. Kanfknann'a Kunst» Kad- fahrer-Tronpe. Robert Steidl. Nile. Berthe Duchamp. Oer Kosanograf. Kalsciieröffnuiig: 6V2 Uhr. Aiifang 71/2 Uhr. Yicloria-Brauerei. Lützowstr. 111/112 (nahe Potsdamer Platz). Heule. sowie seden Freitag u. Montag: Slcttliier Sänger tMehsel, Pieiro. Britton. Steidl, Krone. Röhl, Schneider und Schräder.) Anfang 8 Uhr. Euttee 50 Pf. Vorverkauf 4v Pf. (Siehe Plakate.) Bienen Programm! Oftettd-Theater. Gr. Franlfurtcrstr.I32. Dir. C. Weist. Anfang 8 Uhr. Im Tunne! von 7 Uhr ab: Großes — Frei-Koiizert.— Heute, zum letzten Male: Am Altar. � Sonnabend: Unsere Reichspost. Sonntag Nachm.: Geisterglocke Halbe Preise. Abends: Klippen der Welt- stadt. In Vorbereituiig: Leben und Lieben. Vollst m Gest v. Os. Klein. Musik vo» Wanda. Thalia- Theater. Freilag, den 12. November 1397: Zum L8. Male: HoieS Tohu-Bohu. (L'Auberge du Tohu-Boba.) Vaudeville in 3 Akten von Maurice Ordouneail. Deulsch von Viktor Leon. Musil von Viktor Roger. Morgen: Dieselbe Vorstcliuug. Volles- Theater im BVcIt-Kcstanrant 07. Dresdener Straste 97. Novität! Täglich: Novität! O diese Radler! Posicu- Burleske von O. N 0 e d e r. Das Dameiiregimen!. Operette von Ei».— Musik von Einödshoser Ansang: SoiuiiagS 3 Uhr, Wochen- tags?>/, Uhr. Feen-Palast LS Bm-gstr. SS. Dir.: Winklcr& FrObcl. Neu! Die Neu! Kallet-Ratleu. Hauptrolle» Rich. 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Sonntags 50 Pf. Wochent. Passe-partout« giltig. Diese Borslelliingen finden jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag statt._ H. Pierry. Concerthaus r.cipzlgerstr.Blo.48. SÄT Täglich: Hoffmann's Quartett nnd Htimorislen. «nfnuilSSSS: Ganz ncil! Dnnicn vom Bauet. Der Handschuh. Pepita. Zum 214. Male: Lenc, liebe Lene. Ä. Bvack's Ihealer II r ii n a c u- S t. r n s a e 10. Heute, Freitag, den 12. November: Die Grille. Ländliches Charakterbild in 5 Auf- zügen von Charlotte Birch-Pfeifser. SMilfibeiid lutp Pmalftstlichkelt feine Pgrstellnng. Clrcus Busch (llahnhof Bärse). Freitag, 12. Novbr., abends 7-/, Uhr: Hnmoristislher Abend. Zum 1. Male: Bär u. Schildwache, komische Episode. Zum 1. Male: Mr. Rappo als Zahnarzt. IVO Ulowns, männliche und wetbltche. Der Klown Herr BoganowSty als Schnellphoto- graph. Die vorzüglichsten Freiheits- oressuren d. Dir. Busch. Pferd u. tund, Originaldressur des Signor orradini. Leopard, Mecklenburg. Bauernpferd, dresi.»nd geritten von Herrn Foottil> Burghardt. Ein Reiterinnen- Potpourri. Gebr. Batla: Eine Beloeipedefahrt an der Zirstlsdecke. Zum Schluß: Aach Sibirie«. Das grostnrtigfte aller Manhge- Schaustucke. Morgen: Blaoli Sibirien. Sozialdemokr. Verein für den Y. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Sonnabend, den 18. Bio vember, abends 8V2 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain(früher Lips), am Königsthor: Erstes Stiftungsfest. ¥okal- nnd Instrumental-Konzert ausgeführt von der Kapelle des Herrn€!. Grass, unter gütiger Mitwirkung der Typographia, Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgiesser und des Berliner Ulk-Trio. 245/17 LV Während der Dauer des Programms ist das Rauchen im Saale nicht gestattet.'96! Nach dem Konzert; Grosser Fest-Ball. Billets Ä SO Pf. sind zu haben bei Merlins, Landwehrstr. II; Richter, Neue Königstr. 90' W e n d 1 a n d t, Marienburgerstr. 32; K n ö t z s 0 h, Hirtenstr. 10; Wittsohow, Kleine Hamburgerstr. 27; Schmidt, Luisenstr. 5; Reul, Bamimstr. 42; Spaet, Weins tr. 28. Zahlreichen Besuch erwartet Das Fcst-ComitA. Moses oder Darwin? Popnlilrer Vortrag von Dr. Johannes BUIler Freitag, 12. Novbrt abends 8 Uhr Berton's Festshle (Friedri c h- S t rasse N o 236). Eintritt SO Pfennige. Alcazar Varidte- Theater I. Ranges. Dresdenerstraße 52/53(Cith-Passage) Anneiistrabe 42/43. Direktion Richard W i n k l e r Vornehmster Familieii- Ansenthalt. Neu! Novität! Neu! Der B er« verführ er. Groste AiiSstaltinigö-Operelte ni 1 Alt von Leop. Ely. Musik vo» Holländer. Neu! Vorher: Ne».' In tausend Aengsten. Lustspiel iii I Ail. Aiislreteii sämmtl. Kiiiist-Spezialitäte». Attsgug. Wochentags 8 Uhr. .'llislllig. Sonntags 6»/, Uhr. � Entree 3» Pf.— Reservirler Platz 50 Pf Christbanm- schmuck. Stifte, enthaltend 340 Stück. Neueste Glas-Brillant- Sache», Vögel, . Kugeln, Eiö- tzzapien n. f. iu. fraiiio 5 Mark. Größere Kisten 8 bis 10 Mark. Jede Kiste eilt- hält 2 Schach- teilt Christ: banmschniuck it. eine Baum- spitze gra t is. Anion vrelner Sohnster Lelm, Lauscha i. 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Stiftungs-Fest in der„Bienen Welt", Hasenhaide Vokal- und Instrumental-Konzert ausgeführt vom Orchesterchor„Vorwärts" unter gütiger Mitwirkung des Gesangsverein„Melodie", sowie Auftreten der Gesellsciiaft Slrzelewicz. Im zweiten Saal: Tanz. Billets ä 20 Pf. sind in den Zahlstellen zu haben. Um zahlreichen Besuch bittet 275/6 Der Vorstand. Friedrichsberg. Sonntag, den 14. November 1807, mittags 18 Ilhr, im Lokale des Herrn Güirseh, Frankfurter Allee 174: Oeffeutl. Volksversammlung für de» Kreis Niederbaruim. Tagcs-Ordiiuna: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten 4.rtbnr Stadthagen: „Aii'e Baterland, an s thenre, fchlics« dich au.« 2. Diskussion. 3. Wahl zweier Mitglieder zur Prest-Aoiniiiission. 4. Beriditerstattung und Wahl des Verttaueiismaiins für Friedrichsberg. 5. Wahl der Revisoren. 6. Wahl der Lokal-Kommissioii.— Zur Deckung der Unkosten 10 Pf. Entree. Recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 224/7 Der Vertrauensmann. Saal zu Versammlungen, Festlich- keilen und für Vereine noch mehrere Tage in der Woche frei. s3o64L* Ford. Ewald, Schänleinstr. 6. BerriuSzimmcr noch z. verg. bei Krahne, Zionskirckiplatz 5. 1792b Erklärung. Die gegen den Töpfer Rud. Hielscher ausgestostene Beleidigung ziehe ich hiermit zurück. Otto Glast. lSürbiiltil- Rester-Ausverkauf älterer Muster in weist und crSme. zu 1—4 Fenstern passend, spottbillig in dem Gardinenfabrik-Lagcr von Nt'KKI»« Berlin«., Grüner Weg Nr. 80 pari., Eing. vom Flur lkci» Laden) Neuheiten treffen täglich ein. Proben nach außerhalb vortosrei. Csrl Becker Cigarrcn, Cigurrcttcn u. Tabake-Wists! Lindoiverstr. 85 an der Müllerstr. Fertige Betten� 9 Mk.°n bis zu den feinsten Hcrrschastsbetten, Bettfedern und Bsunen in größter Auswahl spottbillig. E. Becker, Landsbergcrstr. 45. s ophastoffe auch SAT" StuflCW in Rips. Damast. Er6pe. 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Pape, Oranicnstr. 183. s178öb Jnstrnmentenmacher für scharfe und stnnipfe Jiistriimente werden sofort verlangt bei Jean Bette, Eliri- stionia(Nonucgcn)._[17806 Schlosser null Mechaniker verlangen KOSChkC& CO., Fabrik f. Nähmaschiiieniheile, llhar» lottenburg, Gntcnbcrgstr. 3. HV Schlosser. e selbstä welche selbständig arbeiten(Kolonnen- sührer), verl. Thurmstr 68. 177gb Mechaniker aus Nähmaschinen ver- langt Kiesel, Nosenthalerstr. 31. Packer, welche tn Goldleistenfabrik gearbeitet, verlangt 1778b A. Werkmeister. Schmidftr. 8a. Blechfpanuer ans dünne Stahlbleche sucht* Tüchtige Schlosser für Hinter- wageii-Kasten bei hohem Lohn gesucht 35528* S I A r n h e l m, Badstr.40/4l. Zeh» Karton-Arbeiterinnen. geübte, V. Wolfs. Nene Friedrichstr. 48. Barockrahmen- Vergolder werden verlangt Kottbuscr User 32. 17K2S Pappenzuschneider»en. A. Eisensthdt, Bcuihstr. 5. „rt-lmeril,,,,. Schuhfabrik Berlin« Hamburg« Stettin. 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(Ohne Gewahr.) . 233 313 421 30 508 865 72 1046 272[30001 315 75 83 96 4-6 683 86 929 42 2030 141 293 407 686 964»109 240 359 440 516 607 960 61 4018 426 546 814 20 962 5266 98 492[500] 504 617 89 773 870 905 19«190 435 ,77 767 7001 240 416 35 99 fSOO] 504 5 601 9 14 17 36 39 925 8015 40 50 69[1500] 214 49 361 81 539 57 76 77 779 91 802[600] 87 921 74 0253 73 652[3001 925 92 10167 84 263 306 444{300) 74 514 609 62 779 S98 951 55[5001 11096 856 432 517 60 895 18120 77 224 323 446 871 1!I077 199[3000) 208 50 86 318 432 530 664 752 1 4084[30001 296 624 792(1500) 940 15278 311 446 49 714 88 66 16102 73[5001 262 322 507 82 618(15001 772 840 962 65 1 7026 84 85[300) 137 312 13 403 43 73 91 512 836 904 55 67 93(30001 96 18084 150 256 81(1500) 740 57 73 87 967 l»309 551 612 997 »0380 414 36 537 674 763 853 57[3001 903 41 21071 151 241 429 516 22083 140 228 456 566 623 68 752 85 28164 233[SOOl 38 51 96 396 411 71 856 1300) 912(1600) 24096 238. 53[1500] 66[1600] 70 34783 88 780 87 995 25299 329 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Ziehinistd. 4. Klasse 197. Kffl. Preilh. Lotterie. �' 7 Zirhung vom 11. November 1307, nachmillags. 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Für deu Juseratentheil verantworllich! Th. iSloike in Berlin. Druck und Verlag von Mar Pading in Berkin.