Frauenstimme Nr.,S�4Z.?ahr�1 HCllCiQC ZUM UOttüStfe j 2. Scptcmbct mT] ä«iainilianUffiBanilMIIIIUÜIUI[Bl!!ll!lllllllH{nKI!tiaillWllilR!8IMÜW!!.n!}ilüiniUiBltfll!iniHyiWM)llii:illi!IWÜ!il!lli!H:!l!l!ll täglich einen Eßlöffel Saft(besonders geeignet ist Apfelsinen- oder Tomatensast) und einen Eßlöffel W a s s e r zu geben und diese Portion allmählich zu vermehren. Nach neun bis zehn Monaten muß der Säugling entwöhnt werden. Fällt dieser Zeit- punkt in die Mitte der Sommermonate, so kann die Entwöhnung »och um einige Wochen verzögert werden. Eine Entwöhnung vor der normalen Zeit sollte nur nach Befragung eines Kinderarztes er- folgen. Hat man dem Kinde in der letzten Zeit regelmäßig gekühltes gekochtes Wasser zu trinken gegeben, so ist es nachher viel leichter, es zu entwöhnen. Die Entwöhnung muß sich aber mindestens über einen Zeitraum von zwei Wochen hinziehen. Wenn der Arzt seine Zustimmung gibt, so verabreiche man dem Kinde im Alter von acht Monaten gut gekochtes Grieß m eh l, Hafergrütze, Gerste oder Reis und im neunten Monat Fleisch- oder Gemüse brühe, Zwieback oder ein wenig trockenes Brot. Man kann dem Kinde dann auch schon etwas A p s e l m u s, gesiebtes Pflaumenmus, gesiebten Spinat, weichgekochte Eier und zerstnmpste Kartosfeln'zu essen geben. Spinat und Mohrrüben sind wegen ihres Nöhrsalzgehalts und ihrer leichten Verdaulichkeit besonders zu empfehlen. Es ist auch ratsam, die Verabreichung von Saft fortzusetzen. Fleisch darf das Kind erst genießen, wenn es Zähne be- kommen hat. Wichtig sür die Gesundheit des Kindes ist es, ihm zwischen den regelmäßigen Mahlzeiten nichts zu essen zu geben. Der Kindermagen bedars der Ruhe. Ist das Kind ein Jahr alt ge- .......................... ............ Die Sterne. Ost der zarte Regenbozen, Der im späten Äbrnd stand, On dao Himmelreich verstogen, On das sternenvollr Tand? Aich, wie stießen wir so gerne On das Himmelreich der Sterne, Das mit Dicht das Herz betäubt Tlud am IMorgrn kühl zerstäubt. Ost ein Wunsch, in dem wir bebten, Ganz erloschen und wie tot: Große'Wünsche! Äch, sie lebten Äls{ich Sternenhimmel bot! Äch, wie stießen wir so gerue On das Himmelreich der Sterue, Das mit Dicht das Herz betäubt lind am DEtorgen kühl zerstäubt. Ost ein Diebstes, das uns küßte, Tlnd wir hielten'» fest im Äxm, Dllcht voll'Wunder und Gelüste Äbgeblüht wie Stcruenschwarm? Äch, wie stießen wir so gerne On das Himmelreich der Sterne, Das mit Dicht das Herz betäubt Tlnd am DlNorgcn kühl zerstäubt... IKta* Barthel. worden, so sind drei Mahlzeiten am Tage ausreichend, zu denen dann noch in der Mitte des Vor- und Nachmittags ein Glas Milch kommen sollte. Das Zahnen erzeugt beim gesunden Kinde keine Krankhcits- erscheinungen. Komplikationen können nur durch unrichtige Er- nährung oder durch Erkältung oder eine unsaubere Flasche ein- treten. Besänstigungsmittel und Zahnketten müssen beim Zahnen unbedingt vermieden werden. Hält man die Kindernahrung rein, kühl und bedeckt, so wird das Kind auch de» so oft gesllrchtcten zweiten Sommer ebensogut wie den erste» überstehen. Das reine, bequem versorgte Kind ist gewöhnlich ruhig. Wen» man das Kind jeden Tag badet, wird es kaum an H i tz c b l ä s ch e n leiden. Treten diese dennoch aus, so setze man dem Badewasser einen Teelöfsel doppeltkohlensaures Natron zu. Sorgfältig ist auch der Kops des Kindes zu waschen, da sich sonst leicht Schuppen bilden. Die Kleidung der Kinder muß lose anliegend und einfach und rein sein. Wenn man im Sommer den Leib des Kindes mit einem weichen Bande warm hält, so schadet es nichts, den übrigen Teil des Ktzr- pers der Lust auszusetzen. Nur darf man die Sonne nicht direkt aus die Augen des schlafenden Kindes scheinen lassen. Man sollte das Kind auch daran gewöhnen, immer zu gleicher Zeit am Tage und während der ganzen Nacht, möglichst allein, zu schlafen. Bei Erkrankungen darf man nie ohne Befragung eines Arztes eine Medizin verabreichen. In den ersten sechs Monaten muß jeder Säugling jede Woche etwa ei» Viertclpstnid an Gewicht z u- n e h m e n. Vor allem vermeide man es auch, dem Kinde den so be- liebten Lutschbeutel zu geben, der doch nur ein Sommelort sür Krankheitskeime ist und den Mund des Kindes verunstaltet. Zieht man das Kind mit der Flasche auf, so ist der Sauger auszukochen und in einem reinen, zugedeckten Gefäß aufzubewahren und auch die Flasche nach jedem Gebrauch zu waschen und auszukochen. Schließ- lich sollte jedes Kind noch im ersten Lebensjahre geimpft werden. Bei genauer Beachtung aller dieser Maßnahmen ist am zuver- lässigsten ei» gesunder und lebensfroher Nachwuchs gesichert, von dem ja In erster Linie die Zukunst unjeres ganzen Volkes abhängt. Grthopäöisches Schulturnen. Die heutige moderne S ch n l g e s in, d h c i t s p s l e g e ist sehr n«nnil,sach. Sie umsaht einmal die medizinische Tätigkeit des Schularztes. Daneben haben bestimmte gcsundheitssürsorgerische Maßnahmen, bei deren Veranstaltung der Schularzt entscheidend mitwirkt, immer größere Bedeutung gewonnen. Die Verschickung gesundheiüich gesärhdeter Kinder nach Kur- und Erholungsstätten, die Gewährung von Schulfrühstück oder«schulmittagsmahlzeiten an schwächliche oder sozial besonders bedrängte Kinder haben im Krieg und in der Nachkriegszeit sich so stark eingebürgert, daß heutzutage kein ernst zu nehmender Sozialpolitiker mehr daran denkt, die Kur- ürsorge, Erholungssürsorge und Schulspeisung en Kindern wieder zu nehmen. Eine neue, gesundheitsfürsorgerisch sehr wichtige Zl u f- gäbe, deren Durchführung im Interesse der Schuljugend jetzt allenthalben in Angriff genommen wird, stellt die Einführung des orthopädischen Schulunterrichts dar. Man darf sich darüber nicht wundern, daß auch der Aufnahme dieses Zweiges der gesundheit- tichen Fürsorge noch vor gar nicht langer Zeit von den oriho- pädisch-chirurgisch vorgebildeten Aerzten ein ziemlich lebhaster Widerstand entgegengeletzt wurde. Ließen sich doch sämtliche Ein- richtungen der Gesundycitssürsorge erst durchsetzen, nachdem heftige Widerstände gebrochen wurden. So war es vor 25 Iahren, als man die ersten Säuglingsfürsorgestcllcn schuf, und so liegen die Dinge heute, wo es gilt, die ärztlich geleiteten öffentlichen Eheberatungsstelleu einzurichten. Im Jahre IS10 war es der Kongreß für orthopädische Chirurgie, der auf seiner Tagung zu Berlin das orthopädische Schul- turnen energisch ablehnte.(!) Die Schulärzte könnm das .Verdienst für sich beanspruchen, dem orthopädischen Schulturnen trotzdem den Weg geebnet zu haben- auf der Tagung der schulärzt- tichen Vereinigung im Jahre 1311 forderten sie mit Nachdruck die Einführung des orthopädischen Schulturnunterrichts und die Aus- bildung der notwendigen Lehrkräfte. Sie haben inzwischen ihr Ziel erreicht: man geht jetzt überall daran, den orthopädischen Schul- turnunterricht einzuführen. In den einzelnen Kursen handelt es sich darum, unter Aussicht eines orthopädisch geschulten Arztes und nach Anweisung eines orthopädischen Turnlehrers solche Kinder zu betreuen, die schwache R ü ck e n m u s k e l n haben, sich schlecht halten, deren Wirbelsäule .Erscheinungen beginnender Verkrümmungen aufweisen und andere Schüler, deren Knochen und Gelenke, Muskeln und Sehnen eine besondere gynmastische Betreuung erheischen. Die Rückgratverkrümmungen, die durch die schlechte Haltung bei dem Schreiben entstehen und die Schädigungen des jugendlichen Körpers, die durch das Sitzen auf mangelhasten Schulbänken hervorgerufen werden, spielen in diesem Zusammenhange eine bedeutsame Rolle. Es wäre verkehrt und ganz veraltet, solchen Kindern ein Korsett mit Spangen und Riegeln, Gummizügen und Schnallen verschreiben zu wollen. Das„M u s k e l k o r f c t t" der Schüler gilt es zu ft ä r k c n. Hierin liegt das Ziel des orthopädischen Schulturnens. Einen guten Dienst leisten hierbei die K r i e ch ü b u n g e n, die der Berliner Chirurg Professor Klapp angegeben hat. Diese sind be- sonders geeignet, die Rücken- und Scitenmuskcln zu stärken. Will man bei diesen Kriechübungen Erfolge haben, so ist dafür zu sorgen, daß die Kinder mit Kriechklappen für Hände und Knie versehen werden und ferner daraus achten, daß der Fußboden, aus dem die Kinder kriechen, glatt und sauber, am besten mit Linoleum belegt ist. Orthopädische Apparate gehören in keine m Falle in den Turnsaal einer Schule. In Spandau, wo man unter der Leitung des dortigen Stadt- arztes, Professor von Bagedes, schon seit mehreren Jahren erfolg- reich orthopädischen Schulturnunterricht abhalten läßt, hat man bc- deutsame Erfahrungen über die Organisation des orthopädischen Schulturnens gesammelt. Man ist dort zu der llcberzeugung ge- langt, es sollten nicht mehr als 23 Kinder an einem Kursus teilnehmen- Die Zeit für das Turnen soll mindestens zweimal z w e i S t u n d e n in der Woche— für jeden Kursus gerechnet— betragen. Noch empfehlenswerter wäre es, viermal wöchentlich je eine Stunde die Kinder orthopädischen Turnunterricht genießen zu lassen, doch bekommt man so oft weder Lehrer noch Schüler kaum zusammen. Man rechnet im allgemeinen, daß etwa bis 8 P r o z. der Schuljugend für den orthopädischen Schulturnuntcrricht in Frage kommt. Die Auswahl der Kinder erfolgt am besten gelegcnt- lich einer Untersuchung, die von einem Facharzt sür Orthopädie und dem zuständigen Schularzt, der die Kinder gut kennt, gemeinsam vorgenommen wird. Das orthopädische Turnen der Jugend darf sich aber heutzutage nicht nur auf die orthopädischen Turnkurse in den Schulen be- schränken, die Arbeit muß oft schon früher beginnen. Recht- zahl- reiche Kleinkinder bedürfen— leider recht dringend— einer orthopädischen Betreuung und auch das Säuglingsturnen, das in verdienstvoller Weise von Neu m an n- Neu rode eingesührt wurde, ist ernstester Beachtung würdig. Hier das Rotwendige zu veranlassen, ist Sache der Säuglings- und Kleinkindersürsorgestellcn. So gilt es auch, auf dem Gebiete des orthopädischen Jugend- turnens ein verständnisvolles Zusammenarbeite» aller in Betracht kommenden Stellen im Interesse der Volksgesundhcitspflege herbeizuführen. Stadtarz» Dr. Alfred K o r a ch. Dse neue Haushalt. Einen Wegweiser zu wirtschaftlicher Haushalts- f ü h r u n g nennt Dr. Erna Meyer ihr Buch, das im Frankhfchen Verlag, Stuttgart, erschienen ist. Sie übergibt es(nach ihrem Vor- wort) der Oesfcntlichkcit mit dem Bewußtsein, daß damit ein Anfang, kein Abschluß gegeben ist. Solange eine moderne Frauenbewegung existiert und seitdem Frauen sich mit ihrer Stellung zur sozialen Gemeinschaft des Staates auseinandersetzen und erwerbstätige Frauen unter den Konflikten zwischen Haushalts-, Mutter- und Breufspflichtcn leiden, steht auch das H a u s h a l t s p r o b l e m vor ihnen und harrt der Lösung. Ich erinnere an die theoretische» Betrachtungen und die leider nicht sehr glücklich verlaufenen praktischen Versuche zum Einküchensystem. Der Krieg zerschlug die nicht sehr ermutigenden Ansänge, die aus der Erwerbstätigkeit der Frauen mit ihrer dreifachen Belastung sür Mütter und Hausfrauen herausgewachsen waren. Diese Bestrebungen hatten die gleichen Ursachen wie die Forderungen nach Kinder- krippen und-horten, nach Stillstuben, nach sozialpolitischen Maß- nahmen, wie Arbeiterinnenschutz und Wöchnerinnenhilse. Mit allen diesen Maßnahmen sollte den Frauen, die unter ihrer Last zu- sammenzubrechcn drohten, geholfen werden. Manche der damals aufgestellten Forderungen ist heute verwirklicht, aber wir haben auch in der Arbeit gelernt, haben Irrtümer eingesehen und revidiert, haben nue Forderungen aufgestellt und sind dauernd bemüht, den überlasteten Frauen vor allem das Bewußtsein ihres Men- schcnwertes zu vermitteln. Das ist heute im Zeitalter der Gleichberechtigung die erste und wichtigste Borbedingung zur rest- losen Entwicklung ihres Menschentums. Deshalb sagt auch die Verfasserin des Buches„Der neue Haus- halt" zur rechten Zeit: Willst du Mensch werden, Weib im höchsten Sinne, Mitschöpser einer neuen Gesellschaft, dann mußt du deine Hausfrauenpslicht anfüllen mit geistigem Gehalt. Entlastung der Frau soll die Frau selbst erreichen. Bewußt und systematisch soll sie Material, Zeit und Kraft sparen. Aber: Eni- lastung der Frau bedeutet nicht Faulwerden, sondern Zeit- und K r a f t g e w i n n für die wichtigere und schwerere Arbeit an uns selbst und sür andere. Die Arbeit der Frau soll nicht im Tageskram verzetteltes, au Unrichtiges hingehängtes, kleinliches Sklaventum sein. Es ist wahr: Im Zeitalter des Taylorsystems, des Fordismus, des laufenden Bandes in der Industrie mutet uns der kleine Haushalt mit seinen unmodernen, oft gedankenlos durchgeführten Zlrbeits- Methoden, mit seiner Verschwendung an Menschenkrast mittel- a l t e r l i ch an. Wir sollen und wollen uns selbst helfen, weil in der bewußten Selbsthilfe das eigene Denken, der eigene Wille auch zum weiteren Fortschritt führt und weil wir, um wieder mit der Ver- sasscrin zu sprechen, nur dabei den„neuen Geist" in uns entwickeln können. Aus der Sklavin soll die Meisterin werden. Daß die Unsumme von Kleinarbeit im kinderreichen Haus- halt die Kraft der Frau restlos aufzehrt, daß sie Nur-Mutter, Köchin, Pflegerin, Näherin, Wäscherin, Erzieherin, Beraterin, Kameradin, Gattin und Berufstätige sein soll, daß es oft für sie keine Minute der Sammlung zwischen den vielen gegensätzlichen Pflichten, die Ver- stand, Gemüt und Körperkrast verbrauchen, gibt, ist schon oft sehr zutreffend und klar festgestellt worden. Aber diese Feststellungen sind doch das Negative. Deshalb zeigt die Verfasserin dieses Buches den Hausfrauen, wie sie es machen sollen, um auch den nicht mit den modernsten Hilfsmitteln ausgestatteten Haushalt mit dem in i n i- m a l st e n Aufwand von Mitteln(Zeit, Kraft, Material) zu führen. Eingesparte Zeit kommt der Ruhe und Erholung, dem Genuß eines Spazierganges, dem Lesen eines Buches oder der Zeitung zugute: eingesparte Kraft ist von nicht zu messendem Werte. Deshalb zeigt das Buch, wie man z. B. auch bei Kohlen, Holz und Grude(wenn man leider aus Gas, Dampfheizung oder Elektrizität verzichten muß) die Wärme ab besten ausnutzt und die Staub- e n t w i ck l u n g nach Möglichkeit vermeidet. Oder es zeigt, ebenfalls in Wort und Bild, wie Gas am besten durch richtige Luftzufuhr und Reinigung der Apparate ausgenutzt und durch die Kochkiste ergänzt wird. Die Aersafserin zeigt eine große Menge sehr nützlicher und durchaus preiswerter und ausgeprobtcr Apparate, z. B. eine Holzzerklcinerungsmaschine, einen langstieligen Kehrichtaufnehmer, Fensterputzer, Wollbesen, Abtropsvorrichtungen usw., die alle aus Zeit- und Krastersparnis eingerichtet sind. Sie zeigt auch, wie man aus Kisten kraft- und zeitsparende Gegenstände selbst anfertigen kann(Arbeit für den verständigen Mann). Ganz eindringlich wird gezeigt, wie die Frau beim Gemüseputzen, Kartosfelschälen, Geschirr- spülen und Bügeln sitzen kann, wie sie sich durch richtige An- wendung der Beleuchtung in der Küche die Arbeit erleichtern, und wie durch richtige R a u m e i n t e i l u n g und Anordnung der Gebrauchsgegenstände sehr viel an ausgewendeter 5lraft und Zeit ein- gespart werden kann. Unzweckmäßige und zweckmäßige Formen der täglichen Gebrauchsgegenstönd« werden gegenübergestellt und erklärt. Vernünftige und durchführbare Ratschläge sür einzulegende R u h e� pause» werden gegeben: die zweckmäßige Kleidung wird ge- zeigt, kurz: es ist nichts vergessen und alles durchdacht Deshalb sollten alle Frauen, die aus ihrer Enge herausstreben, das Buch ausmerksani lesen und viel daraus zu lernen suchen, denn:„Unab- sehbar sind die Folgen gesellschaftlicher, rechtlicher und wirtschaftlicher Art, die sich aus der geistig-seelischen Entwicklung der Hausfrau, aus der damit einhergchenden Selbstachtung und ihrer Einschätzung durch die anderen ergeben." Marie Juchacz. Die Schuiöftage öer Ehejcheiöung. In der vorigen Reiumer dieser Beilage hat A. Ewald gewiss« folgen der heutigen Rechtsprechung in Ehekchciduugssaäien bc, lorochen. Wir erhalten doM folgende Zuschrift, die des untersucht, wo, dteser Rechtsprechung zugrnndeltegt, Eolg)« Unter. suchung ist gewih berechtigt, aber sie kann natürlich nichts an dem gegenwürtigrn Rechtszustand ändern, dessen folgen R, Ewald trittstert hat. Der folgende Artikel ist vielmehr«in Diskusstons. beitrog. Die Redaktion. ' Das Problem der„S ch u l d" in Fragen der Ehescheidung muß kritisch betrachtet werden. Die Sozialisten kämpfen seit Jahrzehnte» darum, daß der unselige Schuldbegriff endlich einmal aus dem Ehe- scheidungsrecht verschwindet. Wo es zur Entfremdung und Ehezerrüttung gekommen, ist es sinnlos, noch„Schuld" auf einer Seit« zu stickfen. Was herauskommt, sind meistens juristische Kon- struktionen, die dem Leben unv der Wirklichkeit nicht gerecht werden. Selbst bei scheinbar so klaren Fällen, wie böswilliges Verlassen oder Ehebruch auf einer Seite, kann der starre Paragraph nicht all das Vielfältig« erfassen, was vorherging und erst zu diesem letzten Schritt« trieb. Ost entstehen unendlich verwickelt« Situationen, in denen der Mann freiwillig das Odium der„Schuld" auf sich nimmt, da es ihn in der heutigen bürgerlichen Welt weniger stark belastet als die Frau, für die es unter Umständen geradezu den moralischen Bankerott bedeuten würde. Ist es nein richtig, für solchen Anstand den Mann Zeit seines Lebens am Portemonnaie zu strafen? Wenn R. Ewald in anklagendem Ton darauf hinweist, daß der unterhaltspflichtig« geschieden« Ehemann sich vor Gericht auf eine frühere Berufstätigkeit seiner Frau vor der Verheiratung beruft, so ist, wenn man als Sozialist auf dem Standpunkt steht, daß jeder arbeitssähige Mensch sich produktiv für die Allgemeinheit betätigen soll, dagegen kaum etwas«inzuwenden. Es ist nicht einzusehen, was das Ehefchickjal der Frau, ob sie„schuldig" oder„schuldlos" ge- schieden ist, mit diesem obersten Grundsatz alles gesellschaftlichen Seins zu tun haben soll. Wenn die sozialistische Frauenbewegung für die volle Gleichberechtigung der Frau kämpft, darf sie nicht vergessen, daß dieser Gleichberechtigung auch gleich« Pflichten gegenüberstehen. Wir wollen uns doch klar darüber sein, daß den: Schutz der„schuldlos" geschiedenen Frau die Ausfassunq von dem im Lebenskamps un- fähigeren, beruflich nicht vorgebildeten,„schwächeren Geschlecht" zu- gründe liegt. Mit den Voraussetzungen müssen auch die Folgerungen fallen. Selbst die heutige Arbeitslosigkeit, die es wahrscheinlich macht, daß viele dieser Frauen dann das Heer der Arbeits- lösen vergrößern werden, ist kein Gegenargument, denn als Soziali- ften können wir die Rechtsbegriff« nicht anerkennen, auf Grund deren diese Frauen«in« Vorzugsstellimg einnehmen sollen. Das Problem ihrer Arbeitslosigkeit kann nur im Rahmen des allgemeinen Ärbeitslosenproblems gelöst werden. Es melden sich bereits die Stimnien von Männern, die aus den Widerspruch zwischen der Idee der Gleichberechtigung, die selbstver- stpndlich Gleichheit der Pftichten in sich schließt, und der finanziellen Bevorzugung der Frau hinweisen. In der..Bossischen Zeitung" zum Beispiel stand vor einiger Zeit ein Aufsatz über die Gründung eines „Bundes für Männerrecht«" in Wien, in dem unter viel recht tomisch anmutenden Behauptungen auch der ernster zu nehmend« Hinweis stand:„Wenn ich mich von meiner geliebten und gleichberechtigten Frau scheiden lassen will, so geniert sie sich unter Umständen durchaus nicht, all« Handhaben, die ihr das im Hinblick auf die nicht gleich- berechtigt« Frau geschaffen« Gesetz bietet, zu benutzen, um sich, wenn möglich zeitlebens, von mir erhalten zu lassen(was die Leute ganz in der Ordnung finden, obwohl sie, ivenn ich das gleiche täte, ziemlich ehrenrührige Benennungen für mich finden würden). Natürlich ändert sich die Sachlage, wenn die Frau mehrere Kinder zu erziehen und für sie zu wirtschaften hat. Dann ist sie ja auch von einer Tätigkeit voll in Anspruch genommen, die einem Beruf durchaus gleichkommt. Aach darin hat R. Ewald recht, daß der Frau die Rückkehr aus dem Haushalt in den früheren Beruf mancherlei innere und äußere Schwierigkeiten bereitet. Man könnt« daher, ganz abgesehen von irgendwelchen Schuldbegriffen, eine unter- haltsbercchtigte Zeit festsetzen, in der sie ihre Kenntnisse und Fähigkeiten wieder schulen und die alten Verbindungen wieder auf- nehmen kann. Ganz in dasselbe Gebiet fällt die Frage der st a a t l i ch« n Witwenpension. Eine planvoll arbeitende Wirtschast, wie wir sie als Sozialisten erstreben, kann nicht das schmarotz«rh