Ur. 266. Abomltmntts-Hedwgungen: abonnement«-Preis pränumerando: Wterteljährl. S,g0 Mi., monatl. l.lllMi., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau«. Sinzelne Nummer ö PIg. Sonntag»- Nummer mit tllustririer Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für lSS7 unter Dr. 7427. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland 8 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Insertions-Geiilihr deträgt für die fechSgefpaltene Nolonol- »eile oder deren Raum«0 Pfg., für Vereins- und VerfammlungS-Anzetgen, sowie ArbeiiSmarlt 20 Pfg. Jnfcrale für die nächste Nummer müssen MS t Uhr nachmtitagS in der Erpedtlio» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochenlagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- u»d Festlagen bis s Uhr vormillagi geöffnet. Erscheint täglich nutzer Montag«. Devlinev Volksblskt. Fernsprecher: Amt l, Dr. 1508. Telegramm-Adreffe: «Soltaldrmostrnt Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Ztedaktion: SW. 19, Weuly-Straße 2. Sonnabend, den 13. Dovemder Spedition: SW. 19, Uettth-Slmße 3. Uohren Äev Getnerdezäkzlnng. Obwohl die Ergebnisie der letzten Gewerbezählung noch nicht so vollständig vorliegen, daß ein cndgiltiges Bild über den Gang der wirthschaftlichcn Entwickelung in den Jahren 1882-1895 entworfen iverden könnte, so dürfen wir doch schon auf grnnd der bisherigen Veröffentlichungen eine Reihe Ent wickelungstendenzen ableiten, die durchaus die wirthschaftlicheu Thesen bestätigen, auf denen das sozialdemokratische Programm sich aufbaut. Es ist für die bürgerlichen Nationalökonomen und erst recht für die politischen Anschauungen sämmtlicher bürgerlicher Parteien immer noch eine ungelöste Frage, ob denn der von der Sozialdemokratie behauptete Verdrängnngsprozeß der Kleinbetriebe zu gunsten der großeil Betriebe statlfinde. ferner, ob innerhalb der großen Betriebe selbst lvieder ein Prozeß sich abspiele, der darauf hinausläuft, die Produktion irgend welcher Waareil auf eine möglichst kleine Zahl leistungsfähiger Betriebe zu konzcntriren. Es ist namentlich für die bürgerlichen Parteien schwer, die Richtigkeit dieser Entwickelung zuzugestehen. Verlieren sie doch in dieseni Falle das Vertrauen einer großen Zahl ihrer Anhänger, die ihnen bei den Wahlen in der Hoffnung nach laufen, durch gesetzgeberische Ereigniffe könnte der Gang der für sie verhängnißvollen Entwickelung aufgehalten werden. Ja. man scheut sich in gewissen Kreisen auch heute noch nicht, für den Niedergang der Kleinbetriebe die Sozialdeniokratie vcrant- ivortlich zu niachen, vielleicht weil sie als Kassandra die Wahrheit früher gekündet hat wie die wirthschaftlich so kurz- sichtigen bürgerlichen Wortführer. Was hat man seit 1882 bürgerlicherseits nicht alles versucht, um den kleinen Pro- duzeuten munter und gesund zu erhalte,»! Die Technik hat sich eifrigst dem Problem zugewandt, dem Kleinbetrieb Rtotoren zu konstruiren, der ihm billigste Bctriebskraft zu- sichert. Welcher Jubel brach in den handwerkersrenudlichen Kreisen auS, als man in der elektrischen Kraft das Mittel ge- fnndcn zu haben glaubte, den Kleinnieistcr gegenüber dem Großbetrieb konkurrenzfähig zu niachen! Man schwärmte für Kredit-, Einkaufs- und Verkaufsgcnossenschaften, überhäufte den Handwerker geradezu niit Hilfsmitteln und Stützen, aus die gestützt er zur Höhe des Großbetriebs emporklcttern sollte. Mit welchem Erfolge? Darüber geben uns die trockenen Zahlen der Gewerbe- statistik lehrreiche Ansknnft. Wir wählen als typisches Bei- spiel die Textilindustrie. Obgleich gerade hier der Sieg des Großbetriebes über den Kleinbetrieb schon längst entschieden war, so vegetirte doch in diesem Industriezweige mit außerordentlicher Zähigkeit eine Masse kleiner Betriebe, die nicht leben und nicht sterben konnten. Noch im Jahre 1882 zählte man in Preußen nicht weniger als 116 635 Allcinbetriebe m der Textilindustrie, die als Haupt- berufe ausgeübt wurden. In den 13 Jahre», die zwischen den beiden gewerbestatistischen Aufnahmen Verstössen sind, ist so ziemlich die Hälfte dieser Betriebe ans dem Prodnktionslebcn geschwunden. Ans 116635 Alleinbetricbcn sind 63629 geworden. Welche verzweiflungsvollen Geschichten aus dem Kampf um die Selbständigkeit, ja»ms Dasein, liegen in diesen beiden Zahlen! Das Weberelend datirt in Deutsch- land um mehr als 50 I'?re zurück. 6j ist geradezu vorbildlich geworden fiir den ins Proletariat ver- sinkenden Handwerker. Es ist bekannt, wie hartnäckig gerade die Hnngergestalten der Weber an ihrem bischen Selbständig- keit festhalte», wie schwer sie sich entschließe», zu einem anderen Berufe überzugehen oder gar als unselbständige Arbeiter sich in das Ganze einer Fabrik einzuordnen. Aber alle Versuche dritter, alle eigenen Anstrengungen, sich über Wasser zu halten, sind vergeblich gewesen. Auch das Stück Land, auf dem der Weber sich einen Theil seiner Lebensmittel bauen konnte, durch das ihm die Lcrwerthung seiner Arbeitskraft zu Spott- preisen möglich wurde, hat nicht die Kraft gehabt, tanscnde und abertansende dieser Selbständigen vor dem Versinken ins breite Meer des Proletariats zu rette». Ob der Prozeß nun so erfolgt ist, daß diese Alleinbetriebe mit dem Tode ihrer Inhaber endgiltig verschwunden sind, oder ob diese noch bei Lebzeiten der Konkurrenz der großen Fabriken erlagen, das thut nichts zur Sache: jedenfalls sind sie spurlos ver- schwnnden. In welcher Weise in der Weberei speziell diese Ver- drängung der Allcinbetriebe erfolgt ist, darüber giebt nach- stehende Tabelle lehrreichen Aufschluß: Man zählte Sl l l e i n b e t r i e b e in der Hauptbetriebe Nebenbetriebe ISIS 12 870 541 18S2 26 772 790 Seidenweberei 1895 7 052 1882 7 679 1895 13 952 1882 26 004 1895 8 038 1882 19 589 Weberei von ge- 1895 4 174 mischten Stoffen. 1882 7 097 Wollweberei. Leinenweberei Juteweberei. 880 647 6 205 11623 1601 2 250 904 1454 „... 1895 46 132 10195 JllSgesamiNt.. 1882 81 240 16 472 Am verheerendsten war die Ausmerznng der Alleinbetriebe in der Seiden- und Leineniveberci, am geringsten in der Woll- weberei. Annähernd 35 000 selbständige Handweber sind in den zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden. Aber nicht nur die Zahl der Alleinbetriebe ist rapid zurück- gegangen, auch die Gehilfen- und Motorbetriebe haben eine starke Rednzirung erfahren, was den Schluß gestattet, daß auch hier immer mehr die große Fabrik Alleinherrscherin der Produktion wird. In der Gesammttextilindnst'�- Preußens ist die Zahl der Gehilfenbetriebe von 42 494 auf 25 579 zurückgegangen, in der Spinnerei allein von 2116 auf 1432, in der Weberei von 32 497 auf 17 659, in der Strickerei und Wirkerei von 1768 auf 823, in der Posamentenfabrikalion endlich von 850 auf 653. Daß diese Verminderung in der Zahl der Betriebe auf Kosten der kleineren und mittleren Betriebe erfolgt ist, das dürste auch ans der Erscheinung hervorgehen, daß infolge der technischen Leistungsfähigkeit der großen Fabriken die Zahl der Gewerbe- thätigen in manchen Zweigen der Textilindustrie ziemlich ans fallend zurückgegangen ist. Sie sank in der Spinnerei von 75 370 auf 71410, in der Weberei von 266 672 auf 261 931, obgleich die Produktion seit 1882 gegen heute sich mindestens verdoppelt hat. Allein in der Banmwollweberei sind heute 14 000 Leute weniger thätig wie im Jahre 1882. Hiermit sind durch wenige Zahlen die Umwälzungen angedeutet, denen die Textilindustrie und damit das soziale Leben eines beträchtlichen Thciles unserer Bevölkerung in den letzten dreizehn Jahren ausgesetzt waren. Sie bedeuten eine eklatante Niederlage aller der Wirthschaftspolitikcr, die in der Erhaltung der überlebten und heute nicht niehr rentablen Kleinbetriebe ein Heil unseres Volkes erblicken zu müffcn glauben. Hier haben sie einen schlagenden Beweis, daß all ihren Versuchen zum Trotz die wirthschaflliche Enl Wickelung sich stärker gezeigt hat als ein noch so mächtiger menschlicher Eigensinn. Nicht in der Erhaltung der wirth schafttiche» Existenzen, die kaum satt zu essen, geschweige denn menschenwürdig zu leben haben, kann das Ziel einer ge snndcn Wirthschaftspolitik liegen, sondern in der kräftigen Entwickelung der leistungsfähigsten Betriebsform, inner- halb welcher allerdings für eine möglichst günstige Position des unselbständigen Arbeiters gesorgt werden muß. Geht die Entwickelung der Großbetriebsform mit der Entwickelung einer kräftigen Arbeiterbewegung und Arbeilerschntz-Gcsetzgebnng Hand in Hand, so braucht für den kleinen Selbständigen der Uebergang vom Meister zum Hand- werker keine Verschlechterung seiner Lage niehr zu bedeuten. Aber gerade das Vorhandensein einer großen Menge solcher unproduktiven Alleinbetriebe, die fortwährende Anfpäppclung derselben, die ängstliche Rücksichtnahme auf sie erschweren den Arbeitern jede energische Lohnbewegung. Wenn in der deutschen Textilindustrie der Lohnsatz noch ein gar so erschreckend niedriger ist, so ist dafür nicht zuletzt die gefährliche Unterbietung eben dieser kleinen Handbetriebe Schuld, die den vorwärts strebenden Arbeitern immer wieder, menschlich begreifbar, aber politisch höchst verwerflich, in den Rücken fallen. Was hilft alio diese kleinliche sogenannte Mittelstands Politik? Ist der Gang der Eutwickeliing zu hemmen? Sind diese Minimalbetriebe zu halten? Die Resultate liegen klar zu tage und zeigen den Weg, den unsere Wirthschaftspolitik einzuschlagen hat, will sie nicht beiden Thcilen boshasierweise fortgesetzt Knüppel zwischen die Beine werfen, will sie nicht hier den Todeskampf der kleinen Meister grausam verlängern und dort den Aufschwung der Großindustrie und die Besserung der Lage der Arbeiter böswillig aber am Ende doch völlig ergebnißlos hemmen._ Apolitische Veb erficht. Berlin, 12. November. Vom„niedergehenden Parlamentarismus" schwätzt die„Konservative Korrespondenz" in einem Artikel über die kommende Reichstags- Session. Das Blatt begrüßt die bald zusammentretende Volksvertretung nicht freudig, sondern spricht sich über die höchste Körperschaft des deutschen Volkes in einer Art aus, in der sich über die Regierung auszn sprechen, kein anderer wagen dürfte, ohne sich dem grimmigsten Zorn und der sofortigen'Denunziation desselben Blattes aus zusetzen. Ihre schlechte Meinung über den Reichstag und seine bevorstehende Thätigkeit saßt die„Kons. Korresp." also zusammen: „Wenn unter solchen Umständen die Bevölkerung der Reichs- tags- Eröffnung mit großem Gleich,»nthe entgegensieht, ja, wen» in weite» Kreise» recht despektirlich von dem in Ülnssicht stehende» snichtlose»„Gezanke" und von dem„Wiederläueu" längst verdauter Reden, Anlräge und Deballe» gesprochen wird, so ist das kein Wunder. Der Parlamentarismus hat eben bei uns unsäglich rasch abgewirthschastet, wie das bei de». Vorherrschen der ewig nörgeln de» demokratischen Elemente in ihm auch gar uichl anders zu er warte» war." Welches ist denn„die Bevölkerung", welches sind die „weiten Kreise", von denen die„K. K." spricht? Das sind die Bunter und die hohe Bureankratie und die Stumm'sche» ndustriefendalcn, deren Mißbehagen mit dem gegenwärtigen Reichstag freilich recht begreiflich ist. Das ist die Gefolgschaft der Parteien, die bei den Reichstags-Nachwahlcn Niederlagen und Niederlagen erlitten haben und denen deshalb das Reichs- tags-Wahlrccht, das sie von einem Sitz»m den anderen Sitz verjagt, ebenso wenig gefällt wie der Reichstag selbst. Nieniaud ist wohl weiter entfernt als wir, dem gegen- wärtigen Reichstag Loblieder zu singen. Thatsächlich aber haben wir einen besseren Reichstag kaum gehabt, als den gegen- wärtigen und, wenn'e Thätigkeit dieses Reichstages allerdings keine fruchtbare und am wenigsten eine uns genügende ist, so liegt das sicherlich weniger am Reichstag selbst und an den Parteien, die jetzt die Mehrheit gegenüber den Konservativen und Regieruugslenten saus xdrsss bilde», als vielmehr an der Regierung, welche die berechtigten Forderungen der Wähler- schaft nicht erfüllt und dadurch die Wiederholung schon oft- mals kritisirter Mißstände und andauernde Bekämpfung ihrer heillosen Politik herausfordert. Der deutsche Parlamentarismus ist nicht nur nicht„ab- gewirthschaftel", wie die Parlamentarismus-feindliche„Kons. Korresp." vorgicbt, sondern in den er st en Anfängen einer heilsamen Entwickelung; einer Ent- Wickelung, die hoffentlich den Herren der Rechten immer un- angenehmer werden wird. Der Reichstag giebt zudem dem deutschen Volke die einzige Gewähr eines gesunden politischen Fortschritts geradein s o l ch e n Z e i t l ä u f t e n, in denen die Regierung nicht nur einer weisen, volksförderlichen Politik ermangelt, sondern, von Launen und A u g e» b l i ck s st i m m n n g e n hin und her g e- iv o r f e n, ihr Ansehen von Jahr z n I a h r mit reißender Schnelligkeit mindert! Das deutsche Volk weiß deshalb auch recht wohl, was ihm der Reichstag, trotz seiner Fehler und Rückständigkeiten, be- deutet und ficht der kommenden Reichslagssession mit leben- digein Interesse entgegen.— Die Hohenzollern'schc Gcschichtslcgcude ist sehr ver- schivendcnsch mit o>m Tuet„groß". Außer Friedrich dem„Großen", über d-sse»„G>öbe" man sich in Mehring'»„Lessing- Legende" nnierrichien kann, hat sie auch einen„Großen Rurfürsten". Dieser wird in allen Schulbüchern und auch in den meisten„gelehrten" Bücher» als ei» Ilnsbund dculscher Gesinnung bezeichnet und geschildert Er hat Preußen ans seinen„deutsche» Berns" vorbereitet, und was der Redensarien sonst sind. Die Geschichls k e» n e r lächeln z» diesem Tendenz-Geschichichen. Den» es ist eine unumstößliche Thaisache, daß der„Große K», fürst" im J-chre 1679 mit dem Frauzöii scheu Eroberer-Despoien Ludwig dem Vierzehnte» einen Vertrag(zu Sl. Germai»-en-Laye) ab- geschlossen hat, durch welchen er sich verpflichlete, als denlsche« R n r f ü r st die Wahl des besagten Ludwig(auch„der Große" genannt), zum Deutschen Kaiser zu beireiben, u n d für diesen pakriolischen Liehesdienst sich von dem„Erbfeind" ein Trinkgeld, Verzeihung: Snbsidie», im Betrage von 100000 Gold- livres(2 Millionen Mark) ansbedang. Die 100 000 Goldtivres sind auch pünktlich bezahlt und— an- genommen worden. Deutscher Kaiser wurde der„wälsche Räuber", der„Dieb von Straßbnrg", der„Mordbrenner der Pfalz" u. f. w. aber nicht; vermnthlich weil nicht alle Knrfürsten so patriotisch waren, wie der„Große Kurfürst". I» der„Vos fischen Zeitung" wurden jüngst die wichtigsten Best nnnungen des Vertrags abgedruckt. Da kann der Leser sie nachlesen. Bemerkenswerth ist noch, daß die Tante Voß zur Entschuldigung des„Großen Kurfürpen" sagt,„man könne sicher sein, daß er den Vertrag niemals erfüllt hält e." Eine Annahme, deren Konsequenz sich die Tante wohl nicht ausgedacht haben. Nun, ivas ist jemand, der sich für Dienste bezahlen läßt, die er nicht zu leiste» beabsichligt? Uebrigens wurde 116 Jahre nach dem Frieden von St. Germaiu- en Laye der B a s e I e r F r i e d e geschlossen(1795), in welchem Preußen seinen deutschen Beruf abermals glorreich bekundeie, indem es das linke Rheinufer an Frankreich ablral.— Ein iutcriiationalcö Zlnit für Zollangclcgcnhciteii schlage» schweizerische Bläiler schon seit einiger Zeit allen Ernstes vor. Alan hätte annehmen sollen, daß die deutsche Presse, die dem Unternehlner« und HandelSsiand nahe steht, diesen Vorschlag wenigstens wieder- gegeben, geprüft und gewürdigt hätte, aber mit Ausnahme eincZ Fachblntles ist der Gedanke bis jetzl in Deutschland noch gar nicht beachtet worden. In Oesterreich-Ungarn dagegen hat er ziemlich rasch sogar von offizieller Seite sehr freundliche Aufnahme gesunden. Der Plan geht ausschließlich das handeltreibende Publikum, vor« nehmlich die Exportindnstriellen an. Die Hauptaufgabe des inter- nationalen Zollamtes, das in Bern seine» Silz haben soll, bestünde darin, daß die verschiedene» Staate» sich über ein einheitliches Tariflystem einigten, durch welches das Zollwesen für die Beamten wie für die Kauflente»nd Exporteure erheblich vereinsacht würde. Die Einheil des Systems würd« die Verschiedenheit der Ansätze des Tarifs seitens der einzelnen Staaten nicht anSschließe»; gleich soll vielmehr nur die Grundlage zur Berechnung der Zollsätze sein. Das mt mm Ii anale Zollamt würde ferner ein SchiedSgcrichl in Zoll- streiligkeiten bilden, dem die Vertragsstaalcn schivierige Angelegenheilen und Streitigkeilen zu unterbreiten und dessen Spruch als inappellabel anzuerkenne» hätten. Ferner hätte dieses Aim das Formularennnwesen z» regeln und endlich für eine richtige Waarcnstatistik, die noch sehr im Argen liegt, gemeinsame Normen aufzustellen. Das wären mit wenigen Worte» die Aufgaben, die ein internationales Zollamt zu erfüllen hätte. Die Ausführung des Gedankens würde eine große Erleichterung und Vereinfachung des Verkehrslebens zur Folge haben und wäre in dieser Beziehung durch» aus zu wünschen. Jndeß ist es fraglich, ob bei der Jnlereffelosig- keit, mit der z. B. die deutschen Industriellen und Kansleut« dem Vorschlage, mit dem sie»och nicht einmal bekannt gemacht worden sind, bei ihrer bekannte» Schläfrigleit gegenüberstehen dürsten, eine kräftige Initiative zur Ausführung des Planes zu schaffen sein wird.— ** 0 Tcntsches Reich. — Das Reichstags-Präsidill in. Bei der Neuwahl des Präsidiums dürften möglicherweise Veränderungen eiutreteu. Wie die„Staatsbürger-Zeilniig" wissen will, beabsichtigen Kon- 'ervalive und Nationalliberale, welche seit dem März 1895, wo sie mit ihrer Visiuarck-VerHerrlichung so glänzend abfielen, sich von der Präsidentenwahl sernhielten, die ihnen zukommenden Sitze im Prä- fibimu zu beanspruchen. Wenn dies zutrifft, dürfte der erste Vize- Präsident von den Konservativen, der zweite von den National- liberalen gestellt werde». EZ ist auffällig, daß die Konservativen und Nationalliberalen in der letzten Session dieser Legislaturperiode noch eine Aendernng in der Zusaiiiinensetznng des Präsidiums beabsichtigen sollte». Offenbar wurmen sie ihre Thorheilen vom März 1LSS gar sehr.— —® c t Bnudesrath hat in seiner gestrigen Sitzung, wie ergänzend gemeldet wird, den Ausschußanlragen, betr. die Kosten der Schiffsbeschädigung durch Zollfahrzcuge und betr. den Eulwnr eines Holzlager- Lirgulativi; ferner den ÄuSschußberichten über die Vorlage vom II. Oktober v.J.. betr. Aenderung der Instruktion zur Ausführung der Schiffsvermeffnngs-Ordnung nnd über den Eniwur eineS Gesetze» für Elsaß« Lothringen wegen Abänderung de» Spar- kasseugesehes von, 14. Juni 1SSS die Zustimmung«rtheilt. Die Vor- lagen betr. Ergänzung der Eingangsbestiminung nuter Nr. XXXVc der Anlage B zur Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutsch- lands in bezng auf die Beförderung von Sicherheilssprengstoff der Gutller'schcn Pulverfabriken, und betr. den Eulwurf einer Be- lattutiitachnng über die Beschäftigung von Arbeite- rinnen nnd jugendlichen Arbeitern in Ziegeleien, wurden den zuständigen Ausschüssen überwiese». Schließlich ivurde über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt. — Die beabsichtigte Slufhebung des Verbotes de? In verbind un gtretenS von Vereinen in Sachsen veranlaßt vielfach in der Presse dieselbe Jrage, die auch wir gestern schon stelllcn: Was wird nun Preußen thnn? Die „Natlib. Korr." ist der Meinung, daß der Weg zur Lösung der Frage in Preuße» angesichts der Stellungnahme des Herrenhauses allerdings versperrt sei.„Wir bringen aber, sagt die„N.K." in Er- innerung, daß seitens der Antragsteller im Reichstag die Eventualität in lllechnuug gestellt worden ist, eS könnten einige eiuzelstaatliche Regierungen— au Preußen dachte man freilich nicht— der dein Reichstag gegebenen Zusage nicht Rechnung tragen. Für diese» Fall bestand auf seilen der nationalliberale» Fraktion wenigstens kein Zweifel, daß die Reichs- regierung dann auf dem geordneten Weg der Reichsgesetz» gebung die Verbindungsvcrbote zu beseitigen verpflichtet sei." Die Regierungeu müssen ohne Zweifel, wenn sie nicht das durch ihre» Vertreter, den Reichskanzler, dein Reichstage gegebene Ver- sprechen wirklich brechen ivollen, de», Beschluß des Reichstages vom 18. Mai zustimult».— — Zum Stande der Militär-Strafprozeß- O r d n u i! g wird inltgetheilt, daß der Bundesrath e i u st i in in i a, nach Ausschließung der Frage bezüglich des Obersten GerichiShow, beschloffen habe, daß der Entwurf in der vom Aiisschusse ferlig- gestellten Gestalt dem Reichstage vorgelegt werde. Jedoch soll das E i n f ü h r u n g s g e s e tz zu diesen, Entwürfe noch nicht die Zustiuunuiig des Ple»l»us gefunden haben. Aus diesem Grunde ist auch von jeder offiziellen Mittheiluug des Berathungsergebnisses abgesehen worden. Auf der Tages- oidnung der gestrige» Sitzung des Bundcsrathö hat das Eiiiführungsgesetz keinesfalls gestauden. lieber den Inhalt des Eni- wurfs erfahren wir, daß das Prinzip der O e f f e n t l i ch k e i t deS Verfahrens durch eine starke Reihe von K a u t e l e n, die den etivaigcn Mißbrauch bei Anwendung des Prinzips vor- beugen n»d die HeereSdisziplin schützen solle», eng begrenzt worden ist. D i e S t i in ni>l» g in gewissen R e g i e r« n o s- kreisen geht daher auch dahin, daß für diesen Entwurf«in« Mehrheit im Reichstage f i ch nicht finden lassen werde. -» WirthschaftSpolitischeZ Bureau. Znr Hilfe- leistnng bei der Vorbereitung deS Materials für die E r n e» e r u u g der Handelsverträge ist im llleichsamt des Jimerii in der de». Geh. Oberregierungsrath Wermuih nnterstehendeu Abtheilung ein besonderes w i r t h s ch a f t ö p o l i t i s ch e s Bureau eingerichtet worden. I» dasselbe sind die Assessoren v. Groß nnd Martin berufen. Der«ine bearbeitet die Zolllarifsragen, während dem andere» die Jlusstellungen der Prodnttions- nnd Waareiistatislik zugewiesen flnd.— — Schutz gegen M i lz b r a» d- B er g i ft» n g. Vom Reichsamie des In» er» wird eine K o n f e r e n z von Arbeit- g e b e r n und Arbeitnehmern einberufe» werden, die einen im k a i s e r l i ch e n G e s Ii n d h e i i s a in t e auSgearbeileten Gesetz- entwurf über die Verhütung der M i l z d r a n d- U e b e r- tragung bei der Thierhaar- Verarbeitung be- g n lach t en soll. Die'Angelegenheit beschäftigte die Reichs- Medizinalbehörden seit geraumer Zeit. Ans die Milzbrand- llebcrtiagnng in Roßhaar-Spiiinercien ivurde die allgemeine Aufmerksamkeit im vermehrten Maße dadurch gelenkt, daß die Arbeiter der llioßhaarsvinnereien in Nürnberg und Fürth im vorigen Jahre die gewerbliche Milzbrandübertraanng in ihren Geiverkschastsversaniinluiigen öffentlich erörterten. Vom kaiserliche» Gesundheitsamte wurde, wie die„Voss. Ztg." nun berichtet, eine'Ab- ordnuiig Sachverständiger nach Nürnberg und Fürth gesandt, die sich durch den'Augsnschein über die hygienischen Verhältnisse in den Roßhaarspiniiereiei, untmichteie. Die Verhülung der gewerblichen Milzbrand-Ueberiragnng ist ungemein schwierig. Sie muß aber wegen der großen Gefahren unbedingt durch- geführt werden, selbst wenn die betreffende Industrie darunter leiden sollte.— ---Voreid oder Nacheid? Den Betrachtungen, die wir in unserer Nummer vom 10. d. M. anläßlich der Verhastmig eines Mannes wegen vermeintlichen Meineides in einer Bagatellsache auf- stellte», welche von einem konservativen Abgeordnete» geleitet wurde, schließt sich die„Kölnische Zeilnng" im wesentlichen an. Auch sie trilt für den Nacheid statt des Aoreides ein. Sie meint indeß, ein ausdrückliches Verbot, überflüssige oder unzulässige Frage» an Zeugen zu richten, sei entbehrlich, weil überflüssig. Nach dieser Richtung hin ist die„Kölnische Zeitung" im Jrrlhui». So lange ein solches gesetzliches Verbot nichi besteht, ist eine Bestrafung eines Nichlers wegen AintSmißbrauchS kaum möglich, der »iberflüsstge oder unzulässige Fragen an den Zeugen richtet. Anders Gesetzgebuiigeii, z. B. die englische, haben de» gewiß noch eiiipsehlenS- wertheren Weg beschritten. daS Verbrechen des Meineids auf die Fälle zu beschränken, in denen sacherheblich« Dinge falsch bekundet werden.— Ausfallend ist, daß die in Cache» der„Heiligkeit" des Eides sonst so überaus redselige konservaliv« und Pastorale Presse, so viel wir Kaden sehe» können, mit keinem Wort den Osterburger Vorfall erwähnt. — Das Urtheil eines Gegner» über die Sozial« dem okrati e.„Die sozialdeniokralische Partei ist«nter allen Parteien die einzige, welche mit Entschlossenheit und in voller Durchführung den sozialen Gedanke» zu gnnsten deS Arbelterstandes vertritt. Darin und darin allein beruht ihre Macht über die Ar- bester. Und eS ist gewiß, daß die sozialdemokratische Partei nicht ohne Erfolg gearbeitet hat. Sie hat den Arbeiterstand Deutschlands geweckt, organtsirt, ihn zun, Rang einer politischen Macht erhoben. ES leidet nicht den geringsten Zweifel, daß die soziale, dem Arbeiterschntz nnd der Arbeiter- Versicherung dienende Gesetzgebung der neuesten Zeit zu einem sehr erheblichen' Theil dem Machtdrnck der sozialdemotralischen Bewegiing ihren Urspruch schuldig ist." So nrlheilt der national-sozial- konservative Professor Sohl» in der„Eosmopolis" über die Sozialdemokratie. Natürlich erblickt dieser streng-royalistische Anhänger eines sozialen Königthmns dennoch in der Sozialdemokratie ein„Hinderniß" für die weilere soziale Enlwicke- lung. Er meint, die Sozialdemokratie habe„den Arbeiterstand Deutschlands in Schlachtordnung aufgestellt", sei aber„unfähig, das Heer zum Siege zu führen." Der Herr Professor übersteht offenbar, daß er kurz zuvor, durch die Thalsache» ge- , wuugen, selbst ziigegeden hat, daß die Sozialdemokratie bereits jetzt Erfolge auf sozialem Gebiet errungen hat. Im übrigen mag der Herr Professor abwarten. Das ist ihm um so mehr zu rathen, aiS sein Aussatz zeigt, daß er die noch vor einen, Jahr« bei Gelegenheit der Berathung des Bürgerlichen Gesehbuchs von ihm vertretenen ver- kehrten Ansichte» verlassen zu haben scheint, daß„der Beamte" des 'Arbeiters Interessen hinreichend vertrete und daß die Fordernngen eines den heutigen Ansprüchen genügenden Arbeiterrechts durch das Bürgerliche Gesetzbuch erfüllt seien. Jetzt tritt er iu seine»,'Aufsatz selbst für ein der wirthschastlichen Eniwickelung eulsprecheiides Arbeiterrecht ein. — Vom Börfenkrieg». Die Verhandlung vor den, Be- zirkSauSschuffe wegen der Schließung der Feenpalast-Versammlunge» findet am 20. d. M. statt.— — Hofprediger a. D. Stöcker möchte gerne wieder den Wahlkreis Siegen im Reichstage verlreten. Wir glauben, daß er bei den Wählern nicht die gewünschte Unterstützung findet.-- — Entschädigung unschuldig I n h a f t i r t e r. In der Schwurgerichtsveryandiung zu Verde» über den am l.Pfingsitag zu Lehe hervorgerufene» Tumult ist gestern das Uriheil gefällt war- den. Aon den 9 Angeklagten, die seit Pfingsten im Gesa, iguiß saßen, ist nur gegen einen eine Straf« von 3 Monaten erkannt worden. einer erhielt 4 Monate, 8 der Angeklagten drei Tage Haft und zwei derselbe» wurden freigesprochen. Das Urtheil ist besonders dazu angelhan, unsere Forderung auf Entschädigung niischnldig Jnhaslirter zu begründen. Um freigesprochen zu werden, resp. 3 Tage Hast zu erhalten, saßen dl« Leute, unter ihnen Verheirathete, gerade 2l Wochen im Gefängniß. Unter- dessen find sie ihrer Stellung verlustig gegangen, die Familie hat in Sorge und Roth daheim vegetirt und nun kommen die Angeklaglen miS dem Gefängniß, jeder Staatshilfe bar, wenn nicht Arbeilsgenosseu sich ihrer an- nehme» und sie für die erste Zeit»nierstützeii. Unserer vom menschlichen Slandpnnkt»nr zu billigenden Fordernng, die Unschuldig Verhaftete» zu«nterslützen. werden sich hoffentlich nach diesem Vorlonimniß auch die uns noch Fernstehenden, wenn sie human denken, anschließe». Hier bietet sich für den Staat eine wirklich kullurelle Aufgabe zu löse». Und es kann doch so leicht geschehe».'Aber freilich dazu hat man kein Geld; die nun aus dem Gefängniß Eutlasseiieu werden sich wohl mit dem Gedanke» tiöste» müsse», daß man vorerst eine Flotte haben»nd sonstige Ausgaben für militärische Zwecke bestreilen»i»ß. Leben wir wirklich noch in einem Knltnrstaal?— — Die Entschädigung nnschiildig Verhafteter ist im Auslände von, Deutschen Reiche anläßlich des Zwischenfalles i» Haltt denilich anerkannt worde». Dort erklärte unser Gesandter, Graf Schwerin, de», Präsidenten der Republik: „Herr Präsident! Ich erschein« im Name» des deutschen Kaisers und Königs von Preuße»,»in, die Jnfreiheitsetznng des Herrn Emil Liiders, eii.es denischen Unterlhaueu. z» ersuchen. der sich in dem Gesäugiiiß dieser Stadt befindet. Zugleich stelle ich im Namen meines Souveräns eine E n t s ch ä d i g u n g S- Forderung zu gniiste» des Herrn Liiders von 1000 Dollars für jeden Tag der Berhaflung, und von 6000 Dollars, von morgen Mittag angefangen, für jeden Tag der Verzögerung." Schade, daß unsere in Deutschland unschuldig Verhafteten sich auf die schneidige Rede des Grafen Schwerin nicht berufe» können. Bei uns giebt's noch immer für unschuldig erduldete Freiheits- entziehung keine Entschädigung.— — Soldaten als Fabrikarbeiter. Auch in der Zuckerfabrik zu H a y n a u in Scblesieu solle», dem„Lieb. Stndtbl." zufolge,„wegen'ArbeilerinaugelS" neben einer Anzahl Korrigenden auch M a n n s ch a s t e n v om K ö n i g W i l h e l m- G r e n a d i e r- Regiment in Lieg Nitz beschäftigt worden sein. Auch in diesem Falle halien wir, ebenso wie in dem kürzlich besprochenen Frankensteiner, dies« Verwendung des Mililärs für völlig un- zulässig.- — Zur Ausweisung russischer nnd galizischer Arbeiter schreibt die in letzler Zeit zu Demenlirungen wieder mehr benutzte„Borl. Eorr.": Verschiedene Zeitungen bringen in diesen Tagen die Nachricht, daß von de», Minister des Innern neuerdings Massenausweisunge» russischer und galizischer Arbeiter, nameiitlitt, aus de» Industrie- gebieten der westliche» Provinzen, angeordnet worden seien. Dies trifft nicht zu. Es handelt sich vielmehr, soweit solche Ausweisungen staligefnnden habe», nur um die AuSsührniig der be- kannlen älteren Anordnuagen, wonach die von vornherein für die Soinniermonate zugeiassenen nijsifchen»nd galizischen'Arbeiter bis zum IS. November jedes Jahres das preußische Staatsgebiet wieder verlassen müssen. Wir bleiben bei unserer Eharakierisirnng dieser Politik:„Im F r tt h j a h r a g r a r i s ch, i in H e r b st e national".— — Eisenbahn-Unfälle sind im Monat September nach einer im Reichs- Eisenbahnaint mitgelbeilien liebe, stcht 218 ans deutschen Eisenbahnen vorgekommen. Dabei wurden SO P e r s o n e n getödtet und 13d verletzt! — Chronik der Eisenbahn Unfälle. Aus Hagen i. Wests, wird unler dem heuligen Datum gemeldet: Bei Ober- b r ü g g e entgleiste» in der vergangenen Naelit zehn Wagen eines Güterzuges. Mensche» kam«» dabei nicht zu Schaden. — Gegen die ,v elfische n Bestredungen, welche feit einiger Zeit in, B r a u n s ch w e i g i s ch e n wieder sehr lebhast hervorgelrele» sind, hat, wie die Braunschiveiger„Neuesten Nach- richten" melden, da» herzogliche Slnalsininisteriu», ein Reskript«r- lassen,»ach welchen, sämmtlicheii brannschweigischen Beamten die Zugehörigkeit zu de»„vaterländischen Aer- e t n ig u n g e n" des HerzogthumS verboten wird. Also die alte Methode, durch Verbote und Maßregelungen Ge- sinnnngen unterdrücken zu ivollen. Auch t» diesem Falle wird es »ichls nützen.— — Der Geiverbe-J>, spektor für de» Bezirk Uli», Herr H ar d eg g, erklärt in der„Franks. Ztg." aiif die Miltheilnng der„Schiväb. Tagwacht" betreffs der Anstellung v o n Diakonissen und b a r ui h e r z i g e n Schwestern als Aer- iniitleriiinen zwischen dem Fabrikinspeklorat und den Arbeiterinnen: ES sei keineswegs beabsichtigt, die Auswahl der weiblichen Aer- lraiirnspersonen ans die Kreise der Diakonissen»nd barm- herzige» Schivestem zu beschränteii. Den Arbeiter» und deren Organisation solle eS»»benommen bleiben, von sich ans VertranenSpersoncN aufzuftellen, wozu auch die Gewerbe-Jnspektion, höhere». Auftrage folgeiib, schon früher Anregung gegeben habe. Es solle aber auch der außerhalb der Sozialdemokratie stehenden»veib- liehen Arbeiterschaft ein stcherer Rückhalt gegeben werde». Bei der große» Schwierigkeit, die Vertraiienspersonen auS den Arbelterinne» selbst zu geiviiiiien, könnien die Schwestern wegen ihrer berufiichen, gesellschaftlichen und wirthschastlichen Stellung sehr nützlich wirken. Die Älngabe, es solle durch die Anstellung der Schwestern die Sozial- demokralte bekämpft werden, wird von de», Geiverbe-Jnspeklor als durchanß hinfällig bezeichnet. Dagegen schreibt die„Sozial« Praxis": Die segensreiche Thätigkeil der Dlakonissen und barmherzigei» Schwester» liegt ans eine», so ganz anderen Felde, aiS die Gewerbe- Aufsicht eS ist, daß wlr nnS ei»«» Erfolg von dieser Eiiirichtnng nicht verspreche» könne».— Magdeburg, lll. Nov. Die Mngdebnrgische Elsenbahnbehörd« hat im Jnieresse der Verkehrssicherheil verfügt, daß jeder Außen- beanile, von, Zugführer biS zum Weichensteller, sich während der Dienstzeit jeglicher Lektüre zu enthalten hat. Kontroll- beainte und Vahnmeister haben die Anweisung erhalte», auf strengste uug dieser Vorschrift zu achten. lese Maßregel zeichnet sich vor alle», durch außerordentlich« Billigkeit aus.— --- Sin Polytechnikum soll in D a» z i g errichtet werden.— Oldenburg. 10. November. Maßregelungen im staat- l i ch e n Musterbetrieb der großherzogliche» Eisenbahu-Werk- kälten wegen einer Petition um Lohnerhöhung? Wie ein Lauffeuer durcheilt die Kunde von größere» Arbeiter-Entlassungen auf der Eisenbahn unsere Stadt, die nicht erfolgen wegen Arbeits- inangel, sondern mit den, Unterschreiben der k ü r z l i ch eingereichte» Petition um Lohnerhöhung i n B e r- Hindling stehen, wie eine Aeußernng beweist, die ein Werkmeister gekündigten Arbeitern gegenüber gebraucht hat. Der Werkmeister Henjek, welcher die Kündiaunge» vollzog, ging auf die Arbeiter zu und frng diese einzeln: Sie haben wohl auch die Petition«», Lohnerhöhung»nterschrieben?" und auf die Antwort „ja!" fügte derselbe hinzu:„Dann können Sie sich»ach anderer Arbeit umsehen, in 14 Tagen ist es alle, mehr Lohn können wir nicht geben." Wenn man nun dedenkt, daß der Durchschnitts- Tagelohn ans der Eisenbahn nach den, Verivaliungsbericht 1890 2,07 M., der Durch- schiiitls-Akkordlohi, 2,80 M. beträgt, welch' letzierer gegen I8gS noch UN, 2 Pf. gesunken ist, und ferner bedenkt, daß ein ganz erheblicher. Theil der Arbeiter«inen Lohn erhält, der noch weit unter dem orts- üblichen Tagelohn steht, dagegen in betracht zieht, daßdieEiseubahn iiach dem Verwaltiingsbericht l89S einen Ueberschuß von 2 S20 093 M. erzielt hat, von welchem 1 185 000 M. an die Landeekusse abgeliefert sind, nud dann noch gesagt wird, eine Lohnerhöhung könne Ina» nicht geben» so wird ein jeder Arbeiter mit unS anderer Meinung sein. Bei«Iiier Lohnerhöhung von 20 pEt. würde sich der Verdienst pro Woche auf elwa l8,öS M. belausen, das wäre eine Mehrausgabe von zirka 07 000 M. im Jahr, und diese Mehrausgabe sollte die Eiseubah» nicht tragen können? Das glaube wer da will. Dresden» II. November.(Eig. Ver.) Der neu« Land« t a g zeigt das Bild der Greisenhasligkeit»nd politischen Jnipoieuz noch ausgeprägter alS die früheren. ES sind zwar eine Menge neue Leute, aber keine neuen Kräfte hinzugekommen. Die Konfervaliven beherrschen durch ihre Sltnimenzahl die Kammer noch mehr als früher; die Dreiklassenwahl warf ihnen sechs»ene Biandaie i» den Schoos), so daß sie von den vorhandenen 82 Sitze» 49 iune haben; die Nalionalliberalen sind von l0 ans 20 niigewachsen. die Sozial- demokralen sind von IS aus 3, die Fortschriiiler von 0 ans 5 zesuiikeu, und die Reformer, die früher 2 Sitze iune hatten, sind ans der Kammer verschwunden, dank ihrer polilischen Feigheit. Unsere Parlet ist jetzt nicht mehr in der Lage, selbständige Anträge zu stellen, was von der Majorität natürlich mit großem Jnbel begrüßt wird. Unser« Genosse» werden es aber verstehen, auch ohne dies« Möglichkeit die Jnieresseii der Arbeiter nach Kräften zu vertreten und de» Wahlrechlszeislörein gehörig einzuheizen. Hinsichllich der Slellung der Pacleien zu den vorliegenden Gesetzeseutivürseu läßt sich vorläufig nur wenig sagen. Di« Konservativen stehen der E i n f ü h r n n g eineS Aer- w a l t n n g S g e r i ch tS ziemlich skeptisch gegenüber n»d die Meinung ging auf der letzien Generalversnininlung ibreS Landes- Vereins nberivieaend dahin, man solle ivenigsleiis alle politischen An- gelegenbeite», insbesondere die Handhabung des Vereins- mid BersainnilungsrechlS. feiner Kompetenz entziehen; die Herren ivifftn, warum. Auch die Vermögens- nnd E r b s ch a s ls st e n e r erfreut sich bei ihnen keinen allzugroßen Sympathien»nd sie wollen sie lediglich als einen„'Ali ansgleiche-ider Gerechligkeil gulheißen. TrrSdc», 12. November.(Eig. Ber.) In der heuligen Sitzung der 2. Kammer gaben unsere Genossen die Antwort ans die Pro- v o k a t i o n A ck« r in a n n' s, der ihnen in der ersten Präliminar- sihilng nachgerufen Halle:„Sind daS Sachsen, die, wenn wir unserem Könige huldige», davonlaufen? Gold st ein erklärt nanienS der sozialdemokratischen Fraktion dies« Wort« für ein« gröblich« Ueberschrcitung der Be- f u g n i s s e d« S Präsidenten, lieber die Haltung der sozial- demokratische» Abgeordneten hätten einzig deren Wähler zu entscheiden. Die Fraktion werde sieh durch solche Heransfoidernngen nicht, wie vielleicht gewünscht, zu Thorheiten verleilen lasse». Präs. Acker- in a n n erklärt, die Enifernniig der Sozialdemokralen vor dem Hoch auf den König sei eine Demonstration gewesen, die iu Widerspruch mit den Aiischauuiigeu der säuimilicheii übrigen Mitglieder der Kammer stehe. G o l d st e i n läßt diese Erklärung nicht gelten. Der Präsident habe auch aus die Anschanungen derMinoriläl Rücksicht zn nehmen, jene Worte aber seien eine Provokation gewesen, eine Vergewai- ligting der Ueberzengung der Minorität durch die Majorilät. (Oho! bei den Konservative».� Vizepräsident Streit(sorlschr.) weist die Vehanplungen Golosiein's als völlig grundlos zurück. Goldstein habe dadurch zu erkennen gegeben, daß er von der be- schworen«» Treue gegen den König nichts wisse» wolle, nnd da§ sei gegen die Verfassung. SInf solche Leitte habe man keine Rücksicht zn nehmen. F r ä ß d o r f führt ans, die Sozialdemokraten hätten gerade durch ihre Entfernung geglaubt, die Gefühle der Majorilät zu schonen, den» sonst würden sie einfach sitze» geblieben sein. Der Eid laute auch dahin, die Jnieresse» des Volkes zn wahren. Die Majorität schütze die Interesse» der Monarchie, wir die Interessen des Volkes.(Große Unruhe.) Die Sozialdemokraten würden aus alle Fälle ihre Rechte zu wahre» missen. M e h n e r t(kons.): Sie haben laut AerfassnngSeio beschworen, daS»nzerlrenilltche Wohl des Königs nnd Vater- landeS zil wahren; daS ist elwas anderes. Ihr Hinausgehen hat all« anfS tiefste vorletzt.(Fräßdorf: Wir haben aber nicht geschworen, ein Hoch ans den König auszubringen!) G r ü» b e r g(Soz): Wir sind nicht durch die Gnade deS Königs hier, sondern durch da« Vertraue» unserer Wähler. Wir lassen»liis durch nichts zu Thorheilen versühre». Präs. N ck e r»i a n>» will nicht annehme», daß Grünberg d i e Hochrufe auf den König alS Thorhett bezeichiien wolle, sonst würde er daS rügen müssen.(Zuruf bei den Sozial- demokralen: Wenn wir mit eingestimmt hätte», wär's«ine Tkorheit.) SS werde» hieraus die Deputation«-(Kommissions-) Wahlen vorgenommen. G o l d st e i n beansprucht namens nilserer Partei, daß in jede Deputation je«in Vertreter der Sozialdemokratie gewählt werde,>i»d nennt unser« Kandidaten. Die Majorilät könne nicht anders, als diese Ansprüche zn berücksichtigen: sie habe sich immer beschwert, daß die Sozialdemokratie nicht positiv mitarbeite» wolle. Die Sozialdemokratie biete sich hiermit ausdrücklich zur positive» Mitarbeit in den Depittatioiien a». Das Ergebniß der Wahlen zn der Beschwerde- und PelitionS«, wie zu der Nechenscbasisdepatatioii ergiebl daß die Sozialdemokraten nur ihr« eigenen acht Sttmnieu erhalten. Die Sozialdemokraten bleiben also, wie bereits früher, so auch dies- mal aiisgeschlossen. Di« Mehrheil macht skrupellos Gebrauch von ihrer Macht. Zahlreiche Petitionen von Unlerbeainten, nainent- lich aus bei» Eisenbahnbetriebe, fordern Gehaltsaufbesserung, auch ein Gesetzentwurf zur A bände ruug der Gesinde- Ordnung ist eingegangen. Miiucheli, 11. November.(Eig. Ber.) Bayerischer Land- tag. Di« Abgeordnetenkammer setzie heute die Debatte über die von der Regierung bezw. vom Finanzausschuß vorgeschlagene Ver- mehrung deS Betriebsvorschnffes der bayerischen L a n d w i r t h- schaftsbank um 2 bezw. 3 Millionen fort. Unser Genosse Ehr harr führt« hierbei u. a. folgendes aus: Der Referent Dr. Orierer hat sich des tNndleins seiner Partei warm aiigenomine». Wir können jedoch nicht ganz damii ein- verstanden sein. Der Zinsansfall, der den, Siaate durch die Subventio» enlstehl, beträgt 40 000 M. per Jahr, mit de», Zuschuß zu den Verivaltuugskosteu Iviederuiu im Beirage von ebenfalls 40 000 M. erglebt dies ein Geschenk von 80 000 M. aus der Tasche der Slenerzakler an die Empfänger. Wir haben schon vor zwei Jahren bei der Grün- düng ausgesprochen, daß der Katzenjammer bald„achkämmm meide, und haben gesagt, daß diese nur die Einlösung eines Wnhlwechsels sei. Wir haben deshalb Anträge gestellt, in» eine staatliche Konlroll« und Einwirkung zu ermöglichen, alle diese Anträge wurde» zu unserei» Bedauern abgelehitt. Diese Westen- kascheiiausgabe einer Bank ist äußerlich ganz proyenhasl ausgestntiet und hat 3 Direktoren mit 30 000 M. Gehalt. Man sollte doch »leinen, daß wenigstens ein Bruchlhetl der von, Staate geicheukien 80 000 M. verwendet würde. um de» kleine» Baneru bei- zustehen. Den, ist aber nicht so. Während nach den, Statut Darlehen bis 5000 M. abwärts gegeben werden köniieii, ist unter 1000 M. thalsächlich gar kein Betrag ausgeliehen worden. Der Großgrundbesitz ist also i» erster Linie berücksichligt worden. Nun hat der Miuisler gesagt, daß er alles tljim werde, um die Pfandbriefe dieser Bant»»terzubringe». Teingegennber ist vor allen Dingen zu bemerken, daß die Gelder der Invaliden- lasse, die ans den Groschen der Arbeiter znsainineiigescharrt sind, nicht e t iv a d a z n verwendet werden, denn diese baden nicht d i e B e ft i in in u n g, e i n e in z iv e i f e l h a f t e n Experimente zu dienen. Man betrachtet das Institut als Wohlfahrtseinrichtniig, aber es ist eine solche nur sür einige Herren, die Wohllhnten nicht brauchen. Der Abg. Wieland hat gestern eine» Antrag gestellt, der vom Haufe und leider auch vom Minister mit Heiterkeit anfgeiioiinnen wurde. Wenn der von einein BancrSnian» gestellte Antrag auch nicht formvolleildct war, so trug er doch den gute» Gedanken, das Baiikeiiinonopol z» durchbrechen. Ich zweifle daran, daß die Land- wirthschastsbank jemals in die Lage komme» wird, daS ganze Hypo- thekenivese» iibernehnien zu können. Ans kelueli Fall bewilligen wir für dieses Institut auch nur einen Pfennig, selbst ans die Gekahr hin, der Feindfchast gegen die Bauer» geziehen zu werden.(Bei- saus links.) Seitens der Zentrumsabgeordiieten L e rn o u. Gen. ist noch nachstehender Antrag gestellt worden: Die Kanuner wolle beschließe», an die Staatsregierung die Bitte zu stellen, es wolle mit Gesetzeskraft aiisgesproche» werden, daß für Beiträge, durch die an stelle eines bisherigen hypothekarisch ver- sicherten Schuld- oder Schuld-Restbetrages ein neues Kapital s»b- stiluirt werden soll, oder durch die zwischen de» Gläubiger» und Schuldnern geänderte Zins- und Heimzahlungsbeslinnnuiigen ge- t rossen werde», bis zur Höhe des bisherigen Betrages lediglich die Gebühr nach?lrt. 122/111 des Geinihrengesctzes in der Fassung vom 2ö. Mai 1392 zu erhebe» sei.(1 M. pro Mille.) Die Debatte über diesen Gegenstand gehl voraussichtlich morgen zu Ende.- Nuö F»chö»ilihl wird berichtet, daß dort zur Zeit auf Anordnung der Zoller'schen Verivaltuug so viel Holz geschlagen werden soll, daß die Holzrechller höchstens noch vier Jahre ihr Holz be> komme» konnten. Die Fuchsiniihler solle» sich deshalb an die ober- pfälzische Kreisregiernng gewendet haben, aber ohne Erfolg.— Straßburg i. E., 11. November.(Eig. Ber.) De» große» Worten, welche die klerikale Presse vor den Wahlen machte, sind keinerlei Tbaten gefolgt. Selbst da, wo eS die Vertreter dieser Partei in der Hand gehabt hätlen, die von ihrer Presse so heftig bekämpften Kandidaten des GoilvernementS und NolabelnthumS zu Falle zu bringen. baden sie kläglich versagt. So stimmten zum Beispiel im Gemeiuderath der Stadt Straßbnrg, der ebenfalls einen Vertreter im Landesansschuß zu wählen hatte, die Mitglieder der kalbolischen Gruppe geschlossen für den RegiernngSkandidaten, ob- wohl es ihnen ein Leichtes gewesen wäre, dem Vorschlag der Liberal-Demokrate» zum Siege zu verhelscn, der sich so mit einer verschwindenden Minderheit begnüge» mußte. Und dabei ist gerade das Etraßbnrger Organ der Klerikalen, der„Elsäsier", bisher der eisrigste Rufer im Streit gegen die verhaßte Notabeinpartei gewesen. Auch i» Mülhausen haben sich die klerikalen Gemein'deraths- Mitglieder dazu hergegeben, dem Großindustrielle» Mieg-Köchltn gegen den liberale» Bewerber zum Siege zu verhelfe», obwohl erstem ein ausgesprochener Gegner der Oeffenllichkeit der Gemeinderaths- Eitznnge» ist. für deren gesetzliche Durchführung die klerikale Presse deS Landes, Hand in Hand mit derjenigen der übrigen Oppositionsparteien, gerade in den letzten Monaten so geräulchvoll eingetreten ist. Di« katholische„Landespartei" muß sich deshalb mit Recht den auch anderwärts schon gegen die Vertreter des Zentrums erhobenen Vorwurf gefallen lasten, daß ihr im entscheidenden Moment die Selbständigkeit und da? polltische Rückgrat fehlt, die nnerläßllch sind, wenn man im Kampfe gegen daS herrschende System Erfolg« erzielen will. ES wäre für die katholisch« Oppo- silio» in de» Gemeiiideräthen von Straßbnrg und Mülhausen umso- mehr ein« politisch« Pflicht gewesen, unabhängige und fortschrittlich gestnnte Vertreter in die gesetzgebend« Körperschaft des Landes zu entsenden, weil bei der Jämmnlichkelt des derzeit bei uns be- stehenden Wahlsystems an Erfolge der Opposttion i» den Land» krersen in absehbarer Zeit nicht zu denle» ist. Die Massen des Volkes haben bei unser» Landesausschuß-Wahlen einfach nichts zu sagen. Die Geineinderälhe der Landkreis« wählen au« ibrer Milte die Wahlmänner, die dann auf der Kreisdirektion zur Ernennung des Abgeordneten zusammentreten. Da es nun allenthalben„üblich" ist, die Bürgermeister der Gemeinden mit dem Amte des Wahlinannes zu betrauen, so kann man sich eine» Begriff vou der„Freiheit" dieser„Wahl" machen, welche die Herren MaireS unier den Augen ihres allmächtige» Kreisdirektors vorzunehmen haben. Ei» charakteristisches Beispiel hierfür ist dl« Wahl tu» Kreise Mölsheim, wo sich der persönliche Adjutant deS Statthalters. Graf Zeppelin, um das Mandat bewarb. Wehe dem arme» Dorf- Bürgernieisterlei», das eS dabei gewagt hält«, von feinem Recbt« als Wahlmann in einem Sinne Gebrauch zu machen, der den regierungs- freundlichen Herren nicht angenehm gewesen wäre. Es ist unter folche» Umständen kein Wunder, wen» von 73 Wahlmännern des Kreises 61 einem Manne ihr« Stimme gaben, der für seine Be- werberschast um da» Mandat ein«? Volksvertreters kein« andere Empfehlung mitbrachte als die. daß mau„höheren Orts" seine Wahl wünsche. Aus dieien Umständen heraus erklärt sich der ganz« Ausfall der jüngsten LandeSautschuß-Wadle». der mit den politischen Anschauungen und Elinnnungen im Bolle im schreiendste» Widerspruch steht.— — Ehronikder Majestät« b e l« i d i g ung»-Pr ozesse. AuS L t e g n t y wird gemeldet: Die hiesige Sirasknmmer verurteilte de» Hausbesitzer N-umann aus Kotzeuau wegen schwerer Majestäis- beleidigung, begangen r m b e t r n n k e n« n Z u st a n d e in seiner Wohnung in Gegenwart Bekannter, zu etne», Jahr Ge- f ä n g n i ß.--_ — Kokonialet. Die Berathungen über die Etats für die Schutzgebiete sind nun beendet, die Drucklegung erfolgt un- inillelbar. Dl« Etats iverde» bald de» Milglievern des Kolonial. ralhes zugehe», für dessen Session auch die Denkschrift des Ans- schliffe« über die Slrafrechtspflege bei den Eingeborenen der asritanischen Schutzgebiete ausgearbeitet worden ist. A» dem HanZ- balt der Echiihgebiele ist gegen daS Borjahr wenig geändert, doch sind, wie man hört, einige»cue Unternehmung»«»> die SlalS ans- genomme» worden. So sind in de» Etat für Südivcst-Asrika die Glimmen sür de» Ausbau des Hafens vou Ewakopninud und die Eisenbahn eingestellt worden, und in dem Etat sür Ost-Asrika wird die Uebemahme der Usainbara-Eisenbah» von Tanga ein« Stelle sindeii. Wege» des Anschlusses der herzustellenden Telegraphen- linien in Südwest-Asrika an die kapländischen Linie» bei Steinkopf sind Unterhandlungen mit England angeknüpst und noch im Gange. Oesterreich. Wie«, 13. Novbt. AbgeorduitenhauS. v A b r a h a in o w i cz wurde mit 136 von 518 abgegebene» Etii»me>, zum Präsident«» gewählt. 7 Stimmen waren zersplillert und 126 Stimm- zettel leer abgegeben worden. Abrahanioivicz wurde von der Rechten stürmisch begrübt. Herr Anrahamowicz ist wohl der Präsident aller Parlamente, der nin n'illkürlichsie» vo» seinen Machliniltein Gebranch gemacht hat und sich um allerwenigsten an die Bestiniiimng der Geschäfts- ordniing gehalten hat. In feinem ganzen Wesen und Gebahren ist er das direkte Widerspicl der i» bestem Angeveuken bei alle» öfter- reichischen Paria,»eiiiarirrn stehenden chemalig«» Präsidenten Sniolker, ber auch Pole war, aber nie völlig die Erinnernng a» das Siurmjahr 1343 vergessen hat, an die Zeit, wo er Präsident des ersten öllerreichifche» Parlaments gewesen war. Nach der Präsidentenwahl hielt der Neugewählte eine Antritts- rede voll Heuchelei. Die gesarniute Linke des Hanfe» war während dieser Rede den, Verhandlnugslaale ferngebliebeii. Das HnnS nahm sodann die Verhandlung der Minisieranklagen wegen der Sprachen- Verordnungen wieder ans. Der Ministerpräsident Graf B a d« n t ergriff zunächst das Wort. Gr erklärte, die R e g i e r u n g w o l l e s t ch mit größter Bereitwilligkeit an einer Regelung der Sprachenfrage auf dem Gesetzgeb nngs- weg« b e t h e i l i g e n und werde, wenn ein bezüglicher Antrag ans Schwicrigkeiien stoßen sollte und ein Erfolg nicht zu erwarten sei. alles aufbiete», um den Streit beider böhmi- scheu B o l k S st ä m»i e auf g r u n d eines Kompromisses im vollsten Einvernehmen mit beiden Parteien einem friedlichen End« zuzuführen. DaS b e>v« i s e, daß die Ltegteriiiig nicht im Begriff« sei, zu verschwinde». Abgeordneter Z a l l i n g e r(klerikal) beaulragt eine in o t i v i r t e Tagesordnung: Indem daS Haus ein« Lösniig der Nationalitäten« und Sprächenf rage nicht«inseitig auf dem Weg« vo» Verordnungen, sondern durch eine gesetz« liche Regelung für ersprießlich erachtet, geht eS über die Ministeranklage zur TageSorviiiiiig über. — Der vielberufene Paragraph Vierzehn, der in den parlamentarischen Verhandlungen in Oesterreich wie in Ungar» jetzt immer erwähnt wird, ist der 8 14 dcs österreichischen Staats. Grundgesetzes vom 21. Dezember I3S7. Di« österreichische Verfassung«»tbält bekanntlich ein« Bestimmung, die der Regierung »iiter gewisse» Voraussetzungen das Recht giebt, Versügungen mit provisorischer G-setzkrast zu erlasse». Es ist jeuer§ 14, von dem jetzt so viel die Rede ist, und dessen Wortlaut wir deshalb nach- folgend»litlheiie»! § 14. Wenn sich die dringende N o t h iv e n d i g k e i t solcher A n o r d n u» g e», zu welchen verfassungsmäßig die Ziislimniiuig deS Reich srathes erforderlich ist, zu einer Zeit herausstellt. wo dieser nicht v e r sa m>»« l t ist, so könne» dieselben»»ter Verantwortung des G e s n in in t m i ii i st e r i u ui s durch kaiserliche V e r o r d« uung erlassen werden, insofern solche keine Abänderung des Slaais-Gruiidgesetzes bezwecken, k e i n e d a n e r n d e B e l a st u n g des Staatsschatzes und kein» Veräußerung vo» Staatsgut betreffe». Solche Vemdiiimge» haben provisorische Gesetzeskraft, wen» sie von fänimllichen Minister» unter- zeichnet sind und mit ausdrücklicher Beziehung auf diese Bestii»- uitiug dcs Staals-Triindgesetzes kundgemacht werden. Die Gesetzeskraft dieser Verordnuiigsn erlischt, wenn die Re> gierung unterlasse» hat, dieselben dem nächste»»ach deren Kund- inachinig zusaninientretenden Reichsrathe, und zwar zuvörderst dem Hause der Abgeordneten, binnen vier Wochen nach diesem Zu- sannnentritt zur Genehmigung vorzulege», oder wenn dieseld«» die Genehmigiing eines der beiden Häuser deS ReichSraihes nicht erhalten. DaS Gesaminiministerlnnt ist dafür verantinortlich, daß solche Verordnungen, sobald sie ihre provisorische GesetzeSlraft verloren haben, sofort außer Wirksamkeit gesetzt werde». Die Regierung hat mm die Absicht, wenn der Gesetzentwurf, der die Verlängerung der gegenwärtigen Ausgleichsgesetze um ein Jahr bezweckt, da« sogenannt« A>iigl«ichspiovisormm, im Ab- geordnetenhause nicht erledigt wird, diese Verfüguiigei, durch«ine Verordnung auf gruud obigen Z 14 zu treffen. Daß dies verfassuiigs- widrig wäre, ergiebt sich schon aus dem Umstände allein, daß eine Verlängerung des Ausgleichs eine dauernde Belastung des Staats- schatzes bedeutet. Auch der Reichsrath ist virsammelt, und er »lüßte erst zu dem Zwecke vertagt werden, uui den ß 14 in An« wendung bringen zu töuuen.— Von der sozialoemokratischen Fraktion bei österreichischen Abgeordnetenhauses(Dr. Verkauf und Genossen) ist, wie heut« aus Wien telegraphirt wird, ei» DringlichkeitSantrag auf Aufhebung des z 14 deS Slaatsgruud-GesetzeS(Noihverorduungs-Paragraph) ein- gebracht worden.— Nugar«. — E S wird weiter magyarisirt, durch sozialen Zwang, wie durch direktes Eingreifen der Behörde». Unter der Spitzmarke B n d a p e st meldet die„Franks. Ztg.": Durch den Tod des Bürgermeisters Kammeriiiayer und des OberbürgerinetsterS Rath ist eine Neubesetzung dieser Acinter nath- wendig geworden. Der hauptstädtische MiiiiizlpalaiiSlchnß wählte nlin gestern den bisherigen ersten VizebÜrgernieister Johann Haber- Hauer einstimmig zum Bürgermeister von Budapest. Der»eu- gewählte Bürgermeister führte'sich mit einer Progranimiede ein, in der er seinen Wählern die Mittheilung machte, daß er seinen giiten deutschen Namen Haberhnuer tn den magyarischen„Hanios" verwandelt habe. Das haben doch feine Vorgänger Kamiiiermayer imd Rath nicht für nvthig gehalten. Der Minister des Inner» hat im Abgcordnelenhanse einen Gesetzentwurf eingebracht, der vo» den Geineindeii und anderen OrlSnarnen handelt und b est i mint, daß jede Gemeinde nur einen einzigen amtliche» Namen haben kann, dessen Bestimmung zum Wirkungstreise des Miiiisters deS Inner» gehört. Ist der Entwurf Gesetz geworden, daiin dürfen die deutsch- ungarischen Städte nicht einmal mehr sagen, wie sie heißen wollen und ihre alten deutschen Name» werden bald alle gestrichen sein. Schweiz. Genf, 3. November.(Eig. Ver.) Die Konservativen oder „Demokraten', wie sie sich unter Mißbrauch des Wortes nennen, habe» bei den gestrigen StaatSraths wählen eine so ver- nichiende Niederlag« erlitten, daß sie sich davon wohl schmerlich mehr erholen werde»; wa« im vorige» Jahre bei de» eidgenösstsche» Wahle» begonnen, das ist gestern durch die kantonalen Wahle» vollendet worden. Bisher bestand die Kantonsregicrung aus 6 Kon- iervativen und 2 Radikale», die gestrige Wahl hat de» vollständigen Lieg der radikalen List« gebracht, so daß»un die Regierung ans 6 Radikalen, i Eozialvem»traten und 1 Konservativen besteht. Genosse Thieband wurde gewählt, trotzdem tausend« von Radikalen es nicht über sich brachten, dem Sozialbemokraten ihre Stimm« zu gebe». Die höchste Stimmenzahl, welche ans den biehertgeii radikalen Staatsrath Vanlier entfiel, beträgt 14 370 und die gertiigfle, welche Thieband erhielt, 7826; der milgeivählte konservative Richard bekam die zweithöchste Stimmenzahl, nämlich 14 366, was beweist, daß vi« Radikale» den Konservativen viel näher stehen, als de» Soztaldemokralen, Freilich war dies nicht erst zu be- weisen.— Mit Thieband ist i» der Schwei, der zweite s o z i» l d e m o k r a t t f ch e M i n i st« r geivählt; dem ersten, dem Genossen Ernst tn Zürich, stelli« dieser Tag« die„Züricher Post" das beste Zeugniß anS. Gewiß wird mich Genosse Thieband seine» Mann in der Regierung stellen. Wie die Wabl Ernst'L, so ist anch die Thiebaud's das Ergebniß des Ziisamineiigehens der soziaideinokratische» mit der demokratische» resp. radikalen Partei, jedoch mit dem Unier- schied, daß die Sozialdemokraii« im Kanton Zürich für Ernst 16 000 Stimmen anfbrachie, während die Genfer Sozialdemokralie kaum über mehr als 2000 Stimmen verfügen kann; aber diese genügle», ni» vor Jahretsrist teil radikale» Steg Über die Konservaiive» berbeizuführeit. In Genf haben wir es mit ei»«», reine» Korn- proniiß z» thu», i» Zürich dagegen wendet«» die Demokraten ihre Stimme» dem Sozialdemokraten ohne Gkgenleistung z», nur nm im Interesse der Demokratie den Sieg des konservative» GeldsackS- Kmididaien zu verhüien; einen Schade» an ihrer Prinzipien- festigkeit hat die Züricher Sozialdemokratie durch die Unierstlitzuiig der Demokraten nicht genommen. Ein solcher wird auch in Genf nicht einlretc», ist doch die sozialdemokratische Parlei trotz des Kompromisses mit den Radikalen mit einem selbständigen Aklions- Programm in die Wahlbewcgung eingelreien. Dasselbe fordert die Errichtung einer allgemeinen Alicrskasse, die Gründnug einer Kredit- anstalt sür Landwirih«, SIeuerrcfvrm mit Progressivsteuer, Abzug der Hypothekarschulden vom Slenerkapital und Steuernachlaß sür kleine Vermöge», volle Achtiing des Asylrechtes(waS in Genf besonder» ivohiihul), speziell Aufhebung deS gegeiiwärtigen Modus der Landes- Verweisung auf dem VerivaltuiigSwege, Erstellung von Arbeiter» Wohnungen mit niedrigem MielhczinS, Ausdehnung der Vorschristen deS FabrikgesetzrS nur alle Industriezweige ohne AuSnahuie, Er- »ennuiig eines kaiitmialeii Fabrikinspektors, staatliche Aussicht über neue Bauten. Reparaturen und Gerüste, Gründung besonderer gewerblicher Anstalte» für alle Gewerbe:c., nnentgeltltche Beerdigung, Unentgeltlichkeit der Sekundär« und Gewerbeschule», Ver- bindung der breitspurigen Bahnen auf Genfer Gebiet, Rückkauf der Tramways und deS schmalspurigen Eisenbahnnetzes. EtwaS spezifisch Sozialistisches ist an diesem Aktionsprogramm allerdings nicht, da- gegen geht es sozialpolitisch wesentlich weiter als die Programms der bürgerlichen Parteien, und seine Durchführung würde ei» de- deutender Fortschritt sein.— ftcrttltl'sftfj. Paris, II. November.(Eig. Ber.) Die vorjährigen Radau-! K it u d g e b u» g e u gegen den sozialistische» Gemeiuderath von! Lille wiederholeu sich seit einiger Zeit gegen den sozialisti» scheu Gemeiuderath von Marseille. Hier dient als Nu- laß die Abschaffung der städtischen Subvention für Opern-Borstelluiigen im Munizipal.Theater. Der Gemeiuderath hatte dabei im Interesse der breiten Bevölkerungsrnnsse gehandelt. Anstatt die schlechten, von irgend einer Opern-Schmiere gegebenen Borslellunge» zu� unterstützen, soll das Geld für die Förderung deS popiiläreu Drama's� verweiidel werden. Die bürgerlichen Freunde vo» schlechter Musik und des— tn de» Gemeinbewahleii bereits zweimal geschlagenen BourgeoiStlnngelS veranstalte» nun regelmäßig Radauscenen im Thealer während der dramatischen Vorstellungen. Vorgestern kam es zu Straßeukundgebungen mit dem bezeichnenden Rufe:„Dc- niissto»!" Wer sind die musikalischen Radaumacher? Wie dem „Jour". einem bürgerlich- radikalen Blatte, das den Sozialisten keineswegs gewogen ist, aus Marseille berichtet wird, sind die Hanplschreier die loiterhaften Gigerls nebst. den„bekannteste» Dirnen des Marseiller TroitoirS". Diesen führenden Elementen schließt sich»aiürlich der großstädtische' Jmihngel mit Begeisterung an... Der sozialistische Gemeiuderath läßt sich aber, zur Enirlistiliig der Pariser Ordnniigspresse, von dem vereinigten Pöbel i» Seidenhüle» und in SoiNeneurs-Miitze» nicht eiiischüchlerii. Alts Antrag des Bürgermeisters. Genossen Flaisstsre», bestätigte er seine» frühere» Beschluß. Um jedoch die Meinung der VolkSniasse in aulhentischer Weise z» erfahren, soll die Subventtousfrag« durch eine Bolksabstiinimiiig(R e f e r e i> d u m) entschiede» iverde».— Paris, 11. November. Die Meldung der„Libertä", nach welcher die eiigltsch-französtschen Niger ver Hand« l ii n g e n plötzlich nnlerbroche» wäre» und England die Angelegen« heit einem Schiedsgerichte zu unterbreileu wünsche, wird gutem Vernehmen»ach als unrichtig bezeichnet.— Paris» 12. November.(„Voss. Ztg.") Morellet legte dem Senat de» Souderansschuß-Bericht über das neue Spioiingeaesetz vor; dt« iveseniliche Bestimmung des Gesetzes in der»eucn Fassung des SenaiSausschusseS ist, daß der LandcSverrath i» Friedenszeit aushört, polilischen Verbreche» gleichgestellt zu sein, und t»it dem Tode beslrast wird. Belgien. -»Die zweite Sitzung der K a i» in e r verlief nicht weniger stürmisch als die«rstr. Fortgesetzt wurde die Juter- pellaiion B er l o z, betreffend die Maßregelung der zwei Genter Lehrerinnen. A» s e e l e beendete seine Liebe, die durch den Zivischeurui deS Klerikale» de G» ch t e n a e r e's z» einem vor- zeiiigen Abbruch gelangt ivar. A n s e e l e wendet sich gegen die Jnioleraiiz der Klerikale», welch« Kirche und Schule denutzen, um den Religionsbaß zn schüre». Genosse Demblon, der hierauf das Wort nimmt, kommt noch- mals auf de» Artikel des klerikalen„Volk" zu spreche»:„Warum macht Sie ein Zivilbegrädiiiß(ohne Milivirknng der Kirche) so wüthend? Weil Sie fürchten, daß Ihnen hierbei dann und wann «in guter Fang für Ihr« Kirchenkassen verloren gehen könnte. Vom Standpunkt« de« BeuielS sind diese Begräbnisse„»»moralisch"."— Bei diesen Worten wird der Redner zur Sache ge> rufe». Als er weiter anführt, daß die Kirche für Geld alles thue, daß sie zu», Beispiel den K r o n p r i»» Rudolf mit allen Ehre» begraben habe, trotzdem er gestorben war in de» Arme» seiner Mailresso... hob der Präsident die Sitzung auf. Bei der Wiedereröffnung der Sitzung beantragt der Präsident, daß Demblo»»aä> der Geschäftsordnung in dieser Sitzung und zn dieser Frag« das Wort nicht mehr erthetlt werden soll. Demblon erklärt, a»ss Wort verzichten zu wollen, er werde bei anderer Ge- legenheU das Bersänmte nachhole,,. Nachdem einige Mitglieder der Rechte», u. a. auch G u ch t e» a e r«— welcher erklärt, daß er die Aeiißeruiigen deö„Volk" nicht zu den seinige» mach«— gesprochen haben, wird die von V e r l o, eingebrachte Tagesordiuing in namentlicher Abstinnnung mit 63 gegen 32 Slimmeu und einer Siinimenenlhaltung verworfe». Engsand. - G r e a t e r B r i t a i n. Bei den am 24. Juni dS. IS. begomienen Unlerhandlungei, deö englischen Kolon ialminisiers Chamberlain mit de» Premier», inisier» der Kolonien wurde nußer de». Anstreben deS Zusammenschlusses des Greater Britai» zu einem Riesen-Zollverein die gemeinsame Verlhelvignng des Reiches besprochen, znderrnich dieKolonie» beistcuer» sollte». Auch wurde» Vereinbarungen zum gelegeuilichen zeitweiseii Austansch vo» a»i>ralischeii Truppen gegen englisch« erivoge»,»,» mehr Gleichmäßigkeit innerhalb der Truppe» des Weltreiches zu erzielen. Jetzt werden vo» seile» Englands die ersten Schrille zur Ausführung dieser Vorschläge gemacht, indem der UnterstaaiSselrelär Sir Ralph Wood Thompson nach Australien geschickt wird, um die verschiedene» Schwierigteilen innerhalb der selbst« ständige» Koloniaiverwaltuiigen zu beseitige» und zugleich den Kolonie» die Nothwendigkeit der Unterhaltung einer stärkeren Truppenzahl nahe zu legen.-- Italien. {Rom, 10. Nov.(Eig. Ber.) C r! S p i scheint zu triumphiren. Der Kassationshof hat, wie der Telegraph bereits milgetheilt hat, seinen RelarS gegen de» Bologmur Gerichtshof alierkannt; er ist also vorläufig wieder durchgeschlüpft. ES wird angebracht sein, die Begebenheilen, die zur gerichtliche» Verfolgnng Crispi's gesührl habe», hier kurz in Erinnerung zn bringen. Gegen Ende vergangen«» Jahres wurde von dem Untersuchungs- richter zu Bologna ei» Verfahre» anhängig gemacht gegen Luigi F a v i l l a, den ehemaligen Direktor der Vanca dl Napoii, und einige andere, die der Unterschlagung von Kassengeldern beschuldigt war«». F a v i l l a bekimdete, daß C r i s p i diese Gelder einpfaiigeu habe. Crispi gab zu. durch die Vermitlelung von Antvntno M a« z» n e die Sinnme von 186 000 Franks erhalte» zu haben. Gleichzeitig legte er aber auch eine Ouiltung von Favilla vor, in der dieser bescheinigte, keinerlei Forderungen mehr an CriSpi zu haben. Di« Untersuchung wurde aber gewissenhafter und eingehender geführt, als CriSpi wohl zunächst angenommen haben mag. Er hielt es daher für geboien, am 26. März«ine Erklärung abzugeben, in der es hieß! Für den Fall, daß die Haudluiige», deren Favilla ihn beschuldige, als wirklich begange» zn erweisen wären, dann werde er(Srispi) sich wegen eines Vergehens zii veranlworteu haben, das er ausgeführt habe als Ministerpräsident und sür«in solches sei er iillr verau twort l fch dem Senat, daS Verfahren vor den ordentlichen Gerichten sei hier unangängig. Der Untersuchinigs- richter wl« der Gerichtshof ividersprachen dieser Auslegung des§ 47 der Verfassung. ES handle sich hier ,»» ei» geuieiueS Verbrechen und da sei der ordentliche Richler inistäiidig. Dieser Ansicht hat sich der KassationShof nicht angeschlossen. Ob dainic erreicht wird, was die Crispi- Bande wünscht, nämlich, daß die Alien jener schmutzigen Geschichte in de» Staatsarchiven begrabe» werden? Vorläufig trlirniphirt Crispi und fein Anhang; die„Triblina",„Popolo Romano",„V Jtalia" freuen sich dermaßen über den Erfolg ihre? Meislers, daß man an- nehmen muß, eS war wirklich Ursache genug vorhanden, den Prozeß z» flirchlen. Die Sozialdemokraten und ihre Preffe zeigen sich nicht im ge- ringsten erstaunt über de» Spruch des höchsten Gerichtshofes, auch uiebt»rznrnt. Der„Avant," weist darauf hin, daß damit nur daZ Ansehen der Justiz geschädigt und die Autorität des Staates unter- graben wird.-- Spanien. Madrid, 12. November. Das Amtsblatt, die„Gazetta". wird am 13. d. M. den Erlaß bezüglich der A u t o n o in t e v o n K u d a veröffentlichen. Die auf Nuba Begnadigten haben eine Danladresse an die spanische Regierung gesandt.— Dänemark.' — I m F o l l e t h i n g stand der sozialdemokratische Antrag über das K o in in>l n a l- W a h l g e s e tz zur ersten Be- rathung. Klausen trat i>ai»e»s der Partei für den Aulrag ei». Er führte ans: Das Wahlrecht ist jetzt nur einer begünstigten Minderheit vorbehalten, die übrigen besitzen entweder gar keins oder ein so beschränktes, daß es keinen Werth hat. Seit 1870 ist vo» der Linken wiederholt versucht worden, das koiiimunale Wahlrecht zil erweitern. AU' diese Vorschläge aber blieben an die Steuerskala gebunden. Der sozialdemokratische Antrag dagegen giebt allen mündigen unbescholtenen Männern und Frauen, die Heimathsrecht besitzen und im letzten Jahre nicht Ariiienunterstützung genossen haben, das Wahlrecht. Klausen ividerlegte die konservativen Aiischauungeu vo» dein berechtigten Vorrecht des Geldsackes. Betreffs des Wahlrechts der Frauen verwies er auf England, Schweden und Ainerika, auf Island, wo die Frauen koinmunales Wahlrecht bc� sttzeu, ohne daß i»a» dort irgendivelche Klage» darüber gehört hätte Daß die Frauen bei uns kein Wahlrecht gehabt haben, ist kein Grund, ein solches Unrecht weiter andauern zu lassen. Ganz aus- geschlossen vom Wahlrecht sind zur Zeit die Dienstboten, ein Ueberrest der ehemaligen Leibeigenschaft. Durch daß Gesetz soll nicht nur die Zusauiinensctzung der Städte- und Gemeinde- Näthe reformirt werden, sondern auch die des Auitsrathes, der heute nur durch die Stimme» der Höcyff besteuerte» zu stände kommt. Auch für den Aullsrath soll das all geineine Wahlrecht gelten. Klausen ist selbst überzeugt, daß der An trag unserer Fraktion nicht Annahnte finden wird, aber es soll eine neue Debatte über diese Frage im Folkethiug herbeigeführt werden, außerdem halte» unsere Genosseil es für ihre Pflicht, die Wünsche weiter Volkskreise hier vorzuführe». Auch ist es ja für die Wähler , vichtig, zu erfahre», wie sich die Negierung und die Parteien zu dieser Forderung stellen. C h r i st e n s e n begrüßt namens der Linken den Antrag mit Freuden, so weit er sich mit den frühere» Anträgen der Linken deckt, iveiter will er nicht gehen, also namentlich den Dienstboten das Wahlrecht nicht geben. Der Minister erklärt, daß die Regierung bei diesem Autrag nicht mitarbeiten könne. Die Annahme dieses Antrages würde die vollständige Revolution der Gemeiiideleitinigen bedeute». Allen Frauen das Wahlrecht zu geben sei ei»„Unsi»»". Christense» trat noch einmal für den Antrag ein. Die Liberalen iiiüßlen zeigen, daß sie Anhänger des allgeineinen Wahlrechts seien. Auch Klausen sprach noch einmal, indem er nnmentlich die Unterschiede zwischen seinem Antrag und dem der Linken charakterisirte. Dem Minister dankte er, daß die Regierung so rückhaltlos enthülle, daß ihre be- hauptcte Reforinfreundlichkeit eine reine Phrase gewesen sei. Sie widersetzt sich jedem Reformvorschlag. L e t h- E s p e» s e u als Vertreter der Rechten meinte, der Antrag sei nicht der Rede iverth. Diejenige», die etwas besitzen, müßte» auch mehr darüber zu sagen haben, was mit de» Steuergeldern geschehen solle, eine Weisheit, die vom Thing mit schallendem Gelächter anfgenonnnen wurde. In der Sitzung vom 9. d. M. kam ei» von liberaler Seite eim gebrachter Gesetzvorschlag, betreffend die Abschaffung o b l i � gatorifcher kirchlicher Eheschließung zur ersten Lesung Diese Vorlage ist kein Neuling, sonder» eine Modifikation früherer und der Auffassung vormaliger Kultusminister angepaßter Entwürfe. Die iin Vorjahre gestellte» Anträge scheiterten im Landesthing. Der neue Antrag ist eine Art Veruiiltelung, aber da er nicht auf dem Prinzip der bürgerlichen Zwangsehe steht und der Willkür der Geistlichen freien Spielraum läßt, ivnrde er im Folkething mit starken, Widerspruch empfangen. Seitens des Antragstellers Gögsbro ivurde bemerkt, daß hier im Lande sich zwar kein allgemeines Bedürfniß obligatorischer Zivilehe geltend mache, aber die bürgerliche Ehe unter Mitwirkung des Pfarrers sei eine Bestimmung, die mit der Tradition im Volke übereinstimme. Nur eine verschwindende Minorität im Lande habe nach Abschaffung der kirchlichen Ehe verlangt.� Nichts desto iveniger läge«s im Int er» esse der Zukilnft der Landeskirche, daß eine Aendernng Platz greife. Auf allen anderen Gebiete» dieser Kirche herrsche voll- kommen Freiheit tind nur niit Rücksicht auf Eheschließung sei Zwang vorhanden. Die Zivilehe müsse fakultativ werden schon aus Rüchsicht auf den Pfarrer, dem kein Gewissenszivang auferlegt iverden dürfe Den Konservativen mar der Vorschlag natürlich doch noch zu weih gehend. Auch der M i n i st e r sprach sich gegen den Antrag aus. Die weitere Berathung wurde vertagt.— Kopenhagen, 12. November. L a n d s t h i n g. Bei der Fort- setzung der Berathung über die Zollvorlage erklärte der frühere Ministerpräsident v. Reedy-Thott, er sei mit seinen Parteigenossen über die Vorlage nicht einig. Dein ehemalige» Ministerpräsidenten Estriip gegenüber bemerkte der Redner, man dürfe die vom Folkething dargebotene Hand nicht zurückweisen. Bei gutem Willen von allen Seiten könne man zur Verständigung gelangen.— Norwegen. Christiania, 1l. November. Bei den heutigen Wahlen im Amte Nedenaes, das mit vier Stimmen im S t o r l h i n g vertreten ist, siegte die Linke, deren Mitgliederzahl dadurch auf 77 ge- stiegen ist. Mit dieser Stimmenzahl besitzt die Partei nunmehr«ine Stimme über die absolute Mehrheit, die erforderlich ist, um Ver- f a s s u» g s ä n d e r u n g e n durchsetzen zu könne». Auch bei d en noch ausstehenden Wahlen rechnet man auf eine» Zuwachs der Linken.— Rnftland. — Der unterlassene Besuch des Zaren in Karlsruhe hat zur Schaffung einer eigenen russischen Gesandtschaft am Hofe des Großherzogs von Baden geführt. Nun iverden die badischen Hofkreise sich nicht mehr über allzu geringe Werthschätzung seitens des Petersburger Hoses beklagen und auch die servilen deutschen Zeitungen werden jetzt beruhigt sein. Selah!— Bulgarien. — U e b e r die Lage in Bulgarien schreibt unS ein bulgarischer Genosse aus Sofia: Die akute Krisis des russischen Einflusses in Bulgarien neigt sich dein Ende zu. Obgleich die Russenparlei noch herrscht, so wird sie doch lebhaft bekämpft, nicht blos von den Sozialisten, sondern auch durch die bürgerlichen Nationalisten. Die Ursache dieses Ilmschwungs liegt in der Thaisache, daß Rußland sich den nationale» Be- strebmigen der Bnlgareu in Makedonien widersetzt, dagegen die Be- strebungen der Serbe n unterstützt. Bis vor 26 Jahre» ungefähr war der Kampf nm den Besitz Makedoniens auf die Bulgaren und Griechen beschränkt. Die Serben erhoben damals noch keine Ansprüche. Aber die Dinge haben sich geändert, seitdem Bosnien und die Herzegowina, diese zwei alten serbischen Provinzen, im' Jahre 1377 mit Zu- slimniung Rußlands und des ehrlichen Maklers Bismarck an Oesterreich, dessen Neutralität während des russisch-türkischen Krieges erkaust werden sollte, abgetreten wurden. Die Serben, die hierdurch jede Hoffnung, sich nach dieser Seile hin ausznvekneii, verloren, richteten nun ihre Augen auf Makedonien, dessen Besitz ihnen auch das Meer, von dem sie jetzt ganz abgesperrt sind, er- schließen würde. Warum begünstigt nun lliußland die serbischen Ansprüche auf Makedonien? Theils weil die Serben seil einiger Zeit eine russenfreundliche Politik befolgen, theils aber auch ans anderen, gewichtigeren Gründen. Rußland fürchtet nämlich die Bildung eines starken unabhängigen Staates auf der Balkanhalbinsel, einerlei, welcher Nationalität oder Benennung. Deshalb widersetzte Rußland sich so heftig der Vereinigung der Moldau und der Wallachei, der Bildung des rumänischen Staats. Deshalb wider« setzte sich Rußland der Vereinigung Süd-Bulgariens(des alten Ost- Rtimelien) mit dein Fürsteuthiun Bulgarien. Schon durch diese Vereinigung würde Bulgarien eine nicht zu verachtende Macht werden, stark genug, in den Angelegenheiten der Balkanhalbinsel eine Rolle zu spielen. Es war also im Jnleresse Rußlands, ein Gegengewicht zu schaffen und jedes weitere Wachslhuni Bulgariens zu verhindern In Serbien fand sich das geeignete Werkzeug. Unterstützt von Oesterreich, trieb Rußland die Serben zum Krieg gegen die Bulgaren. Die Beweise hierfür sind in den Archiven von Sofia. Man weiß, daß die Serben in diesem Krieg besiegt wurden. Aber Rußland ent- schädigte sie auf einer anderen Seite. Es unterstützte durch seine Diplomatie in Konstantinopel die Ansprüche, welche Serbien mit bezng auf Makedonien erhob und ließ durch seine literarischen Hand- langer den ethnographischen Beweis liefern, daß Makedonien von Serben bewohnt sei. Der letzte Erfolg, den die Serben mit Hilfe der russischen Diplomatie und insbesondere des Herrn Nelidoff, des früheren russischen Gesandten in Konstantinopel, davontrugen, war die Er- nennung des serbischen Priesters Firmalion zum Bischof von Uskub in Makedonien, an stelle des verstorbenen griechischen Bischofs. Dieser Erfolg der Serben hat den Zorn der bulgarischen Nationalisten anss äußerste gesteigert. Rnssenfreiinde, wie Karaweloff, der Führer der ruffensreundlichen Opposition, greift Rußland auf das heftigste an in der Person der russischen Diplomaten in Konstantinopel. Und sogar die Regierungspresse, obgleich zuni Schweigen verurtheilt, vermag doch die Unzufriedenheit mit Rußland nicht ganz zu verbergen. Die gegenwärtige Regierung Bulgariens ist ohne Zweifel russen freundlich. Aber Rußland weiß auch, daß sie keinen festen Bestand hat. und daß die Sympathien für Rußland in Bulgarien fort- während abnehmen. Unter solchen Verhältnissen richtet die russische Politik ihr Augenmerk darauf, die politische Bedeutung Bulgariens zu vermindern. Eine der Bedingungen der Wiederanssöhnung Rußlands mit der bulgarischen Regierung war die A b s ch a f f u n g des b u l g a r i s ch e n E x a r ch a t s in d e r T ü r k e i, das heißt der offiziellen religiösen Vertretung der Bulgaren in der Türkei. Die bulgarische Regierung selbst weiß, daß sie in ihrer nationa listiscben Politik nicht auf Rußland zu rechnen hat, vor Ausbruch des Krieges zwischen Griechenland und der Türkei sucbte sie ein B ü n d n i ß mit Griechenland, allein durch Rußland und Oesterreich ward dieser Plan durchkreuzt. Bulgarien mußte sich neutral verhalten, und erhielt zur Belohnung dieser iinfreiwilligeii Enthallsainkeil vom Sultan das Recht, in der Türkei einige Handels ageuturen zu errichten. Ein kärglicher Trost. Von Rußland schlecht behnndelt, versucht die bulgarische Rs giernng ihr Heil nun bei der Türkei. Sie hat neuerdings dem Sultan ein B ü n d n i ß angeboten, wofür ihr dieser in Makedonien Konzessionen machen und in ein« Vergrößerung Bulgariens willigen soll. Ob sie dort Glück haben wird?(Nach den neuesten Berichten scheint die bulgarische Regierung abgeblitzt zu sein. N. d.„V.".) So viel steht fest, auch das offizielle Bulgarien hat in der russischen Freundschaft ein Haar gefunden. Unsere Ultilll Nationalisten haben neuerdings eine„Dobriidscha".Frage entdeckt. In der jetzt zu Rumänien gehörigen Dobrudscha leben nämlich ein paar tausend Bulgaren. Dieselben sind aber in der Minderheit und die bulgarischen Sozialisten bekämpfen diese „Bewegung". Und was die makedonische Frage betrifft, so ist unsere Losung: Makedonien für die Makedonier! Wir sind prinzipiell gegen jene schmachvolle Diplomaten-Politik, die über die Völker verfügt wie über die Schafheerde». Für die Sozialisten liegt in dein absoluten Selbstbestimmungsrecht des Volkes die einzig gerechte und vernünftige Lösung der Nalionaliiäten- Frage.— Türkei. Konstantinopel, 11. November. In der heutigen Sitzung der BevoUinächtiglen für die Friedeiisverhandluiigen wurden die Ver- Handlungen über die beiden noch übrigen Artikel des Friedens- Vertrages, nämlich die Aendernng der Kapitulationen und die Ent- schädigungen für beschädigtes Privaleigeiithuni fortgesetzt.— — A u s K a n e a melden die„TimeS", die Adiniral« hätten auf die ihnen übersandte Adresse der kretischen Natioualversainiiilnng ge- antwortet, sie hätten von den Forderungen der Kreter Kenutniß ge- nominell, seien aber, solange die Eriiennung des Gouverneurs noch nicht entschieden sei, nicht in der Lage,«ine endgiltige Antwort zu ertheilen.— Asten. — Vom indischen Kriegsschauplatz. Aus S i in l a wird gemeldet: Ein zweiter Ausklärungszug, der gestern nach dem Sarau- Sar- Berge im Maidan-Thale, dem Orte, wo am Dienstag ein heftiger Kampf stattgefunden hat. vorgegangen ist, war durchaus erfolgreich: die Vertbeidigungslinien von 49 Dörfern wurden zerstört. Auf englischer Seite wurde ein Offizier verwuiidel und ein Scpoy getödtet. Der Feind erlitt schwere Verluste. Dagegen berichtet ein Spezial- Korrespondent der„Times" ans Maidan. trotz der schweren Verluste des Feindes am Dienstag seien die britischen Operationen ohne Erfolg gewesen. Der moralische Vortheil habe ans feiten der Afridis gelegen, welche wohl bewaffnet seien. Sie hätten Munition im Ueberflnß und besäßen hunderte von Martinigewehren und auch mehrere Lee-Metsord-Gewehre, wie ans zahlreiche» Veriviindungen britischer Soldaten durch Dumdum- Geschosse hervorgehe.— Afrika. Kairo, II. November. Die cgyptische Garnison für Kassala wird etwa 2960 Mann betragen. Die Truppen werden über Massauah nach Kassala abgehen und ungefähr am 24. Dezember dort eintreffen.— Amerika. New- Dork, 12. November. Der„New-Iork Herald" meldet aus Washington, Präsident Mc. Kinley have festgestellt, daß 61 Senatoren für die A n n e k t i r u n g Hawaiis seien. Dies wäre mehr als die Zweidrittel-Mehrheit, welche zum Beschlüsse, die Inseln zu annektiren, nöthig ist. —„Gegen das Mords ystem" auf den amerika- n i s ch e n E i s e n b a b n e n wendet sich unsere amerikanische Kollegin, die New-Iorker„Bolkszeitnng" in einem längeren Artikel. Ein „Mordsysleni" ist es in der That, wie aus den nachstehenden Zahlen erhellt. Auf den amerikanischen Eisenbahnen, die allerdings eine so große Meilenlänge haben wie die Eisenbahnen särniutlicher euro- päischen Staaten zusammengenommen, verunglückten getödtet verwundet 1891.... 79L9 88 881 1892.... 7147 gg 652 1393.... 7349 49393 1894.... 9447 31 391 1895.... 6136 33715 1896.... 6487 88 845. Welch kolossale Ziffern! Die Tobten und Verwundeten eines Jahres ungefähr soviel wie die der blutigsten Schlachten vor Metz. In den drei Jahren von 1894—1896 ist die Zahl etwas ge- ringer als in den drei vohergehenden Jahren. Das erklärt sich aber nicht aus etwaiger Beobachtung größerer Vorsicht seitens der Bahn- Verwaltung— daran denkt der prositwülhige Kapitalismus nicht, der ans dem Blut der Menschen so gut wie aus ihrem Schweiß Gold macht— sondern aus der schweren Geschäftskrise, die 1394 hereinbrach und eine starke Verminderung des Eisenbahnverkehrs zur Folge hatte. Sind diese Ziffern schon entsetzlich, wahrhaft»larkerschiitternd lud die folgenden. Die Zahl der„verunglückten" E i s e n b a h n> B e d i e n st e t e n war: getödtet verwundet 1891...... 2669 26>49 1892...... 2554 28 267 1893...... 2727 81 729 1894...... 1823 23422 1895...... 1811 23 659 1896...... 1999 39 999*) *) Für das Jahr 1896 war die genaue Ziffer noch nicht ver- öffentlicht; es mußte noch einem, übrigens amtlichen Ueberschlag zitirt iverden, der jedenfalls nicht zu hoch ist. Getödtet und verwundet in sechs Jahren 187 732! Hundert sieben und achtzig tausend sieben hundert zwei und dreißig Eise»bahn»Arbeiter. Diese Ziffern erscheinen noch furchtbarer, wenn wir bedenken, daß die Zahl der Eisenbahn-Bedinsteten, die fast das gesanimte Kontingent der Tobten und Verwundeten stellen: die Zugleute (Schaffner, Kondukteure, Heizer«.). Streckenarbeiter und Weichen- steller in den Bereinigten Staaten nicht mehr als 299 795 beträgt. Auch dort wird an Menschen gespart und das Menschenleben verschwendet. In einem Zeitraum von sechs Jahren sind hiernach ziemlich ebenso viel Arbeiter getödtet und verwundet worden, als durch- schnittlich überhaupt beschäftigt sind. Natürlich findet ja eine be- ständige Erneuerung des Personals statt; allein Thalsache ist: wenn keine Erneuerung stallfände, würde das Eisenbahii-Personal binnen s e ch s I a h r e ii nahezu vernichtet sein. Das mörderische Klima von C a y e n n e, wo die„trockene Guillotine" von den französischen Staalsrcttern aufgeschlagen ward. tödtet die Europäer binnen zehn Jahren. Der Kapitalismus ist noch mörderischer— er braucht blos sechs Jahre, um den Arbeiter zu tödten oder zu verstuinmeln.— Mttkevnrlzntev-VevbÄnde. Eine Spiritus-HandelS-GcscNschaft ist auf Veranlassung einer Anzahl namhaster Firmen in der Bildung begriffen. Die Ge- sellschaft soll ihren Sitz in Breslau haben und die Aufgabe erfüllen, die Gesellschafter durch geeignete geschäftliche Maßregeln in ihrem Streben, sich ihre wirthschaslliche Selbständigkeit zu erhalten, zu unterstützen. Insbesondere sind auch bereits Maßnahmen in Erwägung gezogen worden, welche bezwecken, in Konkurrenz mit den zum Syndikat gehörigen Spritfabriken von Posen und Breslau, die Sprilkonsuiuenleu der Provinzen Schlesien und Posen mit Sprit preiswerlh zu versorgen. Das Stammkapital ist auf 599 999 M. festgesetzt und sollen 50 pCt. sofort baar bei Ziistandekoninien gezahlt werden, weitere Einzahlungen bei Bedarf ans Beschluß des Aufsichlsratbs erfolgen. Die Errichluiig von Zweigniederlassungen an anderen Plätzen ist vorgesehen. Sozinles. Eine Muster-Reparatur-Werkstätte für Nhrmachergchilfcn will der Deutsche U h r in a ch e r- B u n d(eine Unternehmer- Bereinigung) in einem Vororte Berlins errichten. Zlrbeitcn sollen nur von Uhrmachern angenommen, solche von Privaten, Goldarbeitern, Händlern, Trödlern:c. unbedingt abgewiesen weiden. Die Reichs- und Staatsbehörden will der Bund um Subveulionirung der Schule angehen. Aus Uhrmacherkreisen wird nnS über diese Angelegen- heit geschrieben: An der Thalsache, daß die Uhrmacheret immer mehr zurückgehl, da von dem heutigen llhreninacher der Uhrenhandel als die Hauptsache und die Reparatur als zwar nöthiges, aber lästiges Uebel angesehen werden muß, wird die beabsichliyie Griiiiduiig nichis ändern. Zweck derselben soll sein, technisch tüchtig gebildete Gehilfen zu erziehen. An sich ei» löblicher Vorsatz, aber leider wird nur ein ganz verschwindender Bruchlheil der Gehilfen, der bemittelte Theil, die Schule besuchen können. Ein Jahr muß jeder Schüler die Anstalt besuchen. Schulgeld soll zwar nicht er- hoben iverden, vielmehr sollen 29 pCt. der Reparaturpreise dem Schüler zu gute kommen, doch wird dieser Betrag selbstverständlich so gering sein, daß dem Schüler erheblicher Zuschuß zur Verfügung stehen muß. Ju dem vom Verein Hamburger Rheder seit dem 1. No- veinber d. I. eingerichteten allgemeinen Heuerburean habe» sich bis jetzt rund 1199 Seelente einzeichnen lassen, von denen etwa ein Drittel placirt werden konnte. Man sieht hieran, wie gewallig die Stellenlosigkeit auch unter den Seeleuten ist. Arbeiter- Risiko. In Leipzig wurden auf einem Fabrik- Neubau, der von dem Maurermeister B a st ä n i e r ausgeführt wird, ein Maurer von einem eisernen Träger erschlagen. Aus G l e i w i tz wird gemeldet: In der DoiinerstagZnacht gerieth der Holzstab der B y t h r a n d r o- G r n b e in Brand. Der Brand konnte bisher noch nicht gelöscht werden. Sieben Arbeiter sind todt. lieber die aufgelöste ArbeitSloseu-Versicheriing der schweize- rifchen Stadt St. Gallen hat der G c m e i n d e r a t h einen Schlnßbericht gegeben. Danach wurden während des l'/sjährigen Bestehens der Versicherung 4965 Versicherungspflichtige eingeschrieben. Bei Auflösung der Versicherung waren noch 5799 Fr. Bei- träge rückständig, die ans dein Rechtswege eingezogen iverden sollen. Die schlechtesten Zahler seien gerade jene gewesen, die Uiitersttttzung bezogen haben. Unterstützt wurden insgesainint 512 Mann und zwar die Hälfte derselben 1396 und 1897. Die Summe der aus- gezahlten Unterstützungen beträgt 33 337 Fr., im Durchschnitt erhielt jeder Unterstützte 75 Fr. Am ansgedehnteften war die Arbeitslosigkeit in de» Monaten Dezember(167 Ar- beilslose) und Januar(III). Von den 512 Arbeitslosen waren 189 Erdarbeiter, Tagelöhner und Handlanger, 53 Maurer, 33 An- streicher, 27 Schneider:c. 329 waren Schweizerbürger, 183 Ausländer. 353 waren verheiralhet. Zinn Schlüsse des Berichtes spricht der Gemeiiideralh die Hofsiiniig ans, daß die AibeitSIosen- Ver- sichcrung wieder erstehen und dann dauernden Bestand haben werde. Ucber Arbeitslosigkeit i» Paris wird gemeldet: Allein bei de» städtischen Arbeitsuachweis-Biireans baben sich im drilten Quartal dieses Jahres 19 432 Männer und 13 929 Frauen angemeldet, von denen blos 4527 Männern und 9316 Frauen Beschästigung angewiesen werden konnte, und zwar naiüilich vielfach nur vorüber- gehende. Man zieht daraus den Schluß, daß die Arbeitslosigkeit diesen Winter wieder einmal große Diniensiöiien annehmen werde. Jedenfalls kann den deutschen Arbeitern nur dringend abgerathe» werden, sich durch die Hoffnung, bei den'Arbeilen der Weltansstellniig beschäftigt zu werden, zur Reise nach Paris verlocken zu lassen. Von besonderen Glücksumstäiiden abgesehen, würde ihre Hoffnung ge- täuscht werden. In der gestrige» Notiz über die Statistik der französische» Elcmeutarschule» muß es am'Ansang heißen:„Danach deträgt jetzt die Gesammtzahl d e r B o l k s s ch u I e n mit Ausnahme der Kindergärten" k._ Depesstzen unv letzte Ltsitzeiitjtem Elmshorn, 12. November.(Privaldepesche des„Vorwärts.") Bei der heuligen Sladtverordnelen-Waht siegte die Sozialbenivkraiie mit großer Majorität. München,>2. November.(W.T.B.) In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten ivnrde mit 132 gegen 4 Stimmen der Gesctzenliviirf aiigenoniilieii, durch welchen der Bayerischen Zentral- Darlehnskasse ein Belriebsvorschnß von zwei Millionen und der Bayerischen Landwirlhschaslsbank ei» Belriebsvorschnß von drei Millionen Mark gewährt wird. Wir«, 12. November.(W T.B.) A b g e o r d n e t e n h a n s. Kronawettcr erklärt, für die Ministeraiiklage stimmen zu wollen, weil die Regierung durch den Erlaß der Sprachenverordnnng ihren Koinpetenzkreis überschrilleii habe. Horlil ii. Gen überreichen einen Antrag, wonach sie mit dem von der frühere» Regierung und der gegenwärtigen bezüglich der Sprachenverordnnng eingeschlagenen Weg nicht eiiiverstande» sind und beantragen, über den Anklage- Antrag zur Tagesordnung übei zugehen. Abg. Baernreilhcr stellt iianieiis des verwssiiiigstreiieii Großgrundbesitzes den Antrag, über den Antrag Horlil zur Tagesordnung überzugehen und eiklärr. daß ohne einen kNiren und entschieden entgegenkommenden Schritt gegenüber den Deutschen lein dauernder Friede in Oesterreich möglich sei.(Lebhafter Beifall und Händellatsche».) Warschan, 12 Novemver.(B. H) Die„Johanngrube" der Donibroiva ist eingestürzt. Acht Todie sind bereits ans Tageslicht geschafft, viele Bergleute werde» noch vermißt. Kanca, 12. November. M. H.) Ans den hier stationirten sranzösischeii Schiffen grasstrt ebenfalls der Typhus. Verantwortlicher Redakteur: Ananst Jacobey in Berlin. Für de» Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Max Vading in Berlin. Hierzu S Veilaacu. St. 266. 14. ZahWiig. 1. KilM i>kS " Dcrlmr DMMM.!>»»»«,>».>»,»»««. RÄ�tei-'NKHsivnszten. Gegen die Nnsstellniia von Volnlschcn NelchStags- Kiindidntc» in den beide» obcrschlesischen Kreisen Kattowitz- Z a b r z e n»d B e u t h e n- T a r n o>v i tz hatte sich die B r e s- lauer„Volksmacht"». a. mit der Begründung gewandt, es sei zwischen polnischen und deutschen Sozialdemokraten ein 916» kommen getroffen worden, daß in dein Kreise Kattowitz» Zabrze der Bergarbeiter Sachße ans Zwickau und im Kreise Benthen-Tarnowitz ein polnischer Parteigenosse als Reichstag?» Kandidat anfgestellt wurde. Ter Vorstand der polnischen sozial» demokratischen Partei erklärt nun in einem von der„Volksmacht" anszngsweise untgetheilte» Schreiben n. a., es sei ein Mchverstäiidnifj der deutschen Genossen, daß ei» 9lbkomi»e» getroffen worden wäre. Die„Volksmacht" bemerkt dazu, sie wolle von einer Erörterung be» ziehcntlich Widerlegung der vom Vorstands der polnischen Sozial» demokratie anfgestelllen Behauptungen für jetzt absehe», und zwar aus Rücksicht ans den Versuch, der neuerdings gemacht sei, um eine beide Theile befriedigende Lösung der Frage herbeizuführen. Aus Rom brachte das„Berliner Tageblatt" folgende Depesche: Die vatikanische„Voce dclla Verita" widmet de» freundlichen, ja bewundernden Worten, die der Abgeordnete Bebel in K o t t b» s an den Papst Leo XIII. und die katholische Kirche gerichtet habe. ein Enlrefllet. Das vatikanische Blatt nennt diese Aeuherunge» beachlenswerlh und bezeichnend. Bebel, dem wir das Telegramm vorlegten, hat sich über den Inhalt höchlich amnsirt. Er kann sich nicht entsinne», in seinem Vortrag Aenßernngen gethan zu haben, die zu einem Urtheil, wie das Telegramm es enthält, Veranlassung gaben, es sei denn, daß es dem Berichterstatter besonders gefiel, daß Bebel i» einen, Vergleich zwischen dem Verhalte» der großen Mehrzahl der protestaulischen Geistlichen und dem der katholischen der sozialen Bewegung gegenüber, die letzteren als die klügere» und die weil- sichtigere» bezeichnete und dabei mit Bezug nahm aus die Encyklika Leo's XIII. Die„Kottbuser Ztg.", deren Berichterstatter offenbar ein protestantischer Geistlicher ist, spie Feuer und Flamme über Bebel's Bortrag und älißerte unter anderem:„Das Handkörbchen von Teufels Großmntter mußt« herhalten, um Gift und Galle ans die Kirche, das Christeuthum, Kaiser. Könige, Fürsten, Bischöfe und Päpste und auf die Jesuiten zu spritzen.... Jedes christliche Gefühl mußte sich empören bei den gräßliche» Worten, die wie ein rolher Faden die Rede durchzogen und Wulh und Ingrimm des Redners gegen die Reiche», Fürsten und Geistlichen erkennen ließen." Und so mit Grazie weiter. Wie des Eine» Lob, so ist des Ander» Tadel eine starke Uebertrcibung, jedenfalls hat der Vortrag gewirkt und seinen Zweck erfüllt. Bei den Stadtverordnetcn-Wahlc» in Königsberg i. Pr. errang die Sozialdemokratie einen schöne» Achtungserfolg. In zwei Bezirken kommen unsere Kandidaten in die Stichwahl, und in alle» Bezirken ist die Zahl der für uns abgegebenen Stimme» gegen früher bedeutend gestiegen. Für Partcizwecke gingen aus Zwickau ein: Lustige Brüder am Berge 206,20. Papierkiste Zwickau 4.0!). St. 9l. 16,—. Feiner Davd 15,50. Hammerdiltrich 7,45. Porzellanarbeiter Schedewitz 9,22. Tillner 8,95. Heinrich Z. 7,—. Steinmetzen von Zwickau und Umgegend 18,60. Bierprozente Steiumetzwerkplatz Mehlhorn 10,—. Die„Aufgelösten" 20,—. Adam Sau» 20,10. Heinrich 23,—. Papierkiste Marienthal 1,25. August L. 18,35. Colditz 1,—. Tillner 4,45. Summa 336,12 M. A»S Weimar wird berichtet, daß der Parteigenosse Simon ans Erfurt, der am Sonntag in einer vom sozialdemokratischen Verein in Weimar veranstalteten öffentlichen Versammlung sprechen sollte, nnmittelbar vor der Stadt mit dem Fahrrad zu Fall kam und sich eine schwere Gehirnerschütterung zuzog, die das schlimmste befürchten läßt. A»S Dänemark. In L y n g b y wurden drei, in V a l b y ei» Sozialdemokrat in den G e>» e i n d e r a t h gewählt. 9ln andern Orten, wo es nicht gelang, unsere Kandidaten durchzubringen, sind wenigstens starke Minoritäten erreicht worden. Meist nahm die Partei zum ersten Mal an den Gemeindcwahlen theil. Polizeiliches, Gerichtliches»c. — Da? Reichsgericht verwarf die Revision deZ verantwortliche» Redakteurs der„ S o n n t a g s- Z ei tu» g" in Halber st ad t, Genossen Karl K n n n e, der wegen Beleidigung eines Polizeikommisjars in Wernigerode vom Landgericht in Halber stadt zu 600 M. Geldstrafe verurtheilt worden ist. — Der Parteigenosse Schöpf! in, Redakteur der„Volkse stimme" in Burgstädt i. S., hat am Donnerstag die einmonatige Gesängnißstrafe angetreten, die ihm vom Chemnitzer Landgericht wegen Beleidigung der Miltweidaer Polizei auferlegt worden ist. Viommuncrfes. AnS der MagistratSsitznug am Freitag. Der Etat für die städtische Feuersozietät, welcher von Oktober bis Oktober läuft, ist vom Magistiatskollegium für 1897/98 in Einnahme und Ausgabe mit 2 002 935 M. festgesetzt worden. Infolge der i» letzter Zeil vorkommenden vielen Tachstnhlbrände sind die Raten für Feuerschädenvcrgütigung und der von der Sozietät zu den Kosten der Feuerwehr z» leistende Beitrag gegen das Vorjahr erhöht worden und zwar erstere um 160 000 M.. letztere um 87 600 M. Das Jnnungsvermöge» der W e i ß g e r b e r- I n n» n g ist nach deren'Auslösung vor einigen Jahren statutenmäßig der Stadtgemeindc mit der Bestimmung zugefallen, daß die Zinsen des Kapitals zur linterstütziing bedürftiger Weistgerber Verwendung finden sollen. Das Kapital der Stiftung ist der Stislungsdeputnlion zur Verwaltung überwiesen- und ihr auch die Machtvollkommenheit ertheilt, die Zinsen zur Verlheilung zu bringen. Letztere belaufen sich ans 450 M. jährlich. In der Turnhalle der Elisabelhstraße ist vor einem Jahre versuchsweise das Gasglüh licht eingeführt worden. Da diese» Versuchen die Bedenke» entgegenstanden, daß die Erschütterunge» und der unvermeidliche Staub in der Turnhalle das Gasglühlicht in seiner Wirkung bedeutend beeinträchtigen und die Ersparniß durch die Kosten der Erneuerung aufgewogen werden würde, so beschloß das Magistrats-Kollegstim, ein Jahr lang eine genaue Kontrolle der neue» Erleuchtungs-Einrichtung durch die städtische Erleuchtungs-Deputntion vornehmen zu lassen. Das Resultat ergab unter Hinzurechnung aller Kosten für Erneuerung der Glühkörper, Zylinder zc. dennoch in diesem einen Jahre bei einem Gasverbrauch von 5250 Kubikmetern eine Ersparniß von 297,96 M.. wobei noch die wesentlich größere Hellig- leit in betracht gezogen werden muß.— Die Entwürfe zu de» vier Gemeinde- Schulbauten, welche wir gestern in dem Berichte über die Sitzung der städtischen Schul- deputation erwähnt habe», sind auch vom Magistrats-Kollegium ge- nehmigt worden._ Lokales. Achtung, zweiter Wahlkreis! Sonntag den 14. November, abends 6Vl Uhr, findet bei Zubeil, Lindenstr. 106, eine öffentliche Versammlung statt, in der Herr Dr. S a u l m a n n über Wasser- Heilverfahren sprechen wird. Nachher gemülhliches Beisammensein. Die Vertrauensperson. Wahlvdrcin für den vierte» Berliner Reichstags-Wahl- kreis(Südost). Ten Mitgliedern zur Kenn tn iß, daß seitens des Vereins am Mittwoch— Bußtag— eine Fußpartie unternommen wird, und zwar nach Johannisthal. Glienicke und Grünau. Treff punkt früh 8 Uhr bei Erbe, Cnvrystr. 25.— In Johannisthal für Nachzügler vormittags 11 Uhr bei Senftlebe». Recht rege Be- theilignng ist erwünscht.— Siehe Versammlungs-Annonce am Sonntag. Die Liste» des 12. und 14. Kommnnal-WahlbezirkS liegen am Sonntag, den 14. November, vormittags von 9—12 Uhr und am Montag, den 15. November, abends von 3—10 Uhr für das Görlitzer Viertel bei Erbe, Cuvrystr. 25 und für das Rcichenberger Viertel bei Golz, Grünauerstr. 3, aus; für den 14. Bezirk liegen die Liste» auch aus bei Bieberstein, Lansitzer Platz 12g., Ecke der Eisenbahnstraße._ Der„Verein für Kiuder-Volkökiicheu" hat im Winter 1896/97(bezw. 1895 96) in seineu 10 Küchen unentgeltlich 182 667 (331003) Portionen, gegen Zahlung von 5 Pfennige» 43570(69 504) Portionen, zusammen 226 237(400 507) Portionen vertheilt. Gegen das Vorjahr ist eine erhebliche Verringerung namentlich der Zahl der F r e i s p e i f u n g e n eingetreten. Das ist jedoch weniger auf eine Verringerung des Bedürfnisses als auf Mangel an Mitteln zurückzuführen. In der am Mittwoch abgehaltenen Generalversammlung wurde vom Vorsitzenden Herrn'Abraham ausdrücklich betont, daß man aus diesem Grunde die Zahl der Freispeisuugen habe einschränken müsse». Der von Herr» Abraham erstattete ausführliche Jahresbericht zeigte wiederum, wie groß das Elend ist, unter dem viele Kinder der 9lrmen leiden, und wie nothwendig es ist, daß hier helfend eingegriffen wird. Herr 91. war bemüht, gewisse gegen de» Verein erhobene Vorwürfe noch einmal zu widerlegen. Durch die Speisung der Kinder außerhalb des Hauses werde keineswegs, wie mau behauptet habe, das Familienleben zerstört. Von einem solchen könne in den hier in betracht kommenden Familien, wie durch die Recherchen des Vereins stets auf neue erwiesen werde, meist überhaupt nicht die Rede sei». Die Eltern seien den Tag über außer dem Hanse beschäftigt oder hätten kein Geld, ein rechtes Mittagessen herzurichten. Ohne die Hilfe des Vereins würden die Kinder nicht mit ihren Elter» zusammen das Mittagbrot einnehme» können, sonder» höchstens mit ihnen zusammen hlin gern müssen. Einzelne besonders krasse Fälle von Nolh wurden angeführt,— Fälle, in denen der Vater krank oder arbeitslos war oder trank oder im Gefängniß saß, die Mutter aber wenig verdiente oder gleichfalls krank ivar und doch 4 Kinder, 5 Kinder, ja selbst 3 und 9 Kinder zu ernähren ivaren! Der früher, namentlich aus den Kreise» der städtischen Verwaltung, speziell von der Schuldeputati on erhobene und kürzlich vom Stadtschulrath Bertram in der Stadtverordneten-Versammlung wiederholte Vor« ivurf, daß der Verein z u's ch n e l l und zu reichlich helfe, sei ebenso unberechtigt. Es werde nur den 9lllerbedürftigsten geholfen. Es sei auch nicht wahr, daß die Eltern deshalb die Pflicht. selber für ihre Kinder zu sorgen, von sich abzuwälzen suchten. Sowie sich nur das Wetter ein wenig ändere und die Arbeits- g e l c g e n h e i t sich wieder mehre, würden die Küchen sofort leerer. Die Kinder kämen mit der Erklärung:„Vater hat wieder 'Arbeit", und bliebe» dann von selbst weg. Herr 91. berührt« dann den von der„freisinnigen" Majorität der Stadtverordneten- Versammlung abgelehnten Antrag Borg man» und Ge- nassen.(Feststellung. wieviel Gemeindeschulkinder ohne Frühstück kommen). Er hob sehr richtig hervor, daß die Zahl, die sich hierbei ergeben würde, noch keineswegs alle hungernden Kinder umfaßt, da ja von denen, für die die außer dem Hause arbeitende Mutter wenigstens noch das Frühstück zurccht mache» kann, viele das Mittagessen entbehren müssen. Nach den Erfahrungen des Vereins gehe die Zahl der hungernden Kinder noch weit über 10 000 hinaus. Trotz dieser Ausführungen, die die Berechtigung des 'Antrages B o r g m a n n» n d G e n. aufs neue bestätige», war Herr 91. nicht für diesen Antrag, der nur die Vorflnse zu dem anderen auf Speisung aus kouunuualen Mitteln bedeute. Zu einen, Ei»greise n der Stadt oder deS Staates dürfe(S nicht kommen; den» das fei„der'Ansang der Sozialisir n ng der Gesellschaft". Eben deshalb solle man den Verein nachdrücklicher unterstützen, damit sich das Wort erfülle:„Es giebt keine hungernden Kinder mehr in Berlin." Man sieht, es ist immer und überall dasselbe Prinzip, nach dem diese 9lrt„Volkssreunde" verfahren. Sie wissen sehr wohl— ihre eigenen Erfahrungen predigen es ihnen eindringlich genug!—. daß das schöne Ziel, das sie aufstellen, durch bloße Privat wohlthäligkeit niemals ganz zu erreichen ist. Trotz- dem lautet das Programm, an dem sie unentwegt festhalten: Soweit unsere Mittel, d. h. die von der Bourgeoisie gespendeten Bettelpfennige reichen, wollen wir helfen; darüber hinaus— giebt's nichts. Lieber sollen die aus Mangel an Mitteln abgewiesenen Kinder weiter hungern, lieber soll all' das Elend, das sie täglich vor Augen sehe» und mit so beweglichen Worten zu schildern ver- stehen, weiter dauern, als daß sie mit dem den'Anfang machen lassen, was ihnen schon die„Sozialisirung der Gesellschaft" be- deutet. Städtisches Obdach II. Die 9l b t h e i l u n g für nächtlich Obdachlose wurde 1896/97(bezw. 1895/96) in Anspruch ge- nomnien von 290 795(268 023) Männern, 9950(13 018) Frauen, 44(106) Knaben, 58(69) Mädchen, zusammen 300 347(231 216) Personen. Die Frequeuz war also 1896/97 bei den Männern um 22 772 höher, bei den Frauen um 3068 niedriger, bei den Knaben und Mädchen um 62 bezw. 11 niedriger, im ganzen um 19 631 höher als im Vorjahre. Zu beachten ist hierbei, daß 9Infang Dezember 1898 das bis dahin nur 800 Personen fassende Männerasyl des 9l sy lv e r e i n s,durch ein neues, 700 Personen fassendes ersetzt wurde. Dieses neue 9lsi)l ist seitdem ziemlich regelmäßig voll besetzt gewesen, so daß hier mouallich gegen 21 000 Personen (etwa 12 000 mehr als früher)'Ausnahme gefunden haben. Trotz- dem ist beim städtischen O b d a ch in der 9lbtheilttng für nächt- lich obdachlose Männer 1896/97 gegen das Vorjahr keine Ver- Minderung, sondern eine V erm e h ru n g der Besucher ein- getreten, und zwar gerade vom Dezember 1896 an. Diese Ver- mehrung beweist, daß die Erweiterung deS privaten Männerasyls nicht überflüssig, sondern durchaus nothwendig war. Man kann danach ungefähr beurtheilen, wie groß früher die Zahl derjenigen Obdachlosen gewesen sein muß, denen das private 9lsyl wie das städtische Obdach im Winter wegen zu starken Andranges keine'Ausnahme mehr gewähren konnte. Es wäre allerdings richtiger gewesen, wenn die G e- in e i n d e zur umfassenderen Besriedignng dieses stets wachsenden Be- dürfnisses das ihrige gethan hätte, statt das— wieder der Privatwohlthätigkeit zu überlassen. 9luch die Gefahr, wegen zu häufigen Kommens abgewiesen bezw.(im städtischen Obdach) der P o l i z e i überwiesen zu werden, ist jetzt nicht mehr so groß wie früher. Früher hatten nur bis 300, jetzt haben bis 700 obdachlose Männer die Möglichkeit, in beiden 9lnstalten zusammen bis zu zehn Nächten in demselben Monat, falls sie zeitig genug kommen, nächtigen zu können. Thatsächlich ist die Zahl der der Polizei übergebenen Obdachlosen im letzten Winter im tädtischen Obdach so niedrig gewesen, wie seit langem nicht. 1896/97(bezw. 1695/96) wurden von den aufgenommenen Männern 3749(4540)-- 12,9(16,9) pro Mille, von den Frauen 116(169) =- 11,6(12,9) pro Mille der Polizei überwiesen. Speziell von den Männern wurden in den 12 Monaten 9lpril 1896 bis März 1897 überwiesen: 15,2. 16.3, 17.4, 22,7, 20,3, 26,1, 26,5, 22,7, 10.6. 7.1, 5.9. 8,6 pro Mille.— Die Frequenz ist übrigens, wie bekannt, zu verschiedenen Zeiten des Jahres sehr verschieden: 1896/97 war sie am schwächsten im Juli 1896(11 262 Personen). am stärksten im Februar 1897(54 393 Personen). Von den einzelnen Tagen hatte der 20. Juli(mit 251) die schwächste, der 10. Februar (mit 2202) die stärkste Frequenz.(Ueber 2000 ging die Frequenz an 15 Tagen hinaus.) Dem Berufe»ach sollen unter den aus« genommenen Männern und Knabe» 137 925 Handwerker und 152 870 Arbeiter gewesen sein. Die Obdach-Verwaltung scheint jedoch bei der Gruppirnng nach Berufen etwas summarisch zu ver- fahren; denn bekanntlich sind unler den Obdachlosen noch manche andere Berufe vertreten, die der Verwallungsbericht augenscheinlich den Handwerkern und Arbeitern zugezählt hat. Was bringt er mit? Unser.Polizeipräsident, Herr von Wind- heim, hat sich nach London und Belgien begeben, um das dortige Polizeiwesen zu fludiren. In solche» Reisen liegt immerhin das Eingeständniß, daß unsere hauptstädtische Polizei reformbedürftig ist. Es ist jedenfalls nicht abzuleugnen, daß die Straßenpolizei keines- wegs mehr den Bedürfnisse» unseres riesenhaslen Perkehrs eilt- spricht. Ungläubige mögen sich einmal in der Dämmerzeit und in den ersten Abendstunden in das lebensgefährliche Gewirre der Leipziger- und Potsdamerstrasie wagen,— sie werden verwundert sein, mit welcher großen Seelenruhe unsere Schutzleute, mit Ausnahmen natürlich, die um so rühmlicher sind, aus dem Bürgcrsteig oder den Jnselperrons der Plätze stehen und dem Treiben zusehen. Dagegen rnuthen die Berichte über die auswärtige und be- sonders die Londoner Polizei rein märchenhaft an. Der Londoner Konstabler sieht es nis seine Hauptaufgabe an, den Verkehr zu regeln und Niiglücksfällen vorzubeugen, im wahrsten Sinne des Wortes ein„Schutzmann" zu sein. Und das ist, bei dem ungleich stärkeren Berkehr Londons, keine kleine Aufgabe. Unsere Schutzleute dagegen haben genug damit zu thun, Obacht zu geben, daß keine der unzähligen Polizeiverordnungen übertreten wird; im übrigen warten sie, bis irgend ein Unglücksfall passirt ist. Wie oft sieht man z. B. jetzt alte Damen, die über die Straße wollen. Acngstlich warten sie ab, bis sich eine Lücke in der Wagenkette zeigt; dann eilen sie rasch einige Schritte vorwärts ans dem Straßendamm, um vor einem Wagen, der auf der anderen Dammseite angerollt kommt, wieder zurückzuweichen. Wie gefährlich ist es auch, besonders an feuchten und nebeligen Tagen, in sehr belebten Straßen an einer Haltestelle den Pferdebahnwagen erreichen zu wollen. Den Kutschern, die nicht immer anf das Publikum zu viel Rücksicht nehmen, kann man wohl schwerlich einen Vorwurf machen, wenn man sieht, mit welcher Hilf- losigkeit sich namentlich die Frauen auf dem Straßendamme bewegen. Hier sind einzig und allein Personen am Platze, die den Hilflosen beispringen, so daß der Wagenverkehr nicht unnütz gehemmt zu werden braucht. Warum nun entspricht unsere Straßenpolizei nicht den an sie zu stellenden Anforderungen? Sicherlich ist daran ihre Znsammen- setznng betheiligt. Die Männer, die in einem kleinen oder großen Provi'nzorte Rekruten gedrillt haben, eignen sich nun einmal nicht zur Siegelung des weltstädtischen Verkehrs. Doch können wir nicht darauf hoffen, daß wir eine anders zusammengesetzte Polizei be- ckomme»— der Militarisinns ist immer noch Trumpf bei n»S. Wir können aber verlangen, daß nnfern modernen Bedürfnissen mehr entgegengekommen wird. Vielleicht ist es nicht so nöthig, daß die Schntzkeule so krampfhaft nach llebertreluiigen namentlich der Polizeistunde suchen, sondern ihren Eifer für andere Dinge aufwende»?— Jedenfalls: Was bringt Herr von Windheim mit? Ter Besuch der Berliner Nniversität hat in diesem Semester eine ungewöhnliche Höhe erreicht— die höchste seit dem Bestehen der Universität. Im Soinmersemcftcr 1396 zählte die Universität Berlin 4733 iinnialrikulEte Studirende, im Wintersemester 1396/97 5515, im Sommersemester 1397 4955 und im jetzigen Wintersemester 5921. Daß der Besuch im Wintersemester erheblich größer ist, als im Soinmersemester, ist eine schon seit Jahrzehnten beobachtete Er- scheinnng� sie erklärt sich aus dem Einfluß der Großstadt, die mit Vorliebe uu Winter, weniger im Sommer von den Studenten auf- gesucht wird. Die jetzige Frequenzzunahme beträgt gegen das letzte Sommersemester fast 1600 und gegen das letzte Wintersemester 406. 'Auf die Fakultäten verlheilen sich die Sludirendcn des jetzigen Semesters ivie folgt: theologische 448, juristische 2000, medizinische 1291 und philosophische 2182. Zu den 1291 Medizinern koinnie» noch 263 Studirende der Kaiser Wilhelm-Akademie für das Militär- ärztliche BildungSwesen hinzu, die zwar formell nicht immatrikulirt sind, aber ihre Studien an der Universität unter den gleichen Be- dingungen und Voraussetzungen, wie die anderen Mediziner machen. Die Gesammtzahl der Sludirenden erhöhl sich dadurch aus 6139 Studirende, zu denen noch über tausend, zum Hören von UniversitätS- vorlesunge» berechtigte Studirende der anderen Hochschulen und Slkademien kommen. Sehr auffällig ist die Zunahme der Jura Studirendcn i» Berlin; während die juristische Fakultät ihrer Frequenz »ach früher immer an dritter Stelle stand, hat sie seit einige» Semestern die sonst in zweiter Stelle rangirende medizinische Fakultät weit überflügelt und hält sich nahe der philosophischen. Dagegen hat die theologische Fakultät um 15 Studirende ab- genommen, während die medizinische um 40, und die philosophische um 246 gegen das vorige Wintersemester zunahmen. Die Universität Berlin zählte in den ersten Jahren nach ihrer Begründung soviel Hunderte von Sludirenden, wie jetzt Tausende, vor 25 Jahren 1918. es hat sich also die Frequenz seitdem mehr als verdreifacht. Ueber kirchliche Agitation in der zweite» städtische» Handwcrkerschnlc führt eine an nns gerichtete Znschrist lebhafte Klage. Die Beschwerde» richten sich gegen de» Direktor Tradt, der vor einigen Tagen z. B. darüber gejammert haben soll, daß niemand am Sonntag vorher die Andreas> Kirche besucht habe; wenn auch nicht alle Schüler auf einmal hingehen könnten. so sollten sie es sich doch so einrichten, daß ein Theil immer den anderen im Kirchen- besuch ablöse. Sie. die Schüler, seien doch hoffentlich gute Christen und es wäre doch schlimm, wenn der Pastor der Schule ein schlechtes Zengniß ausstelle, so daß das Ministerinm den Sonutagsunterricht am Ende ganz aushebe! Um die Schüler vor solchen schreck- lichen Konsequenzen zu bewahren, ist sogar auf den Aufnahniekartcn mit einem Stempel der Hinweis gedruckt worden, daß Sonntags früh von 3 Uhr bis 3>/i Uhr den Theilnehmeru ani Unterricht Ge- legenheit gegeben sei. einem besonders für die zweite Handwerker- schule eingerichteten Gottesdienst beizuwohnen. Wir wollen nicht die Behauptung der Beschwerdeführer nachprüfen, daß es weit weniger dem religiös- patriotischen Direktor als den in Wahrheit überaus tüchtig wirkenden Lehrern zu danken sei, wenn die Schüler etwas Ordenlliches für ihr Fach lernten. Doch meinen wir immerhin, daß der Direktor in sich gehen und bedenken sollte, daß man in einer Stadt wie Berlin auch in einer Handwerkerschule nicht allzu viel mit Religion und Patriotismus ausrichtet, sintemalen solche Dinge für die technische Ausbildung der Schüler auch in sehr hohem Grade gleichgiltig sind. Ei» hier bestehender„Diskutirklub der katholische» Arbeitervereine" hat eine Resolution angenommen, in der er selbstverständlich wohl im Uebereinkommen mit der Geistlichkeit— den Mitgliedern der katholischen Arbeitervereine empfiehlt,„fürderhin in keinem Falle irgendwelche Einkäufe an Sonntagen zu machen und ihre Frauen und sonstigen Familienangehörigen strenge an- zuhalten, sich mit dem Wirthschaftsbedarf an den Wochentagen zu versorgen. Ebenso wird anempfohlen, den Besuch der Barbiere und Friseure an Sonntagen möglichst zu vermeiden." Eine so gewissen- haste Pflege der Sonntagsruhe sticht schneidend ad von den An- schauungen, die man in sehr maßgebenden evangelischen Kreisen in derselben Angelegenheit bethätigt hat. Bekanntlich sind im königlichen Schlosse, beim Bau der G n a d e n k i r ch e, sowie gleichfalls beim Bau der Kirche mit der wcggemeißelten Kameels-Jnschrift Sabbalhschändungen nach Noten verübt worden, ohne daß man unseres Wissens dagegen eingeschritten wäre. Komnierzienrath Bolle hat jetzt auch die älteren katholischen Arbeiter entlassen. Er giebt als Grund an, daß die katholische Presse mit diesen Arbeitern in Verbindung getreten sei; er wolle aber vor den Hetzereien Ruhe haben. Es ist vielleicht auch an» zunehmen, daß der Ülbscheu, de» die Handlungsweise des Kommerzien- raths Bolle vielfach im Publikum hervorgerufen hat, die Folge hatte, daß die entlassene» Arbeiter überhaupt in seinem Betriebe entbehrlich wurde». Erwähnt sei übrigens, daß die„Germania", das katholische Zentralorgan, es für nothwendig hält, besonders zu betone», daß sie keinerlei Beziehungen zu den entlassenen Personen unterhalten habe. Wer den im allgemeinen kapitalfreundlichen Standpunkt der „Germania" kennt, wird sich wunder», daß das Blatt dies zu betone» noch für nölhig hielt. Das Polizeipräsidium berichtet: In Folge des diesjährigen, die Zeit vom 16. September bis Ende Oktober nmfassende» großen Qnarlalsumznges sind ans den Polizeirevieren nicht weniger als 396 589 Meldungen bei der Zentralstelle, dem Königliche» Ein- w o h n e r- Meldeamt, eingegangen, deren Eintragung in das Melderegister naturgemäß geraume Zeit erfordert. Der Andrang des Adressen suchenden Piibliknnis ist nach einem solchen Umzüge «rfahrnngsgemäß ein ungewöhnlich großer, namentlich aber in de» Mittagsstunden von 16 bis 2 Uhr. Behufs schnellerer Abfertigung empfiehlt es sich daher, in der Zeit von 8 bis 10 Uhr früh und von 2 bis 4 Uhr nachmittags auf dem Meldeamt zu erscheinen. Der Verein preußischer Volköschiillehreriiincn hat an den Knllusminister eine Petition gerichtet, in welcher eine Znsatz- bestimmung zu§ 16 des Lehrerbesoldungs-Gesetzes erbeten wird. Durch eine willkürliche Auslegung dieses Paragraphen erfahren nämlich die Lehrerinnen an vielen Orten eine beträchtliche Kürzung der Miethsentschädigung. In der Petition werden daher folgende Bitten ausgesprochen: 1. Die den Lehrerinnen gewährte Mietbs- entschädignng möge während der Dauer ihrer einstweiligen An- stellung nicht gekürzt werden. 2. Es möge den Lehrerinnen prinzipiell überall die gleiche Miethsentschädigniig gewährt werden wie den un- verheiratheten Lehrern. 3. Es möge den Lehrerinnen, die unter- stiitzungsbedürstige Angehörige bei sich aiifnehmen inüssen, und den vcrivittweten Lehrerinnen mit Kindern die gleiche Miethsenlschädi- gmig gewährt werden, wie den verheiratheten Lehrern. Der hiesige» Ober- Postdirektiou werden demnächst zwei Motorwagen vorgeführt werde», die zur Beförderung von Brief- schaften und Packeten nach den Postänilcrn und den Bahnhöfen be- stimmt sind. Die Motorwagen sind dem Aeußeren nach den jetzt im Gebranch befindlichen Wagen nachgebildet und können von einem Schaffner(ohne Begleilschaffner) bedient werden. Die Einrichtungen sind, wie der„Konfektionär" meldet, so getroffen, daß die bisherigen Postwagen in Motorwagen ningeivandelt werden können. Die ersten Versuche mit diesen Postmolorwagen sind von der Postbehörde in London gemacht worden. Sie haben sich so bewährt, daß eine An- zahl von Motorwagen zur Einführung gelangt, nicht allein, weil ihre Bedienung bedeutend billiger ist, sondern auch, weil sie bei weitem schneller fahren können, als die mit Pferden bespannten Wagen. Ei» Aufsehe» erregeuber EiiibrnchSdicbstahl hat in der Nacht zum Freilag im Kriminal-Gerichtsgebände ftallgefunden. Im Erdgeschoß des nach der Rathenowerstraße zu gelegenen Flügels be- findet sich das sogenannte„Afservatorinm". Es ist dies der Auf- bewahrungsort für alle möglichen beschlagnahmten Gegenstände, so daß die Räume den Eindruck eines geeordneten Waarenlagers machen. In mehreren Geldschränken befinden sich die Kautionen von Angeklagten, welche auf freien Fuß gesetzt wurden. Zur Zeit sollen es beträchtliche Summen sein. Auf diese rvird es der Dieb abgesehen haben. Als der Kastellan Hilvebrandt gestern früh gegen 6 Uhr in Begleitung der Neinmache- frau den Keller betrat, fand er zu seiner Verwunderung die Gitter- thiir, welche zu dem Vorraum führt, offen. Auch die zweite zum eigentlichen Lagerraum führende Thür war geöffnet und wie man bei näherer Besichtigung feststellte, war das Schloß mit Gewalt— dem Anscheine nach unter Anwendung eines Stemmeisens— erbrochen worden. Der Thäter konnte sich jedoch nicht aus dem Gebäude entfernt haben. Die Durchsuchung der Lagerräume selbst war ohne Erfolg, als man aber die daran- stoßenden weitläufigen Kellerräume absuchte, fand man in einer der vielen dunklen Ecken versteckt, einen Menschen, deni vor Furcht die Kniee schlotterten. Die Ueberraschnng war groß, als man in dem Thäter den K a n z l i st e n Alex erkannte, einen Beamten, der seit einer Reihe von Jahren im Kriminal- g e r i ch t s g e b ä u d e t h ä t i g ist und zuletzt als Protokoll- führ er beschäftigt wurde. Er gestand die That sofort ein. Seine Vernehmung erfolgte gestern Vormittag durch den Untersiichungs- richter. Man nimmt an, daß Alex sich am Donnerstag Abend in den unteren Räumen versteckt gehalten hat, er wurde noch spät Abends im Schwurgerichtssaale, in welchem eine sich lang aus- dehnende Verhandlung wegen Meineids stattfand, gesehen. Seine Familie besteht ans Frau und zwei Kindern, sein Einkommen schwankt« zwischen 1S0 bis 180 M. monatlich. Von dem Einbrecher meldet ein Berichterstatter, daß er als junger bieg- und schmiegsamer Mensch bei allen Richtern beliebt war und häufig in deren Wohnungen zum Niederschreiben von Erkennt- nisse» nach Diktat benutzt wurde, wofür es gutes Entgelt gab. So stand«r sich monatlich ans 200 M. im Durchschnitt. Dabei mußte seine Faniiftc nothleiden, denn er war furchtbar leichtsinnig und brachle es fertig, fein ganzes Monatsgehalt an einem einzigen Abend in Damen- kneipen„an den Mann" zu bringen. Noch vor anderthalb Jahren hat sein Vater 5000 Mark zur Nangirung der Verhältnisse des Sohnes geopfert, gleichzeitig aber auch den aufsichlführenden Richter gebeten, den Sohn ernstlich zu verwarnen. Das ist geschehen, der junge Mann hat auch Besserung gelobt, aber er lag bereits in Wiicherhänden und gerieth durch seinen bodenlosen Leichtsinn immer tiefer hinein. Jetzt muß ihm der Strick bereits am Halse gesessen haben, sonst hätte er sich schwerlich zu dieser Verzweiflungsthat hinreißen lassen, zu welcher er absolut keine Befähigung besaß. Zum Fall Rotheuburg. Wie wir bereits angekündigt, fand im Anschluß an die Bernehmiing vom 2. d. M. am 6. d. M. die endliche Vernehmung des Referendars Rothenburg vor dem Unter- suchungsrichter in Moabit statt, und zwar als„Zeuge" in der Sache, betreffend die amtliche Untersuchung des Prof. Möli'schen Gut- achtens, welches bekainitlich nach den Wünschen der pekuniär-inter- esflrten„Angehörigen" die Entmündigung der Frau Baumeister Rothenbierg bewirkte. Herr Referendar Rothenburg erklärte sich in dem Termine dahin, daß es bei dein gestellte» Antrag aus Unter- suchung der Sache und des unzutreffenden Möli'schen Gutachtens verbleiben müsse und er � ein weiteres der Staatsanwaltschaft 1 anheimstellen müsse. Ein ärztlicher Sachverständiger war nicht zu diesem Termin erschienen, obwohl die Staatsanwaltschaft dies früher verfügt hatte. Ucber die am 1. Januar 1898 fälligen Wittmenpcusionen wird aus Frauenkreisen geschrieben: Viele Witlwen, die aus preußischen Staatskassen eine Pension beziehen, werden diesnial den Anfang des kommenden Jahres mit traurigem Herzen und leerem Geldbeutel begehen, wenn nicht noch rechtzeitig die oberen Ver- waltungsbehörden eingreifen. Die Pensionen der Wittwen werden an jedem Ersten des Monat? Pränumerando ausgezahlt. In diesem Jahre fällt der 1. Januar auf den Sonnabend. Die Kasten sind am Neujahrstage geschlossen, ebenso an dem darauffolgenden 2. Januar, einem Sonntag. Wo nicht eine Ausnahme gemacht wird, haben demnach die Wittwen bis zum 3. Januar zu warten und vielleicht bittere Roth zu leiden, denn was für dreißig oder im schlimmsten Falle einunddreißig Tage reicht, soll nun drei Tage länger vor- halten. Die Beamten dagegen bekommen, wenn der Erste auf einen Sonntag fällt, ihr GeHall oder ihre Pension am letzten Tage des lausenden Monats ausgezahlt. Im Unrecht waren wir gestern, als wir bei der Erwähnung einer Meldung des„Verl. Tagebl.", wonach ein hiesiger Bankier und Handelsrichter den Kommerzienrathstitel und den Rothen Adler- orden abgelehnt haben sollte, an der Richtigkeit einer so unwahr- scheinlich klingenden und gegen allen börseanischen Ehrgeiz ver- stoßenden Thatsache zweifelten. Der Fall ist in der That passirt. doch hat die Ablehnung der dem Handelsrichter in Aussicht gestellten Ehren nicht wie das„Verl. Tagebl." meldete, in der momentan im Haudelsstande vorherrschenden Stimmung seinen Grund. Der in betracht kommende Herr ist, wie wir aus absolut sicherer Quelle erfahren, einzig aus seiner durch und durch demokratischen U e b e r z e u g u n g heraus veranlaßt worden, auf Orden und Titel höflich, aber bestimmt zu verzichten. Durch eine Gasexplosion wurde Donnerstag Abend das Leben der Bewohner des Hauses Kastanien-Allee 37 gefährdet. Als gegen 1li7 Uhr eine Verkäuferin des Weißenberg'schen Manufaktur- und Weißwaarengeschäfts die Gasflammen im Schansenster anzünde» wollte, entzündete sich anscheinend aus der undichten Leitung enl- strömtes Gas und setzte den Inhalt des Schaufensters in Flammen. Eine Feuersäule schlug nach dem Laden hinein und erfaßte die Lagervorräthe, sodaß der Brand bald einen größeren Umfang an- nahm und eine starke Verqualniung des Treppenhauses eintrat. Da aber auch eine gewaltige Stichflamme von dem brennenden Schau- feilster ans an der Hauswand emporloderte, so cnlstand unter den zahlreichen Bewohnern eine furchtbare Rathlosigkeit und die Geängstigten schrien jammernd um Hilfe. Ätls kurze Zeit darauf der erste Löschzug ans der Oderbergerstraße eintraf, versuchten bereits einige Hausbewohner, sich ans den Fenstern hinausziilaffeii; die Löschmannschaft vermochte dies noch zu ver- hindern. Mehrere Feuerwehrleute wurden sofort in das stark ver- qualmte Hans geschickt, um die Bewohner zu beruhigen resp. wo nöthig Hilfe zu leisten. 14 Personen mußten durch Feuerwehrleute aus den verqualmten Räumen ins Freie gebracht iverden. Unter diesen befand sich eine Frau Regensteiii, welche vermuthlich bei ciiiem Versuche, über die Treppen ins Freie zu flüchten, auf dem Treppen- podest der dritten Etage besinniinngslos ziisaminengebrochen war. Die durch den Qualm Betäubte erholte sich jedoch glücklicherweise sehr bald, nachdem ihr durch Samariter der Feuerwehr die erste Hilfe zu theil geworden. Der Brand konnte mit einer Rohrleitung mit leichter Mühe gelöscht werden. Die Einbrecher, welche in der Nacht vom 10. zum 11. d. M. mittels Ausschneidens der Thürfüllnng in die Wohnung des General- lieutenants z. D. von Adler in der Bülowstraße in Schöneberg ein- gedrungen sind, sämmtliche Behälter erbrochen und 1000 M. baares Geld, einen Posten Zigarren sowie mehrere Kleidungsstücke gestohlen haben, sind von der Kriminalpolizei in der Person der Handels- niänner Ambos und Bratsch ermittelt und festgenommen worden. Beide sind vielfach bestraft, Bratsch hat bereits 44 Jahre im Zucht- hause zugebracht. Eine Velohiiniig von SOS Pfund Sterling ist für die Herbeischaffuug der in der Zeit vom 30. Oktober nachmittags 2 Uhr bis 1. November vormittags 9 Uhr in einem Juwelenladen in London gestohlenen Pretiosen ausgesetzt worden, deren Verzeichniß die hiesige Kriininalpolizei erhalten hat. Es befindet sich darunter ein Paar Rubinen- und Diainanlen-Ohrringe, an denen jeder Rubin 10 Karat und die Diamanten zusammen ungefähr 10 Karat habe», ferner ein mit 5 Brillanlsternen besetzter Haarkamm. Auch das dritte Opfer der Explosiv» iu der Chaussee- straße, der Maler Josef Wittkowski), ist seinen furchtbaren Ver- letznngen erlege». Der Tod, der voräuszusehen war, trat ani Donnerstag Abend um 11>/2 Uhr ein. Eine aufregende Szene spielte sich Donnerstag früh in der Annenstraße ab. Bäckerjnngen sahen im zweiten Stock des Eckhauses an der Dresdenerstraße eine Frauensperson stehen, die sich anschickte, ans dem Fenster heransznspringen. Auf das Geschrei der Jnngen stieg sie vom Fenster wieder herab und ging in die Stube zurück. Schiltzmänner, die in der Nähe waren, drangen sofort in die Woh- nung ein und stieße» hier ans die 25 Jahre alte Schneiderin Mariha Nitschken, die sich in einer hochgradigen Erregung befand. Das Mädchen fiel einem der Beamten um den Hals und bat ihn, dazu- bleiben, weil sie sich fürchte, da ein auffallender Geruch ans dem Ofen komme. Aus den wirren Rede» erkannte man bald, daß man es mit einer Geisteskranken zu thun hatte. Das Mädchen hat sich, wie man sagt aus Liebesgrain, dem Trünke ergeben und war in Delirium verfallen. Die Kranke beruhigle sich auf das Verspreche» des Beamten hin bei ihr bleiben zu wollen und wurde dann in eine Anstalt gebracht. Hier stellte man auch eine Vergiftung fest, die wahrscheinlich auf übermäßigen Genuß von Alkohol zurückzu- führen ist. Mit Schwefelsäure hat sich in einem Gasthofe in der In- validenftraße der 19 jährige Kreideschneider Gustav Reinhold aus der Bernauerstr. 97 zu tödten versucht. Verschmähte Liebe soll der That zu gründe liegen. Reinhold wurde in bedeuklichem Zustande in ein Krankenhaiis gebracht. Nahrungssorgen haben den 50 Jahre alten Kellner Heinrich Schade ans der Friedcnstr. 95 in den Tod getrieben. Ter Unglück- liche war seit vier Monaten ohne Beschästignng. Donnerstag Nach- mittag um Uhr fand ihn sein Wirlh in seiner Stube erhängt ans. Wiederbelebungsversuche hatten keinen Erfolg. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Infolge eines Fehltritts fiel nachmittags der Bürsteninachcr Karl Esker in der Meyerbeer- straße hin und zog sich einen Bruch des rechten Nnlerschenkcls zu.— Vor dem Hanse Großbeerenstr. 22 wurde nachmittags der Schul- knabe Karl Heyn von einer zweispäniiigeii, von dem Kutscher August Albuscheit geführten Kutsche überfahren und anscheinend innerlich schwer verletzt. Nach Angabe l>er Zeugen ist die Schuld dem Albuscheit beizuniessen, da er übermäßig schnell fuhr und den Knaben nicht anrief. Der Kutscher suchte sich seiner Feststellung durch die Flucht zu entziehen, er wurde jedoch von einem unbekannt gebliebenen Radfahrer verfolgt und auf dessen Veranlassung durch einen Schntzmauii festgestellt. Der Knabe wurde in die Wohnung seiner Ellern geschafft.— Der Invalide Franz Ehlen wurde in der Brnnneiistraße von einem mit Brettern beladenen Arbeitswagen überfahren und erlitt eine leichte Gehirn- erschütterung und eine Verletzung an der rechten Hand.— In der Ackerstraße wurde die dreizehnjährige Elfriede Sachs von dem Rad- fahrer Sattler Theodor Schreiber, der mit großer Schnelligkeit und ohne zu klingeln die Straße entlang fuhr, überfahren und erlitt eine Quetschung des Nasenbeines. Tie Dachstuhlbräude Moabits nehmen nach und nach einen beunruhigenden Charakter an. Innerhalb einer Stunde standen Freilag Nachmittag gegen 5 Uhr die Dachstühle E in d e n e r st r. 8 und Ecke Onitzow-Salzivedelerstraße in Flammen. Im ersteren Falle war ein Schntzmauii in Gefahr zu ersticken, da die vollständig ver« qualmten Treppen ihm den Rückzug abgeschnitten hatten. Büttels der aufgestellten mechanischen Leiter konnte er jedoch von einem Feuermann gerettet werden. Zur Erreichung des Brandherdes »Hißten die Ranch-, und Alhniuiigsapparate benutzt werden. Während vier Rohre noch mit Ablöschen beschäftigt waren. machte sich in nördlicher Richtung ein großer Feuerschein bemerkbar, worauf Brandmeister Becker sofort den Dampfspritzenzug 13 ab- beorderte. Als nach 13 Minuten von erfolgter Alarmirung an die ersten Löschzüge an der Ecke Quitzowstraße ankamen, fanden sie einen großen Brandherd vor. Von einem kleinen Eckthurm au? hatte sich das Feuer nach beiden Seiten verbreitet und war gleichzeitig nach der oberen Etage durchgeschlagen. Ob- wohl die Treppen rauchfrei waren und einen Angriff von zwei Fronten gestatteten, wurde doch»och zur Vorsicht die mechanische Leiter aufgestellt. Zwei Dampf- und vier Druckspritzen hatten fast 1>/s Stunde Wasser zu geben, bevor das Feuer zum Stehen kam. In diesem Falle tritt die Vermnthung einer Brand st ist u ng mit großer Bestimmtheit auf. An den Eckthurm, in dein das Feuer auskam, schloß sich ein Trocken- boden, der wenig brennbare Stoffe aufwies. Um so auffälliger ist der Umstand, daß gerade hier das Feuer nach der darunter liegenden Etage durchschlug. Uebrigens gehört dieses sich angen- blicklich unter Sequestration befindliche Gebäude demselben Bau- Unternehmer Krolle, dessen Haus Ecke Quitzow- Havels- bergerstraße erst am vorigen Montag ebenfalls von einem Dachstuhl- brande heimgesucht wurde. Bei einein dritten Dachftuhlbrande, der eine Stunde vorher Brunnenstr. 10 wüthete, hatte die Feuerwehr auch entsetzlich unter großer Rauchentivickelung zu leiden, da das Holzzementdach einer Blechbuchstaben-Fabrik den Flammen anfänglich enormen Widerstand leistete, so daß auch hier Ranchhelm und Alhmungsapparate in Anwendung kommen mußten. Zwei Rohre hatten über eine Stunde Wasser zu geben. Donnerstag Abend 7 Uhr war Kastanien-Allee 18 ein Gardinenbrand zu beseitigen, ebenso um 9 Uhr W a ß m a n n st r. 6. Das Pnssagc-Panoptikum ändert seinen Spielplan und bringt fortan F. von Suppe's Operette„Zehn Mädchen und kein Mann", für die Wiener Tanz- und Operetten-Gesellschast szenisch und iniisilalisch neu bearbeitet von Kapellmeister Gothoo Griinike. Theater. Ii» Deutschen Theater hat Herr Sauer, welcher durch Unpäßlichkeit einige Tage am Spielen oerhindert war, seine Rolle in Ludwig Fuldas„I u g e n d s r e u n d c" von heule ab wieder übernommen. Fuldas Lilstipiel, das nach dem Erfolge der Berliner Erstaiistiihruiig von zahlreichen deutschen Bühnen erworben wurde, geht in nächster Woche am Wiener Bnrgtheater zum ersten Male in Szene. Im Schiller- Thealer geht morgen, Sonntag Nachmittag, die Anzengrubertche Bauernkomödie irnl Giesang„Die Kreuzelschrciber" in Szene. Heute Abend wird„Wallenstein S Tod", morgen Soimiag Abend„Die Räuber" gegeben. Die Direktion ersucht unS, besonders darauf aufmerksam zumachen, daß die für Sonnlag, den 21., nachm., ansgegebenen Abonnements- Billets zum Schiller-Zyklus, da diese Vorstellung anssallen muß, für die am 28. d. M. stattfindende Rachmittags-Borstellung Eiltigkeit haben. Die nächste Novität des L u i s e n- T h e a t c r s ist Jalob LipvmamüS dreiaktiges Lustspiel„Ein verbotenes Schauspiel". Die Erst- auffühning findet Dienstag, den 16., statt. A«s den Nachbarorte». Tie Parteigenossen von Charlottcubuig werden auf die am Soiinlag Ztachmiltag 2 Uhr im Lokal BiSmarckshöhe, Wilmers- dorferstr. 39, statlfiiidende V o l k s v e r s a»i in l n n g aiifmerksaiii gemacht. Die wichtige Tagesordnung:„Die bevorstehenden Stadl- verordneteii-Wahleii", erfordert die Anwesenheit jedes Parteigenossen. Ter Beriraliensmaiill. Charlottcubnrg. Alle Genossen, die sich an der am Sonntag, den 14. d. Mls., stallfindende» F l» g b l a l t v e r b r e i t n n g be- theiligcii molle», werden ersucht, sich morgens'/r3 Uhr in nach- benannteii Lokalen einzufinden: Pasche, Polsdamerstr. 44; Leder, Bismarckitr. 74; Beyer, Wallstr. 96; Gimpel, Osnabrückerstr. 20; Dörre, Kriimmestr. 19; Kant, Pestalozzistr. 65; Röhr, Goelheslr. 67»; Bredlow; Angsburgerstr. 73. AuS Charlotteuburg. Die von der Gesellschaft„Theater drS Westens" bezw. einigen Mitgliedern der Gesellschaft vom Charlotten- burger Magistrat erbetene hypothekarische Subvention in Höhe von 600 000 M. ist gestern vom Magistrat abgelehnt worden.— Die Einführnng eines Pensionsslatnts für die Mannschaften der städtischen Feuerwehr in dem von uns vor kurzem schon milgelheilteii Sinne hat dagegen der Magistrat gestern zum Beschluß erhoben. Die Charlottciibiirgcr Ttrasmibahn-Gcscllschast benbsich'.igt bei Gelegenheil der Uinwaiidliiilg in elektrischen Betrieb die Linie vom Spandauer Bock bis nach Spandau zu verlängern. Mit Rück- ficht ans diesen Plan ist das Gesuch der AUgenieiiien Denlschen Klein- bahn-Gcsellschast lim Koiizessionirnng einer elektrischen Straßenbahn Spandan— Westend— Charlottenbiirg von den belheiliglen Behörden nicht genehmigt worden. Tic gerichtliche Vorniltersilchniig über den Todesfall des S ch n l k n a b e ii Fischer in S ch ö n e b e r g hat vorgestern be- gönnen, iiachdem der Termin vom Montag auf den Dienstag ver- schoben worden war. Bernommen wurden zunächst der der lieber- schreitung des Züchligungsrechtes augeschnldigte Lehrer Richard und die Mutter des verstorbencii Knaben, und zwar in Gegen- wart der beiden Aerzte, Kreisphysikns Dr. Elten, welcher an der Leiche des Knaben die Obduktion vorgeiioiinnen hat, und des Dr. meä. Herzfeld, von weichem der Knabe während seiner Krankheil behandelt, das Attest und der Todtenschein ausgestellt worden ist. Die Vernehmungen haben sich bei dem Lehrer Richard zu- nächst nur iini de» Züchliguiigsakt selbst gedreht, während die Mutter nur über den Verlans der Kraulheit ihres Kindes lind über dessen ganz« Konstitution wie etwaige frühere Krankheiten verilommen worden ist. Dieselbe hat erklärt, daß der Knabe von jeher vollkommen gesund und kräftig gewesen sei niid besonders niemals an Magen» beschwerden geliiten habe. Von den Mitschülern des kleinen Fischer ist bis jetzt noch keiner vernommc», doch ist aus der Zahl derselben eine Reihe als Zeugen vorgemerkt worden, welche dem- nächst ebenfalls zur Bernehmung koiiiliieii dürften. Besonders kommt der Schnlkamerad, welcher den Ileinen Fischer an dem kritischen Tage von der Schule nach Hause gebracht hat, in betracht. Tic Eciicralversaniliilung der Charlottenburger OrtS- Krankenkasse halle seinerzeit den Satz des normalen Tagelohns iür Charlottenbiirg von 2,50 ans 3 M. erhöht, so daß demgeinäß auch die 5kra»kengelder zu erböheu waren. Nachdem nun die Orts- Krankenkasse im letzten Winter einen Fehlbetrag von 20 000 M. gehabt hatte, hat jetzt der Magistrat beschlösse», jenen Beschluß der Generalversammlung der Orls- Krankenkasse dem Regieriingspräsi- deuten in Potsdam zur Genehmigung zu empfehlen. Zum Tode des Gemeindeschülers Max Güse in Charlotleu« bürg meidet eine Korrespondenz, die amiliche» Erhebungen hüllen ergeben, daß der Tod in keinem Znsainmenhange mit der erlilienen Züchtigung stehe. Tie erste» Schöncbcrgcr Ttadtvcrordnctcn-Wahlcn haben gestern mit den Wahlen der I. Abtheilnng ihren Ztbschlnß gesunden und zwar mit deni Ergebniß, daß in dieser'Abtheilnng sämmtliche 16 Kandidaten der„Unabhängigen" gewählt wurden. Iu Pankow brach in der letzten Nacht um 12 Uhr ein größere? Feuer in dem Berliner Kohlenfäiirewerk des Dr. M. Stern, Flora- straße 8, aus. Die Berliner Feuerwehr rückte zur Hilfeleistung da- hinaus, kam aber nicht mehr in Thätigkeit. Es gelang der frei- willigen Orlsfeuerwehr, den Brand ans seinen Herd zu beschränken. Der Dachstuhl ist niedergebrannt. AnS der Volkö- Heilstätte am Grabowsce heimlich entfernt hat sich der Hausdiener Franz Brüske aus Berlin. Man befürchlet, daß dem Man», der seil Ansang des Monats vermißt wird, ei» Unglück zugestoßen sei._ Nttnst und Lvissenschnfk. „Das ncnc Weib", ein Lustspiel von Rudolf St ratz, wurde am Donnerstag im S ch a u s p i e l h a u s e z»»i ersten Male auf- geführt. Nach dem Titel des Stücks und nach seinen einleiteude» Szenen mochte man glauben, eine Novität zu hören, die ein aktuelles Thema berührt. Leider ist die Frage, darf ei» Weib an die Uni- versität, für deutsche Hochschulen noch aktuell. Ein Frl. Textor hat sich an die Universität einer süddeulschen Kleinstadl gewandt. Sie will dort Nationalökonomie studiren, begegnet aber allerlei Bc» schwerden und Kritleleiew Wir wären nicht im Schaiispielhaiise. wenn dies Grnndlhema nicht alsbald fallen gelassen würde. J»> zweiten»nd drillen Akt wird die Szene vom kleinstädtischen Siudentenulk beherrscht;„Auf der Mensur".„Der betrogene Pedell",„Der Festkomiiiers". „Gandeamiis",„Des Burschen Abschied von der Musenstadt", so könnle man die einzelnen Szenen nennen, die den hariiilosen Theil des Publikums zu frohem Beifall, die Anspruchsvollere» ziim Zische» nach dem drilteu Akt reizten.—„Das neue Weib" bleibt schließlich das alte verlieble Weibchen und heiralhet einen forschen Professor. Sehr gut gelangen in der Darstellung die Kleinstadl-Typr»; so gab Herr Vollmer den genialisch. versoffeneii Dr. Schmelzer und ganz prächtig Herr Heine einen Dieiistiiiann und Korpsdiener.— t. Die Anwendung der Elektrizität bei dem Bau des. Sin iploi,-Tunnels wird in der italienifchen Fachzeitschrift „L'Eletlricitä" in interessanter Weise besprochen und zeigt denllirv. welche Berbillignng und Beschleiiuigung in, Tiiniielban die An- Wendling elektrischer Kräfte herbeigeführt hat. Bisher find die längsten EisenbahiituiinelS Europa'? bekanntlich der St. Gotthard mit 15 Kilometer und der Mont Cems mit 18 Kilometer Länge. Der Simplon- Timnel wird beide be- deutend übertreffen und eine Länge von 20 Kilometer er- halten, dieselbe Länge wie der famos« Tunnel zwischen England und Frankreich unter dem JtnimI, der schon seit Jahrzehnten geplant und »och iniiner nicht gebaut wird. Der Bau des Sunplon- Tunnel ist dem Ingenieur Brandt, der auch den Bau der Artbergbahn geleitet hat, übertrage»; dabei wird die Elektrizität in einem bisher noch niemals erreichten Grade angewandt werden. Bei einein Bruch von 200 Tonnen Gestein pro Bieter Tnnnelläuge erhält man auf 20 Kilonietcr die fabelhafte Gesteinniasse von 4 Millionen Tonne» oder 80 Millionen Zentner, welche durchschnittlich 4 Kilometer weit fort zu schaffen sind, so daß im ganzen 16 Millionen Tonne». Kiloinetcr z« leisten sind, was nusschlieiilich mit Hilse der Elektrizität geschieht. Wie grog dabei die Ersparnis} an Zeit und Geld ist, zeigt ein Vergleich des Siniplon-Projekts mit de» früheren grossen Tnmiclbauten. Beim Moni Cenis-Tnunel kostete jedes Kilometer 6 Millionen Francs und ein Jahr Arbeit, beim Gotthard-Tunnel nur 4 Millionen Francs, beim Siinplon-Tnnnel wird bei einer tto»ve»tio»alstrafe von 5000 Francs auf jeden Tag Ver- zögerung der Ferligstelluiig— das Kilometer nur 3 Millionen Francs und ei» Vierteljahr Zeit kosten. Man arbeitet hellte also an einem solchen Riesenunternehmen viermal schneller und zweimal billiger als vor 30 Jahre» am Moni Cenis. Die Elektrizität spielt auch eine bedeutende Nolle für die Beleuchtung eines solchen Ricsentunnels, denn es muß daraus Rücksicht genommen werden, das} durch die Beleuchtung nicht die im Innern des Tunnels herrschende Hitze noch vermehrt wird. Wenn man im Mittel auf je 44 Meter des Eindringens eine Wärmezilnahme von einem Grad Celsius rechnet, so wird die Hitze am Mittelpunkte des Simplon- Tunnels, welcher B00_ Meter nnler der First des Berges liegt, 40 Grad betrage». Die Zufiihr frischer Luft in das Innere des Tunnels wird durch elektrisch betriebene Ventilatoren bewirkt»nd ausserdem durch einen dem Bahiitnnnel parallel laufenden Stollen von 3 Metern Breite, in welchen in jeder Sekunde 50 Kubikineter Luft mit einer stündlichen Geschwiiidigkeil von 22 Kilometern hineingepreßt werde», die in den Haupttiinnel gelangen und durch diesen wieder nach außen zurückkehre». Nach Fertigstellung des Siniplon-Tuiinels wird übrigens die Linie London— Vriildist, die sogenannte indische Post, um 185 Kilometer gegen die Linie durch den Moni Cenis und um 122 5kilometer gegen die Gotthard-Linie verkürzt werden, die Fahrt von London nach dem Simplon ist über Calais und Rheims zu rechnen. Außerdem hat der neue Tunnel nur eine MeereShöhe von 700 Meter zu überivinde», während die Höhenziffer bei den andere» Tunneln 1150 bczw. 1300 Meter beträgt. Man rechnet darauf, auch den Verkehr durch den Simplon-Tunnel überhaupt ans elektrischem Wege zu betreiben.— k lieber Elektrizitätöerschciumigcu ans dem Krater Manna Loa auf Honolulu berichtet Dr. H. B. Guppy, der sich im August dieses Jahres drei Wochen ans dem gewaltigen Vulkan aufgehalten hat. Die Lust war derart stark mit Elektrizität geladen, daß eine von Dr. Guppy benutzte Wolldecke unter seine» Fingern knisterte. Nachts, wenn er vollständig in Decken eingehüllt war, konnte er sogar auf diese Decken mit dem Finger leuchtende Buchstaben schreiben. Di- Einwirkung der meteorologischen Verhältnisse anf Dr. Guppy blieb nicht aus; es traten heftige Kopfschmerze». Schlaf- lostgkeil und eine allgemeine Mattigkeit auf. Interessant ist die Thatsnche, daß alle Insekten, die durch den Wind auf den Manna Loa verschlagen wurden, z. B. Schmetterlinge. Fliegen, Mücken und Käfer»ach kurzer Zeit halb betäubt waren, und bald darauf starben.— Soziale Kechkspftejge. Abweisung einer Vertrauenspcrson als Prozestbcistaud. Die Mehrheit der Kammer VI des Gewerbegerichts hat gestern ein Kunststückchen vollbracht. In einer Entschädigiingssache erschien vor dem Gericht als Rechtsbeistand einer jugendlichen Buffetmamscll unser Parteigenosse Scheffler, zur Zeit erster Vorsitzender des Vereins Berliner Gastwirthsgehilfe». Als Vorsitzender der Gewerkschaft gehört er zu den Vertrauenspersonen seiner Bernfsgenossen und Berussgenossinnen, die in gewerb. lichen Streitigkeiten von letzteren um Rath und Hilfe angegangen werden. Auf diese Weise war er auch im vorliegenden Falle zu der Vollmacht der Klägerin, ihr vor dem Gericht seinen Beistand zu leisten, gekommen. Der Vorsitzende Assessor Krause nahm nun daran Anstoß, daß Scheffler in den letzten vier bis sechs Wochen bereits zwei Kollegen(Kellner) vor dem Gericht vertreten hatte, und lehnte ihn wegen geschäftsmäßiger Vertretung vor Gericht ab. Scheffler verlangte einen Gerichtsbeschluß und machte gellend. er nehme kein Geld für die Vertretung, sondern übe sie nur seinen Fachgenoffen zu Gefallen. Der Assessor erklärte, daß es nicht dyraus ankomme, ob für die Vertretung oder de» Beistand Geld genommen werde. Es sei schon eine geschäftsmäßige Vertretung vor Gericht, wenn sie jemand so häufig betreibe, wie Scheffler. Die Mehrheit des Gerichtshofes stellte sich anf denselben Standpunkt und lehnte Scheffler als Beistand ab. Wahrlich, ein sonderbares Verfahren! Wir haben bisher immer geglaubt, jemand betreibe etivaS geschäftsmäßig, wenn er sich einGeschäft daraus mache. Und ein Geschäft schien uns biS jetzt nur den Zweck zu haben, etwas zu verdienen. Der von der Mehrheit des Gerichtshofes eingenommene Standpunkt des Herrn Krause wird auch durch eine Erklärung nicht verständlicher. die der Vorsitzende nachträglich dem Genosse» Scheffler machte. Er sagte nämlich, daß er nichts dagegen habe, wenn Scheffler jemanden vertrete» wolle, der verreist oder krank sei, oder der sonst unfähig wäre, sich selbst zu vertreten. Diese Erklärung macht die Angelegen- h-it nur noch unklarer, und führt zu Inkonsequenzen. Gevidiks-Jeikimg. Ju der Strafsache gegen de» Bankier und Loosehändler Carl Hcintze ivege» Lolterie-Vergehens wurde gester» Vormittag vor der ersten Strnskammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichlsraths D i c tz e das Urtheil verkündet. Der Angeklagte wurde, ivie erinnerlich. sei» dürfte, beschuldigt, bei der Berliner Pserdelolterie vom Jahre 1895 die Gewinne an Equipagen rc. nicht i» natura bereit geHallen zu habe», sonder» mit dem Gewinner in Verbindung getreten zu sein, um die Gewinne mit Geld in bestimmter Höhe abzulösen. Er hatte mit der Wagen- fabrik von Kühlstei» ein Abkommen getroffen, nach welchen» den Getvinuern.»venu sie es»vllnschten, die Geivinn« in natura geliefert werden konnten. Der Staatsamvalt halte 3 Monate Gefängniß beantragt, der Gerichtshof kain jedoch zur Freisprechung des Angeklagte». Der Gerichtshof hat, wie der Vorsitzende ans- führte, zunächst geprüft, ob eine öffentliche Lotterie vorliegt und diese Frage bejaht, die weitere Frage, ob sie vo» Heintze veranstaltet ivordcn ist. verneint, da er nur der Beaustragte eines Komitees war, ivelchem die Verantwortlichkeit für die Lotterie oblag. Nach der Konzessionsurkunde mußten die Gewinne selbstverständlich vorhanden sein; der Staatsanwalt will nun im Texte der Konzessionsurkunde den Ton auf das Wort„ankaufen" legen, nach Ansicht des Gerichtshofes aber muß der Ton auf„Inland" gelegt werden, den» es sollte nur festgelegt werden, daß die Gewinu-Gegenstände im Inlands und nicht im Ans- lande gefertigt sein müssen. Nun steht fest, daß der Angeklagte die Geiviungegensläude zwar nicht angekauft hatte, daß sie aber im Be- darssfalle stets vorhanden waren, denn es lag das Abkommen mit Kühlstein vor, wonach dieserWagen in der betr. Preislage bereit hallen und denjenigen Gewinnern, die die Wage» in natura verlangten. Über- eignen sollte. Der Gerichtshof ist nicht derAnsicht, daß der Angeklagte, da- durch ans dem Rahmen der obrigkeitlichen Genehmigung heraustretend, eine Lotterie veranstaltet habe.§ 286 St.-G«B. liegt daher nicht vor. Der Gerichtshof hat auch„och erwogen, ob etwa die ZZ 263 (Betrug) und 43(Versuch) in Anwendung gebracht werde» können, er hat aber auch diese Frage verneint. Der Angeklagte mußte da- her freigesprochen und die Kosten nmßte» der Staatskasse auf« erlegt werden. WaS uuker der Berliner Sittenpolizei pafsiren kann, zeigte eine gestern vor der v. Etrafkamnier des Landgerichts I ge- führte Verhandlung. In der Landsbergerstr. S3a. am Treffpunkt der Wahmann- und Weberstraße, hat der Barbier Otto R ii h l sein Barbiergeschäst. Eines Nachts zwischen 12 und 1 Uhr hatte er seinen Hund noch auf die Straße gelassen und ivarteie in der Zwischenzeit in der Nische seines Hanfes. Er ließ dann auch ein- »ml einen Pfiff ertönen, der dem Hunde galt und ging einige Schritte vom Hanse weg bis in die Nähe eines dort stehenden Mannes und inachte die laute, feincm Hunde gellende Bemerkung: „Na, bist Du bald fertig?" Dann ging er wieder in die Haus- nische zurück und wnrde dort wider seinen Willen von einer vorbeikommenden Dirne angesprochen. Jetzt stürzte der nicht weit davon stehende Mann auf ihn zu, entpuppte sich als K r i m i n a l s ch n tz m an», der in jener Stacht sittenpolizeiliche Funktionen in jener Gegend zu verrichten hatte und forderte Herrn Rühl auf, ihn zur Wache zu folgen. Der Beamte hatte keinen Zweifel darüber, daß er einen Zuhälter vor sich habe, der durch seinen Pfiff eine Dirne z» warnen beabsichtigt und ihn durch die Bemerkung:„Na, bist Tu bald fertig?" verhöhnt und beleidigt habe. Herr R. mußte wohl oder übel mit zur Wache, der Beamte, Kriminalschutzmann Conradns, packle ihn so fest, daß nach einem vorliegenden ärztlichen Attest die Spuren davon deutlich am Arme des Herrn Rühl zu sehen waren und schob ihn gewaltsam vorwärts. Ein Zeuge ivill gesehen haben, daß R. durch den Schutzmann hin und her gestoßen worden fei und Mühe gehabt habe, nicht zur Erde zu stürzen. Als er unter Beglcilnng eines zweiten, ucch hinzu- gekommenen Schutzmannes an der Hausthür der Polizeiwache an- gekommen war, stemmte er sich, um vor etwaiger gewaltsamer Hineinbesörderung sicher zu sein, mit den Händen gegen die Wand. Als freundliches Nachspiel zu dieser nächtlichen Szene, die auf einem Jrrthmn des Kriminalschutzmannes beruhte, ist eine N»klage wegen Beleidigung und Widerstandes zu betrachten, mit der Herr N. bedacht wurde. Vor dem Schöffengerichte hatte seinerzeit dcr Staatsanwalt selbst die Frei- s p r e ch u n g beantragt, auf welche das Gericht auch ohne weiteres erkannte. Um so verwunderter war Herr Rühl darüber, daß die Staatsanwaltschaft dennoch Be- rnsung einlegte. In der gcslrigcn Verhandlung konnte Staats- anwalt Dictz nicht umhin anzuerkennen, daß der Angeklagte keines« ivegs zur Klasse der Zuhälter gehört, sondern ein anständiger ruhiger Bürger ist. Zur Beleuchtung der Gefahren, die jemand erwarten, der das„Schcunenviertel" betritt, führte der Angellagte ein Möbel- Händler Müllcr'sches Ehepaar vor, dem durch denselben K r i m i n a l s ch u tz m a n n beinahe eine gleiche Ilnannehmlichkeit bereitet worden wäre. Das Ehepaar Müller war eines Abends in ein Haus der Elisabethstraße getreten, um daselbst Möbel zu kaufen. Sie halten keine Ahnung davon, daß in dem Hause Dirnen wohnten und dcr Schutzmann C. ans der Lauer lag. Dieser hielt die Frau für eine Dirne und ihren. Mann für ihren Zuhälter, sprang in demselben Augenblick, als sie das Hans betrete» wollten, hervor, ersuchte die Frau, ihm zur Wache zu folgen u u d faßte sie so fest au, daß ihr Kleid etivas zerriß. Erst auf den energischen Hinweis des Herrn Müller, daß es sich hier um feine Frau handele, die mit ihm Möbel ein- kaufen wolle, sab der Beamte seinen Jrrthnm ei» und bat für den- felben um Entschuldigung.— Staatsanwalt D i e tz war der Meinung, daß dcr Angeklagte Rühl keineswegs als ein„unschuldiges Opfer der Polizei" anzusehen sei, sondern sich die üble Situation, in die er gekommen, selbst zuzuschreiben habe!!! Der Beamte sei zweifellos in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes gewesen. denn er habe den Angeklagten nach allen begleitenden Umständen für einen Beschützer von Dirnen hallen müssen. Er habe den Schutz- mann beleidigt und ihm bei der Arretirung auch Widerstand geleistet und müsse für beide Vergehen bestraft werden. Er beantrage 50 M. Geldstrafe. Ebenso merkwürdig wie der Staatsanwalt plädirte der Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t. Er vermengte die Sozial« demokratie mit dem Falle und sprach sein lebhaftes Bedaner» darüber aus, daß das Streben der Behörden, der Sozialdemokratie(!) Herr zu werden, durch solche Mißgriffe untergeordneter Organe geradezu vereitelt werde, da solche Vorkommnisse zur Folge haben müssen, daß auch ganz wohlgesinnte ruhige Bürger in das sozial- demokratische Lager getrieben werden. Wenn solche Dinge passiren können.dann müsse man eigentlich jedermann öffentlich warnen, nächtlicher Weile einem Hunde zu pfcisen, auch müßte jedermann gewarnt werden, im Echennenviertel ein Hans z» betreten, ohne sich vorher genau zu erkundigen, ob zweifelhafte Personen darin wohnen. Ee handele sich hier nicht nur um einen Mißgriff des Schnhmannes, sondern um eine schwere V e r k e n n n n g seiner amtlichen Befugnisse. Daß von einer Vernrtbeilung des Angeklagten nicht die Rede sein könne, sei selbstverständlich, denn dieser habe weder beleidigt, noch Widerstand geleistet. Wenn er bei dem Hin« und Hergestoße mit den Füßen gegen den Boden stemmte, so sei das ebenso natürlich, wie, daß er bei der Ankunft vor der Polizeiwache seine Hände schützend gegen die Thür stemmte, denn er habe doch in manchen Gerichtsverhandlungen gelesen, in denen festgestellt worden, daß einzelne Schutzleute die Arrestanten gewaltsam in die Thür hineingestoßen habe».— Ter Gerichtshof, Vors. Laudgerichtsralh Rinne, verwarf die Berufung des Staatsanwalts. Der Gerichtshof war zn der Neberzengnng ge- langt, daß hier kein Uebergriff, sondern nur ein bedauerlicher I r r l h u m eines Beamten vorliege. Letzterer habe ans dem Be- »ehinni des Slngeklagten wohl zu der Meinung kommen können, einen Zuhälter vor sich zu haben. Thalsächlich liege aber weder eine Beleidigung noch Widerstand vor. Wenn der Angeklagte bei der sehr energischen Besördcrung durch Stemmen der Füße gegen den Boden das Gleichgewicht zu finden suchte, so sei dies ebenso natürlich, wie das Stemmen mit den Händen gegen die Thür der Polizeiwache, denn notorisch seien ja Fälle vor- g e k o m in e ii, in denen Sl r r e sl a n t e u noch kurz vor Betreten der Polizeiwache einen Stoß in den Rücken erhielten, so daß sie die Treppe hinaus« flogen.— Was sagt man zn dieser Keilnzeichming der Vor« kommnifse innerhalb des Berliner Polizeiivesens, ans richterlichem Munde? Ter veranttvortliche Redakteur dcr„Radwelt", Friedrich M e r ck s, hatte sich gestern vor dem Schöffengericht in einer Be- leidigungssache zu verantworten, in welcher die Inhaber der Firma Wertheim Strafantragsteller waren. Beklagter hatte an die Nach- richt, daß Wertheim einen großen Posten Fahrräder mit Krupp ab- geschlossen habe, Bemerkungen geknüpft, welche anderen Zeitungen entnonimen waren. Es wurde darin das vielfach verbreitete Gerücht wiederholt, daß Werlheim von der Firma Gilka einen großen Posten Gctreidekünimel gekauft habe, den Gilka schließlich im Interesse seiner Kunden zurückerwerben mußte. Der Vertreter des Klägers, Rechtsanwalt Dr. Meschelsohn. führte anS, daß es auS früheren Verhandlungen längst bekannt fei, daß die Geschichte von dem Getreideküiiimel erfunden ist. Das Gericht versagte dem Beklagten den Schutz des Z 193 des Strafgesetzbuchs und verurtheilt« ihn zu einer Geldstrafe von 50 Mark. EincS schweren VertrauenSbruchS hat sich der Malermeister August Freder schuldig gemacht, welcher gestern der ersten Straf- kaminer des Landgerichts I ans der Untersuchungshast vorgeführt wurde. Dcr Rathszimmermeister K. ist Verwalter mehrerer Häufer in der Elsasserstraße, welche niinderjährigen Erben gehören. Da er sich nicht selbst mit dem Einziehen der Miethen befassen tonnte. beauftragte er hiermit den Angeklagten. Im Monat Oktober war von diesem die Abrechnung nicht zu erhalten. Nach langem Drängen erklärte er, daß ihm der ganze eingezogene Betrag— 5430 M. verloren gegangen sei. Er sei an dem fraglichen Tage angetruuken gewesen und habe das in Papier gewickelt- Geld in einem Lokale liegen lassen. DieS wnrde ihm nicht geglaubt, sondern angenommen, daß er das Geld bei Seite geschafft habe. Im gestrigen Termin- bekundeten die Reftauratcure. bei denen der Angeklagte an dem fraglichen Tage geivesen war, daß derselbe keineswegs angetrunken gewesen sei, auch hatte niemand bemerkt, daß er ein Packet bei sich führte. Dazu kam noch, daß der Angeklagte bereits zweimal wegen Eigen- thuiiisvergeheiiS vorbestraft ist. Alle diese Umstände führten den Gerichtshof dazu, de» Angabe» des Angeklagten keine» Glauben zu schenken. Nach dem Antrage des Staatsanwalts wurde derselbe zu 2 I a h r e n 6 M o n a l e n G e s ä n g n i ß und 5jähriget» Ehr« verlnst verurtheilt. Gegen den Verkagsbuchhäudler Ernst Finklug und dessen Geschästssührer Steck wird am 19. d.M. eine umfangreiche gericht- liche Verhandlung stattfinden, bei welcher es sich um Kolportage- Schwindel mit patriotischem Aushängeschild handelt, �inking be- treibt seit einer Reibe von Jahren in dcr Chausseestraße ein umsaiig- reiches Verlagsgeschäst für Sammelwerke, welches ihn zum reiche» Mann« gemacht haben soll. Seine Agenten, Kolporteure und Reisen- den durchziehen ganz Dculschlaud und schaffen Abouneulen auf die Werke„Germauia's Ruhm und Ehre",„Das Leben Jesu" und „Unser Volk in Waffen". Er soll nun de» Abouneulen nicht nur falsche Angaben über die Erscheinungs- und Bezugs- bediuguugen der Werke gemacht, sondern die Leute auch durch die falsche Angabe gelodert haben, daß der Reinertrag zum größte» Theile für patriotische oder wohlthälige Zwecke verwendet werden solle. Zu dem Termine sind von der Staaisauwallschast zahlreiche Belastungszeugen geladen, dazu haben die Rcchlsaiiwälle Dr. Schwin dt und Bunge noch eine ganze Anzahl Eilt- lasliingszcugen geladen; außerdem sind etwa 60 außerhalb Berlins wohnende Zeugen kommissarisch vernommen worden. Fiuking be- sindet sich seit Dezember v. I. in Unlersuchnngshast. Zu dcr Bcrurkhcilung dcs Bahttbeamtcii Wischer, von der wir gestern berichtelcn, schreibt uns einer dcr Zeugen des in betracht kommenden Vorfalles: Ich bin nicht Schuhmacher, sondern Kausinann, auch bin ich nicht derjenige gewesen, welcher sich hin- gesetzt hat, um ein Bedürfniß zu verrichten, sondern das war der Zeuge Alfred Mann. T-rsclbe war auch der eigentliche Urheber der ganzen Sache. Ich habe zu dem Beamten Wffcher nur gesagt: Sie sind Beamter, dann lassen Sie doch den Thäler sestslellen. Darauf habe ich von Wischer einen Schlag über den Kopf erhallen, der mich sofort zu Boden streckte. Ich bin heule noch nicht richtig geheilt und werde voraussichtlich nie wieder in dcr Lage sein, meinem Beruf voll und ganz nachziigcheit. Hochachtungsvoll Carl Noecke, Kausnian», Weißenburgerstr. 20. »lmsatzstcncr bci Uniwaudliing einer Tcrraingcscllschaft. Der �Wirklich- Geheime Rath" Duddenhausen erwarb i» Gemein- schaft mit anderen Personen vor Jahren in C h a r l o t t e n b u r g einen größeren Komplex von Grundstücken zu dem Zwecke. sie ge- lcgcnllich zu verwerthcn. Die Besitzer bildeten damals eine Gesell- schaft im landrechllichen Sinne. Vor einiger Zeil beschlossen niiu die noch vorhandenen Gesellschafter, die Sozietät unizmvnndeln in eine Gesellschaft mit beschränkter Hastung, die den Namen Terrain- gesellschaft Charlottenburg führte. Das geschah denn auch, und die erforderlichen Eintragungen im Grundbuch wurde» vorgeuoinnicii. Dcr Magistrat von Charlollenburg erblickte darin eine Ver- änßerung dcr Grundstücke und verlangte von den Gesellschaftern eine Umsatzsteuer. Zunächst wurde Dnddeuhansen nach einem Objekt von 800 000 M. mit etwa 4000 M. herangezogen. Nach friichtlösem Einspruch klagte er beim Bezirksausschuß gegen den Magistrat mit der Begründung, die Heranziehung zur Umsatzsteuer sei hier nnzulässig. da die Personen ja dicseben geblieben seien. Der Beziiksansschnß erklärt« jedoch das Vorgehen dcs Magistrats für gerechtfertigt und wies die Klag« ad. Der 2. Senat des Ober-VerwaltungsgerichtS erkannte gestern ebenso. GewvvkfdzaftlidzeS. Vci lin»nd ttnigcbnug. Tic öffrutlichc Versaniinlitug dcr GastivirthSarhilfcit, die am Freilag Nachmittag in den Arimnhnllc» tagte, erklärte sich, nachdem die Delcgirtcn de» Bericht vom dritten Kongreß erstattet hatten, mit dem Verhalten dcr Telegirten und den Beschlüssen des Kongresses ciiiverstniiden. Die Gründung eines Zenlralverbandes soll demnächst vorgenominen werden. Es ivnrde eine Kommission, der die Kollegen Thomas, P ö tz s ch und Z e i s k e angehören, beauftragt, die Vorarbeiten zu dieser Organisation anSzusühren. Tie Mvbclpolircr. Filiale Norden, wählten ihre» Kollegen Strauch als Bibliothekar für diese Filiale. TcnlschcS Rcich. Ter Verband dcr Vuchbindcr hat vor kurzem über eine Reihe wichtiger Anträge durch Urabstimmung cnlschtcden. Vom Ausschuß war beantragt, den ans der letzten Generalversammlimg auf 35 Pf. pro Woche erhöhten Beitrag aus 30 Pf. herabzusetzen. Bei der Ab- ttimmuiig wurde dieser Antrag mit 989 gegen 3035 Stimmen ab- gelehnt. Ein Antrag, die Nrbeilslosen-Unlersiütziiiig«» zn erhöhe» und zwar bei 26 wöchentlicher Aeitragsleisluug ans 75 Pf. pro Tag bis zu 20 M. und bci 52 wöchentlicher Bcitragsleislung auf 1 M. pro Tag bis zum Höchslbelrag von 40 M. mit Beibehaltung der jetzigen Bezugsbcdingiingeii, wurde mit 2157 Ja-Slimmen gegen 1866 Nein angenonimen. Zum crstcu Kongrcst dcr Secfahrcr TentschlaudS sind 22 Delegirle angemeldet. Es werden danach vertreten sei» Hani- bürg, Flensburg. Lübeck, Kiel, Rostock, Stettin, Nenfahrtvasser. Bremen und Bremerhaven. Auf der Tagesordnung dcs Kongresses stehen folgende Punkte: 1. Die Lage der Seeleute und die Mißstände im Secmannsberuf; 2. Gründung eines Zcntralvcrbaiides deutscher Seefahrer; 3. Stellungnahme zu der deutschen Secmaniis-Orduung und de» Abäiideiuugsanträgen zn derselben. Referent: Reichstags« Ilbgeordneter W. Metzger; und 4. die Arbeiterschntzgesctze und dir Seeleule. Wcgcn Lohnabziigc in Höhe von 1,50—3 M. pro Woche habe» 125 Schuhmacher der Firma Meyer in Bremen die Arbeit eingestellt. Sämintliche Tischler der Möbelfabrik von Christ n. Quark in Gotha haben die Arbeit niedergelegt, weil sie sich mit der ihnen vorgelegte» Fabrikordünng nicht eiuverstaudeii erklärten. Tie Lohnbcwcgnug im Miinchciicr Vergoldergcwcrbe nimmt einen günstigen Verlauf. Bereits 23 Geschäfte haben auf die von den Arbeitern geltend gemachten Forderungen zustimmend geautwortet; damit haben zwei Drittel der Arbeitgeber den Neun« stuiideiitag mit mehr oder weniger Lohnerhöhung bewilligt bcztv. schon eingeführt. Eine Versammliing dcr Arbeiter, die am 8. d. M. tagte, hat nun ausgesprochen, daß die Gehilfen Münchens den bereit- willigen Prinzipalen gegenüber verpflichtet sind, ihr Möglichste« zu thitn, daß überall der Neuustundenlag zur Einsührung kommt. Es wird deshalb i» de» übrige» Werkstätten zum Streit komme» resp, über dieselben die Sperre verhängt werde». Wcgeu Lohnabzüge ist in der Handschuhsabrik von Karl Grosse in Halber st adt ein Streit ausgebrochen. RnSlaub. Dcr Pariser Schlächtcrstrcik» so wird»nS aus Paris ge« schrieben, ist als beendet zu betrachten. Der StreikanSschuß de- ziehuugsweise die letzte«ersaniniliing hat zwar die Wiederaufnahme der Arbeit noch nicht beschlossen, aber die Mehrzahl der Arbeiter hat den Kampf aufgegeben. Inzwischen haben die Rindvieh- Schlächtermeister ihre ursprünglichen Zugestäiidnisse wieder zurückgezogen und der Präfekt zögert bisher absichtlich mit seiner Ent« scheidring über das vom Gemeiiiderath votirte Arbeilsregleineut. Der Streik wird jedoch nicht ganz erfolglos gewesen sein. Der schiedsrichterliche Spruch über den Konflikt im Schivcineschlächter- Gewerbe erkennt die besteheuden„Mißbräuche" an und befürwortet unter Beibehaltung der Nachtarbeit eine Arbeilseintheiluiig. die 7—8 Stunden uiiiiuterbrocheuer Ruhe sichern soll. Ein Arbcitcriuncn-RuSstand droht in Paris und zwar in den Vierteln Bendome und Gaillon auszubrechen. Es sind die Ar- beiterinnen der vorttehiiie» Damenkleiderniacher, die in diesen Vierteln ihren Sitz haben, welche deshalb auch alS die Geburtsstätte der neuen Moden»ugesehen werden müssen. Trotz des Gesetzes, da» die Dauer der Frauenarbeit beschränkt, lassen die Betriebsinhaber ihre Gehilfinnen bis 10 oder II Uhr abendS arbeiten. Wenn die Zlrbeilsinspeltoren tomincii, find die Mifitittvimien im Nebenzimmer verschivunde», der Slrbcitssaal steht leer. Ju Lc»ö(Frankreich) legten am Mittwoch 200 Bergleute wegen Lohndifserenze» die Arbeit nieder. Die Tifserenzen der Zlntwcrpencr Diainantarbeiter niit ihren Arbeitgeber» jolien der„Köln. Ztg" zufolge wieder ernstere Gestalt annehmen; die Zahl der Ausständigen sei wieder bedeutend ge- wachse». A»S Richland. In K r e n> e n t s ch u g im Gonvernement Pnltawa streiken SO jüdische Schneider um Verkürzung deS Arbeils- tages. Ein Theil von ihnen erreichte die Aerininderung der Arbeits- zeit auf 14 Stunden. In M o g i l e w legten Gerber, Buchdriicker und Tischler die Arbeit nieder. I» W i t e b s k streikten 40 Bürsten- binder um Verkürzung des Arbeitstages und Erhöhung des Arbeits- lohneS. Nach zweiwöchigem Kainpse wurde die erste Forderung bewilligt; statt IK Stunden dauert jetzt der Arbeitstag 12 bis 13 Stunden. I» der Nähe von B e l o st o k streiken zur Zeil 100(1 Weber, 30 von ihnen sind verhaftet worden. Auf der Tuchfabrik von Schlichtermann in Moskau war in- folge deS Sinkens der Löhne die Arbeit eingestellt worden. Obwohl der Streik ganz ruhig verlief, kam doch der Polizeimeister mit Soldaten angerückt; 300 Personen wurden entlassen, ein Theil von ihnen ist jedoch ans Moskau ausgewiesen worden. Der Streik ans der Tabakfabrit Gabai in Moskau führte gleichfalls zur Ver- Haftung vieler Arbeiter; unter den Verhafteten befanden sich Knabe» im Aller von 12—14 Jahren. Dieser Streik endete mit einer Niederlage der Arbeiter. Dagegen war der Streik der Maaren ablader ans der Moskan-Kosaner Eisenbahn von Erfolg. Es ivnrde eine Lohnerhöhung erreicht und die Entfernung eines verhaßten Meisters durchgesetzt. Zum Kampf der cnglischcn Maschiiicttbancv ist schon tele graphisch mitgetheilt worden, daß es in nächster Woche zu einer Konferenz kommen wird. Diese wird gewissermaßen eine Vor konferenz sein, es wird sich zunächst darum handeln, eine Basis zu finden für die weiteren Verhandlungen. In dieser Hinsicht wird die Frage des nnparteiischen Vorsitzenden die erste und wichtigste bilden. „Daily Thront oll" hält Mr. Nitchie, den Direktor des Arbeitsamts, der sich um das Zustandekommen der Konferenz unzweifelhaft große Verdienste erworben hat, für den geeignetsten.— Die Stellung der Maschinenbauer ist ganz erheblich gestärkt worden durch das Hinzu trete» der Föderation der Gewerkschaften des Schiffbaugewerbes, der etiva 20 Unionen mit 173 4SI Mitgliedern angehöre».—- Auch zwischen den Londoner Kesselmachern und de» Inhabern der Schiffs- Reparatnr-Wcrkstntten sind Unterhandlungen angeknüpft. Ve vssmmtsu tt gett. Eine össcutlichc Bcrsaininluiig der Bäcker, die sich wiederum mit der Bnudcsrathsvervrdnnng zu beschästigen hatte, tagte am Donnerstag im Saale des Schweizergartens. Nach den?lnsfnhruuge» des Lieferenten Schneider ist seitens der Innung für die Aus Hebung der Bäckerciverordnung an den Bnndcsrath petitionirt morde» und zwar mit der bekannten Molivirnng, mit der die Unter nehmer ja stets bei der Hand sind, wenn ihnen in der Ausbeutung der Arbeiter auch nur die geringste Beschränkung zngemulhet wird. Dcm Nedncr war es sehr leicht,»achzuweise», daß die von der Innung anfgestelltcn Behauptungen keinesivcgs den Thatsachen entsprechen. Von der Versammlung wurde sodann einstimmig eine eingehend bc gründete Petition beschlossen, in der unter anderem ausgeführt wird, daß durch die Erhebungen der Reichskoimnissio» für Arbeiterstatistik überzeugend nachgewiesen ist, daß die Arbeitszeit eine so lang ans- gedehnte ist, daß das Leben und die Gesundheit der Beschäftigten in hohem Maße gefährdet wird. Die von de» Meistern gehegte Besürchtnng, daß die Verordnung eine schwere Echädignug für das ganze Gewerbe sei und dieselbe in den kleineren Bäckereien nicht durchgeführr werde» könne und deshalb die kleinen und mittleren Bäckereien vernichtet würde», ist nicht eingetroffen. Im Gegcnlheil sind seit Bestehe» der Verordnung eine ganze Anzahl von kleineren Bäckereien entstanden, wie der Bericht der Innungen nach- weist. Daß auch die Rentabilität der Bäckereien nicht durch die Verordnung gelitten hat. beweist die Thntfache, daß die Verkauf? preise in der letzten Zeit um das doppelte gestiegen sind und z. B. für ein» Bäckerei, in der drei Gesellen beschäftigt sind, 6000 M. bezahlt werden. Gerade weil ein Theil der Mißstände dmch die Verordnung beseitigt worden sind, hat sich das Verhältniß zwischen Meister und Gesellen in verschiedenen Fälle» gebessert und würde allgemein ein besseres werde», wen» sich die Meister der Verordnung füge» würden, anstatt die Geselle», die für die Durchführung der selben eintreten, brotlos zu machen und auf das Slraßenpstaster zu werfen. Auch das Verhältniß für die Lehrlinge ist ein günstigeres geworden, weil sie zu den Hans- und Küchenarbeiten nicht mehr in demselben Maße wie früher herangezogen werden könne» und dein zufolge mehr zur Erlernung ihres Berufes befähigt sind. Es ivird in der Petition sodmm ans die unwürdigen Arbeitsbedingungen, die überaus traurigen Schlafstelle», die verschiedentlich von der Behörde inhibirt ivnrde», die mangelhafte Kost, die geringen Löhne und auf die lange Arbeitszeit hingewiesen. Im weiteren sind Fälle angeführt, wie durch die Unsauberkeit die berüchtigte Bäckerkrätze Verbreitung findet und besonders krasse Fälle der Arbeitsbedingungen, die gelegentlich einer Gerichtsverhandluiig sogar de» Staatsanwalt zu dem Ausspruch veranlaßten, daß die Ausbeutung der Arbeitekraft eine unerhörte sei. Ferner wird in der Pctilio», i» der um die strikte Ablehnung der Mcisterpetition ersucht, aber eine Erweiterung der Bundesraths- Verordniliig dahingehend erwünscht wird, daß bei den Revisionen der Bäckereien durch die Behörden Bernfsarbeitcr hinzugezogen werden, darauf hingewiesen, daß viele Meister mit dem Vorgehen der Innung durchaus nicht einverstanden sind, sondern die Verordnung gut heißen und viele sogar noch weitgehendere Be- siinnnnngen für nothwendig erachten— Mit der Absendnng der Petition an den Reichskanzler wurde der Gesellenausschuß betraut, der gleichzeitig beauftragt wurde, um eine Audienz zur mündliche» Begründung nachzusuchen. Nachdem dieser Punkt des Tagesordnung erledigt war, hielt der Reichstags-Abgeordnete Rod. Schmidt «iue» Vortrag über die Neuorganisation deS Handwerks, in dein er in eingehender Weise die Bestimmungen des betr. Gesetzes erläuterte. Dein mit lebhaftem Beifall anfgenoinniene» Vortrage folgte die Berichterstattung der Gesellenansschüsse der beiden Bäckeriiniungen für die Zeit voni 1. November 1826 bis 1. November 18S7. Nach dem Bericht habe» sich 294S Arbeitnehmer in den Arbeitsnachweis der Jnining„Konkordia" einschreiben lasse», wofür sie a 50 Pf. gleich 1472,50 M. Einschreibegeld bezahle» mußten. Bei dieser„Wohlsahrtseinrichtung" hat die Innung, die von dieser Summe nur die Ansgabe» für den Sprechmeister zu tragen hatte,— derselbe erhält für eine taglich gstündige Arbeitszeit pro Jahr 1040 M.— eine» Rheingewinn von 432,50 M. erzielt. Trotzdem von den eingeschriebene» Personen 567 keine Arbeit erhielten, wurde im JnnungSorgan wieder recht lebhaft über den Mangel an Gesellen Klage geführt. Lehrlinge sind in dem letzten Jahr nur 87 gegen 114 im vorhergehenden Jahr eingeschrieben worden. Stattgefunden haben 8 koinbiuirte Sitzungen(Arbeitgeber und Arbeitnehmer), die sich mit der Frage der Nachtarbeit, mit den Einrichtungen der Herbergen, mit dem Arbeitsnachweis und auch mit der Frage bezüglich des BackgeldeS zu beschäftigen hatten. Bei der Innung „Germania" hat überhaupt nur eine koindtnirt« Sitzung stattgefunden, die der Meisterausschnß dazu benutzen wollte, die Gesellen zur Theil- »ahme an der Zentenarfeier zu bewegen. Von diesem Berichterstatter wurden noch eine Reihe Mißstände bezüglich des Schiedsgerichts an- geführt und behauptet, daß der sogenannte Unparteiische vielfach, ,venn auch indirekt, ziemlich stark an den, Aussalle des Urtheils bethciligt ist. Mit dem Arbeitsnachweise soll eS bei dieser Innung noch trauriger für die Geselle» aussehe». Ab- gesehen, daß auch hier die Arbeitnehmer für die Stellen- vermittelung bezahlen müsse», steht das System der schwarzen Liste» in schönster Blüthe. Diese Innung hat im letzten Jahre eme Einnahme von 4846,50 M. erzielt. Zum Schluß weist der Redner noch daranf hin, welche Vortheile die Organisation hätte, wenn sie stark genug wäre, um auch auf diesem Gebiete Remedur zu schaffen. Nach knrzer Diskussion wurde eine Resolution an- geuoniinen, in der sich die Versannulung mit der Thätigkeit der G* sellenausschüsse einverstanden erklärt. Außerdem nimmt die Ver> sammlnng Kenntniß von der schlechte» Handhabung der Ar beitsnachiveise und verlangt eine für die Arbeiter humaner» Behandlung, insbesondere die Beseitigung der schwarzen Liste». Sollte der Jnnungsvorstand den» nicht Folge geben, so werden die Berliner Bäckergesellen hierzu Stellung nehmen, eventuell einen Arbeitsnachweis schaffen, der den heutigen Verhältnisse» entspricht. Im weiteren wurde eine Resolution be schlössen, in der sich die Versannulung mit dem Vortrage einver- standen erklärt und beschließt, sich an de» Wahlen zum Gesellen Ausschuß z» betheiligeu. Es soll zu diesem Zweck eine rege Agi talion entfaltet werden und organisirte Kollegen von beiden Richtungen als Kandidaten für den Gescllen-Ansschuß aufgestellt werde», um die Wahl der Jüuglingsvereinler resp. der den Unter nehmern genehme» Gehilfen zu verhindern. In der öffcutlichcn Holzarbeiter- Versammlung, die am Donnerstag Abend in Joet's Salon tagte, wurde über den Streik bei E b e r h a r d t, Michaelsbrncke, verhandelt. Der Drechsler Hermann referirte nochmals eingebend über die bereits mit- getheilten Ursachen, die zum Streik geführt haben. Für die Firma, die durch»ichrere Personen aus dem Komptoir und drei Werksührer vertrete» war, nahm Herr Malitz das Wort. Er suchte den Streik als einen frivol vorn Zaune gebrochenen darzustellen. Anderer- seils gab er offen zu, daß der Firma mit den, Streik sehr gedient gewesen sei, sie habe wöchentlich 3000 Mark an Lohn gespart; die überfüllt gewesenen Lager seien nun ei» wenig geräumt. Schließlich ließ er durchblicke», daß eine Einigung doch möglich sei, falls die Anregung dazu nns den Kreise» der Arbeiter komme. Die Behariptung des Redners, die Firma zahle die höchsten Löhne, wurde von de» nachfolgenden Rednern aus den Reihen der bctheiligten Arbeiter widerlegt. Die»ationalökonoinische» Weis heilen des Herrn Malitz wurden von de» Versammelten mit großer Heiterkeit aufgenommen. Von einer Anzahl der Redner wurden die Maßnahmen der Polizei den Streikenden gegenüber scharf geladelt. Nicht allein, daß Streikende, die in der Straße ruhig auf- und abgingen, ohne jemanden zu belästigen, kurzerhand sistirt wurden, auch andere, die mit dem Ansstaud garuickts zu thun halten, sollen von de» Schutzleuten behelligt worden sei». In einem Falle ist einer der Streiken den mit einer Polizeistrafe von fünf Mark, in einem anderen ist der betreffende sogar mit einem Tage Haft belegt worden. Dieses Vorgehen der Polizei komme einer Dm chdrcchung des Koalitionsrechtes der Arbeiter gleich. Dagegen müsse ganz energisch Front gemacht werde». Eine ganze Reihe von derartigen Fällen sei bereits dem Rechtsanwalt übergeben worden, der die Sache weiter verfolge. Eine Resolution, in welcher die Nichlbillignng der oben bezeichneten Maßnahmen der Polizei nnsgesprochen ist, fand Annahme. Eine koinbiuirte Versanimlnug der Sattler, Tapczirer, Täschner und Treibriemen Arbeiter beschäftigte sich am Sonn abend, den 6. November mit der Berathung über die einzuführende Reisenntcrstützung. Die Paragraphen wurden niit geringfügigen Abänderungen angenommen. Des weiteren wurde der Vorstand be austragt, unsere Versarninlungs-Annonce im„Vorwärts" innner Freitags erscheinen zu lassen und nicht erst am Sonnabend. Zum Schluß wurde bekannt gemacht, daß am 16. November, 8 Uhr, bei Brochnow, Sebastianstr. 39, eine öffentliche Sattlerversaminlung staltfindet, in welcher Genosse Auer über: Politische Gewerkschaste» referiren wird. Für Maricndorf, Maricnfrldc und Tempelhof tagte am 7. November bei Tcnlschbein in Marienfelde eine öffentliche P a r t« i v e r s a m m l» n g, in welcher nach einer Ehrung des ver- storbencn Reichstags-Abgeordneten G r i l l e n b e r g e r seitens der Versammelten die Vertrauensleul« von Mariendors und Tempelhof Bericht über ihre Thätigkeit erstatteten. Danach hatte der Marien dorfer Vertrauensmann— mit einem Bestand von 44.48 M. vom vorigen Jahre— eine Gesainint-Einnahine von 124,78 M. zu verzeichnen, welcher«ine Ausgabe von 82,63 M. gegenübersteht, es verbleibt mithin ein Bestand von 42,15 M.; außerdem sind noch Außenstände von 24.60 M. vorhanden.— Der Vertrauensmann für Tempelhof erzielte eine Einnahme vdn 171,55 M., die Ansgabe betrug 109,87 M., es verbleibt in den Händen des BertrauensinaiineS ein Bestand von 61,63 M. Beiden Vertranenspersone» wurde die beantragte Entlastung iittslimmig erlheiit und dieselben hierauf von den Versainmellen nochmals mit dem Amte für das nächste Jahr betraut. Z» Revisoren wurden für Mariendorf' Lehmann, L« n g e r und W. O t t o; für Tempelhof: Buchholz, Thiel und Wende bestimmt.— Nach Entgegennahme deS Bericht? der Lokal- kvinmissione» wählte man in dieselben für Mariendorf: Horst und Lenger; für Tempelhos: R. Ortinanu, Thiel und Zarjas. Di« Sperre über die Lokale in Mariendors: Günther. Chausseestraße, und Mnrtwig, Feldstraße; in Tempel Hof: Gunter- in a n n(früher Teicherl). Berlinerstraße. und Kiese weiter, Berlinerstraße, hielt die Versammlung aufrecht, wünscht und hofft jedoch, daß sich die Parteigenossen mehr wie bisher die Beschlüsse der Parleiversammlnug angelegen sein lassen, damit es in absehbarer Zeit gelingt, ein Versammlungslokal zu bekommen.— Hierauf be- sprach Genosse Thomas- Nixdorf in längerer mit Beifall auf- genomniener Rede den H a in b u r g e r Parteitag und gaben die Versammelteu ihre Meinung hierüber durch«ine Resolution Ausdruck, i» der sie sich mit den Beschlüssen des Parteitags— außer dem betreffs der Betheiligung an den Landtagswahlen— einverstanden erklären. Nachdem noch der Vorsitzende die Versammelte» ans- gefordert hatte, der politischen Organisation am Orte, dein Arbeiter- Büdnngsverein, beizutreten, wurde die gut besucht« Versammlung geschlossen. Lrrir»ligiitf» Gemetud». Sonntag, den 14. November, vorm.« Uhr, Im rotzen Festsaal der Berltucr Ressoiuce. Komniandanlenstr. s?: Versammlung. retreliflldse Vorlesung. Um 11 nhr vorm. ebendaselbst Vortrag de» Herrn voglherr: ,.Bot!-Sg-rtchte". Gäste wtlltommen. »Ivntag, den>5 November, abends pünltltch«Jj Uhr(Eingang Stalllchreiber- straßc«): Bsschltetzende Versammlung. Beschlußfassung über wichtige An- gelcgeuheUen. «>il»«»g»»»r,ln„zzlestr gl cht". Sonntag den lt. November, adend« OK Uhr, Aleranderstr. Sic; Vortrag über:„Versland oder Instinkt der Thiere". Refcrentin: Frau Nohrlack. DiStussion. Daraus gesellige» Beisammensei». Uischlrr-tzirretn. Hein« Abend Nhr, Melchierstraße 16: Versammlnng. Vortrag deS Herrn Dr Wollheim über Geschichtsschreibung und Scschick>t«lehre. Damen haben Zutritt._ Vevinifiltzkes wmit c. e, Mascagui's nächste Oper Ivird„Comrnoclia dell" Arte" heißen und die stereotypen Figuren der italienischcn Hanswurst- Komödie(Pantalona, Cvlouidlna. Arlecchino. Brighella, Tartaglia, Dr. Graziano, Rosaura n. s. w) aus die moderne Bühne bringen.— — Eine merkwürdige H i m in e l? e r s ch e i n n n g wurde am 8. November abends gegen 7 Uhr in T a r n o w i tz be- obachtet. Um diese Zeit sah man nämlich die im hellen Glanz« prangende Mondscheibe von einem intensiv hellen Streifen, der ober- halb des Mondes begann nnd unterhalb dcffelben endete, lind sich wie ein großer aufrecht stehender Lichtbalken präseutirl«, durch- zogen. Eine unterhalb der Mondscheibe lagernde Wolkeubank er- strahlte in röthlichem Lichte. Das Phänomen währte ungefähr eine Viertelstunde.— — In SeifferSdorf, Kreis Bnnzlaii, ist ein Nacht- wächter angestellt, der monatlich das fürstliche Gehalt von 10 Mark bezieht.— — D o b r e c i n, 11. November. Heute Abend fuhr ein von Nyiregyhaza kommender Personenzug vor dem hiesigen Bahnhos« auf einen dort stehenden Güterzug ans. Vier Wagen des Güterzuges wurden beschädigt; ein Waggon de? Personenzuges ivnrde zertrümmert: fechS Reisende erlitte» Berletzuiia«».— — Selbstkritik. In einem thüringischen Blatt findet sich olgende Ehrenerklärung:„Die gegen meine Braut, Fräulein A. S., öffentlich alisgestoßenen Beleidigungen nehme ich hiermit reumüthig zurück, da dieselben von mir völlig erlogen sind. Hingegen erkläre ich mich für einen frechen Verleumder und gemeinen Spitzbube», dcr von Rechtswegen ins Zuchthans gehörte. D. W.— — Folgendes Eingesandt stand dieser Tage im S t r a S- burger Wochenblatt:„Vor ungefähr vier Wochen brachte die„Slrasb. Ztg.", freilich ohne meinen Namen zu nennen. die Mittheilung, daß mir meine Frau, als ich in einer Nacht spät»am Hans« kam, einen Etlüer voll schwarzer Farbe über de» Kopf gegossen habe. Ich möchte hiermit ausdrücklich feststellen, daß die Sache sich nicht so verhält. In dcm Eimer befand sich n u r K a r b o l i n e u m, mit etwas T h e e r vermischt. Zlnco ist es unwahr, daß meine Frau das angedeutete Wort„S.." gebraucht hat; sie benntzle einen anderen Ausdruck. Der Bericht- crstatter der„Slrasbnrger Zeiiung" mag sich küuflig' besser er- kundigen, ehe er solche Miitheilungen macht. Von manchen wird übrigens behauptet, daß ein gewisser Herr H....... die Mittheilung eingesandt habe, um mich lächerlich zu machen. Sollte das wahr sein, so möchie ich diesem Herrn den guio» llialh geben. mir lieber die Rechnung vom 18. Oktober v. I. zu bezahlen, als daß er seine Nase i» meine Angelegenheilen steckt, die ihn gar nichts angehe». Auch die Strasburger- könnten etwas anderes thlin, als immer von dieser Angelegenheit zu sprechen. Meinen Namen iverde ich selbstverständlich nicht öffentlich nennen. Auch die Herren M. nnd G. möchte ich ans diesem Wege nochmals an ihr gegebenes Versprechen, meinen Namen nicht zu verrathc», eriniierii."— — In Nürnberg rannte ein Vi a d f a h r e r, der einem Kinde ausweiche» wollte, an einen Zeichner, der ein Haus abzeichnete; beide fielen in das Geleise und wurden von einem Motorwagen sehr schwer verletzt.— — In Niederkrüchten bei München-Gladbach wurde ein Grenzausseher durch das Pferd des Oberkontrvllenrs t r- schlagen.— — Der Bahnhof S ch w a ck e n d o r f an der Bahn Flens- burg— Kappeln ist mit säunntliche» Nebengebäuden niedergebrannt.— — Die russische Regierung hat die Sekten der „Renner" und der„Er st ick er" für gemeingefährlich erklärt und die Verschickung nach Sibirien angeordnet. Beide Selten bc- zeichnen den gewaltsamen Tod als Gebot der Gottheit und tödlen jedes Mitglied, sobald es erkrankt.— — Die H ä f e n des Asow'schen Meeres frieren ivegen plötzlich eintreiender Fröste zu. Beträchtliche Mengen Getreide bleiben infolge dessen zur Zeit vom Transport ausgeschlossen.— — Der Zug, der am vorigen Sonnabend von Semlin gegen Budapest fuhr, gerieth in eine Schafheerde, die gecade die Schienen überschreiten wollte; sechsunddreißig Schafe wurden vo.i den Rädern zermalmt.— — Der Abfluß der Lava ans dem Vesuv nimmt merk- lich ab, ebenso die Thätigkeit des Kraters. Nur der AschenauSwurf dauert noch fort, wenn auch in geringerem Maße.— — I n K o>i st a n t i n o p e l herrscht seit gestern andauernder Schneefall.—_ Briefkasten der Redakkwn. Wir«tlle», bei leder Antrage eine ahiftr«(»wei vnchslaben«der«In« gaßl) aiiiilgebe», nnler der die Antwort«rlhellt werden soll. Tie inrlstische DPrcchftnnde findet in dieser Woche am Mitt- woch, Tonnerstag und Sonnabend von S bis 7 Nhr abends statt. vir der Darstellung nicht mehr Bedeutung als einer unkon- trollirbaren nnd sehr»nwahrscheinlichen Kombination beilegen. Der Wiener Bolkstribüne ist für daS Deutsche Reich das Postdebit entzogen. Edmund Müller. Mn MiethSvertrag läuft in der alten Gestalt weiter, wenn auch der Eigenthümer das Grundstück verkaust.— S« Sch. New. — F. Jfi. Nein. Nur dann besteht der Anspruch auf Rückzahlung der Hälfte der jklebemarken, wenn vor dem Eintritt in- den Stand der geflickten Hosen 23» Marken geklebt waren. Wetter-Prognose für Sonnabend, 13. Robeniber 1N07. Etwas wärmer, vorwiege»» trübe mit leichten Regenfällen und mäßigen bis frischen südwestlichen Winden. Berliner Wetttrbureau. Innigsten Dank sage allen Freunden und Genossen für die herzliche Theil- nähme inid zahlreichen Kranzspenden bel dcr Becrdtgnng meines lieben, guten ManneS, insbesonderc den Kollegen der irma Schäfer u. Hanschncr, dem »entschen Metallarbeitcr-Verbaiid und dem Wablverein deS L.Berl. Reichstags- Wahlkreises, ebenso Herr» Waldeck Ma nasse siir seine am Grabe so zu Herzen gehend gesprochenen Worte. Im Rainen der Hinterbliebenen: Die trauernde Wlttwe Margarethe Hellman» geb. Kroll. OrtB-Ki-iinIrcMiIe»-»»« Voretnnd. Saal frei für Vereins- Festlich ke i ten 3213fi* Mersttti-nnKe I». Bereitiszimmer noch z. verg. bei Ki-olme, ZtonSkirchplatz 5. 17926 Am Wuthilchm Etmy, Restaurant und Garte», Alle« lli«. 471». Telephon Amt Vll Nr. 4182. Zahlstelle vom Wahlverein des vierten Wahlkreises, Bercinszimnier m. Piano. Ausschank von Psesserbergcr, Echt Potsdamer Stangen- imd Hilfebein-Weißbier& 10 Psg. H. Schurig's Kafftt-HlluS. Auswahl von ca. 35 der Belesensten Zeitungen u. Journale:„Leipz. Vvlls- zeitung",„Wiener Ard.-Zeitung", zwei läniiche Zeitmigen. Kaffee. Thcr, Vier 10 Psg.. Ehokolade 1b Psg., 2 Billards i Stunde 10 Psg.• Dresden crstr.ific 1�8/29. Maskenball 1898 Noch 2 Sonnabende stet. An Vereine unentgeltlich Ba,»' Salon, Große Fraiikfnrterstr. 85. 1S116 Jeden Sonnabend«Itnu« Ar>« upi«I«n b. Vociz, Breslanerslr. 9. SM- Ausschank Schnlthelao I Versand, direkt vom Faß,'/u Liter' 10 Pf. 2 Billard« zur gefl. Benutzung, HVnhelniatr. 146. 1803» Arbeitsiilllrkt. Jnstrumcntenmacher für scharfe und stumpfe Jnftrilment« werden sofort verlangt bei denn Zlette, Ehri- stiania(Norwegen)._[17806 Vt'aijser wird verlangt Gold« leisteufabrik Büschingstr. 4.[1807b Geübte Belegerinnen verlangt Goldleistensabril Büschingstr. 4. Dirigent. Tüchtig. Dli-Cgont(Klaviers,; aber mit solcher, für Männeraesang-- verein, Dienstag oder Donnerstag ge- sucht. Ofserten tu. GehallSaugabe an Og. txrcN«, Wilmersdorf, Berlincrsir. 145, III, erbeten. 18136 Immifii ans IflniiHChetten bei hohen Lühnen(außer dem Hanse) Verl. WW" sofort J. Jacohy, O., Wäsche-Fabrik, Scbillingstr. 12._ Pliiltttlmil auf Btonachetten und Servi- tcurs bei hohen Li ü h n e u verlangt nofort J. Jacoby, 0., Wäsche-Fabrik, Schillingstr. 12, Wtemm ans Herrenkrugcn bei hohen Kiühnen verlangt sofort J. Jacoby, O.. Wäsche-Fabrik, Schillingstr. 12.__ Arbeiter Gesangverein stickt BlHjcentc» für Dien'to.j; Möbu», Skalitzerstr. 20.__ 1818 j Tüchtige Sch» hrosetten-Nähe'. innen gegen hohen Lohn sofort gesucht Kohii, Schlieutannstr. 11, 2 Trpp. Einem Theil der hrntigr» Aus- läge liegt ein Prospekt»er Firnia Hcltlnxcr dt Co.(Boitsche Compagnie für Herren. noden) Oranieiistr. 40—41(am eraiiien-Plah), bei. Verantwortlicher Redakteur: Auaust Jarobey in Verlin. Für den Jnseratentheil verantivorllich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max tvadiitg in Berlin. Nr. 2«k. u. mm. 2. Ktilllge des„UgWUls" Knlllltt WldsdlM. s«»"r». tZ. s.«mdtt 1897. LikevkrvlfÄze Nundfchkru. Buchettbcrgcr, Dr. A.: Grundziige der dcntsche» Agrar- Politik, unler besondere!! Würdigung der kleineu und großen Milte!. Berlin 1897. —ras. Es ist der Geheimrath des guten allen Schlages, der aus diesem Buche des badischen Finanzministers zu den sich be- fehdeuden riicksichlslosercn Jnleresseuverlretern spricht: sachkundig, nüchtern abivcigend, allen agitatorische» Uebertreibuugen und ge- wagten Experimenten abhold, dagegen oft die kleinen Mittel über- schätzend, mit denen die heutige Gesetzgebungspraxis die herein- gebrochene große Krijls unseres Ackerbaues zurückzn staue» und zu lindern sucht. Die Behandlung der Einzel- fragen gleicht vielfach einem knappen und kleinen parla- meutarischen Kommissionsbericht, der die von den einzelnen Parteien geltend gemachten Gründe, für und wider eine Maßnahme, sorgsam verzeichnet und dann zum Schlüsse als Ergebniß alles Hin und Her irgend eine bescheidene Reform empfiehlt, nicht weil sie als genügendes Heilmittel anzusehen sei, sondern weil gegen andere Bor- schlage noch mehr Einwände sich erheben. Ein solches Verfahren hat natürlich seine Schattenseiten. Man verliert sich zu leicht in die zusammengestellten Details und büßt den Ueberblick ein über die tieferen, allgemeinen Eulwickelnngs- tcndenzen, die im Augenblick nicht greifbar hervortreten, die jedoch auf die Dauer übermächtiger sind wie die Ver- Hältnisse, die zunächst ausschlaggebend erscheinen. Gründe und Gegengründe werden wie bei einem"amtlichen Gutachten als eirvas Starres und Festes dargelegt, während i» der Wirklichkeit doch ihr Gcivicht und Gegengewicht sich fortwährend gegeneinander verschiebt, so daß für den Weitersehende» das Gegentheil von dem richtig sein kann, was eine kurzsichtige Praxis als ihre„wohl- erwogene" Richtschnur verehrt. Bei aller Hochschätzuug seiner Kennt- uisse wird man auch Buchenberger von dieser Schwäche nicht ganz freisprechen können, z. B. bei seinen Erörterungen über„große, uiittlere und kleine Güter und das Ziel einer guten Grundeigen- thumsverlheilnng", oder bei seiner Betonung des„Erlragswcrthes" des Bodens vor dem„Berkehrswerth", den er noch dazu in eine ganz unglückliche Verbindung mit de»„gemei»-(römisch-)rechllichen Grundsätzen" bringt, während»ran die Ueberzahlnnge» und Ueber- schätzungen bei bäuerlichen Bodenkäufcn und Erbauseinandersetznngen eher fast immer darauf zurückführen kann, daß tlnsere Bauern sich noch nicht genug a» den kapiialislische» Waarenverkchr mit den aus ihm resultireuden Wirthschastsberechnungcn gewöhnt haben, daß sie noch viel zu sehr vom„urgerinanische»" und fendal-romantischen Bodenhunger besessen find und viel zu wenig gelernt haben, ihr Land und ihr Produkt als Waare aufzufassen. Nicht rückwärts im ge- bundeneren Verkehr, fondern vorwärts in dem freie» Waarenrecht liegt daher trotz aller Anschuldigungen gegen das römische und sonstige gemeine Recht die einzige Abhilfe, soiveit sie hier innerhalb der kapitalistischen Wirthschaftsordnung überhaupt möglich ist. Schließlich wird eine solche gnsts-vailisu-Polilik immer auch dazu neige», die treibenden Interessengegensätze nur verschleiert und abgeschwächt anzuerkennen. Die Staalsraisou, die der Geheiinrath zu vertreten glaubt, meint nur zu leicht, eine allseits befriedigende Mittellinie gesunden zu haben, während thalsächlich das Interesse der»inen Klasse einfach geopfert worden ist. So heißt es bei Buchenberger über die Geireidezölle, nachdem alle möglichen Gründe und Vorwände für dieselben erschöpfend wiedergegeben sind, sehr einseitig und von oben herab gegenüber dem„Konsumentcnstaudpunkl" der Jndustrie-Arbeiler:„Dieser Konsumentenstandpunkt ist offenbar noch einseitiger als derjenige der Produzeuten, wenn diese ver- langen, daß die Machtmittel des Staates zur künstlichen Beeinflussung der Marktpwsbildung in Bewegung geseht iverden; denn er verkennt die großen, wirthschaftlichen Störungen, die die dauernd ungenügende Rentabilität wichtiger Produktionszweige für das Wirthschasts- und Erwerbsleben weitester Kreise nach sich zieht(wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit!); er verkennt die Aufgabe des Stanis als höchster Wohlfahrtsgcmeinschaft, seine Machtmittel in den Dienst aller Interessen, nicht blos derjenigen der Konsumenten zu stellen; er verkennt vor allem die große nationale Bedeutung des landwirth- schaftlichen Bernfsttandes als des Erzeugers der nothwendigsten Lebensmittel, dessen Träger staaatlichen Schutz und Fürsorge mit Recht schon deshalb erwarten dürfen, weil keine noch so blühende Entwickelung von Handel und Industrie für das Siechthnm der breiten Massen der Landbevölkerung Ersatz gewähren kau». Endlich widerstreitet es aber auch dem sittliche» Empfinden, wenn der Staat dauernden Nothstäuden lediglich deshalb, weil sie mit Veränderungen der Preislage zusammenhängen, mit verschränkten Arme» sich gegenüberstellen wollte. Ans diese» Gründen kann die Berechtigung zu einer staatlichen Einwirkung auf die Marklpreisbildnng landwirthschaftlicher Erzeugnisse an sich und grundsätzlich nicht beanstandet werden, sofern diese Marktpreisbildung in einer die Existenz des landwirthschastlicheu Berussstaudes ge- fährdenden Richtung sich vollzieht und der ungünstigen Wirkung dieser Veränderungen in der Preisbewegung nicht auf anderein Wege begegnet werden kann."— Auf wessen Kosten das allein zu geschehen vermag, welche Opfer man damit den Arbeitern znmuthet, ob der deutsche Arbeiter nicht in erster Linie von der Beschleunigung der Jndustrieentwickelung Vortheile zu erwarten hat, die schließlich auch Vortheile für die Gesammtentwickelung Dentschlands sei» werden, diese Frage kommt, wie ma» sieht, bei dieser„unparteiischen" Darlegung sehr schlecht weg. Sonst hat die Schrift Buchenberger's große Vorzüge; und gerade weil man in unseren Kreisen die gegenwärtige landwirthschaslliche Entivickelung öfter zu sehr ans der Vogelperspektive und nach vorgefaßte» theoretischen Anschauungen bcurtheilt, des- wegen möchten wir das Buch zum Lesen empfehle». Fragen, wie sie uusere Landtage noch immer und immer mehr beschäftigen, wie die Gemeinheitstheilungen und die Zusammenlegung der zer> splitterten Grundstückstheile, die Seuchenbekämpfung, das Erb- und Verschuldungsrecht, die Kredit- und Versicherungsorganisation, die Anstedelungs- und Reuteugutsversuche— dann die Gegenstände der Reichsgesetzgebnng: Zölle, Handelsverträge, Antrag Kauitz, die Konkurrenz der Surrogate(Margarine. Kunstwein), das Währuugs- Wesen, die Aufhebung des Jdeutitälsnachweises bei der Getreideausfuhr werden von dem badische» Fluanziuiuister mit großer Sachknude und dabei doch leicht lesbar behandelt. Mitunter wird die Darstellung sogar allzu leilarlikelmäßig. Judeß mag das beabsichtigt sei», da»ach der Vorrede das Buch es sich zur Aufgabe setzt,„den weitesten Kreisen der Landbevölkerung in dem Irrgarten agrarpolitischer Fragen ein Führer und Wegweiser zu sein." Die„Deutsche Tageszeitung" hat dem Verfasser freilich die Be- snhigung dazu abgesprochen. Die Gläubigen des Bundes sind offenbar nicht in der geistigen Versassuug, auch einmal eine abmahnende Slimiue zu vernehmen; die Schrift wurde sofort als verböte» auf den Judex gesetzl. Allerdings ist auch Herr Buchenberger vom Bunde nicht sehr erbaut:„Gewisse neuzeilliche Jnteresseuveleinignugen, wie etwa der 1893 in Deutschland gebildete Bund der Landwirthe oder einzelne Baneruvereine und deren Programm« sind wohl an sich be- achleusiverlh als symptomatische Erscheinungen dafür, daß in weilen Kreisen des Landvolks bestimmte Richtungen der all- gemeinen Wirthfchaftepolitik als beschwerend angesehen werden, können aber unler Umständen der kandwuthschasllichen Sache mehr schaden als nutzen, weil und insofern eine in Ueberlreibnngen sich ergehende agrarische Propaganda leicht auch berechtigte Forderungen diskreditirt oder doch der wirksamen Verfolgung solcher Abbruch thut. Daher mit einer maßvolle» Verlretnug der agrarischen Sonder- interesse», zninal in Staaten mit gemischt industriell-agrikolem Cha- rakler, durch welche Art von Vertretung sich im großen und ganzen die seitherige» landwirthschaslliche» Interessen- Vertrelungsköiper ausgezeichnet haben, einer befriedigende» Forleulwickelung der agrarischen Verhältnisse sicher am meisten gedient ist,»ich! aber mit lärmenden Aktionsprogrammen, die selten anders als mit schwere» Entläulchungen enden." Slcllnug z» den Einzelheiten des Buches zu nehmen, hieße alle hervorragenden Maßnahme» und Pläne der deutscheu Regierungen einer eingehenden Kritik unterziehe». Das hat der„Vorwärts" osl genug geihan. Stur nin den Charakter der Schrift zu beleuchten, lasse» wir einige Auszüge folgen. Trotz seines Eintretens für Kornzölle und seiner Ueberzeugnng, eine prolektionistische Wirthschaflspolitck werde„inulhmaßlich für längere Zeil schlcchlhin nicht zu entbehren sein," glaubt Buchenberger doch nicht an die Möglichkeit, Deutschland wieder zu einem sich selbst genügenden Agrikulturstant zurückzubilden:„Die Eullvickelung vom ehemals örtlich gebundenen Verkehr zum Wellverkehr, von der Absatzwirthschast auf engem Raum zur Wellwirthschaft, eine Eulwickelung, die mit der Einführung der Dampsklaft und der durch sie ermöglichten Massenbewegung der Güter aus ineiieste Eni- sernungeu in kürzester Zeit zu billigstem Preis ,vie Ursache und Wirkung zusammenfällt, kann unmöglich aufgehalten oder gar zurück- geschraubt werde». Hier giebt es nur eines: den Landwirthschnfls- betrieb und feine ivirlhschaftlichen Grundlage» den veränderten Ver- hällnissc» anzupassen. Diesen Aupassungsprozeß herbeizusühren, ist in erster Reihe Aufgabe der Wirlhschafler selber." Der U e b e rp r o d uk t i o» s lheorie, die bekanntlich in den letzten Jahren eine groß« Rolle in den agrarischen Debatten spielte, hängt Buchenberger an; die Zunahme des Welt-Getreideverbrauches sei der durch billige Bahn- und Wasserfrachlen mobtl gewordenen Getrcideproduktion nicht in gleichem Schritte gefolgt Erst wenn die Bevölkerung Deutschlands und Amerika's weiter augeivachsen sei, werde der Ausgleich von Angebot und Bedarf und damit dauernd ei» günstigeres Preisniveau erreicht werde».„Der Zeitpunkt des Eintritts dieser Erhöhung entzieht sich jetzt noch menschlicher Berechnung." Der Antrag K a n i tz, der von Staatswegen den Getreide- Produzenten einen Mindestpreis und eine Mindeslrente verbürgen ivill, wird als„der denkbar verhängnißvollsle erste Schritt aus der Bahn eines gefährliche» Staatssozialismus" erklärt.„Im System einer auf dem Boden des Privaleigenlhmns und des Eigenihums an Produktionsmitleln stehenden, von dem Grundsatze der vollen privatwirthschastliche» Verantwortlichkeit des Einzel- individnums beherrschte» Gesellschaftsordnung ist für die Forderung einer staatlichen Reutengaranlie kein Raum." Der Kampf der Interessenten um die Höhe der Getreidepreise und alle sonstigen Monopolsthätigkeiten werde unablässig die schwersten politischen Streitigkeiten entfesseln; um den zu erivartenden Preis- treibereien aus dem Mehl- und Brotmarkt entgegenzutreten, werde man folgerichtig auch zu einer Mouopolisirung des Mühlen- und Bäckereigewerbes fortschreiten müsse»,„das heißt, man dürfte vor einer Enteignung von beiläufig 169 900 Beirieben mit einem Personal von 399 999 Personen nicht zurückschrecke». Es ist schwer glaublich, daß eine Regierung oder ein Parlament diese äußerste, aber uothwendige Konsequenz der Verstaatlichung des Getreide- Handels wird ziehen wollen". Für harmlose Freihändler, die unsere Getreidezölle heute und morgen schon umfallen sehen und die mit der Vertheilung dieses Bärenfelles bereits die größten handelspolitischen Triumphe feiern, ist es sehr lehrreich, daß selbst Buchenberger unter llmstäuden— „sollte wider Erwarten der seitherige Ticsstaud des Weltpreises für Getreide als dauernd sich erweisen"— für eine Erhöhung der Getreidezölle einiritt. Dagegen fällt auch für ihn die Bindung der Getreidczölle zusammen mit der Möglichkeit, unsere Handelsvertrags-Politik überhaupt fortzuführen:„Der Vorhalt gegen die neuen Handelsverträge, daß die laudwirlhichait- lichen Zollsätze auf lange Zeit gebunden find, richtet sich in» letzten Ende gegen jede Art von Handelsvertrags-Politik in Form des Abschluffes von Tarifverträgen, weil solche Taril'veriräge ver- stäudigerweise stets auf längere Zeit unkündbar abgeschlossen werden müssen, wen» anders der Zweck der Handelsveriragspolitik. eine gewisse Stetigkeit in den Em- und Aussuhrbeziehungen zu erzielen, erreicht werden soll. Diese grundsätzliche Bekämpfung einer E>- Neuerung der HaiidelZvertragspolitik nach Ablauf der gegenwärtige» Verträge, gleichviel welches der Inhalt der künstige» Handelsverträge sein möge, steht gegenwärtig fast im Zentrum der landwirthschast- liche» Bewegung, kann aber aus folgenden Gründen als berechtigt und nussichisvoll nicht angesehen werden: Neben der Landwirth- schuft hat sich im Laufe dieses Jahrhunderts und»ameullich in dem letzten Drille! des Jahrhunderts in kraftvoller Weise eine Groß- industrie eutwickelt, die längst aufgehört hat, nur sür den Inlands- markt zu arbeilen, vielmehr eine im große» Stil arbeilende Export- industrie geworden ist. Ungeheure Kapitalwerthe sind in diesen industriellen Unternehmungen angelegt, Millionen von Arbeitern und Angestellten finden in ihnen Unterkommen und Verdienst; die Aus- suhnverthe dieser Industrie nähern sich der vierte» Milliarde.... Deshalb ist Teutschland für den Absatz seiner Judustrieprodukte auch auf die Märkie fremder Staatswesen, europäischer und außereuropäischer, mit Dringlichkeit angeivieseu.... Ilm erfolgreichsten aber wird sich diese Poliiik im Wege des Abschlusses von Handels- und Zollvcrträgen bethätigen, durch welche der Zutritt heimischer Erzeugnisse in fremde Slaale» sür eine llieihe von Jahren, die eine von Augenblicks- Ueberraschungen befreite, sichere kaufu>ä»»ische Kalkulation zuläßt, geivähileislet wird.... Die Behauptung nationaler Macht und Größe des Deutschen Reiches wäre ohne die Erhaltung einer blühende» Grobiudustrie und eines kräftig entivickclten Großhandels dauernd nicht denkbar." Buchenberger gesteht übrigens zu, daß 1887 der neugeschaffene Fünfmark- Zoll bereits von de» Regierungen als K o m p e n s a t i o n s- Zoll betrachtet worden sei, also nicht als dauernde Einrichtung, sondern als Tauschobjekt, mit dessen lheilweiser Wiederpreisgabe man Gegenleistungen des Auslandes für unseren Jnduslrie-Export zu er- zivinge» gedachte.„Wenn dahsr deutscherseits das Ziigesläudniß der Herabsetziiiig dcs Weizen- und Roggenzolls von ö M. auf 8,59 M. gemacht worden ist, so kann man mit ausreichende» Gründen nicht behaupten, daß die deutsche Landwirthschast die Kosten dieses Bcr- träges bezahlt habe." Die Arbeiter will B. zivar durch Parzellenzuweisungen. durch besondere Lohnformen(Ertragsaulheile und ähnliche) möglichst für den landwirthschastlicheu Uulernehmer festhalien, aber er verlangt doch nirgends eine r e ch t l i ch e Schlechterstellung des länd- lichen Proletariats.„Das Recht der Freizügigkeit und der freie» Berufswahl kann den Bewohnern des flachen Landes so wenig wie anderen Siaatsangebörigen verschränkt werden; wie denn jede Orb« nung, die die ländlichen Arbeiter im Verhällniß zu den im Gewerbe Beschäftigten in Nachlheil versetzte, sich schon deshalb verbietet, weil damit dem A b st r ö m e n vom flachen Lande lediglich V o r- s ch u b geleistet würde. Mit einer Verschärfung der gcsiudepolizei- lichen Vorschriften oder gar mit strafrechtlichen Altdrohnnge» (Bestrafung des Kontrakibruches) wäre muthmaßlich am aller- Ivenigsten geholfen, würde eher die gegentheilige als die erwartete Wirkung herbeigeführt werden." Auch die agrarische Agitation gegen die Arbeiterversichcrung auf dem Lande weist er zurück, wenn er auch die Mängel der heutigen Lasleuverlheiluug anerkennt— was die Sozialdemokratie ja auch thnt.„Eine Rückgängigmachung dieser Gesetze ist— das»verde» sich alle verständige» Landwirthe selber sagen— nicht möglich, und zwar schon wegen der Folgen nicht, die eine Schlechterslelluug der ländlichen Arbeiter gegenüber den industriellen auf den ländlichen Arbeitsmarkt ausübe» müßte... Eine reine Mehrbelastung des Ausgabekontos stellen die von» 'Arbeilgeber zu zahlenden Versicherungs- Beilräge übrigens deshalb nicht dar, weil die nunmehr gegenüber den Arbeitern geübte soziale Fürsorge den Arinenanswand der Gemeinden im Sinne der Minderung, also günstig beeinflußt." Btit am besten an dem Buche find die Ausführungen über die (natürlich relative) Steueren tlastung des platten Landes während der letzten Zeit. Hier ist Buchenberger als einstiges Mitglied der Lnndivirthschaflsverwaltung und heutiger Finanzminister, der beinahe zum Reichsschatzsekretär avancirt wäre. doppelt Fachmann. I» Preußen hat der Staat auf rund L8>/e Millionen Mark jährlicher Einnahme aus dem ländlichen Grundbesitz infolge der Miquel'schen Steuerreform verzichtet,„ein Zahlenergebniß, das durch die stärkere Heranziehung der lltealsteuern sür die Zwecke der Gemcindebesteuerung nicht wesentlich ge- ändert wird". In Baden brachte die staatliche Grund- stener in» Jahre 1882 4,l Millionen Mark oder rund 39 pCl. des gesannuten Ertrags an direkten Steuern. Im Jahre 1896 dagegen war der Erlrag der Grundsteuer e i n schließlich der von den »ein landwirlhichafilichen Betrieben aufgebrachten Einkommensteuer nur noch 2.9 Millionen Mark oder rund 22 pCt. des gesaunnten Ertrages a» direkten Steilern. Aus 199 M. Einkomme» entfiel im Jahre 1894 in Baden ein Steuerbetrag: bei den rein landwirth- schaftlichen Betrieben von nur 9,68 M., dagegen bei den Gewerbe- unternebuningen und Handelsbetrieben von 1,92 M., bei allen sonstigen Steuerpflichtigen(Kapitalisten, Beamte», Trägern liberaler Berufs- arten) 1,16 M. Weiter hat in Deutschland im Lause des letzten Vierteljahrhunderls fast überall eine Entlastung des G e- >n e i n d e aufwandes durch Zuiveisnng von Staalsbeilrägen statlgefunden, für Volksschulen, Strnßenbantcn und allerlei gemein- nützige Unlernehmungen, wesentlich zum Vortheil der Landgemeiuden. In Preußen z. B. betragen die Staatsznschiisse für die Volksschulen ans dem Lande jährlich zwischen 39 und 40 Millionen Mark. So lange der Schulaufivaud grundsätzlich als kommunale Last anerkannt wird(was w i r freilich nicht thn») und so lange die städtischen Gemeinden geringere Subventionen erhallen, ist das eine wesentliche Bevorzugung des platten Landes. Entgegen dem preußischen Finanzminister meint daher der badische:„Mit der Behauptung der einseitigen Bevorzugmig siädiischer Interessen auf Koste» des flache» Landes, die für viele Bewohner des letzteren nahezu zn einem Glaubenssatz geworden ist, stehen thalsächliche Fest- stellunge» der vorerwähnten Art nicht ganz in Einklang; die Mahr- heit ist, daß ein nicht unbeträchtlicher Theil der allgemeinen Staats- einkünfte, die in steigendem Maße das n i ch t landwirthschaftliche Berusseinkommen liefert, zur besseren Befriedigung lokaler Bedürf- uisse des flachen Landes und zur theilweise» Entlastung von dem Druck lokaler Gemeindesteuer» parat gestellt wird." Wo holt Ihr das größte Brot, was so gut schmeckt? In der Brot- und Kuchen-Bäckerei vom Genossen Döbel, Britzerstr. 49. 1812b Die der Cacao- CompagnieMeichardtl®' Berlik 8..Britzerftr.1S empf. Kakao Pfd. 1.60.»,8«, S M. Hafer-Kakao Pfd. 1 M. M.Neumann. Jede Uhr rcparircn und reinigen i kostet bei mir unter f Garantie d. 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Tagesordnung: 1. Wisfenschnstlichcr Vortrag des Herrn Dr- Joel: Aus der Steinzeit. 2. Diskussion. 3. Sic obligatorische Einführung der .Etfiijfelt", 4. Uiewerkschafiltches u»d VeteinSlUigelcgenhcitkü. Die Mitglieder werden aiifgefordert, für diese Vetsammlung rege zu agiliren. 130/8 Idei- 4'«>t>«land. I. Ä: Fr. Kniet. Verb« ml der Vergolder trillalfe Berlin) Montag, den 18. November, abends«'/-Uhr, in best Armiliyasten, KominandaiiteNstraste SO» Monats Versammlttttg. Tä ges o r d n II II g! I. Abrechiiung vom dritten Quartal. 2. DiSkiisswN über die gestclllcii Anträge zur Äciieraipcrsammtung. 3. Kahl der Delegirten zur General- versammliittg. 4. Vcrfchiedeiies.... 228/13 Die BcrttäncNsiNäiiner werden ersilcht, iii der Bersaiiimlitng die Matinee- Billets abzurechnen.___ Der Borstalib. Verband der Möbelpolirer. Montag, den 15- November, avends«>/. Uhr, Aiidrensstrasie»0: HSr UevsttMlulttttg."MW Tägesordnung: I.Kritik Uber SpttitisüiNs. Mtfetciit: Adllege S t r a m m. 2. Diskussioil. 3. Bericht über die Diffeienzei! bei Eber- Harb. Michaelbriidc 1 und bei Ä e ck e 1 N d ch s l-, Bessclstr. 14. 4. Bei- schiedencs. Atihängcr des Spiritisiiins und W. Mehek, Mchlcr, Jrling, M I e t h e. Schmidt, S ch t a ck e t t, Goltz niib W a g e ü e r. welche in obigen Firme» jetzt Polieratbeit ucviichteli, sind hierin il eingeladen, Die Bibliathek ist vor der Bersailtmlitiig geöffnet.— Mitglieder, welche dem Verband Büchel überweisen wollen, weiden gebeten, dieselbeit mit- zubringen._ 154/14_ Der Borstand. t/rinafl IcihiinOaS HchlJiei'jel. Xtthnnlcheit 1 ft., Ploibb. 1,50 M. nUnoUi tfllinc ll»!, Theilr. Eahnitnot'B'nir. Leistzigerst. 22. 8!pr.9-0U. Deutsch. Metallarbeiter-Verband (VcrlVnltnftgsstelle Berlin). Sonntag, den 14. November, uachinittags lä'/s Uhr» Bezirks- Versammlnng fnr N i x d o r f im Lokale von GrOpIer, Bergstraste 147. T ag e s- O r d Ii n n g: 1. Vortrag des Genossen Panl Iah» Über:„Die kapitalistische Eni- Wickelung der GkZeiiivärt". 2. Dislussion. 3. VerbandSangclegcnheiten und Verschiedenes. SoNsttaz,>r« 14. November, vormillags 40 Uhr: Attszerordetttliche Bezirks-Versttttimlttn.q sör Vlßsrlotteab et»z- ntiii �parnlau im Lokale des Lerin l,eIid«r,.Bi»mardstraste 74. T ä g e s- Ö r h ti Ii ti g i 1. Varttag. 2. Kohl eines Bezircksleikers. Z. VefbänSSäiigckcgeitheiten und Äersdjiedenes. Pflicht aller Kollegen ist es, in diesen VelsamNiluiigen zu erscheinen. ZI o a t a ff, dea 16. Movenlber, abend» S1/, riit*. in den „chiltlln Ballen", Komiiiaii(lantea9trii»»e 20: KMklnirteVertriHensRinier-iinferenz. NOk- Zu dieser iegitimirt übersandte Einladungskarte. Diensiaff, den 10. Alovenibcf. abend» S'/j llbr: Bczirks-Versammlttitg fiir den O st e» in Igteelierl's 8al»ii, Andreasstraste 21. T n g e S o r d ii n Ii g: 1. Vorirag des Koklegen Biil�vakselt über:„Die Nothwendigkcit einer vcnlttilstgeinästei! Slrbkitetschntz-Tcsetzgcbnng,- 2. Dislnssioll, 3. Äer- LändS-Ängelegenheiien und Verschiedenes, Dienstag, den IG. November 1897, abends S'/a Uyr: Braiielieii-Vcraaimiilimg(iderin Öcr M Clilrurtflscbeii Braiielie bischäftigtett VeinfsAeUossett 4»l R,vleale loa Briindel, Branaea»tra»«e 188. Dages-Ördnuiig: 1. Vortrag des Herrn Br. Wey!:„Arbeiterschutz und Ardeitertrutz." 2. DiskNsfloN. 3, VerbiMdS-Angetegenhetten und Velschirdenes. floftlttagi den SR. Xorcatber. Tornilttng« O'/i Uhr: Ordentliche General-Versammlung Im �FeeH'l'ala»!", Burg, und Wolfgungstrnssea-Ecke. Tages-Ördtiung: 1. Kassenbericht und Bericht der Nedisoren, 2. Anträge der Orts- verwaltung. 3. ErgnnzUngswahleN zu der Ortsvttwaltuna, 4. An die öttsverwaltung gelangte Anträge.— Mitaliedsbitch Iegitimirt l ÄiU- Die Bersainnilnng wird pünktlich crosfnc». Um zähtreiches und pünktliches Erscheinen in allen diesen Versamm- limgen ersucht Die Ol't»yerwal(uu£, Aehtmig! Die Bibliothek vcstndet sich im Rrftaiirnnt von R0r»oliel, Jüdenstvasir 33» und ist vom Dienstag, den 10. November ab jeden Abend von 7>/z vis 9 Uhr gepssiict. Sonntags geschlossen. 192/7 Die Oetsverwaltung. Osielld-Theater. Gr- Fraiiksnrlerstt.>32. Dir. H. W-Is! lascre ReB'li«po»t. Volkssttick mit Gesang v. R Knetsel. Musik von C. Schüler Anfang 8 Ulir Sonntag Nachm. 3 Uhr: Halbe Preise: Die Gcisterglocke. Meiids 7>/2 Uhr: Klippen der Weltstadt." Im Tiinnel von 1 Uhr ab: GrvsteS -7-. Frei- Jon jej t Veen-Palast «L Bnrgatr. SO,., Dir.: Wlnlcler A l'rübel.| Neu! Di- Heu( Dallet'Rniten. Haupttollen Rick) Winklet und Wilyelm y r v b e l. Dazu das neue sensationelle Navrmbcr-Programni a. Wotpert TriS— Gresicns Adolphi u Ernesto— Nlesries — Fttd HansoU— Ballet Bar- variiin und die hier so bclievteii lebenden Photographie»., tzliifniig?i/z Uhr. Sonntags tUlhr.l Entrec 30 Pf. bis 1,50 M. W. Noacks Theater II r 11 11 11 e n■ 8 t r a»• e 10. Heute mgen Privaifeftlichkeit keine Pörsiellnnis. "ZZ'1' Sanssouci Nottbnser Straste Nr. 4 a. Dir.«. Pjcrrn. Arltfltscher Leiter Jos. Aschliigrr. Neu! Die Bettcheiifee. Neu! Volkssttick niit Gesang vo» W. 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Abth.: Theodor Kleemanu. IV. Abtb.: Johannes Rönsch. Mitglieder! So wie bereits vor 2 Jahren die Dreizehner-Kommission auf die gewerkschaftliche Organisation der Delegirtcn großen Werth gelegt hat, so hat sie es bei dieser Wahl ebenfalls gethan. Selbstverständlich ver- langt sie auch, daß die Betreffenden auch auf dem Boden der freien Arztwahl stehen, denn zur Wiedereinführung und Erhaltung der freien Arztwahl ist bekanntlich die Dreizehner-Kommission gewählt. Deshalb, organisirte Arbeiter, seid am Sonntag früh alle auf dem Posten. Keiner darf fehlen k SV Niemand vergesse, sich heute Abend sein Ouittungsbuch geben zu lasten."MsA Die D r e i z e h„ e r- K o in m i s s i o u. 1798b W. Kunath. Berliner Ressource. Kommandantenstr. 57. Fernspr. Amt IV 9675. Sonntag, 28. Novemberl sind f-ei gew-rden und s° Sonntag, 3. Dezember j fort z» vergeben. i!iälv für 50— loOO Personen. 2'=§ ■ Bitte Annonce einsenden:- _ Weltbekannt_ durch unübertroffene Güte und Billigkeit sind die Fabrikate der StaiilÄsareolavl'ik C. W. Gries, Solingen. Die Firma versendet an die Leser des„Vorwärts" franco||||;|) f 0 tt B ein feines Rasirmesser wie Zeichnung, mit schwarzem Heft, von feinstein Silberstahl geschmiedet, fertig zum Gebrauch abgezogen. Nr. 33. Extra fein hohlgcschlisfe» p. St. n. 1.70, n fr tr tr 1.50. Feinstes Etui mit Golddruck verziert ZI. 0.80. NichtgewünschteS bitte durchzustreichen. (x> i.S5S S tÄ Frankv-Einscndung des Betrages oder Retonrsendung innerhalb 10 Tagen. Wohnort n. Poststation(leserlich): Name u. Stand(recht deutlich): Erste und älteste Fabrik am Plaste, die direkt an Private versendet. Neueste graste Preisliste mit Zeichnungen von snmmtlichen Stahlwaarcn und Haushaltungs- Artikeln wird unifonst und franko versandt. 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Bekanntmachung der Beschlüsse des Vorstandes. 3. Wahl von 6 Vorstandsmitgliedern (4 Kastenmitglieder, 2 Arbeitgeber). 4. Wahl des Ansschiisses zur Prüfling der Jahresrechnung, ö. Tie Aus- lösung der„Handlinigsgehilfcn- Kasse und Lehrlinge" und die Uebernahme der auf uns entfallende» Mitglieder. 6. Verschiedenes. s179Zb I. St.: M. Gest, I. Vorsihender, Charlottenbnrg, Kaiser Friedrichstr. 53. Orts-Krankenkasse der Strun»pftvirker. Montag, den 22. November 1897, abends 8V2 Uhr. in Feind's Salon. Weinstr. 11: Ordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Wahl von 0 Vorstandsmitgliedern der Arbeitnchmervertrcter. 2. Wahl des Rechiiungs-Prüfungs- Ausschusses ftir 1897. 3. Festsetzung des Gehalts und der Kaution des zu wählenden Rendanten. 4. SLahl des Nendanten. S. Beschlußfassung über den Aerzte- vertrag für 1898. 6. Verschiedenes. 263/12 Die Vertreter werden nach dem II. Nachtrag zu Z 49 hierzu eingeladen. Der Borstand. Orts-Kraukenkafle d. Handschuhmacher u. verwandt. Gewerbe Berlins. Ordentliche General-Versammlung Sonntag, 21. Nov.. vorm. 10 Uhr, bei Herrn Schiller, Rosenthalerstr.57. Tages-Ordnung: 1. Vorstandswahl und zwar I Arbeit- geber und zwei Arbeitnehmer. 2. Wahl der drei Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung sür ' 1897 aus der Mitte der Ver- - sammlung. . 3. Siellnngnahme zur Frage der Zentralisation der Berliner Orts- ' kränltnfnssen. 4. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung werden die stimmberechtigten Mitglieder der Kaste, sowie deren Herren Arbeitgeber, die auö eigenen Mitteln Beiträge Irast des Gesetzes zur Kasse leisten, hier- durch auftnerksani gemacht und ersucht, pünktlich und zahlreich zu erscheinen Berlin, 13. November 1897. Oer Vorstand. I.A.: Berthold Boll,»barsch, Vorsitzender, 1791b Fehrbellinerstraße 50, IV._ Otts-Kranlttnlmsse für d. Durlüergewerbe. Gcncrul-Vci'saniniliiiie: Montag, den 22. November, abends 9 Uhr, bei ROIlig, Rosenthalerstr. 11/12. Um 9 Uhr: Wahl von 4 Arbeit- geber» und 2 Stellvertretern zum Vorstand. 179öb Um 10 Uhr: Wahl von 8 Kasten- mitgliedeni und 4 Stellvertretern zum Vorstand. Um 11 Uhr: General-Bersainmlung. Tagesordnung: I. Verlesen des Protokolls. 2. Wahl von drei Kasten-Revisoren. 3. Ab- änderung des§ 47 des Statuts. 4. Wie stellen wir nns zur Zentrali- sation. 5. Geschäftliches. Krankenkaflenbuch legitimirt. Nur majorenne Mitglieder haben Zutritt. Ter Borstand. Flint, Vorsitz., LandsbergerAllee 146. Ang.Frltz, Schriftf., Kolbergerstr.3. Für 10 Mark liefere Stofi> zu einem ff. Herren- Winterpaletot, für 5 M. liefere Stoff zu einem kompletten Herrenanzug, für 8—10 feinen, für 12 M. guten Kainiiigarnstoff oder Cheviot. Reste zu Knabenanzügen sehr groß 2—3 M. Ma» überzettge sich Im Riesenstoffiager' Kmistllsir.1l,l.,ktillMeu. 19. Zieh»»gd.4. Klasse 197. Kgl. Preiisi. Lotterie. . Ziehung vom 12. November>807, vormittags. ' Nur die Gewinne über 210 Kart sind den bltriiseudni Nummern in Parenthese beigesügl. (Ohne Gewahr) 210 62 11500) 347 39«8 407 11500) 690 793 828 53 13000) 1084 271 348 77 98(3000) 475 77 535 39 52 72 685 840 76 83 909!i011 78 95 21« 43 324 95 810 975 »385.432 92 552 83 773 844 94 4035 124 38 70 428 42 950 77 13000) S007 272 379 80 497 711 819 921 32 «039 179 295 393 426 594 11500) 636 62 853 928 70«3 188 224 60 379 474 735 97 833 41 907 61 K181 1300] 205 1346 98 406 72 586 613 739 810 1)008 148 208 59 66 300 1300) 494 585 631 40 702 6 93 844 IO015 233 581 657 808 75 821 30 11163 232 83 643 65 67 064 745 922 67 71 12246 325 13000) 93 543 83 601 13010 96 330 33 1500) 1642 817 19 996 14006 197 443 532 665 812 998 1 5048 87 133 57 282 627 11500) 750 840 1300) 10048 49 741 844 1 7066 197 245 545 66 11500] 678 784 851 968 72 1816172 11500] 77 944 10013 1300) 90 100 320 73 93 728 944 ' 20096 112 49 209 430 13000] 70 585 21176 221 86 96 353 59 69 76 446 62 885 20220 22 336 69 437 563 666 784 818 35 51 980 23185 218 375 94 427 629 43 705 55.68 922 60 24061 252 300 587 651 753 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781»»5018(5001 107 77 268 363 494 519(300) 39 13000) 615 Im Gewiniirade verblieben:» Gewinn zu 50000 Mk., l zu 15 ovo Mk., 4 zu Ivo«, Mk., 5 zu 5000 Mk., 64 zu 3000 HU., SS zu 1500 Mk.. 93 zu 500 Mk.' 19. Zithililg d. 4. Klasse 197. Kgl. Preilh. Lotterie. Ziehung vom 12. November 1837, nachmittags. Kur die Gewinne über 21,, Marl sind den betressendeo Kummer» in Parenthese beigefügt. (Ohne Gewähr.) 4 275 556(500) 668 724 915 94 1082 209 26(500) 330 480 580 788 928»144 279 338 96 439 625 773 903 (300) 38 55»216 345 82 457 641 59 33 753(300) 68 835 49 4027 134 333 46 608 12 747 84 891 5077 86 100 97[300] 218 65 377 636 38 49 61 732 34 802 938«008 595(3000) 604 41 89 791 830 904 98 7110 22 68 273 327 464 902 53 8149 621 727 0183 249 93 436 812 10016 23 35 169 443 524 912 84 11118 67 207 87 72 310 466(500) 521 29 654 80 879 929 1»029 135 49 586 610 858 929 51 I»151 627 81 900 21 14214 317 761 70 897 1 6189 231 309 77(15001 421 41 668 797 892 901 100-24 484 85 994(300) 17033 138 65 207 467 71 540 602 819 89 18010 163(500) 65 580 89 785 854(300) 55 1 0006 153 214 55 302 463 64 93 665 835(500) «0128 285 426 680 86 90 762 81117 82 571 956 »»065 78 248 75 305 27 42(1500) 522 624 893 933»»119 219 62 99 305 77 82 524 605 19«4025 86 92 113 35 295 321 410 588(300) 638 724 96 824(300) 55 56 921 *5052 206 339 517 72 667 99 745 96 884 96»«070 150 225 466 92 510 14 65 70(3000) 879 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