Nr., �44. Jahrgang j IfazWCiQZ ZUM UOtlUStfe| 15. September 1927 fugend im /lrbeitsjoch» Sicherlich, wer mit kritischen Augen durch diese Aus- ftellunq„Das junge Deutschland" geht, findet genug der Gegensätze. Wo das„Strenge mit dem Zarten", wo, des Zweckes halber, Arbeiterjugend und— Luisen-Orden sich in einer Ausstellung zusammenfinden, da gibt es kein einheit» liches Bild. Und trotzdem sind hier Wahrheiten und Dinge verkündet, die laut genug von der Not, von der wirtlichen Not unserer arbeitenden Jugend reden. Aber das sind Statistiken und Tabellen, und wenn diese Tabellen auch farbig aufgemacht sind, die Mehrzahl der Besucher(und Besucherinnen) bewundert doch lieber die saube- ren, in Kursen oder Freizeit ge- fertigten Maschinenmodelle, oder die nach ältestem„Kränzchen"- geist muffelnden Handarbeiten, als daß sie sich aar zu lange bei den„trockenen Zahlen" aufhält. Aber diese trockenen Zahlen um- spannen eine so große Fülle von Jugendnot, daß doch noch einmal davon die Rede sein soll. Von den Jugendlichen arbei- tet rund ein Drittel län- ger als acht Stunden täglich! Und 8 Proz. arbeiten sogar zehn Stunden und dar- über... Wohlgemerkt, das ist die sogenannte„reine Ar- beitszeit". Eine andere Statistik, in der, wie es ja eigentlich richtig ist, Berufsschule, Aufräumungs- arbeiten, Ueberstunden mit der Arbeitszeit zusammengezogen sind, ergab in den Großstädten sogar eine Durchschnitts- a r b e i t s z e i t von zehn Stun- den 35 Minuten.— Das sind nur die Statistiken über die Arbeits- �eit. Und man bedenke: Nicht nur Siebzehn- und Achtzehn- jährige sind es, hierin sind alle enthalten, die Kleinen, die„Steppkes", die„Stifte"— sie, die gestern noch die Schulbank drückten und die, von heute auf morgen, nun zu den„Großen" gezählt werden. Das sind die Kindertragödien der Armut, und kaum einer von all denen, die über die gestellten„Kindertragödien" im Film Tränen der Rührung vergießen, hat einen Blick für sie: Für den Lehrling im Kolonialwarengeschäft, den Dreikäsehoch mit den roten Händen, der so krampfhaft höflich im Laden auf dem Sprunge steht und der auf dem Liefergang so sehnsüchtig-sachverständig den„Fußballern" zuguckt oder für die drei Freunde, die sich in jeder Essenspause im nahen Park zusammenfinden, um die großartigsten Pläne für den Sonntag zu schmieden. Aber jeder siebenfe Jugendliche fast hat Sonntags- arbeit zu leisten, und was bleibt ihm dann, besonders, wenn er in der Großstadt wohnt, noch an Zeit für den Natur- genuß übrig! Ja, so ist es: Wieviele von den Jungen und Mädeln, denen die Schule als enger, lästiger Pferch erschien, begreifen erst in ihrer„Lehrzeit", daß die Sckule ein Garten, ein Garten Eden war gegen das, was da draußen auf sie wartete. Haben unsere Schulkinder alle noch reichlich Ferien, so hat fast ein Viertel(23 Proz.) aller Jugendlichen keinen, garteinenUrlaub mehr! Keinen Urlaub mehr, nicht einen Tag! Und wenn der Vierzehnjährige seinen „kleinen Bruder" in die Ferienkolonie reisen sieht, in die gleiche Kolonie vielleicht, deren Gast er selber vor zwei Jahren noch für vier warme, glückliche Sommerwachen war: Wer wollte es ihm verübeln, wenn er mageren Trost darin sucht» für ihn, als dem„Großen" gälten jetzt andere Vergnügungen, Vergnügungen, die weniger Zeit kosten... Denn: Irgendwie will die Jugend abenteuern und entdecken, und ist ihr die grüne Ferne mit kapitalistischen Bret- tern vernagelt, dann sucht sie— wie oft— das Abenteuer hinter der roten Laterne. Ach, es ist schade, daß anscheinend die be- sagten„Belange" diese eine Statistik in einen engen, kleinen Nebenraum verbannt haben. Es kamen auf IVVO männliche geschlechtskranke Personen im Alter von vor dem Kriege oder I92t 18 Jahren... 21 68 17.... 11 26 16.... 3» 15.... 1 8 Die Statistik der geschlechtskran- ken weiblichen Jugendlichen sieht ähnlich aus. Und im Neben- räum hängt die Statistik über den anderen Würger, über die Tuberkulose. Gewiß ist die Tuberkulosesterblichkeit im gan- zen zurückgegangen, aber noch steht über l-h{M'A Proz.) aller derer, die den„weihen Tod" sterben, imAltervon löbis 20 Jahren! Diese Zahl muß mit den Zahlen über die Arbeits- zeit und den fehlenden Urlaub zullimmengehalten werden. Denn sicher ist der schroffe Uebergan� von der Ferienseligkeit des Schulkindes zu dem arbeitsüberbllrdeten Leben des jungen Arbeiters schuld an einer Anzahl dieser Todesfälle. Die Jugend fordert danim für den jugendlichen Arbeiter von 14— 16 Jahren drei Wochen, den 16— 18jührigen zwei Wochen Urlaub. Die Herren der Industrie aber wollen dem Lehrling im ersten Jahr 12, im zweiten' S, im dritten 6 und im vierten 3 Tage Urlaub zubilligen! Das erinnert an die Geschichte, in der man dem armen Hund den Schwanz stück- weise abschnitt, um ihm nicht so wehe zu tun... Und noch eine andere Statistik unterstützt die Forderung der Jugend. Groß schreien es die schwarzen Buchstaben von der Wand: Zeder fünfte Zugendliche hat kein eigenes Vettt Zeder sechzehnte schläft mit Fremden in einem Zimmer, jeder zweihundertste schläft mit Fremden in einem Bett! Aber diese Statistik ist— zu rosig. Denn es sind hier ja nicht lediglich die Verhältnisse des Proletariats zugrunde gelegt. Und ein anderes: Wer weiß, wie diese Wohnungen, wie diese„Betten" aussehen?! Da schläft z. B. ein kleines Mädel in einem Bett mit der Mutter, und die Mutter leidet an einer Schuppenfle>Kte, mk der Arme und Oberschenkel fast völlig bedeckt sind. Oder de, ist das Bild einer Heim- a r b e i t e r f a m i l i e auf der Ausstellung: Die Mutter liegt trank im Bett, zwei Schulentlassene und ein Schulkind ziehen Bürsten ein. Das Bild stammt aus einer Broschüre des Holz- arbeiterverbandes, aber die Unterschrift ist vergessen:„W o s hier zu sehen ist. ist die vollständige Woh- �nungseinrichtung der Familie!" Ein Bett für vier .Personen.... Jeder achte Jugendliche lebt in übervölkerter Woh» n u n g: und wie auch hier die Statistik das Bild verschoben hat, ersieht man daraus, daß jede zweite Einzimmerwohnung, aber erst jede siebente Drei- zimmerwohnung übervölkert ist! Die Dreizimmerwohnun- gen dürsten im Proletariat aber recht dünn gesät sein. Die Statistiken haben, so erschüt- ternd sie auch sind, noch eine Lücke: Sie erfassen ja nur die im„Reichsausschuh" organi- sierte Jugend. Noch eine Gruppe kommt nicht recht zum Vorschein: die der Kinder, denen vom Kapita- lismus auch noch die Zeit ge- stöhlen wird, die ihnen doch nach Fug und Recht gehören Sollte, der Kinder, die neben >er Schulzeit noch arbeiten, in Heimarbeit fronen müssen. Wieviel kleine Hände müssen hier helfen! Schuld der Eltern? Ja, aber wenn Mutter, Vater und fünf Kinder in der Heimarbeit zu- sammen 33 Mark verdienen(Schachtelmacher in Steinach)— wer will da mit den Eltern rechten, wenn sogar das noch nicht schulpflichtige Kleinchen mitarbeiten muß? Und hätte das Elend dieser Heimarbeiterkinder, die, achtjährig, neben der Schule noch 8— 9 Stunden täglich arbeiten müssen, nicht eher einen Platz auf der Ausstellung„Das junge Deutschland" verdient, wie die Geschmacksgreuel der Jungmädchenklubs? Wer einmal stundenlang neben der rastelnden Näh- Maschine saß, Mützenfutter auseinanderschnitt oder Nähfäden verfestigte, der weiß, wie lang diesen Kindern der Tag ist— und wieviel Kinderglück und Gesundheit in„billiger Konfet- tion" oder in den Spielwaren der billigen Läden zerschlissen und zerbrochen wird. Drei» jährige und Vierjährige helfen» eine Achtjährige muh noch einen umgestülpten Topf auf die Bank setzen, um den Tisch zu erreichen, und der fünfjährige Enkel gibt dem 80jährigen Urgroßvater das Material zu.., Was wird sein Schicksal sein? Wird er einer unter denen sein, die die Sterblichkeitsziffer des Td (Tuberkulose) weiter auf der achtunggebietenden Höhe halten — sitzt nach 75 Jahren er an des Urgroßvaters Platz oder sin- det er den Weg, der ihm und seinen Gefährten, die im gleichen Joche sind, allein helfen kann? Freizeit und Wohlfahrt der Jugend hängen nicht nur von unwandelbaren ökonomi- schen Gesetzen ab. Sie sind im hohen Maße von den p v l i t W schen Gesetzen abhängig. Die Politik machen aber die Erwachsenen. So kann die Jugend nicht direkt, sondern nur mittelbar durch die Erwachsenen auf die Gesetzgebung wirken, Die Befreiung der Jugend kann nicht nur das Werk der Jugend selbst sein. Die ältere Generation muh ihr dabei Helsen. Diese Hilfe aber zu leisten, auch wenn das Kind sich von den Eltern löst und als Jugendlicher selbständig wird, dazu ist niemand so sehr als die Frauen berufen. Zur Reform des Chefcheiöungsrechts. Dle Presse veröffentlicht«inen Antrag von Professor Kahl zur Reform des R«chts der Ehescheidung, der in begrüßenswerter Weise der alten Forderung entspricht, eine Scheidung zu ermöglichen auch auf Grund seelischer Momente, nicht nur aufgebaut auf den Schuldbegrifs, den das bürgerliche Gesetzbuch zugrunde legt. Kahl formuliert, daß auf Scheidung auch geklagt werden kann, wenn „eine so tiefe Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses einge- treten ist, daß eine dem Wesen der Ehe entsprechende Lebensgemein. schaft nicht mehr erwartet werden kann". Es find also wesentlich innere Vorgänge, gegenseitiges Nichtverstehen, Abneigung, vielleicht Neigung für ein« dritte Person und Aehnliches mehr, die zur Schei- dung führen sollen. Wenn dann weiter als Bedingung hinzugefügt wird:„und wenn die Ehegatten seit mindestens einem Jahr vor Erhebung der Klage getrennt gelebt haben," so muß dies wohl als ein äußeres Zeichen für die Entfremdung angesehen werden, und es gleicht sich an an die Bestimmung über„bösliche Verlassung", auf Grund deren ja auch erst«in Jahr, nachdem das Urteil aus Wiederherstellung der häuslichen Gemeinschaft ergangen ist, die Scheidung ausgesprochen werden kann. Sicher hat es in beiden Fällen, in denen schwer von außen meßbare Empfindungen bestim- mend sind, sein Gutes, wenn eine Spanne Zeit zur Selbst- Prüfung gegeben wird, wenn man Gelegenheit hat, sich noch einmal Rechenschaft zu geben über Ernst und Dauer der eigenen Empfindung, wenn nicht eine momentane Wallung oder vorüber- gehende Reizbarkeit sich sofort in dem endgültigen Schritt der Schei- dung auswirken kann. Wer jedoch im Leben die praktische Aus- Wirkung dieses vom Gesetz verlangten Zwischenjahres bei böslicher Verlassung beobachtet hat, der wird der Unbedingtheit der schließlich doch sormalen Vorschrift wenig sympathisch gegenüberstehen. Sie führt zunächst erweisbar in einer großen Zahl von Fällen dazu, daß, um dies Wartejahr zu vermeiden, nicht auf bösliche Derlassung geklagt wird, sondern auf eine Schuld hin,— Mißhandlung. Ehe- bruch—, die zu diesem Zwecke vorgetäuscht, ost auch begangen wird. Die gleichen Dinge aber würden sich vermutlich auch bei der neuen Bestimmung abspielen, wenn sie«in Zwischenjahr vor der Scheidung ersorderte. Dazu kommt, daß dies Zwischenjahr tat» sächlich oft ein« durch die innere und äußere Unsicherheit geschaffene schwer erträgliche seelische Qual bedeutet. Ei« ist auch sehr übel, wenn es sich bel einem der zu scheidenden Ehegatten darum handelt, eine neue Ehe zu schließen, deren Schließung au» den verschiedensten Gründen erwünscht sein kann. Auch die Wohnungsfrage spielt heut« eine Rolle, wenn es sich um eine ganzjährige Trennung handelt. Soll schließlich während dieses Wartejahrs des Getrenntlebens der Ehemann geschlechtlich abstinent leben? Ist es wahrscheinlich, daß dies häusig geschieht? Geschieht es aber nicht, dann liegt, da die Ehe noch besteht, Ehebruch vor, und das verschiebt wieder die ganze. Frage für die Scheidung nach der Seite der Schuld eines Teiles hin. Damit würde denn auch das Trennungsjahr wieder fortfallen und sofortige Scheidung möglich sein. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß zwar prinzipiell an der Forderung des Trennungsjahres für bösliche Verlassung.wie für unheilbare Zerrüttung ohne Schuld eines Teiles festgehalten werden kann, Befreiung aber von der Vorschrift i m E i n z e l« fall« möglich sein sollt«. Di« zweite Formulierung, die Bedenken erregen muß, ist dle, daß die Scheidung erst ausgesprochen werden kann, nachdem„dle Ehegatten durch endgültigen Vertrag ihre Unter» haltspslichten sowie die Erziehung dex unmündigen Kinder geregelt haben". Diese Bestimmung wird dann zweckmäßig er- weitert durch den Zusatz:„Auf Antrag eines Ehegatten entscheidet hierüber das Gericht nach freiem Ermessen." Diese Erweiterung ist notwendig, weil sür eine Vertragsschließung ein Uebereinkommen beider Teil« erforderlich wäre, das nicht immer herbeizuführen ist in Fällen, in denen die tiefe Zerrüttung der Ehe die Scheidung wegen nicht entsprechender Lebensgemeinschaft sehr wohl begründet. Zweck- mäßig ist allgemein sicherlich auch eine Dertragsschließung, die spätere Streitigkeiten und Auseinandersetzungen möglichst beseitigt. Aber was ist darunter verstanden, daß der Vertrag ein„endgültiger" sein soll bei Regelung der Unterhaltspflichten? Bezieht sich das nur aus eine eventuelle gegenseitige Unterhaltspflicht geschiedener Ehegatten gegen einander, die denn doch im Bürgerlichen Gesetzbuch, das die Unterhaltspflicht aufbaut auf den Schuldbegriff, eigentlich keinen Anhalt findet? Oder be- zieht sich dies„endgültig", wie nach der weiteren Formulierung des Satzes anzunehmen ist. auf die Unterhaltspflicht den gemeinsamen Kindern gegenüber? Dann würde ein«„endgültige" Regelung für die Zukunft eine Aufhebung des Z 1614 BGB. bedeuten, nach dem «in Verzicht auf den Unterhalt für die Zukunft unmöglich, nur für «ine bestimmte Frist bemessene Befreiung durch Vorauszahlung zu- lässig ist. Die Aufrechterhaltung des§ 1614 würde bei der geplanten Ehescheidungsreform«inen Schutz für die Kinder bedeuten in den Fällen, in denen sich bei der Scheidung vertraglich oder nach Entscheidung des Gerichts nur e i n Elternteil zur Uebernahm« des Unterhalts verpflichtet hat, wenn nachträglich dieser Elternteil leistungsunfähig wird, der andere durch den Vertrag oder die ge- richtliche Entscheidung Entlastet« jedoch in der Lage ist, den Unter- halt zu gewähren. Für solche Fälle dürfte die Bestimmung des § 1614 nicht durch einen„endgültigen" Vertrag respektive Gerichts- «Utscheid aufgehoben werden. Das würde mit anderen Worten heißen:„Der geschlossene Bertrag kann eben nicht endgültig sein." Im praktischen Leben könnte sich sonst beispielsweise folgender Fall ereignen: Eine Frau übernimmt bei der Scheidung vertraglich allein die Unterhaltspflicht für die gemeinsamen mehreren Kinder. Sie ist vermögend, sl« verliert das Vermögen, erkrankt und wird erwerbsunfähig, kann also den Unterhalt der Kinder nicht mehr bestreiten. Der gut fituierte Vater der Kinder könnt« es, ist aber nicht mehr dazu verpflichtet und freiwillig nicht bereit. Nun muß s«in weit weniger gut situierter Vater, der Großvater der Kinder eintreten, der ja als Verwandter in gerader Linie unter- haltspflichtig ist und durch den vertrag, der die Unterhaltspflicht der Ehegatten regeln' soll, nicht entlastet werden kann. Man sieht, es fann zu Absurditäten des Lebens kommen, die doch zu vermeiden sind. Zu erwägen wäre, ob man nicht bei einer solchen Ehescheidung. die nicht auf dem Schuldprinzip, sondern aus dem reinen Zerrüttungs- prinzip beruht, einen Unterschied machen sollte zwischen linder- losen Eheleuten und solchen mit gemeinsamen Kindern. Im ersten Fall« könnte man die Scheidungssormalitäten und-be- dingungen erleichtern, manches vereinfachen, im anderen Fall« größer« Garantien fordern, breitere Möglichkeiten im In- teresie der Kinder schaffen. chenni Lehmann. Wozu die Proletenvilla N Einfamilienhaus oder Etagenwohnung? Haushalisrationalisierung ist etwas Notwendiges und Wohn- tultur etwas Schönes, aber damit ist noch nicht gesagt, daß alles, was im Zeichen dieser Schlagworte heute von wohlmeinenden Archi. tekten gleich serienweise hingelegt wird, nun auch wirklich diesen Idealen Forderungen entspricht. Wir Hausfrauen in den mit Nor- mierung, Typisierung und Rationalisierung dreimal begnadeten Neubausiedlungen wissen ein Lied davon zu singen? Eigene schmerz- liche Ersahrungen geben Anlaß, den vieljach etwas überschweng- lichen Lobpreisungen moderner Architektenweisheit in dem Leitauf- sag der vorigen Nummer der„Frauenstimme" entgegenzutreten. In der Not frißt der Teufel Fliegen und der umhergetriebene Wohnungsucher— da s Einfamilienhaus. Wenn der Protest gegen die Sinnlosigkeit dieser Bauweise— drei Treppen innerhalb der Dreizimmerwohnung— bisher noch nicht zum Orkan angeschwollen ist und in dieser Manier immer noch lustig weiter- gewurstelt wird, so liegt es wohl hauptsächlich an der Dumpfheit und Urteilslosigkeit der meisten Hausfrauen, denen ein Gott weder Zeit noch Fähigkeit gab, zu sagen, was sie leiden. Bei der ersten Besichtigung läßt sich die Sache sogar recht nett an: man ist stolz auf die Villa im Kleinen, man fühlt sich angenehm umfächelt von einem leisen Hauch Hochherrschastlichkeit. Teuer erkaufte Illusion! Sollen das Schlaf- und das. Kinderzimmer mit den Betten der Kinder nach oben? Ja, aber die Kinder sind noch klein, sie sollen und wollen ungehinderten Zugang zu ihrem kleinen Reich von draußen her haben— und immer ist da die gefährliche Treppe! Beim Baby im Kinderwagen ist es schon ganz unmöglich. Sollen die Kinder unten und die Eltern oben schlafen? Dann sind sie die Nacht über so gut wie allein, und die Mutter hört nicht, wenn eins weint oder erkrankt ist. Oder sollen die Kinder in der Kammer zu ebener Erde und die Eltern in dem einzigen unteren Zimmer schlafen? Dann müßte man jeden flüchtigen Besuch die Treppe hinausnötigen und sämtlich« Mahlzeiten in die Küche verlegen. Wie man sich auch dreht und wendet— die Dispositionsfähigkeit in der unglücklichen Treppenwohnung ist und bleibt begrenzt. Bei dem Einzug ergeben sich weiter« freudige Ueberraschungen! Das einzige größer« Zimmer liegt im ersten Stock und soll Bücher- schrank und Klavier ausnehmen. Aber o Schreck! Das Treppen- geländer läßt deine größeren Möbelstücke durch und muß, mehr ubel als wohl, abgesagt und hinterher durch Klammern wieder zu- sammengesügt werden. Jetzt bekommt auch die Freud« des Haus- Herrn über sein Mictpalais einen argen Stoß! Für die Hausstau fängt nun das tägliche Martyrium erst an. Nicht allein, daß sie täg- lich oder doch fast täglich drei ganz unproduktive Treppen innerhalb der Wohnung nebst zusätzlichen Fenstern reinigen muß, muh sie die Reinigunasgeräte jeden Tag treppauf treppab schleppen, darunter vielleicht sogar den schweren Staubsauger, denn sie ist doch eine mo- derne, rationalisierungsbestrebte Hausfrau! Es tut ihr nur leid, daß ihr Portemonnaie nicht dazu reicht, den durch die Bauweise beding- ten Rationalisierungshöhepunkt zu erklimmen: für jede Etage einen Staubsauger! An die drei Dutzend mal am Tage jagt sie die Treppe hinauf und hinunter in unfreiwilliger Mensendieckerei, und doch will es nicht gelingen, all« Gegenstände, die nach oben gehören und unten gebraucht worden sind und umgekehrt, an Ort und Stelle zu bringen. Erfahrungsgemäß bilden sich dann am unteren und oberen Treppenende ganze„Ordnungshäuschen" solcher Transportgüter, die sie dann bei Gelegenheit mitnimmt. Man sieht, das Einfamilien- haus fordert„denkende Hausfrauen", aber ist dieses ewige Nach- denken:„Habe ich auch nichts vergessen?" nicht im höchsten Grad« unproduktiv und zermürbend? Und dazu kommen dann die Angst- stäume junger Mütter, die immer wieder ihr krabbelndes oder wackelndes Kleines die schmale Stiege, die sich in der Windung nach innen zur Hühnerleiter verengt, hinunterstürzen sehen. Ewige Angst und Besorgnis den ganzen Tag über ist die Folge und auch nur allzu angebracht! Geradezu katastrophal aber wird die Sache bei Erkrankung eines Familienmitgliedes, dessen Bett im Obergs- schoß steht. Warme Umschläge und Essen bringen, die ganze Krankenpflege spielt sich treppauf treppab ab, und trotzdem ist der Kranke dauernd allein. Hinzu kommt noch, daß die Treppen so schmal sind, daß man ein vernünftiges Tablett nur sehr schwer hinaufstansportieren kann. Unendlich viel ließe sich gegen das Einfamilienhaus sagen-» aber was spricht eigentlich dafür? Nur das ganz und cwr bllr- gerliche und unfozialifiische Ideal der Isolierung, des„Für-sich. allein-sein-Wollens", das im Grunde doch nicht«rsüllt wird. In dem erwähnten Aufsatz wird kühn behauptet, der Architekt sei„voller Verständnis vor allem für die Tatsache, daß das Haus die Arbeits- stätte ist" und er„schon bei der Anlage des Hauses darauf Rück» ficht nehmen muß, wenn nicht ein gedankenloser Raubbau an der Frauenkrast getrieben werden soll". Uns scheint, daß ein solcher Raubbau„schon in der Anlage" des Einsamilienhauses vollauf ge- geben ist, der sich in Zeiten der Schwangerschaft und Krankheit der Frau ins Qualvolle steigert und demgegenüber es ziemlich gleich- gültig ist, wie ein Küchenstuhl geformt und wo die Wasserleitung in der Küche angebracht ist. Der Ausdruck„das Ideal des Einfamilienhauses für die Ar- beiterfamilie" ist«in Widerspruch in sich, weil eine Hausform, die auf Individualismus, Wohlhabenheit, Unterstützung durch häusliche Hllfskräfte und mechanische Erleichterungen wie Speisenauszug und dergleichen beruht, gar nicht das Ideal für die Arbeiterfamilie sein kann. Unser Ziel, die kollektive Bauweise, liegt noch in unerreich- barer Ferne, aber wir haben weder als Haussrauen, noch als So- zialisten Veranlassung,«ine Bauweise zu pflegen, die aus Kosten der Frauenkraft einen ganz überlebten und unzeitgemäßen Individualismus künstlich konserviert. Hedwig Schwarz. Cin Waschtag im neuen Wien. Von allen Arbeitstagen einer Hausfrau ist der Waschtag der schwerste. Es wird deshalb viele unserer Leserinnen interessieren, in welcher Form sich solch ein Waschtag in den modernen Häusern abspielt, welche unsere Wiener Genossen erbaut haben. Im Erdgeschoß eines der den Gartenhof umgeben&en Gebäudes befindet sich eine riesengroße Halle, in welcher modernste Wäscherei- Maschinen in solcher Anzahl aufgestellt sind, daß 44 Frauen am Vor- mittag und ebenso viele am Nachmittag die Wäsche ihres Haushalts waschen können. Für jede Frau ist zunächst«in Vor wasch- bottich niit fließendem talien und warmen Wasser vorhanden. Morgens um ü Uhr kommen aus dem Baublock, welcher insgesamt 1200 Wohnungen umfaßt, 44 Frauen durch dos groß« zweislügige Tor, um ihren wtand vor diesem Vorwajchbottich einzunehmen. Die Wäsche kommt von dort in elektrisch beiriebene Waschmaschinen und wird unter Zusatz von Persil oder dergleichen gewaschen. Ein- zelne Stücke werden daraus nochmals mit der Hand nachgcwajchen und kommen nun in die Zentrifuge, welche bei etwa 3000 Umdrehungen in der Minute 80 Proz. des Wassers aus der Wäsche ent- sernt. Hiernach tritt die D a m p s m a n g e l in Tätigkeit und endlich kommt die Wäsche zum Trocknen in die K u l i s s« n t r o ck e n- a p p a r a t e, von denen sür jede Hausfrau ein« Kabine vorhanden ist. Bereits nach 20 Minuten kann die Wäsche herausgenommen und nuninehr die glatten Stücke auf einer elektrischen Rolle schrankfertig gerollt werden. Mittlerweile ist es 11,20 Uhr geworden und die Frauen verlassen ihre Arbeitsplätze, um das Mittagessen zu kochen und haben nun am Nachmittag weiter nichts zu tun, als in den Plättkammern im oberen Stockwerk, in welchem die entsprechende Anzahl Plättbretter mit Glasplätten aufgestellt sind, jene Stücke schrankfertig zu plätten, welche unter der Rolle nicht behandelt werden können. Die Haus- srou benötigt also im großen ganzen ohne dieses letzte Plältgeschäft für ihre große Wäsche von vier Woche» sür etwa vier bis fünf Personen einen Zeitraum von 3i4 Stunden, während sie sonst sür dieselbe große Wäsche ganze Tage verwenden mußte. Dos Interessantefte bei dieser Wäscherei ist weiterhin, daß für die Benutzung der Waschanstalt kein besonderer Betrag zu zahlen ist, sondern daß dies« Benutzung i n d« r M i e t e in i t e i n be g r i f f e n ist, die für eine Wohnung von ein» 6Z Quadratmeter Wohnfläche 13 Schilling im Monat beträgt.(Eine solche Wohnung kostet in Berlin etwa 4ö bis SS M. im Monat.) Für die Reinigung der Waschküche durch de» hierfür angestellten Berwaltcr ist ein Betrag von von 5 Groschen oder nach deutschem Geld 3 Pfennige zu zahlen. Man kann sich denken, daß die 1)nusfrauen, welche das Glück haben, in einem dieser neugeschasfenen Blocks zu wohnen, den Wasch- tag nicht mehr nur als eine Last empfinden, sondern eine gewisse Freude daran haben. Die Anlage solcher zentralen Wäscherei lohnt sich allerdings nur dann, wenn in einem Wohnblock mindestens 600 bis 800 Wohnungen vereinigt sind. Sie sind sonst unrentabel und im Betriede zu teuer. An schonen Tagen haben die Hausfrauen die Möglichkeit, ihre kleine» Kinder vor ihren Augen im Garten spielen zu lassen. Außerdem ist in diesem Block ein großer städtischer Kindergarten unter Leitung einer städtischen Angestellten vorhanden. welcher den Frauen zu sehr günstigen Bedingungen zur Verfügung gestellt soird. Sonntag im herbst. Herbstsonntag heut'! ich bin daheim geblieben und sitze ruhig in des Gartens Schweigen. Blutdüster sich die letzten Rosen neigen— Verglüht ist goldne Freude, heißes Lieben— Der Eibe schwärzlichgrüne Hecken ziehen sich wohlgeschnitten um des Gartens Trauer. Ich fühle ernst, es ist kein Glanz von Dauer. Am trüben Himmel dunkle Wolken fliehen— Wo ist der Sonne warme Wunderscheibe? — Mattrote Astern dort im Herbstwind schwanken— Mein Glaube aber weiß sich fest zu ranken I — Zinnoberschöne Glöckchen trägt die Eibe.— Die freie Spitze jener blauen Tanne hat eine Amsel wieg,end sich erkoren. — Sinn hat das Leben, ewigtiefverloren--- Schwermut und Freude— Alles ist nur Spanne-- Eugen Lehmann. Schafferin am Wert! Wir in der Vorstadt haben noch«in ganz klein wenig von der „Eirge" laubenumgrenzter Einzelgemeinden auch im Rahmen der großen Stadt beibehalten. Wir kennen noch unser„Muttchen", das da von früh bis abends spät, Tag Um Tag, auf den Beinen war, des Vormittags in der Schule die Speisung den Unterernährten ver- abreichte, im Kindergarten und in der Säuglingsfürsorge, für Jugendamt und Wohlfahrt bei tausend kleinen Handreichungen be- hilflich liwr, des Abends im Jugendheim nach dem Rechten sah und kaum eine der vielen Versammlungen und Sitzungen der Partei mied— obwohl rechtschaffen« Müdigkeit und ein kranker Körper ihr schwer zu schaffen machten. Und dazu hatte sie ihre Sechzig auf dem Buckel, im Hause waren mißliche Verhc.ltnisse, der Mann lag monatelang schwer krank, so daß ihm schließlich ein Bein amputiert werden mußte. Aber nie drang eine Klage über ihre Lippen— sie schaffte geduldig und unablässig weiter, opferte selbst noch von Bescheidenem, Kärglichem ohne Aufhebens in aller Stille. Mitten in der Arbeit traf sie ein Schlagansall. Bis zum Letzten hatte sie sich gegen alle Vorzeichen in unablässigem Mühen ge- wehrt— bis es geschehen war und die Krankheit sie unerbittlich an das Lager fesselte. Monate währte auferzwungene Muße und inimer waren ihre Gedanken draußen bei der Arbeit, die sie so jäh hatte unterbrechen müssen. Glücklich war sie über jeden Besuch— konnte sie von ihm doch erfahren, wie es„draußen" stand. Aus allem aber sprach fiebernde Ungeduld, bald wieder schassen zu dürfen. Der Zwang zur Ruhe traf sie schwerer als all das körperliche Miß- geschick! Und als allmählich das Blut wieder den ganzen Körper durchpulste, arbeitete sie— soweit es vom Krankenlager aus schon möglich war— bereits wieder mit. Wie aber erst leuchteten ihre Augen— und freudedurchglüht war ihre Stimme— als sie mir kürzlich berichtete, der Arzt habe ihr bei einiger Schonung erlaubt, auch draußen wieder mittun zu dürfen... Ich kann mich kauin großer Worte dieser einfachen, alten, kranken und an irdische» Gütern armen Frau erinnern! und ihr ganzes Schaffen war ebenso schlicht, aber so unablässig in aller täglichen Aufopferung für die Kinder, die Jugend, die Alten, die Armen, die Partei— das„große" Wort« und Geften dies alles nicht aufzuwiegen vermögen. Was kümmert diese Frau die gnße Welt! sie findet nur Ruhe und Befreiung in harter Pflichterfüllung für andere. Schwache und Hilfsbedürftige. Dies« Nainenlose aber ist rine Schafferin an rrnferem Werk! Nie rastende Stadtmenschen werden verächtlich blutleere Lippen verziehen:„Was ist da Großes dran! Alltag!!" und zur neuesten Sensationsmeldung greifen, Schlagwortzeilen gierend in ein wir- Heindes Hirn zerren. Die armen Menschlein haben keine Zeit... kaum für sich— viel weniger noch für andere. Nur„Großes" kann sie fesseln und Menschen schauen seelenlos drein ob all der Worte um eine so einfache Frau, die weder Titel noch Namen hat, die weder schriftgewandt»och eine begabte Sprecherin ist. Wir aber— die sie kennen— sind stolz aus sie— und zuweilen auch immer von neuem beschämt ob der allgewaltigen Kraft einer tiefen Menschen- seel«, die sich m tagtäglichem Mühen verzehrt. „Hingabe" stand vor Monaten an unzähligen Häusern und Zäunen der Stadt. Menschen stutzten, sahen für einen Moment auf. lächelten und vergaßen. Ein Wort nur war es— das Leben dieser Frau ist Tat, glutvolles Leben! Wir spüren die Glut und wissen: Die Frau ist Schafferin an unserem Werk!— w i b i— der Kampf um den Zrauenfchleier. Turkestan, das zur Sowjetunion gehört, ist größtenteils mohamme' danisch. Dort tragen die Frauen noch den Schleier, de» P a r a n d s ch a. Di« Sowjetbehörden agitieren gegen dieses Merk- mal der Unterdrückung der Frau. Während der Agitator gegen den Frauenschleier von Ort zu Ort zog, rief das Oberhaupt der Geistlichkeit von Tschusta, einer kleinen Stadt, Abas Maksumow, eine geheime Vrsammlung von Mullahs(„Frommen") und reichen Bauern ein. Dort wurde beschlossen, sich an die Bauern mit dem Hinweis zu wenden,„daß ein« Frau, die den Parandscha ablegt, nicht ein« rechtmäßige Ehefrau, und ein Mann, der eine so ehrlose Handlung zuläßt, ein Ungläubiger ist." Als nun auch in dem Orte eine Agitationsversammlung gegen den Frauenschleier stattfand, rief die Geistlichkeit, mit der Begründung, den Koran und das Scheria(„das Gesetz") schützen zu müssen, ihre Anhänger zusammen. Die Menge stürmte zum Gebäude des Exekutivkomitees und suchte es zu zerstören. Ein am Exekutiv- gebäude postierter Milizbeamter wurde von zwei Muriden(Schülern, mit denen sich einflußreiche Geistliche umgeben), ermordet. Der Hauptschuldige, Abas Maksumow, ist mit zwei Mittätern geflüchtet. In der nachfolgenden Gerichtsverhandlung, der 3000 Bauern bei- wohnten, wurden die beiden Täter zum Tode und fünf andere zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. So wird aus Moskau berichtet. Dreißigtausend Schleier verbrannt. Ein kürzlich erlassenes Gesetz der Sowjetregierung, das den Frauen das Tragen des Schleiers verbietet, bedroht zugleich jeden mit schwerer Strafe, der nach dem Brauche früherer Zeit ein« Frau in der engen Abgeschlossenheit feines Hauses hält: die Frauen sollen von jetzt an frei sein, gleiche Rechte wie die Männer genießen. Trotz schärfster Gegnerschaft haben die Mullahs, die mohammeda- nischen Geistlichen, doch nicht verhindern können, daß viele Tausende Frauen, zumeist aus den minderbegüterten Klaffen der Bevölkerung, den Schleier bereits abgelegt haben, und daß am„Tag? der Entschleierun g", der in Samarkand kürzlich festlich begangen wurde, auf einem in der Stadl errichteten Scheiterhausen 30 000 Schleier verbrannt wurden. Während die Frauen der Städte von den neuen Freiheiten vielfach Gebrauch machen, wird�iuf dem Lande und in den entlegenen Gebirgstälern an den alten Sitten und Ge- bräuchcn noch festgehalten.____ Rindermund. Ruth und die alten Germanen. Ruth hat einen Aufsatz zu machen:„Die ollen Germanen"— was könnte es auch»äherliegendes für ein zehnjähriges Dummchen geben! Dank der guten Vorbereitung zieht sie sich auch einiger- maßen gut aus der Affäre, bis auf die Bewaffnung der alten 5ierrschaft«n. Da erklärt sie nämlich:„Die alten Germanen hatten als Waffe einen Speer. Das war eine lange Stange, die war unten mit Eisen beschmiert..." Pensionsbildung. Es gibt nicht nur in der Schweiz Pensionen, in denen sich die Töchter einfacher Eltern höher« Bildung aneignen können. Auch in einigen märkischen Städten haben wir gleich« Bildungsstätten für die Töchter aufstrebender Landwirte. Grete war nun ein Jahr lang in Freienwalde: nach ihrer Rückkehr nimmt sie nur sehr zögernd und durch ihre Einsamkeit dazu gedrängt den Verkehr mit den früheren Gespielinnen wieder auf. Denen ist sie Wundertier.„Na, Ärete, wat hast du denn allen? in deine Pangsion jelernt?" fragt Schulzens Mine endlich die bewunderte Freundin. Grete wirft den Kopf in den Nacken:„Pähl Manieren, du Kalbl"— Gänsemarsch. Auni, die dreijährige, ist eine schreckliche Bummellotte. Mama muß sie immer hinter sich herziehen. Besonders schlimm ist es, wenn Mama Einholen war und, beide Arme bepackt, auch Anni noch die Treppe raufbugsieren soll. Endlich sucht sie Anni spielend herauf. zulocken.„Komm' Anni, wir gehen im Gänsemarsch, ein Schrittchen vor dem andern— ich geh' voran! Eins, zwei..." und glücklich zählt sie sich die Stufen heraus. Aus dem ersten Absatz dreht sie sich um— Anni steht vergnügt noch unten!„Na, Anni!?!"— „Na, Mama?!"— Eine Gans ist oben!"— R. F.