«MMMMMWWlWWWMiMII!!'!.'.': H II< illiilill I"l,>t1l''l!)lilli!i'lllliillli Frauenstimme Nr.20� 44. Jahrgang I Beilage zum Vorwärks I 24. September 1427 Krauenemfiuß auf die sozialen Wahlen. Bis zum Ablauf dieses Jahres muß ein erheblicher Teil der weiblichen Arbeitnehmer wieder einmal zeigen, wieweit diese sich der Verantwortung bewußt sind, die ihnen die Gewährung des Rechts auferlegt hat, an der Gestaltung öffentlicher Einrichtungen mitzuwirken, und wieweit sie zur Mitarbeit gewillt sind. Bis zum Ablauf dieses Jahres müssen nämlich die Wahlen zu den Verwaltungstörpern der Sozialversicherung vorgenommen werden. Rur dort, wo solche Wahlen nach dem 1. Januar 1926 bereits stattgefunden haben, brauchen sie jetzt nicht wiederholt werden. Die Amtsperiode dieser Vertreterkörper läuft, wie die der jetzt zu wählenden, bis zum Ende des Jahres 1932, so daß bis zum Ablauf des Jahres 1932 dann Neuwahlen für die gesamten Vertreter der Sozialversicherung stattfinden müssen. Wahlberechtigt sind alle über 21 Jahre alten Kranken- kasienmitglieder, soweit Wahlen zu den Vertreterkörpern der Reichsoersicherungsordnung stattfinden(Kranken- lassen, Invaliden- und Unfallversicherung) und alle über 21 Jahre alten Angestellten, soweit sie der Angestelltenversicherung unterstehen, für diesen Zweig der Sozialversicherung. Die Altersgrenze von 21 Iahren als Mindestalter für die Berechtigung zur Aus- Übung des Wahlrechts für die Sozialversicherung widerspricht zwar dem Artikel 22 der Reichsverfassung, die ein Mindest- alter von 20 Jahren festsetzt. Da aber vergessen worden ist, die Reichsversicherungsordnung sowohl wie auch das Ver- sicherungsgesetz für Angestellte entsprechend abzuändern, muß diesmal noch nach den alten Wahloorschriften verfahren werden. Die Wahlen zur Sozialversicherung lösen nun in der Bevölkerung sehr viel geringeres Interesse aus als politische Wahlen zu Reichs-, Landes-� oder Gemeinde- Parlamenten. Die Ursache hierfür ist einmal der Umstand, daß nicht alle Volkskreise davon betroffen werden, sondern nur die versicherten Arbeitnehmer, und ferner die große Unkenntnis über den Einfluß der Wahlen auf die Ein- richtungen und L e i st u n g e n der Sozialversicherung. Viel- leicht schlagen sogar eifrige Leserinnen der„Frauenstimme" die erste Seite dieser Nummer um, weil die Ueberschrift des Leitaufsatzes ein nach ihrer Meinung„trockenes" Thema ver- rät. Mit dem Hinweis auf das„trockene" Thema wurden nämlich meist die Versammlungen, die über die Sozialver- sicherung und die Möglichkeiten ihrer Ausgestaltung durch die wahlberechtigten Mitglieder Auskunft geben sollten, ins- besondere von Frauen weniger zahlreich besucht als andere Versammlungen, und die Mehrzahl der weiblichen Arbeits- träft« hatte deshalb keine Kenntnis davon, daß die über 21 Jahre alten Krankenkassenmitglieder schon seit dem Jahre 1883 volle Gleichberechtigung mit den männ- lichen Mitgliedern und durch das gleiche und geheime Wahlrecht auch das Recht und die Gelegenheit hatten, die Leistungen der Sozialversicherung auszubauen. Die mangel- hafte Beteiligung der weiblichen Krankenkassenmitglieder an den Wahlen für die Krankenversicherung ist uns oft als Beweis für das mangelhafte Interesse und Verständnis der weiblichen Bevölkerung am öffentlichen Leben ausgelegt worden. Vertreter der politischen und gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter haben das mangelnde Interesse der Frauen an den Wahlen zur Sozialversicherung nicht nur aus dem zuletzt angeführten Grunde bedauert, sondern auch deshalb, weil dadurch die Gelegenheit oersäumt wurde, die Möglichkeiten auszunutzen, die die Sozialversicherung zur Ausgestaltung ihrer Leistungen immer schon gegeben hat. Verständlich wird dies, wenn folgendes bekannt ist: Die Reichsversicherungsordnung läßt in bezug auf die Kranken- Versicherung eine große Spanne zwischen den Leistungen, die gewährt werden müssen(Regelleistungen), und denen. die gewährt werden können(Mehrleistungen). So kann z. B. die Dauer des Krankengeldbezuges von 26 Wochen auf 52 Wochen verlängert werden. Das Krankengeld kann von der Hälfte des Grundlohns auf drei Viertel des Grundlohns erhöht werden. Die Krankenkassen können auch den Fami- lienangehörigen ärztliche Versorgung, Medikamente und Heilmittel usw. gewähren, wenn die Familienangehörigen nicht selber einer Krankenkasse angehören. Die Krankenkassen können die Hauspflege einführen, sie können Genesungsheime, Zahnkliniken, Badeanstalten und andere Einrichtungen schaffen, alles das aber nur dann, wenn diese Leistungen ausdrücklich in den Kassensatzungen vorgeschrieben sind.. Wie oft hört man Klagen von Kassenmitgliedern oder deren Angehörigen, daß die Kassenverwaltung abgelehnt habe, Krantenhauskosten ganz oder überwiegend zu bezahlen, daß sie teure Heilmittel nicht gewähre, daß sie die Kosten für Landaufenthalt oder für Bäderkuren nicht übernehme usw. Meist wissen aber diejenigen, die solche Klagen führen, nicht, daß die betreffende Krankenkasse solche Leistungen gar nicht übernehmen darf, weil die Satzung sie nicht vorsieht. Für die nicht selbstversicherten Familienangehörigen, ins- besondere für die Frauen der männlichen Kassenmitglieder dürfte besonders interessant sein, daß auch die Familienver- sicherung eine Mehrleistung darstellt, die erst die Satzung festlegen muß, wenn die Kasse sie gewähren darf. Andern- falls hat nur das Mitglied Anspruch auf ärztliche Behand- lung und Medikamente, nicht aber auch seine Angehörigen. Die Satzungen aber werden durch die A u s s ch ü s s e der Krankenkassen b e s ch l o s s e n, die in geheimer Wahl gewählt werden. Die wahlberechtigten Krankenkassenmitglieder können durch ihre Beteiligung an den Wahlen zu den Ausschüssen aber auch die L e i st u n g e n beeinflussen, die unmittel- bar den Frauen zugute kommen, die neues Leben tragen und zur Welt bringen. Die Kassensatzung kann nämlich die Dauer des Wochengeldbezuges von 6 auf 13 Wochen und die Dauer des S t i l l g e l d e s von 12 auf 26 Wochen er- weitern. Die Satzung kann mit Zustimmung des Oberver- sicherungsamts als Wochengeld einen höheren Betrag zahlen als das Krankengeld beträgt, und zwar bis zu drei Vierteln des Grundlohns. Die Kasse kann ferner an Stelle des Wochengeldes Kur und Verpflegung in einem Wöchnerin- nenheim gewähren, ferner Hilfe und Wartung durch Haus- Pflegerinnen. Die Satzung kann ferner Schwangeren, die der Kasse länger als sechs Monate angehören, wenn sie infolge Schwangerschaft arbeitsunfähig werden, ein besonderes Schwangerengeld in Höhe des Krankengeldes zubilligen. Mit der Gewährung der Unterstützung auf sechs Wochen unmittel- bar vor der Entbindung und, falls der Arzt sich in bezug auf den Termin irrt, auf eine entsprechend längere Zeit, auf Grund der im Juli 1926 beschlossenen Abänderung der Reichs- Versicherungsordnung, die am 1. Ottober 1926 in Kraft ge- treten ist, ist die Leistungsmöglichkeit der Krankenkassen an schwangere Mitglieder nicht erschöpft. Bis jetzt haben erst sehr wenige Krankenkassen von dem Recht Gebrauch gemacht, Erwerbsunfähigkeit, die durch Schwangerschaftsbeschwerden verursacht worden ist, als zur Unterstützung verpflichtende Krankheit auf eine bestimmte Zeit anzuerkennen. Mit diesen kurzen Hinweisen sind die Gründe für die Bedeutung der Krankenkassenwahlen noch lange nicht er- schöpft. Sie müssen vor allen Dingen ergänzt werden durch den Hinweis auf die Auswirkungen der Wahlen zu den Aus- schüssen der Krankenkassen auf die übrigen Zweige der Sozialversicherung. Die gewählten Mitglieder der Ausschüsse der Kranken- lassen wählen nämlich dieVorständederKassen. Sie wählen ferner die Vertreter zu den Versicherungsämtern und zu den Ausschüssen der Landesversicherungsanstalten, die dann wieder die Vorstandsmitglieder der Landesversicherungs- anftalten(Invalidenversicherung) und die Vertreter zu den Oberversicherungsämtern und zur Reichsversiche- rungsanstalt wählen. Die letzten beiden Körperschaften sind die letzten Spruchinstanzen bei Streitigkeiten aus der gesamten Sozialversicherung, soweit sie in der Reichs- Versicherungsordnung festgelegt ist, also für die Kranken-, Invaliden- und Unfallversicherung. Wer hat nicht schon aus den Reihen der Arbeitnehmer und der Arbeiterfrauen Klagen gehört über Ablehnung oder doch nicht volle Berücksichtigung oer Ansprüche von erwerbsunfähig gewordenen Mitgliedern der Sozialversicherung oder deren Angehörigen. Insbesondere haben Grund zu Klagen die weiblichen Versicherten, bei deren Ansprüchen in der Regel ein noch strengeres Maß angelegt wird als bei Ansprüchen von Männern, die nach Gesetz und Sitte in der Mehrzahl aller Fälle ohne weiteres als Fami- lienväter angesehen werden. In der Verwaltung dieser Einrichtung fehlt fast aus- nahmslos, wenigstens soweit es sich um leitende Stellen handelt, der Fraueneinfluß. Die Beurteilung der Ansprüche weiblicher Mitglieder und der weiblichen Fami- lienangehörigen würde sicherlich durch solchen Einfluß nur gewinnen. Die Bedeutung der Beteiligung der weiblichen An- e st e l l t e n an den Wahlen zu den Vertretertörpern der ngestelltenversicherung ist, soweit das Grundsätzliche und die Möglichkeit der Einwirkung auf die Ausgestaltung der Leistungen in Frage kommt, mit dem Vorstehenden ebenfalls gekennzeichnet. Das Spezielle muß zweckmäßig einer be- sonderen Erläuterung vorbehalten bleiben. Für heute müssen wir uns begnügen mit der zusammenfassenden Mahnung an alle weiblichen Angehörigen der lohnarbeitenden Bevölke- rung, soweit sie selber wahlberechtigte Mitglieder der Kranken- Versicherung oder der Angestelltenversicherung— oder beides — sind, die noch in diesem Jahre fälligen Wahlen nicht zu oersäumen. Soweit sie Mütter oder Frauen von wahlberechtigten Personen sind, müssen sie diese, falls es nötig ist, auf die Wahlen aufmerksam machen und sie zur Ausübung ihres Wahlrechts anregen. Sie helfen dadurch die Einrichtungen ausbauen, die imstande sind, gesundheits- fördernd und arbeitskrafterhaltend zu wirken. Gertrud Hanna. /ln öie Mütter öer /lrbeitermäüels. Wieder einmal ist der Zeitpunkt herangekommen, wo sich hinter euren Kindern die Pforte der Schule schließt, das Leben mit all seinen Bitternissen und Leiden sie empfängt. Sie werden nun eingereiht in das große Heer der um ihr Dasein kämpfenden Proletarier, die erkannt haben, daß ihnen nur der Zusammenschluß oller die Mög- bietet, ein besseres Dasein auf Erden zu schassen. Auch für den jungen Menschen heißt es nun, sich zusammen- zusinden in einer großen Gemeinschaft Gleichgesinnter. Dies ist für sie die Sozialistische Arbeiterjugend, die Per- treterin der Interessen des Iungproletariats. Hier erarbeiten sich Jungen und Mädel in froher Gemeinschast das Wissen, das sie als Zukunftsträger gebrauchen. Durch Wandern, Spiel und Sport schaffen sie sich ein« würdige Ausgestaltung ihrer kargen Freizeit. Pflicht unserer Mütter, denen es um die Erreichung unseres hohen Zieles ernst ist, ist es, ihre Kinder aufzufordern, sich in das Heer der kämpfenden Arbeiterjugend einzureihen. Vielfach meinen nun aber unsere Mütter, nur für den I u n g e n ist dieser Anschluß an die Gemeinschast Gleichgesinnter notwendig. Gerade bei unseren Müttern wurzeln noch tief die alten überholten Anschauungen, die dem Mädchen nicht das Recht der freien Ent- saltung und ihres Könnens geben. Entweder bannt man das Mädchen überhaupt nur an das Haus, lehnt jedes Wirken in der Oeffentlichkeit, jeden Anschluß an eine Gemeinschast junger Menschen als„unweiblich" ab. Zur Arbeiterklasse gehören aber Mann und Frau. Schon das Arbeitermädel muß sich einreihen in diese Kampfgemeinschast, sonst steht sie nachher als Proletarierfrau und Mutter dem Wirken und Streben ihres Lebenskameraden fremd und indifferent gegenüber und ist ein Hemmschuh im Befreiungskampf des Proletariats. Die Sozialistische Arbeiterjugend steht seit ihrem Bestehen auf dem Standpunkt der g c m e i n.s a m e n Erziehung der Ge- schlechter. Nicht ein Muckertum wollen wir erziehen, eine Jugend, die jede Gemeinschaft mit dem anderen Geschlecht ablehnt, falsche Vorstellungen von seinem Können erhält, sondern freie und srohe Menschen, gleich welchen Geschlechts gehören in unsere Reihen. Andererseits finden wir aber auch, daß viele Müller ihren Stolz darin sehen, daß ihr Mädel nun recht bald in einem Gesellschaftskreis Aufnahme findet, der der Ideologie des Proletariats fremd gegenüber steht. Das Nachäjfen bürgerlicher Lebensgewohnheiten, die Ab- lehnung jedes Zusammengehörigkeitsgefühls mit der Arbeiterklasse ist nach Ansicht vieler unserer Müller für das Mädchen eine Selbst- Verständlichkeit. Diese Ansicht aber ist einer denkenden Mutter nicht würdig. Für sie gilt die Erkenntnis, daß die Jugend von heute di« Generation der Vollendung sein wird. An unsere Mütter ergeht darum die dringende Mahnung: zeigt euren Mädchen den Weg, der sie als Mitstreiterin und Mitkämpferin ihrer Arbeitsbrllder und-schwestern unserem schönen Ziel, dein Sozialismus, entgegenführt. Schickt sie hinein in die Sozia« listischeArbeiterjugendl K. F. Kinöerfragen unö Clternantworten. „Mutti, warum heißt es einmal die Hochbahn und ein andermal die Untergrundbahn?" „Du sollst nicht immer so dumm fragen." f „Vati, weshalb geht die Maschine, was machen die Männer da oben auf der Brücke, weshalb...?" „Du sollst doch nicht so laut sein in der Elektrischen." Fragen und Erzählen eines Drei- bis Fünsjährigen in der Tram- bahn ist anstößig. Nur hübsch still sein, das macht den guten Eindruck der Wohlerzogenheit für die Leute. Aber dem kleinen Frager scheint die Notwendigkeit dieser gesellschaftlichen Regel nicht recht ein- leuchtend, seine Wißbegier vergißt die Mahnung sofort, oder aber er ist, gänzlich dem Anblicke oder Vorgange hingegeben, unachtsam über sie hinweggegangen, hat den Inhalt des Wortlautes nicht einmal ersaßt. Dem angespannten Gesichtsausdrucke, den weit geöffneten Augen sieht man es an, daß sein Geist aufmerksam lauscht und taunend fragt und da soll der Mund nicht aussprechen, was den Geist o dringend bewegtl Wenn das Kind seine erst« Frage tut, ist di« Mutter auch entzückt: ob seiner Klugheit. Auch bei der zweiien und dritten und bei einem Dutzend folgender ist sie noch beglückt. Bei dem zweiten Dutzend legt sich ihre Begeisterung und dann beginnt sie sich zn empören. Es wird ihr zuviel. Es ist nicht mehr neu und es ist unbequem, nimmt Zeit und Aufmerksamkeit zu sehr in Anspruch. Sie beginnt den Fragestrom zurück, zudämmen. Das Kind merkt sich allmählich, daß Mutter kein Inter- esse hat für sein Innenleben. Da verlohnt sich es bald nicht mehr, Mutter nach diesem und jenem zu fragen und natürlich auch nicht zu erzählen. Andere erfahren nun, was eigentlich di« Mutter wissen sollte. Ost auch erfährt niemand was und manches Gedankenunkraut wuchert lustig drauf los. Eines Tages, vielleicht nach Jahren, vibl» leicht auch nach Jahrzehnten, entpuppt es sich, vorwandelt und ver» stellt als toll« Phantasie, als Verschrobenheit, als ungeheuerliche Ge- dankenausgeburt oder als unbegreifliche, ja verbrecherische Tat. Da» Schönste hat die Mutter verscherzt, was das Muttersein ihr geben konnte: das Vertrauen ihres Kindes, das Lauschen auf sein geistiges Wachstum, die geistige Gemeinschast mit ihm. Aber sie hat damit auch eine Pflicht versäumt— die Pflege und Regelung dieses geistigen Wachstums. Und sie hat obendrein eine Schuld auf sich geladen— die Versäumnis, Gedanken- und Gesühlsirrungcn zu begegnen und vorzubeugen, um so bei unglücklicher Wendung vielleicht Vergehen und Verderbnis abzuwenden. Das Kind trägt oft schwer an u n g e l ö st e n Fragen, um so mehr, je älter es wird. Es versinkt in vngesunde Grübeleien, be- festigt falsche Vorstellungen, während ein klärendes Wort im rechten Augenblick gesagt, das Vorstellungsleben in richtige Bahnen leiten könnte. Oder es gerät mit seinen Fragen an die unrechte Person, an unreife Gespielen, an halbwissende Erwachsene, an taktlose oder rohe Individuen, und sein Seelenleben wird von einer Häßlichkeit berührt, die oft lange und dauernd nachwirkt. Ost Ist- das Wie einer Ausklärung bestimmender und schicksalsvoller als das Was. Die Erlebnisfärbung bei der Aufklärung kann Erleben und selbst Handeln beeinflussen, oft verhängnisvoll. Darum sollte ein« Mutter sich von den Fragen ihres Kindes nicht abwenden, sie nicht zurück- dämmen und tadelnd verweisen. Sie schaft sie damit nicht aus der Welt ihres Kindos. Sie bleiben tief drinnen, wühlen, fressen, suchen sich Auswege, di« nicht immer zu glücklicher Lösung führen. Das Kind, das für seine Fragen kein Verständnis gesunden hat, wird auch-in der Not seines Körpers und seiner Seele einst, wenn es dessen am meisten bedarf, nicht z u r M u t t e r k o in m« n, weil es das Vertrauen zu ihr nicht mehr besitzt. Da sie sich seinen Fragen verschloß, verschloß es ihr seine Seele. So mußte es zur inneren Entfremdung kommen zwischen Mutter und Kind. Die Mutter tut besser dran, den Fragen ihres Kindes zu lauschen und ihrem tieferen Sinn nachzugehen. Sie wurde finden: es ist der Sinn des geistigen Lebens selbst, das ihrem Kinde von Natur gegeben ward, als schönstes heiligstes Gut, das sie zu pflegen und zu hegen hat. Sie würde linden, daß�es köstlich ist, die Entfaltung dieses Geistigen im Kinde schritt für Schritt mit seinen Gedanken zu begleiten, dem bedeutungs- vollen Geschehen seiner inneren Welt behutsam fördernd sich erschließen zu helfen. Was für die Mutter gilt, gilt natürlich ebenso sehr für den Vater. Bald ist es Bequemlichkeit und Nachlässigkeit, bald üble Laune oder Hochmut und Autoritätsdünkel— das geht dich nichts an, das brauchst du nicht zu wissen, das verstehst du nicht— sind Redensarten, die ebenso niederdrückend, wie beleidi- gcnd für das Kind sind. Eine große Rolle spielt auch die Konvenienz — so was sagt man einem Kinde nicht. Falscher Stolz, falsche Scham, Mangel an Mut sind andere Motive, aus denen die Fragen kurzer- Hand abgeschnitten werden. Unter den Antworten, di-o dem Kinde werden, gibt es, abgesehen von den den nicht sehr zahlreichen positiven, gewisse Kategorien, die direkt oder indirekt den Geist des Kindes lähmen, sein Gemüt ver- giften. Das find unwahre Antworten, beschämende und „schlagende" in des Worte« wahrer Bedeutung. Denn auch diese letzten zieht das Kind sich als lästiger Frager nicht selten zu. Be- sonders, wenn es ohne sein Wissen mit seiner Frage die Achillesferse des Gefragten unsanft berührt hat. Die unwahren Antworten sind eins Gefahr, weil das Kind mit dem Augenblick, wo es dahinter kommt, daß es hintergangen worden ist, das Vertrauen verliert und selbst zum Unwahrsein ermuntert wird. Ein verschwiegenes Motiv jchrosfer Antwortverweigerung ist eigenes Unwissen. Wian sollte dieses überwinden, Indem man selbst wieder lernt, Wissendere zu frage und sich des nicht scheut. Und hat man das Notwendige erfragt und erforscht, so bedarf es nur noch des Taktes, der aus der Ein- fühlung in das Wesen des Kindes entspringt. Es gibt vielleicht nur sehr Weniges, was man dem Kinde nicht sagen, nicht erklären kann: es gilt mir die Form finden, die es seinem Verständnis nahe bringen kann, ohne seine Seele zu verletzen. Sascha Rosenthal. Notbehelfe in öer Wohnung. „Sommerbellen" und Hängematten. An Stelle der von Dr. Hertha Kraus vorgeschlagenen «tagenweise übereinandcrgestellten Betten(eine Freude das Betten- machen, besonders für unterleibsschwache Frauen!) sind einige andere Notbehelfe zu empfehlen, die dem Proleten nicht seine Wohnung zur Kaserncnstube machen und ihn so in die Kneipe, an den„ge- mütlichen" Stammtisch treiben. Bei den Fischern auf Rügen ist es feit langer Zeit Sitte, daß die Familie während der Sommermonate fast alle Zimmer des Hauses vermietet und in einem Raum wohnt. Natürlich kann dann auch nicht für jeden ein Bett zur Verfügung gestellt werden, ohnehin sind auch die Bettgestelle fast alle an die Sömmereäste ab- gegeben. Da hilft man sich denn auf eine sehr praktische Weise mit den„Sommerbetten". Das sind Gestelle, wir wir sie aus der Abbildung 1 wiedergeben. Am besten kann man sie mit einem ent- 8Scm- sprechend vergrößerten Feldstuhl vergleichen. Sie werden strass mit Segeltuch bespannt, so daß die Liegesläche zirka 8t)— 85 Zentimeter breit und 1,80 Meter lang ist. An den freien Enden wird das Tuch, um eine besser« Haltbarkeit zu erzielen, meist noch um eine Fischer- leine genäht. Das Segelluch ergibt ein« elastische Unterlage: ist es im Winter, besonders im ungeheizten Zimmer, zu kalt, dann kann ein« mehrfach gefaltete Wolldeck«, sogar, wenn vorhanden,«in Unterbett gebraucht werden. Am Tage werden die Betten aus die vorhandenen Betteestelle verteilt und der„Schräget"(das„Sommer- bett") einfach zusammengeklappt. Auf diese Weise hat er nur zirka 15— 20 Zentimeter Breite bei einer Länge von 1,80 Meter und kann bequem im Korridor oder Klosett an die Wand gelehnt, ja, schlimmstenfalls sogar unter vorhandene feste Betten geschoben werden. Diese Behelssbrtten kommen besonders bei breiten, zwei- fenstrigen Zimmern in Betracht. Es bleibt so am Tage genug Wohnraum und Platz für Tisch und Stühle und Bewegungssreiheit. Das Material für das Gestell find für Kopf, und Fußende am besten zirka 3 Zentimeter starke, 4— 5 Zentimeter breite Hölzer, die 1,80 Meter langen Seitenhölzer, die mit Zapfen eingefügt werden müssen, können zirka halb so stark sein, auch kann man runde Hölzer nehmen. Das Segeltuch ist am besten mit recht breitköpsi- gen, rostfreien Nägeln anzuschlagen. Diese„Schräge!" halten gut eine Belastung bis zirka 150 Pfund aus und sind als sehr guter Notbehelf(auch als Gastbett) für den einfachen Haushalt zu be- zeichnen. Leider gibt es aber Wohnungsverhältnisse, wo sich selbst diese „Schräge!" nicht verwende» lassen. Das sind die traurigen Fälle. wo sich«ine größer« Familie von vier oder süns Köpfen mit einem Schlafraum von 2 bis 2� Metern Breite und zirka 4% Meiern Länge behelfen muß. Ist dann noch die Küche ein„Loch", in dem sich nicht einmal das Ledersofa ausstellen läßt, dann ist an eine auch nur bescheidene Behaglichkeit nicht zu denken, und Vater und die Halberwachsenen ziehen Kneipe, Kino, Straße, kurz, jeden Aufent» halt diesen, entgötterten„Heim" vor. Denn sie verlangen nach der Tagesarbeit einen bequemen Sitz- und Ruheplatz, und der läßt sich in einer Wohnung, in der die Betten nebeneinander stehen, nicht ermöglichen. Hier kann man wenigstens für größere Kinder und Halberwachsene einen anderen Ausweg finden. Man„z u r r t Hängematte n". Nicht die fischnetzähnlichen Gebilde, die Sonn» tag» in der Umgegend der Großstadt an den Bäumen baumeln, sondern richtige, feste Hängematten, wie sie bei der Marine in Ae» brauch waren. Die kann man kreuz und quer durch das Zimmer zurren, dann bleibt auch bei zwei festen Bettgestellen im Zimmer (besonders, wenn es etwas länger ist) noch Platz für Tisch und Sofa am Fenster. Auch dort, wo die Fainilie sogar über zwei Zimmer verfügt und das eine dieser Zimmer als Schlafraum für die Jugend benutzt, werden diese schließlich lieber nur ein festes Bett ausstellen, wenn sie sich so ein eigenes kleines Reich schassen können. Die Hängematte wird aus einem zirka 85— 90 Zentimeter breiten, 180 Zentimeter langen Stück starker Segelleinewand ge- macht. Di« Längsseiten werden oft über eine schwache Leine ge» näht, am Kopfende müssen rechts und links zwei starke Lederecken ausgesteppt sein, am besten ist es, wenn die Oesen, an denen die Hängematte aufgehängt wird, noch mit Metall eingefaßt und so gegen Einreißen gesichert sind. Am Fußende kann man, wenn man nur einen Haken befestigen kann, eine andere Art der Aufhängung n?ählen. Man steppt dann das untere Ende des Sezzeltuches um einen Stock vom Durchmesser eines üblichen Besenstieles, säumt zwei Oesfnungen, durch die man wie auf dem Bild 2 ersichtlich, Stricke führt, sie mit einem Knoten vereinigt und daran die Oese für die Befestigung schlingt. Besonders auch bei etwas breiteren Zimmern empfiehlt sich diese Besestigungsart. In schwachen Wän- den, die den Haken schlecht halten, kann man die Befestixungshaken durch vorgelegte Holzplatten, so wie aus der Zeichnung angegeben, sichern, bei Holzwänden schlägt man den Haken rückwärts um. Das sind ein paar Notbehelfe, in der Praxis erprobt. R. E. Den Frauen Saccos und Vanzettis Schwester im Detde, dte ich nie gesehen, Di» frewd wir ist nnd fern, doch nah— vertraut, Di« Känd« vieler 3raue» heben sich Dein Herz z« stützen, Schwester, DlNruscheaschwester, Tlnd Sein« Schwchter, Schwester eines«Opfers, Gebäreri», Gefährtin«ine» Gpfersl Schwester im Leid», die ich nie gesehen, Dl« Jini« vieler Jrauen beugen sich Vor dir und deiner Gval und deinen Toten! Ein Schrei ging durch dl«'Welt: Gerechtigkeit! Ein SKrei, de« hunderttausend Stimmen riefen, Ein Schrei, in hnuderttauseud Sprachen brausend—- Dleln, den nur»in« Sprach« schrie: da» Herz. " Der Schrei de» Herzens gellt« durch die Welt, Der Schrei de» Herzens brach an einer Wand Von Stuhl nnd kaltem Ei» und Gnmmltnüttelu. Schwester im Leide, dir ich nie gesehen, Di« Stirnen vieler Frauen neigen fich Vor deiner Stlrne mit der Dornenkrone, Vud tausend Hände möchten DElatten breiten Für deine Füße, wund von Golgatha. Denn deine Wunden, Schwester, DLTrnschenschwrster, Sie sind dir Wunden nnsres eignen Herzens, Dein Schrei der Gpal, Ggalschrri der-Slreatur, Verblutend au dem DLlkarterpsahl der Welt, Dein Schrei der Dlot, Dstotschrri de»'Weltgewissensr Der LLIensch ist gut! Und heilig ist da» Leben! Elm i ra Köret. Nochmals öle prsletenvilla. Individualismus und Sozialismus. Die in Rr. IS vcroffeiitüchle Kritik an dem Einfamilienhaus hat uns lebhaft zustimmende und ab- lehnende Zuschriften»ingebracht. Wir bringen heute au» dem Schreiben des Genasten T. kl a m r o u> s k t Argumente f 11 r das Einfamilienhaus. Die Wohnweis« tu der großstädtischen Mietskaserne mit ihren mannigfachen Schattenseiten, namentlich in gesundheitlicher Be- Ziehung, löste in der Großswdtbevölkerung ganz zwangläufig das Verlangen nach dem Einfamilienhaus aus. Das Einfamilienhaus misten im Garten war, ist und bleibt die natürliche Wohnweise des Menschen. Die uralte Weisheit:„Sonne ist Leben" hat die Werbe- kraft für das Einfamilienhaus stark begünstigt, zumal die Ziffern über die Wohnungsdichte der Berliner Bevölkerung eine gar zu deutliche Sprache führen. Nun nimmt zu dem Einfamilienhaus das Wort«ine Frau(Genossin Hedwig Schwarz) und läßt an dem Einfamilienhaus, bildlich gesprochen, kein gutes Haar. Die ange- führten Argumente können die schärfsten Gegner des Einfamilien- Hauses nicht bester vortragen, ich fürchte sogar, daß sie daraus noch Waffen für ihr Arsenal entnehmen werden. Es soll mir fern liegen, alles, was die Architekten bauen, un- besehen als paffend, praktisch, wirtschaftlich anzusprechen. Auch soll zugegeben werden, daß es fatal ist, wenn alt«, liebgeworden« Möbel- stück« nicht gut oder gar nicht plaziert werden können, oder wenn etwa» steile Treppen Gefahren für klein« Kinder im Gefolge haben können. Aber solche Dinge können doch nicht ernstlich gegen eine den gesundheitlichen Bedürfnisten entgegenkommende Wohn- kultur ins Feld geführt werden. Ebensowenig in allem Ernst die Treppen nach dem Keller, zum 1. Stock oder gar dem Boden. Der Mietstasernenbewohner wird fa meist zu noch ganz anderem Treppensteigen, zu unfreiwilliger„Mensendickerei", gezwungen. Freilich ist eine geräumige Wohnung, ganz zu«bener Erde gelegen, in den vielen Fällen das angenehmere. Des Lebens ungetrübte Freud« wird eben keinem Sterblichen zuteil, auch nicht in Ein- fomllienhöufern ohne jedwede Treppe. Wichtiger wäre der Ein- wand bezüglich der Umständlichkeiten in Krankheitsfällen. Ja, bietet etwa die Wohnung in der Mietskaserne darin größere Vorzüge? Ist da nicht gerade dem Kranken mit Alleinsein, also ungestörter Ruhe, am besten gedient, was vielfach in den zusammenhängenden Räumen der Mietskasernenwohnung gar nicht möglich zu machen ist. Wo im Hause Kranke zu pflegen sind, wird der Hausfrau immer eine neue Last zu ihren sonstigen Haushaltspflichten aufgebürdet, aber damit läßt sich doch nicht«ine neusichanbahnende Wohnweise oder Wohnkultur ablehnen. Ein ernstes Wort noch zu der Förderung des Individualismus durch das Einfamilienhaus. Genossin Schwarz nennt das„Für-sich- aflein-sein-Wollen" unsozialistifch, bürgerlich und ge- langt zu dem Schluß: die proletarische Frau müsse eine Hausform, die auf Individualismus, Wohlhabenheit und dergleichen mehr ab- gestimmt ist. ablehnen. Sie sagt mit aller Entschiedenheit ferner? „Unser Ziel, die kollektive Bauweise, liegt noch in unerreichbarer Ferne, aber wir haben weder als Hausfrauen, noch als Sozialisten Veranlastung, eine Bauweise zu pflegen, di« aus Kosten der Frauen- krast einen ganz überlebten und unzeitgemäßen Individualismus künstlich konserviert." Diese Logik führt zu überlebten Zuständen, sucht sie zu verewigen, unter denen gerade die schafsenden Menschen der Großstadt am schwersten leiden. Liegt die kollektive Bauweise in unerreichbarer Ferne, bleibt nur übrig die alt« überlebte licht- und luftlose Mietskaserne, wenn das Einfamilienhaus als un- sozialistisch abzulehnen ist. Aber die Behauptung über den Jndivi- dualismus, das„Für-sich-alleln-sein-Wollen", bedarf einer Korrek- tur. Die Erwerbsoerhältniste zwingen die Familienmitglieder, sofern mehrer« zum Lebensunterhalt beitragen— und wi« häufig ist das der Fall— in die allerverschiedensten Arbeitsstätten mit den aller- verschiedensten Arbeitszeiten. Eine Wohnung mit mehreren Räumen entspricht in solchem Fall« heute besser den rein praktischen Bedürf- Nissen als eine Wohnung mit nur wenigen Räumen, wo der eine von der Arbeit zurückkehrt, der andere sich zur selben Zeit zur Arbeit rüstet und beide, auf den gleichen Raum angewiesen, sich gegenseitig behelligen müssen. Das sogenannte„Berliner Zimmer" bietet den besten Beweis, wie eine Wohnung nicht beschaffen sein soll und wäre di« kollektive Wohnweife ein geeignetes Mittel, den Individualismus auszurotten, wahrlich, es müßte das überaus enge Zusammenwohnen der Menschen den Individualismus bereits mit Stumpf und Sti� ausgerottet haben. Aber fast ist das gerade Gegenteil der Fall. Auch der eingefleischt« Kommunist läßt sich ganz vom„Individualis- mus" leiten, wenn er einmal als Kleingärtner ein Stückchen Land bearbeitet und wird es als einen Eingriff in seine Frei- he i t ansehen, wenn ihm verwehrt-«erden sollte, sein Kärtchen einzuzäunen, bauen, pflanzen, mit einem Wort gesagt, nicht wirt- schaften könnte nach Belieben. Das ist auch kein Widerspruch mit seiner Theorie. Zwischen privatkapitalistischem und naturrechtlich- persönlichem Individualismus besteht ein himmelweiter Unterschied. Gefahren der modernen Irauenkleiüung. Der Leiter der großen Lungenffeiistätten in Milwaukee, Prof. Dearholt, schreibt in amerikanischen Blättern, daß di« heutige Frauenkleidung, die dem Körper einen viel zu geringen Schuß gegen die wechselnden Witterungseinflllsse bietet,«i» außerordentlich starkes Anwachsen der Tubertuloseerkrankungen zur Folge gehabt. Zum ersten Male seit Bestehen der Lungenheilstätten, nicht nur in Milwaukee allein, sondern im ganzen Staate Wisconsin seien die dortigen zwanzig Sanatorien mit weiblichen Lungenkranken überfüllt, und eine nahezu gleiche Anzahl Hobe wegen Mangel an Raum abgewiesen werden müssen. Zumeist seien die Kranken junge Mädchen im Aller von fünfzehn bis fünfundzwanzig Jahren, di« durch das Tragen gar zu leichter Kleidung und durch ständiges Frei« halten ihves Halses ihre Gesundheit dauemd erschüttert hätten. An- gesichts dieser bedenklichen Erscheinung meint Dearholt, daß im Interesse der heranwachsenden weiblichen Jugend eine Refonn der weiblichen Kleidung dringend geboten sei. Dies sei um so mehr der Fall, als die jungen Mädchen von heute durch dos gesellschaftliche Leben unserer Zeit mit seinen Sport- und Tanzvergnügungen weit mehr einer Erhitzung und darauffolgenden Erkältung ausgesetzt seien als früher._ Ms der Geschichte See Irauevkleiüung. Die landläufig« Ausfassung, daß die Frauenkleider noch nie so knapp und kurz und aus so zarten Stoffen gefertigt gewesen seien wie in unserer Zeit, ist unzutreffend. In der Zeit des französijchen Direktoriums, also am Schluß d«r sran.zösischen Revolution, erstand eine Gcsellschast, die sich mehr als früher in den Salons traf. Di« Frau wurde auf den Thron erhoben— den Thron der Liebes- göttin Venus, und seitdem herrschte sie losgebunden von aller Rück- ficht auf ehemalige Anftandsvorfchriften. Alles war daraus an- gelegt, das sinnliche Verlangen zu wecken. Damals wurden die öffentlichen Bälle Mode, und dort erschienen zum erstenmal die frei wallenden griechischen Tuniken. Zum erstenmal« tauchten hier auch die sogenannten Merveiileusen und Nymphen aus, junge Frauen, die in lange, durchscheinende Gewänder gekleidet waren und die Arme nackt und die Brüste frei trugen. Ende des Jahres 17SZ schreiben die Modenzeitungen den Frauen vor: keine Unterröcke, «in Kleid aus feinstem Leinenstofk, das nur nach vorwärts wenig« Falten wirft, tief ausgeschnitten, unmittelbar unter dem Busen hoch aufgegürtet, rückwärts gegen die Schultern stark zusammengezogen, im Rücken rund und schmal ausgeschnitten, kurze, gefütterte Aermel. Das Bild der Madam« Röcamier von Franyois Pascal Gerard läßt deutlich erkennen, wie die vornehmen Domen gekleidet waren. Hauchdünne Stoffe wurden getragen und der Oberkörper blieb reich- lich frei. Man suchte auf diese Weise dem griechischen Altertum nachzueifern, indem man das Kleid den Körperformen anpaßte, das sich ganz frei um den gar nicht geschnürten Körper legen ließ. Aber diese Kleidung weicht unter den Einflüssen des nördlichen Klimas sehr schnell, wie ja auch heute die Aerzte beginnen, sich gegen die für unser Klima zu leichte Kleidung einzujeßen. Das Grundprinzip der damals gewählten Frauenkleidung, die sich an das griechische Vorbild anlehnte, war gesunde Weite und harmonische Ausgestaltung im Stoff, aber zweifellos herrschte auch das Bestreden vor, durch die sehr sichtbar gemachten Reize des Frauenkörpers den Mann anzulocken. Das zeigte sich auch in dem getragenen Schmuck. Zehen-, Fuß- und Armringe waren sehr beliebt und setzten natürlich ein« starke Entblößung, vor allem der Arme, voraus. Das Kleid wurde lang herabwallend getragen, weil es ja sonst nicht möglich gewesen wäre, es in weiten Fallen sich ausladen zu lasten. Aber wenn auch unsere heutige Mode der Frauenkleidung vieles mit der Zeit des Direktoriums und des Empire gemein hat, so unterscheidet sie sich doch von jener Zelt durch die Enge und Kürze der Kleider. Es will fast scheinen, als ob in dieser Hinsicht das altgriechische Vorbild erneuert worden sei. Wenn auch die Spartanerinnen zum Tanz und Wettstreit völlig unbekleidet gingen, jo trugen doch im übrigen Griechenland die Frauen bei solchen Veranstaltungen ein kurzes, hemdartigcs Gewand. Manche Formen unserer heutigen Frauenkleidung legen geradezu zwingend den Vergleich mit diesem griechischen Frauensporthemd nahe, wie es uns von antiken Statue« bekannt ist.__ Fürsorgeschwestern bei der Deustchea Reichspost. Bei verschiedenen größeren Verkehrsämtern Berlins hat die Deutsch« Reichs- post feit einiger Zeit Fürsorgeschwestern anerkannt. MnöermunS. Ruths Aufsähe. Ruth ist außerordentlich produktiv in unfreiwilligem Humor, besonders in ihren Aufsätzen. Sie ist ein braves, fleißiges Dummchen. die ehrgeizige Mama will sie absolut auf der„höheren Schule" halten und sieht darum die Arbeiten»»eist durch. Unkorrigierte Arbeiten Ruths aber sehen so aus: Da» Gewitter. Das Gewitter ist eine Naturerscheinung, die wir nicht vermeiden können. Nach dem Gewitter ist immer eine andere Luft. Wenn es blitzt, dann gibt es einen ordentlichen Knall, und dann fühlt sich jeder Maim«rleichtert... Das Opfer Abrahams. ... und darauf wollte Abraham seinen lieben Sohn opsem. Wi« er aber schon losschneiden wollte, sah er mit einem Mal einen Witwer, der hatte sich mit seinen Hörnern im Gesträuch ver- wickelt...