j Nr.24«44.Iahrgang j Vm!tZgL ZUM VSt'MÜvks j 24. Rovembsr 492? j Männer und Frauen haben das gleiche Wahlrecht. Die gleichen Wahlzettel werfen sie in die gleichen Uvren. Die Wahlen sind geheim. So ist es nicht möglich, genau zu erforschen, ob und inwiefern die Frauen anders wählen als die Männer. Aber es gibt— neben Oestsrreich, wo es durchweg der Fall ist,— doch hier und da auch in Deutschland nach Ge- schlechtern getrennte Abstimmungen� die Frauen erhalten einen anders gefärbten Umschlag als die Männer. Solche getrennte Abstimmungen fanden zwar bei den verschiedenen Wahlen nur in einem geringen Bruchteil der Gemeinden statt, bestimmte Erscheinungen wiederholen sich jedoch dabei so regelmäßig, daß man schon einige allgemeine Schlüsse darüber, wie die deutschen Frauen wählen, ziehen darf. Und eine von diesen Schlüssen ist, wie immer wieder klar wird, daß die Frauen bedeutend weniger sozialistisch wählen als die Männer. Die 5)auptursache dieser Erscheinung wird aus der Statistik der getrennten Abstimmungen voll- kommen klar: sie liegt darin, daß die Frauen viel stärker unter kirchltchemEinfluß stehen als die Männer, und namentlich die k a t h o l t f ch e n Frauen besonders stark kirch- lich beeinflußt sind, so daß in katholischen Gegenden der Unterschied in der Verteilung der männlichen und weiblichen Stimmen viel größer ist, als in evangelischen. In katholischen Teilen ist es das Zentrum, die katholische und die kirchliche Partei, die von Frauen in ganz auffallendem Maße bevor- zugt wird, in evangelischen sind es überhaupt die rechte n bürgerlichen Parteien, die vym Frauenwahlrecht profitierten. Die Wahlstatistik für K ö l n, wo bei allen Wahlen seit' dem Umsturz getrennt abgestimmt wurde, gibt eine Vor- stellung davon, wie in einer katholischen Stadt das Frauen- votum vom Männervotum abweicht. Damit beschäftigte sich ein sehr interessanter Aufsatz„Die deutsche Wählerin" vom Genossen M a x Schneider im Oktoberheft der„Gesell- schast". Die getrennte Abstimmung in M a i n z bei den letzten hessischen Landtagswahlen hat seitdem Ergebnisse gebracht, die noch viel krasser sind als die der Kölner Wahlstatiftik. Bevor wir diese Ergebnisse näher betrachten, geben wir hier eine Zusammenstellung wieder, die uns die Bertsilung der männlichen und weiblichen Stimmen in Köln zeigt. Es wurden abgegeben für die Männer(in Proz.) Frone»(in Proz.) Deutschnationalen.. 7,3 7,1 Deutsche Volkspartei. 12,0 11,8 3.1 4.3 27.3 44.« 3.0 4.4 23,4 16.3 13,0 7,7 Wirtschastspartei Zentrum.... Demokraten... Sozialdemokraten. Kommunisten.. Die letzten Mainzer Wahlergebnisse geben deshalb ei» besonders anschauliches Bild, weil fast genau dieselbe Anzahl männlicher wie weiblicher Stimmen abgegeben wurde, und zwar 21679 männliche und 21688 weibliche, so daß man auch ohne Berechnung in Prozenten ganz klar die Stimmen- Verteilung bei Männern und Frauen sieht. Es entfielen am 12. November in Mainz: Dentschnationalc.--< Landbund...... Voltsrechispartei.... Volkspartei...,., Zentrum....... Demokraten...«, Sozialdemokraten.,, Kommunisten..... Aus diesen Zahlen geht völlig eindeutig hervor, daß die Frauen in Mainz insgesamt fast zweimal so viel Stimmen dem Zentrum lieferten als die Männer, und daß darunter viele Stimmen von Frauen aus der Arbeiterklasse. waren, deren männliche Berufsgenosssn oder sogar deren Männer sozialdemokratisch oder kommunistisch wählten. Die Sozialdemokraten haben allein mehr als zweimal so viel männliche Stimmen erlangt wie das Zentrum: Sozial- demakraten und Kommunisten zusammen erlangten f a st d i e Hälfte, nämlich 49 Proz. männlicher Stimmen und das Zentrum mir 18 Proz., d. h. w e n i g e r a l v e i n I ü n f t e l. während es mehr weibliche Stimmen erlangte, als die Sozialdemokraten allein: 35 gegen 32, und nur um 329 Stim- wen oder uin Iii- Proz. weniger, als die Sozialdemokraten und Kommunisten zusammen. Daß solche Ergebnisse vor allem durch den kirchlichen Einfluß und nicht durch die bs- sondere Neigung der Frauen nach rechts bewirkt wurden, folgt aus der Tatsache, daß alle rechten Parteien zusammen in Mainz auch mehr männliche als weibliche Stimmen bekamen. Die Ergebnisse der ersten Reichspräsidenten- mahl in Thüringen zeigen uns die Verteilung männlicher und weiblicher Stimmen in einem evangelischen Lande. Es wählten(in Prozenten): Männer Frauen Farrcs(Bürgerblock).... 47,8 52,0 Braun(SPD.i...... 33,0 32,1 Thälmann(KPD.).... 11,3 8,19 Die rechten Partsien haben— wenigstens in diesem Fall — bei weitem nicht so stark vom Frausnwahlrecht profitiert, als das Zentruni in Köln und Mainz. Daß es auch in anderen Fällen, wahrscheinlich in allen Fällen so ist, dafür sprechen die Ergebnisse der getrennten Abstimmungen beim B o l k s e n t s ch e i d, die wiederum in Thüringen und nußer-- dem in 49 Gemeinden in verschiedenen Wahlkreisen stakt- fanden. Es war fast genau so, daß je größer der katholische Anteil an der Gesamtbevölkerung ist. um so größer die' Spanne zwischen männlichen und weibliche» Ja-Stimmen. Hier folgen einige Beispiele, wo das prozentuale Verhältnis der stimmberechtigten Männer und Frauen angegeben wird. x Männer Frauen Spandau........ 62,0 58,1 Gera......... 37.6 52,9 Frankfurt n. M...... 55,8 48,3 Köln......... 46,5 32,8 Stalberg(Reg. Aachen)... 40,1 21,9 Freiflsg(Obe.bayern)... 22,8 12.7 Weilheini(Oberbayern).., 20.9 6,9 Die Volksentscheidbewegung hat in katholischen Gegen- den viele Zentrumswähler mitgerissen, aber die Wähler in viel größerem Ausmaß als die Wählerinnen. Alle Kirchen haben sehr energisch gegen die Furstenenteignung Stellung genommen, man darf aber sagen, daß sie dabei nur bei den Frauen einen erheblichen Erfolg hatten, und die katholische Kirche viel größeren als alle anderen. Ebenso ist es sehr wahrscheinlich, daß der Erfolg des Zentrums bei den letzten hessischen Wahlen darauf zurückzuführen ist, daß diesmal die Kirche, wie gemeldet wird, einen besonders starken Druck auf die Frauen ausgeübt hat, weil sie diese Wahlen als Kund- gebnng für die konfessionelle Schule ausnutzen wollte. Man kann sagen, daß die Frau sich in der Politik als sehr undankbar erwiesen hat: sie stimmt gegen diejenigen Parteien, die das Wahlrecht für sie erkämpft.haben. In Deutschland war es die Sozialdemokratie, die immer die Gleichberechtigung der Frau forderte, und jetzt find es die beiden sozialistischen Parteien, die dadurch benachteiligt werden, daß bedeutend weniger Frauen als Männer sozialdemokratisch bzw. kommunistisch wählen. Die Herr- schaft des Zentrums und der Rechtsparteien steht zum großen Teil auf dem falschen Gebrauch, den die Frau von Ihrem Bürgerrecht macht. Der Kampf um die Stimmen der Frau ist ein entscheidend wichtiger Teil des Kampfes um den Sozialismus.________ C. D. Geschichte der Frauenbewegung. Ii» Verlag Herbig, Berlin, erscheinen„Qtiellenbsfte zum Frauenleben in der Geschichte", die als Material filr den Geschichtsunterricht gedacht sind Sie enthalten kurze Einleitungen und im übrigen nur Onellenmaterial, Auszüge. aus Aussätzen, Briefe, Urkunden usw. Hest 17„Die Ansänge der Frauenbewegung" ist van 5z e l e n e Lange bearbeitet. Hier sinden wir neben der„Adresse eines Mädchens"(Louise Otto) an den Minister Oberländer, in der sie das Recht der Frauen auf Arbeit betont, und der ersten Seit« der„ersten deutschen Frauenzeitung" ans dem Jahre t8W auch eine» grohm Abschnitt aus dem Buch von Louise Otto-Peters„Frauenleben im Deutschen Reich". Es ist eine ausgezeichnete Schilderung der Frauen- arbeit im gutsituierten Bürgerhaushalt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts; auf» deutlichste wird veranschaulicht, warum die Fralteitbeweguug in Deutschland verhältnismäßig spät einsetzte, wie die Maschine erst Frnuenlräste im Haushalt srei machte, die dann nach anderer Betätigung und infolgedessen anderen BUduugsmöglich- leiten drängten. Das Heft könnte Lehrende und Lernende in den Schulen zu eigenem Studium anregen und ihnen in gewissem Sinne de» Weg zeigen. Das ist weniger der Fall in den beiden 5zetien über„Die organisierte Frauenbewegung" von Agnes Gosche. Wer die organisierte Frauenbewegung kennt, es ist selbstverständlich in diesen Hosten ausschließlich die bürgerliche Frauenbewegung behandelst empfindet manche Lücken, und er fragt sich ojst warum gerade dst'se und nicht andere Quellen zitiert wurden. So bringt, um nur eins herauszugreifen, der Abscknitt Frauenbewegung und Weltkrieg nur einen Auszug aus„Weit hinter den Schützengräben" von Ger-- trud Bäumer, etwas über den nationalen Frauendienst und einige Abschnitte über die Wirkungen des Krieges aus die Frauenarbeit van Helene Lange, über die Arbeit für den Friede» nichts. Die richtige Auswahl für einen immerhin beschrärckten Raum zu treffen, niag Nickt leicht sein, aber dem, der unterrichten und dem, der lernen will, muß wenigstens das Theina lebendig geinaÄt werden. Das aber ver- missen wir. Rur hin und wieder ist der Zusammenhang der Frauen- bewegung mit dem Leben der Zeit heraeitelit, so daß man spürt, wie die wirtscbastlichcn Verhältnisse zuin Aufbau der Frauenbewegung führte». Viele Zitate lasten gänzlich gleichgültig, manche sind, viel- leicht in dein Streben nach Objektivität gegenüber anderen Rich- tungen, nichtssagend. Die Idee, Material über die Frauenbewegung für den Gcschichis- Unterricht zusammenzustellen, ist an sich gut, aber man kann die Frauenbewegung nicht losgelöst von den wirtschastlichen Verhältnissen darstelle». Um sie dem Verständnis nahezubringen, inuß man sie in ihrer Aerslechtung nnt dem gesamten Leben des Volkes in allen seinen Schichten zeigen. Lebhafter als diese Hefte ist ein anderes von Dr. Käthe S ch i r- m a ch e r:„Was verdankt die deutsche Frau der deutschen Frauen- bewegung"(Verlag Schneider, Ouerfurt), das stark auf Propaganda eingestellt ist. Dr. Schirmacher skizziert kurz de» whischastlichen und sozialen Hintergrund der Frauenbewegung, zu der sie gehörte, und mit der sie in Konflikt kam, als die deutsche Frauenbewegung nach ihrer Ausfassung nicht mehr„national" war. Sic trat mit Leiden- schast für Ausnahmegesetze ini Osten ein, das machte die Frauen- bewegung nicht mit.„Sozialdemokratie, Judentum, Pazifismus gingen geschlossen gegen mich." Ihre Abneigung gegen die Sozial- dcnwrratie klingt inmier wieder durch, ebenso wie ibre völkische Einstellung. Sie will die deutsche Frauenbewegung wieder national machen, sie will das„uralte arische Licktsuchen deutscher Seelen, dem die Bewegung entsprang" wieder wecken, es gelte„wieder cinzu- treten in den großen ansch-aerinonischen Fackelzug", der durch die Jahrtausende walle. Vielleicht lgü Dr. Schirmacher die Absicht, völkische Anschauungen in der Frauenbewegung zu verbreiten. Ob che Ntnüt allerdings den Erfolg haben wird, der den völkischen Ver- 'u der Politik bisher versagt war. ist sebr zu bezweiicln. T. B. ,/Bk Giettung öss Kindes." „lieber die Stellung des Kindes, in Ehe und Ehescheidung" lautete das Thema eines Vortrags, den Frau Dr. Marie Münk am 22. November in der Geselsichaft für Sexualresorm hielt. Frau Dr. Münk kam hier zum Teil zu Forderungen, die man sich nicht ohne weiteres wird zu eigen machen können; so verlangt sie z. B. verschärsie Straf« für Ehemänner, die ihre Frauen gegen deren Wunsch und Willen zu Abtreibungen veranlassen, ohne daraus Rück- stcht zu nehmen, welch reiches Feld für Erpressungen und Denun- ziationen dadurch gerade bei Ehekonflikten geichafsen wird. Im übrigen kann man ihr wrhl zustimmen, wenn sie behauptet, datz unter dem heutigen gesetzlich verankerten Uebergewicht des Mannes in der Ehe nicht nur die Frau, sondern auch die Kinder zu leiden Freudiges Ereignis im Wiener Zoo. Las Allxf-r» ZleSi ist TOatt« geworSen, „Ro, was is denn Roferl, wo gehn ma denn hin?" „Do fragst no'? Zu der Mutterberatung, die städttschen WtndelN hol'«!" lWiww haben. So gibt bei Erziehringskonslikten heute der Willen des Mannes einfach den Ausschlag, anstatt daß beide Teile als gleich» berechtigt nebeneinander stehen, eventuell mit der Möglichkeit, das Jugendamt als unparteiischen Schlichter anzurufen. Besonders ge- fährdet seien die Kinder aber stcis bei Ehescheidungen, durch das Hin- und Herzerren im Wechsel der Instanzen, durch den„Kampf um das Kind", der in vielen Fällen aus reinen Prestigegründen oder aus materielle» Interessen geführt werde. Hier sei zu fordern, daß schon bei Beginn eines Ehescheidungsprozesses das Vormundschasts» gericht im Einvernehmen mit dein Jugendamt darüber entscheide, welcher der Ehegatten mit der Erziehung der Kinder betraut werden solle. In jedem Falle habe hier die �Schuldsrage" auszuscheiden, d. h. der jetzige Zustand, bei dem die Kinder automatisch dem nicht- schuldigen Teil„z u q e s p r o ch e n" würden. Die Frage der Schuld oder Nichtjchuld besage für die Eignung zur Kindererziehung nach gar nichts. Die Eintreibung der Erziehungsbeiträge müsse aber>>» Interesse der Kinder von de» Jugendämtern übernommen werden, denn jetzt sei es den Bätern zu leicht gemacht, sich den Verpflichtungen zu entziehen, die ihnen vom Gericht auserlegt würden. Wechsel der Arbeitsstelle, Verschleierung des Verdienstes sei den privaten Nachforschungen der Frau gegenüber weit leichter möglich, als einer Behörde gegenüber... Der Vortrag der Frau Dr. Riunk wurde zu wenig durch An- sührung konkreter Fälle untermalt; es beweist auch weniq Einsicht in die Psnck)0iov>e der Ehescheidung, wenn Frau Dr. Münk meint, der„erziehende Teil habe sich seder Beeinflussung der Kinder gegen den anderen Clternteil zu enthalten". Das dürste in der durch den Kampf um materielle Interessen und den Sexualhaß vergifteten Atmosphäre gerade der ersten Zeit eines Scheidungsprozesies zumeist «ine osycholvgische Unmöglichkeit fein. In der Debatte wurden einige Fälle angeführt, die bewiesen, mit weich eigentümlichen Argumenten auch beim BorimindschaftS- gericht gearbeitet wird. Einem Geschiedenen wurden die Kinder ent- zogen, well er schuldig ivar, und zwar war er wegen eines 20 Jahre zurückliegenden Ehebruchs geschieden worden! In Rußland sei übrigens die Eintreibung der Erziehunasbeiträge dabin geregelt, daß die Mutter dieses Geld einfach vom Staate vorgestreckt erhalte, während der Staat die Einziehmrg besorge. So sei die pausenlose Zahlung der Alimente am besten gesichert. Auch tauchte in der Debatte der GeNmke aul. den Kindern nam zwölften Jahre ob wenigstens ein Mitbestimmungsrecht in der Wahl ihrer Erzieher einzuräumen, analcg den Bestimmungen, die dl« religiöse Selbstbestimmung der Kinder heute sichern. R. E. In Liverpool warte ein weihlich-w Lordmayor tOber- biirgcrmeister) qewäh't. Es ist dies Miß Margaret Beavan, die. wie die konjervaiive Presse berichtet,„den größten Tel ihres bisherigen Lebens der Fürsorge für verkrüppelte Kinder gewidmet hat. Sie hat in 27 Jahren über 10 Millionen Mark für eine von ihr gegründete Kindermohifahrtsvereinigung gefammelt." Ws verbitterte Ehefrau schr«'>»t: B e-r l i n, den 11. November 1927, Geehrte RedattionI Zlnj den Artikel m der„Frauenstimme" vom 1V. November 192? „Wege und Irrwege der Liebe" Rr. 1 möchte ich Ihnen folgendes antworten. Sie berichten von einem Fräulein, welches von einem ver- heirateten Manne das vierte Kind unterm Herzen trägt. Sie nehmen ein Weib in Schutz, welches wohl unmöglicher schmutziger handeln konnte, wie sie es getan. Sie nehmen einen Mann in Schutz, welcher ebenso schmutzig handelte wie seine Geliebte, und verdammen die Ehefrau, welche sich in hartnäckiger Verbitterung nicht scheiden lassen will, und Sie selbst(Eheberatungsstelle) wollen noch zur Trennung mithelfenl Ist das sozial gedacht und gehandelt? Können Sie nicht verstehen, was es heißt, von einem Manne betrogen werden, den Man doch mal innig gebliebt hat. Den sie schließlich noch liebt, aber nicht mehr achten kann, tnßplgedessen die Liebe unterdrückt. Scham« loset und unsozialer kann wohl kein Weib Händeln, als Frauen diese» Schlages, welche das Ehenliick anderer zerstören, und lcham« loser kein Mann wie dieser. Wissen Sie auch genau, weshalb die Ehe unglücklich Ist? Haben Sie auch die verbitterte Eheftau noch dem. Grund gefragt. Ich bin sicher nicht kleinlich, aber eine so erbärmliche Handlungsweise werde ich nie entschuldigen, und wi« kh denke, so denkt jedes ehrliche Weib. Es gibt genug ledige Männer, niachi-Wr«. verheirateten Schwestern nicht unglücklich. Auf diesen Artikel antworte ich nur, weil ich ehrlich erstaunt bin. daß Eoziatisten derartige Menschen noch I» Schutz nehmen. Der Mann setzt vier Kinder in die Welt, nennt zwei Frauen sein eigen, und weih, daß er sie nicht ernähre» kann. Ein seiner Charakterl Eine„Vorwärts"«Leserin. Antwort. Daß„jedes ehrliche Weib" so denkt, wie die Verfasserin dieser Zuschrift, ist nicht anzunehmen. Es ist freilich furchtbar schwer, zumal für die ältere Froucngeneralion, aus der rein bürgerlichen Bewertung der Ehe herauszukommen. Was ist sür den Sozialisten die Che. was soll sie einst sein? Doch nicht mehr eine tote Form, die auf der Grundlage der ökonomischen Interesfenq«- meinschaft um ihrer selbst wille» erhalten wird, sondern eme Ge- meinschast. die täglich und stündlich ihre innere Lebenskrast in der Innigen Scelenverbundenheit der beiden Partner neu zu erweisen hat. Wo das nicht mehr voriianden ist, ist die Form wertlos ge« worden, ist die künstliche Ausrechterhaltung der Ehe unsittlich. Wir müssen endlich einmal loskommen von dem oeralieten Schuld- begriff, wir dürfen nicht mehr nach„Schuld" auf einer Seite suchen, sondern müssen die Tatsache des Siebauseinanderlebens als eine Gegebenheit hinnehmen. Durch das Jawort vor dem Standes- beamten wird nach unserer Ausfassung kein lebenslängliches B e I! tz r e ch t auf den enderen Menschen begründet. Wenn also, wie in dem geschilderten Falle, die Ehe innerlich brüchig geworden ist, der Mann(oder die Frau) bei einem anderen Menschen seine Heimat gesunden, mit diesem eine Familie gegründet hat, so ist es durchaus unsittlich von dem anderen Ehepartner, ihn an der Schlinge der Parigraphen lebenslänglich zu ketten. Mag sich der andere auch noch so unschuldig an dem Bruch fühlen,— er muß in einem solchen Falle vor den Taisachen weichen. Hier spielt natürlich das finanzielle Moment eine große Rolle, und die durch jahrelange Haushaitsarbeit dem Berufsleben enffremdcte oder zu alt gewordene Ehefrau darf nicht plötzlich und unvorbereitet dem Nichts gegeiillberstchen. Hier müßte, abgesehen von aller„Schuld"« Untersuchung, eine gesetziiche Regelung getroffen werden. Daß es„genug ledige Männer" gibt, ist ein großer Irrtum der Versasserin. 14 Millionen Männern im heiratsfähigen Alter stehen heut« 29 Millionen Frauen in diesem Aster gegenüber. De? Krieg hat sür unsere Genera-ion von Slaatswcgcn Zustände geschassen, die zwangsläufig viele Menschen zum„Ehebruch" treiben,— auch ei» Grund, derartig«„Vergehen"'nis Sozialist milder zu betrachten. H. S. Aus der Praxis der Eheberatung. IV. Schon öfter überraschte uns die Duplizität oder die ähnliche Lagerung zweier Fälle, die im Verlause einer Spvechstunde zutage traten. So auch jetzt, als wiederum ein junger Mann hercintrlttz der ähnliche Nöte offenbart. Er sieht derb und vollblütig.aus, die Statur ist gedrungen und unterjctzt, er fleht im Ansang der Zwan« ziger. Auch ihm will die natürlich« Scheu vor der Frau als Be- raterin erst den Mund verschließen— ein seltsamer Gegensatz zu der robusten EstsJeinung. Aber anbei rite Sachlichkeit siihrt auch dtcsein Fall zum Ziel. Er ist vcrni Drang des unbejriedigten Ge- schlechtes zur Onanie verführt morden und nun in großer Unruhe woge» etwaiger stesundhettlicher Schädigungen, die törichle„populäre" �SchrtsU'ii und Lc�kkonwelsheit nwnchmal gar nicht schwarz genug ausmalen können.. In diesem Punkte können wir ihn mit gutem Gewisscii beruhigen, allerdings unter Betonung des Stand- punkles, daß Selbffbesriedi guiig doch immer nur ein naturwidriger Ersatz ist. Sie schädigt. den M.ii, �eeuich, indem sie ihn vereinsamt und egozentrisch nuicht, sie hat auch oft genug die zeitweilige Einbuße der Fähigkeit zum normalen Geschlechtsverkehr aur Folge. Durch weiteres Befragen stellen wir fest, daß der Be- suche? als Fleischer ein starker Fleischesser ist, daß er auch seine körperlichen Kräste nicht in den Mußestunden in gesunde sportliche Betätigung umsetzt. Wir machen ibn allo aus die Fehler seiner Lebensweise aufmerksam. Mit der Möglichkeit zum normalen Ge- schlechtsverkchr steht es so, daß seine Braut, mit der..er bereits verkehrt hat, gefühlskalt und abgeneigt ist, was sich nach einem künstlichen Abort noch verstärkt hat. Ilm mit der Heilung auch au diesem wichtigen Punkte einsetzen zu könne», bitten wir um de» Besuch des Mädchens. Gefühlskält« der Frau kann auf verschiedene» Ursachen beruhen und ist vielfach heilbar,— besonders kann ihr durch Einsetzung eines Vorbeugungsmittels die gefühlstötende Angst vor neuer Schwaugerschaft und neuem Abort genominen werden. V. Der nächste Fall führt mitten hinein in eine Ehetragödie unserer Tage. Eine trotz körperlichen und seelischen Leidens immer noch ?übschs und gefällig angezogen« junge Frau offenbart den Zu- ammenbruch ihrer vierjährigen Eh«. Aus sicherer und nicht schlecht bezahlter Tätigkeit Heraug heiratet sie aus Liek e einen jungen Mann, der nach ihrer Schilderung geradezu von erotischer Manie besesse» sein muß. Nicht allein, daß er sie, die infolge einer Eierftockentzündung— eine Folge eines vorehelichen Psulchabortes— bei häufigem Verkehr Schmerzen empfindet, mit seiner unstillbaren Begierde und Rücksichtslosigkeit peinigt, hat sie allen Grund zur Vermutung, daß er sie von Anfang an betrogen hat. Sie kann kaum mit ihrem Mann über die Straße gehen oder einen Tanzfaal betreten, ohne daß er vor ihren Augen mit Blicken und Worten erotische Beziehungen»ach allen Seiten anzuspinnen sticht. Vor einer Entdeckung aber hat er sich bisher sorgfältig zu schützen ge- mußt. Nunmehr aber glaubt die bedauernswerte Frau Unterlagen für Beziehungen ihres Mannes zu einer Prostituierten zu haken. Ein Schluchzen bricht aus ihrer gepeinigten Seele i wie gern wäre sie der unwürdigen Bande ledig, um wieder aus eigenen, noch un- gebrochene» Arbeitskräften sich ein neues Leben aufzubauen. Wir raten ibr dringend, sich so eingehende Unterlagen me möglich sür die Scheidungs klage zu beschaffen, sich ihrem Manne aus Gesundheits- und rechrlichen Gründen unier allen Umständen zu versagen und verweisen sie an den Rechtsanwalt, der sich für solche Fälle aus sozialem Mitgefühl uns zur Bersüoung gestellt hat. VI. Als nächste betritt ein siebzehnjähriges, ungemein tmupatlstjches und ansprechendes Mädchen das Zimmer, Typ eines ernsten, ringen» den Mädchens derJugendbewegung. Sie hat den weiten Weg von einem der äußersten Bororte zu uns gefunden. Zögernd und doch voll aufbrechenden Vertrauens berichtet sie uns ihren Kummer. Sie ist Kind freidenkender, moderner Eltern, die ihr Freundschaftsbündnis mit einem gleichstrebenden Jüngling gekilligt haben, die ihr gemeinsame Beraiistattungsbesuche und Wanderungen mit dem Freund großzügig erlaubt haben. Niemals in den drei Jahre» sind ihre Beziehungen über den Rahmen jugendlicher Kameradschaft hinausgegangen. Bis an einem warmen, öviffchweren Sommerabend, da sie und der Freund träumend am User eines Waldfecs saßen, zwischen den beiden jungen Menfiben die Liebe aufbrach. Die daraus folgende Verzögerung der Monatsrepek des Mädchens bestärkt noch ihre Angst, daß etwas oeichehen sein könnte. Zwar würden die Eltern sie nicht töricht verstoßen, aber die Eni- täuschung sreimütigen Vertrauens, die Schwerigkeite» in der Stellung des Mädchens als Stenotypistin wirken sehr bedrückend aus dag junge Paar, das an Heiraten noch Mir nicht denken kann. Bei der Beichte des Mädchens haben wir gleich unsere Zweifel, ob es bei der seelischen Verfassung dieser kindlich unschuld'gen jungen Menschen überhaupt zu etwas Ernsthaftem gekommen ist. Die Angst ist ja aerade bei so sensiblen Seelen leicht übertrieben. Verzögerung der Monatsregel tritt ost ohne sonstigen Grund als eben aus dieser Angst heraus ei». Die ärztliche Untersuchung ergibt auch richttgi eine virgo intacla, eine unberührte Junasrau. Ein harmloses Mittel zur Herbeiführimg der Regel wird verschrieben, und strahlend verläßt uns das Mädchen, um zu dem ängstlich harrenden Freunde zu eilen. Hedwig Schwor� Eine 22jährige Siadiräiin. Die Gemeindewahlen, die Ansang November in Eingland statt- fanden, brachte» der Arbeiterpartei 128 Mandate. Unter den vielen Arbeitersrauen, die in die Gemeinderäte entsandt wurden, befindet sich eine erst 2 2 I a h r e a l t e H a u s g e h i l f i n, die in Bootle lLanca- s stire) zur Gemeinderätin oewäblt wurde. Sie arbeitet jcbon seit drei Jahren in der politischen Arbeiterbewegung. S'e wird ihren Beruf weiter ausüben, da ihr Arbeitgeber ihr Freizeit gewährt, um an den Gemeinderaissitzungen teilzunehmen. Ihre Wahl versetzt« der reaktiv- nären Presse einen argen< ltoß Die halte einen Kamm bn�-n oe- stihrt. das„Backfische" das Wahlrecht bekommen AoS und Aröeit her Hebammsts. Ii» der ftauptoerftlmmiting des„Vereins deuischer f>edner,Mlich. Die Fra»! hat nur den einen Wunsch, es zu Boden zu werfen»md zu zertreten,»im das unersättliche, ewig fordernde Leven in Hm z»t töten. Und dann das fließende Band mit brutaler Kraft Anhalten! Sich»iicht mehr von ihm knechten lassen! Ihm ihren Wüten aufzwingen und endlich wieder Mensch sein»nit freiem Entschlnß, mit eigenem Wiilenl Qualvoll sind jetzt die Tage. Die Ejtv.yfrTtr'thib Ewigkeiten. Wohl bewegt sich die Hand nach wie vor gehorsam und gleichmäßig, aber in der Seele ist eine brennende Unruhe, die sich bis zur Ber- zweiflung steigert. Und dann kommen Augenblicke der Selbstvor- »vürfe, des angstvollen Fragens, was werden soll, wenn sie die Fabrik verlüßtl Wieder aus der Straße liegen, wieder betteln um Arbeit, krank»md hungrig sein, sich treten"und demütigen lassen, immer in de» Spannung, od der Morgen endlich etivas bringeil wird, ob man sie irgendwo brauchen kann... In ihrer Freizeit sucht sie sich zu zerstreuen. Sie sitzt im Kino. Sie geht zur Leihbibliothek und trögt Novellen, Romane Humoresken nach'Hause. Aber die Gedanken kehren lmmer wieder zum gleiche»» Punkt zurück. Bis eines Tages etwas Neues in ihr Leben»ritt. Nichts Bedeutendes, sondern etwas ganz Nüchternes, Alltägliches, ein lächerlicher, kleiner Zufall. Bielleicht hat sie die Nummer un- leserlich geschrieben. Vielleicht ist das blasse, schmale Geschöpf, das sie bediente, noch müder als sonst. An Stelle der Unterhaltungstektüre erhält sie etwas anderes, eine Abhandlung ü?er ein Thema, von den» sie sonst noch nie etwas gehört hast dessen Flamen sie nicht einmal kennt. Enttäuscht durchbtättert sie die Seiten:, bis sie plötzlich stutzt. Da ist eine Maschine neben anderen ihr rmverständlichen Zeich- nungen. Und hterl Das kleine Eisenstückche»! Sicht es nicht aus »vi- das andere, das sie längst das„ihre" zu Hennen gewohnt ist? Sie sängt an zu icsei» in ateinloser Hast. Vieles kann sie nicht verstehen, ober das kümmert sie Mcht. Was sie selbst angeht, das begreift sie wohl. Sie liest von der Umwälzung, die die neue Betnebswissen- [chaft im Lebe» der Arbeiter verursacht«, von dem Haß vieler gegen das neue aus Amerika herübergekommene System, das Taufende brottos machte. Stets war es so, wenn eine neue Erfindung oder eine neue Arbettsrveise eintrat. Aber die einzelnen können sick nicht stemmen gegen den technischen Fortschritt. Was nützte, es, daß die Arbeiter vor hundert Iahren Fabriken stürmten und Maschinen zer- schlugen! Die Fabrik, die Maschine blieb Sieger Es gibt nur einen Weg. Der Arbeiter darf nicht der widerstrebende Sklave des Fortschritts sein, sondern er muh alle Kraft daran setzen, ihn sich dienstbar zu machen,»lst» zu beherrschen. Er muß Wächter sein über das fliehende Band, damit es nicht in der Hand des Unternehiners zum Antreiber werde. Es ist zutecklos, das neue System einfach abzulehnen. Biel wertvoller ist es, sich mit ihm zu beschäftigen, in der Fabrik wachsam zu sein, damit die nöuen Arbeitsbedingunegn nicht unter. Ausschluß, sondern unter Mitwirkung der Arbeiter ge- regelt werden. Wenn der Proletarier das erreicht, dann ist er keine Maschine mehr, sondern ei» lebendiges, schassendes Glied. Dazu ober bedarf es der Zusammenarbeit von«zranen und Männern. Denn.sie sind Brüder und Schwestern am gemeinsamen Werk, da» sie schaffen wollen. Es ist tief in der Nächst als die Frau das Buch aus der Hand legt. Nur wenige Stunden Schlaf darf sie.sich noch gönnen. An» Morgen sitzt sie wieder an ihrem Platz, und'-.alles ist wie immer. Las fließende Band bringt stets neue Arbeit, u»H die Hand verrichtet die alte» B.'ivegungen." Nur in ihr ist ciiuafe anders geworden. Wohl empfindet sie auch jetzt noch den gletchmä'ßigcn Sthythmus, i» den sie eingeivagnt ist, aber ihre Gedanken gehest zweiter, viel»veiter. Sie sieht Millionen von Frauen zusammensk�ömen. Aus den Wareiihönseri», aus Kontoren und Betrieben, Vit»» der häuslichen Arbeit kommen sie. Sie stellen sich au die Seite1: der Männer und schreiten gemeinsam einem gemeinsamen Ziel enhasgeii. Und dann sieht die Frau sich selbst. In her vorderste» Nüihe geht sie. Ihre Augen leuchten, und die beiden Hände mnfassen inbrünstig und fest den Schaft-iner Fahne, die wie ein glühendes s�eurrbond über die Reihen»veht. Und während immer und immer wieder die Hand zu einem neuen Eisenteilchen oreisl, lächelt die Fraiu über das lliesiend? Band hinweg, dem neuen Leben, der Zukunft entgegen E. W. Peraiilwortlicho Echrkftleihmg'i B 0(t fl ri n ß ch w a r z, Bectiu.