Frauenstimme \ Xr.2.45.Iahrg«,g j"BcHQQC ZUM UOHüfitfe j 19. 3fl»wor 1 Wä"? smummM lamm i»uk-. rfwr>ae:�agci�-->.' f y ju-j:�.ACT'a6un*--jrJn..>• v-�t yrFJjaawa�gcagtgagn«�«» i«'ll» Mgaa— a—a—■ Krauen im Parlament. Der heutige deutsche Reichetag zählt rund 500 Mitglieder. Schatzungsweije 200 von diesen Reichstagsabgeordneten find mit den Stimmen von Frauen gewählt. Än der Zusammensetzung des Reichstages spiegelt sich, daß wir erst am Anfang einer Epoche politischer Gleichberechtigung beider Geschlechter stehen. Roch entspricht die der weiblichen Abgeordneten bei weitem nilyt der Zahl der Wählerinnen. Historisch ist es sehr wohl zu begreifen, wenn sich die Frauen, ebenso wie die Männer, erst oll- mählich hineinleben miilien t» die Zeit der Gleichberechtigung. Wenn von 483 Reichstag»- abgeordneten 33 weiblichen Ge- schlechts sind, so ist das zwar noch ein recht bescheidener An» fang, verglichen aber mit anderen Ländern, aber doch nicht gerade beschämend für die deutschen Frauen. Ein recht betrübliche« Bild oom Fraueneiusluß im Reichstag erhält man aber,»nenn man die Entwicklung seit den« Bestehen des Frauenwohlrechte» verfolgt. Die zunehmend« Wählerzahl steigerte die Gesamt- zahl der Abgeordneten bei den vier Wahlen seit 1818 von 423 auf 493. Weibliche Abgeordnete hatten wir: 41— 36— 29— 33. Also ein fast reget- mäsiiger Rückgang, Stach nachdenklicher stimmt es. wenn man die Zahlen allein für unsere Partei(einschließlich der früheren USPD.) vergleicht. Unsere Frattionsstärke betrug nach der Wahl zur Nationalversamm- lung und nach den drei Reick>stogswahlen: 187— 194— 100 — 131, die Zahl der»vetblichen Fraktionsnntglieder: 29— 22— 11— 16. Im preußischen Landtag haben wir eine Fraktion von 114 Mitgliedern, darunter 16 weibliche Abgeordnete. Insgesamt betrug die Zahl der weidlichen Abgeordneten bei den verschiedenen Wahlen in Preußen: 23— 42— 39. ln Bayern: 8— 6— 4 und in Württen,- berg: 13— 5— 5. Könnte man sich auch zunächst abfinden mit der geringen Zahl der weiblichen Aögeordnelen überhaupt, so wäre doch dafür die Boraussetzvng. daß sich ein gerader Weg z«' nehmenden Franeneinflusses erkennen ließe. Das ist aber nicht der Fall. Der Weg scheint mindestens sehr krumm zu sein, wenn man nicht überhaupt resignierend feststellen will. daß er bergab führt. Im Reichstag, in den Landtagen und in den Gemeindeparlamenten ist die Zahl der«veiblichen Mit- glteder heute durchweg niedriger als bei der ersten Wahl nach der Revolution. Die Frauen aller Parteien stehen anläßlich der bevorstehenden Nominierung der neuen Parlaments- tandidaten vor der Entscheidung, ob sie resignieren oder ob sie neben ihrer Parteisache die Sache der Frauen mit Energie vertreten wollen. Unsere Partei, die wir immer voll Stolz als die Er- kämpferin des Frauenmalstrechts bezeichnen, weist zwar noch immer die gröHe Zahl weiblicher Abgeordnete aus, ober— der Rückgang der Gesamtzahl der Parlameularicrinnen ist d | HaselftrauG im �Winter. Der Haselstrauch träumt frühlingssöhwer 3X»d treibt und dränget immer mehr Troh kalten BMntertagen. Er mö&tt fa der Erste sein. n si, deren Buch über Geschiechtev- Psychologie bei seinem Erscheine» starkes Aufsehen erregte, weil darin nochgewiesen wurde, daß in manchen Staaten und zu manchen Zeiten die jetzt als weiblich geltenden Berufe von Mämiern ausgeübt wurden und umgekehrt, machte vor kurzem interesiante Msttellimgen darüber, wie auch In Deutschland bestimmte Arten von weiblicher Handarbeit lange von Männern geübt wurden. So strickton die Schäfer'ganz allgemein, und auch die Knechte, die hinter dem Pfluge gingen, sollen Im Münster- lande gestrickt haben. Im Hannoverschen war dos Spinnen der Männer lange üblich. Männl che Köche sind auch heute noch ln der ganzen Welt in Hotels und gastwirtschastlichen Großbetrieben tätig. In China waschen Männer die Wasche. Krauenwahlrechi in Ärasilieu. Der Senat hat beschlossen, dem Drängen von Hunderttausende» von Frauenrechtlern nachzugeben und den Frauen das aktive und passive Wahlrecht zu gewähren. yij. Die erweiterte Heibaudi. Z>« von der Zentrale der Berlii>er Haussrauenvereine(te* ichalfene Einrtchwng �Hauswlrtschastllche Einkaussbenrtung, Aus- tlmst-Dtenst" Am Karlsbad 12/13 lud ihre Freunde und die Preise ,ur Erössnung van neu angegliederten Räumen. Sie umsaht ieftt insgesamt 7 Räume, von denen allein drei der Elektrizität gewidmet find Bei Besichtigung der sauberen, blanken und zweckmähigen elektrischen Gerät«, die in immer neuen Fonnen und Ber- Wendungsmöglichkeiten aus dem Rtartt erscheinen, saht einen das Bedauern nicht allein über die Höhe der Anschaffungskosten. son- bern, was noch wesentlicher Ist, über die Kostspieligkeit ihrer Be- nuftung. Eoiange eben elektris He Heiz, und Kochapparate welent. lich teurer in der Benutzung sind als Osenheizung und Kochgas. haben ihr« unzweiselhasten Lorzüge für die große Mast« der Bevölkerung pur platonischen Wert. Die elektrische Waschküche mit Trocken- ichleuder, der elektrische Kochherd mit Warmwasterspeicher und Kühl- schrank, der Küchenmotor mit der Möglichkeit zum Betrieb aller nur denkbaren Ktichengeräte und zum Brot und Amschirittschnei- den. stich sür die Arbeiterfrau ein ewig unerfüllbarer Traum. Das gleich« gilt von dem entzückenden elektrischen Teeziinmer, das mit Teemaschine. Brotröster usw. eine behagliche, störungslose Gesell- fchast ermöglicht. Ein häßliches, altmodisches Kachelosenungetüm tvar zu einem geschuiackvvllen. kaminartigen elektrischen Wärme- spende r umgebaut. Die elektrische Abteilung der �Heibandi" wurde mit Hilf« der Städtischen Elektrizitätswerke eingerichtet, die ferner einen Fachmann dauernd zur Beratung stellen. Lon der Ausstellungsleitung stolz als„Clou" betrachtet, aber von uns mit einigen Bedenken zur Kenntnis genommen, war die ausgestellte W o h n u n g o e i n r i chtu n g der alleinstehen- den oerusstättgen Frau. In den Raum ragt ein viereckiges tastenartiges, massives Gebilde, das nach einer Seite geössnet ist und eine komplette Kleinküche mit Herd, Küchensch rank und Abwasch- bassin enthält. Born ist ein Bücherschrank eingesügt und in einer Auhennische sind et sich eine eingebaute» WaschtolleNe. Die Ein- richnmg wird veroollständigt durch einen Schiaidivan und Schreib- schrank. Der Verkaufspreis für die Einrichtung einschliehlich des Lentilators, der für Erneuerung der Luft sorgt, und anderer kleinerer Einrichiungsgegenstände beträgt ISÜst M. Jedoch ist zu berücksichtigen, daß es sich um einen erstmaligen Versuch handelt und die Einrichtung nt der Massenherstellung ganz erheblich ver- billigt werden kann, dazu kommt die Möglichkeit der Ratenzahlung. Trotz des gewinnenden ersten Eindruckes, der sich sehr vorteilhast von dem üblichen unwlrtschastlichen und geschmacklosen Heim der .möblierten Dame" abhebt, sind hier Schwierigkeiten praktischer Art und Bedenken grnndsätzlicher Bedeutung zu erwähnen. Zunächst dürfte es bei dein allgemeinen Mangel an Leerzlmmern und dem Widerstreben der obermieterlichen Machthaber, dieses Leer- gimmer durch zahlreiche Gas-, Elektrizitäts- und Wasteranschiüste zu bereichern, nur in seltenen Fällen möglich sein, ein« solche Em- richtung zch-berivetten. Grundsätzlich aber nnissen wir uns auf den Standpunkt stellen, dah dieser Liliputhausholt keine Lösung des Wohnproblems der benisslätigen Frau darstellt. So wenig man es von dem Mann verlangt, dah er nach anstrengender Berufsarbeit kocht, wäscht, bügelt und scheuert, sondern sich selbst- retstandlich seiner Erholung und Weiterbildung widmet, so wenig sollte man eine derartig aus veralteten Konventionen geborene Zumutung an die berufstätige Frau stellen. Das gäbe neue Nah- rü'.tg für die bewußte Schlang«, die sich in den Schwanz beihi: man bewiu.ij.i der Frau nicht das gleiche Einkommen für die gleiche Leistung,.weil sie sich angeblich„in vielem selbst helfen kann", und weil sie das ttli. weil sie noch auherberusliche Haushaltarbeit leistet, ist sie dann„keine vollwertige Berusskrast". Also die Lösung der Wohnungsfrage für Z>ie berufstätige Frau kann nur in der gleichen Richtung liegen wie die' des Mannes: in der Schafsugg von Le» dl gen Heimen, in denen durch rationalisierten Grohhcuishalts- betrieb dem berusstätigen Menschen alle kleinliche Sonderarbeit abgenommen wird. Am wertvollsten und.den Bedürfnissen des grohcn Publikums am weitesten entgegenkomm'.-nd sind wiederum die gezeigten billi- gen Haushalts klein ig l'eiten, die den iögliche» Betrieb wesentlich erleichicrn. Man sa.h eine praktische automatische Flei Ichgabel, die dem ZurLckfi.'.llen des aufgespießten Fleisches vorbeugt, die D e l v e g- L ö f s e l in erprobten, von dem N«blichen zum Teil abweichenden Formen, das neue Waschmitiel für Kunst- seid« Merceresin, welches den Glanz der Seid« erhält, den beim Kochen psetfenden Wasserkessel, der die �Haus- frau von Ihrer Arbeit in anderen Rüuinen in die Küche zurückruft, die Brikettzange in Scherensonn>. einen Zwiebelschneider, ein Mehlsieb, einen praktischen Messerretnßier, einen elektrischen Gasanzünder, einen mit Schmirgelleinen reinigenden Herdputzer, eine Waschlaßklammer zum Schonen der Zinkwanne beim Zlusschrauben einer Wringmaschine und anderes mehr." Von den größeren Maschinen i.�ßt sich nur wiederholen, was schon vor einigen Wocl-en in diesen Blättern anläßlich der Eröffnung der.�Heibaudt" gesagt wurde: sic� sind für den proletari- Ich?» Einzelhaushalt, sa sogar für den belcheidene» Mlttelstands- haushalt zu teuer. Jede mit geringen Mitteln wirtschaftende Hausfrau wird es sich sehr übcrlcgeu müssen., ob sie für eine» Kar- toffelschncider 4 M., für eine Messerschärfmaschine 5,50 M., füg einen Bohnenschneider 3, SO M. und gar sür«ine zugegebenermaßen noch unoolltoinmen arbeitende Kartosselschälmaschme den enormen Preis von SO M. bezahlt. Besondere Erwähnung«ber verdient der Satz von drei Etagenkochtöpsen aus Aluminium, der eine rcst- lose Ausnutzung des Kochgases gestattet und der sür den Preis von IS M. besonders für die Einrichtung junger Brautpaar« in Frage kommt. Ein luftdicht schließender„W u n d e r t o p s", der s ä m t- liche Speisen in S b: s IS Minuten gatkocht, wäre eine begrüßenswerte Neuerung für viele abgehetzte berufstätige Hausfrauen, wenn sich der noch hohe Preis von zirka 20 W. bald ermäßigt. Praktisch sind ferner die Blumenbretter zum Aushängen an den inneren Fensterrahmen, die em mührloses vessnen der Fenster ermöglichen. Der drebbnre Frühstückstisch da- gegen ist mehr eine Spielerei, während der Bett-Tisch sur Kranke, der uns übrigens in der Form noch nicht ganz zweckmäßig erscheint. wohl mehr sür Anstalten alz für den Einzelhoushast in Frage kommt. Ueberhaupt faßte elnen angesichts der vielen Nützlichkelten manchmal die bonge Frage: Wohin mit dem ganzen Segen?, wenn man an die beängstigend« Enge einer Proletarier- oder Neudäu» siedtuitgswohnung dachte.„Die Küche im Schrank" suchte dieses Problem zum Teil zu lösen, allerdings unvollkommen, denn es ist nicht zweckmäßig, wenn man an die vielbenötigten Schubfächer mit den Lebensmitteln erst durch Defsnen der Schranktüren hernnkorn. men kann. Eine Ergänzung findet die Ausstellung In dem Hin- weis aus wertlose Füllappretur in Hemdenstoffen, die nach der ersten Wäsche verschwindet und ein fadenscheiniges Gewebe zicrück« läßt. Weiler zeigt eine Tabelle Preis und Kaloriengehalt der mich- Heften Lebensmittel in ihrem Verhältnis zueinander. In einem besonderen Fach lverden neuartige Stahlsori»nt für Ksichenartikel, wie Silithstahl, Cromargan, Trimetall, Aemalithstahi usw. gezeigt, deren endgültige Bewährung natürlich erst die Praxis ernvisen kann. Will die„Heibrnidi" ihren Zweck voll erfüllen, so muß sie gerade aus diesen Punkt das größte Gewicht legen. Es genügt nicht, daß«ine Firma mit einem originellen Gedanken, einer neu- artigr» Erfindung auf den Markt kommt. Die Leitung der..Hei- baudi" muh sich stets bewußt sein, daß die dort ausgestellten Dinge die vertrauensvollen Besucherinnen leicht zu einer finanziell sch.ner» wiegenden Anschaffung veranlaßt und darum im Interesse der Sache Enttäuschungen unter allen Umständen vermieden weiden müssen. Ist ein« Neuerfindung noch unvollkommen und nur als erster Versuch zu werten, so soll!« man dies in aller Form deutlich machen. Durch ein paar Unterlassungssünden kann man der Sache mehr schaden als die Zugkraft des dahinter stehenden gesunden Gedankens ihr nützen kann. Zum Schluß sei noch eine äußerlich unicheinbare und m der Masse des Gezeigten fast verschwindende Neuerung erwähnt, die in ihrer Wirkung, wenn sie sich bewährt, sür unser« Hausfrauen geradezu eine kleine Revolution bedeuten würde. Es handelt sich um das Stofsklebeverfahren„Patch-Dit ch", durch wel- ches zerrissene Kleidung und Strümpfe mit passenden Flicken ver- klebt werden. Natürlich muß die Klebpaste sich weder beim Trag--» der Kleidung noch bei der Wäsche auflösen, eine Bedingung, die durch dl« bei ll»s angepriesen?„Wunderpaste" noch nicht erfüllt wurde. Hoffentlich hält das neu auf den Markt kammende amcri- konische Verfahren, wa» es verspricht. Unzähligen Haussrauen. auf die nach erledigter Taaesarbeit des Abends ein unüberfehbarer Berg van zerrissenen Kleidungsstücken wartet und sie von dein ersehnten guien Buche trennt, würde durch dieses Schnellverfahren der Zutritt in die Welt des Geistes erleichtert. Hedwig Schwarz. Kmdesmsröer H 2-18! Die Kämpfer für Aufhebung oder Mtldening des ß 218 sind oft gimug des„Kindesmordcs" bezichtigt worden. Wie aber der unbarmherzige Paragraph wirktich Kinderleben mordet, zeigt ein erschütterndes Beispiel, über das Dr. Magnus Hirschseld im sozialistischen Aerztebund berichtet: In einer Berliner Volksschtil« wird ein zehnjähriges Mädchen ohnmächtig. Der Mutter wird mitgeteilt, dah das Kind vom linier» richt dispensiert werden müsse, weil es schwanger ist. Die Mutter »nd das ahmingslose, ganz unaufgeklärte Kind sind aufs äußerste bestürzt, und erst nach langem Fragen ist mis dem Kind heraus zu. bekommen, daß der vor einigen Wochen verstorbene Vater des Kindes dieses mit Hilfe der einzige» Tafel Schokolade, die das Kind jemals Im Leben bekommen hat, mißbraucht halte. Das Kind wird In Fürsorge genommen, aber das einzig Gegebene und Notweiü ige In diesem Falle, die Beseitigung dieser mörderischen, widenv'iür» lichon Schlvangcrschaft, verhindert der unerbittliche S 218»nd seine nicht minder unbarmherzigen Wächter, die den hilfsbereLen Arzt nicht an das Opfer heranlassen. Die Muster, eine arme ZeiHngs- auströgerin. benutzt jede freie Minute, um bei allen möglichen Behörden d« Aussetzung des Mordparagraphen zu erbetteln— um. soiistl Die Kleine, die ganz kindlich zum Fürsorgearzl saat:„War «, wirklich so arg. was mit mir gelchrhen ist? Da gcheu lange Leute mtt einem K'tnt» und freuen sich und mir ist so bang," kann das lähmende Entsetzen ringsum u>d tn sich ntcht mehr ertrogen Ais sie der Mutter beim gettungsoustrngen hilft, öffnet sie«m letzten Haufe ei« Fenster im Tneppensiur und stürzt sich ans den Hos. Dies geschehen in einer Zeit, in der sexuelle Genutzgier Orgien feiert, ia einer Stadt, wo Taufende von �gnädigen Frauen" und FräuUns den gefälligen, diskreten Hausarzt ohne Risiko bemühen. Dort würgt der klammernd« Paragraph—. Dort das unM<ii. wir waren gerade in einem so auffchlutzreicheu pädagogischen Gespräch gewesen!„Ach. die Grotzen haben jeder «inen kleinen Jagdhieb abgekriegt... da» schadet ihnen nichts: soll'« sie'n andermal bester anfpasseni" Nun erfahre ich erst den ganzen Hergang de» Trauerspiet». Auf dem halbduiiklen Korridor ist der Dreijährige dem Kurt zwischen die Pein« gelaufen, und der ist mit der Schüsie! gegen die Nähmaschine geilolpert. und er und Grete haben jeder eine„lachtet" gekriegt,„weit sie nicht bester aus- gepatzt haben," Au» unserem gemütlichen Kaffee ist nicht viel geworden: meine Genossin war gekränkt, datz ich ihre vertetdigungsred«„'« Iagdhteb ist kein« Keile" nicht als vollgültige Rechtfertigung gelten lasten wollte. So kam ich früher nach Hau«, als ich vorher geglaubt hatte, Und während ich im Dämmern am Fenster fatz. dachte ich an mein« eigen« Jugend, Auch bei un» zu Hause wurde nicht viel geschlagen. Aber,„'n Iagdhleb" kiel öfter nial ab. Und merkwürdigerweise habe ich die Jagdhieb« viel besser lm Gedächtnis behalten, als die„ordent- liche Keile, die es. wie gesagt, nur bei sozusagen seierlichen Gelegen- heiten gab. Au» einem sehr einfachen Grunde: Die„Jagdhiebe" bedeuten zumeist eine kleinere oder grötzere Ungerechtigkeit. Ich kriegte„eine Tachtel", weil meiner Mama der Schweinebraten anbrannte: ich tonnte zwar noch nicht kochen, sollte auch nicht aus ihn a»ipasten. aber als ich in die Küche geschickt wurde,„mal nach- zusehen" erzählte ich lacherch:„Dein Schweinebraten knallt wie'n Feuerwerk,"„Herrjeh!" Mama lies hinaus... und zwischen Tür und Augei hatte sie gerade noch Zeit genug, mir die bewußte „Tachtel" zu versetzen. Und trotzdem in unserer Schule nicht ge- schlagen werden sollte', der Herr Direktor gad mit höchst eigenhäridig ein« Ohrfeige, als er mich init einer anderen Schülerin auf der Bodentreppe traf Wer weist, was er für dunNe Angelegenheiten argwöhnen mochte: aber wir waren beide mit Einwilligung der Lehrerin herausgegangen, dnrntt das Mädel mir meinen„Gerade- Holter" ein wenig lockern sollte, denn das Marterinstrument rieb mir die Achseln wund. Er fragte nicht nach dem Zweck unseres Aufeutholtes auf der Bodentreppe: zuerst kam die Maulschelle, Ich war kaum zehn Jahre alt und mutzte nichts davon, datz der gelbe. spindeldürre Herr leberleidend und schwer tuberkulös war, und datz ich die Maulschelle viel mehr diesen Krankheiten als vorsätzlicher Ungerechtigkeit verdankt«. Aber ich habe sie ihm nicht vergessen noch verziehen, lind als er nach einem halben Jahre sich auf demselben Hausboden erhängte, sah ich darin so etwa» wie das Walten einer ausgleichenden Gerechtigkeit. Und da» ist die Gefahr der„Erziehung durch den Iagdhieb": Di« Leichtfertigkeit, mit der er meist ausgeteilt wird, macht ihn zum Werkzeug der Ungerechtigkeit, und nichts vergistet die Jugend eine» Kindes so sehr, wie das Gefühl, wehrlos der Un- gerechtigkeit ausgeliefert zu fein. Er wirkt darum oft viel fchlim- iner, als e«ne ganze Tracht Prügel, die als gerecht empfunden wird. Er fft das bequeme Notvenlil der nervösen Raturen, der Menschen ohne Selbstzucht und Selbsibehcrrschung, das heltzt derjenigen, die die Hände ain besten überhaupt von der Kinder- erziehung lasten würden. In den Schulen wird es weniger Müh« inachen, den„Iagdhieb' auszutilgen. Der Glaube an den allein- seliginuchenden Botel Ist in unserer jungen Lehrerschaft stark im Schwinden, und wenn das Reichsschulgesctz auch die Forin der Schule in reaktionärem Sinne festlegen will: Das Beispiel, daß die welllichen Gemeinschaftsschulen geben, beeinsluftr auch die anderen Schutsormen, und bald wird man auch hler ijicbe jeder Art nicht Nrehr unter die Erziehungsmittel rechnen. Aber den nervösen Bätern und noch mehr den Müttern, die im Prinzip ja immer so einverstanden mit de»»cnen Methoden der Erziehung sind, soll es noch einmal gesagt sein: Das sicherste Mittel, euch eure Kinder ju entfremden, ist der„Iagdhteb". der zehnmal ungerecht ausgetem wird, und der. wie ein Blitz au« heiterm Hlmmet, auf Gerechte und Ungerechte niedersaust. R.& Werthers Lotte. Ava» 100. Todestage vaaSharlotteSkeAver am 16. Lamme Ehariott« Bufs. die Tochter des Deutschorbens-Amtmann» Baff in Wetzlar und spatere Satttn von Johann Christian»estner. gehöct zu den unsterblichen grauen der Weltliteratur, denn sie ist dt« Lotte» vi« Goethe während seine« Ausenthalte? in Wetzlar«eiiebt und at» Heidin in seinem Roman„Die Leiden de? jungen Werther»"»er» herrlicht hat. Goethe kam im Frühjahr 1772 nach Wetzlar und kernte hier Kestner kennen, der in seinen Tagebüchern folgendes vermerkte: .Hm Frühjahr kam hier ein gewisser Goethe au» Frankfurt, setner Handthierung Daku-r juris, 23 Jechre alt, einziger Sohn eine» sehr retchen Bater», um sich hier— dieh war seine» Vater» Absicht— in Praxi umzusehen, der seinigen nach aber, den Homer und Ptndar zu studieren und was sein Genie ihm weiter für Beschäftigung ein« geben würde..." Lm V. Juni 1772 territe Goethe aus einem Ball Lotte kennen. Dieser Ball hat Goethe den Stoff für die Beschreibung der Begegnung Werlher» mit Lotten Im ersten Buch« des Roman» Sieben. Goethe wußte ntcht. datz Lotte die Berlsbte Kestner» set. estner weilt« vom Jahr« 1768 bis zum Jahre 1772 in Wetzlar und verkehrte viel tm Haufe des Amnnann» Buff. dessen zweite Tochier Lotte selne heftige Liebe erregt hotte. Durch Gatter wurde Goethe mit Lotl« bei dem Ball« bekannt, der in dem Dorfe Grabcnhei» stattfand, einem Bergnügungsone in der Nähe von Wetzlar. Graben- heim heißt im„Werther" bekannllich Wahibeim. Auch Über dt« erste Pegegnang Goethe» mit Lotte und über den Standpunkt Kestner? erfahren wir von Kestner selbst einige dedeutscnn« Einzel» heilen in dem Bruchstück eines Briefentwurf», der sich in Kestner» Papirren fand, und den wir in der bamattgen Rechtschreibung au»- zugsweise wiedergeben:„... Den 0. Juni 1772 fügt« e» sich, datz Goethe mil bey einem Balle auf dem Lande war. wo mein Mädchen und ich auch waren. Ich konnte erst nachkommen und ritt dahin. Mein Mädchen fuhr also in einer anderen Geiellschast hin: de« Doktor Goethe war mit im Wogen und lernte Loltchen hier zuerst kennen. Roch kein Frauenzimmer hier hatte ihm ein Genügen ge» leistet. Lottthe« zog gleich sein« ganze Aufmerksamkeit an sich. Sie ist noch jung sie hat. wenn st« gleich keine ganz reget mätzige Schön» heit ist eine sehr vorteilhaft« ewuehmend« Gesichtsbildunq; ihr Blut ist wie ein heiterer Frühiingsmorgen. zumal den Tag. weil sie de» Tanz liebt: sie war lustiq: sie war in ganz ungekünsteltem Putz. Er bemerkte bei ihr Gefühl tür da» Schön« der Natur. Er wußte nicht, daß st« nicht mehr frey war. Er war den Tag ausgelassen lustig. Lottchen eroberte ihn ganz, um desto mehr, da st« sich keine Mühe darum gab. sondern sich nur dem Vergnügen überließ..." Am nächsten Tag« mach!« Goethe bei der Fanuli« Buff den erster« Besuch, wo er von den vielen Kindern und dem Bater Lotten» wie ein lieber Freund und Berwandter ausgenommen wurde. Er achtete da» Verhältni» zwischen Lotte m>d Kestner hoch, und wurde Kestner» bester Freund, ohne ihm zu verheimlichen, datz er die Lorzüg« semer Braut sehr zu schätzen wisse. Aber Kestner kannte mtt Recht kein« Eifersucht, denn er wußte, datz Goethe von edler Leide ichchait für Lotte erfüllt sei, Goethe lebte mtt Lotte und Kestner in innigster Freundschaft, aber er konnte e» nicht ertragen, dte gelteb'e Frau im Befitze eine» anderen Manne» zu wissen, und er faßte am 11. September 1772 den Enrichintz. Wetzlar zu veriasseu. Wie schwer ihm dieser Abschied wurde, geht aus zwei Amsea hervor die er am 10. September an Lotte und Kestner schick.«, ohne von ihnen Abschied zu nehmen. Au Kestner schreibt«e.„Ich fourt ihnen in dem Augenblicke nicht» sagen, als Leber. Sie woh! Wäre ich einen Augenblick länger bey Euch geblieben, ich hätte nicht gehalten...".Und an Lotte:„C«tr, wie war mir» bey Deiiiei, Reden ums Herz, da ich wußte, es ist das letzte Mal. datz ich Sit sehe. Ich biim nun allein und darf weinen, ich last« Euch glücklich, und gehe nicht aus Euren Herzen..." Er bleibt mit Lotte und Kestner in einem ständigen Brieswechsel verbunden und erhält von Kestner ein« Beschreibung de« Selbstmordes von Jerusalem, der sich bekanntlich au« Lieb« zu der Frau eines Freundes erschossen hatte. Sein eigenes Erlebnis mtt Lotte und diesen tragischen Tcd Äeru» salems verband nun Goethe in(einem Roman„Wcrthers Leiden* zu einem einheitlichen poettslh-'., Gemäide. Schon am Paimjonirtag 1773 hatte Kestner seine Lotte geheiratet. Durch de» Ramott bereiiete er dem jmigen Ehepaare viel Aergernlste. denn er halte Wahrheit und Di cht im g durcheinander gemischt und dadurch ein Ge- rnöüx der zwei Houpiperjantu eittworsen. das für Lotte und Kestner mancherlei Unannehmlichkeiten mit sich brachte. Insbesondere fühlte sich Kestner durch die Zeich« des Albert im„Werther" verletzt. Aiier da» Mißverständnis wurde bald wieder beseiligt. da die Freunde Goethes den Wert von Lotte und Kestner kannten und zwijchc» Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden wußten. Obwohl Goethe in.Visen Briese» seiner Liebe zu Lotte den le.denschastlichsten Ausdruck gab, hat er sie erst im Jahre 1816 wieder» gesehen, Lotte lebt« an der Seite Kestners bis zu dessen, am 21, Mai 1800 erfolgten Tode, al» glückliche Frau und Mutter in Hannover. Sie starb ist, Alter von 75 Iahren und hat den großen «ufflieg igres IugerchgeVtebUn beglückt miterlebt.