Dr. 267 Abonnements-Kedingungen: Abonnement«-Preii pränumerando: Bierteljährl. 3L0 Mk., monatl- 1,10 Sit., wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau«. Einzelne Nummer 6 Pfg. SonntagS- Nummer mit tlluftrirter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: ZLO Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zeitung»- Preisliste für 1897 unter Hr. 7487. Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich auher Montag«. Vevlinev VolKsblÄtk. 14. Iahrgl. Die Insertion--Gebiilfr beträgt für die sechSgefpallene Koloncl- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Verein«- und Verfammlungs-Anzsige», sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtage» bis a Uhr vorinitlag« geöffnet. Fernsprecher: Suil I, Hr. 1003. Telegramm-Adresse: »Soiialdemokrat Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Vartei Deutschlands. Redaktion: 8V. 19, Ueuly-Straße 2. S-peditiott: SW. 19, ZSettth-Strnße 3. Die„Nvodukkiven SkÄnde**. Verwirrung sonder gleichen hat sich verbreitet bei den Herrschenden, bei denen, die das Regieren betreiben, und bei den Parteien, welche die Regierer stützen, um von ihnen ge> stützt zu werden. Die Wirthschaftsentwicklung hat ehemals feste Gebilde zerbröckelt und zwischen den verschiedenen Interessengruppen sind schroffe Gegensätze entstanden. Die Kunst der Staatsleitung wird schwieriger mit jedem Tag. Und dazu das Unglück, daß die immer schwieriger werdenden Verhältnisse immer weniger fähigen Menschen, die sie meistern und führen wollen, be gegnen; eine Regierung der Laune, des sprunghaften Her und Hin, des blitzschnellen Zickzack; ein Steuermann, für dessen schwächliche Hand das Steuerruder viel zu schwer, so daß es eine Beute wird des Windes und des Wetters. Darilm herrscht Mißbehagen und Verdrossenheit allüberall, am meisten in den„patriotischsten" und„loyalsten" Kreisen Deutschlands. Die„Vor der Fluth"-Stimmnng, der Otto Mitlelstädt jüngst Ausdruck gab, greift tief in die Schichten der„Gutgesinnten" und„Wohlmeinenden" und die Ver zweiflung über das Morgen, über die Zukunft wächst und wächst. Was soll werden?— fragen die„Staatserhalter". Die Demokratie schreitet von Sieg zu Sieg. Wahlkreis um Wahl , kreis wird den Konservativen entrisseil und die Herrschaft der Nationalliberalen bricht zusammen. Das sind schlimme Aussichten. Welches Geschick wird die »4chste Reichstaaswahl ihnen bereiten, die sich zu ewiger Herr schaft berufen glaubten? Schon der jetzige Reichstag ist ihnen höchst unbequem. Schon ihm galten die haßvollen, giftigsten Schmähreden der konservativen Presse. Gestern jammerte die „Kons. Korresp." über den„niedergehenden Parlamentarismus". Seute bläst die„Deutsche Volksw. Korresp.", eines der eifrigsten tumm-Organe,«ine ähnliche Melodie. Und nur einen Lichtblick vermeinen sie noch in dem trüben Grau ihrer niedergehenden Herrlichkeit zu erspähen, nur ein Stern winkt ihnen noch mit mildem, hoffnnngsfreudigen Schimmer. Der Name M i q u e l allein noch kann ein Lächeln ans ihr betrübtes Antlitz rufen. Darum handelt es sich, so kündigt die letzt genannte Korrespondenz an,„wie die von Herrn Miquel im preußischen Landtage angekündigte Politik der Sammlung zur Förderung der wirthschastlichen Interessen der Nation in Fleisch und Blut umgesetzt werden solle. Und die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das Organ des Reichskanzlers, schließt sich in ihrem heutigen Leitartikel derselben Auffassung an und giebt die Losung aus:„Zu- sammenschluß aller produktiven Kräfte in der Form eines wirthschastlichen Kartells." Unter welchem Zeichen aber erwuchs zuerst die Miqnel'sche Sammelpolitik? Sie trat auf im Kampf um das preußische Knebelgesetz des Herrn von der Recke. Diesem Ur sprung soll sie getreu bleiben, die„Nordd. Allgem." sagt „Nur von den geeinten produktiven Ständen steht eine wirksame Bekämpfung der Sozialdemokratie und damit eine der Hauptaufgaben, die dem heutigen Staat gestellt sind, zu erwarten." So stehen die Heerlager gegen einander. Dort„die pro- dnktiven Slände," und hier die Sozialdemokratie. EinePolitik, die von diesem Gegensatz ausgeht und nach dieser Formel arbeitet, sie soll das Staatsschiff aus allen Wirrnissen und Klippen heil herausführen und es wird wieder eine Zeit werden, wo die Junker und Kapitalisten aller Art in Frieden ihr inühselig erworbenes, schmales Brot effen dürfen. Also das Kartell in neuer Auflage, nicht ein„förmliches Wahlbüudniß", nur ein„wirthschaftliches Kartell." Wenn durch ein solches Kartell eine„feste parlamentarische Majorität" geschaffen ist, dann ist der Staat gerettet. Schon hat diese„Sammelpolitik" Erfolge gezeitigt und ihren Werth'bewiesen. Die„Norddeutsche Allgemeine Ztg." weist auf Sachsen:„Auch ihre praktische Feuerprobe hat die E i n m tt t h i g k e i t des e r w e r b s t h ä t i g e n Theils der Bevölkerung bei der letzten sächsischen Landtagswahl bereits aufs glänzendste bestanden." Da sieht man also schon etivas klarer, waS hinter den „produktiven Ständen" steckt. Das sächsische Kartell, die Parteien des Wahlrcchtsraubs und der schamlosesten Volks- Vergewaltigung und Volksausplttnderung— das ist der „eriverbsthätige Theil der Bevölkerung", das sind die„pro- duktiven Stände"! Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" verräth unS noch etwas mehr von dieser lieblichen Gesellschaft und ihren Plänen. „Schutz der heimischen Produktion, Schutz der überseeischen Interessen, kurz die Fragen einer nationalen Wirthschafts- Politik sind zur Zeit die wichtigsten Probleme." Beinahe jedes Kind weiß nun, was diese schönen Worte in gemein- verständliches Deutsch übertragen bedeuten:„Schutz der heimischeil Produktion" d. i. Fortführung und Steigerung der Zollpolitik,„Schutz der überseeischen Interessen" d. i. neue Militärforderungen, neue Panzerschiffe, neue Kreuzer und Torpedos für mindestens eine halbe Milliarde Reichsmark;„nationale Wirthschaftspolitik", d. i. Nieder- Haltung der Arbeiterschaft durchErschwerung des Koalitionsrechts und Abkehr von jeder S o z i a l r e s« r m.' Die Brotwucherer und Münzverfälscher, die Zuckergrafen und Schlotbarone— das sind die„produktiven Stände", die fleißigen Bienen nach Bismarck's Wort, des Vaters aller Kartell-, Sammel-, Ausbeutungs- und Bedrückungspolitik. Und noch ein„Stand" wird von den Offiziösen der„Nordd. Allg. Ztg." gnädiglich in den sauberen Bund eingeschlossen: der„M i t t e l st a n b". Der Gegensatz zwischen Groß und Klein, sagt die sozialpolitische Erlenchtilng des Blattes, sei„künstlich aufgebauscht" und bedeutuugslos. Genieiu- same Interessen verbieten beide, nämlich„die Abwehr des sozialrevolutionären Ansturms". Die Sozialdemokratie ist der Feind. Die Arbeiter, welche mühselig ihr Leben fristen und ausgeschlossen sind von Licht und Lebensfreude, sie allein gehören nicht zur criverbsthätigen Bevölkerung, zum Bund der„produktiven Stände", zu den „Bieueu". Sie niederzuwerfen, ist der„Sammelpolitik" höchstes Ziel! Das also sind die Trostgründe der Offiziösen. Das ihre Hoffnungen. Daß sie aber nur solche Trostgründe, nur solche Hoffnungen haben, daß sie diese ältesten Tiraden in neuem Aufputz und mit neuen Wortfälschnngen wieder und wieder herunter- zuleiern genölhigt sind, das gerade offenbart die ganze Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit in jenen Reihen! Denn leider sind es nur schöne Illusionen und phan- tastische Luftbilder, die da vor den Augen unserer geäugstigsten Gegner auf und nieder schwanke». Leider einigen sich die„produktiven Stände" nicht und können sich nicht einigen. Zu groß sind die Gegensätze zwischen den Kanitzjüngern und den Herren von Industrie und Handel, zivischen Agrariern und Börsenjobbern, zivischen Großkapitalisten und Kleinbürgern. Leider glaubt kein Mensch mehr in den weiten deutschen Landen an die Produktivität dieser„produktiven Stände"— und die Thörichten werden immer seltener, welche Drohnen und Bienen nicht von einander zu unterscheiden wisse». Leider haben auch in Sachsen nicht die„erwerbsthätigen" Konservativen und Nationalliberalen gesiegt, sondern sie haben durch brutale Zerstörung des gleichen Wahlrechts und Ein- führnng eines Wahlrechts, welches den Reichen ein vielfaches Recht gegenüber den Unbemittelten giebt, einen Scheinsieg er fochten, dem bei der nächsten Reichstagswahl die Wahrheit zerschinetteruder Niederlagen folgen dürfte. Ja, d e r?l n s b l i ck a u s die n ä ch st e n W a h l e n, die jenen„Produktiven" der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" so arge Kopsschmerzen bereiten, erfüllen uns niit ebenso großer Zuversicht. Denn ivie bei den Herrschenden, bei den Kliqucn der Ausbeutung und Volksbevormundnng Ver» wirrnng und Zaghaftigkeit herrscht, so herrscht auf seilen des Sozialismus und der Demokratie Ordnung, Einheitlichkeit und Kaulpsesfreudigkeit. Gelragen von der wirthschastlichen Entwickelnng, wächst die Arbeiterklasse immer stärker empor au Zahl und innerer Kraft. Und diese Arbeiterklasse, der wahrhaft„produktive Stand", macht ihren Marsch hellen Auges und ausgerüstet mit klarem, aus den wirklichen Lebensverhältnissen geschöpften Programm, mit dem Programm der sozialen Reform und der politischen Enianzipation! Und um dieses Programm sammelt sich alles, ivas bedrückt »ud ausgebeutet ist, ivas Vcrständuiß hat für eine freiheitliche Entwickelnng und wirthschaftliche Hebung unseres Volkes. Das ist auch eine„Politik der Sammlung". Keine künstliche Samm lung, wie sie Miquel und die Miqnelgläubigen wünschen. Sondern ein Zusammenströmen aller guten und edlen Volkskräfte im natürlichen Widerstand gegen jene Parteien, die nur auf Förderung der Sonderintcrcssen winziger Gruppen bedacht sind und jede gedeihliche Entwickelnng unseres Volkes zu hindern versuchen!— politische Mebeelrchl. Berlin. 13. November. — Zusammensetzung des Reichstags. Seil Schluß der vierten Session sind fünf Abgeordnete ausgeschieden und zwar (infolge Ablebens) ftöpp(2. Wiesbaden, Freisinnige Vereinigung), Lehner(Zentrum), Graf Holstein(Plön-Oldenburg, deulsch-konservaliv), G r> l l e» b e r g e r(Rnrnberg-Altdors, Sozialdemokrat); v. Pod- bielski(Westprignitz, denlsch-konservativ) infolge seiner Ernennung zum Staalssekretär im Reichspostamt. An stelle des Abgeordneten Köpp ist Wintermeyer(Freisinnige Volksparlei) gewählt worden; an Podbielski's Stelle ist Schulz(Freisinnige Volksparlei) getreten. Die Freisinnige Vollspartei hat demnach zwei Sitze gewonnen. Der verstorbene Lehner ist durch den Gesinnungsgenossen Dr. Heim ersetzt worden. Das Zentrum zieht daher in gleicher Stärke ein. Die sozialdemo- kratische Fraktion ist vorläufig um ein Mitglied ärmer geworden. Die ausstehende Nachwahl in Nninberg-Altdorf wird den alten Mitglieder- stand der Partei wieder herstellen. Die Konservativen sind vor- läufig um zwei Mitglieder geschwächt ivorden. In der am 30. No- vember beginnenden 5. Session des Reichstags der 9. Legislatur- Periode werden die Fraktionen nachstehende Parteienstärke aufweisen: Deutsch-Konservative 63(gegen 63 Ende der 4. Session), Reichspartei 25(23 Ende der 4. Session), Deutsch-soziale Reform- partei 12(12 Ende der 4. Session), Zentrum INI(131 Ende der 4. Session), Polen 20(20 Ende der 4. Session), Natipnalliberale 50 (50 Ende der 4. Session), Freist!»ige Bereinigung 13(13 Ende der 4. Session). Deutsche Freisinnige Volkspartei 28(gegen 26 Ende der 4. Session), Deutsche Volkspartei 12(12 Ende der 4. Session), Sozialdemokraten 47(gegen 43 Ende der 4. Session); bei keiner Fraktion sind 31(31 Ende der 4. Session); erledigt sind zivei Mandate, nämlich Ploen-Oldenbnrg und Nürnberg-Altdorf.— — Zur Neuwahl des Reichstags-Präsidiums weist die„Nalionallib. Corresp." die von antisemitischen Blättern ausgesprochene Meinung znrrck, daß ihre Partei die Absicht hätte, diesmal Anspruch auf einen Platz im Präsidium zu mache».— — Zur Vor bereit llng der neuen Handels-Ver- träge. Die„Mil.-Pol. Korr." schreibt: Man nimmt an, daß der am nächsten Montag zusammentretende Ausschuß zur Vorbereitung wirthschaflspolitischer Maßnahmen Sektionen ans sich bilden wird, und daß dann jede größere Frage zunächst in den Sektionen zur Vor- berathnng und erst daraus im Ausschuß selbst zur Verhandlung gelangt. Da an den Arbeiten außer dem Reichsamt des.Innern auch das Reichs-Schatzamt, das Auswärtige Amt, das preußische Handels- und das Finanzininislerii»» belheiligt sind, so werden voransstchtlich an den wichtigeren Verhandlungen des Ausschusses Delegirte dieser Reichs- und Slaatsämler theilnehmen.— — Personalien. Der frühere Reichstags-Abgcordncte und Landrath und jetziger Geh. Regiernngsrath im Ministerium des Innern, Herr v. Hollcuffer, soll Regiernngsrath von Merseburg iverden.— Der„Reichs-Älnzciger" meldet nun die Ernennung des ordentlichen Proselsors an der Universität zu Breslau Tr L. Elster zum Geheimen sitegicrungsralh und vortragenden Rath im Ministerium der geistliche», Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten. Wir haben schon vor Monaten die Bedeutung dieser Ernennung gewürdigt.— — Die„Krenz-Zeitung" gab in ihrer Morgen»»»»»«? am Donnerstag ihren Leser» Kenntniß über den Vorfall in Wilhelms- Hafen mit Bebel, aber erst in ihrer Heuligen Morgennnmmer bringt sie ein lange« Elaborat über den Vorgang, indem sie sich ganz ans Seile der Werflverwalliing stellt. Das ist bei dem Jnnkerblatt selbstverständlich. Ob jemand eine Bosheit oder eine Dnnnnheit gegen eine» Sozialdemokralen begeht, stets kann man auf die Zu- slimmung der„Kreuz-Zeilung" rechnen. Im vorliegende» Falle Handell es sich darum, daß man Bebel seitens der Werflverwaltnng verweigerte, was man jedem anderen erlaubt und das ist»in so rniverstäiidlicher, weil die Werflverwaltnng genau weiß, daß unter den vo» ihr beschäsligtei» Arbeitern eine ganze Anzahl»ud zwar die besten Arbeiter Sozialdemokraten sind, und kein Schiff gebaut und keine Reparatur an solchen ausgejnhrt werden kann, ohne daß in der H a n p l s a ch e auch Sozial- b e in o k r a t e» dabei b e s ch ä s t i g t sind Auch müßte die Werftverwaltnng, falls eines Tages die Bndgelkommissio» des Reichstages das Bednrsniß empfände, sich über die Berechligung gewisser Forderungen der Marineverwallimg zu insormire»,»nd Bebel als Mitglied der B u d g e l'k o m m i s s i o n sich einer solchen Informationsreise anschlösse, ihm jede verlangte Auskunft g e>v ä h r e», und sie iv ü r d e � d a s v e r m» I h l i ch m i t d e r größten Höflichkeit l h n n. Die Werftvenvaltnug hat also mit ihrem Verhallen gegenüber Bebel nur das vtehselzncken und die Heilerkeit weiter Kreise, namenllich der Werstarbeiter, hervor gerufen. Glaubt etwa die „Krenz-Zeitnng", daß dieses eine der Aufgabe» einer kaiserlichen Verwaltung sei,— wir habe»»ichls dagegen einzuwendeu.— — Zur Ermordung der S t e y l c r- M i s s i o n a r ei n S ü d s ch a n t n» g. Nach einer Meldung ans Shanghai sind deutsche 5i'negs schiffe vom osiasiatischen Geschwader nach der Küste von Schantnng abgegangen, n»> Genuglhunng zn verlangen und den am Leben gebliebenen Missionaren Schutz zn gewähren.— — A g r a r i s ch- n a t i o» a l. Ter Minisier des Innern hat, der Eingabe der brandenbnrgischen Landivirlyschaslskaiiimer cnl- sprechend, den Oberpräsidente» der Provinz Brändeiibnrg ermächtig� die Zeit. innerhalb deren die zur vorübergehenden Be- s ch ä f t i g u n a zugelassenen a n L l ä n d i s ch e n Arbeiter im Inland? sich aufhalten düife», in Falle» dringenden wirlhschaft- lichen Bedürfnisses über den Ib. November hinaus um eine angemessene Frist z» verlängern.— — Konservative und Antisemiten. Wegen der Haltung der antisemitische« Wähler im Wahlkreise �Westprignitz haben die konservativen und bündlerischen Blätter Schimps und Schande über die Lieberina»»< Zinnnerniaun'sche Partei gerufen. Darauf erwidert die Parteileitung der deutsch- soziale» Partei in scharfer Abwehr: X „Wie schon in vielen anderen Wahlkreise» ist die Agitation der Deutsch- sozialen Reformpartei auch in der Westprignitz von den Konservativen dadurch bekämpft worden, daß man die Gastwirthe durch Drohnngen veranlaßt hat, uns ihre Säle zu verweigern, daß man uns Säle, die wir schon fest gemielhet Halle», abgetrieben, daß man unsere Veriranensmänuer und die Wähler eingeschüchtert hat und dergleichen Mehr. Weiler ist unsere Slgilalio» durch die KreiS» organisalion des Bundes der Landwirlhe unterbunden ivorden. Dns Ergebuiß all dieser Treibereien ist natürlich eine lebhafte Ver- stimuiung der antisemitischen Wähler im Kreise gegen die Konservaiiven »nd die Wahl des freisinnige» Kandidaten gewesen. Da zu befürchten ist. daß sich die Konservativen und auch andere Parleien bei den kommende» allgemeinen ReichstahS-Wahlen ähnlicher Mißgriffe in der Bekämpfung der denlscMozialeii Reformpartei schuldig machen werden, und daß das Ergebuiß ei» ähnliches sein wird,. so erklären wir, in» dem nach Kräften vorzubeugen, schon jetzt: Wir iverden bei den Stiehivahlen den Anhängern unserer Partei niemals e m p s e h l e», f ü r den K a n- didateu einer Partei zn stimmen, die u»s mit groben Gewaltmille'», wie die oben geschilderten, belämpft hat, oder für eine» Kandidaten, der dem unserigen als Kandidat des Bundes der Landwirlhe entgegengestellt worden ist. Von den Parteien ver- langen wir sachlichen Kampf, vom Bunde der Landwirlhe unbedingte ebrliche Neutralität, wo sich mehrere Kandidaten gegenüberstehen, die in vollem Umfange für die BiittdeSsordernuge» einzutreten bereit sind." � Das ist ganz brav gebrüllt, aber die biedere» dentsch-soziale» Reforinpartcilcr, die sich so lebhaft über die ihnen widerfahrene Unbill beklage», sollten nicht vergesse», daß sie selbst, insbesondere gegenüber der sozialdeniokralischen Partei, vielfach mit ebenso niedrigen und brutalen Mitteln gekämpft habe». Im übrigen kann man es ihnen gewiß nicht verdenken, daß sie sich solche Streiche von den Konservativen nicht gefallen lassen mögen. Die Gemeinheilen der Konservativen werde» eben immer weitere» Kreisen zuivider.—» — Von der VersichernngS- Aktiengesellschaft „ I» d» st r i a die es bekanntlich anf eine Versichernng der Arbeitgeber gegen Berlnsie infolge vo» Streiks abgesehen hat, erhält daö„Verl. Tagebl." eine Miltheilung, der es folgendes«ntniinint: „Ein Milglied des Gründnngskoinitees hat eine Zuschrift des Ministers des Inner» und des Ministers fnr Handel»no Ge- werbe erhalle», worin die vereinigle» Ministerien erkläre», daß dein neuen Versicherungsunternehnie» Bedenken nicht entgegen- � stehe», wenn in den Bersicherungsbedingnngen Vorsorg« dafür ge- troffen sei, daß Entschädignngen nur an solche Theilnehiner gezahlt werde», welch« znvor ein Einigungsvcrsahrcn zur Beilegung des Streiks beantragt haben." Trotzdein fürchlen wir, daß diese Verslchernngsgefellschaft zur Anzetlelnng von Streiks durch die Nnter»«hiner und zur Verschärfung und Verlängerung der Lolinkänipfe führe» wird. Selbst ei» so reines Kapitalistenorgan, wi« das„Berliner Tageblatt", macht gegen diese seltsame Gründung folgende Einwendungen: „... Mit der Beantragung eines Einignngsverfahrens, die nach der Forderung des Ministers der Entschädigung dnrch die Gesestschaft voranzugehen hat, ist cs nicht gethan. Das ist nur etwas Formales. Die Hanplsache bleibt, ob auch im übrigen alles Er- forderliche geschieht, um einem Streik vorzubeugen. Und in dieser Hinsicht besteht eben die Gefahr, das, die Bemühungen darum nachlassen, wenn nicht der betreffende Arbeitgeber selber, sondern andere für ihn daS Risiko tragen. Ein anderes Bedenken gegen die neue Versicherungsgesellschaft be- steht darin, daß die v e r s i ch« r u n g S t e ch n i s ch e» Voraus- setzungen für ihre Thäligkeit, eine ausreichende Statistik der durch Streiks geschäsfene» Verluste, fehlen...."— — Chronik der Eisenbahn Unfälle. Ans Dar»,- siadt wird telegraphirt: Bei Biblis fand gestern Abend 6 Uhr ein Znfannnenstoß eines Güterzuges mit eine», Arbeiterzuge stall, wobei mehrere Wage» zertrümmert wurde«. Der Heizer des Güterzuges erlitt eine» doppellen Schädelbruch, drei Passagiere des Arbeiterzuges ivurdeu leicht verletzt. Der Streckenverkehr war zeitweise gesperrt. Die Tender des Arbeiterzuges und 4 Wagen wurden stark beschädigt. Als nach LVs Stunde» ein Geleis fahrbar gemacht worden war, konnten die Personenzüge mit Verspüluug bis zu S Stunde», die Güterzüge niit Verspätung bis zu 5 Slunden befördert werde«.— — K u l t u r z w e ck e u u d preußische Sparsamkeit. Vor etwa I>/z Jahre» bot der inzwischen verstorbene Prof. Dr. Jürgen B o» a-M e y e r seine werthvolle pädagogisch eBibliothek — ein vollkonunenes Muster in ihrer Art— dem preußische» Unterrichtsminister unter der Bedingung an, daß die Bibliothek in einem eigenen Ranuie aufgestellt, den Studenten als„Präsenz- Bibliothek" nutzbar gemacht n»d durch einen jährlichen Zu- schuß von 300— 400 M. für Neuanschaffungen erhalten bleiben solle. Die Slnlwort des Ministers lautete,„er müsse sich erst orientiren, ob eine solche Einrichtung an dcr Bonner Universität zweckmäßig sei, und im Jalle diese Frage bejaht werde, komme die weitere Frage, ob Mittel zu b e s ch a s f e» wäre n." Mit diesem unbestimmten Bescheid mußte sich Professor Meyer begnügen. I» seinein hinterlasse»-» Testament hat er das Angebot unter denselben Bedingimge» wiederHoll; seine Wiltwe hat dies dem Minister sofort mit der Bitte um schnellen und bestimmten Bescheid niilgctheilt. Nach zweimonatigem Warte» erfolgte ein ablehnender Bescheid: der Knlturstaat Preußen hat also jährlich nicht 300—400 M. übrig,»m eine in ihrer Art unersetzliche Bibliothek zusammenzuhalten und eine für die Studenten unleugbar sehr«utzbringende Einrichtung zu schaffe». — Der P o l i z e i k a m p f gegen die Arbeiter. Zu den mannigfache» Mitteln, mit denen die' Behörden die politische Bethätiguug der Arbeitcrllasse zu erschweren wünschen, zählt auch der Versuch, ihre zarte Fürsorge auf die Finauzeu der Arbeiter- orgaiiisatioue» zu erstrecken dnrch Anstrengung vo» Prozessen wegen „nnerlanbteu Kolleklirens". In Magdeburg schwebt zur Zeit wieder ein solcher Prozeß gegen eine Anzahl unserer Parteigenossen. Ein Vorkommnlß bei Gelegenheit dieses Prozesses zeigt so recht ein- dringlich, zu waS für reizende» Zuständen diese behördlich« Fürsorge oft fuhrt. Unter den Genoffen, so theilt die„Magdeb. Volksst."»nt, die wegen„unerlaubte» Kolleklirens" angeklagt sind, befindet sich a»ch der Vertrauensmann der Metallarbeiter, Genosse Hugo G ä r t» e r. Um Material zu seiner Verurtheilmig herbeiznfähre», ist seitens des Amlsgerichls II eine Haussuchung angeordnet worden— die zweite seit ca. vier Wochen. Dieselbe fanv stall am Freitag früh. Erschienen waren Kriminalkommissar Weinerl und zwei ihm nntergebenc Beanile mit dein Austrage,»ach Liste» und Gelderz» haussnchen. Sämmlliche Räume wurden aufmerksam durchsucht— vor der Thür des Schlaf- ziminers seiner Frau bat Gärtner die Polizei, Halt machen zu wollen. Gärtner's Frau liegt seit elf Wochen krank dar- nieder. Das Schlimmste befürchten Gatte und Kinder. Gärtner machte die Polizei anf diesen Umstand ans- merksam. Doch der Beamte mußte auf s c i« e in Auftrag bestehen und nahm die H a u s s» ch»» g im Schlaf- z i n> m e r der Kranken vor. Und das Resultat der ansgedelmleu Hanssnchung? Es.wurde» weder Listen noch Gelder gesunde»— mit leere» Händen zog die Polizei ab. Ans«lken Wegen GestnnungSlüchtigkelt wurde vor einem Menschenalter der Appcllattonsgerichls-Äizeprästdent von J! i r ch in a» n seines Amtes cnlsetzl. Di« Einzelheilen, die zu seiner AmtSentsetzung führte», dürften noch heute für die politischen Verbältnisse in Preußen lehrreich sein. Sie stehen alteninnßlg fest. Nachstehend rufen wir deshalb de» für die Geschichte des„lonstilntiouellen" StaaleS Preußen bezeichnenden'Prozeß an der Hand urkundlichen AklenmaterialS in Erinnerung. von Kirch mann(geboren 1802) wurde im Jahre 1823 zum Oberlandcsgerichts-Assessor ernannt, nachdem er, wie daS später gegen ihn ergangene Erkennlniß feststellt, de» juristischen Vor- bereilungsdienst„unter besonderer Anerkennung seiner Vorgesetzten" zurückgelegt hatte. Eine weit über das formell Juristische hinauS- gehende wifsenschaslliche Vildung war damals kein hindernder Ballast für Beförderung im Dienst. Bereits im Jahre 1833 wurde v. Kirchmann zum Landgerichlsdirektor und Kreis- Jnstizralh in Torgau, am 10. August 1646 zum Staatsauwalt beim Kriminal- gericht in Berlin, am 10. April 1343 z»m Staatsanwalt beim Kammergericht, am 1. Juli 1843»um Vizepräsidenlen des damaligen OberlandesgerichtS, späteren Appellationsgerichls zu Ralibor eritannt. Im politischen Leben stand v. Kirchtnann ans seiten der«nt- schicdene» Linken. Im Jahre 1848 wurde er als Abgeordneter von Berlin I, später von Breslau gewählt. Am 8. November 1843 winde das Ministeriinn Gras von Brandenburg ernannt und die Raiiottalversatmnlmtg durch Kabinelsordre von Berlin anf den 27. Noveinber nach Brandenburg verlegt. Die große Mehrheit der Naiionnlversantmlmtg anerkannte diese Kabineisordr« nicht als zu Recht bestehend und tagte in Berlin weiter. Sie wurde aber an der Benutzung ihres Versatnntltmgslokals gewaltsam verhindert, tagte deshalb am 11., 12. und 13, November im Saale des Berliner Schützcnhanscs(Liiitettstr. B), zog am 13. November nach dem Sihttitgssnal dcr Berliner Sladtveroroneten- Versammlung im Köllttischett Ralhhaus und hielt ihre letzte Sitzung in Berlin am IS. November im Saal des Hotel Milentz ab. In dieser Sitzung ftingirie v. Kirchman» als Berichterstalter über die Frage der Steuer- »eriveigernng. Während der Abstimmmig Über den Beschluß der Steuer- Verweigerung betrat der Major v. Herwarth mit 4 OsfiziereU und einem Piquei bewaffneter Soldalen den Styniigssaal, um dleVersammlUng aus- znlöscn. Der Präsident v. Unruh brachte den Slenerverweigernngs- beschluß erst nach Entfernung des Militärs zur Abstimmung. Einstimmige Annahmt fand der Antrag:„Die hohe Versainntlnng ivolle beschließe», daß daS Mtnisteriuin Brandenburg nicht berechtigt sei, über die Staatsgelder zu verfügen und die Stenern zu erheben, so lange die Nationalversammlung nicht ungestört in Berlin ihre Be- calhnngen sorlzusetzen vermag und tritt dieser Beschluß mit Ablaut Eine später« Zeit wird ein derartiges Vorgehen der heutigen Gerichte und Polizeibehörden nicht für möglich halten.— — Patriotische B e st i a l i t ä t. Ein„Prinz Kraft zu Hohenlohe-Jngelfingen", weiland preußischer General, hat„Auf- zeichitttttgen" über politische Vorkommnisse hinterlassen, unlcr andere» auch über die Märzrevolution. Und ein preußischer General- lieulenant(„von Teichmann ilnS Topischcu") hat sich das Aerdiensi erivorben, diese für die hohe» Regionen so charakterislischen„Auf- zeichitttttgen" zu vctöffenlltche», ans de»«» daS hiesige HattvtorgnN der Firma BiSmarck-Karborff zur Bcschmuhung der Märzgesallenen folgende zwei Stellen auszieht: 1.(Beireffend dt« Erstürmung der Barrikade am Köllnischen Rathhans— am 18. März): „Im großen Rathhaussaale waren slebenundvierzig sogenannt» Paterlandsvertheidiger wohlbewaff'net versammelt. Als die Sol- daten eindrangen und von Bajonett und Kolben Gebrauch machten, scholl ihnen der Ruf entgegen: Von» stss cioirc pirs que les Busses.(Erbarmen! Ihr seid also schlimmer als die Russen. Kein einziger dieser„Berliner Helden" konnle deutsch sprechen. Unsere Leute riefen:„Mal, dt« wollen tv i r m a l zeigen, wie ma» deutsch redet." Und binnen kurzen, waren»» siede» uudoierzig Leiche»." 2.(Betreffend die Wafsenausaabe an die Bürgerwehr— am 20. März.) „Ich böri«— ich war in Zivil— wi« zwei sehr anständig gekleidete Herren sich darüber unterhielten.„II fallait avoir ceci deux joura plus töt," sagte der eine,„i, präsent c'est trop tnrd." „Malheur- pour nous."(Man Hätte das zwei Tage früher haben sollen. Jetzt ist eS zu spät. Schlimm für imS.) Durch diese zwei Stellen soll bewiesen werden, daß die „Märzrevolution" von lauter Ausländer»(dem famositi Trio „Polen, Franzosen und Türken") gemacht worden sei. Und durch diese zwei Stellen wird— zwar nicht bewiesen aber bestätigt die Doppellhalsache, baß die Feinde der März- reuolntion zum großen Thcil bodenlos dumm und v t e h i f d) brutal waren— und sind. Ja sind— wie hätte das BiSmarck-Kardorff-Blatt sonst solchen Blödsinn und solche Infamie, die allen historisch bcglaubtglen Thal- fachen ins Gesicht schlagen, veröffentlichen könne»?— — Der Sonntagsjäger Tepper-LaSkt, RegiernngS- Präsident von Wiesbaden, hat eine» seiner RegternngSräthe, den Herrn v. Reichetian, angeschossen. Er hat den Schuß ans nächster Nähe in die Schützenlinie Hinein abgegeben, also ei» Meisterstück jäaerischer Geschicklichkeit vollbracht. 14 Schrotkörner sind dein An- geschossenen entfernt worden, die übrige» werden noch mit Rönlgen« Slrablen gesucht. Ob auch dieser Schuß ei» SonntagSschnß war? Tilsit, 13. November.(„Voss. Ztg.") In einer in Nuß ab- gehaltenen Versammlting des litbauisch-konservativen WahlvereinS wurde milgelheilt, daß die ltthautsch« Partei sür die Reichstags- tttid Landtags wählen eigene Kandidaten ausstellen tmd«; in elnigen Kreisen sei man des Sieges gewiß, und in Wadlkretfen, wo die Partei nicht so sicher die Etitscheiduiig in der Hand habe, werde man sich den deutschen Parteien anschließen, die am meisten die Rechte des Balles und dt« Freiheit vertrete».— — Der ambulante G e r i ch t S st a n d. gegen dessen Anwendung die gesmmnt« Presse mit recht demonstrirt, wird wieder einmal recht lebhaft besprochen. Der„Kropper Kirchliche An- zeiger", ein Blait, daß sehr eifrig sür den seine« AmiS entsetzte» Pastor Schall eintritt, brachte vor kurzei» einen Artikel, der wohl einig« heftig« Angriffe gegen das Brannschweiger Konsistorium enthielt. Das Kottststorum, fühlte sich beleidigt tmd er« suchte eine» Stdalsaliwalt in Brannschweig nachzuforschen, ob das genannte Blatt in Brannschweig gelesen werde. Wie nun der„Kirchliche Anzeiger" angiedt, solle» die Bemühungen des Herrn Staatsanwalts von Erfolg gewesen sein, denn die Post in Braun- schwelg habe dem Konsistorium mitgelhetlt, daß eine Pastorin in Brannschweig den Anzeiger lese, worauf daS Konsistorium iu Braun- schweig die Anklage gegen den Redakleur erhob. Wie iveit die Angabe, daß die Post der StaalSnnwallschast ANS- kirnst erlheilt hat, zutreffend ist, köttnett wir nicht priiseu, ttns klingt die Mitthetlung unglaublich. Hoffentlich wird die Ver- Handlung Klarheit in der Sache schaffen. Nicht minder interessant ist an dem Fall, daß eine einzige Leserin genügt, den Redakleur der Zeitschrift an diesem Ort in Anklagezitstaud zu versetzen und somit die Zetlttng einen ihr ganz sremben und vom Gesetzgeber nicht g«< wollten Gerichtsstand erhält.»» Miinchc», 12. November.(Eig. Ber.) Bayertscher Landtag. Nachdem heute die Debatte über die LandwirthschnflS- batik glücklich zu Ende geführt war, lehnte die Kammer den Antrag Wieland mit großer Mehrheit ab und nabln dagegen den Antrag Lerno einstimmig an. Für die Getvährnng von weiteren 3 Millionen Betricbsvorschuß an die Lnndwirlhscbnstebaitk siimmle» 132 Abge- ordnete. Dagegen waren nur die Sozialdeinokraten und Dr. Sigl Ein Theil dcr Liberalen und Freisinnigen verließen vor der Abstillt- des 17. November 1848 in kraft und Wirksamkeit." Aus der späteren polillfchen Belhäliginig von Kirchmann'S ge- »üge es, hervorzuheben, daß er aus dem linken Flügel der Liberalen kämpfte. Schrislstellerisch war von Kirchmann besonders alö Philosoph lhätig. Abgesehen von dem kleinen werlhvvllen, tm Jahre 1843 ge- haltenen Vortrag über„die WerlHlosigkeit der Jttrieprndenz als Wiffenschasl" sind die erst nach seiner Dienstenllnffnng»rschieneu« „Phllosophische Bibliolhel" und„Katechismus der Philosophie" hervorzuheben. Die erste DiSziplinarversetziing«rsolate bald nach dem SleuervertveigerungS-Beschluß. Im Jahre 1800 wurde sellenS der Anklagebehöroe gegen jemand«ine Anklage wegen HochverralhS bei dem Gericht zu Vintibor erhoben. Diese Anklage wurde von dein Gericht abgelehnt. Die gegen dies« Ablehnung«ingelegt« Beschwerbe wurde vom Appellationsgertcht zlt Ralibor zurückgewiescit. Damit war nach der Krimlnalordnnng die Sache rechisträflig zu gunsten des wegen Hoch- verralhSAngeschnldigle» erledtgl. Trotzdem erb ob dieOberstaatsanwalt- schnfl beim Obcrtribunal die gesetzlich itttzltlässige Beschwerde gegen den Beschluß des Ratiborer Appellattoitsgerichts. Das nicht mit unrecht berüchtigte Obtrltlbtmal«rtheilie daranshin dem Gericht erster Instanz die Anweisung: die Untersttchting einzuleiieu und den deS Hoch- verrathS Btschtildigten zu verhasten. Das Gericht erster Instanz besolgle diese ihm vom Obertribunnl erlheilte Nnwilsnng(Mit anderen Worten begünstigte durch die That da» vom Vberltibmtal begangen« Verbrechen de» Amtsmißbrauch») und verhaftete den rechlSkrästig außer Verfolgung gefetzten Angefchuldtgten. Der VerHaftel« legi« gegen die FreiheilSentziehung Beschwerde beim Appellationsgericht«in. Der Slrafsenat deS AppellaiionsgerlchlS hob daraus uttlet v. Kirchmann'S Vorsitz mit vier gegen ein« Stimme die Beihastung alS rechtswidrig auf, da der rechtslräftige, frühere, die Anklng« tmb das Ver- hnftungsanfnchen zurückweisend« Bescheid deS AppellattonSgerichles trotz der OberiribiiitalS- Auweisimg in voller Kraft desteh«. Wegen dieser gesetzmäßigen Aushebung einer rechlswidrlge» Berhaslnng wurde gegen v. Kirchmann und die drei Rüth«, die der flagranle» Siech Isbeugung des ObertribunakS sich nicht gebeugt halten— das Disziplinarverfahren eröffnet. Der DiSziplinarsenat deS ObertribunakS belegt« am 16. Dezember 1850 jeden Ver drei Rüth« mit Geldstraf«»nd verl» lheitle v. Kirchman» ans Entfernung v o nt A m t a i« f d t« D a u e r von d r e t M o n a t e n unter Herabsetzung seines Gebalt« auf die Hälft«, lieber- die» war v. Kirchmann bereii« während der untersttchiing lv Monat« lang unter Heradsetzitiig seine» Gehalt» auf die Hälsle vom Amt« suspendirt. Das Oberlribnnal bezeichnet« das pfltchtmäßige Ber- hatten der vier Richter al»„Verletzung der AmtSpfltchten au» grober Fahrlässigkeit". Nach wenigen Jahren wurde geaen den al» wirklich freisinnigen, überzeugnngstrenen und kenninißreichen Abgeordneten Und Gericht»« Präsidenten dem urreakttonären Jnstizmtntstertum verhaßte» von mnna tapfer den Saal. Auch die neu bewilligten Millionen werden der Laiidwirlhschaflsbaiik nicht aushelfen. Nach weileren zwei Jahren wird da» Unternehmen sicher nicht besser dastehen wie heute. Allettt es ist heute einmal Mode in Bayern, für angebliche Vauernretlerei das Geld»uni Fenster hinattszuwerseii.— KarlSrnhe, 12. November. Zu der ans Darmstadt verbretieUit Nachricht belreffend Unterhandlungen zw is ch e n Preußen und Hessen wegen der M a i n— N e ck a r- B a h» schreibt die „Karlsruher Zeitung": �... „Mir sind in den Stand geseht, z» erklären, daß kettierler Verhandlungen mit Preußen wegen Uebernahm« des Vaden'schen Attcheile» an der Main— Neckar-Bahn stattgefunden haben und nicht einmal ein« dahingehende Anregung der preußischen Regierung erfolgt ist."" Trotz dteseS amtlichen Dementi» zweifeln wir nicht, daß über kurz oder lang die preußische Staatobahit-Berivallung die Ein- beziehttng süddenlscher Linien in ihr Eisenbahnnetz anstreben ivird.— kkarlsrnhc, 13. November. Der Landtag de? Großherzog- thums Baden ist auf den 23. November e i n d e r n f e n worden. Zum Präsideulen der Ersten Kammer ist Prinz Karl von Baden ernannt.— — Da» badische Mlntsterinm läßt erklären, daß es trotz des AtiSsalleS der Wahlen, die eine unzweideutige Verurlheilung seiner Politik dnrch da» Volk sind, nicht»nrtickztttreien beabsichtigr. DaS Verlranen des Großherzogs genügt dem Kabinet.— Darmstadt, 18. November. Nach hiesigen Verlaittbarnngen ivird Staatsminister Finger noch vor Ablauf dieses Jahres seines hohen Atters wegen in den Ruhestand treten. Zu seinem Nach« svlger ist Kreisralh HaaS-Offenbach a. M., der jetzige Präsident der 2. Kammer in Aussicht genommen. Weitere bedeutende Personal- Veränderung«» flehen bevor, über die jedoch bis jetzt noch nichts Vestimmtes milgelheilt werden kann.— — Dem Reichstage soll also doch Dr. Osann, der be- kannte agrarische Nalionalliberale, erhalten bldbett. Er läßt die Mitiheilung, daß er mandalsmiide sei, deinentiren. Ob Herrn Osann's Wunsch mit dem seiner Wähler übereltistimmt, muß billig bez>veifelt iverden. Herr Osann vertritt den 4. hessischen Wahlkreis(Dann- stadt) im Reichstage. In der Hanptivayt wurden für ihn 353S Slimtne», dagegen für einen sretsintttgen Volksparteiler B64, für einen Antisemit«« 3228 und für den Kandidaten unserer Partei d337 Stimmen abgegeben. Erst in der Stichwahl wurde Herr Osann mit 12855 gegen 7521 sozialdemokralische Stimme» gewählt� hoffenllicb zum leylen Male. Straffburg i. E., 12. November.(Eig. Ber.) Wie ich Ihnen kürzlich bcrichleie. haben tnir hier seit einiger Zeil den Versuch ge- macht, durch Abhaltung von sogen,„reurrions priväes" (Pilvalzitsammittkünsten) uns die Möglichkeit der Berathnng unserer Parlei-Aitgelegenheilcu in einem größeren KreiS von Genosse» zu sichern, ohne jedesmal gezwungen zusein, zu diesem Zwecke ins badische Nachbarland anßzttwanver», da die Polizeibcdörde die Go> nehntignitg- zu öffenllichen VersaiinNlnngen beharrlich veriveigert. Dieses unser Vorgehe», bei welchem in jedem Einzelfall« allen gesetz» licheu Vorschriften in der peinlichslen Weis« genügl wird, scheint nun der Polizeibehörde ein Dorn im Auge zu sein. Die Leser des „BortvärtS" erinnern sich der diirchnnS gesehivtdrigen Art»nd Weise, in welcher die Staatsgewalt die Tagung unserer jüngsten Landeskonferenz unmöglich machen wollte, wie auch der Schlappe, die sich die Behörde dabei geHoll hat. NenerdingS haben nun«ine Anzahl von Parletgenoffen Vernehmungen vor der kaiserl. Poltzct'direktioii zu bestehen gehabt, wobei es sich um«in« der oben charaklerisirten privaten Znsammeitkünste handelte, die bereits vor etwa 7 Wochen hier- staltgesttNdeil Hai. Obwohl nach dem Wortlaut der etnschläglgea Geschesbesilmmung feststeht, daß decarllge Zu« saimneiikünste zulässig st ad ohne polizeiliche G-Nihmigmig»nd ueoer. wachnng, scheinl man doch mit der Absicht»inziigehen, unseren Ge- »offen von der Benützung dies«! ihn,» juslehendsn Recht«» abschrecken und sie einschüchtern zu wolle«. S« naterllegt keinem Zwetsel, daß dl« gegen jene Versnminlnngßtbellnedmer eingeleitete Untersuchung niedergeschlagen wtrv, da die Polizeibehörde sich wohl hütet, durch eine richterliche Eutscheidung, die uns Nur willkommen sein könnte. feslstesieü z» lasse», daß die bösen„Sozen" auch in diesem Falle sich eiuer geradezu„utwerschämle» Gesctzlichkeii" befleißigt haben.— Es fällt eiiteut in der That»tmtchnial so schwer, eritst zu bleibe», wenn man die G e r m a n i s a i o r e n bei nn» an der Arbeit sieht. Eines der beltebieste» Mittel, den verfluchten„Franzosenköpfen" ihre ver- brecherischen Sympathien sür„gallische Art" auszutreiben, ist das Verbot sranzöst scher Inschriften durch die Polizei- behörde. Mit welchen Maßnahm,» dabei manchmal vorgegangen wiid, das möge ans den beiden folgenden, der stittgsten geil enl- stamtnenden Verspielen erhellen. Im Dreizehnergrabe» in hiesiger Siadt wohnt et» Fräulein, daS sich mit der Herstellung und dem Bertanf von Pntzartikeln für daS wcivllche Geschlecht beschäsligt. Um den Runden ihr Geschäflslokal kenntlich zu machen, ließ sie an dem- selben«in Reklameschtld anbringen, welches anster ihrem Namen anch die t» ganz Detttschland übliche Inschrift„Modes" einhielt. DI« Polizei, welcher diese» Wort wider den Strich ging, verfügte die iofouig« Eutserming der staatSgefährltchen Jnschrist. Weiter: Kirchmann«in z w, i l e s Dtsziplinarversahren eingeleillt. Diesem lag solgend« Stell« einer von von Kirchmann im Feuilleton der „National- Zeiinng" von 1354 anonym veröffentlichten Bi- schr-eibnng seiner Reise nach Ko»stanti»opel zu gründe: „In Lundenburg war ich kaum auRgefliegen, da rollt« der Ztig von Btünn heran und mein alter, trener Frenitd, pünkllsch wi« innner, reichte mir dt« Hand. Drei Wochen ans der Anklagebank tm Slenerverweigerttttg»- Prozesse hallet, die Farbe selner Haare bleichen kÖmitii, aber nicht dl» Farbe seiner Geslnnung. Ehrlich und fest schüttelt« er mir dt« Hand»nd mit«inein Händedruck sagten wir uns s ch iv« i g e n d, daß iv i r noch heute kein Wort, keinen Schritt von dem bereuten, was wir seit 1848 g e s p r o ch e n Und g e t h a it." Die Anllagebehörde erklärte diese Stelle des anonyinen FenillelonZ V«S AppellallonSgerlchtS- Vizepräsidenten sür„Anstoß erregend« Aeußtrungen",„indem ee mil seiner Elellnng nicht kottvenirt, daß er sich gleichsam rühmt, noch j«tzt a» politischen Ansichten fest zuhalten, ivelch« er läng st aufgegebei, habe» sollt e", v. Kirchmann Hab« sich daher„einer Vnletzttttg dcr Pflichten, welch, das Ansehen, die Achtung und das Verlranen sein«» Berufs«rsordern. durch sein nnßeramllichcS Verhalten" schuldig ge- macht. Der Missethäler v. Kirchmann wurde mit einer Mahnung bestraft. Dt« Konfliklszelt gab Strebern der Jitslizverwallttna neuen Anlaß zur Disziplinarversvlgmig gegen Kirchmann. Im Jahre 186'» waren in der„BrcSlaner Zeilung" 7 Zlriitel»itl der llederschrift „Aus dem Abgeordnetenhaus«" und enit dem Zetchi-N von 3 kirrnc,, versehen»rschienen. Diese Arlikei halte» letim, strafrechtlich versvlg- baren Inhalt. Sie besprachen aber die Politik im Sinn« d r oppositionellen Mehrheit des preußischen AbarordnelenhauseS. l- a* lind dt« Annahme, oaß v. Kirchmann als BreSlnuer Adgeordn-ter in Beziebnuge» zur„Breslaner Zeilung" stand. geNngle zur Ein- leilnng einer itenei, Dlszipltnarttittersttchniig. Die Untersiichuitg ergab, daß dies« Zeittingsarlikcl nicht von v. Kirchmann, fonder» von einem Schriftsteller Kilian versaßt und ohne irgend welche direlie oder indirekt« Belhetllgung v. Kirchmann'« an ihier Absassung oder Beröffenllichnitg in der„Breslau«: Zeilung" erschienen waren. DaS verschlug für die Anllagebehörde weixg. Im Laltf» der Uittersnchnitg war von v. Kirchmann zugegeben, daß et in drn Jahren 1863 und 1864 in der„BrcSlaner Zeitung" einiao Artikel, die gleichsallS die Neberschrist„Aus dem Abgeordiiktenhai'.ir" und daS Zeichen von drei Sternen trug«», veröffenlltcht daiie. FlngS zog nunmehr die Anllagebehörde aitt den Jahrgängen 1863 und 1864 der„BreSIauer Zettung" die von v. Kirchmann b r« rübrenven Artikel(sie flnd in den Nummern 537, 543, 561, 573, 587 und 587 de» 1863 er Jahrgangs und l» den Nmrnttmi 17. 2!) und 41 dt» Jahrgang» 1864 enthalten) zur Anklage. Hnnpigegen» stand dieser iukntninirlen Artikel ist der Konflikt während der Session 1663/1864.„Der Anaeschuldigle", heißt eS in der ßln blebcvet Schreinermelster in der EeeloSgasse halt» sich»in dlibschcS Ech.iiifeusler eingerichtet und auf demselben die R«klnme> Lnschrift:„Slylmöbel, NmeublemenlS, Polstermöbel" nnbringen loste» Dos gefnhrliche„Anieublements" Hot nnn anf wiederholte poiizev liche Anstorderung entfernt werden miisten. Und so geht'S bei uns im Londe der„wiedergewonnenen Briider" fort mit Grozie. Wenn jeht die Früchte der germonisotorische» Snot noch nicht bold reife», dann sind an de» hartköpfigen„Französlingen" Hopsen und Malz verloren. An stelle de? verstorbenen Herrn JnlinS Klein wurde Herr vnrgermeister M e y e r- Liitzelstein mit 1516 von 1624 abgegebenen Sliminen zum Miiglied des Bezirkstages fiir de» Kanton Lützelstein gewählt.— Oesterreich. Wien, lö. November. Durch ein kaiserliches Patent wird der nieder österreichische Landtag auf den 20. d. Mts. zu einer außir> ordentlichen Tagung«inlierufen. Da werden also in Wien in den nächsten Wochen folgende parlamentarische Körperschaften tagen: das österreichische Ab- geordneleuhaus, der niederösterreichische Landtag, die österreichische und die ungarische Delegation und vielleicht auch noch das öfter reichische Herrenhaus!— Wie», 18. November. Der B n d g« t a u i s ch u ß d e S Abgeordnetenhauses setzte heule die Verhandlung über das Zlusgleicheprovisorium fort. Bei Beginn der Sitzung fand eine formelle Deballe statt über die Zulässigkeit der Spezialdebalte und die cvent. Wiedereröffnung der Generaldebatte. Die Sitzung dauert fort.- — Die Versöhnungsrede des österreichischen Ministerpräsidenten mit der Ankündigung neuer, von der Regierung angeregter Verhandlungen zwischen Deutschen und Czechcn über die wir gestern kurz berichteten, hat in und außer Oesterreu! großes Aufsehen gemacht. Alles deutet daraus hin, daß die von Baden cnlf.ichle Erbttlerung viel zu groß ist, als daß unter seiner Leitung AuksöhnungSverhandlnngen zwischen Deutsche» und Czechen Aus ficht anf Erfolg habe» dürsten. Die Czechen sind miß mnlhig, daß Badeni stch ihrer eisernen Umschlingung j entziehen versucht, und die Deutschen bis inS Lager der Gro gruiidbesltzer und Klerikalen stud durch die Thorheilen und Gewaltlhätigkeite» der Badenilen so erbittert, daß sie nur unter einem anderen Ministerium derartige Verhandlungen für ersprießlich e>achle» können. Co scheint dem Grafen Badeni, der auS der Noch eine Tugend machen will und sich versöhnlich zn zeige» sucht, auch der letzte Reltungsweg versperrt zu sein. So ist auch auf seine Versicherung, daß das Ministerium s-st steht, nicht viel zu geben. DaS AusgleichS-Provisorium muß bis zum 81. Dezember Gesetz werde», und alle Faktoren der Gesetzgebung, vor allem die Ungarn aber, selbst der Kaiser sollen die verfassungsmäßige Durchführung dieses wichtigen Gesetzes fordern. Die Obstruktion«st aber, wie selbst der früher von der Majorität jener Rücksichtslosigkeit wegen zum Präsidenten bestimmle deutsch-klerikal« Ebeuhoch zugestand, der Geschäftsordnung wegen unüberwindlich. Deshalb muß der erste Schritt zur Gesundung der parlamentarischen und nationalen Verhältnisse in Oesterreich der Rücktritt des Grafen Badeni sein.— — Graf Badens kann auf die Majoritäten, die gegen die Ministeranklagen stimmen, nicht stol, sein, ganz abgesehen von der Qualität seiner Freunde. Eine der Ministeranklagen ist mit blos 20 Stimmen abgelehnt worden und für die zuletzt zur Abstimmung gelanate, die die Niigesetzltchkeit im Erlaß der Sprachenverordnungen betraf, stimmten 171 und dagegen bloS 177 Abgeordnete. Eine ander« Stimmabgabe von bloS vier Abgeordneten rettet« den Badeni. Für ihn stimmten die angeblichen polnischen Oppositionsparteien: die polnische Volkspartei und die StojaloivSki-Partei. DaS ist ein wenig würdiger Pyrrhussieg.— — Osst erreich am Scheidewege. SlnS dem Schlüsse der unter dieser«vitzmarke in der„Nalion" veröffeniiichten Aus- sührungen von Michael Hainisch heben wir folgend« Süllen hervor: ...... Ist«> immerhin tröstlich, den Rückgang des deutschen VolkSthiimS nicht auf physiologische, sonder» wirthschaflliche Ur- fachen zurückführe» zu können, so müßte doch die«Iwa doppelt so starke Vermehrung der slavischen Stämme beständige Minderung deS deutschen Sprachgebietes hervorrufen. wenn stch nicht gewiss« Hemmungen einstellten. Und solche Gegenkräfte sind in der Thai in voller Entivickelnng begriffen. Zunächst dürsten die Umwand lunge», die auch in dein Grundbesitze und laudwirlhschaslliche» Be triebe der Alpenländer platzgreife», den Zuwachs der deutschen Be- völkernng vergrößern, wahrend umgekehrt die Erhöbung des okyiictara ok Iiis(Lebenshaltung) die Vermehrung der slavischen Stämme zu«mer weniger proletarische» machen dürft«. Eine solche auch kulturell außerordentlich wünschenSwerih« Erhöhung des LebeiiSfttßes wird insbesondere zn erwarlen sei», wen» die moderne Arbeiterbewegung auf den unermeßlichen Lati« fundien des Großgrundbesitzes der Sudeten und Karpathen län der ihren Ein zu ipathenländer ihren zug gehalten haben Antlageschrist,„stellt sich entschieden auf die Seit« de« Abgeordnetenhauses, er erörtert die Mittel, welche anzuwenden feien, um das Unierltege» der StaatSregierung und de» Sieg des Abgeordnetenhauses herbeizuführen." Die Artikel feie»„in regle- r u n g« f e t» d l i ch e m S i n n e geschrieben und geeignet, die öffent« liche Meinung gegen die königliche StaatSregierung aufzuregen; st« stellen den Angeklagten als einen entschiedenen Gegner der StaatSregierung dar."„Der Angeschuldigte", führt die Anklageschiift an»,„tritt, waS Noch besonders hervorzu- heben ist„schwächlichen Kompromissen" entgegen. Er billigt nnd rechtfertigt die Ablehnung der Anleihe der 12 Millionen durch daS HauS der Abgeordneten. er bezeichnet eS sogar(brrr!) als ein« mehr nnd mehr znr Geltung kommende Rechtsansicht, daß, wenn die Regiernng die Ausgaben vorn Landtag nicht bewilligt erhalte, sie auch kein Recht ans Erhebung der Einnahmen habe:c." Von prinzipieller Be- deniungjst die Darlegung dcrAnklng» überdaS pollllschcVerhalten eines Beamte». Die Anklage sagt darüber wörtlich:„Mit der amtlichen Etellnng des Aiigeschnlbiglen, insbesondere seiner höheren richterlichen Etellung, ist die Abfassung und Veiöffeiilltchmig der inkrtminirten Zeitungsartikel völlig unvereinbar. Schon an und für sich darf ein Beamter auch außerhalb seiner AmlSfunkttonen nichst eine Thättgkeit entwickeln, durch welche er sich Mit den von der StaatSregierung vertretenen A n s ch a U un g« n und Auffassungen in direkten Widerspruch setzt und die dazu geeignet ist, im Publikum ein» Mißstimmung und ein Widerstreben gegen die Durchführung jener Anffassnngen hervor- zurufe». Denn es liegt in der Natur der Sache, daß eine solch« Thätigkeit von einem Beamten, also einem Organe der StaatS- geivalt qiisgeübt, nolhwendig aus die Staatsverwaltung einen mehr oder minder nachihetligen Einfluß haben, ihr Ansehen schmälern »nd ihre Wirksamkeit schwächen muß. In noch erhöhlerem Grad« gilt die? aber von einem richlerltchen Beamten, welcher sich vor allem einen freien, nnparteiischen und un- befangenen Slandpunkt wahren muß. Ein Richter, welcher seine der StaatSregierung feindlichen Tendenzen öffentlich m a n i f e st i r t, kann in Sachen, welche mit der Politik zusammenhängen, nicht sür»n- befangen e r a ch t e t w e r d e n. Er beeinträchtigt dadurch seine richlerltcde Wirksamkeit. Solche gegen die von Seiner Majestät dem Könige eingesetzte Slaatsregierling gerichleten öffentliche» Kundgebungen, wie sie durch die tiikrimtnirlen Zeitungsartikel dein Angeschuldigten zur Last salle». verletze» aber auch die besoudercn Pflichten, die das Ami dem Beamlen auferlegt, sie stud mit denselben nicht zu ver- einigen und eines Beamlen unwürdig. Denn der Beamte muß auch in seinem außeramllichen Verhalten der Rückstchte» eingedenk sei», welche er als Siaatsdieuer der Staats- rcgieruiig, insbesondere aber Setuer Majestät dem Könige schuldig ist. Er darf auch bei setneai außeramtlichenVer- halten die ihm durch seinen Berus und den geleisteten Diensteid wird. Aber nicht bloS in dieser Hinsicht ist diese moderne Arbeiter- bewegung dem Dculschlhum in Oesterreich förderlich, sie kommt ihm vielmehr auch dadurch zn Hilfe, daß sie die geschlossenen N a t t o n a l p a r t e i e n der Czechen, Polen»nd Slovenen z e r- setzt, den Föderalismus bekämpft und soziale Parteien an stelle der nationale» setzen hilft. „... Die entscheidende Schlacht ist mitten in der Eutwickelung lind wie st« immer ausfallen mag, wird sie für die nächste Zukunft bestimmend fein. Siege» die Deutschen, so dürfen sie stch mit diesem Siege nicht zufrieden geben, sondern miisten mit allem Nachdrucke Schutz vor nationaler Vergewaltigung verlangen. Hierzu schiene mir nicht bloS ein Nationalitätengesetz, sondern vor allem auch die Bildung von VerwaltungSsprengeln mit mög- l i ch st einheitlicher nationaler Zusamntensetzung zweckdienlich. In diese» Verwaltungsspreugeln löste sich nicht »ur die Eprachenfrage gleichsam von selbst, sondern mau könnte auch ihrer Vertrelung in» so eher einzelne Agenden der Landtage übertragen, als diese Verwallungsspreugel auch wirthschaftlich ein viel einheitlicheres Gepräge haben würden, als die oft recht großen Kronländer. Eine Kreisorganisation brächte alle Vorthetle des Föderalismus, ohne den Gesammtstnat im geringsten zu gefährden. Unterliegen aber die Deutschen in dem ihnen mntbwtllig auf- gedrungenen Kampfe, dann ist einer fortschreitenden Föderalisirnng Oesterreichs Thür und Thor geöffnet. Di«« i n z e l n« n Krön- l ä n d e r oder Gruppen von Kronländern enlwickelten stch zn Staate», die schließlich nur noch durch daS Band der gemeinsamen Dynastie zur N o t h zusammen- gehalten würden.... So peinlich es ist, eS niederzuschreiben, so ist es doch die volle Wahrheit, daß das d e u t s ch> ö st e r r e i ch i f ch e B ü n d n i ß die Stellung der Deutschen in Oesterreich bedeutend verschlechtert bat. Seit diesem Bündnisse scheint man nämlich in den maßgebenden Kreisen Oesterreich? der Sorge um die Stimmung der Denischen ledig zu sein. Man hält sie für die Prügelknaben, aus die man um so ungestrafter loshauen kann, als sie von ihrer eigenen Familie verlengnei werden. Den» an feind- lichen Kundgebungen deS ofsiziellen Deutschlands für bis Deutsch- Oesterreicher hat es nie gefehlt, nnd noch im Henrigen Sonnner hat die sächsische und bayerische Polizei den polnischen Staatslenkern Liebesdienste erwiesen....."— Ungarn. Fiitme, 12. November. Der Podestä(Bürgermeister) und die Stadlrepräsentanten legten heute ihre Mandate nieder, weil die ungarische Regierung die ungarischen Gesetze einführen wollte. Der von» Amte zniückgetretene Podesiä nnd die Geineinderäihe waren nach der Sitzung Gegenstand lebhafter BeisallSlundgebungen seitens der Bevölkerung. Fiume ist der einzige LandeStheil, in dem erst jetzt mit der Magyaristrung begonnen wird. Die Bevökernng ist durchaus nicht magyarisch, die Mehrzahl derselben ist der Muttersprache nach tialienisch.— Schweiz. Berit, 12. November.(Eig. Ber) Ans einen Schelm ändert- halbe ist auch in der Schweiz die beste Politik. Wir berichieien kürzlich, daß die Genfer Bankiers mit Kollegen in Basel nnd Zürich sofort nach der parlamentarische» Erledigung des Eisenbahn- VerstaallichungS-Gesetzes der Jnra-Siiuplonbahn ein Kapilal von 70 Millionen Franke» anboten znr Erbauung deS Eimploiilunnels, aber nur für den Fall, daß in der Volksabstimmung daS veistaai- lichnngs-Gesetz verworfen werde. Und die Verwerfung sollte gerade durch die Offert« gefördert werden, iiidem man damit bei de» Waadlländer» Stimmung gegen die Verstaatlichung zu mache» Hostie. Nun haben sich in den letzten Tagen die Kanionalbanken von Zürich, Bern, St. Gallen und der Waadt unler Milwirknng des BnndelratheS zu einem Gegenschlog« verständigt. Dies« vier kau- tonalen Staatsbanken offeriren der Jnra-Simplonbahn«in Kapital von 60 Millionen zu 3'/s pCt. wie die Privatbanken, aber ol pari, während letztere das Anlehe» nur zum Kurse von 97'/, pCt. über- nehmen würden. Damit ist das Pfiffige Manöver der Genfer Banqniers völlig wirkungslos gemacht.— Ein rechter Staat der Besitzenden ist der Kanton Bern. Fiir die große» und kleine» Unter- nehnicr, für dl« Landwirthschaft zn sorge», ist er immer bereit. Dagegen steht er i» Bezug auf Fiirsorat für das lohnarbeilende Volk hinler zahlreichen anderen Kan!o»ei?ffj»rück. Von sozialdemo- kralischer Seile ist schon vor Jahren die Schaffung eines kantonalen Arbeilerinnenschntzgesetzes beantragt worden, allein die Bourgeois, die in der Reaternng sitzen und die Ander», welche im Kanlonsrath die Mehrheit haben, hallen alle? andere für wichtiger und dringender als den gesetzliche» Schutz der Arbeilerinnen. Unier diesen Umständen suche» unsere Genosse» wenigstens in der Sladt Ber» zu schaffen, was möglich ist, und hat daher unser Genosse Dr. Wassiliess im Großen Stadlrath folgenden Antrag gestellt: Der Stadtrath, in Erwägung, daß in unserer Gemeinde eine große Anzahl Frauen und Töchter ans Lobnardeit angewiesen sind, ohne den Schuh de? eidgenössischen Fabrikgesetze» zu genießen und daber der krafseften Ausbeulung mit allen ihren schrecklichen iittieUegl«» deiondoi«» Pflichten, vor allem aber das Seiner Maiestäl dem Könige eidlich abgelegte Gelvbniß der Treue und deS Gehorsams nicht außer acht lasten. Die Pflicht der Treue hat der Angeschuldigte im vorliegenden Fall« noch besonders schwer verletzt: die inkrtminirten Artikel sind anonym erschiene». Der Beamte aber, welcher, indem er seine Angrifft gegen die königliche Slaatsregiernng richtet, sein« Person dabei ver st eckt, begeh gewiß einen um so größeren Treubruch und unteraräbt auf das liefst« das Vertrauen, welches fein Beruf erfordert." Demnach ivnrd« v. Ktrchmaiin angeklagi, Zeitungsartikel in entschieden regierungsfeindlichem ünvagitatorischem Sinne geschrieben nnd durch die „Breslau er Zeitung" veröffentlicht, durch diese Handlungen aber die Pflichten, weiche ihni ein Amt auch für sein außeramtlicheZ Ver halten auferlegt, verletzt und sich ver Achtung, des Ansehens und Vertrauens, welche sein Berus erfordert, unwürdig gezeigt zuhaben". Daß daS Obertrtbnnal auch diese MechtlallSlegnngen de» GeneralstaatSanwaltS gutheißen würde, ließ stch nach feiner gm sammensetznng zwar erwarten. Jiideß— eS galt, den freiheitlichen Abgeoidneten endlich sicher auS dem Rtchlerstand zu intfernen. Der GeneralftaalSanwali von Ingersleben suchte deshalb mit seinen Gehilfen nach weiterem Material. Ihnen sekundirlen jene Preß. oraane der Kraul- und Echloljnnker vom Schlage deS v. Hammer. lern- und v. StUmm-BlntieS. Anfangs Februar 1866 brachten dies« reaktionären HenkerSgehilsen von erheuchelter Sittlichkeit itderfliefteiide Berichte über einen von v. Kirchmann am 4. Februar 1866 in Berlin im Saale der Alhanibra im Arbeiterverein gehaltene» Vorlrng„über den Kommunismus der Vlalnr". Der Vortrag ist auch im Buchhandel(bei Haffelberg sJ Winklerj in Berlin) erschienen. Dieser gedruckte Vortrag wurde der Anklage zu gründe gelegt, v. Kirchnnrnn empfiehU in dem mit unseren Ansichlen unvereinbaren Vortrag in Anlehiinng an Anschauungen von Mallhns, Riccardo, Say, Sisniondt, Roscher, Slnart Mill das Aweikinder- System als Heilmittel zur Verbesserung der Lage der Arbeiler. Die Anilag« und das nachherige Urlheil deS Oder« tribuualS sind natürlich weit eiitfernt, de» nationalökonomischen Jrrlhum der Zweikindersystem», Lehr, darzulegen. Sie erblicken in dem von tief sittlichem Ernste getragenen, i» nreng wtssenschnsliicher Methode nnd ernsten Formen gehaltenen Vorlrag„unsittliche und verwerfliche Ausführungen", die die„Ehe in ihrem sittlichen Gehalt" angreifen. Die Anklagebehvrd« verband die beiden Unlersuchnngen in betreff dieses Vortrages und in betreff der oben erwähnten .ZeitnngSarttkel zu einer DiSziplinaranklag«. Am 28. Februar 1867 erkannte dann der DiSziplinarsenat deS Obertribunnls auf Dienstentlassung v. Kirch mann'S „wegen Verletzung fein er AmtSpslichten durch sein außer amtliches Verhalten". Sin diesem Erkennlniß nahmen alS Richter theil: Uhden, Goetze, v. Echlteckmann. v. Rohr. Folgen preisgegeben sind, beschließt: Der Gemelnderath ist ein- geladen, erstens eine Untersuchung der Arbeitsverhältnisse der nicht dem Fabrikgesetz unterstellien Arbeiterinnen(Näherinnen. Schneiderinne»?, Modistinnen, Ladentöchter, Wäscherinnen, Kell- nerinnen u. s. w.) zu veranstalten, und zweitens Bericht und An- trag zu stelle», auf welche Weise diesen Miibürgerinne» wirksamer Schutz zu gewähren wäre. Welchen Erfolg das Vorgehen haben wird, bleibt abzuwarten; jedenfalls ist es aber ein neuer Beweis wieder dafür, daß nur die Sozialdemokraten für die Arbeiteriniereffen eintrelen und kämpfen.— Zürich, 12. November.(E!g. Ber.) Für den Sozialistentödier JnlinS Wolf ist es kein schmeichelhafies Kompliment, daß alfi sein Nachfolger an der Züricher Universität kein Geistesverwaiidier von ihm, sondern ein Antipode, Professor Her kn er in Karlsruhe ernannt worden, der seine Lehrthätigkeit i» Zürich zn Ostern 1393 beginnen wird.— Diese Thatsache macht die Er- zählung sehr glandwürdtg, daß die i» ihrer Mehrheit demokralische Züricher Regierung von dem undeinokratischen Treibe» Wolfs zn giinsten des Geldsacks wenig erbaut war, um so weniger, als Wolf bei seinem Milte der achtziger Jahre erfolgten Amlsantrille sich recht radikal geberdete. Professor Julius Wolf ist von Zürich ohne Sang »nd Klang verschwunden, während anderen scheidende» Professoren in de» letzten Jahren sowohl von selten der Sludenten wie der Pro- sessoren Sympalhiekundgebniigen und Ehrenbezengungen zu theil wurde».— Ara»?relch. PariS» 12. November. Die D e p u t i r t e n kam m e r nahm eine» vom Senate beschlossenen Antrag an, nach welchem die Bestimmungen über die K r i in i n a l u n t e r s u ch u n g in der Weise geändert werden soll, daß die geheime Unter- s« ch u» g i n Fortfall kommt und stets ein Advokat de ni Verhör eines Angeklagten beizuwohnen hat. Auch bei uns hätte man zu dieser Reform allen Anlaß.— Paris, 12. November.(Eig. Ber.) Budgetdebatte. Bei Beralhung des Budgets des Handelsminiflerinms wurde von sozialistischer Seile die mangelhafte F a b r i k i n s p e k t i o n gerügt. V a i l 1 a n t zeigte an der Hand der osfiziellen JnspektionZbenchie, daß im letzten Berichtsjahre(1896) blos 83 pCt. der den Schutz- gesehen uitterstellten Unternehmniigen inspizirt wurden. Die lleincren Betriebe, 62 pCt. mit 760 000 Arbeitern wurden kein einziges Mal besucht, danmler 2673 Werkstätten im Seine-Depariement, trotzoem hier der Jnspeklionsdienst relativ besser organisirl ist al» in der Pro- uinz. Vnillani beaniragie daher die Erhöhung der Jnspektionskredite. von 640000 Fr. um 10 000 Fr., um dadurch den Wunsch der Kammer nach einer giiindlichen Reorganisation des Jnspeklionsdieiistcs öe- künden zu lassen. Nach einigen nichtssagenden, schönfärberischen Worten des HandelSministerS wurde der Antrag, wie üblich, gcge» die ca. 150 Stimmen der Sozialisten und der Linksradikalen ab. gelehnt.— Das gleiche Schicksal lheilte der von G n e s d e be- gründete Nesolittionsentwurf zu giinsten der Einsührnng der Wahl der Inspektoren durch die interessirien Arbeiter unter gewissen Garantie» für den FähigkeitSnachiveis der Erwählten. Auch GneSde fährte zahlreiche Thaisachen an znr Kennzeichnung der Mängel des Jnspekiiottsdicnstes. Und was von den arbeitei freundlichen Versicherungen deS Handelsmintsiers zu halten ist, zeigte unser Redner an dem Beispiel deS größten Industriellen von Ronbaix, des Herrn Motte, der zu- gleich polilisch an der Spitze des dortige» klerikal-opporiunistischen Klüngels steht. Bei diesem OrdnnngShelden wurden vom November 1896 bis Januar 1897 nicht wenigcr als 621 Ueberschreitmigen der Fabrikgesetze und im Laufe der letzt«» drei Jahre 204 Unfälle, darunter 84 Verluste eines Gliedes, 18 kbenSgefährliche nnd 3 iödiliche Unfälle konstatirt. Die Regierung aber«nllobiile die„Verdienste" dcS Gesetzesverletzers und ArbeilerveistümmlerS niit dem Ritterkreuz der Ehrenlegion! Ferner verlangten zwei sozialistische Anträge die Erhöhung der ..Ehrenbelohnungen" sür die 30 Jahr« iinunterbrochen in Arbeit gestandenen Arbeiter(bisher 41 000 Franks) um 2 beziehungsweise um 8 Millionen.— Spanien. Madrid, l2. November. Der K o l o Ii i a l m i n i st e r Moret hatte eine herzliche Unterredung mit dem amerikanischen Gesandten Woodsord. Es verlanlet, Woodford habe dabei die Erklärung abgegeben, das, die Vereinigte» Staaten durch die Maß- nahmen des Marschalls Blanco zufriedengestellt seien.(?) Der Gouverneur der Philippinen. General Prima de Rivera, welcher ans einer Brsichligniigsrcise durch die Insel Lnzon begriffen ist, eikiärt in einer Depesche, daß die nengebildeien Ein» geborenen-Baiachone nnsgezeichnele Ergebnisse lieferten nnd daß ein weitere» Nachschub von europäischen Verftärkimgen nberflüssig sei. Man mill wohl mtter dem liberalen Minisierinm die öffentliche Meinung über die Lage in den Kolonien ebenso täuschen wie unter dem System CanovaS.— Bulgarien. — Hebet die Spannung zwischen Bulgarien und Rußland wegen der Rnckbernsmig der i» Rußland lebenden bulgarischen Offiziere wird ans Sofia gemeldei: Die Beziehnngen v. Daniels, Heffler, Foswinckel, Brnnnemann, GoltdaniNier, Hein-kkins, von Holleben, WolleinaS, Knhne, Wentzel, v. TippelS- kirch, Lymplus, v. Vangeiow und Ebing. SIls Verlreter der AN- klngebehöi be sungirie der General Siaalsaulvali von Ingersleben. Die Gnlnbe dieses Elkenntnisses, das einen»inlellose» Ehren- mann ans dem Amt enlfernte, beschäftigen sich zunächst mit dem Vorlrag„Ueber den KoinmnniSmns in ber Nalur". Durch den Inhalt des Voriraget habe, führt daS Uriheil aus, v. Kirchmann „sein persönliches Ansehen, dessen er auch bei Ausübung seines Amts uiuimgänglich benöthigl ist, schwer beschädigt,»nd zwar dergestalt. baß er unfähig geworden ist, sein Amt fernerhin z» bekleiden". Demnach fei ein spezielles Eingehen anf den zweilen, die ZeilmigS- nrttkei betreffenden Anklagepnnlt enlbehrlich. Indessen kann sich daS Urtheil doch nicht eiilschlngen, auch diesen Anllagepiinkt für begründet zu erklären. Es sagt: Begründet ist aber auch d i e j e Anklage, weil d i e s e A r l i k e' gegen die bestehend« Regierung gerichtet sind, indem Angescbuldigter selbst zugiebt, daß sie zum Theii« die Opposttion gegen dieRegiernng rechtfertige.': und in d i« s» m S i n n e die Maßregeln derselben beurtheilen, »nd weil«in derartige« bfsentltcheS Austrete» eines Beaniten gegen die Beamtendisziplin vcr- stößt, selbst wenn dies« Ovposition— wie Sin- geschnldigter gellend macht— nicht mit besonderer Leide n schaftltchkett und nicht mit besonderer Anregung der Leidenschaften anderer geführt sein sollte." DaS Oderirlbunal hat durch dieses Erkenntniß die politisch« GestnniingSlosigkeit gewissermaßen als Pflicht des Beamten in Preiißen hingestellt und damit, wenn nach wider Willen, den Beamtenstand in seiner Bedentung herabgesetzt. DaS Urtheil des Ober- lribiiiials hat damals weseittlich mit dazu beigetragen, das Märchen von der Unabhängigkeit dcS Richters als Märchen erkennen zu lassen. Es steht aber keineswegs in seiner Art vereinzelt da: es hat Vorläufer nnd nicht wenige Nachbeter gezeitigt. Es erscheint an- gemessen, gerade jetzt derartige Urlheil« wieder in Erinnerung zn rufen, wo daS Bestreben immer mehr um sich g-eifr. auch für Nichlbeamle- ziim Beispiel sür SIerzte, JnnungS« meister— sogenannte„Ehrengerichte" inS Leben zn rufen, die berechtigt sein sollen, ini Disziplinarwege auch über das„nnßee-� berufliche Verhallen" von Nichtdeamten abzunriheilen. Sie rücken die Gefahr nahe der politischen Unabhängigkeit, um Hemm- niss« zu bereiten. Die Bethäligung politischer Gesinnung soll für «inen Polizeistaat, insbesondere für«inen durch bureaukratische Anmaßungen verböserien Polizeistaat, als schädlicher Lupus gestempelt werden. Derartig« Versuche der Reaktion legen von neueiii 8«ugniß ab von der Furcht und der Ohnmacht der reaktionäre» nken vor der siegreich vorwärts dringende» Arbeiterklasse. s" Negierung zu Richlaud haben gegenwärtig anläßlich der Ruaberufuiig der fluchtigen bulgarische» Offiziers eine °'te r- Verschärfung e r f a h r e in Als der russische Muitarbevollmachtigte P e s ch o ,v aus Konstantinopel in Sofia plntraf, um die diesbezüglichen Wunsche der Petersburger Legierung noch ciuinal in bestinnntester Form der bulgarischen Negierung vorzulegen, war Fürst Ferdinand plötzlich krank geworden, sodaß er den Oberst Peschow»ur in einer ganz kurzen Andicnz Iprach. Die eigentliche» Verhandlungen mußte der letztere deshalb Mit dem Ministerpräsidenten Stoilow und dem Kriegsuiinister fuhren. Peschoiv legte die Liste der zurückzuberufenden 3-l Offiziere vor, wobei zugleich angegeben war, unter welchem Range dieselben die bulgarische Arinee eintreten sollten. Danach würden für 32 Offiziere der Major- und Oberstraug, und für Benderew und Grunew der Generalsrang gefordert. Stoilow erwiderte darauf, das; die Annahine dieser Forderung gleichbedeutend sei mit der Auslieferung von mehr als z w e i D r i t l c l n der h ö h e r e II K o Iii I» a» d o- stellen des bulgarischen Heeres an die Emigranten, weshalb bei Annahme dieser Forderung das gesammle Ministerium sofort seine Entlassung geben würde. Denn es sei unmöglich, daß Offiziere, die zivölf Jahre lang im Auslände geivesen»nd mit dein gegeuwärligeu Stande der bulgarischen Heeresverhältnisse gänzlich nnbekannt seien, sofort die Leitung des gesaiiiniten Heereswesens übernehmen könnten. Oberst Peschow ließ jedoch die Machthaber in Sofia darüber nicht im Zweifel, daß Rußland eine Erinäßigung dieser Forderung unter keinen Umstände» zugestehen iverde.— Amerika. Rio de Janeiro, 13. November. Die Vorlage betreffend die V e r h ä n g u n g des B e l a g e r n u g s z u st a» d e s wurde gestern auch vom Senate, und zwar mit 33 gegen 19 Stimme», angenoinmen und hat niiuiiiehr Gesetzeskraft erlangt.— Als Reichstags- Kandidat für den Wahlkreis Calbe« A s ch e r s l e b e n ist der Parteigenosse Albert Schmidt, Redakteur der„Volksstimme" in Magdeburg, aufgestellt worden. Der bisherige Kandidat, Genosse Keßler in Verliii, hat aus Rücksicht ans sei» hohes Alter die Wiederannahme der Kandidatur abgelehnt. Im hessischen Wahlkreise Friedberg-Büdinge» kandidirt auf einstiinmigen Beschluß der Kreiskonferenz zu Heldenberge» wieder der Parteigenosse H. Prinz aus Frankfnri a. M. Tie oberschlcsischc Parteikonferenz wird am 1. Januar von vprinitlags 11 Uhr an in Neiistadl O/S. im Lokal des Arbeiter. kastno-Vereins, Pramsenerstr. KKLb, abgehalten. Anmeldungen und Anfrage» sind zu richten an Adolf Hirsch meier. Neu- stadt O./O., Glodnyslr. 424. Bei der Ttadtverordnetenwahl in Bielefeld erhielten die Kandidale» unserer Partei, die bekanntlich sämmtlich siegten, 3266 bis 1279 Stimmen, die freisinnigen Kandidaten 28l— S23, die nalionalliberalen Kandidaten 396—393 n»d ein gemeinsainer Kau- didal dieser beiden bürgerlichen Parteien 1073 Slinimen. Bei der Wahl im Jahre 1895 betrug die Slinimenzahl unserer Partei 732 bis 740(310 Stiinmen mehr als im Jahre 3893). Bei der jetzigen Wahl haben wir also 534—539 Stimmen(— 78 pCt.) mehr be- koininen als im Jahre 1895. Zu beachten ist»och, daß sür die Kandidaten des Liberalismus auch das Zenlruin und die Konservativen stimmten. Bei der Geuieiudcrathswahl in Apolda sind unsere Parteigenossen unterlegen. Die vereinigten Gegner siegte» mit einer Stinimenzahl von 1014— 3822, während auf unsere Kandidatenliste, nach einer vorläufigen Meldung der„Tribüne", nur 237 bis 575 Sliminen abgegeben wurde». Bei der jüngsten Landtagswahl ist in Apolda unser Parleigenosse B a u d e r l von den Wahl- männern einstiininig zum Landtags-Abgeordneten geivählt worden und bei der Reichskagsivahl ist uns die Mehrheit der Stinunen sicher. In kommunaler Beziehung aber steht Apolda selbst gegenüber Orten zurück, die iveii kleiner sind und auch verhältnißmamg keine so dichte Fabrikbcvölkerung haben, als das„thüringische Man- chester." Polizeiliches, Gerichtliches er. — Reichstags-Abgeordneter Dr. L ü t g e n a u in D o r t m u n d bat am 12. November im Gefängniß zu Herford die dreimonntige Freiheitsstrafe angetreten, die ihm ivegen Majesiätsbeleidigung auf- erlegt ist. Sein Gesuch, ihm zur Regelung ivichtiger persönlicher Angelegenheiten Ailsschiib zu gewähren, wiirde von der Staats- anwallschast rundweg abgeschlagen. — Mit den B e st i m m n n g e n des Vereins- und V e r s a in in l u n g s r e ch t c S scheint die Polizeiverwaltnng in Sch Wieb ns»och recht schlecht vertraut zu sein. In dem ge- nannten Orte haben iviederholl ordiiniigsgemäß angeineldete Ver- samnilungen»»serer Partei stattgefunden. Unterm 28. August er- hielt inin der Einberufer dieser Versammlungen folgende Znschrisl der Polizeiverivaltnng: „In der von Ihnen am 22. d. M. einberufenen öffentlichen Bolksversannulung hat ein Schiihmacherineister Metzner ans Berlin referirt, ohne daß Sie dies oder das von demselben zu besprechende Thema in der uns eingereichten Versamnilttiigsanineldung an- gegeben haben. Da diese Unterlassung Ihrerseits bereits wiederholt vorgekoinineii ist, veranlassen wir Sie hiermit, bei künstigen Ver- saniinlnngsaiinieldnngen i» dcu Anzeigen anzugeben, ob in den Versanimlungen von fremden Redner» Vorträge gehalten werden." Der Adressat suchte daranshi» die Polizei eines besseren z» belehren, iiidem er in seiner Antivort die betreffenden Paragraphen des Vereins- und Versammlungsgesetzes anführte, deren Inhalt man auf dem Polizeiaml in Schwiebus nicht zu kennen scheint. Statt aber dem gesetzlichen Recht seinen Lauf zu lassen, aiilwoitcle die Polizeiverwaltnng ivie folgt: „Auf Ihr Schreibe» vom 3. d. M. theilen wir Ihne» hierdurch mit, daß wir auf unserer Anordnung betreffs Angabe der Tages- ordninig in den Aiiineldungeu von Berfaiumlungen bestehe». Wir werden linler Umstäiiden alle gesetzlichen Mittel zur Durchführung derselben anweuden." Natürlich wird unser Genosse nicht nachgeben und Tages- ordnung und Reserenlen der Polizei nicht lieniien, sondern es dieser überlassen, sich eventuell vor Gericht die noth- wendige Belehrung über die Bestiutinungen des einschlägigen Gesetzes zu holen. — Die K r e i s h a n p t m a ii n s ch a f t Z w i ck a u hat die Be- schwerde von Reichenhacher Genossen gegen das Verlangen des Stadt- rathes Dr. Krippendorf, bei Aersaininlnngen de» Namen des ßtese- reuten zu nennen,„für unbeachtlich nicht zu befinden vermocht, weil — ivie das Ministerium des Innern in neuer Zeit wiederholt zum Ausdruck gebracht hat— das Landesgesetz vom 22. November 3850 der Polizeibehörde nicht die Befngniß verleiht, die Naiiihaftniachnng eines für eine öffentliche Bersaniinlnng in Aussicht genommenen Resercnten zu verlangen."_ Berlin und ttmgebung. Achtnug, Buchbinder! Wie uns mitgelheilt wird, sucht der Werkmeister Meyer von der Firma O l d e in e y e r in Hannover hier Arbeiter anzuwerbeii. Die Buchbinder werden darauf aufmerksam gemacht, daß in genannter Fabrik die Arbeiter streiken und deshalb der Zuzug fernzuhalten ist. Achtung, Stnckatcure? Laut Beschluß der letzten Mitglieder- Versammluiig vom 18. Oktober ist der wöchentliche Beilrag für die Wintermonate vom 3. Dezember bis 1. März auf 20 Pf. zu belassen. wovon 10 Pf. als Extrastener für Agitation hier am Orte ver- bleiben. Der Bevollmächtigte. Für die englischen Maschinenbancr gingen bei der Be r- l i n e r G e w e r k s ch a f t s- K o in»i i s s i o n folgende Beiträge ein: Tischlerei von Schön mit Restauratenr, Landwehrstr. 5/6 4,—. Sozialdemokratischer Arbeiterverein Weiße, isee 50,—. Von den Kürschnern Berlins. 1. Rate durch Wittig 50,—. Tischlerei Schulz, Fruchtstr. 59, 2. Rate 10,75. Arbeiter der Korbwaarenfabrik von Wronker, Charlottenstr. 93 3,25. Gesammelt bei Haufe 2,50. Stockarbeiter Berlins d. N. Klinger 35,50. Arbeiter der Möbelfabrik Lenig u. Jatzky, I. u. 2. Saal, 2. Rate 11,75. Gesellen v. E. Fritsch, Köpenickerstr. 153 3,70. Arbeiter der Tischlerei von Lorenz, Wrangel- straße 28, 3. Rate 3,50. GnSglühlicht-Fabrik von Hansler, Köpenicker- straße 1543. 5,75. Von den Kürschnern Berlins(Militär- Mützen- niachcr) durch W., 2. Rate 50,—. Von den Maurern Berlins durch Richter 3000,—. Holz- und Brelterträger Berlins durch Sch. 25,—. Eisenbahner Berlins 30,20. St. und W., zwei Kasscuboten 3,—. Von den Glacee- Handschuhinachern Berlins durch Egl. 30,—. Gesammelt auf dem 8. Stiftungsfest der Freien Vereinigung der Kauf- lente 27,30. Tischlerei Rückivarlh». Riegel, Wienerstr. 50 16,10. Agilationskominission der Schuhmacher Berlins durch Nowag (darunter durch Willner 4,—) 154,—. Pianofabrik von Weber, Brückenstr. Iba. 21,30. Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands, Zahlstelle Berlin 1 53,15. Bilderrahmen- niacher Berlins d. Brd. 20,—. Von den Schnhiiiachern Berlins (Schooßarbeiter) 100,—. MusikiiistrnmenIewArbeiler Berlins durch Älrendt(Fabrik von Gottwald 33,60, Fabrik Schulz 14,50, Fabrik Schmidt 5.50, Fabrik Kißner 12,15, Fabrik Pfeiffer 14.50, Fabrik Pfaffe 6,65, Fabrik Klinginnnn 13,35, Fabrik Hoof 12,10, Fabrik Koch 10,30, Fabrik Seidel 15,20)=- 117.85. Xylographen Berlins d. H. 23,90. Tischlerei AkliengeseUschaft für Bau-Ansführnngen, Charlolten- bürg 13,—. 10 Tischler d. Werkstatt Böhm, Weberstr. 52 in. Budiker 6,—. Agilalioiiskommission der Schuhmacher Berlins, 2. State 60,—. 'Ilgilationskoininission der Vergolder Berlins durch Steide! 100,—. Tischlerei Balz mit Budiker und zwei Böttchern 5,10. Rabitzpntzer Berlins und Ilingegend 300,—. Verband der Töpfer(Filiale Berlin) durch Lother 100,—. Zentralverein der Böttcher(Filiale Berlin) 100,—. Stuckateure Berlins durch den Vertrauensinanii 500,—. Skalklub Revolution, 2. Rate 5,—. Mvbelpolirer von F. A. Treue 10,—. Ein rother Bankbeamter 5,—. Weitere Beiträge iiininit das Gewerkschafts-Bureau (R. M i l l a r g, Annen st r. 16, I) entgegen. Deutsches Reich. Zum Metallarbeitcr-Stieik in Torgelow. Am 10. d. M fand eine öffentliche Volksversammlung für Männer und Frauen statt, welche ausgezeichnet verlief. Die ganze Bevölkerung sympathi- sirt mit den Streikenden und giebt dieser ihrer Stinimnng auch klingenden Ausdruck durch Zeichnung ans Listen.— Das Gewerbe- gerächt hat die Klage von drei N n t e r n e h in e r n wegen Kontraktbruchs abgewiesen" und wird iiunmehr Klage der Arbeiter eingeleitet.— Den Gewerkvereinlern wurde seitens ihrer Verbands« leitnng mitgetheilt, daß sie nicht zu arbeite» brauchen, sie bekäme» Unterstützung, würden aber auch nicht gezwungen, zu streiken. Lohnbewegung der Schuhmacher. In Lucka dauert der Ansstaud bei der Firma Berkowitz, Heyl u. Comp, fort; bei einer Unterhandlung mit den Fabrikanten schlugen die Einigungs- versuche fehl. Die Firma hat an die übrigen Geschäfte ein Zirkular erlasse», in dem sie ersucht, die Streikenden nicht einzustellen. In der Schuhfabrik von V. Götze und E. Fischer in Groitzsch bei Leipzig sind infolge Einführung eines Akkord- lohnes a» der Zwickmaschine Differenzen ausgebrochen. Die Arbeiter haben einen Tarif ausgearbeitet, der de» Fabrikanten unterbreitet wurde, und gleichzeitig die Kündigung eingereicht. In Stuttgart ist in dem Ziiisstaiid der Schuhfabrik von Spieß leine Aeiiderung eingetreten. Die Differenzen in der Schuhfabrik von Wolf in Mainz sind beigelegt. Herr Wolf hat eine weitere Erhöhung des Akkordpreises um fünf Pfennige eintreten lassen, so daß jetzt eine Erhöhung des Akkordpreises um zehn Pfennige, die Halste der geforderte» Erhöhung, bewilligt ist. Ju Mainz haben minmehr, da die Einiflnngsversiiche mit dem Fabrikanten erfolglos blieben. 60 Zwicker in der Wolj'jcheu Schuh- fabrik die Kündigung eingereicht. Ausland. Ter Berner Bnchbinderstveik ist nicht erledigt. Di« Strei- ksnden haben mit 64 gegen 1 Stimme die Vereinbarung der Einigungskommission verworfen, da die beiden Fabrikanten von 73 Streikende» nicht weniger als 46 maßregeln wollten. Ter Pariser SchlKhterstrcik ist am II. November vom Rest der Streikenden für beendet erklärt worden. Hierauf faßte der Präfekl den Beschluß, daß die Rinderschlächlereien von 5 Uhr morgens bis 6 Uhr abends offen bleiben sollen, am Sonntag(von April bis Oktober) von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr abends. In den Schweiiieschlächtereien ist der Arbeitsschluß auf 11 Uhr abends an- gesitzt, am Sonntag bezeichneter Monate n»i 7 Uhr abends; in den Wintermonalen soll die Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags danern. Damit haben die Arbeiter ihre Forderungen im ivesentlichen durchgesetzt. Zinn Kampf der englischen Maschinenbauer schreibt unser Londoner Mitarbeiter: Die Arbeiter haben sich, wie bereits mitgetheilt, unter der Annahme zu den Verhandlnugen bereit er- klärt, daß die Zurücknahme der Streiknnkündignngeii auch die Aushebung der Sperre auf der anderen Seite einschließt. Ob sich die Nnternchiner auf diese letztere Bedingung eiulassen werden, erscheint nach den Darstellungen einiger sonst gut unterrichteter Blätter noch zweifelhaft. Mau sollte aber meinen, daß dies selbst- verständlich ist, denn mit der Zurücknahme der Streikauküiidigiiiigeii fallen die Gründe für die Sperrankündiguiigen von selbst zu Boden. Schon die nächsten Tage dürsten über diesen Punkt Klarheit schaffen. Die Masse der Arbeiter hat mit großer Zähigkeit die Opser des Kampfes getragen und würde sie, wenn es nicht zur Verständigung koiiimt, voraussichtlich auch eine gute Weile weiter auf sich nehmen. Bei alledem scheint aber doch die Meinung Platz zu greifen, daß die Zeit zum Friedensschluß gekoinmen ist. In diesem Sinne wenigstens drückte sich gestern der Vorsitzende der Exekutive des Maschinenbauer- Vereins in einem in Süd-London gehaltenen Vortrage ans.„Er hoffe," heißt es,„daß es zu einem für beide Theile ehrenvollen Aus- gleich komnie, der auf lange Zeil der Maschiueuindustrie Frieden bringen werde". Es scheint nicht angebracht, auf die Wahrscheinlichkeiten des Ausgleichs hier näher einzugehen, wo schon die nächsten Tage die Entscheidnug bringen werden. Nur soviel sei bemerkt, daß vielfach an einen Kompromiß in der Frage der Arbeitszeit geglaubt wird, d. h. daß die Prinzipale schließlich ein Zugeständniß machen werden, wenn sie sich auch nicht auf den Achtstundentag einlassen.— Noch sei bemerkt, daß nach den Berichten verschiedener Zeitungen der Gewerkvereiu der Maschinenbauer jetzt seinen Beitritt zum Bund der Maschinen- und Schiffsbau-Gewerkschasten angemeldet, resp. das Aufnahiuegesuch gestellt hat. Das wäre ein Schritt von nicht geringer Bedeiituug, doch ist die Bestätigung noch abzuwarten. *» * Die Vorkonferenz war am Freitag noch nicht definitiv festgesetzt. jedoch dürste sie, wie„Daily Chronicle" vom Freitag sagt, noch am gleichen Tage anberaumt worden sein. Dagegen haben die Londoner Kesselmacher mit ihren Arbeit- gebern bereits am Donnerstag nnterhaudelt. Zu einer Einigung kam es nicht; die Uiiternehmer verlangen, daß die Arbeiter zuerst zur Arbeit zurückkehren,»nd ftützenlsicd dabei auf die Abmachungen, welche die Exekutive der Kesselmackier- Gewerkschaft mit dem Unter- nehmerverbande getroffen hatte.„Daily Chronicle" räth den Kessel- machern an, sich deni Verlangen zu fügen, um damit den Boden für weitere Verhandlungen zu schaffen. Soziales. Infolge der Klagen Uber das Unwesen der Ueberschichten in dcu Kohlcugrubeu soll das königliche O b e r- B e r g a»i t in Dortmund mit Erhebungen darüber beschäftigl sein, inwie- weit dem llnwesen durch gesetzliche Verordnuiige» ent- gegenzutreten sei, und auf einzelnen Zechen sollen die Revierbeamten schon Verbote nach dieser Richtung hin erlassen habe». Die StiimM'sche „Deutsche volkswirthschaftliche Korresondenz" befürchtet nun, daß demnächst allgemeine, das Verfahren von Ueberschichten verbietende Verorduuiige» erlasse» werde», tischt, um dem vorzubeugen, de» alte» Ladenhüter des kapitalistischen Jgnorantenthunis wieder auf, die Arbeiter verführen ihre Ueberschichten nur aus„freiem Millen", es iverde von den Zechenverwaltuiige» nicht der geringste Zwang ausgeübt, und was dergleichen Unstuiis mehr ist. Vermnihlich steht das Vorgehen des Dortmunder Ober-Bergamts in Zusammeuhaug mit der vom Minister einberufe» gewesene» Konferenz zur Unfall- Verhütung im Steinkohlen-Bergbau, über deren Arbeiten, beiläufig be- merkt, leider nichts verlautet. Dann darf maii wohl annehmen, daß die Stümmlinge diesmal mit ihren durchsichtigen Hetzereien gegen de» Ärbeilcrschntz kein Glück haben werden. Ansdehuuug der Sonntagsruhe beschlossen die Kauf- l e u k e der Stadl O l d e n b>: r g. weil am Sonntag kaum»och Geschäfte gemacht würden. Die Apotheker wollen ihre Geschäfte, soweit es sich nicht um die Rufertigung von Rezepten handelt, an Sonn- und Feiertagen schließen, weil sich das Publikum das Ein- kaufen am Sonntag ganz abgewöhnt habe. Arbcitcrrisiko. Aus Augsburg wird berichtet: Im Keller der S t e t t ii e r' scheu Brauerei in der Kaiferstraße ivar ein Bränbursche mit Ablaffen von Bier beschäftigt, wobei der Aufzug brach und dem Burschen den Schädel zerschmetterte. Der Arme war sofort todt. Es ist dies innerhalb kurzer Zeit der zweite Fall. Für die Heizer der städtischen Gas fabrik in Lausanne ist der achtstündige Arbeitstag eingeführt worden, während die tägliche Arbeitszeit der übrigen Arbeiter von IG/e ans 10 Stunden herabgesetzt wurde. Gevichts�Jeikung. Die Disziplinar- Verhandlung gegen den Reichs- komiuiffar z. D. Dr. Karl Peters in der Berufungsinstanz be- ginnt am Montag, 15. November d. I., 10 Uhr vormittags, im Kammergerichts-Gebäude vor dem Diszipliuarhof für die Schutz- gebiete uiiler dem Vorsitz des Chefpräsidenten des Kanunergerichts D r e n k in a n n. Als Staatsanwalt fungirt wie in erster Instanz vor der Disziplinarkammer der Geh. Legatiousrath H e l l w i g. Da der Thatbestand schon in der ersten Verhandlung erschöpfend dargestellt worden ist, so beschränken wir uns auf eine kurze Wiedergabe. Dem Dr. Peters war vorgeworfen worden, daß er im Oktober 1891 bezw. im Jahre 1892 am Kilimandscharo ungerechtfertigter- weise einen Negerjungeu und ein Negermädcheu habe hinrichten lassen, daß er unnöthig kriegerische Verwickelungen mit dem Sultan Malamia herbeigeführt habe, daß er in unmenschlicher Weise drei Negerinnen habe prügeln lassen, daß er ferner über diese Vorfälle unwahre Berichte an seine Behörde ein- gesandt und schließlich selbst verschiedenen jPersouen bekannt habe, daß er den Negerjungen Mabrnk, der bei ihm in Diensten gestanden, nur wegen seiner geschlechtlichen Beziehungen zu einem seiner(de? Dr. Peter?)„Weiber" habe h i n r i ch l e» lassen, und daß er sich nach alledem des seinem Amte zukoinmenden Ansehens unwürdig gezeigt habe. In erster Instanz war am 24. April dahin erkannt worden, daß Dr. Peters des Dienstvergehens schuldig und deshalb mit Dienstentlassung zu bestrafen sei. Soweit er sür schuldig befunden worden, habe er auch die Kosten des Versabrens zu tragen. Der Gerichtshof sah in der Vernrlhei- lung de? Mabruk zum Tode und in der Vollstreckung des Urtheils ein Dienstvergehen. Die Todesstrafe fei eine nicht zu billigende, mit den Grundsätzen einer zivilisatorischen Rechtspflege nicht zu vereinbarende Maßregel gewesen. Das Gericht sei davon überzeugt, daß die geschlechtlichen Beziehungen des Mabruk zu de» Weibern zu dem harten Urlheil wesentlich mitgewirkt hätte». Die Hinrichtung der Negerin, die mit Malamia konspirirt und als Ketlengefaiigene die Flucht ergriffen hatte, glaubte der Gerichtshof nicht durchaus mißbilligen zu können, da die Androhung der Todesstrafe sür solchen Fall gesetzlich zulässig war und«ine Art von Kriegsgericht aus Tod erkannt hatte, auch keine persönlichen und geschlechtlichen Motive den An- geklagten zu dem harten Urlheil geführt hätten. � Die den drei Weibern zudiktirte Prügelstrafe— die Negerinnen hatten sich zu Malamia geflüchtet, waren aber von diesem wieder ausgeliefert worden— sei auch bei Weibern, namentlich solchen in Kettenhaft, nicht ungewöhnlich. Dagegen nahm der Gerichtshof im vollen Umfange der Anklage als nach- gewiesen an, daß Dr. Peters über diese Vorfälle bei seinem vor- gesetzten Gouverneur wissentlich falsche Angaben gemacht habe,»veil er sich bewußt gewesen, daß er seine Handlungen nicht verantworten könne. Dies sei ein schweres Dienstvergehen. Der Gerichtshof verkannte nicht, daß Dr. Peters sich Verdienste um. die Kolonie erworben habe, dies hätte aber zur Milderung der Strafe nicht führen können, da diese Verdienste in eine Zeit fielen, wo er noch nicht Beamter gewesen. Als schwerstes Vergehe» fei die un- wahre Berichterstattniig anzusehen. Der Gerichtshof habe deS- halb auf Dieiistentlafsung erkannt. Zu einer Belassung eines Theils der Pension habe keine Veranlassung vor, gelegen, da Dr. P. in der kurzen Zeit seiner amtlichen Thätigkeit sich wiederholter Dienstvergehen schuldig gemacht habe. Hiergegen hat Dr. Peters Berufung eingelegt, die Aufhebung der Vor- entscheid, mg und seine Freisprechnng beantragt. Auch die Staats- anwaltschaft hat Berufung eingelegt mit dem Antrage, den Dr. Peters»ach dem ganzen Umfange der Anklage zu verurtheilen und ihm die gesammten Kosten zur Last zu legen. Vvpesrszen und letzte Aetchvichken. Wien, 33. November.(W. T. B.) Die heutigen Reibungen in der Aula der Universität wurden durch judisch-nationale Vcrbin- düngen veranlaßt, welche de» deutsch-liberalen Studentenverbindungcn vorwarfen, an den letzten Deinoiistrationen in der Aula theil- genommen zu haben. Die deulsch-nalionalen und die deutsch-liberalen Studenten drängle» die jüdisch- nationalen hinaus, wobei es zu Schlägereien mit Stöcken kam. Mehrere Verwundungen sind vor« aekomnien. Vor dem Gebäude der Universität aus der Rampe befand sich Polizei, welcher es nur schwer gelang, die Ruhe herzu- stellen. Den Blättern zufolge sind mehrere Verhaftungen vor- genommen worden. Wien,>3. Nov.(B. H.) Seitens der Polizei wurde dem Schubert- bunde unlersagt, den bei der heute Abend im Sophiensanle statt- findendeii Liedertafel geplanten sünslen Chor„Süddeutsch" von Kirche zu singen. Dieser Chor ist bisher unbeanstandet im Druck erschienen. Wien, 13. Nov.(B. H.) Bei Nidderndorf an der Südbahii ist ein Postziig mit einem Lastzüge ziisaiiimcngestoßen. Sechs Waggons wurden zertrümmert. Vudapcst, 13. Nov.(B. H.) Die Arbeit in dem'Reschitzacr Eisenwerk mußte, wie telegraphisch an die hiesige Domänendirektion der Staatsbahngesellschaft gemeldet wurde, eingestellt werde», weil das Ziiflußwasser gefroren ist. Paris, 13. November.(W. T. B.)iä Depntirlenrainnier. Ja der heutigen Sitzung wurde die Berathung der Jnleipellalioii über die landwirthschaftliche Krisis wieder ausgenommen, welche seit der vergangenen Session zeden Sonnabend auf der Tagesordnung slchi. In Beantwortung der Ausführungen verschiedener sozialistischer Redner hob der Ministerpräsident, Ackerbanminister Mcline bei vor, daß die Zahl der kleinen Landwirthe zunehme. Die sozialistischen Theorien würden unheilvolle Folgen haben, der Kolleklivismiis, welchen sie predigen, sei«ine Utopie; Ackerbauer, welche auf eiiiein Kollektivbesitzthun, arbeiten würden, würden de» Geschmack an der Arbeit und die Liebe znm Boden verlieren. Das einzige Heilmittel für die gegenwärtige Lage liege nicht in dem Kollektivismus, es liege in' der Zunahme der Produktion und im inlenstveii Landbau. Das individuelle Besitzthni» allein könne diesen Fortschritt verwirklichen.(Beisall.) Die Fortsetzung der Rede Meline's wurde auf nächsten Sonnabend vertagt. Berautwortlicher Redakteur: August Jacobe,) in Berlin. Für den Jnserateiitheil verantwortlich- Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 4 Beilage» ii UitterhallniigSblatt ur. 267. ü.mm. ijeildge des„ SomtG, iL llontnitift 1897. Die Heinlsrebeik in Oeptevveirtz. So wie die deutsche Arbeiterbewegung entfalten auch die öfter- reichischen und gewerkschaftlichen Organisationen eine energische Agitation gegen die soziale» Auswüchse der Hausindustrie. Der zweite österreichische Gewerkschafts-lkongrest, welcher im Dezember 1893 in Wien tagte, verlangte von Gesetzeswegen innerhalb eines zu bestimmenden Zeitraumes die Aufhebung der Heimarbeit in jeder Form und machte er den Organisationen zur Pflicht, mit allen ihnen zu Gebote stehenden und ge- eignet scheinenden Mitteln die Beseitigung der Hausindustrie und des sogenannten Sitzgescllenwesens anzustreben. Bis zur gänzlichen Aushebung der Hausindustrie wurde der Erlast von gesetzgeberischen Maßregeln vorgeschlagen, die sich mit den jahrelang von uns er- hobenen gesetzgeberischen Forderungen decken. Der sechste Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie, der in Wien tagte, hat sich ebenfalls mit der Heimarbeit beschäftigt. Nicht sofortiges Verbot derselben, sondern Reformen verlangte er, wie die Einbeziehnng aller Heimarbeiter i» die Arbeiterschntz-Bestimmuiigen, Ausbau des Gewerbe-Jnspektorats, Reform der Bau- und Wohmmgs- orduungen. Die österreichischen Arbeiter stehen mit ihren Forderungen nach Reform und endlicher Beiseitiguug der Heimarbeit keineswegs allein. Auch die Zwergunternehmer, die Kleinmeister, sind dort größten- tbeils für die Beseitigung derselben; sie sind deshalb Gegner der Heimarbeit, weil sie in ihr eine ungeheure Begünstigung des so- genannten„Pfuschwcsens" sehen. Durch dco Druck dieser Strömungen dazu veranlaßt und weil die schrankenlose Ausbeutung der Heimarbeiter durch profitgierige Unternehmer daS Elend der Arbeiter bis zur äußersten Grenze ge- trieben hat,»»lstte sich die Regierung endlich dazu bequemen, ihr Augeuiuer! dieser Frage zuzuwenden; das Handelsministcrinm for- derle am 3. März 1393 vonsämmtlichen Handels- und Gsiverbekammern Gutachleu ei». Wer schon die Richtung, rvelcher diese Erlaß für die gesetzgeberische Behandlung der Heimarbeit angiebl, zeigt, daß die österreichische Regierung mit derselben übertriebenen Vorsicht die Eindämmung schwerer sozialer Schäden versucht, wie sie bei uns zu Laude üblich ist. I« dem Erlaß wird eine möglichst komplizirte Defmition des Begriffs„Heimarbeit" gegeben, die im ganzen darauf hinsteuert, gewisse Arle» der Heimarbeit und gerade die, in welchen das Uebel seinen Sitz hat, von der gesetzgeberische» Reform auszuschließen. Da wird unterschieden die häusliche Nebenbeschäftigung, die Haus- induftrie, die gewerbliche Hennarbeit, welch' letztere wiederum in die Erwerbsthäligkeit der Sitz- oder Hausgesellen und in die Er- werbssonn der Slückmeister zergliedert wird. Nur diese letztere» beide» Kategorien solle» im Nahmen der Gewerbe-Orduuug einer besonderen Regelung unterzogen werden, während die„häusliche Nebenbeschäftigung" und„die Hausindustrie" außerhalb deS Gellungs- gebietes der Gewerbe-Orduuug belassen werden soll. Gegen diese Halbheit, mit der die österreichische Regierung Sozial- Politik treibt, wendet sich eine kleine, treffliche, in der Wiener Arbeiter- bibliothek erschienene Broschüre von Jakob Reumann"). Der Verfasser befürchtet mit Recht, daß unter dem Begriff„häusliche Beschäftigung" in Zukunft das Gros der Heimarbeiter subsumirt werden kann.„Gerade diese häusliche Nebenbeschäftigung," sagt Reumann,„in der das acht- und neunjährige Kind bis spät in die Nacht hinein, die zarte Frau ebenso lauge arbeitet, die verschämte Arbeiterin ihren Sitz hat, ist der Herd der schrankenlosesten Ausbeutung.... Und die „Hausindustrie" in ihrer mangelhaften Dcfinirung soll ebenfalls außerhalb des„Geltungsgebietes der Gewerbe- Ordnung belassen" werden?" Der Verfasser verlangt die Beseitigung solcher Ausnahmen und Schutz allen Heimarbeitern. In einem umfangreichen Material über die soziale Lage der Arbeiter in der österreichischen Hausindustrie erbringt der Verfasser den Beweis für die Berechtigung der erhobenen Forderungen. Düstere Schattenbilder des stetig fortschreitenden Elends einer degenerirten Arbeiterschicht werden unS vorgeführt. Aus der Fülle des Materials nur einige Auszüge. Aus den Schriften des Vereins für Sozialpolitik über„Die Lage des Handwerks in Oesterreich" bringt Reumann folgende Schilderungen. Bei den Stückmcistern wird in der Werkstätte bei Tag gearbeitet und in der Nacht geschlafe». Aus einem Fragebogen sollte festgestellt werden, ob nur Gehilfen und Lehrlinge in der Werkstätte schlafen, oder auch der Meister, die Meisterin und deren Kinder. In etwa zwei Drittel der Fälle lautete die Antwort kurz und bündig:„Alle!" Eine ungeheuer lange Arbeitszeit wird in den Wiener HauS- industrien konstatirt. Kleidermacher-Gewerbe: 14 bis 13 Stunden täglich; Schuhmacher: 13 bis 18 Stunden; Wäsche- und Kravatlen- erzenger: 14 bis 13 Stunden; Kürschner: 13 bis 18 Stunde»; Gold-, Silber- und Juwelenarbeiter: 13 bis 13 Stunden u. s. w. Die Löhne, welche in dieser langen Arbeitszeit herausgeschlagen werden, sind lächerlich gering. So wird berichtet, daß im Kleidermacher-Gewerbe die Löhne zwischen 2 und 5 Gulden pro Woche schwanken und nur in wenigen Fällen 7 und 8 Gulden erreichen. Die Folgen dieser Zustände machen sich in dem ungünstigen Gesundheits- zustande der Arbeiter bemerkbar. Im Schuhmachcrgewerbe sind mehr als 29 pCt. der Heimarbeiter an der Tuberkulose erkrankt und 70 pCt. der Sterbesälle hatte die Tuberkulose zur Ursache. Aber nicht blos für die Arbeiter bildet die schrankenlose Willkür in der Hausindustrie eine große Gefahr. An treffenden Beispielen wird auch hier wieder der Beweis erbracht, daß sie auch für den Unternehmer ihre Schattenseiten hat. So wurden die Bildhauer- gehilsen in Wien zur Heimarbeit gedrängt; die nächste Folge davon war, daß die„Zwischenmeister" der Konkurrenz der einzelnen Heim- arbeiler nicht mehr Stand halten konnten. Die Preise sanken rapid. Neue Muster, kaum ausgegeben, sanken in wenigen Tagen um 89 und 39 pCt. Ein wahnsinniger Konkurrenzkampf unter den Arbeiter» entstand. Die Heimarbeit hinderte die Koalition, durch Brotneid riß mau sich förmlich die Arbeit gegenseitig ans den Händen. Die Unternehmer, welche anfänglich recht behaglich diese Zustände beobachteten und ihr Profitchen dabei machte», mußten nur zu bald erfahren, daß diese rapide Verbilligung der Produktionskosten ihnen selbst zum Verderben gereiche. Ebenso wie die Heimarbeiter sich gegenseitig niederkonknrrirtcn, konkurrirten sich nun die Unternehmer nieder. Die furchtbare Ausbeutung der Heimarbeiter in der Provinz, die fast die gleiche Erscheinung in Wien in Schatten stellt, wird au zahlreichen Beispiele» illustrirt. Das sprichwörtlich gewordene Elend der Hausweber ist überall gleich, in Böhmen, Mähren, wie in Schlesien. Die Proßnitzer Hausweber, ca. 1299, mußten, nachdem ihr Elend unerträglich geworden, am 21. Juli 1393 in den Streik eintreten. Bei 18 bis 13 stündiger Arbeilszeit verdiente» sie 39 bis 49 Kr. täglich. Fünf- und sechsjährige Kinder müssen mitarbeiten a» Verrichtungen, für die der Unternehmer nichts be- zahlt. Die Wohnungen der bis zum Exzeß ausgebeuteten Mensche» sind wahre Brutstätten der Tuberkulose und Skrophulose. Die Äe- völkerung vieler Gemeinden ist durch verminderten Flachsbau und die zurückgehende Handweberei auf der einen Seite, Mißernte auf der anderen Seite zu Ende des verflossenen Jahres und Anfang dieses Jahres, einem Elend verfallen, welches auch nicht annähernd geschildert werden kann. Aehuliche Zustände werden geschildert aus der Strohflechterei im bömische» Erzgebirge. Und die Lage der Heimarbeiter in der Bijonteriebranche/Glassteinschleifcrei und Glasperlenerzeugnng im Reichenberger, Turnauer, Eisenbroder, Semiler»nd Hochftädter Bezirk: überall mit abweichenden Variationen dasselbe Bild des ») Die Heimarbeit in Oesterreich. Wien, 1397. Erste Wiener Volksbuchhandlung(Joh. Brand), VI Gumpendorferstr. 6. Preis 28 Pf. Elends. Ueberall schrankenlose Ausbeutung, überlange Arbeitszeit, schamloses Trucksystem, Ausnutzung der Frauen, Kinder und Lehr- linge, elende Wohnungs» und Ernährungsverhältnisse, Tuberkulose und Hnngerlyphus Tausende dahinraffend. Es sind grauenerregende Bilder, die entrollt werden. Und die Regierung? Sie ist unschlüssig, schwankend, zaghaft; sie möchte wohl eingreife», aber nur nicht den Pelz»aß- machen, genau so wie bei uns. Wenn man sich die Vorschläge der österreichischen Regierung zur Eindämmung der Uebel- stände ansieht, so ist einem gerade so, als ob man den Direktor des deutschen kaiserlichen statistischen Amts, den Geh. Oberregierungsrath Dr. v. Scheel hört, der sich nach Fest- stellung der scheußlichsten Zustände in der deutschen Konfektions- und Wäsche-Jnduftrie nach echtem deutschen Prosessorcnbrauch damit tröstet: „Sollte die Kommission auch nur zu wenig weittragenden oder selbst gar keinen Reformvorschlägcn kommen, so habe sie doch die verdienstliche Aufgabe gelöst, Licht in diese verwickelten, vielfach falsch beurlheilten Zustände gebracht zu haben." Allerdings, wer sich an dem wissenschaftlichen Ruhme der Auf- decknng solcher Zustände genügen läßt, braucht nur darin zuarbeite», er findet ein großes Belhätigungsfeld. Uns genügt es nicht, wir wollen das Elend beseitigt sehen. Die Agitation unserer österreichischen Genossen, zu der die Broschüre des Genossen Jakob Neumann treffliches Material liefert, ist ein kräftiger Vorstoß aus diesem Gebiete. Dort wie bei»ms wird es von der Macht und dein Einfluß der Sozialdemokratie abhängen, daß der Schneckengang der Sozialpolitik in neue Geleise gebracht wird. NonnnunKles. Das Denkmal für die Märzgefallenen. Nachdem der Magistrat dem Beschlüsse der Stadlverordnelen- Versammlung bei- getreten ist, mit ihr in gemischter Deputation über die Errichtung eines Denkmals für die am 13. März 1348 Gefallenen zu berathen und seinerseits 8 Mitglieder zu dieser Deputation ab- ordnete, hat er nunmehr die Versammlung ersucht, ihrerseits 19 Mitglieder zu wähle» und ihm diese zu bezeichnen. Ter Stadtverordneten-lvcrsammlnng sind vom Magistrat folgende Entwürfe zu Neubaute» zur Genehmigung unterbreitet worden: 1. Der generelle Entwurf zum Nenbau des IV. städtischen Krankenhauses an der Seestrnße, Kosten- anschlug 13 199 999 M. Durch frühere Etats sind bereits beivilligt 399 999 M. 2. Der spezielle Entwurf zum Neubau eines Gebäudes für 84 sieche Männer bei der Irrenanstalt Herzberge, Kostenanschlag 127 999 M. Für 1897/93 stehen zur Verfügung 112 999 M. 3. Der Vor- entwnrf zum Neubau des Märkischen Provinzial- Museums 1 398 999 M. Für 1393/99 werden als erste Baurate 299 999 M. verlangt; 4. die spezielle» Entivürfe zu verschiedenen Neu-»nd Umbauten auf dem K r a n k e n h a n s- G r u n d st ü ck e Am F r i e d r i ch s h a i n, und zwar Umbau des Leichenhauses und des Wirthschaslsgebändes und Neubau eines Kesselhauses, eines Eiskellers und eines Stalles für Versuchsthiere; Kostenanschlag 329 999 M. Als erste Baurate werden die im laufende» Etat enthaltenen 199 999 M. verlangt. 8. Neubau eines Vermalt irngsgebäudes für den Eriveiterungsban des Zentral-Schlachthofes, sowie des Pförtnerhauses an der Thaerftraße. Kostenanschlag 99 399 M. Ter Vorstand deS deutsche»» ThicrschntzvercinS hat sich an die Stadtverordneten-Versammlnng, nachdem die Fuhrherren-Jnnung sich geweigert hat, den Autrag des Verbandes deutscher Lohnfuhr- Unternehmer behufs Einrichtung einer Fahr- und Fach- schule in Berlin zu unterstützen, mit der Bitte gerichtet, da auch er die Errichtung von Fachschulen für eine absolute Nothwendigkeit halte, leider aber nicht genügende Mittel besitze, eine Unterstützung seinerseits zu übernehmen, den Antrag des Verbandes selbst gegen den Willen der Fuhrherren-Jnnung anzunehmen und die Einrichtung einer Fahr- und Fachschule recht bald in die Wege zu leiten und in den Etat des nächsten Jahres einen Posten zur Subventionirung einzustellen. Als Gründe für die Errichtung einer solchen Schule werden angegeben: schlechtes Fahre» und dadurch Gefährdung des Publikums, unpraktische Anspannung, schlechte Pferde und noch schlechtere Behandlung derselben u. s. w. Die Versuche zur Fortschaffimg deS Schnees durch die städtische Kanalisationsleitnng sollen auch in diesem Winter fort- gesetzt werde», obwohl dieselben im vorigen Winter günstige Resultate nicht ergeben haben. Da dieses Verfahren in anderen Städten mit Erfolg angewendet wird, hat der Magistrat die Direktoren der städtischen Straßenreinigung und der Betriebsverwaltung der Kana- lisalion beauftragt, die Verhältnisse und Einrichtungen der in be- tracht kommenden Städte an Ort und Stelle zu stndiren; die genannten Herren haben Breslau, Zwickau, Frankfurt a. M., Köln besucht und sind zu dem Ergebniß gelangt, daß die Verhältnisse in diesen Städten zwar viel günstiger liegen als bei uns, daß sich aber eine Fort- setzung der Versuche in veränderter Art bei uns empfehle. Mehrfach sind in jenen Städten besondere Einrichtungen getroffen zur Er- leichterung des Einwerfens nnd zur besseren Fortführung des ein- geworfenen Schnees. Der Magistrat hält es für zweckmäßig, die Versuche nach dieser Richtung hin sortznsetzen nnd dazu einige bauliche Einrichtungen zu treffen, nämlich die Herstellung von drei Einwersschächten nnd die Verbindung von Konden- sations- Wasserleitungen, welche ihr warmes Wasser sonst nn- mittelbar in die offenen Wasserläufe führen, mit den in betrachl kommenden Kanälen. Der Magistrat wird nun die Stadtverordneten- Versammlung ersuchen, sie möge zur Herstellung von Versuchs- anlagen zum Zwecke des Einwerfens des Schnee's in die Kaualisations- leitungen die Summe von 8999 M. bewilligen. Zu bemerken ist hierbei, daß im vergangeneu Winter auch Versuche mit der Ein- werfung des Schnee's in die offenen Wassorlänfe stattgefunden haben, welche in diesem Winter wiederholt werde» sollen, daß diese Versuche aber vollständig unabhängig von den oben gedachten statt- finden. Zur Regnlirung der PotSdamcrstraße hat der Magistrat bei der Stadtverordneten- Versammlung beantragt, 1. daß das zu dem Grundstücke Potsdamerstrnße 23-r/Köttigin Augustastraße 13 gehörige Vorgartenland von ungefähr 233 gm zu einem Preise von 29 M. für einen Quadratmeter mit der Maßgabe freihändig erworben wird, daß die auf dem Vorgartenlande befindlichen Vorbauten bis zu einem Neubau des Hauses stehen bleiben können, 2. daß die Aufhöhung und Regnlirung des tiefliegenden Bürger- steiges auf Kosten der Stadl erfolgt, 3. daß der Eigenthümcrin eine Pauschalsumme von 22 299 M. zur Deckung der Kosten des von ihr vorzunehmenden Umbaues des Hauses gezahlt wird, und diese Zahlung erfolgt, sobald die Fertigstellung des Umbaues durch die Baudeputation festgestellt ist. 4. Daß die Benutzung des im Vor- gartenlande vorhandenen Kellers ebenfalls bis zum Neubau, längstens aber ans die Dauer von 29 Jahren gestattet und daß bei Aufgabe dieses Nutzungsrechts eine Entschädigung von 12 999 M. an den derzeitigen Eigenthümer des Grundstücks Polsdamerstr. 23a ge- zahlt wird. Loksles. Zur Lokalliste. Die Mitglieder der Lokalkommission Berlins und Umgegend werden ersucht, die Lokalliste ihrer Kreise resp. Orte umgehend an Unterzeichneten einzusenden. Oskar Mahle, Berlin 8., Prinzenstr. 8, Seitenfl. I. Die Arbeiterpresse der Provinz Brandenburg wird um Abdruck gebeten. Tie Parteigenosse» dcö zweiten Berliner ReichStags-Wahl- kreises werden darauf aufmerksam gemacht, daß am Dienstag, abends 3'/z Uhr in Bickcl's großem Saal, Hasenhaide 52/83, eine vom Wahlverein einberufene öffentliche Versammlung stattfindet, in welcher der Reichstags-Abgeordnele Genosse Auer einen Vortrag „Nachklänge zum Hamburger Parteitag" halten wird. Gäste haben Zutritt. Genossen, welche ihren Beitritt zum Verein erklären oder Beiträge entrichten wollen, finden hierzu Ge- legenheit am Eingänge des Lokals, sowie in folgenden Zahl- stellen des Vereins: Karl Echo»heim, Gräsestr. 3; Paul Müller, Gräsestr. 31; Ferdinand Ewald, Schönlein- straße 3; Julius Raumann, Blücherstraße 42; E. Lindemann, Moritzstcaße 9; Hans Saß, Markgrafen-. straße 192; Fritz Znbeil, Lindenstr. 193; Karl Lüdtke, Zosscnerstr. 10; Wilhelm Grube, Mariendorserstr. 8; Franz Kitzing, Belle-Alliaucestr. 74.; Hermann Werner, Bülow- straße 89; Otto Jlntrick, Stcinmetzstr. 39; Aug. Faller, Pallasstr. 13; H e i n r i ch Schröder, Kreuzbergstrabe 18; Parteigenossen! Laut Beschluß der letzten Geueral-Vcrsannnlung des Wahlvereins werden die Versammlungen pünktlich um 8Vs Uhr eröffnet. Es ist Pflicht der Genossen, zur rechten Zeit � und zahlreich zu erscheinen. Den Mitgliedern nochmals zur Kenntniß, daß das Protokoll des Hamburger Parteitages vom Verein au- geschafft worden ist nnd gegen de» fällig gewordenen November-, beitrag in den obengenannten Zahlstellen gratis verabfolgt wird. Gleichzeitig den Parleigenoffen die Mittheilung, daß der Wahlverein am kommenden Mittwoch(Bußtag) eine Hcrrenpartie nach Pichelswerder(„Zum alten Freund") unternimmt. Treffpunkt früh 31/2 Uhr Potsdamer Ringbahnhof. Zahlreiche Betheilignng ist erwünscht. Der V o r st a n d. Die Genosse» dcö dritten Berliuer Rcichötagö-Wahl- kreiseS unternehmen am Bußtag eine Fußpartie. Abfahrt 7 Uhr 35 Minuten früh Görlitzer Bahnhof bis Johannisthal- Nieder- schöneweide. Rege Betheiligung erwartet der Borstand des Wahl- Vereins. Die„Freie Volksbühne" veranstaltet beute für die 2. Abthei- lung nachm. 3 Uhr im Friedrich- Wilhelmstädtischen Thealer die zweite Vorstellung von„Sein Jubiläum" von E. Preczang und„Die Fahnenweihe" von Joseph Ruederer. Die Mitglieder sind nur be- rechtigt, die Vorstellung ihrer Abtheilung zu besuchen. Nachzügler können mir einen Stehplatz erhallen! Neue Mitglieder können nur noch für die v i e r t e A b t h e i l u n g ans-' genommen werden. Billets zum Winterfest sind i» allen Zahlstellen ä 39 Pf. zu haben; offene Kasse findet nicht statt. Da nur eine beschränkte Anzahl Billets ausgegeben werden, einpsehlen wir den Mitgliedern, sich schleunigst damit zu versehen. Die Vorstellung für die dritte Abtheilung muß wegen d e s To d t e n f e st e s(nicht wie in der Anzeige steht: Bußtags) auf den 23. N o v e m b e r. die für die vierte Abtheilung auf den 5. Dezember verschoben werden. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Ter Berliner„Verein zur Besserung der Strafgefangenen� ist 1396(bezw. 1898) von 3339(3843) Erwachsenen. 919(912) Jugendlichen(bis 18 Jahre alt), zusammen 4849(4488) straf- entlassenen männlichen Personen um Hilfe angegange» worden und hat 2782(2339) Erwachsenen, 382(843) Jugendlichen, zusammen 3334(3828) Strafentlassenen(von denen etwa zwei Drittel in Berlin, ein Drittel an anderen Orlen ihre Gefänguiß-, Zuchthaus- oder Arbdlshansstrasen abgevüßt hatten) Beschäftigung verschafft. Ans je 1999 Hilfesuchende überhaupt kamen 799(792) Untergebrachte, im einzelnen jedoch bei den Erwachsenen nur 735(753), bei den Jugendlichen dagegen 938(939). Aus die merkwürdige Thatsache, daß von den Jugendlichen verhällnißmäßig viel mehr in Arbeit gebracht werden können als von den Erwachsenen, haben wir wiederholt aufmerksam gemacht. Es erklärt sich das daraus, daß die Jugendlichen noch billiger als die Erwachsenen ab- gegeben werden. Die Hauptabnehmer für die Pfleglinge des Vereins sind noch immer die Landwirthe, namentlich in Mecklenburg »nd Pommern, aber auch in West- und Ostpreußen und andererseits in Westfalen und Rheinproviuz. Von den im Jahre 1893 Unter- gebrachten erhielten Beschäftigung als Kausleute, Schreiber, Auf- seher 78, Handwerker 173, Kutscher, Hausdiener u. s. w. 127, Fabrik» arbeiter 129, Erb- und Ziegelei- Arbeiter 383, Landarbeiter 2778. Ueber drei Viertel wurden also als Landarbeiter untergebracht! Die oft aufgestellte Behauptung, daß diese Strafentlnfsenen meist Landarbeiter gewesen seien, bevor sie von der Provinz nach Berlin kamen, läßt sich nach den dürftige» Angaben der Jahresberichte des Vereins schwer auf ihre Richtigkeit prüfen. Sie erscheint jedoch nicht sehr glaubhaft, wenn man lieft, daß unter den im Jahre 1898 Untergebrachten 94 frühere Beamte. 742 Kausleute, Schreiber u. f. w., 9(8 Handwerker, 233 Kutscher, Hausdiener ». s. w. und 1398 Arbeiter waren. Diesen 1398 Arbeitern— die Spezialisirung in Fabrik-, Erd- oder Ziegelei- und Landarbeiter' fehlt hier leider im Bericht— stehen 8284 als Arbeiter Unter- � gebrachte gegenüber, und unter letzteren sind allein, wie oben an- gegeben, 2773 auf dem Lande in Arbeit gebracht worden. Zu Zeiten ist die Nachfrage der Landwirthe nach Strafentlassenen so stark, daß der Verein gar nicht alle Wünsche befriedigen kann. Man � will das durch den angeblich auf dem Lande herrschenden Arbeiter- Mangel erklären, aber es dürfte noch mehr auf die größere Billigkeit der Strafentlassenen zurückzuführen sein. Es ist klar, daß die Landwirthe sich nicht so um die der Land- arbeil zum großen Theile noch unkundigen oder doch entwöhnten Leute reißen würden, wenn diese nicht so außerordentlich viel billiger wären als andere Arbeiter. Man darf geradezu behaupten, daß die Verschickung billiger Strafentlassener ans das Land— so sehr vielleicht manchem Strafentlassenen da- mit gedient fein mag, weil er nur auf diese Weise zunächst ein Unterkommen finden kann— schließlich mit dazu bei- trägt, die Lage der Landarbeiter noch mehr zu ver-' s ch l e ch t e r n und immer mehr von ihnen in die großen Städte zu treiben. Die Strafentlassenen wirken als Preisdrücker, ans die die Landwirthe ihre Hoffnung setzen dürfen, wenn sie ihren nn- gesessenen Arbeitern die Lohnerhöhung verweigern. Unter de» Strafentlassenen, die als ursprüngliche Landarbeiter vom Lande nach Berlin gekonnneu waren und jetzt aufs Land zurückgebracht werden, ist gewiß mancher, der eben deshalb nach Berlin gekommen war, weil er bei de» niedrigen, durch andere Strafentlassene gedrückten Löhnen nicht länger bleiben wollte und konnte. Jetzt nimmt er natürlich, was man ihm bietet,— ihm bleibt ja keine Wahl mehr übrig!— und glaubt dem Verein noch zu Dank verpflichtet zu sein. Die Landwirtche wisse» es besser, wer dem Verein zu Dank verpflichtet ist' Unsere Polizeiznstände wurden vorgestern in einer Sitzung deS Vereins zur Besserung der Strafgefangenen gestreift. Herr Landgerichtsrath Dr. Fetisch führte an, daß die Zahl der jugendlichen Strafgefangenen in den letzten Jahren beständig ge- stiegen ist. Man müsse unbedingt für diese sorgen. Das Polizei- Präsidium schuldigte der Redner öffentlich an, daß dasselbe amtlich eine Einrichtung getroffen habe, welche die jugend- lichen Strafgefangenen direkt ins La st er treibt. Dies sei der gemeinsame P o l i z e i g e w a h r s a m, durch welchen die jungen Leute niit alten Verbrechern zusammenkämen! Der Kongreß für Volkönntcrhaltnngcn eröffnete am Sonn- abend Nachmittag seine Verhandlungen im Bürgersaale des Rath- Hauses. Ter Direktor des Schiller-Theatcrs, Dr. R. L ö w e n f e l d, hielt das einleitende Referat über die Frage: Was verstehen wir unter Volksnnterhaltnng? Er führte aus, dieser Kongreß solle keine dauernde Vereinigung schaffen, sondern nur denen, welche willens imb im stände sind, auf dem Gebiet der Volksunterhaltnngen mit- zuarbeiten, Anregung geben. Es müsse anerkannt werden, daß »nit der Verbreitung der Bildung in neuerer Zeit in den Millionen des Volkes das Verlangen erwacht sei, theil- ziniehmen an den Genüssen des Lebens. Man müsse streng unterscheide» zwischen Volksbildung und Volksunterhaltung. Wahrend das Wissen nothwendig sei als ein Rüstzeug im Kampfe des Lebens, also gewisseruiaßen als eine Bürde betrachtet werden könne, die den Menschen erschöpfe, sei es Aufgabe der Kunst, den im Lebenskampfe erschöpften Menschen zu erhebe» und zu erheitern. Die künstlerische Unterhaltung sei ein Heilmittel gegen die Erschöpfung im Kampfe um das Leben. Die bildenden Künste wurden vom Staate gepflegt und unterstützt, nicht sowohl die redenden Künste. Die Bestrebungen für Volksunterhaltung gehen also dahin, möglichst allen, welche zur Zeit das Bedürfniß nach Kunstgenuß haben, desselben aber nicht lheilhaftig werden'können, Erhebung und Erheiterung durch die Kunst zu verschaffen. Alle die, welche Amt, Bildung und Muße d»zn befähige, sollen mitarbeiten an der hohen Aufgabe, den Millionen des Volkes durch künstlerische Genüsse Lebensfreude zu bereiten. Es folgen nun eine Reihe von Berichten der Kongreß- theilnehmer. Herr T e w s- Berlin berichtet über die Thätigkeit, welche die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung auf dem Gebiete der Volksuntcrhaltnng entfaltet hat. Der Redner betont, daß die Gesellschaft, welche 120(1 körperschaftliche Mitglieder hat, im Gegensatz zum Vorredner der Meinung sei, daß Kunst und Wissenschaft nicht getrennt werden könne und dürfe. Die Gesellschaft für Verbreitung von Volks- bildung handele»ach der Devise: Macht die Köpfe hell und die Herzen warm. Herr v. Schöning referirt über Volksunter- Haltungen in feiner pommerschen Heimath, dem Pyritzer Weizacker. Er ist in der rückständigen Meinung, daß für diese Bestrebungen die Lehrer und G e i st l i ch e n auf dem Lande als Leiter gewonnen werden müssen, damit die Volksunterhaltungen erzieherisch wirken und Vaterlands- und Heimathsliebe, Pflichttreue und Sitt- lichkeit fördern. In Breslau hat, wie Ludwig Sitten- f c ld berichtet, der Volksbildungs- Verein„Humboldt" die Volksunterhaltungen eingeführt, welche mit Rücksicht auf die zahlreiche sozialdemokratische Arbeite rschafl Breslan's so gestaltet wurden, daß diese keinen Anlaß hätten, an den Llufführunge» Anstoß zu nehmen. Der Verein hat Vor- kehrungen getroffen, um zu verhindern, daß bemittelte Leute seine billigen Veranstaltungen vorwiegend besuchen. Aus Tilsit wird ein schriftlicher Bericht verlese», welcher ein erfreuliches Gedeihen der dort abgehaltenen musikalischen Abende konstatirt. L ö hr- Berlin, Vertreter der N e u e» freien Volksbühne, berichtet über Entstehung und Wirksamkeit der Berliner freien Volksbühnen. Ueher den Verein für Volks- Unterhaltungen in Berlin referirt Dr. Georg Herzfeld- Berlin. Der Verein habe den Zweck, edelste Geselligkeit und künstlerische Genüsse den weitesten Volkskreisen zugänglich zu machen, wobei alle politischen und re- ligivseu Bestrebungen fern gehalten werden. Der Verein hat seit dem Winter 1S9l/g2 126 Unterhaltungs- Abende veranstaltet. Das Publikum derselben rekrutirte sich bis jetzt meist ans dem kleinen Mittelstand, es müsse versucht werden, die Arbeiter mehr heran- zuziehen. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete ein kurzes Referat des Dr. R. L ö w e n f e l d über die Dichter- und Ton- dichter- Abende des Schiller- Theaters. Hierauf folgt die Diskussion. Landgerichtsralh Felisch führt aus, daß der von Gegnern der Volksunterhaltnngen erhobene Einivand, es iverde durch dieselben die Genußsucht gefördert, ungerechtfertigt sei. Er sei im Gegcntheil der Meinung, daß die Volksunterhaltungcn in sozialer Hinsicht versöhnend wirken. W o l f r a d t- Berlin, Vertreter des Vereins zur Förderung der Kunst, plädirt für Unterstützung künstlerischer Aufführungen durch die städtischen Behörden. Tews- Berlin verwirft den Vorschlag, besondere Aufführungen für die Jugend zu veranstalten. Die Kunst könne nur dann er- zieherisch und kulturfördernd wirken, wenn sie alle» Kreisen, ohne Unterschied des Alters oder Geschlechts, gemeinsam zugänglich gemacht iverde. Frau Helene v. Förster- Nürnberg machte einige Mittheilnngen über dort eingerichtete Unterhaltungs- abende für Frauen und Mädchen, bei denen ein Drittel der Zuhörer den oberen, zwei Drittel den unteren Klassen angehören, und die Frau des Geheimralhs neben der Fabrikarbeiterin sitze. Der Nürn- berger Verein wolle nicht nur für Unterhaltung sorgen, sondern auch die Frau geistig, sittlich und wirthschafllich hebe». S p a n d o- Berlin bedauert, daß sich die Bestrebungen der Vereine für Volksunterhaltung ausschließlich um die Heranziehung der unbemittelten Volkskreise drehen, während auch die bemittelten Klassen der Erziehung zu edlen Kunstgenüssen bedürfen. Der Vorsitzende, Dr. Löwenfeld, weist diese Ausführungen als nicht zur Sache gehörend, zurück. Es handle sich hier nicht um die Frage: Wie fördern wir die Kunst, sondern darum, wie man die Kunstgenüsse denjenigen Volksgeschichten, welche sie entbehren, zugänglich mache» könne. Die weitere Diskussion bot nichts benierkenswerthes. An: Sonntag finden 2 Sitzungen, um 12 und um ö Uhr statt. Der Zutritt steht jedem frei. vo sie nach kurzem Aufenthalt nach Stettin weiterfuhren. Wie der mitreisende Dolmetscher aussagte, sollen die Gelbhäute auf einigen Gütern der Provinz als Erdarbeiter Beschäftigung finden. Die Kuli's mußten ihre Reise über Rußland nehmen, da ihnen die Reise über die Vereinigten Staaten von Nordamerika als Arbeiter verwehrt wird. Hat die nationale Politik der Ostelbier es wirklich schon dahin gebracht, daß selbst die Russen und Polen diesen Profilwütherichen noch zuviel menschliche Bedürfnisse haben und von Angehörigen der gelben Rasse abgelöst werden? Es wäre interessant, über diese allerneueste Thal auf dem Gebiete der preußisch-deutschen Agrar- reform etwas Näheres zu erfahre». Aus dem Königreich Bolle. Herr Bolle, von dem jetzt wegen der Entlassung der katholischen Arbeiter so viel die Rede ist, scheint dem König Stumm nachzueifern. Auch im Königreich Bolle darf nur mit allerhöchster Genehmigung geheirathet werde». Es wird uns ein Fall mitgetheilt, wo einem Komtoiristen gekündigt wurde, weil er sich vermaß, in den heiligen Stand der Ehe zu treten. Der Fall liegt insoweit noch besonders schlimm, als der Buchhalter be- sondere Ursache hatte, die Heiralh zu beschleunige». Herr Bolle aber verlangte von seinem Angestellten, daß er noch ein Jahr warte; als der Komtoirist sich dessen iveigerte, kündigte Bolle ihm die Stelle. Es erscheint uns als eine sittliche Nothwendigkeit, daß dem frommen Kommerzienrath einmal ganz gehörig plausibel gemacht werde, wie wenig in Berlin die Bräuche des Königreichs Stumm am Platze sind. Wurst wieder Wurst. Die Intoleranz des Meiereibesitzers Bolle hat, wie uns mitgetheilt wird, einige katholische Haus- besitzer veranlaßt, das Klingeln in ihren Häuser» zu verbieten. Der Fernsprechverkehr mit Suhl ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von 3 Minuten beträgt 1 M. Tic Berliner Stcinmetz-Junniig hat sich aufgelöst; an ihrer Stelle ist eine neue Freie Sleinmetz-Jnnung von Berlin und de» Vororten, einschließlich Charlottenburgs, begründet worden. Zum Obermeister ist Herr C. Dittmer, zum Stellvertreter Herr C. Schilling ewählt worden. Das Glatteis, das erste in diesem Winter, hat in vorletzter Nacht und am gestrigen Morgen mehrere Unfälle herbeigeführt. Am Görlitzer Bahnhof stürzte eine Dame so unglücklich, daß sie mittels Droschke in ihre Wohnung gebracht werden mußte. Mit dem elektrischen Betriebe der Linie» Alcxanderplatz- Schöilebcrjj und Temniinerstraße-Krcnzberg wird die Große Berliner Pserdebahngesellschaft ani l. Dezember d. I., wie ur- sprünglich beabsichtigt, kaum beginnen können; denn die Entwürfe für beide Linie» sind noch imnier nicht endgiltig genehmigt. Wegen des Engpasses i» der Spandauerstraße, zwischen Parochial- und Rathhausstraße, sind Bedenken laut geworden, die jetzt dahin geführt haben, daß man den Rückverkehr von Schöneberg, wie bisher, vom Molkenmarkt durch die Strnlauer- und Jüdenstraße nach den, Alexanderplatz zu leiten beschloffen hat. Auf dieser ganzen Strecke haben die Eigenthümer für die Leilungsanlage» die Anbringung von Rosetten a» ihren Häusern gestattet, so daß die Straßen nirgends durch Aufstellung von Masten verunziert zu werden brauchen. Ter Schnlreitcr Robert Renz ist hier im Alter von 47 Jahren verstorben. Er war ei» Neffe des alten Renz und in dessen Zirkus 25 Jahre lang thätig. Wege» einer gauzen Reihe von Vergehen und Ver- brechen ist, wie die Kriminalpolizei mittheilt, der Buchhändler Wilhelm F r i t s ch, Gneisenanstr. 16, gestern Nachmittag in einem Cafo der Friedrichstadt festgenommen und auf grnnd eines Haftbefehls in das Untersuchungsgefängniß eingeliefert worden. Dem Fritsch, welcher seit längerer Zeit illnstrirte Prachtwerke p a t r i o t i s che» Inhalts durch weibliche Reisende in der Provinz verbreite» läßt, wird schwere Körperverletzung, Verbrechen ivider die Sittlichkeit, Entführung minderjähriger Personen, sowie theils versuchter, theils vollendeter B e t r u g zur Last gelegt. Sämmtliche Strasthaten soll Fritsch gegen seine zahlreichen weibliche» Angestellten begangen habe». Bei seiner Fest- nähme wurden 39 goldene Damenringe bei ihm gefunden. I» ivelchem Znsammenhange dieser Fund mit de» dem Frisch zur Last gelegte» strafbaren Handlungen steht, konnte einstweile» nicht festgestellt werden. Das Scheusal engagirte mit Vorliebe für den Vertrieb seiner Verlagsartikel junge Damen. Zu diesem Zwecke erließ er fortgesetzl in der„Vossischen Zeitung" unter der Rubrik„Gesuchte Personen" folgende Annonce:„Junge Damen, repräsentabel, aus guter Familie, können mit leichter Mühe 400—500 M. monatlich durch ihre Thätig- keit in einem hiesigen Kunstverlag verdienen. Vorkenntnisse nicht erforderlich." Auf diese Annonce hin meldeten sich natürlich eine überaus große Zahl junger Damen und zwar auch einige noch nicht sechzehnjährige Mädchen. Selbst die Tochter eines bekannten schwedischen Gelehrten befand sich unter ihnen. Fritsch bestellte die Damen einzeln zu sich in seine Woh- nung. Hier war er sehr liebenswürdig, versprach ihnen 300 M. monatliche Gage.freieReise, Hotelzc. und einesehr hohe Extraprovision. Dann rcgalirte er sie mit Wein und verging sich, nachdem ihm der geeignete Zeitpunkt gekommen schien, gegen die Ehre der Neu- geworbenen. Widersetzten sich die junge» Damen seinem Verlangen, dann wurde er brutal und gebrauchte Gewalt, mißhandelte seine Opfer, riß ihnen die Haare aus u. s. w. Ein noch nicht sechzehnjähriges Mädchen, das sich ebenfalls widersehte, schloß er die ganze Nacht ein, riß ihm die Kleider vom Leibe, schlug cs halblodt und warf es dann zur Thürs hinaus und die Kleider hinterdrein. Auf das Geschrei der Mißhandelten liefen die Hansbewohner herbei und halfen der Aermsten, so gut es ging. Das arme Wesen ist infolge dieser Miß- Handlungen wahnsinnig geworden. Ter«vcgen MajcstätSbeleidignng verurthcilte Herausgeber der„Kritik" Dr. Ri bard Wrede balle i m einen Strafaufschub von zwei Monaten aus Gesniidheilsrücksichten gebeten and die nöthige.. 'Atteste zur Unterstützung seines Gesuches beigebracht. Der dirigirende Arzt des städtischen Krankenhauses am Friedrichshain, Geheimer Medizinalralh Professor Dr. Fürbringer, ebenso wie der zuständige Physikus haben de» von Dr. Wrede nachgesuchten Strafausschub zur Krästigirng seiner Gesundheit für nolhivendig erklärt. Nichtsdesto- weniger wurde seitens der Staatsanwaltschaft dem Gesuche keine Folge gegeben. Dr. Wrede verbüßt zur Zeit s.ine Strafe in der Festung Weichselmünde. Schwere Brandwunden zog sich gestern die 11 jährige Tochter des in der Manßcnstraßs wohnenden Kaufmanns Reibeda», z». Das junge Mädchen wollte am Nachmittag auf einem Spirituskocher fär ihre Mutter und sich schnell Kaffee zubereiten. Infolge einer unvorsichtige» Bewegung stieß es den brennenden Apparat um, desseu Inhalt sich über die Kleidung des Mädchens ergoß. Frl. R. erlitt hierbei so schwere Verletzungen am ganzen Körper, daß sie. nachdem ihr von einem Arzt ein Nolhverband angelegt, nach dem Elisabelh-Krankenhanse gebracht werden mußte. llumi'ttclbar vor dem Antritt der Arbeit wurde am Sonn- abend Morgen der Maurer Lette aus der Auguststr. 80 vom Schlage gerührt. Lelke kam zur gewohnten Zeit auf den, Neubau Friedrich. straße 122/23 und kleidete sich eben zur Arbeil»m, als er plötzlich lautlos zusammenbrach und auf der Stelle verschied. Der Verstorbene hinterläßt eine Frau und vier Kinder. Vom Mörder Gönczi. Von der durch ein Ertrablalt gestern Abend hier verbreiteten Nachricht, daß der Mörder Gönczi ergriffen sei, ist, wie seitens der Kriminalpolizei mitgetheilt wird, an zilftändiger Stelle auch hellte nichts bekannt. Fcucrbcricht. Freilag Abend S Uhr brannten L i n d e n st r. 35 Gardinen. Soniiabend früh 9>/, Uhr brach L n b e ck e r st r a ß e (Moabit) wieder einmal ein Dachstuhlbrand ans. Verschiedene Bodenverschläge und die Dachkonstruktion gingen in Flammen auf. lieber Brandstiftung konnte nichts ermittelt werden. Kurz nach 11 Uhr erfolgte Alarm nach Bilckowerstrnße 13. Hier wac in einer» Lederwaarengeschäfl ein Regal mil Watte, Lederwaaren und dergl. in Brand geralhcn, der aber bald gelöscht wurde. Nachmiltags 4 Uhr drohte Ly che» erst r. 11 ein Dachstuhlbrand auszubrechen. da hier bei der Bedachung Theer auf dem Dache übergekochl war. Die Gefahr konnte indeß noch rechtzeitig beseitigt werden. Ei» zweiter Dachstuhlbrand in Moabit innerhalb 10 Stunden brach Sonnabend Abend kurz vor 8 Uhr Thurmstr. 69 ans. Ob- gleich die Feuerwehr bald nach erfolgter Alarmirnng am Brand- Herde erschien, hatte das Feuer doch bereits einen großen Theil der Dachkonstrnktion ersaßt, und a» verschiedenen Stellen schlüge» meterhohe Flammen hervor. Durch einen günstigen Angriff mit zwei Dampsspritzenleitungen wurde jedoch das Feuer bald zum Stehen gebracht, und nach»/»ständiger Arbeit war die Gefahr beseitigt. Ueber die Entstehungsursache konnte bisher nichts ermittelt werden. Die Direktion der Projektions- Vorträge über Kunst und Kultur (Dr. Köppen und Dr. Stoedner), altes Urania-Theater am Lehrter Stadt- Bahnhof, theilt uns mit, daß heute Abend 8 Uhr der Vortrag:„Eine Wandening durch das alte Pompeji" von Herrn Dr. Alfred Köppen zum ersten Male wiederholt wird. I» der Urania in der Taubenstraße wird diese ganze Woche hindurch noöi das wissenschaftliche Ausstattungsstück„Das Wunderland, der neuen Welt" gegeben.— In der Urania in der Jnvalidenstraße spricht am Sonn- tag, nachmittags 6 Uhr, Herr Dr. Naß über„Moderne Küche". Dienstag Herr Professor Müller über„Eigenartige Ernährungsweisen", am Mittwoch, nachmittags 5 Uhr, Herr G. Witt über„Bilder ans dem Himmelsraum", ani Donnerstag Herr Dr. P. Spies über„Elektromagnetismus", am Freitag Herr Dr. Spies über„Das Teslalicht" und am Sonnabend Herr Rcgierungs- baunieister Braun„Ueber elektrische Eisenbahnen." Dem Berliner Aquarium sind dieser Tage mehrere Sen- düngen Meeresthiere zugegangen, welche die Bestände an Fischen und Wirbellosen aufs wirksamste bereicherten. Zu den ersteren gehört ein an dem seitlich stark zusammengedrückten Körper, dem sehr großen Kopf, den zu laugen Wimpeln ausgezogenen Bindehäuten der Rückenstacheln und je einem großen schwarzen Augenfleck an den Körperseiten leicht erkennbarer metallglänzender Makrelenfisch des Miltelmeeres; von de» Fischer» wird er„Peterssisch" genannt, weil die Sage jenen Augenfleck als de» Fiugerdruck des heiligen Petrus anfleht, der aus dem Maul dieses spendablen Schnppenträgers den Zins- groschen genommen, während er den anderen„Heringskönig" durch seine eigenartige Schönheit und de» Umstand sich erworben hat, daß er den Schaaren der ihm zur Nahrung dienenden Heringe folgt. Er darf nicht verwechselt werden mit dem gleichfalls neu angekommenen Petermäniichen(Trachinus), einem gestreckt gebauten Fcsch, der die Eigenthümlichkeit hat, sich im Sande so zu vergraben, daß»ur die nahe bei einander stehenden Augen hervorgucken und der von den holländische» Fischern bei gelegentlichem Fang wegen seiner gefähr« lichen Rückenstacheln gewöhnlich wieder über Bord geworfen und dem St. Petrus geweiht wird. Ans den Nachbarorten. FricdrichSberg. Auf die heute Mittag 12 Uhr stattfindends Volksversammlung werden die Parteigenossen aufnierksam gemacht. Der wichtigen Tagesordnung halber ist zahlreiche Betheiligung erwünscht. Ter Arbeiterverein von Pankow und Schönhansen hält am Dienstag Abend S1� Uhr bei Sasse in der Wollanckstr. 113 eine öffentliche Vereinsversammlung ab, in welcher Genosse W. Brink- mann über den Nutzen der politischen Organisation referiren wird. Der Vorstand. Das Gerücht von einer Blutthat in Fricdrichshagen wurde gestern in später Abendstunde in Berlin verbreilet. Diese Meldung ist stark aufgebauscht. Ueber das noch nicht aufgeklärte Vorkommniß erhalten wir folgende Mitlheilung: Der 19jährige Zimmergeselle Ernst Roloß, welcher in der Scharnweberstraße 16 in Friedrichs- Hagen bei seinem Valer wohnt, war vor etwa 14 Tagen mit seiner ia demselben Hause wohnenden 32 jährige» Schwester, die mit einem Maurer Krüger verheirathet ist, in Streit gerathen. Im Verlauf desselben versetzte er der schwächlichen Frau mit einem starken Stocke mehrere mächtige Hiebe über den Kopf, warf sie zu Boden und mißhandelte die K. so schwer, daß sie bettlägerig wurde. Zwar konnte Frau Krüger nach zwei Tagen wieder auf« stehen und war auch in der Wirthschaft thätig, doch verschlimmerte sich ihr Zustand neuerdings, so daß sie ärztliche Hilfe m Anspruch nehmen mußte. Gestern Nachmittag ist Frau Krüger gestorben, und zwar, wie vom Arzt und der Behörde angenommen wird, infolge der vor 14 Tagen erlittenen Verletzungen. Die Leiche ist daraufhin beschlagnahmt und nach der Leichenhalle gebracht worden, während Roloß vorläufig in Haft genommen wurde. Ob der Tod that« sächlich durch die Mißhandlung oder durch ein inneres, von dem Arzte nicht erkanntes Leiden herbeigeführt ist, muß erst die Obduktion ergebe». Ter Kampf der Schöncberger Milchhändler gegen den Ge- richlschemiker Lohmann ist jetzt dahin gediehen, daß der„Verein der Milchhändler von Schöneberg und Umgegend" bei dem Landrcth deS Kreises Teltow beantragt hat, Herrn Lohmann seines Amte?»n entsetzen. Die Analyse» L.'s, aus grund deren viele Schoneberge?: Milchhändler wegen Nahrungsimttel-Berfälschmig zur Anzeige xe- b nicht worden waren, werde» für unzutreffend und„unwissenschast« tich" erklärt._ Ehester. Freie Volksbühne. Sonntag Nachmittag 3 Uhr im Friedrich-Wtlhelm- städttschen Theater, II. Abtheilung(blaue Karten):„Die Fahnenweihe" von Joseph Nuedcrer. Vorher:„Sein Jubiläum" von Emst Preczang. Ein Bild aus dem Handwerkerleben. Spielplan der hiesigen Theater. Opernhaus. Sonntag; „Aida". Montag:„Der Ring des Nibelungen". I. Abend:„Das Rhein- gold". Ansang 7>/- Uhr. Dienstag: 2. Abend:„Die Walküre". Anfang §1/2 Uhr. Mittwoch: Konzert des königlichen Opemchors. Ansang 71/2 Uhr. Donnerstag: 3. Abend:„Siegfried". Anfang 6V, Uhr. Freilag:„Haschisch". Sonnabend: 4. Abend:„Götterdämmerung". Ansang 6'/, Uhr. Sonntag, de» 21. November:„Der Evangcli- mann". Montag, den 22. November:„Lohengrin". Anfang 7 Uhr.— Schauspielhaus: Sonntag:„Das neue Weib". Montag:„1812". Dienstag:„Das neue Weib". Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: „Judith". Freitag:„Das neue Weib". Sonnabend:„Hamlci". Sonnlag, 21. November: Zum ersten Male:„Der G'wissenswurm". Montag, 22 November:„Das neue Weib".— NeucS Königliches Opern-Theater(Kroll): Sonntag:„Uttel Acosta". Sonntag, 21. November: Neu cinstndirt:„Pyilippine Weiser".— Jo> Deutschen '1 y e a t e r geht auch in dieser Woche Ludwig FuidiLS Lustspiel„Jugend- freunde" viermal in Szene,»nd zwar am Sonntag Abend, u.it Diensiug, Freitag und Sonnabend; Montag wird„Mutter Erde" gegeben, Donnerstag„Die versunkene Glocke", nächstfolgenden Eoimiug Abend „Agnes'Jordan". Am Mittwoch bleibt das Theater des Büß tags wegen geschlossen. Als Nachmittags- Vorstellung bringt der heutige Sonntag„Hamlet" mit Joses Kainz m der Titelrolle; am nächsisolgenden Sonntag fällt die NachnnItagsvorsteNung des Tootcn- lestes wegen aus.„Das Käthchen von Heilbronn" wird init Frau Gorma in der Titelrolle vorbereitet.- Das Berliner Theater gicbt für die nächste Woche sotgenden Spielplan aus: Die LustspicIGtoviiät„In Behano- iiiiig" wird Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Sonnabend iviedcrvolt. „Der Pfarrer von Kirchseid" wird Montag und nächsten Sonntag Alleno zur Stzisführung gelangen. Freitag gpht„Mein Leopold" in Szene. Mitt- woch bleibl daö Theater ebenso wie am nächsten Sonntag Nachmittag ge- ichlofien. Diesen Sonntag Nachmittag wird„Kaiser Heinrich" zu voits- thümlichen Preisen gegeben. Die nächsten zuiaiiiineiihängenden Aufftthrungci: von„Faust" finden in der soigenden Woche sinlt und zwar: Montag, den 22., ..Faust" erster Thcii und Dienstag, den 23. November,„Faust" ziocitcr Tlieil. — Ii» L e 1 i 1 r> g. T ti e a i e 1 bleibt— mit Ausnahme vor. Mittwoch— oie ganze Woche„Hans Huckebein" aus dem Repertoire.— Im stiesidcn,:- T h c a i e 1 gelangen diesen Sonntag Abend der Bisson'lchc Schwank:„D.e vierlc Dimension", und Liniemunn's„Finale" wieder in der gleichen Be- seyung wie am Prcmierenabcnd zur Darstellung. Als Nachmittags-Bor- stellung wird bei halben Prefien der Schwank„Die Emberusniig" gcgcben. . Der Spielplan des Neuen Theaters wird in der nächsten Woche oon..Aschermittwoch" beherrscht. Am Bußtage bleibt das Thealei geschlosie'.:. - Das G 0 c I h e- T h c a!>- bringt in dieser Woche rine Novität„Ge- b rüder Währenpsennig", Schwant in drei Atteln welche um Sonnabend zum fersten Male in Szene geht. Der iiuttge Spielplan laute!: Diesen Sonntag, Donnettiag und nächsten Sonntag„Die Jnngsran von Orleans", Montag„Der Saiontiroicr" und Freilag„Arno und Bicssalina", Dienstag gelangt„Othello" zur Aufiührung. Mittwoch, am Biifiragc und Sonntag nachmittag bleibt das Theater geschlvssc». Diese» Sonntag Nach- mitlag wird„Das vierte Gebot" ausgeführt.- Im Schill ei-Theste? findet' beute, Sonntag, Nachmittag eine Aussührung von AnzengnibrrS Bauerntomödie mit Gesang„Die Kreuzelsthreiber" statt,. heute, Sonntag, avends werden Schiller s„Räuber" gegeben. Für Montag, Donnerstag und Sonnabend sind Wiederholungen von„Wallcnsteins Lager" und„Die Piccolomini", für Dlcnstag'und Freitag Wicderhviiinaen von Wallcnsteins Tod" ungesetzt.- Am Todtensonntag wird iin hiesigen T h a l i ä- T b- a i e r die bereits angekündigte Erstausführung des Lebensbildes„Im Schein»-» Sonne" stattfinden, weiches der junge Schttslslcllcr Gerhard Waner mit Herold letzthin vollendet hat.- Durch die Erkraiiliing von Toni Grign muh im Ostend-Theater die heutige Abend-Borftelluliq geändert werd-n. Zur Auffuhrung gelangt„Am Altar", nachmittags zu lleu:c» Preisen„Die Geistergiocke". Montag: Die Lieder dco Mulikaiitcn. Dienstag:„Am Altar". Mittwoch: Geschtosien. Donnerstag: Unbesnr.wi',. Sfreitag;„Die Lieder des Musikanten". Sonnabend:„Am Mar". Sonntag: „Gebannt und erlöst".- Im Theater Unter den Linden muß am '21. d. M. des Todtenionntags wegen der Offenbach-Zyklus unterbrochen werden and gelangt Anber's Oper„Der Maskenball" zur Aufführung. Am heutigen Sonntag wird nachmittags„Die Fledennaus" gegeben, wahrend der Abend die letzte Sonntagsvorstellung der„Grobhcrzogin von Gerolstein" bringt. Das Belleallianee-Theater wiederholt Sonntag das Programm der ErvffnuugKvorstellüng und lägt Scbiller's„Lied von der Glocke" und „Wallenstein's Lager" in Szene gehen. Als erste Vorstellung im Montags- und desgleichen Freitags- Abonnement wird das Lustspiel„Die Brautfahrt" von Gustav Frcytag gegeben, dasselbe Stück ist für Sonntag, den 21. Novbr., festgesetzt. Austerdcm bringt der Wochenspielplan„Familie Hörner", Schwank von A. Anno, für Dienstag und Donnerstag, Sonnabend geht„Die Grille" von Charlotte Birch-Pfcisfer mit„Carry Dröscher in der Titelrolle zum ersten Mal in Szene.— Die nächste Novität des Luisen-Theaters ist Jakob Lippmanws dreiaktiges Lustspiel„Ein verbotenes Schauspiel". Die Erstanfführung findet Dienstag, den 16. d. M., statt. Die beiden weiblichen Hauptrollen sind mit Frl. Scplcr und Martens, die männlichen mit de» Herren Richter, tlicdaisch und Landcck besetzt. Am Sonnlag Nachmittag geht„Maria Stuart", abends„Das alte Lied" in Szene.— Im Friedrich-Wilhelm städtischen Theater geht Sonntag zum ersten Male„Die Königstochter als Bettlerin oder die Schule des Lebens" von Ernst Raupach in Szene. Soziale Vechkspflege. Ciuic Bnste i ucgcu»»berechtigte» Verlnssenö der Arbeit verlaugte der Fabritant Koch vor dem Geiverbegericht von dem Klempner H. Außerdei» beansprucht der Fabrikant den Schade» ersetzt, der ihm dadurch entstanden ist, daß der Beklagte ein Firmen- schild beim Losmache» von der Wand beschädigte. H. gab zu, daß er nach dem mit Koch eingegangenen Ztrbeitsverlrage verpflichtet ge- «vesen iväre, nur Sonnabends das Arbeitsverhältniß zu lösen; jedoch entschuldigte er die Nichtbeachtung dieser Bor- schrisl damit, daß der Llibeitgeber sich bei Entlassungen vielfach auch nicht daran gekehrt habe. Auch bestritt er, an der Beschädigung de? Firmenschildes schuld zu sein. Sein Helfer bei der fraglichen Arbeit bestätigte denn auch vor dem Gericht als Zeuge, daß H. sich thalsächlich sehr vorgesehen habe; erst beim Absetzen seien die Buch- staben aus ihrem Gefüge gegangen. Die Kainmer V unter dem Borfitz de? Assessors Hellwig wies den Ersatzanspruch für das Schild als unbegründet zurück. Nur wenn ein fchuldhastes Verhalten des Beklagten bewirkt hätte, daß das Schild entzweigegangen wäre, müßte er für den Schaden anskouunen. Der Klempner lvurde dagegen verurtheilt, die geforderte Buße von 16,20 M.(den ortsübliche» Wochenlohn) an den Kläger zu zahlen. Er könne daraus, daß der Kläger selber Leute inmitten der Woche entlassen habe, kein Recht herleite», ebenfalls den Arbeitsvertrag zu brechen. Govirtzks-Ieikung. Der ReichStagS-Abacordnete Arthur Stadthaacn hatte sich gestern vor der l. Straskammer des Landgerichts II. wegen Be- leidigung zu verantworten. Er ist in dieser Sache seinerzeit von der Strafkammer des Landgerichts I. freigesprochen worden. Das Reichsgericht hob da? Urtheil auf und verwies die Angelegenheit zur nochmaligen Berathung an das Landgericht I., daS Stadlhagen unter Direktor Leonhard'? Vorsitz zu einer Gefänguißstrase von einem Monat verurtheilte. Der Antrag des Staatsanwalts hatte ans sechs Monate gelautet. Auch dieses Urlheil wurde vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache zu anderweitiger Verhandlung an das Landgericht II verwiesen. Der zur Straskammer gehörige Landrichter Oertel ist s. Z. Mitglied bei dem Magdeburger Gericht gewesen; da er sich deshalb für befangen erklärt, mußte er durch de» Landrichter Aschroth vertrete» werden.— Der Angeklagte wird beschuldigt, am II. Oktober 1892 die Mitglieder des Landgerichts zu Magdeburg und den Bürger- meister Reinhard zu Staßsurt beleidigt zu haben. Dies soll in einem Briese geschehen sein, den der Angeklagte s. Z. an den in Magdeburg angeklagte» Parteigenosse» Matthies i» seiner Eigenschaft als Vertheidiger desselben gerichtet hatte. Der Brief ist zu einer Zeit geschrieben, als Matthies wegen Verdachts des Meineides in Magdeburg in Untersuchung?- Haft saß, das Hauptverfahren aber noch nicht eröffnet war. Der Brief ist gerichlsfeilig ohne Genehmigung des Angeklagten eröffnet worden, ein Verfahren, welches dem Angeklagten zu lebhaften Be- schwerde» Veranlassung gegeben hat. In dem Briefe macht der Angeklagte seinem Klienten die Gefährlichkeit seiner Situation trotz seiner Unschuld klar und theilt ihm seine Erfahrungen mit dem Magdeburger Gericht mit. Der Angeklagte machte zunächst formelle Gründe gegen die Zulässigkeit der Ver- werthung jenes Briefes als Veweismaterial geltend. Der qu. Brief fei gegen die rechtlichen Normen der Unvcrlctzlichkeit des Eigenlhums und des Briefgeheimnisses zurückbehalte» worden. Der Richter, der den Brief geöffnet habe, habe wissen müssen, daß er als Ver- theidiger alle Mal die Oeffunng der Briefe, die er an seine Klienten richte, untersagt habe. Seine Genehmigung zur Oeffnung fehlte. Die Brieföffnung sei eine»»befugte, daran ändere auch die Thatsache nichts, daß Matthies seinerseits die Er- mächlignng dazu auf Verlangen ertheilt habe, zumal Matthies sich dabei in einer physischen Zwangslage befunden haben, weil seine Ehefrau ihrer Entbindung entgegensah, ihm die Lektüre entzogen, ja verboten war, au feine» Vertheidiger zu schreibe». Ans diese» und anderen formellen Gründen beantragte der Angeklagte ohne Ein- teilt in die materielle Verhandlung die Einstellung des gegen die Rechts- und Staatsordnung verstoßenden Verfahrens. In materieller Beziehung unterbreitete der Angeklagte dem Gerichtshof einen eventuell zu erhebende» sehr umfangreichen Wahrheitsbeweis, einerseits nach der Richtung hin, daß er in seinem Anefc nur die Magdeburger Geschworenen gemeint habe, die unter Vorsitz des Laudgcrichis-Dircktors Jfenbart getagt haben, anderseits um aus zahlreiche» Einzelvorsällen, unter denen der Fall Pens in erster Reihe steht, die Berechtigung der in dem Briefe enthaltene» scharfe» und abfälligen Kritik der Magdeburger Gerichtsvcrhältniffc und des Bürgermeisters Reinhard»achzmveisen. U. a. beantragte Sladthage» die Vernehinung des Schriftstellers Pens und des Land- gerichts-Direktors Jsenbart sowie Vorlegung der Strafakten gegen Pens, zum Beweise dafür, daß Pens wegen Majestälsbcleidigung rnch zu der unzulässigen Strafe des Ehrverlustes verurtheilt ist, daß Pens trotz der Krankheit seiner Frau erst nach ihrem Tode gegen Kaution enllaffen ist und ob der Tod der Frau Pens durch ei» Schreiben der Magdeburger Staatsanwaltschast vom Dezember 1691 beschleunigt worden ist, in welchem ihr milgeiheilt ist. daß die Eni- Inssung ihres Ehemannes nicht besürwortet weiden könne, weil er eine hohe Strafe zu gewärtigen habe. Ein anderer Antrag des An- gi ringt.'» geht dahin, den Rechtsanwalt Morris als Zeugen darüber;u vernehmen, daß in der Strafsache gegen Matthies einer der Geschworenen ihm etwa erklärt hat, Matthies s e i a l l e r d i n g s n i ch t schuldig, aber er lei ans Staßfnrl und Sozialdemokrat und gehöre deshalb ins Zuchthaus. Durch einige weitere Anträge soll bewiesen werden, daß Landgerichts-Direktor Jsenbart als Vorsitzender nicht zur Sache gehörige Umstände in die VerHand- Inng hineinaezoge»»nd dadurch die Geschworenen beeinflußt habe. ferner daß Direktor Jsenbart sich bei der Rechtsbelehrung über die Glaubwürdigkeit einzelner Zeugen ausgelassen und unrichtige Rechts- belehning ertheilt habe. Tie bezüglichen Anslassnnaen der„Rechts- belehrnng" giebl Angeklagter im'stenographischen Wortlaut wieder. Ferner tritt der Angeklagte den Beweis dafür an, daß den?ln- geklagten Wieschcrowsky und Genossen und Fritsche und Genoffen im Gegensatz zur lliechifprechuiig des Reichsgerichts vorsätzlicher Meineid deshalb zur Last gelegt sei, weil sie behauptet hatten, das Wort„miserabel" sei in einer Rede nur einmal gebraucht, nicht zweimal; sie könnten sich n i ch t i r r e n. Ob das Wort ein- ,.,al oder zweimal gebraucht war, war für jenen Prozeß absoltit aleicligillig. Bezüglich der angeblichen Beleidigung des Bürgermeisters Rein- ha'd beantragt der Angeklagte Vernehinung des Direktors Jsenbart lind des Bürgermeisters Reinhard darüber, daß letzterer bei feiner «eranlwoitlicher Redakteur: August Jacobey in tl Zeugenvernehmung auf Anfrage des damals als Vertheidiger' fungirenden Angeklagten Stadthagen ausgesagt hat, er habe sich in- folge Einwirkung der Stnßfurter Fabrikanten damit einverstanden erklärt, daß seitens derselben bei Entlassung sozialdemokratischer Ar- beiler in den Attesten Unwahrheiten vorgebracht würden, obgleich er selbst den bezüglichen Beschluß für unmoralisch gehalten habe. Ferner tritt der Ängellagte den Beweis dafür an, daß Bürger- meister Reinhard den einzelnen Unternehniern mitgetheilt habe, wer von den Arbeitern Sozialdemokrat sei, daß er zur Ernirnng, ob ein Arbeiter Sozialdemokrat sei, seine polizeilichen Beamten verwendet habe, daß er auch einen Nicht-Sozialdemokraleu auf grund unrichtiger polizeilicher Recherchen als Sozialdemokraleu bezeichnet habe, daß er nach diesem Vorkommuiß als Amtsanwalt eine Anklage gegen den damaligen Reichstags- Abgeordneten Heine vertreten habe, die dem Augellagten die Behauptung zur Last legte: Die Sozial- demokraten erhielten einen rothen Strich seitens der Behörden. An- geklagter legt die Nummer des„Vorwärts" vom 27. September 1892 vor, in der einige der von Reinhard an den Unternehmer-Verband und an einzelne Unternehmer gerichtete schwarze Listen veröffentlicht sind. Der Bürgermeister Reinhard, stellt Stadlhagen ferner nnler Beweis, hat gar von Arbeitervereinen eingesorderte Mitgliederlisten Unternehmern abschriftlich mitgelheilt. Das sei ein Verfahren, das ungesetzlich und mit recht von ihm, wie geschehen, benannt sei. Schließlich stellt der Angeklagte zum Beweis dafür, daß das in seinem Briefe ausgesprochene Urlheil auch von anderen getheilt werde, die Thalsache unter Beweis, daß der s ch iv e i z e r Bundesrath das Ersuchen, einen wegen Mein- eids seitens der Magdeburger Staatsanwall- schaft Verfolglen auszuliefern, abgelehnt habe, weil auf grund des g e s a m m t e n Vor- gehe» s der Magdeburger Staatsanwaltschaft und Gerichte gegen Sozialdeni virale n angenommen worden sei, daß der Vorwurf des Meineids lediglich ans politischen Gründen erhoben worden sei. Der Gerichtshof lehnte die Beweisansuahme ab, weil der An- geklagte in Wahrnehmung berechtigter Interesse» gehandelt und nicht uöthig habe, die Wahrheit der behaiiplete» Thatsächen nachzuweisen. — Siaaisanwalt Wentzel hielt die Schutzgrenzen des§ 193 für überschritten und beantragte einen Monat G e f ä n g n i ß, während der Angeklagte ihn freizusprechen und die Kosten der Staatskasse aufzulegen beantragt, weil diese Anklage nur eine» Ver- such darstelle, das schwierige Amt des Verlheidigers beinahe un- möglich zu mache» und einen Bruch des Vertrauens herbei- zuführen, das zwischen dem Vertheidiger und seinem Klienten ob- wallen müsse. Der Vertheidiger, Rechtsawalt Dr. H e r z f c l d beantragt eben- falls Freisprechung, eventuell sei eine Geldstrafe als ausreichende Sühne anzusehen. Der Gerichtshof(Vorsitzeuder Laudgerichlsdireklor G a r tz) verurtheilte de» Augeklagteii zu 300 Mark Geldstrafe eventuell 30 Tagen Gefäiiguiß, indem er eine Beleidigung für vor- liegend«achtele. Es sei, so führte der Vorsitzende aus, ganz gleich- gillig, ob diese Beleidigung zur Kcnutniß eines dritten gelangt sei, durch Indiskretion, Gesetzwidrigkeit oder eine gesetzliche Maßregel. Dies könne höchstens das Strafmaß beeinflussen. Der dein An- geklagten zugebilligte Schutz des Z 193 sei durch die Forin verletzt, dem Angeklagten seien aber mildernde Umstände zuzubilligeu, da er der Meinung war, daß er an cinen Klienten und Gesinnungsgenosse» einen ganz vertrauliche» Brief schrieb, der nicht in drille Hände kommen sollte. Kiiiiiiru Dissidenten gezwungen werden, ihre Kinder an dem Ncligionsunterricht in de» Gcmeiufchuleu theiluehme» zu lassen? Mit dieser Frage Halle sich gestern die achte Be- rusiiiigskanimer des Landgerichts I nnler dem Borsitz des Land- gcrichtsdireklors Weimann zu beschäftigen. Der Klempiiernieister Otto Kraeker, inelchcr der freireligiösen Gemeinde angehört, war vom Polizeipräsidium in eine Geldstrafe genommen morde», weil er am 29. Mai dieses Jahres seine nennjährige Tochter Martha, welche die 47. Gcmciiideschnle besucht, vom Religions- Uuterricht fern gehalten halte. Ans seinen Einspruch hatte das Schössen- gericbt das Slrafmnndat bestätigt. Es wurde die zweite Instanz i» An- spruch genommen. DerBeschuldigiegab den Thalbestand zu»nd bemerkte »ur noch, daß er Dispensation für seine Tochter nachgesucht habe. Während ihm bei seinen älteren Kindern früher ein zusagender Bescheid ertheilt morden sei, habe die Behörde, welche wohl jetzt einen anderen Standpunkt zu dieser Frage einnehme, diesmal ablehnend geantwortet.— Rechtsanwalt Heine als Vertheidiger führte ans, daß am 6. April 137S eine Verordnung erschienen sei, wonach die Festsetzung von Schulversänminbstrnsen dem Magistrat übertragen wurde. Deuiuach könne eine Bestrasuug nur im Verwaltungswege erfolgen. Am 6. April d. I. habe nun der Oberpräsident dies Recht dem Magistrat entzogen und es dem Polizeipräsidium übertragen. Es frage sich nun, ob der Ober-Präsident hierzu berechtigt war. Er für seine Person meine, daß dies nicht der Fall sei, sondern daß der Ober-Präsident seine Befugnisse überschritten habe. Er halle den vorliegenden Fall für geeignet, die Frage anzuregen, od der An- geklagte Überhaupt nölhig hatte, die Dispensation nachzusuchen. Das Kammergericht habe dahin entschieden, daß die Vorinstanz dies zu prüfen habe, dagegen nicht, ob die Ablehnung zu recht oder zu u» recht erfolgt sei. Der Vertheidiger stehe a»s dem Standpunkt, daß die letztere Entscheidung anfechtbar sei. Der Z II des Allgemeinen Landrechts sage, daß Kinder, welche in einer anderen ilicligion nls in der von ihnen besuchten Schule gelehrt werde, erzogen werden sollen, dem Religionsunterrichte nicht beizuwohnen brauchen. Nu» habe allerdings eininal der frühere Kultusminister Bosse im Parla- inent ver freireligiöse» Geiueiude die Berechtigung abgesprochen, sich eine Religionsgesellschaft zu nenne», weil ihre Mitglieder nicht a» einen persönlichen Gott glauben. Dies sei denn doch ivohl eine Ansicht, welche mit denen vieler gebildeter Christen nicht über- einstimme. Der Gottesbegriff müsse weiter gedehnt werden, wie dies auch seitens eines Echlciermachcr»nd eines Kant geschehen sei, denen man doch nicht absprechen könne, daß sie Christen seien im edelsten Begriffe des Wortes. Wen» der Gotlesbcgriff so eingeengt werde, wie es von seilen des Ministers Bosse gewünscht wurde, so verliere er jeden siltlichen Werth. Die freireligiöse Gemeinde sei eine Religionsgesellschaft wie jede andere. Wenn nach und nach Umbildungen stallgefnnden hätte», so sei dies auch bei anderen, zumal bei der christlichen Religion der Fall. In dem bekannlen Prozeß der Griebenow'schen Erben gegen die freireligiöse Gemeinde ans Wiedcrherausgabe eines ihr früher geschenklen Terrains zur Anlage eines Friedhofes habe dos Kammergericht auch ausdrücklich anerkannt, daß die freireligiöse Gemeinde als eine Religionsgesellschaft anzusehen sei. Das Allgemeine Landrecht geivähre die Gewissensfreiheit, und es sei ein Gewissenszwang allerschlimmster 9Ut, wenn man die Kinder von Mitgliedern der freireligiösen Gemeinde zwingen wolle, an dem Religionsunlerricht in den Schulen theilznnehmen. Eine sittliche Erziehung sei imdenkbar, wenn die Belehrung in der Schule nicht Hand in Hand gehe mit der Belehrnng im Hanse. Der tiefe mangelnde Sinn trete besonders in der Praxis zu tage. Wenn die Eltern nun ans irgend einer Religionsgesellschaft ans- geschieden seien, wozu sie ja gesetzlich berechtigt seien, welche Reli- gleit solle dann für ihre Kinder nnsgesncht werden? Vielleicht diejenige, welche von den Eltern verschmäht wurde? Das wäre doch geradezu unsinnig. Der Vertheidiger schloß seine Anssührnngen mit dem Ausdruck der Erwarlnng, daß ein freisprechendes Urlheil gefällt werden würde. Der Staatsanwalt beantragte unter kurzer Begrün- dung die Verwerfung der Berufung. Gegen Kinder, welche noch nicht die genügende Erkenntniß besäßen, könne wohl von einem Ge- wisseuszwange nicht die Rede sein. Sie sollten sich j» nur durch den Unterricht die Kenntnisse aneignen,„in nuf grund derselben sich später eine eigene Meinung bilden zu können. Der Vertheidiger widersprach dieser Auffassung. Der Religionsunterricht bestehe nicht aus Ueberiniltelungen von Kenntnissen, sondern aus Uebermillelnngen deS Glaubens und der Ueberzeugung._ erlin. Für den Jnseralentheil verantwortlich: Dh. Glocke in Ber Der Gerichtshof kam noch nicht zu einer Entscheidims, sondern beschloß, das Erkennlniß des Prozesses der Griebenow'schen Erben gegen die freireligiöse Gemeinde einzufordern und dann eine» neuen Termin anzuberaumen. Ei» junger Abenteurer stand gestern in der Person de? 17 jährigen Handlnitgslehrlings Alexander D ankert vor der ztveilen Strafkammer des Landgerichts I. Er war am Ib. Angnst 1396 in das Ledergeschäft von Treitel als Lehrling eingetreten»nd war am 22. Angnst Zeuge davon, daß sein Chef im Komptoir eine große Geldsumme zur Beförderung an die Batik znrecht machte. Unter dem Gelde befand sich ein Päckchen, in welchem 4000 M. in 40 Htmderimarkscheitten zusainmengelegl waren. Als der Chef durch einen Kunden abberufen wurde und der gleichfalls anwesende Kotnntis das Komloir auf einen Attgenblick verlassen mußte» ließ sich der junge Mann durch das viele Geld verblenden, er eignete sich das Packet mit 4000 Mark an und entfloh. In Be- gleitung eines'Allersgeitossen, der ihn angeblich zu der Thal jelbst verführt haben soll, hielt er sich zunächst in Köln auf und vergeudete in dortigen Kneipen tnit Damenbedienung ziemlich große Beträge. Dann kaut das Schicksal über ihn: Als er eines 'Abends mit seinem Freunde in betrmtkenem Zustande in einer Droschke nach Hause fuhr, entwendete ihm dieser seinen ganzen Reichlhmn bis auf einen Hundertmarkschein und verschwand ans Niminerwiederseheit. Mit diesen hundert Mark hat der ttttterttehtnende junge Maitn das Kttnststück fertig bekounnen, sich bis nach Algier durchzuschlagen. Er hat dort 10 Monate in der Fremdenlegion zugebracht, schließlich aber hat er sich der Behörde selbst gestellt, da er einsah, daß der Aufenthalt hier im Gejängnisse doch noch immer der dortigen Freiheit vorzuziehen sei. Der Staatsanwalt beantragte gegen den jungen, vollgeständigen Verbrecher ein Jahr Gefängniß, der Gerichtshof hielt aber l'/e Jahre Gefängniß für eine angeinesseiie Strafe. Zu einer rmpfindlicheu Strafe hatte s.Z. das Schöffengericht im Wege der Privotklage den Detektivbeamlen v. Lang heim ver- urlhcilt, der sich eines groben Vertranettsbrnches gegen die Fabrikanten- sran Fr. schnldig gemachl Halle. Die letztere lag ulit ihrem Manne in Ehescheidnng und Halle sich zur Anssührnng der übliche» Beobach- ltnigen an ein hiesiges Detektiv- Jttstitut gewandt, welches ihr Herr v. Langheim ztitmes. Noch während die Eheklage schivebte, schied letzterer ans dem Jnslitttt ans, um sich selbständig zu machen und hatte nun die Leichtfertigkeit, gesprächsweise einem dritte» gegenüber mit seitiett Erfolgen bei der Frau Fr. zu renotnntireti. Er behanplete, daß er bei seinen tviederdollett Besttchett, die er der letzteren gemacht, in Beziehttttgett zu ihr getreteti sei ttttd sie ihm ihre Frauenehre geopfert habe. Der andere glaubte, daß er ei» gutes Geschäft mit diesem ihm anvertrauten Geheiinniß machen könne, er lief deshalb zu Herrn Fr. und lheilte ihm das Gehörte mir. was für dessen Ehe- scheidung natürlich von besondereui Werthe sein mnßle.'lins Er- fordern des Fr. war dann Herr v. Langheim so leichtsinnig, ihm schriftlich zu bestätigen, daß das. tvas ihm über seine Frau gemeldet worden, wahr sei. Frau Fr. war aber über diese Ungeheuerlichkeit mit recht empört tmd sie strengte die Privalklage gegen v. L. an. den das Schöffengericht zu neun Monaten Gefängniß verurtheilt«.— Bei der gestrigen Ber- Handlung in der Bentsttttgsittstattz ließ sich die schtver gekränkte Frau dazu bestinittteit, dem Atigeklaglen seilte Strafe ztt schenken. Nac!,- dem dieser im Bergleichstvege ihr eine volle Ehrenerklärnng abgegeben und die Unwahrheit seiner Behatiplung erklärt hatte, nahm die Privat- klägerin ihre Klage zurück. Der Knustschiitze Krüger, welcher am 29. Mai d. JZ. in Weißenjce durch«inen Fehtscyttß seine Branl geiödtel hat, ist be- kaiittiltch wegen dieser Thal zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Die gegen dieses Erkeittilttiß eingelegte Revision ist gestern vom Reichsgericht verworfen tvordett. Gleichfalls vcr- worfe» wurde die lllevision des Schlächlermeisiers Eichler und des Kochs Seyring ztt Charlotlenburg, die wegen fahrlässiger Tödtitng des'Schlächtermeisters Schttlz zu je 9 Monaten Gefängniß verurtheilt waren. Ter§ 105 der Gewerbe- Ordnung gestatlot an Sonntagen Arbeiten, die im öffettllichett Jniereffe nnverzüglich vorgeitotttmeii werden nittssett. Daß dieser Paragraph auch auf die Herstellung von Extrablättern zu beziehen sei. iveitn ein öffentliches Interesse an der Herausgabe vorliege, hat, wie wir Itittgft gemeldet, das Landgericht Breslau in einer Berhattdlttttg gegen die „Breslnner Zetttmg" entschieden. I» demiBreslaner Fall handelte es sich nm die Ausgabe eines Extrablattes am Oster-Sonntag mit der Nachricht von dein Attsbrnch des türkisch-griechische» Krieges. In dem gleichet! Falle hat jetzt das Anttsgericht 5kiel itt entgege»« gesetzlcm Sinne ettlschiedett. Es bestätigte, wie gemeldet wird. einen gegen die„Kieler Neuesten Nachrichteit" wegen Heransgabe. eines Extrablalles ans dem gleichen Anlaß erlaffenett Slrafbesehk mit der Begrnndttng,„es könne bei tttts nicht als etwas Wichtiges gelte», wen» zwischen Griechen und Türken ein Krieg ausbräche." AnS Aschaffenbing wird vom Sonnabend berichtet: In dem Prozeß gegen den Fabrikanten K r o ttt e r, in dessen Fabrik seinerzeit eine Explosion den Tod von II Personen zur Folge gehabt halt». wurde Kromer wegen fortgesetzter Vergehen gegen das Sprengstoff- gesetz ztt 3>/s Monaten Gefängniß und zur Tragnug der Kosten verurtheilt. Wie die Presse vom Reichsgericht behandelt wird. Vom Landgerichte K i e l ist nnt 10. Jttli der Redakteur der„Schleswig- Holsteinischen Volkszeitung", unfer Parteigenosse A l e x a n d c r Liitjeus in Kiel, von der Anklage der Beleidigung frei» gesprochen worden. Dem„Arbeilcr-Bmid" war die Vcrattstallnttg einer Maskerade polizeilich ttutersagt tvordett. Der Angeklagte bat eine hierauf bezügliche Verstigting des Regierungspräsidenten abgedruckt und einige Beitterkttttgcti dazu gemacht, in denen er da? Verfabren der Behörde als ungesetzlich hinstellte. DaS Gericht war der Meimtttg, daß der Angeklagte dem Reg iextingspräsi den teil im» gerechtfertigterweise Gesetzesübertretung vorwerfe, sprach aber den Angeklagten frei, da er in Wahrttehtmtng berechtigter Interessen gehandell habe ttttd die Absicht der Beleidigung weder aus der Form »och aus den Umstätiden hervorgehe.— Ans die Revision de? Staalsnittvalls hob gestern das Reichsgericht das Urtheil a n f nna verwies die Sache an das Landgericht zurück. Berechtigte Jnteiessni habe nur der„?lrbciter-Btt»d" wahrnehtncn können, nicht der An» geklagte als Redakteur eines sozialistischen BlatteZ! WliteruugSilbtt'flcht vom 1.?. November 1�07. Wcttcr-Proguofe für Tonntag, 14. November IfiiO?. Ziemlich warin, vielfach heiter, zeitweise nwlkig bei mäßigen bis frischen südwestlichen Winden; keine erheblichen Niederfchläg« Berliner W e t t e r b u r e a». in. Druck und Verlag von Max«vading in Berlin. Ur. ZS7. 14. ZahMg. S»il«!>lz, 14, Nsvkmbkr 1897. Vevsermmllmgem Eine freisinnige Wiihlcrvcrsnminlnng für den dritten Ber- lircr»teichsiiigs-Wahtkicis tagte am Freitag bei Keller in der Köpnickerstrabe. Es waren etwa 4<)<)—S(i<) Personen anwesend. Der Vorsitzende. Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Langerhans theilte mit. daß der Vorstand des Wahlvereins in Gemeinschaft init den Obmännern Herrn Stadt rntb Wilde als Reichstags- knndidaten für den dritten Wahlkreis empfehle. Hierauf hielt Rektor K o p s ch einen längeren agitatorischen Vortrag, in drin er die allgeineine» Gesichtspunkte, unter denen sich die nächsten Wahle» im Reiche abspielen, kennzeichnete. Er sprach von dem Znge nach links, der durch das Bürgerlhum gehe, und betonte, dasi die Freisinnige Volkspartci vor allem gegen die reaktionären und absolutistischen Bestrebungen kämpfe. Der Redner gab zum Schlüsse der Hoffnung Ausdruck, daß es dem Freisinn ge- lingen werde, den dritten Wahlkreis zurückzuerobern. Nunmehr sollte nach der bekannt gemachten Tagesordnung Herr Stadlralh Wilde sich den Wählern vorstellen, er war aber nicht anivcsend und hatte sein Ausbleiben durch Krankheit entschuldigt. Jetzt eutspann sich eine ziemlich ansgedehnte Debatte über die Kandidatensrage. Außer den Herren am Vorstnndstische war keiner der Redner mit der vorgeschsagenen Kandidatur Wilde einverstanden. Man müsse sich nach Männern umsehen, die nicht nur sreisinnig scheinen, sondern es auch wirklich sind. Herrn Stadtrath Wilde möge man schon des- halb nicht akzeptiren, weil derselbe Magistratsinilglied sei und der Magistrat gerade in letzter Zeit gezeigt habe, daß er nicht sreisinnig sei. 9lls geeigneter Kandidat wurde nnter lebhafter Zustimmung der Versammelten der Stadtverordnete R o s e» o>v vorgeschlagen. Ein Redner bemerkte, die Freisinnigen hätten als sozial- deniokratischcn Gegner wahrscheinlich den Rechtsanwalt Heine zu fürchten. Er sage ausdrücklich„zu fürchten", denn Heine stehe aus dem gemäßigten Flügel der Sozialdemokratie, und er würde viele bürgerliche Stimmen erhalten, wenn ihn» nicht ei» entschieden frei- sinniger und im Kreise bekannter Mann gegenüber gestellt werde. Um zu verhindern, daß Stadlrath Wilde noch weiter in öffentlicher Versaniinlmig kritisirt werde, wurde ans Autrag des Rektors Kopsch beschlossen, nicht gegen den Kandidaten zu sprechen, sonder» nur andere Vorschläge zu mache». Es wurden dann auch verschiedene bekannte Vertreter des Freisinns in Vorschlag gebracht und dem aus Vorstand und Obmännern bestehenden itlusschuß aufgegeben, nnS der Reihe der Vorgeschlagenen den geeigneten Mann ansznsnche» und ihn einer anderen Versammlung z» präsentiren. Im Verein der Van-, Erd- nnd gewerblichen HilfS- arbcitcr(Zahlstelle I) sprach am 7. d. M. das Mitglied Krüger in interessanter Weise über einen vor kurzem in den„Grenzbolen" erschienenen Artikel. Unter Verbandsangelegenheiten wnrde die Ab- rechnnng vom Stiftungsfest verlesen, die i» Einnahme 136,45 M. und in Ausgabe 133,15 M. aufwies. Sodann wurden den engliche» Maschinenbauern 5t) M. bewilligt. Zum Schluß konnte der Vor- sitzende bekannt geben, daß sich 68 neue Mitglieder gemeldet haben. Tie Zlgitatore» deS Waffer-MilitariSmuS an der Arbeit. In Groß-Lichterfelde fand ain 12. November eine von kon- servativer Seile einberufene öffentliche Versammlung statt. Man schien schon vorher auf eine nicht sehr große Betheiligung gerechnet zn haben, denn an die Mitglieder von nicht weniger als fünf „staatserhaltenden" Vereinen waren schriftliche Einladungen ergangen und„gebeten" worden, doch ja in der Versammlung zu erscheinen. Aber die gehegte» Erwartungen bezüglich des schlechten Besuches wnrde» noch weit übertroffen. Es waren im ganzen 45 Personen anwesend inkl. des Reserenten, des Wirthes, der Bc- dienung und zweier Sozialdemokraten. Das Lamento des Ein- berufers über de» flauen Versammlungsbesuch war auch stein- erweichend. Thema des Vortrages war natürlich das Steckenpferd der Konservative»:„Der Niedergang der deutsche» Kriegsmarine", mit dem Herrn Torpedo- Direktor a. D. Kretschmar als Re- ferenteu. Seine trockenen Ausführungen im Verein mit der kasernenmäßigen Vortragsweise wirkten geradezu einschläfernd; neues an Gründen für die Flottenvennebrung bot der Vortrag nicht. Interessant war das dem konservativen Redner jedenfalls sehr wider feine» Wille» entschlüpfte Geständniß von der enormen Ausbeutung der arbeitenden Klaffe, indem er darauf hinwies, daß insolge des wirth- schaftlichen Aufschwunges in den letzten drei Jahren in außerordentlich zahlreichen industriellen Etablissements bis nachts 12 Uhr gearbeitet werden mußte. Der„Nationalreichthum" habe sich infolgedessen— meinte Redner— riesenhaft gesteigert. Inwieweit die bis nachts 12 Uhr ausgebenteten Arbeiter und Arbeiterinnen an diesem „Nationalreichthum" bethciligt seien— darüber war von dem Referenlen leider nichts zn erfahre». Der Vortrag klang ans in eine elegische Klage über den Verlust des„Nationnlhelden" Bismarck, dessen diplomatischen Noten seinerzeit dieselbe Wirkung übten wie heute etiva ein Kriegsschiff, nnd über die„vaterlandslose" Neichstagsmajorität, die den Frevel begangen, zivei Tage vor der berühmten„Hundertjahrfeier" die Forderung nach neuen Panzern abzulehnen.— Daß in einer konservative» Versammlung der Staatsstreich in der unverblümtesten Weise empfohlen wird, versteht sich am Rande. Und so sprach denn der Referent den Wunsch ans, den Widerstand des Reichstages zu brechen und eventuell im„abgekürzten Verfahren" die gewünschte Vergrößerung der deutschen„Weltflotte" herbeizuführen. Mit einem Appell an die Anwesenden, bei den kommende» Reichstags- wählen für die Entsendung eines„königstreuen" Mannes i» den Reichstag mit allen Kräften agitire» zn wollen, schloß die Rede. Was das letztere anbelangt, so werden die Wähler des Kreises Teltow de» konservativen Brotwucherer» und Staatsfireichler» bei de» kommenden Wahlen die treffende Antwort zn geben wissen. Bemerkt sei noch, daß die Versammlung polizeilich nicht überivacht war, wie dies bei Sozialdemokraten mit peinlicher Genauigkeit er- folgt. Herr Polizeikommiffar Mohr war zwar anwesend, aber in respektvoller Entfernung außerhalb des geschlossene» Versammlungs- raumes. Charlottenbnrg. In der Filiale des Deutsche» Metallarbeiter- Verbandes hielt am 7. d. M. Ingenieur Gremp e einen beifällig anfgenonnnenen Vortrag, worauf die Versammlung einige interne iflngelegenheiten erledigte. CharlottCttbiirg. Am Sonntag, den 7. November, nachmittags 3'/e Uhr, hielte» die hiesige» Gasanslalts-Arbeiler eine öffentliche Versammlung im Lokal von Leder in der Btsinarckstraße ab. Nach einem Vortrag des Genossen O. Görke über den Nutze» der Or- ganisatio» ivurde über die Entlassung der zwei Vorsitzenden der hiesigen Ortsverwaltung diskutirt. Der gemaßregclte Kollege K o p p i tz legte dar, daß von einem Arbeilsmaugel keine Rede sein kann, wie in dem Führungszeugniß steht, da er ja kurz vor der Ent. lassitng gefragt wurde, ob er„sreiivillig" Ueberstiinden mache» rvolle, was von ihm aber verneint wnrde. Auf die auf Beschluß der vorigen öffentliche» Versammlung erfolgte erneute Ausrage des Kollegen Koppitz bei der hiesigen Anstalteleitnng der Gasanstalt II erfolgte die Antwort, daß sich für seine Wiedcreinstellnng keine Ge- legenheit biete. Bekannt ist aber, daß jetzt wieder mehr Arbeit vorhanden ist. Zum 3. Punkt der Tagesordnung spricht Gewerkschastsleiter Flein mi n g über die Frage:„Wie stellen sich die Gasnrbciter zum englischen Maschinenbauer-Streik?" Der einstimmige Beschluß und die reichlich gezeichnete Liste zeige» die Cympalhie der Gas- arbciter Cbarlotlenburgs für ihre kämpfenden Brüder in England. Zum Schluß der Versammlung winde» S I r i e j a h n und Koppitz vom 1. Dezember ab in die hiesige Eeiverkschasts- Koni- Mission gewählt. Charlottcubnrg. Am Donnerstag, den 11. November, fand im Lokale des Herrn Prestel eine öffentliche Kommunal- w ä h 1 e r- V e r s n m in 1 u n g statt, in der Genosse Metzner- Berlin über„Die bevorstehenden Koinmunalwahlcu" referirte. In der darauf folgenden Diskussion sprachen die Genossen Block, Meißner, Siegerist und der Kandidat der Kreises Sellin im Sinne des Referenten; letzterer giebt noch Aufklärung über ver- schiedenes, den Wahlkreis und die Wahl seilst betieffendcs. Mietzlnff und Nokche» kennzeichne» Mißstände in der Ans- Übung des Wadlrechts, ersterer in Verbindung mit dem Aimenwescn. Koppitz rügt die traurigen Verhältnisse nnd Zustände in der städtischen Gasanstalt den dort beschäftigte» Arbeitern gegerniber und erwartet Abhilfe von den Vertreter» der Arbeiter im Siadt- Parlament. Nach krästigem Schlußwort des Referenten winde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. x«r«- nnd z>l«k»>tirlil»>b«. Polnischer DtSkutirtlnb JaroSlaiv D ombrowSky In Nixdorf lagi jeden Sonntag nach dem IS. des Monate nachmittagz o Uhr dei Preßler, Zlethensiraße es. Ztlontag! Morgen rölhe, abends 9 Uhr bei Trittelwih, Fallensteinflrasie 7.— Sozialdemot ratischer Lese- und Ttsrutirflub für den Stadtdeztrt>7»: Lersannnlung jeden 2. und« Montag im Monat, abends s Uhr, bei Buchmann, SubenerNrahe 12». Leopold Jaloby, MarluSsir. u bei.stippte(Eingang Grüner Weg) jeden Montag»ach dem l. und 15. im Monai.— Nordkante, Wicscnsir. 27 bei Bolz.— Reimer, Gericht- ftrahe ig bei Seidel. Arbeit, r-xä»i>»rb»ud Kerli»» ,>»b b«p Zlmgegenb.>. Uorsitzcnder Ad. N e u m a»», Brunncusnabe 150. Alle Aei derungen im Vereinstatender sind zu richten an Friedrich jtorium, Mantenffelsir. so, v. 2 Tr. Ztiontaa, abends 9— II, llebnugssiunde und Ausnahme neuer Mitglieder.— Dorf- a löcklein, Teuiich-WilmcrSdors. Berlinersir.«o«Nngenbera'S VolfSgarten.— st» tunft I, Steglitz, Ahornsir. 10.— BoriptirtS IX. Charlottenburg, WilmerSdorferstr. 99,..BiSmarclhöhe".— Harm oute 2. Wclustr. ri. Rei-aurant Feind.— T on b lü t h e. Oppelnerlir.>9 bei Häusler.— Süd- Oft, Cuurpftrnbe 26 bei W. Erbe.— Liedesf reihert II, Tiraubberg, Wilhelmstrabc bei Magnus.— Freys II(gew. Chor), vrbanftr. s> bei Wulle.— Apollo, Eharloileuburg, Krümmest, ahc ZZ bei Müller.— Eoltdarilät, Echützcustr. L9, Mielhke'S Rrstanrant.— Felsen bürg, Blnmcnstrabe ss bei Schee, be.— Nixdorf er Ltederfrauz, Nixdorf, Ztrihenstr. 77 im Mefiauranl bei Maresch.— Einigkeit III, Reinilkendorf, Eichboinstr. 99 bei Mciiibardt.— Süd-West, Simconstr. 23 dei Flick.— Berliner Tamenchor Harmonie, Rosenihaierstr. 57 bei Schiller.— R ü i l t, Friedenau, Handjerystrnbe«« im Hohciizolleru.— Treptow in Treptow, B anmschuienweg 32 bei Lange.— E t ch e» l r a II z II, Coldinerstr. ss bei Knobltch. Arbeitrr-Ztaucherbund Krrli»»«-.»d ber Zln>g«9e»d. Aenberungen im vereiuSkaleuder find zu richien an Hermann Braunschweig, TreSdcnerstr. so, 2. Hos.— Ktloxtao, abends vo» 9— il Uhr: Klub. Abend und Anfnahmc»euer Milgneder. — Mextlaner, Elbingerstr. tb V G. Seifert.— Brüderlichkeit, Pücllerstr.«» bei Schuhmacher. Abguß II. Mcbcrsir. 10 bei Schulze.— F r e n u d l ch a f I- B o r w S r t S, Weibeuburgerstrabe iio bei Engel.— Tarn roSchen, Fenn- straße s bei Krüger. Hund der geselligen Arbeiterverein« Herli»» und der Zlingegend. Borsitzender P. Gen I. DreSderersir. l07-s. Aenberungen den BereinSkalender belreffend find zu richien an H. Benbix, Alexandrinenstrabe>00. Konntag. Familteuoerein Helilonia. Franlfurlerftr. n dei Scholz. «efang-, Snrn- nnd gesellig« Herein«. Konntag: Privat-Theaicroereiu EreScendo, nachmillagS s Uhr, Llntenftr. 7». Gesellige Ausammenlunft.— Tramaiiicher Klub LiedeSglüel, nachm. s Uhr, Creminenerstr.>.— Ber- gnügungsverein I n g w e l d e, nachmitlags s Uhr. Tunckerstr. 90 bei Schulz.— Thealcrverei» Vorwärts, nachm. 4 Uhr. Gr. FranUnrterstr. 42 bei Jonas.— Privatthcalerucrei» Schiller, nachmittags s Uhr, Wildenowftr. s bei Garbriel.— zUontng! B er li n c r D a m en ch o r im Hole!..Zentralhalle", An der Siadt- dah» 40, i Tr., Ecke der Rochstraße.— Vergnügungsverein B a va r ia, Duneker- straße 90 bei Schulz.— RauchNub Portortlo. Bnlowstr. 46. Arbeiter«»rnerbund. Sonntag- Turnverein Ficht-, Lichtenberg. Jeden Eonnlag von 3 Uhr an uollSlhumlicheS Turnen, Wstßenseeer Weg bei Asche, lilontag: Turnverein Fichte, Berlin. Abends von s-io Uhr: 7. Männerabtheilung, Reichsnbergerstrabe isl. 2, Damenabtheilung Aclerstr. 67. »Irrei» dentkcher Schnlimacher. Montag, den IS. November, abends 81; Uhr: Zahlstelle I bei Mll, Slraubbeigerstr z. Zahistelle II bei Lange, Tragonerstr. IS. Zahlstelle Iii bei Muller. JohanntSstr 20. Zahlstelle IV bei Roll, Adaiberliir. 21. Zahistelle V(Schästebranchej bei Schiller, Rojemhalerstr. s?. Zahinelle Friedrichs. berg bei Fuchs, Franlfurter Allee 49. Zahlstelle schöneberg bei Obfi, Grunewalv- straße ilo. La»d«ma»»5chaft der Schlcoiuig-Kolsteiner t» Kerlin. MiUtwoch. den >7. November, abrndS Vi Uhr: BereinSsttzung im BereinSlolal G. Feuerstein'S Festlälen, Alle Jalabstr. 76. Vortrag deS Herrn R. Gerling Uder„Die Gefahre» der Hypnose"(mit Expertmenten). Allgemeine Lamilien-Kterbeliatlr. Heute Zahltag: Ackerllr. 123 bei Dicke. Aentraloerband der Konditoren. Sonntag, den 14 d. M, abends 7 Uhr bei Siadernack, Jnlclstr.>o: Außerordeniltche Versammlung. Vortrag deS Genossen Dr. Weyl über..BerufStrantheile» ii» Koiidilorsn-Bsrufs". DiSIttsston.— Hiernach gefellige« Beisammensein. Gäste willkommen. Kainxritrrstnrs»» für Arbeiter und Arbeiterinnen. Montag, den 15. November, abends S!z Uhr bei Neumann, Brnnnenstr. iso: Vortrag des Herr» Dr Frtcdederg über: Berletznngen(Wundbehandlung, Blnlsttllnng U. j. w.j. Kciloerrin K»br.(Neuer Sialurheilverei» Charlotienburg) Montag, den is. November. Thnrmstr. 20: Vortrag de§ Frl. M. Kilbe über: Opsrationsn bei Frauen. Nur für Damen. Der Zonentarif. Verein für Eifenbahn-Neform, veransialtet am Freitag. den 19. November, abend« 6% Uhr bei Feuerstein, Alle Jaladsir. 7S eine Versammlung, in der Herr Komuierzienraiy H. Liisauer einen Vortrag über„Die Eiienbahn-Nelorm und der Kausmannsliand" hallen wird. Gäste sind wiktlommen. Briefkasten der Redakliall. Tie juristische Tprechstuiibe findet i» dieser Woche nin DieuS- tag von 7 Uhr ab, Freitag und Souilabend von S bis 7 Uhr abends statt. O. W. Ivo. Leider nein. A. P. Nach§ 117 des Berliner Straßen- palizei-Ncglements ist„den zur Erhaltung der Sicherheit, Bequemlichlcit, Reinlichkeit nnd Ruhe auf der öffentlichen Straße aiigehciidcn Anordiningeii der Aiissichtobcainten»»bedingt Folge zu leisten." Die Rechtsprechung nimmt im allgemeinen leider an, daß der Richter nicht zu prüfen habe, ob die Anordlmng in der That im Interesse des Verkehrs u. s. w. gelegen hat. Werden Sie auf Grund deS Kit? angeklagt, so ist demnach anzunehmen, daß auch Ihre Vernrthcilnng erfolgt. Trotzdem ist Preußen keineswegs ein„Polizcistaat." — Groffmaii» 1868. In dem Rechtsstreit würden Sie voraussichtlich uuterliegeii.— gtntschkc. Es wird vom Kläger voraussichtlich zn einem neuen Termin geladen werden. Sie hätten im zweiten Termine Ver- sSuimiißmthcil beantragen können. In der Sache selbst ist Kläger im Unrecht nnd hat die Bücher abholen zn lassen.— R. S. 3!). Ihre Frau soll alobald bei dem Borslande derjenigen Jnvalidilälsanslalt, für die sie znleyt gellebt hat(Adresse steht aus der Karte), den Anlrag ans Rückzahlung stellen. Der andere Antrag geht nebenher; er war nicht nach Bernau, sondern nach der Jnvaliditätsanstalt zn richten.— S. B. l 1. Ja. 3. Das Attest ist von der Polizeibehörde deö letzten von Bredow nachträglich zn besorgen.— F. S. 60. Sic können auf grund des mit der Vollstreckiingsklanset ver- iehenen Znhlungsbeschls durch einen Gerichtsvollzieher die Zwangs- Vollstreckung vornehmen lassen.— L. W. 50. 1. Ja..2. Nein. — Rölke. Tic Anzeigevsticht besteht nicht. Lustbarkeitsstcuer ist nicht zn zählen. Zum geschlossenen Fest bat die Polizei lein Zutrittsrecht. Alle drei Fragen sind entgegengclcpt zn deanlivortcu, iveiin es sich etwa um ein oifciitUches Fest handeln sollte.— Görlitz. Ein Anlaß zu einem Straf- nntrag liegt nicht vor. Sie können beim Amtsgericht auf Herausgabe der Sachen gegen Zahlung Ihres Micthsrestcs klagen.— H. D. Die Orts- Kranleiikaffen haben für 13 Wochen vom Beginn der Kranlheit ab freie ärzt- liche Bchaudllmg n. s. w. zu leisten und iiuFall der Erwcrbsnnfähigtcit vom dritten Tage an Krankengeld zu zahlen.— Tpitzbär. 1. und 2. Nein. 3. Ja.— F. 868. Ob Anmeldung stattgefilnden hat oder nicht, ist gleich- giltig. Ist Ihr Bruder landwirihschastücher Arbcitcr, so gehört er der Krankenlassc an und hat von dieser(nicht vom Arbeitgeber) ärztliche Be- Handlung und Krankengeld zu verlangen.- Wette 101. Ihre Gewerde- gchilsen gehören der Kasse als Zwangsmitglieder an.—(S. K. Mit Ausgang des Jahres 1925.—(6. S. 1807. Sie müssen Ihren Unfall und Ihren Anspruch aus Unfallrente bei der Berussgenosienschaft anmelden. — L. L. Sie müssen einen Kostenerstattiingsanirag bei dem Amtsgericht einreichen.(Arbeitsrecht S. 311.)— Tch. 10. 1. Nein. 2—4. Unverständlich. Sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde vor.— Zuständig ist das Amtsgericht Bernau.— 140. Lassen Sie sich auf Annoncen, die Darlehen anbieten, nicht ein: ist meist Schwindel oder Wucher.— A. Z. Sprechen Sie in der inrisiischen Sprechstunde vor.— H. B» W. H., Baumann. Ja— G. G. Ihr Mann ist leider im Recht.— Alter Abonnent Tribe. Nein. Schuldhast giebt es nicht mehr Wo nichts ist, da hat ledcr sein Recht verloren.— T. T. Ja. — H. F. 31. Auch uns ist eine derartige Kasse nicht belannt.— Neu- Kölln, l Das ist lein Schcidungsgrund. 2 Das Erziehungsrecht über das Kind wurde der Bater behalten.— A. W. Sind Sie in der Wähler- liste eingetragen. Io rönnen Sie wählen.— I. B. III. Chambregarnisten und Schlaslentcn muß, wenn nichts anderes vereinbart ist, spätestens am 15 zum I deS nächsten Monats gelündigt werden.— W. M. Nein. — Tiskowski Festsäle. Chambregaruisten sind zweifellos Wahl- berechtigt. Das Wahlrecht ist lediglich Schiailenten gegenüber, also solchen, die keinen Anspruch aus Benutzung einer Stube, sondern nur aus die eines Bettes, und auch nur zur Schlasenzeit. haben, von der sreisiniiigen Lkommnnal- Verwaltung bestritten.— CS. I. 74 Die Kündigung isl giltig. Weint Ihr Schuldner nicht zahlt, sieht nur der Weg der Klage ossen.— L. 17. TOimdlichc Kündigung genügt in Ihrem Falle. Sie müssen aber beweisen, daß thatsächlich die Kündigung erfolgt ist. Rathsamer ist stets schristlichc Kündigung. l! ciub-Pseisen, Jlarsch-. 8hag-, Jagd- Pfeife n aller Art. Schennert<& Wirth. «.. Blamenstrasse 13. Z» trtiifei» gesucht, zu guten Preisen: altere sozia- listische Bücher und Broschüren(von Wcitlmg, Marx, Engels, Meh- ring-c.) sowie Zeitschriften(„Sozial- demvlrat",„Bollsstaat",„Vorwärts", „Neue Zeit",„Gesellschft"-c.) auch in einzelne» Nnnimern. s3435I.» Berlin NW., Luisenstr. 31, Buchhand lung S. Calvary u. Co._ Industrie-Erwerb. 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Schläfst, f. Herrn. Lausitzerstr. 18, 3 Tr. r. 1823b Möbl. Schläfst, z. verm. MuSkauer- straße 33, Quergeb. 4 Tr. 1. 18226 Mobl.Zimmer f.2H. Simconstr. 8, Ufr. Frdl. Schlafstelle Manteuffeistr. 99 vorn IV. Frenkes. 1862b ArbtitSiiitttt Achtung! Achtung! Holzarbeiter! In der Möbelfabrik von s288/? Kberkarllt.Michaelbriikkel, Komptoir Holzmarttstr. 21, stehen 65 Tischler, 5 Drechsler und 25 Polirer im Streik. Zuzug ist sernzilhulttil. Biavienspiclen lehrt Kindeni, Erwachsenen in kurzer Zeit, sämmt- liche Operntänze, Bolksmelod. ohne Fehler Vortrag. Parelow, äliiistf- direltor, Kreuzbergstr. 76, I._ 1833b Xlichtige Versiibcrln aus Goldleisten verlangt 1824b R. Werkmeister- Schmidstr. 8a. Tiicht. Wlllzeilsijgtllslhileider auf Tischlerholz suchen sofort 1834d Nadge u. Mecke- Görlitzer Ufer 24. Tisihler auf Schreibtische 18326 Peege, RüderSdorferstr. 48. Zuschneider ansKrage», Oberhemde» Blouse», Hemde» suchen Kraft u. Jaeobi. Marienburgerstr. 9.__ Suche eilt schulfreies Mädchen. Schönhans. Allee 141a H.II. Schneider. Genosse sucht zu Hause irg. w. Be- schäftignng. Osseck, u.„C. 4" Exped. d.„Vorwärts". 1850b Nahmenmacher auf Berkröpsnng Verl. Staltschreiber- straße 12. Btlderruhmenftbrii; verlangt soliden Mann mit längs. Er- fahrg. i. Fach, der, soweit angängig, zu- schneiden(Dampsbetneb) übernimiut und alle weiteren Arbeiten.selbständig überwachen kann, so daß ich mich nur um die Kniidschaft zu Mmmenr habe, geg. entspr. Entschäd. F. C. Postamt 15. Schleifer, Drechsler auf echt Du ix verlangt Britzerstr. 7. Schlossergef. a. Geldschr. v. Aiig»ststr.26. Vergolder, Farbigmncher verlangt Mathieustr. 14. 1838b Arbeiter-Gefangverci» (M. d. A.-S.-B.) 1819b sucht tücht. Dirigenten z. Freitag. Off. an 31. Schulz, Seneselderstr.42, v.1V. Acht»..»! H Wahlkreis. Acht..«»! Tomitag, den 14. November, nbendv S ilhr, im Kösliner Hof, K ö s l i« e r ft r a ß e 8: Oeffeutl. Voltsversammlung Mv Wliinneu und iTvrmvtt. Tngesordnun»: l Die Loge der arbeitenden Klaffen und wie führen ivir eine Aenderuiig derselben herbei? Referent:«evux Diölilssion. L47/14 Nach der Bersaiilinlimg: Gemüthliches BeisammcHsein und Tanz. Zahlreiches Erscheine» erwartet Her Eltiberufer. AMiin»! I. Wahlkreis, ädituw! Sonntag. 14.Novc»iver. abds. KV- Uhr, beiieridotl, Lindrnstr. 100: VvI'SSINInZlHNg. T a g e s- O r d>» ll n g:> Vortrag des Herrn vr».!s»-ilninnn tiber: Wafferheiltierfahren. Räch dem Vortrage: GentlithlicheS Beisainine.ifei» nnd Tanz. 212,'g____ Die Bertraueusperso». Sozialdemokratischer Wahlverein für den zweiten Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, de» 1K. November, abends 8Vz Uhr: Oeffonkl. Vevfsmmlung in. Lokale des Herrn»lelrvl, Hasenhatde 53/3». Tages-Ordnung: I. Nachkliiuge vom Hamburger Parteitag. Referent:(Seitosfe J. Anep. 2. Diskussion. Der Vorstand. blB. Die Genossen werden darauf alisillerksam gemacht, dah in der letzten Geiicralversammlnng bcschloffen ist, pünktlich uni 1llß Uhr die Versammlungen zu beginnen, und wird um frühzeitiges Erscheinen'gebeteil. Gleichzeitig wird auf die am Mittwach(Buhtag) stattfindende Partie nach Pichelswcrdcr(Zum alten Freund) aufmerksam gemacht. Treffpunkt 8V- Uhr Potsdamer Ring- bahnhof. 239/4 SozialdemoKraMer Mahlverein für den 3. Derliner Reichstags- Wahlkreis. Dounerftag, den 18. November, abends 8V- Uhr, im Lokal„tklitpliisellvp Hof", Admiral-Strahe Nr 18c; Gencvat-Vevsammlmtg Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht vom 3. Quartal 1897. 3. Vortrag des Genossen Theodor Mehner. 4. Dis- kusfion. 5. Bereinsanaelcgenheitcn. Die iLo.Iil>-itciIc,» vcftnden sich bei folgenden Genossen: Wily. Börner, Ritterstr. 1ö. Emil Gölte, Brandenburgstr. 18. Gottfried Schulz, Admiralstr. 40a, F l i e ck, Simevnstr. 23. L i e r, Alte Jakobstr. 119. II», zahlreiches Erscheinen ersucht 241/16 Vqp Vorstnml. NB. Mittwoch, den 17. November(Buhtag): Fnsspartie. Abfahrt 7 Uhr 35 Mimitcu früh, Görlitzer Bahnhof. Soziaidmokratischer Mahlverein für den 4. Der!. Reichstags-Mahlkreis(SW. Dienstag, den 16. November, abendö 8 Uhr, im Eokalc Königsbanb, Gr. Franlifarterstrassc 117: w Vorfottttulttttg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen K. HUIapA über:»Das Unfallgeseh.» 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 243/18 SV Für die Mitglieder kommt in dieser Versammlung das Protokoll des Hamburger Parteitages zur Vertheilung. Der Vorstand. ZMaldmoKratischer Mahiverein für den 4. Kerliner Reichstags-Wahlkreis s8ii«1-t».»it.) Dienstag, IL. November, abends 8V, Uhr, bei Herrn Granmann, Nannynstr. 37: Verfammlultg. T a g c S- O r d n u n g: 1. Vortrag des Reichstags-Slbgcordnetcn It. Schniidt über: 243/19 Reaktionäre Strömungen. 2. Diskusston. 3. Endgiltige Befthluhfaffung über den Antrag Runge. 4. Vereinsaugelegenhetten.' UV Neue Mitglieder»reiben anfgcnonimcn. Der Vorstand. NB. Die Mitglieder werden aufgefordert, sich zahlreich an der am Mitlivoch(Bußtag) stattfindenden Fuscharlie zahlreich zu betheiligen. Abmarsch früh 8 Uhr vom Gen. Erbe, Cuvrtistr. 25. Siehe unter Lokales. Sgziaidenlgkratischer Mahiverein für den 6. Beriiner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, de» 1V. November 186«. abends 8-/- Uhr, im Lokal von Schirm's 3S>ve.. Bndstr. IS: Uepsammlungi Tagesordnung: 1. Vortrag des NeichstagS-Ahgeordneten Rich. Fischer. S. Diskilssion. 3. Vcreuiöangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen erivartet 247/8 vor Vorstand. NB. Am Mitlivoch— Bußtag— imtetnimmt der Wahlverein eine Fnsspartl« nach Stolpe an der Nordbahn. Zielpunkt: Nestau- rnnt Bergcmann in Stolpe. Treffpunkt früh 8 Uhr iin Viktoriagarten, Aadstr. 12 lGestmdbrunnen). Zahlreiches Erscheinen, besonders der faugcs- kundigen Mitglieder envartct Her Vorstand. Brauerei- uud Bierverlags-Hllisarbeiter! Mittwoch, de» 17. November, nachmittags 3 Uhr, im„Enxllsclicn Garten", Alexander-Straste Nr. 37 c: Vereins- Versammlung. Tageö-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskiission. 3. Vereins-Angelegenheiten. Zahlreichen Besuch envartet 46/6 Her Vorstand. NB. Der Vorstand besteht aus folgenden Mttgliedem: 1. Vorsttzender: Richard Schüler, Palltsadenstr. 81, H. Ij; Schriftführer: l.ouls Schappach, Martenburgerstr. 9; Kassirer: Fritz Heye», Elbinger- straße 28, H. III. Alle Anfragen und Beschwerden sind an den Vorsitzenden Richard S ch ü l e r zu richten.___ Die Zahlstellen des Vereins stirb folgende: 1. Richard Schüler, Pallifadenstr. 81; 2. Robert Scheere, Blumenstr. 33: 3. Frau Wieske, Landsberger Allee, Ecke Langenbeckstraße; 4. Hermann Gürtner. Molkeirstr. 12; 5. Wilhelm Grube, Mariendorferstr. 5; 6. Wilhelm Schöne, Heinersdorferftr. 8; 7. Otto Hildebrandt. Bemauerstr. 83; 8. Ludwig Seelow, Prinzen-Allee 17; 9. Sllbert Bendlin, Ripdorf, Hermanuplatz 7; 10. Eduard Dörre, Charlottenburg» Krummestr. 19; 11. Gustav Feuerhardt, Spandau, Scharfe Lanle 1. freie Vereinigung der Zlvll-Berufsinuslker Herlins und Fingegend Dienstag, den 16. November, vormitt. 11 Uhr, bei Wilke, Andreaöstr. 26: «rdtiliicht Mglirder-Unlammiuiii. Tagesordnung»vird in der Versammlung bekannt gemacht. Mitglieds- hnch und Karte legitimirt. Zahlreiches Erscheinen erwartet_„ k (3()y7 Der Vorstanv» Bildlillgsiiereill„Mehr Licht" Sonntag, 14. November, abend» V-7 Uhr. Zllexanderstraste 37«: TageS-Ordnung: 57/15 Vortrag über:„Verstand oder Instinkt der Thiere!" Refereiitin: Frau Rohrlack.— Diskussion.— Daraus: Geselliges Beisammensein und Tanz.— G-iste sind willkommen.— Entree 10 Pf.— Garderobe 10 Pf. Aehtnng! Achtung! Veriiliiid der iii Dlilibtiitlititiilgs-Mbrllirn «.ousLolzplähe»!>M. Arbeiter geiitschlliiid». t Filiale Herlin II.) Dienstag, den 4L. November, abends 8V- Uhr, Bergstraste 13: V erlnuuls' Vers n 111 ml 11 11 Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Wagner. 2. Diskusston. 3. Gewerkschaft- licheS und Vetschiedenes.— Die Mitglieder werden an ihre Pflicht erinnert. 294/5 Ter Vorstand. Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- und KraYattenbranche. Dienstag, den 10. November 1897, abends 8'/- Uhr. Festsülcn, Neue Königstraste 7: in Schulz' Versammlung Tages-Ordnung: 1.„Der Ausstand der englischen Maschinenbauer." Referent: Kollege Koopnianu. 2. Diskussion. 3. Vierteljahrsbericht. 4. Statutenänderung. 5, Verschiedenes.— Ausgabe der BilletS zur Treptower Sternwarte a 75 Pf.— Mitglieder werden in jeder Versammlung aufgenommen. — Gäste willkommen. 251/13 Der Vorstand. Rixdorf! Rixdorf! Holzarbeiter-Verband. Dienstag, den 16. Xoveniber, abends 8 llhr, im Lokal des Herrn Klcinke(Deutsches Wirthshaus), Bergstr. 136, oberer Saal: yersamsnSung. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herm Dr. Silberstein. 2. Diskussion. 3. Ver- bands-Angelegenheiten.— Mitglieder werden aufgenommen. 288/14 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die OrtSverwaltnug. NB. Tie Zahlstelle» bestndeii»ich bei Maresch, Prinz Handjerii- straße 67; Holfinann, Prinz Handjerhstr.- u. Lesstngstr.-Ecke; Sebenk, Hobrechtstr. 46; IVlcsing, Kiwsebeckstr. 113. Dorn(Brist). Bürger- straße 4.— Die Vertraueiismäiiiier-Versammluiigen finden jeden Dienstag vor den. Ersten bei H o f f m a n n statt._ Textilarbeiter- Verband Filiale IV Berlin. Färber, Appreteure und Berufsgenossen. Sonntag, den 21. d. M., nachmittags 2 Uhr, bei Wilkr, Andreasstr. 26: Vers a m m 1 u n g. Tagesordilnng: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Wie stellen wir uns zu dem Beschluß des Zentralvorstandes wegen Nichtnilterstützung unorganistrter Kollegen bei Streiks? 3. Wie verhalten sich die Berliner Kollegen gegenüber der Gründung einer Filiale Köpenick. Das Erscheiiien sämmtlicher Berliner Kollegen ist durchaus nothwendig. 197/16 Der Vorstand. irri[e«Aeima-8te<»'Ht�. Dieilstiig, iicn 16. Nsveinw, llbeuhs 7 Uhr, bei Tieke, Steglist. Mvrechtstr. 135: Oeffentl. Wanrer-Uersammlmtg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Fritsche über: Was lehrt»Iis der Berliner Streik vom Jahre 1397'r 2. Dislussion und Gewerlschastliches. 1830b Der Vertranensinann. I�Ol'lZlliaOllSl'. Sonntag. 14. November, mittags 13 llhr, in den Audreas-Festsälen. _ Andreasstraste 31; Oeffentüche Versammlung."VV Tages-Ordnung: 1. Bericht über den Streik. 2. Verschiedenes. 283/18 _ Der Elnbernfer. Lacklrer. Montag, den 15. Wovemher er., abends pnnkt 8l/j Uhr, bei It u s k e, Grenadier- Strasse 33."-WL Gr. ölfentliclie Vers juumi tun g, Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht und Neuwahl der Agitatl0»s-Ko»i»llsfion. 3. Bericht nnd Neuwahl des Delegirten zur Gewerksthafts-Konimisston. 4. Berschiedenc?. AM- Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht B"....... 104, Die Ngitations-Kommisston. Sattler, Treibriemenarbeiter, Täschner, Kosserarbeiter .und aller in dieser Branche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins. in: Dienstag, den 16. d. 11., abends 8V2 lT h r, Lokal von R r o c h n o w, Sebastian• Strasse Große öffentliche Versammlung Tageo-Orbnung: 1. Vortrag des ReichötagS-Abgeordneten Genosse» 3. Auer.„Giebt es nichtpalitisthe Gelverkichasten?" 2. Diskusston. 3. Das Verhalte» der Kriegsministerien zu der Petition der Sattler Deutich- lands. 3. Verschiedenes. 158/5 SK?" Um zahlreichen Besuch bittet Die Agltatlons-Kommlssion. Deutscher Schneider- u. Schueiderinueu-Vervaud (Filiale Herlin.) VevfmmnUmtt am Dienstag, den 1«. November er., abend» Sy, Uhr, im Xeaen Klnbhaase, Kommandantenstr. 72(Nähe der Benthstraße). TageS-Ordnung: 1.„WaS bringt das Bürgerliche Gesetzbuch dein Arbeiter?" Reserent: Herr Dr. jur. W. Brandis.— 2. Diskussion.— 3. Abrechnung vom 3. Onartat 1897.— 4, Verschiedenes. Zu zahlreichem Besuch laden ein 162/16 Die BevolImHchtlgten. Konfekt! ons-Arbeiter u.'Arbeiterinnen. Dienstag, den IL. November er., abend» 8V, llhr, in Gr an mann'» Salon, Nannyn-Strasse 87, Grosse öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1.„lieber die Zustände und Lohnverhältnisse in der Kmder-Konfektionsvranche sowie die Ausbeutung der angestellten Ver- käuferinnen, und unterstehen die Verkäuferinnen der Gesinde-Ordnuilg?" Referent: Koblenzer. 2. Wahl einer VertranenSperson. 3. Verdienen die Konfektions-Arbeiterlnnen soviel, nm ihrem Arbeit- geber ein Geschenk voi» 175 M. machen zu können und noch soviel erübrigen, um in der stillen Zeit davon zu existiren? 4. Verschiedenes. 1485b SV Die angestellten Verkäuferinnen werden ganz besonder» ans die Versammlung aufmerksam gemacht."MW Treis Molksbühne. Honte, Sonntag, den 14. STovcniber, nachm. 3 L'hr: Vorstellung für die II. Abthcilnng im Friedrich-Wilhelm- städtischen Theater. Zur Auffuhrung gelangt:.,Seln Jubiläum", Bild aus dem Handwerkerleben in 1 Akt von E. P r e c z a n g.„Die Fahnenweihe". Komödie in 3 Akten von Joseph Rüderer. Eine offene Kasse findet nicht statt. Nene Mitglieder können nur noch für die IV. Ab» theilnng nnfgenomnieii werden.— Die Mitglieder sind nur berechtigt, die Vorätellung ihrer Abtheilung zu besuchen. Nachzügler aus anderen Abtheilungen können, soweit es der Raum gestattet, mir einen Stellplatz erhalten. NDT Die Vorstellung der Iii Abthcilnng mnss wegen des Bnsstags auf den 38. bfoveinber, die der IV. auf den 5. Dezember verschoben werden. Billets zum Winterfest sind in allen Zahlstellen zum Preise von. 30 Pf. zu haben. Da nur eine beschränkte Anzahl Billets ausgegeben werden, empfehlen wir den Mitgliedern, sich baldigst mit solchen zu versehen. 299/11 Der Vorstand. I. A.: G-. Winkler. Verein deutscher Schuhmacher. am piT Versaiiunltmg'en"WA yJJoufaij, den 15. November, abends 8'- Ulir. Zahlstelle 1 bei Roell, Straußbergerftr 3: Vortrag des Genossen Miliarg über das Uufallversicherungsgejetz. Zahlstelle II bei I.ange, Dragonerstr. 15: Vortrag. Zahlstelle III bei Müller, JohanniSstr- 20. Vortragd. Gen. Iah». Zahlstelle IV bei Holl, Adalbertstr. 21: Vortrag. 286/11 Zahlstelle V(Schäitebr.) b. SchiUer, Roieathalerstr. 57. Bortr. Zahlstelle Friedrichsberg bei Fachs, Frankfurter Allee 49. Zahlstelle Schöneberg bei Obst, Grunewaldstr. 110, Stellung- »ahme zur Entlassung deS Kollegen Windhoff von der Firma Rosenthal u. Groß. Um zahlreichen Besuch bitten_ Die Vevolliiiächtigte». Altztuilg! Äkillmiß! Zimmerer! Dienstag, den 16. November, abends 8 Uhr, bei Vttinmev» Berlinerstr. 55: Vlevsammlung für Rixdors und Umgegend. Tages-Ordnung: I. Der Angriff der Baugewerksmeister aus das Koalitionsrecht der Arbeiker. Referent: Kamerad Kube, Charlottenburg. 2. Die Nothivendtg- keit der Platzdeputirten bei unseren Lohnbeiveginigen. 3. Bericht des Dete- girten vom Gnoerkschastskartell. 4. Verschiedenes. 278/11_ Der Vertranensniann. Verband der Graveure, Ciselenre ze. (Zahlstelle Berlin.) Dienstag, den iL. Noveinver, abends 8Vz Uhr. Ornnienhailen, Lranienstrasie 51:. M/Il Uerfammlnng. Tagesordnung: I. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn Dr. Hanl Hernstein über:„Geisteskrankheiten." 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktl. Erscheinen ersucht Die OrtSverwaltnug. Ackfnngl Achtung! Zinkgietzer und Stürzer. Dienstag, de» iL. Siovember er., abends 8Vz llhr. im Lokale de» Herr» Scbnniaeher, Pücklerstrafte Nr. 49: Wentliche keiierall'tchiiimllillg des Vereins zur Wahrung der zntereffen der Zinkgießer und Ttürzer Berl. u. Wm. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Ersatzwahl des Vorstandes. 3. Geiverkschaftliches. 4s Verschiedenes Um zahlreiches uild pünktliches Erscheinen ersucht 280/5 Der Vorstand. Sonntag, den 14. November 1897, mittags 13 llhr, im Lokale des Herr» Gürseb, Frankfurter Zlllee 174: Oeffentl, Volksversammlung für den Kreis Niederbarnim. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Slbgeordneten Arthur Stadthagen: „?ln's Vaterland, an s thenre, schlief! dich an." 2. Dislussion. 3. Wahl zweier Mitglieder zur Preß-Kommission. 4. Berichterstattung und Wahl des Vertrauensmanns für Friedrichsberg. 5. Wahl der Revisoren. 6. Wahl der Lokal-Kommission.— Zur Deckung der Unkosten 10 Ps. Entres. Recht zahlreiches und pünltliches Ersd»ci»en cnvarlet 224/7 Der Vertranensniann. SixxftxtXl Goldene 61 Oranienstrasse 61, Ecke Moritzplatz I. Etage. Lager fertiger Herren- und Knaben-Garderobe Eigene Werkstatt im Hause.— Anfertigung nach Maass ohne Ppeiserhöhung. Burschen Anzttg« von 9 ET. an Bnrsohen Paletots von 8 M. an Knaben-Anzttge von 2,7! M. an FUr(adellosen Sitz, gute Stoffe und reelle Arbeit trage ich Sorge. IMP* Da die grosse Lndeninlethe erspart wird, bin ich billiger wie Jede Konkurrenz. Kein Gaden!|| Herren-Paletots von 10 H. an Herren-Anztlsa von 12 M. an Herren-Hosen * von 3,50 M. an „Ält'-Berlin", am Molken markt, Molkenstrasse 12. Empfehle mein Weist- und Bairisch-Bier-Lokal nebst Vereinszimmer. Großer Frühstücks-, Mittags- und Abendtisch. Jeden Montag: Schlachtfest. Vormittags: Wellfleisch, nachmittags: frische Wurst,»vozu ergebenst einladet steriiisell bStloer. Alls» Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, daß unsere rurige Mittheiluug, daß unsei ernzige Tochter EmUlv WüriÜR out Donnerstag, den 11. 6. ÜJS, adends 9»'2 Uhr, int Alter von 6'/, Jahren plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. d. M., nachmittags 3 Uhr von der Halle de» EmmauS-Kirchhofes ans statt. Um stilles Beileid bitten die traurigen Eltern Karl Würdig u. Frau, ISöbb Eärlitzerstr. 60. I>ciit*cher Melaliarbeiier-Verband. (Verwaltungsstelle Berlin). Todes-Anzeige. Am Donnerstag, den 11. November, starb unier langjähriges Mitglied, der GicbereiiArbeitcr •Albort Harkns. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Novbr., Nachm. 1 Uhr, von der Leichenhalle der Charitee auS nach dem ThomaS-Kirchyof, Rirdors, Hermanlistraße statt. 192/18 Uni zahlreiche Bctheiliguna ersucht Tic Lrtsvcrwaltiiug. Ztiitrlll-K'Iilkeil-«. ä fülle der Tischler m. anderer gewerblicher Arbeiter. l Voi'«'«!!tiinLe IZerllii iE.) Montag, den 15. Ztov., abends 8 Uhr, bei Bergcman», Pasewalkerstr. 3: Mitglitder-VtrsüMüllililg. Tages-Ordnnng: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 18V7. 2. Vortrag eines ArzteS. 3. Wahl von Beitragssammlern. 4. Innere Kassen- angelegenheiten. Sprechstunde findet an diesem Abend nicht statt.— Mitgliedsbuch legitiuiirt. Zahlreichen Besuch erwartet 1835b Die Qrtsverwaltung. LrtS-KrüllktMe her Schuhmacher und verw. Gewerbe zu Berlin. Dienstag, den 18. d. M., finden im Lokale Alexanderstr. 27o(„Engl. Garten") folgende 288/10 Bersantmlttugen statt: a) abends? Uhr: 0 vi � Sonntag im prachtvollen Spiegelsaal: Gr. Festball. Anfang 4 Uhr, Ende 2 Uhr. Gr. Horn- und Streichmusik. Beide Säle zu Hochzeiten, Veretnsfestlichleiten u. Versammlungen z. verg. Die Restaurationsräume stehen Sonntags den geehrten Familien zur Verfügung. Große und kleine Vercinszimmer sind noch frei. 3. Weihnachtstag und Sylvester-Abend sind die beiden Säle mi Vereine zu vergeben._ Reinhold Streit, aavauuwaui wa«y empfiehlt fem rcuovirtes Weiß- und BairAiiier-Lokal. FamSS��' —»MB Mehrere Bereinszimmer stehen zur Verfügung. kohsrt Zedeere, Restaurant» S ä» g e r h e i m «. Blumen-Strafie 58.[* Telephon: Amt VU Nr. 3760. Arbeitsnachweis der Möbelpolirer, Brauer, Brauerei-Hilfsarbciter. Zahlstelle des Verbandes der Holzarbeiter, Metallarbeiter, Buchbinder, Maler, der Orts-Krankenkasse der Möbelpolirer, der Zentral- Kranlenkasscn der Schuhmacher, Maler, Gold- und Silbcrarbeiter, Buchbinder und des Wahlvercins des 4. Berliner RcichStags-Wahlkreises(Osten). Gust. Lindenhayn,*;�'""2 empfiehlt seinen gl'OSSCll Saal und große Xcben- rünme den geehrten Parteigenosse». Wmus. HNIKUS! M Mdkblllht! du gitbt's am Bußtau Lrl««!»« HVnA'st Z wozu ergebenst einladet HV. Magdcbnri;, 0$$ 1SV3 Vereinsbrauerei-ÄusschaDk Rixdorf Herrlicher Garten und grosse Säl«. 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Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Ht. 267. 14. Inljtptig. cilU Ks JonW Knlim UMIM Sollllkg. 14. IlfllitllilW 1897. Das Schulwesen und der KleriKaUsmus in Frankreich. Paris, 10. November 1897. Neber den Bankrott der religionslosen Volksschulen in Frank- reich" leitartikell die„Märkische Volkszeilung" in der Nummer 253. (Wir übersandten unserm französischen Korrespondenten den be- ireffenden Artikel. D. Ned.) Der soeben erschienene Bericht der Budgetkommission der französischen Kammer über das Untcrrichtsbudget für 1893, der sich selbstverständlich auf amtliche Zahlen stützt, zeigt, daß die fromme Zeitung ihr Zahlenmaterial aus bedenklich trüben Quellen geschöpsl habe» muß, und keineswegs— wie sie vorgiebl— aus der„amtlichen Statistik". Die gottlosen und Verbrecher züchtenden Staatxschulen sollen „jedes Jahr durchschnittlich 40 000 Kinder verlieren"! So behauptet die genannte Zeitung. Die Wahrheil ist, daß, wie der Berichterstatter der Budgetkommission konstatirt, die durch das Obligatorium und die Unentgeltlichkeit des Unterrichts bedingte rasche und fort- schreitende Vermehrung der Schülerzahl erst seit 1891 einer kleinen Abnahme Platz zu machen begonnen hat, und zwar sowohl in den weltlichen wie in den katholische» Ordensschulen. Die Ursache davon ist der stationäre Zustand der Bcvölkerungs- zahl bczw. die'Abnahme der Geburtenzahl. Von 1891— I8ls5 ist die gesammte Schülerznhl um 16 000 Einheiten gesunken. 1895—1896 um weitere 6584 Einheiten. Ferner vergleicht der Berichterstatter die Bewegung der Schülerzahl der vier Primarschul-Gruppen(welt- liche öffentliche, weltliche private, öffentliche und private Ordens- schulen) in den Schuljahren 1394—1395 und 1895—1396. Sehen wir nun, wie es sich mit dem„durchschnittlichen Jahresverlust von 40 000 Kindern" verhält.. Der G e s a mm t v e rl n st von 6584 Schülern— 5 533 511 anstatt 5 540 095— trifft die beiden weltlichen Schul- grnppe» mit 1434 Einheiten, wahrend die beiden Gruppe» der Ordensschulen 5150 verlieren. Noch bezeichnender ist die Analyse der Schülerzahlen-Beweguug in jeder einzelnen Gruppe. Die öffentlichen weltlichen Schnle» haben ihre Schülerzahl von 3 764 746 ans 3 768 650, d. h. u m 3904 v e r- mehrt, während die privaten weltlichen Schulen von 135 494 auf 130 156 zurückgegangen sind, macht einen Verlust von 5333 Schüler n. Andererseits haben die öffentlichen Ordensschulen einen Verlust von 19 583 Schülern aufzuweisen(431 077 anstatt 450 665), während die privaten O r d e n s s ch u l e n eine Zunahme von 14 433 Schülern ausweisen(1 203 623 anstatt 1 139 190). Diese Zahlenreihe» zeigen uns zweierlei: I. die seit Jahren aus arund der Schulgesetze regelmäßig fortschreiteude Verweltlichung der Ordensschuleu(daher die Zunahme der Schülerzahl in den öffenll ichen religionslosen Schulen, trotz der Abnahme der ge- sammten Schülerzahl); 2. die in den letzten Jahren immer stärker hervortretende Frömmigkeitsheuchelei der Bourgeoisie und der von ihr abhängenden kleinbürgerlichen Existenzen— daher die Zunahme der Schülerzahl in den privaten, d. h. Schulgeld verlangenden, Ordensschulen bei gleichzeitiger Abnahme der Schülerzahl in den privaten iveltlicheu Schulen. Die Vermehrung der privaten Ordensschulen ist das Kampfmittel des Klerus gegen die gesetzlich fortschreitende Verweltlichung der öffentlichen Ordens- schulen. In de» angeführten beiden Schuljahren hat jedoch der Klerus dadurch den Schaden mir etwa zu drei Vierteln wettzumachen vermocht: ein Verlust voll 19 533 gegen einen Gewinn von 14 433 Schülern. Daß die überhand nehmende Frömmigkeits- Heuchelei der herrschenden Klaffe, die bei der Kirche Rettung vor der ansteigenden sozialistischen Fluth sucht, die entscheidende,>vo nicht ausschließliche Ursache der Vermehrung der Schülerzahl in den klerikalen privaten Primarschulen, erhellt ans der amtlichen Statistik über die Mittelschulen. Hier kommt die Tendenz seit Jahren naturgemäß in weit ausgeprägterer Weise zur Gellung, da die Mittelschulen für die Bourgeoisie bestimmt sind. Schon im vorjährigen Bericht der Budgetkommission, wurde das fortwährende Steigen der Schülerzahl in den klerikale» Mittelschulen, und zwar ans Kosten der staatlichen Mittelschulen konstatirt Der diesjährige Bericht stellt dieselbe Erscheinung für die Jahre 1896 und 1397 fest. Während die staatlichen Mittelschulen einen Rückgang von 675 Schülern aufweisen(34 839, anstatt 85 514), verzeichnen die klerikalen I Mittelschulen einen Gewinn von 4326 Schülern(84 569 anstatt 80 243), so im Läufe der letzte» Jahre die staatlichen Mittelschulen nahezu einholend. Desgleichen haben die private» weltlichen Mittelschulen, in denen zum theil die staatlichen Lehrer Unterricht geben, einen Verlust von 786 Schülern erlitte»(12 313 an- statt 13 599). Und das alles, trotzdem die Ueberlegenheit des welt. lichen Unterrichts unzweifelhaft feststeht, was objektiv in den Ergebnissen der Zulassungsprüfungen in die sechs bedeutendsten Hoch- schulen alljährlich zum Ausdruck kommt. Nach alledem erübrigt sich eigentlich jedes Wort über den abgedroschenen klerikal-reaktionären Einfall der„Märkischen Volks- zcituug", die„Entchristlichung" der Volksschulen in ursächlichen Zu- sammenhang mit der Zunahme der Zahl der jugendlichen Verbrecher zu bringen. Wir wollen uns jedoch nicht versagen, de» im besten Falle veralteten Zahlen ihres Gewährsmannes, eines angeblich„uu- gläubigen" Advokaten, namens Bouzon, den Bericht des Justiz- Ministeriums über die Verbrechenstatistik für 1395 entgegenzustellen (erschienen im„Journal Ofsiciel" vom 9. November 1397). Nach Bouzon bezw. nach der„Märkischen Volkszeitung" soll binnen zehn Jahre»(welche Jahre?) die Zahl der jugendlichen Verbrecher im Alter von 7 bis 16 Jahren von 5305 auf 7148 gestiegen sein. Im amtlichen Bericht heißt es dagegen über dieselbe Verbrecherkategorie:„Wir freuen uns, eine erhebliche Verminderung sowohl der Durchschnittszahl, wie der schweren Kriminalität der Minderjährigen konstalire» zu können. Diese Verbesserung betrifft nicht nur die angeklagten Minderjährigen bis zu 16 Jahren, deren Zahl sich gar nicht verändert und bisher nur eine schwache Tendenz zur Vermehrung zeigte, sonder» auch die Angeklagten im Alter von 16 bis 21 Jahren.. Das bezieht sich aus die den Znchtpolizeigerichten unterstehenden Verbrechen und Vergehen, lieber die dem Schwurgericht unter- stehenden jugendlichen Verbrecher unter 16 Jahren heißt es, daß deren Zahl„seit lang e.rn. nahezu st a t i o n ä r blieb" und im Jahre 1395 einen„Rückgang" aufweist, indem sie seit 1390 von 35 auf 25 gesunken ist. Einige weitere„llngenanigkeiten" in Zahlen und Thatsachen wollen wir dem frommen Blatte schenken. Vorstehendes zeigt zur genüge, daß der Artikel der„Märkischen Volkszeitung" in die Kategorie der„frommen Lügen" gehört. Für den Inhalt der Inserate iibcruimiut die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Vcrantwortiittg. M he ater. Sonntag, den 14. November. Freie Bolksbühne(Fried.-Wilhelm- slädtisches Theater). 2. Abrheilung. - Die Fahnenweihe. Vorher: Sein Jubiläum. Anfang 3 Uhr. Opernhaus. Aida. Ans. 7i/zUhr. Montag: Der Ring des Nibelüngen. 1. Abend i�Das Rheingold. Trhanspielhans. Das neue Weib. Anfang 7Vz Uhr. Montag: 1812. Deutsches. Jngendfreunde. Anfang 7'/- Uhr. Nachm. 2lli Uhr: Hamlet. Montag: Mutter Erde. Berliner. In Behandlung. An- fang 7V- Uhr. Nachm. 2V„ Uhr: Kaiser Heinrich. Montag: Der Pfarrer von Kirch- seid. Goethe. Die Jungftau von Orleans. Anfang 7Vz Uhr. Nachm. 3 Uhr: Das vierte Gebot. Montag: Der Salontiroler. Lessing. Hans Huckebein. Anfang 7-/„ Uhr. Nachm. 3 Uhr: Zwei Wappen. Montag: Hans Huckebein. Neues. Aschermittwoch. Borher: Lieb' im Spiel. Anfang 7l/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: Aschermittwoch. Vorher: Lieb' nn Spiel. Nesidenz. Die vierte Dimension. Vorher: Finale. Anfang 7c/, Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Einberufung. Montag: Die vierte Dimension. Vorher: Finale. Schiller. Die Räuber. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Kreuzelschrcibcr. Montag: Wallcnstein's Lager. Die Piccolounni. Unter den Linde». Die Groß- Herzogin von Gerolstein. Anfang 7V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Die Grohherzogin von Gerolstein. Luise». Das alte Lied. Anfang 71/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Das alte Lied. Thalia. Die Drillingömntter. Vor- her:.DaS Wetterhäuschen. An- fang 7i/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ostend. Am Altar. Anfang Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Geistcrglocke. 'Mautag: Lieder des Musikauten. Eenlral. Berliner Fahrten. Anfang TV- Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- SvilhelmsindkischeS. Die Königstochter als Bettlerin oder: Die Schule des Lebens. Moistag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Allianee. Die Glocke. Wallen- stein's Lager. Anfang 7V- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Familie Horner. Montag: Die Brautfahrt. SUerandcrplah. Im Sumpf. Auf. 7 V, Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kinder-Vorstellung. Hansel und Gretel. Montag: Im Sumpf. Neichöhallen. Spezialitäle». Au- sang 8 Uhr. AinerZcan. Berlin, wle's näht und trennt. Anfang 8 Uhr. Slpollo. Spezialitäten. Auf. 7>/, Uhr. Fccu-Palnst. Spezialitäten. Concerthaws I/e i p:r,l gci'tttr.lV«.4W. iGJF- Täglich:"A« Hoffiiiann's Quartett »Nd Huinoris�en. Wllfilidl* Sonntag 7 Uhr., 21 11!» 11}!» Wochen». SUfiv* Hansell vorn Jinllct. 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Böegen Aufgabe des Geschäfts stelle� ich von hente ab«ei« großes Lager in nalkte««ud getleidemg der ersten Klaffe der 198, Königlich Preüßüche» Klasien-llotierie beginnt am 11. Jannar 1898. G & B\ iS m Um auch dem entfernt wohnenden Publikum Gelegenheit zu geben, sich von der Güte und Billigkeit unserer Schnhwaaren, für deren beste Halt- barkeit wir die denkbar grtzstte Garantie leisten, zu überzeugen, haben wir uns ciitschioffen, einem jeden Känfer, sobald er sich auf dieseZcitung bezieht, neben unseren streng festen aber billigen Preisen,*die saus jedem Gegenstand deutlich in Zahlen ver- merkt sind, wenn der Einkauf noch im Lause dieses Monats dewirkt wird, solgeilhc Vergüllsiiguilgell zil Zurnrkerstattnttg der Fahrt für Stadt- und Pferdebahn, außerdem 50/0 ISsalmtt ans sämmtliche Schnhwaaren. Veranttvoi-tlicher viehattenr: Ang-st Jacobe« in Berti«..%*t i*u SchfewteniheU« Th. Glnche i«. Berlin.. Bruck und Verlag von Max Bading in Berlin. !67. 14. mm. 4. Killlge des Jorniärts" Sttlmer WldsdIM. s"u"«s.u.»«--ttl8S7. tu den Stud/oerordttefen-LvÄhlen in Chnesokteubueg. Nachstehend vervffe»!licheii wir eine genaue Ueberstcht der Wahl- bewirke mit ihren Unterabtheilunge» und Wahllokalen. Jedem Wähler der drille» Ablheilnng wird hieraus ersichtlich sei», wo und wen er zu wählen hat. Es gilt einen Sturm auf die Burgen des Freinnns und der Konservativen, und mit ganzer Kraftanstrengung habe» die Wähler zn zeigen, daß es ihnen ernst ist mit einem Protest gegen die Heuligen kommnnalen Zustände! Was näher über unser Programm zu sagen ist, findet sich in dem Flugblatte, das am heutigen Sonntag in Charloltenburg verbreitet wird. Tie Wahl findet Dienstag, den IL. November 1897, von vormittags 10 Uhr bis abends 7 Uhr ununterbrochen statt. I. Sommnual- Wahlbezirk, Unterabtheilung A. Ahorn-, Akazien- Bitleu-, Ebereschen-, Eichen-, Eschen-Allee, Forsthaus Westend, Neuer �iirstenbrrinuer Weg, Furstenbrunn, Kastanien-, Kirschen-Allee, Kirch- platz Westend, Kvingsplay, Linden-Allee, Luiien-Kirchhöfe kalter und neuer), Nntzbanm-, Platanen-, Rüstern-Allee, Spandauer Berg, Spandauer Chaussee, Spreethal-Allee, Straßen 32, 36- V- 3, Ulmen-Allee, Bahnhof Westend, Am Bahnhof Westend, Friedrich Carl-Platz, Garde du Corpsstrabe, Sophie Cyarloltcnstr. 1-2Zir und 101-115ff, Spandauerftrabe, Straße 26a-V-3. Wahllokal: Restaurant Moritz, Ahorn-Allee 1. ll n t e r a b t h e i I u n g B. Christstraße, Danckelmannstr. 1—9 u. SS— 61, Nehrmgstr. 1-6 u. 36-34, Sophie Eharlottenstr 24-33 u. 89-100, Jäger- t trabe, Kaiser Friedrichstr. 1-6 u. 102-106, Luisen-Platz 5, Magazinstraße, tlZrangcnstraße, Potsdainerstr. 1-6 u. 42-47, Scharrenstr. 8-13, Königl. Schloß� und Schloßgarten, Schloßstr, 1-26 n. 49-69, Stallstrabe. Wahllokal: Restaurant Sonncnseld, Friedrich Carl-Platz K. Kandidat: Maler Ernst Baumau». 2. Kommunal-Wahlbezirk: Unterabtheilung 74. Danckelmann- straße 10—17 und 44— 61a, Ztehringstr. 7—15, Potsdamcrftr. 6—41, Sophie trharlottenstr. 34-43 und 79-88, Danckelmamistrv 18-43, Horstweg, Kaut- s.traße 76-93, KnobclSdorfstraße, Köntgslveg, Platz 0- V- 3, Schloß- »r �«Ik? � 4 1 CV*___< ft c,... r../ r** x r.-».-v ,x.—-—•—- ■ traßcn 19a, lub und 21— V— 3, Witzleben. Wahllokal: Restaurant Schützenhaus, Sophie Charlotten- ra,!e 55/50. Unterabtheilung B. Berlinerstr. 87d-90, Bismarckstr, 39-80, rüiiftr. 5-25, Kaiser Friedrichstr. 7-30 und 71-101, Kanalstr. 6-14, 1 rch-Platz, Kirchstrabe, Scharrenstr. 4-7 und 14-16. Schulstr. 1-5 und 1-19, Straßen 7a, 12o, 12-1 und 14a- V- 3, Wallstr. 34-66, Berlinerst raste 91-94a, Grünstr. 1-4 und 26-30, Kanalstr. 1-4 und 16-16, S scharrenstr. 1-3 und 17-20, Sckulstr. 6-17, Sprcestr. 4-15a, Wilhelms- Pilatz 2—4, Wilincrsdorferstr. 7—28 und 148—165. Wahllokal: Logen-Restaurant, Kaiser Friedrichstr. 87. Kandidat: Schaulwirth Albert Leder. 3. Kommunal- Wahlbezirk: Untcrabtheilung A. Bahnhof Jungfernhaide, Keplersiraße, Königsdamin, Krumnielanke, Nonnendamm, Ztonnenwiese, Osnabrüikerstraße, Riedeuianns-Weg, Am Spandauer Schiff- sahrts-Kanal, Straßen 6, 9, 12, 42, 58 und 63— VI, Tauroggcnerftraße, Tegeler Weg, Beuffelftr. 77—90, Gaußstraße, Habsburger User, Huttenstrabe, Kaiserin Augusta-Allee, Sickingenstrabe, Straßen 15, 20, 21, 23, 24»nd 40— Vl, Wiebestraße, Berlinerstr. 51—87«, Brauhofstraße, Kirchhofstraße, Lützow, Lützoioerstraße, Luisen-Platz 1—4, Spreestr. 1—3« und 83—44, Ufer- strafte, Straßen 1, 1a, 1b— V— 2, Wilhelm-Platz 1 und 1a, WilmerSdorfer- straße 1—6 und 166—170, Bahnhof Thiergarten, Berlinerstr. 1—10, Dave- Brücke, Dovestraße, Englifchestraße, Franklinstraße, Helmholtzstraße, Salz-Ufer, Straßen 14, 16a— V— 2, Thiergartenmühle. Wahllokal: Logen-Reiraurant, Berlinerstr. 01. Unterabtheilung B. Berlinerstr. 11—50, Cauerstraße, Charlottenburger User, Marchstrabe, Rosinenstraße, Sophienstraße, Straßen 4, 5 und 6a— V— 2, Berlinerstr. 112—127, Bismarckstr. 17—30, Krummestr. 73—93, Wallstr. 1-19 und 84—103. Wahllokal: Restaurant„Ganibrinus", Wallstr. 94. Kandidat: Zigarrenhändler August Sellin. 4. Komninnal- Wahlbezirk: Untcrabtheilung A. Kaiser Friedrichstr. 31— 45a und 61b— 76, Rückertstr., Schillerstr. 45—84, Wilmers dorferstr. 38a— 56 und 118—136. Wahllokal: Restaurant«Zur Glocke�, Rückertstr. 7. Unterabtheilung B. Kaiser Friedrichstr. 45b— 61a, Kantstr. 56b bis 75 und 93a— lila, Pestalozzistr. 33—76, Wilmersdorferstr. 57— 66a und 108—117, Stadtbahnhof Charlottenburg, Stuttgarter Platz, Straße 17b bis V— 3 zwischen Wilmersdorferstraße und Straße Iba— V— 3, Wilmersdorfer- straße 67—107». Wahllokal:„Kaiser-Restaurant", Kaiser Friedrichstr. 01a. Kandidaten: Spediteur Gustav Scharnberg. Schlossermeister Otto Siegerist. 5. Kommunal- Wahlbezirk i Unterabtheilung A. Berliner- straßc 95—111, Bismarckstr. 31—38, Krummestr. 1—22, Spreestr. 16—32, Wallstr. 20- 33 und 67-83, Wilmersdorferstr. 29-38 und 137-147, Bismarckstr. 81—111, Krummestr. 23—36 und 59—72, Schillerstr. 20—44 und 85—107, Straße 6a— V— 3, Weimarerstr. 1—29 und 34—50. Wahllokal: Restaurant Höhne, Bismarckstr. i>0. Unterabtheilung B. Goethesir. 18—64, Kantstr. 39—56» und 112—130, Krummestr. 37—58, Pestalozzistr. 17—32 lind 77—92, Platz A bis V— 3, Straßen 1— V— 1(zwischen Leibniz- und Wilmersdorferstr.), 17«— V— 3 Weimarerstr. 30—33. Wahllokal: Restaurant„Weimarer Hof", Gocthestr. 35. Kandidat: Schlossermeister Otto Siegerist. 0. Kommunal-Wahlbezirk: Unter ab thcilung A. Berliner- straße 128—151, Bismarckstr. 1—16 und 112—127, Grolmannstr. 1—6 und 68—72, Hardenbergstr. 1—5 und 37—42, Kurfürsten-Allee zwischen Knie und der Königl. Baumschule, Leibnizstr. 1—15» und 78—93, Schillerstr. 1—19 und 108—127, Goethestr. 5—17 und 65—83, Grolmannstr. 7—25 und 49—67, Herderstraße, Leibnizstr. 16—25 und 66— 77, Schlüterstr. 1—15 und 67—78. Wahllokal: Restaurant„Hippodrom", Hardenbergstr. 43. Unterabtheilung B. Kantstr. 22—38 und 131—145, Kurfürsten- dämm 40—73, 79— 81 und 170—199, Leibnizstr. 26—65, Lietzenburgerstraße, zwischen Straße 12a— V—1 und KnesebeMaße, Pestalozzistr. 1—16 und 93-106, Schlüterstr. 16-66, Straße k-V-l(zwischen Knesebeck- und Leibnizstraße), Straße IIa— V— 1, Wiclandstraßc, Bahnhos Zoolog. Garten, Carmerstraße, Fasanenstr. 1—19 und 106—112, Goethestr. 1—4 und 84—87, Hardenbergstr. 6—26 und 30—36, Joachimsthalerstr. 1—4 und 43— 44, Kant- straße 5—21, Knesebeckstr. 1—24 und 33—100, Kurfürsten-Allee zwischen der Königl. Baumschul« und Bahnhof Zoolog. Garte», Savigny-Platz 3—10, Stein-Platz, Uhlandstr, 1—11 und 190—197, Fasanenstr. 20—105, ausschließ- ltch 42- 84, Grolmannstr. 26-43, Joachimsthalerstr 5-42, Kantstr. 146 bis 161, Knesebeckstr. 25—82, Kurfürstendamin 18—39 und 200—226, Savignh-Platz 1-2 und 11-13, Uhlandstr. 12-37 und 165-139. Wahllokal: Restaurant Dorn, Kantstr. 140, Ecke des Savigny- Platzes. Kanditaten: Maler Ernst Baumanu, Sckiankwirth Ferd. Pasche, Geschäfisdiener Max Prill, Spediteur Gustav Schorn- berg. 7. Kommunal-Wahlbezirk. Untcrabtheilung�.: Augsburger straße 35— 64, Auguste Viktoria- Platz, Eislebenerstraße, Hardenbergstr. 27 bis 29, Kantstr. 1-4 und 162-169, Kurfllrstendamm 10-17 und 227-245, Mnrburgerstraße, Rankcstr. 1—16 und 20—36, Tauentzienstr. 10—15, Ans- bacherstr. 1-11 und 49-58, Bayreutherstr. 1-7 und 25- 34, Kurfürsten- straße 97—108», Nürnbergerstr. 1—11 und 00—69» Tauentzienstr. 1—9 und 16-24, Wittenberg-Platz 4 und 5, Ansbacherstr. 12-48, Augsburgerstr. 13 bis 34 und 73—82, Bayreutherstr. 8—24, Nürnbergerstr. 12—24» und 49 bis 59, Paffauerstr. 1—11 und 22—43, Wittenberg-Platz 1—3 a. Wahllokal: Restaurant„Zum Tauentzien", Tauentzienstr. 18. Unterabtheilung B: Kleiststraße 7—22, Kurfürstenstraße 109—123, Lutherstr. 1—11 und 44— 53, Nettclbcckstraße, Augsburgerstr. 1—17 und 83 bis 100, Kalkreuthstrabe, Kleiststr. 23-35, Lutherstr. 12-43, Wormserstraßc, Ahornstrabe, Caurbiörestraße, Eisenacherstr. 1—8 und 72—80, Kielganstraße, Kleiststr. 1-6 und 36-43, Kurfürsteiistr. 124-137, Maaßenstraße, Maien- straße, Motzstraße, Nollendorf-Platz. Wahllokal: Restaurant„Hackervräu", Kleiftftrafte 18. Ecke Nettelbeckstraße. Kandidat: Maler Wilhelm Meissner. Wahlberechtigt ist jeder Preuße, der ein Jahr am Orte wohnt, das 24. Lebensjahr vollendet und im Besitze der bürgerlichen Ehren- rechte sich befindet. Wer keine amtliche Einladung erhalten, versehe sich mit Legiti- mation(Steucrquittung, Miethskonlrakt oder Jnvalidenkarte».). Wir ersuchen ferner, die Mittagsstunde auszunützen, damit abends der Andrang nicht zu stark wird. Wer bis 7 Uhr nicht ge- wählt hat, geht seiner Stimme verlustig. .Wr ersuchen die Wähler dringend, zur Hanptwahl zu gehen und sich nicht ans die Stichwahl zu verlassen. Jede Dame spart Geld beim Einkauf von lDsnienmimteln, Winteijackets, hocheleg. Ifodelle in Kragen, Capes, Stickerelen auf tWJBSIWT Seldenplfisch, Federkrimmer, Seal von 5—45. Abendmbntel auf Seide wattirt, mit --— i echten Stranßsedcrn, Pe-zvewtzcn->:tO. StolT-Abend- nibntel. jp�'C-elegenhelts- kanf'tzKU 8 Mk., Kragen, - Capes von 8— 10 Mk. LantlsbergBi'str.öStei�Xa. Boi�the Eppiche!! Vortlören!! Gardinen!! Steppdecken!! erstaunlich billig. Teppich-Hans EmllLefövre.WiiiS Oramenstr. 158. Prachtkatalog mit bnutsarbige» Teppich- Jllusieatioiieu. sowie zirka 200 Gardinen- und Portioren-Abbil- düngen in künstlerischer Aus- führnng ans Wunsch gratis und franko!"94� 29942* GrUsstes Teppichlians Itcrlins. Vtßt Vrotschneide! Ken! Preis Mk. 4,50. Ken! Zum Zum Patent an- AM �ange-"� gemeldet! meldet! 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Das„Gesetz wider den unlantercn Wettbewerb" hat in dieser Hinsicht wenig geändert, denn in allen Stadtgegcnden, besonders aber im Süd-Osten, liest man nach wie vor derartige Ankündigunaen, die schon jahrelang vor sich gehen und so lange nndanern, als— Pardon— die Dummen nicht alle werden. Lenke, die auf derartige scknvindelhafte An- preisiingcn hineinfallen, machen nach sehr kurzer Zeit die trübe Erfahrung, daß sie die anS verlegener und Ramfchwaare bestehenden Gegen- stände mit dem so„fabelhast billig" erschtilttuden stanspreis weit über ihren wirllichen Werth bezahlt haben. Wer sich daher vor Schaden bewahren will und aus wirklich r e e l l e B c d i e n n n g Anspruch macht, meide solche Geschäfte und besorge seine E i n k ä u s e nur bei solide» Firmen, denn die Preise sind angesichts des hentiae»,«sl fast schmutzig zu nennenden Konkurrenzkampfes i in c i g e n e n Interesse aufs billigste gestellt. Gestützt ans den langjährigen guten Ruf meines Hauses,— eine Folge der gewissenhasten Bedienung meiner weitverbreiteten Kundschaft— darf auch ich getrost mein Geschäft zu den bestrenommirtesten der Herren- nnd Kimden-Garderoben- Branche am hiesigen Platze zählen,, Die Besichtigung meines reichsortirten Lagers in fertigen Anzügen, Paletots, Mänteln w, ist auch Nichtkäiiscrn gern gestattet und besonders jetzt nach Eingang der Ren heilen für die Wintersaifon sehr zn empfehlen. Einige der recht geichmackvolleu Muster sind in meinen 5 groben S ch a n s e n st er» ausgestellt. Die Preise sind streng soft, an iedem Gegenstand dcntl(ch„in Z.ahlcn ver.mcrkt und in anbetracht der� vorzüglichen Qualität der Stoffe und besseren A-nsführung billiger als wie sie die sogenannten Rellainegeschäste zu bieten ini stände.sind. An- fertig» n gen nach M a a ß werden f ne i g en c r W e r k st a t t nnd i n kü r z e st e r Z e i t, wenn nöthig schon innerhalb 12 Stunden ausgeführt; für tadellosen Sitz der Kleidungsstücke leiste ick, G a r a» t i e, Zwecks ungenirter tzlnprobc sind Ankleide-Kabinets vorhanden. Ich habe das Bewußtsein, auch den verwöhntesten Ansprüchen in jeder Weise genügen zn können nnd richte daher an das geehrte Publikum das Ersuchen, bevor es seinen Bcdgrs äüderweittg deckt, sich von der Wahrheit meiner Offerte zu überzeugen, 3188L' .Amt VII Nr. 1166, Hochachtungsvoll: CarlZobel, �m»: M. Knaben-Mtll, S%deUtt«dHÄ*e.181' Ttltpho»: Gegen Erkältung. Gicht nnd Rheumatismus. Tjoh-Tanntn-, Hcisstrockcnliift-»ad Dainpfkastenbilder mit Verpackung, Massage.[29968* � Ritter-Bad, Bad Frankfurt, � 18 Ritlevstr. 18(Ecke Prinzeitstr.) 136 Gr. Frankfnrtcrstr. 136. Bäberliefernng für sämmtkiche Krankenkasse» Berlins nnb Nmgegenb. Afr** Atnlk Afr M!jL di e_Minute. 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