Frauenstimme S i Rr.».4s.I«chrg� Beilage zum Vorwärks!-ls. April 1S2S Einst und jetzt. Zum ersten Male war ich in einer richtigen, politischen Versammlung. Der Saal in den alten Arminhallen in der Kommandantenstraße war gut besetzt mit Männern. An der Seite war ein Streifen mit Stricken abgeteilt, dahinter saßen wir Frauen und Mädchen, ein paar Dutzend. Ich war 20 Jahre alt und seit drei Iahren in Berlin. Es war damals nicht leichter als heute für ein 17jähriges Mädel mit Dorfschulbil- dung und starken geistigen Interessen, sich in der Weltstadt festen Boden und einen befriedigenden Beruf zu er- ringen. So waren die ersten Jahre in hartem Kampfe ums tägliche Brot und in unermüdlichem Lernen oer- gangen. Nur um die Berufsfragen hatte ich mich nebenher gekümmert. denn die deutschnationalen Hand- lungsgehilfen führten einen bösen Kampf gegen uns weibliche Ange- stellte, der nicht vor den Tüxen der Kontore halt machte, sondern sich ge- rade an der Arbeitsstätte austobte.— Aber nun verdiente ich 90 M. im Monat und hatte meiner Arbeit Gel- tung verschafft: jetzt konnte ich mein Interessengebiet weiter umgrenzm Die Politik war eine alte Liebe, von Vater und Mutter blutsvererbt Beide hatten um ihrer demokratischen Anschauungen willen in dem kleinen Heimatsdorf unter ärmlichsten Ver- hältnisscn viel leiden müssen. Und als der Amtsvorstcher von Stechow einmal wieder eine hahnebüchen? Schikane ersonnen hatte(es war in der Wahlzeil), da sagte Mutter „Wenn wir Frauen wählen dürften, müßte mit dieser Obrigkeit aufge- räumt werden." Das Wort hatte ich nie vergessen: es war vielleicht die Kraft, mir mein Leben zu schaffen.— So sah ich also voll Erwartung hinter dem otrick, um einen richtigen politischen Vortrag zu hören. Und dieser Abend lohnte. Der Redner sprach In ruhiger, warmherziger Weise von der Notwendig- keit eines erweiterten Arbeitsschutzes insbesondere für Frauen, Jugendliche und Kinder. Er schilderte das Schicksal der pro- letarischen Familie, in der Vater und Mutter 10 und 11 Stun- den arbeiten müßten, um sich und die Kinder zu erhalten. Wie an die Kinder schon im zartesten Alter Verantwortung, Sorge und Versuchung herantritt, wie sie um Elternliebe und Kindheitsglück betrogen werden, und die Eltern um alle die unendlichen Freuden, die ein soralos heranwachsendes Kind mit sich bringt. Der freudlosen Kindheit in lichtlosen ijöfen folge die freudlose Jugend, nur auf das Brotverdienen einge- stellt. Und die Erholung dieser armen Proleten? Alkohol, Tanzboden, geschlechtliches Ausleben oft niedrigster Art. Das müsse anders werden. Zeit vor allem müsse der Proletarier, ob Mann, ob Frau, gewinnen. Zeit, um wieder zu fühlen, daß sie nicht nur Arbeitstiere, sondern Menschen seien. Zeit, um den erschöpften Körper ausruhen zu können: Zeit, um den Geist zu bilden, um sich fehlendes Wissen anzueignen, um Ottilie Baader über die Lage der Arbeiterschaft nachdenken und für ihre Ver- besserung kämpfen zu können. Und einen Arbeitslohn, dee nicht die Mutter von den Kindern fort in die Fabrik zwänge. der nicht die Mitarbeit der jungen Kinder zur Erhaltung der Familie notwendig mache. Er rief auf zum Zusammenschluß in der Sozialdemokratischen Partei, damit die Gesetzgebung besser werde, und da- mit der Kampf gegen alle Unkenntnis und Unvernunft der eigenen Klaffen- genossen und-genossinnen erfolg- reicher geführt werden könne. Ich war begeistert. Neben mir saß eine ältere Frau mit einem feinen, klugen Gesicht. Die strich mit einem- mal über meine Hand. Ich sah sie an:„Sind Sie Mitglied der Partei? Ich will beitreten," sagte ich.„Das geht noch nicht."„Und warum nicht? Sind wir Frauen nicht am meisten interessiert an allem, wovon der Red- ner gesprochen hat? Das muß ge- ändert werden."„Sie haben natür- lich recht. Aber das Vereinsgesetz ge- stattet den Frauen nicht, sich politisch zu organisieren. Wir dürfen ja auch nicht zum Reichstag wählen: ja, wenn wir wählen dürftenl" Das mar Mutters Wort, und die liebe, mütter- liche Frau, die es ausgesprochen hatte, war O t t i l i e B a a d c r. So lernte ich den Bildungsverein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse kennen, und als zu den Reichstagswahlen vom Juni 1903 die Frauen einen Wahlverein für die Wahlzeit bilden durften, ge- hörte ich ihm an. Das sind genau 25 Jahre her; fünf Jahre später kam das neu« Reichsoereinsgesetz, das uns Frauen endlich die Freiheit gab, uns politisch zu organisieren und der Sozialdemokratischen Partei als gleichberechtigte Mit- glieder anzugehören. Und wieder zehn Jahre später wurden wir durch die Revolution Gleichberechtigte im Staat. Wir Frauen dursten wählen— Mutter erlebte es noch— und wir durften Frauen in die Nationalversammlung schicken.— Inzwischen war mancher Schritt vorwärts getan zur Er- füllung der Forderungen, die der Redner meiner ersten poli- tischen' Versammlung erhoben hatte. Aber unendlich viel war noch zu tun, um die Arbeits- und Menschenkraft von Mann. Frau, Jugendlichen und Kindern zu schützen. Dazu waren die furchtbaren gesundheitlichen Verwüstungen des Krieges gutzumachen. Die sozialdemokratischen Volksbeauf- tragten der Revolution verordneten den Achtstundentag, und wenn er uns in diesen letzten Iahren zum großen Teil ver- loren ging, wenn Frauen und Jugendliche heute wieder und 9 Stunden(oft sogar noch mehr) arbeiten müssen. dann gilt es gerade für sie, ihn zurückzuerobern. Am 20. Mai find die Reichstagswahlen. Wählt die Sozialdemokratische Partei, dann wählt ihr den Achtstundentag. Der Sonnabendnachmittag ist unser geworden; es ist ni6)t sehr lange her, als auch die Frau und Mattfr am Sonnabend bis zum Abend in der Fabrik, im Kontor arbeiten f's auch Bursche und Mädel noch nicht Sonnabends den Rucksack packen und hinausziehen konnten, um Leib und Seele frei zu machen vom Staub und Druck der Woche. Wählt am 20. Mai so, daß der freie Sonn- abendnachmittag erhalten bleibt. Wählt die Partei, die eure Not kennt, die die gesetzlichen Boraussetzungen schafft, daß ihr Menschen und glücklich sein könnt. Erholungsurlaub, Ferien, einmal im Jahr em paar goldene Sommerwochen lang, will euch die Sozialdemokratie durch die Gesetzgebung schaffen. Helft durch eure Stimmenabgabe am 20. Mai, daß es gelingt. Die Frauen im Parlament haben gut gearbeitet, aber noch immer ist vieles unerfüllt. Helft durch euren Wahl- zettel. daß es mehr werden kann. Vor 25 Jahren kämpften wir um unser Organisations- recht, vor 20 Jahren um unser Wahlrecht, und nun kämpfen wir mit diesem Wahlrecht um unser Menschenrecht. Kämpft mit uns. Clara Böhm-Schuch. Die Frauen in der Völkerpolitik Bei den bevorstehenden Reichstags- und Landtagswahlen in Deutschland können 2lL Millionen Frauen ihr Wahlrecht ausüben, das sind 2'� Millionen mehr Frauen als Männer. In England haben die Frauen jetzt das Wahlrecht wie die Männer erhalten: das sind 8 Millionen stimmberechtigte Frauen mehr als bisher. In Frankreich sind die Frauen «och von dem Bürgerrecht ausgeschlossen, aber man demon- striert für das Frauenwahlrecht. In der Schweiz, dem klassischen Lande der Demokratie und der Freiheit, ist vor- läufig noch nicht an das Kommen des Frauenwahlrechts zu denken. In Lettland dürfen die Frauen wählen und ge- wählt werden, aber die indifferenten männlichen Wähler streichen die weiblichen Namen vielfach von der Liste(was in Deutschland nicht zulässig ist). In Belgien haben gerade die fortschrittlichen Menschen Sorge, daß das Frauenwahl- recht einen reaktionären Rückschritt bringen könnte. Im internationalen Weltbund für Frauenstimmrccht diskutiert man Jahr für Jahr aufs neue über die Berechtigung eines besonderen gesetzlichen Schutzes für die arbeitende Frau und Mutter. Für die Sozialdemokratie und die freien Ge- merkschaften der ganzen Welt wurde diese Frage mit Hilfe ihrer politisch aktiven Frauen bald gelöst. Sie wußten, daß die Leistungen der Mutterschaft eines erhöhten Schutzes für die Arbeiterin bedurften, und sie richteten im gegenseiti- gen Einvernehmen ihre nationalen Maßnahmen danach ein. Das Frauenwahlrecht in der Welt bringt selbstoerständ- lich auch die Mitarbeit der Frauen an verantwortlichen Re- gierungsstellen. Hier ist uns das Ausland voraus. Als in Dänemark zum ersten Male eine Regierung der Sozial- demokraten gebildet wurde, da wurde u. a. auch eine Frau ins Ministerium berufen. Es war unsere liebe Genossin Nina Bang, deren Tod wir in diesen Tagen beklagen mußten. Wir können stolz sein auf diese hochgebildete, kluge und energische Frau, die mit großem Können, Takt und Energie ihren schweren Posten als Kultusminister ausgefüllt hat. In England war es Margret B o n d f i e l d, von der Arbeiterregierung ins Ministeiium gerufen, die ebenfalls ihre großen Gaben, ihr reiches Wissen und Können ganz de- sonders für den internationalen Frauen- und Kinderschutz anwandte. Minna. Sillanppää, die finnische Proletarierin und Soziallstin, wurde durch das Vertrauen, das sie sich in der Arbeiterbewegung erworben hat, ebenfalls für würdig und geeignet befunden, zusammen mit den mann- lichcn Genossen an der Regierung Finnlands mitzuarbeiten. In Deutschland hatten wir bisher keinen verant- wortlichen weiblichen Minister. In der Verwaltung des Reiches, der Länder und Gemeinden aber arbeiten hier und da Frauen an verantwortlichen und führenden Stellen mit. Die gegenwärtige Zeit ist wie keine vor ihr geeignet, den aktiven Elementen unter den Frauen das Vordringen in politische Verantwortlichkeit und Mitwirkung möglich zu machen. Das haben die Genossinnen in allen Ländern klar erkannt. Sie wissen, daß das Frauenwahlrecht und die politische Wirksamkeit der Frau in erster Linie abhängig sind von der kapitalistischen Entwicklung und ihrer Frauen- erwerbsarbeit. Aber sie wissen auch, daß der politische In- differentismus aufs engste mit Ueberarbett und Unter- dezahlung, mit mangelndem Schutz der orbeitensrn Makler verknüpft ist. Deshalb haben die Ge�ifinnen des fozialisti- fchen Internationalen Frauenkomitees auf die Tagesordnung der Internationalen Frauenkonferenz am 3. und 4. August auch„Die sozialistischen Forderungen der politischen Arbeiterbewegung für Mutter und Kind, für die Frau im Betrieb, in der Fürsorge für Hilfsbedürftige" auf die Tagesordnung gesetzt. Die Satzung des Völkerbundes erkennt ebenfalls die Gleichberechtigung der Frau an. Theoretisch können Frauen in alle Acmter und Kommissionen des Völkerbundes entsandt werden. Praktisch wird von den Regierungen noch sehr wenig Gebrauch davon gemacht. Das gleiche gilt für das Internationale Arbeitsamt. Wir sollten es heute begriffen haben, wie sehr doch die Lebensgestaltung der Frau und der Familie von der Völker- Politik und von der Politik ihres eigenen Landes abhängig ist. Internationale Verständigung der Arbeiter ist not- wendig, um die friedlichen Beziehungen der Völker zu pflegen: nur so ist der Militarismus zu bekämpfen, sind kriegerische Verwicklungen zu vermeiden. Internationale Verständigung der Arbeiter ist notwendig, um gegenüber dem . Kapitalismus die wirksamsten Kampfmethoden gegen die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskrast zu finden. Inter» nationale Solidarität ist die schönste Eigenschaft und das beste Kampfmittel der organisierten Arbeiterschaft. Im übertrage- neu Sinn aber müssen die arbeitenden Mütter der ganzen Welt diese Solidarität auf sich, auf ihr politisches fdenken und Fühlen anwenden. Nur mit den MütterA der Welt können die Völker zu einer gerechten Weltordnunq, zum Sozia- lismus kommen.____ Maria Iuchacz. Vor Tische las man's anders! Mit dem näherriickendcn Wahltermin beyinnt auch das Werben der Partelen um die Frauen, die den größeren Teil aller Wahl- berechtigten in Deutschland darstellen. Besonders die Rechtsparteien und das Zentrum überschlagen sich in Hochschätzunasbeteueningen der politische» Wirksamkeit der.deutschen" bM..christlichen" Frau: aber wie ist es um die V e r g a» o e n h e> t jener Troubadoure der Gleichberechtigung bestellt, als noch kein Frauenwahlrecht die Wer- bung um Frauengunst durch Mandatgewinne lohnend macht«? Gerade jetzt sollten wir uns und unsere Bolksgenoisinnen immer wieder daran erinnern, welch vcrachletes, getretenes Aschenbrödel die Skaatsbürgerin in der Vorkriegszeit in Deutschland war, wie ihre glühenden Verehrer von heute damals ihr« bescheidensten Wünsche ignorierten, ihre schwach«, bittende Stimm« mit Hohngelächter überbrüllten. und wie sie nur einen wahrhasten Ritter und Freund hatte, den„roten Ritter der Arbeit", wie Lily Braun de» eleganten Teilnehmerinnen des internationalen Kongresses der bürgerlichen Frauenbewegung zu London lodernd entgegenrles. Seit dem Erfurter Parteitag bildete das Frauknwahlrschi einen eisernen Dellandleil des sozinldemokratl. fchen Progra-nln». Mag bei der großen Masse der Sozialdemokraten aus dieser Forderung des Intellettes nicht gleich eine unmittelbar erlebte An- gelcgenheit des Herzens geworden sein—, unbestreitbar ist. daß die sozialdemokratische Reichetaassraktion sich durch Wort und Tat stets bedingungslos, der Feindichast und dem Hohngelächter ihrer bürgerlichen Gegner zum Trotz, die Forderunaen der Frauendewe- oung zu eigen gemacht hat. Und dos seit der Revolution btstehende Frauenwahlrecht. was ist es anderes als die Verwirklichung der sozialdemokratischen Proainnnnford mung zu einem Zeitpunkt, da seine Schövser sich über die Derwcnduna dieses Rechtes gegen die eigen« Partei völlig klar waren. Man stellte die Treue gegenüber den eigenen Grundsötzen über die tat- tischen Erwägungen des Augenblicks. Wenn beute Stimmen, auch im eigenen Lager, laut werden, die diesen heroischen Entschluß als Uebereilung bemängeln, so muß immer wieder daran erinnert werden, daß ja auch die große Masse der Männer nicht sosvrt den richtigen Gebrauch von ihrem Wahlrecht gemacht hat. ihn heute zum großen Teil noch nicht macht, daß aber eine politilche Cr?iehuna»hne dos allgemeine Wahlrecht praktisch wirkungslos geblieben wäre. Im übrigen ist das Ueberwieaen der Jrauenstinnne» bei den Rechtsvarteien gar nicht so erheblich— getrennte Wahlen der Geschlechter an einigen Orten des Reiches haben es gezeigt—. der einttge ernsthaste Gegner ist das Zentrum. Bon den katholischen Männern wählen etwas weniger als die Hälste, vo» den katholischen Frauen aber sieben Zehntel die Zenlrumsparle!. Im Kampfe gegen die Parteien des schivarzblauen Büreerblocks ist alio die Erinnerung an vergangene Zeiten durchaus nützlich. Es überrascht heute einigermaßen, daß nicht nur ausaesvrochen reaktionäre Barteien, sondern auch die heute ziemlich frauensreund- liche und recht aktin« Frauen in ihren Reiben zählende Demo- k r a t i s ch e, damals Fortschrittliche Partei, eine sehr ablehnende Stellung gegenüber dem Frauenwahlrecht ein- *wf)m. Si« könnt« sich trotz d«s DrSnst«ns der ihr nohestehenden bedsutenden Frauen nicht entlchlietz«», es in Ihr Partei- Programm auszunehmen. Helene Lange Ichildert in ihren Hebenserinnerungen, wie 1908, im Jahre der Aushebung des Ber- »insgesetzes, die fortschrittlichen Frauen erwartungsvoll und gehoben zum ersten Male in eine Parteiversaminiung gingen, und wie man ihnen dort nicht die mindeste Beachtung, nicht einmal ein paar Begrützungsworte widmete. Damit steht in Einklang, datz auch frei- ?nnige Parlamentsmitglieder an dem beliebten ilebergang zur agesordnung gegenüber Franenfordeningen sich beteiligten, daß Herr v. Pnyer 1910 unter Geistesblitzen, die von ivenig Witz und viel Behagen zeugte», im Reichstag erklärte, datz der «volle und ganze Liberalismus keine Stätte für Gleichbcrechti- gungsjchwärmerci kein werde". Theodor Wolsf lieft im„Berliner Tageblatt" 1912 leine Prophetengabe in den finsteren Wahrsagungen spielen, was aas Frauenwahlrecht, welches er allensalls gnädigst zugestehen wollte, für verheerend« Folgen nach sich ziehen könnte.„Sollen die Frauen ebensogut Richter und Staatsanwalt werden können wie Bürgermeister, Lokomotivführer und Polizeipräsidenten?.. Soll der ehemalige Herr der Schöpsung höchstens als Soldat. Feuerwehr- «rann und Polizist eine Gesellschaft beschützen dürfen, in der jeder »nder« Beruf auch seiner Gefährtin ossenfteht?" fragt er düster Sunend. Und die„Freisinnioe Zeitung" verrät im gleichen Jahr, aft„ein Drittel, vielleicist sogar die Halste der Parteimitglieder entschieden gegen das Frauenstimmrccht sind". Daft die braven 8«rtschrittler 1917 es„taktisch nicht für angebracht hielten", sich im bgeordnetenhaus für das Frauenstimmrecht einzusetzen, daß sie sogar 1918(!)„noch nicht daran dachten, sich geschlossen für das Frauenwahlrecht ins Zeug zu legen", und daß ste gleichsalls 1918 Im preußischen Abgeordnetenhaus gegen das grauenwahl- tiecht stimmten, paßt ganz in dies Bild. Und wie steht es mit dem Zentrum, dessen politische Stärke, wt« schon erwähnt, in der Hauptsache auf dem Frauenwahlrecht teniht? Oasselbe Zentrum, das heute Hauptmitzniefter des Frauen- «oahtrechts ist, lehnte es bis 1918 nicht nur für die Parlamente, sondern auch für die Kausmanns» «Nd Gewerbegerichte ab. Die Hälfte der Reichstagsfrak« tlo» des Zentrums war 1906 gegen das Bereinsrecht der Frauen. Cme Erklärung für diese Haltung findet sich in dem die Zentrums- »»sfassung widerspiegelnden Kalholischen Staatslexikon, wo es heißt: »Es muß vom kacholischen Standpunkt au« das Streben der Frau »ach voller polllischer Glelchberechtianna neben dem Mann als un- heilbringend für die Sesellschas« zurückgewiesen werden."„Der letzte und ausschlaggebende Grund für die Aus- Schließung der Frau von der direkten Teilnahme am politischen Heben ist in der natürlichen Bestimmung des Mannes gelegen, die Vutorität in der Familie, wie in ieder aus der Familie herausgewachsenen gesellschaftliche» Organisation an erster Stelle zu »ertreten und demgeinüft als oeborener Führer aufzutreten." Glesch reaktionär wie in Fragen de? politischen Gleich- terechtigung verhielt stch das Zentrum in Berufs, und Bit« dungsfrogen der Frau. Und was die Bildungssrage anbe- langt, so ist rlrarakteristisch die Rede des Abgeordnete» v. Hertling km Reichstag 1900, in welcher es heißt:„Ich meiuerseit» habe In München aus Anfragen wiederholt erklärt, daß ich nicht wünsche, daft Damen in meine Vorlesungen kommen... Wie wir die Mädchen von den Gpninasien fernhalten, so müssen wir sie auch von den heuliaen Universitäten senihalten" Als 1891 der Fortbildunqsschuliinterricht für die männliche Bolksschulsugend »ingesührt wurde, erkämpite stch das Zentrum dl« Siegespalme, aus „sittliche»" Gründen den Unterricht an die ux'ibliche Jugend auf viel« Jahre hinaus zu vereiteln.— Das Zusammeiwrbeiten der Fugendlichen im Betrieb war dagegen keineswegs„unsittlich". Die Haltung der Natlonalltberolen, der heutigen ntschen Boltspariei. ist oekennzetchnet durch die Reden eknlger Brominenter. So erklärte Gekeimrat Rebmann 1911. daß der Liberalismus gegen das Frauenstimmrecist sein müsse, weil die Frauen keinen Teil an der allgemeinen Wehrns licht hätten, »ußcrdem seien ste noch nicht reis für die Politik. Die Schwerindustrie, deren polittscher Exponent diese Partei »ekamitllch ist. hat jeden kleinsten Fortschritt in bezug aus die Verbesserung der ArbeilrbedGmingen vom iechrehn-, achl zehnstündigen Arbeitstag der Arbeiterin vnd der Nachtarbeit vorschulvilichtloer Kinder an bis auf den h«utigen Stand der Arbeitsaesetzoebiinq mir in sahrrehntetanaen, unermüdlichen Kämvken von der Arbeiterbewegung abringen lassen. Wenn sie gekonnt Hütte, so hätte sie mit Freuden das unsagbare Elend der Arbeiterinnen nerewiat. Noch 1916 schrieb die„Deutsche Prteitgeber-Zeituna":„Die sozialistisch« Bekauptuna nämlich, daft hl« Frau, wenn si« für eine bestimmte Leistnua nicht den gleichen Lohn bezieht wie der Mann, zu aeringen Lohn erhält, wird In Herr allenneisten Fällen dah!» umzudeuten sein, daft nicht die Fron «wenig, sondern der Mann zu viel erhält."si) Gehen r noch einen Schritt meiter nach rechts, zu den Konservativen, so tritt uns hier der Gegensatz zwischen der damaligen Frguenverachtung und den, Keutiaen LIebeswerben der Deutsch- nationalen am krasiesten entaegen. Das sonst so ernsthafte konservative Handlnich von 1911 glaubt die Frauenwahlrechtssrage mit folgendem Witzchen abtun zu können:„Den Frauen das all- Arbeiierinnen. von Dtt gleichen Mühe stets umgeben, gehn dl« Tage grau an mir vorbei. Nennt es, wie ihr wollt, nur nennt's nicht Leb«», dieses stumpfe, öde Einerlei. Schon in meine frühen Märchenträume kreischte kädersurren, schrill und laut. wände staub- und lärmcrfüllter Räume haben meinem welken zugeschaut. ver Maschine hier, davor ich stehe, war ich lange vor dem Mann vermählt. was zerbrach in dieser harten Ehe, oft Hab ich es trauernd überzählt. weich sind meine Hände nie gewesen. Eisen ist so hart fast wie die Not. Schaut hinein und wollt: Thr könnt drin lesen »on dem schweren Kampf um Licht und Brot. Zwischen Sron und kleiner?re»d« gehen weiterhin die Tage grau vorbei. Einmal aber muß die Sonne sehen aus da» trübe, stumpfe Einerlei. Karl Kröger. gemein«, gleiche und geheime Wahlrecht zu versprechen, ist nicht» als ein listiger oder dummer Betrug. Sie hoben für das Wahlrecht Verwendung nur einem einzigen gegenüber" Die„Kreuz-Zeitung" bezeichnete in einer Leitartikelüberschrist 1912 dos Frauenwahtrecht als eine„nationale Gefahr", und Herr v. Behr-Pinnow schrieb In demselben Blatt noch 1916:„... und mach« vor allen Dingen«Inen dicken Strich durckr alle und i«de Wahlrechtsforderun«, und was sollten etwa die Krieger für eine Belohnung«rhalten, wenn di« Heimkrieoerinnen mit dem Wahlrecht belohnt werden? Fort mit dein Unsinnl" In den Worten eines anderen Konservativen von 1917 klingen die bekannten sentimentalen Garienlaubentöne aus. die man den Frauen so oft als Antwort aus ihre berechtigten Forde- rnngen enioeqengeharst l>at:„Wir wolle» nicht, daft das Heiligste, was wir besitzen, die Frauen, in die allgemeine Drecklinie gezogen werden." Es bedarf keiner weiteren Erwähnung, daft diese Partei sich bis zuletzt am zäheste» gegen die Einführung des Frauemvahl» rechts gesträubt bat. Das konservativ« Handbuch enthielt auch sonst noch mancherlei Perlen. Der Deiiischnationale.Handlungsgehilfen- verband bat 1916 in einer Eingabe an das preußisch« Herrenhaus um „Schuh" der Skaaks- und Gemeindebeamlen gegen dle Anker- flellung unter weibliche vorgesetzte und der weiblichen Konkurrenz im Ernrerbslebcn nach dem Kriege. Die realttionüre Krnitrupve der B ö I k i s ch e n macht wenigstens auch heute nicht aus ihrem Herzen»ine Mördergrube. Das rauh» Vokabular der Vorkriegszeit von Rcoentlow und Konsorten ist auch beute noch ihre Sprach«. Sie stellen grundsätzlich kerne Frau als Kaizdidatln auf, und darum wird jede Fron von Ehrgesühl es ablehnen, diesen Verächtern ihres Geschlechte« ihre Stimme zu geben. Sie sieben noch heilte auf dem Standnuntt der „vier K", mit denen Wilhelm 11. das vorslbristsmäßio« Interessen» gebiet der Frau umschrieb, nämlich:„Küibe, Kinder, Kleider, Kirche." Niemals wäre eine so schändliche Niederhält»»« der deutschen Frau so lange möglich geweserr, wenn nicht Frauen selb st In unglaublicher Verblendung die Stellung.-ihrer Feinde gestützt hätten. Aus einer katholischen Frauenoersammlung 1909 erklärte Frau Dr. Amman, daft der Mann sich nicht die Gleichstellung mit der Frau gefallen lassen solle und sorderte, daft er das Haupt der Familie bleibe. Di« nationalliberalen Frauen waren noch 1918 bereit, entgegen ihrer Ueberzenqung von der Gleichberechtigung „Porteidisziplln zu wahren", und das Tollste leisteten sich die kon- servattven Frauen an Würdelosigkeit. Die Vereinigung konservativer Frauen erklärt« 191.?:„Gerade in der Bekämpfung des politischen Wahlrechts sür die Frauen» sehen wir eine unserer wichtlakten Auf» gaben", und«in« konservative Frau entblödete sich nicht, in der „Deutschen Tageszeitung" zu behaupten:„Ihre(der Frauenrechd- lerlnnenf Gefühle haben etwas Kronkhastes und sind mit dem Berbrecherkultus verwandt, die sicheren Zeichen einer Ber- fallzeit." Angesicht» solcher Manifestationen tonnt« die„Deutsche Tageszeitung" es noch 1918 wagen, zu fordern:„Die konservativ« Frau muß überall gegen die Forderung des Frcruenst immrecht» auftreten." Zum Schluß fei nach erwühnt, daß dl« politischen Handbücher der bürgerlichen Parteien vor dem Kriege der Frauenfrage einen Raum widmeten, der sich zwischen 0 und 5 Seiten(bei Sellen- zahlen von über 1000) bewegte. Die Schlußfolgerungen sür die denkende Frau aus dem Voran» gegangenen ist klar: daß ihre Interessen, so wie in der Vergangen- heit, auch in der Gegenwart und Zutunst nur bei einer Par- t e t«rnsthast und ausrichtig Arrtretirng sirchen: b ei der Sozial- demokratiel Hedwig Schwarz. Gwß-BerlinerZraueniag.MnMMMril Kundgebung: „Vom Seremsrcht 1908/ Zum Wahlrecht 1918/ Zum Wahlkampf 1928" Referentinnen: Berthe Masson- Brüssel, Gertrud Hanna, MdL., Luise Kühler, MdL., Marie Kunert, MdL. 1. 3n den prachtfälen am MSrchenbmnnen lFriedrichshaln) 19.30 tthr, unier Mitwirkung der Gesangsgemeln« fchafi Z�oseberry d'Arguto z. In den pharussälen, Müllersir. 142, 19.30 Llhr, mit Filmvorführung„Dein Schicksal", hergestellt im Auf« trage des Vo.ssandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands 5. In Kliems Fesisälen, Hasenheide, 19.30 Uhr, mit Filmvorführung„Dein Schicksal". Voraufgehend große Straßendemonstrationen der Frauen nach folgendem Aufmarschplan: Trcsipunkt 18 Uhr Berliner Ecke Schorn- iorantritl des Tambourkorps bis Müller» l. Zu der Veranstaltung in den Prachtsälen am Märchenbrunnen. 4. ßtei# Prenzlauer Berg. 1. kreis Milte, 18. kreis DJeisjenfee. Treffpunkt 18,15 Uhr Ecke Danziger Straße und Prenzlauer ANee unter Norantrit« der Reichsbannerkapelle durch Danziger Straße heraus bis Schönhauser Allee Wörther Striche, Prenzlauer Allee. Jmmanuelkirchstraße, Greisswalder Straße bis zum Königstor. am Friedrlchshain entlang bis Prachtsäle am Märchenbrunnen. S. krei» Zriedrichshaln, 17. kreis Lichtenberg. Treffpunkt 18.13 Uhr Baltenplail unter Vorantritt der Reichsbannerkapelle durch Weidenwea. Pallsadenstraße, Mehner-, Flieder-, Höchste-,(8e- orgenllrchstraße. Königstor. Märchenbrunnen. ll. Zu der Veranstaltung in den pharussälen, Müllerstr. 142. 3. kreis wedöing. 20., 21., 22., 23. Abt. Treffpunkt 18,15 Uhr See- Ecke Muöerftraße unter Vorantritt der Reichsbannerkapelle durch See-, Exerzier-, Bad-, Pankstraße bis Brunnenploß durch Pank». Gericht-, Mullerftraße bis Nr 142. 14.. 15.. 15 Abt Treffpunkt 18,15 Uhr Gustav-Meher-Allee durch Brnnnenftraße bis Ecke Pankstrahe, durch Pankstraße bis Brunnen ftrshe, anschließend an den Zug der Abt 20, 21. 22 und 23 bi» Müllerstraße 142. 17., 1» Abt Treffpunkt 18,15 Uhr Nettelbeckplaß durch Pank- straß« bis Brunnenplaß. Anschluß an den Zug der vorstehen- den Abteilungen bis Müllerstraße 142.„ 19. krei» Pankow Tresspunkt 18 Uhr Rathaus Pankow durch � Wollankstraß«, Pankstrzhe bis Brunnenplaß, schließt sich de» Zügeo des 3 Kreises Wedding bis Müllcrstraße 142 an. 20. kreis Reinickendorf. weberstraße unler Voranl ftraße 142(Näheres später im„Vorwärts"). 2. kreis Tiergarten und 7. kreis Eharlollenburg. Treffpunkt 18 Uhr Kleiner Tiergarten mit Musikkapelle durch Strom-, Perleberger, Fennstraße, Weddingplaß, Reinickendorfer Straße, Badstraß«, - Pankstraße, Brunnenplaß durch Pank-, Gericht-, Müllerstraßr bis Nr 142. IIL Veranstaltung in Kliems Festsälen, Hasenheide. 14. kreis Neukölln. 91., 94., 95.. 97 Abt. Treffpunkt 18 Uhr Schillerpromcnade Ecke Steinmeßstrahe unter BorantritI der Reichsbannerkapelle durch Steinmetz., Bergstraße, ftohenzollem» Platz, Richardplatz, Hertzbergstrnße, Hertzbergplatz. Kaifer-Frled- rich-Strnße, Hcrmannplatz, Hafenheide. Kliems Festsäle. 89.. 92.. 93.. 95.. 98.. 99. Abt. Ireifpunkl 18,30 Uhr Hertzbergplatz. Anschluß an Abteilungen um fjallesches Tor vom kreis Krcuzberq. kreis Tempelhos. kreis Schöneberg, kreis wilmersdors. Trefspunkt i8.1S Uhr Blücherplatz durch Blücherstraße. 5)asenheide bis Kliems Festsüle. IS. kreis Köpenick. Trefspuntl 18.15 Uhr Schlesischer Bahnhof unter Vorantritt der Reichsbannerkapelle über Schiliingbrücke durch Manannenstraße bis Lausitzer Platz, hier schließt sich d-e Ab- teilung Görlitzer Bahnhos des Kreises Kreuzberg und der Iii. Kreis Treptow an i der Gesamtzug gehl weiter durch Grünauer, Friedet-, Wcierslraße. Hermaiinplatz. Hasenheide. Kliem» Festsäle. Die Abteilungen um den Görl!>;er Bahnhof des Kreises Kreuzberg, Kreis Treptow Tresspunkl 18,30 Uhr Lausitzer Platz mit dem Zuge des 16. Kreises weiter bis Kliems Festsäle. Hebt unsere Fahnen in den Wind/ Wir kämpfen, weil wir gläubig sind! Auf zur Demonstration! Hinein in die SPD.! Beitrittserklärung. Hiermit erkläre ich meinen Emiriti in die Sozial« demokratische Partei lVezirk Berlin. Abteilung_—;—— An Beiträgen entrichte ich: Eintrittsgeld 50 Pfennig. _ Wochenbeiträge mannt. 20, tveibl. 10 Vf.. Sa.-- M. __ den_ 1927. vor» und Zuname: geb. am- zu. Staatsangehörigkeit� Wohnung:- .Stand: «««er«rnnattme ift ,ct>r cnoilnwbi. datz mit)« oem Sinirinsqeld m-ndettenk di» Utr«min Moinn i« Wock>?»>««atili werden' (Tiefer Zettel ist ausgefüllt einzusenden an Alex Ich abonniere den„Vorwärts"(und die Abend- ausgäbe für Berlin„Der Abend") mit den illustrierten Bei- lagen„Volk und Zeit" und„Kindcrsreund". sowie den Bei- lagen„Unterhaltung und Wissen".„Frauenstimme".„Techmk", »Blick In die Bücherwelt" und„Iugcnd-Vorwärts" in Groß- Berlin täglich frei ins Haus. (Monallich 3 Goldmark, wöchentlich 70 Goldpfennig.) Name Wohnung -Straße Nr- oorn- Hol— Quergeb.— Seilcnfl.— It. link»— recht» be>—-—__ Pagets, Berlin SW. 68, Lindenftraste 3, Hof II.)