Frauenstimme iJtr.io.n�t,�] Beilage zum Vorwärts 12. Mai 1928 Mütter, wählt LISTE 1 SOZIALDEMOKRATEN! i i f i i i i i 2 i i i Wir waren Aug, nun werden wir zur Hand! Man tat uns(tiefes an und ftug uns nicht! Den großen Soft beschloffen alle lande, Und uns, uns frug man nicht; uns hört man nicht, Man löschte unser wort so wie ein schwelend licht, Umloht, durchglüht von roten Hasses Brande. Man tat uns dieses an und frug uns nicht, Sls od wir nichts damit z» schaffen hätten, als ob nicht wir des lebens einziges Cor, Nicht wir des heilige« Stromes ewige Betten! Cs können Männer nicht versteh«, nicht wissen, was töten heißt, was sterben sehen heißt; Sie find von einem vrang hinweggerisse» ?n Zeugung und in Totschlag, und es weift Zhr ganzes Sein zur raschen, kühnen Tat; Sie sehn das lebe» so wie einen vom Der Sremde, wenn er ftafteht, kühl vollendet, Vach wir, wir find es ja, die ihn gespendet wir die Erbauer, die in unserm leib Mit heiligem Schauer fügten Zell zu Zelle, vis er bereit ftand, um die hohe Welle ves Grgelklanges in pch aufzunehmen... Und heut sehn wir das Werk, das wir errichtet, 2» viel Millionen Malen rauh vernichtet! wir Frauen, die wir allzulang geschwiege«, Vach heute war's zuviel.(Es find in uns vie leiden höher als der Mund gestiegen, Sie drängen«achtvoll pch aus uns heraus, Zu« wort geworden in die Welt zu fliegen! wir waren Ehr, nun«erde« wir zum Mund. wir waren Sug, nun«erden wir zur Hand. wir»ollen es mit Hand und Mund verhindern, vaß solche vlutzeit unser««indeskindern Vach einmal wirft! wir wollen, wenn die blutige Zeit oerbrauft, Von lauft zu lauft uns an den Händen fassen 2» einer Kette Uimmer wieder lassen, So fest, daß nie pe sprengt die Männerfauft. wir waren Sug. nun werden wir zur Hand! um»(Wf 7Us4 ti* Cpltn' M* all»»»« n»«t»»«l i I Wählt gegen den Krieg! Am 20. Mai ist den Frauen eine große Aufgabe gestew. Die weiblichen Wähler geben den Ausschlag über die Zusam- menfetzung des Reichstags wie auch des Preußischen Land- tages. Die bürgerlichen Parteien, und in erster Linie die deutschnationale Partei konzentrieren die ganze Werbetrast aus die Gewinnung der Frauenstimmen. Dieselben Parteien. die bis zur Revolution den Frauen jede politische Gleich- berechtigung vorenthielten, werben und buhlen um die Gunst der Wählerinnen. Das allein sollte schon den Frauen und Mädchen zu denken geben. Die Deutschnotionale Partei ist die zweitstärkste Partei Deutschlands. Proletarische Wähler waren es, die bei den letzten Wahlen diese Partei der' Junker und Berufsmilitärs zu solcher Stärke haben anwachsen lassen. Frauen haben mit dazu beigetragen, daß führende Männen des kaiserlichen Deutschlands heute wieder eine unheilvolle politische Rolle spielen können. Der 20. Mai muß die Frauen und Mädchen an der Seite der Sozialdemokratischen Partei finden. Rur fle ist die Vorkämpferin für den Völterfrieden und gegen dos Menschenmorden. Frauen und Müller! Habt ihr alle die schrecklichen Kriegsjahre mit oll den Folgen vergessen? Denkt am Wahltage zurück an die Jahre 1914/18. Als der Krieg begann, setzte das Massensterben aus den Schlachtfeldern Europas ein und damit der Niedergang und Zusammenbruch von Kultur und Zivilisation. Das Menschenschlachthaus hatte sich ausgetan und verschlang viel« Millionen Menschen im blühendsten Alter. Und dos alles geschah im Zeichen des Kreuzes, im Namen Gottes und zu seiner Ehre.(!) Die Ebenbilder Gottes, um ein Bibelwort zu gebrauchen, scheuten weder Geld noch Menschen, und so mordeten christliche Völker 4K Jahre lang. Blutströme er- gössen sich auf den Feldern Frankreichs und Rußlands und strömten von den Alpen und Karpathen hinunter in ein trost- loses Land. In Frankreich und in Deutschland, in Belgien und in England weinten daheim die Mütter um den Sohn. die Frauen um den Gatten. Wenn tiefcmpsindende und edel- gesinnte Frauen sich an diese Blutjahre erinnern, dann können sie am 20. Mai niemals den bürgerlichen Parteien die Stimme geben, die mitverantwortlich sind für den Krieg und alle feine unheilvollen Folgen. Furchtbar waren die dem Kriege, dem„Stahlbade" de» Deutschnationalen und Völkischen gebrachten Opfer. Allein an Gefallenen verlor Deutschland 1 872 630 Männer. Die deutsche Jugend mußte die größten Opfer bringen. So sind gefallen im Alter von 19— 20 lsahren 109 290 20— 21„ ii-ii» 158 265 21—22„ ,, i... 155717 22—23....... 137 995 23—24....... 119610 Unter den gefallenen deutschen Soldaten stellten die Jahresklassen vom 19. bis 24. Lebensjahre 40.04 Proz. dar. Diese Tatsache allein schon sollte die weiblichen Wähler de» stimmen, sich gegen die schwarzweißroten Bürgerblockparteien zu erNären. Allein im Jahre 1928 hatten u. a. Anspruch aus Reich«» Versorgung: 375 000 Witwen. 720000 Halbwaisen. 50 000 Vollwaisen. In der Liste der Kriegsbeschädigten waren im Jahre 1928 noch zu verzeichnen: Erblindete 2 900 Geisteskranke,....... 6 400 Lungenkranke 41 688 Krüppel mit einem Bein,,. 44 857. Krüppel mit einem Arm,,. 20 952 Krüppel ohne Beine..... 1 269 Krüppel ohne Arme..... 135 Aus diesen Zahlen kann jeder ermessen, welches Meer von Leid und Jammer der Krieg einschließt. Das entsetzliche Elend der Kriegsopfer erhebt Anklage gegen die Parteien, die auch heute noch von einer Kriegspsychose beherrscht werden. Nie und nimmer können Frauen Parteien die Stimme geben, die den Aufstieg Deutschlands nur im Militarismus und in einem neuen Vergeltungskrieg seheiu Die Menschen und ihre Jugend sind zu kostbar, als daß sie abermals geopfert werden für Zwecke und Ziele, die niemals im Interesse einer kulturellen Entwicklung liegen. Dazu gebären Mütter nicht die Kinder unter Schmerz und Leid, aus daß sie später hin- geschlachtet werden. Frauen und Mädchen, seid Vorkämpfer für den Frieden und wählt nur Sozial- demokraten! F r o n z K ü n st l e r. Sorgt für die Ernährung! Die Krauen sind viel mächiiger als sie wissen! Nor wrnigen Tagen ist in Berlin die Ausstellung„Die Cr- Nahrung"«röfsnet worden, und ein Sang durch>hr« Räume gibt «ine Füll« von Anregungen. Jedem, der sein Wissen bereichern will, und der bereit ist, sich neu gew-nnene Kenntnisse nutzbar zu «nachen, bietet ste Gelegenheit zu Intensivem Lernen. Allerdings ge- «flgt ein einmaliger»«such dann nicht. Man kann den Stvst un- «nöglich aus einmal bewältigen! das was man giaubi« erfaßt zu haben, wird durch die Mass« der Eindrücke leicht verwischt, aber be- jonfcers die Hausfrauen sollten in die Ausstellung wandern. Drei Stunden bin ich gewandert, von einer Abteilung zur anderen und habe längst nicht alles gesehen. Der erste, stärkste Ein» druck war,-daß aus uns Frauen«ine ungeheure Berant» Wartung liegt, weil wir doch in erster Linie für die Ernährung der Familie zu sorgen haben, weil in unserer Hand vor allem der Aufbau de» jugendlichen Körpers unserer Kinder liegt. Aber da kommt schon ein« onber« Ueberlegung: Könnten wir wirklich uns die Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft vollkommen nutzbar machen? Ist es uns möglich, den Kindern und den Erwachsenen die vitaminreiche Nahrung zu vevschoffen, die ste brauchen? In vielen Hüllen sicherlich, aber sehr bald kommen wir an die«rst« Barriere, die unseren Anlauf hemmt: die Sofien der wertvollen Nahrungsmittel. und wir fangen an nachzudenken, wie wir diefe» Hindernis über» winden können. Eine ander« Verteilung des Lohne» kommt für die groß« Mass» der Arbeiterfrauen nicht in Frage. Wieviel bleibt denn. wenn Miete und Heizung und Steuern, die notwendigste Kleidung und andere dringende Ausgaben abgezogen sind, für die Ernährung iibrigl E» wird im wesentlichen doch immer der gleiche geringe Be- trag sein, mit dem die Arbeiterhausfrau die Ausgaben für die Küche gu bestreiten hat. Aber wo ist der Ausgielch zu finden? Der- desserung der Reallöhne, da» heißt Verbesserung der Kaufkraft der Arbeiter und Angestellten ist da» zunächsttiegende. Für dieses Aiel kämpfen Gewerkschaften und Eoziaidemokratifche Partei, und in diesem Kampf müssen wir mitwirken, wenn wir unsere Aufgab« als denkend« Frauen erfüllen wollen. Dann aber müssen wir versuchen, «Inen Einfluß auf die Preisgestaltung zu gewmnen. Hier haben wir einen Helfer an den Konsurngenossenfchaften. Je stärker die Konsumgen offen schärften find,>e mehr st« selbst Na hrungsmittel- fabriken bauen, Viehzucht treiben, Großfchlächlereien, Mühlen, Großbäckereien betreiben können, um fo mehr können wir den über- triebenen Profit ausschalten, um fo billiger können wir letzten Endes «inkaufen. Da liegt also unser« zweit« Ausgab«: Elärkung der Ar- beiterkonfumgenossenschaften. Aber auch ihnen sind Grenzen gezogen: Wichtige Lebensmittel können ste nicht billiger liefern, weil st« miß enormen Stenern»nd Zöllen belostet* pnb Auf das Pfund berechnet, machen st« vielleicht nur Pfennige au», aber die Hausfrau muß mit Pfennigen rechnen, well sich die Ausgaben täglich»der wöchentlich wiederholen und die Pfennig- betrüge zu großen Martfuminen im Laufe de» Jahre» anwachsen. Rur durch die Zölle— also ohne die Steuern— aus die wichtigsten Lebensmittel wird der Hausholt einer viertSpfigen Arbeiterfamitie, wenn wir die Großhandelspreise zugrunde legen, allein um ISO M. km Jahre verieuertl So wachsen die Pfennig« an. Aber im Klein- Handel beim pfundweisen Einkauf werden dl» durch den Zoll«nt- stehenden Mehrkosten immer noch ein wenig nach oben abgerundet. und so kommt es, daß die Mehrbelastung durch den Zoll Im Lauf« de» Jahr« schließlich sogar 182 M. ausmacht. Bor den Zöllen aber können un« auch die Konsumgenossenschaften nicht schützen, st» leiden unter ihnen wie wir. Vber wer hat di« Zölle geschaffen«nd wo« können wir gegen st« tun? Run, dt« Zölle stnd von Zentrum und Deutscher Volkspartei mit der tatkräftigen Hilf« der Deutfchnationalen im Jahre 1925 beschlossen und Im Jahr« 1926 weiter erhöht worden. Dt« Sozialdemokratie hat tm Reichstag mit aller Kraft gegen ste ge- kämpft, aber ste unierlog, weil die anderen Parteien die Mehrheit hatten. Und die Gründe der Rechtsparteien für die Schädigung des Volkes? Die Deutfchnaiionalen wollen hohe Zölle, weil sie die Partei der Grohgrundbesttzer sind und die Großagrarier allein durch Zölle gewinnen. Di« Deutsch« Balksportei, hinter der die Groß- induftrie steht, wäre an sich wahrfcheinilch gar nicht fo begeistert für Leben smiltelzölle, denn die Verteueruug der Ernährung führt nolge- drungen zu Lohnkämpsen. Aber dl« Großindustrie verlangte In- dustriefchutzzöll«, und die konnte st« mir bekommen, wenn ste der Großlrnidwirtschast zu Agrarzöllen vcrhalf. Dos Zentrum ging in> Zolttarisgesetz mit den nndercn reaktionären Parteien durch Dick und Dünn; ihnen allen haben wir Frauen es zu verdanken, wenn wir die Lehren, die die Ernährung soüspcl.'ung uns gibt, nicht in dem Unrsange besclgen können, wie wir möchten und tri« es notwendig wäre. Muß das für alle Zeiten so bleiben? Haben wir richt die Macht es zu ändern? Es gibt ein Sprichwort: JW» ritt Wille ist, da ist auch ein Weg/ und gerade hier Hegt der Weg so klar vor uns, daß er gar nicht zu versehle» ist. Die Frauen sind ja viel mächiiger al, st« ahnen. Weshalb müssen wir uns eine falsch« Politik gefallen lassen, wenn wir ste ändern wollen! Auf den Willen kommt es«n. Wir brauchen ja nur dafür zu sorgen, daß die Partei, die die Interesten der arbeitenden Bevölkerung oertriit, und da» ist di« Ssziaidemo- kratie, so mächtig mi Reichstag wird, daß ste bei der Steuer, nach Zollgesetzgebung den Ausschlag gibt. Wenn jede Hausfrau, jede Mutter sich das einprägt, daß von ihrer Stimm« da» Schicksal von Millionen Haushaltungen im Deutschen Reich mit abhängt, fottte ste dann nicht wissen, wa» ihre Pflicht ist? Wenn wir wollen, werden wir siegen. Nicht aus einmal, ab«» jedesmal mehr. Und bei dieser Wahl am 20. Mai«ollen wir den Ansang machen. Ihr Hausstauen und ihr Mütter, ihr arbeitenden Frauen in den Fabriken, in den Bureaus, in den Geschäft« und in den Aemiern sorgt dafür, daß die Partei gewinnt, die ihre Wacht für den Aufstieg der Massen, für die Gesundung de» Volke» in feinen arbeitenden Schichten einsetzt. ___ Tony Breitfch«kd. Ruf aus den Gräbern! Eine schlichte Feierlichkeit liegt über dem Friedhof de» Arbeitervorstadt. Freundliche Blumen, di« ktebevolle» Ge- denken ins dunkle Grün des Efeu» gepflanzt, fchmucken die Gräber, sonst nichts. Nur zwei Grabstätten machen eine Ausnahme. In der einen ruht die Familie eines Schlächtermeister«, in der an- deren ein junger Krieger aus dem letzten Feldzug. Beide umgibt ein Mauerwerk, das wohl eine Nachbiftmng pharaonischer Grabdenkmalskunst sein soll. Der Erdboden ist mit feinem Kies bestreut, der Blumenschmuck zeugt von sachverständiger Gartenkunst. In der Dämmerung eine» Sommerabends traf ich am Grabe des jungen Krieger» dessen Mutter, eine arbeitszerschundene, gebeugte Frau. Sie borgt sich meine Gießkanne und da ihr das Geh«» schwer fällt, hole ich ihr ein paar Kannen Wasser. Zwischen Gießen und Unkrautjäten erzählt sie mir ihre« Geschichte und die Geschichte dieses Grabmals:..Sechs Kindern gab sie das Leven, erhielt und gestaltete e» ihnen durch harte Arbeit am Waschfaß. Des Mannes Arbeitskrost hatte sich früh verausgabt. Von ihren vier Söhnen mußten drei ins Feld. Zwei verschlang die Hölle von Verdun. D«r dritte kam mit einem Lungenschuß in das heimatliche Lazarett, um hier dahinzusiechen. Die beiden Töchter, junge Frauen, deren Männer d«v 4, August auch herausriß, drehten Granaten in der Fabrik. Ein Schwiegersohn fiel. Dem anderen hat«ine Granat« die Beine vom Leibe gerissen— seitdem ist meine Toehtyr schwermütig. Ich glaubte tm Alter mich an meinen Kindern und Kindeskindern freuen und ausruhen zu können. Run muß ich vier hilflosen Enkelkindern mit letzter Krast Bater«nd Mutter ersetzen. Nur ein Sohn ist mir geblieben. Er war unabkömmlich, weil er eine Erfindung gemacht halte,«ine bedeutsom« ZÜn- derverbesserung. Seine Finna verdiente enorm daran, er rückte zum Direktor mit hohem Gehalt und Gewinnanteil auf und— setzte ich in meinen Gedanken hinzu— sttftet« dem gefallenen Bruder ein prunkvolles Graddenkmal/ Einen Augenblick ist es still zwischen un« noch di«s«r Schilderung. Dann, als ob sie meine Gedanken erraten, sagt diese Mutter:„Drei Söhne und ein Schwiegersohn sielen. Einer kam als hiljloser Krüppel wieder— einer ober machte eine Kriegserfindung und meine Töchter drehten Granaten." Denken zu müssen— Frauen haben mitgemacht i Ich sah hinüber zu dem Teil des Friedhofes, den schlichte Kreuze kennzeichnen als Grabstätten fremder in uns«»«n Lazaretten gestorbener Soldaten. Mir war, als rief« es über den Friedhof:„Nie wieder Krieg I Frauen, stimmt für den Frieden!" M. T. Äu die Frauen! Tag der �Dahl bricht bald herein« �Werbet, wirket jeden Tag, DaK der Welt ans Gnal vnd Stet« Ovoter �Maitag leuchten mag. Tag der'Wahl. Vergeltungstag l Jede Stimme hat Gewicht. V5as tu festen Bauden lag, !Xetkt sich auf zum Weltgericht. W>eu die dunkle Sorge driUkt, BZer in l?lot und Schatten geht, Set in hellen Glanz gerückt, Der um uns're Fahnen weht. Uns'reu Fahnen sei der Sieg, Nüttelt auf» was baug' und laul Älter Knechtschaft Kampf und Krieg. Kämpst und sieget. SBlanu und Frau! _ SchSnlant. Bürgerblock gegen Schulspeisung! Dte geistige Entwlcklungsmögllchtelt der Kinder wird stark be- «influßt von ihrem Gesundheitszustand. Wie aber steht e» um d l e Gesundheit der Arbeiterkinder? Der Bürgerblock hat dafür gesorgt, daß die wichtigsten Nahrungs- mittel eine ungeheure Verteuerung erfahren habe». Das wirkt sich del den Kindern des Proletariats aus in steigender Unterernäh» rung. In Zunahme von Rachttl», Skrofulöse und Aus- breitung der Tuberkulose, deren bester Entwicklungsboden die Unterernährung ist. So waren in einem Berliner Schulbezirk nur 8 Proz. der Schul» Neulinge in gutem ErnShrungszustand. aber 79 Proz. mittel und IS Proz. schlecht ernährt. Infolge besonders hoch- gradiger Unterernährung und Schwäche waren S.S Proz. der «eu einzuschulenden Kinder gesundheitlich so schwer geschädigt, das; sie nicht einmal in der Lag« «arcn der Schulpflicht zu genügen! Die ssolgen der schlechten Ernährung werden besonder» deutlich erkennbar, wenn nach längerem Schulbesuch und durch Schularbeiten «n den kindlichen Organismus erhöhte Anforderungen gestellt werden. So zeigt die Statistik der Schulklassenunterfuchungen in »tnein Berliner Stadtbezirk folgendes Bitd: g u t ernährte Kinder......,.. 5,5 Proz. mittel ernährte Kinder 01,5 Proz. schlecht ernährte Kinder....... ZZ Proz. Für Kinderspetsungen hat aber der Bürgerblock trotz dieser erschütternden Ziffern kein Geld. DI« von der Sozial- demokratie dafür beantragten ö Millionen Mark wurden gestrichen! Dagegen haben die Regierungsparteien die erste Rate für den Bau eine» Panzerkreuzers bewilligt, dessen Gesamt kosten sich auf 80 Millionen belaufen. In einem Berliner Schulbezirk(Prenzlauer Berg) wurde bei einer Untersuch'.mg festgestellt, daß 7380 Kinder regelmäßig ohne erstes, und ZÜS Kinder ohne zweite« Frühstück zur Schule kamen» da» kümmert die Herren de» Bürgerblock» wenig. Sie haben keinen Pfennig für die Arbeiterkinder, aber Mil- lionen für ihre Flottenbaupolttlt. Mit dem Bau des ersten Panzerkreuzer» ist ein Flottenbauprogramm eingeleitet worden, welches das deutsch« Volk mit 500 Millionen Mark belasten wird. Das muß durch den neuen Reichstag verhindert werden. Am 20. Mal haben die Frauen die MSglichkeit, dafür zu sorgen, daß der kommende Reichstag die Steuergroschen des deutschen Volke» nicht wieder für sinn- und nutzlose Rüstungen verpulvert, statt sie zur Erfüllung der sozialen Pflichten des Staates gegenüber den Schaffenden zu verwenden. Der Bürgerblock hat dem Proletariat den Brotkorb Häher gezogen, hat die Arbeiterkinder den Gefahren der Unterernährung aus- gesetzt. Wollt ihr, daß mit dieser Hungerpolitik endgültig Schluß sein soll, wollt Ihr für die Zukunft eurer Kinder kämpfen, dann wählt am 2 0. Mai Soztaldein«» k r a t e nl Die bembergseidene Internationale. Für die Welt, dte setzt tn violetten und bordeauxroten Luxus« zvgen oder tm stählernen, blanken Flugzeug herrlichen Meere«- gestaden, Himmel ragenden Bergen entgegeneilt, um sich vom Ben- gnügen zu erholen und bei der Erholung zu vergnügen, für dies« Welt hat sich mit viel Retlame tn Großformat eine neue Zeit- schrlft,„Bog»«", aufgetan, die mit den Abbildungen unerhört kost- spieliger Toiletten, traumhafter, vtelgestalltger Schuhe. Rotschläge» einer raffinierten Schönheitspflege und snobistischem Geschmus« unsere deutsch« Kultur bereichern will.(Ernstlich, eln.wichttge« Kulturdokument" will dieses Kurfürstendammgewächs fein!) Sie tut die», indem sie einen„Style Bog»«"(chafft, der so aussteht:„Im großen ganzen aber ist sede Frau den Anforderungen, dte der Tag an sie stellt, mit drei Typen von Kleidern gewachsen." E» wirb Stimmzettel zur Reichs- und Laudtagsvahl am 20. Mal weiterhin von der Frau verlangt, daß sie kein«.Schuhirrtümer begeht, und wir werden dahin belehrt, daß 1923 das Brautkield wieder das Kleid geworden Ist, da» man nur einmal ttn Leben trägt. Man schlägt auch manchmal ein« beinahe philosophisch« Rot« an, wie in dem Satz:„Da» gut gewählt« Parfüm ist«ine Art Selbstbekenntnis der Frau, es hilft ihr, richtig verstanden zu werden. Die Mischung au, Parfüm und Persönlicssteit ergibt bei jeder Frau einen neuen Akkord." Run prüfe sich jede Leserin ernstlich, ob st« auch diesem„Style" genügt, denn sonst droht ihr die„Vogue'i „Wer sich erlaubt, gegen den Stil zu leben, wird bald al« Gro« teste bestaunt werden." Für ein« schassende Frau kann«» keine bessere Kur gege» „nationale" Wahlanwandlungen geben als die gelegentliche Vertiefung In eine dieser mondänen Spielerelen. Dort ist man tntev- national bis auf» Hautana.„Vogue ist da» mondän« Blatt zweier Kontinente. Sie ist da» Band, da» in ollen Ländern der Erde«ine gewiss« Klasse von Menschen zusarnmew schließt. Menschen, die sich für Schönhett. Luxus. Raffinement. Kunst und Kultur