Frauenstimme I Nr.12.45.Iahr� HeHüQC zum DOttüfirfe| 7.IVM 4S2S Die Wahlarbeit der Krauen. In Deutschland haben am 20. Mai 19 Millionen Männer und 21 Millionen Frauen Gelegenheit zum Wählen gehabt. Das zahlenmäßige Uebergewicht der Frauen im wahlfähigen Alter gab der Partei, die den Frauen ISIS das Wahlrecht gegeben hat, eine große Verantwortung. Unsere Genossinnen sind sich dessen ebenfalls bewußt gewesen und haben sich für den Wahl- kämpf gerüstet. Das Schriften- Material, das die Partei in Flugblättern, Broschüren und Zeitungen herausgab, wandte sich zugleich an die Wählerin und den Wähler. Es war sehr reich- halttg. Daneben aber sind auch noch besondere Flug- schriften für Frauen heraus- gegeben worden. Eine kleine Broschüre„Frauen unter- weg?" betitelt, ist sehr ge- fällig und sehr anschaulich ge- halten. Flugblätter, in denen irgendeine, die Fraueninter- essen besonders berührende Fragen erörtert ist, war zur allgemeinen Verbreitung be- stimmt. Die einzelnen Wahl- bezirke entfalteten dann noch eine individuelle Agitation. In Berlin wurde«ine besonder« Frauenzeitung„Die Wählerin" herausgebracht und in großen Massen oerbreitet. Andere Wahlbezirke stellten den Ge- nossinnen„Briefe" zur Ver- wendung an Bekannte. Freunde und Verwandte zur Verfügung. Eine sehr schöne, für den Zweck der Wahlpropaganda ausgestattete„Frauenwelt" Nummer 2 wurde vom Parteivorstand in erhöhter Auflage zur indivi- duellen Propaganda zur Verfügung gestellt. Auch Rednermaterial wurde für die Frauen besonders zusammengestellt. Eine sehr gute Zusammenstellung dessen, was die Partei auf sozialistischem Gebiet für die Familie, Frau und Jugend getan und gewollt hat, was ihr an For- derungen an den neuen Reichstag noch übrig geblieben ist, gab den Genossinnen und den Genossen die Möglichkeit, sachkundig und eindringlich zu den Frauen zu sprechen. Wo es zweckmäßig war. wurden besondere Frauenoer- anstaltungen abgehalten. In den meisten Gegenden aber sind die Frauen schon daran gewöhnt, mit den Männern gemeiwam in die Versammlungen zu gehen. Unsere führen- den Genossinnen sind schon immer in die allgemeinen Rednerliften eingefügt, sie sprachen über die allgemeine Polisik der Partei ebensogut und ebensogern und behau- Velten da, was man vielfach als Frauenfragen bezeichnet, in dem Referat mit. Nebe« der Verionnnlungspropaganda lag der Schwer- Punkt auch auf der Betriebs- und iiausagitation. Sie war, je nach der sozialen Struktur der Wahlbezirke organisiert: daß sich unsere Genossinnen dort mit zur Verfügung stellten. war seibstoerjiänvtich. sie scheuten nicht Wind noch Wetter und besuchten vesonders gern die Frauen auf dem Land« in D»s Lied vom täglicKen Brot. Das ist cIas Lied vom täglichen Brot, Die es erschaffen, leiden Not. Die Kleider wirken— gehen bloß, Die Häulcr bauen— wohnungslos. Das ist das Lied vom alten Ocfchlccht: Dem Herrn das Land; die Fron dem Knecht, Die Kohlen graben— ohne Herd, Die Werte Ichaffen— ohne Wert. Das ist das Lied der höllischen stein: Dem steichen Brot, dem Armen Stein. Dem Armen Nacht und bittres Muß, Dem Reichen Glan? und öberffuß. ihren Häusern. Die Partei hat wieder b3 Genossinnen auf- gestellt. Davon sind 20 in den Reichstag gewählt worden. Die demokratischen Blätter beschäftigten sich viel mit der Frage, ob die Frau sich für das Wahlrecht reif zeige oder ob sie nicht doch von Natur aus unpolitisch sei. Selbst- verständlich ist diese Frage vom Standpunkt der einzelnen Partei aus nur ganz suojektiv zu beantworten. Zur Grund- tage solcher Betrachtungen macht man die prozentuale Be- teiligung der Frau an früheren Wahlen und— in den Bezirken, in denen die Stimmab- gab« zwischen Männern und Frauen getrennt erfolgte— die Verteilung der Frauen- stimmen auf die einzelnen Par- teien. Solche kleinen Stich- proben lassen eigentlich nur den Schluß zu, daß die Frauen in katholischen Gegenden stärker unter dem Einfluß der von der katholischen Kirche beherrschten Zentrumspartei stehen, als die Männer. Das hat mit der Ab- Neigung gegen die republika- nische und demokratische Re- gierungsform nicht das ge- ringste zu tun.■ Das ist das"Lied, wenn der Aufruhr gellt, Wenn alte Schmach an uns?erfchcllt. Das ist das Lied, das nicht verzeiht. Ihr Knechte,(cid?ur Tat bereit, Bruno SdvSnUnlc. Ein viel besserer Grad- Messer ist wohl die ö f f e n t- lichheroortretendepo« l i t i s ch e Tätigkeit der Frauen. Das ist etwas, was sich zahlenmäßig zwar schwer beweisen läßt, wovon man aber doch einen sichtbaren Eindruck gewinnt. Dabei ist— von uns aus— allgemein die Tätigkeit unserer Genossinnen in den Parlamenten anerkannt. Es gibt kein Arbeitsgebiet im Reichstag und im Preußischen Landtag, aus dem sich unsere Genossinnen nicht hervor- getan, auf dem sie nicht sachkundig mitgearbeitet hätten. Und die Stellungnahme unserer nicht parlamentarisch tätigen Ge- nossinnen zu den Gesetzen und sonstigen politischen Fragen in Versammlungen, Konserenzen und Kursen läßt durchaus ihre politische Begabung erkennen. Ihr Urteil ist gesund, die Zahl unserer Mitarbeiterinnen wächst und die Zahl der organisierten Genossinnen auch— von 165 192 auf 181 541 im letzten Jahre. Der aufgelöste Reichstag hat durch die Erledigung ver- schiedener Beschlüsse, die die Frauen sehr stark angingen, z. B. Zoll- und Ernährungsfragen. darunter die Be- schräntung der billigen Gefrierfleischetnsuhr. die Ablehnung der Speisung unterernäherter Kinder, dagegen Bewilligung eines Panzerkreuzers, Schaffung eines von sehr reaktionärem Geist beherrschten Gesetzes unter dem Titel: Schutz der KIn- der gegen Schmutz- und Schundschriften, den Unwillen der Frauen erregt. Der Versuch eines gleichartigen Gesetzes mit dem Titel: Schutz der Kinder bei Lustbarkeiten, scheiterte. Es war schon angenommen, wurde dann aber vom Reichs- rat. der«in Einspruchsrecht hat. beanstandet. Das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten erfüllt zwar alte Wünsche der grauen, hat aber auch reaktionäre Ve- stimmunlten. Die Staats?ugehörigkeit der Frau de» der Heirat mit einem Ausländer ist nicht erledigt. Die Ehe- schcidungsreform ist ebenfalls mit der Ar-flöfimg des Reichs- tags versunken. Ein Entwurf zur rechtlichen Gleichstellung der unehelichen Kinder mit den ehelichen ist gar nicht bis ans Plenum gelangt. Der neue Reichstag soll auch die große Strafrechtsnovelle durcharbeiten und verabschieden, die vieles enthält, was für das weibliche Geschlecht wichtig ist. Dies ist nur ein Weniges von den vielen politischen Fragen, mit denen wir die Wählerinnen gewonnen haben. Jede Woche kommender Parlamentsarbeiten wird erweisen, wie unentbehrlich die Mitarbeit der Frau für den sozialen Ausstieg ist.___ Marie I u ch a c z. Warum Konsumgenoffenschast? Die Wahlschlncht ist gewonnen! der Kamps geht weiter. Auch wir Frauen türjen jetzt nicht die Hände in den Schoß legen, auch wir müssen auf dem Posten sein. Wir müssen uns bewußt werden, daß wir die Verwalterinnen des Bolksvermögcns sind. Bei jedem Groschen, den wir aucgcbcn. inüssen wir überlegen, wem wir ihn zuwenden wollen: der Allgeineiicheit oder dem Kapitalismus. Wir dürje» unsere sämtlichen Bedarssariikcl nur in unseren eigenen Geschäften kaufen, das find die Abgabestellen der Konsumgcnossen- fchaslen, für uns Berlinerinnen die Konsum-Geuossenschast Verlin und llrngegend. Wir dürfen die Abgabestellen nicht als Krämer- laden betrachten, in dem wir nur das kaufen, was uns billig er- scheint. Nein, alles, Lebensmittel, Kleider, Schuhe, Möbel, Betten. alles was wir nur zum Lebeiwunterhalt gebrauchen, müssen wir von hier beziehen. Ich will nur ein Argunieirt von den vielen hervor- heben, weshalb: Die Genossenschaften bezahlen ihr Personal nach dem T a r i j der Gewerkichasten und beziehen diejenigen Artikel, die sie noch nilW in eigenen Fabriken herstellen, auch nur von solchen Firmen, die ebenfalls die Tarife ancrkanut haben. Je mehr sich der Umsatz hebt, , desto mehr Personal muß eingestellt werden. Alle Arbeiter bzw. Angestellten ober, die bei den Genossenschoslen resp. in den Fabriken der Graßeinkaussgeselllchait Deutscher Konsumvereine dtschüstigt werden, sind doch als Ausbeutungsobjekt stir den Kapitalismus verloren. Je größer und stärker die Genosse!. schoflen find, desto größeren Einfluß hoben sie aus den gesamten Wirtschajtsmarkt und auf die politische Lage. Wenn sich alle Frauen dies einmal richtig klar wachen wollten, so müßten die Konsumgenossenschasten einen der- ortigen Ausschwung nehmen, daß den Kapitalisten Hören und Sehen vergehen würde. Die Arbeiter hätten dann nicht niehr nötig, um ihren sauer oerdienten Lohn zu markten. Gewiß gibt es bei den Genossenschoslen auch noch dies und das, was uns nicht gefällt, aber das können wir doch nur ändern, wenn wir mit beiden Füßen in der Bewegung stehen und nicht, wenn wir als Außeniteheudc mäkeln. Wenn uns ein Preis einmal zu hach er- scheint, dürsei» wir nicht einfach die Ware ablehnen und wo anders kaufen, sondern wir müssen untersuchen, woher der höhere Preis lammt. Wir müssen auch das genaue Gewicht und die unversölschte Ware berücksichtigen. Auch müssen wir bedenken, daß wir den Rein- gewinn am Ende des Geschäftsjahres wieder zurückgezahlt bekam- inen. Wenst wir unsern gesamten Bedarf in der Konsumgciwsjen- schost decken, so erhalten wir am Schluß des Jahres, und ersreu- lichermeise gerade vor Weihnachten, ein hübsches Sümmchen ausgezahlt, von dem wir unseren Lieben ein schönes Weihnachtsjcst bereite» können. Wenn wir gute und treue Genossenschastlerinnen sind, unterstützen wir unsere Männer im Kamps für die Zukunft des Proleiarials mindestens ebenso, als wenn wir mit zum Zahlabend gehen und dort sür die schönsten Resolutionen stimmen und am nächsten Tag unser Brot bei einem dcuischnationaien Bäckermeister kaufen. Marie Eggert. Die Tragik Annettes von Droste. Zu ihrem so. Todesiaa. Frühlingswind streicht über das Land der roten Erde. Ein wanner Hauch von Blüte und Fruchtbarkeit cnlstiömt den weiten Feldern, aus denen rcijeudcs Getreide im leisen Rhyihmus der bc- wegtc» Lust sich hebt und neigt. Klein« Waldungen, Eichen und Buchen, in deren Schatten Lcilchen und Hiiiwelsschl-ussei blühen, durchbrechen die weichen, redten Linien der Ebene. Ab und zu ein GeHöst, eine Hütle, Fachiverkbouken mit lies geneigtem Dach, hinter dem sich Boden- und Speicherräum« bergen. In dieser Landschast steht das Räschhaus. de» langjährige Aus- »niholtsart der Dichterin Amiette von Droste-Hülshasj igest. 24 Mai HWfi). Aus diesem herben Boden keimt« ihr Leben, aus ihm strömten die Kräsl«, die ihr Lebe»«nd Dichten oft so tragisch und aei höngiüsvoll beeinslußlen. In diesem abgelegenen, der Welt enl- rückten Haus? beaaun das tiefe Erlebnis mit Lrvin Schücking, dem Sohn ihrer Jugendfreundin, das die gewaltigen Fähigtesten ihrer dichterischen Gestaltungskraft weckt« und dem Menschen In ihr auf kurze Zeit die Reise und Erfüllung brachte. Hierher kehrte die vcreinlamte, alternde Frau zurück. Hier vergrub sie sich krank und zu Tob« erschöpst in der Abgeschiedenheit der wesisälischen Eben«. Lcvin Schücking. der ihren Geist und die seelische Bcranlogung Ihres Wesens begriffen hatte wie nie ein anderer Mensch ihrcr Umgebung, faßte einmal das Tragische, llnawege füllte dieses Lebens in dem Satz zusammen, daß ihre aristokratische Erziehung den Menschen in ihr nie zur Erlösung komme« ließ. Mit diesem Urteil hat er die llessten Wurzeln dieses von widerstreileirdeii Kräsien des Verstandes und der Seele erfüllten Lebens bloßgelegt, das den Flug zur Höhe und zur Freiheit nur dichterisch gestaltete, ober nie- mats in der Wirklichkeit und im Alltag wagen durste. Sie wurde ein Opfer ihrer aristokratischen Geburt und ihres Jahrhunderts, die dem kaiholischsn Edelfräulein entweder die Ehe oder dauernde Be- vormundung und Unselliständigkeit vorschrieb. Es war Annclles Tragik, daß sie sich diesem Zwang, der vor allem von ihrer Mutter ausging, niemals scharf und mit Entschiedenheit wid-ersedie, sondern daß sie aus Kindesliebe, aus Pflichigesühl und aus Pietät versuchte, einen Ausgleich zwischen sich und ihrer limgebeuig hcrbeizusuhren. Immer wieder macht sie verzweifelte Anstrengungen, sich den Wün- scheu der Familie, ihrer Denkweise, ihrcr Lebencausfassung anzu- passen. Es gelingt ihr, die eigenen Wünsche und Hosinungen zum Schweigen zu bringen, aber der Kräfieaufwand, dellcn stc bedarf, um olle» Hochslicgende, Kühn«. Groß« zu unterdrücken, reibt sie langsam körperlich und seelisch aus. Rur in der kurzen Zeit ihrer Freundschait mit Levln Schücking schwingt si« sich hinüber in ihr eigenstes Reich. Nahezu alles Bedeuleirde, was sie überhaupt pc- schassen l?at. die Mehrzahl ihrer Gedicht« und Balladen, sind die Frucht dieser wenigen Monate. Es war der Winter 1841.'42, den Annette auf der Meereburg am Bodens«. cm«r Besitzung ihres Schwagers, bei dem Schücking als Bibliothekar angestellt war. vcr- lebte. Schücking war der trstische, anregende, seir.gebitdei« Fördsrcr, dessen die von jeder össentlichen Wirksamkeit abgcschloss«!!« Frau so sehr bedurste, linier seiner Einwirkung werde» die tiesslen Kräfte der gaslatienden Dichterin lebendig, der träge und leblos dahin- fließende Strom wird zu einem rausckzenden Meer, das>m«rschöpi- lich sä, eint. Aber der Abschied, die Heirat Schückina«, tiefe Miß- verftändmsie und Entsremdimgeii, die durch di« Veröisenltiche-ng eines Romans Schücklnas nach verschürst werde», bewirken ein«» jähen Absturz aus der oewonneneii Höbe. Bus der Ichijsensjreudi- gen, genialen Dichterin, die zum ersten Male in ihrem Leben einen vollkommenen Widerhall ihres Mcnscheiitmns und ihrer seeiischen und geistigen Eigenart crleUr hatte, wird ein« müde, vereinsamte, kranke Frau, deren Jugendkräste endgültig verbraucht, deren Schwingen gelähmt sind. Einer ihrcr späteren Tiograptjeir rühmt Annette vrn Droste als ein Muster sich selbst überwindender Kindeslieb«, als ein leuch- lcndes Borbild für dos kommende Geschlecht, lind«ine katholische Schriststcllcrin, die der Dichten,,«bensall« ein Buch geu>idm«t hat. findet es ganz natürlich, daß di« Vierzifluihriae ohne die Einmivi- aimg der Mnlter es nicht wagen durfte, ihre Gedichte zu verössoik- lichen, daß ihre Briese geöffnet und van der Mutter gelesen umviMN. Sie bcklaot sich vielmehr über die„unbändige, moderne Zeit", die sich über solch« Maßnahmen entrüste. Der vonirteilslole Leser allerdings gewinnt aus den Werken und Briefen der Dichterin ei» ganz anderes Bild. Die Geschichte der Dichterin wird zum Ausschnitt aus der Leidensgeichicht« der Frau überlzaupt, die sich nur durch unablässigen Komps gegen eine vorurteiisvoU? Zeit durchsetzen tonnte, ein« Zeit, die ihr jede Freiheit, jedes Recht und jeden Persönlichkeitswert verweigerrte. Daß Annclle von Dros'e als Kind dieser engen, beschränkten Zeit geboren wurde, daß ihre gewaltigen, genial?', Kräfte in Traditio» und Etikette«rslickien, ist darum keim Einreltragödie. sondern«in Ausschnitt aus der Leidens- geschichte der gesamten Frauenwelt, die sich«ist in lange», erbitterten Kämpsen, die auch heute nach nicht abgeWessc» sind, ihr Mensche» rech, erobern mußte. Ein Seilenstück zu Helen Keller, sei,« blinden und taubstuinmen Amerikanerin, die ein Studium absa'niertc und deren erstaunliche geistige Leistungen seinerzeit großes Aufsehen erregten, bildet eine blinde achtzehnjährige Amerikanerin, die kürzlich ein» oroße Rund- reise durch Europa gemacht hat und jetzt eine Weltreise zu unternehmen beabsichtigt. Wie aus ihre» Ausfühnmge» gegen über Presse- Vertretern hervorgehl, ha: sie sich ein sehr tressendes Bild von Land und Leuten machen löimen, zu denen ihre Reise sie gejührt hat. Tüchlsg? Rorweaerinnen. Vor kurzer» erhielt Norwegen seinen ersten weiblichen Schiisskapitän, e>i« Fräulein Gudrun Trögstad, die kick, jetzt mit eine», ihr anvertrauten Schisf aus Langsahrt betindr!. Eine andere Norwegerin Fräulein Daony Berger, hat in den letzten « Tagen in London ihr Pilotcn-Zertijjlat bekommen. Kleinheim ober kein Heim? HcttraH an d-n Ränder« dcr Grcßstodt, dort, wo endlos« grcme Straßensüge in s lachen Kartosseiackcr, in Laubenkolonien oder märkischen Kiefernwald übergehen, wird«ifrig gebaut. Schmucke, gejällige SiedUmgen werden unter der Leitung künstlerisch cmp- findender moderner Architekten als wahre Oasen behaglicher Wohn- kichkeit für den abgehetzten Grotzsiadtmenfchen hervorgezaubert! die Stadt gibt dazu ihrm unentbehrlichen Segen in Forin von Hypo- thekcn aus der Hauezinssteuer. Nicht für finonziell Bevorzugte will man bauen, sondern für die breiten Massen des arbeiteirden Volkes — so ist wenigslens die löblich« Absicht—, aber wie steht es mit ihrer Verwirklichung? Seien wir doch ehrlich: für die meisten derjenigen, die man Glaesüllung. Die eingebauten Möbel sind aufs änheifte du der Küchenschrank besitzt eine Ausziehplatte zum Anrichten, Spüb decken und Küchensensteibrelt sind in einer Höhe und dem nötigen Abstand gehalten, um dort das Bügelbrett auszulegen, das Oessnen der Kächcnscnster— einfach« Fensier mit doppelten Scheibe»— soll soweit oberhalb des gensterbreltss crsoloen können, daß nicht vorher alle im Fenster liege ndoN und stehenden Tops«, Lrotkaslen usw. fortgeräumt werden brauchen. Der Epeiseschronk hat isolierte Kork- wände imd Luftlöcher. Innerdolb der Wairdbank uird über den Betten ist ein Schrankraum zur Unterbringung oller möglichen Dinge vorgesehen. Die zwei Betten ragen nicht frei ins Zimmer hinein. vcrunschöne» es und nehmen allen Platz{ort, sonder» sind in einer Art Nische hinter einem rchfcacht: , Pemif- Beispiel einer Kleinstwolmung. imitttiMtuiuuMMiioKiHwmim'HNtuirafuiiHimmiit .i.iniromtiPMitnittmwtnKNHi juit den hübschen Neubau hr im cn beglücken will, sind die Mieten unerschwinglich. Zu einer Zweieinhalb zimrnerwvhnung, die gg bis 70 M. Monatsmiele kostet, und aar erst zu einem Ein- samilienhans mit llll M. Miete gehören Einkommen von ZOO. ja 500 M. monatlich. Darüber verfüge» die wenigsten Kleinverdiener, haben doch 80 Pro?, aller Berliner Wohnungsiichenden nur ein Einkommen von nicht über L50 M. monatlich, davon 60 Proz. nicht mehr als 200 M. Die große Masse der Kleinvcrdicner kann also angesichts dcr gutgemeinten Rcnbauten und Nenbauprojekte nur leise weinend seufzen:„Was nützet mir ein schönes Mädchen, wenn andere mit spaziere» geh»?' Komme man gegenüber der„echten' Kleinwohnung, der Klein- wohnung, die— leider— für die große Masse unserer Zeitgenossin, nun einmal die finanziell gegebene Wohnsorm ist, d jeder enist hafte Schritt, der ans dieser heute tausend- und abcrtausendsachen Not getan wird, ist ein Fortschritt. Sn Lichtenberg wird ein« Kleinstwohnung gezeigt, die zu erschwinglichem Preis herstellbar ist. Sie Muht aus K ü ch e, Z i m m c r u» d B a d. Ganz bewußt hat man sich gegen die Wolmtllche und s ü r das Wohnzimmer, das heißt für eine kleine Küche zugunsten eines geräumigen Zimmers«ittschieden. Die aus den notwendigsten tzllrum begrenzte Köck)« soll die Arbeitsstätte der Hnucfrmi sein, das Wohnzimmer der behagliche Aufenthaltsraum der Familie. Die Keine Küche er- spart ter Hausfrau jede unnütze Lauferei zwischen Herd, Schrank, Wasserleitung uflv., die direkte Verbindung zwischen Küche und Stube— ohne trenneirden Korridor— macht das Tifchdecke» im Zimmer denkbar einfach. Kleine Kinder sollen sich nicht in Koch- und Wöl hedunst und Plättaasen der Küche aus- hallen: um dcnnech dcr Mutier eine stete Kontrolle der Kleinen zu ermöglichen, bekommt dir Tür zwischen Kütiz« und Zimmer eine Vorhang längs dcr Wand auszustellen. Eine Neuheil ist die in dcr einen Wohnung gezeigte Harmonikawond, die eine ge- räuschdtchte Abschließ'ing des „Schlajraumes' vom Wohnzim- mer gestattet. Da die Srhiosnlsche ein eigenes Fenster Hot, kann man bei kaltem Winterweiter die Schtasnisch« Kisten, ohne das Wohnzimmer auszuköltc». Eben- so haben Küche, Stüde und Bad je ein Entiüstungsrohr. Schloj- statten für Kinder muß man ge- schickt ohne Raumsortnahme jür Kinderbetten zu schasse» ver- stehen. Es einpfehien sich für solche jungen Ehcprrar«, die An- wärter auf eine Zkleinstioohnung sind, also aufklappbare Schlaf- fofas, Lehnsessel und Kinder. schlasschränke, die tagsüber an dcr Wand hochgeklappt werden können. Und irun das w i ch t i gste: die Preise! Die Wohnung ohne Einbaumöbel soll kosten monatlich etwa 4t M.. die Wohnung mit»ingcbauiei» Mö- b-ln 5 0 bis 5 3 M. Diese Preise haben aber noch eine sehr wichtig« Voraussetzung: sie sind nur erreichbor, wenn d>« Stadt in Form der Hauszins- diesen Wohnungen zutow- leicht geneigt sein, dies jür eine Selbst- Berlin ihre Unterstützung st c u c r h y p o t h e k c n m e n läßt. Man wird Verständlichkeit zu halten, da es sich doch in der Tat um W-ihnungen für Minderbemittelt« handeit. Aber ongesichts des tust, und sonnen- losen Mielekascrnenelends, das 65 Proz. aller Berliner Altwohuun- gen zu Bazillenbrutstätten macht, ist jür die Gewährung der Haus- zinrfteuerhyvothck das Prinzip dcr Ouerlüftung aufgestellt worden. d. h. die Wohnung»uiß nach zwei verschiedenen Ironien hinaus- liegen, um Lustdurchzug zu gestatten. Das ist bei der Meinst- wohnung nicht der Fall— man ersetzt übrigens die Ouertüslung durch eingebaute Lüflunzskamine—, und' darum macht die Gewährung der Hausziussteuerhypvthek noch Schwierigkeit. Nu» hat aber die Stadt Berlin den Bau von 5)interhäusern verdoleu— deshalb haben alle Neubauwohnungen viel mehr Licht, Lust und Sonne als früher. Deshalb kann man auf die Ouerlüftung verzichten, wenn sonst nur hngicnisch gebaut wird. Nur dann wird es mög- lich, schnell in größerem Umfang d I l l i g e Kleinftwohungcn her- zustellen. Der Lichtenbergcr Bauplan sieht zugleich Einzelzimmer vor— geeignet für eine oder einen berufstättgen Unverheirateten— mit Kochnische, eigenem Klcseit, Speise-, Küchenschrank usw. Die Miete soll höchsten» 30 M.. betrogen. D i e Klein st wohnung i st natürlich kein Ideal, sie i st nur ei» Notbehelf. Aber die Kleinstwohin>»gen tann man so anteoen, daß spater«iimral zw«! Kleinstwohnungen zu einer größeren vereinigt werden können: Dann enistchen daraus die Zweieinhalb- oder Dreizimmerwoirnuisgen, die für jede Famiii« das crttrebcnswerte kcheal b-lden. Gelingt es, die Löhne entsprechend zu steigern oder d'e Mieten zu lenkcn. dann tonn die Kleir.slwchnung zur Kleinwohnung enreitert werden. Für die graue Gegenwart aber, sür die groß« Mass« der Wohnungsuchenden konunt es znnöchst einmal daraus an, schnell billig« Kleinst- Wohnungen zu schassen. Das Kind in dsr Zigarrenkiste. „So'n Ouai'ch gwubstü? Wo du immer so aufgeklärt und ge- bildet sein willst?" Mißbilligend steht meine Freundin Erna am Tisch und dreht ein Buch uin, auf dem groß und deutlich der Titel „Traumdeutung" steht.„Wenn wir als Mädels mal zur Wahr- sagerin gegangen sind, hast du uns ausgelacht, und nu liegt bei dir schon'n äsyptisches Traumbuch rum!" Ich lachte.„Ganz so schlimm, wie du die Sache ansiehst, ist sie nun nicht; aber ich muß zugeben, daß ich schon an Traumdeutung glaube. Freilich nicht nach dem großen ägiipliichen Traumbuch, aber schon nach der Methode, die der Verfasser dieses Buches hier ersunden hat." Erna war empört.„Na, denn kannst« mir meinswegen ja ineinen Traum deuten, von heute nacht,'n schöner Quatlch is das gewesen!"„Also los. erzähle mal erst den Traum, dann reden wir weiter!" „Also ich war in einer Stube, wie in Böttchers„Villa"; meine große Else ivar auch da, die sollte mir helfen, aber dann stand sie Mir immer, im Wege, iiiiä) plötzlich war sie ganz klein und ich packte sie in eine Zigarrenkiste. Da waren noch zwei Zigarren drin von Ottos Serie. Else hatte komischerweise ein Kleid von meiner Schwester Trude an. so wie sie gestern an hatte, als sie mich de« sucht«, aber rosa... und nun sage mir bloß, ivas du aus dem Quatsch rausdeuten willst!" Ich überlegte: die Verhältnisse in der Familie«'.einer Freundin waren mir sehr genau bekannt. Aber wenn ich nun selbst ihr den Sinn ihres Trauniss erklärt hätte, würde st« protestieren, also mußte sie selbst das Material für die Deutung khres Traumes liefern.„Nun wollen wir den Traum einmal im einzelnen wiederholen. Setz dich ganz ruhig hin und versuche gar nicht nachzudeirken, sondern erzälzie noch einmal und sprich dabei alle deine Einfälle ans, die dir dabei unabsichilich kommen."„Schön! — Also ich ivar in einer Stube wie bei Böttchers— so ein Wochen- endhäusche» ist eigentlich mein Schwärm... oder wir werden uns ja teins leisten können, die Kinder tosten zu viel Geld... Die Else war mir im Wege... richtige chitfc hat man ja van den Kindern doch nie; ich Hab« mir auch eigentlich kein« Kinder gewünscht, und die Else kam gleich, als ich kaum verheiratet war. Ich tonn nur zwei-»der dreimal mit Oi'.o zusammen gewesen sein..." „chaltt Also du hättest auch gern so eine Wochenendvilla wie Böttchers, lind eben erklärst du ganz richtig, daß dir die Else dabei im Weg« ist. Ich kann mick) auch erinnern, daß dir Elf» damals, als sie vor 16 Jahren ihr« An tun st ankündigte, gar nicht wlAonimen war. Und dt! lagst sie in ein« Kiste, in der zwei von Ott»» Zigarren liegen... komisch, die Zigarren erinnern mich an ein« Ungezogenheit, die wir mal beide als halbwüchsige Mädels erlebten..." Erna fiel sofort ein:„Ach du nteiiist den ekligen Kerl, der uns im Park mit den ersten Zigaretten erwischte und un» anquatschte:„Frollein, rauchen Sie lieber eine scheene dicke Zijarre, sone." Erna mar ganz eifrig geworden; und nun>vu:de sie auf einmal feuerrot. Der Slnn des ersten Abschnittes ihres Traimves war ihr Aar gervorden; ich braucht« nicht mehr viel zu sagen. Die ochechtel, alit Ich glaube, du kamist ehrlich zugeben, daß du die Trude damals gern losgeworden wärest! Du wußtest doch damals schon als großes Maöchen von neun Iahren, woher die Kinder kommen, ani liebsten hättest du sie sicher..." ..Nicht rauslassen wollte ich siel Ich Hab« wir damals richtig meinen neunjährigen Kopf zerbrochen, wie man sie hindern köniite. zur Weil zu koenment" „Aber liebe Erna, nun ist ja alles klar! Der Traum erfüllt dir zw»! Wünsche, die sicher einmal zu de» größten deines Lebens ge- hört haben!" Erna zog einen Flansch:„Na. weißt du— von den Wünschen bin ich ichon längst abgekommen. Meine Elfe ist mir doch schnell genug lieb geworden, imd mit der Trude stehe ich mich dach am besten von allen meinen Geschwistern!" Ich erklärte ihr nun: „Ja, aber darum träumst du doch davon; denn seder unserer Träume birgt die Erfüllung etnes Wunsches, und gerade die Wünsche, die wir längst in uns begraben haben, macht der Traum lebendig. Wenn wir wachen,, ist die uns«ingepflanzte Ethik ein guter Polizist gogen die Verwiklichung dieser Wünsche, wir würden sie un» in den meisten Fällen nicht eimnal selber eingestehen. Im Traum aber schläft dieser Polizist auch— freilich manchmal mir sehr leise— und darum können wir in unseren Träumen uns die Wünsch« unseres „schlechteren Ich" erfüllen. Denn das wirft du mir nun nach dieser Deutung doch nun nicht abstreiten, daß du gegen die Else wie gegen deine Schwester früher einmal richtige Mordgedanken gehabt hast! Gegen die Else vor ihrer Geburt, und gegen deine Schwester, als sie dir das Recht der Erstgeburt zu schmälern drohte— auch schon, bevor sie auf der Welt war... Es mag dich wundern, daß diese Wünsch« nun heute wieder auftauchen; aber es geht nichts verloren, alle Dinge, die wir längst vergessen wähnten, können wieder auf- tauchen, und wir alle tragen an uns noch die Narben aus unseren Kinderjahren, von Kämpfen und Kriegen, die wir längst vergessen wähnten. Du hast in Wahrheit heute noch nicht die Zurücksetzung überwunden, die du als die Aeltest« von deinen Eltern bei der Geburt der Trude erdulden mußlest, und ich glaube, ein gut Teil deiner Empfindlichkeit ist daraus zurückzuführen. Du bist noch gut dran, du bist ein gesunder Mensch geblieben. Andere überwinden die Eindrücke aus ihrer Kinderzeit nie. Wie wenig aber der Polizist in un» schläft, beweist er dadurch, daß er uns die meisten unserer Träume stiehlt, d. h. sie uns so schnell wie möglich vergessen läßt, oft sogar schon im Moment des Erwachens. Wir sprechen darum auch richtig von einer„Traumzensur", die an mancher scheinbaren Ab- surdität des Traumlebens die Schuld trägt. Angstträume ganz be- sonderer Schmerz, den wir bei dem geträumten Tode eines Menschen empfinden— das alles sind Wirkungen der Traumzensur. Auch die Verkleidung durch Symbole— denk« mal an die..Zigarrenkiste", ist eine Wirkung dieser Zensur." Frau Erna sah mich nachdenklich an:„Also, mir scheint, daß in deinem ollen„ägyptischen Traumbuch" doch«ine ganz« Menge Bernunst steckt!— Besonder» was du darüber sagst, daß wir unser Kinderunglück unser Leben hindurch zu tragen haben, leuchtet mir ein. Vielleicht kannst du mir ein andermal mehr davon erzählen und auch von den komischen Dingern, die jetzt so modern sind— die Komplexe meine ich." Ich lacht« über die modernen Komplexe: „Gerne— und„wenn Se wieder mal was brauchen..." du weißt doch, ich komme sosort nach Empfang«ine,: Postkartei Dann können lvir uns ja mal über den Oedipuskomplex unterhalten, der ist wirklich eine sehr interessante Sache— nnd schließlich ist das ge- fche-ter, als wenn wir über Böttchers und die sonstigen Neben Mit- menschen„ruddeln"! Rose Ewald. Der Ausschuß sür Frieden und Völkerbund des Weltbünde» für Frauenstimmrecht und staatsbürgerliche Frauenarbeit veranstaltet vom ld. bis 21. Juni 1!)28 im Hotel de Bille, Lausanne, Schweiz, eine Soininerjchule über die Fragen der Schiedsgerichtsbarkeit» Sicherheit und Abrüstung. Da diese Soinmerschule keine Delegierten- konkerenz sein satt, ist jedes Eiuzelmitgiied des WslUimides, sowie die Mitglieder der angeschlofienen Verbände berechtigt, gegen Eni- richtuug von 3 Schrveizer Franken, an der Beranstaliunq lellzu- nehmen. Es wnd gebeten, sich so bald wie möglich bei Mike. Dora Bienemann, vue Enning, Lausanne, anzumelden, da der Naihau»- iaal nur liill Personen saßt und der Kursus desitaib nur eine be« schränkte Besiuherzahi zulassen kann. Kulöergeist. Der„ZNussident." Zwei Kinder, die mit der Sprache spielen: Als Heini noch klein war, bekam er ein Liederbilderbuch. Der da singt:„Muß t denn", ertäulerte ich ihm als einen Studenten. 5zeini aber begrüßte ihn fortan mit den, Wort: Das ist der M u s s i d e n t.— lind Susi gar erst? Die kam bei ihren Variationen de» Wortes„Pappa" schließlich cinmol dozn. mich mit dein Kosewort anzureden:„Du mein lieber P ä p?« r l i n g I" Der höstrche Zunge. Der kleine Harry ist sehr gut erzogen inrtt weiß bester als mancher„erwachsene" jung« Mann, was sich Name» gegenüber schickt. Eines Tage» fährt er mil seinem Papa im Autobn». Da kein Platz mehr sr.'i ist, nimmt ihn sein Baler onf de» Schoß. Kurz Saraus steigt eine junge Dame ei» und findet ebenfalls keinen 5