ZraueiM i7ir.i4«45.3at>r�i] Beilage zum Vorwärts I 5.3v,i49Ts! Gegen das Volksgist. Von Chloroform, Morphium und Alkohol. Die Dinclen Wük Di« Menschen kennen eine Reihe von sogenannten Rauschgiften, zum Teil schon seit uralten Zeiten. Da» sind Mittel, durch deren Genuß man sich über Schmerzen, wohl auch über trübe Gedanken vorübergehend hinweghelfen kann. Unsere Aerzte operieren kaum mehr ohne Narkose; denn die furchtbaren Schmerzen, die ein Operierter auszuhalten hätte, würden eine Neroenleistung von ihm verlangen, die man ihm besser erspart. Chloroform oder A e t h e r lassen ihn unempfindlich werden. natürlich nicht ohne daß dadurch seinem Gehirn und Nervensystem auch ein gewisser Schaden ge» fchieht. Narkose heißt Lähmung gewisser Hirnzellen, von deren Tätigkeit unser bewußtes, waches Leben abhängt. Eine einmalige Narkose wird mit einer ein- maligen Schwächung dieser Ner- oenzellen bezahlt. Der Körper aber hat die wunderbare Fähig- keit alle» Lebendigen, Schäden wieder auszugleichen, und diese Fähigkeit ist vielleicht am stärk- sten während der Bettruhe de» Gesundenden, wo alle» eben nur auf die Wiederherstellung der Gesundheit eingestellt ist. So wirkt diese Narkose sehr segens- reich.— Auch noch anderer Rauschgifte bedient sich der Arzt. Durch Morphium einspritzun- gen übertönt er die beunruhigen- den Schmerzen, die den Kranken hindern, still zu liegen und die Heilkräfte der Natur wirken zu lassen. Durch Morphiumein- spritzungen erleichtert er dem hoffnungslos Kranken die letzten qualvollen Tage oder Stunden, hält ihn in einem tröstlichen Düinmerzustand und hilft ihm auf diese Weise den Weg in das Nichts ohne allzu große Qualen zu finden. Es ist Sache des Arztes, genau abzuwägen, wieweit er hier helfen darf. Und Vorficht ist geboten. Gar mancher Genesene besinnt sich wohl noch daraus, unter wie großen Qualen es ihm erst möglich geworden ist, die während der Krankheit gewohnt gewordene Morphiumdosis sich wieder abzugewöhnen. Der Körper und besonders das Nerven- system hatten sich an diese Lähmungserscheiiuingen durch die Morphiumspritze gewöhnt. Er sehnte sich nach diesen be- täubenden Wirkungen, auch wenn die Schinerzen nicht mehr da sind. Nun hilft uns hier das Gesetz. Der Laie darf sich nicht selbständig Morphium verschaffen. Hält der Arzt es nicht mehr für nötig, so muß der Körper init der Entziehung fertig werden, und er wird es natürlich auch, wenn nicht Sorglosig- keit des Arztes eine zu feste Gewohnheit geschaffen hat, und wenn nicht etwa eine ererbte Neigung des Menschen zur Be- täubung durch Rauschgifte, eine ererbte Schwäche seines Seeleniebens der Naujchgistwirkung so entgegenkommt, daß S s s s s 9 9 9 9 9 9 9 * 4 ü. en. Trat? Stahl und Stein, und Qualm und Dampf, Trot? Asphalt, L&rmen und Geltampf Ift üher sreller Großftadtnacht Die Lrindenhlüte aufgewacht. Sie FiÄngt in goldnen Tropfen Und läßt das Her? dir klopfen. Auf einmal mußt Du stille ftchn. Du atmest tief, mußt aufw&rts lehn. Wie's aus den BlÄttcrherjfen quillt, Wie süßer Duft verehht und schwillt. Und jede Lindenblüte Wird sommerliche Güte. Schon stehen andre wie gebannt Und fühlen Dorf und wette» Land. Sie seh n(ich an und blicken groß. Und Worte ringen tief fleh los, Und find wie taufend Lieder: Die Linden blühen wieder. Bruno Scf» JnlanÄ Art Art rtdrtrtrtiVfc, auch schon an sich geringe Gaben, die im allgemeinen un- schädlich sind, einen solchen Hunger nach diesem Eist erzeugen, daß der Kranke zum Morphinisten wird. Am leichtesten geschieht das beim Arzt, der ja das Recht hat, Morphium zu verschreiben. Aber auch andere Menschen fallen so stark in diese Gewohnheit, daß sie auf tausend schwierigsten Umwegen sich das Geld verschaffen, es vielfach mit dem wirtschaftlichen Ruin ihrer Familie erkaufen und selbst einem qualvollen zerrütten- den Niedergang versallen. So steht es auch noch mit jenem berüchtigten weißen Pul- ver, dem— Kokain, das in ge- wissen Kreisen der Lebewelt nach dem Kriege viel genommen, durch Schmuggler und Hehler in den Handel gebracht wurde. Aber Kokain und Morphium und die meisten anderen Rauschgifte, die dem freien Handel entzogen sind, haben eigentliche soziale Bedeutung nicht erlangt. Von gesellschasllicher Wich» tigkeit ist nur das Rauschgift Alkohol geworden. Denn dieses Gift wird in Verhältnis- mäßig starker Verdünnung als Schnaps. Bier oder Wein in un- geheuren Mengen hergestellt, ist frei verkäuflich und kann seine Wirtungen infolgedessen auf einen ganz großen Kreis von Menschen ohne jede äußere Hem- mung ausüben. Die'Wirkungen sind ja be- tannt. Wir alle kennen Lebens- geschichten von Menschen, die einmal brav, begabt und voll Hoffnung auf eine schöne Ge- staltung ihre» Lebens angefangen habe»; irgendwo haben sie dann den regelmäßigen Trunk gelernt, vielleicht als Studen- ten bei ihren Korporationen, vielleicht als junge Arbeiier, die sich aus der Not der zu engen Wohnung ins Wirtsl)aus flüchteten. Es ist in der heutigen Gesellschaft nichts leichter zu lernen als das Trinken. Nur sehr gefährdete Menschen werden schon jung zum Trinker. Meist geschieht das erst in den Dreißigern. Die Wirkung ist sehr allmählich. Ich denke an eine Köchin, eine besonders tüchtige Frau, die nach ihrer Lehrzeit sich zu einer gewissen Berühmtheit als Köchin eines Nestau- rants am Rhein ausschwang. Arbeit am heißen Herd. Arbeit mit den Massen von Fleisch und anderen Lebensmitteln, das oerschlägt ja so einer Köchin leicht den Hunger. Und zu un- geheuer vielen Speisen. Saucen, braucht sie einen Schuß Arrak, ein Glas Weißwein, und wenn sie sich schlecht fühlt, dann hilft sie sich über diese Schwäche dadurch, daß sie einen kleinen Schluck trinkt und doppelt gut geht die Arbeit weiter. Und den Gästen draußen, den srohlicheu Rheinländern, schmeckt est Gern lassen sie die Kochin kommen und laden & £ £ 9 £ £ £ £ £ £ £■ man ihr in die Küche dringt. So setzte sich die Gewohnheit bei ihr fest. Als ich sie kennen lernte, war sie nahe an 40. Sie- hatte eine Tochter, erzog sie sorgfältig, konnte sie aber doch nur schwer hüten, da sie ja eben täglich bis tief in die Nacht auswärts war; um so weniger, als sie mit ihren knapp 40 Iahren schon Trinkerin war. Schwankend ging sie nachts durch die dunklen Straßen heim, fand nicht immer den Heim- weg. Die Polizei wurde aufmerksam. Und bei einem ganz leichten Vergehen ihres Kindes nahm man ihr das Kind, gab es in Fürsorgeerziehung und nahm ihr damit den eigentlichen Halt, den lebendig gefühlten Zweck ihres Lebens. Es gelang mir damals nicht, ihr zu helfen. Gerade weil sie so verzweifelt war über die Trennung von ihrem Kind. gerade deshalb konnte sie die Trennung nicht bei hellem Bewußtsein ertragen, und so fand sie den Weg zur Flasche immer schneller, und es schien hoffnungslos um sie zu stehen. Da brach der Krieg aus. Und nach einiger Zeit stellte sich auch der Mangel an alkoholischen Getränken ein. Sie fand Arbeit, sie konnte sich halten, da es ja nichts für sie zu trinken «ab, und als ich sie das letzte Mal sah, war ihre erwachsene 'achter bei ihr, und ich tonnte hoffen, daß sie gesund und in Ehren ihr Leben zu Ende bringen könnte. Aber wieviel andere Geschichten könnte ich erzählen, wo aerade die begabtesten Menschen sich gegen die dauernde Ver- suchung, die der ungehemmte Alkoholverbrauch bedeutet, nicht wehren konnten. Vielfach ist natürlich eine besondere An- läge der eigentliche Grund der Trunksucht, eine seelische Schwäche, ohne die der betreffende Mensch wohl beim mäßigen Trunk geblieben wäre. Solche Menschen sind schwer oder gar nicht heilbar. Am allerschwersten jugendliche Trinker. Und deswegen ist es so besonders wichtig, daß wir uns mit der Frage des Schutzes der Jugend vor dem Alkoholgenuß beschäftigen, wie es ja auch eine Menge Anträge des deutschen Reichstages einmütig getan haben. Als nämlich der Reichstag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten einen wirksamen Kampf gegen die Schäden, die der Alkohol an- richtet, abgelehnt hatte, da suchte er vor sich selbst das Gesicht zu wahren, indem er wenigstens den Schutz der Jugend be- antragte. Solange das gesamte Volk freien Zutritt zu jeder bezahlbaren Masse des Getränkes hat, kann das ja nur durch eine starke, bewußte Erziehung geschehen, und wir wissen es: die Befreiungsarbeit einer Klasse kann immer nur ihr eigene« Werk sein! So können wir auch den Jugend» alkoholismus nur bekämpfen, indem wir die Jugend selbst zu diesem Kampf aufrufen. Unsere Arbeiterjugend hat diesen Ruf gehört und ist Willens, diesen Kampf zu kämpfen. Aber er ist schwer; denn das Alkoholkapital ist heute ungeheuer stark. Eine Bodenfläche, die ungefähr so groß ist wie der ganze Freistaat Baden, dient als Anbaufläche für Trauben, Braugerste, Hopfen und diejenigen Kartoffeln und Getreidearten, die zur Schnapsherstellung gebraucht werden. Wir gaben im Jahre 1926/27 4% Milliarden für alkoholische Getränke aus, während die Einkommensteuer des Reiches in dieser Zeit nur 2Vt Milliarden, die Spareinlagen der deut- schen Sparkassen damals insgesamt nur 2�» Milliarden vetrugen. Auch hat sich das Alkoholkapital in mustergültiger Weise organisiert. Vor dem Kriege hatten die Vereinigungen der Brauer die Gewohnheit, gegen den Schnapsverbrauch und fir mäßigen Bierverbrauch zu kämpfen. Heute ist neben iesen vertikalen Unternehmerorganisationen die horizontale Bindung des gesamten Aikoholgewerbes sehr stark geworden und ihre Ablehnung gegen jede gesetzliche Einschränkung des Alkoholverbrauches ist ganz systematisch. Das internationale Alkoholkapital ist fest entschlossen, jede kleinste Einschränkung des Verbrauchs genau so zu bekämpfen, wie es die Trocken- legung, das Alkoholoerbot, bekämpfen würde. Und so hat es auch den bescheidenen Antrag, den Finnländer, Polen, Schweden, Belgier, Dänen und die Tschechoslowaken an den Völkerbund im letzten September gestellt haben, zu Fall gebracht. Dieser Antrag wollte nichts, als einen Ausschuß zum Studium der Alkoholfrage einsetzen. Das Alkohol- kapital hat die größten Mittel angewandt, um diesen Antrag zu Fall zu bringen. Ich meine, auf die Dauer könne das nicht gelingen. Denn eine ganze Menge anderer Völkerbundsausschüsse, der Aus- schuß für die Bekämpfung des Mädchenhandels, der Ausschuß für Kinderwohlfahrt und andere sozialpolitische Ausschüsse haben immer wieder den Finger auf diesen Punkt gelegt: Wie sollen wir die Wohlfahrt der Kinder heben, wenn wir keinen wirksamen Schutz der Jugend gegen Alkohol erreichen? heute geltenden Verbot des Verkaufs alkoholischer Getränke an Kinder und des Verkaufs von Schnaps an Jugendliche unter 18 Jahren, wäre wohl die Hauptaufgabe die, den Gemeinden selbst ein Recht zu geben, die Zahl der Alkohol verkaufenden Wirtschaften zu vermindern, das sogenannte Gemeindebestimmungsrecht. Millionen Stimmen haben sich dafür erhoben. Es war die größte Petition, die dem Reichstag bisher vorgelegt worden ist, und wie der Reichs- tagspräsident Löbe bei ihrer Empfangnahme in seiner hellen. ermutigenden Art sagte, die erste große Petition nach dem Kriege, die rein vom ideellen Standpunkt aus gestellt wird, ohne wirtschaftliche Vorteile für einzelne zu erstreben. Die Abstimmung entschied gegen dieses Gemeinde» bestimmungsrecht, und augenblicklich sammeln sich die alkohol- gegnerischen Organisationen erst sehr mühsam wieder zu neuer Arbeit nach dieser Niederlage. Sie können gar nicht wünschen, daß wir in Deutschland von heute auf morgen etwa zu einem Verbot der Herstellung und des Berkaufs alkoholhaltiger Getränke kämen; ein Gesetz muß seinen Halt in der Volkssitte haben. Der ist schon in Amerika zu schwach, bei uns würde er ganz fehlen. In Amerika war es die unglaublich starke Methodisten» gemeinschaft, unterstützt von der bürgerlichen Frauenwelt, die dieses Verbot durchgesetzt hat. Das Verbot bringt der Jugend und dem einfachen Arbeiter großen Segen. Auch die gegnerischen„nassen" Zeitungen müssen anerkennen, daß die Sterblichkeitsziffer sinkt mit der immer besseren Durch- sührung des Verbots, daß ein Drittel aller Gefängnisse ge» schlössen werden konnte und daß demgegenüber eine Zunahme der Kriminalität durch die unglaubliche Fülle von Vergehen gegen das Verbot selbst, Alkoholschmuggel, heimliche Braue» reien, nur in den von Polen, Italienern und deutschen Aus- wanderern stark besetzten Städten wie Chicago und New Bork eingetreten ist. Die beiden Präsidentschaftskandidaten, Hoover und Al Smith, haben beide ihre Stellung zum Verbot dargelegt. Hoover erklärt sich für„trocken", Smith wird von den„Nasien" auf den Schild gehoben. Aber auch er fordert in seiner Programmrede, daß das Gesetz durchgeführt wird. Wir sehen, welch große nationale und internationale Bedeutung die Alkoholfrage im heutigen politischen Leben hat. Gerade in dieser Frage stößt das Privatinteresse des einzelnen mit den aroßen politischen Entscheidungen zusam- men. Und darum ist es gut. daß sich neben der Vorkämpfer» truppe unseres Deutschen Arbeiter-Abstinenten-Bundes (Berlin SO. 16, Michaelkirchplatz 4) auch die Arbeitsgemein- sKaft Sozialistischer Alkoholgegner gegründet hat, die unter Severings Vorsitz den Kamps der Arbeiterklasse gegen die Ausbeutung durch das Alkoholkapital führt. Die sozialdemokratischen Alkoholgegner sind auch inter- national organisiert, und sie werden auf dem kommenden Gewerkschaftskongreß vertreten sein. Hildegard Wegscheide r. Bürgerliche Frauenbewegung und wir. Frauentagung in Köln« Press«. Von Alma Wörth. vom 26. bis 28. Juni trafen sich tausend« von Frauen in Köln, um über Frauendinge zu sprechen, und die Ausstellung„Frau und Presse", die innerhalb der imponierenden Gesamtleistung der „Pressa" einen so bescheidenen Raum einnimmt, zu besuchen. Wesen und Wirten weiblicher Kullurschöpsung — nannte sich dl« Tagung, die»Ine Deutung und Beleuchtung der Abteilung„Frau und Presse" aus der„Pressa" darstellen sollte. Also eine Art Randbemerkung sollte das Zusammentressen der grauen In Köln sein,«ine Randbemerkung zur„Pressa", soweit sie die Frau anging. Man muh al» Sozi all st in die Frage stellen: Wae geht un» dl» bürgerliche Frauentagung an? Direkt nichts— aber indirekt viel. Wenn auch die sozialistische Frau andere Sorgen hat, als die mehr ideologisch orientierten Frauen der bürgerlichen Frauenbewegung, und wenn wir auch viel mehr dem Ernst und den Schattenseiten des Lebens ausgeliesert sind, als diese, so bedingt doch die Geschlechteeinheit, daß auch die sozialistische Frau Weg und Ringen der bürgerlichen Frau verfolgt. Es mag sür diese Betrachtung etwa gelten, was die Führerin der weiblichen Angestelltenorganisation in ihrem Vortrag im Hinweis auf das Sowjethaus der„Presia" aussprach:„Man kann auch von denen lernen, deren Ziel man nicht teilt." Die Beteiligung war sehr groß: 6000 Frauen wohnten der Er- össnung in der Messehalle bei. Eine Ballung von Frauenintelligenz, eine Zusammenj iihrung vieler Frauen mit Namen, ein Sichbegegnen danken das verstaubte Requisit der vormärzlichen„grauenemanzipa- lion" gegeniibersteUte. Em lebendiger Beweis sür die Wandlung des Frauentypu» in den letzten zehn Jahren. Der„Blaustrumpf- »st ausgestorben. Nicht mehr Stehkragen und Schlips erbringen den Befähigungsnachwels der geistig bewegten Frau. Sie will Frau bleiben im Aeuheren und Innern— und dennoch der Welt «twas von ihrem Geiste geben. Hochgefühl über diese oder ähnlich« Empfiirdungen beherrschte die Frauentagung. Di« Alten und Aelteren freuten sich d«r Wand- lungen und des Fortschritts. Und w I r: Wir wollen nicht vergessen, daß unsere Weltanschau- «ng, dah es d«r Sozialismus war, der für diese Gleichb«r«ch- tigung und Gleichbewertung der Frau gekämpft und sie schließlich erreicht hat. Das wird Immer vergessen in der bürgerlichen Frauen» bewegung. Man nimmt die Erfolge hin. für die einzelne Frauen K kämpft haben. Aber nie hätte die Frau ihre heutige Stellung der Oefsentlichkeit erreicht, wenn dl« Sozialdemokratie nicht die Sach« der Frau zu ihrer Sache gemacht hätte. Dies ist der Punkt, wo die stets gesuchte und gewahrte.politische Neutralität* fn den Frauenbestrebungen keinen Sinn hat. Man kann nicht für Fiele kämpfen, ahn« kämpferisch sie zu betonen. Gertrud Bäumer, die Jnfpiratorin der Tagung, sprach über dt«„Weibliche Bestimmung im Wandel geschichtlicher Lebensformen*. Es war«in großangelegtes Referat über tun Dualismus der weib- stchen Bestimmung als Gattungswesen und als Persönlichkeit. U«b«r die primitiv«, nur an die Natur gebundene Weiblichkeit des Alter- wm». Aur dl« erste geisttg« Betätigung der Frau im Mittelalter, bi» zu dem Typus der jede Geschlechtsgebundenheit verleugnenden Frau des ausgehenden 20. Jahrhunderts, führte die Rednerin die Stufen der Entwicklung. Heute feien die Anfänge erkennbar für di« nächst« Stuf«, das ist die B«rg«istigung der Mutter- fchast. Zwingende Logik ist Gertrud Bäumer zu eigen. Nur wenn s>« di« vegrifs«„stttlich* und„christlich* in ihr« klugen Gedanken mischt, erinnert st« uns, daß st« ja die Derantwortliche für das überflüssig« Schutz- und Schundgefetz ist. Da« W«f«n weiblicher Kultur wurde in vier Bildern «nthüllt, die in Vorträgen über weibliche Persönlichkeiten vor die Zuhörer hingestellt wurden. Hauptsächlich traf Dr. Mariann« IB«b«r.init ihrem Bild der Karoline von Humboldt, und dann in freiester Deutung Paula O l l e n d o r s das Porträt der Rahel Parnhagen. Es kam in diesen Charakterbildern die Stellungnahme zu Welt und Menschen der jeweiligen Lortragenden heraus. Ein« aufschlußreich« Betrachtung, die Gegenwartswert besaß. Di« Stadt hatt« am Abend einige Hundert Frauen in den Gürzenich geladen, dessen altertümlicher Reiz durch verschwende- rtschen Blumenschmuck gehoben wurde. E« wurde an dem Abend viel von.�deutschen* Frauen geredet, und die Anwesenden fühlten pch durch dies« Apostrophierung in gehobenster Stimmung. Es ist «nbegreiflich, daß auch kluge Frauen diese Komplexe nationaler Resse nttments nicht loswerdenl Auch ausländisch« Bertreterinnen sprachen,«» herrscht««ine starke Well« innerer Verbundenheit unter den Frauen, an d«r die schön« Gestaltung de« Abend» durch die Stadt Köln ihren Anteil hatte. Der Höhepunkt war dl« Huldigung d«r Jugend vor der Semorin der grau«nb«wegung, H«l»n« Lange. lieber Frau und Wirtschaft wurden drei Vorträg« g«- halten.„Di« Wirtschast und ihre Form als persönlich«» und soziale» Schicksal* behandelte Frau Dr. H. Meuther, Köln, sehr tiefgehend, aber ohne di« Schlußfolgerung, zu der wir bei einer Betrachtung der heutigen Wirtschastsform kommen. Sie zitierte sehr oft Marx al» Wissenfchastler, hofft« aber di« Schädigungen, die der Mensch in seinem sozialen und persönlichen Geschick durch die heutig« Wirt- fchastssorm erleidet, dadurch zu parieren, daß die Gesellschaft Um- gestaltungen zugänglich und di« Frau vor allem dem Objetttvie- pungsprozeß nicht so sehr unterworfen sei. Greisbar nahe lag hier die Brücke zum Sozialismus. Aber man mochte nur F« ft ft« l l u n- gen, keine Auseinandersetzungen. Näher heran schob sich das Referat von Katharina Mül- l«r, Führerin de» Verbandes weiblicher Angestellter, di« über di« «rwerbstätig« Frau in der Wirtschaft sprach. Dl« schassend« Frau erstand, di« Arbeiterin der Hand, ihre Arbiit»- und Lohn- und Lebensverhältnisse. In diesem Kreis der akade- mischen, und sozial höhergestellten Frauen, die zum großen Teil von dem Leben der Arbeiterin»nd der Angestellten ein falsches, sehr oft durch Verachtung getrübtes Bild sich machen, wirkten die auf die Tatsachen hinweisenden, eifrig jede Schärfen vermeidenden Aussüh- rungen der Führerin der Angestellten wie eine Offenbarung. Man war voll des Lobes über dieses Referat, und voll des Berstehen- ' wollen» der arbeitenden Frauenschicht. Aber diefe Seelenbereitschast .Hot leicht das Odium des Herabneigens zu den„unteren*. Di« bürgerlichen Frauen müssen noch viel lernen, wenn sie ihre Prokla- mation der Persönlichkeit im Berufsleben durchführen wollen. Dasein zu koketnercu. Wer ihn fuhren mutz, dem zwingen sich die Kampsgedanken aus, wie dies Katharina Müller in der Notwendig- keit der Organisierung aller arbeitenden Frauen darlegte. Das Referat: Das Heim und die Wirtschaft von Gräfin Keyserling war ein Spaziergang auf bekannten Wegen, sagte uns nichts und den Anhängern nicht viel. Das nahegelegene Thema„Frau und Presse* erfuhr Be- leuchtung in drei Vorträgen. Ueber Kultur, Presse un Frau, sowie über den Wirkungskreis der Frau in der Presse äußerte sich Oberin O. von T i l i n g von einem hohen Gesichtspunkt aus. Da» Reserat sah in der positiven Arbeit der Presse Kultur, in der negativen Zivilisation, Ausgabe der Frau sei die Arbeit nach der ersten Rich- tung hin.— Ein Referat über„Die Frau im amtlichen Nach- richtendienst* fiel aus dem Rahmen, da es die Interessen der Be- amtinnen zu sehr heraushob. Ueber„Frau, Presie und öffentliche Meinung* hielt Frau Dr. W i n g e r a t h, Köln, einen in der Form sehr angenehmen Vortrag, der von der Seite des Lesers her die Frage beleuchtete. In dem Konzert schöner Gedanken und Reden fehlt« nur eine Stimme: die I o u r n a l i st i n, die man wohl nicht unbescheiden al» Hauptperson auf einer„Pressa*-Frauentagung nennen dürste. Es kamen alle Frauenkreise, die Vertretung und Förderung durch dl« Presse wünschen und erfahre», es kam auch das große Wort Kultur fehr häufig„zu Wort", aber die Frau, die gestaltend auf die Presie einwirft, stand nicht auf dem Podium. Sie saß in den ersten Bankreihen und hatte zu tun. Ein P r o t e st der Berussjournalistinnen mit etwa 50 ttnterschristen war das Ergebnis des Uebergangenwerdens und der mangelhaften Ausgestaltung der Abteilung„Frau und Presse* auf der„Pressa*. Die Verstimmung der Journalistinnen wurde am Ende der Tagung durch eine Aus- sprach« und Beschluß zu stärkerer Berufszusammenfasiung abreagiert. Doktorinnen und andere selbsterworbene Titel führende Frauen hatten der Frauentagung ein geistiges Relief gegeben, wie es sich selten wiederHoll. Die Summe der Frauenarbeit aus allen Gebieten spiegelte sich in den Berufsbezeichnungen und Berussvertreterinnen. Di« Masse der Teilnehmerinnen hielt durch auch bei den Vorträgen. Es wurde alles ernst genommen. Es war ein erfreuliches Bild des Frauenwillens zur Arbeit und zur Entwicklung. Auch die gesell- schastliche Seite war glänzend. 3000 Frauen waren bei Kölner Frauen zum Tee eingeladen. Dombeleuchwng. Rheinsahrt, Festaufführung der„Iphigenie* bildeten eine Ergänzung. Gemeinschaft wollte man auf dieser bürgerlichen Frauen- tagung In Köln schaffen und empfinden. Aber schmerzhaft fühlte der, der nicht„bürgerlich" denkt, daß man hier nur Gemein- schaft auf einer gewissen sozialen Ebene sucht. Das Volk, die. die schaffen, der einfache und bedrückte Mensch, geHärte nicht dazu. Man sprach von ihm im Tone der„inneren Miffion*. Wir müssen solche Denkart zurückweisen. Arbeit für andere kann nur leisten, Führer und Wegweiser kann nur sein, wer die tief« Demut des Wortes in sich suhlt, das in der Sozialabteilung der„Frau und Presse* auf der„Pressa" steht: und da» dem Sinn« nach etwa lautet: Wir müssen den andern Helsen,„nicht weil wir bester sind, sondern weil wir es bester haben*. Glosse. In der durchaus rechtsorientierten Zeitschrist„Volk und Reich" werden konmieniarlos einig« Auszüge au» dem Buch von Edgar I. Jung„Die Herrschaft der Minderwertigen, Ihr Zerfall und ihre Ablösung* gebracht, die sich mit Che, Fainlli«. Gebär» st r« i k und verwandten Problem« liefchäftigen. Ts ist gar seltsam, wie sich hier Mittelalter und 20. Jahrhundert mischen, wie di« muffi- gen, düsteren Gewölbe gotischer Kathedralen plötzlich von blenden» dem Licht vi«lkerzig»r elektrischer Bogenlampen überstrahlt er- scheinen. Folgend« Sätze findet man im«ngsten Nebeneinander: „Während der Geist des Mittelalter» den breiten Masi«n nur di« Wahl zwischen Sakrament und Unzucht übrig ließen, findet heute eine Verwischung aller Grenzen, eine fortschreitende Tot- Heiligung der Ehe statt.* Aeußerst interessant ober ist nun, wie Herr Jung und mit ihm die Kreise um„Volk und Reich* sich selbst an der„Berwischunz" irnd„Entheiligung* beteiligen. Ihre völkisch« Verachtung der ge- wollt kinderlosen Ehesrau verführt sie zu folgender Keyerei: „So hoch Eh« und Mädchenehre einzuschätzen sind, muß doch bekannt werden, daß die ärmste uneheliche Mutter, die ihr jkind hingebungsvoll aufzieht, daß dieses„gefallene Mädchen* m«h? leistet als tausend Ehes'auen, die in allen Ehren da» Kind oder die Kinder ablehnen.* Es wäre angebracht, Herrn Jung die Ehrenmitgliedschaft im „Bund für Mutterschutz' anzubieten, der dies« Wahrheiten seit etwa zwanzig Jahren auf sein« Fahne geschrieben hat. AS*» /mt Rein antworten. Der Vertreter war sich nun, wie er schreibt,„sofort klar, daß ich die Firina von der Notwendigkeit der Anschafiung der Schnell- waagen nur überzeugen könnt«, wenn ich die Stichproben selbst vornehmen würde. Ich erbat mir hierzu die Erlaubnis und machte am Nachmittag in verschiedenen Filialen Einkäufe, um sie später auf unserer Waage nachzuwiegen. Ich machte hierbei ausdrücklich zur Bedingung, daß aus dem Ergebnis der Stichproben dem Per- sanol keine Vorwürfe oder llnannehmlichteiien entstehen dürften. Meine Enttäuschung beim Kontrollwiegen war einen Augenblick lang groß, da tatsächlich von einem U e b e r wiegen, wie ich er- wartet hatte, keine Rede sein konnte. Daz Gegenteil war der Fall. Wir stellten fest, daß bei Käse, Wurst usw. trotz der initgeaominenen Verpackung etwg!0 bis 12 Gramm ani Gewicht fehlten. Von dieser Wahrnehmung'war die Firma sehe bestürzt. Es wurde ihr nun klar, warum die Fillalleiter bisher Schnellwaagc» ablehnten. Auf den allen Balkenwaagen hatte der Verkäufer heim Abwiegen einfach die Ware auf die Waage geworfen und so de» Anschein erweckt, als ob er reichlich gewogen habe. In Wirtlichkeit wies die Waage aber stets Mindergewicht auf. Ins bedeutete für den Filialieiter eine schöne Nebenein- nahm«, die für die Firma die Folg« hat, daß der Käufer beim Nachwiegen die Differenz feststellt und künftig die Gejchäfte iiieidet. Beibehaltung der veraltete« Waagen erwachsen könnte» und enteilte mir den Auftrag." So also wird es gemacht, um Nebe»tt dtenste zu erzielen— auf Kosten der breiten Masten der Kons«« mentenl Die ägyptische Krau. Der Kampf der ägyptischen Frau um die Erlangung gleicher Rechte wie die des Mannes begann vor etwa 30 Iahren. Dank dem Bemühen einiger ägyptischer Vorkämpferinnen, die ihr Leben dieser Aufgabe widmeten, nahm die Bewegung in den letzten Jahren an Intensität zu. Wer dle ägyptischen Zeitungen und Zeitschriften — besonders die von Frauen geleiteten— aufmerksam verfolgt; bemerkt, daß die Europa und Amerika umspannende Franenbewe- gung im Reiche der Pharaonen heute einen ähnlichen Verlaus, nimmt. Schon vor 6 0 0 0 I a h r e n hatte die Aegypterin maßgeben- den Einfluß auf die Leitung der Angelegenheiten des Landes. Im allgemeinen besaßen die Frauen dieselben bürgerlichen und poli- tischen Rechte wie die Männer. Es gibt in der Geschichte des ölten Aegypten Beispiele dafür, daß Frauen Rollen gespielt haben, die heute noch keine Fratt wieder erreicht hat. Ein kleines Beispiel hierfür ist: Unter der dritten Dynastie bekleidete Antem, die Tochter des Hoffchreiber» Mnupemanth, die Stelle eines Prä fetten jm Verwaltungs. dienst. Durch ihre hervorragende Intelligenz, die sie an den Tag legte und die Aufmerksamkeit ihrer Vorgesetzten auf sich zog, war sie bald eine der bedeutendsten Persönlichkeiten ihres Landes ge« worden. Der König ging so weit, aus ihr einen Präfekten des Distrikts Crocoditvpolis(heute Fayuni) zu machen, indem er ihr gleichzeitig unter Ernennung zum General das militärische Kommando über die„Pforten des Okzidents", welche die Grenz« der ganzen Region bildeten, überwies. Diese erstreckten sich von Fayuin bis zum Mareotts, dem heutigen Alexandrien,„einschl. aller Wüsten. Oasen und der dazu gehörigen Jagdgebiete". Wenn als« die heutige Aegypterin ihre Tätigkeit den öffentlichen Fragen zu- wendet, so bedeutet dies ihren ausgesprochenen Willen, zu ihrer uralten Stellung zurückzukehren. In den letzten 19 Iahren sind etwa 15 000 Lehrerinnen ausgebildet worden, die an allen Orten des Landes Unterricht er- teilen. Viele davon haben Schulen gegründet, die sie selbständig leiten. Der Schleier ist vielfach verschwunden. Die gebildeten Schtch- ten und die meisten Städterinnen kennen den Schleier heute nicht mehr. Krauen dürfen nicht Professor werdcx Wie im Hcruptausschuß des Preußischen Landtages festgestellt worden ist, ist«s augenblicklich in Preußen noch kaum möglich, ein« Frau zur ordentlichen Professorin zu machen. Hemmend wirkt das Borschlagsrecht der Fakultäten. Die Versammlung der Professoren in den Fakultäten wehrt sich gegen den Einbruch der Frauen in ihr geheiligtes Bereich. In ganz Preußen gibt es gegen- wärtig 16 Privatdozentinnen, von denen vier nicht beamtet« außerordentlich« Profestorinnen find: Professor Rhoda Erd» mann, Berlin— Professor Paula Hertwig, Berlin— Prosestov Meitner, Berlin— Professor Emmy Noether, Göttingen. Außer- ordentlich schwer ist es noch, auch mir etatsmäßige Profesture« für solche Frauen zu bekommen, deren Bedeutung niemand anzweifelt. Doch ist zu hoffen, daß am Berliner Krebsfvrschnngs- institut, das vor kurzem fein Zöjähriges Bestehen sei«rte,«in plan- mäßiges Extraordiuat nicht nur für Geheimrat Blumenthal, sonder« auch für Professor Rhoda Erdinan», die Begründerin des Zell- forschungsinstitnts, geschassen wird. Da»n«ncoupe. Auf dem Bahnsteig in Basel verlangt ein« nord» deutsche Dame ein Frauencoupe. Der alemannische Schaffner wiederholt aus jede Frage:„Steigen Sie ine, ins„Ron fumeurs". Die Dame wird scharf:„Rein, ich wünsch« ein Dcimencoupe! Ich habe schon dreimal gesagt: Damencoupel" Darauf der Schaffner behaglich:„Allez, steiget Sie nnmme-n-ine, bi uns sin die Geschlechter nit eso verschiedet" Kmdergeift. Heinz unterhält sich mit seinem Vater über da» Broßwerde«. Sie rechnen aus, wann er zwanzig Jahre alt sein wird. Der Vater meint: Dann bist du«in Mann und kriegst kein» Schläge mehr. Heinz: Och, du schlägst mich sa nicht mehr. Der Vater: Weil ich dir begreiflich machen möchte, daß du von selbst artig sein sollst. Heinz(vertraulich, mit einem nachdenklichen Lächeln): Weißt du. es ist hart, artig zu sein,«renn man ein Kind ist.