BMWMaatoiiafc�� Kauenstimme Rr.�«.4S.Iahrgang I"BcHüQC ZUM UOtlüÖtfe I 2- August 1926 Sie Berlinerin in Wirischast nni» pvliiik. V. I I $ Die Bedeutung der arbeitenden Frau für das Wirt- schaftsleben Berlins wird im allgemeinen unterschätzt. Unge- fähr drei Fünftel der in Berlin geleisteten Arbeit wird von Männern verrichtet, zwei Fünftel aller Berliner Er- werbsarbeit ist das Werk von Frauenhänden. Rund 8lX)vvl) Frauen find in Berlin hauptberuflich erwerbstätig, davon der weitaus größte Teil in Industrie, Handel und Verkehr. Für die industrielle Frauenarbeit und zum großen Teil auch für die Tätigkeit der Frauen in den Verwaltungen läßt sich die Behauptung aufstellen, daß den Frauen mehr untergeordnete Ar» beitsleistungen zugewiesen werden, während den Männern die schwie- rigeren Arbeiten vorbehalten blei» ben. Für die anderen Erwerbs» zweige gilt das nicht, oder nur in ganz beschränktem Maße. Aber auch für Industrie und Verwaltung ist diese Behauptung längst nicht mehr so richtig wie etwa vor zwei Jahrzehnten. Die während des Krieges gesammelten Erfahrun» gen mit weiblichen Arbeitskräften veranlassen immer mehr Unter» nehmungen dazu, Frauen zur Leistung von Qualitätsar» b e i t e n heranzuziehen. Die in Berlin besonders starte Metall- Industrie sowie die feinmechanische und die elektrotechnische Industrie beschäftigen heute ungleich mehr Frauen als vor dem Krieg und ein großer Teil dieser Frauen sind qualifizierte Arbeitskräfte. Auch in den Verwaltungen find die Frauen nicht mehr so unbedingt wie früher von höheren Beamtenstellungen ausgeschlossen, wenn freilich auch gerade hier besonders viele Vorurteile der Entfaltung weib- licher Arbeitskräfte hemmend im Wege stehen. Ein Ueberblick über die Bedeutung der Frauenarbeit für das Wirtschaftsleben Berlins wäre aber nur sehr unvollkom- men, wenn er sich auf die Erwerbsarbeit der Frauen be- schränkte. So bedeutungsvoll die berufliche Arbeitsleistung ist, die von den Frauen an der Seite ihrer männlichen Arbeitskollegen verrichtet wird, so wenig darf sie uns zu einer Unterschätzung der Wichtigkeit der Hausfrauen- arbeit für das Wirtschaftsleben veranlassen. In Berlin gibt es schätzungsweise 300 000 Frauen(die genauen Zahlen sind noch nicht veröffentlicht), die neben ihrer Erwerbsarbeit noch einen Haushalt zu versorgen haben. Dazu kommen rund 750 000 Frauen, die ausschließlich in ihrem Haushalt tätig sind oder höchstens eine Nebenberuf- liche Erwerbsarbeit verrichten. Außerdem sind in Berlin 128 000 Hausangestellte tätig. Selbst wenn man annimmt, daß diese Hausangestellten wieder einem Teil der Hausfrauen ihre Arbeitslast ganz oder teilweise abnehmen, dann bleiben immer noch wesentlich mehr als eine Million Frauen, die einen 5)aushalt zu führen haben. Diese Million Hausfrauen sind von ganz entscheidendem Einfluß auf das Berliner Wirtschaftsleben. Die Erhallung SONNTAG Der St&dte Qualm, des Alltags Leid Und graue Sorgen find fo weit Mir glückfeligem Sonntagskind. Der Himmel strahlt wie taufend Sonnen Und gießet Glan? aus feinen Bronnen, Die flüffigwarm und golden find. Die �Ciefen find in Lieht getaucht, Der Blumen hunte Anmut haucht Ein düftereiches Meer. Verzückte Falter baden Sich drin und Kelche laden Sie füß und honigfehwer. Ich geh durch Duft und Schmeicheln Und meine Augen streicheln Der Birken?artes Grün. Ich fühle midi zerfließen In Bäume, Felder,Wicfen Und weißer Hecken Blühn. Bruno Scfic5nlant S1 u w und Pflege des wichtigsten Teiles im Produktionsprozeß— der menschlichen Arbeitstraft— liegt in ihrer Hand. D i e HausfrauenbestimmenüberdieVerwendung des größten Teiles des Arbeitsverdienstes der Berliner Bevölkerung. Nimmt man an, daß eine Hausfrau im Durchschnitt etwa 20 Mt. in der Woche ausgibt, so kann man ermessen, welch starken Einfluß die Berliner Hausfrauen mit ihren 20 Millionen Mark wöchent- lich auf die Gestaltung von Produk- tion und Handel ausüben. Noch bedeutungsvoller ist die erzieherische und pflegerische Arbeit, die von den Frauen an der kom- Menden Generation verrichtet wird. Gerade wir Sozialisten, die wir uns zusammengeschlossen haben, um Zei» ten herbeizuführen, in deren Mittel- punkt nicht mehr das Geld, sondern der Mensch steht, gerade wir, die wir eine möglichst freie und glück- liche Entfaltung aller Menschen er- streben, wir können die Arbeit der Frauen und Mütter nicht hoch genug einschätzen. Das soll nicht heißen, daß alle Kritik schweigen sollte. Gewiß könnte manche Frauenarbeit im Haus anders und bester geleistet werden als heute. Es könnten vor allem sehr oft günstigere Resultate mit viel weniger Arbeit erzielt wer- den. Hier vollzieht sich bereits eine starke Wandlung zum Besseren. Die in rationeller Berufs arbeit geschulte Hausfrau unserer Zeit gestaltet auch ihre häuslichen Arbeiten um. In einer Großstadt wie Berlin vollzieht sich dieser Pro- zeß offenbar viel rascher als in einem Milieu, in dem die Vergleichsmöglichkeiten längst nicht so groß sind. In starker Wechselwirkung mit der Umgestaltung des Haushaltes und mit der zunehmenden Frauenerwerbsarbeit steht das wachsende Interesse der Frauen an öffentlichen Angelegenheiten. Auch hierfür ist Berlin mit seinen großen Massen der einander unbekannten Bersammlungs- befucher ein besonders günstiger Boden. Es fehlen hier eine ganze Anzahl Hemmungen, die in einer kleineren Stadt der politischen Betätigung der Frauen im Wege stehen. Frauen in großer Zahl sind daher in allen öffentlichen Versammlun- gen eine so selbstverständliche Erscheinung, daß wir uns kaum mehr der Zeit erinnern können, wo nur ganz wenig Frauen den Mut aufbrachten— und es gehörte damals Mut dazu—, größere politische Versammlungen zu besuchen. Und doch sind erst zwei oder drei Jahrzehnte seit jener Zeit vergangen. Auch als Wühlerin hat die Berlinerin durchaus gezeigt. daß sie politisch zu urteilen versteht. Es haben sich zwar eine ganze Masse Frauen auch an den letzten Wahlen nicht beteiligt und viel zu viele haben deutschnational gewählt.(Die gleiche Rechnung könnte man allerdings auch den Männern vor- halten.) Bedeutungsvoller aber ist die Tatsache, daß 53,1 Proz. aller in Berlin für die Sozialdemokratie ab- Ä I w Z i f Kkgkbencn Stimmen von Frauen stammen und nur �6,9 Proz. von Männern. Das heißt, daß mehr als die Hälfte unserer Berliner Abgeordneten mit Frauen- st i m m e n gewählt sind. Für unsere Parteigenossinnen hat die Freude über den Wahlcrfolg bei den Berliner Frauen allerdings einen etwas bitteren Beigeschinack. Unser Einfluß in der Partei entspricht auch nicht entfernt dem Einfluß, den die weiblichen Wähler Berlins auf den Wahlerfolg unserer Partei ausübten. Unser Bestand an weiblichen Mitgliedern bleibt weit hinter S3 Proz. zurück und noch viel geringer ist der Einfluß, den diese Mit- güeder innerhalb der Organisation geltend machen. Das Interesse unserer weiblichen Parteimitglieder an der Parteiarbeit ist zwar im allgemeinen lebhafter als das der Männer. Unsere Parteiversammlungen sind fast regelmäßig von mehr Frauen besucht als der Verhältniszahl der weib» liehen Mitglieder entspricht. Ader es fehlt den Frauen— auch in Berlin— noch die Sicherheit, ihre zahlenmäßige Stärke auch in tatsächlichen Einfluß umzusetzen. Diese Sicher» heil wird aber kommen und damit die Zeit, in der Männer und Frauen noch kameradschaftlicher als seither zusammen- wirken in unserer Partei, an der Herbeiführung gerechterer und besserer Zustände für die arbeitende Klasse. Zl n n a G e iz e r. Auf der Tage-ordming der Z. Internationalen Sozialistischen grauenkonferenz steht als zweiter Punkt: Tendenzen zur Modili- fierung der Frauen in Kriegszciten. Mobilifiening für welchen Zweck? Niemond wird annehmen, daß Frauen in Masse» zum Dienst mit der Wafie ausgehoben und ausgebildet werden sollen. Aber nicht nur der Dienst Im Schützengraben, in den F e st u n g e n und auf den Schlachtfeldern ist Kriegsdienst. Wir brauchen nur an den Weltkrieg zu denken und an die direkten und indirekten Kriegsdienste, die während seiner Dauer von Frauen geleistet worden sind. Damit Manner ausrücken konnten, mußten Frauen ihre Arbeit kn der Heimat übernehmen, mußten in die Fabriken, in die Werk- Pötten, aufs Land, mußten ihre Kräfte der Eisenbahn und Straßen- bahn zur Verfügung stellen. Wo immer ein Platz frei wurde, rückten Frauen ein. So lange ist es ja noch nicht her, daß wir nicht mehr das Leid in Erinnerung hätten, das für Tausende von Frauen und noch viel mehr Kinder damit verknüpft war. Aber auch direkten Kriegsdienst mußten die Frauen leisten In den Munitionsfabriken, beim Granatendrchen, Sandsäcke nähen und was es sonst an Arbeiten für die Front gab. Mußten sie? Waren sie gezwungen? Gab es Gesetzes- Paragraphen, die sie aus den Häusern in die Fabriken strömen ließ? Eine gesetzliche Bestimmung war nicht vorhanden, obwohl man ernstlich darüber nachgedacht hat, sie zu schassen. Aber stärker als das Gesetz trieb die Not, der Hunger. Mit den geringen Sätzen der Kriegsumerstützung konnten die Frauen der einfachen Soldaten nicht leben und ihre Kinder versorgen. Sie mußten selbst arbeiten, Brot verdienen. Und die Arbeit in den Munitionsfabriken war zwar sehr schwer, aber sie wurde verhältnismäßig auch bester bezahlt. Aller- dings fand sie vielfach unter äußerst ungünstigen Arbeitsbedingungen statt, bis auch hier eine Organisation Plag grisf. So wie in Deutsch- tand war es auch in den anderen Ländern. Ucberall arbeiteten die Frauen ln den Fabriken bis zum Umfallen, «nd zum allergrößten Teil waren es natürlich die Frauen der ar- bellenden Klaffe, denn die Haupttriebfeder war eben die Not. Es läßt sich heute nicht mit Sicherheit sagen, ob in einem Kriege ber Zukunft den Frauen gleiche Arbeit auferlegt würde. Wahr- scheinlich stände uns allen viel Schlimmeres bevor, daß nämlich schon bald nach Ausbruch des Krieges die Bevölkerung der Städte durch Giftgas vollkommen vernichtet würde. Das Phosgenunglück in Hamburg hat uns eine leise Ahnung von den Wirkungen eines Gaskriegs gegen die Städte gegeben. Dank der fortschreitenden Technik könnten schon in verhältnismäßig kurzer Zeit genügende Mengen solchen Giftgases durch Luftschiffe und Flugzeuge über den großen Städten abgeworfen werden.— Aber man nimmt trotzdem wodl an, daß der Krieg auch in seinen bisherigen Formen einsetzen wuroe, daß man Männer an die Front und Frauen in die Fabriken schicken würde, wenn ein Krieg einmal unvermeidlich ge- worden wäre. Und weil man das glaubt, und weil man sich darüber empört hat, daß die Frauen der bester situierten Schichten wohl be- hütet in ihren Häusern bleiben konnten, während die armen in die Munitionsfabriken mußten, deshalb kam man hier und da auf den Gedanken, so wie die Männer auch die Frauen zum Kriegsdienst zu verpflichten. Alle sollten vor der Kriegedienstpflicht gleich sein. Deshalb hatte auch die französische sozialistische Partei bei der Beratung der Mililörgcsetze beantragt, daß die Mobilisierung alle Ctaateangehörigcn ohne Ausnahme des Geschlechts oder des Alters- Unterschieds umfassen sollte. In den Parteidebalten wurde dieser Antrag auch damit begründet, daß die wohlhabenden Frauen genau so gut zur Kriegsdienstpslicht herangezogen werden müßten wie die Arbeiterfrauen, die sich ihr nicht entziehen könnten, wenn sie leben wollten. Der Gedanke mag im ersten Augenblick etwas Bestechendes > der Krauen? haben, und doch ist er solsch. Selbst wenn noch dem Gesetz alle Kricgsarbeit zu leisten hätten, so würde im bürgerlich regierten Staat ganz gewiß die Arbeit nach der sogenannten Fähigkeit verkeilt werden. Und das würde bedeuten, daß die angenehmere Arbeit den Damen, die schwere, schädigende Arbeit den einfachen Frauen über- tragen würde. Eine wirtlich gleiche Behandlung würde nicht»her gewährleistet werden können, bis die Sozialisten die Macht hätten, sie durchzusetzen, das heißt bis wir einen sozialistischen Staat hätten. Wenn wir aber so mächtig wären, wenn wir die über» wältigendc Mehrheit in Parlament, Regierung und Verwaltung hätten, wäre dann nicht ouch anzunehmen, daß wir genügend Macht hätten, den Krieg zu verhindern? Unserer Ansicht nach sollte man auch heute schon alle Kraft darauf verwenden, Macht zu gewinnen und die Macht dazu benutzen, die Kriegsmöglichkeiten auszuschalten und die Friedcnssicherungcn zu vermehren. Das ist die Ausgabe, die von den sozialistischen Parteien in erster Linie zu leisten ist, und hier werden sie die Mitarbeit der sozialistischen Frauen in ihrer Gesamtheit finden. Unterwerfung der Frauen unter die Kriegsdienstpslicht bedeulet in der Praxis und in der Idee ein Vorbereitung der Frauen auf den Krieg. Sie muß die Dienstpflicht im Frieden nach sich zirhcn, und dann kämen wir wieder dort an, wo wir bereits vor dem Kriege waren: bei dem Dicnstjahr der Frau. Wir Frauen müsten den Gedanken an die Unterstellung unter die Kriegsdienstpslicht von vornherein mit oller Entschiedenheit zurück» weisen. Erziehung für die Fricdensidee ist unsere Parole. Ab- rüstung ist nötiger, als neue Mosten für den Krieg zu verpflichten. Tony B r e i t s ch e i d. Das Gebirge, Int Gebirge fuhr Herr Sdimidt, Direktor einer D-Bank. Im vorigen Jahr mar er am Meer, da murde er tee krank, Das ist die einzige Krankheit, die Schmidten bi» heute gequält. Das ein wenig verfettete Herz sei nicht als Krankheit gezählt. Der Bergmann Guhl fährt schon zwanzig Jahre hinab in den Schacht. Wo das Wetter durch das verroorfene Gebirge heult und kracht. Guhl hat die Schwindsucht, das ist alles, was ihn quält, Die zerquetschte Hund, der gebroh' ne Fuß sei niht als Krankheit gezählt. Das Gebirge von Schmidt steht wie eine gleißende Mauer im Li cht. Das Gebirge von Guhl gleißt auh, aber die Sonne bescheint et niht, Jede Stunde im Schacht ist Hölle und doppelt und dreifach\ gezählt. „Wird es niht regnen?" ist alles, was Shmidten auf seiner Reit» quält. Herr Leopold Schmidt und der Bergmann Guhl kennen einander niht, Der eine hackt in der Erde, der and're fährt durh das lohende I.iht, Der eine ist fröhlich, während der and're sich quält; Und doch wird jeder Tropfen Shmeiß von Guhl Zur Abrehnung mit Herrn Leopold Shmidl einmal Doppelt und dreifah gezählt... Das ist es, was den Schmidt mitten im I.iht manchmal quält. Max Bar t he I. Charlotte Aniia Whiiney. Sine Sozialistin in Amerika. Wrchl kein Prozeß hat neben dem Prozeß Sacco-Danzetti größeres Aufsehen erregt, als der Prozeß gegen Anita Whitney, die tapfere kalifornische Sozialistin. Wer ist diese Frau, deren politisches Wirken die Oeffcntlichkeit so stark erregte, was war ihr Berbrechen und weshalb kam sie vors Gericht? Char- lott« Anita Whitney stammt aus einer„hundertprozentig amerika- Nischen" wohlhabentoen Familie. Jede Möglichkeit zu einem heiteren, genußreichen Leben stand ihr offen, aber sie verzichtete aus Person- iichcs Gluck, um sich dem Ausstieg der arbeitenden Klasse zu widmen. Sie unterrichtete Unbemittelte in New Dork und Washington, wirkt« dann in der Heimat als Sekretärin der Bereinigten Wohl- fahrtsvereine von Oakland und wurde die erste Jugend- gerichtssürsorgerin und Borsitzeirde der kalifornischen Liga für Fraucnstimmrecht. Als in Kalifornien 1919 die Angst vor dem Bolschewismus aus- brach, wurde ein schändliches Gesetz, das„Criminal Syndicalism Law"(Gesetz gegen verbrecherischen Zusammenschluß) erlassen, in dem es heißt, daß verhaftet und bestraft werden kann, wer: „durch seine Lehren und ungesetzliche Gewalttaten, durch � vorsätzliche, böswillig« körperliche Schädigung oder durch Ver- ! Ictzung von persönlichem Eigentum, durch ungesetzliche Methoden ' von Itrrorismus, sowie durch Beihils« zu einer Aenderung der ' Eigentumsverhältnisse oder zu der Kontrolle desselben, oder auch in der Absicht irgendwelcher politischen Arn de- - rungen dem Staate schadet." Dies geradezu ungeheuerliche Gesetz ermöglichte es. Hunderte von harmlosen Bürgern ihrer politischen Gesinnung wegen unter Auflage zu stellen und aus lange Jahre ins Ge- fängni» zu werfen, obgleich es im offenen Gegensatz stcht mit der Bersassung der Vereinigten Staaten und Kaliforniens. Anita Whitney war Mitglied der„Jndustrial Workers of th« World"(Industriearbeiter der Welt) gewesen; als 1919 diese Ver- einigung zum Kommunismus übertrat, tat sie diesen Schritt mit. Es wurde ein« öffentliche Versammlung einberufen, bei welcher die Gründe, die zu diesem Uebertritt geführt hatten, ruhig und sachlich besprochen wurden. Plötzlich kam die Polizei in den Saal, löste die Versammlung aus und verhaftete eine große Anzahl der Redner, unter ihnen Anita Whitney und wars sie ins Gefängnis. Sie hatte zur Ruhe und Besonnenheit ermahnt, aber eine Rod« zugunsten der Kommunisten genügte zu ihrer Verurteilung. In erster Instanz wurde sie zu langjähriger Gesängmsstrase, in der letzten Instanz, vor dem Bundcszericht in Washington schließlich— j nachdem sieben 3chrc vergangen waren zu je ein bis vierzehn Jahren Gefängnis oerurteilt(in Amerika gibt es zumeist ein« Höchst- und Mindeststrafe). Doch da erhob sich eine allgemein« Entrüstung, und der Gouverneur von Kalifornien, dem das Begnadigungsrecht zusteht, wunde vor die Frage gestellt, was für i h n und seine Popularität vorteilhafter war. Anita hatte keinen Antrag auf Begnadigung gestellt, sie wies es zurück, da noch so viel« ihrer Genosien, die ebenfalls verurteilt waren, unschuldig im Gesängnis schmachteten und leider Gottes heute noch schmachten! Ihr Verteidiger reichte das Gnadengesuch ein, aber fast die ganze össenlliche Meinung staub hinter ihm, der Druck der Oesfeiülichkeit war so stark, daß kurz nach der Verurteilung die Vegnadigung er- folgt«. Die Demokratie hatte sich endlich gegen die Klassenjustiz durchgesetzt. Anstandsregeln vor SOLahren. Das Zrauenschristtum auf der pressa. Die Unterbringung der freigewerkschaftlichcn und sozialistischen Frauenzeitungen,-Zeitschriften und-bücher im„Haus der Arbeiterpresse" aus der„Pressa" in Köln zeigt die starke Verbundenheit der proletarischen Frauenbewegung mit der gesamten Arbeiterbewegung. Da alle Arbeit Gemeinschaftsarbeit ist, die Frau in allem gleichberechtigt mitwirkt, hat in der Arbeiterschaft kein so starkes Bedürsni« nach eigenen Frauenorganisationen destanden wie bei den bürgerlichen Frauen. Dort, wo sreigeiverkschaflliche oder sozialistische Frauen eigene Organisationen schufen, geschah es zur Ergänzung der gemeinsamen Arbeit. Diese Tatsache tritt auf der Pressa deutlich hervor. Die besonderen Frauenschriften nehmen im „hau, der Arbeiterpresse" nur einen geringen Platz ein. Run ist ja dicht immer die Menge ausschlaggebend; nicht auf die Quantität, sondern die Qualität kommt es an. Wenige gut« Schriften können unzählige kleine Vläitchen überflüssig machen. Unsere wenigen Zentraiblälter, wie die„G e w e r k s ch a s t l i ch e F r a u« n z c i t u n g", die ,H a u«» a n g e st c l l t e n-z c i t u n g", die„Frauenwelt",„Die G«« nossin", haben sich Anerkennlmg bei Freund und Gegner«vi worden, und„Die A r be i t er w oh l sa h r t" ist rin allseitig an* erkanntes Fachblatt. Reben diesen über unsere gegenwärtige Arbeit berichtenden Blättern geben die gebundenen Jahrgänge d»tk „Arbeiterin" und der„Gleichheit", beide redigisrt von Emma Ihrer, und die BrofchSrc„Arbeiterin und Klassenkampf''«� Bild von den Kämpfen srüherer Jahrzehnte. Wer die Sonderausstellung der Arbeiterpresse besichtigt, wird daran nicht achtlos vorübergehen. Rur eine Frag« taucht ans: Wird die sogenanale unpolitische Frau, die nicht die anfangs erwähnte Gemeinschostsarbeit kennt, nicht s» etwas wie Geringschätzung empfinden, wenn sie dieses Material der Ausstellung der bürgerlichen Frauenvcreine gegenüberstellt? Dt« Abteilung„Das Schrifttum der bürgerlichen Fraucnvereine'' zeigt ein« Zusammenstellung der van den verschiedensten Gruppen geleisteten Arbeit. Die ersten Anfang« eines Frauenschrisltumd sind im Rahmen von Wohnungseinrichtungen der damaligen Zeit untergebracht, so z. B. je eine Abteilung Mittelalter, Romantik« empfindsame Zeit von 1850 bis 1880. Das Frauenschristtum dieser Zeit ist«ine Auflehnung gegen die damalig« Einstellung zur Frau. Wie der Kampf geführt wurde, illustriert am besten ein au» der damaligen Zeit stammendes Flugblatt, da» in 3 Zentimeter großen fettgedruckten Buchstaben die Inschrift trug:„Herr Bulltiq will nicht haben, daß sein» Frau Mitglied werden soll vom demo» kratischen Fraucnclub." Man versuiht, durch Bloßstellung seinen Willen durchzusetzen. Die Zeitschrisl„Die Frau" und zahlreich« Berussverbände und Frauenorganisc�ionen wie„Deutscher Verein für Fraiienstimmrecht",„Jüdischer Frauenbund",„Verein junge evangelischer Frauenvcrbände".„Bereinigung katholischer Frauen« verbände",„Verband deutscher Frauenkultur" werden durch aus« gestellt« Zeitschriften und Ausgaben über die ihnen angeschlossenen Verbände veranschaulicht. Besonders charakteristisch für die Ein» stellung bürgerlicher Kreise vor ungefähr 50 Iahren sind die um diese Zeit in einer Zeiischrisl«ine» Imigmädchen vereins he raus« gegebenen> Aaslandsregeln. Sie lauten: Schlagt nie«in Bein über da» ondere; erlaubt ist höchsuiuf ein Uederkreuzcn der Füße. Achtet darauf, daß der Rock beim Hinsetzen so weit heruntev« gezogen ist, daß nur der Fuß zu sehen ist! Ein wohlerzogenes Mädchen hält beim Sitzen die Knie geschlossen, fegt die Füße nebeneinander. Es ist unschicklich, in Gegenwart männlicher Personen votf Brust. Leib, Magen und Darm zu reden. Zieht Euch viele Untcrröcl« an, mindestens 3, damit von b«f Form des Körpers möglichst wenig zu lehen ist! Geht nicht mit jungen Männern spaziere»; geht nur in B« gleitung älterer Personen zum Tanzl> Die Anstondsregcln der gleichen Zeilschrift lauten heute uit> gesähr wie folgt: Anzug vorher ordnen, nicht auf der Straße, nicht allein vorm Schaufenster stehenbleiben, rechts gehen! Geht man spät allein, dann sehr schnell. Das Benehmen auf der Slraße gibt dem aufmerksamen Beobachter Ausschluß über Dich.> Ausbau und Gliederung der landwirtschaftlichen Frauenvereine werden durch Tafeln erklärt, ebenfaUs dt« Entwicklung der Hauswirtschast lichen Berufsvit«» b i l d u n g. lieber den Inhalt von j 300 Frauenbeilagen der bürgerlichen Togespresse berichtet eine Tafel in Bildern und Zahlen. Danach enthielten diese Frauenbeilagen Kochrezept« 300 mal, praktische Winke 2S0, Sinnsprüche 150. Frouenberussfragen 120(bildlich durch Kranken» schwester und Berufsberatung dargestellt), Frauensrageu Ol, Frcnt und Politik 25, Familie und Ehe 47, Nolkserziehung 12 mal usm« Diese Ausstellung zeigt, wie berechtigt unser Vorwurf ist, daß dt« bürgerlichen Blätter die Frau bewußt von politischen Tagessragen fernhalten. Ein Teil dieser Frauen wird ja nie von uns zu erfassen sein, weit sie sich aus salschem Standes- und Kastengeist über bestimmte Arbeiterinnengruppen erhaben suhlen und deshalb eigene bürgerlich« Berufsverbände und Zeitschristen als notwendig empfinden. Dt« große Masse dep Arbeiterinnen und Angestellten gilt es, von diesen Verbänden und ihren Schrislen und Tagespressen zu lösen und st« die freien Gewerkschaften und ihre und die sozialistische Presse zU gewinnen. Sehr geschickt macht Bodach Propaganda. Dos am kleinen Vorgarten angebrachte Schild,, in jedem sänsten Hau« ein Bodach- Abonnement" wird auf manchen Beschauer suagestio wirken. Die wenig nachdenkende Frau wird sich sagen, was von einem so großen �Prozentsatz der Bevölkerung anerkannt wird, das wird auch mir etwas bringen. Sie bedenkt nicht, daß es zur chaupisach« die Fa- Wille u Hilfe ist, die die Abonnenten fängt, und daß diese Vcr- ficherung bei anderen Unternehmungen wie„B o l k s f ü r s o r g e" viel sicherer und günstiger zu haben ist. Die Vobach-Familicnhilfe ist eine teiire Versichenmg, weil die Zeitschrift literarisch wert- l o s ist. Die von Bodach angebene Zahl sollte erneut Veranlassung für uns sein, für die„F r a u e n w e l t" zu werben. Es ist für die sozialdemokratische ArbLiterschaft keineswegs gleichgültig, daß Frau pnd Töchter bürgerliche Zeitschriften lesen. N. K u r f ü r st. Das Nebenprodukt. Hier an dieser Stelle ist vor wenigen Wochen die Geschichte von dem glücklichen Hanselein erzählt worden, von dem kleinen Jungen, der alle Tage ins Kinderland reist und einen großen ' Triumphgesang gedichtet hat, weil Papa und Mama nicht mit- dürfen, lieber diese Geschichte kamen wir ins erzählen: da sagte die Genossin, die in unserem Bezirk die Vertreterin der Krnderfrennde ist: „3ch habe mir schon so viel Mühe gegeben— aber die Frauen find sa nicht dazu zu kriegen, ihre Kinder ins Kinderhaus zu schicken! Rtcht mal die Freistellen habe ich mit Kindern unserer Genossen besetzen können!" Und wahrhaftig, auf ein Anfrage wurde es mir bestätigt: Bon den vorhandenen Freistellen wird am allerwenigsten von proletarischen Kreisen Gebrauch gemacht. Intellektuelle in schlechter materieller Lage, Kleinbürger, Kaufleute, sie bringen ihre Kinder ins Kinderhaus und scheuen sich nicht davor, um Minderung oder Erlaß des Erziehungsbeitrags einzukommen. Proletarische Väter und Mütter können sich dazu nicht ausrasfen. Nachdenklich ging ich nach Haus. Merkwürdig, hier wurde Eltern Und Kindern ein großes Geschenk geboten— und anscheinend wollte es niemand haben. Was für eine Entlastung bedeutet es doch für die arbeitende Mutter, wenn sie ihr Kind neun Stunden lang, von morgens acht bis nachmittags um fünf Uhr in guter Obhut wußte! Und hier wurde dem Kinde alles geboten, was es besonders jetzt, tn dieser Zeit der Wohnungsnot und den überfüllten Wohnungen Nicht zu Haus haben kann: Licht, schöne Räume, ein großer Spiel- platz, gesundes Essen zur rechten Zeit— und doch wurden die Kinder Nicht in dies Kinderparadies gebracht. Was mochte dafür der Grund fein? Sehr einfach: Die Erziehung des Kleinkindes ist in der Familie yln Nebenprodukt: dem nicht viel Bedeutung beigelegt wird. Und aus dieser Einstellung heraus werden gewohnheitsgemäß am Klein- ttnd die größten pädagogischen Sünden begangen. Das Schulkind, schon selbständiger, rettet sich schließlich in eine eigene Welt, in die die Erwachsenen freilich oit genug recht plump einbrechen. Gelingt «s dem Jungen oder dem Mädel gar, Anschluß an irgendeinen Zweig der Jugendbewegung zu finden, dann besteht dies« Welt nicht nur in seiner Phantasie, aus der die Räuber- oder Indianerspiele unserer Klnderzeit erwuchsen, sondern sie kann einen recht realen Charakter annehmen, wie in unseren Kinderrepubliken: hat das Kind das Glück, eine Gemeinschaftsschule besuchen zu können, wächst es geistig und seelisch oft in sehr kurzer Zeit über seine häusliche Umwelt hinaus. Nur das Kleinkind ist der Ungunst und dem Unverstand seiner„natürlichen Erzieher" auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Sein kleines Leben muß er- barmunoslos im Rhythmus des Lebens, des Tuns und Treibens der Großen laufen. Ist's nicht so?— Wo hat denn heute eine Mutter noch Zeit, im wahren Sinn« des Wortes„ihrem Kinde zu leben", auch wenn sie nicht genötigt ist, für Geld zu arbeiten, sondern „nur" ihren Hausstand zu besorgen hat! Besonders wenn die Familie größer ist, ganz- oder halberwachsene Kinder vorhanden sind, ist der Tagesplan der Familienmutter eingeteilt, daß für das 5Aei»kinb kaum die Zeit zu einem Spielstündchen im Park übrig- bleibt. Das Esten regelt sich nach dem Bedürfnis der Großen oder der größeren Kinder, günstigevfalls gibt es um die Mittagsstunde herum einen schnell gekochten Brei, an eine Mittagsruhe, die für das Kleinkind dringend notwendig ist, kann bei der Enge und der lieber- füllung der meisten Wohnungen nicht gedacht werden, denn Mutter lind die größeren Kinder pflegen ja im selben Raum zu gleicher Zeit zu arbeiten. Ein Spielwinkel in der Wohnung fällt für das Kleinkind in den seltensten Fällen ab, und seine auf dem ganzen Erdboden verstreuten Spielsachen sind für alle anderen Menseln in der Wohnung Steine des Anstoßes. Und ist man erst dreimal über so ein heißgeliebtes hölzernes Hottehühpferd gestolpert, dann kriegt nicht nur der fühllose Holzgaul einen harten Tritt, der weniger ihm, als dem Herzen des Kindes wehe tut, sondern in der augenblicklich aufsteigenden üblen Laune wird auch das Kind entsprechend„angeschnauzt". In dem Kinde setzen sich aber gerade in dieser Zeit die Gfühl« des Ueberslüssigseins und der Minderwertigkeit fest. Kein« feiner Leistungen wird entsprechend gewertet, die meisten werden absolut als störend empfunden, und die wenigsten Mütter haben das Talent und die Geduld, den Tätigkeitsdrang des Kindes für sich und das Kind nutzbringend zu verwerten, indem sie ihn in die rechten Bahnen lenken und dem Kinde leichte, von ihm als angenehme Ab- wschslung und Spiel empfundene Arbeiten übertragen. Freilich stößt diese Beschäftigung des Kindes in der Familie auch auf andere als rein pädagogische Schwierigkeiten. Ein dreijähriger Purzel, der im Kinderhaus mit seinem kleinen, seiner Körpergröße angepaßten Schrubber aufwischt, ist ein reizender Anblick— mein dreijähriger Junge, der zu Haus mit meinen großen Schrubber die Küche zn scheuern versucht, richtet meistens eine Katastrophe an! Selbst bei den Spaziergängen kann man sehen, wie wenig die Erwachsenen an das Kind denken. Gewöhnlich muß das Kleinkind, fest um das Handgelenk gepackt, im Hundetrab neben der Besorgungen machenden Mutter herlaufen, und wenn es aus Müdigkeit„gnarrig" wird, dann kriegt es den berühmten„Jagdhieb", der so locker sitzt und in der Gedankenlosig- keit, mit der er gegeben wird, oft mehr Schaden angerichtet hat, als eine»ach„Recht" und Billigkeit zugemessene Tracht Prügel. So ist das Leben des Kleinkindes in der Familie heute im Durchschnitt vielfach. Warum wird das Kind nun nicht zur Er- ziehung in die richtige Umgebung gebracht, selbst wenn das wenig oder gar nichts kostet? Erstens: Es ist den Müttern meist sehr unbequem, wenn das Kind schon morgens um acht Uhr sauber angezogen und ins Kinderhaus gebracht werden soll. Denn vielleicht möchte Mutter erst die allernotwendigsten Hausarbeiten fertig- machen— da zieht sie sich eben auch noch nicht ausgehsertig an: und Mutter und Kind bleiben meist so lange in einem oft noch nicht einmal besonders sauberen„Neglige, bis es dann zum Einholen geht. Dann werden schleunigst die Oberkleider gewechselt. Wie es drunter aussieht, merkt ja keiner. Und das ist, meines Erachtens, der zweite Grund, der manche Mutter daran hindert, ihr Kind dem Kinderhaus zuzuführen. Hier unterstehen die Kinder in ihrer ganzen Lebenshaltung der Kontrolle der Heimleiterin und mit ihnen auch ihre Mütter. Die Kinder schlafen mittags und werden dazu entkleidet.„Und denn wird da vielleicht an meiner Wäsche rumgemäckelt, oder wenn mal een Strumpenband abjerissen is— det is doch schließlich nicht det jrößte Malheur, det dem Kind passieren kann!" Freilich! Aber all diese kleinen Malheure oer» hindern eine Erziehung des Kleinkinde» zur Ordnung. Manche Mütter scheinen auch— man lache nicht— richtig abgeschreckt davon, daß die Kinder als Selbstverständlichkeit im Kinderhaus mittags sich einer Sgrviette bedienen, trotzdem diese ServieUe sogar vom Kinderhaus geliefert wird.„Mit lauter son Unsinn werden die Kinder bloß anspruchsvoll gemacht und über unserem Stand er- zogen!" Das ist richtig. Und vielleicht wird ein Kind aus Arbeiter- kreisen, das im Kinderhaus erzogen wurde, wirklich mal an dem und diesem in der eigenen Familie Kritik üben, wie es die Roten Falken auch am Elternbesuch in ihrem Sommerlager taten— weil sich die Eltern wirklich nicht ganz einwandfrei benommen haben. Und über diesen Respektlosigkeiten' vergessen die Eltern, daß der größte Feind der Arbeiterklasse die infame Genügsamkeit ist, dl« un» Alten mal gepredigt wurde. Was war nicht früher alles für den Arbeiter ein verbotener Luxus. Theaterbesuch«, Urlaub und Reisen— alles hat sich die Arbeiterschaft schließlich erobert, und auch das Recht auf die acht Stunden freie Zeit hat sie sich erkämpft. Aber ein» wird als unbequem empfunden: das in neuem Geiste erzogene Kind. Und ein Kind, das in einem Montessorihaus in völliger Gleichheit mit den Kindern einer anderen Klasse erzogen worden ist, das von klein auf diese Lebensformen der bürgerlichen Gesellschaft beherrscht, wird zu einer' glücklichen Respektlosigkeit gegen seine bürgerliche Umwelt erzogen: Es läßt sich bestimmt nicht so leicht von diesem Lebensstandard herunterdrängen, es wird zäh um seine Erhaltung kämpfen. Zuerst vielleicht mit der eigenen Familie. Aber dann werden wir Alten eben umlernen müssen, wie wir in so vielem umlernten: Denn die Erziehung etnes Menschen kann nicht als„Nebenprodukt" fertiggestellt werden, und wir sollten so ehrlich sein, zuzugeben, daß es hier nicht unsere Liebe zum eigenen Kinde, sondern unser Egoismus es ist, der einen der wichtig- sten Fortschritte der Erziehung hemmt, die Erschafsung einer eigenen Welt für das Kleinkind. Und wir sollten uns dieses Egoismus schämen. Rost Ewald. * Kinderhäuser der Montessorigesellschaft befinden sich: Leopold- platz, Berlin-Wedding, Schule. Lichtenberg, Scharnweberstraße IS. Bcrlin-Wilmersdorf, Düsseldorfer Straße 3.