Nr/lS* 45.Iahrgong{ Beilage zum VorwSrks 'lZ. September 1925 ü ............................................................................................................................................................ iliiiwi'iiwtniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii'jiiiiiiii'iniiiiiiiii'iniiiiiiMiiiiiiiiiiniiünmiui1!! Der Faschismus und die Frau. Solange der Faschismus noch im Stadium der Besitz- ergreifung der politischen Macht stand, hat er sich um die Frau nicht bekümmert. Er ging mit gewaltsamen Mitteln vor, im Dienste und im Solde bestimmter Interessen: was er an Zustimmung bedurfte, strömte ihm zu, weil er der Kriegs- Verrohung und Reizgier der Heimkehrer und der Daheim- gebliebenen entgegenkam. Da brauchte er weder Ideale noch ein Programm. Der Faschismus hat die S e e l e n v e r- fasfung der Nachkriegs- z e i t, die in allen Staaten das gesellschaftliche Gefüg» zeitwei» tig gelockert hat, in einem ge- gebenen Sinne gerichtet: seine ersten Geldgeber waren die Agrarier und die großen Ban» ken, und als deren Botengänger tritt er zuerst in die Geschichte ein. Damals gefiel er manchen Dämchen sehr gut, sie fanden ihn schneidig und heroisch: ge- legentlich zog auch mal eine das schwarze Hemd an und zierte sich mit einem Totenkopf. Wo den Faschisten Frauen als Geg- ner gegenüberstanden, wie in Molinella, hat sich an ihnen die Gewalttat ohne Ansehen des Geschlechts betätigt. Aber zu einer Werbetätigkeit oder prin- zipiellen Stellungnahme des Faschismus gegenüber der Frau bestand keine Veranlassung. Nach der Besitzergreifung wurde das anders. Da brauchte auf einmal der Faschismus alle möglichen Dinge, die er nie ge- habt hatte, wie Ideen, Pro- gramm, Weltanschauung. Es wurde ihm ein wahrer Basar geliefert und das Verschiedenste ausprobiert, bis man sich auf das heutige Muster einigte: der Staat alz Selbstzweck, das Individuum als Mittel, eine Minderheit Auserlesener herrscht und verwirklicht durch eine Art Staatssozialtsmus den Wohl- stand der rechtlosen Masse, das Ganze mit altrömischen Falten- wurf und mit dem Zukunftsprogramm der Wiederherstellung des römischen Weltreichs. In dieser„Ideenwelt" des Faschis- mus fiel der Frau n u r e i n e Funktion zu, die der Gebärerin. Nun ist es einleuchtend, daß die Forderung einer großen Kinderzahl gerade in der faschistischen Einkleidung geringe Werbekraft besitzt. Italien ist so dicht bevölkert wie Deutsch- land, da es aber in viel höherem Maße Agrarland ist, be- deutet die gleiche Dichtigkeit wirtschaftlich eine größere Be- engung. Wenn der Faschismus trotzdem für eine höhere Ge- burtenzahl eintritt und gleichzeitig die Auswanderung unter- bindet, so hat er dabei nicht etwa die Absicht, das Land von der ihm wesensgemäßen agrarischen Produktion abzudrängen, um es in ein Industrieland zu verwandeln. Das Programm der forcierten Fruchtbarkeit dient nicht wirtschaftlichen, son- dern politischen Zwecken. Der Kessel soll überheizt wer- den, während man gleichzeitig das seit Jahrzehnten wirksame Ventil der Auswanderung schließt. Es hat durchaus den Anschein, als ob man dadurch Europa bedeuten wolle: Italien Leuchtende Herbstsonne. Die Welt ist nun in blauen Glanz getaucht/ An dem sie sich mit weichem Lächeln schmiegt/ Und Heide/ Wiest/ secner Hügel liegt Don schmalem vanögeaöer golööurchpsaöet. Heut' hat das Licht die-Seele mir begnadet. Ihr/ meiner Sehnsucht letzte Träume/ stiegt Zu sanften Höhen/ reise Aehre biegt Sich euch entgegen/ die zum Schnitte ladet. > Die Zeit der Ernte muß voll Stille sein/ Die ganz mit froher Sonne sich erfüllt Und alles Reife mild in Wärme hüllt Und gießt in olle Keuchte Süße ein. Das Sterben selbst darf noch ein Strahlen trinken/ wie müde Rosenblätter leuchtend sinken. hennl Lehmann. kann nicht auf seine heutigen Grenzen beschränkt bleiben, und es hat Soldaten genug, diese Grenzen zu erweitern. Während automatisch aus dem wachsenden Druck der Bevölkerung die Kriegsdrohung folgt, will man hier systematisch diesen Druck verschärfen, um die Kriegsdrohung zu rechtfertigen. Im Dienste rassenhygienischer Ideale findet die For- derung hoher Fruchtbarkeit der Tüchtigen bei vielen Frauen Widerhall: auch als Ausfluh religiöser Pflichtbegriffe setzt sie sich noch gelegentlich durch. Aber als Soldatenzüch« t e r e i, als Kanonenfutter« fabrik hat sie gewissermaßen alles Mütterliche der Frau ge» gen sich. In der Tat ist die ab« steigende Linie der italienischen Geburtenzahl durch alle bis- herigen faschistischen Maßnah« men nicht abgelenkt worden. Die Italiener sind ein kinder« frohes Volk, aus gesundem Triebleben heraus, aber zu einer Kinderproduktion aus Parteidisziplin, um Prämien oder Belobigungstelegramm« zu empfangen, gleichsam aus politischem Strebertum, eignen sie sich nicht. Die Statistik der nächsten Jahre dürfte einen starken Abfall der Geburtenzahl melden, in dem neben der all« gemeinen Zeitströmung und neben der wirt chaftlichen Not und Aussichtslo igkeit die polt« tische Not und die bewußte Ab« lehnung politischer Einmengung zum Ausdruck kommen wird. Daß es dem Faschismus bei der Geburtenfrage nur um die Quantität zu tun ist, geht am krassesten daraus hervor, daß in einem Oertchen Süd« italiens ein Pvdestat eine Geldprämie ausgesetzt hat für die, die im Laufe der nächsten fünf Jahre die meisten Kinder in die Welt setzen. Es liegt auf der Hand, daß dieser Kaninchen- preis am ersten einer Mutter winkt, die ihre Kinder nicht stillt und also eine Schwangerschaft dicht an die andere schlie« ßen kann. Dieselbe Nichtachtung der Qualität des Nachwuchses spricht aus der Verleihung des sog. Wahlrechts an achtzehn« jährige Männer, wenn sie verheiratet sind, während gleich- zeitig den militärischen Fliegern die Ehe bis zum 30. Lebens- jähr verboten ist. So hat der Faschismus auch in seiner Konsolidierungs- phase eigentlich kein Werbemittel für die Frau, hat also, von seiner prinzipiellen Einstellung ganz abgesehen, gar kein Interesse daran, ihr irgendeinen politischen Einfluß zuzuge- stehen. Was er von ihr will, wird sie um so weniger leisten. je mehr Selbstbestimmungsrechte sie hat. Das Regierungs- kunftstück, das jede Diktatur von sich selbst verlangt, besteht ja überhaupt darin, die Menschen darüber hinwegzutäuschen oder zu trösten, daß sie um ihr Selbstbestimmungsrecht ge- prellt worden sind. Das ist nun in Italien der Frau gegen- über in einem Sinne leichter als dem Manne gegenüber, in anderem Sinne wieder schwerer. Leichter, insofern sie sehr Wenig Rechte hatte und also um sehr wenige geprellt werden konnte. So hat sich in Sachen der Wahlrechtsfra�e der Faschismus den Witz leisten können, den Frauen das kam- munale Wahlrecht zu gewähren und fast in demselben Atem dieses Wahlrecht überhaupt für alle abzuschaffen. Man kann also sagen, daß die Frage der politischen Gleichberech- t i g u n g der Geschlechter in Italien dadurch gelöst ist, daß beide Geschlechter politisch gleich rechtlos sind. Andererseits hat aber der Faschismus der Frau, als Ersatz für ihr vorenthaltene Rechte, noch weniger zu bieten als dem Manne. Er hat unter den Frauen trotz der Mädchen- bataillone überhaupt kaum Wurzel geschlagen. Trotzdem sieht man in Italien biedere alte Damen und Sötte Iunggesellinnen, die das Faschistenabzeichen tragen. ußer denen, die dies um des eigenen Fortkommens oder um des des Gatten willen tun müssen, sind dies vor allem die Frauen des verarmten Mittelstandes und jener Schlag ; fensationsgieriger Lebeweiber, die so eine Art Marketende- l rinnen jedes politischen Erfolgs sind. In faschistischen Kreisen hat man es sich vielleicht nie klar gemacht, welches unter den vielen hochtönenden Worten des Faschismus das Zauberwort war, das ihm Frauenherzen er- schlössen hat. Es war nicht das römische Weltreich, nicht der � italienische Genius, nicht die dynamische Wucht der faschisti- scheu Erneuerung: es war weder die altrömische Schlichtheit, jl noch die byzantinische fjierarchenordnung, weder die Askese, noch das Dyonisische: es war nur der M i e t e rs ch u tz. Ganz prosaisch, ganz kleinbürgerlich. Damit hat er sich viele Ge- K müter gewonnen, die nie gewußt haben, was Politik oder i Parteikampf war, die nur die Sorge kannten, das Rechnen i mit dem Pfennig, das wehrlose Sich-Ducfen unter die Not. ! Daß man die Nichtfaschisten aus den Genossenschaftshäusern, t- aus den Arbeiter- und Veamtenwohmmgen exmittiert hat, j das hat die versinkenden Schichten des Mittelstandes, soweit e» sie nicht selbst traf, nicht bekümmert. Siegreich geworben , um die Frau hat der Faschismus nur durch den Mieterschutz. h -— Die Frau erober Das Lob eines Nach einer Zusaivmenstellung des Justizministeriums waren am ' 1. Mai 192 6 von den in Preußen vorhandenen 10 IM Kanzlei- angestellten 8966 gleich 88 Proz. männliche und 1246 gleich 12 Proz. weibliche Personen. Die Uebersicht nach dem Stande vom 1. Januar 192 8 weist bei einem leichten Sinken der Gesamtzahl«in weiteres Ansteigen der Zahl der weiblichen auf 2186 gleich 26 Proz., gegen- über dem Sinken der Beteiligung der männlichen auf 86 Proz. nach. Man wird aus diesen Zahlen schließen dürfen, daß die weib- lichen Ange st eilten ihren Platz gut behaupten und ihr« besondere Eignung auch für die Gerichtskanzleien «achzuweisen imstande sind. Ueberdies wird man allgemein damit rechnen müssen, daß dos Angebot an männlichen Kanzleiangestellien mit voller Eignung, besonders mit ausreichender Schulbildung, nach : und nach abnehmen wird: viele junge Männer hatten nach der Jnflations- und Deflationsnot mit der Beschäftigung in Abschreib- arbeiten vorlieb genommen und streben nun besser bezahlten Be- »usen zu. Man wird sogar vielleicht jungen Männern, die heute «ach Wiederbelebung der Wirtschost sich mit Abschreibearbeiten be- gnügen, nicht die solide Schulbildung, die zur einwandfreien Auf- nahine von Diktaten im Stenogramm oder auf der Maschine er- forderlich ist, zutrauen dürfen. Deshalb wird man neben dem alten Stamm im Eerichtskanzleidienst erprobter Angestellter weiterhin gerade auf die Gewinnung gut vorgebildeter und im übrigen ge- «Igneter weiblicher Kräfte Wert legen müssen. Im Kasseler Bezirk haben die Gerichte mit weiblichen Angestellken die allerbesten Erfahrungen gemacht. Mir stehen deutlich die Nöte eines mittleren Amtsgerichts bei der Bewältigung des im Jahre 192Z wegen der Aufwertung ungeheuer anwachsenden Schreibwerks vor Augen, die den Aufstchls- richter veranlaßlen, erstmalig weibliche Angestellte einzu- stellen; ZU den zwei ersten jungen Mädchen kam bald eine dritte und vierte, dann eine fünfte und sechste Maschinenschreibe! in, und diese sechs weiblichen Kräfte haben bei unablässig steigender Geschäftslast und bei Abordnung aller Kanzleiboamten in den Bureaudienst das Schreibwerk des Amtsgerichts mustergültig gemeistert. Die Beamten xühmten die Annehmlichkeit des Umgangs mit den Was die weniger praktischen und wenige? in Zahlen auszu- drückende Ideale betrifft, so hat er ihren Bertrieb unter der Frauenwelt der katholischen Kirche in Submission gegeben. Oftmals hat die Kirche die Absicht gemerkt und ist ver- stimmt geworden. Es sind dabei von offizieller Seite Worte gefallen über die Benutzung der Religion zu politischen Zwecken. Aber gerade, weil der Faschismus der Frau so gar nichts zu sogen hat, so daß sie in ihm überhaupt nur durch eine gewisse Mätressenherrschast eine Rolle spielt, überläßt er sie gern der Kirche. Die bewaffneten Mädchen, die durch Rom gezogen sind, waren nicht so tragisch gemeint. Kirche, Küche und Kinderstube ist das faschistische Frauenideal. Es wird im Beichtstuhl besser gehütet als auf dem Exerzierplatz. In ganz richtiger Erfassung seiner eigenen Existenzbedingungen will der Faschismus die Frau von der Politik fern halten, um nicht mit ihr als Gegner rechnen zu müssen. Je weniger die Frau den ethischen Kern des Fa- schismus erfaßt, um so besser für die faschistischen Zwecke. Das Problem lautet für die herrschende Partei nicht: wie gewinne ich den weiblichen Teil des Volkes der faschistischen Ideenwelt?, sondern: wie mache ich ihn den Parteizwecken dienstbar? Und da es eine Macht gibt, der in der Kunst, Menschen aus die Wege fremder Zwecke zu lenken, eine weit- geschichtliche Erfahrung zur Seite steht, nämlich die katholische Kirche, hat der Faschismus dieser Macht das weitere übers lassen. Die Männer werden durch wirtschaftliche Interessen oder durch Gewalt gezügelt, die Frauen kommen in die Hut der Kirche. Das ist ein altes Rezept jeder Reaktion. Es kommt hierin freilich keine faschistische Stellungnahme zur Frau zum Ausdruck, sondern nur ein völliges Ignorieren der Frau als politischen Faktor. Aber dieses Ignorieren ist eben der Ausdruck der antidemokratischen Einstellung, die keine Bürger kennt, sondern nur Untertanen, kein Vorwärts- drängen der Individuen, sondern nur ein Marschieren auf Kommando. Sie steht auf dem Boden einer Zeit, die noch kein« Frauenfrage kannte. Oda Olberg. den Iustizdienst. hohen Nichters. höflichen, immer fteuiüllichen, arbeitswilligen und geschickten Maschmenschreiberinnen. Das Amtsgericht kommt feit Jahr und Tag mit weniger Kanzleikräften aus, als ihm zahlenmäßig nach der Gefchäfislast zugebilligt werden könnten, ohne daß jemals Kanzleireste oder Verzögerungen«ntstanden wären. Die sehr stark belasteten Richter und Rechtspfleger haben sich bei der vorzüg- lichen Erledigung der Diktat« in Kurzschrist und in die Maschine ganz daran gewöhnt, in den Nachmittags, und Abend- stunden die am Morgen erlassenen Entscheidungen mit der Begrün- dung zu diktieren, so daß, wie mir die Anwaltschaft gesagt hat, die Ausfertigung der Entscheidungen, auch solcher umfangreichen Inhalts, regelmäßig am zweiten Tage nach der Berkündung in ihrer Hand sich befinden. Die Maschinen- schreiberinnen bei diesem Amtsgericht haben im Lause der beiden Jahre zwar gewechselt, einige haben geheiratet, ander« sind nach Besserung der wirtschaftlichen Lage in das Elternhaus zurückgekehrt, ober stet» hat die ausscheidende Angestellte für «inen vollgeeig-neten Ersatz selbst gesorgt und damit auch gezeigt, daß ihr die Arbeit lieb geworden war. Denn man wird überall beinerken können, daß die Angestellten, besonders aber die weiblichen, ein sicheres Gefühl für den Geist haben, der die Behörde beherrscht und der, wenn er gut ist. ohne weiteres gute Kräfte anzieht und ungeeignete abstößt. Diese günstige Be- urteilung der Arbeit mit weiblichen Kanzleiangestellten dürste, davon bin ich überzeugt, in nicht serner Zeil Genwingut der Gerichte sein. Die weiblichen Kräfte stehen, soweit ich sehe, den männlichen an Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Ver- schwiegenheit so wenig nach wie an Arbeitssreudigkeit, an Bereitschaft zur Ueberarbeit und an Geschick in der Handhabung der Schreibmaschine, und sie zeichnen sich daneben regelmäßig durch eine gute Allgemeinbildung, größere Beweglichkeit des Geistes, schnelle Anpassungsfähigkeit und ein vorzugsweises Geschick in der Handhabung der Kurzschrift aus. Aus der Zu- sammenarbeit der beiden Geschlechter erwachsen« ernstlichere Schwierigkeiten sind bisher nicht zu meiner Kenntnis getongt: die f Zusammenarbeit ist ja heut« so allgemein, drch Mißhelligkaiten sich aus Einzelfälle bejchränkcn dürften. Ader unverkennbar ist der günstige Einfluß, den die weiblichen Angestellten vielfach aus den Tau der Beamten und Angestellten untereinander ausüben, denn der chöslichkeit und Willigkeit der Frau begegnet der Mann allgemein mit Achtung und Freundlichkeit. Oberlondesgcnchtsprafident Dr. 91 n J., Kassel. „Wohnungskuliur" Im Hause der Firma Hermann Tietz. Alexandcrplatz, find, zu- sammengefaßt unter dem Schlagwort„Wohnungskullur" vorbild- liche Wohn- und Küchenräume ausgestellt. So geschmackvoll die Anordnung der in Kojen untergebrachten Musterzimmer auch ist— sie sind für proletarische Kreise viel zu teuer. Es sind eben— zugegeben. sehr schöne— Möbel für den gutbürgerlichen Haushalt; freilich ist es auch hier ein Verdienst, mit dem immer noch pro- duzierten und gekauften Kitsch aufzuräumen, und derartige Aus- stellungen im Warenhaus, ohne Eintrittsgeld zugängig, sind auch für die G e s ch m a ck s b i l d u n g proletarischer Kreise um so schätzenswerter, als das Proletariat kaum Zeit und Mittel findet. anderweitige Ausstellungen zu besuchen. Bon besonderem Interesse aber ist für die Hausfrauen die gleichzeitige Ausstellung von M u st e r k ü ch e n. Hier Ist vor allem die„Efchenbach-Küche* zu nennen. Nicht mir der aus einzelnen Teilen zusammenstellbare, mit praktischer Inneneinrichtung ver� sehene Küchenfchrank interessiert hier: gleichzeitig enthält die Eschen- bach-Küche einen verstellbaren Küchenstuhl mit beweg- licher Lehn«, der, im Gegensatz zu den üblichen Küchenstühlen, ein bequemes Arbeiten im Sitzen gestattet. Dazu kommt ein praktischer, auch als Abwaschtisch eingerichteter KüchcntiZch, Kleinschränke usw., ebenso ein praktischer Mülleimer, dessen Deckel sich durch einen Fußhebel öffnen läßt. Kleinigkeiten, die sich so auch in alten Kücheneinrichtungen ergänzen lassen, und die wesentlich zur Er- leichterung der Hausfrauenarbeit beitragen können. Natürlich ist auch der Preis der Eschenbach-Küche erheblich zu hoch, und es ist schätzenswert, daß daneben eine Küche ausgestellt ist, bei der die leitenden Prinzipien die gleichen sind, die sich im Preis jedoch erheblich niedriger stellt. Vor allem gibt die Ausstellung auch Anregungen für die Umgestaltung überalterter Küchen- möbel. Geschickte Leute können ohne zu großem Geldauswand manches zweckentsprechend modernisieren. Der Chejdekorateur de» Hauses hat sich mit dieser Ausstellung ein Verdienst erworben, da» noch größer wäre, wenn er einmal auch in gleicher Weise Hausrat für die normale Arbeiterwohnung ausstellen würde—• wirklich modernen Hausrat, der nicht in der Nachahmung eines mißver- standeneu bürgerlichen Komforts stecken bleibt. Das erste, zweite und dritte Von Ol*. Alfred Adler. Da» erst« Kind wird gewöhnlich in«ine Welt hinein- geboren, die voll freudiger Erwartung seiner Ankunft entgegensieht. Di« Eltern haben alle Vorbereitungen zu seinem Elnpfang getroffen. Es ist für sie ein erstmaliges, einzigartiges Erlebnis. Bleibt es einige Jahre lang das einzige Kind, so läuft es Gefahr, verzärtelt und verwöhnt und zum Mittelpunkt der Famitie zu werden. In dem Bewußtsein, der alleinige Gegenstand der elterlichen Sorg« zu lein, fühlt es seine Macht und seinen Einfluß und mit der Zeit er- stärkt dieses Gefühl immer mehr. Kommt nach einigen Jahren ein z w e i I« e Kind zur Welt, so verändert sich die Situation. Das Erstgeborene tritt in den Hinter- grund, das Neugeborene nimmt die unmittelbare Aufmerksamkeit der Familie in Anspruch. Seine Gesundheit, sein Gedeihen, sein Aussehen, sein Tun und Lassen beherrschen das Familiengespräch. Der ganz« Haushalt dreht sich um dos jüngste Kind. Das ältere dagegen fühlt sich entthront. Aber es hat sich in dieser Zeit zu dem Typus entwickelt, der sich selbst stets im Mttelpunkt wissen will. Auf tausenderlei Art und Weise versucht es, feine alte Machtstellung in der Familie zurückzugewinnen. Es fühlt das Hindernis und ver- sucht es gewaltsam aus dem Weg zu räumen. Aber das Hindernis ist nicht so leicht zu beseitigen. Während dieser Zeit wächst das jüngere Kind in ungetrübtem Glück heran. Nichts stellt sich ihm in den Weg oder durchkreuzt feine Wünsche und Begierden. Es ist deshalb auch liebenswürdiger und freundlicher als sein älteres Brüderlein oder Schwesterlein, bei dein sich infolge feiner Zurückstellung höchstwahrscheinlich unerfreu- liche Eigenschaften entwickelt haben. Unter anderem zeigt das ältere Kind eine Ueberempfindiichkeit und fühlt deshalb die Bevorzugung des jüngeren Kindes doppelt. Es sieht seine Machtstellung beein- trächtigt, ja erschüttert. Wenn es diesen Kampf um die Oberherrschaft nicht gewinnt, wird es leicht bedrückt, verdrießlich, mehr oder weniger apathisch, und dieser Mangel an Lebenskraft wird sich im späteren Leben, wenn es sich Problemen gegenüber sieht, äußern. Es neigt zur Herrschaft und beharrt auf seinem alten Recht. Wenn es stark genug ist, wird es«in streitsüchtiges Kind. Was das zweite Kind änbetrifft, so ist es niemals allein, son» dern steht immer dem älteren Kind gegenüber. Das ihm stets vor Augen stehende Bild des älteren und größeren Kindes erzeugt in ihm ein Gefühl der Rivalität. In seinem älteren Bruder hat es einen beständigen Panner. Sein Berhalten bei Spiel und Arbeit nimmt den Charakter eines Wettkampfes an. Es ist stets von dem Wunsch beseelt, zu gewinnen. Es fehlt ihm aber das Berständms für bestehend« Macht und kämpft wie ein Revolutionär dagegen an. Bleibt es Sieger, wird es ein ausgezeichneter Typus. Unterliegt es, ist es z. B. nicht imstande, mit dem älteren Kind in Spiel und Arbeit erfolgreich zu konkurrieren, verliert es die Hoffnung, wird niedergeschlagen und hat schl'mmc Tage vor sich. Ist das älter« Kind ein Knabe und das jüngere ein Mädchen, so befindet sich der Knabe in einer anderen Situation, weil das Mädchen bis zu seinem 17. Lebensjahre geistig und körperlich von der Natur in besonderer Weis« bedacht wird. Es entwickelt sich rascher, ist kraftvoller und stellt den Jungen m den Schatten. Unter solchen Umständen bietet ein Knabe ein besonderes Problem und wenn er nicht die Oberhand gewinnt, fühlt er sich sehr unglücklich. Das dritte oder jüngste Kind befindet sich wieder in einer anderen Lag« als das älteste und mittlere, aber seine Stellung ähnelt in Manchem der des zweiten Kindes, denn beiden ist ein Gefühl von Rivalität gegenüber den älteren Geschwistern eigen. Es hat auch um seinen Platz an der Sonn« zu kämpfen, aber e» hat keinen Nachfolger. Das verleiht ihm ein hthes Machtgefühl. Wenn es begabt ist, überflügelt es oft die anderen Kinder der Familie durch sein Selbstbewußtsein Ist es nicht lalenttert, läßt e» sich vielleicht daran genügen, verwöhnt zu werden, wird faul, ent- zieht sich seinen Aufgaben, vergeudet die Zeit und sucht immer Ausslüchte. Das sind die drei hauptsächlichsten Kindertypcn. Man'findet Beispiele dafür in der ganzen Literatur. In den Märchen trägt da» jüngste Kind immer den Preis davon. In der Bibel sind Efau und Jakob ausgezeichnet« Beispiele für das älteste und zweite Kind. Esau war älter als Jakob, während letzlerer immer eisersüchtig auf ihn war und Ihn in allem zu übertreffen suchte. Der biblische Joseph ist ein glänzendes Beispiel für das jüngste Kind, denn Benjamin kam erst 17 Jahre später zur Welt. In dieser Zeit tonnte Joseph alle Eigenschaften eines jüngsten Kindes entwickeln. Selbst in der Fremde und Gefangenschaft überwand er alle Hindernisse, erwarb sich hohe Anerkennung und rettete durch seinen Scharssinn Tausenden das Leben. Damit Eltern den Problemen, die sich in Hinsicht auf das älteste, mittlere und jüngste Kind ergebe«, gewachsen sind, müssen sie die jeweiligen individuellen Anlagen berücksichtigen. Man joll die Kinder über die Lag« aufklären und ihnen behilflich sein, sich einander zu fügen. Z. B. Tommy bekommt im Alter von vier Jahren«in Brüder- iein. In dem Gefühl, daß sein« kleine Persönlichkeit nicht mehr die Hauptrolle spielt, nimmt er eine feindliche Haltung an. Wenn er bestraft wird, trotzt er. Wenn er wegen seines Betragens von den Eltern getadelt wird, fühlt er sich ungerecht behandelt und ver- harrt in seiner abweisenden Haltung. Die Eltern bestärken durch solch« bsdauerliche Methoden ihre Kinder in deren unglücklichem Verhalten. Wenn hingegen Dater oder Mutter Tommy erklären, was die An- kunft eines kleines Bruders für ihn bedeutet, so ändert sich die Situation. Wenn er sieht, daß er einen neuen Freund bekommen soll, daß er genau so viel Liebe genießt wie zuvor, so wird dl« trotzig-abrrelsend« Haltung einer ffeudig-teilnehmenden weichen. Diese Taktik mag in Anbetracht der immer neu auftauchenden Probleme mühsam und langwierig erscheinen. Aber durch Aus- bildung des sozialen Sinnes lernen die Kinder rasch, sich richtigere!», auch behaglicheren Lebensverhältnissen anzupassen. Gisbsnier Zrausnwrsus m Tmz. Di- Hoimvolkshochschule Tin� ladet �ur Teilnahme an ihrem siebenten Frauenkursus eiin Die Lehrsüchcr, die in den Frauen- k»rsen im Vc>rders>rnwd« stehen, sind: Wirtschaftslehre, Geschichte, Psychologie, Erziehungsfragen, Frauenfragen, Ecwenrscl)aftsweien, Wcchlfahrtswesen. Ausnahme finden Bewerberinnen im Alter von 18 bis 3<> Jahren, die keine höhere als Volksschulbildung genossen haben. Die Bewerberinnen haben an die Schulleitung ein Gesuch und einen selbstgeschriebenen Lebenslauf einzureichen, aus dem neben den allgemeinen Daten über Alter, Staatszugehörig- keil, Bsrufeausbildung usw. der Bildungsgang und der Zweck, der mit dem Besuch der Schule angestrebt wird, hervorgeht. Ferner ist ein Aufsah abzuliefern, über den den Bewerberinnen von der Schulleitung nähere Mitteilung gemacht wird. Das Schulgeld, in dem die Kosten für Wohnung und Ver- pslegung einbegriffen sind tBettwäsche ist mitzubringen), beträgt für den ganzen Kursus für Thürtngerinnen 1ZS M.. für die übrigen Reichsdeutschen 150 M.. für Ausländerinnen 200 M. Das Schul- gcld ist bei Kursusbeginn zu entrichten, chierzu tritt die Ver- pflichtung, durch regelmäßigen Arbellsdienst(6 Stunden wöchent- lich) an der Erhaltung der Schule mitzuarbeiten. Der Kursus beginnt am 15. Januar 1929 und dauert bis 15. Juni 1929. Die Bewerbungen sind spätestens bis 1. Oktober 1923 einzureichen. Die Entscheidung des Lehrerkollegiums über die Aufnahme erfolgt Mitte November 1928. Anfragen und Bewerbungen ist Rückporto beizufügen. Die Leitung der Heimvolkshochschuse Tinz. Die IX. Deutsche Tagung für Säuglings- und Kleinkinderschuß findet am Montag, dem 17. EepteiRber 1 928, vor- Mittags 10 Uhr, im Curtohaus in Homburg, Rothenbaum- chaussee 9/13, statt. Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht das Kleinkind. Mutterliebe. Wir lagen, wohl an 20 Mütter, in dem großen Saal der Klinik zusammen: Junge Mädel von kaum 18 Jahren und Frauen, die schon über die 40 hinaus waren. Alle mit eigenen Freuden und Leiden, und doch alle verbunden durch dos groß«, immer neue Er-- lebnis der Mutterschaft. Mir gegenüber lag eine junge Faru; ihr schwerer Junge, eine Zangengeburt, hatte sie schlimm gequält. Und das schlimmste: War es Nervosität, war sie wirklich wenig still- fähig— sie hatte nicht recht Milch für den Jungen. Mein kleiner vorwitziger Hans, der ganze zwei Monat« zu früh gekommen war, konnte aber mit all seinem Reichtum nicht fertig werden. Stunden- lang mühte ich mich zwischen den Stillzeiten, die Brust zu entleeren: Eine von den Schwestern sehr geschätzt« Tätigkeit, die all ihren Kindern zugute kam. Trotzdem schwoll mir die Brust an und drohte sich zu verhärten. Da versuchten die Schwestern, von der jungen Mutter gegenüber die Erlaubnis zu bekommen, mir ihren ewig hungrigen Jungen direkt anzul«gen, denn der protestierte mit Baß- stimme immer gegen die Flaschennahrung, di«»hm auch wenig be- tömmlich war. Ab«r sie gab di« Erlaubnis nicht. Zwar waren wir olle als gesund befunden, zwar bekam ihr Junge redlich seinen Teil von meiner Milch sowohl wie von der anderer Mütter— aber aus der Flasche: Daß ihn eine fremde Frau anlegte— das konnte sie nicht sehen, dazu„hatte si« ihren Jungen zu lieb...". Und so ist es ein eigenes Ding um die Mutterliebe Gewiß, wir hören so viel von ihrer Kraft, von ihrer Stärke; sie überdauert jedes andere Band, und der letzte Ruf eines Menschen in höchster Not ist meist der Ruf nach der Mutter. Die Mutter ist ihm, mag sie auch längst tot sein, noch immer letzie Zuflucht, die Erbarmende, die Schützerin. Neben diesem Bilde aber steht ein anderes: Das Bild der zerstörenden, der eifersüchtigen, der herrischen Mutter, die für ihre Liebe nichts mehr und nichts weniger verlangt, als das ganze Leben ihres Kindes, besonders ihres Sohnes. Das ist keine Uebertreibung. Bleiben wir mal bei einer ganz trivialen Gestalt, bei der so oft verhöhnten, bösen Sckzwiegermutter. In wie vielen Ehen hat sie schon Unheil angerichtet, und ehrlich gesagt— wie viel Frauen gibt es, die sich wirklich mit ihrer Schwiegermutter ganz, ganz gut stehen? Zumeist lebt man doch nur in einer Art be- rvafsneten Friedens. Aber den wenigsten Frauen werden die tiefsten i fluellen dieser eifersüchtigen Mutterliebe klar sein. Diese Eifersucht stammt aus zwei Quellen. So lange die Frau unter der 5)«rrjchast des Mannes stand, konnte sie nur als Mutter, und vor allem als Mutter eines„Stammhalters" Geltung ge- Winnen. Nur als Mutter eines Mannes hatte sie Geltung in der Sippe. Die Kinderlose, die Frau, die ihrem Manne nur Mädchen gebar, war rechtlos; wenn sich der Sohn aber einen eigenen Haus- stand gründete, dann herrschte seine Mutter zum mindesten über seine Frauen. Eine wirklich leidenschaftliche Liebe zu einer dieser Frauen aber gefährdet« ihr« Herrschaft, die so mühsam erdient worden war. Und wie niemand ein sch'f imerer Tyrann ist, wie der. der zuvor Sklave war, so war die Herrschaft der Schwieger- mutter oftmals«in Schreckensregiment für die Frauen des Mannes. Dazu kommt ein zweites: Bor einigen Wochen stand hier der Artikel„Dedipus in Wadenstrümpfen". Auch die Mutter ist nicht frei von solcher Bindung. In ihrem Sohn entsteht ihr, verjüngt und losgelöst von der Bindung an eine andere Familie, der Mann, den sie liebte. Si« hat vielleicht seitdem manche Liebe, manche Illusion begraben müssen. Aber drum soll nichts zwischen ihren Sohn und sie treten— und darum mißgönnt die böse Schwiegermutter jeder anderen Frau jede Liebkosung ihres Sohnes: Bon der Berührung des Säuglings an bis zu dem Kuß, den er seiner Braut gibt. Diese Mutterliebe ist im tiefsten Grunde egoistisch. Zwar sorgt sie für ihr Kind— nur für ihr Kind:„Ich wünsche nicht, daß mein Kind von seinem Frühstück anderen abgibt" erklärte ein« Mutter auf dem Elternabend eines Kinderhauses. Si« bringt auch Opfer, gewiß, mit Ausnahme des einen: Sie will alle Liebe des Kindes für sich. Wo sie in irgendeiner Weise ausgeschaltet wird, da versagt sie dem Kinde lieber ein« gesündere Nahrung oder«ine fortschrittliche Er- Ziehung. Diese Art Mutterliebe ist lediglich als ein„erweiterter Egoismus" anzusprechen. Diese Mutterliebe sündigt manchmal in der schlimmsten Weise an den Kindern. Wenn eine geschiedene Frau auf jede Zusammenkunft mit ihren Kindern verzichtet, um ihnen die andauernde haßooll« Gegenwirkung des Baters zu er- sparen, so kann sich darin mehr von wirklicher Liebe dokumentieren, als in einem erbitterten„Kampf um die Kinder", der nur zu ost aus Prestigegründen, wenn nicht aus sehr materiellen Interessen, geführt wird. Jede Mutter muh ihr Kind zweimal gebären: Einmal, wenn sie es zur Welt bringt, wenn es sich von ihr löst, und das anderemal, wenn sie es von sich einer größeren Gemeinschaft, als es die Zwei- samkeit ihr ist, zuführen muß. Und so wenig ein Kind ewig durch die Nabelschnur mit der Mutter verbunden bleiben kann, so wie sie es zu eigenem Leben mit eigenem Blutkreislauf gebären muß, so muß sie es auch zu einem eigenem Gefühls-, zu einem eigenen Seelenleben von sich lösen. Und dieser Geburtsoorgang ist oftmals nicht weniger schmerzhaft alz der andere. R. E. Die unheilvollen Oamenstrümpfe. In einem Kopenhagener Warenhaus mußte man feststellen, daß es in dem großen Hause durchdringend stinke. Man ging der unan- genehmen Sache nach und fand bald heraus, daß die ausgedehnte Klosettanlage des Betriebes ihren Dienst versage und an einer Kart- näckigen Verstopfung leide. Ein ganzes Heer von Installateuren und Putzern wurde aufgeboten, doch dauerte es sehr lange, bis man an den Herd des Uebcls vorgedrungen war. In einem Knie der Spül- leitung, fast am Grunde der Senkgrube, fand man endlich etwas in der Tat sehr Seltsames: nicht weniger als eintauscndfünfhundert Paar alte Damenstrümpfe, die nun alle nach und nach in stunden- langer Arbeit in die Höhe gestochert wurden. Woher diese komisch- sonderbare Anhäufung von Damenstrümpfen? Das Rätsel wurde gelöst: Hunderte junger Kopen- hagenerinnen hatten die von ihnen im Warenhaus gekauften Strümpfe gleich im W. C. des Warenhauses angezogen und dafür die defekten alten Strümpfe ins Klosetl befördert und init einem dis- treten Rauschen in die Tiefe spülen lassen... Religion»tut not!'' (Sin wahres Seschichtchen.) Tante Ann! ist zu Besuch gekommen und läßt es sich angelegen fein, den fünfjährigen Bubi in die biblischen Geschichten einzu- führen, denn sie glaubt, daß„seine religiöse Erziehung" vcrnach- lässigt seil So liest sie ihm eines Tages von der Hochzeit zu Kona vor:„Und Jesus sprach zu seiner Mutter: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!"— Worauf Bubi in strahlender Bewunderung herausplatzt:„Au, Mensch, der war aber mal frech, was?!" Kritik der Ehe. Käthe Schiffmann ist eine moderne junge Dame von zehn Iahren. und natürlich hat sie auch den Kreuzworträtselfimmcl. Die ganze Familie wird von ihr zur Lösung der Kreuzworträtsel heran- gezogen. Neulich vormitrags löcherte sie ihre Mama:„Sag mal l bloß, Mama, fällt dir kein Elend mit drei Buchstaben ein?"— Mama Schiffmann, schwer beschäftigt, kann auch im Moment die richtige Lösung(Not) nicht finden und weist ihr Töchterche» kurz ab. Schließlich wirds Mittag. Man ist beim Essen ziemlich schweig- sam,— denn auch Schiffmanns haben schon de» Gipfel der ehe- lichen Zärtlichkeiten erklommen und befinden sich längst in der Schneeregion. Schweigend lösfelt Küthe ihre Suppe; plötzlich bricht sie los:„Mama, nu weiß ichs!" Was haste denn?"„Das Elend mit drei Buchstaben— Ehe natürlich!" Fritzchen sieht im Zoo die Figur des vorsintflutlichen Tieres mit v og e l ähnlichem Kopf.„Mutti," fragt Fritzchen,„ist das ein Gänse weißsaurier?"