Frauenstimme I Nr.24«45.Lahrgang i Vellttge ZUM VOVWäVtB| 25. November 1926 WWWWWWMWWWWIW'IWWMBMWMMWWHMWaiBillWilWWWH�aWWWMWWWilWi�� Wie es den Ha«, Die Hausangestellten bilden eine der größten Gruppen de» deutschen Proletariats, es steht nämlich über ein Viertel der Arbeiterinnen im häuslichen Dienst und lebt vorwiegend im Haushalt der Arbeitgeber. Diese große proletarische Gruppe, die über 1 300 000 Personen umfaßt, ist hinter den Mauern der fremden Wohnungen zerstreut und auf Gnade und Ungnade der„Gnädigen" ausgeliefert. Die Gewert- fchafien und die Partei sind stets für die Verbesserung ihrer Lage, für die gesetzliche Festsetzung ihrer Arbeitszeit usw. eingetreten, konnten aber schon deshalb nicht viel erreichen, da die überwiegend« Mehrheit der Hausangestellten den Weg zum Zusammenschluß und Organisation noch nicht ge- funde» hat. Zwar verdanken die Hausangestellten der Revo- lution die Abschaffung der schmachvollen Gesindeordnung und die Gewährung des Koalitionsrechts, sie sind aber bis setzt an die vollständig ungenügenden Dienstvertragsbestimmun- gen des Bürgerlichen Gesetzbuchs gebunden. Es wurde seiner- zeit ein Entwurf eines besonderen Hausgchilfengesetzes aus- gearbeitet, und dieser Entwurf ist noch im Jahre 1922 vom Reichswirtschaftsrat gutachtlich verabschiedet worden, aber es kam nicht zu seiner Vorlage an den Reichstag, und er geriet allmählich in Vergessenheit. An seiner Stelle hat das Arbeits- Ministerium einen neuen Entwurf im Jahre 1927 fertigge- stellt, der allerdings dem Reichstag noch nicht zugeleitet wor- den ist. Die Hausangestellten befinden sich also noch immer in einein rechtlosen Zustand, und wie die Arbeitsverhältnisse unter solchen Umständen ausfallen, können wir aus den soeben im„Reichsarbeitsblätt veröffentlichten Ergebnissen einer auf Beschluß des Reichstags vom Arbeitsministerium durchgeführten Erhebung ersehen. An dieser Erhebung waren die hier in Frage kommen- den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen beteiligt, nämlich: für die Hausfrauen: Reichsverband der Hausfrauen- vereine, Reichsverband landwirtschaftlicher Hausfrauen- vereine, Vereinigung evangelischer Frauenvereine u. ä.: für die Hausangestellten: Zentralverband der Hausangestellten Deutschlands lGruppe im Deutschen Verkehrsbnnd), Reichs- verband weiblicher Hausangestellten Deutschlands, Verband katholischer Hausangestellten- und Dienstmädchenvereine». ä. Die Erhebung erfaßte nur 1163 Personen. Der Fragebogen war leider viel zu knapp aufgestellt, bei manchen sehr wich- tigen Fragen war er direkt irreführend, dazu blieb noch ein guter Teil der Fragen aus Mangel an Verständnis unbe- antwortet. Die Ergebnisse dieser Erhebung können also nicht in jeder Beziehung eine volle Genauigkeit beanspruchen, ge- statten aber trotzdem gewisse Rückschlüsse auf die Arbeits- Verhältnisse der gesamten Gruppe der Hausangestellten. Wollen wir uns jetzt diesen Ergebnissen zuwenden. Die erste, die allerwichtigst? Frage für die Hausange- stellten ist die der Arbeitszeit, lieber ein Drittel der Haus- angestellten beginnt die Arbeit vor 6 Uhr, die übrigen zwei Drittel zwischen 6 und 8 Uhr. Leider wurde nicht bei der Auswertung der Ergebnisse diese letzte Gruppe mindestens in zwei Untergruppen eingeteilt: die zwischen 6 und 7 und die zwischen 7 und 8 an die Arbeit gehen. Was das Arbeits- ende betrifft, so werden S1 Proz. der Hausangestellten noch vor 8 Uhr mit ihrer Arbeit fertig, weitere 17 Proz. zwischen 8 und 10 Uhr abends. Da in den Fragebogen die Frage nach Ruhepausen mährend des Tages häufig unbeantwortet blieb, oder die Ruhepause bald mit V* oder W Stunde zum Einnehmen der Mahlzeiten angegeben, bald in solchen viel- ...----,---- s.— nrif.» angestellten geht. Mahlzeit der sjerrschaft",„so viel ich mir nehme" usw. be- schrieben wurde, so blieb bei der Bearbeitung der Frage- bogen nichts anderes übrig, als nur die Zeit der Nachtruhe (zwischen Arbeitsende und-beginn) zu berechnen. Für jeden, der die Verhältnisse in der Hauswirtschaft kennt, gibt es keine Frage darüber, daß die Nachtruhe die einzige Ruhepause und das alles, was zwischen zwei Nachtruhen liegt, voller Arbeitstag für eine Hausangestellt« ist. Aus dem bearbeiteten Fragebogen wurde festgestellt: 1,5 Proz. haben eine Nachtruhe von 7 resp 17 Stunden Arbeitszeit 5.5„».„ n. 8. 16., « ff ff«* b„ lä ff„ ff ff ff ff ff 16* 11*„ 16„ ff„«» 11 ff 13«„ 7„ ff ,»«» 12„ 12 ff„ Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt also 13� Stunden pro Tag. Dabei muß man noch berücksichtigen, dciz 39 Proz. der Hausangestellten Ausgang nur am Sonntag haben, an dem Freizeit von 3— 5 Uhr nachmittags ab gegeben wird. Dazu erhalten 15 Proz. der Hausangestellten keine» Urlaub, 10 Proz. haben darüber unbestimmt geantwortet, bei den übrigen 75 Proz. mar auch, dank der Knappheit de» Fragebogens sehr häufig nicht festzustellen, ob es sich hier um einen ausgesprochenen Urlaub, oder um Begleitung der Herr- schaften aufs Land handelte. Diese traurigen Arbeitszustände erscheinen den Haus- fraucnvereinen durchaus normal, sie kämpfen leidenschaftlich gegen die Forderung der Gewerkschaften, die Arbeitszeit mit 10 Stunden(zwischen 6 Uhr morgens und 8 Uhr abends) festzusetzen. Auch Gertrud Israel, die im Auftrage der Ge- sellschast für Soziale Reforni die Ergebnisse der Erhebung im„Reichsarbeitsblatt" niedergelegt hat, erklärt diese Forde- rung der Gewerkschaften für unmöglich und meint:„Die Tat- fache, daß nicht einmal diese wichtigsten Fragen(Beginn und Ende der Arbelt) durchgehend beantwortet sind, läßt deutlich erkennen, welche Schwierigkeiten sich der Aufstellung fester Normen für die Dauer der Arbeitszeit im Haushalt entgegenzustellen." Wir meinen, daß diese Tatsache nur darauf hin- weist, daß die Arbeitszeit praktisch nicht geregelt ist und Och ihre Dauer unter diesen Umständen gar nicht bestimmen leibt. Bequemer ist es allerdings für die Hausfrau, während Ii b--. 16 Stunden die Arbeitskraft des Stubenmädchens zur B r- fügung zu haben, wie es ihr auch bequemer erscheinen würde, daß die Geschäfte bis 8 oder 9 Uhr offen blieben und in manches andere. Daß die Hausangestellten auch Ruhepausen brauchen und auf ein menschenwürdiges Dasein ein Reckt haben, kommt den Hausfrauenvereinen offenbar nicht zum Bewußtsein. Fragen wir nach dem Lohn für 11— Ibstündiqe Arbeit, erfahren wir, daß über ein Viertel der Hausange- stellten auf einen Lohn bis 25 Mark angewiesen ist und daß weitere 57 Proz. 25—-10 Mark erhalten. Man bedenke, daß es sich hier ausschließlich um organisierte Hausangestellte und Hausfrauen handelt,— wie mögen also die Arbeitsverhält- nisse der Unorganisierten aussehen! Gertrud Israel hält zwar die von der Erhebung ermittelten Arbeitsverhältnisse für „recht günstig, vor allem in den wesentlichsten Frag?»—- Nachtruhe und Freizeit". Wir meinen aber, daß die Er- Hebung, so mangelhast sie auch manche Seiten der Arbeits- Verhältnisse der Hausangestellten beleuchtet hat. den Beweis liefert, daß bei gesetzlich nicht beschränkter Arbeitszeit der Ausbeutung freie 5)aiid und jede Möglichkeit offen bleiben! Emma W a u t i n s k N. fi Z Z H'ZI L s s Kann man Kinder zur Gesundheii erziehen? Eigentlich sollt« man meinen, dos, es in Berlin gerade genug Gelegenheit gib», sich au«belernen". Bünde für und Verbünde gegen halte» den ganzen Winter hindurch Vorträge über Vorträg«, man fönnte jeden Abend doppelt besetzen. Und natürlich sind darunter auch ein Hausen pädagogischer Vorträge. Warum muh da auegerechnet noch die Schwangerenfürsorge st elle den Amdu- latorien des Verbandes der Krankenkassen Berlins auch einen Zyklus abhalten? Aber wenn man sich erst im Vortragsraum»iedergelassc,, hat, begreift man, warum diese Reihe von Vorträgen nötig ist. Denn die Menschen, die hier sitze», würden von keinem der Bünde und Verbände ersaht werden und mit einem noch so populär ausge- zogenen Vortrag wäre ihnen nicht gedient. Das sind Menschen, die nur von eigener Not, von eigener Sorge ausgerüttelt hierherkamen. Sie wallen sich nicht über die neuesten Theorien unterrichten, sie alle haben»igen« Sorgen, sür die sie hier, unmittel- Wenn wir Frauen nur eines wühlen! 'Wenn wir Jrauen nur eines wüßten! �Warnm so viele �Kinder weinen?— Ven Binder» sollte Sonn« sGeinru, 3i.iib ihre goldenen Strahle» wüßten Sie sroh mit den zarten Künden greisen. *Wenn wir Frauen nur eine» wiiKten! �Warum so viele ÄNütter klagen: »'Wir müssen angstvoll die Binder tragen, Die gern wir in sreudiger Kossnung knKte«, Den Blüten gleich, die FrüGte reisen." 'Wenn wir Frauen nur eines wüKtvn! 'Warum sich immer die iVtenschcn hassen, Statt liebend die Kand des Bruders zu sasseu» Um schöneres Best der Lntunst zu richten, So frei wie Bogel, die lichtwärts schweifen! Heiiat Lehmann. bar sür sich brauchbar, guten Rat wolle». Ehrakaleristischerweis« sind nur drei oder vier aus Grund der Zeitungsanlündignng gekommen; alle anderen kamen aus Grund der Bekanntmachung t» der Schivangerensürsorge. Schliehlich beginnt der Vortrag. Aber das ist gar kein richtiger Vortrag, das ist mehr eine A r b e i t s g c m c i» s ch a s t,. in der durch Frage und Antwort, Rede und Gegcrede zu de» Erkenntnisse» geführt wird, Hc die Grundlage sür alle die kommende» Vorträge bilde». Ist Erziehung nötig, ist sie möglich? Eine schnelle Umfrage nach dem Kinderreichtum der Groheltern und Eltern ergibt, daß ein halbes Dutzend damals noch nicht als„viel" Kinder angesehen wurden. Schleierhafte Zahlen werden genannt: 12, 16, 21. Heute? Wieviel Kinder wünscht man sich heute? Und eine schlagfertige Ber- linerin gibt die Antwort: zwischen kein« und zwei. Also Kinder sind heute ein kostbareres, selteneres Material als zur Zeit unserer Groh- vliter. Wir haben darum schon die Kindersterblichkeit, die ei» Drittel betrug, ans ein Zehntel hcruntengedrürkl. Aber damit ist nicht alle» getan. Die Erkenntnisse der Psychoanalyse, dah der Grund zu den meisten nervösen Erkrankungen in den„vergessenen" Erlebnissen der Kinderjahre liegt, zeige» uns, dah wir in diesen Jahren wie das körperliche auch das seelische Schicksal unserer Kinder destimmen. Natürlich, allen Erziehungskinisten sind Schranken gesetzt; vor allem drei: die Erbanlagen des Kinde», die wirtschaftlichen BcrhaUnisse und die Schranke, die in der Persönlichkeit des Erziehers selbst liegt. Aber auch diese Schranken sind elastisch. Die angeborene Gutmütig- keit des Kinde» kann durch richtige Erziehung zur Külc veredelt werde». sie kann durch falsche Erziehung zur Schwäche entarten. Die Persönlichkeit des Erziehers: auch sie kann sich wandeln, und die „Erziehung der Erzieher" ist von allen Pradlemen vielleicht das wichtigste. Die wirtschaftlichen Verhältnisse: im grohen können wir da nur aus ein« Wandlung„aus lange Sicht" rechnen, denn sie werden ja in ihrer Gksamtl>«it von den palilischen Machtverhältnissen bestimmend beeinsluht. Pflicht darum aller Eltern ist es. schon um ibrer Kinder willen valitilm denke»»nd t>n»d-t» ,»»»?»>«» Dies die Schranken. Und nun dl« Ziele der Erziehung. Nach immer existiert das Elend des„varbestimmte» Berufes", der van den Ellern ohne Rücksicht aus Wünsche und Eignung des Kindes au» äuheren Grunde» bestimmt wird: oft genug bricht da»» der selb- tändig gewordene Mensch aus diesen Zwangsbcrusen aus, oft genug »erstumpst er darin oder bricht darunter zusammen. Erziehung zu vorbestimmter Weltanschauung? Hier kann nur ein Beispiel vor» gelegt werden. Jeder Zwang erzeugt Gegendruck, und die ostmal» erlebt« Geschichte von verkommenen Pastor», und Lehrerkindern zeigt, wie unheilvoll hler jeder �Druck wirken kann. Da» einzige. was wir von vornherein als Ziel ausrichten können: wir wollen unsere Kinder zur Gesundheit erziehen, zu körperlicher und grlstigrr Gesundheit. Und wie wir sie dazu erziehe», da» solle» die nächsten Vorträge lehren. R. E. Die Vortragsabende. Dienstag, den 27. November, 8 Uhr abends(pünktlich):„D i» P r ü g e t st r a s«". Dirnslag, den 4. Dezember, 8 Uhr abends(pünktlich):„Körper- pflege und Ernährung des Kindes". Dienstag, den 11. Dezember, 8 Uhr abend»(pünktlich):«D i» « x» e l! e Erziehung". Vortragende Fürsorgerin Gen. Ilse T h c i h. Männer und Frauen sind alle eingeladen. Di« Vartragsabend« finden unentgeltlich stall ln den Räumen der Schivangerensürsorg« des Verbandes der Kranken- kaffen Berlin, Alexanderstr. 39/40, 1. Hof, 2. Ausg. 2 Tr., Zimmer 10. Ehenot aus dem Lande. In der Grahstadt beginnt die sachgenwtzc Eheberatung in Ver- bindung mit wissenschaftlich erprobter Grbnrlenkontrrllc immer mehr sür breite Bolkskreise ihre Unentbehrlichkeit zu beweisen. Ehe- glück und Gesundheit sind aus Erkeuntnis und Verbreitung moderner Methoden der Empfängnisverhütung gegründet. Aber schon vor den Toren Berlins beginnt das Elend der Unkenntnis; Zerstönm;; de» Eheglücks durch übergroh« Kinderzahl oder grauenhast primitive Abtreibungvmethodcn sind die Folge. Gewitz, wir Sozialisten kämpfen sür die Beseitigung des ß 218, ober immer gebleterischcr ergibt sich die Ergänzung dieses Kampfe» durch Aufklärung und allgemeinste Verbreitung empfängnisverhütender Mittel. Die Frauen des Landproletariat» hungern nach dieser Ansklärung. Zwei oder drei Kinder stellen sür den schlecht bezahlten Landardeiter oder Kleinbauern das Aeußerste an wirtschaftlicher Belastung dar. So» die Familie sich nicht ins Unermeßliche vergrößern und dem wirt- schastlichcn Ruin versallen, so bleibt der underatcncn Landsrau nur der Weg der Abtreibung. Man höre einmal selbst die erschütternde» Klagen der von dem Segen moderner empsängnlsvcrhülendcn Methoden ausgeschlossenen Fraucnl In unseren märkischen Dörfern sind— allen hohlen Redensarten vom„sittlichen Hochstand des Landes" zum Trotz— ein großer Teil der älteren Ehesrauen von qualvollen Nntcrleibsleiden befallen als Folge der daheim oder in Berlin von Psnscherhänden vorgenommenen Abtreibungen. Und der Landprolelarierin, die neben dem Haushalt auch nach Land- arbeit nnd Viehzucht zu besorgen hat. lst da» Leben zu einer Kette grauenhafter Qualen geworden. Man versucht, sich aus den Ans- weg mehr oder weniger wirkungsvoller Vorbeugnngsmethodcn zu retten: eine Frau teilt der anderen die Rezepte zu primitiven und ast gesundheitsschädlichen Ausspülungen mit. Van durchziehende» Händlern werden Mittel der fragwürdigsten Art getanst. In ein zelncn Fällen hoben die bitlerarme» Fronen für wertlose Apparate 30 bis 40 M. bezahlt, nur beherrscht van der Sorge, weiterem Kindersegen vorzubeugen. Wird ihnen durch eine Rcdnerin der Partei endlich einmal sachgemäße Aujtlärung zuteil, so scheuen sie auch die Ausgaben für verhältnismäßig kostspielige, wirksame Mittel nicht und sind selbst in entlegene» Orten bereit, die weite Reise zu einer Berliner Ehebcratnngsstelle anzutrelen. Die Kreis- nnd Kassenärzte aus dem Lande scheinen in diesem Punkte zu versagen. Ein Arzt scheute sich nicht, van einer armen Proletariersrnu sür das Einsetzen eines Schutzpessars 50 M. zu fordern! Moder» geleitete Eheberatungsstellen sür da» flache Land, die in jeder Kreisstadt ihren Sitz haben und nach dem Berliner Vorbild Verhütungsmittel und entsprechende Ansklärung unentgeltlich oder gegen Ersatz der Eeibstkasten verabfolge», tun bitter not! Auch da» Landproletariat ist über da» Stadium schrankenloser Vermehrung und Jn-die-Welt-Sest«» einer elenden, vernachlässigten ftlnberschar hinou«. Daß der soziale und kulturelle Ausstieg der Familie ober nicht mehr mit der Gesundheit der Frau und Mutter, die ihren Körper stets wiederholte» Abtreibungen zum Opfer bringt,«rkaujt werden darf, ist selbstverständlich und darum die Einrichtung össent- lichr Ehe-»nd Eexualberatungsstellen sür da» flache Land eine Sie„intelligenie'Zrau und derEozialismus Shaw für die Gleichheit aller Einkommen. Wctche inner« Vcrwnndlichajt Zwilche»„d« r I r a u u n d d e m « o z i« l i s m u«" besteht, hat vor nun säst 50 Jahre» Bebel in seiiKM Buch gezeigt. Di« ungeherir« Wirkung dies«» Buches hat Soppett« Urloch«»: nicht mir, weil«s zum«rstennwl«in Bild von der Zukunst der grau im Sozialismus entivors, sondern weil es durch seine eindringliche Kritik an der Gesellschast seine Werbekrast unter den Frauen für den Sozialismus entsaltet«. Es war ein Appell an die Frauen als an die noch unersahrenere und warm- i)«rzigere Häljt« der M«»schl)«it jür«ine bessere Zukunst. Zwei Generationen später erhalten wir heute»inen neuen „W egweiser ftlr die intelligente Frau zun, Sozia- lismns u nd Kapitalismus' ssoelnni in meislerhafter beut- scher Uebersetzung bei S. Fischer, Berlin, erschienen) von Bernard Shaw. Der siebzigjährige aus der Höhe europäische» Ruhms stehende irische(nicht englijchel) Dramatiker und Gesellschastskritiker wendet sich an die Frauen: auch er appelliert an die unverbildeteren uud rnwerbrauchtcren, aber was entstand ist nicht etwa eine Werbe- und -Ausklärungsschrist sür Frauen, sonder» das Betenntnisbuch eine» sünszigjährigen Kampfes sür den Sozialismus. War es Bebel um eine Klärung der Stellung der Frau in der Gesellschast zu tun, so bedient sich Shaw der Frau mir al» Mittel, um ihre Augen, d. h. die Augen de» unbesangcnen Mensche» sehend zu machen für die Zusammenhänge der Gesellschast. So entstand aus über 500 Seiten schlechtweg«in Ouerschnllt durch di« Welt, gesehen durch da» Temperament eines wahrhast lebendigen Menschen, das Tempe- rament des großen Künstlers, Spötter» und Onitsiders Shaw. Bernard Shaw wird lm Durchschnitt i» Arbeiterkreisen noch viel zu wenig gelesen. Längst nlcht alle Arbeitcrbibliolhcken sichren sein« Schristen. Seine geidlschaHstri tische» Stücke, die seit zwai�ig Jahren in Deutschland gespielt werden, sind heute»reisten»»ine Angelegen- heil der intellektuelle» Kreis«. Durch die„Heilige Johanna' ist er vor wenigen Jahren populär geworden. Wa» allen seinen Aeuße- rungen di« stark« Wirkung verleiht, ist nicht nur der funkelnde Witz, di« treissichcve Bosheit, sondern weil sie alle, wie er selbst einmal sagt, den Kern einer Weltanschauung enthalten, weil er immer sehr bestimmt wußte, wa» er wollte, und dies init Furchtlosigkeit und Deutlichkeit vertrat. So wirkt er nie bloß negativ kritisierend und zersetzend, sondern immer positiv, lx-jahend und lebenskräslig. Seine Weltanschauung ist der Sozialismus, für den er fein ganzes Leben mit unbeirrbarer Kraft gekämpst hat. Er gehört zur„F a b l e r- Gesellschast, einer englisch«» sozialistischen Richtung, di« vor siinszig Jahren in der Hauptsache von einer kleine» Gruppe von Intellektuellen gegründet wurde und der Lehre vom Klossenfanips fernstand, die aber immer als Keimzelle sozialistischer Ideen außer- vrdenttich stark aus die Entwicklung der englischen Ardeiterpartei eingewirkt hat. Shaw ist ein solcher Fablcr, dazu ein ungebärdiger Will«, der sich i» ein« Porterdoktrin schwer einspannen läßt, aber ein unermüdlicher Kämpfer sür den SozIoUsiirus geblieben ist. Au» dieser Haltung ist sein„Wegweiser jür di» intelligente Frau zum Sozialismus und Kapitalismus" zu verstehen. Als Entstehung»- Ursache des Buches erzählt er, daß sein« Schwägerin ih» um(Ein- sühnnq in den Sozialismus„in einem Briej gebeten habe, und er, bei der Neberlegung, welche der vielen Bücher er ihr zu diesem Zweck empsehlen solle, erkennt zu seinem Schrecken, daß keines aus die einfachen Fragen„W a» ist Sozialismus?' und„Wae ist Kapitalismus?" klare eindeutige Antworten gibt. Also setzt er sich selbst hin, um die Lernbegierige einzuführen und„alles auf seine Art von neuem zu rnachen'—«ine schwer«, aber sür thn verlockende Arbeit. Da» Buch muß ihm unter den Händen gewachsen sein, es ist die Arbeit mehrerer Jahre und wahrscheinlich der Extrakt seines lebenslangen Denkens, es ist mit dem Kopf und mit dem Herzen geschrieben. So kommt es aber, daß er sich nicht an die !Frau'chlechchln wendet, sondern an die„intelligente" Frau, er meint damit seine mwerbildete ZuHörerin, die er mit Logik, mit geistigen Neberzeugungswassen für den Sozialismus gewinnen will— aber (und das ist der große Haken des Buches) feine„intelligente" Frau ist die bürgerliche cngitsch« Frau, die nlcht im Dostinskampf steht, nicht in de» Produktionsprozeß»ingespannt ist, nicht am eigenen Leib« die Rot gespürt hat. Aber diese intelligente Fron ist ihm ja schließlich nur da, Mittel, um durch ihr Ohr all« Ohren zu erreichen, und da scheine» ihm die Ohren der Frauen weniger taub zu fein al» die der Männer. Warum? Hält er di« Stellung der Frau sür lo zukunftswichtig? Will er für seine» Kamps an das Gejühl appcl- lieren, das bei der Frau aut-schlaggebeirder sein soll als beim Mann? Mitleid gewinnen, ja. er warnt sogar davor, sich, /durch Mitleid ver- trllppeln zu lassen'. Er will nur durch T at ja chen beweise». Da» tut er nicht methodisch wie r>n Lehrbuch oder wie ein Schulmeister, sondern wie in einer guten Knterholtmrg, sehr amüsant, einfach, sprunghast, mit Dutzenden von Beispielen au» dem täglichen Leben, sehr witzig, oft zum Widerspruch hcraussordernd, aber Immer voller Lebendigkeit. E» ist hier unmöglich, von der Fülle und dem Reich- tum diese» Buches, der souveränen«nd schöpserischen Gestaltung de» Welt- und Gesellschaftsdildes mehr al»«inen Begrist z» geben oder sich tm elnzelnen mit ihm auseinanderzusetzen. Rur ein paar lieber- schrlsle» von den(85!) Kapiteln als Einblick!» Shaw, Gescchkslottit: „Eine erledigt« Frag« wird neu ausgeworfen'—„Wieviel für Jeden?'—„Siebenerlei Wege werden vorgeichlagen'—„Kenn- zeichen de» Soziali»mus'—„Grenzen de» KapllaUsmu»'—„Wie Reichtum sich mehrt und die Menschen verkommen'—„Ihre Ein- täuse— Ihre Steuern'—„Dir Berstaatlichung de» Bontgeschäst»' —„Wie der Krieg bezaht» wurde'—„Der Uebregang muß poria- mentarisch erfolgen'—„Wie lauge wird et dauern?'— Da» 31 und 0, da, Rettungsmittet ist für Shaw die Gleichheit der Einkommenovertetkung, „erste» und letzte, Gebot de» Sozialismus: Do sollst kein größeres oder geringere, Einkommen haben oi» dein Rachbar'. diese(kinkommensgleichheit durch Gefetz ift für ihn das Tor zu der tlosfenlofe» Gefellfchofl der Zukunft. Ob diese Betonung der Entwicklung zum Sozialismus durch Gesetz, durch Erziehung, persö». lich« Einsicht, langsam« Reif» mit Hintansetzung der Frag« de» klasseickanipse» der Auffassung unserer Rachkriegsgenerotio» entspricht. mag sehr angezweisttt werdcn. Aber w i e Shaw darstellt, wie er mit tausendundeinem Grund überzeugen will, wie»r alle Ge- biet« und Fragen de» Lebens, insbesondere de» Lebens der Frau. als„Mensch von norn»aler Liebesähigkest' mit Wönne, Geist und Witz erhellt und belichtet, das ist unvergleichlich. Statt aller Aeuße- rungen über ihn soll ,r hier mit einer Prob« sür sich selbst spreche». Di« Sklavin de, Sklaven: „Die wichtigste und unerläßlichst« Arbelt der Frauen, Kinder zu gebären und auszuziehen und sür sie Haus zu führen, wurde nie- mals unmittelbar den Frauen dezahlt, sondern immer nur aus dem Umweg ü d e r d e n Manu, und so geschcch«A daß viele Dumm- köpfe vergesse» konnten, da» überhaupt als Arbeit einzuschätzen, und vom Mann« als den, Brotverdicnrr sprachen. Do» war Unsinn. Dl« Arbeit der Frau lm Hause war von 51 bis Z eine L« d e n s- Notwendigkeit für die Existenz der Gesellschast. während Millionen Männer sich mit unmißer»der geradezu tzhod- iicher Arbeit beschästtgen, deren einziger Borwaud die Erhaliung ihrer nützlichen und notwendigen Frauen war. Teils aus Hochinul, teils aus Gedankenlosigkeit und zum großen Teil ouo Furcht, ihre Gattinnen könnten, wenn ihr Wert erkannt würde, unbotmäßig werd«n und da» Odcrhctupt de» Hause» sein wollen, setzten dir Männer«in Uebereinkomme» fest, wonach die Frauen nichts und die Männer alle» verdienen sollten, ohne daß den grauen irgend ein Rechtsanspruch aus dos Houohollunasgelö zustünde. Noch dem Gesetz wurde olle», was eine grau besaß, wen» sie heiratete, Eigentum de» Manne»— ein Zustand, der zu so ungeheuerliche» Mißständen sührte, daß die besitzenden Klassen ein« ousgeklügeli: Regelung der Ehevertrüge vornahmen... Später veronlaßte der Mittelstand da» Parlament, zum Schutz« der Frau jenes Gesetz über da» Vermöge» der grau zu schassen, unter dem«>r noch leben... Der Kapita- lisrnus machte den Man» zum Sklaven, und, indem er die Frau durch ihn bezahlen lieft, diese zur Sklavin des Manue», zur Sklavin eine» Sklaven also.' „Die hungernd« Frau und di« Regierung.' „Stellen Sie sich...»tne Regierung vor angesichts einer vn- Huna« enden Frau. DI» Frau sagt:„Ich will Arbeit, nicht Barm- Herzigkeit." DI« Regierung, die keine Arbeit' sür sie lmt, erwidert: „ßden Sie Shaw und Sie werden alle» g�ich verstehen." Di« Frau mto sagen:„Ich bin zu hrmgrig. um Shaw zu lelen, und selbst wenn ich ihn für einen bcdnrtrodm Schriftsteller hielte. Geben Sie mir bitte etwa» zu«sicn«nd«ine Arbeit, die mich in den Eiand setzt, anständig dafür zu zahlen.'. Was anHers könnte die Regierung tu», als ihr gestehen, e» se» keine Arbeit zu vergeben, und ihr eine Unterstützung anbiel gierung nicht die hat. eine Macht,..___ hungernden Frauen nichts geben al» ein» Geiduntcrsiützung aus den Summe», die sie Arbestgebern, Grundeiaentümeru und Geldleute» obgenonmieu hat: und ebmdie» tut ja auch jede nichtsaziaiistische Re- nierung. Um Macht zu erlangen, muß die Regierung fetds? der Grundeigentümer..R e! d m a n und Arb« itgeb e r Vor neuen Jugendweihen. JWe Einschrviwmg«!, für bir Frühjahrsfugrndwrfhen flnd eröffnet. Wir l'rfngcn ön�u eine Beirnchiunfl über die zweck» müßige Ausgestuftung tnefer Feier durch die Fonnli«. Ts Ist ein Zeichen vertiefter Aufinfiunz. daß die Jugendweihe immer mehr Baden in der Arbeiterfchafi gewinnt. Sie bedeutet die Abkehr von fener bürgerUch tirchUchen Einstellung, die in der her» tömmitchen Einsegnung zum Ausdruck kommt und uon der bewußt proletarisch empfindenden ArdeUerschnit aufs schärfst« abgelehnt wird. Wollen wir aber mit dieser Ablehnung Ernst machen, dann «naß der neue Geist, zu dem wir uns bekenne�, auch in der Form zum Ausdruck tommen, muß unsere Feier auch im Aeußeren sich von jener allen unterscheiden. Stenn man nun sagen, daß bei den Hauptträgern der Feier, den Kindern, die jetzt zur Jugendweihe hin- geleitet werden, dtejer Geist zum Ausdruck kommt? Aeuherlich jedenfalls nichtt Das ist ein Atrßklang. der ein« sonst noch so har- manisch verlausende Feier schmerzlich stört. Man denke nur daran, wie sie zur Weihe erscheinen! nach Geschlechtern getrennt, dle flu oben im dunkelblauen E l n s e g n u n g s a u z u g, mit langen Hosen, hohem Stehkragen und Krawatte, die Mädchen als kleine Damen kostümiert, mit sorgjällig gebrannten Haaren, im schwarzen «der weißen Kleid, in der�iangMumdschuhten Hand der Blumen» strauß, den ein eleganleo Spitzcntiischentuch umhüllt. Sind da» dle Scharen unserer Linder: Kinder jojiuiifltfchor Arbeiter, die die Kirche Und ihre veralteten Formen ablehnen? lind schmücken sich an ihrem schönsten Lebenssest mit Kleidern, wie sie längst verschollener Brauch IUI» ganz anderer geistiger Einstellung heraus den kirchlichen Festen angemessen gesunden hat! Ich weiß, es ist da» Herzeleid vieler, schon vom neuen Geist durchdrungener Arbeiterkinder, daß sie in solcher Maskerade ins Protelarierleben hinaustreten sollen. „Mutter, muß ich zur Jugendweihe auch lange Hosen und steifen Kragen tragen?" fragt besorgt ein Junge, der mit der neuen Zeit marschiert.„Nein, Junge, du wirst ja nicht etngefegnet," erwidert Hie verständige Mutter.„Du bleibst mein Junge mit kurzer Hose und freiem Hals." Erleichtert atmet er auf. Es war ihm unfaßbar, daß er plötzlich zum Erwachsenen in, Stil des„gutbürgerlichen" Elegants gestempelt werden sollte. So geht es vielen. Leider finden sie allzu oft kein Verstehen ihres jngendfrischen Empfinden» bei den Ähren. Und die Mädchen? Da ist es ziemlich dos gleiche. Neben den Kindern, die sehr gern schan in der Schulzeit heimlich die Dam« spielen wollten und die Zeit kaum erwarten können, bi» sie, der Made folgend, Puder und Lippenstift össeutlich handhaben können, haben wir gllickilcherweife eine wachsende Schar, die als den Kinder- schuhen Entwachsene eben Mädel» sein wallen. Sie lehnen innerlich, gtiicklicherweise manchmal mit Erfolg auch äußerlich, das übliche Ein- segnungskleid ab, das leider immer noch unserer Jugendweihe den Stempel aufdrückt. Kinderfrenude und weltliche Schule arbeilen schon lange daran, unsere Eltern von der noch so bürgerlichen Ein- stellung zur Jugendweihe und dem Geschenk des damenhaften Kleides nebst Zubehör abzubringen. Möchie ihrer wahrhaft kultursördern- he» Arbeit auch auf diesen, Gebiel der Erfolg nicht sehlenl Ich bilde mir nicht ein, daß das leicht sei. Wie manche erregten Nuseinandersetzungcn gibt es darüber auf den Borbesprechungen zur Weihe. Wie oft muß man den törichten Einwand hören:„Mein Lunge muß sür später doch de» blauen Cheviotanzug und was dazu yehört, haben. Im Berus hat er das nötig." Als ob der Schlosser- oder Klempnerlehrling den'Anzug bel der Arbeit brauchen könnte. An, Sonntag aber wird ihm der kui-zhofige Manchesteranzug für «lle Fälle weit besser dienen. Dem, Zweckmäßigkeit und Schönheit treffen bel ihm zusammen mit dem Bediirsms der körperlichen Eni- wlckUmg und dem äußeren Ausdruck eines neuen Lebensgefiihls, das fortstrebt von gesellschastlicher Anpassung und phllisterhafter Ueberlieserung. Mag? auch noch einige Zeit dauern: Die Zeit wird kommen, wo wir statt der ausgeputzten kleinen Damen und Herren ebenso viele jungsrische Mubcl und Burschen in der Ihrem Jung- fei» und dem Geist« ihrer Feier entsprechenden Gewandung bei der Jugendweihe sehen werden. Sorgen wir alle dafür, daß es nicht zu lauge dauert, bis das Grsunde, Sinnvolle, Schön« sich über die Hindernisse toter lleberlieseriurg. weichlicher Anpassung hinaus Bahn gebrochen hall I. k. Berühmte Pantoffelhelden. S8oc kurzem gab«in englischer Prediger namens Hardy ein Buch heraus, worin er sich mit der Frage des Pantafselhetdeillums beschäftigte und zu dem Ergebnis kam, daß bedeutende Männer oft- mahl, mit Frauen vermählt gewesen seien, die ihnen das Regiment, das sie draußen führten, daheim mit Erfolg streitig machten. Schon In der Schul« hören wir, daß Sokre.kes ein Weib sein eigen nannte, wenn ihr auch sein anderer Ruhm geblieben- ist, den einen kan,» ihr niemand rauben: sie wurde zur Urmutter aller bösen und keifenden Weiber, denen man noch heule die Bezeichnung„chanthippe" gibt. Als echter, rechter Pantossetheld ist vor allem der Herzog von Martborough zu nenne». Seine Feinde zitterten vor ihm. Ander» aber war es in feiner Häuslichkeit. In jungen Jahren hatte er sich mit der bildjchönen Haida me der Königin Anna von England. Sarah Ienmngs, vermählt. Allein in dem schöne» Körp«, wohnt« keine schone Seele. Selbst i» Gegenwart Fren,der behandelte fi« den Gatten wte einen ungezogenen Jungen und behauplele in guten Stunden, ihre Tyrannei sei einzig und allein der Ausdruck ihrer großen Liebe. Am Porabend jener bedeutsamen Schlacht, tn der Martborough gemeinsam mit dem Prinzen Eugen von Savoyen Ludwig XIV. besiegte und die Franzosen aus Süddeuischland ver- trieb, schrieb er an die trotz allem so Heißgeliebte:.Ich fiirchte meine sechzigtausend Feinde nicht halb s« sehr wie dich, nicht entfernt so sehr wie dich, wenn du böse bist." Im eigenen Hause nichts zu sagen hatte auch James Watt, der Erfinder der Dampfmaschine. Sein« Wahl war aus eine Frau gefallen, die vom sogenannten„Scheuerteufel" besessen, dem genialen Mann kein Plätzchen gönnte, wo er sich mit seinen Ausgaben be- schästigen konnte. Allen Borstellungen gegenüber blieb sie unzu- gängllch— Besen und Schenereimer waren die Götzen, die sie an- betete. In seiner Verzweiflung slüchkel« sich daher Watt in ein« elend« Bodenkammer, die außerhalb de» Bereiches lag. wo Frau Watt mit Schrubber und Staubtuch regierte. Geradezu wie«in Märchen wird es vielen klingen, wenn man behauptet, daß Napoleon ebenfall» in die Gilde d«r Panlossel- Helden eingereiht werden muß. Eine» stichhaltigeren Beweises wie seiner eigenen Wort« bedarf es ja wohl nicht! Die Kreolin Josephine Beauharnais, mit der er sich vermählte, nachdem er zum Ober- besehishaber des In Italien kämpsenden Heere» ernannt worden war, hatte ihn völlig in ihren Bann gezwungen. Trotzdem er ge- non davon unterrichtet war, daß sie es mit der ehelichen Treue nicht allzu genau nahm, verehrt«r sie wie eine Heilige. Die durch den Berus bedingte Trennung von Ihr raubt ihm sogar den Siolz auf seine kriegerischen Erfolge. Da» im Buchhandel erschienene Werk „Napoleons Briese an Josephine" enthäti wiederholt Hinweise, wie sehr die Genialität des großen Feldherrn überschattet wird von der Zaghaftigkeit seiner Gesühle sür die ihm Zlngetrante. So heißt es an einer Stelle:„Tausend Küsse, ebenso glühend, wie deine frostig sind." Von dem Stifter der Methodistengemeindcn, John W e s l« y, berichtet die Ueberlieserung, daß er durch die Wahl seiner Lebens- gesährtin sich die Holle ins Haus gebrocht hatte. Er war nicht mehr ganz jung, als er den Schritt unternahm, den er eigentlich tausend- mal bereuen mußte. Aber in dem starken Glauben an die Schickung von höherer Hand ertrug er mit Ergebeulzeit, was ihm jede Freud« am Dasein raubte. Dabei war es nur grundlose Eisersucht, die die Tanthippennatur zu ihrem Tun veränlaßte. Fra» Wesle» öffnete jeden für ihren Gatten bestimmten Brief. Hatte sich ei» Besucher eingesunden, lauschte sie am Schlüsselloch der Tür seines Studier« Zimmers, und wagte der Geduldige einmal eine Widerrede, mußte er darauf gefaßt sein, daß ihin irgendein harter Gegenstand an den Kops flog. Zwanzig Jahre trug er das Kreuz, das er auf sich genommen. Da rief der Tod jene ab, die es niemals verstanden hatte, auch nur ein bißchen Sonnenschein um sich zu verbreiten. Zu den Pantoffelhelden ersten Grades muh auch der oinenkä- nische Präsident Abraham Lincoln gezählt werden. Aon der Natur ziemlich vernachlässigt, trug er sich lang« mit Zweifeln, ob er überhaupt das Recht hätte,«in Mädchenschicksal an sein Dasein zu ketten. Da er aber andererseits dl« ständige Einsamkeit fürchtete, entschloß er sich doch, die Ehesesseln aus sich zu nehmen. In Herzensangelegenheiten unerfahren wie ein Kind, waren seine „Bemühungen" in dieser Richtung nicht gerade vom Glück begünstigt. Es kam mehrere Male zu einem Berlöbnis, aber das bindende Wort wurde nicht gesprochen. Seine dritte Braut war Mary Todd,«ine Dame von ungemein starker Willenskraft. Nach mehrjährigem Brautstand wurde Anfang des Jahres 1811 der Hochzeitstag fest- gesetzt— die Gäste waren versammelt: wer aber nicht erschien, da» war Abraham Lincoln. Aus» tiefste verletzt, kehrte die Braut in das Elternhaus zurück, ohne damit jedoch ihren festgesügtcn Plan aufzugeben. Und sie wußte in Wahrheit auch diesmal ihren Willen durchzusetzen. Mit Hilfe von guten Freunden kam es zu einer Aussöhnung: der Hochzeitstennln wurde von neuem bestimmt. Jetzt weigert« sich der zukünftige Ehegatt« nicht mehr. Als er am Tranungstage in festlicher Kleidung seine Wohnung verließ, um zur Kirche zu fahren, fragte ihn da» Töchterchen seiner Wirtin, wohin ihn sein Weg führe, er wäre ja so schmuck gekleidet? Ohne Zniider» antwortete Lincoln:„Ich glaub«, zur Hölle." Cr l)atte richtig vor« ausgesehen, sein häusliche» Leben wurde in der Folge ein Martyrium, und doch loste dieses gerade in ihm die Kräfie, die