Nr. 368. Abomununts- Bedingungen: Abonnements-PretiZ pränumerando: «ierteljährl. 3,30 monott. 1,10 Sit, loöcheulltch LS Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrtrter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für 1SS7 unter Er. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da« übrig- Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich ausser Montag». Devltnev VolksblÄkk. 14. Jahrg. Die Instrtwns- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Plg., für verein»- und BersammlungS-Anzeigen, sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in der Eipeditio» abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen dl» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi» o Uhr vormittags geöffnet. Jernsprecher:»ort I, Er. 1508. Delegramm- Adresse: «Voitaldrmokrat Serliu". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. WedulUum: SW. 19, Meuly-Slraße 2. Dev Vonflikt mit Haiti. Weun Bismarck eine Militärvorlage durchbringen wollte, dann stellte sich im richtigen Moment stets eine Verdiisterung des politischen Horizontes ein, aus dem man von ferne schon das Knattern der Finten und das Sturmesdonnern der Ge- schütze hörte. Zwar einen Bismarck braucht man heutzutage zum Regiment nicht mehr, aber glücklich hat man ihm ab- geguckt, wie er sich räuspert, wie er spuckt. Für die Roth- wendigkeit einer Vermehrung der Kriegsflotte liegen bis jetzt absolut keine zwingenden Gründe vor; unsere Marine- Offiziösen arbeiten bei der Befürwortung der hock) fliegenden Tirpitzpläne bis jetzt ausschließlich mit einem Wenn- und Aber- Apparat, durch den weder eine Vermehrung der Panzer- noch der Kreuzerflotte bewiesen werden kann, kein einziges Beispiel der wirklichen Politik konnte angezeigt werden, durch das die Nothwcndigkeit von Kriegsschiffen für unsere ausivärtigen Beziehungen bewiesen wurde. Es fehlte das nöthigste Glied zur Stütze für die Flottenvorlage, dieses mußte und durfte nicht ausbleiben. Und siehe da, was eine einflußreiche Kliqne wünscht und herbeisehnt, das kani, das ist da: Ein„ernster Konflikt" mit einer auswärtigen Macht, der die Entsendung einer Kreuzer- division im Interesse des Ansehens des deutschen Namens er- heischt; der Zwischenfall mit Häiti wird als Vorspann für die Marincvorlage im Reichstage und bei den Wählern dienen müssen. Und weil wir dieses Manöver kommen sehen, wollen wir dem Konflikt mit Haiti eine sonst unverdiente Aufmerk samkeit schenken. In der Republik Haiti leben ganze siebzig Deutsche; wie viele von ihnen überhaupt noch ihrer juristischen Nationalität nach Deutsche sind, das wissen wir nicht. Einer von ihnen nun, mit Namen Lüders, hatte mit der Polizei einen Streitsall und behauptet, daß die Polizei sein Hausrecht verletzt habe. Nun, wenn in Deutschland ein schlichter Zivilist mit der Polizei Streitereien anfängt, so geht es gewöhnlich so aus, daß die löbliche Polizeibehörde den Spieß umdreht, den Beschwerdeführer auf die Anklagebank bringt und durch die schönste Zeugenaussage das Gericht zu einer Verurtheilung des Zivilisten wegen Beleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt zur Verurtheilung ver- anlaßt. Warum soll's in Halti anders sein? Auch dort schleppte man Lüders vor's Gericht und er bekam einen Monat Gefängniß. Wir nehmen also an, daß Luders wirk- lich nichts Unrechtes gethan habe. Lüdcrs legte Berufung gegen dieses Urtheil ein, wurde aber vorläufig nicht frei gelassen; das war von den haitischen Behörden nicht recht, aber nach deutschen Strafrechts- Gepflogenheiten nichts Unrechtmäßiges. Denn auch bei uns zu Lande läßt man nanientlich Ausländer zwischen der ersten und zweiten Verurtheilung nicht frei herumlaufen, sondern seht sie wegen Fluchtverdachts in Untersuchungshaft. Aber mit einem Male erblickte der deutsche Geschäfts träger in diesem Verhalten der Behörden gegen Lüders einen Grund zu diplomatischem Einschreiten. Graf Schwerin, so nennt sich der Eutrcpreneur des neuesten Zwischenfalles Deutschlands mit einer ausländischen Macht, nannte die Jnternirung Lüders eine Ungesetzlichkeit, bekam jedoch zur Antwort, daß die Ver- Haftung Luders zu und nach Recht bestehe. In der zweiten Instanz nun ward Lüders zu einem Jahr Gefängniß und zu hoher Geldstrafe vernrtheilt. Nun passirt das Absonderliche, daß der deutsche Geschäftsträger die Autorität der Gerichte des Landes nicht anerkennen will, sondern die Sache nach Berlin meldet und von dort eine Anweisung erhält, sich sofort unter Umgehung des Ministers an den Präsidenten der Republik zu wenden und von ihm zu verlangen, er solle über den Spruch der Richter hinweg Luders freilassen und eine hohe Summe Geldes ihm als Entschädigung auszahlen! Ei der tausend, in Deutschland kann man dem Volke die Achtung vor den Gesetzen nicht genug einbläuen und im Auslande setzt nian sich über alle Rücksichten hinweg. Denn erstens war es ein Verstoß gegen jegliche diplomatische Gepflogenheit, daß der deutsche Geschäftsträger, der eine ge- wünschte Audienz beim Präsidenten der Republik durch das Ministerium des Acnßern hätte nachsuchen müssen, unter Um- gehnng dieses sich direkt an den Präsidenten selbst wandte. Ziveitens war das Verlangen an den Präsidenten höchst merkwürdig. Man stelle sich vor, ein deutscher Gerichtshof hätte einen Ausländer verurtheilt. Ter Geschäftsträger des betreffenden Landes erschiene nun beim deutsche» Kaiser in Audienz und insinnirte ihm, nicht etwa Gnade für Recht ergehen zu lassen, sondern zu verlangen: „Majestät, die Gerichte Ihres Landes haben einen Angehörigen des Staates, dem ich anzugehören die Ehre habe, vernrtheilt; die Verurtheilung ist rechtswidrig; lassen Sie den Mann so- fort frei und veranlassen Sie, daß dem Verurtheiltcn sofort eine Entschädigung ausbezahlt wird." Wir wissen nicht, was der deutsche Kaiser in solch einem Falle thnu würde. Wir nehmen an, daß er dem Wunsche des Geschäftsträgers nachkommen würde. Aber selbst wenn er es� persönlich wollte, so wären ihm verfassungsmäßig die Hände ge- bunden. Er müßte denn um der schönen Augen des fremden Geschäftsträgers willen die ganze Verfassung umstoßen, den ruhigen Gang des Staatslebens durch einen Gewaltakt inne- halten. Eine solche Zumuthung sollte daher ein Staat einem anderen Staatswesen gegenüber, und möchte er auch noch so schwach und klein sein, nie und nimmer stellen. Die haitische Regierung hat nun den Schriftwechsel zwischen dem Ministerium des Aeußern von Haiti und dem Grafen Schwerin veröffentlicht und damit allerdings der deutschen Regierung vor der gauzenWelt einen sehr schlechten Dienst gethan. Denn die Art und Weise, wie hier der deutsche Geschäftsträger sich benimmt, ist geradezu klassisch für solche Leute, die jeder gütlichen Vermittelung ans dem Wege zu gehen suchen. Der Minister des Aeußern weist zwar in seinem Schreiben darauf hin, daß der deutsche Geschäftsträger den unrichtigen Weg bei der Erlangung einer Audienz beim Präsidenten eingeschlagen habe, aber er thut es äußerst bescheiden; sonst athmct aber das Schreiben des Ministers trotz der schroffen Zumuthung der deutschen Regierung an den Präsidenten das versöhnlichste Entgegenkommen. Die Antwort des Grafen Schwerin aber bestand in weiter nichts als in der Empfangsbestätigung des ministeriellen Schreibens. Nachdem so die Karre seitens Deutschlands gründlich ver- fahren ist, soll eine Krenzerdivision vor Haiti„dem geschändeten deutschen Namen" Genugthnung verschaffen. Ach du lieber Himmel! ganz Haiti hat noch nicht eine Million Einwohner! Aber Deutschland will ein Exempel an diesem schwachen Laude statniren, nachdem man die dortigen Behörden höchst unsanft be- handelt hat. Haiti ist es nicht eingefallen und kann es nicht einsallen, Deutschland brüsqniren zu wollen. Aber es konnte auch nicht vorhersehen, daß Deutschland diese Angelegenheit so behandeln würde, wie es gethan hat. Hatte es denn eine Ahnung, daß wir in Deutschland unter dem noch wenig aussichtsreichen Stern der Marinevorlage lebten? Inzwischen ist Lüder's schon längst freigelassen, und zwar ist er auf Wunsch des amerikanischen Geschäftsträgers alsbald begnadigt worden. Mau sieht also, was ein vernünftiges Vorgehen vermag. Die Sache ist aber inzwischen für Deutschland eine Haupt- und Staatsaktion geworden. Die deutsche Regierung ist eben daran, den Fall ganz eingehend zu untersuchen. Das wird recht nöthig sein und wir empfehlen besonders die Thälig- keit des Grafen Schwerin besonderer Beachtung. Eins aber können wir heute schon sagen: Man komme uns nicht mit patriotischen Phrasen, als ob es sich um die Ehre des deutschen Namens handle. Als kürzlich in Berlin für den deutschen Namen in Oesterreich nur mit Worten in einer Versammlung eingetreten werden sollte, da hat die nämliche deutsche Regierung, die in Hafti die Ehre des deutschen Namens retten will, den Rettungsversuchen zu gunsten des Dcntschthnms in Oesterreich ein striktes Verbot entgegengesetzt. Also um die Ehre des deutschen Namens handelt es sich nicht; das ist Sand in die Augen für das liebe, dumme und gläubige Volk. Herr Lüdcrs kam eben gerade gelegen: denn wirksamer Stoff für die Marinevorlage war dringend nöthig. Da kam der„Fall" just zur Zeit. Man hat ihn prächtig aufgebauscht. Das Resultat ist, daß sich jetzt ganz klar ergiebt: das Deutsche Reich hat mehr Kriegsschiffe nöthig; denn wie leicht kann der Fall eintreten, daß wir den deutschen Namen in fremden Ländern mit Kriegsschiffen schützen müssen. Man denke nur an den Konflikt mit Haiti. Wir hätten dort keine Genugthnung erhalten, wenn nicht sofort eine Kreuzer- division vor Halti aufgefahren wäre. So oder ähnlich hören wir heute schon im Reichstag den Admiral Tirpitz die Flotten- vorläge begründen. Aber auch heute schon sind derartige Begrnndungsverfuche in ihrer Hinfälligkeit erkannt. politische Mebevstcht. Berlin, 15. November. Tr. Karl Pciers, der gefeierte Kolonialheld, ist end- giltig abgethan. Der kaiserliche Disziplinarhof hat das Ur- theil der Disziplinarkammer bestätigt und noch verschärst. Peters ist als unwürdig erkannt worden, Beamter des Deutschen Reiches zu sein. Seine Rolle ist ausgespielt. Die Disziplinarkammer hatte die wider Peters erhobenen Anklagen nur zum theil für berechtigt gefunden, sie hatte ihn wegen der Hinrichtung des Negers Mabrnk und wegen falscher Berichterstattung an seine vorgesetzte Behörde des Amtes ent- hoben. Die Anklagebehörde sowie der Verurtheilte erhoben Berufung gegen dieses Urtheil; jene weil sie auch einen Schieds- spruch wegen anderer Anklagepunkte forderte, dieser weil er die letzte Möglichkeit einer Freisprechung nicht unversucht lassen wollte. Aber Peters mochte wohl schon ahnen, daß seiner nichts günstiges warte, er hatte sich nach England geflüchtet und erschien nicht persönlich vor dem Gerichtshof. Dafür bemühten sich seine Vertheidiger aufs eifrigste, seine Sache zu führen, eine Sache, an der jene zahlreichen Kolonial- schivärmer Antheil nabnien, welche die rücksichtslosen Ver- gewaltigungcn der Schwarzen mit dem Kulturzweck, den sie angeblich im schwarzen Erdtheil verfolgen, für vereinbar hallen. Doch der Gerichthof hat eine solche Moral nicht gelten lassen, er bat auch wegen der Auspeitschung der Negerweiber und wegen der Hinrichtung eines dieser Weiber, die Peters kurz zuvor als Konkubine benutzt hatte, ihn schuldig erkannt. Damit ist dem öffentlichen Rechtsgesühl insoweit genüge gethan, als festgestellt worden ist, daß eine Persönlichkeit wie Pcters ein Beamter des Reiches nicht sein darf. Ob Ver- brechen wie diejenigen, die er begangen, nicht noch vor einen anderen Richter gehört hätten, als vor den Disziplinarrichter, ist eine andere Frage. ß-pedition: SW. 19. Menty-Stniße 3; Genug, die Hauptsache ist, ein häßlicher Schandfleck ist weggewischt worden. Von der deutschen Kolonialpolitik, die so viel häßliches gezeitigt und bisher dem deutschen Volke wahrlich noch nichts gutes gebracht hat, darf wenigstens gesagt werden, daß sie solche Scheußlichkeiten, wie sie die Leist, Wehlan, Schröder, Peters begingen, doch nicht ruhig duldet, sondern letztere immer noch ihre Richter finden. Unvergessen aber muß bleiben, wer den Anstoß zu dieser Reinigung des deutschen Namens und der deutschen Ehre gegeben hat. Das muß um so mehr geschehen, als einer der Vertheidiger des Dr. Peters es fertig gebracht, den Abg. Bebel in bösartigster Weise anzugreifen. Solche Angriffe sind zu lächerlich, als daß wir uns mit ihnen weiter zu befassen brauchten. Bebel ist es gewesen, der die„zivilisatorische" Thätigkeit des Dr. Peters im März 1896 vor den� Reichstag zur Sprache brachte, nachdem die Regierung und besonders die Kolonialabtheilnng unter ihrem damaligen Direktor Dr. Kayser, obwohl sie Kenntniß hatten von den Thaten des Mannes, diesen doch immer noch zu schützen und zu halten versucht hatten. Dem Unwillen des Reichstags und der öffentlichen Meinung konnte die Regierung nicht widerstehen und leitete die Untersuchung gegen Peters ein. Hoffen wir, daß die Abnrtheilung des Dr. Peters auf lange Zeit günstige Wirkungen auf die kolonialpolitische Thätigkeit, die von deutscher Seite ausgeht, ausüben möge. Wenn schon kolonialpolitische Experimente gemacht werden sollen, so sollen doch wenigstens dabei nicht die elementarsten Grnudsätz.e der Humanität mit Füßen getreten werden!— Das Versprechen des Ncichskanzlers. Mit der Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeilen wird die Frage wieder aktuelle Bedeutung gewinnen, ob Fürst Hohen- ohe, da er noch immer den Kanzlerpvstcn inne hat, die ge- ebene Zusage, daß das Verbot des Jnverbindnng- trelens aufgehoben werden solle, nunmehr endlich ein- lösen wird. Der Vorgang Sachsens in dieser Frage bestätigt die Auffassung, daß die Pflicht der Aufhebung jenes Verbotes auch in Preußen besteht. Da gehört schon die ganze Verlogenheit der Feinde eines freien Vereinignngsrechtes dazu, um eine Verdunkelung dieses klaren Thatbestandes zu ver- suchen und die preußische Regierung zu neuen Schritten derart anzustacheln, wie sie Herr v. d. Recke im Sommer dieses Jahres unternahm. Das Organ des Freiherrn v. Stumm, die„Post", schreibt, nachdem sie die Meimmg ausgesprochen, daß die Regierung in der bevorstehenden Session des Landtags das Knebelgesetz nicht wieder einbringen zn wollen scheine: „?ti'er diese Landlngssessio» ist die letzte dieser Legislatur« peeiode, alsdann hat man ein»e» zusaiiimengesehles Abgeordneten- Haus vor sich, und man wird alkdann die Absicht einer tS rgänznu g des Vereins- und A e r s a m m l u u g s r e ch l e s mit Aussicht ans E r s o l g iv i e d e r a u f» e l> m e»! ö 11» e». In welchem Umfange dies zu geschehe» haben wird, hängt natürlich mit von der Zusammensetzung des neue» Abgeordnete»»- hanles ab, aber bah alsdann eine Verständigung zwischen den gesetzgebende» Faktoren herbeizuführen ist. wenn mir die Regierung die Sache mit dem nvlhige» Geschick und der nöthigen Energie ansängt, unterliegt keinem ernstlichen Zweifel. Die erste Session der neuen Legislaturperiode fällt vor den Zeilpunkt des Inkrasllretens des Bürgerlichen Gesetzbuches, und die Zusage des Fürsten Reichskanzlers ivird noch rechtzeitig erfüllt, wenn in dieser Session die Aufhebung des Verbots der Verbindung politischer Vereine für Pre hen erfolgt. Erst, wenn wider Erwarten auch dann übereiusliininende Beschlüsse beider Hänser des Landtages nicht zn stände kämen,»vürde der Zeitpunkt gekommen sei», den Weg der Reichsgesetzgebnng zu beschreiten." Die„Post" versucht die Regierung schon jetzt für die Wiederholung einer Kncbelgesetz-Aktion scharf zn machen. Das Blatt traut dem preußischen Miuistcrpräsidenten, Fürsten Hohenlohe, zu, daß er sich zu einer sophistischen und hinter- haltigen Politik entschließen könnte, wie sie der Gcwisseulosijj- keit derer um Stumm allerdiugs genehm sein würde. Die Herzenswünsche dieser Leute sind ja bekannt genug, auch wenn sie dieselben nicht so offen äußern würden. Ter preußische Ministerpräsident dürfte ja wahrscheinlich bald Gelegenheit erhalten, sich darüber zn erklären, wann cud- lich er sein Versprechen zn erfüllen gedenkt!— Die englischen Maschinenbauer sind heute inKo uferen mit den Arbeitgebern. Diese hatten sich anfangs aufs hohe Roß gesetzt, aber sie haben entdeckt, daß es mit dem„Zer- scknucltkru" der verhaßten Geiverkschaft nichts ist. Alle eng- tischen Gewerkschaften haben gemeine Sache gemacht mit den Maschiucubaucrn, und diegroßartigeManifestation internationaler Solidarität, zu welcher der Achtstnudcutags-Kampf Anlaß gab, hat die Uuternchmcr mit Schrecken erfüllt. Jusbcsoudere auf Deutschland, das der preußische Reservclientenaut Siemens ihnen zu Füßen legte, hatten sie gebaut— und nun ist es gerade Deutschland, von wo die meiste Unterstützung kommt und so gut wie keine Streikbrecher. Die englischen Arbeiter sind von wahrer Begeisterung erfüllt für die deutschen Kameraden, und niemals, seit es ein Teutschlaud giebt, hat, trotz der Antipathie gegen die deutsche Regier nug, der deutsche Name in England einen so gute» Klang gehabt wie jetzt. Ucber den Berg freilich sind die englischen Maschiueiibancr noch nicht; und durch die Thatsache der Unterhaudlung in London dürfen die deutschen Genossen sich nicht verleiten lassen, ihre Thätigkeit für die kämpfenden Genossen eiuznstellcn oder auch nur zu vermindern. Je kräftiger die Unterstützuug von außen, desto günstiger für die Arbeiter wird der Verlauf der Konserenz sein! Also fort- gefahren mit den Unter st ü tz u n g e n!— Deutsches Neich. —„A» f a I l« r h ö ch st e>i W u n s ch". Nach einer Mittheilnng der„Fiankfurler Zeiluiig" wird von Berlin anZ an die M i l i t ä r» k a ii i i n e n ein Zirkular versendet, das die Pachter auffordert, ihre» vollen Bedarf an Zigarren von einer Berliner Firma zu beziehen, die nnier der Leitung eines Generals n. 2X steh«. Des weiteren wird niitgelheilt, es sei„aller- höchster W n n f ch", daß sninnilliche Kantinen ihren Bedarf an Zigarren ec. von diesem Etablissement beziehen, um in der deutschen Marin« und Arme« einen möglichst einheitlichen PreiS einfiihren zu können. Ferner wird nntgeiheilt, daß die Firma ca. 7 Millionen Marl«mznsetzen gedenke, wobei nach Jahresschluß ca. 40000 Marl Dividende an die Kantinen wieder verlheilt werden könnten, Wenn es richtig ist, daß ein„allerhöchster Wunsch"— und für die Milileirkantiiien ist solcher Wunsch gleich einem Befehl— so siir den Zigarrenabsatz einer Geschäflsfiiina, die das Glück und die Ehre hat, von einem General geleitet zn werden, eintritt, so wird es anderseits nicht verwunderlich sei», daß dieser„Wunsch" sehr lebhaften Widerstand finden wird bei den zahlreichen Geschäfts- lenten, die durch ei» solches Eingreisen Schädigung zu gewärtigen hätten. In diesen Kreisen wird man sich die vielbernfene „Förderung des Miltelstandes" wohl etwas anders vorgestellt haben.— — Der BundeSrath wird in de» nächsten Wochen feine Thätigkeit der B c r a I h» n g d e s E t a t s widmen und zu diesem Zwecke fortan voraussichtlich zwei Plenarsitzungen in der Woche ab- halten. Wie die„Post" gehört habe» will, sind bisher noch nicht alle Spezialetals beim Bundesrath eiiigegange»; so fehle» vor allem noch zwei Etats, die in manchen Punkten anders als bisher gestallet sei» dürste», nämlich der der M a r i n e v e r w a l t u n g und deS Reichs- Postamtes. Da im wesentlichen über ihre» Inhalt indessen zwischen den verbündeten Ziegierungen be. rcits ein Einverständniß erzielt sein soll— für den Marine- Etat soll die Reise des Staatssekretärs Tirpitz von Bedentmig gewesen sein— so wird angeuounnen, daß der Etat doch so zeitig fertig gestellt sein wird, daß er dem Reichstag un- mittelbar bei seinem Z»sa»»»e»tritt am 80. d. M. vorgelegt werden kann.— — Reichstagsvorlagen. Nach den„Verl. Pol. Nachr." werde» dem Reichstag sofort bei der Eröffnung sowohl der Reichs- Hanshaltselat für 1803/03 als auch das Marinegesetz wie die Militär-Strasprozeß-Ordiinng zugehen. Die ersten Lesnnge» dieser Vorlagen dürsten wohl allein zwei Wochen in Ansprnch nehmen. Sodann aber sind als ziemlich sicher gleichfalls in der ersten Zeit nach der Eröffnung die mit dem Bürgerlichen Gesehbuch in Zusanniien- hang stehenden und dem Bundesrathe bereits vorliegenden Entwürfe über die sreiwilligeGerichlsbarkeit und über die Aendernng des Gerichts. verfassungsgcsetzes und der Strasprozeßordnnng sowie der Zivil- Prozeßordnung zu erwarten. Auch die Vorlage wegen der Ent- fchädigung unschuldig Verurtheilter, die voraussichtlich im Reichstag auf wenig Schwierigkeiten stoße» wird, dürfte so gesördert werde» könne», daß sie noch vor Weihnachten an das Parlament gelangt. Außerdem dürste man auf die Wiedervorlcgnng des eine» oder anderen der in der vorigen Tagung vom Reichstage nicht erledigten Entwürfe, darunter die Dampsersubventions- Vorlage, nicht verzichten.— — Ein ganz erheblicher Theil der sozial- demokratischen Fraktion dürste die letzte Session dieser Legislaturperiode hinler vergitterten Fenstern verbringen. Horn, Liebknecht, L ü t g e n a u und B u e b haben nun schon rechts- kräftig gewordene schwere Berurtheilunge» zu verzeichne». Aus Leipzig wird uns telegraphirt: „DaS Reichsgericht verwarf die Revision de? Reichstags- Abgeordneten für Mülhausen i. Elf., D» e b, gegen das vom Landgericht Mülhansen i. Elf. weg«» Beiseiteschaffung von be- fchlagnahmten Flugblättern und wegen Beleidigung ergangene Urtheil zn 10 Monaten Gefängniß."— — Die Kommission s ü r A r b e i t e r st a t i st i k tritt am Montag, LS. November, wieder zusammen, um die Vernehmung von Ausknnstspersonen des M ü l l e r e i g e iv e r b e s fortzusetzen.— — Die Fideikommiß-Vorlage dürfte dem Landtage, wie nun offiziös gemeldet wird, nicht zugehe».— — Der»virthschaftliche Ausschuß für die Vorbereitung der Zollverträge ist heute Morgen unter Vorsitz des Staatssekretärs des Reichsamls des Innern Grafen v. Posadowsky zu der angekündigten vertraulichen Besprechung zu- saiiimengetrete». Der Glaatsminister leitete die Verhandlungen mit einer längeren Darlegung der Ziele und Aufgaben des Ausschusses ein. Seitens der Regierung wohnte auch der Geh. Ober-RegierungS- rath Werinnth den Berathnngen bei.— Die„tziationalliberale Korresp." erfährt über die Sitzung des AuSschnffes: „Heule ivurden sechs Fachkommissionen gebildet. Die Be- ralhnnge» selbst, so wurde vereinbart, werde» vertraulich behandelt; nur werden, ähnlich wie beim Kolonialrath, kurze Berichte von zu- ständiger Seite veröffentlicht. Schon die heutige Berathung in Fachkommissionen dürfte ergeben haben, daß die Ausschuß- berathuiigen sich mit Spezialuntersuchungen zu befassen haben werden, die eine parlamentarische Körperschaft kaum zu erledigen in der Lage wäre." t — Der st ä n h i g e Ausschuß d e S deutschen Land- wirthschaflsraths wird n»i 10. Dezember d. I. in Berlin eine Sitzung abhalten, um über folgende Gegenstände zu berathen: 1. Bisherige Thätigkeit des deutschen Landwirlhschaftzraths bei de» Vorbereitungen für den Abschluß neuer Handelsverträge. 2. In welcher Weise ist die Thätigkeit des deutschen LaudivirthschastSrathS zu organi- siren, um den landwirthschaslliche» Mitgliedern des wirthschastlichen Ausschusses das erforderliche Material an die Hand zu gebe», welche Ausgaben sind dabei besonders ins Auge zu fassen? 3. Stand der Wähningssrage. 4. Entwurf der Zivilprozeß-Ordnung. 5. Ber- besserung der Statistik: a) Verschnldungsstalistik, b) Bestand an Gütern auf Niederlagen und Konten. 6. Ausdehnung des Fern- sprechverkehrs ans das platte Land. 7. Bjehverstchernng. 3. Zeitpunkt und Tagesordnung der nächsten 23. Plenarversammlung des deutsche» Laudivirthschafisraths,— — Mit den Bestrebungen d e S„B» n d e S der Land wirt he" geht ein Eingesandt i» den„Liiiieb. Anz." recht fcharf ins Gericht. Zrniächst wird a»f den wirthschastlichen Wahn- sinn der beiden„großen Mittel": Antrag Kanitz und Doppelwährung hingewiesttt. Dann heißt eS weiter: „Wir haben vom Bunde der Lundwirthe das Znckerstenergesetz, und die Folge war ei» kolossaler Zuckerkrach, auch zun» Nachtheil der Rüben bauenden landschaftlichen Bevölkerung.— Wir haben das Margariiiegesctz, das die kleinen Kausleule in kleinen und Mittelstädten im höchsten Grade belästigt. Nennt man das Mittel- ftandspolitik? Und viele Kauslente und große Konsumvereine ver- kaufen jetzt»nr»och Margarine, so daß der Bntterabsatz direkt geschädigt worden ist.— Endlich das Börsengesetz. Es hat das zu Wege gebracht, daß der Landiuirth heute nicht mehr mit Sicher- heit weiß, welchen Preis er für sein Korn zu verlange» ein Recht hat. Wir tappen dem Kaufmann gegenüber im dunkeln nnd werden linter Umständen von ihm im Preise gedrückt werden. Nun in anderer Beziehung: Während es nachgeiviesen ist, daß die Getreide- preise in Wien, in Pest, in Paris, in London verhältnißmäßig viel Höher stehe», hat an diesem Preisaufschwuiig die deuische Landwirth- schast nicht in vollem Umfange theilgenonime». Auch das Börsengesetz ist ganz verfehlt. Aber gerade unsere ländliche Bevölkerung ist noch besonders daran interessirt, daß wir das haben, was der Bund der Laudwirthe nicht haben will: nämlich Handels- Verträge. Wir find vor allem Biehmäfler und insbesondere Mäster von Schweinen; dazu brauchen wir ausländische Kraftfutterstoffe, so Leinkuchen, Palmkuchen Mais ic., und je billiger wir die bekommen, um so besser! Unser gemästetes Vieh kann aber nur guten nnd lohnenden Absatz finden in den Städten, deren Gedeihen von Handel und Industrie abhängt. Handel und Industrie brauche» aber Handelsverträge, um ihre Produkte im Ausland absetzen zu können. Gerade wir in Hannover brauchen die großen Städle, brauchen das Gedeihen einer Stadt wie Hamburg je., damit es auch uus gut gehe. Wir habe» am wenigste» Veraulassung, den ostelbischen Grobgrundbesttzern die Kastanien ans dem Feuer zu holen und die bündlerischeu Bestrebung«» zn uuteistützen, welche, wie Rudol v. Bellingsen sagte,„Wasser für die Mühle der Sozial- d e»» ok r a t i e" stnd." — Im preußischen Kultusministerium begann heule»ine Konferenz, welch« sich anS Milglieder» des KultnS- ministerinms, einer gröberen Anzahl hervorragender Persöiilichkeileu, sowie einigen anderen bedeutenden Persönlichkeiten ziisammengesetzt. Die Hauptgegenstände dieser streng vertraulichen Besprechung bilde», wie die„Berliner wissenschaftliche Correspondenz" miltheill, unter anderem der Entwurf einer neuen Prnfungs- o r d n n n g für höhere Schulen, an dem bekanntlich schon seit Jahren gearbeitet ivird, nnd die Frage wegen einer»tivaigen an der>v eiligen Regel nng der Besoldungsverhältnisse der höheren Lehrer. Bei letzlerer Frage soll es sich, wie wir hören, vornehmlich um eine eventuelle Beseitigung der festen Zulage der sogenannten Funktionszulage und ihre Ersetzung durch ei» anderes Gehaltsstzstem Handel». Für diese Kon- ferenz find mehrere Tage in Aussicht geuoinmen.— — Die Dienstdan er de? Eisen bah»-Betriebs- Personals Hai der Minister der öffentlichen Arbeilen zum Gegenstande des folgenden Erlasses gemacht: „Nach den in letzter Zeit gemachten Wahrnehmungen find einzelne Dienststellen bei Festsetzung der täglichen Dienstdauer des Betriebspersonals von irrthümliche» Auffassungen über die be- stimmungsniäßige Läng« der Rnhezeitc» ausgegange». Zur Be- seitigniig der Mißverständnisse, die übrigens bei dem klaren Wortlaut jener Vorschriften nicht hätten auskomme» dürfen, weise ich— im Anschluß a»»leinen Erlaß vom 28. September d. I.— darauf hin, daß Nnhepaufen von weniger als acht, beim Lokomotiv- und Zugpersonal von ivenigcr als zehn bezw. acht und sechs Stunden als„kürzere R n h e p a u s e n" im Sinne der Bestininningen anzusehen und daher ebenso, wie die Zeiten des Dienstes und der Dienstbereit- schast, in die p l a» m ä ü i g e D i«» st t o u r einzurechnen sind. Als anrechiiungssähige„Niuhezeit" gellen nur solche Zeit- abschnitte, während deren eine u» u» t e r b r o ch e» e und völlige D i e n st f r e i b e i t von mindestens acht, beim Lokomotiv- und Zugpersonal von mindestens zehn bezw. acht und frchS volle» Stunde» besteht. Unter welchen Voraussetzungen und nach welchen Gesichts- punkten diese Ruhezeit des Fahrpersonals mindesteiis ans zehn, auf acht oder auf sechs Stunden zn bemessen ist. darüber gebe» die Verwaltungsvorschriften Ausschluß. Ich habe serner An- laß, an die Vorschrist zu erinnern, daß bei Bemessung der planmäßigen Dienstdaner des Lokomotiv- und Zugpersonals überall diejenige Zeil mit einzurechnen ist, während der die Bediensteten vor Antritt nnd nach Beendigung der Fahrt zur Uebernahme und Uebergabe der Geschäfte u. s. f. dienstlich i» Anspruch genommen sind. Namentlich in solche» Fällen, i» denen außerhalb der Heimath planmäßig Ruhepausen vorgesehen sind, ist diese Vorschrist mehrfach nicht befolgt worden. Etwaige Ab- iveichnngen von den vorstehenden Grundsätzen find unverweilt zu beseitigen." Die meisten industriellen Arbeiter, die doch sicherlich mit der Dauer ihrer Arbeitszeit nicht zufrieden sei» könne», genießen bei weniger gefährlicher und verantwortungsvoller Arbeit eine ununter- brochene Rubezeit von 12—14 Stunden. Dieser Vergleich charakterisirt das System Thielen.— — Deutsche Soldaten verherrlichen die Repu- blik. Ans Kiel wird heute telegraphisch berichtet: „Die im hiesigen Hafen anwesende Kriegsflotte hat heute als am Jahrestage der Proklamirnng der brasi- l i a n i s ch e» Ii e p» b l i k zn Ehre» des hier vor Anker liegenden brasilianische» Kreuzers„Tupy" über die Toppen geflaggt. Mittags ivurden zwischen dem brasilianischen und den deutschen Kriegsschiffen Saluischüsse ausgewechselt." Wenn deuische Marinesoldaien dazu befehligt werden, den Jahrestag der Ersetzung eines ttaiserlhnms durch die republikanische Siaalssorm feierlich zu begehen, so müssen sie sich allerdings sagen: Die Republik, vor der mau uns sonst gruselig zu machen sucht, kann doch nicht etwas gar so Bösartiges sein!— — Ucber die Verhinderung der Versammlung d e S alldeutschen Vereins zn gnnsten der Deutschen in Oesterreich schreiben die„Leipziger N. Nachr.": „... Am Donnerstag, dem 17. dS. Mls., begab sich Dr. Lehr, der das einbernfende Komitee vertrat, zu Herrn v. Wind- heim, um Ausknnst zu erbitte» über die Zeilungs-Geriichte, die von einer geplanten Berhindening der Versannnlniig erzählten, nnd um zugleich anzumelden, daß statt des Saales der Berolina der große Saal des Feenpalastes für die Versammlung bestimmt sei. Hier deutete ihm Herr v. Windheim zunächst vertraulich an, daß die Sache sehr ungünstig stehe, eine endgjltige Antwort könne er»och nicht geben, da er die ihm ertheilten Aufträge„noch nicht in der Form erhalten habe, wie er sie wünschen würde." Der Polizeipräsident ersuchte daher den Dr. Lehr um einen er- nenten Besuch am Sonnabend, da er bis dabin das Erivünschte erbalte» haben dürfte. Am Freitag Nachmittag fand eine Sitzung des Staaisministeriums statt. Arn Sonnabend Morgen erklärte Herr v. Windheim, er könne noch immer keine be- stimmte Aueknnft geben, doch empfehle er schon jetzt, sich durch die Bestellung eines größeren Saales keine weileren Ausgaben zu mache». Er werde Nachmittag Bescheid geben. In- zwischen fuhr Herr v. d. Recke nach Potsdam zur Audienz. Ein« Stunde nach seiner Rückkehr bereits wurde Herr Dr. Lehr davon verständigt, daß die österreichischen Abgeordneten unter Androhung der Ausweisung weder sprechen noch die ge- plant» Versammlung besuchen dürste n. Sich bieraus»inen Vers zu machen, überlasse» wir dem geueigte» Leser... — DasAktionskomit«« de» evangelisch-sozialen Kongresses versendet ein langes Zirkular au die Zeitungen über sei»« Prinzipieu, das wohl nur den Zweck hat. zu konstatiren, daß der Kongreß denen,„die der polilische» Sozialdemokratie zu- gehören", nicht offen steht. Für uns hätte e? dieser Erklärung nicht bedurft, wir haben niemals das leiseste Bedürsniß gehabt, daS Stillleben dieseS Kongreffes zn störe».— — Fürst Bismarck alS.Arbeitgeber". Die persön- liche Knauserigkeit Bismarck's ist längst bekannt. Dieser Charakter- zng des angeblich großen Mannes wird jetzt wieder durch das kleinliche Verhalten gegenüber dem Oberförster Lang«, der vor etwa IS Jahren auf die Aufforderung Bismarck's bin seine gute Staats- siellrnig aufgab nnd die Verwaltung der Bismarck'schen Forsten übernahm. Infolge Differenzen wurde der Oberförster vor einiger Zeit entlassen und mußte die vertragsmäßige Pension»rhalien. Er forderte 5400 311., die ihm zukämen, Bismarck aber will nur 4500 M. zahle». Der Förster hat deshalb Zivilklage gegen den Fürsten er- hoben. So behandelt einer der reichsten Leute einen Mann, der ihm lang« Zeit aufopfernd gedient hat. Eine solche schäbige Handlnngs- weise läßt so recht erkenne», wessen Geistes Kind der gefeierte Heros ist.— — Arbeiter-AuS Weisung. Den Arbeitern aus Ruß- land nnd Galizie» im rheinisch-westfälischen Jndnftriebczirk ist nach einer Verfügung der königlichen Regierung zu Arnsberg gestattet, vorläufig bis zum 81. Dezeinber dort wohnen zu bleiben.— DreSden, 14. Novbr.(Eig. Ber.) DaS Vermögens« steuer-Gesetz, wie es dem Landtage vorliegt, nnd dem man von kapitalistischer Seite mit Furcht und Bangen alS einer sehr radikale» Sleuerresorm zu aunsien der Armen entgegensah, entpuppt sich als ein vollständig harmloses Ding. Es sieht schön aus nnd kostet nichts, oder doch sehr wenig. In„mäßigen" Grenze», wie es in der Begründung heißt, bewegt sich diese Ver- mögensfteuer allerdings durchaus. Es soll nur eine„ans- gleichende" Nebenstener sein, sodaß man aus diesem Grunde die Progression vermieden hat. Die größeren Ver- mögen tvürdeu durch das Einkommensleuergesetz schon genügend ge- troffen.(!) Die Vermögen bis zu 10 000 M. sind überhaupt stener- srei; nnd von dieser Grenze soll ein Sleuergesetz von>/z vom Tausend erhoben werden. Wer also z. B. 20 000 M. steuerbares Vermögen besitzt, muß ganze 10 M. blechen. Die Sache kommt aber»och besser. Je größer die Vermögen, desto besser kommen sie eventl. mit der Besteuerung, infolge einer„eigenthümlicheii" Ein- theilnng der Klasse», davon. Die ersten 6 Klassen, bis zu 23 000 M., steigen von 10 000 M. immer je Ul» 2000 M., von da ab biS zu 80 000 M. um je 4000 M., von da bis z» 200 000 um je 10 000 M., und von da um je 20 000 M. So wird z. B. deijenige, welcher 210 000 M. Vermögen z» versteuern hat, 100 M. zn zahlen habe», statt 100 M., wen» er die 10 000 M. versteuern müßte; für diese Summe zahlt er überhaupt nichts. Daß sich unsere Geldfäcke im Landtag mit einem solchen Uiiikmn von einer „Vermögensstener" abfinden und einverstanden erkäre» werden, das ist erklärlich. Die Regierung hat auch vollkommen recht, wenn sie in der Begründung sagt: „Wird die Vermögenssteiler in solcher Weise geregelt, so wird ihr auch der sonst nicht selten gerade ihr gegenüber gehörte Vorwurf, daß sie einen kommunistischen Charakter trage, mit recht nicht gemacht werden können." Allerdings, über de» Verdacht, etwas„koinmunistisches" zu unternehme», war die sächsische Regierung vo» vornherein erhaben. Wenn sie aber ferner meint: „... ma» wird anerkenne» müssest, daß auf diese Weise nur das in der Theorie herrschende wie auch im VollSbeivußtsein tief begründete Prinzip zur Geltung gebiacht wird, daß die Be- sitzenden ihrer höhereu Leistniigssähigkeil entsprechend in erhöhtem Maße zur Tragung der Slaatskoste» herangezogen weiden." so wird daS Volk wahrscheinlich darüber anderer Meinung sein. Der tönende Name ist das beste an dieser Gesetzesvorlag«. und durch diesen Namen hofft man wahrscheinlich daS ärmere Volk über den Inhalt und de» Werth dieses Gesetzes hinwegz»tä»lchen. An diesem Beispiel kann man so unge>ähr beiiptheileii, welcher Geilt die ganze geplante Steuerreform in Sachsen durchweht. Man will den Pelz wasche», ohne ihn naß zu machen. Diesem Beginnen werde» die noch im Landlage sitzende» 3 Sozialdemokraten nach Möglichkeit entgegen zn wirken versuchen. Bliinchen, 13. November.(Eig. Ver.) Bayerischer Land- tag. In der heutigen Sitzung der Abgeordneten-Kanimer wurde die Beraibuiig über den Gesetzentwurf, betr. die Besteuerung des Hansirhandels fortgesetzt. Abg. Dr. P i ch l e r(Z.) beantragte«. a. eine Erhöhung der Steuern für de» Hansirhandet mit Druckschriften von 24 M. auf 50 M., sowie die Einführung einer Steuer für den Flaschenbierhandel vo» 100 M. Unser Geiiosse Ehrhart sprach gegen diesen Anirag und wies darauf hi», daß bnrch denselben in bezng auf den Handel mit Druckschriften gerade der Absatz jener Druckschriften geschädigt wird, deren Verbreitung jeder Knlturfreund wünschen muß, während für die Schnndliteralur die Konkurrenz beseitigt wird. Durch den ambulanten Flaschenbierhandel, so sagten früher die Herren vom Zentrum, werde eine ivohllhätige Einwirkung auf das Familienleben geübt, insofern, als dadurch viele Familien- Mitglieder vom Besuch der Kneipen abgehalten werden, wo sie mehr koiisumire» als zn Hanse, Keineswegs berechtigt ist es aber, hinter- rücks an den Flaschenbierbandel das Meffer zu setzen. lieber be- antrage man gleich die vollige Aushebung deS ganzen Flaschenbierhandels. Nach längerer Debatte gelangte der Antrag bezüglich deS Hansir- Handels mit Druckschriften mit 80 gegen 53 Stimmen zur Aniiahme, während der Antragsteller den Theil betr. den Flaschenbierhandel selbst zurückzog.— Oesterreich. Wien, 13. November. Bndgetausschnß d e S Ab« geordnete»hauseS. Die Wiedereröffiniiig der Generaldebatte wurde beschlossen. Iii dieser sprach zunächst der Handels- m i n i st e r, indem er aus sachliche Erörterungen einzelner Redner einging. Bezüglich der von den Sozialdemokraten an- geregten Frage des Arbeiterfchntzes in Ungarn »leinte der Minister, eS wäre die Herbeiführung einer Ueberein- ltimmung mit Oesterreich nur ans dem Boden der paritätischen Be« thätigung denkbar. Das würde»othwendig eineArtVetorechtdesanderen Theiles impliziren, möglicherweise daher eine Verschlimmerung der betreffenden Verhältnisse herbeisühren. Der Minister besprach sodann die gleichfalls von Sozialdemokraten an- geregte zeitweilige Siispension der Kornzölle und meinte, diese ni u ß l e a ll e r d i n g S eintreten, wenn eine G e- fahr für die Ernährung breiter Volksschichten de st ä ii de und wenn dieser Gefahr durch dieSus- Pension begegnet würde. Daß aber die Sache s» liege, sei bisher nicht hervorgetreten und keinerlei Wünsche nach dieser Richtung hin seien der Regierung bekannt geworden."' Nach Besprechung der Frag« deS Marken- und Musterschiitzgefetzes. dessen Eiitheiilichkeil in beiden Staats- bälften ,die Regierung fördern werde, kündigte der Minister die Borlage eines bereits voibcretteten Gesetzentwurfes über die Ein- führuna einer österreichischen Zwischenverkehrs-Statistik an. Bezüglich des Mahlverkehres erblick« die Regierung eine desinilive Negeliiiig dieser Frage nur in der grundsätzlichen Be- seitigung dieses Verkehrs. Nachdem mehrere Redner gesprochen hatten nnd wiederum Schluß der Debalie aiigenomme» war, wurde die Verhandlung abgebrochen. Nächste Sitzung Dienstag. Ungarn. Budapest, 13. Nouember. Ter Katholtkenkongreß wählte den Grafen JulinS Szapary zum weltlichen Präsibeiiten. Bei der Wahl eineS Ausschusses zur Ausarbeitung des Eiilivnries betreffend die Organisation der katholischen Aulonomie erlitt die Volkspartei unter Führung deS Grafen Ferdinand Zichy und Esterhazy ei»» vollständige Niederlage. An der Spitze der siegreichen gemäßigten Partei stehen die Grasen Apponyi und Szapary.— Finme, 15. November. Der Bürgermeister ist vom'Baro» Banssy aufgefordert worden, die Wahl nach den neuen Bestluiiiiungen zn leiten. Die Entsendung eines Megierungskommiffars soll nur im äußersten Nothfalle erfolgen. Die Situation hier nimmt einen immer ernsteren Charakter an. Viele Firmen entlassen ihre ungari- schen Angestellten.— Frankreich. PariS» 14. November. Der„Soleil" versichert, daß die Ilm- bildnng des französischen Arlillerie-Materials bereits lo weit vor- geschritten ist, daß 100 Batterien mit dem neuen Material ans- gerüstet werden könne». — Die Dreyf n ß. An gelegen heit beschältigt fortgesetzt die Presse und das Publikum. Der„Figaro" veiöffentlicht»ach- stehende Mitlheilungen hinsichtlich der Akten, welche Schenrer- Kestner dein Verlheidiger des. Dreyfns zustellte nnd die in vierzehn Tagen dem Justizminister übermillelt werde» sollen. Scheurer- Kestner würde sich danach anheischig machen. zu beweisen, daß durch die Vernrtheilung des Dreyfns die That- ache» nicht aus der Welt geschafft wurden, welche den Prozeß herbeiführten. Der geübten strengen Ueberwachiing entzogen sich niehrer« verdächtige Personen, darunter auch ein nicht zu dem Kriegsmiiiisterinm gehöriger Offizier, welcher der wirkliche Urbeber des bekannte» Verzeichnisses sein soll. Ein hierzu gehöriges weiteres Schriftstück, welches lange Zeit nach dem Prozeß aufgefunden wurde, soll allerdings geeignet sein, die Schuld des DreyfuS zu be- stntigen. In diese,», von einer fremdländischen Persönlichkeit an eine andere freniMändische Persönlichkeit gerichteten Schrist- stnck, sei der Name des Dreyfns voll ausgeschrieben enthalten gewesen. Die Urheber der jetzigen Untersuchung erklären dieses Schriftstück, das in demselben Papierkorb aufgefunden wurde, wie das Verzeichnis,, für falsch, indem sie gleichzeitig daraus aufmerksam mache», daß dieser Fund zum wenigsten ein sehr außergewöhnlicher sei. Nach den. Aussehen, welches dieser Prozeß gemacht habe, be- sonders bei der Leichtigkeit, mit welcher die in Frage kommenden fremdländischen Persönlichkeiten sich mündlich Mittheilung mache» konnten, müsse man auf ein Manöver von Personen schließen, die ein Interesse habe», eine Schuld des Dreyfus zu begründen. In einer weiteren Darlegung sagt der„Figaro": Der Urheber des Verralhs, wegen dessen Dreyfns vernrtheilt wurde, soll ein Offizier gewesen sei», dessen Garnison in der Nähe von Paris lag, und welcher infolge seiner verdächtigen Beziehungen gezwungen worden sei. aus der Arm« anszulrete». Dieser Offizier sei in der Pariser Gesellschaft sehr bekannt gewesen, habe noch gegeniväitig seinen Wohnsitz in einem reiche» Viertel der Hauptstadt, sei i»i Be- sitze des Adelstitels, verheirathet und init sehr angesehenen Familien verwandt. Scheurer-Kestner besitze materielle Beweisstücke dafür, daß dieser Ossizier mit dem Schreiber des Schriftstückes, welches die Vernrtheilung des Dreyfus zur Folge hatte, identisch sei. Fast die gesammte Presse fordert auf das energischste Scheurer- Kästner auf. er möge noch heute de» Namen des von ihm angeschiil- digte» Osfiziers öffentlich bekannt geben, um dein gegen eine Anzahl Offiziere ausgestreuten Verdacht ein schnelles Ende zu mache». Der von der„Liberts" genannte Artillerie< Hauptmann de Rougemont protestirt mehreren ZInfragern gegenüber gegen die unerhörte Vcr- dächtigung. Mehrere Blätter erkläre», die„Liberts" befinde sich im Irrthum, und konstatiren, de Rougemont, welcher übrigens noch Schivadronschef in der Reserve ist, habe ans rein persönliche» Grün de» deinissionirt. Die„Libre Parole" behauptet, das Ganze sei ein mit Hilfe eines hohen Beamte» des jkriegsmiiiisteriums geschmiedetes Kouiplolt. Dieser Beamte habe eine» leichtsertigeu Offizier umgarnt. um denselben zu koinprouiitliren und im geeigneten Älugenblick als wirklichen Verräther hinstellen zu können. Scheurer-ztestner hat a» den ehemaligen Artilleriehanptma»» de Rougemont ein Schreibe» gerichtet, in welchem er sein Bedanern darüber ausspricht, daß der Name de Rougemont'L mit der Dreyfus Affäre in Verbindung gebracht worden sei und de Rougemont gleich- zeitig seine Hochachtung ausdrückte. Spanien. Madrid, 14. November. Der KlernS unterstützt die Agitationen und Riistiingeil der K a r l i st e n trotz der Interventionen des Papstes »ach wie vor aufs eifrigst«. Es ist sicher festgestellt, daß die Karliste» einen Anfstand plane». I» Barcelona wurden seitens der Behörde» viele Kisten mit eingeschmuggelten Gewehren und Patronen konfiszirt. Sechs Verhaftungen sind erfolgt.— Madrid, 14. November. Der Bischof von Malorka, welcher vor kurzem über den Finanzminister die Exkommunikation verhängt hatte, ist plötzlich gestorben. Wie aus Coriinna gemeldet wird, haben die Anhänger des Generals Weylcr, welche demselben bei seiner Ankunft eine Ovation darbringen wollte», auf diese Absicht verzichtet.— Auf Kuba scheinen die Feindseligkeiten wieder mit vollster Schärfe aufgenommen zu sein. Nach einer Depesche aus Havana haben die Aiifständischen bei NuevitaS in der Provinz Puerto Prinzip« eine» Eisenbahnzug mit Dynamit in die Luft gesprengt. 12 Personen wurden getödlet, 27 verwundet. In der Provinz Pinar del Rio haben mehrer« Zusammenstöße mit den Aufständischen stattgefunden. Letztere leisteten hartnäckigen Widerstand und hatte» 41 Tobte, während auf spanischer Seite 31 Mann, darunter ei» Offizier, getödtet und 42 Mann einschließlich eines Offizier« verwundet wurden. Aus Havana wird serner tele- graphirt: Die Ausständischen griffen die Stadt San Jnangera«(?) an, wurden aber nach einem Straßenkampfe, an dem sich auch die Bewohner der Stadt betheiligten, zurückgeworfen. Die Aufständi» schen ließen acht Tobt» zurück.— In der Nähe von Santo Espiritu explodirte eine Bombe auf der Bahnstrecke in dem Augenblicke, als ein Zug die Stelle passirt«. Zwei Reisende wurden verwundet und vier Waggons zerstört. Nustlaud. Odessa, IS. November. Auf einem nach Wladiwostok ab- gegangenen Dampfer der Freiwilligen- Flotte befinden sich der neue Stabschef des Amur- Militärbezirks Generalinajor Tschitschagow sowie 30 Ofsiziere, 2 Militärärzte und 763 Kosaken. welche zum Schutze des Baues der Mandschurei-Eiseubahu verwendet werde». Unter den Schiffsgütern befinden sich 130 000 Pud Schienen für die genannte Eisenbahn.— Rumönien. Bukarest, 14. November. Amtlich wird der durch daS dies- jährige Hochwasser verursacht» Schaden auf tnsgesammt beinahe vierzig Millionen Franks angegeben. Der Ausfall der diesjährigen Ausfuhr, welcher durch die Mißernte verschuldet ist, wird auf mindestens 110 Millionen Lei geschätzt.— Türkei. Konstantiuopel, Ib November.(Franks. Zeitz.) Der Minister deS Aeußeren Teivfik Pascha richtete am 13. d.M. eine Note an die Botschafter, in der er ihnen Kenntniß davon giebt, die Anleihe bei der Ottomanischen Bank im Betrage von 300 000 Pfund sei unter der Bedingung abgeschlossen, daß die erste Rate der Indemnität für die Rückzahlung der Anleihe verwendet werde. — Zivischen Oesterreich und der Türkei fand in den letzten Tage» ein diplomatischer Konstikt statt, wegen deffeu mit der Abberufung des österreichischen Botschafters Freiherrn von Calice gedroht wurde. Der Konflikt ist indessen durch das Nach- geben der Pforte beseitigt.— Grieche», hnid. SlnS Athen wird über die K a n d i d a t u r d e S O b e r st e n Sch äffer für den Gouvernerrrposten auf Kreta der„Intern. Korr." geschrieben: Nach Verstcherunge» von uuter- richteler Seil« ist zwischen den Großmächten eine Einigung über die Kandidatur Schäffer's noch nicht erzielt. Oesterreich hat zwar seine anfängliche Weigerung aufgegeben: dagegen zeigt sich die russische Regierung»enerdingS der Person Schäffer's abgeneigt. Deshalb habe Hanotanx einen neuen Vorschlag gemacht, wo« »ach Schäffer nur für sechs Monate, vom 1. Dezember an, als K o m m i s s a r d e r G r o ß in ä ch t e»ach Kreta entsandt werden solle, während welcher Zeit die«ndgiltige Wahl eines F ü r st e n für Kreta vorzunehmen fei. Der Zar halte nämlich an dem Prinzen Josef Battenberg fest, der jedoch nicht für einig« Jahre als Gonverneur, sondern nur als erblicher, dem Sultan fouzerainer Fürst eingesetzt werden könne. Ein auf kurze Zeit ge- wählter Gonverneur biete auch keinerlei Bürgschaft dafür, daß die kretische Frage endlich zur Ruhe komme.— Athen, 15. November. Depntirtenkammer. Der delyannistische Kandidat für den Borsitz in der Kammer Romas vereinigte ans feine Person 83 Stimmen. 64 Stimmzettel lauleten zu gunsten des Kan» didaten der vereinigten anlidelyannistischen Gruppen Contoslavlos. Acht Stimmzettel trugen keinen Namen. Drei Minister enthielten sich der Abstimmung.— Asien. — Vom indischen Kriegsschauplatz. AuS Simla wird vom 14. November gemeldet: Der Feind griff gestern in einer Stärke von mehreren hundert Mann eine Fouragier-Abtheilung an, wurde jedoch mit Verlufteu zurückgeschlagen. Auf Seite der Eng« läuber wurden ei» Major, ein Kapitän und vier Mann verwundet. Die Vertreter der Orakzais scheinen geneigt, die Bedingniige» der Regierung anzunehmen. Eine verhältnißmäßig schnelle Beendigung der Feindseligkeiten soll nicht unwahrscheinlich sein.— Afrika. Auö Priitoria wird dem„Reuter'schen Bureau" gemeldet, daß Krüger, Joubert und Bürger sich endgiltig entschlossen haben, als Kandidaten für die Präsidentenwahl aufzutreten.— Amerika. AuS Rio de Janeiro melden die„Times" vom 13. d. M., daß nach Proklamation des Kriegsrechts auf 30 Tage ein« Anzahl Deputirter sowie andere Personen ver- haftet wurden. Der Stndtpräsekt hat seine Einlassung eingereicht. Die Beweise für das Bestehen einer politischen Verschwörung mehrten sich.—_ am Sonntag kurz Morgen 10 Uhr Dr. Ztokvrs vov dem Disziplinsv- geeicht. Den Inhalt der Anklage haben wir bereits rekapitulirt. Die Verhandlung begann gestern Den Gerichtshof bilden: Kaminergerichls-Präsident v. Drenl- mann(Präsident), Ober-Regiernugsrath Lenthe vom ReichS-Justiz- amt, Ober-Regiernngsrath P l a t h vom Reichs-Schntzamt. Legalions- rath Dr. v. Mühlberg vom Auswärtigen Amt, Landgerichts-Direktor Dahlmann, Landgerichts- Direktor Liudenberg und Kammergerichts- Rath Lohiee(Beisitzende). Die öffentliche Anklagebehörde verlritt Geheimer Legalionsrath Hellwig vom Auswärtigen Amt. Die Ver- theidigimg führen die Rechtsanwälte Gund l ach und Dr. Kaffka (Berlin) und Rechtsanwalt Dr. Scharlach(Hamburg). Bei Aufruf der Zeugen erscheint nur Bezirksamts-Sekrelär Jancke. Der Präsident theill mit, daß der bayerische Premierlieutenant a. D. Freiherr v. Pechmann gefährlich erkrankt sei, mithin nicht erscheinen könne. Der Präsident thcilt ferner mit, daß der Angeschuldigte Dr. Peters rits zu der Verhandlniig geladen sei.— Der Gerichtsdiener begiebt sich noch einmal auf den Korridor, ruft den An- geschnldiglen aus und theill sodann mit, daß Dr. Peters bisher nicht erschienen sei. Dem sehr umfangreichen Erkenntniß der ersten Instanz ist zu entiiehmeii: Maler Kunert, der sich zur Zeit in Ostafrika aufgehalten habe, hat bekundet: Ein schwarzer Unterosfizicr habe die Mädchen mit Ketten gefesselt und mit einem dicken Strick, einer Art Nilpferd- peitsche, furchtbar geschlagen. Die Mädchen haben zunächst furchtbar geschrien, sie waren aber schließlich derartig von der unineiischlicheii Mißhandlung erschöpft, daß sie bei den letzten Hieben nur noch leise wimmerten. Die Mädchen waren von Blut ü b e r st r ö m l. Dr. Peters habe in einem BambuSstuhl gesessen und habe sich die Prozedur, die eine selbst für afrikanische Verhältnisse furchtbar brutale genannt werden muß. mit größter Ruhe angesehen. Wie viel Hiebe jedes Mädchen erhalten, wisse er(Kunert) nicht; es seien jedenfalls bedeutend mehr als 25 gewesen. Mebrere andere Zeugen haben bekiindct, daß jedes Mädchen 100 Hiebe erhalten habe. Die Jagodjo habe außerdem»och mehrere Male in kurzen Zwischen- räumen je 25 Hiebe erhalten. Die Jagodjo sei nach der Pro- zednr in Keltenhaft genommen worden, während die beiden anderen Mädchen wieder als Konkubinen des Herrn Pelers aufgenommen rvurdeii. Als die Jagodjo wiederum einmal 25 Hiebe erhallen sollte, meldete ei» schrvarzer Unleroffizier dem Dr. Peters: die Jagodjo befind« sich i» einem Zustande, daß er B eb«*!«» trage. die Jagodjo noch einmal zu peitschen. Dr. Peters ordnete darauf an, die Dnrchpcilschrnig zu unterlassen und die Jagodjo dem Lazarethgehilsen Wichert zur Heilung ihrer Wunde» zu überweisen. Fäll« ähnlicher Grausamkeit werde» eine ganze Reihe erwähnt. Die Bertheidigung bezeichnet in der Berufnngs-Rechlfertigungsschrift das ganze Verfahren als unzulässig. Es haben bereits von 1332 bis 1835 zwei Untersuchungen gegen den Angeschuldigte» geschwebt. Dadurch seien sämmtliche Anschuldigungen zur Kenntniß der Regierung ge- langt. Damals habe er freiwillig ans dem Staatsdienste scheiden wollen. Der damalige Verwalter des Kolonialamts, Dr. Knyser, habe dem Dr. PelerS jedoch bedeutet, daß die Regierung feine» Verbleib im Amte wünsche. I» der Bernfungs-Rechtferlignugs- schrist wird ferner hervorgehoben, daß der Angeschuldigte in seiner Verlheidigung in der ersten Verhandlung beschränk! worden sei, da die kaiserliche Disziplinarkammer die Veruehmuiig niedrerer von ihm vorgeschlagener Zeugen, wie des Lieutenants Brousart von Schellendorff u. a. abgelehnt habe. Es wird hieraus Bezirksamts-Sekretär Jancke als Zeuge verumniiieii. Dieser, der zunächst uueidlich ver- »omnien wird, beknndete auf Befragen des Präsidenten: Aus Anlaß der Anklage gegen Schröder in Tanga sei er wegen Disziplinarvergehens angeklagt worden. Auf die Einzelheiten am Kilima Ndscharo könne er sich nicht mehr genau besinnen, da infolge einer überstandenen Krankheit sein Gedächtniß gelitten habe. Die Jagodjo sei ein„Freiideiiinädchen" auf der Station gewesen. Ob Dr. Peters zu dieser Beziehungen unterhalten habe, wisse er(Zeuge) nicht. Bei der Vernrtheilniig gegen Mabruk sei er Mitglied des Kriegsgerichts gewesen. Ob er Bei- sitzender oder eine andere Funktion im Kriegsgericht ge- habt, wisse er nicht. Er habe für die Todesstrafe gestimmt, weil er die Lage der Deutschen für äußerst kritisch hielt und die Ein- geborenen gesagt hätten: wenn ein Einbruch in das Gouveriiemenls- hanS nicht einmal bestraft werde, dann scheine es mit der Macht der Deutschen nicht weit her zu fein. Das Urtheil fei einstimmig gefaßt. Hätte er gegen die Berurtheilung gestimmt, dann wäre er überstiinml worden. Der Unteroffizier Wihft, der die Hinrichtung des Mabruk vollzogen, habe denselben aufgehangen und alsdann die Askari aufgeforderl. de» hölzernen Schemel uiegznziehen. Letztere haben sich aber dessen geweigert, deshalb habe Whist felnsl de» Schemel wegziehen iiiüsseii. Es sei richtig, daß Dr. PelerS vo» dem Sultan Malamia einmal die Herausgabe eines Mannes gefordert habe. Ob dies mit der Aufforderung zur Heransgabe der Weiber zusaiiiinenfalle, wisse«» nicht mehr. Jedenfalls sei dein Sultan Malamia nur wegen dessen drohender Haltung der Krieg erklärt worden. Die Auspeitschuns der Weiber habe er zum theil mit angesehen; auch Dr. Peters, bei der Veranda saß, habe die Auspeitschmig sehen können. Di Angeschuldigte hat selbst bei seiner Vernehmung im August 1836 ugegeben:die sexuellen Beziehungen des Mabruk zu den Weibern auf der europäischen Station sei bei dem Todesurtheil erschwerend ins Gewicht gefallen. Danach hat sich der Angeschuldigte des Mißbranchs seiner Amtsgewalt schuldig gemacht. Ich kann mich auch der Ansicht der kaiser- lichen Disziplinarkaininer nicht anschließen, daß der Angeklagte zur Auspeilschnna der Weiber berechtigt war. Ich kann dem ersten Richter nicht beistiniinen, daß die Weiber, weil sie dem Angeklagten der Laiidessitte gemäß von den Häuptlingen als Geschenk übergeben waren, in eiiiem Dienstverhältniß standen. Ich erkenne dies Dienst- verhältniß nur insoweit an. solange die Weiber sich mit diesem Dienstverhältniß einverftanden erklärten. Sobald sie aber den Willen kundgäbe», fortzugehen, mußten sie fortgelnssen werden, wenn man nicht die Sklaverei, die wir durch unsere Kolonial- Politik beseitigen wollen, in feierlichster Weise sank- tioniren will. Die Hinrichtung der Jagodjo war auch in keiner Weise bercchligl und durch nichts begründet. Wenn der Aiigeschnldigto sagte: er habe diese Hinrichtung vollziehen lassen müssen, lim seine Autorität zu wahren, so widerspricht dieser Be- Häuptling die Thatsache. daß Dr. Pelers den Befehl gab, die Hin- richtung im Hofe der Station vor Tagesanbruch zu vollziehen und seinen Leuten befahl, nicht darüber zu sprechen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beleuchtet noch die weiteren Anklagepunkte und schließt mit dem Antrage: die von dem Aligeschnldigteii eingelegte Berufung zu verwersen, die Vor. enlscheidung insoweit anfzuhebe», als der Angeschrildigte in vollem Umfange der Anklage für schuldig zu erachten und diesem sämiut- lichen daare» Auslagen aufzuerlegen seien. Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. K o f f k a: Die Vertheidigung muß zunächst hervorheben, daß, nachdem dem Kolonialdirektor Dr.Kayser, dem Reichskanzler Grafen Caprivi sämmtliche Anklagepunkte bekannt waren, ja nachdem selbst dem Kaiser alle Anklagepunkte berichtet waren, er von Er. Majestät zum derilsche» Reichskonnnissar ernannt und durch Verleihung eines Ordens ausgezeichnet wurde. Es war doch Sr. Majestät dem Kaiser zweifellos bekaniit. welch große Pflichten mit dem Amt eines Reichskommissars für Dentich-Ost-Airika verbunden waren. Der Angeschuldigte war genöihigt, mit äußerster Strenge, ja mit einer gewissen Grausamkeit zu verfahren, wenn er sich mit seiner Truppe von 35 Mann, denen tausende Soldaten der benachbarten Häuptlinge ! gegenüberstanden, halten wollte. Ich finde es begreiflich, wenn man sagt: wenn unsere Kolonialpolitik derartiger Mittel bedarf, dann lieber zum Teufel mit unserer ganzen Kolonialpolitik. Wenn aber jemand sagt: ich will die Kolonialpolitik, verwerfe aber die Mittel, dann finde ich das u n b e g r e i s l i ch. Wer die Sache will, muß auch die Mittel wollen. Der Ver- lheidiger geht hierauf auf die einzelnen Anklagepunkte ein und fährt dann fort: Dr. Pelers habe niemals am grünen Tisch gesesjen. Daher erkläre sich vielleicht so manches. Dr. Peters mag Fehler haben. Der Vertheidiger schließt mit dem Antrage, die Vor- -nischeidung aufzuheben und auf kostenlose Freisprechung des An- geklagten zu erkennen. Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. S ch a r I a ch- Hambnrg: Ich habe Herrn Dr. Peters die Vertheidigung angeboten, da es sich hier nicht um die gewöhnliche Anklage gegen einen Beamten, sondern um die deulsch-nationale Ehre, zum niindesten um die deutsche kolonialehre handelt, und weil ich der Ueber- zeiioung bin, daß in der vorliegenden Sache ein Freispruch erfolgen muß. Der Vertheidiger beruft sich alsdann ans die Schrift von Weitmanu, die in 14 Auslagen und 9 Sprachen erschienen sei. In dieser sei Dr. Peters als der verdienstvollste Ätsrikasorscher bezeichnet worden. Der Vertheidiger beruft sich im weiteren aus Stanley, der noch bedeutend größere Graiisainkeiten begangen habe als Dr. Peters. Er würde den Dr. Peters für eine» Verbrecher hallen, wenn der- selbe nicht die Jagodja hätte hinrichten lassen. Er sei überzeugt. wenn der Abgeordnete Bebel im Reichslage nicht so unerhört gelogen hätte und der gefälschte Brief an den Bischof Tncker nicht produzirt worden wäre, dann wäre eS nie- mandcm eiiiaesallen, diese längst verjährte Sache wieder ausznaraben. Dr. Peters sei willens gewesen, freiwillig, unterVerzicht aus jedePeiiston, sein Amt niederzulegen. Er(Vertheidiger) habe daraufhin Herrn Dr. Pelers gesagt: er würde ihm nicht mehr die Hand reichen, wen» er seine Beamtenehre nicht bis zum letzten Augenblick vertheidigen wollte. Würde Dr. Peters vernrtheilt, dann würde sich das Urlheil mit den fünf Jahre lang gehegten Ansichten des g e s a in>n t e n K o l o» i a l am t e s einschließlich mit denen des früheren Kolonial- Direktors Dr. Kaiser und des Reichskanzler Grafen von Caprivi in direktem Widerspruch befinden. Wen» nun das Urtheil des ersten Richters sagt: die Verdienste des Angeschntdigten koiint«» bei der Strasznmessnng nicht in betracht kommen, da diese Verdienste in eine Zeit falle», in der Dr. Peters noch nicht Beamter war, so ist dies für jede» Deutsche» geradezu beschämend. In der Ge- jchichte der deutschen Kolonialpolitik werden die Verdienste des P-ters eine dauernde Stelle erhallen. Wenn Dr. Peters wirklich Vergehen begaiige» hat, so werde» dies« sehr bald aus dein Gedächtniß«ntsch winde», daran wird auch die bekannte Reichstags-Sitzuiig nichts ändern. Daß in dieser Reichstags« Sitzung»jemand ausgetreten ist, um die Verdienste des Dr. Pelers hervorzuheben, gereicht dem deutsche» Ansehen auch nicht zur Ehre. Die Person des Dr. Peters muß den Parteien weit entrückt werden. Einei» solchen Mann, wie Peters, die Ehre abzuspreche», sollte man nicht für etwas Selbstverständliches halten. Der dritte Vertheidiger, Rechtsanwalt Gundlach bemängelt in längerer Rede die lltechtlichkcit des Verfahrens und beantragt die Ladung des frühere» Neictiekanzlers Grafen v. Caprivi, des früheren Kolonialdirektors, jetzigen Reichkgerichts-Senatspräsidenlen Dr.Kayser, der Veranda saß,«M�WWWWWIWMMMPWWWMWWWWWWI..... Jagadjo sei»ach geschehener Anspeitschung in�Ketlen gelegt und in des Lienlenants Brousart v. Schellendorff, des Afrika-Reiseiiden zweitägige» Zwischenräuine» vo» neuein ausgepeiischt worden. De»/ Dr. Slauman», des Lazarethgehilsen Whiest, sowie des Majors von Todesurtheil derJagodjo habe er alsBeiMeiider mirgewirktunddasselbt Wißmann, des Afrikareiseiiden Bnmiller und des Gouverneurs auch mit utrterschrieben. Ereriiiiiercsich dieses Vorganges»och ganj Scheele.— Nach einer längeren Erwiderung des Vertreters der genau. Dr. Peters habe diese Hinrichtung nicht gewollt, derselbe sei aber Überftiimiit worden.— Verth.: Haben Sie die Ans- peitschung der Weiber als ein« unmenschliche oder mißergeivöhnlich grausaine gehalten?— Zeuge: Herr Rechtsanivnll, ich bin acht Jadre in Ostafrika gewesen und kann nach meiner Kenntniß der Ver- hältnisse die Auspeitschmig weder für eine un mensch- liche,»och für ei»« außergewöhnlich grau- s a m« bezeichnen. Nach einer kurze» Pause veniersi der Präfident: Es sei i» der Berufungs- Rechtfertigungsschrift gerügt, vorden, daß, nachdem zivei Untersiichmigen eingestellt, die Eröffnung einer dritten nicht mehr zulässig sei. Er könne aus de» Akte» konstatiren, daß wohl über das Verhalten des Dr. PeterS an den Reichskanzler von Seilen des Gouverneurs von Soden be- richtet,«in« Untersuchung aber nicht eröffnet worden sei. Die Untersuchung sei formell erst durch die bekannte Reichstagisttzung im März 1393 eröffnet worden. Der Präsident verliest die Berichte des Gouverneurs vo» Sode». In diesen wird das Verfahren des Angeschuldigten als vollständig ungerechtfertigt bezeichnet. Auf Antrag des Bertheidigers, Rechtsanwalts K o f f k a, ivird das Patent, wonach der Angeschuldigte am 18. Mai 1334 znni, Reichskommiffar ernannt ivorde» sei, verlesen und außerdem sest> gestellt, daß der Angeschuldigte gleich daraus eine» Orden er- halten habe.— Es»imint hieraus das Wort der Vertreter der Staats- anivaltschast, Geh. Leaatimisxgjh Hell iv).g dB«! den, ersten Zusammen- tritt des kaiserliche» DiszipliiiartzoiS für die deutschen Schutzgebiete hat sich dieser DiSziplinarhof mit einer Angelegenheit zu beschäftigen, die in ganz Deutschland, ja weit über die Grenzen Dentschlands hinaiis das größte Aussehe» erregt hat. Di« hohe» Verdienste des Dr. PelerS um die deutsche Kolonialpolitik sollen nicht im geringsten verkannt werde». Man wird es daher der Re- gierung nicht zui» Vorwurf machen köniien. daß sie erst nach eingehendster Prüfung, nachdem die erhobenen Beschnldigungen objektiv und subjektiv geprüft wurden, gegen einen solch' vervicnst- vollen Mann wie den Angeschnldigte» das Unlersuchungsverfahren eröffnet bat. In der bekannten Reickslagssitzung im März 1393 wurde eines Briefes erwähnt, den der Angeschuldigte an de» Bischof Slaatsanwaltschast, Geh. Legationeraths Hellwig bemerkt Ver- lheidiger Rechtsanwalt Dr. K o s f k a: Major v. Wißman» habe das Aei hallen des Dr. Pelers gebilligt und habe sich bereit erklärt, als Sachverständiger vor diese», Gerichtshose zu erscheinen. Er de- antrage daher, die Ladung des Majors v. Wißman» als Sach- verständige». Nachdem nochmals der Vertheidiger, Rechtsanwalt Scherlach, das Wort genoinmcli, zieht sich der Gerichtshof gegen 5'/« Uhr abends zur Berathung zurück. Gegen 3l/4Nhr abends verkündet der Präsident, Kammergerichts- Präsident Drenknian» folgendes Urtheil: Der Disziplinarhof hat die Vorenlscheidnng aufgehobe», de» Angeklagte» in vollen» Umfange der Anklage für schuldig erachtet,»»d deshalb den Angeschuldigten mit der Dienst- e n t I a s s u» g und mit der A n s e r l e g u n g s ä in i» t l i ch e r Kosten des Verfahrens bestrast. Es ist zunächst die Rechtsgiltig- keil des Verfahreiis bemängell worden. Der Gerichtshof hat diesen Eiiiwand nicht für stichhaltig erachtet. In, weiteren istj «ingewendet und unter Beweis gestellt worden, daß die Negienliig die Anklagepunkte kannte und trotzdem die Unlersnchnng nicht nur nicht einleitete, sondern den A»- Peschuldigleii»och besörderle. Der Gerichlsyof giebt dies als möglich zu: dieser ist aber in seinem Urtheil unbeschränkt. Es kann für den Gerichtshof vollständig gleichgiltig sein, ob die Regierung früher die Sachlage anders beurtheilt hat, der Gerichtshof hat lediglich das vorliegende Material zu prüfen. Die Ladung der vorgeschlagenen Zeugen hat ver Gerichtshoj als unerheblich abgelehnt. Das Zengniß des Lieutenants v. Brousart koiumt bei Benrtheilung dieser Lag« wenig in betracht; es kann daher sehr glcichgiüig sein, ob und inwieiveil Herr v. Brousart glaubwürdig ist. Auch das Zengniß des Lazarethgehilsen Whiest ist vo» keinem Belang. Was die Vachs selbst anlangt, so hat der Gerichtshof es als er- wiesen erachtet, daß der Angeschnldigte den Mabruk hat hinrichten lassen, weil er ihn in Verdacht halt«, daß er. mit seinen Weibern sexuelleii� Verlehr gehabt habe. Der An« s Tncker gerichtet haben sollte. Dieser Brief existirt nicht. Allein der I geschuldigte halle dazu kein Recht. Daß die Station anderen« Tau» gefayrdei war, konnte ver Vcrichtshos nicht einsehen. Es ist die Bnnehmung von Sachverständigen beantragt worden. die bekrmden sollen, daß die Berhällnisse am Kilimandscharo andere als ,» Deutschland seien. Der Gerichtzhos nimm! dieZ auch ohne Vernehmung von Sachverständigen an. Dies rechlferligl aber noch nicht die Hinrichtung des Mabruk. Der?lngesch»ldigle muß auch gefühlt babeu, daß er Unrecht begeht, sonst hätte er»ichl einen solche» Bericht über die Hi»richt»ng a» seine vorgesetzte Behörde erstattet. Der Angeschuldigte hat berichtet: Sämmtliche Europäer aus der Slation ivaren mit de», Urtheil einverstande» i das eine Ulnvnhrheit; zum mindesten war der Maler Kunert mit der Hinrichtung nicht einverstanden. Auch in der falschen Bericht- erstattung hat der Gerichtshof ein Amtsvergehen erblickt. Die Kriegs- erklärnng an de» Sultan Malamia erachletderGerichtshof für ein schivereS Dienstvergehen, zumal dadurch die schlimmsten Folgen hatten ent- stehen können. Der Gerichtshof ist der Ansicht, daß dem Angeschuldigten ein Recht auf die ihm geschenkten Weiber in keiner Weise zustand und daß er ohne deren Willen dieselben nicht behalten durfte. Deshalb hatte er kein Recht, die Herausgabe der enlflohenen Weiberzu ver- langen, noch dieselben durchpeitschen zu lassen. Der Gerichlshos halt die Auspeilschung für eine besondere G r a u s a in l e i t Auch die H, n r> ch l u>. g d e r I a g o d j o hält der Gerichlshos Lu f 0J? 1 U1" b e r e ch I j g t. Daß diese Hinrichtung im Interesse der Sicherheit der Station geschah, hat iii, übrige» der Angeklagte selbst nicht behauptet. Auch die Aeußernng des An- geschuldigle» im Hotel Bristol in Berlin hält der Gerichlshos für ein Benehmen, das der Würde eines Beainlen nicht entsprach. Der Gerichtshof verkennt keineswegs die großen Berdleuste. dies der Angeklagte um die deutsche Kolonialpolitil fich erworben hat. Wenn der Borderrichter sagte, diese Verdienste könnten nicht i» betracht kommen, weil dieselben in eine Zeit fallen in der der Angeklagte noch nicht Beamter war. so ist dies vollständig unrichtig. Allein alle diese Berdiensle nützen nichts, ivei», der Gerichtshof zu der Ueberzeugung gelangt daß der Angeklagte sich Amtsvergehen schuldig gemacht hat. die es erforderlich machen, ihn nicht ferner im Amte zu b e- lassen. Es ist daher, wie geschehen, erkannl worden.(Schluß der Sitzung gegen 83/4 Uhr abends). IDstutci- ft achvichten. Preußische Landtags, vahlc». Der Vorschlag Bebel'? in der„Neue» Zeit", die N e i ch s t a g s f r a k t i o n solle an stelle des nach Ansicht Bebel's iverthlosen Hainbnrger Beschlusses eine» passen- den Vorschlag ausarbeiten und ihn der Gesainmlpartei zur Ent- scheidung vorlegen, ist von der Parteipresse meist ohne Bemerkung registrirt worden. Von den Blättern, die sich darüber äußerten. neigt die Mehrheit dem Vorschlage zu. Wir lassen die Urlheile hiermit folge»: ., B o l k s b o t e" in Stettin: Dieser Vorschlag findet unseren vollen Beifall. „ V o l k s b l a t t für Harburg": Uns erscheint der Weg gangbar und wir empfehlen hiermit de» Versuch, ihn zu beschreite». Selbst im»»günftigsten Falle, also bei negativem Erfolge des Versuchs, können wir dabei nichts verliere». Diese Befürchtung scheint uns aber noch lange nicht vorhanden. „Volks wa cht" in Breslau: Wenn es nicht rathsai» erscheinen sollte, den nächsten Parteitag erheblich früher, wie bisher, zusammentrete» zu lassen— und die vom Geuvssen Bebel gegen die frühzeitige Einberufung angeführte» Bedenken sind gewiß beachtens- werth—. dann bleibt in der That nur der dritte von Bebel ge- zeigte Weg gangbar. Wir freuen uns, daß endlich von berufener Seite der Versuch gemacht wird, die Partei aus der unhaltbare» Situation herauszuführen, in die sie durch den Beschluß des Hain- burger Parteitages geralhen ist. und wir sind sicher, daß bei dem gewiß nicht zu bezweiselnden guten Willen aller maßgebenden Faktoren diese Absicht gelingen wird. „Volks st im ine" in Frankfurt a. M.: Wir können diese» Ausführungen nur zustiinmen und wünschen, daß die New erörternng der Landtagsfrage wen» nicht durch einen anßerordent- lichen Parteitag, so auf dem von Bebel bezeichneten Weg vor- genonnnen wird. Vorzuschlagen hätte» wir höchstens noch, daß zu Berathungen der Reichstags-Fraktion auch diejenigen Landtags- Abgeordneten unserer Partei zugezogen würden, die nicht gleichzeitig Reichstags-Abgeordnete sind. „Mainzer V o I k s z e i t n» g": Dieser Vorschlag scheint uns noch besser als der von uns gemachte eines kleine» anßerordent. lichen Parteitags, da er die Entscheidung wirklich der Masse der Parteigenossen anheiinstellt. Und eine Regelung der Frage ist allerdings nothwendig. „V o l k s f r e» n d" in O f f e n b n r g: Auch wir sind der An- ficht, daß der Beschluß des Hamburger Parteitages ein« Halbheit bedeutet, die so oder so aus der Welt geschafft werden muh, wenn sie nicht zu sehr enisten Streitigkeiten führen soll. Ueber die soeben in den badischen Landtagswahlen mit den Kompromissen gemachle» Erfahrungen der badischen Genossen werden wir i» nächster Zeit in einem Artikel berichten. Dagegen.schreibt die„ V o l k s st i in m e" in Magdeburg: Die Fraktion wird sich wohl hüten, den Beschluß des Parteitages zu korrigiren. Der Beschluß ist von dem Parteitage gefaßt und nur dieser kann ihn korrigiren oder beseitigen. Derselben Ansicht ist ein„alter, mit der Parte! und den Partei- Verhältnissen auss innigste vertrauter" Parteigenosse, der in der „Leipziger Volkszeit ung" schreibt: Die Fraktion wird über den Parteitag gestellt. Das ist gegen das Grundgesetz der Partei, die in dem Parteitage ihre oberste Instanz hat." Die Redaktion des„Vorivärts" hat bereit? früher erklärt, daß der Hamburger Beschluß mir durch einen neuen Parteitag abgeändert werde» könnte. So lange das nicht geschehen, behält der Beschluß seine Giltigkeit. Feststelleu wollen wir hierbei, daß Genosse Bebel in der„Neuen Zeit" die Entscheidung der Sache durch eine» Parteitag selber als die geeignetste Instanz anerkennt; nur die Schwierigkeiten, die der baldige» Einberufung entgegen- stehe», veranlaßten ihn zu dem in Rede stehenden Vorschlage. Nn die Parteigenossen deö Kreises Teltow-Beeskow-Charlottenburg. Parteigenossen! I» wenigen Monaten sind die Reichstags- Wahlen, es ist deshalb nothwendig, mit alle» zu Gebot« stehenden Mitteln die Agitation zu beginnen. Wie Euch bekannt, habe ich persönlich einen Theil der Geschäfte des Kreises geführt, doch läßt sich das mit der Dauer nicht mehr durchführen. Es findet deshalb am S. Dezember, nachmittags 1 Uhr, in Berlin im Lokal Lindeustr. 106 eine öffentliche Kreiskonferenz statt mit der Tagesordnung: l. Rechnungslegung über Einnahmen und Nnsgaben des Kreises; 2. Beschluß- sassmig über ein Reorganisations- Statut; 3. Wahl eines Kreis- Vertrauensmannes und dessen Stellvertreters; 3. Wahl von Revisoren; 4. Wahl von zwei Mitglieder» zur Preßkommission; b. Erneniiung eines Wahlkoinitees. Ich schlage Euch vor, in allen Orlen des Kreises öffentliche Versanimluiigen einzubernfe», um Delegirte zur Kreiskonserenz zu wählen. Jeder Ort kann bis zu drei Delegirte senden. Ehrensache der Parteigenossen des Kreises ist es, dafür zu sorgen, daß jeder Ort durch Delegirte vertreten ist, um mitzuwirken an einer besseren Gestaltung ilnserer Organisation im ganzen Kreise sowie zum Wohle der Gesainmlpartei. Mit sozialdemokratischem Gruß Fr. Z» b e i l. Berlin. Lindenstr. 106. Als ReichStagSkandidat für den sächsischen Wahlkreis Pirna ist wieder der Parteigenosse F r ä ß d o r f aus DreSde» ausgestellt. A„s Burgstädt i. S. wird uns geschrieben: Eine äußerst stark besuchte Parteiversaniinlung für den lS. sächsischen Reichstags-Wahlkreis, die am Sonntag im Saale des Erbgcrichts zn Göppersdorf abgehalten ivurde, beschäftigte sich mit der Ernennung eines Kandidaten für die bevorstehende Reichstags- wähl, da der bisherige Vertreter des Kreises, Genosse Albert Schmidt in Magdeburg, seine Wiederaufstcllung abgelehnt hat. Einstimmig wurde als Kandidat Genosse Karl Pin kau ai� Leipzig vroklamirt. Pinkau erklärte fich unter stürmischem Beifall zur Annahme der Kandidatur bereit. In Elmshorn hat unsere Partei, nachdem am Freitag zwei Sozialdemokraten gewählt worden sind, nunmehr vre, Vertreter im Stadlverorduelen-Kollegium. Bei der Biirgcrvorsteherivahl tu Lehe in Hannover wurden in der drillen Klasse die von der Arbeiterpartei aufgestellten Kandi- date». Schlosser Vosteen und Schmied H o s m a n n, mit je 403 Stimmen gewählt. Von zirka 990 Wahlberechtigten übten S9S ihr Stimmrecht aus. Polizeiliches, Gerichtliches rc. — Wegen Unteroffiziers- Beleidigung wurde Reichstags- Abgeordneter Wilhelm Schmidt in Frankfurt a. M. als verantwortlicher Redakteur der„Bolksstimine" vom Landgericht zu 300 M. Geldstrafe oder 60 Tagen Gefängniß oerurtheilt. — Wegen Beleidigung des Pfarrers C e t! a in M ü l- Hause» i. E., der bei der Geineinderathswahl Kandidat des Zentrums war. wurde Reichstags-Abgcordiieter B u e b, zufolge einer Privatklage des Pfarrers, vom Schöffengericht zu 2 Monaten Ge- sängniß oerurtheilt. Das Landgericht hat dies Urtheil jetzt bestätigt, indem es Bueb's Revision verwarf. Er wird nun Revision beim llieichsgericht einlegen. Außerdem ist Genosse Bueb. wie bereits mit- getheilt worden ist. rechtskräftig noch zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe wegen Beamteubeleidigung oerurtheilt. Gewerkschaftliches. Berlin und Unigcbuug. Der Fachvereiu der Stellmacher beschloß, sich dem Holz- arbeiler-Verbaude anzuschließen Eine Kommission von b Mann ivurde beauslragt, mit dem Holzarbeiter-Verband wegen der Ueberlritls- bedingunge» in Unterhandlung zu treten. Verloren wurden zwei vom Verein der graphischen Arbeiter ausgegebeue Saimnelliste» für die englische» Maschinenbauer. Die- selben tragen die Nummern 47 und 48; auf der ersteren sind 7,20 M. gezeichnet, die andere war leer. Es wird gebeten, die Liste», falls sie zum Zeichnen vorgelegt werde», anzuhalten und»ach de», Vereins- bureau. Neue Friedrichstr. 86, zu seudeu.I Deutsches Reich. Die streikenden Metallarbeiter der Sleltiner Nähmaschinen- fabrik von Stow er beschlossen, der Firma de» Voischlag zu unterbreite», die Abzüge auf 15-20 pCt. zu ermäßigen. Sollte die Direktion auf dieser Grundlage die Verhandlungen ablehne», so werden die Ausständigen das Geiverbegmcht als Einigungsamt am rusen. Reichenbach i. V. Das Personal der Ä. Fischer'sche» Brauerei ist mit der Verwaltung in Differenzen geralhen. Zuzug ist sernziihalten. Tie Miiuchcuer Gewerkschaften haben die Vorarbeiten für die Errichtung eines Arbeitersekretariats soweit gefördert, daß in nicht zu ferner Zeit das Institut eröffnet werden kann. Ter Ausstand in der Tischlerei von Christ».Quark in Gotha ist durch das Eulgegenkonniie» der Firma beendet. Die Arbeiter haben eine Verkürzung der Arbeitszeit von Iv'/e auf 10 Stunde» erreicht. Die Glacehandschilhmacher bei der Firma Jung mann i» Breslau— 87 au der Zahl— sind am Montag in den Streik eingetrcte», nachdem eine Einigung über die bescheidenen Forderungen der Arbeiter nicht zu stände gekommen ist. Der deutsche SccmaniiSkottgrcst trat am Montag Nachmittag in Hamburg zusammen. Die hauptfächlichsten Hafenstädte waren durch Delegirte vertreten und nehmen an de» Sitzmige» die Reichstags-Abgeordnete» Gerisch. Molkenbuhr und Metzger theil. Die Generalkommissiou der Geiverkschaste» hat den Reichstags. Abgeordnete» Legten als Vertreter e»lsa»dt. Die bescheideneu Bergleute der Grube„Amanda" bei Nau- bor»(Kreis Wetzlar) habe» am l. November die Slrbeit eingestellt. Aus Befehl ihrer weniger„bescheidenen" Herren(Gesellschaft Bnderus) sollten sie ihr Frühstück, Kaffee und Brot nicht mehr außerhalb der Grube einnehmen. Die Grube ist schlecht gelüftet, überhaupt für Lebe» und Gesnudheit der Arbeiter eine der geiährlichste» des Reviers. Es mar vorher ein altes Herkouuuen, daß ans dem Gruben- haus zur Frühstückszeit kochendes Wasser bereit gestellt war, um den Bergleuten den Genuß heißen Kaffees außerhalb der Grube zu er- möglicheu. Das Frühstück nahm etwa eine halbe Stinide i» Anspruch, was die Grubenvermaltuug veraulaßte, die Ruhepause zu verbieten und kein heißes Wasser mehr bereit zu halten. Die Bergleute sind der Ansicht, daß es in dieser Grube die ganze Schicht hindurch nicht aiisjuhaltcn sei und verweigerte» am I. nud 2. November die An- fahrt. Am 3. November, als die Buderns'sche Verwallung die Mit- »ahme eines Schnäpschens(für 5 Pf.) zusagte, ivaren die Differenzc» wieder beigelegt»ud die„Bescheide»-»" sind wieder angefahrei, Die Bergleule sind nicht orgauisirt, sie gehören keinen, der bestehende» Bernfsverbände an. Wir sind der Ueberzeugung, daß organisirle Arbeiter den Kompromißschnaps zurnckgewieseu hätten. Bei den„be- scheide»?»" Bergleute» ist das freilich etwas anderes. Bezeichnend ist, daß die Wetzlarer Blätter sich bis heute über diesen Streik aus. schwiegen, obwohl die Grube nur 3/« Stunden von der Stadt ent- fern! ist. Ausland. Zum Kampf der englischen Maschincubaucr. Die Sonn- abend»»»»»« der„Daily Chronicle" theilt mit. daß die Bor- konserenz für Montag(also gestern) Nachmittag angesetzt mar. Zu dieser sind vo» seiteu der Unternehmer Colonell Dyer, Direktor der Armstroug-Werke und Herr H e n d e r s e n von Glasgow delegirl, die Arbeiter haben den Sekretär der Engeeners G e o Barnes und S e l l i ck s, de» Vorsitzende» des Exekutivkomitees der Vereinigten Gewerkschaften entsandt. Dieser Zusammenkilnst fiel nur die Aufgabe zu. die»olhwendigen Formalitäten zu erledigen. Die wichtigste Frage wird die sei», o b ei» uuparieiischer Vorsitzender zuzulasse» ist und wer das sein soll. Die Unternehmer scheine» in dieser Be- ziehung anf ihren, ablehnende» Standpimkte beharren z» wolle». Sie behaupten, einem Laien gingen die»öthige» technische» Kennt- nisse ab. Die Arbeiter dagegen haben es stets als eine»„bedingte Nothwendigkeit bez-ichnet, daß ei» unparteiischer Vorsitzender die Verhandlunge» leite. Trotz dieser gegensätzlichen Anschailiina hofft man doch, eine Verstäudiguug zu erzielen.— Die Aussicht aus eine» baldigen Friedensschluß hat den Opferinnth der Arbeiter nicht beeinträchtigt; am Freitag sind allein 3000 Pfund Slerl.(60 000 M.) eingegangen. �# V o n, Genossen Barnes werden wir ersucht, den deutsche» Genossen, welche Unterstützungsbeiträge gesandt haben, aufs herz- lichste zu dankeii.„Ich wollte— so schreibt er uns— ich wäre im stände, den Gefühlen der Dankbarkeit Aiisdruck zu gebe», die ich, und die wir euglischen Arbeiter all, für die dentscheu Kameraden hege»! Wir werden unsere Dankbarkeit durch die That beweisen, indem wir für die gesammte Arbeiterklasse Viesen Kampf zu s i e g r e i ch e m E n d e führe». Unsere Erfolge werden dauernde sei»!„Die deutschen Arbeiter dürfe» u» S vertraue»." Barnes bittet dann»och die deutschen Genossen, die von ihm kein« Quittungen für übersandle Gelder empfange» haben, ihm genaue Adressen anzugeben. Mit den Adressen hapert es vielfach. AnS Loudou berichtet die«A. K.": Der Londoner Gewerkrath hat am Freilag beschlösse», den parlamentarischen Ausschuß des Geiverkvereins-Kongresses aufzufördern. sofort die»öthigen Schritte zum Zusa,»m»>, tritt einer nationalen Konfereuz von Arbeitervereine» zu thu».__ Sozislvs. Ungesetzliche Beschränkung deS freien Arbeitsvertrages. Die Bäckeriniiuiig in Dresden hat beschlösse», dem Statut folge, iden Nachtrag beizufügen:„Die Jnnungsmitglieder sind ferner ver« pflichtet, ihr sämmtliches im Gewerbe beschäfligles und nach dem Krai'kenvcrsicheruugs- Gesetze oersicherungspflichliges Personal bei der Jnnungs-Kraiikenkasse zu versichern und deshalb init diesen» dem entsprechend den Arbeitsvertrag zu vereinbare». Auf das zur Zeit des Jnkraftlreiens dieses Nachtrages in Be- schäftiguiig stehende Personal findet diese Bestimmung bis zu einem etwaigen Arbeitswechsel keine Nniveudung." Diese stainlarische Vorschrift steht in schärfstem Widerspruch mit § lOOc Abs. 2 Nr. 4 der Geiverbe- Ordnung und§ 73 Abs. 2 des Kraiikeiiveisicherungs-Gei'etzes, soweit es sich um Mitglieder der freien Hilsskasse handelt, ß 100c Abs. 2 Nr. 4 der Ge- werbe- Ordnung lautet:„Gesellen, welche bereits einer ein» geschriebeue» Hilfskasse angehören, können, so lange sie an derselben delheiligl sind, zum Eintritte in die entsprechende Uuterstiiyungs- lasse der Innung nicht gezwiiugen werden." Darnach versucht die Jnniiiig also, entgegen de» im öffent- lichen Interesse gegebenen Gesetzen, ihre Mitglieder zu zwingen. ihrerseits eine Nölhigung der Arbeiter zu verüben. Eine! Beschwerde ist vo» der Kreishauptman»- schast abgelehnt worden. Weitere Beschwerde ist beim Ministerium des Innern erHobe». Abgegangen ist ste, ivie die„Sachs. Arb.-Ztg." »iitlheilt, am 26. Juni, am 17. September ist erinnert worden, aber d e r B e s ch e i d steht noch i in i» e r a u s. Inzwischen praklizirt die Innung ihr angebliches Reckt. Ver- schiede»« Jnnuiigsmeister, die dem Jiiiiuiigsbeschlusse»ickl nachkamen, weil sie ihn für uiigesetzlich hielten, ivurde» mit Stras- auflagen bedacht, Sie führte» dagegen Beschwerde beim Stadl- ralh»Iid dieser vertagte die Entscheidiiiig, bis das Miiiisteriili» über die Beschwerde der Hilfskasseu enlschiede» hat. Auch gegenwärtig bekommt jeder Meister, der eine» Gesellen annimmt und ihn nicht bei der Ju»»»gSkasse anmeldet, eine Slrafandrohnng über 30 M. Andere Meisier ziehen de» Geselle», ohne weiter etwas zu sagen, einfach die Beiträge zur Ju»>l»askasse ab. Solche Ge- sclle» sind veranlaßt worden, beim Gewerbegericht ans Heraus- gäbe der Beiträge zu klagen; doch auch hier ist»och keine pn»- zipielle Eulscheidmig gefällt worden; entweder der Verklagt« kommt»lcht zum Termin, läßt sich durch Aersäilmnißurlheil ver- »rlheilen und zahlt, oder er läßt sich im Vergleichswege noch vor dem Dorlermiii»nr Zahlung bewegen; der klagende Geselle hat aber seine Arbeit verloren. Dadurch. daß das Ministerium so lauge auf seinen Entscheid warte» läßt, hat die sreie Hilsskasse der Bäckergehilsen natürlich schweren Schaden. Zu zwei Kassen Beiträge zu leisten, dazu ist der bekanntlich sehr schlecht gelohnte Bäckergehilfe am wenigsten in der Lage. Möglicher iv eise i st die freie Hilsskasse der Bäckergehilfe» bereits zu gründe gerichtet, bevor der Eutscheid des Miiiisteriuins, das selb st- verständlich den gesetzividrigen Beschluß der Innung aufheben muß, e i u t r i s f l. Arbcitcr-Risiko. Au M i lz b r a u d gestorben ist in Wandsbek der Gerber G r o ß m a» n, der in der Hinscheuselder Ledersadrik thätig ivar. Schon im Sommer d. I. ist i» derselben Fabrik ein Arbeiter der gleiche» Kraulheit, die in den meisten Fällen lödllich velläust. zum Opfer gefallen. Aus Teplitz wird telegraphirt: Im Relson-Schacht stürzle eine mit siebe» Personen besetzte Fördirschaale in den Schacht; die Bergleute ivnrden schwer verletzt. Soziale Meckzkspflege. Weil er sich durch seinen Meister beleidigt fühlte, hatte der Schlächtergeselle F. die Arbeil beim Schlächtermeister Ullrich i» Charlotlenburg plötzlich verlassen. Der Meister soll dem Gesellen nämlich, weil dieser nicht rechtzeitig zur Arbeit erschien, gedroht haben,„er werde ihn i» die Fr.... schlagen". Der Geselle ver- ließ hierauf die Arbeitsstätte, der Meister weigerte sich, ihm den iückstäudigen Lohn von 12,50 M. auszuzahlen, weil er durch die plötzliche Arbeilsniederlegung des Gesellen einen Schaden in der gleichen Höhe erlitten habe. Das Gewerbegericht zu Charlottenburg hielt aber den Schaden nicht für erwiese» und verurtheilte de» Meister zur Zahlung des rückständigen Lohnes, da es annahm, daß der Geselle berechtigt war, wegen der ihm widersahrenen Beleidigung die Arbeit ahn« Kündigung zu verlassen. Wie wir höre», soll der Vorsitzende de? Charlottenburger Gewerbegerichts, Stadtrath Boll, in der ersten Verhandlung die Drohung des Meisters, er werde den Gesellen in die Fresse schlagen, für nicht beleidigend erklärt habe». Ob wohl der Herr Stadtrath, ivenn ihm selber ein so liebenswürdiges An« erbiete» gemacht wird, dasselbe ruhig einstecken würde? Gevi�zts�Äeikung. Eine»ene Niederlage deS Magistrats im Kampfe mit den Bllreau-Hilfsarbeitern ist zu verzeichnen, und zwar hat sich diesmal — was bezeichnend ist— das L a n d g e r i ch t gegen de» Magistrat erklärt, indem es in dem Prozesse des Bureau- HilssarbeilerS H e n ii i ck e gegen die Stadtgemeinde zn folgendein Urtheil kam: „Der Magistrat wird verurtheilt, de» p. Hennicke als lebenslänglich angestellten Beamte» mit Pensioiisberechliguiig anziierkeiine» und die Prozeßkosten zu tragen." Hierdurch sind nnnmehr die Rechte der Bnrean.Hilfsarbeit« auch von erster Instanz anerkannt worden- Klag« Hennicke ist auch der erste Bureau-Hilssarbeiler, der trotz der augestrengten Klage>»> Amte verblieb. Viel besprochen wurde im Gerichtssaale die Ankündigung des klägerische» Vertreter?, lltechts« anwalt» Meschelsohn, daß demnächst»och über 300 Feststelliliigs- klage» von Hilfsarbeiter» gegen den Magistrat anhängig gemacht werden sollen. Vom Kampf gegen die Polen. Wegen AnshängeuS einer roth» weißen Fahne ist am 10. d M. der Schlosser- meist« Stanislaus Brzozowski vo» der Straskammer i» Posen zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt worden, weil die genannte» Farben diejenigen deS früheren Königreichs Polen, dagegen die Farbe» für die Provinz Pose» durch königliche» Erlaß vom 9. November 1896 weiß-schwarz-weiß seien._ Depefrszen und letzte Muchvichkeu. Tie Organisation der Arbeitgeber zur Versicherung gegen Streiks laulete das Thema, über das der Fabrilant Herr O. Weigert gestern Abend vor einer Bersainmluug Berliner Industrieller sprach. Da wir einen ausführlichen Bericht hieriiber nachtragen, beschränken wir»ns für heule aus die Wiedergabe der vom Reserenteu am Schlüsse seines Vorlrages aus- gestellten Thesen. Um Streiks zu verhindern und die Arbeitgeber zu schütze» gegen„unberechtigte" Streiks schlägt Herr Weigert vor: Die Gründung von Arbeitgeberorgaiiisatioueii; die Errichtung von kostenlosen Arbeitsuachlveiseu; die Einführung von Arbetlerausschüsseii i» allen Betrieben; die Anrufung bezw. Aiierkeiinung des Eiuigungs- amtes bei Ausbruch eines jeden Streiks und schließlich die Ver» sicherling gegen den durch einen Streik hcrvorgerusene» Schade»— Der Redner sprach sich gegen jede gesetzliche Eiuschräiikung des KoaliUonsrechtes aus._ München, 15. Nov.(Prival-Depesche des„Vorwärts".) Der gemaßregclle Regieruugsratk Burthart vcrtbeidigt sich in spalten- langer Erklärung i» de»..Neuesleu Nachrichten" gegen die Angrisse des Finauzministers v. Riedel. Er sucht die ministerielle» Aus- lassnngeu zu widerlegen und erklärt, nicht er habe uniecht gelhaii, sondern ihm sei»inrecht geschehen. Leipzig, 15. November.(W. T. 93.) Nach einer Meldung deS „Leipziger Tageblattes" aus Falkeufieiu ist am letzte» Son»abe>id. nachmittags 5 Uhr 40 Min., dort»vieder ei» heftiger Erdstoß ver- spürt worden. Der Sturm hält ununterbroche» an. Verantwortlicher Si-daktenr: August Jacobey in Berlin. Für de» Jiiserateutheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Truck und Verlag vo» Max Babing in Vcrliil. Hierzu 1 Beilage u«»terhaliungsblatt Hr. 268. Ii IahMg. ßfilnjf i>ks Jorniiitte" Kerlim WgM».n, i».«m»»,» Dev Vlittenzmcig. Die belaiiiite Älssäve Dr. M i t t e n zweig-Knorr stand gestern nnebenim zur Verhandlung vor der IV. Strafkammer des Land! gcrichls I an. Es handelte sich m» beleidigende Angriffe des Re dntlcurs der..Charlotlenb. Nachr." gegen de» gerichtlichen Physikns Eanilätsralh D r M i t t e» z iv e i g durch einen in der genannten Zeitung veröffentlichten Artikel„Noch ein I r r e n v a t e r". Es ivurden darin eine Anzahl von Fälle» behandelt, in ivelchcn nach der Behauptung des Angeklagten Dr. Mitlenziveig unberechtigt Personen für irrsinnig erklärt habe, die ganz gesund seien. Der Artikel geht darauf hinaus, daß Dr. Mitlenziveig ein unfähiger Arzt sei, der eine unheimliche Thätigkeit eulfalte. Das Charlottenburger Schöffengericht hat den Angeklagte» ivegen der Schivere der Beleidigungen zu drei Woche» Gesängniß verurlheill der Angeklagte hat dagegen Berufung eingelegt und einen uinfang' reichen Wahrheitsbeiveis angetreten. Die letzte Verhandlung mußte verlagt werden, weil es nothweiidig war, eine Frau Lege, zu der nach der Behauptung des Aiigeklagten Dr. Miltenzweig in unlautere Beziehungen getreten sein soll, als Zeugin vorgeladen. Fra» Lege war denn auch gestern erschienen, ebenso Frau Eanilätsralh Dr. M i t t e» z>v e i g. Als Sachverständiger wohnt Geh. Rath Professor Dr. Enlenburg der Verhandlung bei. Aiisgeblieben war der frühere Staatsanwalt, jetzige Regierungsrath Dr. Stephan der sich mit Krankheit entschuldigt halte. Auch er ist in dem belr Artikel angegrissen worden. Von ihm wurde behauptet, daß einen Bruder habe, der früher Aintsrichler gewesen sei und wegen einer Amlsverfehlung seines Amtes enthoben worden sei. Der Artikel warf dem Dr. St. vor, daß er— um seinem Bruder eine Gnadenpension zu sichern— mit Hilfe des Dr. Mittcnzweig es so dargestellt habe, als ob die Verfehlung des Amtsrichters eine Folge von Geisteskrankheit sei. Der Zeuge Dr. St. hat in einer Zuschrift an das Gericht darauf hingewiesen, daß sein Bruder auch heule noch unbedenklich geisteskrank und von dem Dr. Doering in die Irrenanstalt gebracht und dort belasse» ivorden ist Der frühere Amtsrichter, jetzige Rechtskonsulent Stephan hat von Wernigerode nnS sei» Nichterscheinen entschuldigt. Der Angeklagte erklärte, ans das persönliche Erscheinen dieser beiden Zeugen nicht verzicl,te» zn könne» und überreichte eine Anzahl Briefe, die seiner- zeit Rcgierungsralh Dr. St. an seine» Bruder geschrieben habe, zum Beweise dafür, daß thatsnchlich planmäßig darauf hingearbeitet worden sei, dem Amtsrichter durch falsche Darstellung seines Geistes zuslandes eine Gnadenpension zn sichern. Er behauptete ferner, daß der Amtsrichter ein Gespräch seines Bruders mit dem Dr. Milte» ziveig belauscht habe, wonach geplant worden sei, ihn durch Ein sperrung in eine Irrenanstalt geistig„infiziren" zn lassen.— Der Gerichtshof beschloß, in die Verhandlung einzutreten. Zunächst wurde der Fall Lege verhandelt, während dieser Verhandlung wurde die Ocffenllichkeit ausgeschlossen, den Vertretern der Presse aber der Zutritt gewährt. Ein Kaufmann Wilh. Lege welcher wegen Nahrungsmittel» Verfälschung zu drei Monaten Ge fängniß vernrtheilt worden ivar, beabsichtigte ei» Wiederaufnahme- Verfahre» einzuleiten und bedurfte dazu eines Gutachtens des Sanilätsraths Dr. Mittenziveig. Dieser hatte, ivie der �euge be hauptet. inzwischen ihn mehrfach ausgesucht, aber nur selne'Frau vorgefunden. Diese habe ihm erzählt, daß Dr. M. zu ihr sehr liebensivürdig gewesen sei und sie sogar umgefaßt habe. Er sei dann eines Tages mit seiner Frau zu Dr. M. gegangen, habe sich vorher angetrunken und etwas dumm gestellt und Dr. M. habe ihn oberflächlich nach seinem Gesundheitsznstande befragt. Dann habe er ihn hinausgeschickt und seine Frau hereingerufen: als er in das Zimmer zurückgekommen sei, habe er an der Garderobe seiner Frau deutliche Anzeichen dafür ivahrgenomnien, daß mit ihr e t w a s g e s ch e h e n sein müsse. Dr. Mittenzweig habe das Attest(am 31. Mai 1304) ausgestellt: er kam zu dem Schlüsse, daß er nicht feststellen könne, daß Lege geisteskrank oder zur Zeit der That geisteskrank gewesen sei. Zeuge Lege behauptet, daß er seine Frau zur Rechenschaft gezogen und sie geschlagen habe und daß als dann seine Frau ihm zugestanden: Dr. M i t t e n z w e i g h a b e sich an ihr vergangen. Er sei darüber so er- regt gewesen, daß er beabsichtigt habe, Herrn Dr. Mitten- zweig in seiner Wohnung zu verhauen und habe sich deshalb mit einem gewissen Behrendt nach Steglitz begeben. Dort haben sie nur die Frau Dr. M. angetroffen und diese habe ihnen zugestanden, daß ihr Mann ihr alles eingestanden, sie ihm verziehen und sich mit ihm versöhnt habe. Zeuge Lege behauptete ferner, daß bei Gelegenheit eines Gnadengesuches Dr. M. ihm noch mals ein Attest ausgestellt habe, welches darauf hinauslief, daß er im hohen Grade nervös sei und die Verbüßung einer Gefängniß- strafe sür ihn gefährlich werden könnte. Der Zeuge hat übrigens seine Strafe verbüßen müsse», aber vorher Strafaufschub erhalten. Er hat dein Angeklagten später seine Erlebnisse mitgetheilt.— Zeuge Emil Behrendt bekundete: Während der Strashaft ihres Ehemannes habe Frau Lege ihm selbst erzählt, daß sie sich zu einem Rendezvous mit Dr. M. begebe und daß dieser ein Zimmer in der Krausenstraße 17 geniiethct habe, wo er mit ihr öfter zusammentreffe. Der Zeuge bestätigte, daß er eines Tages von feinem Freunde Lege aufgefordert ivorde» sei, mit ihm nach Steglitz zu gehen, da er den Dr. M. zur Rechenschaft ziehe» wolle und es nicht so aussehen solle, als ob er einen Erpressungsversuch machen wolle. Bei dieser Gelegenheit habe Frau Sanitätsrath Dr. M. z il g e g e b e n, daß ihr Ehemann i h r a l l e s e i n gestanden habe.— Die Zeugin Frau Lege sagte aus, daß Dr. Mitlenziveig im Anschluß a» das Gesuch»m«in Attest sie geküßt habe. Er habe sie auch eines Tages zi» einein Glase Bier mitgenommen und auch in ihrer Begleitung in der Zinnnerstraße ein Zinimer auf die Dauer von 14 Tagen gemiethet. Sie habe mithin den Dr. M. nur zweimal gelroffen und sei sonst nie mit ihm in Ver bindung gewesen, auch nie in intime Beziehungen zu ihm ge trelen. Dr. M. sei ursprünglich auf Requisition des Amtsgerichts zur Feststellung des Geisteszustandes ihres Ehemannes zweimal in ihre Wohnung gekonnnen, wobei er ihre» Ehemann nicht angetroffen. Bei diesen Gelegenheiten sei Anstößiges nicht passirt. Die Zeugin blieb trotz aller Vorhaltungen dabei, daß außer jenem Kuß nichts Böses zwischen ihr und Dr. M. vorgefallen sei. Der Vor- sitzende hielt ihr einen Brief vor, den sie an Dr. M. gerichtet habe »nd dessen Ton so gehalten sei, daß man wohl auf einen intimeren Verkehr schließen könnte. Die Zengin versicherte, daß sie nur»och einmal den Dr. M. aus der Hnnnoverschenstraße habe abholen sollen, ihn aber nicht getroffen habe. Richtig sei es, daß Dr. M. bei dem Mielhen des Zinnners gesagt habe, er werde Wein»nd einen chinesischen Fächer dorthin bringen lassen. Auf Befragen des An- gellagien gab die Zeugin noch an: Dr. M. habe ihr einmal gesagt, er sei bei Polle i» Paris gewesen und habe viel Geld mitgebracht. Zeugin lebt— von ihren. Manne getrennt— z. Z. in Hamburg i» der Stellung einer Buffetmamsell. Zeuge Dr. Mitten- zweig gab zn. daß er s. Z. den Eindruck gehabt habe, daß der Zeuge Lege, als er ihn zur Ausstellung eines Attestes anfgesucht, angetrunken gewesen sei. Er habe ihn untersucht»nd zwar einige Zeichen vorgesunden, die vielleicht den Ver- dacht der Paralyse attftauchen lassen konnte», sei aber doch in der Lage gewesen, das Vorhandensein von Geisteskrankheit z» verneinen. Als dann später Frau Lege zu ihm kam, um ein Attest dahin zn erlangen, baß ihr Man» wenigstens zur Zeit der That geisteskrank gewesen, habe er auch die? nicht erfüllen können. Frau Lege sei bei jenen» Vorfall sehr aufgeregt gewesen, da habe er sie in der That zu trösten versucht, sie gestreichelt und ihr auch einen Kuß g e g e b e n. Es sei auch richtig, daß er sie mit zu Steinert u. Hansen z». einer Flasche Wein genommen habe. Das Mielhen des Zimmers in der Krausenftraße habe einen ganz u»- bedenklichen Ziveck gehabt: zu jener Zeil war der Gesängniß- arzt Geh. Rath Levin gestorben, er habe die Hoffnung gehabt, diese Stelle zu bekommen, da ihm aber von maßgebender Sielle gesagt worden sei, daß er dann unter allen Umständen ein Sprech zimmer in Berlin haben müsse, so habe er jenes Zimmer einstiveilig gemiethet gehabt. Weitere Beziehungen zur Frau Lege habe er nicht unterhalten. Der etwas eigenthüinliche Brief, den die letztere an ihn geschrieben, zeige ja einen eigenthümlichen To»; dies erkläre sich aber vielleicht daraus, daß die Frau, wie sie ihm erzählt, früher Ballettänzerin gewesen sei. Er habe damals den Eindruck gehabt als sollte ihm mit dem Briese eine Falle gestellt werden. Mit Entschiedenheit bestritt der Zeuge, daß er einem Trunkenen ein ihm günstiges Allest nnsgestellt habe»nd daß dies geschehe» sei, weil er»nit der Frau angeblich intime Beziehungen»nterhelten habe. Frau Lege habe ihn am 13. November 1804 ans der Straße getroffen und ihn, gesagt, daß sie ein sehr schönes Zimmer für ihn wüßte, welches biS dahin von einem Abgeordneten bewohnt gewesen sei. Er habe gesagt, daß er jetzt aber keine Zeit habe, sondern zu Tisch wolle und da habe sich dem, Frau Lege bereit erklärt, während seines Mittagessens bei Steinert u. Hansen eine Tasse Kaffee dort zu trinken und ihm dann das Zimmer zu zeigen. Von einem„Rendezvous" bei Steinert n. Hansen sei also gar keine Rede.— Fra» Dr. M i t t e n z w e i g stellte die Sache so dar, daß sie bei dem Besuche Lege beinahe die Empfindung gehabt habe, es handle sich»in eine 9hl Eipressungs versuch. Herr Lege habe direkt gedroht, daß er die Sachen in der Zeitung veröffentliche» werde, habe einen Mann genannt, den er winde! »veich geschlagen und ihr schließlich vier Woche» Bedenkzeit gegeben. Ihr Mann habe ihr»jemals zugestanden, einen sträsliche» Umgang mit Fra» L. gehabt zu haben. Zeuge Lege blieb dabei, daß Frau Dr. M. bei jener Gelegenheit gesagt habe: ihr Mann habe ihr alles zugestände», sie habe sich aber aus einen, Familienfest wieder mit ihm versöhnt.— Der Angeklagte stellte wiederholt die Behauptung auf, daß Dr. Milllenzweig dem Zeuge» Lege noch ein zweites Attest ausgestellt habe, welches eine» Strasansschnb sür Lege zur Folge gehabt habe. Ei» solches ziveites Gutachten befindet sich nicht bei den Akte» und es soll danach geforscht werde». Da ferner der Angeklagte auch ans das Erscheine» des Rcgierungsratdes und des Amtsrichters a. D. Stephan nicht verzichtete,»»ißte die Ver- Handlung nach mehrstündiger Dauer abermals vertagt werden. Reg.-Rath Stephan wurde wegen uuentschuldigten Ausbleibens in eine Geldstrafe von 30 M. genommen. Uolmles. Zur Lokalliste. Die Mitglieder der Lokalkommissio» Berlins »nd Umgegend werden ersucht, die Lokalliste ihrer Kreise resp. Orte umgehend an Unlerzeichneten cinznsenden. Oskar Mahle, Berlin 8., Prinzenstr. 8, Seitenfl. I. Die Arbeiterpresse der Provinz Brandenburg wird um Abdruck gebeten. Arbeiter- VilduiigSschnle. Die Theilnehmer am Unterrichts- fach„Nationalökonomie" werden daraus aufmerksam gemacht, daß der Unterricht des Bußtages wegen heute, Dienstag, statt- findet. Der Vorstand. Wahlverein für den vierten Berliner NeichStagö-Wahl- kreis �Südost). Den Mitglieder» zur Kernitniß, daß seitens des Vereins au, Mittwoch— Bußtag— eine Fußpartie„»lernoinme» wird, und zwar nach Johannisthal, Glienicke und Grüna». Treff- punkt früh 8 Uhr bei Eibe, Cuvryftr. 26.— I» Johannisthal für Nachzügler vormitlags 11 Uhr bei Senftlebeu. Recht rege Be- theiligung ist erwünscht.— Siehe Versa»»mlu»gs-An»o»ce. Tie Parteigenossen dcö sechsten Wahlkreises werde» hier- mit aus die von seilen der Kaufleule einberufene, heule, Dienstag, abends 9 Uhr, i» der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee statt- findende öffentliche Versammlung aufmerksam gemacht, in der Kauf. mann Alfons Borchardl»nd unser Kandidat sür de» 32. Kommunalwahlbezirk Genosse I o h. T> m m über das Thema: Die liberale Sladtvertretung referiren werde». Der Kongreß für VolkSnnterhaltnngen sehte am Sonntag seine Beraihungen fort. Zuerst sprach Otto E r n st- Hamburg über die Dichtkunst i» ihrer Bedeutung sür das Volk. Der giedner führte i» seine», geistvolle» Vortrage aus: Wen» man de», Volke— worunter er nicht nur die arbeitende, sondern auch weite Kreise der bürgerlichen Klasse verstehe— künstlerische Unterhaltung bieten ivolle, so bereite die Bestimmung des Nivcan's der Kunst- leistungen die größten Schwierigkeiten. Man dürfe das Wort: Für das Volk ist das Beste gerade gut genug, nicht so ausführe», daß man einem aus Fabrik und Werkstatt zusamine»- getrommelte» Publikum gleich mit den höchste» Knnstleistunge» vor sie Brust springe. Durch solches Beginne» hätten die Volks- Unterhaltungen oft zn Mißerfolgen geführt. Das Volk müffe viel- mehr n»ter Führung von Künstlern oder unverdächtiger Kunst- freunde herangebildet werde». Nur durch die Kunst könne das Volk zn», Verständniß der Kunst erzogen werde», darum seien alle künstlerisch»linderwerthige» Darbietungen zu verwerfe»»nd der Ansang mit leicht velständliche». aber echte» Kunstwerke» zu mache». Man dürfe nicht glaube», eine harmlose Lektüre verhindere die Leser wenigstens, etwas Schlimmes zu thu»._ Es sei fraglich, ob beispielsweise die Marlitl- Romane für Geist und Gemiith förderlicher wären, wie der Wirlhs- hansbesuch. Jrrlhümlich sei auch die Ansicht, daß sich der Leser, bei ininderwerthiger Lektüre anfangend, mit der Zeit z„ höheren Leistungen htnauflesen werde. Man könne wohl annehmen, daß >e»iand, den, ma» leichte» Moselwein biete, sich»ach und nach hinauf- trinke bis ziim Johannisberger Kadinet zu 79 M. die Flasche. Wen» ma» aber SchnapS biete, so sei vorauszusetzen, daß sich der Trinker mit der Zeit bis zu», denaturirten Spiritus hi»»»tertri»ke. De» Trieb zum Besuch von Zirkus und Tingeltangel solle man nicht unterstütze», sonder» dem Volke Kunstleistungen ans möglichst hohem Niveau biete». Die künstlerische Bildung der Kinder sei erfahriings- gemäß leichter wie die der Erwachsenen. Eine ernsthnfte ästhetische Ki»dererzieh»»g müsse vorausgehen. wenn inan nicht bei de» Erwachsenen immer wieder mit dem A B C der Kunst anfangen solle. Der Redner wars zum Schluß einen Blick auf die Hamburger Freie Volksbühne. Dieselbe habe anfangs mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, weil ihr der Hofrath Pollini, der in ihr ein Konkiirrenzunternehme» erblickte, das Wasser abzugraben versuchte. Der Vorstand der Freien Volksbühne bestehe zwar ans Sozialdemokraten, es sei aber nicht wahr, daß sie n»r Tcndenzstücke aufführe: sie perhorreszire die Tendenz aber nicht in dem Maße, wie es andere Leutc thnn, die ede Tendenz verwerfe», wenn eS nicht ihre eigene ist. Redner hat bei den Mitgliedern der Freie» Volksbühne ein überraschendes Ver- ständniß für die Kunst gefunden. Nicht von oben herab könne de» Volkskreisen die Kunst gebracht werde». Diese Kreise länden in ihrer Auffassung höher wie diejenigen, welche ihnen die Kunst bringen wollen. Den sesselnden Ans- ührungen deS Redners folgte langanhaltender allseitiger Beifall. hierauf referirte Fritz M a n t'h n e r« Berlin über dasselbe Thema. irr spann den Gedanken a»S: Eine volksthümliche Dichtung könne nur erwachsen ans einem allen Volksschichten gemeinsamen Boden, welcher gewönne» werde durch Einheitlichkeit der Bildung und Erziehung der gesammten Bevölkerung. Der nächste Redner, Karl Simon aus Demcrthin bei Potsdam, berichtete über seine Ersah- rungen mit Volksunterhaltungen auf dem Lande. Er konstatirte, daß die Religion, welche sonst dem Landvvlke einen idealen Halt gewährt habe, mehr»nd mehr schwinde, und bemerkte mit Be- dauern, daß auch die Spinnstubenpoesie ausgestorben sei. Jedoch scheint Herr Simon, wie ans seinen weiteren Ausführungen hervor- gehl, sei» möglichstes zur Wiederbelebung derselben z» tdu», denn er unterhält eine» Kreis von Landleulen mit der Erzählung von Märchen»nd Ballade». Um aber auch de» modernen Anschauung?» giechnung zu tragen, führt er seine Zuhörer i» wissenschasl- lichen Belrachtungei, zu Sonne, Mond und Sternen, und sucht ihnen das Verständniß deutscher Dichtungen nahe zu bringen. Direktor A r ch e» h o l d von der Treptower Sternwarte führte aus. daß auch die Betrachtung des Sternhimmels, der Sonnen- und Mondfinsternisse, sowie der»ntcrgehende» Sonne, des Regenbogens und anderer Hinunelserscheittllllgen den Volkskreisen, namentlich auch den Landleute» eine Quelle edelster Unterhaltung sei,— ein Schatz, den die Vertreter der Vollsiiiilerhaltung nicht un gehoben lasten sollen Frl. Anna Henneberg-Berlin tritt für Errichtung einer Volksoper, die in Berlin ein Bedürsniß sei, ei». Hierauf referirte F r i tz T e l in a„ n- Wien über die Anfänge der Wieiier Volksbühne»- Bewegung. Er schildert eingehend die Schwierig- keiten, mit bellen dieselbe zu kämpfen hatte, bell Widerstand, de» sie sowohl bei de» Behörden, wie auch bei der sozialdemolrati- scheu Arbeiterschaft Wiens fand, welch letzlere in den Bestrebungen der Volksbühne eine Ablenkung der Arbeiter von der Parteithäugkeit »nd das Streben»ach V-rwischung des Klassenkampfes erblickte. Ein im Dezember 1896 angenommenes Gesetz babe das Thealer und dnmil auch die Volksbühne von mancherlei Beschränkungen durch die Zensur und das Konzessionswese» befreit und habe sie sich daher besser entwickeln können. In dem Widerstände der sozialdemokratischen Mitglieder gegen die bürgerlichen Ele- »icnte seien die erftere» anscheinend Sieger geblieben. Redner hofft, die Wiener Volksbühne werde sich so entivicleln» daß sie sowohl nach oben, wie nach unten iliiabhängig sei. Nach einer längeren Pause referirte Dr. 9l l b e r t D r e s d n e r« Berlin über die bildend« Kunst als Volksuuterhaltuug. Er be- zeichnete es als nächste Aufgabe der bildende» Kunst,»achzuholen, was die Schule versäumt hat, nämlich das Volk sehen zu lehre», es sür die veiständnißvolle Betrachtung der Kunstwerke fähig zu machen. Was man aus dem Gebiet der bildende» Kunst de», Volke biete. müsse ihn» bekannt sein und in inleressanler. ansprechender Weise vorgeführt»verde». Dazu sei am geeignetste» eine künstlensche Behandlung der Heimathskunde, die in Form von Projeklions« Vorträgen geboten werde» könne. An der Diskussion belheiligten sich«ine ganze Reihe von Rednern nus den verschiedenste» Orten. Unter andere», betonte t e» z e- Leipzig, daß die Vertreter der Volksunterhallungen das erlangen nach Kunstgenuß im Volke wohl wecken, aber nicht be- friedigen könne», weil es eine wirklich volksthümliche Kunst nicht gebe. Dieselbe Ansicht verlrat auch P l ö ck e r- Eckurdt. welcher darauf hinwies, daß die gegenwärtige draniaiische Kunst de» Bedürfnifse» des Volles nicht angepaßt sei. Sittenfeld- Breslau»»einle, die»»oderne Literatur biete de», Volke nichts. Die sogennnnle Armeleulpoesie finde nicht den Beifall der Vollslreise. Dieselbi» begeistern sich auch heute»och ,»il Vorliebe a» de» Werken Schilier's. Dr. v. E r d b e r g- Westend spricht als Ver- tieter eines Komitees, welches in der Berliner Garnisonkirche musikalische Aufführungen sih Arbeiter veranstaltet. 12 999 Arbeiter, darunter viele Sozialdeinokralen, hätten der Aufführung der Messias- passion beigewohnt. Das Komilee veranstaltet auch Führungen von Arbeitergruppen durch bie_ Museen, wobei erläuternde Vorträge gehalten werden. Sehr schmer sei es, de» Arbeitern das Verständniß der einzelnen Kunsiepochen nahe zu bringen, weil es de» Arbeitern an den ersorderliche» Vorkenntnissen fehlte Wer aber darauf bedacht sei, den Arbeiter kennen zu lernen, nicht nur ih» zu belehre», sonder» auch von ihm zu lernen, der werde auch diese Schivierigkeit überwinde». Dr. 91. L ö w e» s e l d schloß de» Kongreß mit Dankesworlen an die Theilnehmer. Er versicherte, daß die Anregungen, welche die Kongreßmiiglieder aus de», lebhasleu Meinungsaustausch erhalten haben, zur Förderung der Volksunlerhaltungs-Bestrebungen beitragen werden. Ter Entwurf zum Neuba» des 4. städtischen Kranken- Hanfes an der Seestraße ist jetzt der Stadtverordiieten-Bersanimlung zur Genehmigung vorgelegt worden. Das Krankenhaus soll in den Ablheilungen für innere und äußere Kranke im ganzen 1999 Betten für Männer und Frauen enthalten. Damit ist eine Abtheilnug sür Geschlechtskranke niit 499 Belle» und eine Entbinduugsaustalt für mindestens 1999 Entbindungen im Jahre»ebst einer Abtheilnug süv ginäkologische Fälle niit 59 bis 69 Betten zu verbinden. Der Kosteiiübe, schlag schließt mit einer Sunime von 13 199999 M. ab. Die Besorgnisse wegen des etwaige» störenden Einflusses der Nähe des Ariillcrie-Schießplatzes sind durch die angestellte» Erhebungen zerstreut worden. Es ist festgestellt worden, daß die auf de», Tegeler Schießplatze selbst aus schweren Geschützen abgegebenen Schüsse nur schwach hörbar waren, so daß durch das Schießen eine Störung der Insasse» der Anstalt nicht zu befürchlen ist. Die ganze 9l»Iage wird 62 Bauteil»nnfassen und mit Berücksichtigung der Pflegerinnenschule 2299 Personen beherberge». lieber die vor einigen Tagen stattgehabte Konferenz be- treffend die Eiiisührung von Steuerungen i» dem Po st verkehr sind vielfach»»richtige Mittheiluuge» veröffentlicht ivorden. Nicht vom 29. Dezember, sondern bereits vom 29. November ab sollen. dem„Konfektionär" zufolge, versuchsweise Postpackete aus den Ge- schäste» abgeholt werden, und zwar nicht einmal täglich um 7 Uhr, sondern zweimal täglich, von 11—12 Uhr vormitlags und von 4—5 Uhr nachmittags gegen eine geringe Gebühr, die kam» mehr als 1 Pfennig sür das Packet betragen dürfte. Zuerst soll der Versuch bei verschiedene» Großfirme» des Zentrums gemacht werden. Bewährt sich diese Einrichtung, so soll überall damit vorgegangen werde». Arbeiterristko im Eisenbahnbetriebe. Auf eine gräßliche Art ist am Sonnlag Abend um 7>/s Uhr der 22 Jahre alle Rangirer Karl Schmidt aus der Slephanstr. 22 z» Tode gekommen. Schmidt sollte von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens auf dem sogenannten Produktenhof des Hamburger Güterbahuhoses Dienst thnn. ES handelt sich hierbei darum. Wage» mit Güter», die i» Berlin aus- gelade» werden sollen, auf den Produktenbahnhof einzuschieben. Bei diese» Bahuhofsanlagen sind»un ans den Schwelle» außerhalb der Schienen sogenannte Knacke» aufgenagelt, d. h. Holzstncke, die ein Ausbiegen der Schiene» verhüten sollen. Da der vorspringendeTheil des Radreifens innerhalb der Geleise, an der Innenseite der Schiene», läuft, so erheben sich an der Außenseite die Knacke» bis zur Höhe der Schienenoberfläche, weil sie hier nicht hinderlich sind. Eine solche Knacke ist nun i» Berbindnng mit der schlechten Beleuchtung dem Rangirer verhängnißvoll geworden. Unweit der Perleberger Brücke, bei Bude V, in der Nähe der Ranipe stolperte Schmidt über eine Knacke, als er das Geleise betiete» wollte, um zwei Wage» z» ver« koppeln. Er fiel so nnglücklich. daß er mit de», Oberkörper zwischen die Puffer gerielh, die ihm die Brust zermalmte». Nachdem er dann gänzlich ,n Boden gefallen war, ging ihm ein Rad eines Wagens über das rechte Bein und trennte ihm den Fuß ab. Ein Mit- rangirer fand ihn todt zwischen den Schienen liegen. Ma» hat es hier mit einem jener Unfälle zn thun. die sich in jedem Herbst wiederhole», wenn sie auch glücklicher Weise nicht alle einen so gräßlichen Ausgang nehmen. Bei de», großen Güterandrang n», diese Jahreszeit sind die Siaugirer überlastet. Die Knacke» liegen»»erkiviirdigerweise frei, obwohl es wenig Arbeit und Kosten verursachen würde, sie mit Erde zu bedecken. Am schlimmsten aber ist nun dabei noch die mangelhafte Beleuchtung. Gaslicht— geschweige denn Glühlicht— kennt man in jener Gegend noch nicht: ma» bleibt hier immer noch bei der alten Petroleumbeleuchtnng. Dieser Unfall ereignete sich nun schon um 7>/s Uhr. Nach 9 Uhr aber wird die Arbeit noch gefährlicher, weil dann einige der bis dahin wenigstens ein spärliches Licht ver- breitende» Petroleuinlcimpe» ausgelöscht werden und die Dtaiiglrer nun die Nacht hjiidnrchZim wesentlichen aus ihr« Handlaternen an- gewiesen sind. Erschossen hat sich in einem Gasthofe der Juvalidenftraste vor- gester», Eonntag, sriih der 32 Jahre alte Töpfergeselle Jakob T o» n i e r, der ans Wnrltcniberg stammt und in einer Fabrik in Bellen beschäftigt war. Der junge Mann hatte eine Reise in seine Heimath gemacht und war am Sonnabend Abend wieder hier an- gekommen. Er hat sich durch einen Revolverschich gclödet. lieber die Beranlassnng zum Selbstmorde hat der junge Mann keine Slns- ilärnng hinterlassen. Zur'Affäre Fritsch wird noch gemeldet: Frilsch hatte bei seinem schändlichen Treiben einen Komplizen in einem auch als Zuhälter bekannten Friseur. Beide pflegten gemeinsam in der Friedrichstraße. Unter den Linden u. s. w. spazieren zu gehen, um sich ihre Opfer, meist unerfahrene Mädchen unter 16 Jahren, auszuwählen; gelang es ihnen, mit den Mädchen aiuu< kn iip sen, dann wurden diese mit Anzeig« bei der Sittenpolizei de droht und dadurch den beiden Schurken willfährig gemacht. Von fast beispielloser Frechheit zeugt der Umstand, daß Fritsch, trotzdem ihm bekannt war, daß die Kriminalpolizei ans ihn fahndete, am Freitag Vormittag, also am Tage vor seiner Verhaslnng, in Gesell- schaft einer Dame und zweier Herren im Kruninalgerichl Moabit war. Zu einer öffentlichen Ruhestörung kam eS. wie die„Voss. Zeitung" schreibt, am Sonnabend'Abend in der Leipzigerslraße. Um 7 Uhr hallen sich dort an der Ecke der Mauerslraße, wie aus Verabredung, hunderte von Menschen angesammelt, die, als um diese Zeit der Umzug des Werlheim'schcn Geschäfts beginnen sollte, das alte Geschäftshaus s ärmlich belagerten. Niemand wurde von der Volksmenge ans dem Hanse heraus' gelassen und erst ein großes Aufgebot von Schntzleuten. die niehrere Sistirnngcn vornahmen, macht« dem Auflauf ein Ende. Vor der Polizeiwache i» der Mohrenstraße mußten dann die Schutzleute nochmals einschreiten. Um neuen Gewaltszenen vorzubeugen, mußte nin 12 Uhr nachts der Umzug, an dem auch dienstfreie Mannschasten der Feuerwehr theilnahmen. eingestellt werden. Wie uns mitgetheilt wird, entstand der Unmnth unter den versammelten Arbeitern, weil ihnen von Spediteuren zugesagt war. beim Umznge beschäftigt zu werde» und sie nun sanden, daß Feuer- wehrlente in Anspruch genommen wurden. Nicht aufgeklärt ist der Selbstmord des 20jährigen Dienst- Mädchens Anna B r a a s k y. das seit einem Jahre bei dem Schank- wirlh Biesle in der Zorndorferstr. 58 in Stellung war. Das Mädchen war seit längerer Zeit schivermiithig und erklärte Hansgenossen öfter, daß es sich das Leben nehmen müsse. Am Sonnabend fand man die B. in einem verschlossenen Zimmer als Leiche an der Thürklinke hängend vor. Durch cinc» Starz ans dem Fenster hat sich am Sonnabend Abend um 53/4 Uhr die I7jährige Margarethe Erstling ans der Nannynstr. 61 getödtet. Das Mädchen war in der letzten Zeit mit der Mnlter allein zu Hanse, während sich der Stiefvater, ein Arbeiter H., auf einer Montage- Arbeit in Holland befindet. Es hatte ein Liebesverhältniß angeknüpst, das von der Mutter nicht geduldet wurde. Als es am Sonnabend Abend nach der Heimkehr aus dem Wäschegeschäft, in dem es arbeitete, ausgehen wollte und die Mnlter das untersagte, gab es einen heftigen Streit, in dessen Verlauf die Mnlter der Tochter mit einer körperlichen Züchtigung drohte. Das Mädchen gerielh in eine so starke Zlnsregung, daß es plötzlich, während die Muller sich in der Küche befand, zum Fenster der im vierten Stock gelegenen Wohnstube hinaus auf den gepflasterte» Hos hinabsprang. Obwohl sofort ärztliche Hilfe znr stelle war, so tonnte doch das junge Leben nicht mehr gerettet werden. Schon nach sünf Minuten trat infolg» eines Genickdruchcs der Tod ein. Die drei Opfer der Explosion in der Chanssccstraste wurden am Sonnlag Nachmittag ans dem Charitee-Kirchhof an der Müllerstraße feierlich znr letzten Ruhe bestattet. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge gab den Verstorbenen das letzte Geleit. Unliebsam wurde am Charitee-Kirchhos in der Müllerstraße das Verhalten eines Geistlichen empfunden. In Erwartung des Be- gräbnisses der drei Opfer der Explosion in der Chansseestraße Halle sich am Friedhof- eine große Menschenmenge angesammelt. Als nun ein Prediger, der be» einer früher angesetzte» Beerdigung mit- gewirkt halte, sich mit seinem Wagen aus den Heimweg machte, wurde in dem Gedränge der Arbeiter Dreßler ans der Liebenwalderslraße überfahren und an den Armen und einem Oberschenkel nicht unerheblich verletzt. Ein Polizeideamter bat den Geistlichen, mit seinem Wagen, der das Unglück angerichtet halte, den Verunglückten ans die nächste Unfallstation bringen zu lassen. Der Prediger lehnte das jedoch mit der Begründung ad, daß er keine Zeit habe. Man mußte daher erst eine Droschke holen und dann mit dieser den Verletzten nach der Unsallstation und von dort in das Panl Gerhardt-Stisl bringen. Die Kritik, die die Menge an dem Verhalte» des Geistliche» übte, bewegte sich nicht in besonders schmeichelhaften Alisdrücken. Die Fnsipartie des WahlvcrciuS Berlin VI fällt am Mill- woch(Bußtag) ans. Die Mitglieder werden ersucht, sich an diesem Tage den Wahlkomitees znr Agitation für die Stadtverordneten» wählen znr Verfügung zu stellen. Der Vorstand. Im Eiscnbahntvagc» ist gestern Morgen der Kaufmann Schlillslädt aus der Lessingstraße gestorben. Er bestieg um 7»/»Uhr ans dem Bahnhofs Bellevue ein Ablheil zweiter Klaff« eines Stadt- bahnzngcs. Ans dem Bahnhofe Alexanderplah machte ein Herr, der sich mit ihm im selben Abiheil befand, den Zugführer darauf auf- merksaui. daß sein Mitreisender erkrankt sei. Als man nun Schlitt- slädt aus dem Wagen hob, NIN ihn einem Arzte zuzuführeii, fand Ein Aiepennrnnvenhatts. Vor kaum zwölf Jahren begannen die vier Brüder, die Inhaber der Firma A. Wertheim sind, in der Rosenthalerstrafie in gernietheten Parterreräilnien ein Verkaufsgeschäst. das zwar den bazarartigen Charakter trug, aber im wesentlichen doch nichts war. als eine EinkanssqncNe für die billigeren Manufakturivaareu, Zn- thaten zur Dainenschneiderei und dergleichen. Aus de» gemielhete» Räume» wurde ein eigenes Haus, Nachbargrundstücke wurden hinzu- gekauft, in anderen Stadlgegeiiden entstanden Zweiggeschäfte. Und heute besitzt die Firma das größte Verkaufshans Berlins, wahr- scheinlich Deulschlaiids. Nicht so rasch wie hier in diesem einen in die Augen springenden Falle hat sich sonst die Entwickelung vorn Kleinbetrieb zum Niesen- organismus vollzogen: aber charakleristisch für die modernen wirch- schafllichen Entwickelniigs-Tendenzen. die nicht nur die Fabrik au stelle zahlreicher Kleingewerbebelrieb« setzt, sondern auch im Detailhandel„Weriheim'sche Bazare" an stelle zahlloser Kramladen treten läßt, ist die Entwickelung dieses Großbetriebs im Kleinhandel. So gleickgiltig an sich die Entwickelniig eines Betriebes oder eines Geschästshanses für weitere Kreise oder für eine Zeitung bleibt, so ist doch das tropisch« Wachsthnm des Werlheimischen Geschäftes so kennzeichnend siir die'Akkumulation auch im Handel, daß man sich nichl der Ausgabe entziehen kann, der Eröffnung dieser Riesen- verkallfsstätte auch an dieser Stelle mit einigen Worten zu gedenken. Wir möchten nicht i sagen, daß der ungeheure Bau in der Leipzigerstraße an sich schön wäre. Es ist kein Palast, sonder» eine V e r k a u f s in a s ch i n e. Der leitende Gedanke beim Entwurf und bei der Ausführung war die praktische Verwendbar- keit, und Schmuck wurde nur so weit angebracht, als er dem gewollten Zweck nicht hindernd im Weg« stand. Dieser Zweck aber war: eine Einrichtung zu schaffen, um zu gleicher Zelt an möglichst viel Personen inöglichft viel Waaren verschiedenster Art und Preislage verkanfeu zu können. Der ans Stein, Eisen und Glas in nnglat�lich kurzer Zeit in die Höhe gezauberte Ban, die innere Einrichtung und namentlich die aufgehänsten Waaren bieten denn auch in den Einzelheiten nichts besonders Ueberwältigendes dar. Und doch wird niemand, der di« Räum« betritt, dem Eindruck entgehen, i» diesen riesenhaften man, daß er bereits todt war. Wahrscheinlich hat ihn der Schlag gerührt. Die Leiche wurde ans die Bahnhosswache gebracht und von dort später nach dem Echauhause abgeholt. Ei» Mord? Man schreibt der„Voss. Ztg.« aus Mainz »ier angehallene Zigeuner, die des Pferdediebstahls und anderer issethaten beschuldigt werden, gaben bei dei Polizei an, einer ihrer Genossen habe vor sieben Jahren in der Nähe von Berlin einein Kinde die Kehle durchgeschnitten. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Bezichtigung bestätigt; nicht ausgeschlossen ist, daß die Zigeuner ihre Angaben ans Rachsucht gemacht haben. Jedenfalls ist die Berliner Untersuchnngsbehörde benachrichtigt worden.« Fencrbcricht. Sounabeiid Abend 7'/, Uhr brannte N a u n y n straße 71 die Balkenlage, wobei das Haus beträchtlichen Schaden erlitt. Bald daraus hatte L e i p z i g e r st r. 126 eine Bretterwand Feuer gefangen. Zwei Schornsleinbrände riefen gegen ll Uhr die Wehr nach L a n s i tz e r st r. 44 und Reiche nbergerstr. 83 Sonntag früh 9 Uhr erfolgte Alarm nach Große Frankfurter straße 132, wo ein Dachstnhl in Flammen stand, die durch zwei Schlanchleitnngen gelöscht wurden. Mittags I2>/» Udr wurde die Wehr nach S ch u m a n n st r. 10 gerufen, wo die Schaldecke in großer Ausdehnung brannte. Durch schnelles Eingreifen konnte jedoch gröbere Gefahr abgewendet werden. Brandenburg- st r a ß e 10 war 4 Uhr nachmittags in der Küche ein Gnmniischlanch an der Gasleitung in Brand geralhen und zn gleicher Zeil Garten straße 85 ein Vorhang und ein Regal in einem Zigarrenladen. Eine zu hoch hängende Zimmerlampe verursachte abends 6 Uhr Simeonstr. 13 einen Schaldeckenbrand, der aber schnell beseitigt werden konnte. Einige Minnteii später erfolgte Alarm nach B Ü l o w st r. 85. Hier standen Gardinen und Betten in Flammen. Endlich maßte die Wehr um?>/» Uhr noch nach Hagelsberger st r a ß e 57 ausrücken, wo Papier und altes Heu in Brand ge- rathen war, der Zimmerdecke, Balkenlage und Fußboden theilweise zerstörte. Bcrhaftnng der Peterinann'schcn Zigeniicrbande. Der bekannte Zigenneitauptamnii P«ieri»a»» wurde milsammt seiner Bande in Wandslek angehalten und fcstgeiioinnieii. Dort und in der Umgegend waren nämlich in der letzten Zeit wiederholt Dieb' stähle vorgekommen, welche man den in der Nähe lagernden Zigeunern zur Last legen z» niüssen glanble, auch hatten die Zigeuner bei einem Wirlhshansstreile in einein Nachbarorte den Wirih und die Gäste schwer mißhandelt. Einem berittenen Geiidarmerie-Obcr Wachtmeister, der die Aerhastmig der Verdächtigen vornehmen sollte, gelang es, die Zigeuner nach längerer Verfolgung auf der Landstraße «inzuhole» und mit H lse mehrerer inzwischen herbeigeeilter Polizei- bcarnle» festziinchme». Selbstmord cincö LicbcSpaarcS. Erschossen hat sich gestern früh in einem Privailogis i» der Miltelslraße ein junges Liebes- paar, das dort abgestiegen war. Die jungen Leute, die noch nicht rekognoszirt sind, hallen sich als Ehepaar ausgegeben. Die benach- richtigle Unfallstation V irr der Brüberstraße 17/13 Halle aus die Meldung von dem Vorfall zwei Aerzte und zwei Krankenwagen entsandt. Die Aerzte lonuten indeß nur den inzwischen eingetretene» Tod konstatireii. Verhaftet wurde, dem Berk. Tagebl.« zufolge, der Kaufmann Salli Heimann, wohnhast in Halensee. Derselbe war lange Zeit hindurch ein ständiger Besucher der Fondsbörse, wurde aber vor etwa vier Woche» ausgeschlossen, weil er seinen vielfache» Ver- pflichtnngen nicht nachkam. Am Sonnabend erschien er wieder an der Börse und erklärte, allen seinen Verpflichtniigen nachgekommen zu sein. Kurz« Zeit darauf erfolgte jedoch seine Verhaflnng. Einen Selbstmord hat am Sonntag Morgen ans den Schienen der Stadtringbahn ei» Mann begange», dessen Personalien bisher nicht festgestellt werden konnteii, weil der Kopf des Unglücklichen durch die Räder der Lolornolive nicht nur völlig vom Rninpse getrennt, sondern auch zu einer sorinloseii blutigen Masse zermalmt worden war. Die That ist ans dem rechlcn Geleise des Sübringes zwischen den Slationen Schönebcrg und Wilmersdorf geschehen. Dorr hat der Selbstmörder sich vor den heranbraiiseiiden Zug ge- worfen, ohne daß der Lokomotivuihm bei der Dunkelheit— es war kurz»ach 5 Uhr— von dem Borsall etwas bemerken konnte. Das Motiv zn dem surchlbaren Tode scheint gänzlich« MiUellosigkett gewesen zn sei». ?fus de» Nnchbavortett. Charlottciibili'g. Parteigeiioffen! Heute von vounitlags 16 Uhr bis abends 7 Uhr»imiilerbroche» finden die Stadt- v e r o r d n e t e n- W a h l e ii statt. Wir weisen nochmals auf die Zusammenstellung im„Vorwärts" vom Sonntag sowie ans das am selben Tage verbreitete Flugblatt hin, aus dem zu ersehen ist, wo und wen jeder zu wähle» hat. Wir fordern nun unler aller Um- stälide», daß jeder zur Wahl gehe. Wem es mittags nicht möglich. mache eine Stunde zeitiger Feierabend, um seiner Pflicht als Sozial- demokrat nachzukommen. Aber nicht allein das, auch die säumigen Wähler sind anfznrütleln und wenn möglich gleich mllzunehmeii, wollen wir Erfolge erzielen. Die gegen uns vereinigten bürgerlichen Par- teien werden auch diesmal alle Hebel in Bewegung setzen; deshalb ist es doppelte Pflicht, mit ganzer Kraft für unsere Kandidaten ein- zulrelen und schon im ersten Wahlgange de» Beweis zn er- bringe», daß die Ablösung der alten morschen Gesellschaft des„Frei- siiins":c. durch die Sozialdemokratie langsam, aber sicher und stelig vor sich geht. Und so rufen wir Euch noch- inals zu: Auf zur Wahl! Hoch die Sozialdemokralie! Sleichzeilig geben wir bekannt, daß wir den ganzen Tag über ein Z e n t r a l- B u r e a n bei Leder, Bismarckstr. 74, errichtet haben und ersuchen alle diejenigen, die sich uns znr Hilse znr Verfügung stelle» wollen, dorthin zu kommen, wo auch die Vertheiluiig der Hallen, diesen Massen von Waaren aller Produktioiisstätten und Galtnngen etwas überwältigend Großes, vor allein: etwas durch und durch Modernes zn sehe». Wir wollen damit keineswegs sagen, daß das große Spezial- g e s ch ä f t sich überlebt habe und der Bazar»»bedingt das Geschäftshaus der Zukunft sei. Wir glaube» sogar, daß der Bazar. sei er noch so rieseiihaft, mit dem feinen und lapitalkräfligen Spezialgeschäft nicht konkiirrireu kann; daß der Käufer, dein es nicht so sehr aus den Kostenpunkt ankommt, der dagegen Werth legt auf große Auswahl in den gewünschien Artikeln»nd auf die gute, dem individuellen Geschmack entsprechende Anssührnng: daß der seine Einkäufe nicht im Riescnvazar besorgen wird. Trotzdem aber ist der Riesenbazar etwas so ganz modernes, der kapitalistischen Gesellschaft, i» der wir leben, entsprechendes. Auf der einen Seile der kapitalistische Kauf- mniin, der das Geschäft vergrößern, vergrößern und immer wieder vergrößern will; dem die einzeln» Branche nicht mehr genügt, dem«in bestimmter Kundenkreis nicht mehr genügt; der alles verkaufen will, was sich überhaupt an ein Laden- Publikum verkaufen läßt; dem es als Ideal vorschwebt, das ganze Publikum, die Reichen«nd die Armen, in das Geschäft zu ziehen. die Massen durch die Räume flnthen zu sehe». Auf der anderen Seite eben die Massen, vor ollem die weniger begüterte», die mit dem Groschen und mit der Minute rechnen und deswegen ans billigen und oft noch mehr aus schnellen Einkauf verschiedener Waaren halten müssen, die aber doch dem von den Reichen gegebenen Beispiel in den Aeußerlichkeiten nach Möglichkeit nachstreben, und in welchen die neue Zeit nene Bedürfnisse geweckt hat. In dem Riesenbazar hat man alles bei einander, man kann, auch ohne zu kaufen, alles so bequem betrachten, es wird nichts vorgeschlagen und nichts abgehandelt, was heute nicht jedermanns Sache ist. Hier soll man, auch ohne Waarenkeiiiitiiiß zu bintzen, mindestens ebenso billig oder billiger knusen, als es in Spezial- geschäften der Fall sein würde. Der Riesenbau, der uns zu diesen Betrachtungen Anlaß giebt, ist in 11 Monaten geschassen worden; die letzten Wochen wurde in ununterbrochenen Wechselschichten Tag und Nacht gearbeitet. Der zu dem Bau mifgekauste Grund und Boden bat ca. 4 Millionen einzelnen Arbeiten vor sich geht. Genossen, beherzigt da?, es ist nicht möglich, daß die Arbeit auf wenige Schultern gebürdet wird, wen» wir naiiihafle Erfolge erringen wollen. AnS Nixdorf. Ein schwerer Unglücksfall spielte sich am Sonn- abend Abend aus dein Grundstück Knesebeckslr. 50 ab. In der da- selbst befindlichen Fraiserei von Kamenz sollie eine Maschine einen nnderen Standort erhallen und bei dem Auseiiiaiidernehmeii der» selben war auch der Arbeilgeber Kamenz thätig. Dabei siel das schwere Schwungrad der Maschine plötzlich herab und traf Kamenz so unglücklich, baß demselben beide Beine zerschmetlert wurden. Der Unglückliche ward nach dem Britzer Kreis- Krankenhaus über- führt. Kurz zuvor fiel der i» derselben Straße wohnhafte Kaufmann Böttcher durch einen Fehltritt in feinen Keller hinab und zerschnitt sich an den Scherben einiger Flasche» die Puls- ädern. Auch B. mußte nach Anlegung eines Nolhyerbandes nach dem Kreis-Krankeiihanfe gebracht werben.— In der Sleinmetzstraße wurde am Sonntag Morgen der Kreissägenschneider Wilhelm Erlel in einer Blutlache aufgefniiden und nach der Unfallstalio» gebracht. Hier wurde ein Schädelbruch und zwei schwere Kopsverletzungeii, welche durch stumpfe Jiistriimenle hervorgerufen sind, konstaiirl. Wie Erlel. der nach Anlegung eines Verbandes nach dem Rixdorsrr Krankenhause gebracht wurde, zu den schweren Verletzungen ge- kommen ist, war bisher nicht festzustellen, da er noch nicht ver- »ehinniigssähig ist. Ii» Polizeikauipf für Ordnung, Religion und Sitte gegen die 'Arbeitervereine ist«s seit einiger Zeil bei den Behörden der Berliner Voroile ein beliebter Brauch geworden, den tz 8 des preußischen VereinSgesetzcs recht ausgedehnt zu benutze». Während es der hanplstädlischen Polizei de»» doch kaum mehr einfällt, derarlige nutzlose Mittel anzuwenden, sucht man in nächster Umgebung von Berlin die famose Bestimmung des Gesetzes, daß Frauen an Versauinilnngeii politischer Vereine nichl theilnehmen dürfen, heraus, und behauptet erstens, daß ganz harmlose VergnüguiigS- vereine politischer Natur seien und zweitens, daß ihre T a» z- Vergnügungen keine Tanzuergiiügungen. sondern poli- tische V e r s a in ni l» ii g e n seien. Wcr's nicht glaubt und trotz- dem das Tanzbein schwingen will, kommt inil Ortsvorstehern und Geiidarnieii in Konflikt. So ist es auch dem Mänuer-Gesaiigverein „Weiße Rose" in R e i n> ck e n d o r f am Sonnabend ergangen. Man gedachte das Slislniigssest im Lokale des Herrn Böttcher zn feiern; als das Fest jedoch beginnen sollte, verbot ein Gendarm »ainens Wolff den Musikanten das Spielen, und die„Versammlung" wurde wegen der Anwesenheit der Damen verhindert. Ans solche Weise ist die Behörde bereits mehrfach gegen de» Verein ausgelreten. Was glaubt man mehr mit derartigen Aiiwendiinge» des Vereins- gesehcs zu erreichen, als eine Steigerung der so ja schon in hohem Maße vorhandene» Erbitternng im Proletariat s Im Zeichen des Verkehrs. Ans Friedrichshagen wird uns geschrieben: Der von Erkner 6� morgens abgehende Vor- ortszng hatte am Montag Morgen eine Vierlelstunde Verspätung. Der Zug wird ausschließlich von Arbeitern, kleinen Beamten und Gewerbelreibenden benutzt. Anfänglich wurde von den Lleisendeii eine Betriebsstörung als Ursache angenommen. Das war aber nicht der Fall, denn plötzlich sauste der k a i s e r l i ch e H o f z u g durch die Station. Die verblüfften Passagiere athmeten erleichtert aus; war doch diesmal im„Reiche Thielen" kein Unfall passirt. Hoffent- lich erwachsen den z» spät gekommenen Arbeitern seitens ihrer patriotischen" Arbeitgeber keine Nachiheile. Ein ivcith!» lcnchtciidcr Feuerschein erhellte am Sonnabend Abend stniidenlang südwestlich von Berlin den Himmel und ver- anlabte die Feuerwehr inehrcrer Vororte znni Ausrücken. Er rührte von dem Brande einer Kornmiete in Dahlem her. Das Feuer kam gegen 8 Uhr abends ans, und erst gegen Milteriiacht war seine letzte Glnth erloschen. Das Dahlenier Gebiet ist seit der letzten Ernte chon wiederholt �von solchen Fenersbuinsten heimgesucht Ivorden man führt sie aus Brandstiftung zurück. Vevsnmmlnngrn. In der sehr gut besuchte» Bolköversammlung, die am Sonntag in F r ie d r i ch s b e rg im Lokal des Herrn Gürsch. Frankfurter Allee, tagte, und die durch die überwachenden Gendarmen aufgelöst wurde, wurden die Genossen R. Pasewald, Weißen» ee. Strenstr. 120, und E Gersten beeger, Weißensee. Wilhelmstr. 3, als Mitglieder zur Preßkommission gewählt. Die Abrechnung des bisherigen Verlranensniannes ergab eine Einnahme von 487,75 M.. eine'Ausgabe von 474,96 M. Nach dem Bericht haben 4 Versaimnlniigen. 4 Agitationstoureii und 4 Fliiglattverbrei» lungen stattgefunden.'Als Velranensmaiin für Friedrichsberg wurde Fr. Laws, Nroiipriiizenstr. 4/5, gewählt und zu Revisoren die Genossen E. Liepe. B. Lange und W i e d i n g bestimmt. Nach einen! kurzen Bericht des Geiioffen H e i n e ck e über die Thäligkeit der Lokalkoiiiniissio» wurden mit diesem Amt Heinecke, Linke und Wölk betraut. Der Neichstags-'Abgeordnete'A. S t a d t» Hagen erörterte eingaiigs seiner Anssühriingen gleichfalls die Lokal» 'rage, wobei er darauf verwies, daß von einer bestimmten Seite die Wirthe systematisch beeinflußt werden, der Sozialdemokratie die Säle zu verweigern, um dadurch die Agitation zn erschweren. Im weiteren giebt der Redner bekannt, daß allgemein der Wunsch vor- Händen ist, auch in Friedrichsberg eine rege Agitation unter den Frauen und Mädchen zu entfalten,»nd er sich bereit erklärt hat, Viesen Wünschen Rechnung zu lrage» und sich an der Agitation zu belheiligen. Ferner prolestirt der Redner, dem die Absicht, die Versamintuiig nur bis 2 Uhr iagen zn lassen, bereits bekannt war, entschieben gegen ein derartiges Vorgehen, durch ivelches die Vereins- und Versammlungsfreiheit in nnberechtigier Wcise be- 'chräiikt werben soll und stellt in Aussicht, daß gegen ein solches, Mark, der Bau selbst ca. 3 Millionen gekostet. Das Grundstück hat 60 Meter Front. 75 Meter Tiefe und in den süns Etagen etwa 22 000 Q u a d r a l»i e t e r Laden- oder Berka nfssläche! Nachstehend lassen wir eine kurze Beschreibung der Räumlich- leiten folgen. Das Hans ist von den Architekten Messel u. Allgelt leineiiischasllich mit dem Bangeschäsl Joses Jränkel ansgesührt. Die lünstlerische Leistung ivar im Speziellen Sache des Professors Messel. Die Fayade ist durch Granilpseiler gegliedert. Tie Haupleiiigänge führen zunächst in eine Vorhalle.' Im Licht- Hof sieht man die sechs Personen- Fahrstühle In der Milte des Raumes steht eine Slatne der Arbeit von Professor M a n z e l. Im Erdgeschoß sind Kessel- und Mafchinenanlagen sichtbar. Die- selben dienen für die Heizung. Beleuchtung und den Antrieb der Motoren für die Zusühriing frischer Lnsl in den Geschäslsräiimen. Ans der Haupttreppe gelangt man znnächst in den Zwischenstock, in welchem sich auch ei» ErsrischnngSraum für das Pnblikmn befindet. Im ersten Stock führt die Haupttreppe in den Teppichranm. Recht benierkenswerth sind die vergoldeten Kassetlendecken und die originelle Glühlichl-Belenchtung. Gegen Fei, erSgesahr sind ganz be- sondere Vorkehrungen getroffen. I» jedem Slockivert sind vier Hydranten angebracht, so daß ein Umsichgreifen von Feuer sofort zu verhindern ist. Außer den 5 Treppen sind in jeder Elage zwei Ausgänge nach dem angrenzenden Hanse Voßstr. 31 vorhanden, welches zu Komtoirzwecken und znr Durchfahrt für Güter Ver- Wendling findet. Zur Beförderung der Waaren in die verschiedenen Geschosse dienen 4 Fahrstühle. Die sür das Personal— daS vorläufig ans 600 Angestellten besteht— vorgesehenen Aufenthalts« und Speiseräume, die uns naturgemäß besonders interesstren. waren am Eröffnnngstage leider noch nicht fertig, so daß wir darüber kein Uriheil abgeben können. Wie uns gesagt wurde, sollen die Speisen zum Selbstkostenpreis« oder darnntcr abgegeben und die allerdings hoch oben unter dem Dach gelegenen Räume nach Möglichkeit bequem eingerichtet werden. Wir wollen wünschen, daß eS geschieht. Wenn es aber geschieht, dann nehmen wir es als ein Verdienst der Arbeiterbewegung in Anspruch, daß heute bei derartigen Neueinrichtungen die Kapualisten beginnen müssen, nicht nur ausschließlich an das Verdienen, sondern auch ei» klein wenig an das Personal zu denken. dem Gesetz zuividerlaufendeZ Verfnhren unter allen Umständen Be> Lchwerde eiugelegt werde» wird. Nunmehr hielt Genosse S t adt« Hagen den Vortrag:.An'? Vaterland, an's thenre, schließ dich an", der von den Versauinielten sehr beifällig ausgenommen wurde, den der Referent aber nicht beende» konnte, iveil der ilberwachende Gendarm um 2 Uhr nachinittags, ohne Angabe der Gründe, die Vecsaiiinilniig auslöste und die Zlnivesende» zum Verlasse» des Saales aussorderte. Außerhalb des Saales waren ebenfalls noch Beamte postirt, ohne aber in Thäiigkeit zu treten, da die Versammelte», der Slufforderuug Stadthageu's entsprechend, sich ruhig entfernten. A»drit»r-Kii»virl>,i»>d Berlins u»I> der Umgegend. Vorsitzender: illdols vleuniann, Brunnensiroßc ieo. Alle Acnderungcn im VeretnSkalcnder sind zu richlen a» Frtedr. Sorlunl, Mantenffelsir. 50, v. a?r.!>ie»ft»g. abends 9— Ii Uhr: Ucbungsflunde und Ausnahme neuer Mitglieder. Steineiche, Manteuffel- straße 91 bei Klapschutz.— Scneselder, Nofenthalerstr.«7 bei Babtcl.— Gerechtigkeit(Westenr, Büloivftr. 59 bei Werner.— Olympia, Mariannen-User 2, Resiaurant Lurhos.— Hand in Hand I, Mariannen- strafte 41 bei Richter.— Kreuzberg. Hasen Haide 68 bei Buschbick.— Edelweiß l, Melchiorsiraße>5 bei Stehmann.— Echo l. Linienstr. l9 bei Neumain.— Wiederhall, Admiralstr. 21 bei Schnieder.— ss r e t> h e i l II, Köpenick, Echönerltnderftr. 9 bei Schulz.— Myrthenblütter, Prenzlauer Allee 14 bei Blume.— Jhn'scher H u m o r. Strautzbergerftr. 8 bei Wittwe Röll.— U»per za g t II, Beusseistr. 9.- FreiesLied, Friedrichsberg, Friedrich- Karlftr. II bei Heinecke.— Rothe Nelle I, Schöneberg, Grunewald- ftraße lio bei Obst.— Rothe Nelke II, Nuppinerftr.«2 bei R. Rostn,— Vorwärts IV, Rathenow, Jägerstrabe 26 bei Engel.— Alpen- plocke. Große Franlfurterstraße lzz bei Gold.— Eichenkranz, Brenzlau, Schnallastr. 29, Rellaurant Roulonsch.— Freier Sängerchor, Glienicke, liöpenickerstraße bei Witte.— Wedd ing er Ha rmon i e. Müllersir 7a, MilbrodVs Feftsäle.- Vorwärts V III, Marwitz t. d. Mark, bei K- Schurbaum.— Ed n c o r d i a. Hollmannftr. 88 bei Hensel— Freie Sänger III, Hcegermiihle bei Eberswalde.— Frohsinn I, Rummelsburg, Wöthe- u. Kantstraßen- Ecke der Mertens.— Acacie sgcmischter Chor), Oranicnstr. 18« bei Theodor Metzner. — Wilmersdorser Liedertafel, Wilmersdorf, Verlinerflraße«I, Kling, nberg's Voiksgarle».— Freie Feldblume, Wrangelftr.«a, Nefiaurant — Junge Eiche, Reinickendorf, Koloniestraße i«7 bei Anton.— Freie F e I d b l u n> e, Wienerfir. gl bei Klei».— A r i o n II lHaudschuhmacher), Branden- burga.H., Hauptstraße, Winkels Salon.— Oranke, Neu-Weißensee, Langhans- straße 109 bei Hähltng.— Gesangverein der Enterbten, Swineinllnderstr. 120 bei O. Bachgänger.— Sangeslust II, Pasewalkerilr 8 bei A. Neumann— Fretheitsklänge I, Markgrafenstr. 8 bei Frecse.— W e i ß- R o s e. Retnicken- dors, Residenzftr. lol a bei Malchin.— Arbeiter- Maibund. Nowawes, Wall- sirqfte bei Htewke.— vorwärts VII, Rummelsburg. Kant- und Sölhenraben- ti bei BreveS.— Zündholz, Bgdllr. 82 bei Hilpert.— Alltance, Orautcnftr.«l bei Helfer.— Glasarbeiii r, Köpenick, Müggelheimstr. 29 bei W. Zeidler." Esmeralda, Gr. Frankfurterslr. 138 bei Gold.— Kreuz- "crger Harmonie. Admiralstr. I8o bei Möhrtng.— Oranienburger o r st a d t, Ackerflr. I2g bei Diele.— Sanaesblüthen, Krautstr..8 bei Zöttcher.— Mel odta ll, Pappel-Alle« ll««in Restaurant.— Nord-Ost, Landsberger Allee 159 b Södel.- A lp cn g l ü h e n, Falkensteinsir. 88 b. Klopsch Bund der sesellisen Zirbeiterrerein» Berlin» und der Umgegend. Vorsitzender P. Gent, DreSbenerftr. 197/8. Alle Aenderungsn im versinSkalender sind zu richten an: H. Send ix, Alerandrinenstr. 100.— Geselliger Verein Deutsche Eiche, Fürbrtngerftraße, bei Srothe.— Spar- und Unierstützungs- verein Freundschaft, Alerandrinenstraße aeb bei Dietrich. Ardeiter-Nnncherdniid Kerli»»»»» der itlingegend. Aenderungsn im vereinSkalender sind zu richten an Hermann Braunschwetg, DreSdencrstr. 80, 2. Hof. zoienftag! Rauchklub Eldorado, Grüner Weg 25 b G.Stntlrich.— Rauchkl.Grün e Eiche, Urbanstr. 87 bei Schneider.— Rauchkl. DeutscheFlagae, Wrangelftr. 82 bei Lukas.— Rauchklub Ambaleina, Forfterflr. i» bei Uckel.— Neuer Berliner Rauchklub, Reich enbergerftr. it9 bei Drogge.— Phönix, Schönsberg, Hauptsir. 97 bei G. Donath.— Domingo. Waldemgrsir.>s b. Tauchert. Rothe Rose, Boeckhstr. 21 bei Krebs.- V e t l ch en d u f t, Hennigsdorf«!- straße« bei Günther.— Kollegta, Reichenbergerftr. 167 bei Bergner.— Ein igteit l, Rtxdors, Hermannstr. 282 bei Wolf— Veronika, Ratibor ft-aße bei Rau.— Rauch an, Adalbertstr. 16 bei Tetchert.— Kamerun, Wetdenweg 22 bei Fialkowsky.— Palmerio, Bernauerstr. 18 bei Roloff.— Korea. Weidenwig 0? bei Reckzeh.— Waldmeister, Jmanuelkirchstr. 12/18 bei Schleicher.— Neuer Hain, Langenbeckstr.« bei Drchlmeter.— Bruder- bund, Grünauerstr.» bei Güllowsly Blüthenduft, CotheniuSstr. i bei Fedtke.— R u h t g a, Gräfestr. 5 bei Behrnd.— Kräftiger Zug, Manleuffel- siraße 99 bei Schenk.— Lang- Pfeife, Friedrichsberg, Rummelsburgerstr 28 bei Weichfei— Blaue Wolke I, Retntckondorseriir. 60 bei Jahn. 0»rs»»g., B»rn» und gelellige Ucreine. Piriistog. Männer Gesangverein Fester Wille, Alexandrinenstr. 32 bei Dietrich.— Arbettcr-Zitherverein Einigkeit, Rcichenbergerslr. 19 bei Lehmann.— Wnstlverein Ostrts, Wrangelslr. Ii bei Blum.— Flugtaubenveretn Vorwärts- Nord. Ackerflr. I? bei Reuter.— Bergnügungsverein Fortuna, Blumensir. 89 bei Weiß.— Mufikverein Norddeutsche Klänge, Swinemündcrftr. 5t bei Rcnter— Ziihorvei ein T y r o l, Mariannen-User» im Restaurant Lurhos.— Ouarlettverein Med ding. Chausseestr. 72 bei Meißner.— Privot-Theater- gesellschaft Concordia, Misobclhflr. so bei Scholz.— W ii n s ch � sch e r g s m. Chor, Rofenthalerlir. 67 bei Schiller.— Geselliger Klub Don Juan, Linden- straße 109 bei Fritz Zubeil.— Thcaierverein Freier Wille, Admiralkir. 180 sMärkischer Hof).— Vergnügungsverein Feldblume, Manteufselstr. 9 bei Nowack— G/saugverei» Schtldhorn, Nsedomfir. aa bei Olböter.— Turnverein Osten, Lehrlings-Adlheilung abends 8!l— io Nbr Blumenstr«so. Zirb«it«r-T»r»erbu,id. vieustag: Turnverein F i ch I e, Berlin. Abends von 8— lo Uhr: 2. Männerabthcilnuq Skalitzerftr. 66/69.—«. Männerablheilung Stephanstr. 8.— 6. Mänuerabtheilung Ackerstr. 97.— s. Männerablheilung Stallschreiberstr. 54.— t. Lehrlingsabthetwng Frtedenstraße 87.— 8. Lehrlings- abtheilung Boeckhstraße 21.— i. Tqniengbiheilung Markannenufer ia.— Männer- Turnverein Eiche, Köpenick. Uebungsstunden: Abends 8— lo Uhr, in Klcin's Hotel(Wilbelmsplatz).— A r b e i t e r- T» r» v e r e t n sAdlershos) von 8)i—io)i Uhr abends in Köpenick, Rudowerftraße bei Schecr.— Freie Turnerschaft Rixdors-Britz, l. Schüler-Ablheiluug von 9)j— 8� Uhr, i. Männer- und LchrltngS-Abiheiluug von t-�— io� Uhr bei Wirsing, Knesebeck- stiaße na. gtfe-»»d DioIi»tirl>I»bo. Süden, Srbönleinstr. 9 bei Ewald. Zieutscher oeuefeldcr Blind.(Milgliedschafi Berlin.) Heule Abend 8 Uhr im Restaurant Cohn, Beuthstr.»I: Milgliederversammluug und Bornaudssivung. Zlrrband der oZravriir«, Ziseleure etc. Filiale Berlin. Heule Abend als Uhr, Oranienstraste Nr. 61: Vortrag d.S Herrn Dr. P Bernstein über ..Geisteskrankheiten-. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet in dieser Woche am Diens- tag von 7 Uhr ab, Freitag«ud Sonnabend von 5 bis 7 Uhr abends statt. O. N., Schriftführer der Xapezirer. Ihr Bericht über die Wer- sammlung der Filiale Norden muß. da er für die Allgemeinheit absolut nichts Wichtiges enthält, abgelehnt werden. Wir hatten schon einmal mit einigen Vertretern Ihrer Gewerkschaft Rücksprache genommen und waren übereingekommen, daß von Filialverlantmlungen nur ausnahmsweise ganz wichtige Beschlüsse in gedrängtester Kürze gebracht werden sollen. Post. Besten Dank siir Ihren Hinweis. Die Sache selbst ist äugen- blicklich nicht zu verwerthcn. Fränkel. Wir werden ja die Angelegenheit noch einmal erörtern, wenn N. vom Gericht abgenrtheilt wird. Vorläufig habe» wir keine Ursache von unserer Stellung abzuweichen. C. K., Schulftrasie. Sie haben beide Recht. Die böse Leidenschast ist personisizirt._ WltteniiistSiibclslcht von, 15. November 1807. Wetter-Prognose fiir Dienstag, 1(5. November 1807. Zunächst etwas wärmer, vorwiegend lrttve mit Niederschlägen und frischen westliche» Winden; nachher aufklarend und kühler. Für den Inhalt der Juseratc übernimmt die Redaktion dein Pnblitnm gegenüber keinerlei Vcrantwortnng. Tlzentcv. Dienstag, den 16. November. Opernhaus. Die Walküre. Anfang ÜV, Uhr. Schauspielhaus. Da? neue Weib. Anfang TVi Uhr. Deutsches. Jugendfreunde. Anfang 7'/2Uhr. Berliner. In Behandlung. Au- fang?»/, Uhr. Goethe. Othello. Anfang?>/, Uhr. Leffing. Hans Huckebei». Ansang 7V, Uhr. Neues. Aschermittwoch. Vorher: Lieb' im Spiel. Ansang 7l/2 Uhr. Residenz. Die vierte Dlinension. Vorher: Finale. Anfang 7i/, Uhr. Schiller. Wallenstein's Tod. An- fang 8 Uhr. Unter den Linden. Die Groß- Herzogin von Gerolstein. Anfang 71/, Uhr. Luisen. Ein verbotenes Schauspiel. Ansang 8 Uhr. Thalia. Die DrillingSmutter. Vor- her: DaS Wetterhäuschen. An- fang 7»/, Uhr. Ostend. Am Altar. Anfang 8 Uhr. Central. Berliner Fahrten. Anfang 7i/, Uhr. Friedrich- Wilhel,»städtische». Die Königstochter als Bettlerin oder: Die Schule des Lebens. Belle-Zllliance. Familie Hörner. Anfang 7i/, Uhr. Illeranderplah. Im Sumpf. Ans. Meich�hnllen. Speztalitätm. An- fang 8 Uhr. American. Berlin, wte'S näht und trennt. Ansang 8 Uhr. Apollo. Spezialitäten. Aich 7-/, Uhr. Fecii-Palast. Spezialitäten. Passage- Panoptiknin. Wiener Tanz- und Operetten-G es ellsch a ft. Urania Tnnbenstrnssc 48— 40. Naturkundl. Ausstellung taglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ah, Eintritt 60Pf.— Abends 8 Uhr Wissensohaftl. Theater. InvaIidcn8trasHeffio.57/6S: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) ahds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! Szszillev-Tlzekikei. (Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: Wallen- stein's Tod. Mittwoch(Bußtag) abends 8 Uhr: Geistliches Konzert. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wallen- stein's Lager. Tie Piccolo- mtni.__ Lnisen- Theater 31. Reichenbergerstraste 31. _ Abends 8 Uhr: Zum ersten Male: kin verbotelleg Zlhachiel. Lustspiel Aftcn von Jacob Lippmann Mltiwoch(Bußtag): Geschlossen. Donnerstag zum 2. Male: Kill verbotenes Tlhausviel. Direkte Verbindung mit dem Theater: Elcktr. Bahn: Dönhoffplatz— Reichen- bergcrstraße in 10 Minuten. Passage-Panopdcum. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. fii/a-lO Uhr. Castan's Panopticnm. Eriedrichstr. 165. Indlsch- hlndnata- niache Gunkler — und— Sc h lange n- UewchwOrep. Das BÄRENWEIB. N • I Centrai-Theater Alte Jakobstr. 30. Direktton Itlchnrel Schnitz. Dienstag, den 16. November 1897: Emil Thomas a. G. _3iim 74. Male: Becliner Fahrten. Burleske AiisstattungSpossemIt Gesang und Tanz in 6 Bildem von Julius Freund und Wilhelm Mannstädt. Musik von Jul. Eiitödshofer. Anfang i/,8 Uhr. Morgen und die folgenden Tage: Berliner Fahrte». Thalia- Theater. Dienstag, den 16. November 1897: Zum 32. Male: Uotel Tohu-Bohu. (L'Auberge da Tohu-Bohn.) Vaudeville in 3 Akten von Maurice Ordonncau. Deutsch von Viktor Leon. Musik von Viktor Roger. Morgen: Dieselbe Vorstellung. ilplle- Theater. Friedrlchstr. 218. Dir.�. Cillieh Familie Xelss. Mr. Itapoll Carmen Faur. Kanfmann's Kunst- Rad fahrer-Troape. Robert Steldl. Miie. Berthe Ducbamp. Der Kosniograf. Kakseneröffnung: 61/, Uhr. _ Anfang 7i/, Uhr. Concerüiaus I.cipzigcrstr.lVo.AN. NM" Täglich:-«S Hoffmann's ynartell »»d Iiii»:orisle». Achll,:s'S;A:: vamen von» Rolle«,(jum 218. Male: Lcne, liebe Lene k-ehende Fhotogfpaphlen. Reivhs hallen» Dheatep. Ueipnigerstrasse 77. Die grossartige Novität: JI tf fi die lustige 18 IV H, Schwiegermutter. (Kurees Gastspiel.) Albert und Albcrtina. iTIclanle Robertl. Golemann's VÄ"- LO crstklass. Xniiimcrn. Anfang des Konzerts 7'AUhr, der Vorstellung 8 Uhr. Entröe 50 Pfg. Im Eeichshallen-Tunnel: Milltilr- John- Concert. Kaiser-Frnnz-KapeUe in Fnlfoi'U». Anfang 8 Uhr. Entree 20 Pf. Vollts- Theater Im Wclt-Restnnrant 07. D r e S d e n e r- S t r a st e 07. Novität! Täglich: Novität! O diese Radler! Posten- Burleske von O. Roeder. Dag Damenregiment. Operette von E l y.— Musik von E i» ö d s H 0 f e r. Anfang: Sonntags 6 Uhr, Wochen- _ tags 7'/, Uhr._ Ostend-Theater. Ar. Frankfurl-rslr.IZL. Dir.«f. Weist. MWP' Noch 3 Aufführungen:"TUJ Am Altar. Schauspiel in 4 Akten von Paul Blumenreich.— Anfang 8 Uhr. Im Tunnel von 7 Uhr ab: Großes — Fret-Konzert.— Mittwoch: Geschloffen. Donnerstag: Am Altar. Freitag: Die Lieder des Muffkanten. Sonnabend: Am Altar. Sonntag: Gebannt und erlöst. V. Noaeh's Theater nrnnncn-Strasse 16. Heute, Dienstag, den 16. November: Iken!-ÜW mr Neu I DMchtilililWMilliolliirs oder: Hcydemann u. Sohn. Volksslück mit Gesang in 3 Akten von Hugo Müller und Emil Pohl. Mittwoch wegen Bußtag keine Vor- stcllung. Quarg'! Vaudeville Theater Grand-Hotel Alexanderplast.{ Den glücklichsten Treffer habe» die 1. Original Bndapester (Lautzky u. Spitzer) geinacht. Das Modell! Das Armband! haben zwar einftimmig von der 1 gesaimnten Presse das größte und beste Lob erhalten, doch bleiben UM- die ausverkauften Häuser und DS" die nicht endenwollenden Lachstürme die besten Kritiken. 'Vorzugskarten gelten.� Maehr's Theater OraniciistraN-ic 34. SÄT Cänliist Theater- n. SpcxIaUtiltcn- Vorstcllnng. BroTltlltca-Programm. Neu! Mr. Gillon Neu! und Miss Margaritta, Jongleur und Equilibrist. Uttkffttff« Wochentags 8 Uhr. AttlUIlN. Sonntags 6 Uhr. Preise wie gewöhnlich. Donnerstag, den 18. November 1897 Benefiz für den Regiffenr Herm - Eugen Eredy. Programm neu! Programm neu! Cireus lluseh (Bahnhof BUrsc). Dienstag, 16. Novbr., abds. 7»/, Uhr: Elite-Abend. Sämmtliche Novitäten: Double Tricact, ausgeführt von Geschwister Polvell; Mr. Rasfoni und Mist Mariana: Eine Szene auS der Prärie. DaS lebende Karoufiel. ein Meisterstttck der Dreffurknnst, vor- geführt von Sign. Corradini. Auf- treten der Schulreitertn Mnie. Maria DorS. Die vorzüglichsten Freiheits- dreffuren des Dir. Busch. Gebrüder Batta: Eine Velocipedefahrt an der Ztrkusdecke. Zum Schluß: Nach Zldirle». Da? groftartigste aller Manbge- Schaustücke. Morgen: Keine Vorstellung. Donnerstag: Sämmtl. Novitäten. 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Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf. (Siehe Plakate.) Nene» Programm! Mittwoch, den 17. November: Keine Soiräe. Goldabfälle [36118* Gold, Silber, Kehrgold, Treffen, Plattn kauft die Scheide-Anst. Zimmerstr. 32. (jehrUlterHerrnfellTs� I. Orig-iital- und ohne Konkurrenz dastehendes BndaiieNter Possen- 11. Operetten- Theater in Kaufman n's Variete erzielt durch die an Komik und Situationswitz unübertrefflichen Stücke täglich ein Busverkauftes Haus. Ganz Berlin spricht von Ein Abend im Wintergarten und Im Afeller. Ferner das überraschende Spezialitäten-Ensemble. Anfang Sonntags 7 Uhr, Wochentags i/z8 Uhr. "TRlä Familie Kochsalz. Original-Lustsiiiel von Gebr. Hermteld. Von Dreiend. Glücklichste. Golegenheitsakt von Gebrüder Herrnfeld. "hm."'' Sanssouci Rottbuser Strafte Str. 1 a. Dir. H. Plerri). Artistischer Leiter Jos. Slschingcr. Neu! Die Beilchenfee. Neu! Bollsstück mit Gesang von W. Gericke. Hotel-Abcnteuer. Kom. Panto- mime. 7 Personen. 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Gleichzeitig wird auf dw am Mittwoch(Buktag) stattfindende Partie nach Pichclswerder(Zum alten Freund) aufmerksam gemacht. Trcsspuntt 8V- Uhr Potsdamer Ringbahnhof.__ 239/4 Sozialdemokratischer Mahlverein sur den 4. Verl. Reichstags- Wahlkreis Weil). Dienstag, de» kk. November, abends 8 Uhr. im XiOkalc Königsbank, Gr. Frankfarterstrasse 117; mr VrrZKinntlung.■« Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen K. Aiilarg über:„Das Unfallgcseb.« 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 243/18 IW Für die Mitglieder kommt in dieser Versammlung das Protokoll des Hamburger Parteitages zur Vertheilung.»er Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis («ttd-Ostm.) Dienstag, den 16. November, abends 8V, Uhr, im Lokakc des Herr» Graninann lgrosier Saal), Naunynstraste 87: AM" vevfnititnlnng."Mg Tages-Ordnung: 243/19 1. Dortrag des Reichstags-Abgeordneten It.«ekmidt über: Reaktionäre Strömungen. 2. Diskussion. 3. Endgiltige Beschlußfassung über den Antrag Runge. 4. Vercinsangelegcnheiten. MET' Neue Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. NB. Die Mitglieder werden aufgefordert, sich zahlreich an der am Mittwoch(Bußtag) stattfindenden Fustpartie zu bctheiligcn. Abmarsch früh 8 Uhr vom Genossen Erbe, Cnvrhstr. 25. Siehe unter Lokales. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 16. November 1896, abends S1/, Uhr. im Lokal von Schirm s Wwe., Badstr. 19: Versammlung. Tagesordnung: T. Vortrag des RcichStagS-Abgcordncten R ich. Fischer. 2. Diskussion. 3. Vereinsangclcgenhciten. Zahlreiches Erscheinen erwaitet 247/8 Der Vorstand. NB. Am Mittwoch— Bußtag— unternimmt der Wahlverein eine Fnsspartie nach Stolpe an der Nordbahn. Zielpunkt: Nestau- rant Bergemann in Stolpe. Treffpunkt früh 8 Uhr im Viktoriagarten. Badstr. 12(Gesundbrunnen). Zahlreiches Erscheinen, besonders der sanges- kundigen Mitglieder erwartet Der Vorstand. Zenfralverein der Bildhauer. Verwaltungsstelle Berlin. Dienstag, den 16. November,. abends 8V2 Uhr präz., Köpenickerstraße 62: Versammlung."WW Vortrag des Kollegen Dnpont über:„Unsere geistige Ausbildung". Um zahlreiches Erscheinen ersucht 39/12 Der Vorstand. UttM der grilphischen Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlands Berlin I.) Donnerstag, de» 18. November 1897, abends S'/j Uhr,? bei Hoffmann. Alexanderstr. 87 e: 290/5 Mkitgliedev�VvvZÄtnnrlnng. Tages-Ordnung: I. Geschäftliches. 2. Bortrag des Herrn Dr. I. W o l h e i m: Natur- erkenntniß und Weltfortschritt. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Die Verwaltung. Fachvereis d. Miisikinslrumenten-Arbeiter Mittwoch, de» 17. November: Herren-Partie nach Grünau, �MieW. Abfahrt: Gürlitzer Bahnhof 8,35 früh. Schlenscher„ 8,21 143/15 Für Nachzügler Treffpunkt bei lilndeaheyii in Grtinan. Um rege Betheiligung ersucht_ Der Vorstand. I Witng! Wlthauser Vorstildt. Konlnlunslwilbler-vtrsnninllnng für den 32, Wahlbezirk 221/3 am Donnerstag, den 18. November, abends 8% Uhr, in Wernau s Festsiilen, Schtvedterstrasie 83 81. Tagesordnung: 1.„Die bevorstehende Stichwahl." Referent: Reichstags-Abgeordnctcr Faul Singer. 2. Diskusston. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Das Wahlkomitee. Achtmig, Textil-Arbeiter! Filiale I Berlin. Mittwoch, den 17. Nov.(Bußtag), nachm. 4 Uhr, bei Wilke, Andreasstr. 26: Versammlung. Tagesordnung: 1. Sollen Nichtorganisirte in Streifällen unter- stützt werden? 2...Diskussion. 3. Verschiedenes. 197/17 Um zahlreiches Erscheinen ersucht__ Der Borstand. R i x d o r f. Große öffentliche Uersammlnng der Gewerkschaften. Donnerstag, den 18. Kovemker 1897, abends 8 Vi Uhr, bei Grttpler, Berg Strasse 147. Tages-Ordnung: 206/3 Der Kampf der englischen Maschinenbauer um den Achtstundentag. Zu dieser Versammlung sind besonders die Anhänger der deutschen Gcwerkoerewe(Hirsch-Dunrker) für Ripdorf, Britz und Umgegend brieflich und mündlich eingeladen. Ter Bertrauenomann d. Gewerkschafte» Rixdorfs. Radfahrer-Verein„Falke", Rixdorf Mittwoch, den 17. Wovember: MI Vereins toar nach Mittenwalde. HZZ Abfahrt 18V- Uhr.vom Dereinslokal Fressier, Zietenstraße 69. Hierzu sind die Mitglieder des„Arbeiter- Radfahrervcreins Berlin" und des„Radfabrervereins„Vorwärts" Moabit" nochmals freundlich eingeladen. Auch Einzelfahrer sind willkommen. 1865b Gust. Lindenhayn, empfiehlt seinen grOSSCü SilS&l und große Neben rilunie den geehrten Parteigenossen. Dienstag, den 19. November, abends SV- Uhr, im Uiouisenstädt. Konzerthaas, Alte Jakobstrasse 37: Fortsetzung der durch polizeiliche Auflösung unterbrochenen Zehnjahrfeier der Hinrichtimg von Spiess u. Genossen in Chicago, Eeferentin: Frau Agnes Beinhold. 1867b Der Einberufer: Gustav Landauer. WkKM machen wir am Bußtag unsere Hcrren-Partie hin? WWG S N-chWelsnierder„Km iilteii Sremiii", der schlachtet und macht Riesenwurst und ladet alle EB&SBRBBnHj_ Freunde und Bekannte ein._[3581L* B. Günzel, Lothringerstr. 52. ��itän�rträts riajjaue, Marx k. in Eigarrenspitzen, Pfeifen, Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten, Bildern n. dgl., sowie jede Drcd'slcrwaare u. Repar.(Man verl. Preisknrant.) Jßsi'l'vn» Stoife, Faletot- Stoife, einzelne Beste Qheviot, Kammgarne, Hosenrcste spottbillig, auch an Private, luchlsger Hoher Steinweg 4, Eugel. direkt vom Vlincfl TöhnoOM Schmerzl. Zahnziehen 1 M., Plomb. 1,50 H. iMllloll. LallliC u Iii, Xheilz. Zahnarzt Wolf, Leipzigerst.22. Spr.9-6U. Brunhilde!»| j Roland Cheviot!| Unvern östliche u. echtfarbige Spezialitäten der Firma Cari H. Klippstein& Co., Uhausen i.Thiir. No.11 Weberei und Versand Beschölt. Unsere reiclihaltige Kollektion von Damen- und llerrenstofien sowie Fortifcren steht auf Wunsch fi*anko zur"Verfügung. 4/2* Zahlreiche, uns unverlangt zugegangene Anerkennungsschreiben bezeugen die Vorzöglichkeit unserer Stoffe. SmiMkiiii: Rksitt-M«»!! 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Dies zeigen mit der Bitte um stille Theilnahme tiefbetrübt an Berlin, 15. Nov. 1897. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachm. 3 Uhr, vom Trauerhaufe aus, Fürbringcr- straße 10, nach dem Neuen Jakobi- kirchhose, Hermannstraße, statt. Typograp Ma. Am 14. d. M. verstarb unser lang- jähriges Mitglied, Kollege Fritz Liphardt. Die Mitglieder(namentlich die aktiven) werden ersucht, bei der am Busstng, nachmittags S'/z Uhr, auf dem Neuen Jakobt-Kirchhof, Her- rnannstraße) stattfindenden Beerdigung zahlreich zu«scheinen. Der Vorstand. NB. Die Partie muß infolge dessen abgekürzt werden._ Zentral-Kranken- nnd Tterbekasse der Tischler. Berlin v. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied ferdiMnd Russack durch Betriebsunfall am 12. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am 17. d. M., nackimittags 2Vz Uhr, auf dem Heilands-Kirchhof(Plötzensee) statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 182/19 Die Ortsverwaltung. Allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten die tieftraurige Nach- richt, daß in der Nacht vorn 13. zum 14. d. M. mir meine liebe gute Frau Agnes Canzius geb. Ferlett nach kurzem aber schwerem Kampfe durch den unerbittlichen Tod entrissen wurde. Nur wer die Verstorbene kannte, wird meine, l Schmerz zu wür- digen wissen. 1868b Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, den 17. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth- Kirchhofes in der Prinzen-Allee. Der tiestrauemde Gatte W. Eanzius. Zeige Freunden und Bekannten hierdurch an, daß ich[35012* SO., Skalitzerstr. 83-83 nn in BnWlßrch, ........... jinaus. Willis! zur Uerdkducht! giebt's am MtU frische Wurst! Das beste sur senMagen. In Flaschen ä Mk. 0.99. 1.19 u. 1.89. Wie im Ausschank überall zu haben. Wo nicht vorhanden, bitte zu verlangen. R. F. Mittelstadt Weinhandlung und Likör-Fabrik Zss., Brunnenstr. 133. Tlieodor Fricke, Berlin 1. Geschäft; Ornnienftr. 174, 2. 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Reichenbergerstr. 102. Berauiivorllicher Redakteur: August Jacobe« i» Berlin. Für den JuseralentheU veranlworllich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.