1 Oer Wert der Haushaltsarbeit. Ernährt der Mann die Krau? wie ichließen die Diskussion über diese Frage mit dem Abdruck zweier weiterer Beiträge ab. Bisher ist seder Meinungsaustausch in sozialistischen Kreisen über die Arbeitsleistung der Hausfrau zunächst zu der Feststellung gelangt, daß dies« Arbeit, zumal wenn mehrere Kinder vorhanden sind, in ihrem Umfang und ihrer Schwierigkeit einer vollen Berufs- arbeit gleichkommt und oftmals über sie hinausgeht, um dann in die Forderung einzumünden, auch der Ehefrau einen Anteil am Einkommen des Mannes für ihre persönlichen Bedürfnisse sestzu- setzen. Wo die Einkommensverhältnisse dies gestatten, ist«» ein« Anstandspslicht de, Mannes, seine Ausgaben für Bier, Zigarren, Sport, Liebhabereien oder Kulturb«, dürfnisse auch im gleichen Um- fang seiner Frau zuzugestehen'für ihre Wünsche und Bedürfnisse, oder sein« Ausgaben einzuschränken, damit ste im gleichen Maße zu ihrem Rechte kommt. Praktisch liegen die Dinge aber so, daß der schmale Lohn in der sorgenvollen Frau und Mutter solch« Be- dürfnisse gar nicht aufkommen läßt, und sie ebenso not- gedrungen wie aus eigenstem Antrieb alles bis auf den letzten Pfennig der Haushaltskasse zuführt, um damit den Kindern, dem Mann und de» Haushaltsnotwendigkeiten zu genügen. Trotz alle- dem aber behält der Mann sich weiter da» Recht vor, sein„ver- dientes" Taschengeld für s i ch zu verbrauchen und die Frau ge- steht ihm dieses. Recht, wenn es nicht in Mißbrauch ausartet, gern zu. Sie steht nicht, welch schreiendes Unrecht es im Grunde ist. Die große Mehrheit der Arbeiterfrauen wird mit mir einig sein in dem Wunsche an die Männer: beweist eure Anerkennung der Hausfrauenarbeit als volle Arbeitsleistung dadurch, daß ihr jene fragwürdigen Genüsse(Tabak, Alkoholl), an denen die Frau nicht teilnimmt, einschränkt oder auf sie verzichtet: kämpft vor allem auch dafür, daß der Zwang, mit Arbeitskollegen bei Partei- und Gewerkschaftsveranftaltungen diese Gift« zu konsumieren, aushört, verwendet die spärlichen Groschen, die die Notdurft de» Lebens überhaupt für Lebensfreuden übrig läßt, mit Frau und Kindern zusammen für wahrhaft ausbauend« Werte! D. S. Oie Ltnproduktivitat der Hausarbeit. Im Laufe der Aussprache wurde ganz richtig einmal darauf liiugewissen, daß bei den Wohlhobenden und im gebildeten Bürger- tum die Redensart des Mannes, daß er die Frau erhalt«, nicht üblich ist. Nun erlaubt ja einerseits der Besitz an sich eine groß- zügigere Haltung in Gelddingen den Angehörigen gegenüber: steht doch der hastende, raffende Geschäftsmann, der in nervöser Eil« selbst gar nicht die Muße zum Genießen des Erworbenen findet, das Ziel seines Strebens in materieller Sicherstellung der Fainilie, dem Aufbau einer schönen, behaglichen Häuslichteit und der Ele- ganz und Gepslegcheit seiner Frau, als in Dingen, die seinem Jagen nach Erwerb einzig Sinn, wenn auch keine Berechtigung geben. Tatsache aber ist doch, daß, je größer die Verhältnisse und je zahlreicher die zur Verfügung stehenden Hausangestellten sind, desto geringer die Arbeitsgegenlastungen der Frau für ihren Unterhalt ausfallen. Ein erfolgreicher moderner Lustspielschlager zeigt uns eine Ehefrau der großbürgerlichen Kreise, die aus der Erkenntnis hreaus, daß sie ihrem Manne als einzige Gegenleistung für einen recht luxuriösen Unterhalt nur Geliebte ist, als eine Constanze, die stch in diesem Punkte durchaus richtig verhält, indem ste stch ent- schlössen beruflich auf eigene Füße stellt. Als«in anderes Symptom für die Einstellung des Bürgertums in dieser Hinsicht sei genannt eine jüngst erschienene Schrift eine? Rechtsanwalts(Dr. Bauer- Mengelberg„DI« wirtschaftliche Technik der Ehe"), die den obersten Grundsatz aufstellt: tn jedem Fall müssen Mann und Frau soviel erhalten, daß sie ungefähr in gleichem Maße zu persönlichen Aus- gaben in der Lage sind, ganz gleich, ob Vermögen von einem der Partner oder nur der Arbeitsverdienst des Mannes vorhanden sind. Di« Frau nuiß stets das Gefühl der wirtschaftlichen Freiheit im Rahmen der Mittel behalten, der Mann darf sie keiner kleinliche» Kontrolle untenverfen, es Ist für ste unerträglich, unter dem Zwang der Not oder Einschränkung zu stehen, wenn der Mann sich für seine Person Ausgaben erlaubt, die über dos Niveau der häus- lichen Lebenshaltung hinausgehen. Selbst wenn der Mann für sein« Person bedürfnislos ist, dürfe er doch der Frau nicht zwangsweise ein« rigoros« Sparsamkeit zumuten, die ihr nicht liegt, die nicht durch die Niedrigkeit des Einkommens bedingt ist. Dies« Ausführungen zeigen mit aller Deutlichkeit, daß Im Bürgertum die Leistung der Hausfrau voll geschätzt wird auch wenn sie durch Haushilfen wesentlich erleichtert wird. Die Ausfassung des bürger- lichen Verfassers von der Eh« tritt in den Worten hervor:„Di« Frau erhebt den Anspruch darauf. Gefährtin des Mannes zu sein und kommt damit seinen tiefsten Bedürfnissen entgegen", lim wieviel höher sollte da der Arbeiter die Leistungen seiner Lebens» kam« radln veranschlagen, die ganz ollein die schwierige und unendlich vielseitige Ausgabe der haushaltsührung und Kinderpflege bewäiligll Welch«In Mangel an Zartgefühl, Achtung und Emstcht offenbart sich in dem Vorwurf, daß er seine Frau„ernährt" und ste„nicht arbeitet"! Wir Soziatisten wollen aber doch nichi nur den Stand- punkt des Kulturbürgertums uns zu eigen machen, sondern darüber hinausgehen! Und da muß bei aller Anerkennung der gewaltigen Arbeitsleistungen der Arbeiterehesrau und-mutter doch immer wie- der die heillose U n p r o d u k t i v i t ä t vieler ihrer Bemühungen betont werden, an denen sie persönlich nicht schuld ist, und die nur durch den Fortschritt vom kräftczersplitternden Kleinhaushalt zum krästevereincnden Großhaushalt überwunden werden kann. Aber gerade die Angst, dem Manne nicht genug Arbeits- gegenleistungen in der Ehe zu bieten, und somit von ihm„ernährt" zu werden, steckt— bewußt oder unbewußt— dahinter, wenn selbst sozialistische Frauen zeit- und kräftesparende Einrichtungen wie Zentralheizung, gemeiirsame Waschküche, Gemeinschaftsküche usw. ablehnen! Aber nur auf dem Wege der Umwandlung der un» bezahlten Hausarbeit tn Berufsarbeit werden wir allgemein zu einer gesellschaftlichen Wertung dieser Arbeit kommen und wird ihre Ein» schätzung nicht mehr von der Einsichtigkeit oder Anständigkeit des .Herrn des Hauses" abhängen. Sicher steckt hinter der Gering» schätzung de- Arbeiters für die Tätigkeit seiner Frau unbewußt auch die Erkemikliis ihrer kleinlichen Verzettelung und Uuproduklivität, da er durch die Arbeit im rationalisierten Wirtslfyistslebeii weiß, was zweckmäßiges, sinnvoll durchdachies Zusammenarbeiten b«» deutet! Zuletzt sei noch eine zweifellos peinliche Tatsach« berührt. Der Mann ist soziologisch gesehen der Frau gegenüber der Arbeitgeber und verwechselt wie viele Arbeitgeber— trotz Ausbeutung und An» gewiesensein auf ihre Arbeit— seine Stellung ihr gegenüber mit der des„Ernährers". In der auf den Kopf gestellten kapsialistifchen Wirtschaft werden nun nicht die Konsumgüter an die Gesamtheit verteilt, sondern die„Arbeit" muß sorgsam oertellt und zugemesien werden. Auch der Konkurrenzkampf der Frauen um den Mann—? tz�ui« freÜW) sehr gemildert durch eigene Crwerbeorbeii der unver- heirateten Frau— hat nebe» dem erotilche» Charatler auch einen stark inatericllen Einschlag, da auch um die schwer kündbare„Arbeitsstelle- als Hausfrau, die be- rkichtigle„Versorgung-, gerungen wird. Erst wenn diese unglückselig« Verquickung zwischen der Neigung zweier Menschen und der Arbeitgeber-, Arbeitnehmersituation ausgehoben ist, wird der Liebe ihr« Reinheit und der�Eh« ihre Würde wiedergegeben. Bei aller Anerkennung'der heutigen Nöte darf doch die Dis- kufsion nicht aus eine Verherrlichung der„züchiig waltenden Haus- frau- alten Etils hinauslausen, sondern muh das sozialistische Zu- tunstsziel im Aug« behalten. H. S. Fürsorge für die Unehelichen. Im Archiv Deutscher Berussvormünder Ist eine Schrift von Dr. Annemarie Wulff,„Das Schicksal der Unehelichen in Berlin-, erschienen, die auf Grund statistischen Materials die Lebensaussichten, soziale Umwelt, Qualität, Erziehung und Berufswahl der Unehelichen Berlins vieiseilig und gründlich untersucht. Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahlen ist es besonders für die weiblichen Wähler sehr wichtig, zu wissen, was die Heimat- kommune für die unverheiratete Mutter und ihr Kind leistet, und was«ine sozlal-sortschrittliche und großzügige Stadtverwaltung in Zukunst noch zum Schutze dieser besonders hilfsbedürftigen Menschenkategorie tun könnte. Was bei der Betrachtung des Unehelichenproblems am nieisten tn die Augen springt, ist die Tatsach«, daß es seit der Un, wälzung IöI8 ganz gewaltig seiner Lösung näher geführt worden ist, und zwar von zwei Ausgangspunkten her. Der eine ist die enorme Abnahme der nnehellchen Gebarten; den rund SSOV unehelichen Geburten jährlich in Berlin standen 1S2Z rund 4400 gegenüber. Andererseits wurde das Unehelichen- Problem seiner Lösung näher geführt durch die stelig zunehmende Verbesserung der Fürsorge und Gesetzgebung. Von der oft- mals nachlässig, ja widerwillig geführten ehrenamtlichen Einzel- Vormundschaft über die 1912 in Berlin eingeführte Berufsvor- mundschast des Vormundschaftsamtes, in deren Rahmen ein angestellter Einzeloormund einj Reihe von Vormundschasten führ», geht eine gerade Linie zu dem 1924 geschaffenen Iugendwohl- fahrtsgesetz, das die Fürsorge für die Berliner Unehelichen den Bezirksämtern unterstellt. Während der Einzelvormund oftmals erst ein Vierteljahr nach der Geburt des Kindes ein- gesetzt wurde und inzwischen der Anerkennungs- und Zahlungs- will? des Kindesvaters sich schon wieder verflüchtigt hatte, setzt die Fürsorg« des Bezirksamtes schon möglichst vor der Geburt und die Vormundschaft unmittelbar nach der Geburt des Kindes«in und wird mit allen Hilfs- und Machtmitteln eines behördlichen Apparates geführt. Eine weitere Verbesserung sür das Schicksal der Unehelichen, sogar«ine sehr wesentliche, besteht darin, das; alle seit der Umwälzung geschaffenen sozialen Mahnahmen für Säug- llngs- und Kleinkinderfürsorge— man denke an die Fllrsorgestellen, Familienhilfe der Krankenkassen, Krippen, Kindergärten und Horte—, ihnen in dem gleichen INohe zugute kommen wie den Eheliche». Alles, was in Berlin auf diesem Gebiete geschieht, wird also auch die viel stärker lebensbedrohten und schutzbedürstigen Unehelichen umfassen. Ein weiteres Moment zum Schutze der Unehelichen ergibt sich aus der verbesserten Gesetzgebung. Zahlungswill« des Vaters ist nicht immer gleichbedeutend mit Zahlungsfähigkeit. Da ist es nun sehr bedeutsam, daß in Fällen von Tod, Arbeitslosigkeit, Krank- heit, Invalidität des Vaters dem unehelichen Kinde der gleiche Rentenanspruch wie dem ehelichen zusteht. Der Rückgang der unehelichen Geburten um fast die Hälfte angesichts einer beispiellosen Revolution der Sitten in der Nach- kriegszeit, einer Wandlung der Anschauungen, die bis weit in die bürgerlichen Kreise hinein dem freien Verhältnis das Odium der Verwerflichen genommen hat, ist nur verständlich einer- seit« durch die erschreckende Zunahme der Abtreibungen und andererseits durch die Erfolge der Empfängnisverhütungspropaganda. Ben Lindsey prägte in seiner„Kameradschaftsehe" den Satz: „Das Gummi hak die Moral revolutioniert!- Ein Satz, der in seiner klassischen, monumentalen Einfachheit eines Karl Marx würdig wäre. Das Gummi, d. h. mit anderen Worten die moderne Technik der Geburtenregelung hat Tausenden und aber Tausenden von unglücklichen, unversorgten, unwillkommenen Kindern den Leidensweg eines elenden, freudlosen Lebens erspart. Di« Mgdchen, denen„es" heute noch„passiert", lassen sich im großen und ganzen einteilen In die Kategorien der unaufgeklärten Klein- städterinnen und Landniädchen, der Jugendlichen und der Hemmung-- losen Minderwertigen. Als vierte Kategorie tritt zunehmend in Erscheinung die Zahl jener unehelichen Mütter, die bewußt und stolz die Mutterjchost ohne Ehe auf stch genommen haben und, unabhängig von der Ehe, oder um als triegsüberzählige Frauen nicht auf die Mutterschaft zu verzichten, ihr Kind durch eigene Berufsarbeit erhalten. Unbarmherzig hart ist die Auslese, die die Natur unter den Unehelichen vornimmt, wobei st« im tödlichen Bernichtungswerk unterstützt wird durch die lchlechten sozialen Lebensbedingungen, di« das unehelich« Kind erwarten. Snd doch nicht allein die Totgeburten bei den Unehelichen fast doppelt so hoch wie bei den Ehelichen <1923 6,4 Proz. zu 3,4 Proz. der ehelich Geborenen)— wobei aller- dings häufig genug die schädlichen Abtreibungsversuch« eine Rolle spielen—, sondern beträgt trog verbesserter Fürsorg« die Säug- lin gsster blicht e it bei den Unehelichen ebenfalls dos Doppelte <1925 16,9 Proz. zu 8 Proz). Unter den Todesursachen stehen obenan Lebensschwächc, Syphilis, Verdauungsstörungen. Grippe und Lungenentzündung, Infektionskrankheiten. Di« immer wieder diskutierte Frage, ob die Unehelichen im allgemeinen biologisch schwächer und anfälliger sind, wirb sich u. E. gar nicht generell beantworten lassen, weil die Unehelichen sich aus zu verschiedenen Elementen zusammensetzen. Für die oben genannten Kategorien, deren Fortpflanzung als nicht wünschenswert bezeichnet wurde, ist zweifellos eine bejonder« Anfälligkeit anzunehmen, für die andere Hälfte dagegen keineswegs, da es sich um triebträftige Menschen in den besten Jugendjahren handelt. Bei den Kindern dieser Menschen, die gesund und normal oeranlagt zur Welt kommen, lädt die Gesellschast«ine schwere Schuld aus sich, wenn sie sie immer noch durch mangelnde Pfleg« und Fürsorge hilflos zugrunde gehen läht. Die Beobachtung eines Forschers, daß die Skerblichkeil der unehelichen Säuglinge erst noch dem elften Lebenslage größer wird als die der ehelichen, aljo da im, wenn die Mutter aus der Anstalt kommt und da« elende soziale Milieu zu wirken beginnt, läht tief blicken. Wie gestaltet sich nun dos Schicksal der Berliner Unehelichen, die das Glück haben, trotz aller Ungunst der äußeren Umstände am Leben zu bleiben? 39 bis 49 Proz. werden durch nachfolgend« Heirat der Eltern legitimiert und scheiden damit auf die glücklichste Art aus der Reihe der Unehelichen aus. Der uneheliche Verkehr ist also zum guten Teil nur vorehelicher Geschlechtsverkehr, sogen. Verlobtenverkehr. Die meisten Kinder werden schon >m ersten Lebensjahr legitimiert, je älter jedoch da» Kind wird, desto mehr schwindet die Aussicht auf Legitiination durch Heirat der Eltern. Die daneben gesetzlich zulässige Ehelichkeit»» « r k l ä r u n g spielt eine ganz verschwindend geringe Rolle, eben- falls die Adoption durch gutgestellte kinderlose Leute, auf die sich viele uneheliche Mütter unbegründete Hossnungen machen. Bon den 1924 in Berlin geborenen Unehelichen wurden ganze 9,6 Proz. bisher adoptiert. Wesentlich höher ist demgegenüber der Prozent- satz, nämlich 5, derjenigen Kinder, di« im srühen Alter Berlin verlassen: es dürfte sich hierbei vor allem um die unehelichen Kinder von Hausangestellten handein, di« zu den Eltern de» Mädchens aufs Land gebracht werden. Das typische Schicksal des unehelichen Kindes in der Großstadt ist die Ruhelosigkeit, der ständige Wechsel der pflegestellen. Die Kinder gelangen zu keiner Fixierung ihrer Gefühlsbindungen auf bestimmte Personen, was für die in der Entwicklung be- griffene kindliche Psyche so wichtig ist. Wurzellos treiben die kleinen Geschöpfe von einer Stelle zur anderen, und nachher wun- dert man sich über den verhältnismäßig hohen Anteil der Unehe- lichen an den Fürsorgezöglingen. Etwa 29 Proz. stellen diese in den Fürsorgeanstalten; entsprechend dem Anteil an der Gesamt- bevölkerung etwa das Drei- bis Vierfache der Ehelichen. In der „Crfolgstatistik" über die 1999 entlassenen preußischen Fürsorge- zögling« schneiden die Unehelichen aber nicht schlechter ab als die Ehelichen, ein Beweis dafür, daß ihre Verwahrlosung nicht Anlage, sondern Milieuschaden ist. Dazu kommt, daß die Un- ehelichen Fürsorgezöglinge nur von Müttern der niedrigsten Berufs» katcgorien mit meistens mehreren unehelichen Kindern abstammen. Das Bild, das die klein« Schrift von den Berliner Unehelichen entrollte, zeigt trotz fortgeschrittener Fürsorge der Oeffentlichkeit noch viel Dunkles und Trübes. Man wird sich dabei allerdings bewußt sein müssen, daß das Schicksal des unehelichen Kindes in unserer Gesellschaft zum überwiegenden Teil das Schicksal des proletarischen Kindes überhaupt ist, und daß eine weitere Besserung seiner Lage nur Im Rahmen des allgemeinen Ausstiegs des Proletariats möglich ist, Drauhcn in einer der neuen, schönen Wohngegenden, on di« die Mieter der staub- und lärmersüllten Straßen im Osten und Norden nur mit Neid denken können, ist der Schrecken auf- gesprungen: Ein kleines Mädelchen, ein lieber, frischer Kerl, ist verschwunden. Noch tagelanger Suche sand man seinen Leichnam wieder, geschändet, ermordet log der Körper unter der Erde Im Keller eines Neubaus. Die Zeitungen bringen Artikel über Artikel, Kriminalisten berichten von den Schwierigkeiten der Verfolgung von Eittlichkeitsverbrechcrn, Schuldirektoren berichten davon, daß ihre Schülerinnen sogar bis in die Räume der Schule von diesen „Kindersreunden" verfolgt werden, und uns wird als„Durchschnitts- zahl" für Sittlichkeitsverbrechen in Berlin die Zahl von 126 Fällen in einem Vierteljahr genannt! Ich weiß es— und die Kriminalpolizei weiß es auch—, daß die Gebüsche rund um unseren Spielplatz ein beliebter Ausenthalts« ort von Exhibitionisten sind, besonders die Unterführung der Unter- grundbahn mit ihren unübersichtlichen Loggien. Einmal erzählte die nett« Gertie aus dem dritten Stock entrüstet ihrer Mama, da in der Untergrundbahn hätte ein Mann sie und ihre beiden Freun- binnen angesprochen und sie erst aus sein Rad gesetzt— ob sie nicht Rodfahren lernen wollten— und die Grete hätte stch richtig rauf- gesetzt. Und dann Hab« er so von Sport und Turnen geredet und ob sie Handstand machen könnten— wer's am längsten aushielte, kriegt« «ine groß« Tafel Schokolade von ihm. Aber da hätte sie genug gehabt von dem zudringlichen Kerl und der Grete und der Annemie gesagt, sie ginge einfach allein nach Haus«, wenn die anderen nicht mitkämen. Geschehen ist darauf nichts, denn natürlich ist die Mama nicht zur Polizei gegangen, diese Sache melden— der Kerl war ja längst weg,„und das könnte mir gerade passen, mein Mädel einer langen Fragerei aussetzen". Ich konnte ihr nicht ganz unrecht geben, denn di« Geschichte spielte noch vor Erfindung der weiblichen Polizei. Aber nicht nur die Schulmädel, auch die Kleinkinder treiben sich in unserer Straße wie«ine Horde kleiner, unbeauf. slchtigter Straßenköter herum. Vor nicht langer Zeit hat da Fräulein Malchen einen neuen„möblierten Herrn" bekommen. Wir wissen nichts von ihm, als daß er«inen freundlichen, netten Ein- druck macht. Und weil er ein netter, freundlicher Mensch ist. hat er einig« Male einem der Kinder«in Täselchen Schokolad«,«in paar Bonbons geschenkt: das haben die anderen Gören gemerkt. Jetzt kann er sich kaum mehr auf der Straße zeigen, ohne daß«ine Herde der Gören hinter ihm her ist.«Herr Schuuultze! Herr Schuuultzel Schenken Sie mir doch auch«in Stück Schokolade! Schenken Sie mir«inen Sechser!" Und das Zimmer seines Parterrefensters wird von den Gören richtig belagert... Herr Schultz« kann ein sehr harmloser, netter Mensch sein— er ist wahrscheinlich sogar«in netter, harmloser Mann: aber es kann auch mal anders kommen. Dann wohnt bei Fräulein Malchen vielleicht einer von diesen un- heimlichen Unbekannten, und eines Tages kann auch aus unserer Straße eines der Kinder spurlos verschwinden. Denn sie lausen alle ohne jede Kontrolle, ohne jede Aufficht herum. Da ist Lottikind. Die Mama hat niemals Zeit, auf die derbe, hübsche Fünfjährig« selbst zu achten, trotzdem die Wohnung nur drei Zimmer und Mama für die Arbeit sogar«in Di«nstmädchen hat. Aber wenn di« zwölf- jährige Schwester In der Schule ist oder sonst keine Zeit hat, läuft Lottikind mit all den anderen Kleinkindern herum. Steht vor Herrn Schultz' Fenster und bettelt, läuft zu den Kaufleuten in den Laden und schnorrt um Bonbons und Bilder, geht sogar di« Treppen herauf und klingelt an fremden Türen:„Ich möchte mal hier spielen!" Manchmal wird sie eingelassen, Irgendeine nette alt« oder junge Dame schenkt ihr sogar den begehrten Sechser für«ine Eis- waffel, manchmal geht sie auch dafür irgendeine Kleinigkeit ein- holen... Noch ist Lottikind nichts passiert. Und wenn man der Maiva davon reden wollte, dann würden sie und der Papa höchstens über di« kecke, freche Kleine lachen. Im Keller unseres Hauses kleiden sich immer die Mitglieder der Sportvereine um. Und da waren gestern vier, fünf Neine Mädel auf dem Hof— Lottikind natürlich darunter. Und mit Quieken und Kichern jagte die kleine Band« immer wieder die Kellertreppe herauf und heruitter und machte Vorstöße zu dem Verschlag, in dem die Sportler die Kleider wechselten. Die Kinder haben sich nichts dabei gedacht? Kaum. Denn die meisten waren aus Familien, in denen der nackte Körper noch heute als«ine abenteuerlich« Unanständigkeit gilt. Und mit vielem ,�Huch" und Gequieke wurde hier die Ge- legenheit gefeiert, mal feine Neugier zu befriedigen. An alle diese Geschichten aus unserer ruhigen, stillen Straße, der Straße der„besseren Leute" mußte ich denken, als ich in den Zeitungen jetzt die Schilderung des Milieus las, aus dem die klein« Zepernick verschwand. Dort wie hier war die gleiche trügerisch« in Straße. Sicherheit, daß den Kindern in der„ruhigen, stillen Straße" ja nicht» Böses passieren kann. Aber die Straß« mordet, und unsere Gleich- gültigkeit Ist ihre Mitschuldige. Es scheint manchmal, als ob di» Eltern nicht sehen wollen. Dann bleibt aber noch«in« Ausgabe: Der Schutz unserer heran- wachsenden Kinder, der Mädel und Jungen, wenn auch die Mädel hi«r bei weitem die Gesährdeteren sind. d«nn von den 2l2 Opfern der Sittlichkeitsverbrechen in«ineni Vierteljahr waren nur 32 Knaben. Hier kann nur eins helfen: Sexuell« Ausklärung und Warnung. Vor allem befrei« man die Vorgäng« des Sexuallebens von den Schleiern des Geheimnisvollen, dem so leicht ein„pikanter" Anstrich gegeben wird. Und man überwache den Umgang seiner Kinder auch mit Altersgenossen! Ich denke hier an einen Fall, den ich als Gerichtsrepoiter«rieben mußte. Die Anklage lautete aus versuchte Notzucht und Freiheitsberaubung, und es sah für den Angeklagten bös« genug aus. denn er hatte vor 19(!) Iahren schon einmal eine Straf« wegen eines Sittlichkeitsdeliktes verbüßt. Aber di« Verhandlung war recht lehrreich: man erfuhr: Ilse, Lotte und Erna waren Sonntags in der stillen Vorstadtstrah« spazieren gegangen— und aus dem Epaziergang hatte sich eine richtige ..Fensterpromenade" entwickelt, di« die drei Mädchen dem Ange- klagten machten. Dabei hatten sie ihm sozusagen«in Ständchen gebracht mit dem damals so bekannten Lied:„Eine Miesekatze hat se aus Angora mitgebracht..." Die Mädel wollten von dem An» geklagten zum Radiohören eingeladen werden— wenigstens hatten sie das der Lotte erzählt, di« trotz ihrer fünfzehn Jahre noch ein richtiges Kind war— mit ihrem unentwickelten Kinderkörper und ihrem Kindergestcht. Di« beiden anderen waren in jeder Beziehung viel weiter... Als die drei aber endlich ihr Ziel erreicht hatten, war von Radiohören gar kein« Rede mehr. In der Wohnung de» Angeklagten kam es sofort zu d«n gröbsten„Schäkereien'� und die beiden anderen hielten lachend di« Lotte fest und schoben sie dem Angeklagten ol« vorzugsweises Objekt seiner Zärtlichkeiten zu. Nach Stunden gingen sie nach Haus«: Und nur Lotte war so verstört, daß der Vater sie ausfragte und sie ihm auch all«s gestand. In der Verhandlung kamen seltsame Dinge zur Sprach«: So behaupteten die Mädel, der Angeklagte habe die Tür verschloss««— aber Erna konnte doch ungehindert gehen und das Gas auf der Treppe an» stecken: dann kam sie freiwillig zurück.. Geschrien hatte keines der Mädel bei dem„Notzuchtsversuch":„er hat uns den Mund zu» gehalten", sagten sie... und man r«chnete unwillkürlich nach: da waren doch drei Münder und nur zwei Hände, die eigentlich auch anderweitig beschäftigt waren... Der Angeklagte wurde nur wegen tätlicher Beleidigung und unzüchtiger Handlungen an einer Person unter U Jahren verurteilt: er hatte noch einmal Glück ge- habt, denn das Mädel, daß diese Sache am meisten provoziert hatte, war erst dreizehn Jahr« alt gewesen... Und das ist nicht der einzige Fall, in dem bei Gerichtsverhand- lungen festgestellt wurde, daß von sexuell frühreifen Kindern Sexual» vergehen geradezu provoziert werden. Man lasse es lieber daraus ankommen, daß eine Mutter mal beleidigt ist, aber man unterbinde nach Möglichkeit jeden Verkehr mit Kindern, bei denen man diese sexuelle Frühreif« und Lüstern- heit feststellen kann. Das ist uns aber nur möglich, wenn wir das Vertrauen unserer Kinder haben, auch in diesen Dingen. Und wir werden das nur haben, wenn wir ihnen von Ansang an über die Tatsachen des Geschlechtslebens volle Aufklärung geben. Eine« Tages erzählte mir meine elfjährige Tochter ein« hanebüchene Zote, die für sie nur ein„guter Witz" war— ihre liebste Freundin Trude. «in Mädel aus mufsigster Spießbürgerfamilie, hatte ihn ihr er- zählt— in vollem Bewußtsein seiner Zotenhastigkeit. Und die Mama Trudes kam empört zu mir, weil ich von der Trude de- hauptst hätte, sie habe eine verdorbene Phantasie:„Das Mädchen sei so rein, sie wisse noch von nichts...1" Ein Jahr später entging mein Mädel und ihr Bruder in einer Sommerfrische aus äußerst ge- schickte Weise einem Sittlichkeitsverbrecher, der sich an die blaubeeren- suchenden Kinder heranmachte— die Zwölfjährige tonnte seine Ab- sichten zu gut beobachte:: und maskierte ihren Rückzug auf die Harm- loseste Weise. Und fünf Jahre später war Hilde tot, gestorben bei den: Versuch, durch eine Abtreibung das Kind zu beseitigen, das sie von einem nicht viel älteren Jungen empfangen hatte... nach Mei» nung der Tante glaubte sie auch damals noch an den Engel, der die Kinder der Mutter in den Arm legt... Wir Menschen, die wir um die Jahrhundertwende Kinder waren, wir müssen umlernen: Die Welt von heute ist anders als die unsere war. Die Jugend von heute braucht mehr Schutz, aber auch mehr Waffen, als wir damals überhaupt hätten gebrauchen können. Es ist unsere Aufgabe, ihr beides zu geben. Rose Ewald. � Unlängst traf ich meine Nachbarin, die junge Frau Fritjche. Sie trug gerade einen großen Korb Birnen nach �cmse, die sie in ihrem Laubengarten geerntet haite.„Ach, das schöne Obst!" rufe ich voll ehrlicher Bewunderung,„Da werden sich Ihr Mann und Willi wohl freuen.- Ich denke an weine drei Kinder zu 5)ause. und daß das Obst noch so unerschwingliche Preise hat. Gedanken- voll geh« ich neben der munter erzählenden Frau her.„Na,'.vas mein Oller ist, der macht sich ja nun nicht ville aus so rohem Obst. Aber er hat jeht gelernt, wie man O b st w e i n und Likör daran» macht.- „Nartu?" ruf« ich erschrocken au». Seit Jahren kenne ich die Leute. Der Mann ist ein ruhiger und nüchterner Arbeiter. Mit seiner noch jungen Frau und dem zwölfjährigen Willi lebt er in schönster Eintracht. Die Nachbarin hat meine Ueberraschung richtig verstanden. „Ih, nu denken Se man bloß nicht, daß er vielleicht trinkt. Aber es macht ihm so'n Spaß, sich die Rezepte zu besorgen und dann loszupantjchen. Und wenn Sonntags Besuch kommt, denn läßt er. stolz wie'n Spanier, die Kostprobe machen. Da tut er sich denn so dicke damit.- Das hört sich ja nun wirklich ganz harmlos an. Und doch— solche Liebhaberei wird bald zur Gewohnheit und dann leicht zur unbezähmbaren Sucht. Obst-, und namentlich Beerenwein, der hat's in sich. Das weiß man ja von den Pilgerfahrten nach Werder. Ist doch der Iohannisbeer« und Stachelbeerwein so alko- holreich wie stärkster Südwein, doppelt so stark wie Traubenwein und viermal so stark wie Bier. Schade war's um den Mann, wenn khn diese Spielerei zum Trinker machte, wie so manchen. Schade vor allem um Frau und Kind. Etwas zögernd fange ich an:„Können Sie das Obst denn nicht besser oerwenden?'s doch eigentlich jammerschade, solch' herrlich« Früchte vergären zu lassen." Etwas zögernd meint die Frau: „Sa, mir ist früher mein Obstsast niehrmols verdorben. Da trau' ich mich nu nicht mehr ran." Ich lachte:„Das kann mal jeder passieren. Deswegen braucht man nicht zu verzagen, llitb wenn mal Kompott verdorben war, lernt man eben, es bester zu machen. Das wird dann verschmerzt und schadet wenigstens keinen: Menschen. Aber wenn Sie dem„Freund Alkohol' erst einmal die Tür zu Ihrer gemütlichen Stube aufgemacht haben, dann treibt er die Gemüt- lichkeit rasch hinaus. Und der Schaden, der da entstehen kann, ist nicht abzusehen." Nachdenklich nickt die Frau.„Ja, ich hatt' mir das auch schon manchmal gedacht. Erst denkt man sich ja nichts dabei und lacht womöglich noch, wenn der Junge auch nach dem Weinglas greift. Aber man sieht doch mitunter schlimme Dinge daraus entstehen. Ja, aber, was soll man tun? Wissen Sie da vielleicht einen Rat?" Wir hielten vor unserem liause. Kurz entschlossen sage ich: „Wenn es Ihnen recht ist, Frau Fntsche, komme ich gegen Abend mal runter zu Ihnen und helfe. Da wollen wir einmal a l k o h o l- freien Obstwein machen, einfach durch Dampfentsaf- tutig. Da braucht man keinen Apparat und vor allem keine#ese. Ein Einmachkessel genügt, im Notfall auch ein gut gereinigter Waschtopk. Wenn dann Ihr Mann von der Arbeit kommt, laden wir ihn zur Kostprobe ein." „Ach so, kommen Sie man." Freudestrahlend verschwand sie in ihrer Wohnung. Bör Abend Hot Frau Fritsch« schon alles zurechtgestellt. In den blankgescheuerten Waschtopf gießen wir handbreit Master hin- etn. Da hinein stellen wir einen leeren, gut emaillierten Topf. Heber den Rand des Waschtopfes breiten wir ein feines Siedtuch aus Nestel, darüber ein zweites, größeres, das ich aus meinem Bor- rat mitgebracht habe.„Die Tücher dürfen nicht in den kleinen Topf hineinreichen", sage ich zu ihr. Dann binden wir sie mit Strippe Um den Rand' fest, daß sie nicht hiueinrutschen. Und nun geht's los. Die gewaschenen und kleingeschnittenen Früchte werden auf die Tücher geschüttet: immer zwei Jiünde voll, dann Zucker darüber. „Ob der Zucker langt?" meint Frau Fritsche.„Ich Hab' nur drei Pfund und zwölf Pfund Früchte."„Natürlich reicht das. Bei Rhabarber müßten wir wohl etwas mehr nehmen, bei reifen Stachelbeeren weniger, je nach Geschmack. Mit der Haltbarkeit hat das weiter nichts zu tun. Obendrauf komnit ein Bogen Pergament- papier. Nun den Deckel drauf, die vier Ecken über dem Deckel zu- saminengebunden— und Willi, hilf mal, daß wir's aufs Feuer kriegen!" Stolz auf seine Kraft, hilft der Junge, den schweren Tops aufs Feuer stellen. Boll Eiser ist er dabei. Er ahnt gar nicht, was das neue Verfahren der gärungs losen Früchtever» i braut„Likör". Wertung für seine Jugend, ja, vielleicht für sein künftiges Lebens« glück bedeuten kann. Inzwischen hat die Mutter die Flaschen gereinigt.„Aus- schwefeln?" fragt sie.„Nicht nötig! Wir vermeiden alle jolche Chemikalien wie Schwefel, Benzoetinktur oder Salizylsäure zur Haltbarinachung. Größte Sauberkeit reicht aus und ist die best« Gewähr fürs Gelingen. Wir nehmen heißes Sodawasser zum Reinigen der Flaschen und spülen mit klarem, kalten Wasser nach. Die Korken werden 20 Minuten lang im Wasserdampf keimfrei ge- macht. Will man noch sicherer gehen, kann man sie tags zuvor tn einer Lösung von vier Tabletten Kaliumpyrosulfid aus einen Liter Wasser untergetaucht einweichen." Inzwischen geh: die Entsastung durch Dampfentwicklung vor« an. Nach X'A Stunden nehmen wir den Kestel vom Feuer. „Bring''ne Schüssel, Willi! Den Rückstand essen wir morgen noch als Kompott mit Zucker." * „Wie herrlich klar ist der Saft", staunt Frau Fritsche. Noch heiß füllen wir ihn in die Flaschen, verschließen sie mit den Korken »rtd lassen sie, auf den Kops gestellt, in einem Korbe abkühlen. „Nach zwei Stunden lassen Sie die Stöpsel mit Paraffin über- laufen und bewahren dl« Flaschen an einem kühlen, trockenen Ort auf", schließe ich unsere praktische Lehrstunde. „Mutter, die letzte Flasche brauchst du nicht erst verschließenl Bald kommt Vater von der Arbeit. Dann wind„geprobt", ruft Willi voller Jubel. Rasch werden die Spuren unserer Arbeit hin- weggeräumt und ein paar Gläser auf den Tisch gestellt. „Run müssen Sie uns aber auch ein Stündchen schenken, um nach der Anstrengung mit uns zu feiern", sagt Frau Fritsche. Sie fleht selbst ganz feierlich aus.„Willi rennt hinauf und hott auch Ihren Mann und die Kinder herunter." „Iuhul" schreit der, und läuft zur Tür hinaus. Und es wurde«in so gemütlicher und vergnügter Abend wie nie vorher bei Dater Fritsche?„Versuchen". „Urtd morgen haben wir keinen Kater", sage ich scherzend, als wir uns zum Abschied die Hand reichen. Iettka Katzen st ein. Affen a!s Delikatessen. Es gibt Völker, denen der Genuß von Eiern unbekannt ist, weil man sich dort vor diesen bei uns sehr beliebten Nahrung;- mittel« ekelt. Der gläubig« Hindu würde nicht um alles in der Welt das Fleisch der heilig gehaltenen Kuh essen, und dem Mo- hamedaner ist Schweinefleisch„unrein". Bei uns würde man sich vermutlich vor einem noch so appetitlich servierten Affen, der eine fatale Aehnlichteit mit einem gebratenen Kinde hat, graulen, während dieser unser vierhändiger Äetter im Innern Brasiliens nicht nur gelegentlich, sondern gewohnhdts- mäßig gegessen wird und bei den Indianern sogar alz heftig be- gehrte Delikateste gilt. Die Eingeborenen verstehen es sehr geschickt. sich an die langgeschwänzten Baumbewohner heranzupürschen und sie mit ihren Gistpfeilcii aus großer Höhe herunterzuholen, btach der Angabe europäischer Forschungsreisender schmeckt das Fletsch des Affen, wenn es gut zubereitet ist, gar nicht schlecht, und man soll sich sogar, wenn man erst sein Borurteil überwunden hat, zum wirklichen Genießer in Affenfleisch ausbilden können. Die Ein- geborenen rösten ihre Beute häufig mit Haut und Haaren. was ihren ausgepichten, mwerwöhnlen Gaumen den Genuß offenbar nicht beeinträchtigt. Der deutsche Forscher Karl von den Steinen bezeichnet Affenfleisch als„zäh, doch saftig, in seinein Geschmack verschux�ktem. schlecht zubereitetem Rindfleisch ähnlich"— vielleicht hat er be- sonderes Pech beim Probieren von Assenfleisch gehabt, denn ander« Forscher sind anderer Ansicht. Der sogenannte„Nationalkoch' schreibt sogar für ein brasilianisches Festessen vor:„Maß setze je einen Affen an den vier Ecken der Tafel". Ich finde, dazu braucht man nicht erst nach Brasilien zu fahren. Das kann man bei uns in Europa auch haben. Dann schon lieber die Ehe!" Ein Wiener Bäckermeister war wegen Verführung einer Minderjährigen angeklagt. Als er«rsuhr, daß er nicht nur eingesperrt werden, sondern obendrein noch Schaden- ersatz leisten sollte, rief er entgeistert aus:„Wenn mich die Sache sowieso Geld kostet, dann schon lieber die Ehe!" Darauf sank ihm das Mädchen freudestrahlend in die älrme, und die Eltern nahmen die Anzeige zurück.