iinwiaiiwtnKiiroiiiiiriCTiflMiMimflhM Nr.lS.-tv.Iahrgangl TicilüQC zum Uottüötfe 1 19. September 1929 Vergiftetes Volk. Das ist ein« Erinn�runq cm» meiner Zdtnderz.'it: Mitte» in der Nacht wurde ich durch«inen lauten Schlag aus dem Schlaf ge- weckt. Und dann ging sin Höllenspektakel los: In der Kell«'-- wohnung unter uns klirrte zerbrechendes Geschirr, krachten stürzende Möbel, dazwischen fielen dumpf« Schläge. Kinder schrien gellend auf, eine Frau veifuchte beruhigend zu sprechen, eine heiser« Stimme schrie wüste Schimpfworte, dann wieder Schläge, schließ- lich öffnete sich knarrend sine Tür und schlug mit hartem Knall wieder ins Schloß. Notdürftig angezogen ging meine Mutter auf den Treppenflur hinaus. Da stand «ine magere, verhärmte Frau; eine blutige Schmarre lief über ihre Sttni, zwei elende Kinder klam- Merten sich verängstigt an sie: unten in der Wohnung krachten noch immer die Möbelstücke, die Frau jammerte auf, schlug mit den Händen noch immer gegen die Kellerlür:„Mach' doch auf, Vater, sei doch vernünftig!— Ach Gott, ach Gott, im nimmt er's Beil— kein Stück bleibt mehr ganz... sei doch bloß gut, Paul, Paut, komm doch zu dir....." Von drinnen hörte man nach jedem Krach bloß ein befriedigtes Grunzen. Iam- mernd wandte sich die Frau an ineine Mutter:„So is er schon lange irich gewesen— wenn er bloß dos verfluchte Saufen lassen würde— er ruiniert uns alle!" Wir stairden ratlos. Schließlich fragte mein« Mutter:„Können Sie denn nicht zur Polizei gehen?" Da lachte die Frau bttter aus: „Das hat jar keinen Zweck! Bis er nicht einen von uns dodjeschla- gen hat. komint da keiner! Eher können sie nijcht machen, hat man mir jejagl____" Und aus ihrer Stimme sprach die ganze Hofs- nungslosigkeit der Fvau, die um die Existenz ihrer Familie und ihrer Kinder mit König Alkohol zu kämpsen hör. Das war vor fünfundzwanzig Jahr»». Trinkerfürsorge — das war damals ein unbekannter Begriff, und es war wirklich so, wie die elende Frau sagte: Die Polizei konnte, durste nur ein- greifen, wenn sich der Betrunken« auf der Straß« ungebührlich be- nahm oder sich gegen ein Familienmitglied zum mindesten-iner schweren Körperverletzung schuldig gemacht hatte.„Bloß" so ein bißchen Prügel,„bloß" die Zertrümmerung der Wohnung besagte bei Proletarier» noch gar nichts. Es gab Abstinenten Vereinigungen, ja: ober nirgendwo wurden st» durch die Autorität irgendeiner behördlichen Stelle unterstützt. Das ist nun ander» geworden. Fast in jedem Bezirksamt besteht ein« Trinkerfllrsorgestclle, aber noch immer machen sich die meisten Menschen ein«n ganz falschen Be- grlsf von der Trinkerfürsorge. Am meisten verbreitet ist wohl die Meinung, daß die Arbeit dieser Fürsorgestell«» sich darauf be- schränkt, mal einem total„versoffenen" Menschen eine Entzichungs- für aufzubrummen, und daß damit die Trinkersürsorge erledigt sei. Vom wahren Umfang dieser Arbeit aber kann man sich nur sine Vorstellung mache», wenn man weiß, dag in der Fürsorgestelle eines einzigen Bezirks 15Sl> Fälle in Bearbeitung sind— fünfzehn- hundertfünfzig Fälle, von denen ein T«il schon jahrelang verfolgt und bearbeitet wird. Denn das ist das Charakteristische an der modernen Trinkerfürsorge: Sie hat begriffen, daß sich ihr« Be- mühungen durchaus nicht auf den Trinker selbst beschränken dürfen und daß alle Trinkersürsorg« umsonst ist, wenn nicht gleichzeitig die Fürsorge für die ganz« Familie in den Aufgabenkreis hin.'in- bezogen i«rd. Mit der Entziehungskur allein ist«s ja nicht getan. Der „geheilte" Trinker kann nach einen: Monat schon wieder dem Alkohol so schlimm wie nur je verfallen sein. Also muß der„Fall" in dauernder Aufsicht bleiben. Und di« ganzen Verhältnisj« des Trinkers werden in dieser Zeit einer durchgreifenden „Sanierung" unterzogen. Di« Entziehungskur wird nur in ganz schweren Fällen angeordnet. Vi«I° fach hilft schon die Unterstellung unier vorläufige Bormundschafl, der Zwang, sich in kurzen Zeitad» ständen auf der Fürsorgestell« vor- zustellen, die dauernde Kontrolle durch unregelmäßig«, überraschend« Besuche des Fürsorgers oder Ver- trauensmannes der Fürsorgestell« Oftmals bekommt die Fvau»inen Schein, tn dem ihr bestätigt wird, daß ihr Mann ein brutaler und gewalttätiger Trinker ist— und die Vorzeigung dieses Scheines sichert ihr aus jeder Polizeiwach« zu jeder Stunde di« Gewährung von Schutz und Hilfe. Nötigen- falls wird der Mann sofort in Schutzhaft genommen. Mit allen Einrichtungen der Wohlsahrts- äniter arbeitet die Trinkerfürsorge eng zusammen: Sie sorgt, wenn der Mann in einer Heilstätte unter- gebracht werden muß, dafür, daß die Frau unverzüglich Familien- Unterstützung erhält, sorgt für die Unterbringung der Kinder in Erholungsheimen oder, we»n notwendig, in Psychopathenhelmeii. Ein Glied fehlt freilich in der Kette, und merkwürdigerweise da.. mit dein sie eigentlich beginnen sollte: Wir haben noch keine Eni ziehungsansdalt für Rauschgisisüchtige, die unter eigener Regie dr Stadt steht, und so müssen die Entziehungskuren in anderen An- stalten gemacht werden, oftmals so�ur in reinen Privatansta!ten Das führt zu allerlei Unzuträglichkeiten, denn diese Anstalten sind teuer und manchmal, trotz aller Aussichtsbehörden, wenig zuver- lässig: dazu kommt, daß di: Entziehungskuren hier oftmals nicht lange genug ausgedehnt werden können, um wirtlich einen Dauer- erfolg zu garantieren. Noch ein anderes fehlt: Alkoholfrei« Gast- stätten in jedem Bezirtl Bisher gibt es nur ein«, di« wenigstens zum Teil mit städtischen Mllteln errichtet wurd.e: die Gaststätte de» Arbeiter-Abstinentenbundes am Marheinekeptatz. Jack London nennt in seinem Buch« vom„König Alkohol" die Kneipe den„Klub des armen Mannes": und da» Verkennen dieser Ausgabe ist es, das die bisherigen privaten alkoholfreien Gaststätten so unpopulär machte: Sie ivareu teuer und—„ungemütlich", sie boten tatsächlich kaum den bescheidenen Komfort einer etnsachen. sauberen Knttpe, zudem mnren sie meist mit dem Iwan? zum vegetarische» Essen vcr- dmtde». Aber durchaus noch nicht alle Abstinenten sind Vegetarier. Diese Restaurants boten weder Musik, noch Geselligkeit, noch sonst irgendwelche Anregungen. Alles das aber sucht der Proletarier in „seiner" Kneipe, und er sindet alles— und außerdem den unheil- vollen Tröster, der nur zu bald sein cherr wird. Darum ist die Erässnung solcher alkoholsreier Gaststätten mit städtischer Beihilse einer der nächsten Schritte zum Ausbau der Trintersürsorg«. Freilich wird nur ein«„rote" Kommune das nötig« Verständnis sür die Notwendigkeit solcher Betriebe mit städtischer Unterstützung oder in städtischer Regie haben. Bisher fehlt anscheinend selbst bei den städtischen Behörden noch viel zur richtigen Würdigung der Arbeit der Trinkersürsorg:- stellen: Die 5)auptarbeit bei der Betreuung der Trinkerfamilien, der dauernden Kontrolle der Trinker, mutz von ehrenamtlichen Krästen geleistet werden— von Kräften, die aus allen Abstinenten- organisationen stammen— vom Guttempler bis zum Arbeiter- abstinenten. Und diese ehrenamtlichen Heiser bekommen nicht ein- mal ihre Spesen ersetzt. Selbst wen» Aufwendungen, wie Abtrans- port eines Rabiaten im Auto oder ähnliche Dinge notwendig sind, bekommt der Helfer seine Spesen günstigenfalls nach woch.'nlangmn Warten erst wieder. Welcher Proletarier aber ist i>n der Lage, so leicht ein« größere Summe auszulegen— und bei seinnn Ein- kommen sind schon ein paar Mark ein«„größere Summe"! In der Praxis bedeutet das die Ausschaltung proletarischer freiwilliger Hilfskräfte in der Trinkerfürsorge, denn zu den Opfern an Zeit und Arbeit kann sich kaum noch ein Arbeiter den Luxus leisten, ins Uferlose Fahrgeld usw. zu verauslagen, und so kleine Spesen, wie Stratzenbahnfahrgeld bekommt er überhaupt nicht ersetzt I Nur dann aber wird die Umstellung von der„Wohltäterei" zur Fürsorge vollendet werden können, wenn man in allen Aemtern endlich von der Idee frei wird, daß das Proletariat eben nur die Rolle des„Befürsorgten" zu spielen habe und daß sür die Uebcr- nahm« eines Ehrenrnntcs ein gutgesüllter Geldbeutel die erste und unerläßliche Vorbedingung sei. Die Aerzte der Fürsorgestellen wissen, was es gerade in der Trinkerfürsorge bedeutet, daß hier sür jeden Fall Menschen derselben Gesellschastsschicht, ja. desselben Weit- anschauungs- oder Rsligionskraises als Fürsorger einspringen können. Charakterist-sch: Als einziger Bezirk unter allen hat nur Zehlendorf noch keine Trinkerfürsorgestelle und man darf sich darauf verlassen: Je„roter" ein Bezirk ist, desto mehr Verständnis wird hier diesem Dienst an der Volksgesundheit entgegengebracht. Aber erst dann wird Geld genug auch für alle Zwecke der Trinkerfürsorge vorhanden sein, wenn nicht mehr Wirte und Hausbesitzer im Stadt- Parlament die Arbeit der Sozialisten erschweren können— denn nur dann wird es selbstverständlich sein, daß die Sorge sür die Rauschgiftsüityige» wichtiger ist, als die Empfänge erotischer Herrscher. I?. E. Trinkerfürsorgestellen. jnille: Guttemplerorden, Limenstr. 121. Tiergarten: Turmstr. 21. Sprechstunden: Donnerstag 16—18 Uhr. wedding: Wattstr. 16. Sprechstunden: Montag 18—21 Uhr. Prenzlauer Berg: Danziger Str. 64. Sprechstunden: Dienstag 9—12 Uhr. Mittwoch. Donnerstag 11—13 Uhr. Iriedrichshain: An der Schillingbrllcke 2. Sprechstunden: Witt- woch 17—19 Uhr. Kreuzberg: Am Urban 10/11. Sprechstunden: Montag 18—20 Uhr. Freitag 17—19 Uhr. Eharlottenburg: Berliner Str. 137. Sprechstunden: Dienstag und Freitag 17—19 Uhr. Spandau: Damm 7. Wilmersdorf: Berliner Str. 136/137. Sprichst.: Moni. 10— 13 Uhr. Zehlendors: Keine. Schöneberg: Neues Rathaus. Sprechstunden: Montag 18— 20 Uhr. Sieglitz: Pauls.-nstr. 38. Sprechstunden: Mittwoch 19—21 Uhr. Tempelhos: Mariendorf, Markgrafenstr. 11. Sprechstundsn: Mon- tag 17—18 Uhr. Neukölln: Boddinstr. 66. Sprechstunden: Täglich 10—13 Uhr. Treptow: Niederschöneweide, Grünauer Str. la. Sprechstunden: Mittwoch 13-14 Uhr. Köpenick: Rathaus. Sprechstunden: Freitag 16�—17'� Uhr. Lichlenderg: Türrschmidtstr. 24. Sprechstunden: Dienstag 19 bis 20 Uhr, Sonnabend 11%— 13 Uhr. weißensee: Pistoriusstr. 17. Sprechstunden: Donnerst. 19— 20 Uhr. Pankow: Breite Str. 13. Sprechstunden: Montag 19—20 Uhr. Reinickendorf-Ost: Hauptstr. 46. Sprechstunden: Sonnabend 18% bis 19 H Uhr. Schwere Fmsorgearbeii. Ein bezeichnender Fall, wie er gewiß auch anderswo vor- kommen kann, wird in der Wiener„Arbeiterzeitung" so berichtet: In Rudolssheim(Wien 14) wohnt eine Frau, die sünf außerehelich« Kinder hat. Diese fünf Kinder haben drei Väter: einer ist Zuhälter, die zwei anderen sind Schwerverbrecher, gegen- wärtig in Hast. Di« Gemeinde Wien hat vier Kinder in Psleg«, «inen anderrhalbjährigen Knaben behielt die Mutter. Di« städtisch« Fürsorgerin besuchte nahezu jede Woche Mutter und Kind. Kürz- lich wurde angezeigt, daß die Mutter ihren anderthalbjähri- gen Knaben in Wirtshäuser mitnehme, ihm Bier und Wein zu trinken gebe und daß die Wohnung von Prostituierten ständig benutzt werde. Die Frau wurde oerwarnt. Am 4. d. M. kam die Fürsorgerin in die Wohnung und fand im Gitterbett den kleinen Knaben mit einer fremden Frau schlafend. Die Mutter gab zu, daß dies« Frau eine Prostituierte sei! Echo» früher wurde der Mutter wiederholt mit der Abnahme des Kindes gedroht. Das Jugendamt verfügte nach diesem haarsträubenden Vorfall die so- sortige Entfernung des Knaben. Diese schwierige Ausgabe fällt der städtischen Fürsorgerin zu. Di« Fürsorgerin versucht wäh- rend des Tages wiederholt in die Wohnung zu kommen: sie ist versperrt. Erst um 8 Uhr abends trifft sie Mutter und Kind in der Wohnung. Mit einem Beamten betritt die Fürsorgerin den finsteren Raum. Sie muh selbst mit der Petroleumlampe Licht machen und will nun der Frau die Notwendigkeit der Abnahme des Kindes klarmachen. Aber die Frau, unterstützt von einigen männlichen Untermietern, verhindert schreiend und schimpfend jede Amtshandlung, stürzt sich auf die Fürsorgerin, und erst als zwei Polizisten die Wohnung betreten, gelingt es. die Frau zu bewegen, das Kind endlich anzukleiden. Aber immer wieder stürzt sich die Frau auf die Fürsorgerin, sie mit nicht wiederzugebenden Worten verfluchend. Das ganze Haus ist natürlich ans Gängen und Stiegen versammelt. Man hört nur«in« Stimm«: Recht ist es, daß man diesem Weibe das Kind nimmt. Der Frau gehört kein Kind! Schließlich wird di« Frau auf das Polizei- kommissariat gebracht. Sie hat scheinbar diese häßlichen Austritte mit Absicht herbeigeführt, denn dort wird sie plötzlich ganz ruhig, und ohne die geringst« Erregung üb«rgibt sie das Kind der städtischen Fürsorgerin, di« es in die Kinderübernahmestelle bringt. Es ist ein harter Beruf, dem di« städtischen Fürsorgerinnen Tag für Tag nachgehen. Postmeisterin und Diktator. Signorina Rosetta R a v a n e l l i zählt zwanzig Lenze und war bis vor kurzem Hilfskraft beim Hauptpostamt Rom. Sie dachte gewiß nicht im Traume daran, daß eines Tages ihr Name fett ge- druckt durch alle Zeitungen Italiens gehen und dazu beitragen würde, Reklame für Mussolini— wenn auch indirekt— z» machen. Das brave Fräulein hatte eine einzige Untugend: Mussolini hatte es ihr angetan! Ihr Interesse sür den Dnce war geradezu krankhaft. Und da ihr nie die Freude vergönnt war, den„Helden Ihrer Mädchenträume" zu sehen— saß sie doch tagein, tagaus hinter dem Schalter—, so wählte sie einen anderen Weg, um ihre krankhaste Neugierde wenigstens einigermaßen zu stillen: sie össneie kurz entschlossen zwei Privatbricse. Der eine war an den Ministerpräsidenten, der andere an seine Gattin, Donna Rachel« Mussolini, gerichtet. Das war nun ein schlechter„Scherz", juridisch sogar ein Doppeloerbrechen: Verletzung des Briefgeheimnisses uni» gleichzeitig der Beamtenpflicht. Natürlich kam die Sache bald heraus. Man witterte zuerst eine Verschwörung, mobilisierte die Kriminalpolizei und die Faschistendetachements und— ertappte die gefährliche„Atten- täterin" kurz daraus beim Oessnen eines dritten Briefes. Große Aufregung, große Empörung. Dann Schutzhaft, Verhör und— Gelächter. Die Sünderin gestand unter dicken Tränen den einzigen Beweggrund: sie sei eben in Mussolini unsterblich verliebt.— Da das dumme Mädel durch die Oeffnung der an sich belanglosen Privatbriese keinerlei„Staatsgeheimnisse" erfahren hat, kam es mit einer verhältnismäßig geringen Strafe davon: sechs Monate Zuchthaus! Das Urteil war rechtskräftig. Da kam die große Ueberraschung: Mussolini„winkte", und Rosetta wurde begnadigtl Begründung: der eigentliche Be- wevgrund der verbrecherischen Tat sei„verzeihliche menschliche Schwäche" gewesen. Und Mussolini hat nun einmal ein Verständ- nis für„Schwächen"! Der Knalleffekt ist restlos gelungen: das göttliche Volk klatschte Beifall, und die Zeitungen brachten Leit- artikel über das gute Herz des Duce, der an so vieler Menschen Qual, Elend und Tod schuld ist. Der Aiebcrrekord von San Franziska. Einen einzigartigen „F l e b e r r e k o r d" stellte ein neunjähriges Mädchen in San Franziska auf. Das Kind erkrankte an Scharlach, dazu kam eine schwere Blutvergiftung und das Fieber stieg auf rund 44 Grad. Wider Erwarten besierte sich nach einigen Tagen der Zustand des schwerkranken Kindes, die Temperatur sank und der behandelnde Arzt hofft, die bedauernswürdige Rckordlerin am Leben erhalten zu könne». Aphrodttens Helferinnen. „Wie n>erde ich jung, wie bleibe ich schlank?" das ist der Schrei der heutigen Frauenwelt. Und was einstimmig gefordert wird, das gilt, und was gilt, das ist die Mode und die Mode i st«in Geschäft, wie jedes andere und sogar ein sehr gut- gehendes. Zur Erreichung des heißersehnten G i r l t y p s hat man all denen, die die„s«eet seventecn" bereits mehrfach überschritten habe», das gute Essen verboten, der Punktroller ward er- sunde» und Mutter Mensendicck zur strengen Dilta- torin der tägliche» G y m n aft i k st u n de gewählt. Nun gehört aber, soll solch künstlich wiedererweckte Jugend auch glaubhaft erscheinen, vor allem ein glattes Gesicht zur Vervoll- ständigung des Ganzen. Und das verschiedenartige Liniament, das sich im Laus« der Jährchen unter den Augen, um die Mundwinkel, die Naf« entlang und auf der Stirnc ein- gesunden hat, soll und muß verschwinden. Di« Trägheit der Muskulatur und damit des Blutkreislaufes soll ausgcpulvert werden und das geschieht, indem man mit Hilf« der verschiedensten fetthaltigen Mixturen die Gesichts haut zwickt und zwackt, streicht und klopft, däinpsl und kühlt. Nun kommt es aber bei all diesen kosmetischen Kinkerlitzchen— wenigstens nach Ansicht derer, die aus dieser Wissenschast ihr Dasein fristen— vor allem auf das Wie und Womit an. Wie soll man streichen und klopfen, zwicken und zwacken, womit soll man reiben und däinpsen und kühlen. Im Grunde ist die Sache höchst einfach, denn Dampf ist bekanntlich verdunstetes Wasser. So wäre es eigentlich, so ist es aber nicht. Geniale Salben- schmiercr und Pillendreher haben fetthaltige Substanzen entdeckt, die wahre Wunder wirken. Dies tun sie auch, aller- dings weniger auf die Gesichtshaut als auf des Herstellers Geldbeutel. Nachdem jedes Kind einen Namen haben muh, möglichst einen exotisch klingenden, so entwickelte sich im Laufe der kosmetischen Hausse eine wahre Legion von W u n- dcrcremcs, geschmückt mit eigenartig-schönen Namen, ruhend in noch viel schöneren Näpfchen, Tübchen, Flakone oder Tiegeln. Uird jeder Tag bringt ein neues Wunder auf den Markt, von jeder Littfassäule strahlt uns ein jugendsrisches, holdes Iungmädchm- ontlitz entgegen, das ruft uns zu:„So schön kannst du sein, wenn du es nur willst und meine Creme benutzt," wer wollte da zaudern? Und so kaufen und kaufen sie, studieren und hören kosmetische Weisfagmigen, lesen die modischen Breviere, die Madame lk. und Miß P. aus ihrem reichen Wissen um die Schönheit des Weibes ihren Mitschwestern in Wort und Schrift kundtun: sie setzen sich mit wahrer Engelsgeduld und willfährigem Gelbeutel auf den Vers chö n erungs stuhl, wo weißgefchürzte, ewig lächelnde und munter plaudernde Mägdelein den Zcmberapparat der ewigen Jugend bedienen. Der Vorgang in solch einem Vcrschönerungsinstitut ist etwa folgender: Man wird in weißes Linnen gehüllt und auch der Haarschops kriegt eine solche Haube, dann wird der Straßendreck mit einem Fettläppchen von der Visage gewischt und triumphierend hält die Jüngerin Aphroditens einem die so erhaltene dunkle Stelle vor die Nase.'„Sehen Sie, gnädige Frau (wer sich massieren läßt, ist immer gnädig), soviel Schmutz hat man im Gesicht." Diese Wahrnehmung macht man übrigens jeden Morgen und jeden Abend unter eigener Regie! Nun kommt ein recht wohlriechendes Fettpräparat aufs Angesicht und die also lackierte Chose wird in eine überdimensionale Käseglocke gesteckt, der hinwiederum Dämpfe, ebenfalls wohlriechender Natur, ent- strömen. Man kriegt ein Tuch über den Deetz geworfen und hat nun hier, solange es die Behandelnde für nötig hält, zu schwitzen. Dann wir man ausgepackt und begrüßt im Spiegel ein zwar krebs- artiges, dafür aber gut ausgespanntes Gesicht mit blinkenden Aeugelein und glühenden Väckchen. Nun wird der Schweiß abgetupft, ein wohlparsümiertes Wässerlein aufs Antlitz geträufelt, man darf noch ein wenig ausschnaufen, dann ist man in Gnaden entlassen. Natürlich muß solch komplizierte Arbeit entsprechend bezahlt werden und je vornehmer die Aufmachung, die Gegend und der Name der Wundcrdoktorin, desto mehr darf die Schönheitssuchcri.i berappen. Mit dieser Prozedur ist aber die Wandlung zur ewigen Jugend noch lange nicht vollzogen. Morgens und abends hat man dann eigenhändig mit den verschriebenen Cremes, Wassern und Lelen auf dem Gesicht hernnizusuhrwerken und auch bei der häus- lichen Derjüngungskur entscheidet wiederum die„Qualität" der verwendeten Ingredienzien! So sagt der Fachmann und der Laie zahlt! Josephine Kayser. Der Heiratsantrag.„Ich muß Sie heiraten, Grace."—„Aber Sie haben ja noch gar nicht meine Eltern gesehen."—„Doch. Trotzdem!" Brcadi of promisc. Zu deutsch heißt das: Das gebrochene Chever» sprechen. Die englischen und amerikanischen Zeitungen bringen ständig solche Kdeecli of promise-Fälle, und sie enden säst immer mit der Verurteilung des Mannes, denn die Galanterie der angel- sächsischen Richter ist groß. Die veränderliche Seite sind die Um- stände, unter denen das Eheoersprechen angeblich gemacht wurde. Di« Leute scheinen sich die merkwürdigsten Plätze hlei-fiir auszusuchen. Anstatt in den abendlichen Autos auf der Landstraße oder in mondbeglän.zten Wäldern, schwören die Delinquenten ewige Treue in voller Oessentlichkeit, nor Zeugen, die dann vor Gericht erscheinen und die Sache des armen, verlassenen Mäd- ch e n s vertreten. Einmal las ich in einer kanadischen Zeitung von einem Pärchen, welches ich(das Bild ließ keinen Zweifel darüber) im kritischen Moment mit meinen eigenen Augen gesehen hatte. Gern wäre ich als Gegenzeuge aufgetreten, denn ich hatte nichts von Liebesfchwüren gehört, aber es war zu spät. Schon im Pullman-Wagen waren mir die beiden aufgefallen. Er saß ganz still, und sie sprach in einem fort. Jede Viertelstunde kam ein junger Verkäufer durch den Mittelgang und rief:„Pralinen, Schokolade, Kaugummi", und mein schweigsames Visavis kaufte dann seinem Mädchen alles der Reihe nach: Bon- bons, Erdnüsse, Schokolade und Kaugummi. Und sie kaute und redete viel. Rur einmal schwieg sie nachdenklich, als der alt« Pull- man-Ncgcr, der ab und zu durch den Wagen kam. um uns auf die„historischen" Sehenswürdigkeiten aufmerksam zu machen, aus- rief mit einer Grabesstimme wie ein verstorbener Geschichlsprosesior, der im Sarge keine Ruhe findet:„Der Mistelzweig an der alten, alten Eiche!" Denn unter einer Mistel ob sie nun auf einer alten Eiche sitzt' oder über einer Zimmertür angebracht>st, dürfen angelsächsische Mädchen sich küssen lassen. Das war ein alter Brauch, über den die Zeit hinweggeschritten ist, denn wo gäbe es so viele Misteln, wie man sie heute brauchtel Bald darauf befanden wir uns allesamt in ein.r Landschaft voller Farbjuwelen aus Licht, Wasser und Wasserstanb, eingefaßt von stillen Wäldern und glattrasierte» Parks: Niagara. Jetzt l>atten wir die Wahl unter drei Expeditionen: entweder nach der Höhle der Winde oder auf dem kleinen Dampfer„Mlaicken of rnist", das heißt übrigens nicht Mistmädel, sondern Nebelmaid, in den nassen Nebel der Wasser hinein, oder«ine Abfahrt in den Tunnel unter dem ungeheuren kanadischen Fall, dem sogenannten H u s e i s e n f a l l. Ich entschloß mich für den Huf- eisenfall. Die Reisegesellschaft wurde ohne lange Erklärung in zwei ver- schiedene Ankleideräume auseinander bugsiert. Dann wurden Männer und Frauen in schwarzen Gummianzügen und ebensolchen Schaftstiefeln einander wiedergegeben, in die.ser Tauchervermum- mung abwärts befördert, und schließlich befanden wir uns in einem langen, mit Holz ausgelegten Schacht, der naß und schlüpsrig unter dem Fall entlang führt. Ab und zu genießt man einen Ausblick auf die stürzenden Wassermassen, die, gegen das' Tageslicht gesehen, in grauer, manchmal beinahe schwarzer Phalanx hernieder- donnern. Ich jage ausdrücklich„donnern", wir konnten kein Wort von dem verstehen, was wir da unten auf der letzten kleinen Plattform im merkwürdigen Kzalbdunkel zwischen Fels und ent- fesieltem Wasser einander jagten, zuriesen, vorschricn. Die Stimme der Natur übertönte alle Menschcnlaut«. Und da— so behauptete sie vor Gericht— an dieser Stelle, soll ihr der Treulose die Ehe versprochen haben. Die Stimm« S ch a l j a p i n s hätte nicht dazu ausgereicht. Di« „Betrogene" hätte das Eheoersprechen niemals verstehen können, geschweige denn ein Zeuge. Ich kann beschwören, daß dergleichen ganz ausgeschlossen ist, und wahrscheinlich hat es der Angeklagt« selbst geschworen. Aber es hat ihm nichts genützt, er mußte 2000 Dollar zahlen. Und das, finde ich, ist zu viel sür so einen Ausflug._ He i n r i ch Hemmer. Muttermilch tötet Batterien. Daß Brustkinder gegen Diphtherie, Keuchhusten, Masern und ähnliche Krankheilen weit mehr Schutzstofse mitbekommen als Flaschenkinder, ist allgemein bekannt. Durch die Forschungen des Bakteriologen Dr. Schlacppi' scheint erwiesen zu sem, daß der Muttermilch direkt«ine bakterienkötcndc Kraft innewohnt. Wird die Milch bei gewohnlicher Temperatur gehalten, so behält sie diese Kraft für K0 Stunden oder noch länger. Die Milch ist sogar imstande, Bakterien zu zerstören, die normalerweise in ihr gar nicht vorkommen: durch Kochen werden die bakterien- tötenden Eigenschaften der Milch zerstört. Dem Forscher gelang es, die Milch zu filtrieren, wobei ein« klare grünliche Flüssigkeit erhalten wurde, die Eiweiß, aber kein Fett enthielt. Die in der Milch natürlich vorkommenden Keime blieben mit dem F-'tt zurück, aber das Fillrat halle die Fähigkeit, Bakterien zu töten, bei- behalten.— erg. Fünwhriee mit Tanz. M»sul>rtee mit Tanz m einer der unzöixligeu Amüsierstätten von Berlin W. Gedeckpreis— es gibt hier keinen taslenweisen Ausschank— von 2,50 Mark auswärts. Schon beim Eintritt sieht man weit mehr Frauen als Männer: die wenipen cherren gießen meist das edle Gebräu hastig hinunter, um sich sofort wieder in ihre Zeitung, Geschäftslvrrespondenz oder fachlichste Konversation mit einem Geschäslssreurrd zu vertiefen. Da siizen sie nun, all die vielen Mädchen und Frauen, von der zartesten und darum noch recht hossnungssreudigen Mädchen- bliite bis zu Vertreterinnen jener Altersklasse, deren Spuren auch der geschickiest ausgetragene Puder und das kokettest geschürzte Röckchen nicht mehr verheimlichen können. In spinnwebseinen Strümpfen— selbst wenn das Thermometer minus 20 Grad zeigen sollte—, tadellos frisiertem Bubiköpfchen, das Gesicht auf teh, niedlich oder dämonisch koloriert, sitzen da und warten... Tiefstes Mitleid gebührt den„Novizen", den Anfängerinnen. Die stürzen fast atemlos herein, so, als ob in den nächsten fünf Minuten ihr Zug abging«, lind nach drei geschlagenen Stunden sitzen sie immer noch da. Nervös irren ihre Augen umher. Alles an ihnen vibriert, sogar der Ellenbogen. Da passiert einer dieser Unglückseligen das Malheur, ihres Nachbarn wohigefülltes Sahne- kännchen umzustoßen. Auf solch unliebsames Intermezzo reagiert der Betroffene— in diesem Fall Begossene— je nach Temperament und Bildungsstufe. Dieser Nebenmann tut die Angelegen- heit mit einem etwas mokanten Lächeln ab: auf jeden Fall aber war dies der ungeeignetste Auftakt für«ine Annäherung. Sicht- lich betrübt von dem allgemeinen Mißerfolg wird das Mädchen noch um IM Prozent kribbliger. Sie trinkt und raucht hastig, weit über ihr schmales Budget hinaus und hofft und harrt immer noch. Aber es kommt keiner! Man holt sie wohl verschiedentlich zum Tanze, stellte sie dann aber prompt wieder an ihren Platz zurück. Sie verschwindet, kommt wieder— mit frisch aufgeblühten Kirschenlippen und neubereitten Wängelein. Auch in ihrer Ab- Wesenheit hat sich leider nichts ereignet. Nur der„Begossene" war, um weiteren Ueberraschungen vorzubeugen, entfleucht. Da gefror dem Mägdlein das Lächeln nach und nach im Ge- ficht, und durch die buntbemalt« Fasiade grinste graue Verzweis- lung. Nun kratzt« sie aus ihrem schon etwas schadhasten Hand- täschchen ihr« paar Kröten zusammen und bezahlte. Sie war bei- leibe keine von den Eleganten. Sie paßte überhaupt gar nicht in dieses Milieu. Sicherlich wohnt sie auch nicht in einer feudalen Pension in Berlin W., sondern in irgendeinem armseligen Stüh- chen eines Außenbezirkes, lind Abendbrot? Dazu wird es nach dieser Ausgab« kaum mehr reichen. Nun trippelt sie, etwas geknickt zwar, aber dach wieder an- getan mit dem gewisien Lächeln für die Straße davon. Vor der Tür sieht sie sich ein wenig ratlos um. Wohin sie jetzt gehen soll, weiß sie eigentlich selber nicht. Nach Hause, neml Unschlüssig schlendert sie weiter. Räch ein paar Schritten bleibt sie vor den Bildern eines Kinos stehen. Eine schöne, elegante Frau am Volant ihres Sechszylinders, im märchenhaft schönen Park eines Riesen- besitzes, an der Riviera, im Ballsaal, an der R"Uiette. Und Männer, die ihr huldigen, ihr allen Reichtum zu Füßen legen. Das kleine, armselige Mädel draußen baut Lustschlösser.... Es sind ja schon so viele Stars entdeckt, aus ihrer ärmlichen Gegenwart in eine glänz- und lichtumslossene Zukunft gehoben worden. Warum nicht auch sie? Und sie hofft. Wie im Trancezustand geht sie an die Kasse und ersteht den billigsten Platz. Drinnen, oh, da wird sie ihre Träume weiterspinneu und zwei Stunden lang selig sein. Wenn dann die Türen aufgerissen werden und das Publikum nach außen strömt, dann wird sie mit unsanfter Hand wachgerüttelt. Daheim sitzt die nüchterne, grausame Wahrheit. Und morgen wird die Schwärmerin, wenn es dazu noch reicht, weiterträuinen. Ciarisse. Sexuelle Aufklärung strafbar— natürlich m USA! Vor einem Gericht des Unole Sam stand Frau Hele Ware Denett, Mutter zweier erwachsener Söhne, wegen„Verbreitung obszöner Literatur". Sie hatte vor 14 Jahren für ihre Söhn« einen Wegweiser in Sexuellen Fragen geschrieben, der so einwandsrei ist, daß er seit vielen Jahren von Jugendorganisationen aller Art, darunter vom „Christlichen Verein junger Männer und junger Mädchen", ver- teilt wird. Dennoch ist es dem Bunde„Töchter der amerikanischen Revolution", einem Klub wi-dgewordener Kafseeschwestern, gelungen, Frau Denett mit ihren Söhnen auf die Anklagebank zu bringen, htach einem Gesetz kann nämlich die Versendung unzüch- tiger Drucksachen durch die Post mit 5 Jahren Gefängnis und 10 000 Dollar Geldstrafe geahndet werden. Da Kläger und Angeklagte dos Recht haben, an die Geschworenen Fragen zu stellen und die Geschworenen auf Grund ihrer Antworten abzulehnen. so lehnte der Staatsanwalt alle Geschworenen ab, die jemals etwas von dem Sexualhygieniker Menken gelesen hatten. Von den Entlastungs.zeugen— darunter prominenten Sachverständigen— wurde nicht eln einziger vernommen,„da sonst die Verhandlung einen Monat in Anspruch nehmen würde". So wurde Frau Denett verurteilt und die Presse wagte nicht, dagegen zu protestieren. cms Furcht weg«»,.Verächtlichmachung des Gerichts" angeklagt zu werden. die Befreiung der Krauen Asiens. Die europäische Kultur fordert Im fernen Osten blutig« Opfer von den Frauen. Der Mann, an ihre Sklaverei gewöhnt, will chr nicht die Rechte gewähren, die er für sich in Anspruch nimmt. So berichten die.Lswestija" aus Somartand von zwei blutigen Dramen. Im ersten Falle handelte es sich um die D«l>gtirt« der Frauenabteilung Tochta Bibi Baltabajewa, die ein« äußerst rege Tätigkeit für die Befreiung der Frauen in ihrem detmat- lichen Ort entwickelt«. Ihr Mann, der Mörder, nach der Ursach« seines Verbrechens befragt, erklärt«, daß er von seinen Landsleuten zu seiner Tat angestiftet worden sei, da diese befürchteten, daß nun alle Frauen, durch die Agitation der Baltabajewa aufgerüttelt, ihre Gesichter entschleiern würden. Für die Ermordung seiner Frau hatte man ihm Reis und manches ander« versprochen. Ein ähnliches Verbrechen ereignete sich in Buchara. Auch lsier war das Opfer eine Usbekerin Adaljat Burchawara, die von dem Bezirkskomitee der Kommunistischen Partei zu den Frauen- kursen delegiert war. Die Mißhandlungen durch ihren Mann veranlaßten sie, die Kurs« aufzugeben. Es gelang ihr aber, eln« Scheidung zu erzwingen, und sie verließ ihre Heimat, um weiter zu lernen. Unterwegs fand sie den Tod durch die Hand eine» Mörders, der von ihrem Mann gedungen war. L. R. Lungentuberkulose und Monatsblutung. Wie die„Schweizer Medizinische Wochenschrift" mitteilt, hat man neuerdings einen sicheren Zusammenhang zwischen der Lungentuberkulose und den monatlichen Blutungen festgestellt, und hat in 75 Prozent aller untersuchten Fäll« gesunden, daß deutliche Temperatursteigerungen vor Eintritt der monatlichen Regel austraten, die auch mährend der Periode und noch einige Tage nachher anhielten. Da Temperaturerhöhungen auf eine Per- schiimmerung des Leidens hindeuten, dürfen diese Anzeichen nicht unbeachtet bleiben, besonders wo es sich um Steigerungen über 37,6 Grad handelt. Ebenso wie die Temperaturerhöhungen sprechen auch andere Unregelmäßigkeiten der Periode dafür, daß der tuberkulöse Pro- zeß noch lange nicht zum Abschluß gekommen ist. Ein besonders ungünstiges Zeichen ist das völlige Ausbleiben der Regel, das säst immer mit vermehrtem Husten. Auswurs und Nachtschweiß verbunden ist.__'— erg. Amerikanische Kochrezepte. Die amerikanische Küche ist In Europa sehr wenig bekannt. Wenn auch in den erstklassigen Luxushotels der Großstädte und Kur- orte, die natürlich auch für den Besuch amerikanischer Gäste ein- gerichtet sein müssen, amerikanische Gerichte zubereitet werden, so weiß doch die breite Oessentlichkeit von den amerikanischen Gerichten sehr wenig, fast nichts. Die Folge davon ist, daß man oft die sonder- barsten Ansichten über die Kochkunst Amerikas hört, die oft in dem Ausdruck„Schlangenfraß" ihren prägnantesten Ausdruck finden. Dies ist sehr beklagenswert. Denn die amerikanischen Speisen sind nicht nur kein Schlangenfraß, sondern sie sind sogar außerordentlich schmackhaft und nahrhaft und, was ja in Amerika die Hauptroll« spielt, sie sind in jedem Haushalt leicht und billig herzustellen. Wir lasten zwei Veispieie folgen. Spinatsuppe. Man kocht eine Schale Spinat in Wasser(eine Schale ist eine größere Kaffee- oder Teeschaie) und reserviert von dem Wasser, in dem der Spinat gekocht wurde, gleichfalls eine Schale. Der Spinat wird sodann fein gehackt oder durch ein gröberes Sied gedrückt. Dann läßt man zwei Eßlöffel Butter schmelzen und vermischt sie mit zwei Eßlöffeln Mehl und fügt noch etwas Salz, je nach Geschmack, hinzu und vermischt alles gut. Dann fügt man zwei Schulen Milch und die Schale Spinatwasser hinzu und kocht unier ständigem Rühren. bis die Mischung heiß wird. Dann fügt man den Spinat und einen Kaffeelöffel fein gehackter Zwiebein hinzu und kocht noch etwa fünf Minuten. Dann ist die Suppe fertig und kann serviert werden. Besonder« Feinschmecker können aus jeden Teller Suppe noch einen Kaffeelöffei Schlagobers geben. Die Portion ist für drei Personen berechnet. Als weite Würze kann eventuell»och etwas Pfeffer vrr- wendet werden. Fischhaschee. Man vermischt eine Schale gehackten, gekochten Fischfleisches mit Kartoffelpüree.(Mus, gequetschte Kartoffeln mit etwas Milch und Butter, auch Salz. Die Kartoffeln werden vor dem Zerquetschen gekocht.) Dann läßt man in einer Pfanne etwas Butter oder gutes Fett zergehen, schüttet die oben erwähnte Mischung darauf und breitet sie flächenförmig aus der Pfanne aus. Dam, läßt man sie auf kleinem Feuer langsam kochen, bis sich«ine braune Anlageschicht am Grund bildet. Dann löst man die Masse von der Pfanne ab, rollt sie zusammen oder legt sie zusammen und serviert sie mit heißer Tomatensauce. Man kann zu dieser Speise auch Fischrest« von einer früheren Mahlzeit verwenden, die aus dies Weise sparsam verwertet werden können.(Für drei Personen.) Kindergeist. Der kleine Kapitalist. Horsts Vater wird von seiner Firma zu einem Vortrag nach der Technischen Hochschule geschickt. Der acht- jährige Horst:„Na, Vati, da lernst du ja wieder wasl Weun die andern dam, was von dir wissen wollen, mußt du dir Geld dajür geben lassen!"_