a» �r.20«46.3<»Orsong Beilage zum Vorwärks 40. Oktober 492S ........ I IMR»»«,!» v So ist die Die politische Alltagsarbeit der Fronenbewegung teilt sich airf in viele Einzelheiten. Hier eine Neuerung, dort eine Gesehesänderung. dort ein Ringen um freiere(Beistesholtung, dort eine Resonn auf diesem, dort eine auf jenem Gebiet,— kaum weiß man oft»och das Geineinsame, aus dem aller Kampf entspringt und in das alles Ringen sinnvoll einmündet, sich im geformten Äilde festzuhalten. Einzelarbeit, so nühlich und unentbehrlich sie ist, soll aber niemals zum Selbstzweck«Marten, soll sich niemals aus der lebendigen Ganzheit lösen, um in unfruchtbarer Scheinlebendigleit zu erstarren. Dann alle jene Teilprobleme, um die wir ringen! Berussarbeit der Arau, Haushaltrattonalisterung. Ehe- und Sexualreform, Geburten- regelung, Anteilnahme der Frau an Geistes» und Körperkultur ihrer Jeit, Kleidungsreform ujw. usw.,— sie sind uns erst sinnvoll in der Bezogenheit aus ihr Ziel, und das ist der Typ der neuen Form. E» ist nützlich und erfrischend, wenn neben den mannlgfrche» Werten über die so verschiedenartigen Teilprovinzen ihres Lebens- und Herrschaftsbereiches auch einmal etn Buch über dle neu« Frau selbst erscheint, der all dieses Bemühen, an dem sie selber gestaltend initwirkt, letzten Endes gilt. Dr. C l s a H« r r m a n n hat mit ihrem im Avalaun-Berlag erschienenen Büchlein:.Sa ist die neue Frau" diesen Bersuch unternommen. Und er ist ihr geglückt. Sie gibt ein Bild der neuen Frau, nicht mit der schwere», vielfach und sorg» fältig gemischten Pinsels ühruug eines tüfteligen Oelgemäldes, sondern sie umreißt es wie eine schmissig hingeworfene Skizze mit scharfen, energischen, temperamentvollen Strichen. Für un» Sozialistinnen ist der Inhalt der zwölf knappen Kapitel alles Selbstverständlitcheit: aber wie diese Selbstverständlich. teilen in geschlissener Sprach« und gutsitzende» Formulierungen von einer gescheiten Frau aneinandergereiht«Verden, ergeben sie doch «vieder ehvoz ausdrucksvoll Neues, das zu lese» sich wohl lohnt. Durchaus i>n Sinn« der Sozialist«» sieht Dr. Hernnän» den Ausgangspunkt und soziologischen Untergrund für die Wesens- «vandlung der Frau i» Industrialisierung und Berufsarbeit. Trotz »inerhörter Wandlung der äußeren Lebensformen aber existieren, wie auf allen anderen Gebieten auch, die allen Verlmaßstäbe in der Tradition noch eine Zeitlang weiter. Auch heute noch siud, zuinzs in der Pro- viu.z, die alten Idealtupen des Wetblichen noch lebendig: die Dame und die Hausfrau,— jene aufgehend in gssellschastlichen Aer- pflichtungen, sorgfältiger Pflege ihres Körpers und oberflächlicher Pflege ihres Geistes, dies« die geringe Werte schassende und dl« Zeit «ind Arbeitskraft längst nicht mehr voll in Anspruch nehmrnde Hausarbeit in selbstgefälliger Bielgeschäftigteit zun« einzigen Lebensinhalt machend. Dame und Hausfrau aber habe» bei aller Berschicdcnheit des Lebensstil» miteiuander gemein, daß ihr Leben sich unter materiellem Schuh, aber auch unter lebenslänglicher Ab- hängigkeit abspielt, daß alle ihr Repräsentieren oder Arbeite» nicht dem Ich und der Gegenusart, sondern der Fainilie und der Zukunft gilt. Ist das Lebensziel erreicht, die Familie maleriell gesichert, der Main« arriviert, die Kinder untergebracht, dann setzt rasch der B e r- fall de» Alters ein. Denn der Mensch hat ja nie aus eigener Substanz gelel>t, Das usesentlichfte Merl mal der neue» Frau aber ist ihr Leben für sich, für die Gegentvart und für selbstgeivählte Ziele. Berufsarbeit ist unzerirennlich von ihr, und die Hausarbeit, obroahl geschickt und praktisch bervöltigt, ist ihr i«icht Ausdruck sform für eine höchst„ebelhafte, willkürlich bestimmte„iveibkiche Wesensart'. Daß Frauen aus besonders mechanischen Berufen die viel- neue Frau! ssitigere Hausarbeit vorziehen(übrigens auch»reist nur eine Zell» langt, ist für Dr. Herrmann eine schwere Anklage gegen unsere Wlrt- schastssystei», die man aber, da sie doch auch für die Miinnsr gilt, nicht lösen kann durch ihre Herausziehung der Frau aus bei«! Wirt- fchaftslebeu.— Zluf die der Dame erwieseneu kleinen Ritterlichkeiten. auf das Platzmachen In Bertehrsmitteln und die Bezahlung einer gemeinsamen Zeche allein durch de» Main« verzichtet sie gern und sordert Kameradschafilichkeit und Verständnis für ihre Probleme. Am bedeutsamsten Ist der Wandel, den sie in den sexuellen Moral- anschauunge» hervorgebracht hat, indem sie an die Stelle der schänd- liche» doppelten Moral dl« Gleichheil einer sittlichen Deranlwoclunz für beide Gc- schlechter gesetzt hat. Es ist nicht dt« neue Frau, sondern das zur Dame gezüchtet« Weibchen, das dt« neue Freiheit als Hemmungslosigkeit miß- versteht: dt« neue Frau ist durch den selbstrrlebte» Ernst des Leben» und die harte» Anforderungen der Selbstbehauptung im Beruf gar nicht in der Lage, die Erotik in den Miltelpuirkt ihres— geistig stark bewegten— Lebens zu stellen. In mehreren ftap'tellx mird dann die Stellung der neuen Fron zu ihrer Umwelt, insbe» sondere zu ihren« Mann, ihren Kindern und Eitern untersucht. Recht treffend wird die Tragik des heute gegenüber dein Baler-Sohn- Konflikt viel atwelleren Mulier-Tochter-Konstiktes herausgearbettei. Für das Berhältms zu in Manne wird durch Eingehe» auf all« Ein» wände über, zeugend nachgewiesen, daß die berufstätige, von eigene«,>. geistigen Leben und eigeuen Jnieresse» ersüllte neue Frau, die uötigeusall» auch einmal den Unterhalt der Familie allein auf sich nehme«, kann, auf all« Füll« aber dem Mann«virtf.hasiliche Stütze ist, die viel idealere Lebensgefährtin ist als die Frau alten Stils/—- allerdings bleibt sie oft genug e>» s a m,«veil e» den entsprechend anspruchsvolle«, und großzügigen.neue» Mann" als Typ noch nicht gibt. An, bedeutsamste» sind«vohl die Ausführungen Dr. Herrinann» über die neue Frau als Mutter. Sie veriveist auf die zunehmend« Bergesellschaftimg der Kindererziehmig durch Kinderhorte, Schulen, die als richtig« Lebens-«md Heimstätte«, eingericlstet«verde««. Sport und Jugendbewegung. Das Kind und der Jugendlich«, die durch eine Mutler allen Stils gar zu„individuell" erzogen«Verden, haben es gegenüber den„genormteu" Kindern der Gemeinschaslserziehung in, spätere» Leben unendlich viel schnserer. Die Elnslußnahine der Mutier soll sich im richtig„erstandenen Interesse der KiniKr be- schränken auf verständnisvolles Eingreifen bei Konflikten und Schwierigkeiten und das Lorbild eines tätige», lebensfrohe,« Menschen. Für die Verteidigung des Rechtes der verheirateten Fron auf Bencssarbeit, für Gleichheit der Bezahlung und die Ausfüllung führender Stellungen in Wirtschaft und Bcrivoltung durch die Frau u»i» für die Abschaffung der degradierende» Tifulatiou„Frau- lein" für jede beruf-tätige Frau, findet Dr. Herrinann treffende Argumente. Sie weist auf jeuen eigenartigen Zustand hin. daß In den„besseren Kreisen" die gesellschaftlich« Emrangiewng einer Fra«, auf Grund der Wertmaßstäbe von eheuials, ausgehend von der ge- sellschaftliche,, Schätzung des Kraukenschwesternberuses, nicht nach ihrer Berufs-, sondern»ach ihrer Fainilienzugchörigkeit erfolgt. Bei de» sließenden Grenzen und dem ilebergangscharakter«»chere«* Zeit sieht sie hieW haben d>« Pimncre einen Boden gesäubert. w o mehrere Jahre Papierabsätle zentnerweise Problematik der proletarischen Frau war und ist. Denn die Berufs« arbeit der Proletarier!» war ihr bisher nicht Mitk-I d-'e Be- freiung. sondern nur die jnrchibarsic Form der Sklaoere, Immerhin warten wir noch auf die sozialistische Eija Hcrrmann. Ein anderer Borwurf, dem man dem Büchlein machen könnte wäre der, dah er als Apologie der neuen Frau zu schr alles Licht auf sie. zu stark allen Schotten auf Ihre Gegner und Antipoden sollen läht. Bald wird es uns zum Bewußtsein kommen, daß auch die neue Frau nicht frei von Röten und Problematik ist. Aber e» ist auch wieder gut. das eine Kampfschrift sich nicht damit belastet, daß sie m sieghaster Optimismus nur das Positive herausstellt. Im Geltungskampf der neuen Frau wird ihr das faßlich und frisch geschriebene Büchlein eine brauchbore Waffe sein. TTfKvIg Schwarz. ig der Sowjets. foulte n." Und mit derartiger anlihggienijcher Arbeit jeNjl jür Erwachsene beschäftigt man Kinder von Parte! wegen und stellt tt als Dienst am Sozialismus hlnl Mit erstaunlichem Eifer spannen sich die Kinder In dieses kommunistische Arbeitsjoch ein und die Pioniere marschierten in Moskau unter Fahnen, die dl« bezeichnenden Inschriften trugen:„Sammelt Eisenschrott, sammelt Metallabsäll«, sammelt Papierabsälle! Lehrbücher für proletarische Kinder! Zahn- bürsten für Bauernkinderl Die Pioniere Moskaus bauen Lokomo- twenl Bekämpft das Rowdytum und die Trunksucht!" Di« bitteren Tagessorgen, die B r o t s o r g e n, die R o h st o s s. sorgen, die ganze Wirtschastsmisere der Sowjetunion lastet auf diesen Kindern, deren Ausführungen auf ihrer Tagung deutlich be» wiesen, daß sie nicht einmal eine Ahnung von einem halbwegs sorglosem Kinderdafein haben. Rachdcm sie der Partei und der Regierung unzählig« unbezahlte Arbeitsdienst« leisten, fordern diese Kinder für sich mir Zahnbürsten und Lehrbücher, ohne daß selbst diese bescheidenen Forderunge» nur halbwegs befriedigt würden. Indem die KPR. den Pionieren die Tagesarbeit auf den ver- fchie-densten wirtfchastlichen Gebieten ausbürdet, schädigt sie die Kinder gesundheitlich außerordentlich. Der Kommissar für Gesundheitswesen. Semaschko. stellte auf der Tagung der Pioniere fest, daß „der Gesundheitszustand der Pioniere viel schlechter ist, als bei der übrigen Masse der Kinder, was durch ihre Ueberlostung ml» Parkeiarbett verursacht wird". So wird Raubbau getrieben mit den begabtesten und energischsten Kindern, die, von der Revolution aufgerüttelt, ein« erstaunliche Selbstaufopferung Im Dienste der Sowjetwirtschaft aufbringen. Sie werden dabei auf dem Altar der Parteidiktatur mißbraucht, kommen um ihre Kindheit und um ihre Schulbildung. Da die Kinder immerfort für praktische Arbeit von der Partei und der Regierung mobilisiert werden, vernachlässigen sie unvermeidlich die Schularbeit und das„Sitzenbleiben" ist, wie auf der Tagung betont wurde, ein« Masfenerfcheinung geworden. Gleichzeitig wird ein enormer Mangel an Schulen empfunden. Darüber berichtet M. Wolgar folgendes: „Gegenwärtig bleibe» injolge des Geldmangels sür Schuibau 32 Proz. der Knaben und 52 Proz. der Mädchen im Alter von 15 Jahren Analphabeten. Ferner genießen keinen Schul- Unterricht die zwei Millionen Kinder im schulpslichtigen Alter, die erwerbstätig sind. Es wurde schon östers darüber berichtet, daß viele Kinder der werktätigen Bevölkerung aus pekuniärer Rot die Schule verlassen, ohne selbst die Voltsschule Molvierrn zn können."(„Koms. Prawda", Nr. 189.) Der ganze Schuljammer der russischen Kinder, die Not der Arbeiter und Bauern spricht aus dieser Feststellung. Verwundert wird der deutsche Leser srageu, wie so ist es möglich, daß im Lande der kommunistischen Diktatur zwei Millionen Kinder im jchulpslich- tlgen Aller erwerbstätig sind, airstatt die Schule zu besuchen? Die Tagung der Pioniere hat nicht nur über die Ausbeutung der Kinder durch die KPR.. sondern erst reckst über die Ausbeulung der schulpflichtigen Kinder seilen» der Ardeitgeber erschütterndes Tatsachenmaterial gebracht. Ans der Kinderkonserenz im Ardeitskommissariat, die ivährrnd der Pioniertagung abgehalten wurde, haben die erwerbstätigen Kinder jolgendes über ihr Arbeits- schicksal berichtet: „Minderfährige Kinder stellt mau bei aus sehr gern ein, er. zählte der Pionier Juschakow ans den, Norden. Den» was ist so ein Knirps? Er nimmt nlles hin. Der„Kulak" tGroßbauer) rnmmt ich« als„Gchiii«»". Der ist htlü'n aber a ch i Ja!) r c a.I i, dafür ni u st er v a ,i vier i! h r ni r r 9 c u s bis Mitternacht arbeiten. Auf die tleincn Fronknechte ninnnt man nicht Rücksicht, berichte!« der kleine Buriljch aus Sibiri«». Der kleine Landarbeiter Schukow zog die Bilanz, indem er ausfichrte: Es scheint. Genossen, d a jj e s den kleinen Knechten nirgends gut g«ht, in der Ukraine werden die kleinen Landarbeiter fast genau so bedrückt, wie im Innern Ruhlands. In Weißrußland genau so wi« in Sibirien." Die Moskauer„Prawda". der wir auszugsweise die oben an- «esührten Klagen der ausgebeuteten Kinder entnel)inen, bemerkt zu diesen B«rlcht«n:„Die jugeMichen Konferenzteilnehmer berichteten Mvei Tage lang über Leben und Leiden der zwei M i l- klonen kleinen Landarbeiter. Kindermädchen und Lehrlinge. Mehr über die Leiden und Qualen als über dag Leben So wacht die Sowjetregiening u>td dl« KPR. über das Schicksal selbst der kommunistisch organisierten Kinder, die sie schutzlos von frühester Kindheit der Ausbeutung ausliesert. Aber selbst in den landwirtschaftlichen Konmwnen, die die Sowjetregierung ins Leben ruft und jinanziell unterstützt, wird Kinderarbeit in erschreckenden, Maße zugelassen. Die Pioniere berichteten auf der Tagung über die Arbelt von Kinder» unter 12 Iahren in den„Kollektivwirtschaften" sden bänerlichcn Kommunen) wie folgt: „Zwischen Mädchen und Jungen gibt es bei der Ard«it in unseren Kommunen keinerlei Unterschied«: wir machen alle», was die Erwachsenen machen, wir pflügen, wir «Oflen, stehen bei Sonnenausgang aus..." Diese Ausführungen des Pioniers Rasarenko ergänzt« ein Pionier aus Sibirien, Indem er gegen die Ausbeutung der Kinder In den Kommunen austrat:„In unserer Kommune arbeiten die Kinder 12 Stunden. Sie arbeiten an den Mäh- Maschinen, und das ist eine sehr schwere Arbeit. Berfuch mal, von Sonnenaujgang bis Sonnenuntergang an der Mähmaschine zu schassen! Wir müssen diese Ausbeutung der Kinder beseitigen..." chier trat ein kommuntstisches Kind gegen die Ausbeutung der ; Kinder seitens der kommunistischen Väter in den Kollekttowirtschasten aus. und dieser Pionier fügte hinzu:„Ich meine, Kinder, dt e noch nicht 14 Jahr« alt find, sollen nicht mehr als sechs Stunden arbeiten." Diese Bestimnuing de, geltenden Kinderfchntzes in der Sowsetunion steht aus dem Papier und die KPR. kümmert sich nicht im.geringsten darum, daß sogar achtjährig« Kinder normalerweise 10 bis 12 Stunden täglich als Landarbeiterarbeiten. Anläßlich der Tagung der Pioniere stellt« das Zentraiblatt der Jungkommunisten fest:„Aus Erhebungen, aus osfiziellen Angaben und aus Briesen der Kinder gcht hervor, daß u n» gähltge Kinder ausgebeutet werden, ohne daß ihnen seitens der Regierungsorgan« der Sowjet- unton irgendwelcher Schutz zuteil wird." Und das- �Ide Blatt hebt ferner, bezugnehmend auf die Hungerlöhne «ich die zehn- bis zwölf stündige Arbeitszeit der Meinen Landarbeiter im fchutpflichtigen Alter hervor:„Selbst die ossizicllen Angaben über die Zahl der kindlichen Landarbester bestätigen deutlich die verbrecherische Rachlässigtei» der Regierungsinstanzen aus dem Gebiete des Kinderschuhes. Sttle empörenden Tatsachen lassen sich aus der unzu- lässigen Gleichgültigkeit der Gewerb elnspektton erklären, die unabhängig von der vessentlichkest arbeitet." Ist e» nicht kennzeichnend für die Diklatur, daß in ihr oll« Regienings- Organe unabhängig von der Ocssentlichkeit arbeiten? Es gibt ja keine unabhängige und freie Oesjentlichkeit unter der Diktatur und insoigedessen kann e, auch keine esfektioe ösfenttichc Kontrolle geben. So bleibt selbst der Kinberschug aus dem Papier stehen. Die Vertreter der KPR.»»d der Sowjetregierung haben die Kindtr auf der Tagung der Pionier« aufgefordert, für die„V e r- teidigung der Sowjetunion",„für die Jndustria- lisierung", sür„die Errichtung von landwirkschajtiichen Kam- munen" u. a. m. Sorg« zu tragen, aber kein Vertreter der Partei und der Regierung ha! sich verpflichtet gefühlt, den Kindern t n Zukunft wirksamen Schutz gegen die e r- schütte rudste Ausbeutung, der sie gegenwärtig ausgesetzt sind, in Aussicht zu stellen. So stehen Millionen„kleiner Zronkncchle" im Staat der„Arbeiter und Bauern" völlig schuhlo» da. Nach offiziellen Angaben sind zwei Millionen Kinder unter 14 Iahren, darunter Hunderte, T au s e n d e Kinder unter zw als und sogar unter, neun und zehn Jahren, erwerbstätig. In Wirklichkeit ist die Zahl der erwerdstätilgen Kinder im schul- psl-ch.ige> Atter, wie die«: wt?:presse fclbfi hervorhebt, viel höher. D>e Lohnarbeit dieser Kinder und drrr.'t dadurch begünstigt, daß ihm» der Schulde such einfach unmöglich ist, weil die vorhandenen Echülen nicht ausreichen für olle fchnlpflichtigen Kinder. So bleibt neben dem Acbcilsjchaiz der Zagendiichen auch die allgemeine Schulpsiicht in der Sowjetunion auf dem Papier stehen. Die Sowjetregierunz verwendet jährlich Milliarden Rudel aus den Erträgen der Verbrauchssteuer», die den Voiksmassen zur Last fallen, für den unrationellen und verschwenderischen Bau von Industrie- werken, sie gibt serner unkontrollierbar hohe Beträge aus für die Förderung der k 0 m»1 u n i st t s ch e» Parteien i in A u s l a n d e. Gleichzeitig wird der enorme Mangel an Volksschulen von der Regierung mit„Geldmangel" entschuldigt. Die Kinder der iioticidenden Volksschichte» werden infolgedessen dem Analphabetismus und der Lohnarbeit bei zehn- bis zwölf stündiger Arbeitszeit und bei Hungcrlöhneu preisgegeben. Es ist ein tief erschütterndes Kinder- dramo, dos sich heule in Rußland massenhaft in den verschiedensten Variationen abspielt. Und diese Kulturschand« nennt die KPR „Ausbau des Sozialismus". suditst Griinfeld. 'Die große Stadt. Die grellen Lichler zischen durch die Stadt, die den versatt in den Gesichtern vieler Menschen ha». Jetzt geht ein Rechner mit gehörnter Stirn vorbei. der nachsinnt, wie aus eins wird sechs und drei. Dorl weht ein Dichter. Schmerzlich zuckt sein Mund. Dort eine Dirne, angeschminkt und nicht mehr ganz gesund. Dann graue Kinder. In die Brunnen dieser Augen fällt kein Strahl von deiner Schönheit große Welt! Der Rotquartiere dunkle Litanei trägt eine stumme Schar von Arbeitslosen müd' vorbei. viel kleine Mädchen gehen vom Geschäft noch Haus. die Lichter schöner Zukunft löschen aus. Was bleibt? Der Eintritt in die Elcndsspur, das millionenfache Seufze,, armer Kreatur. So ist die Stadt bis an den Rand mik Sorgen voll. Ein Ungeheuer, rasend und nach herzjleisch toll, bis einst der Tag anralll mit Pracht, der alle Sudelei zu Boden krocht. Dann stürmt das Volk aus seinem Dunkel vor und wirft herum den sausenden Molar, den Antrieb ganzer Länder, die geliebte Stadl, die aufersteht und Herz und Seele hat, ei» Wellherz, lichlvermesse,, und von Zukunft angerührt. die in das Reich der Zreiheit führt, zum Lobgejang de» Daseins, hin zum Tier und zur Rakur und lachend umstürzt die verrückt« Zeitenuhr. die ihre Zeiger in das herz wie Dolche stößt und Taufende verdammt und wenige erlöst. Die nur um Geldes willen ihre lrüben Stunden schlägt, die noch au» Blut und Tränen Gold und Sitber präg»... Wir sammeln uns, bald kommen wir und rücken an du große Stadt, du strahlender Tlton. Max Barthel. --------------—-—— Eine pfarrersNitwe als Hexe. In dem mecklenbnrgifchen Orte Jabel wurde im Zeitoiler der Hereiwerbrennungen. auch einmal— das dürste ein»vreinzell dastehender Fall sein— die Witwe eines Psarrers als Hexe ver- drannt. Angezeigt und bezichtig! hatte sie der Nachfolger ihres Mannes, der ihr Geld schuldig war und sich seiner Schuld aus diese Welse entledigen wollte. Da die Frau zunächst kein Geständnis abgelegt hatte, ja hatte man die Iuriftenfakuliät der ituiversttät G r e i f s w 0 l d um ein Gutachten über die Frage ersucht, ob die Folter angewandt werden dürfte. Als dle Folterung jedoch be- ginnen sollte, und die Scharsrichter mit den Folterwerkzeugen kamen, gab die>>»g!, schliche lieber freiwillig zu, daß sie zaubern könnte. Sie bade das von einer Nachbarin gelernt; sie habe einen bösen«Heist, der Hans heiße; si« habe einem Manne ein Schwein sterbe» lasten und anderes mehr. Es war in jener Zeit Sitte, daß der Nachfolger eines evaugelischen Geistlichen die Witwe feines Vorgängers oder ein« von besten Töchter heiratete. Es ist aifo auch möglich, daß sich der die Frau denunzierende Pfarrer aus dieje Weise die Pflicht, dieje Jro» zu heiraten, entziehen wollte. Aus alle Fälle ergibt sich ein feltloines Sittenbild aus diesem aus alten Urkunden beruhenden Bericht, der in einem Werk über ,.MeckI>-nl'>!rnifch.-SchwrrIniIche Bsarren seit dem DrrißtgläKrigen Kriege" von Wiltgrroth in Wismar wieder. gegeben wird. enn eine eine Reise ini... Sehr riäMg— eigentlich heißt es ja:„Wenn einer eine Reise tut", aber bas Lied stammt ja noch aus der guten, alte» Zeit, in der es»och nicht üblich n>ar, baß auch eine— und zumal eine ganz alleine eine Reise tat. Das ist letzt anders geworden. Büro- angestellte, Verkäuferinnen und Arbeiterinnen, sie alle haben ein Recht auf Uiteub, med es ist für sie keinesfalls Vorschrift, daß sie den gerade in Mückendorf bei irgend einer Großtante verbringen »nässen. Gewiß gehen wohl die meisten tu irgend eine Sonnnerfrische oder i» ein bescheidenes Bad: aber es gibt unverwüstliche Naturen. die, irnmrer hungrig nach neuen Eindrücken, es vorziehe», irgend eine Stadt zum Standquartier zu wählen, Museen zu besuchen Ausflüge zu machen— und die sich damit oftmals erholen, wie die„seßhaften" Somnrerfrtschlcr. Zu diesen Bergnügungsreisenden treten dann noch die vielen Frone», die beruflich unterwegs sind. Sie sind »neisiens nicht gerode mit einem großen Spefeiretat gesegnet und sparen liebend gerne etwas davon ein. Wer aber denkt, daß der- artiges Reisen leicht sei— nun, der hat es noch nie selbst versucht Natürlich— solange man die„ersten Hotels" besuche» kann, gchi alles glatt und schön. Freilich kostet dann eine Nacht mit Frühstück immer sieben bis acht Mark— vorausgesetst, daß man das Glück hat, »loch im dritten»der vierten Stock ein einfaches Zimm.'r zu erwischen. Wenn man aber versucht, den Spesenetat etwas zu drücken, da»!> tann man schauerliche Erfahrungen machen. Nicht von den Hebeln, unter denen alle Reisenden leiden, soll hier gesprochen werden: Bon dem erst nach der vierten, sänften Bennßung gewechselten Bettzeug und ähnlichen Dingen. Man triebt es auch, daß die alleinreisende Frau, selbst wenn sie mit Gepäck kommt, unverschämt und mißtrauisch empfangen und ihr zum iirirtbesten— das Quartiergelb im voraus abverlangt wird. Und wenn man dann eitrige derartige Erfahrungen hinter sich Hai, dann entschließt»ran sich: ,Ln Zuknuft gehst du eben einfach in» Gewertschastshausl" Fertig: ja, leicht gesagt, ober.... Vorerst ist im Sommer In eiirigermahen gut geleiteten Gewerk- schaftshäufem meist fein Platz zu haben, ilnd dann... ja. dann gibt es auch ander«. Und so ein„anderes" war das Gewerkschosts- Haus in einer sächsischen Fabrikstadt, in da» ich nichtsohnend hinein- fiel. Um eine Genossin anfztifuchen,»var ich»veit bis zur Vorstadt hinausgefahren— ich glaubte, bei ihr für eine? locht Quartier zu finden, aber sie»var zun, Jugendtag nach Wien. So entschloß ich mich, tm Gewertichaflshatise zu bleiben. Das war freilich einfacher gesagt, »vie getan.„Ree, schlafen können Sie hier nich!" wurde mir er- öffnet.„Waium? Ist denn kein Bett frei?"— Ja, een» i» nochl Aber's is een Doppelzimmer!"— ,/>errgolt noch mal, denn geben Sie mir das Doppeiz timner— dos wird doch in jedem Hotel ge- machtl—„Ja. abers schläft doch schon eener drin! Mitn fremden Mann können Sie doch irich zusannnetrschlafen!" Rollos sah ich mich um. Auch die aitdern Hotelverhältnisse in dieser Stadt sind de- »üchligl.„Haben Sie denn keine Einzelzimmer?"—„Nu ja, aber mai» tllo» eens. Zu uns kommen sonst so Damen alleene gar nich— und da Hain wir bloß Doppelzimmer. Di« Männer schlafen schon mal zusainmenl"— Also mit Sanftmut und Energie gelang e» mir schkteßltch zu erreichen, daß der junge Genosse, der das Einzelzimmer tnuehatte. in das Zweibettenzünmer übersiedelte und niir für eine Nacht Platz machte. Mein Zimmer hatte ich mir erobert. Aber wie sah es aus! Ein Bett stand drin— es»var sogar ein weißes Metallbett. Aber die Auflegematratze war hart wie das Leben. Eineu Schrank gab es nickst, nur eilten offenen Gardervbenftärtder, eine Art von Küche ndisch, einen Sticht, auf den man seilten Koffer sielleit konnte und einen drei« bellrigen eisernen Waschständer mit einer Emailleschüssel. Mein Koffer war noch auf dem Bahithos: natürlich war niemand da, der ihn holen kamrie. Müde schleppte ich ihn die steinernen, schmutzig- grauen Treppe» hinatif, die ein miserabler Gestank aus der söge- «amsten Tockelle verpestete. Qben sah ich, daß in meiner Tür eine große Maltglasscheibe faß. Ich wagte mich nicht zu waschen, um bei der ungünstigen Stellung der Mittellampe keine„Sck>attenipiele" Klint Bergnügen der Zuschauer aufzuführen. Am nächsten Morgen: E» mar natürlich irienumd da, der die Schnhe hätte sänber» können Als ich in die Küche hinunterging, um mir da wenigstens eine Bürste tzu leihen, konnte ich gleich die Waschschüssel mitnehme»: Sie war sicher in den letzten drei Tagen nicht ausgeseift wordeil! Aus meinen Protest hin wurde sie ja schließlich gesäubert— irgend eine Ent- schiildiguitg hielt lliemand für nötig. Ich war froh, um sechs aufbrechen zu können— froh, daß ich aus der Küche, in der die Katzen auf dem Herd spazieren gingen, nicht frühstücken brauchte... Dieses Nachtquartier kostete siebzig Psemiig weniger, als eine nette, saubere Stube im„Bäckeramtsiiaus" von Hannover, zu dem man mich mis den» dortigen überfüllten Gewerkfchastshaus getestet hatte, ilnd die Differenz Halle ich reichlich an Äraßeiibal�nfahr- gsldern drauflegen müssen. Da war es weiier kein Wunder, daß ich in der nächsten Zeit einen großen. Bogen um alle Gewerkschaftshänser machte, und gar, als ich nach Gotha kam! Da war doch früher gerade ein Hotel diskutabel, tiird wenn da auch die Fürstlichkeiten an den Wänden hingen und Harry Domela gefeierter Ehrengast gewesen war! De? „Mohr"— ach, das koitnls man doch t«iln ivageii. die Räuberhöhle kannte ich doch»och von ISllt her! Also zog ich einfach in da» sürnehine Holet, wenn es meinem Geldbeutel auch wehe tat, Und dann erlebte ich eine große Neberraschung! Der„Mohr" hatte sich gewaschen— gründlich gewaschen! Nicht nur die Fassade war erueuer! und schon sarbig abgeputzt, die Gaslräum« nxtrsn renoviert— sogar eine ,.Kafseeablestuit