Irauensti jRr.24.4V.LahrqangI'BCllClQC ZUM UOttüfitfe j 5. Sezember 492S Sie Kau in der SewerWastsbewegung. Im letzten Jahr konnte das Jahrbuch des ADGB. über einen Zuwachs an weiblichen Mitglieder berichten. Auch das Jahrbuch des ADGB., das Auskunft über das Berichtsjahr 1928 gibt, stellte die erfreuliche Tatsache fest, daß der Mit» gliederzuwachs, den die einzelnen Verbände erfuhren, sich auch wieder auf die Frauen erstreckt. Nicht weniger als rund 60 000 Frauen' sind neu zur Gewerkschaftsbewegung gestoßen. Auf 100 Gewerkschaftsmitglieder entfielen 1928 13,2 Frauen. Heute, d. h. 1928, waren insgesamt 712 430 Frauen gewerkschaftlich organisiert. Im Jahre 1891 werden noch keine weiblichen Mitglieder ausgewiesen. Der erste größere Aufstieg ist im Jahre 1896 festzustellen, man zählte 13 000 weibliche Mitglieder. 1900 waren es dann 23 000. 5 Jahre später, 1903. war die weib- liche Mitgliederzahl bereits auf 74 000 angewachsen. Im Jahre 1913, ein Jahr vor dem Beginn des Bölkermordens, hatten 230 000 Frauen ein gewerkschaftliches Mitgliedsbuch. Die ersten Kriegsjahre brachten dann eine Minderung. 1916 war dieser Rückgang bereits wieder aufgeholt. Und 1918, bei Kriegsende, waren 423 000 Frauen gewerkschaftlich organisiert. Nun erfolgte ein riesiger Aufschwung. 1920 zählt die Gewerkschaftsbewegung nicht weniger als 1 710 000 weibliche Mitglieder. Dieser Stand blieb dann einige Jahre ungefähr erhalten. 1924 erfolgte die Abwärts- bewcgung, die bis zum Jahre 1927 anhielt. 1927 betrug der Bestand 630 000. 62 000 neue Mitglieder kamen aber im Jahre 1928 schon wieder hinzu. Seit 1913, seit fünfzehn Jahren, hat sich die Zahl der in den Verbänden organisierten Frauen verdrAfacht, ein Fortschritt, der sich sehen lasten kann. Ueber wieviel weibliche Mitglieder verfügten nun am Ende des Jahres 1928 die einzelnen Verbände? Die folgen- den Zahlen geben darüber Aufschluß: Belleidunzsarbelter.... 38000 T»lilarbelUr,,,,,. ISO 000 SuäiMnbfr...... 39000 Kolzarbe!««....... 21000 «TabrifatbcUet...... 104 000 Sutarbrif«....... 11000 Eemcmde.». SlaatBOrbeltfC 40000 LandarbeUer...... 17000 Trapbisch« HNfsarbeiter.. 26000 OTftatlatbdtpc...... 70000 SlabnmflBm• u. Srtränhaib. 85000 Sobnfarbttt«...... 61000 Echubmachic...... 34 000 Vkrkhrsbunb...... 35000 Die übrigen 18 Verbände hatten weniger als 10000 Frauen- Mitglieder. In fünf Verbänden überwog die Zahl der weiblichen die der männlichen Mitglieder(in Iahresdurch- fchntttszahlen): Graphische Hiissarbeiter Hutarbeiter...,, Tabakarbeiter.... Textilarbeiter.... Den höchsten Anteil an weiblichen Mitgliedern weist also der Tabakarbeiteroerband mit 77,2 Proz. auf, d. h. von 100 im Tabakarbeiterverband Organisierten sind �rund 77 weiblichen und 23 männlichen Geschlechts. Der weibliche Mitgliederzuwachs von rund 60 000 im Jahr 1928 ist der intensiven Werbearbeit zu verdanken. Besonders die Verbände, die für Berufe zuständig sind, die stark mit weiblichen Arbeitnehmern durchsetzt sind, haben eine lebhafte Agitation zur Gewinnung neuer weiblicher Mit- glieder entfaltet. Zum größten Teil wurde die Werbearbeit von den bewußten, bereits in der Gewerkschaftsbewegung stehenden Frauen bewältigt. Man kann sagen, daß alle Verbände, aber besonders die mit starker weiblicher Mitgliederzahl, heute über einen guten Mitarbeiterstand verfügen. Leider muß das neue Jahrbuch des ADGB. feststellen, daß die von den Frauen geleitete Verbandsarbelt noch nicht die verdiente A�i- erkennung weder bei den Männern noch bei den Frauen findet. Sollen all die Frauen, die der Gewerkschaft noch fernstehen gewonnen werden, so ist eine noch eifrigere Mitarbeit der organisierten Frauen notwendig. Das Jahrbuch 1928 des ADGB. sagt darüber: „Die Werbearbeit unter der noch nicht zur Gewerkschaft zählenden Schicht der Arbeiterinnen ist heute nicht weniger notwendig als früher: die gegenüber den früheren Jahr- zehnten vielseitigeren Aufgaben der Gewerkschaftsbewegung erfordern aber eine intensivere Mitarbeit auch der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder bei all ihren Arbeiten, als jetzt üblich ist. Heute fehlen Frauen selbst in Verbänden mit starker weiblicher Mitgliederzahl in den Hauptvor- st ä n d e n wie bei zentralen Veranstaltungen, oder sie sind dort in ganz verschwindender Minderheit vertreten. Die Zusammensetzung der G e w e r k s ch a f t s v o r st ä n d e und ihrer Kongresse redet eine deuttiche Sprache. Auf dem letzten Gewerkschaftskongreß waren unter 282 Vertretern nur 2 weibliche Delegierte. Dabei stellte eine Reihe von Verbänden mit starker weiblicher Mitgltederzahl eine so große Anzahl-Delegierte, daß eine Berücksichtigung der Frauen gerade im Hinblick auf die Bedeutung einer solchen Tagung durchaus möglich gewesen wäre. Nur der Textil- arbeiterverband und der Verkehrsbund hatten je eine(I) weibliche Delegierte entsandt. Der Textilarbeiterband zählte 174 044 weibliche Mitglieder, die 57,9 Prozent der Gewerk- schaftsmitglieder ausmachen, und entsandte zum Gewerk- schaftskongreß 20 Delegierte. Der Verkehrsbund entsandte 22 Delegierte und zählt 30 353 weibliche Mitglieder, das sind 8.7 Prozent der Gcfamtmitglieder. Alle übrigen Verbände entsandten nur Männer als Vertreter, obgleich 12 Ver» bände mehr als 10 000 weibliche Mitglieder und zusammen 150 Delegierte hatten." Es heißt also, daß noch mehr Frauen in den Gewerk- schaftsapparat hineingenommen werden müssen. Sie sind auch mit höheren Funktionen zu betrauen, als nur mit der Mitgliederwerbung. � Wie find die Frauen in den Körperschaften vertreten, zu denen die Gewerkschaften Vertreter entsenden? Auch hier muß gesagt werden, daß weibliche Vertreter eine seltene Erscheinung sind. Zur Illustration. Von insgesamt 10 308 Beisitzern bei den Arbeitsgertchtsbehörden sind nur 187 weiblichen Geschlechts. Warum diese geringe Beschickung dieser Körperschaften mit Frauen? Im Jahrbuch heißt e» darüber sehr richtig: ,F)iese geringe Vertreterzahl ist nicht zuletzt auf � da« allgemein geltende Vorurteil zurückzuführen, daß Frduen sich nicht für derartige Aufgaben eignen. Diese Art der Ein» schätzung enthält der Arbeit, die geleistet werden muß. wertvolle Kräfte vor und beeinträchtigt den Erfolg der Werbearbeit unter den Frauen." Abgesehen von diesen Mängeln ist unsere deutsche gewerkschaftliche Frauenbewegung gut. Und wenn im näch- sten Jahr wieder Bericht erstattet wird, so wird hoffentlich nicht wieder über die Zurücksetzung der Frauen, sondern nur von neuen Fortschritte"�--�-..... Frauenbewegung zu berichten sein. Loren« Popp. Du schaffst d Er wachst. Wachst zusehends. Wächst mit seüem Tag«. Sein« Körperhaltung strafst sich. Ausrecht ist sein Gang. Fest trete» die Fähe auf. Jeder Schritt besagt:„Jetzt gehe ich umher, jetzt geschieht «trvos von Bedeutung. Und jetzt hebe ich die Hand und hol« den schweren Gegenstand vom Tisch herunter. Ich habe Kraft und ich schleudere den Ball weit fort, daß die Hand nachschwenkt und der Körper zurück- und in weitem Bogen wieder vorschnellt. Und das vermag ich. Und alles hl« ich nun selbst. Ich wasch« mich selbst und lann es ebensogut wie die Großen. Ich brauch« auch nicht mehr sestgcihallen und ausgepaßt zu werden. Ich kam, auch allein über de» Straßeickomm gehen. Ich bin nun auch groß und kann alles so gut wie der Bali." Und das alles tut er kund durch die Tat, meist ohne Worte. Nur manchmal sagt er es. Er stcht da wie der Vati, spricht in dessen Tonsall. Er gebraucht Batis Redewendungen. Behandelt rhu liebe- voll zärtlich, gönnerhaft, gibt ihm Kosenamen. Wer er befiehlt auch in Natis Ton, der keine Widerrede duldet. Spielt den Haus- Herrn, trifft Anordnungen und betrachtet st« als verbindlich für sämtliche Hausgenossen. Ist ehrlich empört, wenn sie dagegen handeln. Und inanchinal bekommt selbst Vati einen ungnädig verweisenden, besserwisse wichen, rechthaberischen Ton zu hören. Daß er erstaunt Augen und Ohren aussperrt, uen sich zu vevgewissern, ob er recht gesehen und gehört hat. Wo der Jung« das her hat? Natürlich vom B a t e r. Und lpielt nicht bloß Vater, »r fühlt sich al. Voter, ist der Vater. Er hat sich mit seinem Vater»dentis iziert, wie es die Wissenschast nemrt. Und nicht nur wi« er spricht und geht und was der Vater sonst tut hat er ihm abgekauscht. Hat der Vater«in Leiden, da« sich sichtbar äußert oder von dem er spricht— der Klein« wird « sich aneignen und ihm darin ähnlich werden. Vaters Stimmungen und Liebhabereien, sein« Zuneigungen und Abneigungen, sein« Aengst c und Zweifel, fein« Hoffnungsseligkeit— er wird sie sich aneigiwn. Alles, möglichst alles wird er annehmen, denn er will wie der Vater werden. Di« anderen aber und der Vater selbst, sie glauben, der Knabe sei nur von Natur ihm so sehr nachgeartet, habe all ftine Eigenschaften ererbt. In Wirklichkeit wunde er nicht zum wenigsten dessen Ebenbild, weil er sein Bild in sich aufnahm. Wenn er es nicht vollkommen wunde, so weil noch ander« um ihn her sind, die er«bcnsalls in sich aufnahm, mit denen er sich gleichfalls zum Teil identifiziert«: Mutter und Geschwister, Onkel und Tonten und sonst wer. Identifiziert sich das Kind oorwiegend mit der Mutter, so wird es in Wesen, Haltung und Gewohnheit ihr Ebenbild wenden und nicht Vaters. „Mein Junge hat von mir die Neigung zum Uebergcben geerbt"', erklärte ein« Mutter. Sie Irrte sich. Nähere Untersuchung erwies, daß der Knab« sich übergab, weil er sich mit der Mutter identifizierte, werden wollt« wie sie. Bei«inen, kleinen Mädchen sah ich emes Tages zun, ersten Mal« »ine bestimmt« Mundbewegung der Mutter austreten: immer häusiger zeigte sich diese Mundbewegung. Ich konnte im Lau-ie mehrerer Jahr« verfolgen, wie Bewegungen, Urteile, Ge- pmiungen der Mutter Immer deutlicher von dem Kind« über- Nvmmen wurden, es ihr immer ähnlicher machten und bestimmend wurden für die Wesensentwicklung des Kindes. Da« Kind war stark «n die Mutter gebunden. E« drückte sich aus in dem Satz, den es eines Tages, als es kaum zusammenhänge>»d schreiben konnte, au die Wandlasel»»alt«:„Ich möchte mich mit meiner Mutti «er küssen." Auch in der Einstellung zu andere» Menschen, in oem Verlangen nach der Mittelpunktstellung seiner eigenen Person paßt« sich das Kind immer mehr der Mutter an. Die Psychoanalyse erklärt dl« Jdentiflzi«rung damtt, daß der Knab« uirbewußt danach strebt, die Elelle de« Vat«rs bei der Mutter «Inzunehm«», da« Mädchen— die Stell« der Mutter b«m, Vater. Dieses ursprungliche Streben wird durch die Erziehung in« Un- bewußt« verdrangt, wird gewandelt in feinere Reguiigen der Zärtlichkeit— es wird„fublimiert". Doch im Unbewußten lebt da» Bestreben fort, das Wesen von Bater oder Mutter anzunehmen, d. h. Bater oder Mutter zu werden. Deutlich spricht der Fünseinhalbjährig« diese Vaterstrebung aus, als ihm ein Märchen von einem kleinen Mädchen mit schönen Löckchen erzählt wird:„Solche, wie Vati hat?" Und einmal zu einer Hausgenossin:„Ich glaube, ich habe in deiner Abwese icheil mehr erlebt, als du. Ich glaube, Männer er- leben überhaupt»»ehr als Frauen." Der Mann ist er und dessen Urbild der Bater. Ein andermal zur Mutier, die ihn aussordert, mit kleinen Mädchen Puppen zu spielen:, !in Ebenbild. „Ick) bin doch kein Mädchen. Ich bin doch ein Mann wl« der Vati." U>i>d eines Tages sitzt er eine Stunde lang auf dem kleinen Bänkchen neben dem arbeitenden Bater, sachlich in dessen großen Maschinenbüchern blätternd. Da kommt die Mutter, umarmt den Mann und küßt ihn wiederholt. „Komme ich nun dran?"— fragt plötzlich errötend der Kleine, indes«in halb vorwurfsvoller, halb verlegener Blick die Mutter streift. Es ist augenscheinlich— er ist e i f e r s ü ch t i g auf den Vater. Durch die iicbertragung dieses Strebens von der Person de» Vaters oder der Mutler aus andere Personen kann auch eine IdentisizieniiH) mit diesen. herbeigeführt werden. Bei dem er, wöhiilen kleinen Mädck)en, dessen Erzieherinnen häufig wechselten. konnte Ich beobachten, wie es von jeder derselben irgendeinen Zug, irgendein« Gewohnheit angenommen hatt«. Eines Tag«s fragte ich es, wie es über Strafe denke. Als es zur Antwort gab:„Strafe mutz ja fein, ohn« das geht es ja nicht", bot es In Wortlaut, Ton und Haltung ein gelreue» Abbild feiner lehlen Erzieherin. E» hatte sich mit ihr identifiziert. Di« Formen und Abwandlungen der Identifizierung sind sehr mannigsaltig und kompliziert. Si« können hier nicht aufgezeigt werden. Wichtig in diesem Zusammen- hange ftt aber die Schlutzsolgerung, die sich au» der Identifizierung für die Verantwortlichkeit der Eitern, Erzieher und sonstiger Erwachsener dem Kinde gegenüber ergibt. Sowohl in Red« und Ton, als im Tun dem Kinde, wi« Erwachsenen gegenüber. Da, Kind idenkisizier« sich mi« ihnen im Guten wi« im Lösen. Im Lebenskräftigen wie im Lebensnnkrästigen. im Lebenswertigen und Unwerttgen. Kinder haben und Kinder erziehen, mit Kindern umgehen, sich in ihrer Umgebung bewegen legi die Pflicht aus. zu achten aus Tun und Lassen, Red«, Ton und Bewegung. Ver- pftichiei sein eigenes Fühlen und Denken zu beobachten und zu berichtigen: Damtt das Kind nicht eine Wiederholung wird der den Erwachsenen onerzogenen Mängel, damit es Träger und Fort- entwickler wird der Veredelungsbestrehungen seiner nächsten, matür« lichen, sowie bestellter Erzieher. Bor allem aber wi dem Kinde nicht, was ihr nicht wollt, daß es euch tu«. Denn eines Tages kommt euch von Ihm alles wieder, in Rede, Ton und Tun. Lasch» ftosenttiai. Das abgegebene Kind. Liebe Frauenstimme! I» deiner leßlen Nummer vom 20. November 102'J lese ich den Artikel„Kinder bitte abgeben": ich bin hierüber anderer Meinung. Wie sehr würde ich es degrützen, wenn«rst«lle Waren- Häuser, besonders da» unserer Konsumgenossenschaft eine Kinderstube besätzen. Wenn man Besorgungen machen muß, ist da» Kind für die Mutler hinderlich, das Kind wird naturgemätz nervös oder ungeduldig, die Mutter auch, der Schlutz Ist meist, wie ich«s oft beobachten tonnte, ein paar Klapse, ob gerecht oder un» gerecht, spielt ja hierbei gar keine Roll«: die Mutter ist eben hier der Machlsattor und macht sich ihrer Nervosität Lust. Ich kenne im Augenblick nur die Kinderstube von dem Kaushau» N. Israel und mutz dir gestchen, datz ich sie nach einmaligem Versuch des vsteren für mein erst knapp zweijähriges Kind benutzen werde. Dabei mußt du nicht denken, datz Ich zu meinem Mädel lieblos bin oder es gern los sein möchte. Ich steh« aus dem Standpunkt, je früher ein Kind selbständig wird, desto mehr patzt«» in unser anspruchsvolles Wirtschaftsleben. Bei den Kinderfreunden kann man auch schr gut beobachten, daß es 12jährige Nesthäkchen gibt, und kjährige Kerlchen, dl«„knorke" sind. Wenn«in Kind von klein auf als selbständiger Mensch behandelt wird, an dem die Mutter mit Pünktlichkeit ihre Pflicht erfüllt, ihm zu essen gibt, trocken legt— sckstasen legt, und nicht mit dem Babi spielt-, weil e» so niedlich ist, dann Ist st« schon vieler Sorgen«nchoben.- Richtet ste dem Kind dann später seine Spiel- und Ruhestunden ein, lätzt ihm vor ollem seine Spiel« selbst suchen und wenn e, Holz und Prctzkohlen find, selbst auf die Gescchr, datz es schmutzig wird, so wird e, gewöhnt, mitsich etwa« ansangen zu können, und uns Arbeiter- stauen ist damit geHolsen, datz»vir unser« Arbeit verrichten können, ohne sorttvährend«inen Heulaugust am Schürzenzipfel hängen zu haben: die Mutter gewinnt bestlmrnt durch solch korrektes handeln beim Kind«: das Kind ist stoltz auf sein« Mutter und»veitz sogar. datz sie immer das best« will. Wenn solch ein Ki»»d nun für ein bis zwei Stunden einem Kindergarten übergeben wird, so lernt es nur noch envas dazu, näm- (ich den Gemeinschaftssinn, den wir so sehr gebrauchen. Es griitzt dich deine Genosfin dk. R Oer Banker Möglich— sognr wnhrscheinlich, daß die Versammlung, die die „Gesellschaft für Sexualresorm" unter obenstehendem Leitwort ein- denifen hatte, wirtlich zum größten Teil aus„E h e g l ä u b i g e r n" (nicht Chegläubigen) bestand, wie Iustizrat Werthauer sagt«. Dann aber waren das wirtlich keine bösartigen Gläubiger, und sogar bei den Konkursverwaltern war der gute Wille zu spuren, der Firma noch immer einen Rest von Reputation und S u b st a n z zu wahren, um ihr di« Fortführung des Geschäfts zu ermöglichen. Schon die erste Rednerin des Abends, Frau Margarete Kaiser, stellte ihre Ausführungen unter das Motto, daß der Bankerott der Che von den meisten Menschen schon lange zur Kenntnis genommen sei— wichtiger als diese sehr späte öffent» »che Konstaticrung aber sei der Gedanke des Neuaufbaus der Ehe. Mit diesem Wort wollte sie freilich, unabhängig von irgendeiner Sanktion des Staates, jede seelisch-geistige und körperliste Liebes- »ni> Lebeusgemeinschaft bezeichnet haben— auch Bündnisse wie die „Ehe zu Dritt" und die Kameradschaftsehe, vorausgesetzt müsse nur werden, daß sie ml« der Absich« der Dauer, wenn auch mit der Möglichkeit der Trennung rechneten. Voraussetzung jedes wirklichen Neuaufbaus ober sei, daß man nicht alte Inhalt« in neu« Gefäße schütte? und so sei die GrunMage einer solchen Ehcreform die Neueinstellung der psychologischen Einstellung zum Partner, der Abbau der überkommenen Vorstellungen von ..Weiblichkeit" und„Männlichkeit", die Anerkennung der Eigen- Wertigkeit de« Liebeslebens, unabhängig von der Jeugung und die freie Cnstaltung der Erotik, neben denen aber der Mut zur Verantwortung und das Bewußtsein der Gemeinschaft»- ausgab« stehen müßten. Als zweite Rednerin sprach anstatt der verhinderten Genossin Wegscheider Frau Kläre Meier-Lugau. Sie unterstrich vor allem die soziologische Seite und Lösung des Pioblems. Denn die Gründe de« Bankerotts der Ehe seien ja nicht In allen Schichten di« gleichen: vier Probleme seien in jeder Ehe zu lösen: Das soziale Problem, die Frage des körperlichen Zu- sammenpassens, und der seelisch-geistigen Ergänzung wie das Pro- blem der biologischen Eignung. Wen» auch die erst« Frage scheinbar mir für das Proletariat die wichtigste sei, so müsse doch gesagt werden, daß auch die' dritte sich nur nach einer Neugestaltung unseres Gesellschaftssystems lösen lasse: Denn dieser Kampf aller gegen alle verschütte in jedem Menschen so viel seiner Menschlichkeit, daß es nicht verwunderlich sei, wenn auch für seine Einstellung zu seinem Liebes- und Lebenspartner der Eigentums- und Nuhstandpunkt der maßgebende sei. Daran ging die Ehe nach Inhalt wie nach Form bankerott. Iustizrat Werthauer sührt« aus, die Ehe sei eine Erfindung der Menschen, zweckooll wie alle ihr« Ersindungen, nur sei bisher zu wenig untersucht worden, welcher Zweck denn dem ganzen Apparat der staatlichen Approbation und der staatlichen Privilegie- rung des ehelichen Geschlechtsverkehrs zugrunde liege. Mit dieser Abhängigmachung des stärksten menschlichen Triebes, des Geschlechts- tricbes, von de» Sanktionen der Obrigkeit Hab« zuerst die Kirche und nun der Staat seine Herrschaft gestützt. Durch seine Gesetz« schütze er den Ehemann vor Uebervorteilung, übernehm« sozusagen die Garantie für die Jungfräulichkeit der Braut und die Treue der Frau— alles nur. damit der Mann die Last de« Familienunter- Halts und der Kiirderaufzucht übernehme, der Staat wolle sich vor allem vor der Sinderauszuch« drücken. Die Frau als Eigenpersönlichkeit werde durch die heutig« Ehe mit dem Moment der Eheschließung ausgelöscht. Aber trotzdem die Er- kenntnis von den Fehlern und der Brüchigkeit der bürgerlichen Ehe to weit verbreitet sei, werde sie noch lange nicht fallen. Der Psychoanalytiker Dr. Gimmel, sprach von der letzten Wurzel de« meisten Eheunglück«: Der Erziehung. Vor allem sei die sexuelle Erziehung des weiblichen Geschlechts auch Schuld an der an- geblichen„minderen geistigen Begabung der Frau", denn die Ver- semung dieses Gebietes gerade für di« Mädchen habe den wlssendurs« In ihnen eben in jeder Beziehung verkümmert, »« sei kein Zufall, wenn mit der gleichzeitigen und gleichartigen Aufklärung beider Geschlechter sich nun auch die geistigen Leistungen der jungen Frauengeneration heben. Wir alle sind eben Produkte der Erziehung und des Erlebens unserer ersten Kinder- fahre. Die Erziehung des Kindes in der monogamen Che aber stelle das Kind schon in den e r st e n Lebensjahren vor zwei erdrückende Problem«, die von den wenigsten Menschen restlos überwunden und gelöst werden könnten: Vor die Lieb« zu Mutter oder Vater und ott der Ehe? vor den Verzicht auf dieses Liebcsobjckt, sobald die Lieb««» empsindung sich zur Genitalempsindung wandelt. Diese seelisch« Arbeit des Verzichtes könnte dos Kind nicht bewältigen und dies« unerledigten Konflikte seien zumeist die tiefsten Gründe aller Che- oder Sexualstörungen. Hilfe dagegen sei nur das Wissen um un» selbst, denn nur die Triebe könnten wir beherrschen, die wi« kennen. Dieses Wissen und die Fürsorge der Gesellschaft für dt« Kinder sei der beste Weg, um den Bankerott der Ehe zu überwinden, Die Diskussion. Der Fehler von Kundgebungen ist es meist, daß aus ihnen einige Prominenzen ihre prominente Meinung sogen, ohne daß man — mangels Diskussion erfährt, welches Echo sie In Wirklichkeit b«i ihren Zuhörern finden. Diesen Fehler vermeidet die„Liga fit« Mutterschutz" in glücklicher Weis« durch die Einrichtung ihrer Dl»- kussionsabende. Und es ist schon ein beachtliches Echo, wenn sich aus einer solchen Kundgebung, wie die diesmalig« über den „Bankerott der Ehe" nach vierzehn Tagen doch über zweihundert Menschen zusammenfinden, um»och einmal für uird wider di« Meinungen der Referenten zu kämpfen. Selbstverständlich, daß«» dabei manchmal etwas kraus zugeht: Denn hinter dem Geist« lichen, der„für die Ehe im Sinne des neuen Testamcnts" eintritt, fitz der Lieb esre former", der die Samerung der Eh« vor allem von der Vervollkommnung der antikonzeptionellen Mittel tritt, sitzt der L ie b« s r e f o rm e r", der die Sanierung der Eh« ihrem erotischen Abwechslung sbedürfnls nachzugeben, und neb«» dem Ueberzeugungsfanatiker, der von seiner Frau v«r» laidgt, aus einem unzureichenden Einkommen steben Kinder groß» zuziehen und so der Märtyrer seiner Uebcrzeugungen z» werden, steht die enragierte Frauenrechtlerin, die mir in der Berus«- tätig-keit auch der verheirateten Frau die Basis für eine'Sanierung der Ehe sieht. Trotzdem ist es sicherlich ein nicht unerheblicher gart- schritt, daß sich ein aus so verschiedenilichen Elementen zufainmen- gesctzter Kreis von Menschen im wesentlichen ruhig und crnsthast über diese Probleme auseinandersetzt, demi bis auf die Herren Pastoren war inan sich wenigstens über eines einig: Die an gen- blicklich bestehenden Ehegesetze stick» für modern« Menschen, gleich welchen Geschlechts, eine untragbare Fessel, um so mehr, als die wenigsten Ehekandidaten vor der Eheschließung von den»vinfchnst- lichen und juristischen Folgen der Ehe eine Ahnung haben— ganz zu schweigen von den biologischen, psychologischen und physiologisckzen Voraussetzungen einer glücklichen Ehe. Im wesentlichen bleibt darum die Sanierung der Ehe ein Problem der G e s e tz g eb u n g und d«r Erziehung: Befreiung des Sexus von allen künstlich crridstetefl Schranken, aber Sicherung der Kinder wie des ivirifchast- lich Schwächeren und Erziehung der jungen Generation zu einer solchen Freiheit, die ihre Schranke nur in dem berechtigic» Iniercss« des aickuren findet, sei es nun das Interesse der Kinder oder der Frau, die gesundheitlich uuter der Ehe gelltten hat oder leidet. Weihnachisausstellung der„Heibaudi�. Auch in diesem Jahre lädt die„Heibaudi"(Hau swi r i j chas dich« Einkoussberatung und Auskunstsdienst der Zentrale der Berliner Hausfrauenvereine, an der Potsdamer Brücke, zu einer gejchmackooll aufgebauten kleinen Weihnachtsausstellung ein. Von den drei Ah- teilungen„Für sie",„Für ihn",„Für es" beanspruche»aliirtich gemäß den Zielen der„Heibaiddi" die erste den meiste» Raum. Reben Sächelchen des Deutsche» Werkhauscs, die nur dem Schinuck der Wohnung dienen und ein« gepflegte Höuslichkcii voniussttzen, (iiid praktisch« Geschenke für die Hausfrau ausgestellt. Bon 2b Mar< geht es abwärts bis auf rund 1 Mark, allerdings sind alle dies« Geschenk«, dies« seuersesten Kochgarnituren, diese Turmkocher, Gewürzdosenbehälter. Glasfchüsseletageren für Speisereste. Reise- bügeleisen, Eieruhren mit Klingeln. Wäscheleinen im Kasten, rief tri- schen Gasanzünder. Abgießkochtöpse(,nil Löchern im Deckel). Koch- siebe, Kaffeekannen mit Filtereinsatz ujw., auch wenn, sie an sich nicht teuer sind, nichts für Haushalle, in denen es nm Elcinevlarflet» und unbedingt Nötigem fehlt. Der Bestich der Ausstellt- i'.g ist abe« solchen Ehemännern, herairgewachfenen Kindern usw. zu empschlen. die in erträglichen Berhältnissen„Muttern" etwas zur Erleichterung ihrer Haushaltarbeit schenken wollen. Bei der Betrachtung d«r Gaben„für ihn" hat mau den Eindruck, daß Rauchen und Rasieren die einzigen Lebensäußerungen männlicher Wesen sind. Schr hübsch ist das dort in einigen Exemplaren ausgestellte Waldorff- Spielzeug, sowie die elektrische Küche und der eleklrifche Lehrmotor für Kinder, Dinge, die jedoch bei Preisen bis zu 18 Mark nur für einen besser gefüllten Geldbeutel erschwinglich sind.*1.8. Rhizinusöl ob Der Hansjel sollt« zum erstenmal in seinem jungen Leben Rhizinusöl einnshinen. Mir tat der arm« Junge jchauderhast leid, denn RhizinuM gchört zu den traurigsten Erinnerungen meiner Kindertage. W«tin ich es einnehmen mußte, dann sah die Wohnung gewöhnlich wie ein Schlachtfeld au» und bis mir ein Tselöffel voll eiirgeflößt war, hatte Mama mindestens schon dl« halbe Flasche aus Schürze und Fußboden verschüttet. Sogar unser Hund kniff aus, wenn er die Flasche init Rhizimisöl zu Gesicht bekam. Und nun war Hansel dranl Er hatte eigentlich eine rührende Art, Medizin zu nehmen. Die erste, mit der er Vekanntschast gemacht hatte, war die bei alle» Kindern beliebte.�husten medizin", die das Allheiüntttet bei Bronchialtatarrh ist und so wundervoll süß und secker schmeckt. Daß er die gen, genommen hatte, war mir nicht welter verwunderlich gewesen. Dann bekam er von einer Genossin mehrere Flaschen Lebertranemuision geschenkt. Die wurde ihm als etwas besonders Feines, das ihm ganz allein gehörte, vorgestellt und er durste das Paket allein aufnmche». Di« Flaschen fanden seine uneingeschränkle Bewmcherungi so ein seines Bild war drauf, ein Mann mit sooo einem großen Fisch! lind wahrhastig— der Jung« üahm mit Vergnügen seden Morgen feinen Lössel voll Lebertran, als ob es süß« Sahn« gewesen wäre! Aber nun Rhizinusöl... Man mußte jedensalls versuchen, es ihm möglichst mit heimtückischer Güte beizubringen. Zuerst und vor allem mal wurde gar nicht lange davon geredet,«lwa so ln dem Ton:„Wenn du brav einiiimmst, kriegst du nachher auch ein schönes Stück Schot oladel' Nein, der Herr Doktor hatte Rhizinusöl ver- ortrnel, also war es eine Medizin und mußte eingeiwmmen werden: und außerdem war es bei uns schon ein Dogma, daß Medizinen gut schmecken— bloß der bitterböse Friedrich aus dem Struwelpeter krlegt„bittere Arzen«!", aber das ist ihm erstens recht geschehen und zweitens find für Hansel Arzenei und Medizin eben nicht iden- tisch. Medizin ist bloß was für nett« Jungens. Zur Erhöhung seines Selbstgefühls durfte Hansel, als er mit Friiufdn Lisa«inholen ging, die Flasche für das Rhizinusöl selbst tragen. Stolz reichte er sie dem Drogisten über den Tisch:„Für mich!"•— Der sah ihn schmunzelnd an:„Na, da hast du ja was Feines! Paß ,nal auf, wie gut das schnwcktl" Glücklicherweise ist Hansel noch so unverdorben, daß er Ironie gar nickst begreift, und so nahm er die Versicherung des Drogisten für heiligen Ernst— er begriff auch gar nicht, daß die zwei Brusttaramellen, die ihm der nette Mann schenkte, eine Art von Schmerzensgeld darstellen sollten. # Zu Hause blieb, er brav und treu bei Fräulein Lisa in der Küche und verlangte nun nach seinem Löffel Rhizinusöl. Wim waren im Zimmer: etwas bänglich war mir doch zumute— würde die Illusion selbst über den niederträchtigen Geschmack des Rhizinusöles siegen? Aber wahrhaftig— nach zwei Minuten kam Fräulein Lisa ins Zimmer und berichtete geradezu entgeistert:„Sowas is mir denn mi doch noch»ich vorgekommen! Ich habe doch»u schon viele Kinder Rhizinus eingegeben, im Oskar-Helene-Heim und auch so... aber ohne Nasezuhalten haben sie nie geschluckt!" Es kam aber noch schöner: Ein Kinderlössel voll schien bei Hansel nicht zu wirken, wir sprachen davon, ihm vielleicht noch einen zu geben. Da kam Hansel selbst mit einer Medizinflasche angezogen und es wäre beinah ein Unglück passiert— statt der Rhizinusflasche hatte er die essigsaure Tonerde erwischt! Auf ausdrückliches und ernsthaftes Verlangen gab ich ihm»och„einen großen Löffel voll". Weil der Tee zum Nachtrinken noch nicht süß war. behielt er das Rhizinusöl zwei Minute» lang in der Schnute— und»wim wir nicht ausgepaßt hätten, würde unser Herr Sohik am gleichen Tag« die Buddel Rhizinusöl leer gemacht habe», denn„Ursache" und„Wirkimz" waren ihm durchaus noch nicht klar, und dl« eigentümliche Secker- haftigkeit meines Sohnes hätte vielleicht die stirchterlichsten Folgen gehabt...! Nun ist die Moral von der Geschichte freilich leicht zu finden, aber sie hat einen Nachteil: Es können nicht mehr alle Mütter aus che Ruhen ziehen. Ist in einem Kinde mal die Idee feslgc wachsen. daß Medizin Immer schlecht schmeckt, und daß Einnehmen eine Sache ist, z» der man entweder überredet oder gezwungen werden muß, dann ist die Schlacht verloren. Von klein auf muß das Kind mit dem Begrijs..Medizin" den einer Leckerei verbinden: das dürfte nicht schwer sein, weil iin allgemeinen die süß« Hustennwdizln ja immer die elfte ist: es schadet auch nichts, wenn man einen Löffel warmen Höing mal als„Medizin" vorstellt. Bei dem 2�. bis hjährigem Kinde tut es auch viel, wenn man die„Medizin" als eine An» gelegen helt großer Lent« vorstellt, denn man glaubt gar nicht, wie brennend gern so«In Purzel mindestens so groß wie ein Schutjung« sein möchtei „Ree— mit dem Jungen können Sie Miss Vartteeh gehen!" sagte Fräulein Lisa bewundernd— und dabei siel mir ein, wie schon einmal mein großes Mädel«nein geschränkt« Bewunderung ein» ! Genußmittel. geheimst hatte, als es noch mein kleines Mädel war. Da setzt« st« eines Tages ineinen Zahnarzt in Erstaunen. Artig knixend stand kk« Sechsjährige von dem Sessel lm Wariezimmer auf:„Herr Doktor. Sie möchten mir die Zähne nachsehen und plombieren, was nötig ist!" Der sah sie furchtsam von der Seit« an. als fei das klein« Mädel eine abgezogene Handgranate, die jeden Augenblick explo» dieren könnte.„Wo ist denn deine Mama? Wann kommt sie denn?!" —„Gar nicht, Herr Doktor, Sie sollen man immer los machent" Und freundlich lächelnd setzte sie stch aus dem Marterstuhl zurecht. Dr. P. setzte den etektrischen Bohrer an— Annelise muckte nicht, ließ sich mit vorbildlicher Ruhe Zement in ihren kleinen Zahn stopfen, stand dann auf. strich sich das Röckchen glatt und verab- schiedete sich mit einem freundlichen„Auf Wiedersehen!"— ohne zu ahnen, daß sie dem 5)«rrn Doktor ein geradezu unheimlicher Besuch gewesen war. Denn wenig« Tage vorher hatte er mir die Tür aufgemacht.„Ein Glück, daß sie kommenl Halten Sie doch bloß mal den verdammten Jungen feste! Ich ziehe nu schon seit anderthalb Stunden an ihm rum!"— Und drin fand ich einen kleinen, bis zur Unkenntlichkeit verheulten dreijährigen Jungen und seine Mutter, die ihn dauernd in einem östlich gefärbten Deutsch tröstete, aber nicht die Energie ausbrachte, den nun natürlich au» Leibeskräften widerstrebenden Jungen wenigstens so lange jestzu« halten, bis der Zahnarzt die Zange ansetzen konnte. Di« Wirt» schafterin war verreist, und so kam ich wirklich als Retter in der Not. Bald war der kleine, ganz verrrottet« Zahn draußen und mein Zahn- arzt wischte sich den Schweiß von der Stirn:„Bloß keine Kinder! So nich und so nichi" Er ist nämlich hoffnungsloser Junggeselle. Und darum elregte die Zumutung meines kleinen Mädels, ihr ohne jegliche„Mama-Exiftenz" einen' Zahn zu plombieren, solch ew Eni- setzen bei Ihm. Auch er war der Meinung, daß nian„mit dem Mädel ausin Jahrmarkt gehen könnte". Und dabei war dieser„Triumph der Dressur" dach auch nur auf zwei Tatsachen Zurückzuführen: Erstens war dem Mädel der Zahn- arzt nie als der„schwarze Mann" geschildert worden— und zweitens hatten wir sehr genau aufgepaßt und die Backzähne plombieren lassen, als sich die ersten braunen Kariesflecken zeigten— das heißt,« h e das Mädel überhaupt kennen lxrnte, wie weh Zahnschn�erzen tun können. Beides— aber besonders das erste ist wichtig. Wie oft erleben wir es heut« noch, daß den Kindern mit dem Arzt geradezu gedroht wird!'„Dann schneidet dir der Doktor den Bauch auf. das tut graßlich»veh!"—„Denn muß dir der Doktor in'n Hals gucken, paß bloß mal aufl"— und prompt heult das arme Wurm schon los, wenn sich der Arzt auch nur die Spiegel- blende um die Stirn legt. Bei ernsthaften Erkrankungen, ja. schon bei einer leichten, fiebrigen Mandelentzündung kann aber eine solch« Einstellung des Kindes manchmal zu schlimmen Komplikationen führen— schon der durch Strampelei und Heulen möglichst lange vereilelte Versuch des Arztes, in den Rachen zu sehen, laß« da» Fieber oft um mehrere Strich steigen. Aber noch schlimmer: Dies« Szenen, in denen das Kind zum Schluß ja doch immer der unter» liegende und vergewaltigt« Teil ist, können den Gnmd zu schweren nervösen Störungen legen, an denen die kleinen Pattenten noch lange leiden, wenn sie schon längst die Kinderschuhe ausgetreten haben.______ R- Ewald. Gaben für die Mutter. Adele Schreibers Kalender„Mutter und Kind", der sich in der kurzen Zeit seines Bestehens schon viele Freunde eriverben konnte, ist für das Jahr 1930 zum dritten Male erschienen. Das Beste, was zum Lobe dieses wunderhübschen, in sich abgerundeten Werkchen« gesagt welchen kann, ist, daß es das Niveau aus der ganzen Linie hält. Aus jedem Blatt tritt dem Beschauer au» Wort und Bild mütterliche Eittsichrungskraft und die besinnliche Sorgsalt entgegen. Mütter von Kindern aller Altersstufen werden auch in diesen, Ka» leicher wertvollst« Winke und Anregungen zur Pflege und Erziehung' finden: Uruiütterweisheit verbindet stch mit dem Modernsten an Er» tenntnis auf dem Gebiet« d«r Säuglingshygiene und Erziehung, selbst die neue Blutgruppenforschung und die Frelchsche Psychoana» lyse sind nicht vergessen. Zwei Serien ziehen sich durch den ganzen Kalender:„Erziehung des Kmdes zur Hygiene" und„Mütter und Kinder in aller Welt". Die braunen, dunkeläugigen, von fremd» arttgem Reiz umspielten Kindertöpschen aus Japan, Indien und Afrika werde,! das besonder« Entzügen des Beschauers bilden. Der Preis des Im Safari-Lerlag, Berlin, erschienenen Kalenders beträgt 3 M. Wo Irgend die wirtschaftlichen Verhältnisse der Familie ein bescheidenes Nippen an des„Lebens goldenem Ueberfluß" gestatten. sollte der Mann dieses Werkchen der Mutter seiner Kinder unter den Weihnachtsbaum legen, Dank und Freud« wird ihm gewiß sein.