mm*.**-_-_'■-■• W__-- �-1,5,............... ?tr.io*4T.3ai,raana| Beilage zum Vorwärks «. Mai �«30 Ein schwerer Kall in der Beratung. Unsere Veratuiig bekam ein achtjähriges Mädelchen zugeschickt mit der Mitteilung, dah dieses Kmd Angrisse auf ander« Kinder t»id auch aus Erwachsene»erübt habe. Das Entsetzen der Ange- hörigen war begreiflicherweise sehr gros; und das Kind stand durch- ans unter diesem Eilidnick und befand sich im Zustand tiefster Verschrecktheit, was es durch besonderen Trotz zu überwinden trachtet«. Sein erstes Austreten bei uns sah wirklich bedrohlich aus, es gab Airgriffe auf allen Linien, gegen Menschen und Gegenstände gleichermaßen. Tische und Stähl« wurden umgeworfen,«ine Schale mit Zuckerwerk mit beiden hohien Händen ihres gesamten Inhaltes auf einmal beraubt, die Süßigkeiten in wildester Gier alle zugleich in den Mund gestopft usw. Dabei schrie und lärmte das Kind unaufhörlich, zeigte aber keiueervegs den zu solchem Tun passenden Gesichtsansdruck wilder Unteriiehimingslust, sondern blickte scheu, gewissermaßen nur aus einem Winkel her nach mir, als ob es fragen wollte: genügt das oder muß ich»och mehr losgehen? Ich verhielt mich vollkommen passiv und rvartete ab. Dieses ungewohnte verhalten eines Erwachsenen, der nicht schilt, den Lärm nicht überschreit um Ruhe herzusleilen, keine Strafen androht, hatte die selbstverständliche Wirkung, daß das Kind in seiner Mei- nung, es habe noch nicht genug geleistet, bestärkt wurde und NUN auf mich selbst losging. Es kletterte auf mich hinauf, suchte mich umzuwerfen und nun traten auch die„sexuellen Attacken" auf, es zwickt« und versuchte den Kleiderausschnitt wegzuzid>eii und hineinzublicken usw. Das Repertoire war vollständig: durch mein Zu- rvarten hatte ich das Kind dazu verführt, mir alle Kunststücke zugleich vorzuführen. Dadurch hätte ich zweierlei erreicht. Erstens roar es m ii d e und darum eher geneigt, auf neuer Basis zu verhandeln, und zweiiens hatte ich mir einen lieberblick über seine Absichten verschafft. Tatsächlich schlug es nun selbst vor, zu spielen, wobei aber s e i ne Vorschläge über die vorzunehmenden Spiele allerdings noch immer in„Arm- und D e i n a u s r e i ß«»" bestanden. Damit endete unsere erste SlundM Gesprochen wurde dabei nur sehr tvenig. Trotzdem durfte der geübte Beobachter schon ver- muten, daß dies einer jener Fälle war, die gerade aus prole- tarischen Kreisen so häufig an unsere Beratungen kommen. Die Klagen beziehen sich meistens auf Onanie, startbetont' und betätigte sexuelle Neugier, in krassen vereinzelten Fällen auf sexuelle Verwahrlosung. Bei alle» diesen Beratungen konnte nachge- wiesen werden, daß diese Störungen n i e m a l s allein für sich, sondern immer in Verbindung mit anderen kindersehlern austraten, daß aber die Erwachsenen gerade diesen S y m t o m e n«in weit größeres Augenmerk zu- wendeten, als allen anderen Schwierigkeiten, vermutlich weil sie selbst intensiver daran interessiert und nicht imstande sind, die für «ine richtige sexuelle Erziehung nötige Unbefangenheit auf- zubringen. Ihre Voreingenommenheit verleitet sie nun dazu, zwei schwere Erziehungsfehler zu begehen. Erstens allen Fragen der Sexualität, die in ihren Augen noch immer eine eigen« unabhängige Macht ist, sorgfältig aus dem Wege zu gehen, sie in ein geheimnis- volles Dunkel hüllend, das des Kindes Neugierde erst recht reizt und zweitens das Kind mit einer unwahren Antwort abzuspeisen, «venu es ans eigenem Antrieb fragt. Aus diese Art fügen sie dem Kinde doppelten Schaden zu. Dazu kommt noch, daß Eltern und Erzieher, die bei der sexuellen Borbereitung des Kindes versagen, gewöhnlich auch auf anderen Gebieten nicht gerade Hervorragendes leisten und darum darf man bei jedem sexuell schlecht angeleiteten Kinde ruhig eine Reihe anderer K i n d e r u n« r t e n erwarten, bei dieser Rechnung irrt mau nie. Der weitere Verlauf der Behandlung dieses Kinde» bestätigte den«rsten Eindruck vollauf. Das Kind stand in hellem Protest gegen seine gesamte Umgebung. Es hatte niemanden, auf den«s sich verlassen konnte, niemanden, der es halbwegs richtig behandelte, dazu die denkbar schtechteste Familiensttuation. Es lvar das ältere von zwei Geschwistern, unschön, unfreundlich, das jüngere rvar bildhübsch und dem Wesen nach der typische„H e rz e n s s ä n g e r". wie es auch von der Familie genannt wurde, die es unaufhörlich gegen das ältere ausspielte: die Familenverhältnifse selbst durch Krankheit und private Schwierig- keilen ziemlich zerrüttet. Es galt nun vor allein, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen und sein Selbstvertrauen und seinen Lebens- mut zu heben. Auf diese Art beruhigt« sich das Kmd nach kurzer Zeit, wenn auch die selbstticrstöndlichen Nücksälte pünktlich eintraten. was nicht anders zu erwarten war. Sie wiederholten mit pbolo- graphischer Treue das Bild der ersten Stunde: das Kind faßte sich selbst oder anderen unter de» Rock, zwickte, versucht« sich anzu- pressen, aber niemals traten dies« Erscheinungen für sich allem auf, sie waren immer mit dem Versuch eines trotzigen Angriffes ver- knüpft, es warf zerbrechliche Gegeichänd« zu Boden, zerriß und be- schädigte(schon zu diesem Zweck bereilzehaltene) Spielsachen usw. Es>var klar, daß das Kind unangenehm sein wotllte und dies natürlich auch auf ein Gebiet verlegte, dessen Bedeutung für die Erwachsenen es sehr genau fühlt«,(jus das sexuelle Gebiet. Es hatte durch den ständigen zu seinen Ungunsten geführten Berzleich mit der jüngeren Schwester daian verzweifeln gelernt, sich jemal, angenehm machen zu könne» und suchte nun eben seine Geltung im Bereich des Gegenteils. Es wollte auch„alle Zuckerln der Welt kaufen, damit für keinen etwas übrig bleibt". Bei dieser Gelegenheit machte ich es in für sein Fassungsvermögen verständlicher Weise auf das Verhältnis zwischen Leistung und Erfolg aufmerksam, woraus es erklärte, e» wolle„nie- mals etwas arbeilen, man müsse ihm alles schenke n". Dieser Einstellung entsprach auch sein« Leistung in der Schule. Ein« Aus- spräche mit der einsichtsvollen Lehrerin ermöglichte die so entscheidende Unterstützung durch die Schule: nach und nach belzandelt« auch die Familie das Kind richtiger und so ging es in jeder Be- Ziehung überraschend schnell vorwärts. Das sichtbare Zeichen der Besserung war die Talsache, daß das Kind«ine kleine Arbeit, die es schon öfter gemacht hatte(nachdem es sich zuerst strikt geweigert hatte, dieses oder überhaupt irgend etwas zu tun), mit den sehr höflichen Worte» niederlegte, es „bitte um eine Arbeit, bei der es sich mehr bemühen müsse". Zuerst hielt ich das noch für Geltemvollen, aber die wirklich aus- dauernde Mühe, die das Kind an seine Leistung setzt«, be- wies mir, daß ich ihm Unrecht getan halte und daß ich ivirtlich dem ersten Erfolg gegenüberstand. Bon da au ging«s rasch aufwärts, das Wesen des Kindes ändeil« sich von Grund auf, die Wild- heil und Aufgeregtheit tieß nach, das ganze Benehmen, ja geradezu auch das Aeußere des Kindes wurde liebenswürdiger, die„sexuellen Angriffe" verschwanden vollständig. Das Kind lebt jetzt mit Haus und Schule im Frieden, die„sexuelle Frühreife", wegen welcher das Kind an die Beratung kam, zeigte sich bisher nicht wieder. Nicht nur dieser eine Fall, viele Dutzende ähnliche lehren uns, daß groß,« Borsicht am Platz ist überall dort, wo anscheinend „iexuelle Störungen" vorliegen. Man hüte sich sorgsam davor, ein Kind damit zu stempeln, eh« mau nicht sein soziales Milieu genau kennengelernt hat. Gar zu leicht treibt man sonst das Kind gerade in die Bahn, vor der man es behüten mochte. Loiic Lagersfeld-Wieu. Gesundes Eine der wichtigste» Frage» der Hygiene ist die der gesund- yeite-'naßige» Beschaffenheit der Wohn- und uor allem der Schlaf- romne. Es ist schon so unendlich viel zu diesem Theina geschrieben und gesagt worden, und doch findet man immer wieder Menschen, die es nir nötig erachten, elegant« und repräsentative Wohnräume in möglichst großer Zahl zur Schau zu stellen, und die zu-in Schlaf- raun» dann ein kleines, enges, womöglich nach einem düstere» Höfe Ml gelegenes Zimmerchen wählen, weil dieses ja„nm" zum Schlafen dienen soll. Daß J)er Mensch mindestens etwa ein Drittel ieincs Lebens in feinem Schlaizimmer zubringt, wird dabei nicht bedacht, und daß fein Körper im Ruhezustand, wobei der ausgleichende Faktor der Muskelbewegung sorifällt, viel leichter einer Erkältung, einem Rheumatismus oder dergleichen zugänglich ist, wird ebenso außer acht gelassen. Allerdings liegt heut« die Frage gesunder, allen hygienischen Anforderungen genügender Wohnungen lehr im argen. Um so mehr ober sollte daraus geachtet werde», daß als Schlafzimmer, gerade bei unzulänglichen Wohnungen, der l'chteste, trockenste und bestvcnlilicrbare Raum gewählt wird. Jeder Mensch kann es leicht an sich selbst erproben, daß er sich morgens weit ausgeruhter, erfrischter und arbeitsfroudiger fühlt, wenn er in einem geräumige» Zimmer mit ausreichender Luiicrneuerung ge- schlafen hat, als in einem engen Hinrerstübchcn. Das Beste ist für gesunde, widerstandssähige Menschen naturgemäß das Schlafen bei chfenem Fenster, wobei freilich darauf zu achten ist, daß die kalte Luft nicht direkt aul das Bett trifft, und besonders ist es unzweck- mäßig, die Bettstelle iinmiitelbar unter das geöffneie Fenster zu stellen. Für Empfindliche ist es angebrachter, in einem anstoßenden Raum während der Nacht ein Fenster iwseii stehen zu lasicu und die Verbindungstür weit zu öffnen. Zum Zudecken fällten Federn möglichst nicht verwendet wer- den. Wer daran gewöhnt ist und glaubt, sie nicht entbehren zu können, der sollte wenigstens darauf halten, daß sie nur mit lcich- ten, Federflaüm gefüllt und nicht dick mit schweren Federn voll- gepfropft sind. Diese hohen, übereinander getürmten Bette», wie man sie vor allem auf dem Lande noch vielfach findet, bewirken «ine übermäßige Erhitzung des Körpers, wodurch die Schweiß- ob'onderung gefördert wird, so daß die Betten, wenn sie nicht sehr viel der Sonne ausgesetzt werde», allmählich einen fauligen und unangenehmen Geruch annehmen. Abgesehen davon wird dein ruhenden Körper unter der Last solch dicker Fcderdecke jede Lust- zufuhr abgeschnitteu, und da wir längst wissen, wie wichtig eine Schlafen. gute Hautausdiinstung ist, sollte jeder einmal versuchen, ob er nicht unter ein oder zwei Wolldecken ebenso gur und gostind schlafen kann. Für den Kop! isr in jedem Fall ein härteres, etwa mit Roßhaaren gestilltes Kissen weitaus zweckmäßiger und gesünder, als die so beliebten weichen, dicke» Fcöcrkiisc». Metallene Bettstellen sind den Holzbettstcllen insofern vorzuziehen, als ihre Reim- gung leichter möglich ist. Keinesfalls darf ein Raum, der zum Schla'en dient, tagsüber regelmäßig von iitchrcren Personen als Arbeits- und Ausenthaltsraum benutzt werden, denn der Staub, den jede Arbeit mehr oder weniger verursacht, und die Gifte der Ausatmung sind dem Schlaf durchaus schädlich. Wer dieie Grundlagen für die Nachtruhe berücksichtigt, wird, wenn er nicht gerade krank ist, erholt und erfrischt«rwachen und kaum unter i-chlaflosigkeit zu leiden haben. Stellt sich trotzdem Schlaflosigkeit ein oder besteht sie schon lange und ist nicht so leicht zu beheben, so gibt es für sonst Gesunde allerhand Wege, die er- sehnte Ruhe a.mh ohne schwere medizinische Mittel herbei zurufen. Da ist vor allem zu empfehlen, das Abendessen mindestens zwei Stundet, vor dem Schlafengehen eiuzunehineit und dafür nur ganz leichte Kost zu wählen. Nach dem Essen ist jede geistige Anstrengung zu vermeiden. Ein kurzes Luftbad oder kaltes Sitzbad vor dem Zubettgehen ist oft in erstaunlicher Weise beruhizend, doch ist die Anwendung des kalten Sitzbades nicht für jedermann zu empfehlen und daher erst mit Borfichr auszuprobieren. Auch«in« kalte Auslage aus Nacken und Hinterkopf kann voi, guter Wirkung sein. Maitchmak ist die Ursache der Schlaflosigkeit in einem zu hellen Schiaiz immer zu suchen. Das kann durch Anbringung dichter Vorhänge leicht geändert werden. Verfehlt ist es ans jeden Fall, Körper und Geist vor dem Zur-Rnhc-Gehen zu überanstrengen, um dadurch das Schlafbedürfnis zu steigern. Ein gesunder Körper verlangt nach einem Tag«, an dem bewußt und zweckmäßig Ar- beit und Ruhe verteilt werden, ganz von selbst den ihm»otwendigei, Schlai. Wer mir seinem Tagewerk zufrieden sein kann, wer nicht wie ein« Maschine sein Arbeitspenium heruntergehaspelt hat, nur von dem Wunsche beseelt, endlich fertig und srei zu sein, wer es versteht, auch der alltäglichsten Arbeit den Stempel feiner Person- iichkeit auszudrücken und in der einfachsten Verrichtung sein eigenes Menschentum zur Geltung zu bringen, der wird auch so weit Herr über seinen Körper sein, daß er Leib und Nerven die notwendige Ruhe für die Stunden der Nacht selbst diktieren kann. I.oue Meckaucr. Krageabende für seelisch Notleidende. Das von Dr. Magnus. Hirschfeld begnindeie und geleitete Institut für Sexnalwisseiischast hat sich zu seine» übrigen Verdiensten auch dasiemge verschafft, durch regelmäßige ösfenrliche Frage- und Ausspracheabende unter ärztlicher Leitung den, Laien- Publikum in geschlechtlichen Lebens- und Schicksalsfragen hilfreich Ausklärung zu gewahren. Der Ernst-Hacckel-Saal des Instituts, jchlichtgrmi gestrichen und mit Bildern, Sprüchen, Büsten und Gips- maskcn beschaulich und sinnreich verziert, sieht jedesmal seine kleine Schar Wissensbegieriger und Ratsuchender. Das Publikum— offen- bar zusammengesetzt aus Arbeitern, Arbeitslosen, Zlngestelllen, Studenten, berufstätigen Mädchen und Ehekrauen— macht einen sehr ordentlichen, sehr soliden Eindruck. Weder den Sensationsgier mondäner Lauskundichaft aus der Gegend der Gedächtniskirche, noch die so häufig bei derartigen Peraitstallungcn airzutresfcnden patholo- gische» Gestalten und Sexualkretins bestimmen im geringsten das Bild. Wie die leise flüsternden, ernsten und einfachen Menschen in der durch Sinnigkeit gemilderten Strenge des kleinen Saales die Ankunft des Arztes erwarten, erinnert das Ganze vielmehr an eine Versammlung von Mclhodisten oder ernsten Bibelforschern. Der Priester dicker kleinen weltliche» Gemeinde, Dr. Abraham, fielst vor ihr, stüssig dozierend, wissenschaftlich ans dem Vollen schöpfend, leicht weltmännisch, leicht sa> kastisch, sehr sachlich und auch ein wenig menschlich-einfühlend. In der Hauptsache Arzt, vor dem es keine verwerflichen oder auch nur peinlichen Dinge gibt. Ileiur dii; Fülle der Vielseitigkeit der Fragen kann mir gestaunt werden. Kaum bewältigt der Vortragende die Menge der schriftlich und anonym vorliegenden Anfragen in zwei Stunden. Und was wird nicht alles gefragt! Da werden die immer wiederkehrenden Fragen nach Verhütungsmitteln, nach der Abtreibung, nach dem Schade» der Onanie und Behebung von»veiblichcn Frigidität gestellt, lieber diese noch„harmlosen" Fragen hinaus geht es dann auch tief in die Wildnisbezirke des Kranken, Anormalen und Pathologischen hinein. Die Blätter, die sich auf dem Pult des Arztes zum Stoß gksammell haben, bergen ein« Unmenge Leid, Gewissens- angst und oftmals jahrelang schweigend mitgeschlepptes körperliches und seelisches Schwergewicht. Man weiß kaum, worüber man sich mehr wundern soll, über soviel Abgründiges unter dem Mantel jchiichtbürgerlicher Wohlanftändigkeit oder über den Mut— oftmals wohl der Mut der Verzweiflung—, die gc- fchlechtliche Qual, wenn auch unerkannt,.zu enthüllen. So gutgemeint und nützlich die Fcageabende des Instituts auch sind und durch ihren Besuch den Beweis ihrer Notwendigkeit er- bringen, melde» sich doch immer wieder die Bedenken, Welt- anschauiings- und Schicksalsfragen suchender Menschen lediglich vom Mediziner beantwortet zu hören. Wenn ein Jugendlicher fragt, von welchem Alter ab geschlechtliche Betätigung zu billigen sei und darauf die Antwort erhält, daß es überhaupt keine Alters- grenze nach unten gäbe, da manche Menschen schon vor der Pubertät völlig geschlcchtsreis seien, und weiterhin jede Abgrenzung zwischen Normal und Anormal verworfen wird, kann man zu- weilen nicht umhin, die Stellungnahme einseitig zu finden. Auch vom medizinische» Standpunkt aus sollte bedacht werden, daß solche Objektivität den Laien nicht nur in das Gebiet jenseits von Gut und Böse, sondern auch in die Gefahrenzone jenseits von Gesund und Krank verführen kann. Die!5rau als Käuferin. Schon vor Jahren wurde nach statistischen Erhebungen errechnet, daß ein hoher Prozentsatz des Familieneinkommens von der Frau verausgabt wird, daß ungefähr 73 Proz. des Geldes, das voin Er- wcrb und von Vermögenserträgnissen ins Hans gebracht wird, durch ihre Hände gehen. Als Ergänzung dieser Feststellung mag eine in der amerikanischen Zeitschrift„Nation's Busineß" veröffentlichte Statistik dienen, die den Zwcck verfolgt, zu zeigen, welche Roll« die Frau als Käuferin spielt, wie stark ihre Wünsch« und ihr Geschmack die Produktion und den Handel beeinflussen könnten, wenn die Frau ihre Macht als Käuferin durch eine straffe Organisation ver- ständnievoll nützen würde. Selbst wenn es sich um die Befricdi- gung männlicher Bedürfnisse handelt, stellen die Frauen den ansehnlicheren Pro.zentsatz an Käufern. Es wurde festgestellt, daß 7ä Proz. der erzeugten und verkauften Herrensockcn von Frauen gekauft werden, ebenso 63 Proz. des auf den Markt gebrachten Krawaitenkontingenls. Von Frauen werden 81 Proz. aller Spezerei- waren, 82 Proz. aller elektrischen Apparate, 86 Proz. der Gold- schmiedearbeiten, 68 Proz. der Seidenstofs«, 46 Proz. der Metall- ivaren, 67 Proz. der Ledercrzeugnisse und 78 Proz. der Klaviere gekauft. Nur um eine Haaresbreite haben die Männer die Oberhand beim Ankauf von Hämmern und Sägen. Im Nertrc Zwei gutt Nnchbarinncn lresse» sich auf dtr Strasz�v Tic lrogcn Markttörbe am Arni. Hausfrauen, die vom Einkaufen kommen, >>abcn soft immer den Kopf von allerlei Sorgen beschwert: das Fleisch ist schon wieder zehn Pfennig teurer geworden, die Butler gar zwanzig, der Kohl fünf: Eier sind überhaupt nicht mehr zu erschwingen. Diese beiden Nachbarinnen, Frau A n n a und Frau Lotte, klagen sich also gegenseitig, wie fast unerschwinglich alle Lebensmiilel seien, und jede teilt der anderen ihre Erfahrungen mit, wo man noch am besten und billigsten kaufe und am reellsten bedient werde. Aber der Weg ist lang, und diese Einkaufsfragen find bald durchgesprochen. Und plötzlich neigt sich Frau Anna dichter zu Frau Lotte heran und flüstert: „Nüssen Sie schon, dah..." Lange und immer aufgeregter redet sie so auf Frau Lotte ein, und die sagt nur hin und wieder:„Nein sowas! Nein, wer hätte das für möglich gehalten!" Dann ist Frau Anna mit ihrer Erzählung zu Ende:„Ist das nicht schrecklich? Wer hätte das von den Leuten gedacht! Ich war ja selber ganz entsetzt darüber, als in i r Frau Frieda die Sache im Vertrauen erzählte..." Der lange Heimweg reicht nicht aus, die wichtige Angelegenheit zu Ende zu diskutieren. Morgen und übermorgen und noch viel öfter werden die beiden Frauen zusammenstehen nnd sie nach allen Seiten drehen und wenden, und sie wird immer interessanter und aufregender werden. Noch andere gute Freundinnen werden von der Sache„im Vertrauen" erfahren, und d>i sie sich doch dafür revanchieren müssen, werden sie wieder etwas anderes dafür„im Vertrauen" erzählen. Am Ende sieht es so aus, daß jede von jeder irgend etwas Peinliches oder Ehrenrühriges weiß, das, wenn es schon keine verbürgte Tatsache ist, doch Toisache sein könnte. lind wenn es nur lange genug weitererzählt wird, so ist es schließlich— für die anderen wenigstens— unumstößliche Wahrheit geworden. Bis eines Tages die Bombe plalzl. Vielleicht lobt eine Nachbar!» gegen eine andere die Liebenswürdig- kcit einer dritten.„Die? Die? Glauben Sie doch bloß nichi, daß die es gut mit Ihnen incini!" kriegt sie gerehzt zur Antwort. „Was glauben Sie wohl, was die alles hinter Ihrem Rücken über Sie spricht!" Und nun erfährt die unglückliche Lobrcdncrin nicht nur, was Frau A. über sie gesagt hat, sondern mich gleich, was Frau B. und Frau C. und Frau D- von ihr zu wissen behaupten, und da st« das doch nicht alles ohne Widerrede schlucken kann, verrät sie ihrerseits, was«in weiteres viertel oder halbes Dutzend Nachbarinnen über die andere erzählt haben. Mit roten Köpfen, mit verheulten Gesichtern gehen die beiden Frauen schließlich auseinander. Jede stellt nach und nach die anderen zur Rebe und erfährt dabei womöglich noch wieder von neuem Geschwätz. Der Hexenkessel„klatsch" brodelt und zischt. Das Ende vom Liebe ist Feindiehait. Man grüßt sich nicht mehr, verbietet den Kinder», mit„den Bälgern von drüben" zu spielen, und wenn es ganz schlimm kommt, steht man sich vor Gericht gegenüber und wäicht dort die schmutzige Wäsche weiter. Bis dann eines Tages irgendeine Nachbarin wieder etwas „im Vertrauen" der anderen verrät und die Freundschaft und der Klatsch von neuem beginnen. Klatsch: in der harmlosesten Form bedeutet er Zeitvergeudung. Manche Biertelstunde, die besser ausgefüllt »verde» könnte, wird ihm geopfert. Frauen, d i« nie Zeit haben,! n«ine Versammlung zu gehen, die nie Zeit haben,«in g u t'e s Buch oder au ch nur den p o li- tischen Teil der Zeitung zu lesen, finden diese Zeit bis. nxilen für Klatsch. Für nützliche Dinge fehlt si«: aber um„des Nach- bars guten Ruf zerkau» zu eklem Brei", dazu ist sie da. Klalschsüchlige Menschen interessieren sich für die intimsten Einzelheiten im Leben anderer, für Dinge, die keinen Menschen etwas angehen, deren Kenntnis keinem etwas nützt. Aber sie wollen und müssen um jeden Preis von den anderen„etwas wissen". Nicht nur Frauen, auch Männer können von diesem Uebel befallen seinz aber bei Frauen ist es leider noch häufiger. Die Kinder hören, wie abends in der Familie über ander« gesprochen wird. Es kann fein, daß das abschreckend auf sie wirkt und sie später Feinde allen Klatsches werden:>, xiner Proletariersamille mit da» kostbarste, «en gesagt. Man soll sie nicht vergeuden, sondern so zweckmäßig wie möglich anwenden. Wie viele wichtige Fragen des Lebens, des Penises, der Erziehung gibt es zu besprechen! Für solche Dinge die Famikie, die Kinder, aber auch die Nachbarn zu interessieren, ist eure lohnend« Aufgab«. Das Leben verstehen, das Leben bessern wollen, mit« helfen durch tatkräftiges Wirken, das ist der Weg. der ins Licht der Freiheit führt. Wer im Schmutz der anderen herumwühlt, der darf sich nicht wundern, wenn er selber in Schmutz und Dunkel herabstnki. Trude E. Schulz, Erbliche Belastung. In der Sprechstunde der Eheberatung erscheint ein blühender junger Man» mit seiner Braut, einem frischen, gefunden Mädel, das nur e i u Bedenken gegen diese von ihr sonst sehr ersehnte Ehe !>at: der Bruder ihres Verlobten leidet seit seiner Geburt an Bette» i n ii z und s ch m c r e r Geistes ftörun g. Sind ihr« künftigen .Kinder da nicht in Gefahr, das Leide» zu erben?— Der Arzt, der die El>eberatuiig ausübt, kann das Mädchen vollauf beruhigt!!: der mit erblichem Beitstmiz Belastete selb fr würde.zroar feine Krank» hcit auf durchschnittlich die Hälfte seiner Kinder vererben: die ge» sundcn Verwandten dieses Kranken jedoch Haben lauter krankheitssreic Kinder. «ehr viel ungiinftiger gestaltet sich die Prognose für die Ana«» hörigen der an Seelenspaltung, d. h. einem Zerfall der Peisönlich- keit und der au zirkulärem Irresein Leidenden. Diele selbst lollten natürlich niemals Kinder haben, da rund 5» Proz. solcher Kinder aeistig abnorm sein würden. Die Gefahr für die Kinder solcher Geisteskranker erhöht sich noch, wenn iolche Kranke eine Verwandten- che seliließen, in der dann zwei kranke Anlagen zusammentreffen, Nicht nur die Kinder, sonder» auch die Enkel find gefährdeh da das Keimplasma verdorben ist, und selbst entfernten Verwandten, wie Onkeln und Tanten, Neffen und Nicksten, ist von der Fort» Pflanzung abzuraten, wenn sieh bei ihnen oder Ihren Ehepartnern auch nur die geringste Abweichung vom Noi'malcn findet. Aehnlich sind die Verhältnisse bei erblichen Epilep* tifcni, den an Krämpfen Leidenden, bei denen sich ebenfalls dl« Feugiingsergetmisse um so ungünstiger gestalten, sc abnormer der andere, nicht selbst an Krämpfen leidende, Elle- enteil ist. Ganz anders dagegen liegen die Erbverhältniste bei Kriegs- oder sonstigen Epllep- tikeni, die aus Grund einer Kopsoerletzmig ihren Krampfzustand ! p ü t e r er n o r b e n haben. Wie aus de» llntevluchunqen der Bererbungssorscher hervorgeht, besteht vom eugenischen Stnnstpunkt aus keine Voranlnisung, diesen Leidenden oder gar ihren Ver- ivandten von der.Kindererzeugenig abzuraten. Häusige Geiste in der Eheberatungsstelle sind die Nochkonnnen von Alkoholikern, die sich sehr oft vor dem Gespenst der erblichen Belastung fürchten. Ueberaus wichtig wäre es, zu wissen, ob Alkohol- mißbrauch der Eltern an und für sich ohne Rücksicht aus die sonstige erblich« Minderwertigkeit so inaneher Trinker, das Keimplasma un- günstig beeinflußl. Die Untersuchuna über diese ungemein iviehtige Frage ist noch im Flusse. Doch zeiligten die bereits vorliegenden Untersuchungen auch schon bisher bemerkenswert« und unerwartet« Ergebmsfe. So grob jedenfalls, wie manche Nervenärzte sich das vorgestellt haben sind die Keimschädigungen durch Alkohol nlcht— |o daß gesunde Kinder von Trinkern einen Schaden für ihre Nach- toinmenf ehalt nicht zu befürchten herben. Dem chronischen Alkoholiker selbst indessen, der meist imndcrniertig und abnorm veranlagt ist, sollte man auf alle Falle von der Fortpflanzung abraten. Die praktischen Ergebnisse der p!i>chiatrischcn Erblichkeite- i o r s ch u n g— die schon vorliegenden»vie die noch in Aueflcht llehenden— sollen nun keineswegs, wie es bisher den AnschetN haben mochte, missehliefstich der ausmerzenden Eugenik dien«», mcIelK die möglichste Ausrottung der untüchtigsten Erbelenrente aus einem Volke zun: Ziel hat, sondern sie dienen ebenso sehr der aus- bauenden Eugenik, welche die möglichste Vermehrung der Träger wertvoller Erbeinheiten anstrebt. Es gilt nicht nur, zu wissen, bei weichen Type» eine Fortpflanzung unerwünscht, sondern ebenso sehr,. bei weichen eine ausreichende Fortpflanzung besonders er- wünscht ist. Die sichere Beantwortung dieser eugemsch grundlegenden Fragen aber läßt sich nicht durch eine willkürliche Ansicht. durch Sympathie oder Antipathie meichen, sondern allein durch eine genaue, objektive Ersorschimg der empirischen Erbprognose. Dr. L;!y Herzberg. Frauen unterzeichnen Stanlsveclrag. Staatsvertingc sind siüher häufig ami Frauen unterzeichnet worden soweit sie regierende Königinnen waren. Jetzt Jjaben zum ersten Male seit dem Frauen au der Abfassung eines Stae.tsverlrages Mitgewirkt und- ihn mit als amtliche Vertreter ihrer Länder unterzeichnet. In, Haag hat eine Konferenz stattgefunden, auf der darüber beraten wurde, was gefckzelzen soll, wenn eine Frau einen Auslander heiratet. Der Vertrag darüber ist auch von den Frauen mitunter» zeichnet worden, die im Haag waren: für Deutichland hat die demv» Italische Reichs tagsabzeordizet« Marie Lüders.mlerschncbe». Diplomat i Es ist zu schon, wenn Menschen mit so einer gewissen plotoni- fchen Liebe zu Kindern ins Schwärmen kommen. Gewöhnlich sind diese Menschen weiblichen Geschlechts, reichlich im gefährlichen Aster und haben ihre pädagogischen Talente bisher nur an Hunden ooer ldatzen ausgetobt. Kinder— natürlich nur hübsche Kinder— sind bei ihnen immer„säst" und.goldig" und sie himmeln in der Gohren Gegenwart sogar über.diese himmlischen, unschuldigen Oeschöpschen" los. Sie kommen nie ln Gefahr, ihre Illusionen zu verlieren, sie kommen ja nie ln die Versuchung, sich mal emsthaft mit ihnen �u beschäftigen. Wir anderen aber lernen jeden Tag von neuem. Diese kleine» Kerle sind Menschen, Menschen wie da und ich, sie zeigen uns unser Spiegelbild— und es ist du rchous nicht immer er- smilich. was sie UNS zsigen. Unser Schusterte zum Be. spiel entwickelt sich zum Diplomaten: es ist fabelhast, was«r darin leistet! Zuerst probierte er seine Fähigkeiten an Fräulein Sophie. Da war er ungefähr vier Jahre alt und Sophie war die ente ständige ihmisangestellt«, die er kennen lernte. So lteb sie zu ifcen war und so sehr sie ihn mit aller Liebe ihres einsamen Herzens umwarb, dieser Familienzuwachs pastte ihm gar nicht, besonders urwmgenehm war es, dah Fräulein Sophie hoch so etwas wie eine vorgeocdnete Instanz sein sollte. Er ver- sucht« unter allen Umständen, sich„cherrschastsvorrechte" zu sichern. Besonder; peinlich war es ihm, dost Fräulein Sophie sich immer in seinem Zimmer aushielt— und als er einen leichten Anfall von Röteln bekam, saß sie sogar den ganzen Tag drinl Befehlen durste «r ihr nicht, das war ihm klar gemacht worden— aber raus haben wollte er sie. Also sagte er höflich und sanft zu ihr:.Gehen Sie »nan in die Küche, Fräulein Sophie— hier ist es zu kalt für Sie!" Mit der Sophie hat es angefangen: aber nun versucht er schon, den Pnpa und die Mama einzuwickeln. Er wird nie darum betteln, daß ihm Kuchen oder Schteckereien gekauft»Verden. Aber er er- innert immer banwi, daß man ja der Maina ukiz mitbringe» solle — und erst wenn der Kauf beendet ist, jagt«r im Tone tiefster Befriedigung:„Und denn gibt sie mir was ab!" Sei» Meisterstück aber iiesert? er neulich: da hatte ich ihm ein wunderhübsches Bilderbuch gekauft(es ist„Der Herr und der Jockel", mit Bildern von Arpad Schmidhammer, Verlag Jos. Scholz) und als ich nach Haufe kam, hörte ich, daß sich der Herr Sohn infam unmanierlich betragen hätte. Da habe ich das Bilderbuch feierlich dem Papa geschenkt und er hat»veiter nichts als den Deckel zu sehen bekommen. Das hat ihn gekränkt und geärgert, so daß er eine ganze Stunde nicht mehr mit uns geredet l>at. Nach einigen Tagen aber hat er in einer guten Stunde vom Papa die Erlaubnis erbettelt, sich das neue Buch doch wenigstens mal ansehen zu dürfen. Dann hat er sich damit vor einen Sessel gekniet und hat die witzigen und feinen Bilder Arped Schmrdhammers in einer Weise verrissen— na!„Doch— so uws gibt's ja aar nicht!'n Eimer l>at doch keine Beine! Un der Stock un das Feuer— die foll'n nu auch rennen! So'n Quatsch!" Dabei sah ihm das Ber- gniigeu an den Spähen hell aus feinen Svitzbubenaugen. Dann aber wandle er sich zu seinem Papa:„Weißt du, Papa, das is ein zu dummes Buch! Das werde ich man in meinen Kasten stecken, damit du dich gar nich mehr mit zu ärgern brauchst un das dumme Buch nich mehr siehst!" Als ich nach Haufe kam, hat der Papa mir die Geschichte er- zählt— das Buch hatte er dem Schujt aber doch nicht gegeben. Und de, habe ich dran denken müssen, wie ich auch mal als Fünf- jährige mir auf ähnliche Weise von einer Spielgefährtin immer gerade die Bänder und Puppenlappen ergaunerte und eintauschte. die ich gerade für die begehrenswertesten h-clt. Diese dipioma!:- schen Knisse sind bei Kindern überhaupt nicht selten. So brach bei einem kleinen Jungen mal«ine fürchterliche Geschwisterliebe aus, er heult? und bettelte, daß die Schwester doch mit zum Besuch zu » den Großeltern genommen iverden sollte und die Verwandtschaft kam nicht ans dem Staunen heraus— die geschwisterliche Liebe »var sonst bei beiden Kindern nicht groß: Großpapa war nun der feste» Ueberzeugung:.Der Junge ist überhaupt viel besser, als ihr ihn immer macht!" Dabei war die ganze Rührszen« nur daraus zurückzuführen, daß der Kleine die Schwester in Verdacht hatte, während feiner Abwesenheit mit Aer neuen Eisenlmh» zu spielen — da sollte sie denn doch lieber mitgenommen werden! Aehnliche Dinge wird jede Mutter von jedem leidlich intelli- g-nten Kind zu benchien haben. Die Mütter reagieren ziemlich verschieden auf diese Diplomatenstreiche ihrer Sprößlinge, zum« st aber haben die kleinen Diplomaten, selbst wenn man ihre Schach- züge durchschaut, gewonnenes Spiel. Di« Intelligenz des Kindes wlrd bewundert und belohnt— und manchmal sogar in Gegen- wart des Kindes gelobt. Nun wäre freilich nichts falscher, als die dlplonuiijchen Versuche des Kindes mit Spott und Hohn ab zu war- 9.£ 99 r ▼ Www*9 f W Wf WWF ♦ gen— zu Klapsen bieten sie schon meist keine Gelegenheit, vielleicht ist sogar die Angst vor körperlicher Strafe der Geburtshelfer j« mancher kindlichen diplomatischen Begabung. Ebenso falsch ist es aber, sich von seinen Sprößlingen aus diplomatische Weise ein- wickeln zu lassen. Kinder beobachten uns viel schärfer als wir un» träumen lassen, sie kennen unsere Schwächen und wissen sie ge- schickt zu nutzen. Haben sie eln paarmal auf diese Weise Erfolg gehabt, so wird das„Hintenherum" bald zum leitenden Prinzip ihrer Handlungen und ihres Lebens. Am besten ist es, sich auf eine ganz ernsthafte Debatte einzulassen und sie möglichst init ihren eigenen Argumenten zu schlagen. Dazu gehört freilich einige Gewandtheit, ivenn man so einen schlagfertigen Debatter zum Gegner hat wie unser Schufterle. Bei der Biiderbuchgeschichte wurde der Vater ganz gut mit ihm fertig, er erklärte einfach, daß er das Buch sehr schä» siiche und daß Hansel doch lieber kein Buch ansehen sollte, wenn er sich sooo darüber ärgern müsse. Fräuleiir Sophie aber rutschte elend ad: sie ineinte, Honsel hätte sie gar nicht aus der Stube zu schicken, ihr hätten nur Papa und Manu, was zu sogen. Da erledigte Hansel den Einwand einfach durch die Fest- siellung:„Ich bin auch Papa und Mama!" und wußte gar nicht, wie recht er halte. Rose Ewald. Kinderarbeit vor hundert Iahren. Die erste deutsche Baumwoll- spinnerei wurde im Beginn des vorigen Jahrhunderts in R a t i n g e ir errichtet. Man nahm dabei die englischen Spinnereien zun, Vorbild und benannte die Spinnerei auch mit dem englischen Name», „C ro m so r d". In jenen Anfangszeiten des modernen Fabrik- wefens wurde die Kinderarbeit in Deutschland ebenso wie in England ungeheuer ausgenutzt. Zwar versuchte man in Deutschland, eine gewisse Kontrolle allzu übler Ausschreitungen einzuführen, doch ver- standen es die Fabrikanten sehr geschickt, die Jnspekticmsbeainten zu täuschen. Meist versteckte man bei Inspektionen rasch die ganz fleinei, Kinder in Speichern oder ähnlichen Räumen. Trotzdem geschah es vor etiva hundert Jahren einmal, daß man bei einer von D ü i s e t- darf aus veranstalteten Inspektion einer Fabrik, die einem Herrn Damian Gottfried H u y s k« n s gehörte,?7 kleine Kinder hinter Fässern und Kisten versteckt auffand. Dem Fabrikanten trug das«ine Geldstrase von bO Talern ein.„D i e quetsche ich i n e i n e r W o ch« wieder aus den Kröten heraus," soll der gemütvolle Herr Huyskens damals mit halbein Loche» erklärt haben. Wahlcechtsforderung südajrikanischer Frauen. Frauen Süd- afritas hielte» kürzlich in Kapstadt einen großen Kongreß, den ersten dieser Art. ob, aus dem das Wahlrecht für Frauen gefordert wurde. An dem Kongreß nahmen Vertreterinnen ans der Kap- Provinz,. ans Rata l, dem Oranje-Freistaat und Transvaal teil. Auch ein Ehequerjchnltt. Ein Ebepaar stand vor dein Nichter des Wiener Außenbezirks. Er: klein, friedlich, gebrechlich. Sie: eine weibliche Hünengestalt, gesprächig, sicher im Austreten. lind doch stedt er als Angeklagter vor dem weifen Salomo der Donaustadt. Er soll sie verprügelt haben, daß sie blaue and rote Flecke wie Sand am Meer besaß. Der Richter traut seinem eigenen Ohr nicht und»»terbricht die redegewairdte Klägerin:„Sie wolle» mich doch nicht glauben machen, daß dieier kleine, gebrech- liche Mann Sie, die große, starke Frau, mißhandelte?!"—..Eni- schuldigen Sie, Herr Gerichtsral," lächelt Madame etwas verschämt, „so jchwächlicd und oebrechiich ist inein Mann erst iw worden seitdem er mich versolstte!!"_ Kindcrgeist. Susi, die Sechsjährige, hat endlich, auf öfteres Verlangen, Lack- schul, che» bekommen. Bai» darauf sagt sie:„Mutti, sieh dach mal. der ganze Lack ist schon ab."—„Aber du hast doch immec Lackschuhe verlangt!"—„Ja. Mutti, mußt du den» hören aus da» d u m m e K i» d?"—„Bist du denn dumm, Susi?"—. Nein, nicht!" Die Sandtorte. Mutter(zum Vater):„Heute nachmittag schneide ich die schöne Sandtorte von Tante Berta an!" Das dreijährige Elschen mit Tränen in den Augen:„Mutti, Elschen will aber keine Sandtorte essen!" „Warum denn nicht,»nein Liebling?" Elschen(schllichzend): Gestern im Garten hat Elschen Sandtorte gebacken, und... und die hat gar nicht schön geschmeckt!" ..Ach. der..." Friedet, neunjährig, findet kürzlich irgend etwas an ihrem Papa beanstandenswert und macht ihrem entsprechenden Empfinden in der ihr sonst absolut sremden Art Lnfk, indem sie ganz impulsiv, kriti« sierend, sagt:„Ach, der..." Prompt folgt die fragende Znrecht- Weisung der Mutti:„Was ist den» das?— Der...? Wer ist denn: der...??" Da stellt sich die. noch nicht vierjährige Schwester Ilse in den pädagogischen Zirkel und anlworiet an Stelle Friede!;:„Na jal Der! Heißt dach: der Papa! Heißt doch nich: die Papa!"