ßrauenstimme! ] Tlr.l 5« 47. 3a�rgan9 1"BcHüQC ZUM VONvärkS| 31. Juli 1930 i«tmamnaMMWwg««!»ii«a«iiiM>maywiwiismiUBWMSM>iMMMaia«MBi�� 99 9 „Der Mutter, die als erste ein glückliches Kind erzieht", ist des Amerikaners W a t s o n aufsehenerregendes Luch „Psychische Erziehung im frühe st en Kindes- alter" gewidmet, das vor kurzem im Verlag Felix Meiner, Leipzig, in deutscher Uebersetzung erschienen ist, und das eine Anleitung sein soll zur richtigen psychischen Erziehung des Kleinkindes, die bisher viel mehr als die körperliche Pflege vernachlässigt worden ist. Die Anregungen und Anleitungen. die uns hier gegeben werden, sind nicht willkürlich erdacht, sondern das Resultat experimenteller, auf vielfältiger Beobachtung beruhender Erfahrungen. Diese Erfahrungen wurden dadurch gewonnen, daß einem Entbindungsheim ein psychologisches Laboratorium angegliedert wurde, in dem mehrere hundert Säuglinge von Geburl an täglich und stündlich beobachtet und alle ihre Regungen und Reaktionsweisen aufgezeichnet wurden, um endlich eine Basis zu gewinnen, von der man ausgehen kann, junge Menschen zu formen', wird doch„e i n Kind mit seinen Anlagen nicht geboren, son- dern geform t". Daher liegt die Schuld bei den Müttern, wenn sie kein glückliches Kind zu erziehen oermögen.„Denn das Elternsein ist weit davon entfernt, eine angeborene Kunst zu sein, ist vielmehr eine Wissenschaft, die gelernt sein will." Angst, Zorn und übertriebenes Zärtlichkeitsbedürfnis sind die Grundübel, an denen der moderne Großstadtmensch heute vielfach krankt, und die ihm nach Ansicht des Ver- fassers erst künstlich im Kindesalter anerzogen werden. Wie der Metallarbeiter die glühende Masse seines Materials auf dem Amboß ausbreitet und einmal mit gewaltiger Wucht auf die nachgiebige Masse schlägt, sie dann wieder ganz leicht berührt, so beginnen wir unvermeidlich gleich bei der Geburt das Gefühlsleben unserer Kinder nach eigenem Ermessen zu formen. Watson zeigt uns, wie die Schmiedehämmer aus- sehen, mit denen wir z. B. die Angslwelt in der Seele unseres Kindes gestalten. So ergab die Laboratoriumsarbeit des amerikanischen For< schers, daß das Kind von Geburt an nur zwei Dinge fürchtet: ein lautes Geräusch und den Verlust des Gleichgewichts, etwa wenn rasch und heftig an seiner Unterlage gezogen wird. Woher kommen denn die vielerlei Aengst«, unter denen schon der Gesunde leidet, und die noch viel schwereren Angst- zustände, die dem krankhaft veranlagten nervösen Menschen da» Leben oft fast zur Hölle machen? Was haben wir ange- stellt, um die Wurzel des Uebels in die biegsame Kinderseele zu pflanzen? Setzt man z. B. ein gesundes, normales Kind von 3 Monaten auf eine Matratze und bringt ein Kaninchen in seine Nähe— ein Tier, das das Baby noch nie gesehen hat— so greift das Kind erst mit der einen, dann mit der anderen Hand nach dem Tierchen und hält es fest. Von Angst keine Spur! Ein Hund, ein Kätzchen, tritt an die Stelle des Kaninchens. Das.Kind hat keine Furcht vor haarigen Gegenständen, selbst nicht vor schleimigen: ein zappelnder Goldfisch, ein grüner Frosch, werden voller Freude berührt: die Riesenschlange,— völlig harmlos, so lange sie jung ist— wird als lieber Spielgefährte begrüßt: das kleine Kind fürchtet weder Feuer noch Blitz noch auch die völlige Finster- t Kinder. nis eines lichtlosen Raumes. Mit welchen verkehrten Methoden haben wir dann das Kind dazu gebracht, daß es schon nach kurzer Zeit dahin kommt, vor Angst geschüttelt zu werden, wenn es«in schleimiges Tier anfassen soll, oder stundenlang vor sinnloser A n g st schreit, wenn man es zwingt, im dunklen Räume zu schlafen? Wir selbst, so sagt der Amerikaner, haben die Angst in die Kinderseele gelegt. Wir haben z. B. den Fehler begangen, unser Kind durch Lärm zu erschrecken. Das Kind sträubt sich gegen das Zubettgehen: es stört damit unsere eigenen Inter- essen: voller Wut werfen wir die Tür hinter uns zu: das Kind erschrickt. Wir wollen es gern im gutgelüfteten Räume wissen: an einem stürmischen Abend sperren wir die Fenster auf, die mit großem Krachen zufallen, und das Kind ängstigt sich. Wenn wir unsere Kleinen vor unnötigem Lärm bewahren,, so ist schon ein bedeutsamer Faktor ausgemerzt, der im späteren Leben Angstzustände begünstigt. Auch mit dem Ohrfeigenausteilen sollten Eltern recht spar- sam umgehen und ebenso mit dem für die Erziehung so un- entbehrlich erscheinenden und doch so verhängnisvollen Wärt- chen„Nicht", das der Ohrfeige gleichkommt und Hemmungen schafft, die das ganze Leben hindurch fortwirken können. Aber wenn schon einmal Fehler geschehen sind und das Kind aus dem paradiesischen Zustand gerissen ist, in dem es die Angst nicht kannte, so lassen die Fehler doch bis zu einem gewissen Grade sich wieder gut machen,— wenn es auch keine leichte Aufgabe ist, bestehende Aengste wieder zu beseitigen. Viel Geduld der Mütter ist hierfür nötig und dabei wird es allerlei Fehlschläge geben: Spott— etwa, das Kind„Anjjst- Hase" zu nennen— wird nichts nützen, ebensowenig das ein- fache Fernhalten des angsterregenden Gegenstandes. Auch dem Kinde Geschichten von Tieren oder sonst etwas über ihre Lebensweise zu erzählen, wird meist nicht zum Erfolge führen. Man wird sich schon dazu entschließen müssen, mit dem Kind ein etwas mühsames Experiment anzustellen. Man zeigt dem Kind etwa das furchterregende Tierchen nur einmal am Tage, nämlich mittags, wenn das Kind hungrig ist und zwar in großer Entfernung. Ist das Tierchen genügend weit ent- fernt, und das Kind genügend huiyzrig, so wird der Versuch glücken: das Kind wird seine Angst überwinden und essen. Dann zeigt man dem kleinen Angsthasen das Tierchen jeden Tag in näherer Entfernung. Schließlich wird es das Tier auf dem Tische, ja, auf dem Schöße dulden. Dies« Methode des Zurückgewöhnens ist mühsam, aber erfolgreich. Ebenso allmählich abge- wähnen kann man dem Kinde die Angst vor der Dunkel- heit: anstatt zu schelten, läßt man lieber etwas Licht im Korridor brennen und öffnet die Schlafzimmertür. Dann macht man die Tür jeden Abend etwas weiter zu, dämpft das Licht ab: endlich schließt man die Tür ganz: im allgemeinen genügen schon drei bis vier Nächte zum Erfolge. Ueber Pflanzen und Tiere wissen wir seit Jahrhunderten gut Bescheid,— das Seelenleben unseres Kindes aber war uns bis vor kurzem noch ein Geheimnis. Großen Dank schulden wir der amerikanischen Psychologie, die viel dazu beigetragen hat, das Geheimnis zu lüften, und die brauch- bare Zlnweisungen ausgearbeitet hat zur Erziehung glück- licher, von Angst, Wut, Nörgelsucht und Verwöhnung weniger belasteter Kinder.„ �r. Liiy llcrzberg. Fmvemrbeii /Zntemationales ArbeitsaWt Zlls erstes Heft der Schriftenreihe iiber„Internationale Sozial- Politik" erschien im Verlag des ADGB. die Broschüre von Gertrud Hanna:„Frauenarbeit und Internationales Ar- beitsamt." In vorbildlicher Weife ist in kurzen, Icichtverstündücheii Abschnitten alles zusammengestellt, was allgemein über Aufbau und Arbeit des IAA. wissenswert ist, unter ganz besonderer Berücksichtigung der Arbeit, die zum Schutze der weiblichen Arbeits- kraft geleistet wurde. Jahrzehntelang kämpfte die Arbeiterschaft für die Anerkennung ihrer Rechte, aber erst nach dem Kriege gelang es,«inen Teil unserer Forderungen zur Grundlage der inter- nationalen Sozialpolitik zu machen. Ein Einrichtung des IAA., das nunmehr zehn Jahre besteht, ist„die offiziell« Anerkennung des Gedankens, daß die menschliche Arbeitskraft ein Recht auf Schutz besitzt". Viel zu wenig bekannt ist die Arbeit des Internationalen Arbeitsamtes für die Ausgestaltung der Sozialpolitik in den einzelnen Ländern— nahezu unbekannt ist es auch, daß die grund- legenden Gedanken des Internationalen Zlrbeitsamtes einen Teil des Berfailler Friedensvertrages ausmachen. Artikel iL? des Friedens- Vertrages lautet: „Die Arbeit darf nicht als Ware oder Handelsartikel betrachtet werden. Das Recht der Vereinigung ist allen Lohnarbeitern und Arbeilgebern zu sichern. Die Höhe des Lohnes muß«ine angemessene Lebenshaltung gewährleisten. Die Dauer der Arbeitszeit soll täglich acht Stunden oder wöchentlich 48 Stunden nicht überschreiten. Ein Mindestruhetag von wöchentlich 24 Stunden ist zu sichern. Die Kinderarbeit ist zu be° seidigen und die Arbeit Jugendlicher sachgemäß zu beschränken. Für gleich« Arbeitsleistung ist Männern und Frauen der gleiche Lohn zu gewähren. Vorschriften über die Arbeitsbedingungen müssen für alle Arbeiter, die in einem Lande wohnen, die gleichen sein. Jeder Staat hat einen Aussichtsdienst einzurichten, an dem auch Frauen betelligt sind, um die Durchführung der zum Schutz der Arbeiter erlassenen Gesetze zu sichern." Bei der Wichtigkeit der Frauenerwerbsarbeit sür die gesamte Weltwirtschast ist es selbstverständlich, daß auch der Arbeit der Frauen im besonderen gedacht wurde. In dem Abschnitt Krauenerwerbsarbeit weist Gertrud Hanna mit aller Deutlichkeit nach, daß die Frauen- erwerbsarbeit nicht erst eine Erfindung der Neuzeit ist. Zu jeder Zeit war die Frauenarbeit ein wichtiger Faktor im Wirtschafts- leben. Der früheren Wirtschaftssonn entsprechend spielte sich diese Frauenarbeit innerhalb des Hauses ab. Heute hat die Maschine di« Arbeit aus dem tyrnse genoinmen und die Frauen sind ihrer Arbeit in die Fabriken nachgezogen. Auch die Arbeit der ver- heirateten Frau ist zu allen Zeiten etwas S e l b st v e r st ä n d l: ch« s gewesen und erst seit dies« Arbeit gegen Bezahlung geleistet wird und der Frau zu einer größeren wirtschaftlichen Freiheit verhilft, wird gegen sie protestiert. Der größte Teil der Broschüre befaßt sich mit den, Schutz der arbeitenden Frau. Es ist sehr zu begrüßen, daß zu einer Zeit, in der die Frauen der„Open Door Internationale" das International« Arbeitsamt wegen seiner Arbeit für den besonderen Schutz der arbeitenden Frau auifs heftigste befehden, mit aller Deutlichkeit erklärt wird, daß die Vertreterinnen der weiblichen Arbeitnehmerschast sich zu dieser Arbeit bekennen und gewillt sind, dahin zu wirken, daß ihre Forderungen für die arbeitende Frau vom IAA. in allen Ländern unterstützt werden. Eine Statistik der Leipziger Ortskrankenkass« beweist mit aller Deutlichkeit, daß der weibliche Körper gesundheitlich sehr viel gefährdeter ist als der des Mannes, z. B. erkrankten von IRK) Pflichtmitgliedern an Erschöpfung und Entkräftung: Männer Frauen bis IS Jahre.... 0.9 2,5 20. LS..... 2,6 5,3 30„ 39..... 3,4 16,0 40„ 49...... 5,2 14,4 50„ 59...... M• 13,1 60 Jahre und darüber.. 8,0 7,3 Die größere Erkrankungsziffer der Frauen ist nicht nur a»f ihre größere Anfälligkeit zurückzuführen. Fast immer und überall werden die Frauen niedriger entlohnt als die Männer, so daß sie gezwungen sind, sich in der Ernährung und Erholung zu be- schränken. Außerdem müssen sie noch neben der Berufsarbeit alle häuslichen Arbeiten selbst verrichten. Einer solchen Ausbeutung ist auch ein besonders kräftiger und gesunder Körper aus die Dauer nicht gewachsen. Die wichtigsten bisher gefaßten Beschlüsse für den Schutz der arbeitenden Frauen»msaisen folgende Gebiete: Nachtarbeit, Mutterschutz und Gesundheitsschutz. In Deutschland war die Nachtarbeit für gewerbliche Arbeiterinnen bereits seit 1891 verboten. Die Internationale Arbeitskonsercnz 1921 verlangte die Ausdehnung des Verbotes der Nachtarbeit auch aus die landwirtschaftlichen Betriebe, jedoch sind diese Bestimmungen weniger streng und verlangen lediglich eine Ruhezeit von mindestens neun Stunden. Bis jetzt haben zwölf Länder die Bestiimmingen über das Verbot der Nachtarbeit ratifiziert. Die Frage des Mutterschutzes wurde zum ersten Male auf der Washingtoner Konserenz 1919 inter- national erörtert. Das Uebereinkomine» gilt vorläufig nur für die Arbeitnehmerinnen in Jndustlie und kaufmännischen Betrieben. Eine Ausdehnung des Mullerschutzes aus die in der Landwirtschaft beschäftigten Frauen wurde 1921 in einer Empfehlung verlangt. Wir wissen, daß gerade in Deutschland dank des Widerstandes der reaktionären Großagrarier bis heute der Kampf der Sozialdemokratie um einen ausreichende» Schutz der Mütter auf dem Lande ohne Erfolg geblieben ist. Daß Washingtoner Abkotninen sieht für die Frauen in i»du- striclle» und kaufmännischen Betriebe» folgendes vor: Sechs Wochen nach der Entbindung darf eine Frau nicht arbeiten. Sechs Wochen vor der Entbinduiig kann die Frau die Llrbeit niederlegen, wen» sie auf Grund eines ärztlichen Attestes nachweisen kann, daß ihre Entbindung in sechs Wochen bevorsteht. Ihr Fernbleibe» von der Arbeit während dieser Zeit darf vom Unternehmer nicht zum Anlaß einer Kündigung genommen werden. Damit diese Schlitz- maßnahmen wirklich ein Schutz für Mutter»nd Kind sein können, soll die Frau während dieser Zeit aus öffentliche» Mitteln eine ausreichende Unterstützung erhalten. Es war eine der„Großtaten"' der Regierung Brüning, die Mittel der Reichswochenhilfe, die ohnedies nicht ausreichend gewesen sind, von 32 auf 15 Millionen herabzusetzen!!! Nach Wiederaufnahme der Arbeit hat eine Frau, die ihr Kind selbst stillt, Anspruch auf täglich zwei Ruhepausen von je einer halben Stund«. Bisher haben außer Deutschland folgende zehn Staaten dieses Abkommen ratifiziert: Bulgarien, Chile, Griechenland, Iugo- slawien, Kuba, Lettland, Luxemburg, Rumänien, Spanien, Ungarn. Oer Gesundheitsschutz der arbeitenden Krau erstreckt sich insbesondere auf das Verbot ihrer Beschäftigung in gesundheitsgefährlichen Betrieben. Hier sind es besonders die Be- triebe, in denen in irgendeiner Form mit Blei oder Zinkprodukten gearbeitet wird, weil diese Stoss« aus di« Fortpslanzungsorgane der Frau ganz besonders gesundheitsschädlich einwirken. Sehr wichtig ist die Bestimmung der Internationalen Arbeit»- konserenz vom Jahre 1923, die verlangt, daß in allen Gewerbe- aussichtsämtern in ausreichendem Maße Frauen beschäftigt werden, und daß diesen Frauen auch die Möglichkeit des Aufrücken» in höhere Stellen gegeben sei. Grad« die Frag« der Gewerbeaussicht ist ein Gebiet, um das die Frauen sich noch viel mehr bekümmern müßten. Wir haben noch längst nicht die Zahl weiblicher Gewerbe- aufsichtsbeamten, die der Zahl der weiblichen Arbeitnehmer auch nur annähernd entsprechen. Die besonders tragische Lage der Arbeitnehmer in der Heimindustrie veranlaßte die Internationale Arbeitskonserenz vom Jahr« 1928 Richtlinien über die„M i n d e st l ö h n e" herauszugeben, die wieder überwiegend für die Frauen in Frage kommen, da sie den größten Prozentsatz der Heimarbeiter stellen. Es wird verlangt, daß bei der Festsetzung von Mindestlöhnen folgender im Friedensvertrag enthaltener Grundsatz befolgt werde:„daß den Arbeitern ein Lohn gezahlt wird, der ihnen«ine nach der Auffassung ihrer Zeit und ihres Landes angemessen« Lebensführung ermöglicht". Weiterhin wird im Schlußsatz des Uebereinkommens gesagt, daß die Konferenz „sich für verpflichtet hält, die Aufmerksamkeit der Regierungen auf den Grundsatz des gleichen Lohnes für gleiche Arbeit ohne Unterschied des Geschlechts der Arbeitnehmer hinzulenken". Im Schlüßabsatz «.Die internationale Bedeutung der Ratifikationen"* weist Gertrud Hanna nach, wie außerordentlich wichtig diese ossi- ziell«'Anerkennung der Notwendigkeit internationaler Arbeitsschutz- gesetze ist. Die Zlrbeiterschaft hat alles Interesse daran, daß in sozial rückständigen Ländern die Gesetzgebung den bei uns geltenden Schutz- tistimimmgcn n n Z e g l I ch o n wird, lim eine mif einem sozialen Dumping beruhende Konkurrenz dieicr Länder zu beieitigen. (DumpingpreisumerbieNmg, die möglich gemacht wird, durch die schlechteren Arbeitsbedingungen dieses Landes.) In allen Ländern sind es die Vertreter der Oewerkschaste» und der Sozialdemokratischen Partei, die sich sür die Ratifizierung(An- erkennung) der Beschlüsse der Internationalen Arbeitskonserenz eingesetzt haben. Was in jahrzehntelanger Arbeit der sozialistisch ge- schulten Arbeiterschaft vorbereitet worden ist, findet jetzt zum Teil seinen international anerkannten Ausdruck i» de» Arbeiten des Internationalen Arbeitscmles. Freilich ist das Internationale Arbeiisamt keine„soziakistische� Einrichtung. Die Regierungsvertretcr und die Vertreter der Arbeit- geber haben»eben den Arbeitnehmervcrtretern Sitz und Stimme in leinen Körperschaften. Aber an uns und unserer Arbeit legt es, die Arbeiten des Internationalen Arbeitsamtes, an dessen Spitze der jranzösische Genosse Albert Thomas steht, innner inehr-n unseren, Sinne umzugestalten. Wir sind dem ADGB. und der Genossin Gertrud fwnna zu Dank verpflichtet für diese ansge.zeichnete und instruktive Schrift, und es wäre nur zu wünschen, dos, recht viele Genossinnen sich Aufklärung und Anregung doraue holen. llrr'.si Coiihclk. • Szenen, die sie damals in der Nacht betzruschtc, wohl de» Grnnd zu diesem Haß legten, daß sie sich damals nu'kwußt— der Baker war ja der heimliche Geliebte ihrer Kindcrzcit— mit der im„Kampf" »nierliegenden Mnlter identisizierte. Wenn sie an der materielle», Unabhängikeit allein kein Genüge» findet, ivenn st« neben dc»n Mann, der sie liebt, unglücklich ist»nd zweimal ihre Schnurnger- schast unterbreche» läßt— es ist das Schicksal der Mutter, das sie fürchtet, und jeder Mann ist der„Vater", der brutal das Leben der Frau zerstört. Der tragische Höhepunkt dieses Dramas ist endlich, lange nach ihrer Scheidung, ei» Erlebnis, das ihr auch das letzte Glück zcrstörk. das sie findet: Die Arbeit in der indische» Freiheitsbewegung. Sie hat in diesem Kreis endlich das gefunden, was sie schon seit ihrer Kinderzeit sucht: Gemeinschaft. Aber zu kemein der Genossen Hot sie sexuelle Beziehungen. Den Hunger ihres Körpers stillt fi« in wechselnden Liebesverhältnissen, denen st« nicht einmal diesen Namen gönnt. Sie ist glücklich, endlich Mitglied einer Gcmeinschast zu sein, die den Fluch, Frau zu sein, von ihr nimmt. Und dann erlebt sie dieses: Sie verhilft einem Genossen zur Flucht vor de? Polizei, vor den englischen Spitzeln, die während des Krieges all« Kämpfer für Indiens Unabhängigkeit in Amerika versolgten und einkerkern ließen. Aber der Spitzel in dem Kreis der Inder ist, noch unerkannt, ein Eurasier, ein Mischling eines portugiesische» Vater» mit einer indischen Mutter. Der wird von der Polizei auf thr» Fährte gesetzt. Er besucht sie... und um sie gefügig zu machen, um von ihr die Adresse des Geflohenen zu«rfahren,„verführt"»r sie. Nicht durch eine Liebeserklärung macht er sie gefügig: Fast ist die Szene«Ine Vergewaltigung. Bis zum letzten widersteht ihn, ihre Vernunft— aber er ist ein Mischling— wie der Paier... er trögt einen Gürtel mit Silberschnalle... In ihm steht endlich das Bild des Baters wieder auf, so wie ihn da» Kind geliebt hak, strahlend In seiner animalischen Schönheit... und das lähmt defl Widerstand der Frau. Sein Ziel erreicht er nicht: Sie verrät ih»n den Genossen trotzdem nicht, sie schweigt, auf seine Bitte, auch über dieses Erlebnis, sogar der Polizei gegenüber, die dadurch genau darüber orientiert wird, daß diese Frau zu schweigen versteht.., denn olles tat der Spitzel ja mit Vorwissen und Vorbedacht—«r sorgte sogar dafür, daß er sie, wenn sie es wagte, ihn zu beschuldigen, als Prostituierte hinstellen konnte... Er ist es schließlich, der ihr Erlebnis den Genossen bekannt gibt, die Motive ihrer Arbeit in det« Schmutz zieht und dos Glück, daß sie endlich doch in der Ehe mit einem indischen Genossen zu finden glaubt, zerstört. Warum aber sollte hier noch einmal über die Keschichie der Agnes Smedley geschrieben werden?— Weil wichtiger ols jede Kritik ihres Buches die Erkenntnisse sein können, die es vermittelt. Denn Agnes Smedleys Geschichte ist die Geschichte tauscnder Kinder, vor allem auch des Proletariats. Die Hemmungen, mit denen sie zu kämpfen hat, ihre hysterische Kälte, die Gebundenheit an den Bater. an der letzten Endes ihr Glück zerbricht: Gewiß, ein Teil dieser Dinge sind Erziehungsschäden. die sich vermeiden ließen— ein Teil davon ist aber unvermeidlich, so lange dos Proletariat als solches leben muh. Das sollen sich all» die Propagandisten der„Kleinstwohnungen" gesagt sein lassen, die mit solchen Mitteln wie Aufteilung eines Raumes durch Schrank- wände. Bettschränke usw. arbeiten: Als Famllienwohnungcn, in denen Kinder großgezogen werden sollen, sind diese Wohnungen untauglich. Die Wohnungsnot, die für das Proletariat ja eine Dauererscheinung ist, hat noch andere Folgen als die Rachitis und Skrofulöse, die man mit Ferienheimen und Landaufenthalt kämpft, Folgen, an denen die Kinder, die von Ihne» betrofsen wurden, oft die ganze Zeit ihres Lebens leiden. Roch werden dl» Kinder zumindest in den ersten Jahren ihres Lebens in bezug auf geschlechtliche Dinge in einer Atmosphäre voll©eheinmis und Das Bild des Vaters. Eine Frau allein. „Meine erste Erinnerung ist ein seltsames, zartes und geheimes Gefühl. Mein Pater hielt mich im Schlafe fest an seinen ungeheuren Körper gepreßt. Ich muß damals noch ein ganz kleines Kind gewesen sein, denn aus dieser Zeit ist in mir nichts als dieses Gefühl lebendig. War es ein erstes Errvachcn des Bewußtseins oder ein Trauin— ich weiß es nicht." So beginnt das Buch Agnes Smedleys„Eine Frau allein" — das Buch einer tapferen Frau, das Buch eines unglücklichen und kranken Menschen. Es wäre überflüssig, eine übliche Buch- bcsprechung zu geben— dieses Buch, das mit unerhörter Offenheit die Lebensgeschichte der Verfasserin erzählt, ist schon oft genug besprochen worden: Noch niemand aber hat versucht, an diesem Leben Agnes Smedleys aufzuzeigen, wie die Liebe und der Haß unserer Kinderjahre, sinnlose Strafen, die wir erleiden, Ezenen, die unsere Kinderaugen sehen, ohne sie zu verstehen, nicht von den Kindertränen aus unseren Herzen lveggewaschen werden, sondern unser ganzes Leben bestimmen, ja zerbrechen können. Der Bater: Das ist das große 3dol der ersten klnderjahre. Er ist der Große, Allmächtige, alles Ueberstrahlende, der Pol ihrer kleinen Welt, um den stch alles dreht. Er hat Indianerblut in den Adern, seine männliche Schönheit von fremdartigem Reiz über- strahlt seine ganze Umgebung.„Sogar die Art, wie er gekleidet war, unterschied ihn von den anderen, besonders sein breiter Leder- gürtet mit den vielen Farben und der Schnalle aus echtem Silber. .... Jeder andere hätte sich geschämt, solch einen bunten Gürtel zu trogen, aber mein Vater konnte sich das leisten, denn ihm stand alles." Die Mutter kann dagegen nicht aufkommen: Früh verzehrt die harte Arbeit ihre Kräfte und ihre Schönheit, sie macht ihrer Nervosität dadurch Lust, daß sie die Kinder prügelt, am meisten Agnes, die Aelteste. Sie schlägt für jedes Vergehen, unbarmherzig: Die„sanftere Ermahnung" ist es, wenn sie das Kind mit dem stählernen Fingerhut auf den Kopf klopft...,«in mir aber weckte es einen ungezähmten Haß". „Schließlich... zwang sie mich, freiwillig an einer Stelle still zu stehen, während sie mich von allen Seiten prügelte." Und aus Angst vor den Prügeln lernt das Kind lügen.„Jahrelang dauerte es, bis sie alle Liebe, die ich für sie suhlte, aus mir heraus- geprügelt hatte." So wird Agnes Smedley groß, in ärmlichen Verhältnissen: Mit zwei Schwestern teilt sie das Bett, in dem andern schlafen die Eltern und das Baby, der erste Junge, dessen freudig begrüßte Geburt dem kleinen Mädchen zum erstenmal die Tatsache klar macht, daß wie bei den Tieren auch bei den Menschen die männlichen Exemplare höher bewertet werden. Und so wird sie in der Enge der Wohnung zweimal Zeugin des Geschlechtsverkehrs der Eltern, der ihren Kinderaugen als ein mörderischer Kampf erscheint, in dem die Mutter die Unterliegend« ist.„Diese beiden Vorfälle habe ich nie ans dem Gedächtnis löschen können. Alles Geschlechtliche wurde für mich eine Angelegenheit von Gewalt und Brutalität." Sie wächst heran— und in ihr wächst ein unbändiger Haß gegen die Bindungen, die aus der Frau die Sklavin machen: Die wirtschaftliche Unselbständigkeit und— die Liebe. Sie ist nicht mehr fähig zu lieben, und selbst als sie sich.mit einein Studienfreund verheiratet, hofft sie, mit ihm nur als Freund und Kamerad leben zu können, sie sehnt sich nach Zärtlichkeit und Gemeinschaft, aber„für mich waren die Vorgänge in meinen Märchen und Romanen nicht init jene» anderen, verbotenen Dingen — den geschlechtlichen— verknüpft". Sie ist vereinsaint: Der Vater, der bewunderte Vater, verkommt durch den Trunk niehr und mehr: als er die Mutter erst seelisch, don körperlich mißhandelt, schlägt die frühere Liebe in Haß um. Ihr selbst ist kauni bewußt, daß die Htuchelei erjagt«.„Wie ein modriger Sack lag Geheimnis und Scham über allem", erzälllt Ägnes Smedley van der Geburt eines kleinen Bruders. Und jedes Kind, das so durch ein zufälliges Er- wachen Zeuge der elterlichen Zärtlichkeiten wird, empfindet sie als dtis, als was ihm Geschlechtliches von Anbeginn an gezeigt wurde: Als Schaicke und Scham— und trägt das Gefühl dieser Schande und Scham bis weit in sein späteres Leben. Gewiß, es braucht nicht jeder Fall so tragisch auszugehe», wie der Fall Smedley. lhier lagen die Dinge besonders schlimm: Die Eltern führten ein denkbar unglückliches Familienleben, die materiellen Berhältnisse der Familie waren jammervoll(zeitweise hauste man in einem Zelt— zwei Erwachsene und fünf Kinder in drei Betten), das sehr intelligente Mädchen suchte die eigenen Minderwertigkeit«- gefühle durch Höchstleistungen in der Schule zu betäuben(„... und das kleine, weiße Mädchen mußte mir zuhören!") und erlebt doch immer wieder diese Kindertragödien, die in unserer Seele tiefere Spuren zurücklassen, als wir uns selbst eingestehen wollen, sie erlebt die Beschämung, daß keine„Freischule", keine Begabung, kein Fleiß • dem Kinde des Proletariats die Gleichberechtigung zwischen gut- erzogenen Biirgerstinder» sichern kann. Die Agnes Smedley, die wir durch ihr Buch kennen lernen, wie wir vielleicht kaum uns selbst erkennen, ist ein kranker, hysterischer Mensch, ein Mensch, dem alle Tapferkeit nicht das Glück zurückerobern kann, das schon zer- stört wurde, als Agnes noch mit den Schivestcrn zu dritt in einem Bettchen schlief. Und darum wünsche ich das Buch der Agnes Smedley in die f>a«d jeder Mutter und eines jeden Aaters. Kose Ewald. Hygieneausstellung ohne Geburtenregelung! Ein Fortschritt gegenüber der letzten Ausstellung von 1911 utib der Gefolei liegt darin, daß zum erste» Male die Dresdener Hygiene- ausstelluno Wesentliches auszusagen l)at von der Stellung der Frau in ihrer Auteiinahine an der heutigen Kultur, an der gesamten Lebenshaltung, so weit diese durch gesundheitliche, wirtschaftliche und ftttllche Momente bedingt ist und damit eigentlich das ganze Gebiet der Hygiene umfaßt. Es ist bezeichnend, daß das Recht auf den eigenen Beruf für die Frau— fei sie verheiratet oder ledig— kein« Frage mehr ist, vielmehr nur der Ausgleich zwischen Berus und Familie und die Uebenvindung der Ileberbelaswng im Doppel- beruf zur Diskussion steht. In guten, ehrlichen Siatistiten und illustrative» Darstellungen werden die Lebens- und Anbeitsverhällnisse der Frau im häuslichen und außerhäiislilheu Beruf gezeigt. In anschaulichen Bildern stellt, sich der Typenwondel der Frau des letzten Jahrhunderts dar als«in Wachwerden zu selbständiger Lebensenisastung, schon äußerlich gekenn.zeichnet durch die frei- machende Gymnastik und Körperausbildung. Die Einrichtung von Ha i b t a g s s ch i ch l e n für verheiratete Frauen, wie sie in Amerika schon eingeführt sind, wird in den gegenüberstehenden Meinungen von Arbeitgebern und-nehmen, nur al» Fragestellung dargelegt, nicht aber entschiede». Neben all diesen lehrreichen und eiickmicksvollen Einsichten in der Abteilung„Die Frau in Familie und Berus" ließen sich noch eine Menge wichtiger Momente hervorheben: dl« Forderung nach Erziehung zur Haus- wtrtschast, das gesamte Gebiet der Säuglings- und Kinderpflege(eine sehenswerte Säugstngsecke mit praktischen Demonstrationen), die Schulkinderfürsorge mit Vorschlägen für Freizeitbehandlung, Berufs- beratung und Schulhygiene, die Nutzbammchung der gegenwärtigen Physiologie»ist» ihrer(Einsichten für die Lebensmittel- und Er- nähnmgsfrage, gesunde Wohmmgs- und Sicdliingsmöglichkeiten, rationelle Kleidung und allgemeine Körperpflege, di« Bedeutung des Körpertrainiiigs In Gyinnastik und Sport für den durch ihren Beruf oft ungünstig beeinflußten Frauenkörper. Nun kommt das Aber, die Ausstellung an der Ausstellung— soweit sie die Frau und ihre hygienische Kultur betrifft. Dies« Einwände gehen aus die Darstellung, in welcher di« Ausstellung die indioiduellni Probleme und das persönliche Leben der Frau stellt. Wie anschaulich plastisch ist es zwar gelungen,«in so schwieriges und vielumstrittenes, weil laienhaft fast nicht zu durchschauendes Thema wie die seelische Krankeubohaudluug, die Psychotherapie und ihr« Grenzgebiete, volkstümlich darzustellen. Sollt« aber die gesamte, nicht minder wichtige und disserenzierte Hygiene de» Geschlechts- lebens wirklich nicht ebenso darstellbar geivesen sein? Es Nimmt wunder, daß die Leitung der Ausstellung hier osfenbar bewußt eine Grenze zieht. Ueber Hygiene der Mutterschaft, von der Schwanger- schaft ab bis i» alle Eiizzelhciten, über Entstehung und Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten ist zwar Deutliches gesagt: nichts aber über die eigeichsich« Gcschlechtshygiene, über Art und Wesen des Ge- fchlechtsverkchrs und die P rä o e n t i v m i t t e l, über all die schwermirgeuden Fragen der Geburtenregelung— das Wort habe ich in der ganzen Ausstellung nirgends gesunde»! Sollte deren Dar- stellung wirklich gjcht gugeheiz— x»»rag zugegeben[*]»<£»]} sie schwierig ist—, aber sollt« es wirklich keine» Weg geben, hier eln- fach und mutig die heutige Lage zu beleuchten? Das Für und Wider der Präventivmittek, deren vollständige Auslage eine unbedingte Forderung jeder modernen Hygieiieausftellung von 1930 sein müßte, offen hinzustellen, schon dies wäre ein Weg gewesen, um dem Be- sucher die Möglichkeit eigener Stellungnahme durch klare sachliche Darstellung zu geben. Eine feige Scheu vor Anfeindungen hat diese „volksbelehrende" Ausstellung gehindert, das wichtigste, der Auf- klärung bedürftige Lebensgebiet, das der Hygiene des Geschlechts- lebens zu berücksichtigen. Hier lag die eigentliche praktisch-konkreie Aufgabe: man mußte durch einen Querschnitt der breitesten Oefsent- lichkeit Gelegenheit geben, sich aus eigener Anschauung ein Bild zu madzen von Bedeutung und Folgen eines gesunden und eines irrigen Geschlechtslebens. Auch der Pavillon über„seelische Hygiene" und„der nervöse Mensch" lassen eine Einsicht in sexuelle Berimingen und Fehlentwicklungen vermissen. Eine Hygieneausstellung, in deren Geschäftsleitung und Ausschüssen so zahlreich« führende Frauen sitzen, durste nicht an dieser Pflicht vorübergehen. X. lt. Oie Kunst, Männer zu fesseln. In der Ecke seines leeren Ladens, hinter dicken Folianten und verstaubten Schmökern, schläft, wie gewöhnlich, der Antiquar. Plötzlich geht die Tür auf. Eine Neunjährige tritt, etwas oer- legen, ein.„Ich möchte... ich möchte..." stottert sie. „Nun, mos denn, mein Kind?" ermuntert sie der Buchhäudter. Di« Kleine zeigt auf ein Heft, das im Schaufenster liegt.„Ich »«cht« das Buch dort: Die Kunst, Mäimer ,zu fesseln..." Der Antiquar schiebt seine Brill« zurecht und sagt vorwurfsvoll: „Aber das ist doch kein Buch für Kinder!" „Ist auch nicht für mich," erwidert schnippisch die Kleine.„Mein Papa hat mich geschickt. Papa hat gesagt, er brancht«r..." Der Buchhändler schüttelt den Kopf und meint:„Sag' ihm nur. mein Kind, von der Kunst, Männer zu sesseln, versteht er nichts..." „Was?" kräht die Kleine.„Doch! Mein Papa ist Schutzmann* Kindergeist. Mein siebenjähriger Wölsi hört mit größler Aufmerksamkeit zu, als der Bater von seinen Kriegserkebnissen erzählt. Seine Spannung wächst mit joder Minute. Als der Baier zu Ende ist, sagt er mit einem tiefen Seufzer:„Ich bin aber froh, daß ich nicht als Feind geboren bin!" * Sehr skeptisch verhält er sich zu der Tatsache, daß auch Ainerita am Krieg teilgenommen l)aben soll. Als der Bater darauf zu sprechen komint, bemerkt er kritisch:„Aber, Vati, Deutschland und Amerika können doch gar nicht miteinander Krieg führen, denn ivemi wir Tag haben, haben sie doch in Amerika Nacht!" * Die Großmutter ist alt und schwer krank. Wölfl hört viel da- von sprechen, daß die arme Großmutter sich so quälen muß und daß es eine Erlösung für sie wäre, wenn sie sterben würde. Am Tage noch ihrem Tode wird Wölsi auf der Straße von einer Bekannten angeredet und nach dem Befinden der Großmutter gefragt. Darauf gibt er zur Antwort:„Es geht ihr gut— weil sie gestorben ist..." "k Auf einem Ausflug mit dem Jungen kommen wir an ein Kloster. Es ist ein Nonnenkloster. Wölfl will wissen, warum da lauter Frauen wohnen. Man sagt ihm, daß Mönche und Nonnen in ge» trennten Klöstern wohnen. Er stutzt einen Augenblick und icherlegt sich die Sache. Dann ruft er strahlend:„Ich weiß schon, warum. Wenn nämlich Mönch« und Nonnen in einem Kloster beisammen wohnen würden, da bekämen sie gleich Lust zu heiraten..." * ..Mutti," sagt der sechsjährig« Wölf! zu mir, nachdem wir uns gestritten und wieder versöhnt haben,„Mutti, wenn du mir sagst: du bist nicht brav, dann kann ich nicht brav sein. Du muht immer zu mir sagen: Du bist aber brav!" k Mein kleiner Purzel ist drei Jahre alt. Neulich kommen wir von einem Spaziergang« heim. Es dämmert bereits. Der kleine Kerl geht schweigend an meiner Seit«. In seinem gesenkten Kopjchen und der gerunzelten Stirn sehe ich, daß er grübelt. Dann faßt er plötzlich meine Hand fester:„Du, Mutti, gelt, all die Häuser, die hat der Baumeister gemacht, aber den Himmel nicht, der wächst..." Ein langer Schwan;. In einem Inserat war Zu lesen:„Ber- loren gegangen ein Dackel mit Schlappohren und langem Schwanz von der Friedrichslraße bis zum Pariser Platz. Abzugeben bei Kroll," �