zum Vorwärts 14. August 1930} WWNWWWW Zraue |?tr.l6»42.3at>faonflj SClftlflC Kämpferin oder Dulderin? Aufgabe der proleiarischen Wählerinnen. Ditzenbleiben'. Eine groß« Bersicheningsgeselllchast in New Pork propagiert gegenwärtig einen neuen Bersicherungszweig. Di« Frauen können sich dort gegen Ehelosigkeit versichern. Di« Bersicherungssumme ge- somit zur llkuszaylung, wenn dos in Frage kommende Mädchen seinen 40. Geburtstag erreicht, ohne verheirotcl gewesen zu sein. „Un befugte Prostitution << Die Gehetzten Unter d«n Prostitutertcn, die da in d«r Inneren Stadt in eine still« Seitengasse fliehen oder sich zitternd in einen Hauseingang drücken, wenn sie des Wachmannes gewahr werden, gibt es zweierlei Kinder des Glücks. Die einen, die„Bodenständigen", die in Wien Heimatberechtigten, haben, wenn sie bei der Uebertretung des„Stadt- Verbotes", das jedes Promenieren in der inneren Stadt unter Strafe stellt, ertappt werden, den blauen Zettel der polizeilichen Strasver- sügung zu erwarten, mit dem sie zum Antritt einer Arreststraf« aus- gefordert werden. Dieses Schicksal erreicht die„Freudenmädchen" aber nur dann, wenn sie das Pech haben, von einem„scharsen" Wachmann beanstandet zu werden: die meisten Wachleute sind menschlich genug, entweder die Augen zuzudrücken, vor dem. was sie täglich sehen, oder wenigstens ihr Notizbüchel geschlossen zu halten. Doch ungleich furchtbarer ist die Berührung mit der Polizei für die aus Wien abgeschafften Mädchen. Wie die Motten an einem schwülen Sommerabcnd immer wieder gegen das Licht anstiegen, bis sie mit versengten Flügeln zu Bode» fallen, so treibt es diese Mädchen stets von neuem nach Wien. Und hier bilden sie die Masscnwar« sür den Gcrechtigkeitsbetrieb der Etrafbezirksgerichte. Zu den mehr als sünszig Jahre alten Rechten der Wiener Polit zeidirektion gehört das unglaubliche Recht, jedem, der nicht nach Wien zuständig oder gar in Oesterreich nicht heimatberechtigt ist. den Aus. enthalt in Wien oder in ganz Oesterreich zu verbieten. Ein paar nichtssagende Worte zur Begründung,„dah durch den Abgeschafften die öffentliche Sittlichkeit oder Ordnung gefährdet erscheint"— so heißt es im kautschukartigcn Dagabundengesetz—. sind zu Papier gebracht. Wer dieses Verbot, das praktisch unanfechtbar und unabänderlich ist, übertritt, gerät unter das Fallbeil der österreichischen Strafgesehparagraphen 323 und 324 über die„verbotene Rückkehr", die etwa neben dem Abtreibungsparagraphen zum furchtbarsten Innen- tar österreichischer Strasgesetzgebung gehören. Zwar ist gegen das Er- tenntnis der Polizeidirektion, mit dem die Abfchasfung ausgesprochen wird, noch der R c k» r s an den Bürgermeister von Wien als Lan- desHauptmann möglich: aber die Polizeidirektion vermag ihre Ber- sügung dadurch unabänderlich zu gestalten, daß sie sie in sosor- t i g e n Vollzug setzt. Wie nun die„beste Polizc� der Welt" hierbei ons Werk geht, das gehört zu den grausamsten Schildbürgerstückchen unserer humanen Zeit, über die der gelernteste Oesterreicher immer wieder von neuem staunen müßte. Man könnte von einer drastischen Komik sprechen, wenn es sich nicht um«in Beispiel mit Menschen handelt«! Von den Tragödien der Abgeschafften erfährt man gewöhnlich nicht im öffentlichen Gerichtssaal. Sie spielen sich an verhandllungssreien Tagen als sogenannte Hast- fachen im Richterzimmer ab. Sie sind das tägliche Brot der Straf- bezirksgerichte. Zwei bis sechs Mädchen werden gewöhnlich dem Richter vorgeführt, die als unliebsam« Störung der Amtszeit von dem Ueberlasteten so rasch als möglich„erledigt" werden. Sie lind dem Richter zumeist als inmier wiederkehrende Gäste wohlbekannt: ihm ist der unheilvolle Kreislaus bewußt, der die„Frauenspersonen". wie sie der juristische Jargon nennt, in regelmäßigen Zeitabständen im Gesangenenhause stranden läßt, und ihre Verantwortung, wie immer sie auch lauten mag, kann den unerbittlichen Mechaniemus der Rechtsprechung durchaus nicht beirren. Das wissen die„Frauenspersonen", denn sie bleiben stumm und ergeben, um ihre Strafe zu erfahren, die sie an den Fingern der rechten Hand abzählen können. Sie beträgt bei der erstmaligen Uebertretung drei bis!üns Tag« Arrest und steigert sich bei jeder weiteren Ausgreisung in unbeirrbarer Folge um je eine Woche. Di« Mädchen wissen genau, wie be- schassen da» Medikament ist, mit dem der Vater Staat a l!« l o z i- a l c n Krankheiten heilt. „D>e mit Erkenntnis der Polizeidirektion Wien für süns Jahre aus Wien obgeichafstc Anna M. wurde aus der Jesuitenwiese im Protei in Gesellschast eines Mannes beobachtet—„Franziska B. wurde vom Rayonsinspektor A. angeholten, als sie gerade das Hotel X verließ—„Marie F., welche sich in verdächtiger Weile am Handelskai umhertrieb, wurde dem Polizeikommissariat Prater(Koat sag, der Amtsjargon) überstellt.. So ungefähr lauten die polizeilichen Anzeigen. Dann sylgt der Tragödie, wie im antiken Drama, nach crsvlgter „Aburteilung" das Satirspiel Personen: Ein Kriminalbeamter, der die„Frauensperson" nach Baden bei Wien, nach Stammersdorf oder jonstwo außerhalb des Polizeirayons überstellt. Die Abgeschaffte» die an ihrem Bestimmungsorte keinen Menschen kennt, kehrt mit der nächsten Elek» trischen oder, sofern es ihre Geldmittel erlauben, erst nach einigen Tagen nach Wien zurück. „Sie wurd«n doch erst am 25. Februar laut Polizeibericht an d!« tschechisch« Grenze überstellt, und am 26. Februar werden Sie schon wieder in Wien aufgegriffen," fragt der Richter di« Augeklagte. „Bitte, Herr Kaiserlicher Rat, der Kriminal ist mit mir nach Gmünd gefahren. Dann ist er o halbe Stund imt mir gangen und hat mich bei der Landstraßen auslassen Er hat sich gu» umg'ichaut, ob nirgends a tschechischer Gendarm kommt. Dann hat er mir g'sagt ich soll durch'» Wald gehn, damit mich drüben niemand steht, und is verschwunden. Nach a halben Stund hat mich der tschechisch« Gendarm erwischt und hat mich wieder über die Grenze g'führt." Der Kriminalbeamte muß als Zeuge die Wahrheit dieser Schilderung ttestätigen. Den Austrägen seiner vorgesetzten Behörde entsprechend muh er immer wieder nach. Schmugglerart lebend« Menschen über die Grenz« schieben.„Im Namen der Republikl" Der Richter erhebt sich.„Vierzehn Tag« strengen Zlrrests..." lind in vierzehn Tagen kann das neckisch« Spiel von neuem beginnen. Zlbschassung, verbotene Rückkehr, Arrest, verbotene Rückkehr. Arrest... Ein Mädel hat das Pech, nach Jnzersdorf, vor den Toren Wiens, zuständig zu sein. Diese Zuständigkeit reicht noch bis auf ihren Großvater zurück. Sie kennt in ihrer Heimatgemeinde keinen Menschen. Bor fünf Iahren ist sie von der Polizeidirektion abgeschasst worden, weil sie, arbeitslos, im Verdachte der„unbefugten Prosts« tution" stand. Sie 1)0! nun Arbeit als Hausgchilsin in Wien ge» sunden, und ihre„Herrschasten" sind mit ihr sehr zufrieden. Eines Tages kommt ein pflichteifriger Beamter der Polizeidirektion darauf, daß di« Abschasfungssrist noch nicht abgelaufen ist. Em Kriminal- beamtcr holt die Hausgehilfin von ihrer Dienststelle ab, bringt sie ins polizeiliche Gefangenenhaus und von dort ins Gericht. Mit der Straßenbahn wird sie nach verbüßter Strase nach Inzersdorf überstellt. Ihr Begleiter weiß genau, daß sie mit der nächsten Elektrischen nach Wien zurückkehren wird, aber die Gerechtigkeit muß ihren Lauf nehmen.... Welch wahnsinniges und tückisches Spiel von Gesetzes wegen mit Wesen, di« Menschenantlitz tragen! Si« müssen alle Laster, alle Der- worsenheit, alle unsagbare Not und Pein unjres Zeitalters in sich ausnehmen, bis eines Tages der Gendarmeriebericht meldet:„Bei Hainburg wurde die Leiche einer etwa 2Siähr!gen Frauensperson ans User gespült: es handelt sich anscheinend um Selbstmord"...... und so der Kreislauf sich vollendet hat..... Leo Korten(Wien). Frauen werden versteigert. Der griechisch« Schriftsteller Herodot beschreibt in einem seiner Werke, wie im allen Babylon die Ehe abgeschlossen wurde. In allen Städten und Dörsern wurden an einem gewissen Tag« Jahres sämtliche heiratsfähigen Mädchen versammelt. Man führte sie auf«ine abgesperrte Wiese, auf der die heiratzsähiaen jungen Männer bereits anwesend waren. Ein öjfentlicher Ausschreier gab den Preis der einzeln aufgerusenen Mädchen bekannt. Die Kan- didatin defiliert« auf einem Podium, und nun war es an den heiratslustigen Männern, sich gegenseitig zu überbieten. Wurde ein Käufer gefunden, so mußt« der Preis fosort in bar bezahlt werden. So ging es dann weiter, bis das letzte Mädchen buchstäblich»er- steigert und an den Mann gebracht war. Natürlich hotten die Wohlhabenden den Vorrang und konnten sich die schönsten Frauen mit Hilf« ihres Geldes ersteigern. Für die minderbemittelten jungen Männer dagegen galt, wie Herodot Ichreibt, die Schönheit weniger. Si« legten mehr Wert auf Gesund- heit der Frau und erkoren sich auch ein«„weniger Anmutige zum Ehegemahl", wenn sie nur einer arbeitsamen und tüchtigen Familie entstammte. Ein« große Rolle bei diesen Frauenversteigerungen spielte auch die Mitgift, welche die Braut mit in die Ehe bekam. Schon damals fand auch«ine häßlich« Frau«inen vornehmen Gatten, wenn si« nur über ein entsprechendes Vermögen verfügt«. In diesem Falle, war es oft die Frau s e l b« r. welch« di« hohe Versteigerungssumm« auszubringen halte. Nach dem badylontschen Gefetz hatten die Eltern kein Recht, ihr« Tochter zu verheiraten. Auch die reichsten Töchter des Landes mußten sich auf dem Heirals- markte versteigern lassen. eibliche Wasser-Silhouetten l Beruf, Lebensnu'.ieu und Wettanschauung geben dem Menschen ho» Gepräge: so kann der humorbegabte kritische Beobachter überall da. wo sich viel« und verschiedenartige Menschen zusammensinden, allerlei aniüsaitte Studien machen. Das Sportgirl Es fügt sich der landschaftlichen Szenerie der Wassersport' gebiete am besten ein. Es ist forsch, wettergebräunt, ja noch mehr als das: inoonthrengescirbt. das heisit wafser-, lust- und lichtecht. So ermattet es weder bei der glühendsten Vackosenhitze. noch kann ihm der hestigste Wolkenbruch Entsetzen einslösien. Sport ist Lebenszweck geworden: einmal, weils zeitgemäsi ist und dann auch, weil hier der modern« Mensch all jene Freiheit hat, die er benö.igt. Im edlen Wettstreit mit dem stärkeren Geschlecht ist das Sportmüde! redlichst bemüht, alles typisch Weibliche nach Möglichkeit abzustreiten. als da sind: Koketterie. Pimpligkeit und Naschhaftigkect. Dagegen tauscht man ja sroheste und freieste Kameradjchast mit dem Mannsvolk ein— Sommernacht und Mondenschein sind zeitlose Begrisse — nährt sich mit einfacher, aber vitaminreicher Kost, die wiederum aus praktischem Weg« schnellstens zuzubereiten ist. Da klitzen sie tm Bixrer oder im Achter vorüber. Die sorgende Hausfrau Also keine von denen, die eifrigst beflisse» sind, das Zusammen- sein mit dem Kochtopf auf ein Minimum an Zeit zu beschränken. sondern Eine mit dem traditionellen, überstark entwUtelten Ver- antwortlichteitsgeflllsi für einen guten Happen pappen. Für sie bedeutet die sonntägliche Wasserscchrt nichts weiter, als eine Ver- legung der Schmurgel-Szenerie vom festen auf den schwimmenden Boden. Einem treuen, niemals murrenden Lasttier gleich schleppt Bs die ob ihrer Füll« fast berstenden diversen Stadtköfferchen, ttentasche» und Einholenetze an Bord der schwimmenden Fami- tlenkutsche. Während Vater den Schoner klar macht, hat sie an- strengendsten Hortnerinnendienst, den» Erna und Fritz, das Sprötz- ltngspaar, vertreiben sich die Warte, zeit mit allerlei Schabernack. Endlich heitzts„alle Mann an Bord": die Fahrt, reichlich gewürzt mit Stullenschnneren und erzieherischen Mahnahnren. ist die einzige allzu kurze Schonzeit der Bielgeplagten. Sobald man den Anker wirft, geht» an» kartoffelschälen, Suppe kochen, das zuhause de- rettete Zusammengekochte warm machen, Salat und Kompott auf- tun. So waltet und schuftet die züchtige Hausfrau, die Mutter der Kinder. Bald ist abgegssien. dann heißt es Geschirr reinemachen. selbstverständlich alleine, denn die Hilssmannschaft hat sich längft in die Gebüsche verdrückt. „Mutter, Mutter, komm man schnell" quäkt Erna aus dem Wasser:„mir is det janze Trikot uffgerissen, ick kann ja jarnich an Land gehen: komm man schnell mit eene Nadel un Garn." Leise grollend, aber doch wieder am Posten. schürzt nun Mutter die Röcke hoch, zieht Schuhe und Strümpfe au» und gehl dem allzufrei dekolletierten Badeengel mit Nadel und Faden behaftet im Wasser entgegen. Auch dieser Schaden ist glück« lich repariert und Mutter legt sich aber jetzt endlich. Stöhnend reckt sie ihre müden Glieder, wischt sich den Schweiß von der Stirn und sendet einen dankboren Blick nach dem blauen Himmel. Sie kst wieder ganz ausgesöhnt mit all der Plackerei von wegen der schönen Luft und det seine Irin und det Wasser spiegelt jar so scheene. Vaier, der mit seiner Siesta um ei» Stündchen vorau» ist. beginnt sich bereits wohlig zu räkeln, zündet sich die Piep an, blinzelt vergnügt in die Gegend und drückt sei» Wohlbefinde« in einem laut vernehmliche» Schrei„Mutter, was isn mit Kaffee?" aus. Erschrocken fährt die Gute, die eben sachte eingedruselt war, hoch und ganz tin Bewußtsein ihrer Pflicht begibt sie sich an die Beveitung der Bespennahlzeit.„Ob man«en Ochenblick Ruhe hat mit die vadammte Blase" murrt sie in den Damps des brodelnden Kasseewasser» hinein. Die kleine Mondäne Sie ist auf Greta Garbo frisiert und geschminkt. Hai et« tot- schickes Bodekostüm,«inen modernen Strandhut. ein kokettes Bade- cape und vor allem einen Kofferapparat. Mit der Grandezza einer grande-dan>e läßt sie sich von ihrem kleinen Freund bewundern. richtet sich ihren Platz im Boot mit neckischen Kisten und inter- essante» Schmökern, Chlnesenschirmen und Zigaretten zum lauscht- gen Boudoir. Unterwegs starrt sie de» öfteren abwechselnd nach dem Firmament und ihrem Taschenspiegel und beobachtet ge- nauestens die Sonneneinwirkung auf ihre Epidermis: dazu lauscht sie andachtsvoll der Jazzweisen, die dem zu ihren Füßen stehende» Apparat entströmen. Sie äße für ihr Leben gern in einem der eleganten StrandrestaurantZ zu Mittag, da dies aber sinanztechntsch nicht möglich ist. knabbert sie höchst mißvergnügt an den mliUer- ltchen Stullen. Aus dem Anlegeplatz äugt sie teils nach Bewunderern, teil, nach Rivalinnen, gerät beim Anblick einer hübschen Badekostümierung in Ekstase, plappert uixntwegt von Kleidersorge« und Filmsternen und freut sich bloß, daß sie abends noch irgendwo in der Stadt tanzen gehen werden. Oarisse. Die Dorfwette. Es geschah in Stblvien, im Dorfe Srosti. Dort entspann sich eine» Tages ein SIreU zwischen dem Komsomolzen Kusseleff und der Horflehrerin D. Wer hatte recht? Lag Kleiirasien in Europa, wie die Lehrerin behauptete, oder in Asien, wie für Kusseleff schon aus der Bezeichnung Kleinasien hervorging? Hartnäckig ver- harrte jeder aus feiner Meinung. Um zu End« zu kommen, beschloß chan. zu wetten. Wer recht hatte, sollte vom anderen fordern dürfen,«ws ihm beliebte. Natürlich verlor die Lehrerin zu ihrer Schande die Wette und der Sieger machte weitesten Gebrauch von seinem Gewinn. Er verlangt« von dem jungen Mädchen nichts mehr und nichts weniger, als die e r st e L i e b« s n a ch t. Sie aber verweigerte sie ihm. Der Handel um die Lage Kleinosiens war ausgetragen worden tn der Wohnung der Lehrerin Astromowa im Bestein anderer Lohrerinnen. An ihr Zeugnis feines guten Rechtes appelliert« nun Kuffelefs: sie sollten die D. bewegen, die Bedingungen der Wette zu erfüllen. Die Lehrerinnen waren ganz seiner Meinung und gingen unverzüglich daran, die Zeremonien der Liebesnacht zu entwersen. Am nächsten Tage schon wußte die ganze Lehrerschaft von der pikanten Angelegenheit. Mit Windeseile verbreitet« sie sich im Dorfe. Es gab ein« Aufregung. Dergleichen fratte Srosti noch nicht erlebt. Das war interessant! Demgegenüber wurden alle Streit- fragen über Brotversorgung. Kollektivierung und dergleichen mehr. völlig bedeutungslos. Die Lehrerschaft teilte sich in zwei Lager. Ebenso das Dorf. Der«nie Teil nahm die Partei des Kamsomalzen, die andere die ber Lehrerin. Mitend entbrannte regelrechter Kampf. Zuerst 'rauften sich die Lehrer, während Kommunisten und Komsomolzen beiseite standen. Die Sache kam dem Mitglied des Rubzowschen Pezirksvollzugs- fmnitees, dem Kommunisten Girman, zu Ohren. Aber er sagte nur: JEitie alltägliche Erscheinung." Aber«r berief eine Konferenz ein. Sie tagt« tagelang unier Borladung der Beteiliglen. Die Prinzipien der amerikanischen Weil« und des Rechtes auf die erste Liebes- nacht wurden gründlich und ausführlich erörtert. Mit recht viel Leidenschast da» Für und Wider umstritten. Schade, daß kein Stenogramm die feurigen Reden der Nachwelt ausbewohrt«. Man erhitzte sich die Gemüter und e» bleibt nur zu veavunder«, daß die kommunistische Zell« nicht gefragt wurde. Doch man kmu zu keiner Einigung. Di« Lehrerin blieb nach wie vor dem Berlangeu de» Komsomolzen ausgesetzt. Räch«sie vor bedrängt er sie mit der Frage, wann und auch wo sie ihm endlich die Liebesnacht gewähren würde, aus die seinen Anspruch aufzugeben«r keineswegs gewillt ist . dtc coaniumillilch«»„Zustiw-Vrawöa".! Die Frauenmode ist schuld. De« Direktor des Objervatorwm» von Pompeji Hai sich über die Ursachen geäußert, die zu dem furchtbaren italienische» Erdbeben geführt haben, und dabei der Ansicht Ausdruck ver- liehen, daß die Apenninkette seit der Tertiärzelt von unten her unter einem ungeheure,! Druck steh«, der das Beramastio langsam hebe und zuweilen Erschütterungen verursach«. Eine wistenschrst- liche Erklärung. Indessen: Der Direktor des Obfervotorimils von Pompeji ist nicht der einzige, der de» Versuch einer Deutung ge- wagt hat. Auch der Kavdinal-Erzbischof A s r a l e s> von Neapel hat, auf den, dortigen Domplatz, und angesichts der aus der Käthe- drale geholten Statu« de» Schutzpatrons der Stadt, des heiligen Januarius, eine sachmännische Erklärung abgegeben. Diese hat dahin gelautet, daß sür das Beben weniger die Apeniunkette als vielmehr die Frauenmcde verantworttich zu macheii sei. die eine dem lieben Goit nichts weniger als wohlgesällig« Sache wäre, »ber die er ernstlich zürne. Wa» den heiligen Januarius anbe- lange, so lue er. was er könne. Sofern aber der weibliche Made- skandal nicht abgestellt würde, könne er auch in Zukunst sür nicht» garantieren. Ein« etwas beunruhigende Ansicht, die der Erzbischol da ver- tritt. Di« Neapcler Fvave» möge» zwar locker« Persönchen sein: immerhin rst anzunehme», daß sie i» Mvdedingen nicht liberaler verfahren als etwa die deutschen Frauen. Sollte es da auch um Ui«. Im nuchrsten Sinne des Wortes wackelig stehe»? Aber»ein. die Röcke sind ja länger geworden und die Gründe sär einen evenlucllen göttlichen Zorn somit weniger gewichtig. Außerdem läßt sich darauf venreis«,,. daß der nördliche liebe Gott, aus be- greiflichen geophysikalischen Gründen, die seinem Temperament Zu- rucihoitung auferlegen, überhaupt«iue Kleinigkeit weniger heißblütig zu sein scheint als der italienisch«,