ZrauenMme j �.19« 47. JaN-gang| HcHüQC ZUM VOtWätfa j TS.September �9Z0j Genossinnenaustausch zwischen Stadt und Land Vi« Redaktion verösseutlicht diesen Vorschlag, innerhalb der Partei zwischen Grobstadt und Land einen besuchsweisen Austausch zu organisieren und lädt die Leserinneu zu Aeicherungen ihrer Meinung hierüber ein. Ohne die tlassenbewubt«. t». h. durch die Partei gut geschult« Frau, gibt es keinen Aufstieg zum Sozialismus!''Aus diesem Grundgedanken heraus machte ich auf dem Bezirtsfmuentag am 18. Mai den Vorschlag, den Austausch von Genossinnen zwischen Stadt und Land zu organisieren. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß von den dort anwesenden Genossinnen sich noch einige dieser Idee erinnern, der sie Beifall gezollt haben, und über die sie mich!) er mit mir persönlich noch gesprochen haben. Ich sagte dort ungesähr folgende»: Neben den vielen guten Anregungen, die hier gegeben wuMen, um zwischen den verschieden«« Ländern eine lnter- tta t> o n a l e Zusammenarbeit aller unserer Frauen zu erreichen. mächte ich auf etwas hinweisen, das bisher noch nicht zur Sprache gekommen ist. Wir haben in großen Teilen Deutschlands, ich denke dabei an den mir besonders bekannten Harz und seine kleinen Städte. Genossinnen, die unter schwierigsten Verhältnissen leben. Dies« kleinen Städte, z. B. Quedlinburg, Klausthal, Oker usw., wevden geistig von Stahlhelmern und Nationalsozialisten beherrscht. Um unsere Partei hier zu stärken, wäre«ine hervorragend« Schulung unserer Genossen von größter Bedeutung. Die Möglich- ketten für ein« Weiterbildung sind aber gerade hier stark be> schränkt; da gute Referate und Kurse zur Weiterbildung nicht genügend geboten werden können. Schlechte Bahnver- bin du n gen, die viel Zeit erfordern, bringen es mit sich, daß Referate auswärtiger Genossen aus Landtag und Reichstag usw. häufig ausfallen müssen, weil eine längere dauernde Sißung das Erreichen des in Aussicht genommenen Zuge» unmöglich machen. Da« Reserat muß ielegraphisch abgesagt werden, well e» keine Möglichkeiten für den Referenten gibt, den Ort noch zu erreichen. Ich wurde durch unsere Genossinnen in Quedlinburg, dessen Ver- hältniss« ich sehr genau kenn«, für diese immer wiederkehrende Schwierigkeit, die ihnen die Bildungsmöglichkeit beschneid«, inter- essiert, und kam auf die Idee, durch einen Austausch zwischen kleinen provlnzstödlen und Berlin günstigere Verhältnisse zu schassen. Diesen Austausch denk« ich mir folgendermaßen: Einige, tm Verhältnis der Zahl der Genossinnen in einem Ort ausgewählte Bevtreterinnen kommen hier nach Berlin, um Kurf« zu hören, die von unseren Referenten abgehalten werden: um Anregungen zu betoimnen, die es ihnen ermöglichen, nach Hau» zurückgekehrt, allein für sich mü» mit den dortigen Genossinnen weiter arbeiten zu können. Di« auswärtigen Genossinnen würden hier in Berlin bei Genossinnen in verschiedenen Abteilungen kostenlos unlergebracht werden. Ich bin überzeugt, daß sich mehr als genug zur Verfügung stellen werden, denn bereit» am 18. Ma! meldete sich«ine große Anzahl, die mir ihre Adressen zur Aersügung stellen wollte zur k o st-e n l o s e n Ausnahme auswärtiger Genossinnen. Ich denke mir, daß aus verschiedenen nah« zujainmenliegenden Städten 28 bis 2ö Genossinnen gemeinschaftlich, und deshalb billiger nach Berlin reise», um an einem fünf- bis-achttägigen Kursiis teilzunehmen, Referate zu hören und in Albeitsgemeinschoften mitzuarbeiten. Neben den Kursen wären an freien Nachmittagen oder dazwischen liegenden ganz freien Tagen Besichtigungen unseres Konsums, unserer Sied- lungen durchzuführen. Auch sollte es ermöglicht werde», daß die auswärtigen Genossinnen an einer Reichstags« oder Landtogssitzung teilnehmen. Besuche eines Museums, ein Ausslug tn die Umgebung, die Teilnahme an einer Boltsbiihnenaufsührung können das Pro- gramm erweitern.. Dl« Genossinnen aus Berlin, die auswärtige Genossinneu aus- genommen haben, könnten dann im Frühjahr oder Sommer einige Tag« bei den auswärtigen Genossinnen sich aufhatten. Sie werden sich gegenseitig kennen lernen nnd einen Eindruck be- kommen von der Verschiedenheit der Aufgaben und den Schwierig- ketten unserer Partei, je nachdem es sich um Großstadt oder kleinst« Provinzstädte»der Dörfer handelt. Dieses Kennenlernen und Ei»- anderverstehenlernen wird unserer Partei großen Rußen bringen. Viele gelegentliche Meinungsverschiedenhelten in der Partei werden wegsallen, wenn die Verschiedenheiten der Lebensbedingungen für dos Wachsen der Partei in Stadt und Land auf diese Art bewußt gemacht werden. Namentlich für den schweren Kampf, i» dem unsere Genossinnen in den kleinen Provinzstädten stehen, wäre Unterstützung im geistigen Sinne vonnöten. Di« vielen intelligenten Frauen, dl« zwischen ihnen sind, brauchen Förderung, damit sie sich weiterbilden können. Sie müssen so geschult wenden, daß sie nicht nur selbst Verständnis für die politischen Ereignisse haben und über sozial« und wirtschaftliche Dagesfragen sich innerlich klar sind, sie müssen das, was sie denken, auch ausdrücken können. Da sie aber nicht dle nötige Schulung haben, versagen sie dann leider noch häufig. Erst wenn sie das können, werden sie sich auch In Unterhaltungen und Dispute» mit unseren Gegnern durchsetzen. Erst dann werden sie die nötige Sicherheit haben, um die Phrasen der Nazi und Konsorten zu entlarven. Damit wird ihrer Werbe- tätlgkelt für unsere Partei noch größer« Kraft und lleberzeugungs- Möglichkeit gegeben und Ihr« Arbeltsfreudigkelt gestärkt! Ich lasse den Einwand nlcht gelten, daß diese paar Tag« doch keinen großen Nutzen haben könntenl Es wird auf jeden Fall ver- mtttelt:„Besseres Verständnis zwischen Großstadt und Provinz! Und da» dürste nicht der geringste Vorteil des Austausches feint Dieser Austausch wird da» Klassenbewußtsein unserer Frauen heben und erweitern, uitt» diese» Ktassenbeivußtsein wirb ihnen helfen, neue Kämpfer für unsere Partei und damit für den Sozialismus zu gewinnen. Susi Bork. Die Krau im K Die grohc ökschichic der grauenarbeit soll noch geschrieben werden. Sie wird eil» Buch sein, das erzählt von, heroischen Kamps« der Fron gegen unwürdige Arbeit und für ihr Recht auf Arbeit, ein Werk, voll von Leiden und Unterdrückung, voll Anklag« gegen die verschiedensten Wirtschaftssysteme und von Ver- suchen der Befreiung aus beengenden Traditionen und mannig- jachen Vorurteilen. Das schlimmste Kapitel aber würde die Frauenarbeit im Früh- kapilalismu» sein. Denn der junge Kapitalismus, der„aus allen Poren blut- und Ichnnitztriefend" zur Welt kam, verschonte weder Mann noch Frau und Kind. Und gerade die Arbeit der Frauen und Kinder war es, die er zum raschen Emporschnellen der Profitrate brauchte und darum in der allerbrutalsten Weise in sein System zwang. Der Kapitalismus hat in all seinen verschiedenen Epochen weder nach einem Recht der Frau auf Arbeit gefragt noch irgend- ivelche Art von Frauenarbeit als„unwürdig"«•rnpfunden. Wenn er Arbeitskräfte brauchte, so hat«r die„chände" der Frauen trotz aller ethischen Lehren seiner Ideologen und aller Phrasen von der„Heiligkeit der Familie" nicht verschmäht. Und „Hände" brauchte der junge, aufstrebende Kapitalismus in Ueber- zahl. Es ist ein trauriges Kapitel der Dialektik der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, daß die erste kiioglichkell der Befreiung der Frau aus jahrhundertelanger Knechtschaft durch wirtschaftliche Selbständigkeit in die schamloseste Verletzung ihrer Frauenwürde umschlagen mußte. ,sMit entsprechendem Prosit wird das Kapital kühn. 10 Proz. sicher, und man kann es überall anwende,,! 20 Proz., es wird leb- hast; SO Proz., es wird positiv waghalsig; für 100 Proz. stampfte es alle menschlichen Gesetze unter seinen Futz: 300 Proz., und es existiert kein menschliches Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens." Und zwischen 100 und 300 Proz. inuß es sich schon nach diesen aus dem„K a p i t a l" von Karl Mar� zitierten Sätzen oerwertet haben, wenn man die Ver« w ü st u n g betrachtet, die die kapitalistische Sklavenarbeit nament- flch bei den Frauen und Kindern in de,, ersten Jahrzehnten des Kapitalismus angerichtet hat. In dem Augenblicke, wo die sich lasch entwickelnde Industrie den starken Ann des Mannes ent- behren tonnte— was recht bald der Fall war—■, wurden Frau imd Kind mit In den Arbeitsprozeß einbezogen. Das vermehrte, nicht nur die in dieser Wirtschaft nun einmal notwendig« Reserve- armee, sondern schuf auch billigere Arbeitskräfte und somit einen weiteren Druck auf den Arbeitsmarkt. Keine Maschine ist besser für Frauenarbeit geeignet als der mechanische Webstuhl. Hier konnte recht bald nach den ersten Verbejserungen die Arbeit von Frauen und Kindern ver- richtet werden. Deshalb war es keine Seltenheit, in dieser Industrie vf, bis zu 70 Proz. Frauen an den Maschinen zu finden. Eine Arbeitszeit van 12 bis 14 Stunden war in dieser, nach durch keine tSesttze eingeschränkte» frühkapitalistischen Epoche die Regel. Unter- schiedslos unterwarf dieses System Mann, Frau und Kind der gleichen Herrschaft. Es wurden Frauen sogar zur Arbeit unter Tage herangezogen. Es gab Bergwerke, wie z. B. den Bergbau von E o r n w a l l, wo fast bis zu SO Proz. Frauen bei einer ebensalls recht ausgedehnten Arbeitszeit beschäftigt wurden. Selbst- verständlich mrchte von ihnen hier unterschiedslos die schwere Arbeit des Mannes verrichtet werde»: Loshauen von Gestein wie auch das nicht minder schwere Transportieren des Materials. Wenn solche Zustände schon in der doch immerhin öffentlich zu kontrollierenden Arbeitsstätte möglich waren, um wieviel Ichlimmer mußte es dann mit jener Arbeit stehen, die verborgen hinter verschlossenen Türen geleistet wurde: mit jener Heimarbeit, die bereits damals als die schlimmste Einspannung des Menschen ins Arbeitsjoch galt! Hier ist die Arbeitszeit überhaupt ohne jede Grenze und Ziel. Solange die physischen Kräfte ausreichen, die ständig müden Körper wachzuhalten sind, wird gearbeitet. Aber jelbst in den Putzmacherläden von London, die insgesamt gegen 13 000 Frauen damals beschastigien, wurden geradezu Arbeilsorgien geleistet. Hier, wo der Putz für die von dieler maß- losen Ausbeutung lebende Bourgeoisie hergestellt wurde, erlebte man das allertraurigste Arbeitselend. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend wurde für den allerbescheidensten Lohn geschuftet. Engels schildert ln seinem Buche„Die Lage der arbei- tenden Klasse in England"— jenem Elendslexikon, das ™ 9» 49 jeder arbeitende Mensch lesen sollte— eine Reche von Fällen,»v» diese armen Geschöpfe oft neun Tage hintereinander mcht aus den Kleidern kamen. Diele Frauenarbeit ist in damaliger Zeit überall zu finden, ganz gleich, ob es in der Textilindustrie, im Bergbau, in der Putz- oder Bekleidungsindustrie oder etwa in der Papierbranche, der Töpferei usw. ist. Ueberau die gleiche Ausbeutung, die gleickze maßlos ausgedehnte Arbeitszeit, der gleiche geringe Lohn. Wie es dabei mn das von religiösen Aposteln so gepriesene Familiculebe» aussah, kann man sich leicht vorstellen. Nur der Schlaf vereinigte die Familie, ja� oft noch nicht einmal dieser. Es sind zahlreiche Fälle bekannt, in dei»en der Fabriksaal gleichzeitig als Sch'assaal benutzt wurde, weil die Kräfte nicht ausreichten, um noch den oft weiten Heimweg zurückzulegen. Natürlich wurde auch das sittlich« Leben allgemein unter solchen Zustanden arg in Mitieidenschast gezogen, zumal da gelegentlich sogar der an die Stelle des Guts- Herrn getretene Fabrikant sich die„Leibeigenschast" über junge Fabrikmädchcn sicherte. An, traurigsten gestaltete sich das Los der Frau als Mutter. Bei Strafe der Entlassung mußie die schwangere Frau säst bis zur Stunde der Entbindung an der Maschine stehen, ja, es ist vor- gekommen, daß eine Frau zwischen den surrenden Ma- ichinen niederkam. Nach wenigen Tagen stand dann die Wöchnerin wieder wie sonst an der Arbeit. Und um sich aus- zumalen, wie dann der weitere Lebenslauf eines unter solchen Umständen geborenen Kindes aussah, dazu bedarf es keiner allzu großen Phamasie. Früher halte der Sklavenhalter zumindest soviel Interesse an seinen Sklaven, daß er sie nur bis zu einem gewissen Grade i» Anspruch nahm, da er sonst den Verlust dieser gekauften Arbeits- kräste beklagen mußte. Für den stmgen Kapitalismus aber galt das Menschenleben nichts; der Arbeiter war ja jederzeit zu er- setzen. Keine Wirtschaftsepoche hat darum eine solch« Drang- salierung der Frau gekannt wie diese. Erst das erwachende Klassenbewußtsein und der daraus resultierende Zusammen- schluß der Arbeiterschaft haben begonnen, auch für die FraujÄne unwürdigen Arbeitsverhältnisse für Europa zu beseitigen. Walter Ludwig. Schlamperei das... Auf dem Fahrdamm steht ein Kind und weint. Sein kleiner Körper schüttelt sich. Unter den Fäusten, die vor die Augen gedrückt sind, kugeln helle Tränen hervor und bleiben auf dein Kleidchen hangen. Die Sonne spiegelt sich darin wie in Brillanten. Auf den Bürgersteigen stauen sich die Mensckum. Der Börsen» man», die letzte Notierungen in Gedanken, bleibt lächelnd stehen. Der Reisende nimmt das Riflkc einer Zugverspätung.ruf sich. Der Kasseniiener unterbricht seinen Botengang. Frauen, die v>ni Markte kommen, stellen ihre Last neben sich. Sie staunen dos Wunder an: Ein Kind weint auf der Straß«. Autos bremsen kreischend ab, wenn das Kind vor ihnen auf- taucht. Und fahren vorsichtig im Bogen weiter. Was sonst in lang- wierigen Dcrwaltungssitzungen mühsam zustand« kommt, die Schaffung einer Berkehrsinsel, das hat das Kind ohne viel Auf- Hebens durch sein bloßes Dasein erreicht. Kein Chausfeur schüttelt fluchend init den Fausten wegen dieser Verkehrsstönmg. Jeder hat jenes leise verstehende Lächeln aus dem Gesicht, das einem Kind« alles verzeiht. Das Kind, das einsam auf der Straß« weint, ist wie eine Bot- schast aus einem ferne» Lande. Nicht nur aus dem Kinderlande, das io weit fernab liegt. Es ist mehr: hier grüßt das verlorene Menschenland. Wo sonst auf der Asphaltstraß« der Verkehr gilt, das Auto, die Straßencrdnung, die Polizei, der ruhelose Großstadt- mensch mit seiner wichtigtuenden Zwcckhastigkeit, da hat ein Mensch die Herrschaft angetreten. Ein Mensch noch dazu, der— naiv und ohne Erfahrung— das Menschlichste tut, vor aller Welt seinen Schmerz preisgibt. Endlich kommt«In Schupomann.„Hat lange aus sich ivarten lassen," beschwert sich einer. Der Uniformierte beugt sich zu dem Kiude hinab, nimmt es auf den Arm imd trägt es auf den schützen- den Bürgersteig. Man klatscht ihm Beifall wie einer beliebten Schauspielerin. Nur ein dicker Herr hat alles nicht begriffen. Jin Fortgehen noch räsoniert er:„Klein« Kinder ohne Aussicht aus die Straße, gehen zu lassen. Schlamperei das..." Mein Kind i „Herr Doktor, Sic glauben gar nicht, mit welcher Mlll)« ich das Kind eben gerade ein wenig„ran gesiiitert" habe, und nun hat es wieder eine Erkältung und will überhaupt nichts essen!" Diesen Stoßseufzer höre ich von sehr vielen Müttern, und immer antworte ichi„Sie sollen doch gar nicht mit Gewalt„ran füttern"! Das ist ja gerade ihr größter Fehler." In den meisten Fällen, in denen über so geringe Eßlust der Kinder geklagt wird, kann ich bc° weisen, daß das Kind einen ganz einwandsrcien Ernährungszustand ausweist. Zu all diesen Klagen kann ich nur immer und immer wieder sagen, daß die Eltern in ihren Anforderungen übertrieben sind. Man darf einem Kinde nicht gehäufte Teller mit Speisen vorsetzen. Wenn Kinder nach ihrem eigenen Appetit essen, dann nutzt der Körper diese geringer« Menge, die init Appetit gegessen wird, viel besser aus als viele große Portionen, die mit Widerwillen hinuntergewürgt meiden. Häufig find auch große Mengen Milch, die das Kind zu sich nimint, an dem Appetitmangcl schuld. Ein halber Liter Flüssigkeit, auf den ganzen Tag verteilt, ist reichlich genug. Ein Versuch, die Eßlust durch Veränderung der vielleicht zu einförmigen Kost zu htbe», wirkt ebenfalls oft Wunder. Man gebe kräftiges Schwarz- brot, Salat, Obst und bringe, immer ini Rahmen des Möglichen, Abwechselungen in die Speisekarte. Von Eiern gebe man nur jeden zweiten Tag eins, höchstens bis zum Alter von 12 Jahren. Veflchk gegen irgendeine Speise ein Widerwillen, so lasse man diese Speise ruhig aus. Auf diese Weise vermeidet inan auch Machtproben, die häufig init einer Niederlage der Eltern enden. Das Kind fängt unter Um- ständen aus Ekelgefühl an zu würgen, übergibt sich, und wir ver- leide» ihm dann mehr als nur das Essen. Wir dürfen nicht vergessen, daß eine nervös« Reizbarkeit gerade durch«inen Zwang zun, Essen gefördert wird, der ganz gewiß nicht zur Steigerung der Eß- lust beiträgt. Vor allen Dingen seien wir bei eßunlustigen Kindern nicht philiströs beim Einhalten der Mahlzeiten! ijat das Kind cm Abend keinen Appetit, so geben wir ihm ruhig am nächsten Morgen so viel zu essen, wie es verlangt, anch auf die Gefahr hin, daß es am Mittag wieder weniger ißt. Nur die Mahlzeiten ungefähr einzuhalten, empfiehlt sich. Es ist auch besser, solch ein Kind nicht iinnier besonders zu ermahnen, sondern es im Gegenteil ganz l i n k s l i e g e n zu lassen und einmal abzuwarten, daß es von selbst etwas ver. langt. Ein Kind kann ruhig einmal eine» ganzen Tag long herum- gehen, ohne sich ordentlich sattzuessen: der Erfolg ist erstaunlich. Ich habe durch diese Methode schon viel erreicht. Oft sind überhaupt pädagogische Unzulänglichkeit und„Familiennervosität" der Unsprung der Essensunlust.. Die bei Tisch Sitzenden haben vielleicht manchmal Meinungsverschiedenheiten und vergessen bei ihren Auseinander- setzungen die Gegenwart des Kindes. Auch Langeweile und zu wenig Bewegung in frischer Lust konnte ich oft als Ursachen aufzeigen. Wenn-es möglich Ist, bringe man solche Kinder mal ein paar Woch«n in ein Kinderheim! In. der anregenden Atmosphäre schmeckt es ihnen auf einmal sehr gut. Nur in ganz seltenen Fällen liegen wirklich organisch« Leiden zugrund«. Das ist schon äußerlich durch abnorm« Mager- keit und Erschöpfungszustände nachweisbar. Selbstverständlich muß dann eine gründliche Untersuchung durch den Arzt erfolgen. Solange jedoch ein Kind vergnügt und leistungsfähig ist, müssen wir uns eben damit zufrieden geben, daß es nickst außergeivöhnlich viel.zu sich nimmt. Ich will auch nicht unerwähnt lassen, daß Kinder, die viel und gern Süßigkeiten essen, sie bis zu einem gewissen Grade auch haben dürfen. Der Körper braucht Zucker zu seinem Ausbau, und der Wunsch des Kindes ist nur die Aeuherung dieses manchmal dringenden Bedürfnisses des Körpers. Dle Eltern sollten sich einmal überlegen, wie weit sie selbst„an allem schuld" sind! Damit wäre vielen Kindern geholfen. Ernährung im Arbeiierhaushalt. Von Vitaminen und moderner Ernährungslehre wird viel gc- ichrieben und gesprochen. Die Praxis der Volkserirährung lzat sich jedoch leider noch wenig daraus eingestellt. Dr. med. Vogel. der Direktor des Hygienemuseums in Dresden, gibt eine Statistik bekannt, nach der bei etwa lMv Kindern einer Großstadt die Zusammensetzung der Hauptmahlzeiten in den betrejsenden Familien festgestellt wurde. Danach kamen durchschnittlich: ßt zu wenig? von Fleisch- und Wurstmahlzeiten 1 aus 3 Einzelmalst.zcilcn , Eier» und Eierspeisen...1.11 . Gemüsemahlzeiten....1,9 . Salaten........ 1, 8 , Obstmahlzeiten..... 1„ 37„ „ Obstmehlspeisen..... 1„ 79„ Der Konsum an Gemüse, vor allem aber der an Frischkost ist danach verschwindend gering. Sicher liegt das— abgesehen von dem Kostenproblem— auch daran, daß die Vorstellung vom Wert einer zweckmäßig zusammengesetzten Kost in weite» Volksschichtcu noch unklar sind. Die Vorstellung, daß die Kost vor allein nahrhaft, d. h. nach wissenschaslliche» Begrissen eiweißreich sein müsse, beherrscht den Haushaltplan. Nicht bcfmint ist dabei, daß erst durch Zugabe vitaminreicher Nahrungsmittel, d. h. u n g e k o ch t e r Früchte und G e in ü s e, die sogenannte nahrhafte Kost vom Körper voll ausgenutzt wird. Unbeachtet bleibt serner die Ersahrung. daß bei reichlicher Frischkost Elastizität und Arbcitssrcudigkcit größer sind als bek dauernd schwerer Kost. Mütter sollten wissen, daß nack) wissenichast- lichen Zeststelliingen vitaminreich ernährte Kinder eine größere W i d e r st a n d s s ö h i g k c i t gegen ansteckende Krank- Helten zeige» als andere Kinder. Sind diese Erkenntnisse erst eiNim.l Volksgut geworden, io wird es darauf ankommen, daß Früchte und Gemüse auch dort in reich» licher Menge konsumiert werden können, wo das Haushaltsgeld weitgehend eingeteilt werden muß. Als ziveckmahig? Winke dafür feien angeführt: Aunöchst kann an der nahrlralten Kost insofern gespart iverde», als das notwendig« Eiweiß nicht nur in Forin des verhältnismäßig teuren Fleisches nuf den Tisch kommen sollte. Wird beispiels- weile Schrotbrot statt ausgemahlenen Gebälkes verzehrt, werden reichlich H ü l s e n s r ü ch t e und Reis verwendet, so kenn damit ein großer Teil des Bedarss an vollwertige,!, Eiweiß gedeckt, verde». In zweiter Linie müßte dann der Einkauf von Obst und Gemüse, der Vitaminquellen, von der Haussrau mit liebevoller Ncverlcgung gestaltet werden. Jimner das Obst kaus«n. das die Jahreszeit reichlich und deshalb billig dielet! Es müssen für Kinder z B. durchaus nicht immer Bananen sein: sie sind in nichts vollwertiger als einheimische Früchte. Apselsinen in der Hauptzeit kansen! Auch den Saft vrn Kinder» trinken lassen! Billige Gemüse, wie Salat«, Kraut, Tcinate», Sauerkraut, roh zubereitet nuf den Tisch bringen! Wichtiger als Eingekochtes ist ein Vorrat von Winteräpfeln. Im obstornien Spätwinter können ge« trocknete Friichie als Ersatz für Frischkost dienen- Felgen, Benanen, blaue Rosinen sind, auch als Zukost zum Brot,«ine rotionelle Speise. Ernährnngsreionn ist nirgends wichtiger als dort, wo der Kampf ums Da'ein am härtesten, der Verbrauch an Lebenskraft am größten ist und Gesiindheitsschödeii am schwersten wiedergul« zumachen sind. Annemarie Reidiwage-Ilutb. Das Zölibat. Keuschheitsgelubde und Ehelosigkeit der Priester sind keine Er- sindung der katholischen jsirckx. Schon in den älteren asiaiischeiH Religjonc» als der christlichen standen Geschlechtstrieb und religiöser Kult in Zusammenhang, sei es durch ausfchweisendste Sinncnlust auf religiösen Bacchanalien, sei es in. ihrem Gegenteil, der graufamsteiH Aszefe. Bei primitive» Dölkern findet sich heute noch der Brauch» daß der Priester unverheiratet bleibt. Auch der Buddhismus achtet» den Eheloscn, der aus religiösen Gründen Entsagung übte, schon lange vor dem Ehristentum höher als den Berhelrateten. Bei den Juden mußte der Priester vor der Bornahin« heiliger Handlungen eine Zeitlang emhaltsain leben. Im Christentum bildete sich die Zölibat-sorderung und die d«. sondere Werlschätziing der Aszes« erst allmählich Heraue. Christus selbst anerkaiinle der Ueberliefcrung nach die Eh« als gollgesetzt» Einrichlung, und ein Teil seiner Jünger war verheiratet. Ci-st Paulus statuierte den Zölibatsgcdanken mit seinem Ausspruch: „Welcher verheiratet ist. der tut wohl, wer aber nicht verheiratet ist, der mt besser", mit der Begründung:„Wer tedig ist. sorget, was dem Herrn angehöret." Noch immer aber war damit die Ehe- losigkeit der Priester, obwohl vielfach besolgt, kein ossizielles Kirchen- gebot. Es setzte erst Jahrhundert« später für die höheren Priester ein. während der niedere Klerus noch bis Ins 11. Jahrhundert hin» ein verheiratet blieb. Im Jahre 107S endlich setzte Papst Gregor VIl. die Zölibatsfordcrung für Priester und Mönche allgemein durch. In fcn politischen Kämpfen zwischen Koisertum und Papsttum spielte es keine geringe Rolle, ob die von verbciratelen Prieslern aus- gegebenen Sakramente eine heilige Wirkung hätten. Mehr als ein- inol bedienten sich auch die Kaiser des Widerstands des Klerus gegen das Eheverbot zu politischen Zwecken. Der Papst aber blieb Sieger in diesem Ringen. In den nachsolgenden Jahrhunderten setzte die Kirche serner für die Laienwelt die Bestrafung der Ehescheidung und das polizeiliche Verbot des Konkubinats durch. Außerordentlich firterefsant und viel weniger bekannt ist die Tatsache, daß nicht nur die Geistlichkctt, sondern auch die weltlichen Gelehrten aller Fakulläten in«rmgen Ländern dem Zölibat unterworsen waren. Bis zum Jahre tSOO mußten die Professoren der juristischen Fakultät der Pariser Universität dieses Los auf sich nehmen. Den Phttologen und Phtlosopheu dieser Hochschule wurde erst von Napoleon die Helratemögstchkeit durch Aushebung dieses Mittelalter. lichen Gesetzes gegeben. Das Zölibat der GeifHickien wurzelt in verschiedenen Ursachen. Einmal drückt sich in ihm die dem Orient eigentümliche Haltung zu Frau und Siunensreude aus: der nach Heiligteil strebende Mensch verachtet beides. Andererseits hat das Zölibatsgebol der Kirche auch recht weilliche und politische Gründe. Der— zum mindesten legitim— kinderlose, fomiltenlose Priester setzt alle seine Energie» ein für Ruhm und Stärke der Kirche. Er arbeitet nicht für eigenen Bestjz und persönlich« Macht, um sie seinen Nachkommen zu Himer- lassen. Es bildet sich keine Vererbbarkeit kirchlicher Würden und Beschtiimer heraus, und die Spigen der kirchliche» Hierarchie wahren sich ihre Macht im alleinigen Entscheid über ihre Nachfolge. Die Wirkungen des Zölibats liegen auf bevölkerungspolitischem und sittlichem Gebiet«. Bevölkerungspolitisch wirkte es, ähnlich wie der Krieg, im Sinne einer negativen Auslese. Werden im Kriege stet« die körperltch Tüchtigsten und Kräftigsten dahingerafft, so schuf das Zölibat in der Blütezeil der christlichen Kultur einen un- «rseszlicheii Ausfall an Nachkommenschaft gerade bei den tiefst ver- antagtei!, kultiviertesten und geistig produktivsten Persönlichkeiten beider Geschlechter, Ein Thomas, ein Duns,«in Ekkehard, eine —> Hroswitha, eine Mechthild— sie alle mußte» als Dienerinnen der Kirche das Keuschheiisgelllbd« ablegen. Die deutlich« Verschlechterung der Bevölkerungsqualität in der Zeit der Auflösung des römischen Reiches und der Völt«rwanderung wird mit einigein Recht darauf z>»rückgeti>hrt,�daß gerade dle feinsten und eixiste» Naturen sich vor der Sittenverderbnis und wilden Borbarel der Zeit In die überall entstehenden Klöster flüchteten. Der Verlust ihres Nachwuchses trifft die«uropaische Menschheit bis in die s«rnste,i Generationen, Nur allzu bekannt ist auch die ander« Tatsach«, daß der strengen Forde- rung der völligen Aszes« der Durchs chnittsrnensch sich nicht gewachsen zeigte. Bereits Im Hochmtttelolter setzte der Sittenversall der Klöster mtt Gelagen und sexuellen Orgien der Mönche»nd Nonnen ein. und in d«.n. Bauernkriegen forderten die Aufständischen, daß jeder Pfarrer seine Konkubine habe, damit ihre Frauen und Töchter vor den Nachstellungen der geistlichen Herren Ruhe hätten. Das beichau- ltche Leben'bei guter Ernährung, das die meisten dieser Kirchen- Rener führen dursten, verstärkle natürlich noch das geschlechtliche Verlangen. Der heutige bayerische Pfarrer und seine Köchin sind in der derben und doch menschlich warmen„P s a r r h a n s- f o m ö d i e" von Heinrich L a u l e n s a ck naturwahr gezeichnet. Von den Qualen der mönchischen Abstinenz zeugen die peinigen- he» Visionen und phantastisch greuelvollen Bilder von den Ver- fuchtingen der Heiligen. Aber auch eine positive siitliche Wirkung ist von der Aszes« ausgegangen. Der wahllos rohe Geschlechtstrieb tvurde in der Weißglut de« Entbehrens umgeschmiedet zur ver- getstigteii Erotik. Au» ihr erblühten Madonnenkult und ritterlicher Frauendienst:«c schuf dw Voraussejzung zur Sublimierung des Triebes in der romantische» Liebe und der lebendigen Spannung, dt« heute zwischen den Geschlechtern waltet. H. S. Die Giadtgöttin von Möffel Die nachfolgend? amüsante Schilderung aus dem Spießer- leben einer Kleinstadt in der VorkrlegszeU entnehmen wir mit sreundiicher Erlaubnis de» Verlages dem Luch«„Die Po- wenzbande" von Ernst p e o z o l d t fpropyläen-Verlag. Berlin). Es gab damals in Mösfei rund siebentausend Witwen und un- versorgt« Töchter, Sie waren all« schwarz gekleidet, wodurch sich das Stadtbild nicht sehr freundlich gestaltete. Ueber alle aber herrschte jene reiche Witwz Ouiebus, ein« rosige, sehr korpulente Riesendome. Sie liebt« die Wohttätigtett, aber sie haßte die Powenzbande. Sie verabscheute sie. vielleicht weil ihr dreimal der wohlgemeinte Versuch mißlungen war. diese so schrecklich verwahrloste Familie„zu retten". Nichts aber konnte wahrhaftig dle verstockten Powenze mehr kränken, al« wenn jemand sie„«»s den regten Weg zurückführen" wollt«,,, Frau Thusnelda Ouiebus war eine Germanin von Gestalt, blond, rotwangig und wie gesagt„kolossal". Sie war es, weil sie zu viel aß. obgleich sie es natürlich rundweg leugnete. Fast alle Dicken behaupten, daß sie doch fast nichts äßen und nicht müßten, warum sie ständig zun«hmen. Auch Frau Ouiebus sagte das von sich. Da» bißchen Suppe, die paar Kartösfelcheii, di« kleine Schnitte Schlagrahmtort«, das konnte es doch unmöglich machen. E» mußt« also dl« Veran» logung daran schuld sein oder aber die Schneiderin, deren Kleider so schrecklich dick»nachten. Ihrer Gestalt nach könnt« die Ouiebus ohne weiteres als Mo sseler Stadtgöttin gelten(Im antiken Sinne). Symbolisch ausgedrückt»nag»nan sich diese unvergeßliche Frau gleich ihrem großen Gegner Baltus Pomenz über und über tätowiert vorstell««, mit dem Stadtplan von Mösiel etwa, aus der Vogelschau, mit Kirche, Post und Bahnhof, um so anzuzeigen, daß alles, was da geschah, atz, ihr geschah und sie körperlich und seelisch beivegte. Denn jedes Kind, das in der Stadt geboren wurd«, gebar sie im Gezste»nit, jeden Tod starb sie und beweint? ihn zugleich, an jeder Lieb«, und das vor allein, nahm sie wärmsten Anteil. Sie duldete kein Geheimnis i» der Stadt, die bebte unter ihrem Soldatenschritt... Frau Ouiebus hat ein mitsühlendes Herz. In ihrer Trauer weint sie mit jedermann, mit dem Briefträger, nüt der Piitzfrou, sogar mit dem Steuerboten. Sie hat für altes ein großes menschliches Aer» ständnis. Oh, sie versteht den Fehltritt Frau Uhlcnkanips, von dem sie längst weiß, sie oeruiteilt auch dl« hübsche Frau Jortmn»licht. St« kennt sogar die galant« Ursache des Ruckenmartleidens von Direktor L.. und sie hat Gewißheit in bezug aus die Kinderlosigkeit bei O.». Sie ist über alles orientiert. Sie kennt alle Ehen ganz genau... Sie hatte zwei Kinder. Sie hatte ihren Edwin, dessen Gesundheit ihre ständige Sorge war, und Earoia, ihren Sonnenschein, ab« gesehen von den Powenzlenten übrigens das einzige Wesen in Mössel, dessen Geheimnis Frau Ouiebus nicht kannte.„Carola sagt inir alles, sie ist ja auch noch ein solches 5tind in derlei Dingen", äußerte Frau Ouiebus überall und meint« damit die Lieb«. Carola»var übrigens ein großes hübsches Mädchen, russisch blond,»nit einer Haut wie gepudert, unschuldigen Augen und den schönsten Beinen, für die st« sogar einmal, ohne Wissen der Mutter natürlich, einen nicht un« bedeutenden Preis bei einen» Reklamewettbewerb für Damenstrümpfe trotz starker internationaler Konkurrenz davongetragen hatte. Diese Carola besaß überhaupt, Frau Ouiebus machte kein Hehl daraus, «inen ganz wundervollen Körper— ähnlich dem ihren, als sie noch jung war... Wohltätigkeit. Sittenstrenge. Patriotisinns. Frömmigkeit waren Frau Ouiebus' hervorragendste Eigenschaften. Ihre Armenbäll« wäre« so berühmt wie ihr Takt in Herzeneangetegenheiten. St« gestand. daß sie, wie sie sich launig äußerte, eine schon fast nicht mehr tngenS- hafte Schwärmerei für den deutschen Kaiser empfind«.„Ist er schön, ist er nicht wunderschönl" rief sie aus, wenn sie ihre interessante Sammlung von Kaiserbildern einem Besuch zeigte.„Denken Sie". gestand sie unter Tränen,„ich träumte kürzlich von Ihm, er habe mich auf di« Stirn geküßt in voller Umformr Sie hielt auch(wie er) gerne kleine Gottesdienste ab mtt ihren Dienstboten... Strafen für �weibliche" Ehemänner. Wie Pantoffelheldentum in, Mittelalter bestraft wurde, davon geben die Ortsgesetz« de» Städtchens Blankenburg in, ehemalt. gen Fürstentum Schmorzburg-Rudotsiadt aus dem 16. Jahrhundert eine Vorstellung. Ein Weib,„die ihren Ehemann räuft oder schlägt. soll mit Geld oder Gefängnis bestraft werden".— Der„weibliche Mann aber, der sich ein« solche Behandlung gefallen läßi. soll zur Straf« dafür die beiden Ratsknecht« mit Wollengewand beklölde»r oder, wenn er das nicht kann, mtt Gefängnis oder sonstwie geftrakt und ihm das Dach von seinein Hause abgehoben werden— Im Sinne dieser drastischen Vorschrift wurde auch noch bis IWZ im Städtchen Fulda verfahren. Da« fürstliche Hofmarschallamt mußte nachprüfen, ob gegen Pantosfelheldentum zur Exekution ge- schritten werden»nußte. Dann wurde dein Verurteilten von der fürstlichen Dienerschaft das Dach abgehoben und die Ziegel wurde» zerschlagen. Währenddessen mußte der Bestraft« dies« Leute noch mit Wein bewirten und tonnt« höchsten» durch dessen Menge und Güte ihren beleidigte» Männerstolz eln wenig beschwichtigen praktische Wirtschaftsführung. König Heinrich IV. von Frankreich fragt« einmal einen Bauer«. der ihn nicht erkannt«:„Was verdienst du denn am Tage?" „Bier Sous." „Was machst du mit dem Geld«?" „Ich mach« vier Teil« daraus." „Was niachst du mit den vier Teilen?" „Vom ersten nähre ich mich, von dem ziveiten zahl« ich Schul- den, den dritten lege ich gut an, den vierten werfe ich weg." „Was soll das alles heißen?" „Nun— für den ersten Teil kaufe ich mir Essen und Trinken. um mich zu nähren. Den zweiten gebe ich meinen alten Etter». damit sie sich ernähren, wie sie mich ernShrt haben. Der dritte Teil ist für meine Kinder, damit sie mir einmal vom ihrigen abgeben. wenn sie selber verdienen und ich alt btn. Den vierte» Teil muß ich dem Könige geben. Aber der kriegt nur wenig davon, und ich habe nichts mehr davoir— also ist es tveggeworsen!"