Frauenstimme | �.20*42. 3al>raäwi] Beilage zum Vorwärks I s. Oktober 49Zö� >>>MWWWWWWM>IMW>WMWW>>>>>Ml>W ■neeeiwumimwfl Sittlichkeit— vor 100 Jahren! Der starke Frauenüberschuß, den Deutschtand hellte aufzuwebsen hat— nach der Berufszählung von 1925 kamen auf 1090 Männer im Alter zwischen 20 und 45 Jahren. 1160 Frauen— wird als einer der Gründe zum Anwachsen der Frauenarbeit angesehen. Und gewisse Kreise, denen die Frauenarbeit als ein Uebel der„neuen Zeit" ein Dorn im Auge ist, glauben mm auch hierin einen Grund für den berüchtigten angeblichen Zerfall von Familie und Sittlichkeit gefunden zu haben. Gäbe es nicht soviel mehr Frauen als Männer, würden dann soviel Männer, verführt von der Fülle der Auswahl lockender Weiblichkeit, heruintändekn und Herumlieben, statt ein solides christliches Familienleben zu führen, wie es in der „guten alten Zeit" üblich war? Und hätte nur nach allem Rezept jedes Weibchen sein Männchen, würden sie sich dann nicht alle wieder zu keuschen tugendhaften Ehe- und Hausfrauen entwickeln können, wie dazumal? Aber wie stand es dann in der guten alten Zeit dainit? In einer„Statistik des Preußischen Staates von 1837" lesen wir dar- über folgende mifschlußreiche Angaben: „In dem Lebensalter, welches vom Anfange des 17. bis zur Vollendung des 45. Jahres gelten mag, gibt es bei uns im Sufnnne£atrre,nce die. PrMfldenHn des jetsi In Xlandudno tagenden Arhefler- parteitages Preußischen Staate— zufolge der Ermittelungen, welche bei der Volkszählung von 1837 stattgefunden haben— mehr Männer als Weiber: und zwar leben neben 10 000 Personen weiblichen Geschlechts 10 214 Personen männlichen Geschlechts. Ist es nicht bedenklich, wenn wir wahrnehmen müssen, daß von je 100 Männern 2 zum ewigen Zölibat(!) verdammt sind, ohne in irgendeinem Monasterium das Gelübde der Keuschheit abgelegt zu haben? Drängen sich nicht in die Familien die überzähligen Män- ner, die leer ausgehen, die unbeweibt bleiben müssen, da sie das Weib, welches sie suchen, nicht finden können: und finden sie nicht die willigste Aufnahine bei dem reizbaren, sinnlichen und leicht- sinnigen Eheweibe, das, die Veränderung liebend, alle Sittsamtett, Moral und sittliches Gefühl mit Füßen tritt, dem Hausfreund, ja dem auf der Straße aufgegriffenen Liebhaber und Anbeter all die Rechte einräumt, die es dem Ehemann allein zugeschworen hat, seinen Leib hingebend dem Lüsternen, in dessen Ilmarmungen, un- bekümmert um das brechende Herz des Galren, unbekümmert um die Wohlfahrt der ehelich gezeugten Kinder, es schwelgt, Liebe gibt, Liebe empsängt, und mit ihr das ehebrecherische Pfand, dessen sündiger lirsprung nach neun Monaten auf ihrem Gesicht zu lesen ist(!). Wär es möglich, daß bei Kirchen- und Polizeibehörden Listen über die aus ehebrecherischem Umgange hervorgehenden Bastarde geführt werden könnten, wir würden erschrecken über die kolossale Zahl der unglücklichen Geschöpfe, die ein ewiges Brandnull ihrer niederträchtigen Mütter sind! Ich habe hier ein sehr trübes Bild von der sittlichen Bildung— ich will sagen einzelner unserer(I) Eheweiber entworfen: aber ich frage den Ehemann, er stehe hoch oder niedrig, sei er reich oder arm, den jugendlichen, wie den Mann von mittleren Jahren, ob ich mit zu dunklen Farben aufgetragen?" Nanu, nanu? Also die Sache lag umgekehrt wie heute: nicht der Frauenüberschuß— der Männerüberschuß war schuld an den» Zerfall der Sittlichkeit von 1837(der guten alten Bindermeierzeit). Aber aus jeden Fall waren auch damals nur die Frauen, diese Niederträchtigen, Lüsternen, schuld daran, daß die je zwei armen überzähligen Männer vom Hundert ihre keusche Rolle des ewigen Zölibats nicht spielen dursten. Denn die anderen Männer, für die eine Ehefrau da war, gingen natürlich alle nur auf sittlich genehmigten Verkehrspfaden, und nur die Ehe- frau verlor sich auf lüsternen Seitenwegen. Es ist einleuchtend, daß eine so sittlich entflammte Statistik(wie nüchterntrocken wirkt dagegen heute das Statistische Jahrbuch!) bei der Rubrik der Ehescheidungen sich nicht zurückhalten kam,. Di« statistischen Tabellen oerschweigen zwar die Schcidunzsgründe, aber wer wird schon anders schuld sein, als das gefallene Eheweib, dessen„ganze Atmosphäre mephistophelisch ist"! Natürlich steht der Bezirk des Kammergerichts Berlin an der Spitze der Skala der Ehescheidungen,„die volkreiche Stadt drückt bei der Waage des Familienglücks die Schale der Sittenlosigkeit so tief herab. Wohl- tätig ist aber das Gefühl, daß die Bewohner auch dieses Bezirks in der Befestigung des Sittengesetzes große Fort- schritte machen: denn statt der 302. Eh« in der neueren Zeit mußte vor 18 Jahren schon die 198. getrennt werden".— Wie gut. daß der ungenannte Statistiker die heutige Berliner Ehefcheidungsziffer nicht mehr zu lesen braucht: im Durchschnitt der Jahre 1924/26 kamen aus je 10000 bestehende Ehen in Berlin 80 Ehescheidungen, das heißt also jede 125. Ehe, im Jahre 1927 dagegen 181 Ehescheidungen, das heißt schon jede 53. Ehe— trotzdem kein Fraueninangel mehr bestehtl Natürlich wird die Zahl der unehelichen Kinder von dieser moraltriesenden Statistik als Hauptmaßstab für die Sittlichteit angenommen. Da man nun aber nicht gut die 7000 unehelichen Kinder von 100 000 der Geburten von 1937 nur den lüsternen Che- frauen und den überzähligen Männern in die Schuh« schieben tonnte, mußt« noch ein anderes Argument herhatten, nämlich: das Fabritwesen, die ersten Anfänge der Frauenarbeit und der Fabritarbeit überhaupt, schaden der Moralität der Arbeiter. Man sieht, die Argumente von heute sind so alt, daß sie eigentlich längst fadenscheinig geworden sein müßten! Schon ein paar Jahre später, 1856, stellt«ine andere Statistik(merkwürdig, alle Stattstiken von damals haben es mit der Moral), das vierbändige, von den Achtundvierzigern Rotteck und Welcker bei Brockhaus in den 50er Jahren herausgegebene„S t a a t s- L e x t t o n" fest, daß die meisten unehelichen Geburten in dem völlig fabritlosen Meck- l e n b u r g vorkämen(auf 100 eheliche 24 uneheliche Geburten!), während in dem fabrikreichen Sachsen nur 18 uneheliche aus 100 ehe- Uche Geburten entfielen. Der Durchschnitt in Preußen wird für 1856 mit 100: 8 angegeben— heut« sind es 9! Aber eine Zeit und eine Gesellschaft, die die„Sittlichteit" so im Munde führt, bringt es fertig, mit ihren sittlichen Begriffen Zu- stände zu vereinen, bei deren Schilderung man sich heute entsetzt fragt, wie solche Dinge möglich waren— waren? Ist es denn heute in Indien oder in China anders als im Preußen von 100 Jahren. wo sich 1839 ein„Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken" schon als„sozial" vorkommt, das die Be- schäftigung— wohlgemerkt nur die regelmäßige Beschäftigung!— von Kindern unter 9 Jahren untersagt? Und empört sich nicht jede Faser, wenn man in einem englischen Parlamentsbericht von 1843 solgende Schilderungen aus einem„Kulturstaat" liest:„Die Maschinen zur Fabrikation von gedrehten Schnüren werden jetzt sast jämtlich mit der Hand in Bewegung gesetzt, wozu man Kinder von 3 bis 4 Zahren(drei bis vier Jahren!) zugleich mit ihren Müttern verwendet, die 12 bis 14 Stunden täglich arbeiten Damit die Kinder ruhig bleiben, gibt»ran ihnen eine dem opiumhaltigen Godfreyschen Liquor zugefetzte narkotische Mixtur. Cm Apotheker von Notting- ham erklärte, daß er im Laufe eines Jahres mehr als 1300 solcher� Mixturen verabreicht habe. Man verfährt mit dieser Vergiftung wie folgt: Angefangen wird damit schon bald nach der Geburt des Kindes. Die Mutter beginnt mit einer Mischung von Rhabarbersast und Laudamim, geht dann zu dem erwähnten Liquor über und zuletzt aus das reine Laudaimm. Die Folgen bleiben nicht lange aus: die kleinen Opfer werden bleich, verlieren ihre Lebhaftigkeit und eignen sich dadurch zu der ihnen bestimmten ruhigen Beschäftigung, bis nach wenigen Jahre» der Tod diesem Treiben ein Ziel setzt." Und ein von den Parlaments- tommissaren vernommener Arzt-Sachverständiger in Manchester wagte die unmenschliche Behauptung, daß es einem Kinde durchaus nicht nachteilig zu fein brauche, täglich 23 Stunden zu stehen! Und bei alledem findet es auch das„Staats-Lexikon" selbst- verständlich für angemessen, daß der Arbeitslohn der Frauen geringer i st als der des Mannes, denn ,chie Bedürf- nifse der Frauen lassen sich mit einem geringeren Aufwand be- friedigen!" 18Z0 oder 1930: was hat sich geändert in dieser Argumentation? Das Wort von der„verdammten Bedürf- nislosigkeit"— paßt es nicht heute noch ganz besonders auf die erwerbstätige Frau? Erst wer sich rückschauend in diese Anschauungen und Zustände vertieft, ermißt die Tat, die Bebels Buch„Die Frau und der Sozialismus" bedeutet hat.„Soll eine weiter fortschreitende Zivilisation", so schreibt noch 1862 der Demokrat und Republikaner Welcker, einst hervorragendes Mitglied der Frankfurter National- Versammlung,„uns wirklich dahinführen, die Unterordnung der Frau unter den Mann und somit auch alle Festigkeit des Ehebandes und das wahre Eheleben auszugeben, dahin, daß wir statt Keuschheit und Schanchaftigkeit der Frauen ihre gleiche Teilnahme an unseren öffentlichen Wahl- und Parlamentsoersammlungen und an den Staatsämtern als ihre Ehren und Güter ansehen sollen?" Und so festgewurzelt waren diese Anschauungen auch noch in anderen Kreisen, daß sogar Bebel aus dem Gothaer Parteitag 1875 mit seiner Forderung, das Wahlrecht der Frauen mit in das Partei- Programm aufzunehmen, auf so starken Widerstand stieß, daß er überstimmt wurde! Und heute? Haben wir es wirklich so herrlich viel weiter gebracht? Bei allem was erreicht ist, bleibt immer noch ein Wort von Bebel bestehen, das troj�. seines Alters— er hat es 1893 bei der Debatte über den Zukunftsstaat im Reichstag gesagt— heute wieder höchste Aktualität besitzt:„Die Frauen werden erkennen, daß nur allein durch die Sozialdemokratie sie zu ihrer vollen Gleich- berechtigung und Freiheit in der Gesellschaft gelangen können!" Frauen in der Krisis der Gegenwart Von der Tagung des Bundes entschiedener Schulresormer Nicht Frauenrechte— Menschenrechte müssen erkämpft werden. Die Solidarität muß Mann und Frau umfassen. Beide müssen sich zur Lösung der Ausgaben vereinigen, die uns einer neuen, besseren Zeit«ntgegensühren kann. Das war die Grundstimmung der Tagung des Bundes entschiedener Schulresormer, der' in diesem Jahr das Thema„F ra u e n b i l d u n g und Kultur" zur Erörterung gestellt hatte. Auch die Sozialdeinokratie hatte ja von Ansang an jedes ge- sonderte Vorgehen der Frau— im Gegensatz zur bürgerlichen Frauenbewegung abgelehnt. Ihren Begründern war es klar, daß die Unterdrückung der Frau nur mit der Befreiung der Arbeiter- Nasse im allgemeinen ausgehoben werden kann. Und trotzdem kann man oerstehen, daß gerade heute die Anhängerinnen der F r a u e»- bewegung wieder aus dem Plan« erscheinen, obgleich die bürgerliche Jugend ihren Kanipf nicht mehr versteht und vergißt, daß sie zum Teil ihr die Zulassung zu höhere» Berufen und die Möglichkeit der Gewinnung höherer Bildung verdankt. Gerade heute macht man ja wieder der Frau„das Recht aus Arbeit" streitig und drängt sie in ein« Sonderstellung hinein. Gerade von sozialistischer Seite wandte man sich aus dem Kongreß mit Recht gegen den Kampsrus:„Fort mit der Ehefrau aus dem Betrieb", .�Heraus mit den sogenannten Doppeloerdienern!" Aus dringendster Not ist besonders die proletarische Ehesrau meist erwerbs- tätig, ihr Lohn dient häufig nur dazu, der Familie das Existenzminimum zu sichern. Auf diese Verhältnisse wiesen im ver- gangen»» Jahre auch die Spitzenorganisationen der Gewerkschaften hin, als sie sich mit dem„Recht der Ehefrau aus Arbeit" beschäftigten und sich gegen die grundsätzliche Entlassung der verheirateten Frau wandten. Wie unsicher ist doch heut« meist auch die Versorgung durch die Ehe, worauf mit Recht eine der Genossinnen hinwies. Wenn die Frau nach der Eheschließung ihren Beruf aufgibt, so ist es ihr bei der Lage des Arbeitsmarktes meist unmöglich, nach einigen Jahren wieder unterzukommen, einerlei ob sie geschieden ist oder der Mann und die Kinder arbeitslos sind. Darüber muß man sich auch ferner klar sein, und darüber herrscht« aus der Tagung wohl auch kaum«ine Meinungsverschiedenheit: Eine Wandlung und Erneuerung der Che ist nur möglich bei wirlschastlicher Selbständigkeit der Ehefrau. Sie ermöglicht es ihr zum Beispiel nur, die Ehe mit einem Partner aufzugeben, dem sie nicht mehr Freund fein kann. Wie oft setzt aber heut« eine Frau allein deshalb eine Ehe fort, weil sie bei Scheidung völlig unversorgt bliebe. Noch immer gibt es Politiker und nicht nur in Kreisen der Konservativen oder des Zentrums, die der Frau die einzige Aufgabe zuweisen wollen, Hausfrau und Mutter zu sein, Erhalterin der Familie. Sie vergessen dabei, woraus auf der Tagung immer wieder hingewiesen wurde, daß die Familie in der mis überlieferten Form als Produktions- und Konsumtions- gemeinfchaft, als Gemeinschaft für die Freizeitgestaltung— wenigstens in der Großstadt— nicht mehr existiert. Nicht durch Klagen über die verschwundenen Zeiten werden diese Ver- häitniss« geändert. Es gilt vielmehr, aus den Mitteln der Allgemeinheit Einrichtungen zu schaffen, die die gesunde geistige und körperliche Auszucht der Kinder ermöglichen. Immer wieder werden bei Erörteningen über die Aufgaben der Frau für die Kultur und die GeseUfchajl eine ganz bestimmte geistig-seelifche Eigenart der Frau vorausgesetzt. Der eine jagt: die Frau hat eine geringere Fähigkeit zum logischen Denken als der Mann, der andere meint, die Frau reagiere leichter auf äußere Einflüsse. Beide sind sich aber nicht darüber klar, daß uns die Mssenschaft gar keine Anhaltspunkte dafür gibt, wie wir die psychischen GeschiechtsuMerschiede bestimmen können. Erst in der Zukunft wird sich bei freier Kooperation von Mann und Frau erweisen, ob und gegebenenfalls welche gesonderte Aufgaben den beiden Geschlechtern zufallen. Dies« Kooperation wird gerade der Frau im Augenblick besonders schwer gemacht. Es ist ein tragisches Schicksal, das der Frau— so führte eine sozial- demokratisch« Rednerin aus der Tagung aus— >m Augenblick, wo sie sich als Schassende bewähren sollte, die Möglichkeit der Arbeit nimmt. Dies« Rednerin wies hauptsächlich, neben dem Vorsitzenden, immer wieder aus die große wirtschaftliche und geistig« Not durch die Arbeitslosigkeit hin. Einige Vortragend« waren sich scheinbar darüber nicht klar, daß jede höhere Zielsetzung völlig illusorisch ist, so lange es uns nicht gelingt, die wirtschaftliche Not erfolgreich z» bekämpfen, so lang« zum Beispiel gerade die Zahl der weiblichen arbeitlosen Angestellten von Monat zu Monat verhältnismäßig noch mehr steigt als die Zahl ihrer erwerbslosen männlichen Kollegen. So lange diese Verhältnisse andauern, wird es nur wenige» Frauen etwas nützen, wenn die Gesellschaft einnial das Recht der unehelichen Mutter anerkennen und die Gleichstellung des unehelichen mit dem ehelichen Kinde durchsetzen wird. Eine arbeitslos« Frau kann sich kein Kind leisten! Allzuoft wurde auf der Tagung von der Frau gesprochen. So wurde nicht genügend von vielen Rednern unterschieden, d i e Frau, die in gesicherter wirtschaftlicher Lag« aus Neigung einen Beruf erwählt, und die Frau, die notgedrungen unter ungünstigen wirtschaftlichen Bedingungen erwerbstätig sein muß. Auch leidet nicht jede Frau darunter— daß muß heute einmal gesagt werden— wenn sie sich sexuell nicht ausleben kann. Je nach An- läge und Umwelt sind die Frauen verschieden. E. H. Die interessa« Wir gingen aus dem Kinderhaus nach Hause: es war unser gewöhnlicher Weg, den wir all« Tage machten, er konnte uns kein« Ueberraschung mehr bieten und seine Gesahren- und Glanzpunkte waren vorher sestgelegt: Da war der Uebergang über die auto- durchraste Allee, der Spielzeugladen und die zoologische Handlung mit dem Affen im Schaufenster, von dem der Hans immer gar mcht wegzubringen war. Andere Dinge hatten fein Interesse selten gefesselt, die Bonbonläden waren längst ausgeschaltet, denn Hans hatte lange gemerkt, daß es gar keinen Sinn hatte, um Gutseln zu betteln oder zu quälen— außerdem ist er ein viel zu kluger Diplo- mat, um so dumm mit der Tür ins Haus zu fallen. Aber davon vielleicht ein andermal. Diesmal schien nun etwas sein Interesse besonders zu erregen, keine Bonbons, i bewahre, ganz im Gegen- teil— ja, wie sagt man das nun der geneigten Leserin?— Also kurz und gut, es waren die mannigfaltigen Denkmäler, die die lieben Hündlein immer an unseren Straßen errichten— hm, ja, es war im wahrsten Begriff des Wortes Hundedreck, der Hansels Interesse fesselte. „Sieh mal, Mama, da hat sich ein Hund hingesetzt!"—„Ja. Du, noch zwei Laternen, dann kommt der Spielzeugiaden!"—„Das ist aber ungezogen von den Hunden! Sie können das doch gar nicht reinemachen!"(Dabei denkt der Spitzbube sicher heimlich, daß es die Hunde eigentlich sehr gut haben, weil ihnen keine Mutti den Scheuerlappen in die Hand drücken kann!)—„Ja."—„Da liegt schon wieder eine Hundewurst!"—„Hrn."—„Die kann man nicht essen, nicht wahr?!"— Nun wurde mir die Sache doch etwas kurios.„Nein, das ist eklig! Die stinkt doch! Wie kommst du bloß darauf?!"— Der Walter Kipser hals gesagt! Ick soll mal eine nehmen!"—„Na. der ist schön dumm! Von so einem dummen Jungen würde ich mir gar nichts erzählen lassen, mit dem würde ich gar nicht mehr roden!" Und dann gelang es mir, die Unter- Haltung doch auf einen anderen Gegenstand zu lenken. Aber etwas stutzig hatte mich die Sache gemacht, und ich nahm mir vor, nun mal etwas genauer aufzupassen auf diese» Walter Kipfer und einig« andere Spielgefährten meines Jungen. Man kümmerte sich ja sonst wenig um die anderen Kinder im Kinderhaus, war froh, wenn man seinen eigenen Jungen möglichst schnell abholfertig angezogen hatte— aber nun siel mir doch Verschiedenes auf. Schon zweimal hatte der Junge merkwürdige Bemerkungen gemacht, als es bei uns frische Wurst gegeben hatte, hatte die sonst so geliebte„schwarze Wurst" mißtrauisch und nußinutig mit der Gabel zermanscht. Ob andere Eltern wohl ähnliche Ersahrungen gemacht hatten? Und auf dem nächsten Elternabend— der Referent l*>tt« uns gerade die wertvollsten Winke über die körperliche und seelische Hygiene des Kleinkindes gegeben— fing ich zum Entsetzen der Leiterin mit der klaren Frage an, ob er nicht glaube, daß ein psychopathisches Kind im Kindergarten genau so gefährlich sein könne, wie irgendein mit einer Jnsektions- krank heit behastetes? Ja, natürlich— es wäre aber interessant, wenn ich nähere Angaben darüber machen würde, in welcher Weise ich meinen Jungen für gesährdct hielte. Nun erzählte ich von meinen Beobachtungen: und im Verlauf der Debatte kam dann heraus, daß auch andere Eltern sich schon den Kops darüber zerbrochen hatten, warum ihre Kinder sich in mancher Weise gewandelt hatten— sie hatten dieser Sache bisher nur keine große Wichtigkeit beigelegt. Da war ein kleines Mädchen, das seinen Kakao nicht mehr gern trinken wollte: der Walter hatte ihr neulich gesagt, das sei Aa da in ihrem Topf, nun solle sie mal die Aa austrinken— und ebenso hatte er anderen das Essen verekelt. Ein anderer der Spielkameraden meines Jungen hatte mich neulich aus heiler Haut in das Bein gebissen— und der Walter hatte ihm das vor kurzem erst vor- gemacht, als er von seinem Fräulein abgeholt wurde... Eine Beob- achtung kam zur anderen: und da hier die Sache in voller Oefsent- lichkeit abgehandelt wurde, dauerte es nicht mehr lang«, bis Walter aus dem Kindcrhaus entfernt war, trotzdem die Leiterin meinte, es wäre unrecht, denn für diesen Jungen wäre die Erziehung durch seinen nervösen Vater und die allzu nachgiebige Mutter auch nicht geeignet. Darin mußte ich ihr freilich recht geben. Aber schließlich war UNS doch die seelische Gesundheit der anderen dreißig Kinder wert- voller und wichtiger. Denn das wurde in dieser Elternversammlung sestgestcllt: Es gibt eine seelische Ansteckung, und nirgends find ihre Gefahren so groß, wie in dem täglichen Zu- sammensein in einem geschlossenen, verhältnismäßig kleinen Zirkel. Wir großen Leute erleben ja auch oft genug, wie sich«in Psychopath zum„Führer" einer Bewegung macht und durch geistig« „Ansteckung" ganze Scharen von Anhängern um sich sammelt. Das lebendigste Beispiel ist mir dafür die vor einigen Jahren grassierend« „Häußer-Bewegung". In den Versammlungen dieser Menschen herrschte eine wahre Wiedertäuserstimmung, vorher leidlich gescheite und ganz normal wirkende Menschen zogen diesem neuen Messias, der den% 51 in der Tasche hatte, scharenweise nach, opferten ihm Existenz. Familie, Leben... und nach dem Tode des„Meisters" löste sich die ganze Bewegung in nichts auf. Aehnliches erleben wir heute an den W c i ß e n b e r g i ä n c r n, wenn auch ihr großer Meister nicht so deutlich das Acußere eines Psychopathen hat, wie seinerzeit Häußer; der kleine Mann, dem die Bouernschlauheit aus seinen kleinen Augen blitzt, bedient sich vielleicht sogar bewußt all des mystischen, sllr Psychopathen so unwiderstehlich wirkenden Brim- boriums. Wenn mir großen Leute an unsercsgleichen nun schon der- artige Dinge erleben, dann können wir uns erst vorstellen, ivas es für unsere Kinder bedeutet, daß bis l>cu>e in der Erziehung der Kleinkinder, die aus Kindergärten und Kinderhiiuser angewiesen sind, noch immer keine reinliche Scheidung zwischen normalen und psycho- pathischen Kindern vorgenommen wird. Ein psychopathisches Kind kann in einem solchen Kindergarten leicht zrini„Führer" der gesunden Kinder weiden: seine krankhaften Eigenschaften erscheinen den anderen„interessant", besonders dann, wenn sie sehen, daß diesem Kind auf Grund seiner Ver» anlagung von Angehörigen oder, schlimmer, sogar von den mit der Erziehung beaustragten Personen besondere Rücksichten erwiese» werden, und das wird sich manchmal gar nicht vermeiden lassen, denn es ist ja selbstverständlich, daß diese Klindcr andrrs behandelt werden müssen als gesunde und normale. Jeder Kmdergartenleilerin sind die„Beißepideinien" bekannt: irgendein Kind Hot damit angesangei», und nun ahmen es die anderen nach— zuerst vielleicht bei Streitig» ketten, dann ohne jeden Anlaß; zuerst sieht es wie ein Schabernack, eine Neckerei aus— mit einem Male ist es eine Mode, die sast alle Kinder mitmachen. Ebenso die Vcrkrampsurgen des„Trotzes", die sich vom„Bocken" zum Trampeln und schließlich zu wahren Schreikrämpsen entwickcln. Hansel war z. B. in diesem Jahr wäh- rend einer Reise nur acht Tage lang in einer uns bis dahin»n- bekannten Familie untergebracht: nach Woche», als wir endlich zu Haus angelangt ivaren, versuchte er mehrniols, uns richtig eine Szene zu machen, wenn ihm irgend etwas nicht paßte— schließlich trampelte er wütend mit de» Füßen— und als wir mal in einem ruhigen Augenblick darüber sprachen, erzählt« er, daß der kleine Manfred ja auch immer trampelte— und„dann nimmt ihn seine Mammi aus den Arm!" Wir habe» ihm das sehr schnell wieder abgewöhnt— wie, das ist eine andere Geschichte. Aber dies« kleine Episode bewies mir wieder, wie großen Einfluß auf die Entwicklui� eines Kindes die Wahl seiner Spiclkameradjchast hat. Nun könnte man freilich entgegnen, daß alle diese Gesahren dem Kinde ja durch die Erziehung in der Familie erspart blieben. Ganz abgesehen davon, daß sich bei unseren heutigen Ein- oder Zwei- kindersamilien dann andere pädagogische Schwierigkeiten ergeben, muh nian aber der Tatsache Rcchmcng trogen, daß die Berusstätig- keit der Frau in vielen Fällen ebenso die Unterbringung der Kinder in Kinderhorten bedingt, wie die schlechten Wohnverhältnisse oder der Mangel an geeigneten Spielplätzen für Kleinkinder. Ohnehin wird die Erziehung des Kleinkindes in der Familie oftmals nur als eine Art Nebenprodukt des Familienlebens behandelt, und sie sällt auch demgemäß aus. Sie wird in absehbarer Zeit nwhr- schcinlich ebenso von der Gemeinschaft übernommen werden, wie die Schulbildung und die sportliche Erziehung. Gerade darum aber haben wir Frauen, und besonders die Frauen der Arbeiterschaft, ein dringendes Interesse daran, daß hier von seilen der Gemeinden in den Kinderhorten bald dieselbe Trennung vorgenommen wird, die in den Grundschulen ja glücklicherweise schon eingeführt ist: Hilss- und Sonderhorte für psychopathische Kleinkinder in ge- nügender Zahl geschaffen werde:»— und daß derartige Kinder nicht unter die gesunden Kleinkinder gesteckt werden; denn die Ergebnisse der psychoanalytischen Forschung haben uns ja hinreichend darüber aufgeklärt,»mlchen Einsluß die Eindrücke gerade dieser„vergessenen" Kinderjahr« auf«in ganzes Menschenleben haben können. kok« Ewalä. Rückständigkeit. Der Justizminister des irischen Freistaates hat entsprechend der Anempfehlung des Zensorenamtes dreizehn Bücher, größtenteils solche über Geburtenkontrolle, ver- boten. Aus Uebertrctung des Verbots stehen strenge Strafen. Kleine Tatsachen. Was die Giatistik zutage fördert. Während fast überall in Europa eine bedeuiende Ueberzahl von Frauen vorhanden ist, lzmscht in der Stadt Belgrad umgekehrt geradezu«in Ueberfluß an Männern: l?Ol>OV Männern stehen nur 9oWX) Frauen gegenüber! Leider zerstören Ratur und Lebensgelvohnheiten aber dieses Verhältnis, da die Sterblichkeits- zisser der Männer über 45 Jahre doppelt so groß ist als die der Frauen, so daß es in Belgrad ungewöhnlich viele Witwen gibt. Die größere Erwerbstätigkeit der Männer läßt sie fast überall früher sterben als die Frauen. Von 102 hundertjährigen Belgradern (die Langlebigkeit der Balkanvölker soll übrigens mit auf Joghurt- genuß zurückzuführen fein, der Darmkrankheiten vermindert) sind 68 weiblichen Geschlechts. Frauen gegen Aufhebung des H 2ltS! Im Mai dieses Jahres hatten sich 356 Berliner Aerztimren— etwa 80 Proz. der weiblichen Aerzteschast Berlins— mit einer Eingab« an den Reichstag und den Strafrcchtsausschuß gewandt, die dem Arzt die Schwangerschaflsunterbrechung nicht nur bei gesund- heitiichen, sondern auch bei sozialer Notlage zu gestatten forderte. Die Eingabe schlug u. a. folgende Fassungen für den neuen Gesetzentwurf vor:„Eine Unterbrechung der Schwangerschaft ist nur dann strafbar, wenn sie nicht von einem approbierten Arzt unter Verletzung der Regeln ärztlicher Kunst oder gegen den Willen der Schwangeren ansgesührt wird" oder bei Ablehnung dieser Fassung:„Eine Abtreibung liegt nicht vor, wenn ein approbierter Arzt eine Schwongerschnst unterbricht, weil die Unterbrechung nach den Regeln der ärztlichen Kunst zur Abwendung einer Gefahr für Leben und Gesundheit der Muller ersorderlich ist. Dieselbe Bestim- mung gilt, wenn von einem approbierten Arzt wegen sozialer und wirtschaftlicher Notlage auf Ver- langen einer Schwangeren die Unterbrechung vorgenommen wird." Nachdem bereits die Berliner mann- lichen Aerzte gegen diese einsichtigen verantwortungsbewußten For- derungen ihren Einspruch erhoben hatten, finden sich nun auch Frauen, weibliche Aerzte aus dem Reich, die für die furchtbar« Not- tage ihrer Geschlecht-genofsinnen folgenden verständnislosen und phrasenhaften Protest ausbringen:„Der Freigab« der sozialen Indikation, wie sie gefordert wird, müssen wir entschiedenen Wider- spruch entgegenstellen. Die Lösung wirtschaftlicher und sozialer Konflikte kann nicht durch Tötung, sondern nur durch Behebung der wirtschaftlichen Rot und geeignete Fürsorgemaßnahmen erfolgen. Es ist nicht angängig, in einer Zeit, in der durch augenblicklich« Not bedingten allgemeinen Verwirrung Begriffe im Volk zu ver- antern. die jedes Berantwortungsgefühl ausheben. Im Volks- empsinden deckt sich die Auffassung der Streifsreihelt erfahrungsgemäß vielfach mtt dem Begriff der sittlichen Erlaubtheii... Wir fordern, daß auch die Straffreiheit der medizinischen Indikation von den strengsten Sicherungen umgeben werde." Nur Erlebnis am eigenen Leib« könnte diese Selbstgerechten sehend machen. Warum niedrigere Frauenlohne? Die belgische Bereinigung für den sozialen Fortschritt hat einen Bericht veröffentlicht, in dem die wichtigsten G r ü nd e untersucht worden sind, die für den Unterschied in der Bezahlung von Männer- undFrauenarbeit geltend gemocht werden. In der Schlußfolgerung des Berichts heißt es, daß bei gleichartiger Arbelt, also bei gleicher Erzeugung und gleicher beruflicher Geschick- lichkeit auch die Löhn« gleich sind, wie bei Webereien, Tabak- industri«(Anm. d. Redaktion? Wo? In Belgien?). Auch in den freien Berufen mit gleicher Berufsvorbereitung und gleichen Prüfungen stnd Männer und Frauengehälter gleich, wie im Unter- richtswefen lind Verwaltung.(?) Ein Unterschied entsteht, wo Frauen zwar bei der gleichen Arbeit beschäftigt werden, aber nicht die gleichen Stücke machen wie die Männer, z. B. bei Fayencen. Ferner tritt ein Unterschied ein, wenn Frauen trotz gleicher Arbeit nicht die oorkomniende» kleinen Reparaturen ausführen können oder sich nicht die vollständigen Berufskenntnisfe erwerben, wie in der Metallindustrie. Ferner ist der Lohn niedriger in den Gewerben, wo ein großes Angebot mm Frauen zu niedrigeren Lohnsätzen vor- Hände» ist, so daß sie die Männer verdrängen(wo?), auch dort, wo für Arbeiten«ine starke körperliche und laiiggndauernde An- strengung notmendig ist. Einen weiteren wichtigen Grund für den Unterschied steht der Bericht auch in der gewerkschaftlich sehr schwachen Organisierung der Frauen, die es da- durch nicht genügend verstehen, ihre Interessen wahrzunchmen. Der Bericht fordert bei der Wichtigkeit der ganzen Frage ein« Unier- siichung vom Standpunkt der Berufsberatung aus. Ferner soll die Berufsausbildung der Frauen gefördert werden, um den Wert ihrer Arbeit und damit ihre Löhne zu steigern. Da die wert- voll sie Frauenarbeit zweifellos die der Hausfrauen sei(?), wünscht der Bericht durch Untersuchungen einen Maßstab für den tatsächlichen wirtschaftlichen und sozialen Wert der Haus- arbeit zu finden. Da schließlich die niedrigeren Frauenlöhn« auch auf Ueberfluß an weiblichen Arbeitskräften zurückzuführen feien, müsse eine Regelung des Arbeitsmarkts durch bessere Benifsaus- bildung lmd Berufsberatung erfolgen. (3tZskere Männerarbeit bei gleichen Löhnen? In einem Bericht des Jrauenbüros des amerikanischen Arbeits- Ministeriums zur Frage des Arbeiterinnenschutzes wird erwähnt, daß durch ein Lohngejetz des Staates Michigan aus dem Jahre 1919, welches für die Metallindustrie gleichen Lohn für beide Geschlechter vorsah, viele Frauen ihre Arbeitsplätze in der Maschinen- und Metallindustrie verloren haben:„Die allgemeine Haltung der Unternehmer schien die zu sein, daß der einzige Grund zur Beschäftigung von Frauen in der Gegenwart die niedrigeren Kosten der Arbeit waren... Wenn ein Arbeits- platz ebensogut von einem Mann wie von einer Frau ausgefüllt werden kann und der Lohn müßte für beide der gleich« sein, so würde der Mann vorgezogen werden, selbst wenn die Frau eine Kleinigkeit tüchtiger wäre." 8. L. Großmutter«! Modelaunen. Einen Querschnitt aus Alt-Berlin zeigt die Ausstellung .Lrinoline und Turnüre' bei Friedmann u. Weber in der Budapester Straße(den ganzen Oktober geöffnet). Da erstehen Jetlchen Gebert und Henriette Jacoby, die Frauengestalten von Georg Hermann— der übrigens als wirklicher Kenner und Lieb- Haber des Biedermeier die launige Einleitung für den Katalog geschrieben hat— fast leibhastig vor unseren Augen: nicht nur wie sie sich kleideten, sondern auch wie sie lebten. Da ist nicht nur eine interessante historisch« Modenschau zu sehen, sondern da sind auch inst viel Liebe, Müh« und gutem Geschmack die Interieurs von damals mit all ihrem netten, zwar überflüssigen, aber doch fo charakteristischem Krimskrams geschaffen. In Großmutter? guter Stube mit den schweren dunkelgrünen Ripsmöbein, dem Wollkörbchen auf dem Handarbeitstisch, den schweren, obeinigen Bertikovs und Bitrinen, den Decken und Deckchen, dem gestickten Klingelzug und all den unzähligen, überall umherliegenden teure» Angedenken ist so ganz der Charakter der damaligen romantisch- beschaulichen Epoche wiedergegeben. Und nun erst die Kleidung damaliger Zeiten! Der erste Eindruck für den Menschen von heute ist: wie greisinnenhast wirken die meisten Kleider mit ihren»ielfach dunkten, strengen Farbtönen, darüber noch ein« schwarze Mantill« aus Spitzenstosf und die Kapatthütchen mit Bindebändern. Schon in der Biedernreierzeit beteten die Frauen der Besitzenden «inen modischen Gott an und der hieß— Paris. Nur wer dort arbeiten ließ, konnte überhaupt als modebestimmend gelten. Da gibt es denn auch eine ganze Sdeil)« echter„Pariser" Modell- Hütchen zu sehen, die für uns belustigend wirken. Ganz flach«, tellerartige Hütchen, reich mit Blumen und Bändern verziert. dann wieder richtige Kapotthütchen, überladen mit Straußfedern- köpfchen und Reiherbüscheln. Samtkapnzen mit angearbeitetem Hut. Diademhüte(Paris 1868) mit viel Goldstickerei. Perlen u»l Blumen, all« winzig klein, auf der obersten Kopffpitz« schwcbend. Di« Stoffe und ihre Farben, mögen sie nun noch so zart in Farbe und Material sein, find frisch und wirken wie neu Und ebenso qualitativ werlvoll wirkt die ganze Verarbeitung der einzelnen Kleidungsstücke, es scheint alles für die Ewigkeit bestimmt zu fein, im Gegensatz zu unserer Zeit, wo einzig das Heut« be- stimmend für alles und jedes im Leben ist. Der Stit der Zeiten von 1830 bis 1890, der hier festgehalten ist, zeigt die tollste« Mode- launen und--torheiten.