Frauenstimme j 3�.23« 42. Jo�räiäwi] Beilage zum UOttüfitfö!tS.Rov-mver4S3ö1 3m Kampf gegen das Elend. Fern vom Lärm des Tages kämpft eine fest geschlossen« Front unennüdlicher Menschen gegen di« grauenhaftesten Exzesse der Ar- tmit und des Elends, sucht mit unzureichenden Mitteln wenigstens dl« heranwachsende Jngeird aus der schlunnisten Not zu reißen, vor Berwahrivftmg und Verbrechen zu retten. Das sind die Pslege- rinnen und Pfleger der Jugendämter, Menschen, die ihr Leben dazu«sitzen, gefährdete Leben zu bewahren, Licht zu bringen in die düsteren Stätten, in die keine Sonne dringt. Groß wie die?tot ist das Feld der Arbeit dieser Pfleger: am größten naturgemäß da, wo die Armut vorwiegend ihre Quartiere hat. In Berlin bei- stüelsweise hat es zu Zeiten allein im Bezirk Wedding vierzig- tausend Arbeitslose gegeben. Sechsunddreißigtansend Sehnlkindcr gehören in den Bereich dieses JngendamtrS. W i e groß die Not hier ist, das mag allein die Tatfache beweisen, daß in der Zeil der Inflation jeder zweite Mensch hier aus öffentlichen Mitteln unterstützt wurde. Noch vor einiger Zeit gab es hier eintausend erwerbslos« Jugendliche. Dreißig Pfleger und Pflegerinnen arbeiten in diesem Bezirk. Jede Pflegerin hat durchschnittlich dreihundert Familien zu betreuem Was sie zu leisten hat, kann man sich erst dann un- geführ vorstellen, wenn man sie einmal auf einem ihrer allzeit schwierigen Gänge begleitet. In jeder Wohnung, in jeder düsteren Stube l)at die Pslegerin ein anderes Stürk Elend zu bekämpfe ir. Da gehen die Kinder nicht zur Schule: dort stich Fainilienstreitigketten zu schlichten, hier Verbrechen zu verhüten oder ihre Folge» zu trage«: dort muß man die Kinder den Ellen, abnehmen und da wiederum sind die fittliche« Zustände grauenerregend. Ost ist der Anblick der helsendcn Frau nicht beliebt. Zwar gibt es Leute, die sie mit dankerfüllten Augen freundlich grüßen: oft aber auch winkt ihr ein drohendes K ü ch e n m e j s e r. und nicht selten folgt unfrvmmen Abschiedswünschen ein Kübel kalten Wassers hinterher. Besonders, wenn den Eltern wegen Unzuverläfsigkeit das Sorgerecht über ihre Kinder entzogen werde» muß. dann setzt es oft recht schwere Kämpfe mit rabiaten'Vätern und hysterischen Mutten,. ./zier", sagt die freundliche Pslegerin, die ich begleite, vor einer triste«, schmutzigen Wohnung,„hier hätte ich beinahe«iiunal ordcill- lich mit einem K r ü ck st o ck abbekommen. Hier hauste ein Kriegs- beschädigter, schwer tuberkulös. Mit seiner Stieftochter hatte er drei Kinder. Alles hauste In einem Zimmer. Di« Kleinste brachte ich in Fürsorgeerziehung. Das wäre mir säst schlecht bekommen. Aber ich war stärker als der Mann." Sittüchkeitsverbrcchcn sind hier eins der traurigsten, leider nicht seltenen Kapitel.—„Neulich hatte« wir in einer einzigen Woche zehn Fälle von Sittlichkeits verbreche» an kleinen Kindern, allein in meinem Bezirk." Jedes Saus, jede schmutzige Mauer erinnert die Frau an irgendeinen traurige« Fall. ..Zehen Sie, hier wohnt ein Trunkenbold. Seine erste, ordentliche Frau ging von ihm fort. Dos Kind blieb bei ihm Er heiratete wieder eine ordentliche Fra», die früh arbeiten ging.' Er selbst war arbeitsunfähig. Das zwölfjährige Mädchen ichlies in der Ritze zwischen den Betten der Beiden. Nach zwei Jahren bekommt das Mädchen ein Kind. Zwei Jahr« lang hat es ein Verhältnis mit dem eigenen Rater gchabt. Es konnte selbst nicht unterscheiden, was väterliche Liebe, was Trieb war, Sic hol ihren Vater sehr gern gehabt. Jetzt ist sie in Fürsorgeerziehung. Es ist leider nicht die einzige vierzehnjährige Mutter, die ich in meinem Bezirk habe. Ich habe sogar ztoolfjährige Mütter. Und was— ich bitte Sie— soll einmal ans den Rindern dieser ZNnder werden?" Wir kommen an einem Milchladen vorbei. Da arbeitet ein kleines Wesen.—„Das ist auch ein Mündet von mir. Neunzehn Jahre alt und wiegt sünftiirdsiebzig Pfund. Durch Zufall habe ich festgestellt, daß es schwere M o r p h i u l st! n ist. Sie muß irgend- wo einen Apotheker haben. Aber ich kann den Menschen nicht aus- findig machen." Weiter geht es Haus um S)aus. Not an Not.„Hier wohnte eine Familie mit acht Kindern. Kinder aus der ersten Ehe des Maiiiies, Kinder aus der ersten Ehe der Frau. Kinder aus der Ehe der Beiden. Was die alles angestellt habe«, das tonnen Sie sich gar nicht vorstellen. Das Gericht hat Strafen gefüllt wegen Homo- lcxualllüt, wegen Vergehens des Vaters an seiner unmü»ddigen Tochter, wegen Kuppelei, wegen Abtreibung. Und da wuchsen die Kinder aus. Wir haben sie schließlich alle acht in Fürsorge- erziehung geben müssen." Unendlich viel Schuld trügt die her geradezu grauenhoste Wohnungsnot. Ganze Familien, mehrere Generationen oft, Hausen in einem Zimmer, in einem Bett. Wenn man das mit an- sehen muß, dann wundert man sich über nichts mehr. „Und dock»", ergänzt meine Führerin.„gibt es auch Fälle, in denen die Wohnungsnot nicht veranlwortiich zu machen ist. Ich will Ihnen einen Fall erzählen, der mir viel Arbeit gemach hat. Die fiinszehnjährige Tochter eines hochgeachteten Rektors stahl in Nachhilfestunden, die sie gab. Um die Fürsorge- erziehnirg zu vermeiden, gab der Voter sie in ein Schweizer Pen- sionat. Auch da tat sie.nicht gut. Ging fort. Kam aber nicht wieder Hein,. In Frciburg fanden wir ihre Spur. Die Fünfzehn- jährige, die außerordentlich stark«rrt wickelt, mindestens wie neunzehn, zwanzig Jahre alt aussieht, hatte nachgewiesenermaßen mit mindestens fünfzeh» jungen Leuten gegen Entgelt verkehrt, mehrere angesteckt und lag ein halbes Jahr Zchiver krank In Freiburg.' Eine Pslegerin brachte sie zu uns. Kaum war sie da, so rückte sie wieber aus. In der Friedrichsiadt lebte sie als Proftitnierte. Ich machte da» Eafö ausfindig, in dem sie verkehrt, und ging mit einem Pfleger hin. Ein« Kollegin von mir rief uns aus die Straße heraus und übergab uns einen Zettel von Ilse. Sie käme nicht in das Eafc, da sie uns gesehen l>abe. Ich suchte sie in verschiedenen Kaschemme». Sie ließ mir sagen, daß sie sich die Haare habe schneiden und färben lassen nnd meine Bemühungen zwecklos seien. Die Polizei sucht sie. Ilse ist nicht zu finden." „Unsere Arbeit hat Grenzen," sagt die Pflegerin mit einer gewissen Resignation.„Wir können lange nicht so viel tun, wie wir wolle«, und wie nstwcndig wäre. Zu allerer st aber müßten menschenwürdige Wohnungsverhäitnisf« da sein. Dan» würde vieles nickst geschehen. Das Traurigste aber ist, daß auch dann, wenn wir diese armen Kinder in Fürsorge bringen, erst der kleinst« Teil getan ist. Mit einundzwanzig Jahren«erden all« wieder der Gesellschaft zurückgegeben. Wir Fürsorger schreien nach einem Re- wa h r u n g s g ese tz, das die Gesetlschast vor«sozialen Elementen schützt." Aber, das ist die bittere Frage, die einem auf den Lippen lastet: Sind denn die Asozialen aus sreien Stücken so geworden? Hat sie nicht grenzenloses Elend erst dahin gebracht?... dl. dlolir. „Lhre Freundlichkeit ist gekünstelt." Zn den Wohnungslöchern hinter der Butterfitiale- nur die jüngsten Kraste werden beschastigt. Dic Wlrtlchait»dcpr«stion wirkt sich naturgemäß auch aus den Einzelhandel aus. Besonders wind dadurch die Lag« der weidlichen Augestellten verschlechtert. Zdicht so sehr am Arbeitsinartt, der bisher verhältnismäßig In diesem Falle günstig war, sondern mehr im Betriebe der großen Firmen z. B. des Butterhandelz mit ihren vielen Filialgeschästen. Die soziale Lage dieser weiblichen Angcstelltenkategorie war ja nun noch nie besonders rosig gewesen. Die gegenwärtige Wirt- schastsnm wird aber immer mehr von diesen großen Finnen, die »on 2S bis zu 180 Filialen in und um Berlin haben, dazu aus- genutzt, die Ausbeuturrg dieser, leider noch immer schlecht organi- sierten Angestellten bis aufs äußerste zu betreiben. Es ist immer- hin verwunderlich, wemi z. B. in dieser Zeit eine Firma in kurzer Frist die Zahl ihrer Filialgeschäfte von 13 aus 27« r h ö hl. Der trotz allem naturgemäße Rückgang des Absatzes von Buller und das Uebergehen aus den Margarmekonsum wird nicht etwa mit der sinkenden Kaufkraft der Bevölkerung begnindet, sondern mit der mangelnden„Freundlichkeit der Verkäuferinnen". Die über Gebühr «usgebauichte Verwaltung beschäftigt sich allwöchentlich in leiten- langen Rundschreiben mit diesem Thcina und scheint sich darin zu »rschöpsen. In einer Filiale einer gut bekannten Firma, deren Inhaber im Auslande sitzen, sagte ein Kontrolleur zu einer Ber- käuserin: Daß man sonst mit ihr zufrieden sei, sie hätte aber awe zu gekiinsicllc Freundlichkeit. Dazu ist zu sagen, daß die Arbeitszeit von 8 bis 19 Uhr. mit einer kurzen Tischzeit, die oft nicht eingehakten werden kann, dauert, wozu noch, nach Schluß, Reinigung des Ladens, Tische scheuern und Fensterbauon kommt, so daß erst gegen 20 Uhr das Geschäft verlassen werde» kann. Woher dic geplagten Vertäu serinuen in dieser Tretmühle eine natürliche Freundlichkeit nehmen sollen, bleibt das Geheimnis dieses Herrn. Die Unwissenheit der jungen Mädchen über Tarisoertrog, Betriebsrat und verband ist groß, ost einfach katastrophal. Eine der schon genanmen Firmen spekuliert daraus und beschäftigt im Prinzip nur ganz junge Verkäuserinnen; auch als erste Berkäuserinncn. Die letztere Tatsache hat ihren Grund auch darin. daß sich das Gehalt nach Berussjahren staffelt und mit der Engagierung junger erster Verkäuserinnen und auch auderer wird dieser Kalamität für die Firmen aus dem Wege gegangen. Sehr Interessant ist in diesem Zusammenhange, daß man die durchaus gegebene Bezeichnung Filialleiterin vermeidet, weil diese ein größeres Gehalt beanspruchen können und die Leiterin, di« für alles verantwortlich ist. als erste Verkäuserin bezeichnet. Schlimm Ist die Wohnungsfrage geregelt. Ii» Durchschnitt müssen drei Mädchen in einen, Zimmer wohnen. Ost find es kleine, unfreundliche Räume h I n t e r de n L ä d e», die dam,, von undefinierbaren Düften aus den Läden durchweht werden. In anderen Fälle» mietet die Finna möblierte Zimmer, die oft ohne den allsrnotwendigsten Komfort den dort wohnenden Mädchen nicht die dringlichsten hygienischen Verrichtungen(weil Küche und Gas- Herd fehlen), wie Bereitung von warmem Wasser zum Waschen usw., gestatten. Nur selten sind einigermaßen angenehme Wohnungen vorhanden. Unerhört ist aber, daß den Verkäuserinnen nicht gestattet ist, die von den Firmen gestellte Wohming auszugeben� wenn sich für sie eine bessere Wohngelegenheit bei Eltern oder Bekannten ergibt. Die Worte der Verurteilung fehle» einem aber, wenn man erfährt, daß eine der genannten Firmen di« Aufgabe der gestellten Firmen- Wohnungen selbst dann nicht gestattete, sondern nrit Entlassung drohte, als eine Mieterhöhung von 12 auf 30 M., also um 150 Proz. durch die Finna erkt lange nach Abschluß des Arbeitsvertrages mit der Miettlaujel erfolgte. Der Gipfel der Ausbeulung aber wird durch zwei Maßnahmen einer Firma, die in letzter Zeit getroffen wurden, erklommen. So ist von Verkäuferimien eines Jilialgeschäftes in der Uhlandstraße, wie auch in anderen Geschäften, verlangt und auch durchgeführt worden, daß sie schon um KS Uhr statt kurz vor 8 Uhr in, Laden sein müsse». Auf den Protest der Mädchen erwiderte der Kontrolleur der Firma ..sein", aber deutlich, daß die Konkurrenz sehr groß sei und sie doch bedenken müßten, daß es sehr viele arbeitslose Verkäuferinnen gäbe. Dieselbe Drohung wurde ausgestoßen, als sich die Verkäuferinnen weigerten, eine» Bevcrs zu unterschreiben, der sie orrpslichtele, sehlende Summen in der Sasse zu crsclzen. Wie das di« Mädchen bei den geringen Gehältern, die sie bekommen, tun sollen, ist rätselhast. Die sozialreaktionäre Gesinnung dieser Unternehmer zeigt sich in diesen Handlungen ganz deutlich. Das Bild rundet sich ab, wenn man noch ersährt, daß z. B. das Ergebnis der monatlichen Inventuren nicht einmal den ersten Skrtäusc- rinnen, geschweige den anderen mitgeteilt wird, sondern die Mädchen immer mit dem Bemerke» zur Arbeit angetrieben werden, daß die Inventur nicht stimme. Aus diese Machinationen muß einmal dic OcsjemUchkcit aufmerksam gemacht werden, damit das kaufende Publikum erkennt, umcr welche» schweren Bedingungen die Verkäuserinnen im Einzelhandel arbeiten müssen. Dem ZdA. erwächst die schwere, aber notwendige Ausgabe, hier Aufklärung unler den jungen Mädchen zu oerbreilen und sie für den Verband zu gewinnen. Rur in der Organisakion sind sie stark genug, sich gegen dic Willkür der Unternehmer zu wehren. Das Armenrecht der Ehefrau. Will dic Ehefrau eine Scheidungsklage oder eine sonstige Klage gegen ihren Echenmiin einreichen und dazu das Armenrechl de- antragen, so stehen unsere Gerichte ans dem Standpunkt, daß sie auch ein Armutszeugnis für den Ehemann beibringen muh. Ein Animtszeugnis für ihre elgene Person genügt nicht. Dies beruht darauf, daß bei gesetzliche», Gülerstandc der Ehennnu, die Verpflichtung hat. die Prozeßtosten vorzuschießen, wen» er dazu imstande ist. Die Frau würde also in der Lage sein, durch Vorgehen gegen ihren vermögenden Ehen, an», die Kosten auszubringen und auch zu bezahlen, selbst wenn sie persönlich arm ist. In den n, eisten Fällen liegt es nun aber so, daß die Armut des Ehemannes unzweifelhaft ist. Das Armutszeugnis für den Ehemcm» wird aber unter allen Umständen verlangt. Znftandig für die Ausstellung des Armutszeugnisses sind i» Berlin die Wohlsahrlsämter. Nach einer Verfügung des Justizmimstcrs von, 11. Juli 1020(Juftizministerialblatt S. 282) soll es aber von diesen nur erteilt werben, wenn eine Bescheinigung des Finanzamtes vorgelegt wird, aus welcher sich die Veranlagung des Ehemonncs zur Einkommen- und Vermögenssteuer ergib, und, falls ein« solch« Veranlagung nicht erfolgt ist, aus welchem Grimdc sie unterbliebe» ist. Ist eine Veranlagung nicht erfolgt, weil der Ehemann lediglich Einkommen aus Lohn oder Gehalt bezieht, so genügt eine Bescheinigung des Arbeitgebers über die j Höhe der Arbeitsvergütung. Nach einer weiteren TZerftigung des Justiznnnisters vom 14. Januar 1930(Iustizmintsterialblatt S. 11) genügt ein« Bescheinigung des Wohlfahrtsamtes über die erhaltene Unterstützung, falls der Betreffende sich in öffentlicher Fürsorge befindet. Die Finanzämter geben nun, falls die Eheleute geircnnt leben, der Ehefrau mit Rücksicht aus das Steuergeheimnis in der Regel die erforderliche Bescheinigung nicht, wem, der Ehemann nicht seine Einwilligung dazu gibt. Ebenso veriveigern die Wohl- sahrlsämter in der Regel die Ausstellung des Armutszeugniiies für de» Ehemaim, wenn dieser sie nicht auch selbst beantragt. Die Folge ist, daß der Ehemann, wenn er-die Anstellimg der Klage verhindern will, sich weigert, die von ihn, verlangte Beihilse zu leisten. Hiergegen gibt es„ach der zurzeit herrschenden Praxis kaum sin wirksames Mittel. Eiuheikliche Richtlinien für die Wohlfahrtsämter sind nicht erlassen. Manche Wohlfahrtsämter stellen Zwar auch der Ehefrau ei» Armutszeugnis für den Ehemann aus, aber es fehlt dann an der erforderlichen Bescheinigung des Finanzamts, ohne die das Gericht in der Regel das Armenrechl nicht bewilligt. Di« Finanzämter ihrerseits sind an ihre Vorschristoi, betreifend das Steuergeheimnis, anscheinend unbedingt gebunden und gehen in Interesse der Frau nicht davon ab. Die unglücktichcn Frauen werden von einer Stelle zur anderen geschickt und geraten ost geradezu in B e rzw c i s l u n g. Hier müßte unbedingt Wandel geschaffen werden. Es müßten entwedcr die Wohlfahrtsämter' generell ermächtigt werden, die Armut des Ehemannes auf Grund von aivgcstellten Ermittlungen zu b e- Ich ei„igen, auch ohne daß dieser den Antrag stellt, und es müßte ihnen ferner die Befugnis gegeben werden, die ersorder- licheu Bescheinigungen des Finanzamts ohne Rücksicht aus da- Steuergeheimnis von diesen einzuforden, oder aber es müßten von, Gericht andere Mittel zur Glaubhaitmachung der Armut des Ehemannes als die amtlichen Arnuuszeugnlsse zugelassen werden, z. B. eidesstattliche Versicherungen. Der gegenwärtig« Zustand be- darf unbedingt der Abhilfe. De. Kurt Rosenberg. „Die gesiali In jede? Ausstellung, die Kunstwerke ans vielen Lagern bringt, macht der kritilche Betrachter die ersrenlid)« Feststellung, dast die Frauen sich als Sch«ifs«nde sehr wähl behaupten, oft der Mehr- zahl der männlichen Kollegen an Können und Empsindung über- legen sind. Verständig« bestreiten heute schon längst»lcht mehr die Eignung der Frau sür den tiliisllerlsche» Berus, auch über die selbst von de» Gegnern zugestandenen„Ausnahmen" vom Range der Kollwig, Laurencin und Modcrsohn-Beckcr hinaus. Um der Oessenllichkeit einen gut«n und handgreipichen Beweis von dieser Wahrheit zu geben, hat der Deutsche Siaalabürgerinneu- Verband im Warenhausc Wertheinr eine Ausstellung„Die gestalteirdc Frau" veranstaltet, die an einem allgemein zugänglichen und viel- besuchten Orte, ausgezeichnet ausgeinacht. einen vorzüglichen Ouerschnitt durch das weibliche tulnstlchaiien der Gegeuwarl in Dculichlond bietet!»nt natürlicher Bevorzugung Berlins, wo sich ja aus allen Gebieten die besten Schofseiiden zusamm«usind«n. Äninerhin be- koinnrt man einen starke» Elndnick nicht nur von glücklicher Durch- dringung aller künstlerischen Berufe durch die Frau, londern auch von ihrer Ausbreitung ,'ib«r ganz Deutschland. Gleich d«i der B a u- k u n st, die man Im allgemeinen, wiewohl zu Unrecht, als rein niännliches Betätigungsfeld ansieht, überraschen u. a. zwei lstichsi be- gable Bertreteriunen aus dem Norden und den, Süden: H a n n a h L ö o, Rcgierungsbaumeister in München, mit schönen klar ge- gliederten Lauten von Postämtern und Siedlungen, und Dr.-Jng. Marie Frommer, die i» Berlin verschiedene Ladenbauten sz. B. Leiser) und Inneneinrichtungen mit großem Geschinack und einem den Durchschnitt weit überragenden Gefühl sür architektonische Gestaltung ausgeführt hat.!v!an sollte ihr dcnniächst Gelegenheit zur Errichtung selbständiger Bontcn geben; diese Frau stellt sich durch ihren Instinkt sür echte architektonische Wirkung und durch ihr gediegenes Können tatsächlich den Besten ihrer männlichen Kollegen von modernster Art an die Teste. Ausdrücklich sei bernerkt, daß es sich bei diesen Baumeisterinnen nicht um«i» bloßem Wirten welblicher Geschinackskultur l)andcll. das nwn allenkalls auch gelten lasten könnte, wie das so vieler tüästiger Innendekorateure. sondern »ni ernsthaften Wettbewerb- mit den Führern der modernen „sunktionalistischen" Baukunst. Man hat ste ohne Rücksicht aus Ihre speziellen Fraueiwlgenschasten zu werten. Dos gilt ivohl auch von der Garienarchilektin Martha Willings-Göhre und von den Raumtünstlerinnen. die, wie die ausgezeichnete Martcl Schwlchtenderg, von der Malerei herkommen. fSchade, daß gerade von ihr keine Proben ihrer graziösen Wandmalerei ausgestellt sind.) Die Einrichtung von Wohn- und Büroräumen ist dank der besondere» weiblichen 3% gabung für Geschmack und Wohnlichkeit«in Gebiet, das den Künstierlnnen mit größte», Erfolg anvertraut werden kann und Ihnen eine bedeuteiche Tätigkeit in der Zukunft verspricht. Mit Bergnügen folgt man der Anordnung des Katalogs, der nach der Zlrchltekiur die Plastik «nordiiet. chier gibt es eine so große An. zahl hochbegabter Meister weiblicher Herkunft, daß für den. der unsere Ausstellungen ausmcrk- sam verjolgt hat, die Auszählung der Namen genügen dürfte. Di« Wertheimschau bringt natürlich nur Stichproben. Tina H a i m- W e n t s ch e r, Jenny W i e g n, a n n, Willy S t e g e r, Ilse Fehllng-Witting, Ellen C a tz« n st e i n, Emma Cotta. Cmy Roeder, Sophie W o l f s sind oft und nachdrücklich als glänzend« und weit vorgeschrittene Vertreterinnen ihrer Kunsr g«. nannt worden. Ruth Schaum an u aus Frankfurt und auch Judith Speer fungieren hier als Bildneriimen von Porzellanslguren: sie gehören damit aber(und mit ihrem sonstige» Werk) durchaus in die Reihe unserer bedeutenden Bildhauer. Es folgt das fast unübersehbare weit« Feld mrlerer Malerinnen, aus dem man sich schau durch ganz besondere Leistungen auszeichnci, muß, um über ein stattliches Mittelmaß einporzuragcn. An erst«? Stelle steht da die vcrehrungswürdige Gestalt von Käthe Kall miß, die allerdings unter„Graphik" aufgeführt wird. Ihre Zeichentunst Ist aber von einer so überzeitlichen Größe, daß eine Ilntericheidung von graphiscfyw und malerischer Tätigkeit nicht am gebracht ist: sie hat bewies«!,, daß man auch mit bloßem Schwarz- Weiß die höchsten und crschültcrndstim Wirkungen aus die'Menschheit hervorbringe» kann. Und diese Wirkung, sa Uederlegenheit der bloßen Zeichnung ossenbart sich auch bei Künstlerinnen wie Emy Roeder, Erna Pin»er(Jranksurt) und der bislzer noch lvenig bekannten hochbegabten Hilde B r o e d e r. Unt n I n g« r und Moholy-Nagy, Frau Rieß. Gcrty Simon und, an erster Stelle zu nennen, Hedda W a lt h« r nrit ihnen herrlichen Tierausnahmen, legen»eben vielen anderen Zeugnis ob von dem eminenten Können der Frau. Dr. Paul Ferch Seiimait, Lina Morgenstern. Zu ihrem hunvertsten Geburtstag') Di« aus Breslau stammende, an, 25. November 1830 geboren« Kausmannstochter Lina Bauer begann schon als ganz jugendliches Mädchen et»« soziale Wirksamkeit zu entsalten, die sie spSter als Gattin eines Berliner Kaufmanns trotz(oder vielleicht gerade des» wegen!) Ihrer fünf eigenen Kinder im ausgedehntesten Maß« bis zu ihrem im 80. Lebensjahr erfolgten Tod« jortsührte. Aus ihr Be- treiben wurde 1859 ein„Frauenverein zur Förderung der Kinder- gärten" ins Leben gerufe», den, es gelang, das damalige Verbot der«staatsge fährt ich« n" Kindergärten auszuheben und' acht solcher Anstalten zu gründen.— Die Kinderbücher der mütterlichen Frau fanden viel'Anklang. Am tiessten im Volksbcnmßtsein lebt Lina Morgenstern als Begründerin der Berliner Volksküchen von 1806. die in ollen Ländern Nachahmung gefunden haben. Sie sollten kein« Almosen- anstalten sein(nur ganz Bedürftig« erhielten Frelspeisung), sondern den breiteste» Masten des Volkes ein wohlseiles und nahrhaftes Esten bi«t«n, eingedenk des Wortes Friedrich des Großen:„Alle Kultur geht vom Magen aus!" Gleichzeitig wollte man dem Alkohol. zwang der Gastwirtschaften steuern. Das Prinzip der Volksküchen wurde 1870 aus die B a h n h o s S» spei s«n g der Truppen angewendet, für die auch Rettungsstationen durch Lina Morgenstern geschossen wurden. 1873 wurde auch durch die Initiativ« der unermüdlichen Frau der Hausfrau enverein gegründet mit dem ersten Ziel der Be» jchafsung billiger Lebensmittel.(Wie attnell Lina Morgensterns do- nwltger Vortrag Im Berliner Rathaus über das Thema:„Was kö»men die Hayssrauen tun, um der Lebensmttteltenerung zu steuern?"!) Verein und Kochschule, sowie Frau Morgensterns „Universalkochbuch" stnd noch jetzt lebendig. Noch mancherlei Wohlfahrtseinrichtungen verdanken der nie Rastenden ihr Dasein, u. a. auch«in K>» d e r s ch u tz v e r e l n. um der damals üblichen„Engelmacherei" zu wehren und ein Perein>ür strafentlastene minderjährige weibliche Gesangenc, aus dem sich später das„Henrierrcnhaus" in Mariendorf bei Berlin«ntwiikelt hat. Für die Weltausstellung in Chikago lieserte sie Material über die aus ihre Anregungen hin geschossenen Dienstboten- und Kachschukm, Volksküchen usw.— Noch jetzt existiert in New Bork eine„Lina- Morgenstern-Logc" zur Erziehung von Mädchen. 1896 berief sie im Verein nrit Minna Caner und anderen Freuen den 1. Internationalen Frauentangreß. aus dem u. a. Lily Braun über die„Arbeiterinnenirage" und die bekannte Moria Montessori über„den Lohn der Arbeiterinnen" reserlertcn und auf dem u. a. auch weibliche Fabrikinspeklorei, und Erweitern,� der *) Schriften:„Frauenarbeit in Deutschland",„Die Frauen des 19. Jahryundms",„Das Paradies der Kinder"(iür Erwüchsen:) unh anderes. Ärbeiterschuizgesetzgclmng verlangt wurden. Lina Mvrgenstern selbst sprach bei dieser Gelegenheit über gesuntcheitliche Fragen und forderte angesichts der vielen durch die Unwissenheit der jungen Frau-en er- folgten Erkrankungen auch eine Art Eheberatung. Man wundert sich überhaupt bei dem Lesen ihrer Schriften, wie modern dies« eigentlich der„älteren" Frauenbewegung angehörende Frau noch heube wirkt. So sprach sie auf dem genannten Kongreh auch über die Friedensfrage und faird die mehr denn je 3«�- genräßen Worte!„Auch die Schule sollte im Geschich!�u»terricht den Nationalitätenl�aß zu nähre» w-nneiden. Bei der Begeisterung und glühenden Liebe zum eigenen Aaterlnnde und zur Heimat sollten wir doch nie vergessen, daß die Erde unser aller theimat ist und daß wir Menschen einen Urspning und«ine Erde haben, und nicht der Haß. sondern die Menschenverbriiderung aller Völker sei das letzte Ideal der Menschheit." Charlotte Reichel. Oie Krau in Ts'istojs Werken. Tolstoi wurde etwa in jener Zeit als Schriftsteller bekannt, al» der Kampf um die geistige Entfaltung der Frau seinen Ansang nahm. In den sechziger Iahren des vorigen Jahrhunderts mag auch in den russischen Bürger- und Adelsfamilien diskutiert worden sein über Kindererziehung, Mädchenbildung, Berufsarbeit der Frau. Mitbestimmung der Frau im Staate und ähnliche Fragen. Die Frauenrechtlerin in einseitigster Ausprägung war ein nicht seltener Typus. Die jungen Mädchen der besseren Kreise begannen einige Illusionen zu verlieren, was nicht weiter verwunderlich war. denn wie hätte etwa die Idee von der Heiligkeit der Ehe sich behaupten können, wenn die Prostitution, das..Verhältnis" im Leben der Männer eine solche Rolle spielten und das Iungg«seUcn!eben bald nach den Flitterwochen wieder aufgenommen wurde? Wie sollten Ehe und Kinder zum Lebensinhalt iverden. wenn der Haushalt von den Dienstboten versehen wurde und die Kinder von bezahlten Personen herandressiert wurden, wie es der Brauch oerlangte? Tolstoi hatte während seiner Jugendzeit ein rührend herzliches Ber- hältnis zu einer Verwandten, die an Stelle seiner srühverstorbenen Mutter dem ftauswesen vorstand. Bei seiner großen Empfänglich- tetb für alle Eindrücke prägte sich diele Gestalt seinem Gemüt« für immer ein. Während sonst in der Literatur d« Frau, die über die erste Jugend hinaus war. und als Gegenstand der sinnliche» Leiden- schast keine Rolle mehr spielte, überhaupt nicht existiert«, hat Tolstoi die Frau aller Lebensalter, aller Stände, schöne und reizlose, weltlich und himmlisch gerichtet« lebendig und gegenwartsnah vor uns hin- gestellt. Sein umfassender Geist konnte nicht nur eine sinnliche Be- ziehung zur Frau haben und auch seiner Gattin, die er mit tüns- unddreißi? Jahren heiratete, brachte er die ganz« Fülle von 5?erz und Seele entgegen, die ihm eigen war. Oie späteren Stürme seines Ehelebens entsprangen der besonderen Charakteranloae der beiden stark ausgevrägten Naturen. Nirmais aber mußte Sonja Andre- jewna Tolstoi um die Treue ihres Gatten besorgt lein. Litten beide Gatten Eiferfuchtsqualen, fo schrieben sie das. ihrem eigenen stürmischen Temperament zu, ohne einander eigentlich zu oerdäch- tiqen. To'stoi Hot viel« der Frauen, die ihm in der Gesellschaft oder im Kreise der eigenen großen Familie begegnete», in seinen Werken festaeballen und sich, damit als einem der besten Frauen- schilderer ein Denkmal' gesetzt Da ist in„Krieg und Frieden" die entzückende 91 a- t a s ch a. Dunkel, schmal, lebhaji Sie nimnit eine Werbung mi, weniger weil lle oerliebt, als wei! sie aus den Bewerber stolz-st. Bei der Flucht aus Moskau im Kri-gsherbst 1812 räumt sie rück- stchtslos die eiterlichen Möbelwagen ab und läßt Verwundete darauf laden. Sie leidet Gewissensnot und erwacht erst wieder zum Leben, als es gilt, die Mutter zu trösten. Nach der Wiederkehr friedlicher Zeiten heiratet sie. Am liebsten hatte sie solche Käste, zu denen sie ..ungekämmt, im Schlafrock, mit ihren großen Schritten aus dem Kinderzimmer hinauslaufen konnte, uin ihnen mit freudigem Gesicht eine Windel mit einem gelbe» Fleck statt eines grünen zu zeigen und die tröstliche Versicherung zu hören, daß es jetzt oem Kinde viel bester gehe" Nach sieben Jahren Ehetebens liatte Rataschas Gatte „das feste Bewußtsein, daß er kein schlechter Mensch war. und er hatte dieses Bewußtsein deswegen, weil er sich selbst in seiner Frau widergespiegelt sah". Kann man schöner über eine Ehe schreiben? Nataschas Freundin und spätere Schwägerin Marja ist anders ocr- anlagt Häßlich, von tiefer Frömmigkeit, innerlich lange unfrei durch Vereinsamung und tyrannische Lieb« ihres alten Vaters, findet sie in Nataschas Bruder einen Lebensgefährten.„9lur so irgend- eine Malwine liebt man, weil sie schön ist.. bekennt der Gatte. „Wenn du nicht da bist, oder wenn zwischen uns etwas gewesen ist, bin ich wie verloren und kann nichts tun. Hier, liebe ich etwa meinen Finger? Nein! Aber versuch! einmal, ihn mir abzuschneiden!" — Das ist die Ehe zwischen Nitolas und Marja. Rührend in ihrer Lebenswärme find auch andere Gestalten, so in..Anna Karenlna", die Gattin des leichtsinnigen Stephan Arkadjewitscy. die fünffache Mutter Darja Alcxandrowna, die auf ihre Kinder so stolz ist l„es sind eben irgendwie besondere Kinder"), und die dem erzürnten, well abgewiesehen Freier ihrer Schwester 5kitly so klug zuredet:„Sie machen Ihren Antrag, wenn Ihr« Liebe völlig gereift ist, oder wenn Sie sich zwischen zwei Frauen endgültig für eine entschieden haben. Das Mädchen... kann aber nicht wählen, sondern nur sa oder netn sagen." Das Idea! etnsr Ehe bietet die schließlich doch zustande gekommene Derdindung kitty« mit dem vorher abgewiesenen Konstantin Lewin. Wie Kittqs Neligiositac und Lewins Unglaube sich vertragen, Kitty als Pfleger!« des sterbenden Schwagers Nikolai, Kitty und Lewin in Erwartung des Kindes, die Geburt selbst.... wie Lewin den Arzt alarmrert... — wer hat solche Dinge geschrieben, die so einfach und so erhaben zugleich sind. Dokumente des Alltags, irdische 5)ymnen, unvergeßlich in ihrer Wahrhaftigkeit; Eine grausame Schilderung der In Konvention erstarrten Frau finden wir im„Tod des Iwan I l j i t s ch":„Du solltest Morphium nehmen." sagt die Fron zu dem todkranken Gatten, bevor st« sich von ihm verabschiedet, um lns Theater zu fahren. Seelenlos ... Geist und Gemüt im Korsett erstickt. Dame im schlimmsten Sinne. Da ist endlich auch die Lebensgeschichte der Masiowa in„Auf- e r st e h u n g". Waise, von zwei alten Adelssräuletns als Haustochter gehalten, wird die Sechzehnjährige von dem jungen Neffe» der Damen verführt. Sie erleidet das ganze traurige Schicksal, da- der unehelichen Mutter damals noch zuteil wurde, und landet nach einiger Zeit Im Bordell. Nach mehr als zehn Jahren kommt sie wegen einer Mordsache vor ein Gericht, dem Fürst Nechljndow, ihr«he- maliger Verführer, als Beisitzer angehört, und wird von diesem erkannt. Als sie unschuldig, durch ein Fehlurteil zm Zwangsverschickung verurteilt wird, folgt ihr der Fürst und bietet ihr die Ehe an. Aber sie kann ihr Leben nicht mehr zunickdrehen bis zu der Stunde, da der junge Weltmann das einfache Mädchen bedenkenlos verführt hatte. Sie will kein« Genugtuung mehr. Sie heiratet einen Gesangenen. Hier wie auch in der„Kreutzer- s o n a t e" klingt stark der Sexualethiker Tolstoi durch.„Wir machen die Frauen zu Sklaven, und sie rächen sich an uns durch die Ver- dorbenheit des Charakters, die wir selbst verursacht haben." In dieser Erkenntnis gipfelt die Darstellung der..Kreutzersonate". Rings um die großen Werk« schlingt sich eine Füll««pisoden- hafter Figuren in den kleineren Erzählungen., Bauernfrauen, Mägde, Großmütter, junge Mädchen..„Alles sein leckererer ländlicher Imbiß) roch und schmeckte gewissermaßen nach Amsja Feodorowna, war ebenso sasti-g, sauber, weiß wie sie. und alles erinnerte an ihr freundliches Lächeln," heißt es von einer Haushälterin. „Wahrheit... immer, immer suchen,"— so entstanden die liebenswerten Frauengestalten Totstois. I.uise.Baumxnn. Mark Ttvains Krawatte. Mark Twain, der bekannt« amerikanisch« Humorist, verwandte recht wenig Sorgfalt� auf seine Kleidung. Eines Tages stattet« er seiner Rachbari», Frau Harrtet Beecher-Stowe. der Autorin von.Fintel Tonis Hütte", einen Besuch ab. Als er nach Hache.zurückkam, empjing ihn seilte Gattin mit Vorwürfen:.Feme Liederlichkeit übersteigt all« Grenzen! JDu warst bei Mrs. Stowe chne Krawatte."— Mark Twain begab sich oh»« ein Wort zu sagen, ins Schlnfziminer. Nach einer Welle kam er mit einem kleinen Päckchen heraus und befahl dem Diener, das Päckchen cmf der Stelle der 91achbarin zu bringen. In dem Päckchen lagen die Krawatte und ein Brief mit folgendein Inhalt: �In diesem Augen- blick erfahr« ich von meiner Gattin, daß ich bei Ihnen ein« halbe Stunde long ohne Krawatte gesessen habe. Anbei meine Krmvatte. Ich bitte Sie, diese eine Weile lang anzusehen und dann wieder zurückzuschicken."_ Kindergeist. Das sechsjährige Karlchen wird von einem Lastauto angefahren und— glücklicherweise nicht allzuschwer— verletzt. Da der Jung« bei den Nachbarn außerordentlich beliebt ist, weiden ihm an sein Krankenbett allerlei Geschenke gebracht, u. a. auch ein« Sparbüchse mit einer Mark Inhalt. Am vierten Tage nach seinem Unfall sitzt Karlchen mit verbundenem Kopf im Bett und mustert die ihm gespendete» Geschenke.„Mutti." fragt er plötzlich uackzdenklich,„gibt's für eine Mark auch Bier?"„Gewiß Liebling!"„Auch drei Flaschen?" „Ja, die gibt's!"„Ach. Mutti, dann hol' doch für mich'ne Malz und kür Vati und dich jeder'ne Flasche helle» Bier!— Und dann�nachen wir„P r o st", daß ich nicht totgefahren bin." -!- Ain Sonistag vor der Wahl kamen abends Lastkraftwagen init Nazis vor dem Vertehrslokal in der Wiener Straß« vorgefahren. Die Hakenkreuzler wurden von einigen dort lvartenden Gcfinimngs- freunden mit Heilrufen empfangen. Erwin sagte darauf:„Meinen die nun, daß dort, wo sie waren, alles heil geblieben ist. oder daß sie alle heil wieder zuriickqekoimnen sind? Man weiß doch nun gar nicht, was heil ist? Wir ruseu„F r e u u d s ch a f t", dann wiss-:n doch gleich olle, daß wir nur Freunde wollen und keine, die da immer gleich hauen.