BI|!SS*S!SS!»S!S5SS5E!5!a!�55SS*SESBSSSS ZrauenMme j�f. I. 46 Labrc-anaj Btilllge ZUM THOXXO&Xi� 1 a. Jannor 193T1 Krauen, wehrt euch? Liebt ihr die Knute oder die Freiheit?! Wenn Herr Dr. Feder, der natianolsoziallstisch« Abgeordnete und Vertraute des„großen" Adolf Hitler, faßt: „Die Arau muh wieder Magd und Dienerin werden". s» ist das mehr als eine Phrase: es ist ein Programm wie«inst die Worte Wilhelms des Zweiten:„Für die Frau find Kirch«, Küche, Kinder da" ein Programm darstellten. Wem könnte ein Zwetfel darüber auskommen, daß wir gerade in der Frage des Frauenrechte, uns mitten in einer reaktionären Welle befinden! Ist es ein Zufall, daß heute die Frauen im Reichstage nur noch reichlich sechs Prozent der gesamten Abgeordnetenzahl aus- wachem während der Prozentsatz in der Deutschen Nationalversamm' lung fast neun Prozent betrug? Nein— e« ist«int Folge der Umschichtungen der Parteien, eine Folge der Totsache, daß an die Stelle dex ursprünglichen bürgerlichen Partelen mehr und mehr Fraktionen getreten find, die da? Frauenwahlrecht, zum mindesten aber das passive Wahlrecht der Frau, grundsätzlich ablehnen. Da? find die ständischen Parteien, wie Wirtschostspartei und Landvolk: es ist aber vor allem di» zweitgrößte Fraktion de, Reichstages, die sogenannte Nationaliozialistische Deutsche Arbetterpartet. di« unter ibren 10? Abgeordneten nicht«ine einzige Frau hat und auf eine entsprechende Bemerkung des Führer, der Bayerischen Voltspartei dies« Talsache mit einem„Gott sei Dank" unterstrich! Ist es nun aber so gleichgültig, ab die Frauen durch Geschlechts- genossinnen im Parlament vertreten find? Lernen wir au» zwei Beispielen: ein« der wichtigsten politischen oder vielleicht richtiger gesagt politischen Lebensfragen für die Frau ist die Stellung der Gesetzgebung zur Mutterschaft. Di« sozialdemokratisch« Reichstagsfrotlion. die in der Deutsche» Rationaiversammiung IN Frauen von insgesamt 166 Mitgliedern zählte und heut« 16 Frauen unter IS.". Mitgliedern zählt, hat seit zwölf Jahren den Kampf geführt um eine Versorgung der Mutter, die der Frau die Mutterschaft nicht zur Qual macht. Hat sie auch nicht alles erreicht. so Ist die heutige Wochenhilfe doch als ein großer Fortschritt an- zusehen. Ander» die frauenlose nationalsozialistisch« Reichstags- fraktion. Sie stellte im letzten Reichstage den folgenden Antrag: „Wer es unternimmt, die natürliche Fruchtbarkeit des deut- fche» Volkes zum Schaden der Nation künstlich ru hemmen oder m Wort. Schrift, Druck, Bild oder tn anderer Weil« solche Bestrebungen fördert, wird mit Zuchthaus bestraft." Also Zuchthaus nicht nur für �chwangerschaslsuntcrfcrcchuug. sonhem für Geburteuocrhütuag? Und ein zweites Beispiel: Für Millionen von Frauen ist die Frage der V« r u s s m ö g l t ch k e i t genau in demselben Maße«ine Lebensfrage wie für di« Männer. Der Krieg hat den Frauenüber- schuß tn Deutschland so gewaltig ansteigen iasseü, daß jede fünfte bis sechste Frau unverheiratet, also auch tn ihrer wirtschaftlichen Existenz aus sich selbst gestellt, durchs Leben gehen muß. Leshalb kämpfen die Sozialdemokraten in Partei und Gewerkschaften mit aller Energie um die wirtschaftliche Gletchstellung der Frau. Andere Parteien, in denen Frauen nichts zu sagen haben, wie die Wirt- schaftspartet. Unter dem 11. Dezember hat diese Fraktion einen Antrag eingebracht, in dem unter ouderei» die Relchsregterung ersucht wird: „bei allen Reick:?', Staats- und Gemeindebehalden jede weitere Einstellung von weiblichem Personal auf das absolut ersovderliche Maß. zu beschränken, die bereits im Reichs-, Staats- und Gemelndedienst sich befindliche» weiblichen .Kräfte, insbesondei? diejenigen, die Männerstelien bekleiden, ab- zubauen, soweit diese nicht eine Verpflichtung zum Unterhalt de? Eltern haben, oder soweit nachweisbar keine Mittel für dett Lebensunterhalt vorhanden find, oder deren Beiafiung ein dringendes Erfordernis ist." Was bedeutet das anders, als da» Eigenleben der Frau wieder zerstören, sie wieder hinzuweisen auf die einzige Möglichkeit zu loben, nämlich die Versorgung durch den Mann! Wer zweifelt daran, daß dieser Vorstoß bei den Behörden nur ein Anfang Ist, dem ein weiterer Vorstoß im Wirtschaftsleben nur zu bald folgen wird. So zeigen diese beiden Beispiele, die durch andere ergänzt werden könnten, wle in dem Augenblick, da die politischen Rechte der Frau zurückgedrängt werden, auch ihre Stellung im Berufs- uad Frauen- leben in die schwerste Gefahr gerät. Danim gilt es. mit aller Kraft den ersten Ansängen zu wehrcnl Vor diese Aufgabe stellt uns Frauen das neue Jahr! Leider müssen wir es erleben, wie irregeleitete, vielleicht auch i» ihrem ganzen Frauen- und Menschendajem unbefriedigte Frauen heute Männern wie Hiller und Goebbels zujubeln! Fast ist man versucht, dabei zu denten an die kulturell zurückgebliebene sla« wische Frau von vor hundert Jahren, von der uns die Schrift- stellar erzählen, daß sie nur lieben konnte, wo sie die Knute zu fühlen bekam! Denn auch die Frauen, die den Katlonassoziollstea nachlause», lieben die Knut», nur, daß sie sich dessen größtenteils nickn bewußt sind. Darum ist e» an uns, den Frauen zu sagen, welckas Unheil ihnen droht! Hat uns nicht dos eine Jahrzehnt deutscher Demokratie und deutschen Frauen- rechts gezeigt, daß nur dieses Recht uns die Möglichkeit gibt, zu schaffen, was der arbeitenden, der besitzlose» Bevölkerung erst ein menschenwürdiges Dasein sichr t? Warum lM das kaiserliche reiche Deutschland nicht bereits alle jene sozialen Einrichtungen für Alt«, Kranke, Wöchnerinnen, Kinder, Jugendlich« geschaffen, die trotz aller Rot der Nachkriegszeit in den letzten zwölf Jahren cntstanden sind? Warum mußten erst jetzt Erhoiungsftälten. Grünanlagen, Spiel- platze für die arbeltende Jugend hergestellt, gesunde Arbeiter- loohnnngen gebaut loerden„ anstatt daß all das schon einige Jahr- zehnte früher von dem wirtschaftlich in Vollblute stehenden Deutsch« land angelegt wurde? Weil Arbeiter und Frauen früher von jedem maßgebenden Einfluß ausgeschaltet waren, weil der Besitzende kein Jnterestc für derartige soziale Einrichtungen hat.— weil erst im republikanischen Deutschland jene Kreis« z» Milbestlmmungsrecht kamen, für dlc solche Volkserhoiuugsstätten die Vorbedingung für körperliche und geistige Gesundung sind! Deshalb kann die Diktatur eines Alanues— mag er Hitler oder Mustolini heißen— uns Franca nicht vorwärts helfen: sie tanu uns nur erniedrigen. sU kann uns nur zurückwerfen auf dem Wege zu wirtschastlicher, geistiger und menschlicher Befreiung, um die wir kämpfen. Wenn wir also wlsseu. daß das Iabr lyZI«in poliiische? Kampsjahr werde« wird, ei» Jahr des Ringens zwischen den Anhängen» der Diktatur und den Verteidigern der Bolksrechte, so muß uns dieses Jahr a« der Seite derjenigen finden, die das M e n s ch e n r e ch t und d!e Menschenwürde verteidigen, der Männer und Frauen der arbeitenden Schichten, also an der Sei!« der treuesten Repu- blikaner, der Sozialdeniot raten. Luise Sckiroeder, M. d. R. » Als Frau in Rußland,-1930. Ln der weichen Klaffe/ Fünfjahresplan, Wanzen und kein Kochgeschirr. Der Zar in Oeulschland. Als wir uns zu unserer Ruhlondreise rüsteten, wurde» wir von Kollegen meines Manne» daraus hingewiesen dast dl« Lebcnsmitrel- tnappheil derart groß sei, daß wir vorsorglich einen ganzen Koffer »oll Konserve», Schinken usw. einpackten. Besonders mir wurden tzutgemeint« Warnungen zuteil Ich schlug jedoch alles in den Wind Und stellie mir die Sache halb so wild vor. war ich doch schon einmal in der Sowjetunion im JVchre 1928 und bin heil wieder herausgekommen, also glaubte ich zu den schlinimsten Befürchtungen keinen Anlaß zu haben... An der polnischen Grenze verlassen wir den Zug und gehen in den russischen. Eine halbe Stunde, nachdem wir den Triumphbogen mit der Auischrist:„Proletarier aller Länder, vereinigt euch" durch« fahren haben, landeten wir an der russischen Grenzstation. Die Zoll- deamten waren höflich, da» große Gepäck brauchten wir gar nicht djsnen, jedenfalls wegen Zeitmangel. Uns war das natürlich der iollpflichtigen Lebensmittel wegen sehr angenehm. In meiner Uustrierten Zeitung siel dem Beamten das fettgedruckte Wort »Vatikan" ans die Nerven, und er konfiszierte mir darauf- hin alle Zeilschristen. Mit dem Bemerken:„jescho nnda"— noch Uotwendig, nahm ich ihm die Zeitungen einfach wieder weg und er gab sich auch zusrtede». Aus dem Bahnsteig umdrängte uns viel Loik, traurige, zer- lumpte und nntereriiährtc Gestalten. Teils betrachteten sie uns mit Neugierde, teils waren sie zu stupide,»m überhaupt eine Seelen- regung von sich zn geben, der größte Teil aber bettelte. Wir wurden als Reisende der weichen Klasse und überhaupt als Ausländer mit einer gewisse» Nücksichr behandelt, jedoch mit allen anderen wird so verfahren, als ob sie nicht da sind. Ich habe zum Beispiel aus seder Stativ» beobachtet, daß der Zug adsährt, gleichgültig ob die Menschen wie Trauben am Einganz hängen, herunterspringen, fallen und sich Hals und Gemck brechen, oder ob lo fünfzig Personen noch eine Strecke mitlaufen, dann das Rußlose einsehen und zurückbleiben. Sic legen sich dann wieder aus den Bahnsteig auf ihre Bündel und Lumpen, und warten aus den nächsten Zug, der m 24 Stunden kommen soll. Vielleicht hat der- selbe mal weniger als 6 bis 8 Stunden Verspätung und vielleicht kommen sie dann mit diesem mit. Wenn nicht:„Niischcwo". der Russe hat viel Geduld und Zeit. Wir fahren durch die Ukraine. Wenig-Wald, aber viel Getreide, nur alles sehr unregelmäßig bebaut Aus keiner Siolion gibt es etwas zu trinken oder zu cffen. jedoch sagte aus mein Befragen der freundliche alte Schassner, in einer Stunde wären wir so weil, da gibt es„Objedat"— Mittagessen. Nach drei Stunden fährt endlich der Zug ein, alles stürzt heraus, dann stellt man sich an der Kasse an und laust einen Bon, und wenn man dann Glück und noch Zeit hol, bekommt man Mittagessen. Wir wollten gerne und konnten nicht. Serviert wurde uns ein undefinierbares Etwas, von un- zähligen Fitegen mnfurrt. Es stellte sich heraus als Nudeln mit we'ißem Käse. Der« Hauptbestandteil der Nudeln war jcdensalls Gips, «nd der Käse sauer wie Essig. Auch für den unverwöhntestcn Gaume»»ngcniehdar. I» Kiew versuchte ich zu trinken zu de- komme», aber es ist unmöglich, den Bahnsteig zu oerlassen, da man »insach nicht heraus kommt. Die Menschen drängen von draußen herein, und weicht man nicht aus, wird man eben einfach übcrrannt. Ein Aus-dem-Wege-grhen existiert überhaupt nicht, es rennt einer ans den anderen los, und wer schwächer ist, fliegt bcijeiie. Andern Mittag Charkow! Kolossale Gegensäge nahm ich hier wahr. Ans einer Anhöhe steht ein großes imposantes Gebäude. ganz anierlkanischer Stil, daneben alte versallcne Wohnhäuser von «uherordentlich tristem Aussehen, ileberall Ist das Straßenpflastor «nfgerislen. Man hat den Eindruck:„hier hat eben Krieg gehaust". Viele Menschen sieht man aus ber Straße. Die Frauen und Mädchen olle geschminkt, was bei der armseligen Siieibuiuj einen traurigen Eindruck macht. Im größten Hotel der Stadl baten wir um ein Zimmer, jedoch wurde uns sehr gleichmütig bedeutet, daß keins frei wäre. Zum Abend bekamen wir eins in Aussicht gestellt: also warten, da unsere kelephonische Anfrage in anderen Hotels das gleiche negative Ne- fultat ergab. Wir gingen in den mit bemerkenswerter Sauberkeit hergerichlete» Speisesaal und ließen uns Mittagessen servier-n. Es kommen soviel Menschen dorthin, daß der Platz bc! weitem nicht wicht. Wir bekamen Suppe, Hammelkotelett und etwas Kompott. » Bei unserem Hunger war uns die Qualität höchst gleichgültig, wir aßen, was wir eben bekamen, hauptsächlich um den Magen zu sülle». Diejenigen nun, welche keinen Platz bekommen, stellen sich hinter die Stühle derer, die schon beim ksmpalt sind. Es Ist recht ungemütlich, wenn beim Essen jemand die Stuhllehne umklammert und darauf wartet, bis man ausiteht! Abends bekamen wir wider Erwarten ein Zimmer, sogar mit Zwei eisernen Betten, Bauiiiwolldecken, Tisch und Stühlen. Di« Uedernachlung kostete dl« Kleinigkeit von 2ä M. Handtücher und so eiwas gib: es ebenfalls nicht. m Am nächsten Tage hinein an den Eharkow-Rostower Zug. Die Fahrt geht jetzt nach Süden und es wird immer warmer, je weiter wir uns dem Asowichen Meer nähern. In Taganrog gab es endlich N a r s a n, das ist eine Art Mineralwasser, zu kaufen. Kein Mensch hatte jedoch kleines Geld zum Wechseln, also mußten wir verzichten, um nicht einen Fünsrubelschein für eine JUstch« zu bezahlen. Wir haben sehr unter dem Durst gelitte», doch gab es nirgends etwas Trinkbares. In Rostow am Don wieder umsteigen. Weiche Klasse gibt es nicht mehr, und wer in Ruhland einmal harte Klasse gefahren ist, weiß, daß man lieber ein paar Tage wartet, um eine Karte für die höhere Wagenklassc zu erlangen. Dank der russisch geschriebenen .Lonnnandierowka" der Handelsvertretung in Berlin, welche uns „Schutz und Hilfe jeder Behörde innerhalb der Sowjetunion" zu- sichert, gelang es uns ober doch, zwei Karten für die welche Wogen- klasie zu erhalten. Es ging nun wieder ein Stück nordwört«, direkt am Ufer des Danez entlang. Am sechsten Tage unserer Reise war endlich die Bahnsahr! beendet. Sch. ist eine kleine Stadt, deren Mitleipuntt die Haupt- Verwaltungen der in der Umgebung liegenden Kohlenschöcht« bilden. Wir liehen uns zum Irustbüro besärdern, wo wir unlercn endgültigen Bestimmungsort erfahren sollten. Es bot uns dort niemand ein« Sitzgelegenheit an. was uns veraniaßke, auf dem Tisch Platz zu nehmen. E» war dies schon ein Zeichen der beginnenden Akklimatisation bei uns.Lllso Ihren Bestimmungsort können Sie heute nicht mehr erreichen, dazu ist eine Fahrt über die Steppe erforderlich. Sic übernachten hier bei einer russischen Familie". Ans meine Auslage nach Essen- wurde uns mitgcteill, daß es hier ein„Doin-Prijedjeich", Haus für Ankommende. gibt, in dem wir verpflegt werden. Durch tageianges Darben waren unsere Erwartungen sowieso nicht sehr hoch, aber was uns hier ge- boten wurde, überstieg doch die Grenzen. Es empsinH uns ein Raum mit rohen Holzwändcn, an jeder Seite ein Bett, in dem sich je ein Mann herumlümmelte. In der Milte stand der Tisch, mit Wachs- tuch bezogen, und Fliegen waren derart viel da, daß wir uns ihrer nicht erwehren konnten. In der Suppe schwammen sie umher. setzten sich ungeniert aufs Hauptgericht, weiches aus Kartosseidrei, gebrate» in einem stinkigen Oel, bestand. Ungenießbari Ain anderen Morgen ging es hinein In die Steppc. Oedes, unfruchlbares Land, ab und zu etwas Mais und Sonnen- blumen. Ans dem Weg« ein Pserdegertppc,«In wenig weiter lag ein totes Schaf, van dem nur noch die Knochen nnd das Fell übrig waren. Ein Fuhrwerk kam uns entgegen, von Kamelen gezogen. Sonst ein großes Schweigen um»ns herum. Nach dreistündiger Fahrt tauchten in der Ferne einige Fördertür in e auf. Mitten in der Steppe werden hier Kohlen zutage gefördert. Eine kleine Ansiedlung nahm uns auf und der Wagen hielt vor dein Ber» walinngsgebäude. Hier sahen wir wohl zwei Stunden, bis wir ab- gefertigt wurden. Der Hunger und die Müdigkeit überwältigten uns säst, dazu kam noch eine große trocken« Hitze. Ans unser Drängen nach Quartier und Essen wurde uns erklärt, erfteres werde erst inslandgcsetzt, und essen können wir im„Dom-Prijedjesch". Der Quartiermeister, seines Zeichens Kosak, führte uns i» ein kleines gemauertes Haus, von außen her hübsch anzusehen. Wir bekamen ein großes Zimmer und eine Küche. Bemerke» möchte ich noch, daß wir nur zweimal i» dem Haus sllr Ankommende aßen, denn mit- gebratene Schwaben sind nicht jedermanns Sache Wir lebten also von Brot und Tee. bis endlich unsere Kösscr mit den Lebens- Mitteln eintrafen. Das Mobiliar in unserem Zimmer bestand aus zwei eisernen Betten, Tisch und mehreren Stühlen. Die Kopfkissen flogen gleich am ersten Abeiid hinaus, den» die Läuse uns den- selben hatten größte Lust, ihr Quartier zu wechseln. In der Küche befand sich nichts als ein Herd. Ich bat unseren Kosak, mir Koch- g e s ch i r r zu beschossen. Er zuckte nur mit den Achseln. Der Direktor der Anlage stellte meinem Mann Geld und das Auto zur Verfügung zur Beschallung von Küchengeschirr. Aber auch in der Stadl war nicht der kleinste ftochlops auszutreiben. Ich suchte mir also kurz entschlossen zwei flache eiserne Blumen- vasen in der Staatlichen Verkaufsstelle aus und kochte darin, l Gemüse und überhaupt Gericht«, welche Platz beanspruchen, bereitete ich in der Waschschüssel. Zwar war die ganze Sache nicht sehr appetitlich, aber der Mensch muh sich zu Helsen wissen. Einige Worte über die Lebensmittelbeschassung. Ich bekam von der Verwaltung einen Schein, der nnch zum Ankauf aller Lebens- mittel berechtigte, die in der Kooperativ« bzw. im Lager vorhanden loaren. Ich kaufte dort Zucker, Mehl, Eier, Streichhölzer und Zigarette», sogar einige Hundekuchen bekam ich. fleisch bekam ich in den sechs Wochen nur einmal. Ich hätte es wohl kaufen könne», sofern es welches gab, aber es wäre lebensgejährlich gewesen, mit der» Schein hinzugehen und Fleisch zu oerlange». Die Frauen, welche dort anstanden, waren sehr erbittert und es hätte zu einer Katastrophe geführt, wenn ich, ohne mich anzustellen, noch dazu als Ausländerin, Fleisch gekauft hätte. Beim Anslellcn nach Milch ist sowieso schon der Fall ein- getreten, dah eine Frau von anderen mit den Flaschen erschlagen wurde. Ich richtete mich also mit meinen Esha-Leibgerichrcn so gut ein wie es ging, kochte dann überhaupt nur jeden zweiten Tag, um recht lange mit den Vorräte» hauszuhalten. War nun das Klima schuld oder ein anderer Umstand, jedenfalls packte mich ziemlich heftig das Fieber. Als die Krankheit im Beginn war, bestellte mein Mann einen Arzt. Es erschien dann auch eine junge Frau, vielleicht 23 Jahre alt. aber sie wußte nicht, was mir fehlte. Sie lachte ei» bißchen und ging dann wieder. Es. war dies eine Aerztin für innere Krankheiten au« dem Krankenhause. Mein Zustand verschlimmerte stch jedoch derart, daß mein Mann selbst zur Krankenhausbaracke ging und einen Arzt herbeischleppte. Dieser' durchschaute sofort de» Ernst der Sache und ordnete meine Uefaer- führung in die Kraiikenbaracke an. Es kam dann auch ein Pserd, welches einen langen Plattenmagen hinter sich Herzog. In Laken gewickelt legten sie mich darauf und>os gings. Es muh eine hübsche Fuhre gewesen lein. Soviel Besinnung hotte ich jedoch noch, um eine fürchterliche Angst vor dem dortige» Krankenhausaufenthalt zu haben. Der Kutscher erzählte jedem, der es wissen wollte, und es. waren viele neugierig, daß hier aus dem Wagen eine„N j e m j c tz k a*— Deutsche, liegt. Man tnig mich in ein Bett und gab mir mehrere Spritzen. Ais Ausländerin behandclie man mich besonders gut, ich bekam sogar Eisbeutel, was bei der Knappheit, desselben oll- gemeine Verwunderung erregte. Alle halbe Stunde wurde Fieber gemessen Der Houptarzl, welcher nnch behandelte, war sehr korrekt und gewissenhast, und ich habe dem Mann« jedenfalls mein Leben zu verdanken. Außer mir lagen noch drei Frauen in dem Raum. Jeden Morgen kam eine Schwester und teilte die Zuckcrratron für den Tee aus. Es bekam jede einen Lössel voll. den. sie sich in Ermangelung eines andere» Platzes in einen Zipfel des Lakens einbanden. Mittags gabs Griesfuppe mit K a r t o ss-e i n uud abends Tee. Da die Verpflegung für mich ganz unbrauchbar war. ver- sorgte mich mein Mann täglich mit allem, was ich brouchie. Es erregte bei meinen Leidensgcnustinnen großes Erstonucn, wenn mir mein Mann Butterbrot brachte, Kokao oder Keks. Eine blecherne Zigareltenschachkei. die mir als Zuckerbehälter diente md immer gut gefüllt war, staunten sie besonders an. Daß ich diese Herrlichtcitrn nicht allein genoß, war selbstoc. ständlich. Da meine Sptachkenntnksse durch meinen früheren Ausenthalt in Rußland schon ganz gute waren, ! konnten wir sogar der Unterhaltung pflegen. Dos Haupluiterefs« dieser Frauen galt natürlich den Z u st ä n d e n l n Deutschland. Die erste Frage, die ich beantworten mußte, war nach dem Preise der Butter in Deutschland, und we bei uns die Rationierung gehandhabt wird. Auf meine Antwort, daß wir taufen können, soviel wir wollen und können, cbei. falls sämtlich« anderen Lebensmittelprodiikte und Textilware», waren sie höchst erstaunt. Außerdem sollte ich ihnen durchaus sagen, in welcher deutschen Stadl der Zar lebt. Sie wollten absolut nicht glauben, daß er nicht mehr am Leben ist, und aus meine Bcinerknug, er wäre in der Revolution erichosse» worden, wehrten sie mit ganz überlegenen Miene. i ab. Diese Frage wnrde uns noch oft gestellt... . Mein Bett, in dem ich lag, befand sich in ei», m Zustand,, daß am vierten Tage der Körper vollkommen wmidgesckenert war. Auf mein Drängen entlieh mich dann auch der 2tr.-! und ich konnte wieder heimgehen. Kurz nach meiner Entlassung brach in dem Ort der Typhus aus. ' I» wenigen Tagen hatten wir 52 Fälle. Wir packten unsere Koffer und traten die Heimreise an. In der Bahn von Rostow»ach | Eharkrw hatten wir in der weichen Klasse ei» charakteristisches Erlebnis. Der Knpeegenosse war ein deutschsprechendcr Herr, seines Zeichens Regisseur. Er freute sicb, mit uns zusammen zu fahren, und bot uns Zigarette» an. Bald war das G,'sprach über die Politik in vollem Gange. Unser Reisegenosse bedauerte sehr, daß uns die Verhältnisse zur Ftucht trieben. Er war sehr oplimistisch und sah nach Beendigung des Füiifjahresplanes eine rosige Zukunft vor sich. Aber beim Aussuchen der Schlasplätzc entdeckten wir Wanzen... Tl. frC. A. Im goldenen Käfig. MNionärskinder verkümmern im Kapitalismus/ Op:um als Schlafmittel Mutter—„die feine Dame." Enrhüllunge» amerikanischer Kindermädchen erregen in der Rew-Uorcker Presse berechtigtes Aufsehen. Die Memoiren dieser Hausangestellten umfassen nicht etwa mittelbürgerliche oder gar proletarische Zustandsschlldernngen— nein— sie haben die Dillen der Dollarmillionäre zum Milieu. „Zehn Jahre lang-, so berichtet ein Kindermädchen,„habe ich kleine Millionäre, die elegante Wagen und luxuriös« Babyausstattun» gen besaßen, gebadet, angekleidet, gefüttert, betreut und in den Parks von New York spazieren gefahren. Jetzt bin ich selbst mit einem kleinen Kaufmann aus dem Lande verheiratet und habe drei Kinder, die nie die Bekanurschast von seidengesütterte» Betten ge- macht haben. Unser als alt gekaufter Kinderwagen hat im übrigen das viele Fahren, das Krabbeln und Hopsen unserer drei Kleinen gut überstanden. Ich beneide niemanden um den Luxus, den meine Kinder entbehren muhten, denn sie haben stattdessen ihre Mutter gehabt— und das bedeutet weit mehr als der Luxus sämtlicher Milllonärskinder, denen ich begegnet bin. Ich war erst 17 Jahre alt, als Ich das erstemal in Mrs. van Durs imposanten Palast mitten in der feinsten Gegend der fünften Avenue eintrat. Die Gnädige benötigte eine Hilfe für das Kindersräulein, deren Obhut die beiden erst kürzlich geborenen Zwillinge anvertraut waren. Mir siel die grobe Arbeit zu— Windeln waschen— Flaschen spülen— das Kinderzimmer reinigen— das Kinder» sräuleln bedienen. Da Ich aber von jeher kinderlieb war, versuchte ich's, mich auch an die Zwillinge selbst heranzupirschen. Der Jung« war krästlg und gedieh unter der regl'lgebundenen Pflege. Aber das kleine Mädchen— Gloria— wollte nicht so rechk. Sie war eine zarte Knospe— und keine noch so gut ausgebildete Kinderpflegerin vermochte sie zur Enlsaltung zu bringen. Aus Grund meiner Beäbachtüngen entschloß ich mich dazu, meine eigen« Theorie in die Praxis umzulegen. Ich war nämlick fest davon über- zeiiZt, daß das Kind vor allen Dingen einer kleinen Ration täglicher Liebe bcdurjlc. Alles andere hatte sie in Hülle und Fülle. Ich hatte Indessen nie gesehen, daß Gloria se einen Kuß cmpsan-gcn hatte oder ein zärtliches Worll Die Mutter pslegte einmal am T-lge zu i n» spizieren oder kurz vor der Fahrt in«ine Gesellschaft„mal reinzulchaue»". In aller Heimlichkeit fing ich an, Gloria zu lieb« kosen oder ich nahm sie aus und drückte sie an mein Herz, indem ich ganz leise ein Kinderlied summte. Nach wenigen Tilgen schon erkannte sie mich und streckte die Arme aus, sobald ich aus der Bild- släche erschien. Ihre Wangen röteten sich— der Appen t wurde angeregt.„Die Medizin vollbringt doch wirklich Wundcnverte!" meinte das nach allen Regeln der Kunst ausgebildete Kinderfräulein. Glorias Hnnaer nach Zärtlichkeit wurde gestillt, und das war ihrrr Eiilwn ßimpathisches Wesen oder ausgeprägte Lieb« für Kinder. Van Durs Kinder befanden sich bei mir in gnter Obhut, darf ich wohl sagen. sin den Parks halte ich nun reichlich Gelegenheit, die Bekanntschaft anderer Milltonärstinde? und Ihrer Pflegerinnen zu machen. Mir wurde bct dieser Gelegenheit auch klar, weshalb diese Kinder oft schwächer und kränklicher sind ats die Kinder des Mlltelstandrs oder des Proletariats. Während ich mit anderen Mädchen aus einer Bank saß— die Kinder schliefen in ihren sein lackierten Equipagen— sagte plötzlich Ida, die auch einen angehende» Millionär betreute:„Mache dich heute abend etwas eher frei— es werden auch zwei junge Herren kommen.„Ich werde nicht vor halb acht Uhr kommen können. Die Kinder schlafen nicht eher", entgegnete ich. Erstaunt riß sie die Augen auf und starrte mich a». „Gib ihnen doch einen Tropsev Opium! Da» bekommt mein Junge immer: dann schläft er wie ein Toter, und ich brauche keine Angst zu haben, daß er aufwacht und schreit.'--- Als meine Zwillinge fünf Jahre alt waren, mußte ich mich leider von Ihnen trennen, um einer Kindergärtnerin Platz zu machen. Ich kam zu Hardys. Die dreijährige Sylvia und ihr kleiner Bruder wurden oft dreimal wöchentlich zu teuren Kinderspeziaiisten gefahren. Beide Kinder hatten die englische Krankheit— eine Er» schetmmg, die bei den„oberen Jehntausenden' typisch Ist. Trotz aller Pflege blieben sie bleich und schwammig mit alten, müden Gestchtern. Wt« sorgfältig die Speisen auch«mmer zubereitet sein mochten— die Kinder heulten immer, wenn sie essen solllen. Viel- leicht erklärte sich ihr Zustand auch aus der Tatsache, daß sie die Mutterliebe entbehren mußten, die wichtiger Ist als alle Diätreformen und wissenschaftlich zubereiteten Mahlzoiten. Mr. und Mro. Hardn waren aber zu stark mtt der Regulierung Ihrer Schei- dung beschäftigt, um auch nur das geringste Interesse jür die Kinder auszubringen. Sylvia nannte lhre Nutter„die feine Dame' und hätte ihre» Vater nie aus der Straße erkannt. Das Wort„Mutter" existierte nicht in ihrem Wörterschatz— und als sie einmal sah, wie im Part ei» Vater mit seinen» Jungen spielte, fragte sie erstaunt'„Wieso hat dieser Junge einen Mann als Ki n der m üche n?" Ein froher Tag für die armen Millionärstinder nahm ein Ende mit Schrecken. Ich stah! inich mit ihnen in die Untergrundbahn und. fuhr zu einer Verwandren, die in einer Vorstadt ein kleines Land- Haus hat. In dieser Familie gab es sechs lebenssrohe, spielwütige und gesunde Linder, so daß das Spiel bald im Gange war— im Sandkasten wurden Kuchen gebacken, am Küchentisch tranken sie Milch und aßen Zwiebäcke— schließlich spielten sie Pferd und ReUer— und trabten durchs ganz« Viertel. Der Jubel war ohren- betäubend, und es wurde schwer, meine kleinen Millionäre wieder mit nach Hause zu bekommen. Leider gab es dann auch noch eine Verkehrsstockung— aber ausgerechnet, mährend ich mit meinen beiden Zöglingen in der Untergrundbahn saß. holte Mrs. Hardy den seltenen Einfall, ins Kinderzimmer zu blicken. Als sie dann später erfuhr, daß ihre kostbaren Kinder in einem gewöhnlichen Zuge gefahren waren und außerdem noch mtt den Kindern gewöhnlicher" Ccnte in der frischen Lust gespielt hatten, wäre sie fast in Ohnmacht gefallen— und ich erhielt stehen- den Fußes meinen Abschied...„Großer Got!— wer weiß, was die Linder jetzt für Bazillen aufgefangen haben! Sie können ja angesteckt setnl Nicht auszudenkeni Mb ihnen schnell ein antisepttschee Vadl Sylvia hat ofsenbar schon Fieber. Und Peter ist ganz matt!" Sie begriff nicht, daß Sylvias Wangen von» Spiel gerötet waren«nd ihre Augen vor Freude glänzten— der Junge war einfach nach seinen ersten Ersahrungen und Anstrcn- gungen beim gesunden und unverfälschten Linderspiel ermüdet. Aber dies«„Dame' verstand nichts davonl Traurig und bekümmert packte ich meine Kofser und verließ die Kleinen, die nie wieder im Sande spielen oder sich mtt anderen Lindern nach Herzenslust tummeln würden.—— Das sind meine Ersahrungen in amerikanischen Millionärskreise«— und die anderer Mädchen unterscheiden sich in Nichts davon." Vier Tage. Der de-chche Krieg und das Leben im Schützengraben, alles die» hat seine Spuren an uns hinterlasse». Alle sind wir dadurch mehr oder weniAer trank und heruntergekommen. Bei dem einen sind die Nerven zerrüttet, beim anderen ist der Bauch nicht ln Ordnung, beim dritten funktioniert irgendein Organ nicht gang so pünktlich wie es sollt«. Das alles sind die Folgen. Ueber meine Gesundheit kann tch eigentlich nicht klagen. Ich fühle mich wohl. Fresse tüchtig. Der Schlaf ist normal. Und doch bln Ich jeden Augenblick darauf gefaßt, dle Folgen dieser Schützen« grüben auck an mir zu verspüren. Es ist noch nicht lange der, da stand Ich einmal vom Bett attf. Ich zog mir, wie ich mich heute noch erinnere, gerade die Stiefel an. Da sagte meine Frau zu mir: „Was hast du heute, Wanja," sagte sie.„für eine graue Gesichts« färbe. So eins ungesund« Gestchisfarbe hast du.' Ich schaue in den Spiegel. Wahrhaftig, eine entsetzliche Farbe. Sie schreit nach einem ziegelroten Schnaps. Da hast du die Bescherung, denke ich, da- ist der Schützengraben. Bielleicht schlägt da» Herz nicht richtig, oder irgendein ander«» wich« tiges Organ. Deshalb bin ich wohl jo grau. Ich fühle meinen Puls— der geht ganz langsam, doch er geht. Aber Im Inneren fühlte ich irgendeinen Schmerz, einen unbestimmten. dumpfen Schmerz. Traurig zog tch mich an und ging ohu« Frühstück zur Arbeit. Ich tomme zur Arbeitsstätte und denk«— wenn jetzt irgendein Teufel mir noch etwas über mein Aussehen oder meine Gesicht»« färbe sogt.— gehe tch unbedingt zum Ar.zt. Da lebt man und lebt plötzlich— bums— stirbt man. Das kommt vor. Fünf Minuten vor elf war es, tch erinnere mich, als wäre es heut« gewesen, da kommt der älteste Meister, Schitkow, auf mich z» und sagt: .Loan, Täubchen. ja. was ist denn mtt dir? Schrecklich schlecht siehst du heut« aus. Krank siehst du aus, ganz erdfarben." Diese Worte gaben mir einen Stich ins Herz. Herrgott denk« ich. mein« Gesundheit ist ganz zerrüttet. Ausgehupst. Und wieder sing der dumpfe Schmerz tm Innern an zu bohren. Kaum, wisstn Sie, habe ich micb nach Hause geschleppt. Wollte sogar die Rettung»« wache alarmieren. So kroch tch nach Hause. Fiel auf» Beit. Da lag ich nun. Meine Frau heult. Jammert. Die Rachbarn kommen und stöhnen. Am anderen Morgen stehe ich ganz zerschlagen auf und last« schleunigst einen Arzt holen. Er kommt und sagt— Simulation. Beinahe hätte ich den Arzt für diese Worte totgeschlagen. Ich werde euch schon zeigen. Simulation, sag' ich. Gleich darauf ver« kauf ich meinen letzten Rock, setz mich hin und fahre zum Professor. Ich machte mich also zurechl. um zum Professor zu fahren. Zog frische Wäsche an und rasierte mich. Ich fahre mit dem Rasiermesser über die Backe, wische die Seife ab— da seh ich— die Backe ist weiß, gesund und schimmert rosig. Schnell reibe ich ineine Physio- gnomie mit einem Lappen ab und sehe— die graue Farbe geht tadellos ab. Meine Frau kommt und sagt: „Du hast wohl, Wanja, schon ein« Woche die Fratze nicht ab« gespült?" Ich sage:„Eine Woche, das ist ausgeschlossen— was du dl? ausdenkst, dumme Gans. Aber, sag ich, vier Tage, das könnte wohl stimmen. Die Sache ist nämlich die. daß es bei uns in der Küche elend kalt und ungemütlich ist. Wie kann man da Lust haben, sich zu waschen. Und wie sie alle über mich hergefallen sind mit Ach und Weh, wissen Sic. da war nrirs schon gar nicht nach Waschen zumute. Kaum, daß ich ins Bett gekrochen bin. Jetzt ober wusch ich mich schleunigst, rasierte mich, band eine Krawatte um und ging. frisch wie ein Apfel zu meinem Freunde. Und die Schmerzen sind gleich gelinder geworden. Und das herz schlägt auch ganz leidlich. dliebad Sostsehenko. Kindet-fleist. Mein dreijähriger Nesse hatte die schreckliche Ängewohnhcit, mtt dem Finger in der Naie zu bohren. Da olles Reden tm guten»nd bösen nichts txrif, kam ich eines Tages ans die Idee, ihm zu sagen: „Du wirst so lange bobren. bis der Finger abbricht und in der Rai« stecken bleibt, dem Opa ist das ats kleinen Jungen auch passiert. Ova, zeige mal Bubi drin« Hand mit dem abgebrochenen Finger." lMetn Bater zeigte ihm die Hand, an der ihm bei einem Unfall ein Finger verloren gegangen war.) Das war ihm nun doch mächtig nahenegangen. und er tat es nun nie wieder. Wir hätten diese Episo'e längst vergesse», als eines Tage» Be- kamcke mit einem tleinsn Linde zu uns kamen. Als mein Rest« — gleich uns— sah, daß das Kind den Finger in die Nase steckt«, sagte er zu unserem größten Entsetzen:„Du wirst auch jo lange bahren, bis dir der Finger obbiicht, meinem Opa ist auch dabei ein Finger abgebrochenl"--