Pv. 270 Abmnument»-Kedingungr»: «bonnemenIS-Prel» pränumerandoi »t-rteljährl. SL0 M!., monall. l.IV Mr.. wöchtullich SS Psg. frei WZ Hau«. Einzelne Nummer k Pfg. Sonntag«- Nummer mit tllustrirler Sonntag», Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung«- Preisliste für 1897 unter Dr. 7497. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Mark pro Monat. 14. Jalfrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zetle oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und BersammlungS-Anzetgen, fowie ArbetlSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bii 4 Uhr nachmittag» in der Srpedttion abgegeben werden. Die Sxpedttton ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtage» bi« o Uhr vormittag« geossnet. Erscheint täglich außer Montag». Devlinev VulKsMeett. Fernsprecher: Unit I, Dr. 1508. Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Lerlin", Dmtrawrgdm der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Hit'dulUio»; SW. 19, W-uly-Str.che 2. Freitag, den 19. Uovemder l897. Kirpeditlon: SW. 19, ZZettty-Stuche 3. Aus Engtund. London, 16. November 1SS7. (Maschinenbaner-Kampf: Verschleppung der Konferenz, die Fabrikanten„haben cS nicht eilig". Stand der Dinge auf feiten der Arbeiter. Wnnuliig vor iibertricbenem Optiuiisimis.— Aus dcui Lager der Kefselschmiedc: Sieg des Zentralvorstaudcö über die Londoner Rebellen. Deren Riiekkehr an die Arbeit lein Nachtheil für die Maschinenbauer.— Die Nachwahl in Deptford bei London. Rückgang der lonservativen Mehrheit. Die Radikale» rufen nach Wahlreform.) Wider Envarten hat die für gester» angeknndigle Zusammen !nnsl zivifchen den Leitern des Unteruehmerbundes und denen des fvinschinenbauer-Vercins, welche die Bediugimge» der abzuhallendeii Konserenj versiitbare» soll, noch nicht staitgefiindeii. Das snr Be- haudlnng a»öerordentlicher Fälle euigeietzte Komitee der Uuter> nehmer hat gester» hinler verschlossenen Tbüren getagt, und hilistchb lich des Resultats seiner Beralhungen weist ina» bis jehl nur soviel, daß es, statt an die Exekutive des Maschinen- balter-Vereins,, an das Londoner gemischte Achlstnndeu komitee eine Einladung zu einer Vorbesprcchnng hat er- gehen lassen. Nun ist allerdings die gegenwärtige Achistunde» Beivegung ursprünglich von diesem Komilee ausgegaugc», aber schon seit Monaten wird sie thatsächlich vom Vorstand des Maschinen baner-Aereins geleitet. Von einer Einigung über diese» hinweg kau» gar nicht die lliede sei». Wenn es sich also nicht lediglich für die Unternehmer darum gehandelt hat, festzustellen, inwieweit der Maschinenbaner-Verein für das Londoner Komilee zu sprechen befugt ist, kann der Brief kaum anders aufgefaßt werden, als darauf be- rechnet, die Konferenz hinauszuschieben/) Daß es den Fabrikaulen mit der Konferenz nicht eilt, hat ein ihnen nahestehender Berichterstatter der„Times" offen ausgesprochen. Die große Mehrzahl von ihnen bctrachlct es als nnsgeinacht, daß sie die Sieger sind und kein Friedensschluß gerechtfertigt ist, der nicht auf bedingungslose Kapitulation der Gewerkschaft— namentlich in der ihnen vor allem am Herzen liegenden Frage der Arbeits- verlhcilnng— hinausläusl. Tie bedingten Zugeständnisse, zu denen sich die Gewerkschaft in dieser Hinsicht bereit eiklärt hat, genügen ihnen nicht, sie verlangen absolut freie Hand darüber, welche Arbeit berufsmäßig ausgebildeten Arbeiter» und welche Arbeit ungelernten Tagelöhnern zugewiesen werde» soll, während die Gewcrlschasten sich ein gewisses Einspruchsrecht vorbehalte» wollen, und solange sie noch die Kraft zum Widerstand in sich spüren, auch ausrechlerhalien rverden. Wie es mit dieser Widerstandsfähigkeit steht, darüber gehen natürlich die Lesarten auseinander. Der„Times"- Korrespondent behauptet, es habe sich in de» letzte» Woche» verschiedentlich ein Abbröckeln ans seite» der streikenden Arbeiter gezeigt, es seien, wenn auch nicht Masse», so doch kleine Trupps von 6 bis 10 Mann an die Arbeit zurückgegangen. Dies wird von anderer Seite be- stritten. Nach einer durch die Blätter laufende» Zusammenstellung sei die Gewerkschaft der Maschinenbauer bei der jetzige» Höhe der einlaufendcn Nnterstntznnge» in der Lage, ihren Ansordernngen ohne größere Inanspruchnahme ihrer Reservefonds nachzukommen und gehe ernstlich mit dem Gedanken um, die Unterstützungssätze zu er- höhen, nachdem der Vorschlag, die Extra-Umlage ans 3 Schillinge die Woche zu steigern, mit überwältigender Majorität(24 200 gegen 4b0 Stimmen) angenommen ivorden ist. Sie habe jetzt eine Wocheneinnahme von 23S00 Lstr. und brauche für alle ihre Ver- pflichtnngen wöchentlich 25 000 Lstr. Ihre Mitglieder hielten wie ein Man» zusaininen. Das letztere ist unzweifelhaft richtig. Hinsichtlich der Berechnung dagegen ist zu bemerken, daß sie erstens die zwanzig- bis dreißigtausend mitanssländigen Nichtgeiverkschaftler und Tagelöhner außer belrachl läßt und daß sie zweitens ein großes„Wenn" enthält: wenn die Nnterstütznngsbciträg« in der jetzigen Weise(über 10 000 Lstr. die Woche) fernerhin eingehen. Ich glaube diesen Punkt um so mehr betonen zu solle», als die Erfahrung gezeigt hat, daß übertriebene optimistisch gefärbte Berichte die Gegner viel weniger irreführe» als die Freunde. In dieser Hinsicht sei auch eine Notiz berichtigt, die vor einigen Tagen durch bürgerliche deutsche Blätter lief und von da ihren Weg auch in die sozialistische Presse gefnnden hat. Danach sollte nämlich der große Bund der Schiffs- und Maschinenbau-Arbeiter mit nahezu 200 000 Mitgliedern dem Mnschinenbauerverein beigetreten sei». In Wirklichkeit könnte sich die Sache umgekehrt verhalten, und daS einzig Thatsächliche an der Notiz ist denn auch, daß, wie ich Ihnen jüngst schrieb, Verhandlungen über de» Beitritt des Maschinenbanernereins zu dem besagten Bunde im Gange sind. Aber sie sind noch zn keinem Abschluß gediehen. Der Bund ist eine ziemlich schwerfällige Vtaschine, zur Aufnahme eines neuen Vereins ist Abstinrmnng der Vertreter aller betbeiligten Vereine erforderlich.— Der Generalsekretär des Vereins der Kesselschmiede, Robert Knight, der auch Vorsitzender des Bundes der Schiffs- und Maschinenbau- Arbeiter ist, verlheidigt in dem soeben heransgekommenen Monats- zirkulär seiner Gewerkschaft dieselbe»och einmal gegen die Bor- würfe, die ihr wegen ihrer Haltung zum Maschinenbanerlampf gemacht worden. Bei diesem Anlaß stellt er fest, daß durch diesen Kampf 5000 Kesselschmiede beschnftignngslos geworden sind, was den Betroffene»«inen Ausfall von 80 00«t Pfund in Löhnen und der Gewerkschaft gegen 16 000 Pfd. an Arbeitslosen-Unler- stlltzung gekostet habe. Er mcint, daß, wenn der vor» Bund ge- plante Weg gewählt ivorden wäre, mit rveniger Kosten mehr hätte erreicht werden können. Sehr scharf geht das Organ mit der wider- sätzlichen Londoner Mitgliedschaft des Kesselschmiede- Vereins ins Gericht, die bekanntlich einem vom Vereinsvorstand mit den Unter- nehmern vereinbarlen Kompromiß die Zustimmung ver- weigert und trotz seiner forlgestreikt hat. Solche Disziplin- losigkcit sei unerhört und dürfe nicht geduldet werde». Und wirklich bat die Zentrnlleitnng das letzte Wort behalten. Nach den heutigen Abendzeitungen sind die Londoner Kesselschmiede heute *) Soeben ersehe ich»och aus den letzte» Abendblättern, daß .das Unternehmer-Komilee auch an Barnes geschrieben hat. Die Konferenz hat mittlerweile, und zwar, wie der Telegraph ans London meldet, am 17. d. M. statigefnnden. Es wurde beschlossen, am 24. d. M. in London eine förmliche Konferenz abzuhalten, zu welcher Aibeitgcber und'Arbeiter je 14 Vertreter entsenden solle». Vis zu der Konferenz werden beide Theile sich eines feindlichen Vorgehens znlhalten.(Red. d. Borw.) früh unter den von der ersteren mit den Meistern vereinbarte» Be- dingungen(Anfrechterhaltnng des Achtstundentages, wie ihn die Kesselschmiede vor dem Maschinenbanerkampf hatte») ivieder an die Arbeit gegangen. Der Sache der Maschinenbauer wird dieser Ans- gang des Konflikts meines Erachtens eher nützen als schaden. Die Vermehrung der Unterstützung-bedürftigen lag, wie ich schon hervor- hob, gar nicht in ihrem Interesse, zumal selbst ein Sieg der Londoner Kesselschmiede auf die Entscheidung des Kampfes in de» Maschinen- sabriken ziemlich einflußlos geblieben wäre. Jetzt können sie. statt den Streikenden Unterstützungsquellen zu entziehen, ihnen solche znwende».— Bei der gestrigen Parlamentsivahl in Deptford(Sndost-London) ist zwar der Sitz den Konservative», die ihn schon vorher hatten verblieben, aber die konservative Mehrheit ist gegen 1895 von 1229 auf 324 gefalle». Deptford ist«in vorwiegend von Eisenbahn-, Hasen-, Speicher- zc. Arbeitern, sowie von Arbeitern der Maschinen- und Schiffsban-Jiidnstrie beivobnter Bezirk. Konservative wie Liberale agitiren den» auch mit sehr radikaler Phraseologie. Der Kandidat der ersteren verfehlte nicht, seine vollste Sympathie mit der Sache der kämpfende» Maschinenbauer nnsziidrücke» und verpflichtete sich außerdem, für die Erhöhung des Mindestlohnes der Arbeiter des im Bezirk Deptford gelegene» Proviant-Lagerhofes von 20 auf 24 Sh die Wocke zn wirken,»nd der radikale Kandidat ging in diese» wie in anderen Fragen derArbeiterpolilik„iinmernvch ein Slückweiter" und blieb mit seinen Forderungen wenig hinter dem Altionsprogramm der Sozialisten zurück. Sozialistifcherseits war angesichts der kurzen Spanne Zeit, die für den Wahlkampf zur Verfügung stand, kein Kandidat aufgestellt worden. Die entschiedeneren Sozialisten ent hielten sich der Wahl, während die meisten Gewerkschafis Vertreter— auch die der Maschinenbauer— für den lliadikalen ein traten. Die Wahl wurde nach der Wählerliste von 1896 vollzogen, da die in diesem Sommer anfgestellte Wählerliste erst vom 1. Januar 1898 ab in krasi tritt. Ungefähr zwei tausend Wähler waren seil Ausstellen der 96 Liste verzogen und konnten nur zum theil zur'Ab gäbe ihrer Stimme herangezogen werden. Ebenso viele, seil August vorigen Jahres nach Deptford verzogen« Personen halten nur deshalb kein Wahlrecht, weil die neue List« noch nicht in kraft war. Man hat da ein Beispiel, wie krasl der be- stehenden Vorschriften über di« Wählerregistrirung unter Umstanden ein sonst stimmberechtigter Bürger weit über ein Jahr in einem Wahlkreis wohnen kann, ohne das Wahlrecht zn besitzen. Natürlich sind es meist Arbeiter. die so um ldr Wahlrecht komme». Die liberal-radikale Presse. die davon überzeugt ist, daß die Mehrheit der Arbeiterstiminen das natürliche Erbtheil ihrer Partei sind, ruft denn auch wieder laut nach Reform der Wählerregistrirung oder auch gleich Stimmrecht aller erwachsenen Männer(„rnanboock suffrage"). Die konservative Volkspresse aber brüstet sich, die Arbeiter Deptfords hätten den Kandidaten„der besten Regierung, die England»och gehabt", dem Kandidaten der Plntokratie vorgezogen. So die„Snn". die der Plnlokrat und Allerivelts- Gründer Hooley dem Homernler O'Connor wahrscheinlich nur behufs Bekämpfung der Pluiolratie abgekauft hat.— politische Llebevlrcht. Berlin. 18. November. Liebknecht hat heute seine von den Brcslaner Richtern erkannte und vom Reichsgerichte bestätigte viermonatige Gefängnißstrafe angetreten. Liebknecht hat der Voll- strcckung dieses harten Urthcils, das einen der merk würdigsten Prozesse der Jetztzeit beschloß, mit der Ruhe »nd Ueberlegenhcit entgegengesehen, die der in Kämpfe» und Opfern für seine Ueberzeligung unermüdliche Vertreter unserer Partei als die erste Vorbedingung jedes im Befreiungskämpfe des arbeitenden Volkes wirkenden Mannes ansieht. Nichts war uiiscrem nun hinter Gefängnißmanern sitzenden Chefredakteur in den letzten Wochen unbehaglicher und peinlicher, als ivenn er in der Parteipresse Anivandlungen von Senti Mentalität antraf, und wenn er sich als Märtyrer für unsere Sache bezeichnet fand. Mit der ihn auszcichuendcn Seiterkeit des Gemütbs gewann der 72 jährige Manu den vier ionaten preußischer Gefängnißhaft noch eine heilere Seite ab. zngewinnen. In seinem Sinne wollen wir nun auch rei» sachlich bleiben, wenn wir noch ein Wort über dieses Urtheil schreiben. Was soll dieser Schlag, der gefallen ist in dem Streite zwischen der Demokratie und den Gesetzen, ivelche die Monarchie von Gottes Gnaden schützen sollen nicht nur gegen jeden Angriff, sondern auch gegen jede gegenüber gewöhnlichen Menschenkindern als selbstverständlich angesehene Slbivehr? Soll ein Mann wie Liebknecht, der, seit er im badischen Auf- stände vom Jahre 1849 zum ersten Male ins Gefängniß ge- steckt wurde, häufiger als irgend ein anderer Partei- genösse mit Gerichten und Gefängnißwärtern zu lhuii hatte, etwa durch die Gefängiiißstrafe gebessert werden? Der fana- tischste Anhänger der Besserungstheorie wird zugestehen, daß i» diesem Falle seine Theorie versagen wird. Liebknecht wird als ebenso energischer Vertreter der Prinzipien der alleinigen Volkssonveränetät das Gefängniß verlassen, ivie er als Jüng- ling zum ersten Wlale sich zu diese» Ideen bekannt hat. Oder glaubt man den alten Kämpen unschädlich zu machen, dadurch, daß man ihn auf vier Monalc hinter verschlossene Gitter steckt, glaubt man, daß dadurch der nion- archische Gedanke irgendwie gewinne» kann? Wir trauen selbst dem fanatischsten und optimistischen unserer Gegner eine solch' thörichte Auffassung nicht zu. Liebknecht scheidet wohl— und dies bedauert schmerzlich die Sozialdemokratie nicht nur Deutschlands— ans vier lange Monate ans den Reihen der stets kampfbereiten Soldaten unserer Sache, aber er wird mit Wort und Feder ungeschwächt weiter kämpfen, und der Liebknecht, der nun im Reichstage und in der Volksversammlung seine Stimme nicht erheben kann, der seine glänzende, von jedem Gegner gefürchtete Feder ungenutzt ver- rosten lassen muß, er ist vielleicht noch gejährlicher im Ge- fänguisse als in der Freiheit! Hunderttausende im Lande. Millionen in der ganzen Welt verehren in ihm den tapferen, aufopserungsfähigen Führer des arbeitenden Volkes, sie hängen an ihn mit Liebe, sie fühlen den Schlag, den sein weißes Haupt getroffen, als einen Schlag, der sie alle trifft, sie , verden bestärkt in den Lehren, die Liebknecht ihnen ein halbes Jahrhundert hindurch gegebe«, sie werden gefestigt in dem Hasse, den ihre Gegner sie ge- lehrt, sie werden die Zeit, wo Liebknecht hinter düsteren Gefängnißmanern in enger Zelle, fern von den Seinen, fern von den Genossen weilen muß, rastlos ausnutzen, um für die Ideen zn wirken, denen Liebknecht so oft und auch jetzt wiederum die Freiheit geopfert hat, denen er stets sein Leben zu opfern bereit war. So wird auch die Zeit, die unser„Alter" hinter Gefängniß- mauern verbringt, nicht nutzlos verbracht sein für den Be- freiungskamps des arbeitenden Volkes! Liebknecht ist stumm für vier Monate, aber seine Reden und Schriften wirken weiter und werden iveiter wirken, wenn all' d i c längst dahingegangen sind, die Genugthuuug darin finden, daß ein bei allen anständigen Menschen hochgeachteter Politiker wegen des Aussprcchens seiner Ueberzeugung hinter schwedische Gardinen gesteckt wird. Die Gegner sind uns gegenüber machtlos; was sie auch versuchen, es schlägt zu ihrem Schaden ans, so auch sicherlich ihre Freude, daß man einen Liebknecht unschädlich gemacht hat. In seinem Geiste wird fortgewirkt; und kann ihn ein einzelner nicht ersetzen, so wird es der Gesammtheit gelingen. Ilm 18. November geht der Mann, den seine Freunde am liebsten den Soldaten der Revolution nennen, ins Ge- fängniß; am 18. März, dem Tage, den das nach Freiheit dürstende Volk so ehrfurchtsvoll feiert, an dem Tage, den niemand besser in liefdurchdachtcn Festreden zn feiern wußte, kehrt er zurück in den Kreis seiner Familie, in den beide Welten umspannenden Kreis seiner Freunde. Wir hoffen ihn dann in ungebrochener Gesundheit, in körperlicher Frische, in unveränderter Lebhaftigkeit seines Geistes und Schiagscrtigkeit seines Witzes begrüßen zu könilen.— Ter Monarch»nd die Liberale». Man klagt über das persönliche Regiment, über ein allzu individuelles Ein- greisen des Staatsoberhauptes in die verschiedenen Reichs- und Staatsangelegenheiten. Auch die liberale Preffe hat oft genug über diese Dinge in allerlei Tonart ihr Bedauern ans- gesprochen. Und doch dürfte die liberale Presse selb st einen großen Schnldthcil an diesen Dingen tragen. Eine konservative Gewohnheit war es von je, die Person des Kaisers für sich in Anspruch zu nehmen. Der Kaiser, so suchten die Junker alleweit die öffentliche Meinung zu beeinflussen, ist für uns, für unsere Anschaunngen und unsere Pläne; wer unseren Plänen und uns entgegentritt, ist also des Kaisers Gegner. Für die Konservativen war diese Ans- »utzung des Staatsoberhaupts meist nicht schwierig, denn das Staatsoberhaupt stimmte mit ihnen oft zusammen und ließ es gern geschehe«. Bei den Konservativen, den Stellcujägern, die sich so gern in des Thrones Glanz sonnen und durch den Thron ihre Interessen zu fördern suchen, ist daher längst diese Handlungsweise, dieses dcmüthige Verneigen, dieses Scher- wenzeln und Kriechen nicht mehr anfsallcnd; das gehört vielmehr zum Charakter dieser Leute. Aber unsere„Liberalen" sind mit ihnen in edlen Welt- streit getreten. Während sie gestern über die Konservativen� jammern, daß sie den Kaiser in den Streit der Meinungen ziehen, thun sie heut mit gleicher und an ihnen doppelt ekelhafter Gcflisscntlichkeit dasselbe. Sie jammerw nur, wenn der Kaiser de» Interessen der anderen'' willfährt. Sie jubeln und delinren, wenn er sich zn ihnen selbst neigt. Sie suchen ihn für ihre Interessen zii� gewinnen, so lange seine persönliche Stellungnahme noch nicht entschieden oder nicht bekannt ist. So jetzt wieder zahlreiche liberale Blätter. Allen voran das tapfere„Berliner Tageblatt". Das Blatt sieht, daß der' neu gestiftete„wirlhschaftliche Ausschuß" einen hochschutzzöllne-' rischeu und agrarischen Charakter hat. Das Blatt weiß ferner, daß die Zusammensetzung der gegenwärtigen Regierung eben» falls agrarischen Neigungen höchst günstig ist, und es ivciß, daß weder jene noch diese Thalsache zu stände gekvmulen wäre, wenn nicht der Kaiser damit einverstanden wäre. Das hindert aber das Organ der Moffe und Levysohn nicht, ihr inbrünstiges Vertrauen und ihre heißesten Hoffnungen auf den Kaiser auszusprechen. Der Kaiser wird verherrlicht ob seines Interesses für die Handelsvertrags- Politik. Er habe sich mit dem wirlhschaftlichcn Ausschuß i» Verbindung gesetzt, ja sogar— man denke!—„sich mit den Mitgliedern desselben unterhalten und zugesagt, an wichtige» Sitzungen des Ansschnsses selbst theilnchmen zu wollen". Ja noch mehr, der Monarch hat sich für den Ausbau des deutschen Kanalsystems ausgesprochen, er ist also ein Gegner der Agrarier. Selbst die demokratische„Volks-Zeitung" bethciligt sich an diesem„Heil dem Kaiser". Auch dieses Blatt hofft ans den Ausbau des Kanalsystcms, ja sieht in dieser Kanal- frage„eine neue Wahlparole", und der Kaiser ist es, der diese wunderschöne Parole gab. So liegt der Liberalismus im Staube vor der Monarchie. Und dicse Gesellschaft, welche jeden Wink des Herrschers Gierig verfolgt, welche eine Ansicht des Kaisers zu einer Staats- nktion ansbanscht, redet dann noch von„persönlichem Regiment". Ist dieser bedientenhafte„Liberalismus" etwas anderes werth als ein„persönliches Regiment"? Das liberale Lakaienthum ist dem konservativen Lakaien- thum mindestens gleichwcrthig! Eine besondere Marinevorlnge außer den im ordent- licheu und außerordentlichen Etat zu fordernden Summen für Flotteuzwccke wird dem Reichstag von der Regierung vorgelegt werden. So theilen die„Berl. Pol. Nachr." mit und die „Mittheilungen für die Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei" berichten von einer besonderen Denkschrift, die dem Parlament zugchen und wohl eine Art Begründung zu der Vorlage abgeben soll. Aus diesen Auslassungen'geht die Bestätigung dessen her- vor, was schon immer vorausgesehen wurde, daß nämlich die Regierung einen Flottenplan auf längere J a h r e einzubringen beabsichtigt. Und die Höhe der Kosten wird nach den genannten„Rlittheilnngen" sich auf jährlich 60—65 Millionen belaufen. Herr Tirpitz will also nicht blas 410 Millionen, sondern 420—455 Millionen für Schiffs- neubantcu haben. Das offiziell-nationalliberale Organ fügt seinen Mit- theilnngcn auch sofort die Versicherung Hinz», daß die national- liberale Partei alle Forderungen bewilligen werde. Ja es wird für den Fall, daß der Reichstag nicht sofort für die gesorderte Rate zu haben ist, mit einer Auslösung des Li e i ch s- t a g e s gedroht. Die Nationalliberalen mögen vielleicht einen solchen Gang der Dinge wünschen, damit sie als eifrigste Freunde der Regierungsforderungcn durch Unterstützung der Negierung ihre voraussichtlichen Niederlagen ein wenig mildern könne». Aber diese Wünsche sind nicht so leicht erfüllbar. Die Regierung wird sich hüten, solchen Zuflüsternngen zu folgen. Man weiß, wie wenig hold die Stimmung im Volke jenen unmäßigen Forderungen für die Flotte ist. W i r hätten gewiß nichts gegen die Auflösung des Reichs- tageö wegen der Marineforderungcn einzuwenden. Das arbeitende Volk Deutschlands ist für eine abenteuerliche und kriegreiche„Weltpolitik" nicht zu begeistern!— Tie Thronrede, mit der die Delegationen Oesterreichs und Ungarns vom Kaiser eröffnet wurden, enthalten einige für die Benrtheilnng der Weltlage nicht unerhebliche Be- merkungen: Es wird jetzt Aufgabe deS europäischen Konzertes fein, an die Regelung der Zuftände auf Kreta zu schreiten, welch« Insel unter Wahrung der Souvernnelntsrechte des Snltans eine weitgehende A n t o n o m i e und damit Bürgschaften für eine b e s s e r e Z u k u n s t er- halte» soll. Mit Befriedigung kann ich betonen, daß unsere Be- z i e h u» g e» z» allen Mächten die beste» sind. Nach wie vor bildet unser B n n d« s v e r h ä l l» i b zu Deutschland und Italien die unverrückbare Basis unserer Politik. Diese Basis z» erhalte» und zu trästigeu, ist daS be- ständige Bestreben meiner Regierung. Zu den biSher besteh,»den Bürgschaften deS Friedens ist die freundschaftliche Sl u s g e st a l l u» g unseres Verhältnisses zu», r u s s i s ch e n ili e i ch e hinzngelo»»»«». Die wiederholten Zusammenknufl», die ich mit dem Kaiser von Rußland hatte, Überzeugte» mich von der n e b e r e i ,1 ft i»I I» u n a unserer W e s i N n»» g e n und begriiudeleu ein V e r h ä l t n i ß gegenseitige» Vertrauens zwischen unseren Staaten, dessen Koiisolidirimg nur Erfreuliches für die Zukunft verheißen kann. Es ist nichts ncncS, was der österreichische Kaiser hier ausführte, aber es ist charakeristisch, daß nach den zahllosen Mißerfolgen des europäischen Konzertes im Orient dessen bisherige und künftige Wirksamkeit in so feierlicher Weise gc- rühmt werden. Die Betommg der österrcichisch-iiugarisch-russischen Freundschaft wird in Paris wiederum böse enipfunden werde». Ohne Thronreden übergroße Bedeutung beizumesse», können wir doch die Eröffnungsrede des österrelchischen Monarchen beim Zu- sammeutritte der Delegationen als ein günstiges Zeichen für die Wcitererhaltung des Friedens ansehe». Die Presse der europäischen Hanplstädte theilt, so weit bisher Urlheile derselben telegraphisch gemeldet wurden, diese Auffassung.— Deutsches Reich. — Der Bundesrath hat i» seiner Heuligen Sitzung die Nebcrstchten der Einnahmen und Ausgabe» der Schutzgebiete für die Etalsjahre 1894/05, 1895/96 und 1896/97 dem zuständige» Ans- schnsse überwiesen. Dem AuSschnß-Antrage zu dem Entwurf eines Gesetzes Über die Entschädigung der im Niederaus. »ah in«»Verfahren freigesprochenen Personen wurde die Znstimnmiig ertheili.— — Di« Erneu»» u g de? ehemaligen SlaalSsekrelärs und Vicepräsidenlen de! Etaateministerimns Dr. v. B öl t i ch e r zum Oberpräsidenlen der Provinz Sachse» soll nun auch formell vom König vollzog«» sein.— — lieber den Etat schreiben die„Berlinei Politische» Nach- richlen": „In der F o r m wird der nächste Reichshanshalts- Etat eine Nenerung aufweisen, welche sicher auf allaemeine Zustimmung rechnen darf. Der Herr Eiaalsselretär des Reickisschatzamts hat die Sniliative ergriffe», um die lästige und verwirrende Bezeichnung des tntSjahreS durch zwei Jahreszahlen zu befeiligen. Der nächste ReichShanshaltS-Etat wird die Bezeichnniig ffür 1398 führen. Diese Aenderung hat bereil« die Zustinnnnng einer ganze» Reihe von Bmidesregiernngc» gesunde», und dürften die Elats der Bundes- staaten mit einjähriger Etalsperiode und dem am 1. April be- ? innende» Elalssahre dein Vorgange des Reiches wohl bald nach- olgen. Die wlchligsten Aenderungen gegen das laufende Jahr wird der M i l i t ä r e t a t aufweisen imd zivar in Gestalt von erheb- lichen Mehrausgabe» für die Naturalverpslegnng des Heeres. Die eine derselbe» wird durch den vergleich?- weise hohen Stand der Gelreidepreise bedingt; die andere Mehrausgabe ist die Folge des voin Reichstag« gefaßU» Beschlusses aus Einführung war m e u Abend- brots für die Armee. Die verbündeten Regierungen habe» fich beeilt, nachdem die Finanzlage die erforderliche Mehrausgabe gestaltet, den bezüglichen Wünschen der Volksvertretung zu ent. spreche». Der Mehrbedarf soll sich im ganzen ans etwa II Millionen Mark beziffern.— — Ueber dieGestaltung deSBestätigungSrechts in der Milttär-Strafprozeß-Ordnung schreibt die „Nationallib. Korresp.": „Wir haben Grund zur Annahme, daß in dem, dem Reichstag zugedachlen Entwurf der Militär-Strafprozeß-Ordnung dieser Punkt folgende Regelung erfahren hat. Der oberste Gerichlsbof ent- scheidet in sich vollständig rechtskräftig. Zur Vervollständigung des NrtheilS aber, um eS vollstreckbar zu»lachen, gehört die Unterschrift des Kaisers. Man weist ihr ein« ähnliche Bedeutung in dem vorliegenden Fall zu, wie sie sie in der Reichsgesetzgebung hat. Nach der Verfassung ist zu einem ReichSgesetz die Ueber- einstimmung der Mehrheitsbeschlüsse deS Bundesraihs und des lllcichilaßs erforderlich und ausreichend. Die Ausfertigung und Verkündigung steht dein Kaiser zu. Dazu bedarf das Gesetz seiner Unterschrift. Analog der Bedenlung, die der kaiserliche Namenszug unter den Reichsgesetzen hat, soll die der kaiserl. Unterschrift unter den Beschlüssen des oberste» Gerichtshofes sein. Rechllich ist das Ur- theil des obersten Gerichtshofs ausreichend. Würde nun damit aus Um- wegen ein kaiserl. Bestätignngsrecht beansprucht, so könnte aller- dings ei» bayerisches Hoheilsreservat i» belrachl kommen. Sollte aber ein solches Reservat gegen diese Formnlirmig nicht gellend gemacht lvorden sei», ivas wir annehmen zu können glauben, dann wäre auch dies in der That ein nicht zu»nterschätzendes Argument dafür, daß diese Formnlirung die Unabhängigkeit der Rechisprechnng nicht beeinträchtigen soll. Em abschließendes Urlheil über eine so bedeutsame Einzelheit kann aber bei der Schwierigkeit der Materie dann erst gefällt werden. wenn, wie die anderen Bestiininungen auch, diese im Znsaininenhang beurtheilt werden kann." — D e r Kaiser hat auch hei der Vereidigung der Rekruten der Garde im Lustgarten am Donnerstag„zur Verlheidigmig unserer höchsten Güter, sei es gegen einen Feind nach außen oder nach innen" aufgefordert. Ans den sonstigen Ausführungen des Kaisers sei noch der interessant» Passus hervorgehoben:„Ans Euch herab blicken in eine r»hm reichen Vorfahren aus dem H i m Iii e l s z e l l, blicken die Slandbiider der Könige und vor allein auch das Denkmal des große» Kaisers."— — Die V e r n r t h e i l u n g de? Dr. Peters hat im all- gemeinen nicht mehr s.hr viel Slussehen erregt. Ma» war nicht im Zweisel, daß der Tisziplinarhof die Enlscheidniig der erst«» Instanz bestätige» würde. Nur gewisse Kolonlalenihnsiasleii halten auf ei» anderes Urlheil gchofft»nd die cndgillige Beseitigung des brutale» Mannes will ihnen nicht in den Sin». Besonders in der anli- semilischeii„Staalsbnrgcr- Zeilung" uiid in der„Tägl. Rnndschan" finden sich entrüstete Artikel über das Unversländiiiü der Richler für die Größe»nd Bedenlung des Peters. Einige Aeußerungen der „Tägl. Rimdschau" seien lner»vicdergegebe»: .. Und nun. da es j»»i Prozesse kam, war Peters ei» verlorener Man»; denn ihn richlelen Leute, die nie afrikanische» Bode» gesehen, nie ihr Leben für ihr Vaterland»nd ihre Ziele in die Schanze geschlagen. Dicse Richter konnte» sich»nr a» das Gesetz und an ihre Rechtsanschaunnge» halte»: häile» sie, wie verlangt, Afrikaner wie Wistmau» zu Rath« gezogen, wären sie beirrt morden in der so einfachen, rein moralischen Auffassung der Gcschehniste. Dr. Peters ist abgehalftert, sei»« Kraft an England iveggeworse». Tenlschland hat eine» un« oder ü b e r in o r a l i s ch e n Mensche»»nid eine» eiielgische» Bahnbrecher weiiiger. Die Katze aber ist gerettet, das heißt die Wnlh der deutschen Kolonialfe>»de, die von jedem Kolomalpionier Sitten verlange», wie sie Herr Drechslern, eisler Bebel i» seiner Werkstälte nie angewandt hat, ist besänsligt und in ruhigere Teinperatnr zurückgeführt." Biit erstaunlicher Ofsenheit zeige» diese Leute ihre Verachtung für die bestehende» Nechlsanscha»n»gei> n»d Moralsntze. Sie halte» sich, gleich ihrem Peters, für„ Ueber, nenschen", die unbekümmert über die „gewöhnliche Moral" hinwegschreite» dürfe». Sie wollen bewußt „iiiimornlisch" bandel» dürfen und rechtfertige» sich, indem sie ihr« Ulimoral für„Uebermoral", für eine besondere höhere Sittlichkeit ausgebe», zu der sich die gewöhnlichen deulschen Sittlichkeitssinipel, zu welcher Kategorie i» diese»» Falle auch der Richter zählt, nicht eiiiporznschwinge» vermögen. So bekunden diese Aeußerungen der„Tägl. Ninidschau", wie weit doch das brutale Peterstbiii» verbreitet ist. Un» so»oth- ivendiger war eS, daß a» dem Muster dieser Ueberniensche», deren Moral und SilUichkeit keine Ueber-, sondern eine Untermoral ist, «in Ereinpel stalnirt worden ist. Di« Bemerkiuigen des Blatte? über unsern Parteigenossen Bebel sind zu dninm, als daß wir sie einer»vetteren Besprechung würdigen sollten, und sie zeigen»»r den Hast dieser Gesellschaft gegen den Man», der ihr schändliches Handwerl au den Pranger ge- stellt hat.— — Zum Mitglied« d e S Herren ha nseS soll für die Stadt P o t ß d a m von dem dortigen Magistrat der erste Bürger- inetster I ä h» e a» stelle des ans den, Sliiile geschiedeiiei. Ober- bürgermeisters Bote dem Kaiser zur Berilsmig präseulirt weiden.— — Ein brandenburgischer Parteitag der deutsch- konservative» Partei soll in» Dezember stattfinde».— — Herr von Stumm 1890/91: 1897. Die Mitlheilung in der Mittwochsnnmmer des„Vorwärts", wonach in einer Sitzung des Arbeiterausschnsses des Eisenwerks Neniikirche» dieser einstiinmig es ablehnte, die Beüimninng des Z 119 a der Geiverbe- Ordnung i» kraft trete» zu lasse», erhält»och ei»« be- sondere Bedenilnig,>ve»» konstatirt wird, daß in der Gewerbe- Ordinliigs-Kommission des Reichstages, die im Sommer 1390 die Vorlage der Regierung dnrchznberathen hatte, es ganz besonders der König vo» Sanrabicn Herr v. Etmin» war, der für dieselbe eintrat. Die Kommisstoiisiilitgtteder»»serer Partei machten damals die größten Anstrengungen, um jene Bestiiinnliiig zu Faste zu briiigc», aber vergeblich. Daß Herr v. Siumm fünf Jahre inS Land gehen ließ, seitdem die Gewerbe. Ordiinngs-Novelle in kraft trat, eh« er die Bestiiiniiniig des ß I19a zu verwirkliche» versuchte, spricht schon an sich gegen den Werlh jener Besti»»»»i»a, daß aber sein eigener SIrbcileransschnß alsdann es ablehnte, sie einzuführen, ist eine große Gennglhnnng für jene, die 1890 nnd später de» Stand- puiikl Slnmms ans das entschiedenste bekänipite». Eine erneuerte Revisioil des Titel VII der Ge>verbe-O»dn»»g dürste ergebe», daß »och manch andere reaktionäre Bestiinninng, die damals die Zu- stiiniining der Mehrheit deS Reichstages fand, anf dem Papier blieb, iveil sich heranSstellle, daß der reaktionäre Eifer die Macht der ent- gegeiistehenden Verhältnisse übersah. Brcöla», 16. November. Gegen das freisprechende Urtheil der hiesige» Elrafkammcr gegen die Unterzeichner deS Prosessorenaufnifs für die ausständigen Hamburger Hascnardeiter hat die Staatsaiuvalt- schaft Revision beim Kainmergericht angemeldet.— Brauuschwcig, 16. November.(„Magd. Ztg.") Gegen den Welse» erlaß des Staalsministers haben mehrere Staatsbeamte Beschwerde erhoben. Auch wird. er demnächst im Landtag erörtert»uerden.— Trcödc», 16. November.(Eig. Ber.) Sächsischer Land« t a g. In S'/eftst»diger Eitzniig berteth beute der Landtag über die Hochwafser-Borlage. Der Minister des Innern v. M e tz s ch führte aus: Die»»geheure Größe deS Schadens habe der Regierung vo» vornherein keinen Zweifel gelassen, daß eine ausreichende»nd sofortige Hilfe geböte» sei. Der sozialdemokralische Aulrag auf Einberufung e i» e s a» ß e r, ordentliche» Landtag? sei abgelehnt ivorde», weil ma» a» der nachträglichen Bewilligung der Mittel nicht gezweifelt und i» früheren Fällen ebenso verfahren habe. Die Regierung habe die erforderlichen Mittel zur Hand gehabt, oh»« eine Anleihe ailfiiehmen zu müssen. aber nur eine solche hätte die Bernsung de? Landtaps gerechtfertigt. Slnch seien zu jener Zeit die Erhebungen über den Schade» noch nicht zu eine», 'Abschluß gelangt. Das Landeshilfstoniite«, das die Bergülung der Mobiliarschäden übernoinme». sei damit nahezu fertig, während die Regierung zur Festsetzung der von ihr zu vergiilenden Immo biliar- schäden noch Erhebungen zu pflege» habe. Er hoffe, daß die ge- sorderlen sechs Millione» nicht ganz gebraucht würbe». Der Minister vertheidigt sich gegen die Vorwürfe über den schleppenden Gang der Hilssaklio». Der Schade» sei ailiangs auf 16 Mill. geschäht worden, habe sich aber nachträglich als erheblich niedriger heraus- gestellt. Die Geschädigte» seien nach ihrer Hilfsdedürfligkeit i» drei Klassen getheilt und für den Jii»»obiliarschade» an Private 7b, bO und LS pEt., a» Gemeinden w. 60—70 pCt. bewilligt worden. Der Koiisequenzen wegen sei es bedenklich, mit der Hilse noch weiter zu gehen. Der Staat müsse auch auf die Lage seiner Kassen Rücksicht nehmen. Ein Recht auf Staalshilfe hätten die Geschädigten nicht. Der Schaden an Immobilien für Private beziffere sich auf 3800000 M., hierzu noch 600 000 M. für Wiederherstellung der Wasserläufe, der Schaden der Geineinden betragen 2 300 000 M. Die bereits gewährte Hilfe der Regierung verdiene die Zensur„Almosen" nicht. Hierauf sprachen mehrere konservative und nationalliberale Redner, welche sich in mehrfacher Hinsicht niit dem Vorgehe» der Regierung, dem Tempo der Erhebungen und den beabsichtigten Ent- schädignugssätzen nicht völlig einverstanden erklärten. Doch hält Dr. Mehnert die ansgeworsenen 6 Millionen für hinreichend. Von sozialdemokratischer Seite sprach zuerst Abg. Goldftein: Der Minister habe de» Antrag anf Berufung des Landtages wahrschein- lich»ur deihalb abgelehnt, weil er von den Sozialdemokraten ge- kommen. Gerade die ursprüngliche Ueberschätzung des Schadens hätte zur Einberufung führe» müssen. Ein schnelleres Ein- greifen war aber vielleicht deShal nicht möglich, weil sich der Herr Minister auch auf Urlaub befand. Tie Sozialdemo- kratie have immer verlangt, solchen Katastrophe» nach Kräften vor- zubengen, es sei aber gerade hierin viel gesündigt ivorde». Der Standpunkt des Ministers, daß die Geschädigten kein Recht aus Unterstützung hätten, sei ein sehr bedenklicher. Welchen Zweck habe dann der Staat? Die Gefahr, daß einer mal etwas zu viel bekomme, sei nicht so schlimm. Der Siaat solle den Schaden nach dem Zeilwerlb völlig ausgleichen. Wir sind gegen die Beschäftigung von Soldalen bei Sireiks U. s. w., aber in diesem Fall« hätte man die Soldalen nicht so schnell zurück- ziehe» falle». Die Herbstmanöver hätten hinter der allgemeinen Wohlfahrt zurückstehen müssen. Die Wasserkalamität habe eine merk- würdige Stimmung gezeitigt; es gehe ein fast sozialdemokratischer Hauch durch die Kaminer.(Heileikeit.) Was die Konseivativen heule verlange», habe» wir längst gesurderl; die Kouservaliven haben vo» de» Sozialdemokralei» gelernt.(Große Heilerkeil.) Redner kündigt Anträge an aus amtliche Nachprüsung der Forderungen und volle Entschädigung»ach dem Zeilmerth und anf Vorlegung eines Gesetzes über die ÜUgnlirung der Flnßlänfe. Abg. F r ä ß d o r s(Soz) schilderle im einzelnen die Unzulänglichkeil und Langsamkeil der Hilfsleisliinge». Er schloß seine Ausführnngen»>il den Worten: Zeigen Sie, daß Sie„Sachsen" sind, nicht blas bei Rnsdringmig eines Königshoch?, sonder» auch, wenn es gilt, dem Volke zu Helsen!— Die wettere Dekali« ergab nichts Wesentliches inehr und bestand in der Hauptsache in einem Geplänkel»wischen unsere» Genossen und der Majorität; der Konservative Opitz hält noch seine übliche Sozialistenvernichlnngsred«. Die Vorlage ivird an die Finanzdcplttalio» verwiesen.— Miinchcn, 17. November.(Eig. Ber.) Bayerischer Land« tag. In gestriger nnd heutiger Sitzung beschäftigte sich die Ab- geordnelenkammer init dir Beralhung de? Etats bei Finanz« in t Ii i st e r i u m 8, die heute mit der Genehmigung der einzelneii Positionen nach den Anträgen bei Fiiianzausschnsses endele. In der Generaldiskiission besprach unser Genosse v. Voll», ar eingehend den Fall B» r k a r t nnd bemerkle hierbei nitter anderem folgendes: Ich habe die Cache bereits vorige Woche in der Kaminer an« getupft»nd damals hat der Minister gcäiißert, er werde bei der nächsten Gelegenheit die Sache in einer Weise erlänlern. daß wir ibin recht geben»inßten. Nach dem Studini» des einschlägigen Materials bin ich aber zu einer andere» Auschamnig gekommen als der Finanzausschuß. In dieser Körperschaft und im Plenum sind eine ganze Reihe von Herren, welche die Schrift Burkarl's gar nicht gelesen haben und diese wollen sich aber irotzdem ein Urtheil erlaiibe». Die von dein Minister erhobenen Vorwürfe sind entiveder nicht so schiverer Nalur, oder die Vergehen Burkarl's wäre» wirklich so schwere; dann aber war es eine unverant- wörtliche Nachlässigkeit d«S Ministers, den Beamlen so lange anf seinem Posten zu lassen. Wenn der Minister behaupiet hat, daß er selbst nicht angegriffen sei, so irrt er sich. Bnrkark liefert in seiner Schrift eine blulige Kritik der Ungerechtigkeit unserer Erlragssteuern. von denen der Minister nicht abgehen will, nnd er giebt ei» Bild der Zerfahrenheit i» unserer Finanzivirlh- schaft. Trotzdem die? durchaus den Thatsachen entspricht, will der Minister doch»ichi davon abgehe», trotzdem er dazu in der Lage wäre. Konstitutionell freilich ist der Minister gedeckt; aber eS giebt doch auch eine moralische Veranlivorllichkelt und diese trägt der Finanzminister. Es bleibt ein für allemal feststehend, daß die in der Schrift nieder- gelegte freie Meinuiigsäußernng der Krmid zu der ganzen Maß- regelunp war. Und dafür ist der Minister verantivortlich. wem, ihm auch konstitnlionelle Rechte zur Seite stehen. Die staatsbürger- liche» Rechte der Beamten wären sonst keine» Schuß Pulver werlh. Ich finde, daß sich der Minister bei dieser Gelegenheit nicht mit Lorbeeren bedeckt hat. Die Unannehmlichkeite», die ihm diese Kamnier bereiten wird, weiden ja wohl nicht so groß werden. Aber es giebt auch noch eine urthcilsfähige Oeffentlichkeit, und diese wird uns dazu dränge», anf eine Aenderung des bestehenden Systems mit aller Energie hinznivirlen.(Bravorufe.) Minister v. Riedel vertbeidigte sich hierauf mit der billigen Ausrede, daß er„im Jnlercsse deS Staates und der Autorität der Regierung" nicht anders konnte, als einen Beamlen entlaffe», der i» solcher Weise über seine Vorgesetzte» geschrieben bat.— Abg. Dr. v. Staufs« n berg(sreis.) äußerte sich i» ähnlichem Sinne wie Vollmar. Mit den Pensionirullgen gehe eS nianchmal recht sonderbar z». Einen unbequeme» Beamte», der deshalb doch recht brauchbar sein könne, einfach zu enlferne». das sei ja sehr bequem; ob«8 aber gerecht sei, das sei doch eine andere Frage. Diese bequeme, billige nnd scheinbar auch sichere Art der Steuer- erhebnng sei seines Wissens in keinem anderen Staate üblich, wie eben in Bayern. Der Minister könnte, wie Herr v. Vollmar mit Recht betonte, unschwer hier eine Aenderung herbeiführe». Nur Dr. S i g l erklärte sich mit dem Vorgehen des Ministers gegen Bnrkarl ausdrücklich eiiiverstandeii. Minister V.Riedel belheuerte wiederholt, daß er im SlaalSinteresse nicht anders Handel» konnte.— Niiruberg, 17. November. Die Freisinnige» und die Sozialdemokraten sind übereinpelomiiien, für die bevorstehenden Reichstags- nnd Laiidtagswahlen Stimmzettel von genau gleichem Papier, Format und Druck herstellen zu lasse».— Walldorf, Milte November. Wie da?„Heidelb Tgbl." erfährt hat sich herausgestellt, daß die Berichte antisemitischer Blätter Über die Wahlkraivalle i» Walldorf maßlos übertrieben sind. Es sei möglich, daß die Angelegenheit üderdanpt nicht vor dem Schwur- gericht, sondern vor dem Schöffengericht verhandelt werde.— AiiS Hesse», 17. Novbr.(Eig. Ber.) Lohnerhöhungen f ü r— B« a in l e! Das findet man wie anderwärts so auch i» Hessen ganz in der Ordnung. Dieselben Herren, die e» dem armen Pro- letarier als Auttebnuiig gegen die göttliche Weltordiiiing auslegen, wenn er feine Lohn- und LebenSverhältiiiffe z» verbessern trachtet, begrüßen es mit behaglichein Echmiinzel», wenn ma» zu ihren fetten Gehältern noch eine fette Zulage fügt.„In anbetracht deS gesunkenen Geldwerthes nnd der gesteigerlen Anforderungen des täglichen Lebens," nieint die Regiernug in der Begründung der Besoldnngs- ordniing, sei eine Erhöhung der seitherigen Gehälter am Platze. Wir geben das gerne zu für die Hnngereinkonimen der llnterbeamten nnd staatlichen Lohnarbeiter und bitten die Herren am Regierungs« tisch, sich den gesniikene» Geldwerth nnd die gesteigerlen Anforderungen des Lebens auch vor Angei, zu halten, wenn sie wieder eiinual über streikende Arbeiter ei» Verdammniigsurtheil fälle» wolle». Außerdem aber»leinen wir, mit Jahresgehällern, wie sie unsere hohen Beanitei» seilher bezogen, ließe sich auch heute nach ganz menschenwürdig leben. Die hessischen Minister z. B.. die seither außer ihren reichlich bemessenen Nevräsentatioiisgeldern(2000 bis 12 000 M.) ein Gehalt von 10 350 M. bezogen,'können sich doch schwerlich mit dein geslinkenen Geldiverlb und den gesteigerten Lebens- anfordernngen decken, wenn sie sich eine Zulage von je 1650 M. in dein »ene» Entwurf ansetzen. Aber, wer hat. dein wird gegebeii, oder vielmehr, der nimmt sich noch hinzu— das gilt auch hier. Dem gegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß eine große Anzahl vo» U n t e r b e a»> t e n, darunter viele, die erst nach jabre» langer Vorbereitnngs- und Vordieiistzeit zur festen Anstellung kommen, mit Anfangsgehällern von 900 M. abgespeist werden. Diese Beamten» Proletarier müssen sich dani, in 12 bis 21jähriger Dienstzeit auf Maxinialgehälter von 1150 bis 1300 M., ohne Wahmingsgeld oder sonstige Nebenbezüge, hinausarbeileli. Von den noch schlechter be« Ahlten st n a t l i ch e n Lohnarbeitern ohne Beamtenqnalität schweigt die neue Besolduiigsordnung natürlich gciiiz> Für sie kommt der gesunkene Geldwerth und die gesteigerten Slnforderungen des täglichen Lebens also nicht in belracht. Zu begrüßen ist in dem Entwurf, daß das seither übliche Gehaltsklasscu-System, wobei der dienstjüngere Beamte nur ausrücken konnte, wenn ein dienstälterer Kollege durch Tod oder Penstonirung abging, beseitigt ivird. An seine Stelle soll das Dienstalters« st u f e»- S y st e m treten. Danach rücken die Beamten in gesetzlich festgelegten regelmüßigen Fristen in die höhere Gehaltsstufe ei», einerlei, wieviel ältere Kollegen sich schon darin befinden. Leider soll dieser Fortschritt nicht allen Beamten zu gute kommen. Eine große Anzahl soll nur„mit Höchstgehalt" angestellt werden, wobei die Bestimmung des Anfangsgehaltes wie auch der eventuellen Ge- Währung von Zulagen in das freie Ermessen der Regierung gestellt bleibt. Diese Beamte» wären also völlig dem Wohl- oder Uebel- wollen der Herren oben preisgegeben. Freilich auch die in der Kategorie mit gesetzlich fixirten„auf- steigenden Gehältern" angestellten Beamten sollen keinen Rechts- ansprnch an ihre Besoldnugszulagen habe». Der Gesetzentwurs vertritt den Standpunkt, die Bemessung der Besoldung sei, wie die Verleihung des Amtes überhaupt, ein Ausfluß der„landesherrlichen Gnade". Sie behält sich demgemäß im Artikel 6 das Recht vor, einem Beamten wegen„mnngelhaster Dienstführung" die Besoldungs- znlagen ganz oder theilweise zu versagen. Der Beamte kann da« gegen nichts machen; der einzige Trost, der ihm gewährt werden soll, ist, daß er ans Antrag nachträglich vom Ministerium den Grund einer solche» Entschließung erfahren kann. Natürlich nur soweit als es die regierenden Herren mit den Interessen des Staates für vereinbar halten. Daß damit der Beamte den geheimen Ve- richten beleidigter Vorgesetzter und den Denunziationen gehässiger Kollegen oder politischer Gegner wehrlos preisgegeben ist, liegt auf der Hand. Und daß man einem vielleicht wegen seines Ueber- zcugungsninthes oder seiner politischen Gesinnung angeschwärzte» Beamten auch„mangelhafte Dienstführung" nachweise» kann, dafür bürgt schon die siaatsretterische Findigkeit strebsamer Vnreaukraten. Es muß im Interesse der Unabhängigkeit und Gesinnuugs- freiheit der Beamten unbedingt verlangt werde», daß auch der iiichtrichterliche» Beamtenftcllung dieselbe Rechts- nnterlage gegeben werde, die de» Richtern durch das Reichsgesetz vom 31. Mai 187S zugesichert ist. Dem Beamten ist ei» Rechtsanspruch auf seine Besoldung und die gesetzlich fixirle Aufbesserung zuzuerkennen, der nur durch ein offenes Disziplinar- verfahren zeitweilig sistirt und nur durch Gerichtsentscheid aberkannt werden kann. Es wird die Aufgabe der Zweite» Kammer fein, die Regierung zur Anerkennung dieses Grundsatzes zu zwinge» und anßerdem auf Beseitigung einer Reihe von willkürlichen Ungleich- heilen zu guusten und Ungunsten einzelner Beammtengrnppen zu dringen. Wie sehr eine ausgleichende Gerechtigkeit nolh thnt, beweist die Stnrmfluth von Petitionen, die sich seil Veröffentlichung des Entwurfs über de» Landtag ergießt. Die sozialdemokratischen Ver- treter in der Zweiten Kammer werden sich insonderheit der stark be- nachtheiligte» Unterbeamten energisch annehmen.— Strasibuig i. E., Iö. November.(Eig. Ber.) Gestern fand dahier eine von ca. 1öl> Meistern besuchte Handwerker-Ver- sammlung statt, in welcher Reichstags-Abgeordneter Pfarrer W i n t e r e r- Mülhausen über die durch das Gesetz, betreffend die Organisation des Handwerks, nöthig gewordenen Vereinigungen sprach. Der Redner stellte dabei fest, daß von den ca. 38 voo'Hand» werksmeistern Elsaß-LothringenS bisher kaum 1000 organisirl seien, und empfahl die Bildung von Fachvereinigungen, auS denen später Innungen hervorgehen sollten. Minierer polemisirt» auch gegen Bebel, der vor einigen Wochen in der Ossenbnrger Bolksversamm- lung die Ansicht ausgesprochen habe, daß das Handwerk im Kampf mit der Großproduktion unrettbar verloren fei. Das sei nicht richtig; denn da? Handwerk besitze noch so viel Leben, daß ein tüchtiger Arzt eS wohl zu erhalten vermöge. Ueber die Mittel, welche dies Wunder bewirken könnten, schwieg sich der Herr Pfarrer aller- dings vollständig ans. In seiner Befürwortung der Fach. Vereinigungen unterlief dem Redner insofern ein kapitaler Lapsus, als er zu gunste» der Korporationen des Handwerks, die»ach dem neuen Gesetze gebildet werden sollten, Karl Marx ins Feld führte, der ebenfalls der Fachgenoffenschast das Wort geredet habe. Der Herr Pfarrer übersah dabei allerdings die entscheidende Thatsache, daß es sich bei den von Marx empfohleneu Vereinigungen um solche der Lohnarbeiterschast Händelt, also einer aufstrebenden Klasse, deren Massenzahl und wirthschaftliche Bedeutung durch die Entwickelung der kapitalistische» Produktionsweise immer mehr verstärkt werden, während das Handiverk eine überwundene Betriebsform darstellt, die nach dem Urtheil selbst bürgerlicher Oeko- nomen iin Kampf mit der rapid fortschreitenden Großproduktion zweisellos unterliegen muß.— Die Versammlung, in welcher Haupt- sächlich Geistliche und Redakteure der klerikalen Presse zum Wort kamen, verlief denn auch ziemlich matt und ohne jeden positive» Erfolg. Wie gering das Interesse der hiesigen Handwerksmeister für die neue Organisationsgesetzgebung ist, das möge aus dem Umstand erhellen, daß vor einigen Wochen, als der Direktor des städtischen statistischen AmteS. Dr. Geißen berg er, über die Mittel und Wege zur Vereinigung der reichsländischen Handwerker sprach, in dieser Versammlung von ca. S00 geladene» Meistern ganze 4S an» wefend waren. Straßburg t. E., 16. November.(Eig. Ber.) Die diesjährige Tagung des Bezirkstags des Unterelsaß wurde gester» Vormittag 11 Uhr durch den Bezirkspräsidenten eröffnet. Es waren 84 Mitglieder anwesend. Herr FuchS übernahm als Alters. Präsident den Vorsitz und gedachte in einem warmen Nachruf der Verdienste des ehemaligen Präsidenten, des kürzlich verstorbenen StaalsratheS Klei». Als Schriftführer war Genosse B ö h l e thätig. Aus der Wahl des Bureaus ging Staatsralh Dr. Gunzert als erster Vorsitzender hervor. Der Bezirkspräsident hielt darauf eine?l»- spräche, in welcher er die Aufgaben der diesjährigen Tagung dar- legte und die Finanzlage des Bezirks eingehend belenchtele." Sodann wurden die einzelnen Abschnitte des Verwallungsberichles, sowie die Vorlage» an die verschiedene» Kommissionen zur Vorberaihnng vertheilt.— Demnächst finden die Wahlen zur Straßburger Handels» kammer statt, welche unter gänzlich veränderten Bedingungen vor sich gehen werden. Im Gegensatz zu der früheren Bevorzugung der Notabel» sind jetzt alle jene Kanflente wahlberechtigt, welche zur Zahlung von Abgaben für die Handelskammer verpflichtet sind.— — Der Kolonialrath ist beute zusammengetreten. Nachdem der Borsitzende, der Direktor der Kolonialablheilung im Auswärtigen Amte, Freiherr v. NichtHosen, einen allgemeine» Ueberblick über den derzeitige» Znstand der Schutzgebiele und über die wichtigeren Ereignisse im Bereich der Kolonialverwaltung seit der letzten Tagung des Kolonialraths gegeben.hatte, trat der Koloninlrath in die Tagesordnung ein. Den ersten Gegenstand dersetben bildete der Etat für daS ostasrikanische Schutzgebiet. Bei der Berathnng dieses Etats wurden besonders eingehender Erörterung unterzogen: der Forstschntz im Schutzgebiete, die Landvermeffung, die Begründung einer tropischen Versuchsslalio». die Beschaffung eines Dampfers für den Tanganyka, die Usambarn-Eisenbahn, die Heranbildung der Handwerker, die Vor- bildung der Beamte» u. s. w. auf dem Orientalischen Seminar.— Oesterreich. Wie», 17. November. In der heutigen Sitzung des Budget- ausschufscs gelangte das Gesetz über das AusgleichS-Pro- v i s o r i u i» zur Annahme. Mit der Berichterstattung im Ab- geordnetenhanse wurde der Abgeordnete Dr. Pientak betraut. Alle Abänderungsanträge, die die Opposition gestellt hatte, sind abgelehnt worden. Nach einer Meldung der„Narodni Listy" sind für die zweite Lesung des Ausgleichsprovisoriums im Abgeordnetenhaus hundert- undzwanzig Konlraredner augemeldet. Schweiz. Zürich, 16. November.(E>g. Ber.) Bei der Pfarrerwahl im Züricher Pcoletnrierbezirk Anßersihl. die gestern stattfand, wurde der von unseren Parteigenossen kandidirte und in unfern Agitation mündlich und literarisch seit Jahren eifrig thätige Pfarrer Paul Pflüger trotz heftigster Gegenagitativn mit 1323 gegen 1S7() Stimme» gewählt.— Bern, Mitte November.„Die rothe Fahne". Die Bernische tliegierung hat die Aufhebung des am 23. Juli 1833 er- lassenen Verbotes betreffend das Herumtragen der rothen Fahne (seitens der Sozialdemokraten) beschloffen, da die Gründe, die da- mals das Verbot veranlaßten, nicht mehr vorhanden sind.— Fraukreich. PariS, 17. November. Der HeereZansschuß der Deputirten- kammer nahm eine» Antrag des Kriegsministers Billol an, in welchem vorgeschlagen wird, daß die Generale, welche vor dem Feinde als Oberbefehlshaber kommandirt haben, oo ipso zu Mit- gliedern des obersten Kriegsrathes ernannt werde», welches Lebens- alter sie auch erreicht haben mögen.— Paris, 16. November.(Eig. Ber.) Der Pariser Ge« meinderath steht im Begriff, die Beziehungen mit dem Seine-Präfeklen abzubrechen. Der letzte Tropfen, der den Kelch zum Ueberlaufen brachte, ist das vom Präfeklen be- schlossene Arbeitsreglement in den städtischen Schlächtereien. Der Präsekt hat nicht nur— entgegen dem voranfgegangenen Beschlüsse des Gemeinderaths— die Nachtarbeit in den Schiveineschlächtereie» zum theilaufrechterhalteu.erhat auch formalden Beschluß desGemeinderaths ganz mißachtet, als ob die Gemeindevertreler von Paris in die städtische» Schlächtereien kein Wort dreinzureden hätten. Der Umstand, daß die Schlächtermeister auch mit dem Präfektenbeschlnß unzufrieden sind und beim Staatsralh gegen denselben Einspruch erhoben habe», schwächt den gemeinderechtlichen Uebergriff des Beamten in leiner Weise ab. In der gesthigen Sitzung des Gemeinderalhes km» es nun zum offenen Bruch. An stelle des üblichen Tadelsvotnuis— der Präfekl hatte seit Beginn der Session bereits ein halbes Dutzend Tadelsvoten ruhig hinuntergeschluckt— wnrde beschlösse',, durch das Bräsidium des Ralhes„den Minister des Innern ans die allgemeinen Bedingungen der gegenwärtigen Prä- fekten-Verwallung aufmerksam zu machen", da dieselbe„einer guten Verwaltung der Stadt Paris entgegengesetzt ist". Mit anderen Worten: man will vom Minister des Innern die Abberufung deS Präfekten verlange». Die Kundgebung ist daher bedeulender, als sie einstimmig beschlossen wnrde, mit b9 gegen 0 Stimme». Enthalten hat sich nur die Gruppe der äuflersle» Rechten, aber nur deshalb, weil th» der Wortlaut des Beschlüsse� zu heftig erschien. Wird aber die Vcrklagung des Teufels bei dessen Großmutter Erfolg haben? Wen» nicht, so bleibt dem Gemeinderath n»r»och zwischen dem thatsächlichen Bruch mit de», Präsekte» und der lollekiiven Protestdemission zu wähle». In der Schlußberathung des Budgets des Handels- ni i» i st« r i» m s erlangten die Sozialisten die Erhöhung des Kredits zur Unterstützung von Arbeiter-Produkliv- Genossenschaften (I2S<)W) Fr.) um 15 000 Fr., und zwar trotz der Opposition des Haudelsministers. Daniit ist übrigens nur die Höhe des betreffenden Kredites in de» Jadren 1893—1896 wiederhergestellt. Es handelt sich namentlich um Unlerstntznng von nengegründelen Genossenschaften Von den bestehende» 130—190 Genossenschaften werden durchschnitt- lich zirka 60 unterstützt mit Beträgen von 500—11000 Fr.— Pariö, Mitte November.(Eig. Ber.) Die herannahenden Wahlen wirken Wunder. Binnen zwei Woche» hat die Kammer zwei wichtige Reformen volirt: nach dem Haftpflicht-Gesetz die Ab- s ch a s s u n g des g e h e i m e n U n t e r s n ch u n g s v e r f a h r e n s. Letztere Reform hat de» Vorzug, eine endglltige Errnngenschast zu sein, da sie ausnahmsweise vom Senat zuerst angenomme» worden war und die Kanimer, um der Sache sicher zu sein, den senatorischen Entwurf unverändert votirte. Die Unlersuchungsresorm, trotzdem sie nur das Kasteninteresse der richterliche» Bnreaukratie zum Nutzen der gesanimle» Be- völkerung verletzt, hat eine ebenso lange, wen» auch nicht so wechselvolle Vorgeschichte, wie das Haftpflichtgcsetz. Von 1879 bis 1884 beschäsligte sie abwechselnd den Senat it»d die Kammer. Es handelte sich um die Umgestaltung des ganze» Unter- suchungskodex von 1808, was die Verständigung zwischen der Kammer und dem reaktionäre» Senat in erhöhtem Maße er- schwerte. Seit 1884 blieb die Reform in der Kammerkommisflo» begrabe»— hauptsächlich deshalb, weil die verschiedenen Regierungen der Reforin feindlich waren. Diesem Znstand habe» ein Ende ge- macht nicht sowohl die in de» letzten Jahren sich häufenden schweren Mißgriffe der Untersuchungsrichter und die daraus begründeten Jnstizmvrde, als die Panama- Affaire. Nachdem die panamistischen Notabilitäle» des herrschenden Klüngels— unter dem radikalen Ministerium— mit de» Annehmlichkeiten der ge- Heimen Untersuchung bedroht waren, da packte de» Senat ei» »»gewohnter Reformeifer und er votirte fast einstimmig einen kurzen Gesetzesvorschlag Constan's, der wenigstens die unbeschränkten inquisitorischen Machtbefugnisse des Untersnchnngs- richlers, diese aber gründlich aushebt. Der Zusammenhang zwischen der Reform und der Panama Affäre liegt so offen zu Tage, daß selbst der ministerielle und panamistensreuudlichr„Maltn" ihn unumwunden zngiebt. Die entscheidende Bestimmung des neuen Gesetzes fckneibt die Anwesenheit des Vertheidigers bei allen Verhöre» und Konfron- tationen vor. Wenn auch der Vcrtheidiger nur mit Bewilligung des Untersuchungsrichters das Wort ergreife» darf, so wird seine bloße An- Wesenheit die erzlvnngene» falschen Geständnisse nninöglich mache». Umso mehr, als er ferner mit dem Angeklagten in steiem Verkehr bleibt und ihm vor jedem Verhör rechtzeitig die Untersnchungsakten mit- getheilt werden müsse». Sodann wird der Unfug der wochenlangen Geheimhast ohne Verhör beseitigt: Das erste Verhör muß fortan binnen 24 Stunden erfolgen und die Gesammtdauer der Geheimhaft, die sich aber nur auf de» Verkehr mit drilte» Personen, nicht auf den Verkehr mit dem Vertheidiger erstreckt, ist aus höchstens 20 Tage, zersallend in zwei Perioden von je 10 Tagen, angesetzt. Schließlich verbietet das Gesetz die Theilnahme des Unterfuchungsrichiers an der Gerichtsverhandlung über eine von ihm untersuchte Affäre. Das Kabinet Meli»« hatte die allseitig, wenn anch aus ver- schiedenen Gründen, als dringend anerkannte Reform im Senat mit aller Kraft bekämpft. I» der Kammer war der Jnstizminisler natürlich vorsichtiger. Er bekämpfte zwar namentlich die Vorschrift über die Anivesenheil des Vertheidigers bei den Ver- hören, er wählte aber de» besseren Theil der Tavierkeit. indem er ans der nach seiner Ueberzeugung die Rechtspflege gefährdenden Reform leine Kabinelssrage machte. Das erlaubte der Regierung, mit unversehrte» MinisterportefemlleS in eine schändliche Minderheit von 22 gegen 461 Stimmen gesetzt zu werden.— — Die Dreyfus-Angelegenheit wurde am Dienstag anch im Senat berührt. Le Provost de Launay beantragte, daß in der nächsten Sitzung der gegenivärtig i» der Kommissionsberathung befindliche Gesetzentwurf über die Spionage berathe» werde, daniit bei Gelegenheit dieser Disknssion der Kriegsminister Billot und Scheurer-Kestner aufgeforderl werde» könnte», umfassende Er- klärungen abzugeben über die Angelegenheit, die allgemeine Erregung verursache. Der Redner spreche sein Bedauern darüber aus, daß Scheurer- Kestner mit Jnsiiuialione» vorgegangen sei, statt die Angelegenheit vo» der Tribüne des Senats herab vorzubringe». Der Justiz- minister Daria» und Senator Morellet bemerke», die Besprechung der Frage würde dadurch geivinne», daß sie auf eine ruhigere Zeit verschoben würde; übrigens habe anch die Kommission für das Spionagegesetz ihre Arbeiten noch nicht beendet. Der Antrag Le Provost de Launay wurde hierauf abgelehnt und die Sitzung ge- schlössen. Eine Meldung vom Mittwoch besagt, daß der Kriegsminister den General Pellieux mit der Untersuchung der Angelegenheit des MajorS Grafen Esterhazy beauftragt hat. Die Erklärung des KriegiministerS in der Kammer wird in der Presse im allgemeinen nicht sehr günstig besprochen, besonders die radikalen Blätter bedauern, daß sie so wenig kategorisch war. Gras Esterhazy erzählte den Interviewer», er habe in, Lause seines bewegten Lebens häufig Darlehen bei jüdischen Geld- leuten aufgenommen, welche infolge dessen zahlreiche von seinen Händen herrührende Schriftstücke besitzen. Er sei deshalb von dem Dreyfus-Syndikat als Opfer auserwählt worden; er habe dem Kriegsminister bereits die Photographie des betreffenden Dokuments übergeben, welches die Schuld des Dreyfns unwiderleglich beweise, doch werde die Regierung nicht eingestehen, daß sie die Photographie besitze, da hierdurch folgenschwere diplo- matische Zwischenfälle entstehen würden. Dem„Malin" zufolge ist Kriegsminister Billot persönlich von der Unschuld Esterhazy's überzeugt. �, Der„Temps" verzeichnet einige Einzelheiten über die Person Esterhazy's. Derselbe ist fünfzig Jahre alt und diente während der letzten Jahre des Kaiserreichs bei den päpstlichen Zuauen. Er machte auf österreichischer Seite die Schlacht bei Sadowa mit und trat 1870 i» die französische Armee ein, wo er während des Krieges wegen glänzender Führung zum Lieutenant ernannt wurde. Seit 1392 ist Esterhazy Major. In Börsenkreisen ist er eine bekannte Persönlichkeit, da er große Speknlationen macht. Die Ankläger Esterhazy's wollen Briefe von ihn, besitzen, die ihn belasten. Den auf Börsenordres bezügliche» Briefen Esterhazy's ist als Kopf der Name des Negimenls vorgedruckt, zu welchem er gehört. In der Sitzung des Senats am Donnerstag theilte der Senator Le Provost de Launay mit. er werde die Regierung wegen der vor« gestrigen Erklärungen des Kriegsministers Billot in der Deputirten- kammer interpellire». Er gedenke die Regierung zu befragen, welche Maßnahmen sie ergreisen werde,»w die Wiederkehr ähnlicher Vor- gänge zu verhindern. Der Tag der Besprechnng der Interpellation wird»ach Schluß der jetzt schwebenden Untersiichnng festgestellt werden. Paris, 18. November. Der mit der Untersuchung der Dreyfns- Affäre betraute General Pellieux hat heute Malhieu Dreyfns und de» Grafen Esteihazy verhört. Dem letzteren schüttelte er nach Be» endigung der drei Stunden währenden Beruehmung die Hand. Belgien. — In der Kammer wurden am Dienstag die Jnter- pellatione» fortgesetzt. Zunächst interpellirte L o r a» d die Regie- rnng wegen der Ausweisung der Louise Michel. Diese war nach Brüssel gekomine», um zu gunste» der in Moutjuich ein- gekerkerten Anarchisten zu wirken. Der Justizminister suchte seine Maßnahme damit zu rechtfertigen, daß tnmnltnarische Szenen zu erwarten gewesen seien; Louise Michel habe Propaganda machen wollen für de» Anarchismus. Vander veld e, der hierauf das Wort nahm und der in scharfen Wendungen die un- erhörte» Grausamkeile» geißelte, die hinter den Mauern vo» Moni- juich begange» worden sind, wnrde vom Präsidenten mehrmals zur Sache gerufen und schließlich ward ihm durch Abstimmung das Wort einzogen. Die Interpellation betreffend die Beschränkungen, welche die Regiernng dem„Jungtürken" Achmet S! i z a auferlegt halle, begründet Genosse Prof. Hektor Denis. Achmet Riza hatte nur unter der Bedingung in Belgien verbleibe» können, daß er das Erscheinen des Organs„Mechveret" einstellte. Die Jungtürken 'vollen für die Türkei eine Konstitution mit verantwortliche» Minister» und Eiatsvew'ltigimgsrecht des Parlaments anstrebe», also bürgcr- lich-liberale Forderungen. H Denis bringt eine Tagesordnung ein. welche die Regierung wegen ihres Verhaltens tadelt. Nachdem der Mm'ster die Recht- sertignng seiner Maßnahmen versucht»»»> Vandervelde gesprochen halte, trat S-hluß der Sitzung ein. Niederlande. Haag, 16. November.(E'g. Ber.) Heut« begann die Debatte über den Etat sür Indien, wobei als einer der ersten va» Kol das Wort ergriff. Im Gegensatz zu der allen sozialistische» Partei, welche kurzliin a» die Holländer die Fordernng stellte, sich aus Indien zurückziijiehe», betonte van Kol die Pfl'cht der weißen Raffe, vi« schwarze, welche sie Jahrhunderte lang ausgebeutet hat, zu er- ziehen und zu«nlivickel»; ihre Einnahmen zu vergrößer» durch eine bessere Finanzpolitik, besonders aber durch Verbesserung der Land- »virthschaft. Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß Indien gegenüber die Holländer sich stets auf dem Standpunkt der„rein materielle» Ausbeute" befunden haben. Noch in de» Jahren 1331 bis 1871 haben wir aus den indischen Finanzen mehr als 725 Millionen Gulden(1 200 000 000 M.) den unserigen„hinzu- gefügt"; die Lehre, daß die indischen Finanzen von der holländischen gänzlich grschieden sei» müssen, ist erst befolgt worden, als die erste, en nicht mehr eine» Ueberschnß, sondern ein Defizit lieferten. Van Kol will vo» diesem Augenblick a» gesetzlich die Trennung der indischen von de»»iederländischen Geldmitteln sestgetegl habe». Er fordert landw'rthschastliche» und gewerblichen Unterricht sür die Jndier, allmälige Abschaffung der unbezahlten Arbeit im Dienste des Gouvernements, baldige Abschaffung des zwangsweisen Kaffeedaues. Schutzmaßregeln gegen Wucherer und Chinese», planmäßige Anedehming der Opium, egie, als Vorbereitung eines enbgiltige» Berbots dieser staatliche» Einnahmequelle aus diesem fürchterliche» Gifte: Kurz, eine vollständige materielle und geistige Emauzipalion ber Eingeborenen. Der Hauptmoment seiner Rede war eine tüchtige historische Ueber» stcht des fünfniidzwanzigiährige» Atjehkrieges, der 1 666 666 666 M. und 100 000 Menschenlebei, verschlimge» hat, und dessen Ende »och keineswegs in Sicht ist. Va» Kol führt« mit einer erschöpsenden Menge vo» Argmnente» an, daß der Hunger nach mehr und immer mehr Besitz die Holländer zu diesem Krieg gebracht hat; daß wir und wir allein an seinen Ver- hemuiae» Schuld habe». Unser Redner beantragte die Ernennung einer Kommission, welche innerhalb eines Jahres über die inora- lischen, politische» und finanzielle» Folge» dieses Krieges, über die inuthmaßliche» Folge» der heute befolgten Taktik,»nd über die Möa- lichkeit und Wünschlichkeit, den Krieg zu beenden, berichten solle. M't genauer Roth fanden sich die ersorderl'chen fünf Mitglieder, um diese» Antrag zu unterzeichne». Sein Loos ist nicht zweifelhaft: er wird verivorse» werden, die Zweite Kammer ist kriegssüchtiger als je. Van Kol aber setzt seine Agitation unter den, Volke fort, und wird sich nicht durch eine parlamentarische Niederlage ins Bocks- hör» jagen lassen.— England. London, 17. November. General W o l s e l e y sagte in einer Ansprache an die Mitglieder der„United Service Institution", die Roth wendigkeit, die Stärke der Armee zu erhöhen, werde allgemein anerkannt. Die allgemeine Dienst- Pflicht könne aber für ein Heer, wie das britische, welches zumeist außerhalb Englands Dienst thue, nicht angewendet werden. Wen» man de» Mannschaften dagegen ausreichenden Sold oder Anssichle» auf spätere Verwendung im Dienste der Regierung ge- währen wurde, würde man bald genug Rekruten erhalle».— Spaniel«. Madrid, 16. November.„Heraldo" sagt, daß trotz der an die Ailtonounste» von Kuba gemachten Zugeständnisse und trotz der Er- »e»»n»g eines Aiitonoiiiisten zu», Präsekte» einer Provinz nicht daS »lindeste Zeichen der U>,terwe»s»ng zu bemerken sei.— Madrid, Milte November.(Int. Korr.) Die Erledigung des marokkanische» Streitfalles. Die Auslieferung der vo» de» Riffpiralen gefangen genommenen Europäer erfolgte„ach vorheriger Freilassung von sechs muhamedanische» Marokkanern seitens der spanischen Gesängnißbehörden von AlhuceinaS, was seitens der spanischen Regiernng als ein großes für Europa gebrachtes Opfer bezeichnet wird. Es wurde» durch diesen Schritt die räuberische» Rifflabyle» gewissermaßen als kriegführende Macht anerkannt, iiide», sowohl der Sultan, als auch die betheiligten enropäischen Staaten die Frage der Auswechselung der Ge- fangenen„ach allgemeine», Kriegsbranch behandelten. Und doch handelte es sich bei den Kabylen um Gefangene, welche wegen Raubes von den Spaniern aufgegriffen und kriegsgerichtlich ab- geurtheilt waren, während die Europäer von Seeräubern bei Ans- Übung ihres friedlichen Gewerbes überfallen wurden. Die spanische Regierung hat daher den Regierungen Portugals, Italiens, Franko relchZ und England? ein« Note zugehen lassen, worin sie unter Kennzeichnung des ihrerseits gebrachten Opfers die Erwartung aus- spricht, daß man auch der spanischen Regierung bezüglich der weiteren gegen Marokko ZU ergreisenden Maßnahmen die Führung überlassen werde.— — Der Prozeß gegen dieMörder desdeutschen Bankiers Haß n er ivurde in Cadiz am Dienstag zn Ende ge- führt. Der Hauptangeschnldigle, Perez Gallego, wurde für schuldig befunden und zum Tode verurtheilt, während der Mitangeklagle Galiudo freigesprochen ivurde.— Serbien. — Rußlands Stellung z u IN neuesten Kurs in Serbien. Der„K. Z." wird aus Belgrad gemeldet: Großes Äufsehen erregt die Nachricht, der erst vor wenigen Monate» hierher ernannte russische Gesandle Jsivolski sei, noch bevor er seine hiesige Thätigkeit eigentlich ausgenoinine», nbberusen ivorden. Hier behauptet man, die Abberufung sei ans Befehl des Zaren er- folgt, der sich angesichts der bekaunle» Pläne Milaii's, und,»achdeni er zu der Ueberzeugung gelangt sei, daß Milan einen verderblichen Einfluß auf seinen Sohn ausübe, ans den Standpunkt Alexander III. stellte, der offen erklärte, daß Rußland es als unter seiner Würde stehend betrachen müsse, bei einer von Milan befehligten serbischen fliegiernng durch einen Gesandteii vertrete» zu sei». Bulgarie»». — Bauern- und Sl r b e i t e r- U n r u h e n. Ans Sofia wird der„Intern. Corresp," geschrieben: Die anhaltende ungünstige finanzielle Lage der bulgarische» Regierung hat i» Ostrunielien eine recht bedenkliche innere Krisis herbeigeführt. In dem ganzen südlich des Balkans gelegenen Theile des Fürstenthuins hatten während des Sominers wiederholte Wolkenbräche und Ueberschivemmungen de» größeren Theil der Ernte vernichtet, und die Regierung hatte vcr- sprachen, der verarmte» Bevölkerung theils durch öffentliche Arbeiten, theils durch Berthciliiug von Saatgut und Lebensmitielii z» Hilfe zu komme». Thatsächlich wurden auch an mehreren Stelle» Wege- und Brückenbauteu begonnen, und in Philippopel wurden gegen ÄOOl) Ar- beitcr mit Erdarbeiten beschäftigt, welche für die künftige Befestigung dieser Stadt dienen sollten. Seit drei Wochen sind jedoch alle diese Arbeile» ans Mangel an Geld wieder eingestellt ivorden, wobei man den Arbeitern noch einen Theil des Lohnes vorenthielt. Es kam daher in den Vororten von Philippopel und auch in anderen Städte» Ostrmiielieiis zn Ausschreitiliigen, wobei diebeschäftignngslosen Arbeiter die Gemeindehäuser zu stürmen versnchten, um sich den ihnen zukouimeii- den Lohn selbst zu nehmen. Ebenso rotteten sich in mehreren Be- zirken die hungernden Bauern zusainnien und zogen nach den Bezirks- änitern, wo sie von den Präfekle» die zugesagten Unterstützungen ge- waltsam zn erlangen flichten.— Die Regierung in Sofia sucht zwar alle Meldungen über diese Vorgänge zn unterdrücken oder als nn- richtig darzustellen, doch sprechen es die Oppositionsblätter m, verblümt ans, daß mehrere oppositionelle Abgeordnete die i» Ostrumelien herrschende Erbitterung zu einer offenen Auflehnung gegen die jetzige Regierung und den Fürsten Ferdinand benutzen ivollen,— Türkei. KoiistäUtiiiopel, 13. November. Uin l Uhr nachts erhielt der österreichische Bolschaster Freiherr v, Calice eine Note der Pforte betreffend die befriedigende Erledigung seiner sännnt- liche» Forderungen und Beschwerden. Der Zwischenfall gilt als beigelegt. Das Abkomme» bezüglich des durch die griechische Kriegsentschädigung garanlirten Vorschusses im Betrage von 300000 Psuud ist von dem Finanzminister und der Ollomanbank unterzeichnet worden. 200 000 Pfund sollen sofort gezahlt werden.— Kauen, 17. November. Der türkische Gouverneur Dschevad Pascha halte an den Vollzugsausschuß der kretensischen National- Versammlung die Aufforderung gerichtet, sich in Kanea einzufinden und mit ihm Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung zu berathen; der Vorsitzende schickte jedoch die schriftliche Antwort, daß, nachdem der Sultan die Erledigung der kretensischen Frage den Großmächten überlassen habe, der Ausschuß nur mit den Beauf- tragten der Mächte verhandeln könne. Seitens der Adinirale und europäische» Konsuln wird diese Erklärung der Aufständischen ge- billigt.— Kanea, 17. November. Der deutsche Kreuzer„Kaiserin Angusta" wird morgen hier anlegen und die deutsche Truppenablheilung ein- schiffen, welche Kreta verläßt.— Rsie». — Vom indischen K r i e g s s ch a u p l a tz e. Die Situation der englischen Armee ist»och keineswegs sehr günstig; die neueste» Nachrichte» zeigen, daß es noch viele Anstrengungen kosten dürfte, bis der Feldzng beendigt werden könnte. Ans S> in l a wird vorn 17, d. M, gemeldet: Einige Grenzstämme, welche die Friedens- bedingnngen' thatsächlich schon angenommen halten, zeigen jetzt eine immer feindlichere Haltung in dein Glanben, der Winter«verde die Briten nöthigen, sich zurückzuziehen, ohne die Erfüllung der Friedens- bedingnngen zn erzwingen. General Lockhart ivill scharfe Zwangsmaßregeln ergreifen. Als die Brigade des Generals Kempster am 15. d, M. auf dem Rückwege vom Auran-Thale, wohin sie eine Expedition unternommen hatte, begriffen war, wurde sie in einer Entfernung von 4 Meilen von Maidan heftig vom Feinde angegriffen. Eine Abtheilung des Dorsetshire-Regiineuts wurde in der Dunkelheit abgeschnitten, zwei Lientenaiits und neun Mann dieser Abtheilung wurden getödtet; auch zwei andere Offiziere sind gefallen und drei verwundet. Die Sikhs zeigten beim Decke» des Rückzuges große Tapierkeit und schlugen den Feind unter großen Verlusten zurück. Die Sikhs hatten 12 Todte und 25 Verwundete. — Zum ch i n e s i s ch- d e» t s ch e n Konflikt wird der „Frankfurter Zeitung" aus London von gestern berichtet: Aus Shanghai wird vorn 16. d. Mts. gemeldet: Stach der Besetzung der Kiao-tschau-Bncht durch das deutsche Geschwader wurden 100 Mann dort gelandet. Sie sollen dort bleiben, bis für die Ermordung der deutsche» Missionare in Jendschofn vollste Siilnie ge- leistet ist. Nun wird übrigens berichtet, daß die Gewalt- lhat nicht das Werk von Banditen ist, sondern durch den Gouverneur Li-pi»g.heng angestiftet wnrde, ehe dieser nach Sz'-tschwang abreiste, für welche Provinz er zun, Vizekönig ernannt ivorden ist. Die deutschen Besntznngslruppen haben Winterquartiere bezogen. Proviant und Ausrüstung wird ihnen von Shanghai geliefert. Die„Kölnische Ztg." berichtet: Der durch die Kreuzerdivifion mittels Trnppenlandiliig besetzte Hnfenort in der Zkiao.lschau-Bucht mar durch 5000 Chinesen besetzt; sie führten das preußische Jäger- gewehr Modell 71 und vierzehn Krupp'sche Feldgeschütze. Da von einem Gesechte nichts gemeldet wird, so habe» sich die Chinesen augenscheinlich ohne ei» solches zurückgezogen.— Slfrika. Kairo, 16. November. Die egyptische Regierung hat an die diplomatischen Vertreter ein Rundschreiben, betreffend die Erneuerung der gemischte» Gerichtshöfe gerichtet. Danach ist die Regierung bereit, die Machtvollkommenheiten dieser Gerichte aufrechtznerhalte»; sie beantragt jedoch eine schärfere Fassung des Artikels II, wonach die Gerichte befugt sein sollen, die Verivaltungsmabnahinen der Re« gierung z» interpretiren, jedoch nicht zu bcanssichtige». Ferner schlägt die Regierung eine Aenderung des Artikels 9 vor, welcher die Grenzen der Rechtsprechung im Zivilprozeß zwischen Eingeborene» und Ausländern, sowie zivischen Ausländern von verschiedener Nationalität feststellt.— Kairo, 13. November. Oberst Parsons Pascha und mehrere eingeborene Offiziere werde» sich am 23. d, M. nach Suaki» begebe», von wo sie sich kurze Zeit später»ach Massauah einschiffen. Von hier werden sie mit einen, Bataillon Infanterie, Abtheilungen Artillerie und Genietruppen, sowie Kameelreitern, zusanimen etwa 1500 Mann, nach Kassala marschire».— Verantwortlicher Redakteur: Zlugust Jacobey in Berlin. Für den Ins« Ssinerika. Washington» 17. November. Präsident Mac Kinley unterzeichnete den jüngsten Wellpost-Kongreß-Vertrag, welcher an» 1. Januar 1393 in kraft tritt,— Washington, 17. November. Die Konferenzen zwischen den britische», kanadischen und amerikanische» Sachverständigen in der Robbenfrage und zivischeu de» kanadischen und amerikani- scheu Diplomaten in der Angelegenheil der Reziprosität sind, ohne daß ein endgiltiges Uebereinkoininen getroffen wäre, geschlossen worden; die Verhandlungen sollen aber auf schriftlichem Wege sorl- gesetzt werden.— — Zu den Vorgängen in Brasilien wird über Lissabon gemeldet: Nach den hier eingetroffene» Privat- Meldungen ans Rio de Janeiro bezeichnet die Regiernug den General G l i c e r i o als das Haupt der Mililärverschwörung; als derselbe jedoch in den Morgenstunden des letzten Sonntags ver- haftet werden sollte, war er soeben auf einem Schiffe entkommen. Ei» sofort nachgesandtes Kriegsschiff konnte den Flüchtigen nicht mehr entdecken, iveshalb man glaubt, daß er im Staate Espirito Santo einen bewaffneten Widerstand gegen die Regierung organisiren «verde.— Durch das neue Gesetz betreffs Verhängulig des Be- lagernngsznstandes ivurde die Unverletzlichkeit der Ab- geordnete» des Kongresses und des Senates ausgehoben, sodaß alle in Rio»och angetroffenen Parlanientsinilglieder der Jakobinerpartei verhaftet wurden. Eine größere Zahl derselben konnte jedoch noch rechtzeitig entfliehen.— Das Redatlioiisbnreau und die Druckerei des demokratischen Blattes„Folba de Tarde" ivurde vo» Anhängern der Regierungspartei unter Mitwirkung der Polizisten vollständig zerstört, wobei man zivei Personen schwer und zehn leicht verwundete.— — Der deutsche Reich sangehörige Lehrer Roth in P a l h o c a in B r a s i l i e n ist von Eingeborenen schwer miß« handelt ivorden. Der kaiserliche Konsul in Desterro(Florianopolis) hat wegen dieses Vorkonimnisses sofort beim Gonverneilr des Staates Santa Catharina Beschwerde geführt und eine Untersuchung des Falles sowie die Bestrasiing der Schuldigen verlangt. Beides ist, ivie die„Nordd. Allg. Zeitung" mitlheilt, von dem Gouverneur zu- gesichert ivorden.—_ NsvletnrvnkÄvifclzes. Die Deutsch-Konservative» halten ihre erste Fraktionssitzung am 29. November ab.— Ailttkevnvhittev-Vevbiinde. Petrolenm-Tyndikate. Wie die„Nene Badische Landes-Ztg," meldel, beriefen die am Petroleumhandel betheiligten Firmen Süd- dentschlands ans Mittivoch, den 17, November, nach Mannheim eine Bersamnllitng ei», um gegen die gegen den freien Handel gerichtete» Bestrebungen der„deutsch-amerikanischen" sowie„Mannheiin-Bremer Petroleningesellschafi" Slellnng zn nehmen. Die Großhandlungs« firme» Süddeutschlands lehnen deshalb die ihnen vo» den genannten Gesellschaften zugennithelen Kontrakte ab und suchen Anschlnft an die von der„Stnndard-Oil-Conipany" nnabhängigen„Pure-Oil- Coinpanr)" in Hanibnrg, die in Mannheim und andere» Plätze» Tanks errichtet haben. Ter Verein zur Wahrung der Interesse» der Tnch- und Schneidcrartikel Vranchc in Deutschland versendet ein Rund- schreiben, in welchem der definitive Abschluß einer Konvenlio» der Grossisten und Versandhäuser der Tuch- und Schneiderartikel- Branche gegenüber denjenigen Fabrikanten, welche mich den Einzelverkauf pflegen, als gesichert bezeichnet wird. In Form eines Taschenbuches soll zur Orientirnng für die Fabrikanten und Schneidernieister ein Namensverzeichniß derjenigen Firme» heraus- gegeben iverde», welche sich der Konvention angeschlossen haben. Nach den, vorliegenden Verzeichniß haben schon jetzt 53 Firmen, die zi« den augesehenslen der Branche gehören und die sich über ganz Deutschland verlheilen, der Konventio» angeschlossen. Ei» Bund österreichischer Industrieller hat sich nach einer Meldnng ans Wien konstiluirt. Ueber hundert Industrielle aus allen Tdeilen des Reiches haben ihren Beitritt erklärt. Zni» Präsidenten ivurde Julius Pnstree geivählt. Das offizielle Programm des Bundes umfaßt wirksamen Schutz der Industrie, Slellnng- »ahme zn allen die Industrie berührenden Fragen ohne jede politische Tendenz, Regelnng der Arbeiterverhällnisse i» einem die Interessen der Arbeitgeber und Arbeiter gleichmäßig berücksichtigenden Sinne, Ansgestaltnng des Verkehrswesens, Pflege der Handelsinleressen. In den Provinze» will der Bund Sektionen gründen. Die gleichmäßige Berücksichtigung der Interesse» der Unter- nehmer und Arbeiter ist natürlich eine Farce, eine Unternehmer- Organisation verfolgt Sonderinleressen, die sehr oft in« direkten Gegensatz zn de» Arbeiterinteressen stehen. Wir haben es hier mit einer Organisation zu thu», die wahrscheinlich dem Zentralverband deutscher Jndustrieller»achgebildet ist. Äiozinlos. Eine Enquete iibcr die Einkoinmensverhältnisse der deutschen Bnhnenniitglieder, mit besonderer Berücksichtigung der weiblichen, wird, wie die„Polem. Korresp." erfährt,„regiernngs- scitig" geplant. Die Anregung dazu hätten mehrere Vereinigungen gegeben, die die Hebung der Sittlichkeit bezwecke». Der HilfSverein deutscher Reichsangehöriger z» Prag ersucht uns, die Arbeiter D e u t s ch l a» d s daraus aufmerksam zu»lachen, daß bei St r b e i t s a n g e b o t e n aus den» c z e ch i- s ch e n B ö h in e n die g r ö ß t e V o r s i ch t am Platze sei. Wir halten, heißt es in dem Schreiben, des öftere» Fälle, daß Arbeiter ans den» gleiche unter Vorspiegelung größerer Verdienste:c, hierher gelockt wnrden. Die Leute sahen sich dann sehr entlänscht, da man die Versprechungen nicht hielt und sie nur aus dem Reiche ko»«»ien ließ, um ihnen ihre Geschicklichkeit abzulerne». Im vorige» Monate hatte» ivir bei einer hiesigen Firma zwei solcher Fälle. In einem Falle unterstützten wir den Betreffenden, damit er saninit seiner Familie nach Berlin zurück konnte; im ziveite» Falle war uns dies nicht möglich, da der Betreffende keine Papiere halte, und zwar ans dein einfache» Grunde, weil sie von der Firma widerrechtlicher Weise nicht ansgesolgt wurden. Durch unsern Rechtsnnwalt verschafften wir uns die Papiere und sandte» sie dem Betreffenden nach Berlin nach, Der Verein erklärt sich bereit, jedem Deutschen, der nach Böhmen engagirt wird, mit Auskunft an die Hand zu gehen. Die Adresse des Vereins ist: Prag II, Graben 26, Deutsches Haus. Unsere Ge- werkschaflen in Böhmen werden ivohl in unparteilicher Weise unseren Arbeitern mit Anskünslen dienen können. Auf gruud einer Nutersuchuug des Sehvermögens der Eiseubahnbedienfteteu ist einer Anzahl solcher ausgegeben ivorden, bei Aiisübung ihres Dienstes eine Brille zu trage», sowie eine R e s e r v e b r i l l e bei sich zu führen. Um nun die Sicherheit dafür zu ge, Vinnen, daß der Anordnung auch Folge geleistet wird, haben die preußischen Eisenbahn> Direktionen verfügt, daß die Dienststellen-Vorsteher ein namentliches Verzeichniß der Bediensteten führen und durch Eintragung aller Personen. welchen späterhin das Tragen von Brillen aufgegeben ivird, sich auf dem Laufende» halten sollen. Die Vorsteher der Dienststelle» werden dafür verantivortlich gemacht, daß die betreffenden Beamten ihre» Dienst nur mit einer Brille ausgerüstet verrichten. Für den 9 Uhr- Ladenschluß haben sich in Grüuberg von 240 Ladeninhaberii 223, dagegen 17 erklärt. Das Material soll den Behörden nud gesetzgebende» Körpern nberinittelt werde», da eine endgillige Regelnng der Angelegenheit nur auf dem Wege der Gesetz- gebung möglich fei. Die Kulturaufgaben leidci»«nicht" in Preußen. A»S dem schlesischen Kreise Slriegau wird gemeldet, daß i» Gnlschdorf ateiilheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von M 296 Kinder, in Laasan 228, in Groß-Rofe» 225, in Stanowitz 204, in Pilgramshain 202 Kinder nur von je zwei Lehrer» unterrichtet>v erden. Arbeiterrisiko. In den Parterreränmen des Maximilian- kellers in München wurde eine Pfeilerauswechfelung vor- genommen, ohne daß die baupolizeiliche Genehmigung eingeholt ivorden iväre. Dienstag früh gegen 3 Uhr wichen die das obere Stockwerl tragenden Eilenschiene» aus ihrem Lager und der ganze Boden mit den darauf liegenden Lagerfässern stürzte herab, durch- schlug das Kellergewölbe und verschüttete 13 Arbeiter und 6 Arbeilerinnen, Bis 10 Uhr wnrden 13 Personen(9 männliche und 4 weibliche) aus den Trüinnier» hervorgezogen, die, zum theil sehr schwer verletzt, in das Krankenhans gebracht werde» mußte». Ein 2Sjähriges Dienstmädchen erlag alsbald den schwere» Verwundungen. Die übrige» 6 Personen(4 niännliche und 2 weibliche) wurden im Laufe des Tages nach ungeheuere» und mit Lebensgefahr ver- bundenen Anstrengungen aus dem Schnllhansen als Leichen aus- gegraben. Sie waren in ihren« Grabe erstickt. Die Untersuchung gegen den schuldige» Baumeister ist eingeleitet. Die„Münchener Post" bemerkt zn dein Vorfall:„Hoffentlich wird nicht versäumt, die Schuldigen unnachsichtlich zu bestrafen. Nur exemplarische Strafen bei nachiveisbaren Verfehlungen, erhöhte Verschärfung der Banvorschristen und der Baukontrolle erscheinen geeignet, Banunfällen fo schwerer Slrt, wie sie gerade i» München an der Tagesordnung sind, vorzubeugen. Aber auch die Arbeiter möchten«vir immer und immer wieder ermahnen, selbst Banlontrolle auszuüben und a» Baute» zu tage tretende Mißstände in« aller- eigensten Interesse zur Anzeige zu bringe»," Kraukeukasseuwcseu. Aus Straßburg i. E. wird uns ge- schrieben: In einer öffentlichen Versammlung.>vo der Aoistand der g e»i e i» s a m e n O r t s- K r a n l e n k a s s e, deren Leitung sich seit etwa Jahresfrist in s o z i a l i st i s ch e n Hände» befindet, über seine Thätigkeit berichtete, wurde u, a. festgestellt, daß viele Unternehmer ihre Arbeiter gar nicht oder zu spät, oder auch in zu niedrige Lohnklassen annieldeten. so daß der Kasse jährlich»»indestens 20 000 M. verloren gingen. Der neue Vorstand will in Znkmisl gegen derartige Machinationen mit aller Slrenge vorgehen. Es wnrde ferner festgestellt, daß der alle Vorstand solchen Unternehmern, die infolge von Nichtanmeldnng ihrer Arbeiter Nachzahlungen leisten sollten, bedeutende Nachlässe bewilligt habe, selbst in Fällen, wo die Zahlungsfähigkeit außer Zweifel stand; in einen» einzigen Jahre hätten diese unbegründeten Nachlässe die Höhe von nahezu 1500 M, erreicht. Endlich sollen an die früheren geschästö- führenden Vorstandsmitglieder Entschädigungen bezahlt ivorden sei», die selbst den Aussichtsbehörden wegen ihrer Höhe Anlaß zur Beau- standnng gaben. Deutsche Seefischerei. Nach Angabe des deutschen See- fischerei-Alinanachs betrug am I. Mai d. I. die Zahl der r e g i st r i r l e n deutschen Segel-Fischerei-Fahrzeuge 452, die der registrirteu deutschen Fischdanipfer 112. Nicht registrirt waren 6 Dampfer, 907 gedeckte Segelsahrzenge, 777 halb gedeckte Segelfahrzeuge, 10 442 offene Boote und Kähne. Die Zahl der Seefischerei- Aktiengesellschaften beträgt in Provinz Ostpreuße» 1, Provinz Schlesivig-Holstein 2, Provinz Hannover (Reg, Aurich) 4, Hamburg 1, Bremen 2, Großherzogthnin Olden- bürg 2, Das K a s s e n w e s e n zur Versicher>i»g vo» See- fischer-Fahrzeugen und Netze» ist noch nicht stark ausgebildet, macht aber sichtliche Fortschritte: Es giebt zur Zeit an der Ostsee 10 Ver- sichernngskassen, bei denen insgesamint 525 Fahrzeuge und 20 607 Netze versichert sind. An der Nordsee giebt es eben- falls 10 Kassen; die Angaben über die Zahl der dort ver- sicherten Fahrzeuge sind unvollständig, angegeben sind 326 Fahr- zeuge.— Zn den Unfällen auf See meint ein englisches Fachblatt: „Nur zu ost wissen die Offiziere kleinerer Dampfer und großer Segelschiffe nicht einmal annähernd die Position des Schiffes und die Gefahren der betreffenden Meeresgegend. Es giebt Beispiele in Menge, daß ein gutes Schiff durch fehlerhaste Navigation auf den Strand gesetzt wurde. Eine so unseeinännische Art der Schiffs- Handhabung kann gar nicht scharf genug verurtheilt werden." Dazu bemerkt die„Bremer Bürgerzeitung", daß dieser Tadel ebenso ans die Schiffsführer anderer Länder zutreffe, Schuldan dein leichtsinnigen Gebahren der Schiffsführer sei aber die Profitsucht der Rheder. Ueber den Stand der BergwerkS-Bruderladeu Oesterreichs veröffentlichte das Ackerbau-Ministerium einen Bericht, der sich auf das Jahr 1894 bezieht. Danach waren in 219 Bruderlade» mit separaten Krankenkassen 134 700 Bergarbeiter und 7359 Ar- beiterinneu, zusammen 142 559 Personen versichert. Unter den Ein- nahmen im Betrage von 1717 139 fl. befanden sich 1 610 286 fl. laufende Beiträge der Bergleute und der Werkbesitzer. Die Aus- gaben betrugen 1,5 Millionen Gulden, davon wurden 1,37 Millionen oder 35,1 pCt. der Beiträge zu Leistungen der Kranken- kasse» an die Mitglieder verwandt. Von den Ausgaben kamen 662 212 fl, auf gezahlte Krankengelder, 264 756 fl. auf ärztliche Hilfe, 273 764 fl, auf Medikamente, 95 821 fl auf Spitals- Verpflegung. 50 635 fl. auf Beerdigungskosten, 22 399 fl, ans außerordentliche Unterstützunge» und 93 505 fl. auf Berwallungs- kosten. Die Reservefonds der Bruderladen betrugen nach Zu- Wendung eines Ueberschnsses von 212 953 fl. insgesaniint 520 325 fl. Von den Brnderladen-Mitgliedern sind während des Berichtsjahres 1803 invalid geworden, nud zwar 177 durch eine bei Ausübung des Dienstes erlittene Verletzung, Gestorben sind 1321 Mitglieder, ivobei in 373 Fällen Verunglückung im Dienste die Todesursache war. Die durchschnittliche Sterblichkeitsziffer berechnet sich auf 0,01103, die Unfalls-Sterblichkeitsziffer auf 0,003l6pCt. Eine Verunglückung im Dienste mit tödtlichein Ausgange kam durchschuilllich bei je 317 Bergarbeitern vor. Vei dem dänischen Laildcsthiug petilioniren 2004 Ar« b e i t e r der Z e n t r a 1>v e r k st ä l l e n der Staatsbahnen um Verbesserung der Lohn- und Aibeilsverhältniffe, Sie fordern, daß der Stundenlohn erhöht �iviid, daß jeder Arbeiter peuflons- berechtigt sei, daß 3 Tage Soinnierferien gegeben würden ohne Lohnkürzung und daß der Achlstuiiden-Arbeilstag velsnchsweise ein- geführt iverde._ Depefutzett«nv letzte eichten. Wiesbaden, 13, Nov.(B, H,) Der ivegen Unterschlagung vo» 10 000 M. steckbrieflich versolgie Postassistent Hederich ist heute Morge» hier verhaftet worden. In seinem Besitz besandeu sich noch 1150 M. Wien, 17. November.(W. T, B,) Eine gestern Abend ver- anstallete S t u d e n t e» v e r s a in m l u n g, in welcher Genosse Dr, Ellenbogen eine Rede über Natioualisnins und Sozialismus hielt, wurde infolge lärmender Szene» polizeilich aufgelöst, Madrid, 13, November.(W. T. B) Eine Depesche de? Gouverneurs der Philippine» GeneialS Piiino de River» meldet, daß der Friede bald wieder hergestellt sein werde; es kämen Ab- geordnete der Ausständische» zn ihm, um ihm ihren Wunsch, sich zu unlerwerle», anznkündigeu. Madrid, 13. November.(23. T. B.) General Weyler ist in Corunna augekoinuieu. Madrid, 13, November.( W, T. B,) Im Ministerralhe kam heute eine sehr zufriedenstellende Note des auieiikanischen Gesandten Woodford zur Verlesung, in ivelcher die Washingtoner Regierung sich sehr befriedigt und erkenntlich über die Lösung der „Kompelilor"-Zlugelegenheit und einiger anderer schwebender Fragen zeigt. Eornna, 18. Nov.(B. H,) Die beiden Direktoren zweier hiesiger Blätter iverde» sich morgen infolge einer Zeilmigspolemik über Weyler duelliren. Eapc Coast Castle, 16, November.(„Neuter'sches Bureau",) Die Mehrheit der Träger der Nigger-Hintcrland-Expedilion des Oberst-Lieutenant Northeott sind, nachden» ihnen die gesorderten Fleischraliouen bewilligt wurde», wieder nufgebrochen. »x Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen>«. ttuterhaltnugSblatt. Nr. 270. 14. IchMg. 1, Erster dcukscherSerntnnttskongretz Hamburg, 17. November 1897. Die in der vorigen Sitzung begonnene Debatte über die Gründung eines Fachorgans wirb heule fortgesetzt. In der Debatte wird miede» holt der Einwand erHobe», daß siir die Gründung eines Fach- blallcs keine genügende finanzielle Grundlage vorhanden sei und die Verbandsbeilräge bis z»» St) pCl. für das Blatt venvendel »verde» nrnßlcn. Dagegen»vurdc vo» anderer Seite, dein sich der Vertrelcr der Generalkoininission anschloß, die Bedeutung der Presse sür die Zlgilatton hervorgehoben und die Heber- nahine des Blattes ans Kosten des Verbandes enipsohlen. Schließlich»virdlei» Antrag: ei» Organ, betitelt„Der Secinan»", »vird von» Verband ins Leben gerufen, in nameiillicher Abstiinmung ei n sti m ni ig a n g e n o in m e u. Das Blatt wird monatlich ein- mal erscheinen. Für die obligatorische Emführiiiig stimmen nur vier Delegirle. alle anders» dagegen. Die Elnzelnunniier kostet 10 Ps. Hierauf entspinnt sich e>»e langausgedehnle Debatte über die Festsetzung der Höhe der Beiträge und die dazu vorliegende» Anträge. Bremerhaven beantragt, de» monallichen Beitrag ans 50 Pf. sestzu- seyeu. das Eintrittsgeld aus 2 M. Flensburg bennlrngt. ein Eintrittsgeld von 1,50 M. und 75 Ps. Beilrag pro Monat, ivährend der Eulwurf zum Statut 1 M. Eintrittsgeld und t M. Monais- beitrug sestgesetzl ivifsen will. In namentlicher Abstininiung»vrrd mit großer Majorität der monatliche Beitrag ans 75 Ps., das Eintrillsgeld aus 1,50 M. festgesetzt. Es ersolgt dann die Bcralhiing der Höhe des Prozentsatzes. der von de» Eiiinahmeii der einzelnen Lokalverivallniigen a» die Zentralkasscn abgeführt weiden soll. Während da? Statut in scineni Entwnrj vorschlägt, 75 pCl an die Zenlralknsse abzuführen, beantragt Bremerhaven 50 pCl. Der Antrag wird mit großer Mehrheit angenommeii. 'Als Sitz des Verbände? wird, nachdem Metzger die Gründe hierfür nuseiimiidergesetzl. Hamburg bestimmt. Hierauf wird zur Vorstandsivnhl geschritten und S t ö r m e r> Hamburg mit großer Mehrheit zum Verbandsvorsitzende» gewählt. zu»» Hauplkassirer wird H o s s rn a n n- Hamburg ernannt. Bremerhaven wird als Sitz des Ansschusfes bestimmt. Der Verband tritt an» 1. Februar 1898 in kraft. Die Besoldniig des Zentralvorsitzenden »ind des Kassirers wird in der Weise geregelt, daß die genaue Fest- setzuug des Gehalts des erste» Vorsitzenden und der Remuneration des Kassirers dem Zciilralvorsland und dem Ausschuß überlasse» bleibe», daß aber die Gesainmthöhe der monatlichen Ausgaben sür diese Posten 200 M. nicht übersteigen darf. Hamburg, IS. November. Zu», S Punkt der Tagesordnung:..Slcllnngnnhme zur deutsche» Seeniannsordnung und Dnrchberathnng der verschiedenen Ab- änderungsanträge und Nesolutionen", ergreift Störmer das Wort: Wir verlangen ein Gesetz, in dein die§§ 37, 38, 39, 40, 41 und 54 der Seeiilannsordiiniig, sowie die Bestimmungen, belr/ den Bergelohn abgeändert werde». Auf grinid freier Vereinbarungen darf das Verhällniß des Seemanns zn feinem Vorgesetzten nicht geregelt werden. Wir verlangen dieselbe Behandlung, wie ilnsere Arbeitsbriider auf dem Lande. Sowie ei» Seemann an Bord tritt, ist es mit seiner individliellen Freiheit dahin, er muß sich ohne Widerrede dein Gcivallhaber, dein Schiffer, unter- ordnen. Nach tz 102 der Seeniannsordiilliig muß ein Schiffsrath in gewisse» Fällen eingesetzt werden. Die Befugniß des Schiffralhs inuß bedeutend erweitert werden. Das Handelsgesetzbuch deutet an. daß der Schiffsrath auch bei der Vcrtheilnng dcS Bergelohns gehört wcrdeu soll. Aber es sind so viele Vorhalte vorhandeii, daß der Schiffsrath völlig bedeutungslos ist. Wir verlange», daß Obmänner gewählt werden. Die Obmänner müssen i» bestiuiniten Fällen mit denselben Rechten ausgestaltet sein, wie der Machthaber an Bord; so z. B. muß der Schiffsrath bei der Protokollirung gewisser Vor- koittiunisse zugegen sein. Da»nsere Beschiverdc» bishiii immer verhallt sind, so habe» wir uns nach Verbündete» umgesehe», welche ilnsere Forderung vertrete». Die Herren Bcnnigsc», Stlnnin Kanitz u. s.>v. haben sich nn» ii»s nicht gekümmert. Die Abänderungsvorschläge zur Seemannsordnnng. die in, Reichstage eingebracht ivorde» sind, sind vo» Seeleuten ausgearbeitet ivorde». Der jetzige Kongreß der Seeleute habe die Vertreter der Arbeiter gebeten, ihnen Hilfe zu leisten, damit die Forderungen der Seelente Berücksichtigung finde». Die jetzige Sccuiannsordnnng sei lediglich auf die Segelschifffahrt zugeschnitten. Seit de»» Bestehe» der See- niannsordinlng ist eine gewaltige Umwälzung in der Schiffsahrt er- folgt. Im Jahre 1872 waren auf de» Dampfern erst 5000 Mann und auf de» Seglern noch 35 000 Mann beschäftigt; jetzt, im Jahre 1897, sind aber ans de» Dainpsern schon 25 000 und ans den Seglern nur noch 15 000 Mann thätig. Weshalb auf einem Schiff bezüglich der Arbeitszeit.-Ordnung u. s. w. nicht gleiche Vorschriften herrschen sollen als in der Fabrik, ist unerfindlich. Selbst- verständlich»st es, wie der Seemann den» Schiffer Gehorsam schiildig ist. Redner bespricht sodann eingehend die zunächst liegenden Forderungen, welche in die'Seemanns- ordnung aufgenomme» werden müssen. Die Seeniannsämter im In- lande müsseii ebenso wie die Konsulate vo» der Reichsregierung und nicht, wie jetzt, von den einzelne» Landesregierungen eingerichtet werden. Drei Personen, die särnnitlich dem Seeinannsbernse angehört habe», müssen das Secmnnusaint bilden. Dan» muß em Ober> Eeemannsaint vorhanden sei» mit einem Juristen als Vor- sitzende»»nd vier seemännischen Beisitzern. Beftiinmunge» über Kost, Logis und die Mitnahme von Heilmitteln müssen in die Seemanns- ordnung aufgenommen werden. Heute bestimmt hierüber sogar jeder Hafenort. Die Bermilteliing von Heuern durch Heuerbaase oder diese» ähnliche Stellcnvcrmiltler muß entschieden verboten werden. Daß der Schisser mir nichts dir nichts de» Man» mit dem Verlust von Monaisheuer» bestrafen kann, ist eine empörende Ungerechtigkeit. Ferner müssen bezüglich der Arbeitszeit, der Bezahlung der lieber- slmide», der Abmusterung u. s. iv. gesetzliche Vorschriften erlasse» werden. AlS NcichStagö Kandidat für den 21. sächsischen Wahlkreis wurde von der Kreis-Partelversmmnlung zu Johanngeorgen- si a d t der bisherige Kandidat, Genosse Grenz ans Leipzig, ans- gestellt. Im 19. hannöverschen Wahlkreise Otter ndorf-Neu ha uS kandidwt Genosse Haverkanip, Redakteur der„Norddeutschen Volksstiimne". Vci der Stadtbcrordiietciiwahl i» Weiffcnfcls a. S. er- hielten in der 3. Klasse die Freisinnigen niit 233—235 Stimme» wieder die Mehrheit; unsere Slim»ie»zahl ist aber gegenüber der Wahl im Jahre 1895 um das Doppelte gestiegen. 1895 betrug sie 83. diesmal 185-171. In Rödelheim bei Frankfurt a. M. wurden bei der Stadt» verordnelenwahl in der dritten Klasse die sozialdemokratischen Kau- didate». Schloffer Lösch und Gärtner Neumann, mit 134 und 129 Stimmen gewählt. Die bürgerlichen Kandidaten erhielten 113 und 108 Stimmen. Eine Parteiversammlniig für den n. badischcn Wahlkreis Mauuhcim»ahm auf'Antrag des Redakteurs I a e ck h folgende Resolution gegen fünf Stiiiimen an:„Die Parteiversannnlnng er- klärt sich mit den Beschlüssen des Hamburger Parteitages ein- verslande» und verspricht, im Sinne seiner Beschlüsse zu wirken. In Sachen der preiißischc» Landlagswahlen spricht sich die Versammlung dahii, ans, daß der Hamblirger Parteitagsbeschluß nicht verbietet, bei den Wahlniännerwahlcn unter gegebenen Umständen für oppo- sitionelle Wahlmänner einzutreten." de» Jorraiirls" Nach dein Bericht der Mannheimer„Volksstimme- begründete Genosse Jaeckh seine Ansicht damit: Das Mitlag'sche Amendement zu der Resolution besage nur: Kompromisse mit bürgerlichen Parteien dürfen nicht abgeschlossen werde». Das besag« durchaus nicht, daß ein Sozialdemokrat überhaupt nicht für einen Gegner stimmen dürfe. Gerade die Genossen in Baden wüßte» es genau, daß man schon im ersten Wahlgang für oppositionelle Wahlmänner stimme» könne, ohne ein Kompromiß geschlossen zu habe». Vo» der Agitation. Reichstags-Abgcordneter Friedrich Geyer aus Leipzig unternimmt kommende Woche«ine Agilations- tour durch das bremische Gebiet. Ter VcrtrancnSmann für den II. badischc» ReichStagS- Wahlkreis Mannheim, Genosse D r e e s b a ch.»ahm im ab- gelausenen Verwallnngsjahre(einschließlich 1099,23 M. srüheren Bestands) 5727,95 M. Gelder sür die Partei ei». Die Ausgabe betrug 3915,57 M., der Kassenbesland beträgt sonach 1812,38 M. Unter de»'Ausgaben befinden sich: 1146,88 M Kosten der Stadt- verordneten-Wahle», 240 M., die an die badische Laiidesorgaiiisation, nnd 250 M, die an die Parleikasse in Haniburg abgeliesert wurden. Durch Sammliinge» hat die Partei sür die Hainburger Hafenarbeiter 4871,88 M. ausgebracht. Für die„Volksstimme" beziehentlich die Mannheimer Akliendruckerei ist ein eigenes Haus<113, 14) erworben n orden; mit dein Umbau desselben konime» die Koste» ans mindestens 150 000 M. zu stehen. Organisation östmcichischcr Sozialdemokraten in der Schweiz. Der Oestcrreichisch-imgnrische'Aibeiter-Bildiingsverein in Zürich hat mit Zilsiimmniig der österreichische» Vereine>» Bern nnd Winterthur beschlösse»,»bei das ganze Gebiet der Schweiz eine festgegliedcrlc Organisation zu gründen unter dem Namen: Verband österreichischer Sozialiften>» der Schweiz. Zur Konstitliirung des Verbandes und um ein für alle Mitgliedschasten gelteiides Statut ausznarbeile», soll ein Delcgirten- tag einberufen werden. Man hofft, die Konstiluirnng des Verbandes bereits im Januar nächsten Jahres vornehme» zu können. Tie sndsiavische Sozialdemokratie hält zu Weihnachten in L a i b a ch ihren zweiten Parteitag ab Die vorläufige Tagesordnung lautet: 1. Bericht der Exekutive; 2. Organisation; 3. Ägi- tatio» und Taktik; 4. Presse; 5. Die Wahl der Exekutive; 8. Partei- Angelegenheiten. Ans Italien. A m i l c a r e C i p r i a n i hatte im griechisch- türki scheu Krieg bekanntlich eine Kugel in's Knie bekomme», welche die Knochen dermaßen verletzte, daß vollständige Heilung ausgeschlossen schien. Wie wir nun zu ilnsem Freude erfahren, hat der tapfere Freiheitskämpfer sich vorige Woche einer Operation unterzogen. durch die alle Knocheiispliltcr und Kngeltheilchcn entfernt worden sind, so daß. nach dem Gntnchlen der Aerzte, nicht blos die Wunde bald ganz zuheilen, sondern aiich die Steifigkeit des Beins beseitigt sein wird. Polizeiliches, Gerichtliches tt. — In P o r e in b a i» OberschUsie» wurde, wie die Breslauer „Volkswacht" mittheilt, am Sonntag eine V o 1 k s v e r s a in in l u n g »nmittelbar nach der Eröffnung wegen vors chrifts widriger Beleuchtung ausgelöst Nach einer Polizeiverordnung soll der Gebrauch vo» P e t r o l e u in I a»i p e n in öffentliche» Lokalen nur nach polizeilicher Genehmigung erlaubt sein.— Die Fürsorge, die in Oberschlesien die Behörden dem leiblichen Wohl der Bersannulnngs- besnchcr widmen, ist wirklich rührend. — Der Magistrat von W ü r z b n r g beschloß, gegen den Redakteur der„Fränkischen V o l k s t r i b ü ii e", Genosse» K o n r a d Beißwanger, Slrafantrag wegen Beleidigung der Schutzmannschaft zu stelle». — L i s s n g a r a y' s„Geschichte der Kommune" hat. wie uns aus Paris geschrieben wird, nun auch vor dem A p p e l 1 h o f den Prozeß Dolbean verloren. Es sei daran erinnert. daß die Söhne des verstorbenen Chirnrgieprofejsors Dolbean den Verfasser»nd den Herausgeber verklagt halten wegen des Passus, wo von der Denunzialioii eines verwundete» Kommunekämpfers durch Dolbean die Rede ist. Trotzdem diese Thnlsache auch in der von de» Söhne» Dolbean angcrusenen„osfiziösen- Engnete anerkannl wird, ivährend die vo» Lissagaray bchanptele Erschießung des Demnizirle» sich als irrthiimlich erwiese» hat, bestäligie der Appellhos das Urlheil der ersten Instanz, welches die Aiismerzuiig des betreffende» Passus vorschreibt. Die Rechte der historischen Forschung höre» vor der Klassenjustiz auf, wo es sich nm einen proletarischen Gcschichlsforscher handelt. Msmmunales. Stadtverordnete»- Bersaimnlmig. O e f f e n t l i ch e Sitzung v o in Do» n e r st a g, 18. Novembe r. nachmittags 5 Uhr. Dein verstorbenen Sladlrath Borchardt widmet der Vor- sicher Dr. L a n g e r h a n s Worte ehrenden Nachrufs. In den Ausschuß zur Borberatbung der Nachweise bezw. An- träge wegen der Kranken- und Uusallversichcriiiig der im städiischen Dienst beschäftigten Personen ist auch der Stadtv. Stablhage» depulirt. In der Augclegcuheit betreffend die Einhaltung der Dienst- st n» d e n des städtische» B» r e n» si e r s o n a l s hat am l. November er. eine Ansschnßberaihung statlgefnndeu. Nach§ 11 der durch Eemeindcbeschlnß scstgestellten„Grundsätze" gilt die acht- ständige Dienstzeit; Ihaisächlich beträgt sie nur 7 Stunden. Seit >891 ist wiederHoll von der Versammlung, zuletzt vo» dem Ausschuft, welcher sich speziell mit den Verhältniffeu des städtische» Dienst- Personals beschäftigt, die volle Anssührung des Z 11 gefordert worden. In einer„zur Kenntnißnahme" rubrizirten Vorlage vom II. Juni lehnt der Magistrat ab, darauf einzugehen, indem er sich ans eine mehr als 50jährige Praxis beruft, welche die jetzige Methode als die richligc besläiigt' habe. Im Ausschuß ist man nach Ab- wägnng aller Gründe und Gegengründe zu dein einstimmigen Vor- schlag gelangt, einen maieriellen Beschluß dahin zn fassen,„daß der crivähnle Gemcindebcschliiß>,»§ 11 erhalten bleibe, daß aber zur Zeit vo» der Forderung der Ausführung dieser Vorschrift Abstand zu nehmen sei". Ohne Debatte tritt die Versammlung diesem Vorschlage bei. Die neue Gehaltsordnung für d a s G e in« i n d e s ch n l- Lehrpersoual hat den niedergesetzte» Ausschuß in 6 Sitzungen beschäftigt, lieber den Gang der Ausschiißberathungen ist seinerzeit auch von uns ausführlich berichtet worden. Das Schlußergebniß stellt sich i» de» Hauptpunkt«» wie folgt: Das Grundgehalt für eudgiltig angestellte Lehrer soll 1200 M.(Vorlage 1000 M.) betragen, die Alierszulage» nach bezw. 6. 8. l l. 14. 17. 20. 23. 27 und 31 Jahren 300, 800. 1000, 1200, 1400, 1800. 1800. 2000, 2200 M.; dazu tritt eine Mielhs- entschädignng von 800 M. Das Minimalgehalt würde sich danach ans>800 M., das Maximalgehall ans 4000 M. stellen.— Einst- w eilig angestellte Lehrer erhalten ein Grundgehalt von 960(Vorlage 800). Miethsenlschädigung 400 M. Grundgekalt der Rektoren 2300(Vorlage 2000). Miethsentschädigmig 800 M. Das freie Brennmaterial für die Neklore» bezw. das Aversnm von 90 M. soll fortfallen. Lehrerinnen: Grundgehalt 1000(Vorlage 900), Mieths- entschndigung 400(300) M., Alierszulage» nach 4 Jahren 200 M., steigend in 8 Sinsen bis 1450 M. nach 28 Jahren(Vorlage 7 Stufen in je 3 Jahren von 200 M. nach 8 bis 1200 M. nach 21 Jahren). Fachlehrerinntn: Grundgehalt 900, Mielhsentschädigung 300 M.; Alterszulagen nach je 3 Jahren 100, 200, 300, 400, 500, 600, 720 M.(Borlage nur 4 Stufen von 100—400 M) Irtitaj, 19. Noimndtr 1897. Die am 25. Februar et. gefaßten Beschlüsse über die feste An- stellung technischer Lehrerinnen sollen zu gunften der letzteren eben« salls einige Modifikationen erfahren. Ein von 49 Mitgliedern unterschriebener Antrag Cassel u. Gen. bezweckt im wesentlichen die Wiederherstellung der Magistrats« vorläge. Das Grundgehall sür Lehrer soll aus 1000 bezw. 800 M. bemessen werden. die Alterszuiage dagegen nach 25 Jahre» 2000, nach 27 Jahren 2200,»ach 30 und mehr Jahren 2400 M. betragen. Die Rektoren sollen ei» Grundgehalt von 2200 M., die Lehrerinnen Allerszulagen und Mielhsentschädtgung nur nach der Magistrats- vorläge erhalten. lieber die Ansschnß-Verhandlungen und-Beschlüffe berichtet Stablv. Dr. Pre n ß. Im Ausschüsse seien die Mehrheitsbeschlüsse, die über die bloße Herstellung der äußeren Consornntäl mit dem neue» Lehrcrbesoldungs-Gesetze, wie sie der Magistrat beabsichtigte. erheblich hinausgehe» und die Lehrergehälter auch maleriell gegen die Ordnung von>894 verbessern, mit 8 gegen 8 bezw. mit 9 gegen 5 Stimmen gesaßl worden. Wolle Berlin mit seinem Schulwesen an der Spitze der preußische» Städte bleiben, so muffe eben das Grundgehalt aus mindestens>200 M. bemessen werben. Bürgermeister K i r s ch n e r: Der Magistrat steht noch heute auf dem Standpunkte, daß das neue Lehrerbesoldungs-Gesetz keinen Anlaß bietet zn einer neuen Erhöhung der Lehrergehälter, nachdem nm» 1891 die Besoldungsverhältniffe der Lehrer in allgemein be« fricdigeiider Weise geregelt halte(Sehr richtig!), mit der einen Aus- »ahme, daß das Verlangen der Erhöhung des Höchstgehalts der Lehrer von 3800 ans 4000 M damals nicht erfüllt wurde. Die wesentlichen Ausbesserungen, welche ans Anlaß des neuen Gesetzes in anderen Siädte» ersolgt sind, sollen nun auch für Berlin eine weitere Er- höhung nolhwcndig machen, wenn nicht Berlin„ins Hiuterlreffen gerathen" soll, wenn es nicht i» Gefahr kommen soll,„nicht mehr au der Spitze der Zivilisation zu niarschireu." Das widerspricht den That- fachen. Berlin ist 1894 allen übrigen Siädte» vorausgeeilt, nnd diese holen jetzt lediglich nach, was Berlin schon damals gelhan hat. Es mich das Grsnnnnlbild. nicht blos das Grund- und das Maximal- gchalt verglichen werde», dann ergiebl sich, daß alles, was in anderen Städten beschlossen ist, hinter den Leistungen Berlins zurückbleibt.(Hört, hört!) Nach einer Uinsrage. die wir bei den 32 nächstgrößten preußischen Städten nngestell! habe» nnd ans welche uns bis jetzt 24 Städte Auskunft gegeben haben, wird von keiner dieser 24 Städte für die Lehrer auch nur das ausgemenbel. was Berlin nach der allen Ge- haltsordming answendel(Bewegung). Bei dieser Sachlage durste es doch nicht gcrechlseiligt sein, zu behanpteu, daß Berlin, wenn es bei der alten Skala beharrt, ins Hintertreffen gerielhe. In Frank- furl, das man im Ausschüsse als Ideal hingestellt hat, ist man mit der Regelmig überhaupt noch iiichi fertig.(Heilerkeit.) Stadtv. Cassel: Das Gnmdgehalt von 1000 M. darf nicht für sich, sondern muß mit dem Wvhnnngsgeldznschnß nnd den Zu- lagen zusammen betrachtet und mit den Verhältnissen anderer Städte verglichen werden. Wo höhere Grundgehälter gegeben werde», sind die Altersznlagcn mir gering; nach dein Gesetz beträgt ja überhaupt das niedrigste Maximalgehall einschließlich Miethsenlschädigung und Alierszulage» nur 1980 M Sollte Frankfurt wirklich ein höheres Gnindgehall als 1200 M. einführen, so kommt Berlin deshalb noch lange nicht in§ Hintertreffen; die Verhältnisse beider Städte sind nicht schlechlhi» vergletchbar, auch kommt die Stenerkrnfl beider wcsenllich in betracht. Gegen Berlin hat übrigens Frankfurt 730 Lehrer zn wenig(Hört, hörl!) lAlle möglichen guten- Ziele aus einmal er- reiche» zu wollen, dafür ist Berlin nicht reich genug. Die Er» höhung des Grundgehalts ans 1200 M ergiebl siir den gegenwärtigen Lehm bestaub schon ein AnsgabenplnS von 443 000 M. Nun sind 1891 schon 471000 M. sür Gehaltsausbcsserung der Lehrer bewilligt worden; nach dicscr großen Belastung kann ich eine ebenso große und so schablonenmäßige Erhöhnng nach nur drei Jahren nicht veranlworlen. Unser'Antrag ersüllt gerade das, was die Ver- sainmlnng 1891 in einer lltesolniion zn der damaligen Ordnung der Lehrergehälter gesorderl hat. Wir können die Slusschußaiilragr »ichl billige», wollen mich nicht den Magistrat als den schivarzen Mann darstellen, der allein der Lehrerschaft vorenthält, was sie mit Recht verlangt; deshalb haben wir unsere» Antrag eingebracht. Slndtv. Hugo Sacks: Die große Mehrheit meiner näheren Freunde ist durch de» Vorredner vertreten worden. Ich und die Minderheit. werden für die Ansschiißanträge stimmen, die wir sür gerecht und billig hallen. Das Schreckgespenst der Mehrbelastung des Etats nnd der Erhöhung der Einkommensteuer aus 105 pCt. kann doch nicht ziehen, denn die Differenz zwischen Anträgen de? Ansschiiffes nnd des Herrn Cassel selbst ist nur, sage nnd schreibe 300 000 M. nnd um eine so geringe S»»»»e(Lebhafter Widerspruch nns verschiedene» Seilen) Räuber und Mörder? (Lachen.) In Frankfurt besteht nur darüber Streit, ob ei» Grund- geholt von 1800 3)1„ wie die Stadtverordneten-Versammlung, oder vo» 1600 M, wie der Magistrat will, festgesetzt werden soll,(Hört, hörl! und Heiterkeit); 1600 M. sind doch also von vornherein sicher. Wir stimmen sür die'Ansschnßanträge, denn wir wollen die Hebung der Bollsschule! Siadlv. Schwalbe erklärt sich für den Antrag Cassel. Stadtv. Singer: Kollege Kassel ist heule nicht als Ber» lheidiger, sondern als sich selbst verlheidigeuder Angeklagter aus» getreten.(Heilerkeit und Zustimmung.) Er hat sich durch seine Arguinenlation loszukaufen gesucht von der Ber- pflichtung, welche der Liberalismus in bezug auf die Volksschule stets anerkannt hat. Er hat so die vielfach aufgestellte Vebauplung bestätigt, daß dem Liberalismus im preußischen Abgeordneteuhause, wo er in verschwindender Minorität ist, sür die Vollsschule nichls zn thener ist, während hier, wo er die Macht hat. sosorl die Rücksichlen aus den Etat und ans die Steuer- zahler in delrnchl kommen.(Zustimmung und Widerspruch). DaS Schreckgespenst der Stcuererhöhiing über 100 pCl. versinkt in nichts, so- bald Sie nur das Geld nehmen, was buchstäblich ans den Straßen liegt, sobald Sie die Pferdebahnen, die Elekirizilätswerle u. s. w. in städtische stiegie nehme»(Sehr gut!). Ob sich die Lehrer unter» einander so oder so auseinander setzen, gehl uns doch gar nichts für unsere Entscheidung a», ebenso wenig die Slalistik über fehlende Lehrerstelle» in einer oder der anderen Sladt. Die Herren halten ein Anfnngsgehall vo» 1600 M. sür genügend. Nun ist Berlin ans dem Lehrerbesoldungsgesch herausgelassen worden, um der Ge» nieinde die Freiheit zu lasse», mehr für die Schule zw lhun, als es nach dem Gesetz im Mindestmaß der: Fall sein soll. Und das ist ein nobile okücinm der Reichshaupt- sladt. nicht wegen der Lehrer, sondern im wohlverstandenen Interesse der Bürgerschaft selbst. FornicU ist der Magistratsstandpmikt unanfechtbar, aber nur formell. Was nutzen uns hie Lehrer, die spätev auskömmliche Zulagen bekommen, wenn wir ein so geringes Anfangs- gehalt geben, baß wir das gute und gediegene junge Lehrer», Material nicht heranziehen können? In Frankfurt haben die Stadt-i verordneten ihren Beschluß schon gesaßt. Es war also eint sehr geschickter Schachziig des Bürgermeisters, jenen Passus aus der Zuschrift des Franksurler Magistrats vorzulesen, wonach die Sache. noch nicht abgeschlossen ist, aber das ist sie auch bei uns noch nicht,: auch wenn wir heule Beschluß gefaßt haben. Man sieht auch hiev wieder, wer zn viel beweisen will, beweist gar nichls.(Heiterkeit.� Berlin soll und zivar weithin sichibar an der Spitze ber preußischen. Städte marschiren. Darüber zu wachen, daß den Lehrern auch nickch ein Pfennig über den nothdürfligen Lebensunterhalt gezahlt wirb» dazu sind wir doch nicht da, das ist ein ganz falscher Stand» punkt. Um das ivirlhschaftliche und sittlich- moralische Wohl der; Lehrer in dieser Siichlnng uns zn kümmern, ist gar nicht unseres! Amtes. Wir wissen doch auch sehr gut. daß Fälle vorkommen, wch die städtischen Behörde» in Anspruch genommen werden, nm bei de« Absloßung von Schulden durch Slbzüge am Gehalt und dergleichen mitzuwirken. Der patriarchalischen Zuckt sind die Lehrer entwachsen. Was die Lehrer über das Maaß des Roth». wendigen etwa erhallen. legen sie doch in der Regel zurück für die spätere Gründung des Hansstandes.(Zwischen« ruf.) Trauen Sie denn ein solches höchst respellables Ver- fahren dem Berliner Volksschnllehrer etwa nicht zu. weil es sich statistisch nicht beivcisen läßt? Finanzielle Rücksichten dürfen bei der Regelung solcher Gegenstände nicht gelten. Geben wir de» Lehrern die 200 M. mehr am Anfang, und verweise» wir sie nicht auf das Paradies der dreißig Dienstjahre! Bürgermeister Kirsch» er nimmt seine Statistik in Schutz. Die Miethsentschädignng sei allerdings darin enthalten, aber er habe auch nur die Gesammlheit der Leistungen vergleichen wollen. Außerdem seien in Berlin gerade die ersten Zulagen besonders hoch gegriffen, sodaß die Lehrer in den jüngeren und mittlere» Lebens- jähren besser ständen, als irgend wo anders. Selbst in Frankfurt ivnrde ei» Gehalt von 2600 M. nach zwölfjähriger Dienstzeit nicht erreicht. Stadtv. Hermes: Ich habe im preußischen Landtage für das Grundgehalt von 1200 M. gesprochen. Nach dem Gesetze kann nur ein Fünftel des Grundgehalts als Miethsenlschädigung gc- geben werden; es würden also blos liiO M. heransgekonunen fein, ivährend wir in Berlin 1600 5W. geben. Deshalb hat das Gesetz keine andere als eine formelle Beziehung auf Berlin. Ich will den Lehrern geben, was sie 1894 selbst ver- langten; im Antrage Cassel, für den ich stimme, wird darüber noch in einigen Punkten hinausgegangen. Stadtv. R 0 sen 0 iv bemängelt die Zahlenangaben des Bor- redners, da auch von den Alterszulagen ein entsprechender Theil zur Bemessung der Miethsenlschädigung»ach dem Gesetze heranzu- ziehe» ist. Die Miethsenlschädigung als Ersatz für die nicht gewährte Dieustivohnltiig dürfte nicht dem Gehalte zugerechnet werden.(Wider- sprach.) Wolle man eine wirklich abschließende Regelung der GehaltSsrage, so müsse man die Ansschußanträge annehme». Redner weist darauf hin, daß die Orte der nächsten Umgebung Berlins viel- fach höhere Grundgehälter als 1200 M. und daneben auch Mielhs- enlschädigungen gewähren, welche SM und 550 M. betragen, also diejenige Berlins fast erreichen. Nachdem noch Stadtv. Gerftenberg gegen die Stadtv. Rosenow und Singer polemisirt und den Antrag Cassel empfohlen, tritt Stadtv. P e r l s für die Ausschußbeschliisse ein n»d erwähnt dabei eines Gerüchts, wonach der Kultusminister mit der Absicht umgehen soll, Berlin— abgesehen von der Ordnung der Alterszulage»— zur Zahlung eines Grundgehalts von 1500 M. zu veranlassen. Die angemessene Bezahlung der Lehrer erklärt Redner unter dem Widerspruch zahlreicher Kollege», unter anderem des Stadtv. Talke, für eine Knlturaufgabe erste» Ranges. Damit schließt die Diskussion. Zwischen de» Stadtv. Cassel, Singer und G e r st e n b e r g wird noch eine llieihe persönlicher Bemerkungen ausgetauscht. Im Schlußwort weist Stadtv. Preuß dem Stadtv. Hermes nach, daß das Gesetz nur„in der Regel" ei» Fünftel des Grundgehalls als Miethsenlschädigung normirt, also für Berlin ziveifellos eine Ausnahme zuläßt. Ueber die Art und Reihenfolge der Abstimmung cnlstehl eine langwierige, theilweise tumultuarjsche Debatte; schließlich wird über die Ausschußvorschläge bezüglich der definitiv angestellten Lehrer namentlich abgestimnit. Die Ausschuß- anträge fallen mit 64 gegen 33 Stimme». Der Antrag Cassel wird a n g e» 0 m m e n. Nach S Uhr wird die weitere Berathung und die Sitzung ab- gebrochen._ ToltÄles. Am Sonntag findet die Verbreitung eines Flugblattes znr Stadtverordneten» Stichwahl im sechsten Wahl- kreise statt. Genossen, ivelche hierbei mitwirke» wollen, werde» ersucht, sich morgens'/eg Uhr in folgenden Lokalen zu melden: Joh. Pfarr, Putlitzstr. 9, für den 40. Bezirk; E. Ernst, Schwartzkopff- straße 11, für den 38. Bezirk; Fr. Lietzke, Schivcdterstr. 33, für den 32. Bezirk; Dieke, Ackerstr. 123, für den 34. Bezirk. Am Freitag Abend findet im Saale der Norddeutschen Brauerei eine öfseulliche Volksversamnilung statt, in welcher der Reichstags-Abgeordnete S t a d t h a g e u über das Thcina:„Was verlangen wir vom Ralhhaus?" sprechen wird. Wir machen die Genossen ganz besonders ans diese Versammlung ausmerksai» und bitten um zahlreichen Besuch. Das Komitee. Achtung, zweiter Wahlkreis. In der am Sonnlag, abends Uhr bei Zubeil, Lindenslr. 106 stalisindenden Volksversammlung wird Genossin Ida Altmann referiren. Thema:„Einiges von unfern schwarzen Brüdern". Die Verlrauensperson. Die„Freie Volksbühne" beginnt am Sonntag, 12. Dezember, die vierte Serie ihrer Vorstellungen im Lessing-Theater. Max Halbe's„Jugend", ein Licbcs-Drama i» 3 Aufzügen, ge- langt im Dezember zur Nufsührung. Die Hauptrollen befinde» sich in Händen der Herren Adolph Klein als Kaplan Gregor v. Schigorski, Pfarrer Hoppe: Karl Waldow, Annchen: Frl. Milli Krause. Wegen des Todtenfestes findet die Vorstellung der III. Ablheilung nicht am 21., sondern am 28. November im Friedrich- W i l h e l m st ä d ti s ch e n Theater statt, die Vorstellung der IV. Abtheilung am 5. Dezember desgleichen. Gespielt wird„Sein I u b i l ä u m" und„D i e F a h n e n iv e i h e". Da nur noch Mit- glieder zur IV. A b t h e i l u» g aufgeuommen werden können und von der Bildung einer V. Nbtheilnng vorläufig Abstand genommen wird, liegt es im Interesse aller derjenige», die noch dem Verein beitrete» wollen, dies unverzüglich zu lhun, da auch die IV. Ablheilung ziemlich gefüllt ist. Es ist den Mitgliedern nur gestattet, die Vorstellung ihrer Abtheilung zu besuchen. Nachzügler können nur einen Stehplatz erhalten, soweit Raum vorhanden ist. Das Programm d e s W i n t e r f e st e s am 27. November in der Brauerei Friedrichshain weist außer dem von dem Neue» Berliner Symphonie-Orchester unter Leitung des Dirigenten v. Blo» ausgeführten S y m p h 0 n i e> K 0 n z e r t folgende hervorragende Nummern auf: l-ss preludes (sinfonische Dichtung) von Liszt. ik 0 n z e r t e in 0 1 1(Violin-Solo) von Mendelssohn. Intermezzo auS Lavalleria vusti- cana mit Orgelbegleitung von Herrn P. Kurz. Prolog und Rccitationen von einer bewährte» Kraft. Zum Schluß Tanz. Während des Konzerts ist das Rauche» nicht gestattet. Billets ä 80 Pf. sind nur in den Zahlstellen des Vereins zu habe», da offene Kasse nicht stattfindet und nur eine beschränkte Anzahl Billets ausgegeben werden. D e r V 0 r st a» d. I. A.: G. W i n k l e r. AnS dem Rothen Haufe. Er liebt sie so innig, er liebt sie so heiß, meinte in der gestrigen Stadtverordnete»-Versammlung der „liberale" Stadtverordnete Cassel über seine Beziehungen zur Berliner Lehrerschaft.„Nur schade, daß von Ihrer Liebe Ihr Geldbeutel nichts weiß", war der Refrain der Belehrungen, die der Ge». Singer diesem Vcrtheidiger kulturfeindlicher Anträge angedeihen lassen mußte. Cassel, H e r 1» e s und seine Freunde beantragten, das Gehalt der Lehrer und Lehrerinne» noch geringer zu setzen, als es der Ausschußanlrag vorschlug. Die Liberale» zeigten hierdurch wieder recht klar, wie dieselben Liberalen da, wo in ihrer Hand die Entscheidung liegt, völlig anders handeln, als sie dort reden, wo sie die verschwindende Minderheit bilden. Der Ausschnßantrag fiel infolge der kultnr- widrigen Hallung der„Freisin»s"'Mehrheit mit 64 gegen 38 Stimmen. Die Erhöhung der Lehrcrgehäller ist also durch die„Freisinnigen" verhindert. Berliner GcwerkschafshanS. Von befreundeter Seite wird uns geschrieben: Am Mittwoch ist eine Gefell- schaft mit beschränkter Haftung beschlossen worden, deren Zweck es ist, auf einem»och zu erwerbenden Terrain möglichst nahe dem Zentrum Berlins Baulichkeiten zu errichten, welche Bedürfnissen des gewerkschaftliche» Lebens diene» sollen. Ein Vorderhaus, so plant man, soll Bureauräume enthalte», die an Gewerkschaften, Krankenkasse» ic. vermielhet werden, während ein zu verpachtendes Restaurant für die Be- friedigung der leiblichen Bedürfnisse sorgen, eventuell einen Sammel- puukt für das gewerkschaftliche Leben bilden soll. In einem Hinterhaus denkt man eine Herberge zu errichten, in welcher deren Bewohnern durch gesunde Schlafräume, einfache, aber gute Küche, helle Aufenthaltsräume, Badecinrichtnng:c. ein menschenwürdiger und gleichzeitig billiger Aufenthalt ge- boten wird. Für den Besuch der Herberge rechnet man namenllich auf Zuweisung durch solche Geiverkschaften, die Reise- Unterstützung zahlen. Die Gesellschaft ist von 20—30 Mitglieder mit cincni vor- lausige» Stammkapital von etwas mehr als 60 000 M. beschlossen und wird ihre Eintragung in das Handelsregister in der nächsten Zeit bewirke». Die überwiegende Mehrzahl der Mitglieder sind aus der Gewerkschaftsbewegung bekannte Genossen. Die Firma der Gesellschaft lautet:„G e w e r k s ch a f t s h a u S G. m. b. H." Zu vorläufigen Geschäftsführer» find die Genossen Millarg und Päzold bestimmt. Wie unser Freund schreibt, wird die weitere Entwickelung der Angelegenheit voraussichtlich eine nicht allzu schnelle sein. Die Ge- sellschast ist schon jetzt begründet worden,»m einen festen Kreis von sachkundigen Leuten zu schaffen, die die einschlägigen Fragen einer erneute» gründlichen Prüfung an der H.md der praktischen Verhältnisse unterziehen, gegebenen Falles aber auch sofort eine günstige Gelegenheit ausnutzen kann. Natürlich werde» wir unsere Leser über den Fortgang des ge- planten Unternehmens, dem wir gern ein gutes Gelingen wünschen, ans dem laufende» erhalten; die Berichte werde» uns von der Gesellschaft selbst geliefert werden; auf Indiskretionen und Hypothese» bürgerlicher Blätter in dieser Angelegenheit werden wir, wie bisher, nicht eingehen. Tor Kampf gegen die Schanstcllcr nnd Volksbelnstigungen ist auf dem Gesundbrunnen in Permanenz erklärt. Als seinerzeil aus einem Grundstücke in der Uferstraße eine sogenannte Vogelwiese etablirt wurde, da nahm der Haus-»ud Grnndbesitzer-Verein des Stadttheils in schneidigster Weise den Kampf gegen diese harmlose Volksbelustigung auf unier dem Vorwände, daß das honette Bürger- thum durch das„wüste" Treiben auf der Vogelwiese und nach Schluß derselben ans den Straßen belästigt werde. Das Grundstück ist bekanntlich an die Pferdebahn-Gesellschaft verkauft worden, welche es für ihre Zivecke bebauen läßt. Die Vogeliviese verschwand, und mm hatten die guten Gesundbrunner„Bürger" wieder Ruhe. Doch diese währte nicht lange. Ein Theil der aus der Uferstraße vertriebenen Schausteller hat im„Aollsgarten" ein neues Heim und gastliche Ausnahme gefunden. Obgleich sie hier niemandem im Wege sind nnd das Lokal doch derartige» Zwecken dient, wird der Kampf gegen die Schausteller und die Volksbelustigungen im„Volksgarten" wieder weiter geführt.„Hansbcsitzervcrein" nnd„Parochialverein" ließen in der jüngsten Sitzung des liberalen„BezirkSvereins Gesundbrunnen" durch entsandte Vertreter wildes Kampfgeschrci ertöne» und suchten den Bezirksverein znr Ablassnng einer Petition an das Polizei- Präsidium gegen die Schausteller zu veranlassen. Die liberalen Herren waren ja allerdings einsichtsvoll genug, zu beachten, daß keinerlei gesetzlicher Grund vorhanden ist, den Schaustellern und Steuer- znhlern die Ausübung ihres Gciverbcs zu nnterbinden, nnd man beschloß, eine Petition abzulehnen. Das eine, was erreicht werden konnte, war eine Bitte an den Vorstand des 9. Polizeireviers, Hauptmann Ancion, nm Aufstellung eines Schutzmannspostens in der Badstraße„in der Gegend des Volksgartens". Hoffentlich wird diese Bitte gewährt werden, damit die guten Gesundbrunner „Bürger" getrost die Nachtmütze über die Ohren ziehen und benchigt schlafen können in dem beseligenden Veivußtsei», daß das wachsame Altge der Polizei über ihnen fürsorglich wacht. Wackere Käinpe» Vom Bollc'schc» Rcligionskriog. Die„Märk. Volksztg." meldet:„Infolge der Artikel der„Märkischen Volkszeitung" wurden säminlliche katholischen Angestellten zusammcnbcrufen und ihnen von Herrn Bolle zun. im Beisein von Herr» Bolle sen. ei» Schrislstück vorgelesen, worin als das beste bezeichnet wurde, wenn die Katholiken ihre Kinder in die protestantische Schule schickten. Diese» und den- jenigen unverheirathetcn Arbeitern, ivelche protestantisch werde» wollten, ivurde in Aussicht gestellt, in Arbeit bleiben zu können." Ter Mann ist dreihundert Jahre zu spät auf die Welt gekommen. Die Arbeiter aber, die derartigen Belästigungen ausgesetzt sind, sollten endlich daran denken, daß es ihre Psticht und Schuldigkeit ist, sich ernsthaft gegen Ilebergriffe des Unternehmers und dessen naseweise Einmischung i» ihre Privalverhällnisse zu schützen, und zwar geschieht dies durch Gründung einer kräftigen Berussorgani- sation. Ist dies erst besorgt, dann wird Herr Bolle die von ihm ausgenutzte» Slrbeiter schon mit seinen Verfrommungspraktiken in Ruhe lassen müssen. Tf Ueber die Unfälle beim Schiilcrinrnen liegen nunmehr auch statistische Angabe» vor. So wurden im letzten Etatsjahre 51 Nn- fälle konstatirt. Dieselben vertheilcn sich im einzelnen, wie folgt: Ans etwa 4000 Gemeindeschttler und Gemeindeschülerinnen entfielen 10 llnsälle; in den Mädchen- und Realschulen kamen bei ctiva 9000 turnende» Kindern 23 Unfälle vor; bei ctn'a 1200 turnenden Schüler» der höheren Lehranstalten kamen 18 Unfälle vor. Daß zur Vermeidung von Unfällen seitens der Schulbehörde das mögliche ge- lhan wird, ist zweifellos. Wenn dennoch llnsälle zu verzeichnen sind, so rührt dies zumeist daher, daß auch bei der größten Vorsicht un- berechenbare Zufälligkeiten nicht zu vermeiden sind. Auch ist in betracht zu ziehen, daß beim Turnen die strenge Schuldisziplin nicht in dem Maße aufrecht erhalten werden kann, wie bei anderen Unter- richtsgcgenständen, daß hier eine sich aus sich selbst ergebende größere Freiheit herrscht und die Individualität des Einzelnen in Frage kommt und entscheidend ist. Die an und für sich geringe Zahl der Unfälle läßt erkennen, daß die Schul- bezw. Unterrichts-Leitungen in bester Weise für die Sicherheit der turnende» Kinder Fürsorge getroffen haben. Dies kann indessen nicht hindern, die Fürsorge möglichst noch intensiver zu gestalten, um die Sicherheit noch zn erhöhen und die Zahl der Unfälle möglichst zu verringern. Aerztlicher BnreankratiSmnS. Ein Fall, der Krankenkassen- Vorständen zn denke» geben dürste, wird uns von einem Leser be- richtet. Derselbe schreiht uns: Meine Frau hatte vor kurzem eines Abends das Unglück, einen Fuß zu brechen. Ich konsnltirte zur ersten Hilfeleistimg einen Privatarzt nnd ging erst am nächsten Morgen um 9 Uhr zn dem idassenarzt Dr. M. Meine Frau ist nämlich Mitglied einer hiesigen Jnnnngs- Krankenkasse. Da ich wegen der zahlreichen Patienten, die im Vorraum warteten, den Arzt nicht persönlich belästigen wollte, richtete ich bei der Aufwartefrau meine Sache aus, und diese versprach auch, den Herrn Doktor zu benachrichtigen. Ter Tag verging aber nnd kein Arzt ließ sich bei meiner Frau sehen. In der folgenden Nacht S waren die Schmerzen schlimmer geworden, und so begab ich mich am folgenden Tage darauf nochmals zu dem Herrn, um nun aus seinem eigenen Munde die Miitheilung zu vernehmen, daß die Straße, in der ich wohne, nicht zn seinem Revier gehöre, und er daher keine Veranlassung habe, zu mir zu kommen. Empört über solche Gefühllosigkeit, begab ich mich zum Vorstand der Kasse. Dieser nahm aber weiter keine Notiz von meiner Beschwerde, sondern ver- wies mich nn einen Herrn Dr. H. in der Brnnnenstraße. Morgens imi II Uhr war ich dort und gab in Abwesenheit des Herrn meinen Schein ab; bis abends 10 Uhr war aber noch kein Arzt in meiner Wohnung erschienen. Mir blieb nichts übrig, als znr Unfallstation II zu gehen, von wo meiner Fra» baldigst Hilfe gesandt wurde. Als ich nun am kommenden Morgen auch bei Herrn Dr. H. zu moniren wagte, erklärte mir dieser Herr gleichfalls, daß meine Wohnung nicht zn seinem Rerier gehöre; er war aber doch so freundlich, mir für den nächsten Tag seinen Besuch zuzusagen. Bei dem Ver- spreche» blieb es aber, denn auch am nunmehr verflossene» vierten Tage nach dem Unfall war noch keine Spur von kassenärzllicher Hilfe in meiner Wohnung zu erblicken. Sollte man von einem ge- bildeten Mann nicht etwas mehr Pflichtbewußtsein erwarten dürfen, und sollte ein Kassenvorstand nicht die Pflicht haben, die Jnterefsen der beitragszahlenden Mitglieder etwas energischer wahrzunehmen, als es nach diesem Vorfalle der Fall zu sein scheint? Bei de» Beamten der Sittenpolizei scheinen Fälle von Miß- griffen neuerdings häufiger vorzukommen, als früher. Vor einige» Tage» berichteten wir erst über eine Gerichtsverhandlung, die aus einer Affäre im Scheunenviertel resullirte, und in der ei» ordenl- licher Bürger, der von einem Kriminalpoliziften altackirt worden war, sich obendrein noch in die titolle des Angeklagten fügen mußte. Anfangs dieser Woche hat sich ein Kaufmann K. aus der Möckernstraße in einer Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft gewandt, die sich nach seiner Darstellung solgcnder- maßen zugetragen hat. Am'Abend des 12. Noveniber gegen 11 Uhr traf er zufällig an der Ecke der Friedrich- und Doroiheenstraße eine ihm seit vier Jahre» bekannte Frau Bertha W. in Begleilmig ihrer Schwägerin, Fräulein Margarethe W. Man halte sich etwa zehn'Minuten unterhalten, als zwei Männer ans die Gruppe zutraten; einer der Leute packte die Frau W. mit den Worten:„Sie gehe» mit zur Wache, wir haben Sie längst beobachtet; das werde» wir Ihnen schon anstreichen"! Der andere Mann verfuhr in ähnlicher Weise mit dem Fräulein W. Es war keinem der beiden Fremden eingefallen, sich als Beamter zn legitimiren, und so richtete Herr K., der zuerst wieder die Fassung gewann, an die Leute eine entsprechende Aufforderung. Älls Ant- wort erhielt Herr K. von der einen Person, die später als der Sitlenpolizist Weidemann rekognoszirt wurde, seiner Angabe»ach einen Stoß in die Seile, und weiter richtete Weidemann an einen gerade ans der Straße postirten Schutzmann in Uniform die Auf- fordernng, Herr» K. ebenfalls sestzunehmen, da dieser ihn, den Beamten angegriffen habe. So mußte» denn soivohl die beide» Damen als auch Herr K. etiva dreiviertel Stunde» auf der Wache zubringen, bis sie endlich als Opfer eines Mißgriffes entlassen wurden und sich nach Hause begeben dursten. Wir sind gespannt, gegen wen in diesem Falle vorgegangen werden wird. Für den Nmba» der Oranienbriicke hat sich der von den Stadtverordneten eingesetzte Ausschuß ausgesprochen. Tor Stadivcrordncie Herr Bauralh Kyllmann halte bei der Teputalion für das städtische Rcinignngswefen die Frage der llieinigung der Fußenden der an den Straßenseiten bcsindlichen Bäume, Kandelaber, Laternenständer». s. w. soivie der Brücken- geländcr in Anregung gebracht. Dieser Anregung soll stattgegeben werden. Taö Kurator!»»! der Berliner llufattstatiouen gicbt heute durch ein Plakat an den öffentliche» Anschlagsäulen bekannt, daß die nach den neueste» Systemen erbauten Krankenwagen der Berliner Unfallstationen der Einwohnerschaft Berlins bei Unglücksfällen n n e n l g e l t l i ch zur Verfügung stehe»; den Krankenkassen werden pro Transport 4 M. berechnet. Die Requisition dieser Magen kann ersolgen durch die linfallstationen, die damit verbundenen Saniläts- ivachen nnd die Polizeireviere. Die Verunglückten werden»ach den öffentlichen Krankenhäusern oder je nach Wunsch der betreffenden in ihre Behausungen gebracht. Zins Kartcnbricfe finden»ach amtlichen Bestimmungen die Vorschriften für gewöhnliche Briese Anwcndung. Dieselbe» könne» demnach durch Einlage», wie Photographien, Karlen w., beschwert werde». Bei einer dadurch herbeigesührteu Ueberschreitung der Gewichtsgrenze für einfache Briefe— 15 Gramm— muß allerdings eine weitere Zehnpsenniguiarke als Ergänzungsporto Ver- Wendung finden. Exemplarische Ehrlichkeit. Der Reichs-Hauptkasse ist, wie die„N. A. Z." berichtet, mit der Zuschrift eines Unbekannten mit dem Poststempel Berlin 69 9. 11. 97 unter der Bezeichnung„als früher zu viel empfangen oder zn wenig gezahlt" eine Reichsbank- note von 100 M. zugegangen. Dieser Betrag ist dem allgemeinen stiejchssondS zugeführt worden. Auch das zweite Opfer der Eiscnbahiikatastrophc auf dem Potsdanrer Bahnhof, der Heizer Christian, ist i» der letzten Stacht durch den Tod erlöst worden. Er ist nicht mehr zum Bewußtsein gekommen, nachdem das Unglück geschehen war. Mit dem Tode dieser beiden braven Beamten, die allein über die wirkliche Ursache des Ereignisses'Auskunft hätten geben köinieii, und nun in ihrem schweren Berufe einen so tragischen Tod gefunden haben, wird w.an die Hoffnung aufgeben müssen, jemals etwas Bestimmtes i» dieser Hinsicht zu erfahre». Ein BerichierstaUor gicbt»och die folgeuoe Darstellung des Vorsalles: Vor der Einfahrt ans dem Potsdamer Bahnhof ließ der Lokomotivführer vorschriflsniäßig in der Nähe der Lätzowstraße die Bremse spielen, doch versagte sie jetzt plötzlich de» Dienst. Dieser Defekt wurde sofort bemerkt»no Kontredamps gegeben. Wenn auch im ersten Augenblick eine herabgeminderte Fahrgeschwindigkeit erreicht wurde, so war dies doch nur von kurzer Daner. Bei dem starken Ge- fälle zwischen Schöncberg nnd Potsdamer Bahnhof drückten, die Wagen mit solcher Gewalt gegen die Maschine, daß sich die Fahrgeschwindigkeit ständig vergrößerte. Tie Beamten wären nun zwar in der Lage gewesen, nachdem sie ihre Psticht er« füllt, von der Maschine abznspringe», da sie zur Netlnug des Zuges doch nicksts mehr ihuu konnten; sie verblieben jedoch trotzdem auf ihrem Platz, in der Erwartung, daß der Prellbock auf dem Pots- damer Bahnhof den Stoß aushalten nnd die Fahrt somit ohne ernsten Unfall anslanseii würde. Wie weiler nüigetheilt wird, soll die Maschine, ivelche den Zug geführt hat, sehr alt nnd nur mit einer Handbremse versehen gewesen sein. Ist diese Mittheilnng richtig, so dürfte der Eisenbahnverwaltiing die Pflicht erwachsen, es auf kein zweites derartiges Unglück ankommen zu lassen und der- artige Maschinen endgiltig außer Dienst zu stellen. Wie kürzlich berichtet wurde, sunkttoniren an den Hofzügen drei Bremsen. J't es zuviel verlangt, wenn für die Besördernng gewöhnlicher Siero- licher gleiche Sicherheitsmaßnahmen gefordert werden? Um 200 Wiener Fiaker wird, wie berichtet wird, demnächst das öffentliche Fuhrwerk bereicheit werden. Tie Fuhrwerke werde» den Berliner Droschken eingereiht und mit Fnhrpreis-Slnzeiger ver- sehen werden. Unternehmer ist der Pferdehändler Berg. AnS dem Fenster hat sich am Donnerstag Morgen die dreizehn- jährige Frida Kiirkowsky gestürzt, die bei ihrer Mutter in der Neuen Hochstraße 36 wohnte. Das Kind hatte sich trotz feiner Jngeno einem liederlichen Lebenswandel ergeben und sollte ans Aerantassuug der Mutter von der Polizei verwarnt werden. Als ei» Bcanner kam,»stürzte das Mädchen sich ans den Hof hinab. Es wurde schwer verletzt einem Krankenhanse zugeführt. Arbcitcrrisiko. Ans dein Neubau Emaniielkirchstraße stürzten im Belricbe des Bildhauers Klenian» in Charloltenbnrg die Sincka- teure Kunze und Pyroiv mit dem Gerüste zusannne». Kunze eitiit einen Knöchelbrnch, während Pyrow eine Quetschung der Rippen davontrug. DaS Polizeipräsidium theilt mit: Der Kassirer des St. Petersburger adeligen Bormnndschaflsgerichts, Kollegicii-Asstffvr.Theanhck Clemens Jgnaljewitsch Przilewsky ist nach Entwciivnng von M7 000 Rubel» in zinstragenden Papieren ans Petersburg verschivimde» und hat bisher noch nicht ermittelt werden können. Ans seine Sistirung sind 4000 Rubel Belohnung ausgesetzt worden. Einen gräßlichen Selbstmord mit dem Rasirmesser bat gestern Nachmittag die Frau eines im Friedenaner Ortsthcilc von Schöneberg wohnhasten Beamten verübt. Die 74 Jahre alte Dame scheint die grausige That in einem Anfall von Geistesstörung be- gangen zu haben. AnS der Hauptstadt dcS Elends. Uebcr einen am Dienstag verübten Mord- und Selbstmord werden nns folgende Einzelheiten mitgetheilt: Der Schneider Bötzow, der schon seit ca. 3 Jahren in dem Hause Brandenburgstr. 2k wohnte und zum zweiten Male verheirathet war, arbeitete für hiesige Herreiikonfektionsgeschäfle; er hatte jedoch wenig zu thun und verdiente nicht soviel, als er für den Lebensunterhalt seiner kranken Frau und der beiden ebenfalls kranken Knaben, die trotz ihres Alters, 6 resp. 3 Jahre, noch nicht laufen konnten, gebrauchte. Die aus erster Ehe stammende 15jähiiae Tochter Gertrud war bei der ihr obliegenden Arbeit in ihrem Wachs» thum gehindert worden und verkrüppelte jetzt zusebends. Nicht nur die Sorgen um das tägliche Brot, sondern vor allen Dinge» die ungewisse Zufunft der Kinder scheint nun bei den Eheleuten den Enlschluh herbeigesührt zu haben, aus dem Leben zu scheiden. Nachdem Gertrud B. amDienstag Mittag mit einem Auf- trag ans der Wohnung entfernt morden war, schrill B. zur Ans- führnng der Thal. Er schnitt seiner auf dem Sopha liegende» Frau mit einem Schlächterinesser die Kehle durch und verstopfte sodann die klaffende Wunde mit Walte. Hiernach lödlete sich B. in gleicher Weise. Nachdem er eine» Spiegel an die Erde gestellt halle, legte er sich vor demselben i» der Art nieder, dast er jede seiner Be- megnnge» genau beobachten konnte. In die Scheibe des Spiegels hineinschanend, ans den linken Arm gcstüht, durchschnitt er sich dann ebenfalls die Kehle; sei» Tod trat augenblicklich ei». Die Leiche» ivnrden nach den, Schanhause geschafft, mährend die drei Kinder dem städtischen Waisenhause zngcsnhrt mnrde». Im FicbcrUiahn hat gestern Vormittag die Wirthschafteri» Marie Slremel, ivelche bei dem Klempner Louis Schneider, Wolliner- slraste 28a, beschäftigt war. ihr nenn Monate alles Kind gelödtet. Es wird über das Vorkoininnisi berichtet: Marie Stremel, die 27 Jahre alt ist, hat ihrem Tochterchen mit einem Küchenmesser den Hals bis ans den Wirbel durchschnitten, so dast es auf der Stelle todt mar. Dann brachte die Unglückliche sich selbst Schuilte in den Hals und a» beiden Handgelenken bei und trank überdies eine ihr zum Einreiben verschncben'e Medizin aus. Sie ist, schwer verletzt, in ein Krankenhaus gebracht morde». Sturz nnö dem Fenster. In der letzten Nacht stürzte sich die unverehelichte Emma K. infolge eines Streckes mit ihrem Bräutigam ans tem Kiichenfenster der im ziveilen Stock eines Hauses der Markgrafenstraste gelegenen Wohnung ihrer Herrschaft ans den Bürgersleig hinab und zog sich eine schwere Verletzung am Kopfe zu. Fcncrbericht. Dienstag AbendZ 9 Uhr war S o lmsstr. 36 ein Gardinenbrand z» beseitigen. Bald darauf erfolgte Alarm nach T e iii p e l h o f e r Ufer 1b, wo durch Explosion einer Lampe Betten und Möbel in Brand gesetzt waren, während die aus Mann ,ind Frau bestehende Familie bereits eingeschlafen war. Slls die euerivehr in die vollständig verqualmte Suibe eindrang, war der Heinann, Arbeiter Schröter, bereits e r st i ck l. während es da- gegen gelang, die in Ohnmacht gefallene Frau»ach längeren Wiedel belebungsversnchen zu retten. Mittwoch srnh l'/s Uhr wurde die Wehr nach Brnnnenstraße 29 gerufen, wo in einer Kondilorei ein Schadenfeuer ausgebrochen war, das das Haas erheblich beschädigte. Mittags 12>/s Uhr ging G r o ß- G ö r s ch e n st r a ß e 29 ein Dnchstnhl in Flammen aus. Die schnell alarmirle Wehr fand bei ihrer Ankunsl fast den ganze» Dachstuhl in Flammen, so daß mit vier Schlauchleiiuugen vor- gegangen wurde. Trotzdem war die Dachkonstrnkiion nicht zu halten, und musile deshalb hauptsächlich dahin gearbeitet werden, daß die darunter liegenden Etagen geschützt wurden. Die tZlblöschiing nahm fast zwei Stunden in Anspruch.— Kurz nach 1 Uhr brannte Alle I a k o b st r. 2V eine Bretterwand und die Schaldecke. Beide muhten von der Feuerwehr vollständig aufgerissen werden, um das Feuer gänzlich zu löschen.— Abends 7 Uhr fanden Kolmarerstr. 8 und Alexander-Ufer 6 Gardinenbrände statt.— Um 9 Uhr hatten Große P r ä s i d e n t e» st r. 6 Kleidungsstücke Feuer ge- fangen, und gegen 11 Uhr brannte eine größere Partie Dochte in einem Keller, L e h r t e r st r. 48 c. Donnerstag früh 9 Uhr wurde die Wehr alarmirt nach S ch iv e d t e r st r. 33. Hier war in einer Roggen-Kaffee-Rösterei eine große Quantität Roggen in der Brenn- trommel in Brand gerathen, der einen intensiven Qualm entwickelte und gefährlich zu werden drohte. Durch schnelles Eingreifen der Wehr konnte indeß die Gefahr noch zeitig abgewendet werden, doch litt das Gebäude immerhin beträchtlichen Schaden. Um 2 Uhr er- folgten gleichzeitig zwei Alarmirungen. Einmal war Borsigstr. 16 a in einer Fleischerei Fett übergekocht, der zweite Fall betraf einen Echornsteinbrand Ritterstr. 39. Kinderansbcutnng. Ein Leser schreibt uns: Als ich abends gegen 7 Uhr durch die Brnnnenstraße kam, sah ich, wie ein kleiner 14 jähriger Bengel sich quälte, einen großen Handwagen den ziemlich steilen Berg am Bahnhof Gesundbrnnnen hinaufziizichen. Ich brachte ans dem Knaben heraus, daß er in einer Buchhandlung im Norden beschäftigt war, von dort nach der Alcxandrinenstraße und dann wieder zurück mußte. An einem der letzten Abende habe er erst»m II Uhr nach Hause gehen können; im allgemeine» dauere seine Arbeitszeit von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Sein Wochen- lohn betrage 7 M., die Ueberstnnden nach 3 Uhr würde» mit ISPs. bezahlt. Ein Fall solcher Ausnutzung ist wohl dazu angethan, den Behörden die Nothwendigkeit schärferer Maßregeln zum Schutze jugendlicher Arbeiter nahe zn legen. Ruf der Straße gestorben ist gestern Vormittag der Handlnngs- reisende Karl Kottke aus der Manteuffelstr. 23, ein Mann von etwa b6 Jahren. Kottke ging mit einem großen Bilde unter dem Arme über die Schillingsbrücke und brach vom Schlage gerührt todt zusammen. Fahrstnhlnnaliick. AlS gestern Nachmittag der in der Frieden- firaße 99 wohnhafte Fahrstuhlführer im Geschäftshausc von Wert- heim in der Leipzigerstraße sich auf den in die Höhe gehenden Fahr- stuhl schwingen wollte und sich mit den Händen an den Boden des Fahrstuhls festhielt, erlitt er so bedeutende Quetschungen, daß er den Fahrstuhl loslassen mußte und von der Höhe des ersten Zwischengeschosses in den Schacht hinabstürzte. Er zog sich hier- durch schwere Verletzungen zu und wurde besinnungslos nach der Unfallstation 1 geschafft. Wie uns berichtet wird, ist der Verunglückte seinen Verletzungen erlegen. Ter wohnnngSlose Arbeiter Walter ist gestern Morgen in der Noslizstraße von eine,» Lastwagen überfahren und schwer verletzt in ein Krankenhans gebracht worden. Er soll angetrunken gewesen sein. Urania. Am 1. Dezember soll in dem großen Physiksaale der Urania Jnvalidenstraße eine„Weihnachlsausstellung physikalischer Lehr- und Anschauungsmittel" eröffnet werden. Dieselbe soll unter anderem«Insassen: elektrische und mechanische Instrumente, Mikroskope und Fernrohre, pholographische Apparate, Phono- araplicii, Kinematographen, Sciopticons, Globen, Bücher, Naturalien- Saiiimliingen u. s. w. Eine Reihe leistungssähiger Firmen hat ihre Belheitigung an der Ausstellung bereits zugesagt. Im Passage-Pauoptiknm wird seil einigen Tagen von der Wiener Tanz- und Operetlengesellschaft Suppe's bekannte Operette „Zehn Mädchen und kein Mann" in vortrefflicher Besetzung auf- geführt. In der Trrptotv-Stcriiwartc soll der Vortragssaal vergrößert werden. Das Institut bleibt daher vom 5. Januar ab auf zwei Monate geschlossen. Fortan finden bis zum Umbau auch jeden Sonn- abend Abend Vorträge mit Lichtbildern statt. Die Direktion der Projektionsvorträgo über Kunst und Kultur (Dr. Köppen und Dr. Stödllier) altes Urania-Theater am Lehrter Stadt- bahuhof, thcilt uns mit, daß am Sonntag, den 21. November, abends 8 Uhr, Herr Dr. Alfred Köppen den vom Publikum und Kritik so beifällig auf- genommenen Vortrag: Eine Wanderung durch das alte P o ni p e j i", wiederholen wird. Theater. In der für Dienstag angezeigten Neu- Aufführung des „Kütlichcii von Hcilbronn" im Deutschen Theater mit Agnes Gorma sti der Titelrolle, spielt Annie Trenner die Kunigunde, Hermann Leffler den Vetter vom Strahl, Hermann Müller den Gottschalk, Emanucl Reicher den Theobald! ferner wirken Frau v. Püllnitz, die Herren Bicnsfeldt, Fischer, Gregori, Köhler, Nissen, Reinhardt, Thielschcr u. a. mit.— Das Apollo- Theater hat die Pariser Chansonettc Ivette G U i l b e r t für täglich 3000 Franks auf 10 Abende engagirt. Das Gastspiel beginnt am 24. Ja- tiuar 1803. Sl»s de» Nachbarort«»». NdlerShof. Die hiesigen Parteigenosse» werden darauf ans- merksam gemacht, daß heute, Freitag, nachmittags von 4—6 Uhr, die Ersatzwahl für den vom Ort verzogenen G-meindeverlreter Schmädicke staltfindet. Der Kandidat der Sozialdemokratie ist Lithograph Otto Wadepuhl. Ganz besonders wirdj darauf hingeiviese», daß die Wahlhandlung im Gemeinde-Amt (Schule) stattfindet und pünktlich um 6 Uhr geschloffen wird. Die Wähler, welche außerhalb arbeiten, müssen spätestens um S'/z Uhr am Orte sein. Tic Stadtverordlieteuwahle» in Charlottcnburg haben am Dienstag in der III. Ablheilung begonnen. Von den U zu wählenden Kandidaten hat, wie wir bereits am Mittwoch kurz meldeten, bis jetzt nur ein einziger die absolute Mehrheil erhalten, nämlich der bisherige Stadl». Fink im VII. Bezirk. Alle übrigen Kandidaten gelangen in die Slichwahl. Am meisten Stimmen haben die liberalen Kandidaleu ans sich vereinigt, nämlich 4283. An zweiter Stelle stehen die Sozialdemokraten mit 42ll Stimmen, an dritter die Konservativen mit 3633. Die unparteiischen Kandidaten haben nur 26S0 Stimmen zusammen erhalten. Am schwächsten war die Beiheiligung in den Villenvierteln gegen Westend, wo kaum der vierte Theil der Wähler an der Wahlurne erschien. besser war sie in den Slrbeitervierleln Alt- Charlottenburgs nii o am stärksten im 18. historischen Stadlbezirk(Berlin XV). Die Liberalen kommen siebenmal in die Stichwahl, und zwar viermal mit den Sozialdemokraten, dreimal mit den Konservativen. Die Sozialdemokralen kommen ebenfalls siebenmal in die Stichwahl, davon viermal mit den Liberalen, zweimal mit den Konservativen lind einmal mit den Unpolitischen. Die Konservativen kommen in fünf Stichwahlen, und zwar dreimal mit den Liberalen und zwei- mal mit den Sozialdemokralen. Die Unpolitischen kommen einmal mit einem Sozialdemokraten in die Slichwahl. Es bedarf der ganzen Anstrengung unserer Parteigenossen, um ans den Stichwahlen siegreich hervorzugehen. Anö Nixdorf. In einer Laube auf den Köllnischen Wiesen fand man am Dienstag Abend die Leiche eines bejahrten Mannes, welcher sich mit einem Taschenmesser die Pulsader der linken Hand geöffnet hatte und so verblutet war. Der Lebensmüde wurde als der Böttcher Otto Beut! er ans Berlin sestgestelll. welcher seit Jahren von seiner Frau gelremil lebt.— Ans Brandstiftung wird ein Ladeiibrand zurückgeführt, welcher am Mittwoch Abend in dem Hause Beilinerstr. 34 stattfand, von der freiwilligen Feuerwehr aber bald gelöscht werden konnte. Auf seltsame Weise ist gestern Mittag ein Gendarm im Dienste zn Tode gekommen. Der Beainle fahndete in der Nähe des Spandauer Bocks ans Angler, die dort an der Spree häufig im- befugt sich aushalten, und suchte sich an die Leute unbemerkt heran- znschleichen. Hierbei mußte der Gendarm das nach Spandau sähreiide Bahngeleise überschreiten. In seinem Eiser gab wohl der Mann ans seine Umgebung nicht Obacht, so daß er plötzlich den Spaiidauer Vorortzug, der um 12 Uhr IS Minuten vom hiesigen Lehiter Bahnhof abfährt, auf sich zukommen sah. Er versuchte noch im letzten Augenblick, zur Seite zu springen, wurde jedoch von der Lokomotive gefaßt und bei Seile geschlendert. Den culsetzliche» Vorgang hatten die Angler beobachtet, die sofort herbeieilten, um ivomöglich noch den Unglücklichen zn retten, doch gab der Schwer- verlehie wenige Mimilen später seinen Geist auf. I» Spandau wurde der Helm des Gendarnieii auf der Lokomolive gesunden. Zur Rcgclnng des Fahrradverkehrö im Grunewald ist jetzt den Behörden ein Projekt nulerbreitet worden, dessen Hauptzweck darauf gerichtet ist, den Knrsürstendann» und die Grunewald-Chaussee durch Umleitung des Berkehrs zu entlasten. Diese Umleilnug soll einerseits durch die iienen Straßen von Wilmersdorf nud aiidercrscils durch die ganze Uhlandstraße über Wilmersdorf, am Bahnhof Schmargendorf vorbei, durch die Mecklenburgische-, Brette- und ittidckehleiistraße erfolgen. Ferner soll der Grunewald selbst von adfahrwege» durchzogen werden, welche ausschließlich den Rad- sahrern überlassen bleiben und weder von Wage», Pferden noch von Fußgängern benutzt werden dürfen. Das Projekt sieht nun in dem Grunewald-Gatter acht neue Thore vor, welch« ausschließlich dem Radfahrverkchr dienen und durch welche aNein der Eiittrilt mit Fahrrädern in den Grunewald gestattet ist. Diese acht Thore sind gedacht: I. am Bahnhof Grunewald, 2. in der Kolonie Grunewald gegenüber vom alten Zieten, 3. hinter Dahlem, 4. beim Niemeister- See. S. bei der Krummen Lanke, 6. am Forsthaus Waunsee, 7. bei Pichelsberg-Spandau»nd 8. bei Westend, von denen das niiter 2 bezeichnete Thor den Hanplverkchr von Berlin ausnehmen würde. Anö Spandn» wird einem hiesigen Blatte geschrieben: Ans- länder dürfe», einer neuere» Bcstinimiing des Kriegsmiiiisters zu- folge, in den M U i t ä r w e r k st ä t I c n nur dann noch beschäsligt werden, wenn ihre Naluralisalioii erfolgt ist. Ein ans Oesterreich stammender Sattler Namens Heinrich Bileck, der seit elf Jahre» mit einigen Unterdrechungen in der königl. ArtiNeriewcrkstalt zn Spandau arbeitet, ist von der Fabrikdirektion aufgesordert worden, seine Naturalisation als Preuße nachzusuchen, andernfalls müßte er ent- lassen werden. Einem anderen ausländischen Arbeiter derselben Fabrik ist die gleiche Mittheilnng zu theil geworden. Wie nun aber, wenn den Arbeitern die Naturalisation verweigert wird? Gsvirfiks �33eikung. In der Strafsache wider»uscr» Parteigenossen Ncichö- tagö- Abgeordneten Arthur Stadthageu wegen Beleidigung der preußischen Verivaltuiigsbeamlen, Offiziere und Unterossiziere, der Richter, des Landgerichtsdireklors Branseivelter und der Polizei- beaniten wurden am Donnerstag die Verhandlinigen vordcrVIll Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdireliors Wciiiinaiiu fortgesetzt. Die Bedenken, die der Angeklagte gegen die GiUigkeit des vom Stellvertreter des Polizeipräsidcittcii gestellten Strasantrages geltend gemacht hatte, wurden durch die Zeugen- vernehnimig des Geh. Regiermigsraths F r i e d h e i»i beseitigt. Derselbe wies nach, daß zu der fraglichen Zeil der Polizeipräsident beurlaubt und er durch Ministerialreskript zu dessen SIellverlreler ernannt worden war. Damit schloß die Beweisanfnahme. Staatsanwalt D r. Eger bedauert, daß er über die im ersten Erkennlniß festgesetzte Strafe von einem Jahre nicht hinausgehen könne, und beantragt eine G e f ä n g n i ß st r a s e von einem Iah r e. Der Bertheidiger Rechtsanwalt H e i n e in a n» widerspricht diesem Antrage. Er gehl des näheren ans die Mängel bezüglich der Sttafaiilräge ein und vermißt iiamenllich die Be- ziehuiigen der inkriininirlen Redeweiidiuigen auf einen bestimmten oder bcstiimiit erkannten Beamten. Der A n g e k l a g t e selbst er- örterte in ausführlicher Weise die rechtlichen Gesichtspniikie und hob hervor, daß er als Angeklagter besonders ungänslig gestellt sei, daß ohne sein Zuthun die Staatsanwaltschaft ihm erst zehn Monate nach der Rede davon Kenntniß gegeben habe, daß er angeklagt werden solle. Um so mehr dürfe er erwarten, daß dasjenige, was die Beaniten an Schlagworten anfgegriffe» und nachher zn einem selbständigen Ganzen verarbeitet habe», getrennt werde von den Reden, die er gehalten habe. Den Wortlaut der Reden könne er natürlich nicht angeben. Es ergebe sich aber daran?, daß er den Erlaß deS Prinzen Georg von Sachsen und bestimmte geheime Erlasse ans der sozialistengesehlickicn Zeit genannt habe, ganz klar, daß er die Folgen von Staatseinrich- tiingen, nämlich geheime Erlasse, Spitzel und die Organisations- gesetze kritisirt und im übrigen, soweit Gruppen von Beamten in belracht kämen, lediglich Urtheile über deren Thätigkeit gefällt habe. Er habe nur den Typus der betr. Beamtenkalegorie, nirgends aber bestimmte Beamte in den Kreis seiner Benrtheilung gezogen. Das dürfe aber nicht strafbar sein, wenn man nicht jede Kritik von Staalseinrichtungen und deren Folgen»»»löglich machen wolle. Die Aeußerung über Brause weiter könne er lediglich voll- inhaltlich aufrecht erhalten. Hier handele es sich um Thalsachen und um Urlheile Über die Riickgratlosigkeit des betr. Herrn, wozu jeder Staatsbürger befugt sei. Der Passus bezüglich der„Lumpe» ;eder Art" beziehe sich auf Spitzel, und da das Polizeipräsidium zweifellos für Lumpen als Spitzel Bezahlung leiste, so sei eine Beleidigung ausgeschlossen. Fühle sich da? Polizei- Präsidium durch Anführung der wahren Thatsachen beleidigt, so solle es eben das Spitzelweseu ab- schaffen. Er erwarte seine Freisprechung von sämmtlichen gegen ihn gerichteten Anklagen. Unmöglich könne man doch an- nehmen. wenn er von den Richtern, den Staatsanwälten u. f. w. gesprochen hat, daß er damit alle einzeln habe treffen wollen. Er habe lediglich den DurchschnittSbeamten, wie er sich nach der politischen und gesetzlichen Lage gestalten müsse und gestaltet habe, charaklerisirt.— Die Berathung des Gerichtshofes dauerte fast drei Stunden. Der Gerichtshof hielt den Inhalt aller drei unter Anklage gestellten Artikel für beleidigend und verurtheilte den Angeklagten zu einer Gesammlstrafe von s ll n f Monaten G e f ä n g n i ß. Den Strafantragstellern wurde die Publikalionsbefugniß im„Reichs- Älnzeiger", in der„Vossischen Zeitung", der„Post" und der„Kreuz- Zeitung" zugesprochen. Gegen Genossen Stadthagen steht am 26. November in vier Strafsachen Termin vor dem Reichsgericht an. Die Polizei gegen das Vsrsammlungsrccht der Franc». Die Frage, ob einem Reichstags- Abgeordnelen, der seinen Wählern Bericht erstatten will, ein berechtigtes Interesse im Sinne des 8 193 des Strafgesetzbuches zur Seite steht, wenn derselbe die ungesetzliche Handlung eines Beamten abfällig kritisirt, unterlag gestern der Prüfung der dritten Slraskaminer des Land- gerichts II unter dem Vorsitz des Landgerichts- Direktors tellwig. Vor den Schranken stand der Reichstags- Abgeordnete r. Z u b e i l, welcher am 27. September wegen öffentlicher Be» leidigung des Polizeisergeanten E i s e» a ch vom Schöffengericht in Köpenick zu 160 Mari Geldbuße verurlheill worden ist und gegen dieses llrlheil Berufung eingelegt halte. In der ersten Instanz war festgestellt worden, daß am 6. Juli v. I. in Köpenick eine vom Vertrauensmail!! N i e ck e einberufene Volksversammlung mit einem Vortrage des llieichstags- Abgeordnete» �subeil über„indirekte Steuern" stattfinden sollte. Der Polizeidiener Eisen ach halte die Versammlung zn überwachen. Da auch Frauen in der Versainniliiiig anwesend waren, kam der Beamte darauf, die Ent« seriiuiig der Frauen zu verlangen. Der Vorsitzende verlangte die Entscheidung der Versammlung, ivelche nach kurzer Beralhnng de- schloß, cs daraus ankomme» zn lassen und die Frauen nicht aus- zuschließen, da denselben ein verfassmigsmäßiges sslccht zustehe, an einer öffentlichen Versanimliing theilzunehmen. Nach dieser Ab- lebnittig seines Verlangens löste der Polizeibeamle cnigegen den Be- stimmungen des Vereinsgcsetzes dicVersaminlnng ans.Znbeil habe nun, so wurde als erwiesen migenonimen— zu dem Beamleu gesagt:„Ich erkläre Sie für einen n n z n r e ch n u» g s sä h i g e n Beamten!" Diese selbe Aeußerung habe Zubeil später noch einmal gemacht, als die Theilnehuier a» der Veisammluiig im Ncbeusaale bei einem Glase Bier saßen. Das Schöffengericht hat niin angenommen, daß mit den iiikriimilirlen Worten habe ausgedrückt werden sollen, daß der Vccmte betrunken gewesen sei. Ter Angeklagte, der seine Bernfniig im Beistände des Rechlsainralls H e r z f e l d damit begründele, daß die Aussagen der Polizeibeantten nicht zuverlässig seien und ihm der Schutz des Z 193 des Strafgesetzbuchs zugebilligt werde» müsse, beloitte gestern besoudeis, daß die Versaiiimlniigs- Aliflösiiiig eine absolut gesetzwidrige war, denn das Verbot der Thciliiabme von Frauen beziehe sich nur ans Versanimlnnge» politischer Vereine, nicht aber ans öffentliche Versamin- lniigen. Wenn er daher die nnbeiechligtc illnslösuiig krilisirle und zwar mit den an den Beamten gerichlelen Worten:„Sie sind heute nicht sähig. eine Versammlniig zu überwachen!", so habe er, da er als Zteichstags-Abgeordncter zn seinen Wählern sprechen wollte, ein berechtigics Interesse vertreten. Seine Partei sei schon vor Jahren mit der Köpenicker Polizei in Konflikt gerathen, alle Versammlungen werden als politische Vereins- V er s a m ml n n g e n angesehen und aus- gelöst, sobald Frauen anwesend sind. Der Bürger« meister habe ihm auf mündliche Vorstellungen selbst zu- gestanden, daß alle Aersammliingen. in"deiieil politische Redner auftreten, wie er, aufgelöst würden. Es liege also System in der Sache. Der Vorsitzende warf hier ein, daß ja doch der Beschwerde- weg offen stehe, worauf der Angeklagle bemerkte, daß dieser Weg a»el, beschritten worden sei. Der Polizeisergeaiit Ei seil ach sagle als Zeuge ans, daß SIngeklagter über„indirekte Stenern" sprechen sollte und da dies ein politisches Thema sei, habe er die Enlfernnng der Frauen gefordert und, da dies abgelehnt worden sei, habe er die Versamin- lung aufgelöst. Schon ans dem Podium habe ihm der Angeklagte zugerusen:„Ich erkläre Sie für»nznrechmttigssähig!" und das habe derselbe spälcr im Nebcnsaale noch einmal wiederholt. Auf eine bezügliche Frage des Rechtsanwalts Herzfeld erklärte der Zeuge, daß den Überwachenden A e a m l e n die allgemeine An» Weisung gegeben w o r d e n s e i. ans allen Bersammlunge», in denen staatliche Angelegeiiheiteii erörtert werden, die Ausweisung der Frauen zu verlangen. A» g e l I a g t e r(zum Zeugen): „Hat nicht Polizci-Jiispeklor Jäckcl 14 Tage späier die gleiche Ver- saimnlung überwacht und die Frauen darin gelassen?"— Zeuge: „Ja, das war aber vorher beschlossen. Es sollte einmal s e st g e st e l l l werden, w a s a l l e s in Gegenwart der F r a u e n gesprochen würde(!). Der Inspektor hat darüber auch einen Bencht an den iliegienmgSpräsidelitcii erstatten müssen!"— Der damalige Vorsitzende, Handelsmann Niecke, deponirte als Zeuge, daß Augeklagler im Nebcnsaale zu dem Polizeidiener gesagt habe:„Sie sind heule nicht sähig, eine Versammlung zn überwachen!" Ob eine gleiche Aeußerung schon ans dem Podium gefallen sei. könne er nicht bestreiten, aber gehört habe er es nicht, da die Unruhe z» groß war, das Publikum lachte Über den Vcaiitteii, der einen c i g e n t h Ü m l i ch e n Eindruck machte. Der Bertheidiger, R.-A. Herzseld. führte aus, daß sich nach Art. 29 der Ver- fassnng alle Preußen versanimeln dürfe». Dazu gehöre» auch die Franen.§ 3 des Vereinsgesetzes schränke zwar die Theiluahme des weibliche» Geschlechts a» Bersaininluiigen ein, dieser Paragraph beziehe sich aber nur auf die Versnninilnngen polit ischerVer eine. Die Versammlniig sei daher in gesetzwidriger Weise ausgelöst worden und wenn der Angeklagte, der sich dadurch beschwert fühlte, seinem Unmulhe über diese Gesetzwidrigkeil mit den Worten Luft machte:„Ich erkläre Sie für einen unziircchiiiliigssähigen Beamten!" so durfte er dies nach allem Vorangegangenen lhnn. zumal der Beamte de» Eindruck machte, nicht ganz nüchtern zu sein. Der Angeklagle Handelle daher in Wahrnehmung berechtigter Jnleressen, und wenn die Aenßernng auch erst fiel, nachdem das Recht verletzt war. so steht es doch jedermann frei, Kritik an einer ungesetzlichen Handlung zu üben. Er bitte daher prizipallter um Freisprechung, eventuell um weseniliche Herabsetzung der Strafe. Nachdem der Staatsanwalt Beriverfnng der Be- riisung beantragt halte, erkannte der Gerichishos: Es ist alS erwiesen an genommen worden, daß der Ausdruck„uuzurechnnngS- fähiger Beamler" gefallen ist. Die Versammlung durfte aus dem angeführten Grunde nicht aufgelöst werden, doch nachdem sie einmal aufgelöst war, hatten die Anwesenden Folge zn leisten. Jetzt war kein Interesse mehr bercchtigterweise zu vertreten(!), es war an der Thatsache der Auflösung nichts mehr zn ändern. Die Beleidigung des Beamten war daher ganz zwecklos und da dieselbe eine schwere sei. so erscheine die vom ersten Richter erkannte Straf« für an- gemessen und mußle deshalb die Berufung verworfen werden. Unsere Parteigenossen im Reichslage werden nicht verfehlen, die Art, in der die Behörden systenmlisch den Anhängern der Sozialdemokratie die Wahrnehmung des VereinsrechlZ zu ver- kümmern trachten, an gebührender Stelle zur Sprache zn bringe» und von den Vertretern der Regierung Rechenschast zn fordern. Tie Tirektoren der„Ancr-Gesellschaft", Krüger» Nathan, haben gegen Dr. L n x eine Privatklage angestrengt, die gestern das hiesige Schöffengericht beschäftigte. Unter der Ueberschrist„Die Geschäftspraktiken der Aner-Gesellschast" halte Herr Dr. Lux. der s. Z. auch einmal einen Gasgliihlicht-Brenner für die Gesellschaft„Meteor" konstruirt hatte, einen Artikel in der„Zeit- schrift für BelenchtungSwesen" vom 36. November 1396 veröffent- licht. Er behauptete darin, daß die Geschäftspraktiken der Auer- Gesellschaft jenseits von Gut und Böse nicht mehr alS kair zu bezeichnen feien und fährte unter scharfen Hieben aus: Die Gesell- sckast verklage grundsätzlich jede Firma, die sich erkühne. Gas- glüdlicht zu sabriziren; hierdurch und dureb die Art, wie sie sich die von den Konkurrenzfirmen sabrizirten Breuner verschaffe, werde jedes geschäftliche Vertrauen untergraben und man nähere sich Zuständen, die eine verzweifelle Aehnlichkcit mit denjenigen haben. unter welchen die anierikanischen Trust? die Konkurrenz todt zu mache» verstehen. J»sliz»-ud Meyer als Valveter der iUäger meinte, daß der Rrlikcl die thalsüchlichcn Verhältnisse geradczn an' den Kops stelle und sehr schwere Beleidigungen enthalte. Der Bc- klagte, der den Schutz des§ 193 in Anspruch nahm, bestritt die Aklivtegiliination der Kläger und erklärte sich bereit, die von ihm aufgestellten Behauptnnge» in mnfangreichem Beweise als richtig nachzuweisen. Der Gerichtshof beschlost, dem Beklaglen ans- zugeben, seine BeweiSanlräge innerhalb einer beftiinniten Frist ein- zureichen. Der Polizelspio» Norinanu- Tchnmann läßt wieder etwas von sich hören. Er hat von seiner Villa in Lnzern ans den Berliner Rechtsanivalt Dr. Schinkel mit seiner Vertheidignng in dem gegen ihn schwebenden Verfahren ivegen Majcstälsbeleidigu ng betraut. Dieses Verfahren ist eine Folge der im Prozesse Leckert Lntzow festgestellten Thatsachen, wonach Norinann-Schninann der Verfasser verschiedener, in französischen Blättern erschienener Zlrtikel, welche schwere Bc- leidignngen des Kaisers enlhnlten, gewesen ist. Ob und wann dieses Verfahren zu einem HanptverhandlnngSlermin sich entwickeln wird, steht noch dahin. Normann-Schninaim hat sich bereit erklärt, sich zu stelle», sobald ihm freies Geleit gewährt werde; es ist jedoch Nicht ivahrscheinlich, dast diesein Gesuche entsprochen wird.— Der wnildcrbare Fall, dast ein durchaus o r d n n n g S< stützender Verein mit einer Anklage wegen Vergehens gegen das preustische Verein sge setz behelligt wurde, hat sich vor kurzem in einem Berliner Vorort ereignet. Der Grundbcsitzer-Verei» snr Zeulhen-Hankels Ablage hielt vor längerer Zeit unter dem Vorsitz eines Herrn Dr. Götze aus Zeuthen eine Versammlung ab, deren Tagesordnung auch den Punkt.Verschiedenes" enthielt. Die Gelegenheit, alles mögliche anzuregen, wurde n. a. dazu be- nutzt, die Verzögerungen bei Erlheilung der Baukonsense zu bespreche». Man beklagte sich lebhaft darüber und be- schloß schließlich, die Klagen beim A m t s v o r st e h e r in Echmökivitz vorzubringen. Ter Anilsvorsteher freute sich natürlich sehr, daß man an seiner Amtsführung etwas anszusetzen hatte. Herr Dr. Götze erhielt demnächst ein Strafmandat mit der Begründung, er habe, entgegen dem Z 1 des BereinSgesetzcs, eine Versammlung nicht angemeldet, die auf öffentliche Angelegenheiten einwitken wollte. Das Schöffengericht sprach den Angeklagten frei, doch wurde er i» zweiter Instanz zu einer Geldstrafe von 13 M. ver- »rlheilt. Die Strafkammer nahm an, dast die Verhandlung und Beschluß- faffung über die Beschiverdc ivegen derKonsense eine Erörterung öffent- licherAngelegcnheilen sei, und dast Götze als Vorsitzender diese Strafthal hätte verhindern müffen. Der Angeklagte legte Revision ein und bestritt, daß hier von einer Erörterung öffentlicher Angelegenheiten die Rede sein könne. Auch habe man bei Einberufung der Vcr- sammlnng nicht beabsichtigt, die Bankonsense zu besprechen. Der Oberslaalsamvalt ivar ebenfalls für die Aufhebung des landgcrichtlichcn llrtheils. Die Grundbesitzer hätten ledigliw im eigenen Jutcrcsse gehandelt, während öffentliche Angelegenheiten nur solche seien, die die Gesaiumlheit berührten. Das Kammergericht hob auch gestern die Vorentscheidung ans und sprach Götze»»ter folgender Begründung frei: Das in Frage stehende Thema könne allerdings so behandelt werden, daß darin eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten zu sehen wäre. Im vorliegenden Falle sei jedoch anzunehmen, daß der Verein nur die Interessen seiner Mitglieder habe wahrnehmen wollen. Es sei darum die Annahme irrig, daß öffentliche Angelegen- heilen erörtert worden seien. Zur Waruuug. Zwei Wochen Gesängnist erhielt in Viele- f e l d ein Privatlehrer von Petershagen von dem Schöffengericht in Herford, weil derselbe bei einer Eiscnbndnfahrt von Bracke»ach Bielefeld für einige Knaben, die sich in seiner Begleitung befanden, Kinder-Fahrkarlen gelöst halte, obgleich die Knaben bereits das zehnte Lebensjahr überschritten hatten. Wegen dieser Hinterziehung hatte die Eisenbahnverivaltung Slrafantrag gestellt. GewerkMAftlirFzes.. Betliu»ud Ilmgcbnng. Zu dem Streik i» der Möbelfabrik von Ebcrhardt, M i ch a e l b r ü ck e, wird uns geschrieben: Bereits 5 Wochen dauert der Streik der Tischler, Drechsler und Möbelpolirer der Firma Eberhardt. Bekanntlich waren es ganz»lininiale Forderungen, ivelche von den Arbeitern gestellt waren: Anständige Behandlung durch die Wcrkfnhrcr, Besorgen des Holzes vor die Bank ec., die jedoch von Herrn Eberhaidt kurz zurückgewiesen wurdcu. Seitens der Arbeiter wurde inzwischen zweimal der Versuch gemacht, den Streik gütlich beizulegen. Das erste Mal glaubte Herr Eberhard! eine kühl abiveisende Stellung einnehmen zn müssen; er hatte nämlich in- zwischen eine» kapitalkräftigen Kompagnon bekommen.. Das zweite Mal liest er sich herab, mit der Kommission seiner Arbeiter zu vcr- handeln und war so gütig, die Bedingungen vorzuschreiben, unter denen der Streik zn beenden sei: er wolle sich 10 Mann von den Streikenden aussuche», die wieder bei ihm arbeiten könnten. Die Arbeiter konnten selbstverständlich hierauf nicht eingehe». Während Herr Eberhnrdt aber der Koniinisfion gegenüber er- klärte, nur 19 Mann einstellen zu können, annoncirte er in hiesigen und auswärtigen Blättern um 40 Tischlergescllen. Die neu angeworbenen Arbeiter gehen unter dem Schutz der Polizei von und nach der Arbeitsstätte. Lange dürften es jedoch die Zlrbeits- willigen nicht aushalten, da es mit der Bezahlung so recht nicht von stalten gehen soll. Darüber scheint Herr Eberhardt nun erbost zu fein. Er verbietet den in der Rühe seiner Fabrik wohnenden Budikern, die streikenden Arbeiter zu dulden bei Strafe des Nicht- besnches seiner jetzigen Angestellten. Er scheint Herr» v. Stumm das Räuspern und Spucken abgeguckt zu habe». Schade, daß ihm diese schönen Eigcnschaslen in Berlin nichts nützen; die oraanisirlen Holzarbeiter werden die Forderungen, die nolhivendigerweise gestellt iverden mußten, auch durchznbringen wiffen. Es wird gebeten, Zuzug fernzuhalten. Ter Korbmachcrstrcik bei Schmidt u. K o. ist in einer in den Andreassäle» tagenden Korbmacher-Versammlnng aufgehoben worden. Der ncngcgriindete Verein der Manrer Berlins hat sich be- züglich der Frage, wie er sich den Meistern beziv. Arbeitgeber» gegenüber im Falle von Lohndifferenze» zn stellen gedenke, dahin ausgesprochen, daß für die Regelung von Lvhnfragen auf deni Verhandlungsivege zwischen Arbeitgeber» und Arbeitnehmern mitlelft dazn berufener Organe Sorge zu tragen sei, weil das jetzt von einem Theil der Berliner Manrer zur Anwendung gebrachte System, durch Streiks und„andere Gewaltmiltel" Zugeständnisse von den Arbeitgeber» z» erlangen, verwerflich sei und eine Gefahr für den öffent- lichen und sozialen Frieden in sich berge. Der Vorstand ist demzufolge beanslragt worden, mit dem Bunde der Bau-, Maurer- und Zimmermeister behnfs Schaffung von Organen zur Lösung und Regelung von gemeinsame» Angelegen- Helten und Lohnfragen in Verhandlung zn treten.— Soiveit sehr gut, aber was wird der Verein Ihn», wenn die Herren Arbeilgeber bei Lohndifferenzen sich zn gar nichts verstehen wollen? Der Fachverein der Stellmacher hat noch nicht, wie ans unserer Notiz vom Dienstag geschlossen iverden könnte, definitiv den Uebertritt znin Holzarbeiter-Verbande beschlossen, sondern will mit diesem zunächst über die Uebertrittsbedingnngen verhandeln. Eine Sammelliste für die englischen Maschinenbauer ist dem Metallarbeiter Meier in dem Restaurant Wienerslr. 69 von einem unbekannten Mann entwendet. Die Parteigenossen werden gebeten. die Liste, die die Nummer 275 trägt, anzuhalten, und a» Meier, Wienerstr. 61, Hof 2 Tr.. abzugeben. Deutsches Reich. Im Diamantarbeiterstreik in Hauan waren von de» Ar- beitern anfS neue Unterhandlungen eingeleitet, die aber resnltatlos verliefen. Bei der GetvcrbegerichtSwahl in Frankfurt a. M. wurden die von de» Gewerkschaften aufgestellte» Kandidaten gewählt, Verantwortlicher Redakteur: Rngnst Jacobch in B während in der Klasse der Unternehmer die Jnnnngsliste den Sieg errang.— Tie Magdeburger Polizei hat wiederum zwei Strafbesehle erlassen, die wie folgt lauten:„Sie haben am 21. September 1897 als Vorsitzender bei der in den Wirthschaftsränmen von Müller, Tischlerkrugstraße 22, abgehaltene» öffenllichen Versammlung der Möbelträger, in ivelcher über den Lohntarif verhandelt wurde, den von dem Arbeiter Th. und den» Möbelträger H. gestellten Antrag, die Sperre über das Möbeltransportgeschäst von Eckstein z» ver- hängen, zur Abstimmung gebracht und dadurch groben Unfug verübt." Strafe 19 M. event. zivci Tage Gesängnist. Gegen die Strafmandate ist richterliche Entscheidung beantragt. Ausland. In Aich bei Karlsbad dauert der Porzellauarbeiter-Strcik noch immer fort. Vor einigen Tagen sind dort,»vie der„Wiener Arbeiter-Zeitung" gemeldet»vird, 6 Verhaftungen vorgeiwinme» »vorden. Das genannte Blatt bemerkt dazu, daß das Vorgehen der Gendarnien, ivelche in großer Zahl nach A i ch gelegt sind, ein änsterst provokatorisches sei, das» aber die Arbeiter viel zu be- sonne» sind, um sich zu Geivaltthätigkeiteu hinreißen zu lassen. Die Weber einer größeren Plüschsabrik in Kopenhagen befinden sich seit längerer Zeit im Ausstand. Dänische Agenten ver- suchen, deuische Arbeiter nach dort zu locken; so war vor kurzem ein solcher in Forst i. L. nach dieser Richlung hin thälig. Nähere Ans- knnfl zu erlheilen ist bereit I. G. Möller, Präsident des Dänischen Texlilarbeiter-Verbandes in Kopenhagen, Thorsgade 33. Ein allgemeiner dänischer Gewerkschaftskongreß wird vom 3. bis 5. Januar in Kopenhagen abgehalten werde». Es ist beabsichtigt, eine allgemeine festere Verbindung sänimllicher Fach- vereine herzustellen. Es wird damit ein Beschluß des Stock- ho im er Arbeiterkoiigrcsscs zur Ausfühiung gebracht; die schwedische» Eewerkfchastcii sind diesein Aeschluß bereils nach- gekommen._ Versammlungen. Die liberale Stadtverwaltnug lautete das Thema einer am 16. November in der Brauerei 5iö>iigstadt stattgehabten öffentlichen H a ii d l n n g s g e h i l f e n- Versaimiilniig, zu der auch die Wähler des 32. Konminnal- Wahlbezirks eingeladen waren. Das cinleiiende Referat gab der Genosse A. B o r ch a r d t. In drastischer Weise verglich derselbe das in einem liberalen Flugblatt ausposaunte Selbst- lob mit den praktischen Thateu des Berliner Koininmial- Freisinns. »ainentlich in sozialpolitischer Beziehung. In der Diskussion ver- theidigle ein Herr F l a t o w den Freisinn und die Berliner Volksschule, da dieselbe den Kindern nameiillich ein vorzügliches Deutsch lehre. Ter Kandidat des Wahlbezirkes, Genosse Timm, sertigte de» Herrn in trefflicher Weise ab. Weiter belheiligten sich im Sinne des Rcscrals an der Diskussion die Genossen Lieb- »i a n n. Boge, Cohn, Bier und G u t t»i a n n; letzterer machte namentlich auf die Wahlkniffe der Freisinnigen aufmerksam. Eine NesoliUion, in der sich die Versammelten verpflichten, für die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten einzutreten, gelangt zur einslimmigen Annahnie. Mit eiueiii Hoch auf die Sozialdemokratie fand die Versammlung ihren Abschluß. Tie Fortsctznng der durch polizeiliche Auflösung nntcr- brochcncn Zchnjahrfcicr der Hinrichtung von Spieß und Genossen in Chicago, einberiifen vom Anarchisten Landauer, ging am Dienstag Abend im Louisenstädlischen Konzerthanse vor sich Die Versanimliing war sehr gut besucht, zum übergroße» Theil wohl von Neugierigen, die da glaubten, seitens der Refcrenlin Frau Reinhöld eine längere Rede zu hören. Diese jedoch beschränkte sich auf nur kurze Ansfiihrmigen, die sie in letzter Versaiiiinlung nicht machen konnte, in denen sie den Mnth und die Un- erschrockeiiheil der Opfer von Chicago in warmen Worten eierte. Dasselbe that Landauer, betonend, dast ivenn auch die Todten nicht als geistige Größen unseres politischen Lebens gellen könnten, so sei ihr Wirken doch nur der Befreiung des Proletariats gewidmet gewesen. Aus der Thatsache, daß der Anarchismus in Amerika bedeutende Einbuße erlitt, machte Redner kein Hehl, meinte aber, daß die anarchistische Idee daselbst sich„vertieft" niid von„Neberschivenglichkeiten gereinigt" habe. Nachdem er noch ein Gedicht von Parson verlesen, rem- pelte er den„Vorwärts" an, weil dieser die Chicagoer An- archisten„begeisterte Schwärmer" genannt hatte. Anschließend ver- liest er Stellen der Veithcidigiingsreden der fünf Angeschuldigten, ans denen zur Evidenz hervorgehe, daß inan es mit Anarchisten zu thiin hatte. Nach etlichen Auslassungen Wiese nthal's gedachte man noch auf Anregung von Rednern der Opfer der Klassenjustiz in Spanien und K o s ch e m a n n's. Ein Antrag, den Neberschnß der Tellersaiiiinlniig den Aiisgeivieseneii Spaniens zn senden, wird an- genoininen, worauf Schluß der Versanimlung erfolgte. Seitens der Sicherhcitsbehörde war wiederum in väterlicher Weise für den noth- wendigen Schutz der Versainniliiiig Sorge getragen, denn ein Ans- zebot von Polizeibeaintcii, vorzugsweise solcher in Zivil, bewegte sich in der 9llle» Jnkobsiraße, wie man es wohl seilen zu beobachten Gelegenheit hatte. I» cincr sehr gut besuchten Versammlung der Sattler 'prach der Genosse Auer über das Thema:„Giebt es nicht- politische Gcwerkschaflen?" Ter Redner ging zunächst ans die der- zeitige Rechislagc ans dem Gebiete des Vereins- und Versaiunilttiigs- wcseiis ein und kam er zu dem Ergebniß, daß nach der Judikatur nnsercr höchsten Gcrichlshöfe, gewerkschaftliche Verciiiigniigen die Interessen ihrer Mitglieder überhaupt nicht wahren können, ohne Gebiete zn berühren, welche als politisch erklärt sind. Ausgesprochen politischen Zwecken, nämlich der Bckäiiipfung der Sozialdemokratie, dienen alle von oidnnngspartcilicher Seile ins Leben gerufenen Gewerkschaften. Tics gelle von den Hirsch'schen Gewerk- vereinen bis hinüber zn den christlich- sozialen oder den evangclischen Arbeitervereinen. Die Frage. ob es nicht politische Gewerkschaften giebt, ist entschieden. Die Ge- imlschaslen sind politisch, ob sozialdemokratisch ist eine andere Frage. Falsch aber ist die vielfache Annahme. politisch und sozialdemokratisch ili identisch. Thalsache ist jedoch, daß die allgemeiiicii Arbeiterintereffen am entschiedensten und rück- sichlsloscstcn von der Sozialdemokratie vertreten werden, was zur olge hat. daß der größte Theil der Arbeiter dieser Partei zustrebt. ie vielfach vertretene Anschauung, die Geiverkschaften sind der Partei wegen da, ist eine durchaus irrige. Die Geiverkschaften sind Selbstzweck, und dazu da, ihr Interesse wahrzunehmen; Im allgemeinen hat sich baS politische und soziale Niveau der ZIrbeiterschaft ganz gewaltig gehoben und ist diese zu einer Bedeutung gelangt, wie man sich zn Lassalle's Zeilen nicht tränmen ließ. Alle öffentlichen Fragen werden ventilirt, mit Hin- weis auf die von der Arbeiterschaft dazn einznnehnieiide Stellung. Viel trug hierzu die Agitation und die Auf- klärung unter der Arbeiterschaft bei. Der Redner ineint: Genosse Segitz habe mit seiner Kritik der Gewerkschafts- Agitatoren weit übers Ziel hinausgeschossen. Er hat nicht alle Agitatoren reden hören; er kann also auch nicht wissen, ob alle nur dieselbe Rede reden. In der Sache werden freilich alle dasselbe verlangen, aber in der Form giebt eS auch bei den Gewerkschaftsrednern solche, die gut und solche, die weniger gut reden. Die Behanptiing von den wüsten Schimpfereien in den Versammlungen ist. abgesehen von einzelnen ungeschickten Ausdrücken, ein Schuß vollständig ins Blaue. Im Gegenlheil, bei dem meist mangelhasten Bildungsgang der Arbeiter ist deren Auftreten und Takt geradezu zn beivnndern gegenüber den häufigen groben schimpflichen Ausbrüchen gegen die Arbeiter in der bürgerlichen Presse. Läuft dann das Maß einmal über, ist das nur zn begreiflich;»vie es in den Wald hinein schallt, muß eS doch wieder heraus schallen. Am ivenigsten haben die Herren von Besitz und Bildung ein Recht, sich über ein Wort aufzuhalten, was ja vielleicht besser ungesprochen geblieben wäre. Vor allen Dingen aber ist es Aufgabe der Arbeiterschaft, sich Macht und Bedeutung zu verschaffen, die Gewerkschaft, die sich ihrer Machtmittel nicht bedient, ist ihrer Aufgabe nicht bewußt. Richtig erlin. Für den Inseratentdeil verantwortlich: Th. Glocke in Ber ist, daß das BersainiNluiigswesen, es gegeiiuäuiig'.st..»>« die Daner nicht ausreichen wird. Sind die Gewerkschaften erst so »veit> daß sie ihre internen Angelegenheiten mit mehr Jiilereffe behandeln, wird von selbst Aeiidernng eintreten. Daß alles nicht so schnell vorwärts geht, wie Genosse Segitz und wir alle es wünschen, läßt dessen Behauptung, die Gewerkschaften versinnpften, erklärlich erscheinen, aber grundfalsch ist sie trotzdem. Bei dem gcivaliigen Anfschwnng der letzten Jahre ist gerade das Gegenlheil der Be- Häuptling Thalsache. Mit großem Geschick verlrill Genosse Segitz die Arbeitslosenversicherungs-Frage, einer der Endzielpnnkle der Ge- iverkschaftcn, deren Lösung jedoch erst in einer Zeit erfolgen kann, in der wir ein freieres Koalitions- und Versainiiilnngsrecht haben. Die bisher ansgebliebenen Erfolge auf diesein Gebiete scheincii nicht ohne Einfluß ans das Urtheil unseres um die Gewerkschafts- bewegung hochverdienten Nürnberger Genossen geblieben zu sein. Im allgeiiieinen haben wir durchaus nicht nölhig. den Kopf hängen zu lassen, denn die Geiverkschaften haben sich in den letzten Jahren ganz besonders entwickelt.(Bravo i) DiSkntirt wurde über den mit vielem Interesse entgegen- aenoinmenen Vortrag, außer einigen Anssührungen des Genossen Jahn, nicht. Der Genosse Sassenbach berichtete hierauf über das anfängliche ablehnende Verhalten der Kriegsniiiiisterien zu der Petition der Sattler Teutschlands, bei Vergebung von Sattler- Militärarbeit Bestinininiigen zu treffen, daß die'Arbeit nur in eigenen Werkstätten angefertigt werden muß. Ter im Sommer in Erfurt stattgehable Saltlerkongreß machte diese Petition mit einigen kleinen Aenderungen zu der seinigen und sandle dieselbe zur Elalsberathung nach Bayern. Arn 3. d. M. kam die Pelilion dort zur Sprache, gleichzeitig auch noch eine Mast- rcgelung in den ArbeitenvsrkstäUen Münchens. Die vom Kriegs« minister gegebene Antwort berechtigt zn de» besten Hofsiinngcn. In Sachsen wird dieser Tage die Petition ebenfalls zur Sprache ge- bracht. Die Möglichkeit liegt sonach vor, die Hausindustrie in der Militärarbeit ans diese Weise abzuschaffen; ist dies erreicht, dann ist ein Nebelstand beseitigt, von dem man annahm, er könne niemals hin- ivcggeräiiint werden. Zum Schluß wurden noch interne Gewerk- schaftsangelegenheilen besprochen, und zum regen Besuch der am Sonnabend Alexanderstraße 27o stattfindenden Verbandsversammlung aufgefordert. Ter Zcutralpcrband der Manrer Deutschlands, Zahl- stelle Berlin I(Putzer), hielt am 7. November seine regelmäßige Milgliederversaininlniig ab, in welcher man über den von der Innung eingerichteten Arbeitsnachweis sprach. Der Bevoll- inächtigte lheilte das Ergebniß der Konferenz, die mit den Jnnungs- nieistern siattgesunden halte, mit. Diese hatten behauptet, daß nur sie alleiniges Recht auf Vermittelung von Arbeitskräften hätten. Sämintliche Redner sprachen sich dahin aus, daß es nun endlich an der Zeit sei, den Arbeitsnachweis, den man von feiten der Arbeiter schon im vergangenen Jahre einführen wollte, doch nun endlich ein- zuführen. Der Vorstand wurde beauftragt, hierzu weitere Schritte zn thun. Durch den Nachweis soll namentlich dem Anfragen nach 'Arbeit und dem Lohndruck gesteuert werden. Ter Verein zur Wahrung der Jntereffen der Maurer Berlins und Umgegend hielt am Sonnrag eine Generalversmnin, lnng ab, in der Dr. Joel einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag hielt, über die Steinzeit. Zum dritten Punkt: Obligatorische Ein- snhning der„Einigkeit" wurde zur Tagesordnung übergegangen. Beschlossen»vird für die drei Wintermonate ebenfalls Beiträge zu erheben. An stelle des verunglückten Kollegen P f i st« r wurde D n ck w i tz als Schriftführer gewählt. Ausgeschloffen anS dem Verein wird Timm. Bekannt gegeben wird, daß am 27. November in der Bensselstraße 9 eine öffentlich» Versammlung mit Frauen stattfindet. Strala«. Am Sonntag, den 14. November wurde von den in der Stralau er Flaschenfabrik beschäftigten GlaS« arbeilern eine öffentliche Bersammlung in der Brauerei Stralau abgehalten. Es wurde nochmals die von der Direktion geplante Lohiirednktion behandelt. Dle Lohnkommission berichtete, der Direktor habe sich dahin geäußert, er sei durch die Konkurrenz dazu gezwungen. eine Lohnreduktion von 4 pCt. vorzunehmen und er werde dieses durch Anschlag bekannt geben, die Arbeiter könnten dann machen was sie wollten, es bleibe dabei. Von sämintlichen Rednern wurde aufgefordert, die Reduktion entschieden zurückzuweisen. Wenn die Firma anführe, sie zahl« die höchsten Löhne, so müsse das zurück- gewiesen werden, denn es gebe Orte, wo der Lohn mindestens ebenso hoch stehe, wie hier, und dort, wo es nicht der Fall sei, sei es nur scheinbar der Fall, denn dort hätten die Arbeiter besondere Ber- günstignngen, die hier nicht beständen. Die Annahme der Lohn- rednktion würde den übrigen Fabrikanten Veranlassnng geben, eben- falls zu reduziren und somit wäre die Schraube ohne Ende in Beivegung gesetzt. Sodann wurde die Unterstützungsfrage im Fall« eines Streiks in Erwägung gezogen; es war allseitig die Meinung vertreten, daß, da die Stralaner Glasarbeiter sich stets ihrer Pflicht anderen Gewerkschaften gegenüber bewußt waren und ausgeführt hätten, es wohl zn erwarten sei, in diesem aufgezwungenen Kampfe unterstützt zn werden. Hierauf wurde zur Abstimmung geschriiten. Das Ergebniß war folgendes: Gegen die Reduktion 143 Stimmen, dafür ö und nngillig 6 Stimmen- mithin würde es zn einer Arbeits- nicderlcgniig kommen, im Falle ein Anschlag vonseiten der Direktion erfolgen sollte. Nachdem noch aufgefordert worden, dem Vorgehen der Dircklio» einmüthig und entschlossen entgegenzusehen, erfolgte Schluß der Versamnilnng. Eine öffentliche Volksversammlung für ZldlerShof tagte am 16. November bei Schecr in Köpenick. Genosse Herrinann referirte über die Genicinderathswahlen. Der Redner kritisirt, daß die Wahlen aus den Freitag verlegt sind, was für die Arbeiter um so nachtheiligcr sei, als sie in dieser Woche bereils durch den Bußtag eine erhebliche Einbuße am Verdienst erlitten. Da das Wahllokal in dein Gemeinde-Rmt sich befinde, müßlen die in Berlin beschäf- tigten Arbeiter, um ihr Wahlrecht ausüben zu können, eine ganze Stunde früher die Arbeit verlassen. Nachdem ver» schiedenc Diskussionsredner sich in demselben Sinne geäußert haben, bringt Genosse Hannemann eine Petition zur Verlesung, in ivelcher gefordert wird, die am I. April 1398 vakant werdende Stelle des Geineindevorstchers zur freien Beiverbung öffentlich auszuschreiben, um die Wiederwahl des derzeitigen Vorstehers zu verhindern, mit dessen Anitsführuiig die große Mehrzahl der Einwohner durchaus nicht einverstanden sei. Daraus wird als Kandidat zur Gemeinde- Vertretung der Genosse W a d e p u hl vorgeschlagen und auch von der Bersamuilung einstimmig als solcher angenoiunien. Briefkasten der Redaktion. Wir bNltii, de! Icder Nnlrage«Ine llhMri tzwel VuchNabi» oder«Nie gnylj anzugtbin, nnler der die Ilnlivort»rlheUi werde» loll. Tie siirisiischc Tprcchstniidc findet in dieser PSuche am Freitag und Toiiiiabend von 5 bis 7 Ilhr abends statt. F. L. 37. Wenden Sie sich an die Redaktion der„KZnigSdergee Volkswibüne" in Königsberg i. Pr., Knochcnstraße 32. Sie werden dort die gewünschte Auskunft erhalten. Hainke in P. Wir wollen aus die Angelegenheit zurückkomnieil, wenn Sie uns scinerzeit von dem Ausfall des gerichtlichen llrtheils Äenntuid geben wollen. Briickmann. Wir haben keine Ursache, der Firma T. u. C. zu Ge. fallen die siir den Fall an sich belanglose Rechtfertigung zu bringe»/ Zlbonucnt Greiz i. Zt. Von Streiks in diricr Branche ist uns, so weit Schweden in betracht kommt, nichts bekannt. Das Suchen von Arbeitskräften nach dem Auslände ist immer etwas mißtrauisch auf. zufassen.__ Briefkasten der Expedition. Richnow, Ziseleur. 2ZS,89 M. D. R. 100. Wir haben das Inserat gebracht, wie es vom Auftrag- geber bestellt ist._ Wcttcr-Proguose für Freitag, IS. November litt»?. Ziemlich warm, vorherrschend wollig mit leichten Regenfällen und mäßigen südwestlichen Winden. i». Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Nr. M. 14. -w., 2. ßriliijjf te„Wwiick" jctlinct JolWIntt.»««.« �ochtspftegv. Präsidci.t Gäbcl vom Reichs VersichcriiiigSamt scheint einer Ucbtuig seines Vorgängers, des Herr» Dr. Bödiker. folge» und in gewissen öffentliche» Sitzungen des erste» Senats selbst de» Vorsitz fiihren zu wolle». Wenigstens veehandelte dieser Senat i» seiner letzten Sitzung unter dein Vorsitz des neuen Präsidenten Unter anderem wurde ein i»le>rssnnter Prozeß gegen die landivirilischnsiliche Bernfsgenossenschnft für die Rl>cinprovinz erledigt. Die Ebefrall des seibslversicherteii Landwirthb Kalknhl war vernngli'ickt. als sie sich sich aus deiii Wege zu eine,» Thierarzt befand, dein sie eine Rechnung be- zchle» wollte. Sie beanspruchte dann eine Unfallrente, wurde aber von der Beriif>5genosseiischaft mit der Begründung abgewiesen, daß ei» landwirthschastlicher Betriebsunfall nicht vorliege. Die Klägerin ba�e j.dcch beim Schiedsgericht mit ihrer Berusung Erfolg. Das Schiedsgericht nahin an. es sei doch ei» genügender Zn- sainnienhang zwiicheu dem Unfälle und dein landivirthschastliche» Betrieb« vorhanden, den» die lhierärziliche Behandlung des Vichos liege im landwirthschaftlichen Interesse. Die Veriissgenosse»- schuft legte nnninehr Reknis ei» und inachte gellend, der fragliche Gang gehöre dein Geschästslheile. nicht dem technischen Theile des landwirlhschaflliche» Betriebes an. Das Reichs» Versicheriiiigsaint hob denn auch die Voreiitscheidling auf und stellte den ablehnenden Bescheid der Beriifsgenossenschast wieder her. Präsideiit Gäbet sührle znr Begründung folgendes aus: Der Unfall köiiue nicht als landivirlhschasllicher Velriebsuiifall angesehen werden; er stehe rveder mittelbar noch unmittelbar mit der Landwirth- fchaft im Zusannnenhange, sondern sei lediglich ei» Akt znr privatrechtlichen Aufrechlerhaltung der Wirlhschakt. Ganz anders liege der Fall, wenn jeinandein, der ans dem Wege zur Slnsrechlerhalluug der Viehversicherung verunglückte, die Reut« zu- gebilligt wurde. Im Falle Kalkuhl handele es sich aber nicht, wie in dem aiigesührleu darum, die Sicheniiig oder Versicherung gewisser Bcflandtbeile des landwirthschaftlichen Betriebes aufrecht zu erhalten. Die Tilgung der Schuld löime damit nicht vergliche» werden. Als ein Entgegenkommen gegenüber der Presse muß eS an- erkaiint werden, daß der Präsident i» allen Sachen die Gründe publizirts, obwohl nur ein Berichterstatter den Verhandlunge» beiwohnte. Eine für Werkmeister wichtige Entfcheidnng fällte die Kaminer V des Geiverbegerichts in ihrer letzten Sitzung. Der Weit- Meister B. verlangte von der Firma Schubert u. Werth eine Ent- schädigung wegen unberechtigter Entlassung. Die Beklagteii wandte» dagegen ein, der Kläger habe die Entlassung selber verschuldet. Er sei trotz wiederholier Verwarnung zu spät gekommen, was besonders ein Werkmeister nicht dürfe. Als er am 20. Sep- teiiiber wieder unpünktlich gewesen sei, habe ma» ihn entlassen. Der Gerichtshof erhob Beweis und wies dann den Kläger mit seinem Ansprüche ab. Der Vorsitzende Hellwig führte zur Begründung des Urlheils folgendes aus: Werlnieister und ähn- liä)« Angestellte könnten nach der Geivcrbe-Ordnung nicht nur aus den darin näher bezeichneten Gründe», sondern auch aus sonstige» wichtige» Gründen sofort entlasse» werde». Ein solcher wich- t i g e r Grnnd liege hier vor. Auf grund der Verhandliing und der Beweisaufnahme stehe fest, daß Kläger wieder- holt, wenn auch nur um Minuten, zu spät ge- kommen sei und daß er sich auch am Entlassungstage noch nicht beim Beginn der Arbeitszeit in der Fabrik befunden habe. Auch habe er nicht bestritten, daß ihm der Beklagte Werth gesagt hätte, er dürfe nicht zu spät kommen. Nach der Aussage eines Zeugen habe er sich wöchentlich ein- bis zweimal verspätet. Eine solche Vcrspätung genüge aber schon, handle es sich auch nur um wenige Minute», die sofortige Entlassung eines Werkmeisters zu rechtfertigen. Denn es liege in der Stellung deS Werkmeisters, daß er ganz pünktlich sei. da ihm ja vor allem die Aufgabe zufalle, die Arbeiter zu kontrolliren.-- Auf Anrathen des Voc sitzenden hatte der Kläger seine Klage nur gegen Werth auf» recht erhalten, weil Schubert Jnnungsmitglied ist. In der Fabrik der Allgemeinen Elcktrizitäts-Gcsellschaft war ein gewisser Z. mit dein Ausschreiben der Lohnlisten und Lohnbücher beschäftigt. Als man ihn plötzlich entlasse» haue, klagte er beim Ge werbegericht auf Gewährung einer Lohncntschädi- gnng. Er gab zwar zu, die Arbeitsordnung, die den Kündiguugs- ausschluß festlegt, erhalten zu haben, indessen machte er geltend, sie könne auf ihn nicht angewandt werden. Darin stehe, die Arbeiter könnten sofort entlassen werde», er sei aber Schreiber und nicht Arbeiter im Betriebe gewesen. Der Gerichtshof— Kammer V, Vorsitzender Hellwig— war jedoch der Meinung, daß die Fabrik- ordnnng auch auf den Kläger Llnivendung finde und wies ihn deshalb ad. EutschädignngSfofdming wegen«nznlässigc» Zuriick- haltenS der Iuvalidenkarte und deS Ktaukeukassenbuches. In einem Rechtsstreit gegen die Firma Töpfer u. Schädel beanspruchten mehrere Monteme u. a. auch eine Entschädigung, weil ihnen ihre Kassenbücher und Jnvalidenkarleu nicht gleich bei der Lösung des Arbeitsverhältnisses ausgehändigt worden waren. Assessor Hellwig als Vorsitzender der Kammer V des Gewerbe- gerichls, vor der die Angelegenheit verhandelt wurde, schied jene Forderung zunächst von der Verhandlung ans. indem er folgendes geltend machte: Wahrscheinlich werde sich das Gericht, wie in früheren Fällen, für die Entscheidung des fraglichen Anspruches für unzuständig erklären, weil es kein Anspruch aus dem Arbeits- verhättniß sei, sondern nur mittelbar mit dem Arbeitsverhältniß zusammenhänge. Die Arbeiter seien nicht gesetzlich verpflichtet, die Jnvalideukarte und das Kassenbuch dauernd in den Händen der Arbeitgeber zn lassen. Sie brauchen„die Papiere" nur bereit halten für den Tag der Lohnzahlung. Der Gerichtshof er- klärte sich dann aber entgegen der Voraussetzung des 'Assessors Hellwig doch für zuständig, auch solche Enlschädigungsfordernngcn zu entscheiden. Vorläufig wurde nur der bclicffcnde Anspruch eines der Kläger entschieden, da bei den übrigen Klägern andere Forderungen eine weitere Be- weiSerhebiing nothwcndig machte». Ein Kläger wurde abgewiesen. Das Gericht nahm an, daß jcder Entschädigungsanspruch genau nachgervicse» werden müsse. Eine Entschädigung wegen Einbehaltcns des Kassenbuches und der Iuvalidenkarte lönne nur dem zugebilligt werde», der nachweise, daß er keine Arbeit erhalle» habe,>v e l l ihm das Buch»nd die Karte gefehlt hätten. Diesen Nachweis konnte der Kläger nicht erbringen. Tic Stadt Königsberg in Prenstc» besitzt ein Ortsstatut, das die Gciverbe-Unlernehiner verpflichtet, ihre jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge am F o r t b i l d u» g s- U n l« r r i ch t Ihciluehmcn zu lassen. Der Handwerlsineisler Neuhaus winde mit einem Strafe mandat bedacht, iveil er, entgegen dieser Borschrift, seine Lehrlinge nicht in die Fortbildungsschule geschickt hatte. Nenhaus beantragte richterliche Entscheidung und erzielte den» auch vom Schöffen- gcricht seine Freisprechung. Das Landgericht verurtheille ihn aber auf die Berufung der Slaalsanivaltschaft, worauf N. beini K a m in e r g e r i ch t Revision einlegte. Er bestritt die S!ech>s- giltigkeit des Orlsstaluts. Nach der Gewerbe- Ordnung seien vor dem Erlaß eines solchen Orlsstaluts die belheiligtcn Gewerbe- treibenden und Arbeiter gutachtlich zu hören. Im vorliegenden Falle seien nun zwar Arbeitgeber und Arbeitnehmer, jedoch nicht Geiverbe- treibende aller Branchen gehört worden. Der Strafseunl des Kammergerichls Hab die Vorentscheidung auf und wies die Sache zur nochmaligen Entscheidung an das Landgericht zniück. Tas Ortsslatut sei durchaus gilt ig. Arbeitgeber' und Arbeitnehmer aller Branchen brauchten nicht gehört werden, auch brauche ans dem Ortsslatut selbst nicht hervorzugehen, daß die Gewerbe- treibenden und Arbeiter gehört worden seien. Indessen müsse das Landgericht nachprüfen, ob der Stundenplan der Fortbilduugs- schule ordnungsmäßig zu stände gekommen sei, insbesondere, ob sich zu i h in Gewerbetreibende und Arbeiter geäußert hätten. Denn für das Zustaiidekoiumcn des StundeuplaucS feien dieselben Form- Vorschriften zu beachten, wie lür das Ortsslatut. Die Generalversammliing der Arbcitgebcr und der Mit- gliedcr der Orts- K rantcutassc der Stciudrnikcr nud Litho- graphen vorn 42. d. Mts. beschloß nach längerer Diskulsion, die Zentralisation der Berliner Octs-Krankenkassen prinzipiell abzulehnen. Zt>l>»itee-iStId»>»««Mi>»Ie. Jnselnr. 10, o. alt. Mittwoch: National- ölo n o mte(Brundbegetffe der Nattonalötonoml«: Dr. ll o nr. Schmtdr). Donnerstag: Sc schichte«Die vorgeschtchttiche Zeit»nd die erste» geschichtlichen Uebertieserungen; Dr. g! e o rg Z e p v l e r). ksretlag: IZ> e s e ti e§ I u» de. lSlrbetlSvertrag, die soziolxoiiiische Seseygebnng, Strasrechi, gcwerdlttties Kon- zesstonSwese». Eherecht, MielhSrecht, Erb- und Borninndschastsrecht, öst-iuiicheS Siecht: Siechisa mvail Wolfgang Hein e>. Die Bibtiolhel ist von s— s Uhr gcöstnet. Mtigiiedsbetlrag nwnall. ttb Pf., Kurins slo Abende) l M. pro Fach. Thetlnehiner werde» aufgeno»»»«» in der Schule»nd i» folg. Stelle»: Sottsr. Schulz, Adwiraislr.r., SO. Man- leusfelstr. las, Eeldsendungeu a» de» Kassirer H. König«, L. Dtessenbachstr. 30, zu senden. ftft-»nd lUolmtivliluiio. fveitog. A u f l l ä r u n g. abend« 9 Uhr, Sebastiansir. 7- bei Ferger.— D ie tz ge n. Wtesenstr. 3g bei Friy Schröder.— Karl Marx, Mariendorferstr. 3 bei Grube. Arb«i4«r-Sä»l>«rd»»d Kerlins»»d der kliugegend. Vorsttzender Adols Neuiua»», Brunnen straße 150.— Alte Aenderungen Im Vereinslalender sind zu richlc» a» Fried. Kortum. Manteustelstr. 50, v. a Dt. Freitag. UebungSiiunde abcnds S— II Uhr. Ausnahme von Mitgliedern, llollegia, Adalbertstr. 21 bei Roll.— Kaiser' scher Männerchor. Schwedlerslr. as'as bei Wernau.— Nord, Brunnen str. 150 b. Ad. Neumann.— Unverzagt I, Melchiorttr. lS bei SIchinann.— Treu und Einigkeit, Rixdocs, Bergstr. as bei Wühler. B u ch b> n d e r- M ö»» e r ch o r, Kövntllerstr. öS bei Schöning.— Berel nie SangeSbrüder Moabits. Puttlitzstr. 10 bei I. Pfarr.— Weltenrus, Stosenthalelstrahe 57 bei Schiller.— Maiglüclchen, Lindowerstrabe ts bei Sachs.— E c in n I h l i ch I-it lPnh°>'>, S-ydelstr. 30 bei Krüger.— Ptorgenrolh II, Eharlottenburg, BiSmarclstrabs 7t bei Krause.— Tupogrophia, Beulhstrabe 20 bei Eohn.— G e o r g i n a, Görtiher- strabe 52 bei Bogel.— Freundtchafl, Brunnenstr. 150, Schulz'« Bier- Haus.— Borwärt« III, Friedrichsselde, Lichleuberger Prtuzen-Allee 3.— Sthetugoid, Wcinslr. II bei Fetndt.— Sioseulhaier Borsiadt, Usedoms»'. 33 bei Oiböler.— Melvdia, Rixdors, Bergslr. 162 bei Thonias. — Irl«, Siaunpustrabe 3» bei Streit.— B ra» d-» b ur g er Männer- Gesa»gverein, Brandenburg a. H., Bergstr. K, jMengeri's Boltsgarten.— Li berts, Wrangelnr St bei Rcda»z.— Brüderschast(Hausdiener), Alle Jalobstr. 5t/55 bei C. Lamprccht.— Frei- Liederiasel. Straubberger- siiate 3 bei Wwe. Roll.— Nordwacht, llhousseeftrabe 72 bei Metbuer.— S ä» g e r l r e>«> Neu- Weibeusee), Langhansür. 3ö bei Ncudeuderger.— W e s« l I t g- teil, Hennigsdorf, Böhmerl's Gafihaus,— Eintracht Iii, Edersivalde. Eisen- bahnst, aße öö bei Hagcwald.— Syrene. Rosenlhalerstr. 67 bei Schiller.— Bült eist ü HI ing(Slnclaieure), Oranicnstr ios bei ölr-tler.— Neue Zelt, viommlerslr. SS(Ecle Swincinünderstr.) bei Schmidt.— Ltederkranz, Brandenburg a. H.. B.'> nstr. 5(Mengeri's BolkSgarten).— FreiheNSglocten, Wörlherftr. ss bei rBuchholz.- K l ing mütl er' s ch er Männercho:, Weibeusee, Friedrichs!.«> bei Leuchtendergcr.— Treher'scher tvesaug- verein, Weide>»veg 22 bei Fiallowslv.— Echo Iii, Zehlendors, Machnower- ürabe 5 bei Toi» man,— Karihau«'scher Gesa n gverein, Landsberger Allee 156 bei Eöbci.— Bruderherz, Bernaüerste. 13 bei Laulsch. Ardeiter- z!a>>che>'h»»d Arrli»«»nd der zimgegend. Aenderungen im Bereinslaicuder sind zu richlen an Hermann Braunschweig, Drcsdenerslr, so, 2. Hof. Zvcitag. Elldost. Wienerstr. 63 bei FelSke. zznnd der gtleitivrn Arhriteevreeiice Berlitt» ttNd zlittgegeiid. Borsihender P. Seni, DrcSdenecstr. 107/ios. Aenderungen de» Bereinslalender beirrfscnd sind zu richte» a» H. Bendix, Alexaudrinenstr. wo. Frrita»! Elal- llub E> n> g l e i 1, Wolliuerslr. 46 bei Zugoivskt. s-esanp-,«vr»,- 4>»,d p-s-iiige zperrine. Freitag. AthletkUvereln Bei se» lest. Kraulstr. 6 bei Böttcher.— Tanzleh>'e>verein Soltdariläl, »selstr. 10 bei Stade,»ack.— Musilverei» Tusch, Uebuugssluude jeden Freitag, Beretnssthung jeden Dienstag nach dem i. Langest»', ios bei Ncdelin.— RanchNud Ohne Zwang, Weiustr. 2S bst Spät.— Turnverein Gesundbrunnen. Abends von ssc—>0). Uhr: l, Männeiablheilung Pankstr. 6—10.— Turnverein Osten/«lumensträs- ssa.«jj-io Uhr(Lehrlingsabtheilung)— Ztlherliub Frohsinn, Grüucrwig 29 bei Zimmer», a, IN.— Madsahrerllnb Gloria Wanleussetsir. 9 bei Nowall.— Musnvereln Allegretto, Blücherstr.«S.' Krdrite»'«»>,>»> d»»d. Freitag: Turnvecetn F t ch I«, Beritn. Abend» vr» s— 10 Uhr: 2. Männer- Abtheitung Clalihecstrabe 55—55.«. Männer" adlhetlung Elephanslrabe 3. 5. Ptännerabtheitung Ackerstraße 67. 6. Männer- abtheitung Slalllchreiberftrab- 5«. 1. LchliingsadtheUung Friedenstrabe 37. 3. Lehtlingsablhettung Bo-lkhstrabe 21. I. Tamenabtheilung Mariannen- Ufer> a.— Arbeite-Turnverein(Adlerghof) von s�-ioli Uhr abend» in Köpenick, Mudowerstr. bei Scheer.— Freie Tu rnerschaft, Rixdors Brih, 3. Schüler-Ablb. vo» 6!(-S!(, 3. Männer- und Lehrlings-Adth von sx— Ivjc Uhr aveuds bei Hossman», Bergsir. I5I/I52. Äl blitr»-si-tenog, a, hrnvcrcin..Sto>!-". Lindenstr. 106 im M-Nauran« Ii Ziibeii. Uebungsstuude s-ii Uhr abends. UnterrichiSstunds jederzeit. äste«»'wünscht. Aligenieine Kranke»- und SterdekasI'» der MetaUardeiter(E. H. 29, Hamburg.) Filtate Berlin 6. Eon), abend, den 20. d. M., abend« S)j Uhr, bei Dicke. Ackerstr 123! Milgliederoersammlung. pruki'che Mcs-Uschaft s»»r ethisch« Kultur. Freitag, den 19. November. abends«6» Uhr. Ziegelstr. id/ll. Soziale Gruppe. Frl. vi. zur. Anita Augipnrg: Vorzüge und Mängel im Familienrecht de« Bürgerliche» Gesehbuches. Ioneuiarik', Berei» für Eisenbahn- Resorm Heule Abend sx Uhr: Ber- lammlung im Slestaurant Feuerstein, Alle Falobstrabe 75. Tagesordnung: Die Eisen bahn-Rekorm und der«ausmanirssiand. Reserent: Herr Kommerzienralh H. Lissauer._ Kcrllner Arbeitervertreter• Nerel» tagt jeden Dienstag nach dem ersten im Monat bei Busle, Srenadierslr. 33, abend« Sjj Uhr. Uneulgellltcher Rath wird erlheilt: Ii» Zlorde» Kerlin«! Für Unfall-, Jnvallditäls- und«IterS-Berstcherung. abend« von 7—«Uhr: A. Daehne, Tcmmtncrslr. oo, v.« Dr. K. wutheit, Wtesenstr. 296, von»—« Uhr abend«. F. Pieichel, Garlensir. 55, v. 2 Tr. E. E i m a na>v« ki, Sartenslr. 7», Portaip, 2Tr. M. S t u h l>» an n, Oderberger- sliaste 37, 4 Tr., vo» 6-9 Uhr abend«. R. Ta m in, Hussttenstr 6, von 8—« Uhr abend«. A. Böig I, Wiesenitt. 4i-«2. E. Warnst, Koldergerstr.?, von 6-7 Uhr obcnds.— Nur für Invalidität«- und Altersversicherung: F. Binnre, Sirciihcrstr. 68. P. Ret m au». Bellermannstr. SS. F. T r a p p, Echitlstr. 5«, vo» 7—» Uhr abends. In, ziord. lösten: Nur für Jnvalidtläi«- und Altersversicherung W. Mo HS. Schönhauser Allee es. In, Gsten: Nur für Jnvalidilit«- und Ailersverstcherung! S.Bader Gr. Franksurterstl'. 34, v. 4 Tr. In, Süd- Osten: Für Unsnll-, Jnvalidtläi«- und«lterZverstcherungt S ch a l t h o s f, Michaclkirchstr. IS. Im Süd«»: Für Unsali-, Jnvaliditäls- und AllerSverstcherung: F. s l ü g el- IN a t e r, Gri»unstrahs 39.— Nur für JnvaUdltälS- und AllerSoersicherung. P. Keller, Rixdors, Panierslr. 5S, Hof pari. fm Süd.zt'rNe»: Nur für Unsallverstcherung: G. Hänel, Solmsstr. 44 n, Zlord.Uiefte»: Nur für Ilnlaliversicherung: I Krause, WUSnaiker strahc is. R. S i e p h a n, Lesstngstr.»». Su, Zentr»»»: Nur für Unsallverstcherung: E. Lössler, Klosterstr. 91, Bei sammllichc» vorgeuannlen Personen, bei denen hier leine Sprechzeit an- gegeben, ist dieselbe Wochcnlag« von 7—9 Uhr. Kür den Auhiilt der Inserate iibmihiimt die Nedaktio» dein Piibtikiim iKgeiiiiber keinerlei _ Berailtwvrtnnst._ TlzvKtov. Freitag, den 19. November. OperuhanS. Haschisch. Das goldene Kreuz. Anfang 7 Uhr. Schanspielliaiis. Das neue Weib. Anfang T/s Uhr. Deutsches. Jugendfreunde. Anfang 7>/. Uhr. Bcrliiier. Mein Leopold. Anfang T/2 Uhr. Goethe. Arria und Mcssalina An- fang l1/, Uhr. Lessing. HanS Huckebein. Ansang TU Uhr. Schiller. Wallmstew's Tod. An- saug 8 Uhr. Bellc-Zilliliiice. Die Brautfahrt oder Kunz v. d. Rosen. Anfang T/z Uhr. Luise». Kabale und Liebe. Anfang 8 Uhr. Unter den Linden. Die Groß- Herzogin vo» Gerolstein. Anfang 7-/- Uhr. Thalia. Die Drillingsmutter. Vor- ber: Der Haustyrann. Ansang 7'/, Uhr. Ceniral. Lerliuer Fahrten. Anfang 7Vj Uhr. Ostend. Die Lieder deS Musikanten. Anfang 8 Uhr. Neues. Aschermittwoch. Vorher: Lieb' im Spiel. Ansang T� Uhr. Nejld»»z. Die vierte Dimensio». Vorher: Finale. Anfang 7>/z Uhr. Friedrich- THilhelmstäditscheS. Der Hiiiie!, bescher. Anf. 8 Uhr. Sllexaiidcrplaii. Im Sumpf. Auf. 7'/, Uhr. Urania. Taiibenstrafte 48— 4S. Naturkuiidl. Aiisstelluiig v. 10 Uhr vormittags ab. Abends 8 Uhr Wisscnschaftl. Theater. Jnvalidenstrasse S7/SS. Täglich (außer Sonntags und MiittvochS) abends 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Reichshallen. Spezialitäten. An- sang o Uhr. Slmerieaii. Berlin, wie'S näht und trennt. Anfang 8 Uhr. Zlpollo. Spezialitäten. Auf. 71/, Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten. 'Passage< Pauoptikniii. Wiener Tanz- und Opcretten-Gesellschast. (WnNner-Thcater). Freitag, abends 8 Uhr: Wallen stein'ö Tod. Soiinabend, abends 3 Uhr: Wallen- ftein'S Lager. Die Piccolo- mini. Sonntag(Tobtensonntag) Nachmittag geschloffen. Abends 8 Uhr: Wallciistein's Tod. Luisen-Theater 34. Reichcubergerstraste 34. Abends 8 Uhr: Kabale und Liebe. Ein bürgerliches Trauerspiel in S Aufzügen von Fr. von Schiller. Sonnabend: Ei» verbotenes Schilllspiel. Lustspiel in 3 Akten von Jacob Lippmann. Direkte Verbindung init dem Theater: Elektr. Bahn: Dönhoffplatz— Reicheii- bergerstraße in I.V Minuten. Central-Theater Sllte Jakobstr. 30. Direktion Itlcliard Schnitz. Freitag, den 19. November 1807: Sinti TIioiiiun n. G. _ Zinn 76. Male: Berliner Fahrten« Burleske Ansstattiliigspossc mit Gesang und Tanz üi 6 Bildern von Julius Freund und Wilhelm Maiinstädt. Musik von Jul. Einödshofer. Ansang r/,8 Uhr. Morgen und die folgendeii Tage: Berliner Fahrte«. Unsnss TnnbenstfaKsc 48—49. Natnrkundl. Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab, Eintritt 50 Pf.— Abends 8 Uhr Wissenschaftl. Theater. InvalidcnstraNsc Xo. 57/62: Täglich(ausser Sonntags und Mittwochs) abds. 8 Uhr: Wissenschaftliche Vorträge. Näheres die Tagesanschläge! ff""1 Castan's m Panopticum. • i Friedrichsir. 105. Indisch- hindnnta- nische Gaukler — und— Schlange n- IteschwOror. Das BÄRENWEIB. N Oftettd-Theater. Gr. Frankfiirterstr.ItzS. Dir. E. Weift. Die Lieder deS Musikanten. Volksstück v. R. Kncisel. Ans. 8 Uhr. Im Tunnel von 6 Uhr ab: Großes — Frei-Konzcrt.— Sonnabend zum letzten Male: Am Altar. Sonntag Abend: Gebannt und erlöst. Volks- Theater Im Welt-Restanrnnt 07. D r e ö d e n e r- S t r a ft e 97. Novität! Taglich: Novität! O diese Radler! Posten- Burleske von O. R o e d e r. Ms Dammreglment. Operette von Elp.— Musik von Einödshofer. Anfang: Sonntags 6 Uhr, Wochen- tagS TU Uhr. Passage-Panopticum. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Wiener Tanz- und Operetten- Gesellschaft. 6Vj-10 Uhr. Thalia- Theater. Freitag, den 19. November 1897: Znm 34. Male: Hotel Tohu-Bohu. (L'Anberge dn Tohu-Bohu.) Vaudeville in 3 Akten von Maurice Ordonneau. Deutsch von Viktor Leon Musik von Viktor Roger. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Reickskallen- Theater. Leipzigerstrasse 77. Grosser Erfolg des neuen Programms. Ilelanle Robertl. Albertl und Albertina. Paxton's Gallerie schöner Frauen. JI V I die lustige U A R} Schwiegermutter etc. etc. Anfang des Konzex-ts 7VjUhr, der Vorstellung 8 Uhr. Entröe 50 Pfg. Im Eeichshallen-Tunnel täglich: Militär-Concert in Uniform. Anfang 8 Uhr. Entrde 20 Pf.| duarg's wmm Vaudeville Theater Grand-Hotel Nlexanderplaft. Der größte Schlager ist das Modell Am vorzüglichsten ist das Armband Schreiende Lacherfolae erzielt das Modell Mehr und mehr eiltzst-kt das Armband Oh sehen Sie sich'S an, das Modell Der Werth ist bedeutend vom Armband Ein Jubel herrscht beim Modell Lange nichts so gut gewesen wie's Armband Leisermuß man sehen im Modell I. Original Bndapester (Lautzky u. Spitzer). Apollo-Theater. Friedrichftr. 218. Dir. J. Glück. Familie Xciss. Mr. Kapoli. La Poy, Phantasie- Tänzerin. Mlle. Duchamp. The Rixiordi, Carmen Faur. Familie Kaufmaun. The Moras. Robert Steidl. I,es Itanioncnrs. Meely n, Slarba u. f. w. u. f. w. U. f. iv. Kalseiltröffiinng: i-Vz Uhr. Ansang 71/, Uhr. KebMertierrnleld'L I. RR'KKAIR»!- und ohne Konkurrenz dastehendes Rudapester Foeaen- n. Operetten- Theater in Kaufmaun's Varls! 6 erzielt durch die an Komik und Situationswitz unübertrefflichen Stücke täglich ein ausverkauftes Haus. Ganz Berlin spricht von Ein Abend im Wintergarten und Im Atelier. Ferner das überraschende Spezialitäten-Ensemble. Anfang Sonntags 7 Uhr, Wochentags VaS Uhr. In Vorbereitung: Familie Kochsalz. on Dreien dAklichste. Alcazar Varidtd- Theater I. Eanges. DreSdcnerstraße 52/53(City-Passage) Annenstraße 42/43. Dircktton Richard W i n k I e r. NoiiieHnisicr Fnmilicn- Aiisciithalt. Mit dnrdiweg neuer Ailsstattiüig: Tolle Acrllncr Fahrten. Ausstattmigs- BurleSke mit Gesang mid Tanz.— Vorher: Junge Männer n. alte Weiber. Lustspiel in 1 Akt von Th. Apel. Aiistretcii säimittl.Kuiist-Spczialitäten. Allktllia' Wochentags 8 Uhr. -kU>I»IIg. SoimlanS 01/, Uhr. Fntrcc Sit PV. Üicsecutrtei Platz 50 Pf. W. Noack's Thealer K r ii n n c n- S t r n s s o 10. Wen!-»H SOT Wen I oder: Hehdemaiin n. Sohn. Volksstück mit Gesang in 3 Akten von Hugo Müller und Emil Pohl I?eei»-Rsil»8t KL lliirgsfctr. ÄL. Dir.: Wlnklor A. Fi»bei. Noch nie dagewesener Erfolg! DM- Um 8V2 Uhr:-MM Rich. Winkler und Wilhelm F r ö b e l in der urkomischen Gesaiigspoffe Die KaUet-Ratten. Dazu das sensationelle, kolossale November-Programm. 20 Nummern. Künstler 1. Ranges. Lebende Photographie». Anfang 7i/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. Circus Ruseh (Itahnhor nur�c). Freitag, 19. November., abds. 7i/2 Uhr! ßiiinmWer Abeild. Zum 1. Male: Auf der Eisen. bahn, höchst kom. Szene. Der neu drcfl. Elefant, kom. Episode. Bär und Schtldwache. Zum 1. Male: Gebr. Maria»», die tust. Chinesen. 100 Klowns, männlich n. weiblich, Anftr. Sign. Corradini's. Die vor- züglichsten Freiheitsdressuren des Dir. Busch. Gebr. Baita: Eine Veloci- pedefahrt an der Zirkusdecke. Nach Sidirten. Das groftartigfte aller Manbgc. Schiinstiilke. Morgen: Nach Sibirien. Sonntag nur 1 Vorstellimg: Nach Sibirien. Achtung! Achtung! Wm Nieitaa. den 10. Nodeiuber. abeudS S>/. llhr, im Taalo de« Norddeutscheu Brauerei, Chanssecitrasie L?» Gr. Hektl. Bolksliersaniiillililg. TageS-vrdnung: Vorirag dcS ReichStazs-Abaeorblietcn �rtdnr»taStAaeea über: .WaS verlange» wir vom RathhauS"? zzi/g � Zahlreichen Besuch, iiameiitlich der Komiiiuualwähler deS 38. Wahl- bcz.rtS, erwartet Das Wahlkomitee. Moabit! 40. KoiilMNal-Mhlbtzirk. Moabit! I'r'vltkrx, elvi» 10. Korembor, abends 8 Ihr, In der„Kr o n e n- B r a n er c 1", AU-Konbit Xo. 47/49: Gr. Wähler-Versammlung. . Tagcs-Ordnnilg: . xDie bevorstehende Stadtverordneten- Stichlvahl« Referenten: m'!?�° Rechtsanwalt Wolfgang Heine. Diskusston und Berschiedcncs. � 221/5 Der Vertrnnensninnn. 0vat»vKer Hölmheiier-feriiand. �Hcutc, Freitag, abends«V. Uhr, bei vnhn, Bcuthstr. 20/21:[288/16 Sitzuii«' der Orts Verwaltung. Allgtiiltiile Krallkt«- nnii SterbekaKe der MMbeiter. � Filiale Berlin 1». Sonnabend, den»0. November, abends«V- Uhr. Mantcnffelstr. 47: Mlitgltetrvv-'Vvt'fÄMtnlttnq. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag des Herrn Dr. Wcyl. 3. Verschiedenes. Pflicht der Mitglieder ist es, in dieser Versaminlimg zahlreich und pünlt- uch mit ihren Damen zu erscheinen. Zugleich werden die Mitglieder noch- mals darauf hingewiesen, das, die Zahlstelle von Eiscnbahnstrage 14 nach Eisenbahnstraste 35, Restaurant Baclimann, verlegt ist. iRlOb Die Ortsverwaltane� Verband der Sattler a.Tapezirer. Tonnabend, den 20, November, abends 8V2 tthr, "�■■iC�lei1®ap�ei1» Alexander«Straage yp. 27c: Versa m ml u 11 g*. T a g e s- O r d n u n g: ...... lahn über:„Der moderne Rechtsstaat»md baS Koalitionsrecht." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 168/6_______ Die Ortwvcrwaltnng. . aa« 1. Vortrag de? Genossen Jahn über: Freie Bereinigung der Bananfchläger Berlins und R/ingegend. Tonntag. den 31. November, vormittags 10>/z Uhr. im Lokale deS Herrn Baske, Grenndicrftraste 33: Außerorbentliche General- Uersammlnag. Tages-Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vcreinsangclcgenheiten. 3. Der- fchiedenes und Fragelasten. 34/1! Wegen der wichtigen Tagesordnung werden die Kollegen ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Verstand. Mittns! Diiltttt. AÄtunö! Tonntag, de»'il. November, vorm. 10 llhr, in Cohit'ö Festsäle», Beuth-Strahe Nr. 20—21: AuKeroldeatllche General-Versammlung des Vereins der Zimmerer Berlins u. Umgegend. Tages-Ordlinng: 1. Welche vorthcile haben wir durch die seht in SlnSsicht stehende Etnignng? Referent: Kamerad Fischer. 2. Diskussion. 3. Bericht über die Kameraden, die de» Pflichten der Organisation gegen- über nicht nachgekommen sind. 4. VereiliSangelegenhetten. Um zahlreichen Besuch bittet 258/7 __ Der Borstand. I. A.: Ott» lloirpe. Forinsteclier und Tapetendrucker Berlins. Sonnabend, de» 30. November, abends 8V> tthr: Oeffonkl. lievrnmmUmn im Lokale des Heren HniTinann, Alexaudcrslr. 37«. TageS-Ordnung: 102/11 I Bortrag deS Genossen Fnher über: DaS Strcikrccht der klrbciior und die staatlichen Behörden. 2. DiSlnssion. 3. Wahl etneS Vertrauens- manneS. 4. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser wichtigen Bersammlitng zu erscheinen. Der Einbrrufer: Erwin Wcykopf. LOrnikkadrilc Lcnlnn# Hamburg« Stettin. Paar Qamen-Knnpfstletel eigenes Fabrikat Terhunlsn unsere Filialen, es lange der Torratb reicht Oranienstrasse 162 sscol* Friedrichstrasse 131 Rosenthalerstrasse 67 BlUcherstrasfte 13 ■am Aasnahmcprcl« von Rfls S" (die Vif en gros eu gleichern Preise verkftttfen) ?iM- unter Garantio der Haltbarkelt.' Brenner -■ Alte Jakobstrasse No. 57—59. Nene freie Volksbühne. Sonntag, den 31. November 1807(Todtensonntag), abends 7 Uhr, in Cohn» Festsaal, Bouthstr. 19: Theodor Siorm-Abend bestehend in einleitendem Vortrag über Th. Storni, femer in Deklamationen sowie Ocsangs-(Solo) Vortriigcn. Eintrittskarten a 30 Pf. - 152/10 Sonntag, den 38. Xovonibcr, nachmittags 3Vz Uhr: Extra-Vorstellung im Lessing-Theater. Jugend. Liebesdrama in 3 Aufzügen von M. Halbe. j/imoll 7ähno9M Schmorzl. Zahnziehen IM., Plomb. 1, 50 M. ntlllatl.alilllitl 6 üfl, Theilz. Zahnarzt Wolf, Leipzigerst.22. Spr.9-6U. Dirslbüelsch/Vt��'� Keule und Rücken 70 und 80 Pfg., Hasen und Kanin-!t- che». Oderbrucher lvlllls!, All,<)<) und 53 Pfg., auch ausgeschlachtet. Wild- und Geflügelhandlnng OilsebiÄteMI. Zur Ansicht!! senden wir, um Jeden von der Vorzüg- lichkeit und auszerordentlichen Dilligkeil zn überzeugen, unsere berühmte Marke ....... gleichz. schöne, weiche, woll. Schlafdecke duukelgrau 1-10:19(1 oder in dnnkelbraun150:1S0 ringsum benäht mit breiter Bordüre. MiIür- Pferdedecken' nur Ml 3,751t. Engl. Sporl-Doppeldecken, goldgelb oder erbSgelb. ertra groß und schwer, circa 100:205, mit prachtvoller breiter Bordüre und benähten Rändern pro Stück hui' Sf. 5,75. Der Yersnnd geschieht /«t* Ansicht gegen Yorherscnil. oder Nflchnahnic des Betrages mit der ausdrücklichen ök. feutlichen Verpflichtung die Decken im nicht zusagenden Falle binnen 5 Tagen mit allen cntstnntloneii Syescii mit Nachnahme zurückzunehmen— dies ist gcHmu«»in llowels, baft die Decken grossartig nnd sehr billig sein müssen. sonst würden Tiir ein solches Risico nicht übernchmes � wcShalb cS Niemand ttntcrlasse vou''dieser noch nicht daqc. mesenen Gelegenheit Gebrauch z. machen. Mrhubert A Co., Kommand.- GescNsch. Berlin SW., Bcuthstraße 17. Man tvintc; OrlgSnal- | Löwenbitter In Flaschen ä Mk. 0,60, 1,10 it. 1,80. Wie im Ausschank überall zu haben. Wo nicht vorhanden, bitte zu verlangen. R. F. Mittelstadt Weinhandlung und LikSr-Fabrlk 1?., Briinneiistr. 1S3. Wohl fühlt sich bei jetziger Witterung, wer Brnanenstrasse HO (neben dem Pserdebahn-Dcxot) bcidgnat-Sello bezieht anerkannt gut. Nu»,. iA Fl. Wa Vir.) inkl. von '.»0 Ps. a., vorzllgl. Gliihwcln-Sxtr. Vi Fl-(Vi Ar.) inkl. 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Tie Becrdlgnng findet am Sonntag nachmittags 3 Uhr vom Trauerhaufc ans, Wcidenwez 73, nach dem Nikolai- Kirchhof, Prenzlauer Allee Nr. 7, statt. 1908b Der Borstand. Ättblüld dCHtsiiKr SdttciDft iiiiü Schilttderiilneil (Filiale Berlin). Unser Mitglied Paul Genske ist am Montag verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Bcerdigimg findet Freitag, nach- niiitags 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Johannis- Kirchhofes bei Plötzcnsee aus statt. 1G2/17 Die Bevollmächtigten. Danksagung. Für die liebevolle Thcilnahme bei der Beerdigung unseres einzigen Töchterchens Erna, sagen wir allen Freunden und Bekannten unseren herzlichsten Dank. 1904b Jacob Ehlert u. Frau. Allen Freunden u. Bekannten, sowie dem Gesangverein„Vorwärts S. O." sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank für die rege Theilnahme an unserem silbernen Hochzeitstage aus. Beständig». Frau, Wieucrftr. 44. Lrtö-Uailkeilkasse der Mler n. verw. Gewerbe. Montag, den 33. November, abendS 8 Uhr, Zlrminhallen, Kommandantenstr. 20: General-Versnmmlmig der Deleglrten, TagcSordmmg: 1. Neuwahl von sechs Vorstand?- mitgliedem.— 2. Ersatzwahl der Krankenbesuchcr.— 3. Verschiedenes. l378b Der Voratand. Giebt einen Gotft? 3 Volkavortrag B/4 von Dr. Johannes MMller Martens' PesUäle, Friedrioh»tr.236 Freitag, den 19. d.M., abdg. SVaUhr. EtntriU20Pf., reservirt. Platz 50 Pf. Goldobfäll- 1®1® Gold, Silber, Kehrrzold, Tressen, Platin kauft die Scheidc-Anst. Ztimncrstr. 32 tWlftlfir 0�ie Bürgich. gewährt d. T'ImCljlll..Sparkasse" b. Schlcs. Crcd.-n.HyP. BankgesdiKorallus. Breslau. Statut geg. 40 Pf. M BaHon Gardinen, Tischdecken spottb. llötlL», Ncandersit. G, Pfandleihe.» Wlil«eii-ieI°l»,.?LlMx Opcrngl. spotib. Neanderstr. G, Pfandl linvtln Klein Nhriiinchcr.(3507Z* 25 Neue Hochstrasse 25 Lager aller Arten Uhren. Neparatnrr» zu soliden Preisen Pracks n»d GeseltschaftS-Anzügc tztz sar jede Figur passend, werden verliehe». Bar»ch,Kom»iandantcnstr.72 1. 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