K Das Spiel des Kindes. Vom Ltrmenfchen zum Kulturmenschen. Wer einmal Kinder verjchiedener Altersstusen beim Spiel beob- achtet und sich über den Sinn der Spiele Gedanken zemachi hat, der wird bald erkennen, daß in der fortschreitenden Ablösung der verschiedenen Arten der Spiele mehr liegt als ein« einfache Jntelligen�entwicklung des Kindes. Das kann man schsn daran erkennen, daß alle von Erwachsenen so häusig in unpsycha» logischer Weise erdachten Spiel«, die nur auf die Intelligenzentwick- lung des Kindes zugeschnitten sind, von den Kindern meist instinktiv abgelehnt werden. Die kindliche Selbstbejchästigung im Spiele stellt sich al» eine kurze Wiederholung der kulturellen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft dar. Wir sehen im Seelenleben des Kindes einen Vorgong wirksam werden, der uns vom organischen Leben her wohlbekannt und durch das sl�enannte„biogenetische Grundgesetz" von Ernst Haeckel erklärt worden ist. Dieses Gesetz besagt, daß die Onto- genese(Entwicklung des einzelnen Individuums im Mutterleide) «ine abgekürzte Wiederholung der Phylogenese lEntwickiung der gesamten Art des betreffenden Lebewesens) darstellt. Zu diesem Gesetz kommt noch als Ergänzung der von Karl Schmeing so genannte Vorgang der„biogenetischen Perspektive", akso die Tatsache, daß in der ontogenetischen Wiederholung ein Entwicklung?- abschnitt aus eine um so kürzere Zeitdauer zusammengedrängt ist, je weiter er entwicklungsgcschichiiich zurückliegt. Schmeing hatte dabei nicht nur die körperliche Entwicklung des Embryos im Auge, sondern vor allem auch die seelisthe Entwicklung des Menschen nach der Geburt. Man kann sagen, daß die Wiederholung der Eni- Wicklung der Tierreih«, von der wir Menschen abstammen, unge- fähr bis zur Geburt erreicht ist, und daß sich von der Geburt des Menschenkindes bis zu seiner Reifezeit die Entwicklung vom U r» menschen zum Kulturmenschen vollzieht. Dies gilt frei- lich nur ungefähr; denn es ist erwiesen, daß die Intelligenz des menschlichen Neugeborenen noch nicht ganz die Intelligcnzstus« eines erwachsenen Schimpansen erreicht, dies« jedoch schon nach etwa einem Jahre eingeholt und gar überholt hat. Und wie die Kultur der Menschen aus der Not entstanden ist, so entwickelt stch auch das Seelenleben des Kindes durch die Kraft des Konfliktes, durch immer neue Konflikte mit eine? Umgebung, die nicht auf das Kind, sondern auf den Erwachsenen zugeschnitten ist. Die erste spielerische Betätigung des kleinen Kindes, wenn es sehen und greisen gelernt hat, steht etwa auf der Stuf« der K a n n i- b o l e n. Alles, was in feine Umgebung kommt wird neugierig betastet und untersucht und womöglich in den Mund gesteckt, um gewissermaßen symbolisch dem eigenen Ich für immer einverleibt zu werden.. Das Kind braucht diese Untersuchung seiner Umgebung zur Verfeinerung seiner Wahrnehmungsfähigkeit und Ausbildung der primitivsten Intelligenz. Diese Kindheitsstufe entspricht also ungefähr jenem uralten Zeitalte:. In dem der primitive Mensch mit Hilfe seiner erwachenden Intelligenz die Well zu entdecken begann und sich mit der ersten technischen Selbsthils« die Natur dienstbar zu machen versuchte. Diese mehr und mehr bewußt werdend« Freude des kleinen Kindes an eigener Betätigung und Erfindung ist von Maria M o n i e s s o r> in den Mittelpunkt ihrer Kindergartentätigteit gestellt worden. Man soll dem Kind« dl« selbständige Entwicklung seiner technischen und intellektuellen Fähig» teilen durch eine geeignete Anpassung seiner Umgebung an die kind» llchen Größen- und Kräfteverhältnisse möglichst erleichtern Etwa zwischen dem 5. und 8. Levensjahre beginnt stch neben d«r Intelligenz auch das Gemüt des Kindes zu entwickein. Da, Kind läßt sich Märchen erzählen, spielt mit Puppen oder Tieren und beginnt, ein gefühlvolles Verständnis für die lebendige Natur zu gewinnen. Dieses Märchen.« lter entspricht wahrscheinlich wahrscheinlich jener Epoche, in der sich aus einer intensiveren Naturbeobachtung und unter dem Einfluß gewifser sozialer Bedürfnisse beim primitiven Menschen die animistisch«(seelcn- kultliche) und totem ist ische(götzentultliche) Religion heraus- bildete. Dieses Alter wird von einer Entwicklungssttite abgelöst, die man als Helden, oder Abeoteueralter bezeichnen kann. Die Kinder dieses Atters(8 bis 10 Jahre) bevor- zugen die wilden Bewegungsspiele In der freien Natur und zeigen einen deutlichen hang zur Romantik. Ritter und Räuber, Indianer und Trapper. Robinson und ähnliche Helden- gestalten stehen im Mittelpunkt ihrer Spiele, dt« mehr und mehr einen ausgeprägten Sinn für Solidarität und Ritterlichkeil aufzu- weisen beginnen. Das entwicklunzszeschichUiche Spiegelbild dieser Altersstufe müssen wir etwa zu Beginn der Kultur ter sogenannten höheren Primitiven suchen, zu einer Zeit also, als die Sippenordnungen entstanden, die einzelnen Bölkerstämme regel- rechten Krieg miteinander führten und die Technik bereit» einen gewissen Grad von Kunstfertigkeit erreicht hatte. Allmählich kommen die Kinder dann in die Zeit der Borpuber- tät(«twa 11 bis 13 Jahre), während deren die Spiele mehr und mehr praktischen Charakter annehmen. Es ist die Zelt, in der der Junge bastelt, z. B. Faltboote und Radioapparat« baut, und In der das Mädchen sich aus eigenem Antrieb in Küche und Garten zu betätigen beginnt. Hier liegt der Uebergsng vom Spiel zur Wirklichkeit, und auch der Lesestoff dieser Altersklasse bevorzugt die zwar noch abenteuerlich-fpannenden, jedoch schon wirklichkeitsnahen Ge< schichten(Delcktiverzähluvcen, Entdecker- und Forscherbericht« und dergleichen). Tritt der Jugendliche dann, je nach seiner körperlichen Kon- stitution früher oder später, in die Zeit der Reife(Pubertälszelt) ein, so kann man seine Beschäftigung eigentlich nicht mehr als Spiel bezeichnen. Sofern man von dem leider allzu häufigen sozialen Druck absieht, der zu verfrühter Erwerbsarbeit nötigt, kann man doch nicht verkennen, daß die sportlich« und geistige Be- tätigung der Jugend in der Reife, zeit noch nicht den Charakter der reifen, unmittelbar tn den Dienst der Gesellschaft gestellten Er- wachsenenarbeit trägt. Die Tätigkeit der Jugendlichen stellt viel- mehr eine zielbewußte Vorbereitung zu dieser späteren Er- wachsenenarbeit dar, zu der der Körper trainiert und der Geist ausgebildet werden soll. Hoffen wir, daß ein«, künftig« günstigere Entwicklung unserer Gesellschaft auch der proletarischen Jugend die Möglichkeit einer ruhigen Entwicklung geben wird! Ewald Böhm. Ttr. 4« 43 Jahrgang Beilage zum Vorwörks 19. Hevruar 1931| Die weiblichen C Die Aufsplitterung der bürgerlichen Parteien in Inter- «ssentenhäuflein und die radikale Ablehnung des passiven Frauen- Wahlrechts in der Nationalsozialistischen Partei, die unter den trostlosen gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen ihre Hochkonjunktur erlebt, sind der Mitarbeit der Frau in Reichs-, Länder- und Gemeindeparlamenten nicht günstig gewesen— ioweit die türger- liche Frauenwelt in Frage kommt. Hort und Rückhalt des aktiven und passiven Frauenwahlrechts in Verteidigung und praktischer Anwendung sind allein die Linksparteien. Die bedrohliche Lage des bürgerlichen Frauenmandats war mit der Anlaß zu einer sehr instruktiven Untersuchung über„Erfahrungen und Wünsche der(weiblichen) Stadtverordneten" von Dr. Else Wex in der Zeit- schrift„Die Frau". Das wichtigste äußere Kriterium für Macht und Einfluß der Frauen in den Stadtparlamenten ist ihre Zahl. Hier spricht die Statistik eine deutliche Sprache. Während der Bund Deutscher Frauenvereine vor den Neuwahlen 1924 noch über etwa 1190 Adressen weiblicher Stadtverordneter verfügte, weist das Jahrbuch Deutscher Städte für 1328 nur noch 405 weibliche Sladtverordncle aus, davon 169 in Großstädten, 97 in Mittelstädten und 148 in kleinen Städten. In diesen drei Städtegruppcn beträgt der Anteil der weiblichen Stadtverordneten 19, 8, 7, rcsp. 7,2 Proz.z der Gesamtdurchschnitt ist 8,5 Proz. der Gesamtheit der Stadtverordneten- kollegiem Auf die Parteien verteilen sich die weiblichen Stadt- verordneten folgendermaßen: Sozialdemokratische Partei 129, Kommunistische Partei 57, Zentrumspartei 64, Dcutjchnationale Pariei 45, Deutsche Volkepartei 39, Demokratische Partei 35, Par- seien der Reichswahlliste 1924 15, sonstige Parteien 39. Da die Zahl sich seit 1929 durch Ausscheiden, Verzug und Tod schon wieder verringert haben dürste, und in solchem Falle wohl niemals eine Frau als Nachfolgerin wieder einrückt, während das Nachrücken einer weiblichen Kandidatin an Stelle eines ausgeschiedenen Mannes sehr selten vorkommt, dürste die Zahl seit 1929 noch unter 495 heruntergegangen sein. Die dem Aufsaß von Dr. Wex zugrunde liegende Umfrage des Deutschen Staatsbürgerinnen- Verbandes wurde von 238 weiblichen Stadtverordneten beantwortet. darunter 33 Angehörige» der Sozialdemokratischen Partei. Fast die Hälfte der gegenwärtigen weiblichen Stadt- verordneten war seit 1919 im Gemeindeparlament tätig. Es handelte sich durchweg um Frauen, die während der Kriegs- und Reoolutionsnöte und auch schon in der Vorkriegszeit ihre Bc- söhigung zur„Gemeindemutter" nachgewiesen hatten. Dieser Vor- zug hatte den Nachteil einer gewissen„Ueberalterung" der weib- lichen Stadtoerordnetenschast zum Gefolge, woraus sich der überaus starke Rückgang während der ersten Wahlperiode 1919/24 durch Ausscheiden infolge Krankheit und Tod erklärt. Der beruflichen Gliederung nach sind von den 238 ant- wortenden weiblichen Stadtverordneten: 127 Hausfrauen, 62 Lehre- rinnen, 17 Sozialbeamtinnen und nur 5 Schneiderinnen als Ver- treterinnen handarbeitcnder Berufe, wobei man allerdings annehmen kann, daß vorwiegend die Zlngehörigen handarbeitender Berufe nicht auf die Umfrage einer bürgerlichen Organisation geantwortet haben. Nicht mit Unrecht bemerkt die Verfasserin Dr. Wex, daß das starke zahlenmäßige Ueberwiegen der„Hausfrauen" zurück- zuführen sein dürste auf die Vorliebe der die Listen ausstellenden Parteimänner für diesen den Mann nicht mit Konkurrenz bedrohenden„weiblichen" Berus, der nicht besondere, an das Geschlecht nicht gebundene Fachqualitäten zur Entwicklung bringt, sondern bestenfalls für Wohlfahrts- und Erziehungsfunktionen besonders befähigt. So bestätigt denn auch die Umfrage das bekannte Bild der unverhältnismäßig starken Mitarbeit der Frauen in sozialen und Bildungsousschüssen und der geringeren Bcteiligung in Wirtschafts- und Finanzkommissionen. Die höchsten Beteiligungen von Frauen weisen auf: die Aus- schösse für Vohlfahrt(163), Zugendamt(83), Gesundheitswesen (57). Anstalten(56) und Schule(169). Die Kleinheit der Fraktionen wirkt sich einerseits wohl schädlich aus für das Frauenmandat, hat aber andererseits den Vorzug, daß die wenigen, in das Stadtparlament gelangten Frauen zur Mit- arbeit In wichtigen Ausschüssen herangezogen werden müssen. In einigen Fällen beschritten die bürgerlichen Frauen den Ausweg, daß sie eine besonder« Frauenliste ausstellten und dadurch eine Frau ins Stadtparlament brachten. Ueber die Zurücksetzung der Frauen bei der Listenausstellung der bürgerlichen Parteien schreibt eine Stadtverordnete:„Nicht Untüchtigkeit der Frauen ist der Grund, sondern Berussgruppen, selbst Sekten schieben sich vor und garantieren eine Stimmenzahl." Die geringe Zahl der weiblichen Stadwerordnetcn hat eine außerordentliche Arbeitslast im Gefolge: sie arbeiten durchschnittlich in drei Deputationen oder großen Ausschüssen, einige sogar in 15 und mehr Ausschüssen. Be- sonders schwierig, arbeitsreich und verantwortungsvoll ist die Stellung der einzigen Frau im Stadtparlamcnt. Wie«in Rot- schrei klingen die Worte einer solchen„Einzigen":„Ich soll für drei arbeiten und bin allein." Die einzige Frau repräsentiert den Mänern gegenüber das ganz« Geschlecht(„Die Frau darf sich in keiner Weise eine Blöße geben, sonst wird sie sofort nicht mehr ernst genommen"), sie ist außerdem die Zuflucht aller Frauen in der betreffenden Gemeinde(„Zur Frau kommen die Frauen aller Parteien mit ihren Wünschen und Beschwerden, und sie hat die Pflicht, ihnen allen zu helfen mit all ihren Kräften"). Diese„einzigen Frauen" fühlen sich über den Rahmen ihrer Partei hinaus stark als Vertreterin des weiblichen Elements in der Stadt- Verwaltung. Nach ihren Erfahrungen befragt, antworteten die Frauen recht oerschieden: gut« und schlechte Ersahrungen, meist beides nebeneinander, werden berichtet. Neben der Klage:„Die Frau wird auch heute noch in jeder Weise auszuschalten versucht und muß sich jeden Fußbreit Boden nnmer wieder neu erkämpfen: säst durchweg ist die Zurücksetzung der Frau festzustellen, hierin sind alle Parteien gleich" Urteile wie:„Die Männer haben die Frau durchaus als gleichwertig geachtet, es bestand ein gutes, kameradschaftlickes Verhältnis, keine Voreingenommenheit." Eine„einzige Frau" saßt ihren Eindruck dahin zusammen, daß bei„aller Höflichkeit der Männer immer ihr Untergedanke spürbar war. daß die einzig« Frau durchaus entbehrlich wäre." Auch wird darüber geklagt, daß die männlichen Kollegen den sozialen Fragen, diesem speziellen Arbeitsgebiet der Frauen, zu wenig Interesse entgegenbringen, und dazu neigen, in Frauen- und Jugendfragen„schnell Schlußantrag zu stellen". Sie haben auch nicht genügend Verständnis und Sachkenntnis, um die Leistungen einer Fürsorgerin oder einer sonstwie in der sozialen Arbeit stehenden Frau zu würdigen Die Wünsche der weiblichen Stadtverordneten werden dahin- gehend präzisiert, daß man sich nicht stets auf das Wohlfahrts- gebiet„abschieben" lassen möchte, daß das Wohlfahrts- und Jugend» dezernat den Frauen als den besten Sachkennerinnen auch Haupt- amtlich übertragen werden sollte daß die Frau Zutritt zu der Baukcmmission haben, daß überhaupt der Fraueneinsluß durch«ine entsprechende Perscnalpolitik geiörder� werden soll. Am interessantesten sind die Ausführungen der weiblichen Stadtverordneten in bezug auf ihre anderseitige Grundeinstellung zu allen Fragen gegenüber den Männern. Die bürgerliche Frau ist nicht in dem Maße wie der Mann ihrer Schichten verstrickt in nacktes, unmittelbares Klassenintercsse: sie ist als Mutter und Mit- arbeitcrin in privaten Wohlfahrtsorganisattonen leichter geneigt, Menschenleben nnd-glück über da» materielle klasseninleresse zu stellen. Die bürgerlichen Frauen, die diese Zusammenhänge nicht sehen, erblicken in ihrer oftmals gegensätzlichen Einstellung zum männlichen Fraktionskollegen eine geheimnisvoll waltende„weib- liche Eigenart". Mie sie ihre Situation empfinden, beweisen nachstehende Auslassungen:„Eine Verschiedenheit besteht in den Fragen, bei denen es sich um Organisation oder Menschen, um Augenblicks- oder Dauererfolge handelt."„Es ist wohl selbst» verständlich, daß bei Männern rein wirtschaftliche Gesichtspunkte zuwei'en stärker hervortreten: hier tritt dann d'e wünschenswerte gegenseitige Ergänzung in ihr Recht."„Die Männer betrachten viel leichter die Sache von Ihrem persönlichen Interessen- standvunkt aus, nicht vom allgemeinen." Der weibliche Einfluß auf den Gang der Verhandlungen macht sich nach verschiedenen Aeuße- rungen sehr wohltuend bemerkbar. Wenn er auch„nickt auidringlich sichtbar" wird, wirkt er doch häufig„einend, versöhnend". Im Rathaus und Wohlfahrtsamt wurde die Behandlung der Unter- stützungsempfänger durch die anwesende Frau„höflicher und rücksichtsvoller". Vor allem ist aber wichtig, daß die„weib- liche Bürgerschaft mehr Interesse an Kommunalpolitik bekommt", wenn sie ihr durch weibliche Abgeordnete nahegebracht wird. Zu- sammenfassend' läßt sich auf Grund dieser Umfrage sagen, daß der Fraueneinfluß in der Kommune sich durchaus positiv ausgewirkt hat, und daß darum die Gefahrenmomcnte, die das Frauenmandst mit weiterem zahlenmäßigen Rückgang bedrohen, durch verstärkte Aktivität der Frauen ausgeschaltet werden müssen. H. S. Der von der Arbeitslosenkatastrophe hervorgerufene Kampf gegen die verheiratete erwerbstätige Frau trifft in gefährlicher Weife zu- fammen mit den reaktionären Strömungen gegen die Frauenarbeit der nationalsozialistischen und anderer schwarz-weiß-roter Parteien. Das angeblich im Interesse der Arbeitslosen geforderte Ausscheiden der erwerbstätigen Ehefrau ist oft nur ein Vorwand für«inen Kampf gegen die Frauenarbeit schlechthin. Sehr deutlich und lehrreich zeigt das ein Antrag, den die Wirtschafts- Partei im Reichstag eingebracht hat. Er lautet: „Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu er- suchen, 1....... 2. Bei allen Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden jede weitere Einstellung von weiblichem Personal auf das absolut erforderliche Maß zu beschränken. 3. Die bereits im Reichs-, Staats- und Gemeindedienst be- sindlichen weiblichen Kräfte, insbesonder diejemgen, dei Männerstellen bekleiden, abzubauen, soweit diese nicht ein« Verpflichtung zun, Unterhalt der Eltern haben, oder soweit nach- weisbar keine Mittel für den Lebensunterhalt vorhanden find oder deren Belassung ein dringendes Erfordernis ist. 4. Den Ehefrauen der Reichs-, Staats- und Gemeindebeamten sowie von Angestellten und Pensienären zu verbieten, einen Berus auszuüben, der sich wirtschaftlich schädigend für die Erwerbs- stände auswirkt." „Nicht Rückkehr der Frauen zum verödeten Hos und Garten, zum veralteten Rocken und Webstuhl können wir erzwingen," schrieb vor Jahren der gewiß nicht sozialrevolutionäre Rathenau. Auch dte Wirtschastspartei wird das Rad nicht rückwärts drehen können! Scherls Magazm und die berufstätige Ehefrau. Wenn die Hugenbergpartei zusammen mit den Nazis auch die Rückkehr der Frau in die— so fragwürdig gewordenen—„trauten" vier Wände von Haushalt und Familie propagiert, so hat doch das Hugenbcrgsche„Scherls Magazin"(ohnehin so ein mondän ver- dächtiges Asphaltgewächs) es nicht lassen können, seine Leserinnen mit einer Umfrage über diese aktuell« und interessante Sache zu unterhalten, wie so ein Tag einer berusstätigen und zugleich Haus- frauenpflichten erfüllenden Frau aussieht. Natürlich hat man sich, wie es sich für seine Gesellschaft gehört, nur an„gehobenere" Be- russsrauen gewandt, an«ine Rechtsanwältin, eine Direktrice, an die Leiterin eines großen photographischen Ateliers usw. D:e er- schütternden Berichte zu diesem Theina in dem Büchlein des Textil- arbeiterverbandes„Mein Arbeitstag— mein Wochenende" waren für die zartbesaiteten Nerven der Leserinnen von Scherls Magazin auch zu unerquicklich gewesen,(ilebrigens hat auch das„Berliner Tageblatt" in seiner Beilage„Die Brücke" vom 8. Februar zur Dis- kussion dieses Problems sich im wesentlichen nur an die von der Hausange st eilten häuslich entlastete berufs- tätige Ehefrau gewandt und das so erhaltene Bild nicht ein- mal bemerkt.)— Nun, aber die in Scherls Magazin rundgefragten Damen klagten ihren Doppclberuf keineswegs als Ueberbelastung an, im Gegenteil, sie erzählen frisch und befriedigt, wie sie's machten. Der Beruf schien diesen Ehefrauen und ihren Familien auch in seelischer Beziehung ein großes Plus— trotz allen Feldgeschreis über Unweiblichkeit und Zerfall der Familie. Und sowas i» Scherls Magazin! Der konservative„Reichsbote", der das Ergebnis der Umfrage wiedergibt, kann deshalb nicht umhin, den frischen Aeußerungen der Rundfrage als Fazit folgenden wie die Faust aufs Auge passenden Kommentar anzuhängen:„Wie beklagenswert doch, daß so viele Frauen gezwungen zu sein scheinen, dem wichtigsten aller Frauen- berufe, Hausfrau und Mutter zu sein, den zweiten Platz anweisen zu müssen."! Halbtagsarbeit für Mütter in Frankreich. Wie die„Frau" berichtet, bringt die„Francaise" die Anzeige einer Firma, die unter Einhaltung der tariflichen Löhne Halbtags- schichten für Mütter ankündigt. Nach Erinitllungen ergab sich, daß die Firma für ungelernte Arbeit(Verpackung von Zwiebäcken) 20(!) Frauen in Halbtagsschichten angestellt hat und den Versuch weiter durchführen will. Allerdings hat in dem Werk, das über- wiegend Frauen beschäftigt, von denen 10 Proz. verheiratet sind, keine einzige der regulären verheirateten Arbeiterinnen ver- langt, nach der neuen Methode beschäftigt zu werden! Ilebrigens hat die Abteilung Frauenarbeit des(bürgerlichen) französischen Frauen- bundes einige tausend Fragebogen über die Halbtagsarbeit heraus- gegeben, die jetzt im Umlauf sind.(Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, wie wenige Frauen sogar von dem Recht der Arbeits- aussetzung von der Schwangerschaft Gebrauch machen— nur um den Tatsachen. geringen Verdienstuntcrschied trotz der großen körperlichen Gesahr nicht zu verlieren. Aber Frankreich ist ja das Land mit der geringsten Arbeitslosigkeit.) Ziationalisierung und Heimarbeit. Das Reichsarbeitsministerium hat vor einiger Zeit den Gewcrk- verein der Heimarbeiterinnen veranlaßt, eine Erhebung über die Auswirkungen der Rationalisierung auf die Heimarbeit vorzunehmen. Der Gewerkverein beginnt nun die Ergebnisse seiner vom September 1923 bis Februar 1930 durch- geführten Untersuchungen vorzulegen. Bei dem vielgestaltigen Bild der in der Heimarbeit herrschenden Arbeitsteilung— von der Heimarbeiterin, die nur noch einen Handgriff zu machen hat, bis zu der Arbeiterin, die das ganze Stück von Ansang bis zu Ende herstellt— ist es eine wichtige Feststellung, daß die Heiniarbeiterschaft noch säst immer ohne Maschinen arbeitet Häkelnadel, Stickrahmen» Schere. Plätte, Falzbein, Hammer, Pinsel, Leimtopf usw. sind die Werkzeuge auch in der modernen rationalisierten Wirtschaft, und die Nähmaschine war und ist die Maschine der Heimarbeit. Aller- dings könnte der Motor größere allgemeine Bedeutung für die Heim- arbeit gewinnen— wenn nicht die Kurzarbeit auch hier den kargen Verdienst so unterhöhlt hat, daß die Kosten der Anschaffung eines Motors unerschwinglich sind, zum anderen haben viele der elenden Quartiere der Heimarbeiter keinen elektrischen Anschluß. t Wo aber im übrigen Heimarbeit und Maschine in Beziehung zueinander getreten sind, da hat die Maschine die Heim- arbeit verdrängt. Diese Auswirkung der Rationalisierung aus die Arbeitsoerteilung macht sich in der Heimindustrie auf ver- schiedene Arten bemerkbar. Einige Branchen haben statt einer Ver- einheillichung der Erzeugnisse einen weit höusigeren Modewechsel der Erzeugnisse erfahren, statt Lagerarbeit ist man hier also zur Auftragsarbeit übergegangen, und die Folge für die Heimarbeit ist, daß volle Saisonbeschäftigung mit Wochen völliger Arbeitslosigkeit wechseln. Andere Branchen„gehen" so wenig, daß die Heimarbeit kurz arbeiten muß— handgestickte Namen z. B. verschwinden nicht völlig, werden aber wenig oerlangt. Schließlich ist in einzelnen Branchen— erinnert wird an das Knüpfen von Ftotnetzen, das Handklövpeln— die Heimarbeit völlig abgedrängt. Der Wunsch nach sojfialer Verteilung der Heimarbeit an diejenigen, die allein aus Heimarbeit angewiesen sind, ist demgemäß groß. Mit 40 zu alt und warum? Der amerikanische Nationalbund berufstätiger Frauen hat nach einer Zeitungsmeldung eine Erhebung darüber veranstaltet, warum es Frauen von �0 Jahren so erschwert ist,«ine Stellung zu finden, und die Leiterin der Erhebung hebt in ihrem Bericht hervor, daß es sogar den 30jährigen Angestellten schon schwer wird, unterzu- kommen. Die Arbeitgeber führten in ihren Antworten vor allem als Grund ihrer ablehnenden Haltung gegenüber diesen„älteren" Angestellten an, daß„ältere Frauen sich nur schwierig in die Arbeits- bedingungen finden, an allem etwas auszusetzen haben, die jüngeren Frauen aufreizen(!) und an allem und jedem etwas auszusetzen haben".— Ach ja— die jungen Mädchen von 18 sind so viel an- spruchsloser— besondersimGehaltl Als der Zentralverband der Angestellten im vorigen Jahre seine Erhebung über die weib- lichen Angestellten durchführte, zeigten sich In einer Fülle von Rand- bemerkungen der befragten Angestellten sehr deutlich die wahren Gründe, warum Angestellte schon Ende 20 al»„zu alt" gelten— weil die jüngeren billiger und hübscher sind!„Als ich bei einem Monatseinkommen von ISS Mk. um Erhöhung meiner Bezüge bat," schrieb eine SOjährige Buchhalterin,„wurde mir die Stellung ge- kündigt mit der Begründung, daß für dies Geld massenhaft pen- sionierte Rechnungsräte zu haben seien". Nicht nur pensionierte alt« Beamte, auch die jungen, flotten und so niedlich aussehenden Mädchen sind für die geringen Gehälter leicht zu haben. In Amerika ist diese tragische Situation der älteren Angestellten nicht anders als in Deutschland. Ehauffeuse und Maserniante. In Berlin werden bereits ein Fünftel aller Führer- scheine für Automobile von Frauen erworben Häufig tauchen im Stellenmarkr der Zeitungen schcn die Anzeigen aus, in denen eine„Sekretärin, sichere Fahrerin", Stellung sucht. Dagegen scheint es ein Witz, was das„Stuttgarter Neue Tagblatt" unter der Rubrik „Neue Frauenberufe" ernsthaft über den neuentdeckten aussichts- reiche» Beruf der„Moserntante" berichtet:„Nicht alle Krankheiten sind bekanntlich so sckwer, daß der oder die Erkrankte ein Kranken- haus aufsuchen oder eine Schwester haben inüssen. Doch wer nimmt sich des Patienten an? Wer sorgt vor allem für die an einer Kinder- krankheit erkrankten Kinder? Die Eltern hat»«» selten dazu Zeit(!) und zudem können die Krankheiten eus die gesunden Kinder über- tragen«nerdeir Da erinnert« man sich früher einer alleinstehenden Verwandten, der„Maserntante', die schnell kommen und helfend einspringen mußte. Möglich, daß sich die Erinnerung wieder neu belebte: die Maserntanle ist heut« ein Beruf. Es sind zumeist ältere Frauen. Witwen,„alle Jungsern' oder kinderlose Ehesrauen, die irgendeine Einnahmequelle oder Bescräftigung haben müssen, Kinder gern mögen und gegen etwaige Ansteckung gefeit sind.(?!) Sie päppeln die Kleinen und unterhalten genesende Kranke. Besonders Alleinstehende bedienen sich gern der sogenannten Maserntante, um feine teure Pflegerin nehmen zu müssen. Verschiedene Gemeinden und Stadtbezirke(wo?) haben Majerntanien eingestellt.' Ist das nun ein Zeikirrtum, die Maferutanle aus der„guten alten Zeit' im Zeitaltei! der Chauffeufen— oder ist es eine unlauter« Kon- kurrenz gegen dle Krankenschwestern?, Hebung der Berufsfreude. Ein Warenhaus tn Boston hat.zur ftebung der Bernfssreudig- keit" jeden Morgen vor Beginn der Arbeit eine halbe Stunde Tanz eingeführt(der in die Arbeitszeit mit eingerechnet ist), an dem sich das ganze Personal beteiligen muß. Die Geschäftsleitung be- hauptet nach ihren Erfahrungen, daß durch die halbe Stunde Frühtanz die Verkaujssreudigkelt des Personals wesentlich gehoben werde. — Was sagen Tietz und Karstadt dazu? Ein Tänzchen vor Tisch macht fröhlich und frischt L. L. Goethes Mutter. Zu ihrem 200 Geburtstag am 19. Februar. „Elisabeth, er lebt!" Klang es nicht wie Sphärenmusik, wie bremsender vrgelHesang tn das Ohr der jungen Wöchnerin, die, noch fast betäubt von den rasendsten Schmerzen» die die Mutterschajt mit sich bringt, sich kaum bewußt war, daß sie eben geHolsen hatte, das größte Winderwert der Natur, die Menschwerdung, zu vollbringen. lind ihr eben noch so banges herz erfüllte das Glücksgefühl, das jede Mutter empfindet, der man ihr ireugeborenes Kind in be» Arm legt:„Er lebt." Di« junge Wöchnerin, die Tochter des Schultheißen T e x t o r, in Frankfurt, war dt« llljährige Frau Rat Goethe. Und das Kind, das in ihren Arn? gelegt wurde, sollt« einer der größte» Deut- schcn werden. Für die Mutter aber blieb dieser große immer der geliebie h u t s ch e l h a n s, ob er auch Minister»der Geheimrat wurde.„Elisabeth, er lebt," wie oft mag sie noch ni späteren Jahren an diesen Ruf gedacht haben, wenn immer wieder Kunde zu ihr ge- tangle vom Ruhme Ihres Sohnes. Ist es nicht auch für uns heut« ein herrliches Bewußifein, daß einst dieser Ruf erklungen ist? Goethe hat einmal den Ausspruch getan, seine Idee von den Frauen sei ihm angeboren odei in ihm entstanden: er wisse nicht wie. Wir jedenfalls wissen, wie diese Idee tn ihm let>endig wurde. Wenn der Dichter in jeder Frau das Ewige suchte, das im Weiblichen liegt, so ist es der Frau zu danken, die ihm das Leben gab. Sie wußte.-„Kinder brauchen Liebe!" Wie ein Stern leuchleie die Mutterliebe über Garthes Leben. Was die Muter dem Dichter mitgab, hat er jo wunderschön zusammen- gefaßt in den Worten:„Dom Mütterchen die Frlchnatur'. Die Frohnotur Ist das tiefe menschliche Empfirkden, das alle Menschen bezauberte, die dos Glück hatten, der Mmter oder den, Sohne zu nahe zu konnnen, jene olympische ftetterketi, die es vermag, in Ab- geklärllM mit den Ereignissen des Lebens serrg zu werden, Goethes Muter hat von sich gesagt, sie habe ihren Kindern im Alter gar so nahe gestanden. Das triebhaft kindliche, da» sie vor allem mit dem Sohne verband, hat sie sich bis ins hohe Alter bewahrt Sie war dem Sohn im eigentlichen S»me des Wortes nie Respetsperjon, wohl aber die mütterliche Freun- d l n, der er seine Freude wie seine Leiden anvertraut« und die ihn immer verstand. Die auch dem Kinde Märchen erzählte, so daß es von ihr d!« Lust am Fabulieren erbte. Und die mit dem Jüngling lachte und schwärmte. Und wenn Goethe wiederum seinen Faust von den Mütöorn mit Schaudern und Ehrfurcht sprechen läßt, so ahnen wir, daß die eigene Mutter den Grund gelegt hat zu der Ehrfurcht, mit der der Dichter die Mutterschaft hellig hielt Das schönste Denkmal, daß der Sohn seiner Mutter gesetzt hat, ist die Gcstal, der Elisabeth im„Götz von Berlichingen". Dies« Frau mit dem freien, edlen Herzen, dieses Urbild geistiger und körper- sicher Gelundhelt trägt so viele Züge der Frau Asa— wie die Frau Rat heute noch genanick wird—, daß wir die Wahrheit in der Dichtung und die Dichtung In der Wahrheit lieben müssen. Bon der Mutter kommt Goethe dle Erkennwlz, daß die geringfügigste Tätig- i. keit der Frau zum Ausdruck ihres Seelenlebens werden kann. Diese Erkenntnis kehrt in seinen dichterischen Gestalten immer wieder. Wie Werther das Hausmütterchen Lotte zum«rstemnal erblickt, als sie im Bollkleid« den Geschwistern Brot schneidet, wie D o r o- thea in„Hermann und Dorahea' die Ochsen lenkt, die Wasserkrüge füllt, die Wöchnerin und ihr Neugeborenes pflegt:„Jtjr Leben ist immer ein ewiges Gehen und Kommen oder ein Heben und Tragen, Bereiten und Schaffen für andere.' So finden wir die Mutter auch in Hermanns Mutter wieder. In ernsten Gedanken versunken um dos Schickjal des Sohnes, geht sie im Garten aus und ab. Aber st« versäumt dabei nicht, die Raupen vom Kohl zu entfernen:«Denn ein geschäftiges Weib tut keine Schritte vergebens." Nichts am häuslichen Regieren der Frau ist unwichtig für Goethe, denn er kannte das Schalten und Watten der Mutter daheim. Am höchsten steht ihm dle Frau als M u t t e r. In einem jungen Weibe, das ihr Kind im Arme hält, sieht er die Ilrgestalt des menschlichen Lebens: „Es ist nichts reizender, als eine Muttor zu sehen mit ihrem Kinde auf dem Arm, und nichts ehrwürdiger, als ein« Mutter unter vielen Kindern." In der Besprechung der ersten Ausführung des„Götz" in Frank- furt wird der Ausspruch eines Dichters erwähnt, den dieser nach einer UnterhÄKing mit Goethes Muttor tat:„Run kann ich de- greifen, wie Goethe der Mann geworden ist." Das ist wohl das beredteste Zeugnis dafür, wie viel Goethe seiner Mutter donkl. Viel« leicht ist es auch Heimweh nach der fernen Mutter, daß gerade das Mütterliche in Charlotte von Stein dem Dichter die so viel älter« Frmi anziehend macht. Aber das Mutterherz vermag selbst- loser zu lieben als die Geliebte. Die Mutter weiß,.chaß ein Hungernder an einer gut besetzten Tafel weder an Vater und Mu ter, weder an Freund und Geliebte denkt, bis fein Hunger gestillt ist". Deshalb begreift die Mutter, daß es den Sohn nach dem Lande seiner Sehnsucht, nach Italien zieht. Sie tritt bescheiden zurück. Die Geliebt« aber zürnt, daß der Freund von ihr geht, um den Hunger seiner Seele zu stillen. Am wärmsten kommt das tiefe Verständnis der Mutter für den Sohn zum Ausdruck in der liebevollen Güte, mit der sie Ehrt» st i a n e V u l p i u s an ihr Lzerz nimmt. Von allen wird ChMians geschmäht und gemieden. Der Mutter jedoch ist sie die vielgeliebt« Tochter. Die Mutter findet in Christiane die eigene Natürlich- kell und Fröhlichkeit wieder, und daher ist ja auch die Anziehungs- kraft Christtanes auf Goethe zu erklären. Es ist wie ein Ring, der sich schließt von der Mutter zu der Geliebten. Und wie erhöht sich Frau Ajas Glück, als sie Großmutter wird! Freilich, ln die Zeitung kann sie die Nachricht von der Geburt des(damals noch unehelichen) Enkels nicht setzen. Aber über die großmütterliche Eikelkeit geht der Trost, daß ihr Hätschelhans„vergnügt und glückilichcr ist als in einer fatalen Ehe". Ihre Frohnawr schätzt gerade die Fröhlichkeit Chrrstianes so sehr. „(fröhliche Menschen sind in der Regel auch gute Menscheu." heißt es im„Götz". Diese Fröhlichkeit hat sich Goethes Mutter be- wahrt bis zuletzt. Nie hat sie Anfpröche an ihren Sohn gestellt. Nie hat sie den Ehrgeiz gehabt, sich in Weimar im Ruhm« der Mutter des Ministers zu zeigen. Mit mütterlicher Lieb« verfolgte sie au» der Ferne alles, was der Sohn von feinen Erfolgen berichtete. Mit offenen Armen nahm sie ibn auf, wenn er in dem schönen Patrizier- Haus einkehrte, das die Mutter noch lange als Witwe weiter be- wohnte, Ihr war es immer das höchst« Glück, sich sagen zu können: „Elisabeth, er lebt." Und als es dann(1898! ans Sterben ging, da erwartete sie den Tod gefaßt, ja, heiter.„Eine Empfehlung von der Rat.' ließ sie antworten» als eine Einladung zu Ihr kam,„sie könnt' nimmermehr kommen, weil es jetzt ans S-erben ginge." „Lerne sie kennen," schrieb Bettina dem Sohne,„wie weis« und liebeno sie gerade in ihrem iehten Augenblick war und wie gewaltig das Poetische tn ihr!" Anna Bios. Kindergeist. Der kleine Hans kommt aus der Kinderschute noch Hause und erzählt:„Mutti, ich Hab' einen ueuen Freund, der ivill Baumeister werden,— na» der kriegt doch kein« Arbeit". Peter geht zum Bäcker Weber.„Zwei Brötchen möcht' ich!" „Sind alle.„Hast keine?"„Rein."„Warst saul, Onkel Weber» Bäck, hast nich' gebacken?" -t- Ich bekomme Besuch von einer Bekannten. Sie malitt mir Vorwürfe, daß der Junge so altklug ist. Ich höre zerknirscht zu. Pe'er steht daneben. Plötzlich sagt«r:.Letzt mußt du gehen, Frau: weißt,'s ist Zelt!" -i- Peter trudelt sich heran:„Mammi, bitte mach mir mal.. „Ich kann jetzt nicht, Peter, ich muß schaffen!" „Immer mußte!